Title: § 3 Praktisches Jahr

Description:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Erster Abschnitt - Die ärztliche Ausbildung
§ 3 Praktisches Jahr

Paragraph: 3

Content:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Erster Abschnitt - Die ärztliche Ausbildung
§ 3 Praktisches Jahr

(1) Das Praktische Jahr nach § 1 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 findet nach
Bestehen des Zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung statt. Es
beginnt jeweils in der zweiten Hälfte der Monate Mai und November. Die
Ausbildung gliedert sich in Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen

1.  in Innerer Medizin,

2.  in Chirurgie und

3.  in der Allgemeinmedizin oder in einem der übrigen, nicht in den
    Nummern 1 und 2 genannten, klinisch-praktischen Fachgebiete.

Die Ausbildung nach Satz 3 kann in Teilzeit mit 50 oder 75 Prozent der
wöchentlichen Ausbildungszeit absolviert werden. Die Gesamtdauer der
Ausbildung verlängert sich entsprechend. Die Universitäten stellen
sicher, dass bis zum Beginn des Praktischen Jahres im Oktober 2015 10
Prozent und bis zum Beginn des Praktischen Jahres im Oktober 2017 20
Prozent der Studierenden an der jeweiligen Universität den
Ausbildungsabschnitt nach Satz 3 Nummer 3 in der Allgemeinmedizin
absolvieren können. Bis zum Beginn des Praktischen Jahres im Oktober
2019 stellen die Universitäten sicher, dass alle Studierenden der
jeweiligen Universität den Ausbildungsabschnitt nach Satz 3 Nummer 3
in der Allgemeinmedizin absolvieren können.

(1a) Die Universität erstellt einen Ausbildungsplan, nach dem die
Ausbildung nach Absatz 1 durchzuführen ist (Logbuch). Die Universität
kann den Studierenden das Logbuch in digitaler Form anbieten.

(2) Die Ausbildung nach Absatz 1 wird in den
Universitätskrankenhäusern oder in anderen Krankenhäusern
durchgeführt, mit denen die Universität eine Vereinbarung hierüber
getroffen hat (Lehrkrankenhäuser). Die Auswahl der Krankenhäuser
erfolgt durch die Universität im Einvernehmen mit der zuständigen
Gesundheitsbehörde. Bei der Auswahl der Krankenhäuser ist die
Universität verpflichtet, eine breite Ausbildung auch in den
versorgungsrelevanten Bereichen zu ermöglichen und einer angemessenen
regionalen Verteilung Rechnung zu tragen. Das Krankenhaus muss
gewährleisten, das Logbuch der Universität einzuhalten. Die
Studierenden haben die Wahl, die Ausbildungsabschnitte nach Absatz 1
Satz 3 entweder in den Universitätskrankenhäusern der Universität, an
der sie immatrikuliert sind (Heimatuniversität), in den
Lehrkrankenhäusern der Heimatuniversität oder in anderen
Universitätskrankenhäusern oder Lehrkrankenhäusern anderer
Universitäten zu absolvieren, sofern dort genügend Plätze zur
Verfügung stehen.

(2a) Die Universitäten können geeignete ärztliche Praxen (Lehrpraxen),
andere geeignete Einrichtungen der ambulanten ärztlichen
Krankenversorgung und geeignete Einrichtungen des öffentlichen
Gesundheitswesens im Einvernehmen mit der zuständigen
Gesundheitsbehörde in die Ausbildung einbeziehen; sie treffen hierzu
Vereinbarungen mit den Lehrpraxen und Einrichtungen. Die jeweilige
Lehrpraxis oder Einrichtung muss gewährleisten, das Logbuch der
Universität einzuhalten. Die Ausbildung nach Absatz 1 in einer
Lehrpraxis oder in einer anderen geeigneten Einrichtung der ambulanten
ärztlichen Krankenversorgung dauert in der Regel höchstens acht Wochen
je Ausbildungsabschnitt. Im Wahlfach Allgemeinmedizin wird die
Ausbildung nach Absatz 1 während des gesamten Ausbildungsabschnitts in
einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis absolviert. In einer
geeigneten Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens kann nur die
Ausbildung in einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete nach
Absatz 1 Satz 3 Nummer 3 absolviert werden. Die Einbeziehung der
Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens in die Ausbildung
erfolgt durch die Universitäten frühestens zum 1. Mai 2022.

