Dokument: Au 1 K 17.31916

Kontext davor:
b ) Hiervon kann im Fall der Klägerin nicht ausgegangen werden .
other
Das Gericht ist der Überzeugung , dass die Klägerin im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien nicht Gefahr liefe , dort auf derart schlechte humanitäre Bedingungen zu stoßen , dass die Abschiebung eine Verletzung des Art . 3 EMRK darstellen würde .
subsumption

Satz: Es wird dabei nicht verkannt , dass die Lebensumstände in Äthiopien äußerst schwierig sind .

Klassifikation: subsumption

Kontext danach:
Ausweislich des Lageberichts des Auswärtigen Amts werden Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld , Sozialhilfe , Kindergeld o. ä. von der äthiopischen Regierung nicht erbracht .
subsumption
Rückkehrer können nicht mit staatlicher Unterstützung rechnen ( Auswärtiges Amt , Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage in Äthiopien vom 22. 3. 2018 , Stand : Februar 2018 - im Folgenden : Lagebericht - , S. 23 ) .
subsumption
Äthiopien ist bei etwa 92 Mio. Einwohnern mit einem jährlichen Brutto-National-Einkommen von etwa 410 US-Dollar pro Kopf eines der ärmsten Länder der Welt ( Platz 174 von 188 im Human Development Index ) .
subsumption
Ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze .
subsumption
Etwa 77 % der Bevölkerung hatten im Jahr 2011 weniger als zwei US-Dollar pro Tag zur Verfügung .
subsumption
Die Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist in Äthiopien nicht in allen Landesteilen und zu jeder Zeit gesichert .
subsumption
Die Existenzbedingungen in Äthiopien sind für große Teile der Bevölkerung , insbesondere auf dem Land , äußerst hart und schwierig .
subsumption
Für die Feststellung eines Abschiebungshindernisses nach § 60 Abs. 5 AufenthG i. V. m. Art . 3 EMRK wäre jedoch notwendig , dass die Klägerin durch eine Rückführung in ihr Heimatland einer Extremgefahr ausgesetzt werden würde .
other
Dies kann nur angenommen werden , wenn sie im Falle einer Abschiebung gleichsam sehenden Auges dem sicheren Tod ausgeliefert oder erheblichen Gefahren für Leib , Leben oder Freiheit ausgesetzt sein würde ( BVerwG v. 17. 10. 1995 , BVerwGE 99 , 324 ; v. 19. 11. 1996 , BVerwGE 102 , 249 sowie v. 12. 7. 2001 , BVerwGE 115 , 1 ) .
definition
Für eine solche Extremgefahr liegen selbst unter Berücksichtigung der aktuell äußerst schwierigen wirtschaftlichen und humanitären Bedingungen in Äthiopien sowie der individuellen Umstände der Klägerin keine ausreichenden Anhaltspunkte vor .
subsumption
Die Klägerin ist eine arbeitsfähige Frau , die über verwandtschaftliche Beziehungen in ihrem Heimatland verfügt .
subsumption
Sie hat dort ihre Mutter , zwei ältere Schwestern , zwei ältere Brüder sowie ihre Großfamilie .
subsumption
Wie sie in der mündlichen Verhandlung selbst angab , hat sie jedenfalls noch zu einem ihrer Brüder über Facebook Kontakt .
subsumption
Das Gericht geht davon aus , dass die Familie die Klägerin zumindest in der Anfangszeit so weit unterstützen wird , dass sie auf diese Weise ihr Existenzminimum wird sichern können .
subsumption
Die Mutter der Klägerin hat sie bereits in der Vergangenheit unterstützt , sie in Äthiopien versorgt und ihr sogar Geld nach Libyen geschickt , damit sie die Reise nach Europa finanzieren konnte .
subsumption
Das Gericht geht weiter davon aus , dass die Familie der Klägerin sie auch im Falle der Kenntnis von ihrem unehelich geborenen Sohn zumindest so weit unterstützen wird , dass sie ihre existenziellen Bedürfnisse wird befriedigen können und nicht Gefahr laufen wird , dem sicheren Tod ausgeliefert oder erheblichen Gefahren für Leib , Leben oder Freiheit ausgesetzt zu sein .
subsumption
Soweit die Klägerin geltend macht , ihre Familie würde sie ausschließen , wenn sie von ihrem unehelichen Kind erfahren würde , ist das Gericht der Überzeugung , dass sie jedenfalls von irgendeinem Mitglied der Großfamilie eine Mindestunterstützung dahingehend erfahren wird , dass sie nicht in eine existenzielle Not geraten wird .
subsumption
Es ist nicht nachvollziehbar und das Gericht hält es auch angesichts des in Äthiopien bekannten familiären Zusammenhalts nicht für beachtlich wahrscheinlich , dass die gesamte Familie der Klägerin sie wegen eines unehelichen Kindes , das ( ohne moralisch und gesellschaftlich vorwerfbares sexuelles Verhalten der Klägerin ) durch eine Vergewaltigung hervorgegangen ist , wird fallen lassen und sie sehenden Auges in Todes- oder Leibesgefahr bringen wird .
subsumption
Das Gericht ist daher insgesamt der Überzeugung , dass die Familie sie nicht aufgrund ihres außerehelichen Kindes verhungern lassen wird und die Klägerin zumindest mit familiärer Unterstützung ihr Existenzminimum wird sichern können .
subsumption