Title: § 43 Allgemeine Berufspflichten

Description:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 43 Allgemeine Berufspflichten

Paragraph: 43

Content:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 43 Allgemeine Berufspflichten

(1) Berufsangehörige haben ihren Beruf unabhängig, gewissenhaft,
verschwiegen und eigenverantwortlich auszuüben. Sie haben sich
insbesondere bei der Erstattung von Prüfungsberichten und Gutachten
unparteiisch zu verhalten.

(2) Berufsangehörige haben sich jeder Tätigkeit zu enthalten, die mit
ihrem Beruf oder mit dem Ansehen des Berufs unvereinbar ist. Sie haben
sich der besonderen Berufspflichten bewusst zu sein, die ihnen aus der
Befugnis erwachsen, gesetzlich vorgeschriebene Bestätigungsvermerke zu
erteilen. Sie haben sich auch außerhalb der Berufstätigkeit des
Vertrauens und der Achtung würdig zu erweisen, die der Beruf
erfordert. Sie sind verpflichtet, sich fortzubilden.

(3) Wer Abschlussprüfer eines Unternehmens von öffentlichem Interesse
nach § 316a Satz 2 des Handelsgesetzbuchs war oder wer als
verantwortlicher Prüfungspartner im Sinne der Sätze 3 oder 4 bei der
Abschlussprüfung eines solchen Unternehmens tätig war, darf dort
innerhalb von zwei Jahren nach der Beendigung der Prüfungstätigkeit
keine wichtige Führungstätigkeit ausüben, nicht als Mitglied des
Aufsichtsrats, des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats oder des
Verwaltungsrats tätig sein und sich nicht zur Übernahme einer der
vorgenannten Tätigkeiten verpflichten. Satz 1 gilt mit der Maßgabe,
dass die Frist ein Jahr beträgt, entsprechend für

1.  Personen, die als Abschlussprüfer oder verantwortliche Prüfungspartner
    gesetzliche Abschlussprüfungen eines sonstigen Unternehmens
    durchgeführt haben,

2.  Partner und Mitarbeiter des Abschlussprüfers, die zwar nicht selbst
    als Abschlussprüfer oder verantwortlicher Prüfungspartner tätig, aber
    unmittelbar am Prüfungsauftrag beteiligt waren und die als
    Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer oder EU- oder EWR-
    Abschlussprüfer zugelassen sind, und

3.  alle anderen Berufsangehörigen, vereidigten Buchprüfer oder EU- oder
    EWR-Abschlussprüfer, deren Leistungen der Abschlussprüfer des
    Unternehmens in Anspruch nehmen oder kontrollieren kann und die
    unmittelbar am Prüfungsauftrag beteiligt waren.

Verantwortlicher Prüfungspartner ist, wer den Bestätigungsvermerk nach
§ 322 des Handelsgesetzbuchs unterzeichnet oder als Wirtschaftsprüfer
von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als für die Durchführung
einer Abschlussprüfung vorrangig verantwortlich bestimmt worden ist.
Als verantwortlicher Prüfungspartner gilt auf Konzernebene auch, wer
als Wirtschaftsprüfer auf der Ebene bedeutender Tochterunternehmen als
für die Durchführung von deren Abschlussprüfung vorrangig
verantwortlich bestimmt worden ist.

(4) Berufsangehörige haben während der gesamten Prüfung eine kritische
Grundhaltung zu wahren. Dazu gehört es,

1.  Angaben zu hinterfragen,

2.  ungeachtet ihrer bisherigen Erfahrung mit der Aufrichtigkeit und
    Integrität des Führungspersonals des geprüften Unternehmens und der
    mit der Unternehmensüberwachung betrauten Personen die Möglichkeit in
    Betracht zu ziehen, dass es auf Grund von Sachverhalten oder
    Verhaltensweisen, die auf Unregelmäßigkeiten wie Betrug oder
    Unrichtigkeiten hindeuten, zu einer wesentlichen falschen Darstellung
    gekommen sein könnte,

3.  auf Gegebenheiten zu achten, die auf eine falsche Darstellung
    hindeuten könnten, und

4.  die Prüfungsnachweise kritisch zu beurteilen.

Ihre kritische Grundhaltung haben Berufsangehörige insbesondere bei
der Beurteilung der Schätzungen des Unternehmens in Bezug auf
Zeitwertangaben, Wertminderungen von Vermögensgegenständen,
Rückstellungen und künftige Cashflows, die für die Beurteilung der
Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit
von Bedeutung sind, beizubehalten.

(5) Berufsangehörige haben bei der Durchführung von Abschlussprüfungen
ausreichend Zeit für den Auftrag aufzuwenden und die zur angemessenen
Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Mittel, insbesondere – soweit
erforderlich – Personal mit den notwendigen Kenntnissen und
Fähigkeiten, einzusetzen.

(6) Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben darüber hinaus bei
Durchführung der Abschlussprüfung

1.  den verantwortlichen Prüfungspartner insbesondere anhand der Kriterien
    der Prüfungsqualität, Unabhängigkeit und Kompetenz auszuwählen,

2.  dem verantwortlichen Prüfungspartner die zur angemessenen Wahrnehmung
    der Aufgaben erforderlichen Mittel, insbesondere Personal mit den
    notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten, zur Verfügung zu stellen und

3.  den verantwortlichen Prüfungspartner aktiv an der Durchführung der
    Abschlussprüfung zu beteiligen.

Die für die Durchführung einer gesetzlichen Abschlussprüfung bei einem
Unternehmen von öffentlichem Interesse nach § 316a Satz 2 des
Handelsgesetzbuchs verantwortlichen Prüfungspartner beenden ihre
Teilnahme an der Abschlussprüfung des geprüften Unternehmens
abweichend von Artikel 17 Absatz 7 Unterabsatz 1 Satz 1 der Verordnung
(EU) Nr. 537/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.
April 2014 über spezifische Anforderungen an die Abschlussprüfung bei
Unternehmen von öffentlichem Interesse und zur Aufhebung des
Beschlusses 2005/909/EG der Kommission (ABl. L 158 vom 27.5.2014, S.
77; L 170 vom 11.6.2014, S. 66) spätestens fünf Jahre nach dem Datum
ihrer Bestellung.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wipro/__43.html
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