Dokument: Au 3 K 15.1008

Kontext davor:
Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgetragen , die Klägerin leide seit Mai 2012 an einer zunächst unerkannten Epilepsie .
other
Im Jahr 2013 sei erstmals ein epileptischer Anfall als solcher erkannt worden .
subsumption

Satz: Die Klägerin habe sich daher ( am 15. 10. 2013 ) in psychotherapeutische Behandlung begeben .

Klassifikation: subsumption

Kontext danach:
Nach einem weiteren epileptischen Anfall im Frühjahr 2014 sei die Epilepsie diagnostiziert und die Klägerin u. a. stationär behandelt worden .
subsumption
Die Diagnose dieser Erkrankung habe eine ebenfalls ärztlich diagnostizierte Angststörung ausgelöst .
subsumption
Da die epileptischen Anfälle nur in der Nachtzeit aufgetreten seien und die Klägerin in B. im Falle eines weiteren schweren Anfalls hilflos gewesen wäre , habe sie sich - wie von ihrer Psychotherapeutin und ihrem Neurologen befürwortet - entschlossen , zu ihren Eltern zurückzuziehen , bis die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung nachgewiesen gewesen sei .
subsumption
Die Klägerin habe sich an die Studienberatung der Universität A. gewendet , um einen Wechsel nach A. vorzubereiten .
subsumption
Sie habe dort die Auskunft erhalten , dass zwischen Universitäten nur vollständige Module anerkannt werden könnten sowie , dass sie sich für das dritte Fachsemester in ihrem Lehramtsstudium bewerben solle .
subsumption
Entgegen der von der Studienberatung prognostizierten „ großen Wahrscheinlichkeit “ habe die Klägerin keinen Studienplatz erhalten .
subsumption
In einem zweiten Termin bei der Studienberatung am 25. September 2014 , der von der zuständigen Mitarbeiterin ( Frau G. A. ) bestätigt worden sei , sei ihr geraten worden , kurzzeitig zum Lehramtsstudium an Mittelschulen zu wechseln , um die Möglichkeit zu haben , ohne Unterbrechung ihres Studiums Leistungen zu erbringen und Scheine zu erwerben , die auf das Lehramtsstudium an Grundschulen anrechenbar seien .
subsumption
Die Alternative , die der Klägerin sowohl den Studienplatz als auch die Ausbildungsförderung gesichert hätte , wäre eine Beurlaubung gewesen ; hierzu wurde eine E-Mail der Studienkanzlei B. ( vom 28. 6. 2015 ) vorgelegt .
subsumption
Die Klägerin habe jedoch ihr Studium fortsetzen wollen ; es entspreche schon der allgemeinen Lebenserfahrung , dass eine Krankschreibung und Beurlaubung für eine Wiedergenesung und insbesondere die begleitende Angststörung kontraproduktiv gewesen wären .
subsumption
Nachdem die medikamentöse Behandlung angeschlagen habe , habe sich die Klägerin in B. erneut für das Lehramtsstudium an Grundschulen beworben .
subsumption
Sie habe hierzu die Mitteilung erhalten , dass sie sich frühestens zum Wintersemester 2015/2016 bewerben könne ( s. o. g. E-Mail vom 28. 6. 2015 ) .
subsumption
Es liege kein Abbruch der Ausbildung und kein ( dauerhafter ) Wechsel der Fachrichtung vor .
subsumption
Zwar stelle der Wechsel zwischen Lehramtsstudiengängen grundsätzlich einen Fachrichtungswechsel dar ; § 7 Abs. 3 BAföG bedürfe jedoch der grundrechtskonformen Auslegung .
subsumption
Schon die Systematik der Norm und der Vergleich mit der zweiten Tatbestandsalternative eines Abbruchs der Ausbildung zeigten , dass ein vorübergehender Wechsel kein Fachrichtungswechsel sein könne .
subsumption
Ein Abbruch sei endgültig ; dementsprechend müsse auch ein Fachrichtungswechsel von Dauer sein .
subsumption
Dies sei bei der Klägerin nicht der Fall .
subsumption
Zudem sei der Klägerin seitens der Studierendenberatung nahegelegt worden , sich für das Lehramtsstudium für Mittelschulen einzuschreiben .
subsumption
Diese Beratung müsse sich der Beklagte zurechnen lassen .
subsumption
Bei der Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs des unabweisbaren Grundes sei daher das Vorverhalten des Beklagten zu berücksichtigen .
subsumption
Kein Fachrichtungswechsel , sondern lediglich eine Schwerpunktverlagerung liege vor , wenn der Auszubildende eine Bescheinigung der zuständigen Stelle vorlegen könne , in der bestätigt werde , dass die im zunächst durchgeführten Studiengang erbrachten Semester auf den anderen Studiengang im Einzelfall voll angerechnet werden .
subsumption
Dem müsse der Fall der Klägerin gleichstehen , da in einem temporären Zwischenstudium ( Lehramt an Mittelschulen ) erbrachte Leistungen auf das zunächst durchgeführte und eigentlich erstrebte Hauptstudium ( Lehramt an Grundschulen ) voll angerechnet werden könnten .
subsumption
Die Studienberatung habe den Wechsel der Lehramtsart unter Hinweis auf die Anrechenbarkeit der Leistungen nahegelegt . § 1 BAföG wolle vor dem Hintergrund des Rechts eines Auszubildenden , Beruf , Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen , des Gleichheitssatzes und des Sozialstaatsprinzips auch solchen Studierwilligen eine universitäre Ausbildung ermöglichen , die andernfalls nicht die notwendigen finanziellen Mittel für ein Studium hätten .
subsumption
Der Klägerin stehe ein derivatives Teilhaberecht im Sinne eines Verteilungsverfahrens zu , das die Chancengleichzeit wahre .
subsumption
Der Fall der Klägerin entspreche nicht dem Normalfall des Fachrichtungswechsels , der ohne anerkennungswürdige Motivation erfolge .
subsumption
Der vorübergehende Wechsel sei hier „ aus der Not geboren “ gewesen .
subsumption
Diesem Sonderfall sei bei der Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs eines unabweisbaren Grundes Rechnung zu tragen .
subsumption