(3) Auf die Ausbildung nach Absatz 1 werden Fehlzeiten bis zu
insgesamt 30 Ausbildungstagen angerechnet, davon bis zu insgesamt 20
Ausbildungstagen innerhalb eines Ausbildungsabschnitts. Auf Antrag
kann die zuständige Stelle über Satz 1 hinausgehende Fehlzeiten auf
die Ausbildung anrechnen, wenn eine besondere Härte vorliegt und das
Erreichen des Ausbildungsziels durch die Anrechnung nicht gefährdet
ist. Bei einer darüber hinausgehenden Unterbrechung aus wichtigem
Grund sind bereits abgeleistete Teile des Praktischen Jahres
anzurechnen, soweit sie nicht länger als zwei Jahre zurückliegen.

(4) Während der Ausbildung nach Absatz 1, in deren Mittelpunkt die
Ausbildung am Patienten steht, sollen die Studierenden die während des
vorhergehenden Studiums erworbenen ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten
und Fertigkeiten vertiefen und erweitern. Sie sollen lernen, sie auf
den einzelnen Krankheitsfall anzuwenden. Zu diesem Zweck sollen sie
entsprechend ihrem Ausbildungsstand unter Anleitung, Aufsicht und
Verantwortung des ausbildenden Arztes ihnen zugewiesene ärztliche
Verrichtungen durchführen. Sie sollen in der Regel ganztägig an allen
Wochenarbeitstagen im Krankenhaus anwesend sein. Zur Ausbildung gehört
die Teilnahme der Studierenden an klinischen Konferenzen,
einschließlich der pharmakotherapeutischen und klinisch-pathologischen
Besprechungen. Um eine ordnungsgemäße Ausbildung zu sichern, soll die
Zahl der Studierenden zu der Zahl der zur Verfügung stehenden
Krankenbetten mit unterrichtsgeeigneten Patienten in einem
angemessenen Verhältnis stehen. Die Studierenden dürfen nicht zu
Tätigkeiten herangezogen werden, die ihre Ausbildung nicht fördern.
Die Gewährung von Geld- oder Sachleistungen, die den Bedarf für
Auszubildende nach § 13 Absatz 1 Nummer 2 und Absatz 2 Nummer 2 des
Bundesausbildungsförderungsgesetzes übersteigen, ist nicht zulässig.
Bei einer Ausbildung im Ausland verändert sich diese Höchstgrenze
entsprechend den Maßgaben der Verordnung über die Zuschläge zu dem
Bedarf nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz bei einer Ausbildung
im Ausland um die in § 1 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 dieser Verordnung
aufgeführten Zuschläge. Die Zuschläge nach § 1 Absatz 1 Nummer 2 und 3
dieser Verordnung dürfen der Berechnung der Höchstgrenze nur zugrunde
gelegt werden, wenn die Leistungen ausdrücklich zur Erstattung der
dort genannten Kosten gewährt werden.

(5) Die regelmäßige und ordnungsgemäße Teilnahme an der Ausbildung
nach Absatz 1 ist bei der Meldung zum Dritten Abschnitt der Ärztlichen
Prüfung durch Bescheinigungen nach dem Muster der Anlage 4 zu dieser
Verordnung nachzuweisen.

(6) Wird in der Bescheinigung eine regelmäßige oder ordnungsgemäße
Ableistung des Praktischen Jahres (Absatz 5) nicht bestätigt, so
entscheidet die zuständige Stelle des Landes, ob der
Ausbildungsabschnitt ganz oder teilweise zu wiederholen ist.

(7) Die Ausbildung nach Absatz 1 ist regelmäßig auf ihren Erfolg zu
evaluieren. Die Ergebnisse sind bekannt zu geben.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/_appro_2002/__3.html
Directory: aeappro_2002
Level: 3.0