Title: Anlage 4 Überwachung des chemischen Grundwasserzustands und der Schadstofftrends

Description:
Verordnung zum Schutz des Grundwassers (GrwV 2010)
Anlage 4 Überwachung des chemischen Grundwasserzustands und der Schadstofftrends

Paragraph: 15

Content:
Verordnung zum Schutz des Grundwassers (GrwV 2010)
Anlage 4 Überwachung des chemischen Grundwasserzustands und der Schadstofftrends

(Fundstelle: BGBl. I 2010, 1523 - 1524; bzgl. einzelner Änderungen
vgl. Fußnote)

1.  Einrichtung und Betrieb von Messnetzen

    1.1 Zur Überwachung des chemischen Grundwasserzustands sind Messnetze zur
        Überblicksüberwachung und gegebenenfalls zur operativen Überwachung
        einzurichten.

    1.2 Die Messnetze müssen so errichtet und betrieben werden, dass eine
        kohärente, umfassende und repräsentative Übersicht über den chemischen
        Grundwasserzustand in jedem Grundwasserkörper gegeben ist sowie
        signifikante und anhaltende steigende Trends von
        Schadstoffkonzentrationen im Sinne von § 1 Nummer 3 sowie deren Umkehr
        erkannt werden können. Dabei ist sicherzustellen, dass

        1.2.1 signifikante und anhaltende steigende Trends hinreichend zuverlässig,
            genau und so früh wie möglich erkannt und die Umkehr solcher Trends
            hinreichend zuverlässig und genau nachgewiesen werden,

        1.2.2 die zeitabhängigen physikalischen und chemischen Eigenschaften des
            Grundwasserkörpers, einschließlich des Grundwasserströmungsverhaltens,
            der Grundwasserneubildungsraten sowie die Verweilzeit von Sicker- und
            Grundwasser im wassergesättigten und -ungesättigten Untergrund
            berücksichtigt werden.

    1.3 Die Messnetze oder sonstigen einschlägigen Überwachungsergebnisse
        müssen bei Grundwasserkörpern, aus denen mehr als 100 Kubikmeter
        Grundwasser pro Tag zur Trinkwasserversorgung entnommen werden, zur
        Feststellung geeignet sein, ob das gewonnene Wasser unter
        Berücksichtigung der jeweils angewendeten Aufbereitungsverfahren den
        Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.

    1.4 Die Messnetze sind im Bewirtschaftungsplan für die Flussgebietseinheit
        in einer oder mehreren Karten in einem geeigneten Maßstab
        darzustellen.

    1.5 Berechnungen oder Schätzungen des Zuverlässigkeits- und
        Genauigkeitsgrades der im Rahmen der Überwachung ermittelten
        Ergebnisse sind für die Erstellung des Bewirtschaftungsplans
        festzuhalten.

    1.6 Die Ergebnisse der Überblicksüberwachung sind zur Ermittlung der
        Grundwasserkörper heranzuziehen, für die eine operative Überwachung
        vorzunehmen ist.

2.  Überblicksüberwachung

    2.1 Die Überblicksüberwachung dient dazu,

        2.1.1 Verfahren zu ergänzen und zu validieren, mit denen die Auswirkungen
            menschlicher Tätigkeiten auf das Grundwasser beurteilt werden können,
            und

        2.1.2 Trends zu erkennen und zu beurteilen.

    2.2 Unbeschadet der Anforderungen nach Nummer 1.2 ist eine ausreichende
        Zahl von Messstellen auszuwählen

        2.2.1 für gefährdete Grundwasserkörper und

        2.2.2 für Grundwasserkörper, die sich über die Grenzen der Bundesrepublik
            Deutschland hinaus erstrecken.

    2.3 Es müssen folgende Parameter bei allen ausgewählten Grundwasserkörpern
        gemessen werden:

        2.3.1 Sauerstoff,

        2.3.2 pH-Wert,

        2.3.3 elektrische Leitfähigkeit,

        2.3.4 Nitrat,

        2.3.5 Ammonium.

    2.4. Um die Auswirkungen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das
        Grundwasser beurteilen zu können, sind die betroffenen
        Grundwasserkörper auch auf pflanzenschutzrechtlich nicht relevante
        Metabolite hin zu überwachen.

    2.5 Die gefährdeten Grundwasserkörper sind zusätzlich auch auf die
        Parameter hin zu überwachen, die die Auswirkungen der Belastungen
        anzeigen.

    2.6 Grundwasserkörper, die sich über die Grenzen der Bundesrepublik
        Deutschland hinaus erstrecken, sind zusätzlich auf die Parameter hin
        zu überwachen, die für den Schutz aller mit dem Grundwasserfluss
        verknüpften Verwendungszwecke von Bedeutung sind.

3.  Operative Überwachung

    3.1 Die operative Überwachung ist durchzuführen, um

        3.1.1 den chemischen Grundwasserzustand der gefährdeten Grundwasserkörper
            festzustellen und

        3.1.2 langfristige durch menschliche Tätigkeiten bedingte Trends
            festzustellen.

    3.2 Die Messstellen der operativen Überwachung sind so auszuwählen, dass
        die gewonnenen Daten für den Grundwasserzustand des Grundwasserkörpers
        repräsentativ sind.

    3.3 Die zu untersuchenden Parameter sind im Einzelfall unter
        Berücksichtigung der Parameter, die zur Gefährdung der Erreichung der
        Ziele beitragen, festzulegen.

    3.4 Die operative Überwachung ist in Intervallen durchzuführen, die
        ausreichen, um die Auswirkungen der Belastungen feststellen zu können,
        mindestens jedoch einmal jährlich.

    3.5 Die operative Überwachung muss geeignet sein, die Wirksamkeit der
        Maßnahmen zur Zielerreichung zu belegen.

(zu § 5 Absatz 2 Satz 1 und 2 und Absatz 3)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/grwv_2010/__15.html
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