Dokument: Au 3 K 14.1741

Kontext davor:

Satz: Im Prüfungsrecht sind Nachteilsausgleich und Notenschutz zu unterscheiden .

Klassifikation: other

Kontext danach:
Als „ Notenschutz “ werden allgemein alle Maßnahmen angesehen , die auf die Bevorzugung des einzelnen Prüflings gerichtet sind , da diesem gegenüber auf bestimmte Leistungsanforderungen verzichtet wird , die allen anderen Prüflingen abverlangt werden .
definition
Notenschutz berührt den anerkannten und insbesondere im Prüfungsrecht maßgeblichen Grundsatz der Chancengleichheit ( Art . 3 Abs. 1 GG , ggf. i. V. m. Art . 12 Abs. 1 GG ) aller Prüflinge .
definition
Auf Notenschutz gibt es auch im Hinblick auf das in Art . 3 Abs. 3 Satz 2 GG geregelte Benachteiligungsverbot für körperlich eingeschränkte oder sonst behinderte Prüfungsteilnehmer keinen verfassungsrechtlich begründeten Anspruch .
subsumption
Maßnahmen des Notenschutzes kommen daher nur auf der Grundlage einer ausdrücklichen gesetzlichen Ermächtigung in Betracht .
subsumption
Auf „ Nachteilsausgleich “ besteht hingegen - gestützt auf den Grundsatz der Chancengleichheit - ein verfassungsrechtlicher Anspruch deshalb , da der Nachteilsausgleich es dem behinderten Prüfungsteilnehmer lediglich unter Wahrung der für alle Prüflinge geltenden Leistungsanforderungen ermöglichen soll , sein tatsächlich vorhandenes ( „ wahres “ ) Leistungsvermögen nachzuweisen .
subsumption
Nachteilsausgleich darf nur insoweit gewährt werden , als dies zur Herstellung der Chancengleichheit erforderlich ist .
definition
Die Überkompensation der Behinderungen des Prüfungsteilnehmers durch Art oder Umfang des gewährten Nachteilsausgleichs führt zu einer Verletzung der Chancengleichheit der anderen Prüfungsteilnehmer und ist insoweit unzulässig .
subsumption
Die Abgrenzung zwischen Maßnahmen des Nachteilsausgleichs und des Notenschutzes ist dann besonders schwierig , wenn sich die körperlichen Einschränkungen oder sonstigen Behinderungen auf das spezifische Leistungsvermögen des Prüfungsteilnehmers auswirken , das - wie etwa im Fach Deutsch die Fehlerfreiheit der Rechtschreibleistungen des Prüflings - gerade Gegenstand der von ihm geforderten Prüfungsleistung ist ( vgl. zum Ganzen : BayVGH , U. v. 28. 5. 2014 - 7 B 14.23 - juris Rn . 17 - 19 ) .
subsumption