Title: § 4 Erläuterungsbericht

Description:
Verordnung über die versicherungsmathematische Bestätigung, den Erläuterungsbericht und den Angemessenheitsbericht des Verantwortlichen Aktuars (AktuarV 2016)
§ 4 Erläuterungsbericht

Paragraph: 4

Content:
Verordnung über die versicherungsmathematische Bestätigung, den Erläuterungsbericht und den Angemessenheitsbericht des Verantwortlichen Aktuars (AktuarV 2016)
§ 4 Erläuterungsbericht

(1) Der Verantwortliche Aktuar hat im Erläuterungsbericht anzugeben,
inwieweit nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik eine
Einteilung des Bestandes in Risikoklassen erfolgt ist. Insbesondere
muss er dabei darauf eingehen, inwieweit versicherungstechnische
Risiken und Anlagerisiken berücksichtigt worden sind. Die vorgenommene
Einteilung ist zu begründen; dabei ist auch auf Abweichungen gegenüber
der Einteilung des Vorjahres einzugehen.

(2) Es ist darzulegen, ob die Deckungsrückstellung berechnet wurde

1.  nach einer prospektiven oder einer retrospektiven Methode,

2.  mit expliziter oder impliziter Berücksichtigung der künftigen
    Aufwendungen für den laufenden Versicherungsbetrieb einschließlich
    Provisionen und

3.  einzelvertraglich oder mit statistischen Näherungsverfahren; die
    verwendeten statistischen Näherungsverfahren sind zu erläutern.

(3) Anzugeben sind die bei der Berechnung der Deckungsrückstellung
verwendeten Wahrscheinlichkeitstafeln, Rechnungszinssätze,
Zillmersätze und expliziten Kostensätze für künftige Aufwendungen für
den laufenden Versicherungsbetrieb einschließlich Provisionen. Auf die
Aufwendungen für den laufenden Versicherungsbetrieb einschließlich
Provisionen ist auch bei einem impliziten Ansatz einzugehen.

(4) Es ist darzulegen, dass

1.  alle Leistungen der Versicherungsverträge einschließlich der
    vertraglich oder gesetzlich garantierten Rückkaufswerte, der
    prämienfreien Leistungen und der Überschussanteile, auf die die
    Versicherungsnehmer einen Anspruch haben, gemäß dem Vorsichtsprinzip
    berücksichtigt sind, wobei darauf einzugehen ist, ob dieser Anspruch
    auf der Basis einer individuellen oder einer kollektiven
    Betrachtungsweise besteht,

2.  gegebenenfalls verwendete retrospektive Methoden zu keiner geringeren
    Deckungsrückstellung führen als die Deckungsrückstellung, die sich auf
    der Grundlage einer ausreichend vorsichtigen prospektiven Berechnung
    ergäbe,

3.  die bei der Berechnung der Deckungsrückstellung verwendeten
    Rechnungsgrundlagen angemessene Sicherheitsspannen enthalten,

4.  das Vorsichtsprinzip auch bei der Bewertung der zur Bedeckung der
    Deckungsrückstellung herangezogenen Aktive angewendet wurde und

5.  die Deckungsrückstellung zu jedem Zeitpunkt mindestens so hoch ist wie
    der jeweilige vertraglich oder gesetzlich garantierte Rückkaufswert;
    dies gilt sinngemäß mit der garantierten prämienfreien
    Versicherungsleistung anstelle des garantierten Rückkaufswerts.

Ferner ist eine Einschätzung über die künftige Entwicklung der in den
verwendeten Rechnungsgrundlagen enthaltenen Sicherheitsspannen
abzugeben und zu begründen.

(5) Die nach den Absätzen 2 bis 4 erforderlichen Darlegungen und
Angaben sind für jede Risikoklasse gesondert zu erstellen.

(6) Soweit zusätzliche Rückstellungen gebildet werden zur Abdeckung
von Kosten oder für drohende Verluste aus Optionsrechten, die der
Versicherungsnehmer ausüben kann, oder für Änderungsrisiken, die nicht
individualisiert werden können, sind diese gesondert zu erläutern.

(7) Soweit die Deckungsrückstellung nicht vollständig aus den Prämien
des betreffenden Vertrages finanziert werden kann, sind die
entsprechenden Beträge zur Auffüllung der Deckungsrückstellung
gesondert anzugeben und zu erläutern. Dies gilt entsprechend für
Erhöhungen der Deckungsrückstellungen gemäß § 341f Absatz 2 des
Handelsgesetzbuchs.

(8) Anstelle der nach den Absätzen 1 bis 4 Satz 1 und den Absätzen 5
bis 7 erforderlichen Darlegungen, Angaben und Erläuterungen genügt für
den Altbestand im Sinne des § 336 des Versicherungsaufsichtsgesetzes
und des Artikels 16 § 2 Satz 2 des Dritten Durchführungsgesetzes/EWG
zum VAG vom 21. Juli 1994 (BGBl. I S. 1630, 3134) der Hinweis auf den
aufsichtsbehördlich genehmigten Geschäftsplan unter Angabe der
maßgeblichen Fassung.

(9) Für Pensionskassen gemäß § 1 Absatz 1 Nummer 2 kann, soweit sich
die nach den Absätzen 1 bis 7 erforderlichen Darlegungen, Angaben und
Erläuterungen aus dem aufsichtsbehördlich genehmigten Geschäftsplan
ergeben, auf diesen Geschäftsplan unter Angabe der maßgeblichen
Fassung verwiesen werden. Absatz 4 Satz 2 bleibt hiervon unberührt.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/aktuarv_2016/__4.html
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