Title: § 5a Verschreiben von Substitutionsmitteln mit dem Stoff Diamorphin

Description:
Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln (BtMVV 1998)
§ 5a Verschreiben von Substitutionsmitteln mit dem Stoff Diamorphin

Paragraph: 5a

Content:
Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln (BtMVV 1998)
§ 5a Verschreiben von Substitutionsmitteln mit dem Stoff Diamorphin

(1) Zur Behandlung einer schweren Opioidabhängigkeit können zur
Substitution zugelassene Arzneimittel mit dem Stoff Diamorphin
verschrieben werden. Der substituierende Arzt darf diese Arzneimittel
nur verschreiben, wenn

1.  er ein suchtmedizinisch qualifizierter Arzt ist und sich seine
    suchtmedizinische Qualifikation auf die Behandlung mit Diamorphin
    erstreckt oder er im Rahmen des Modellprojektes „Heroingestützte
    Behandlung Opiatabhängiger“ mindestens sechs Monate ärztlich tätig
    war,

2.  bei dem Patienten eine seit mindestens fünf Jahren bestehende
    Opioidabhängigkeit verbunden mit schwerwiegenden somatischen und
    psychischen Störungen bei derzeit überwiegend intravenösem Konsum
    vorliegt,

3.  ein Nachweis über zwei erfolglos beendete Behandlungen der
    Opioidabhängigkeit vorliegt, von denen mindestens eine eine
    sechsmonatige Behandlung nach § 5 sein muss, und

4.  der Patient das 23. Lebensjahr vollendet hat.

§ 5 Absatz 1, 2, 3 Satz 2, Absatz 6 Satz 3 und Absatz 11 gilt
entsprechend. Die Verschreibung darf der Arzt nur einem
pharmazeutischen Unternehmer vorlegen.

(2) Die Behandlung mit Diamorphin darf nur in Einrichtungen
durchgeführt werden, denen eine Erlaubnis durch die zuständige
Landesbehörde erteilt wurde. Die Erlaubnis wird erteilt, wenn

1.  nachgewiesen wird, dass die Einrichtung in das örtliche
    Suchthilfesystem eingebunden ist,

2.  gewährleistet ist, dass die Einrichtung über eine zweckdienliche
    personelle und sachliche Ausstattung verfügt und

3.  eine sachkundige Person benannt worden ist, die für die Einhaltung der
    in Nummer 2 genannten Anforderungen, der Auflagen der Erlaubnisbehörde
    sowie der Anordnungen der Überwachungsbehörde verantwortlich ist
    (Verantwortlicher).

(3) Diamorphin darf nur innerhalb der Einrichtung nach Absatz 2
verschrieben, verabreicht oder unter Aufsicht des substituierenden
Arztes oder des sachkundigen Personals nach Absatz 2 Satz 2 Nummer 2
zum unmittelbaren Verbrauch überlassen werden. In den ersten sechs
Monaten der Behandlung müssen Maßnahmen der psychosozialen Betreuung
stattfinden.

(4) Die Behandlung mit Diamorphin ist nach jeweils spätestens zwei
Jahren Behandlungsdauer daraufhin zu überprüfen, ob die
Voraussetzungen für die Behandlung noch gegeben sind und ob die
Behandlung fortzusetzen ist. Die Überprüfung erfolgt, indem eine
Zweitmeinung eines suchtmedizinisch qualifizierten Arztes, der nicht
der Einrichtung angehört, eingeholt wird. Ergibt diese Überprüfung,
dass die Voraussetzungen für die Behandlung nicht mehr gegeben sind,
ist die diamorphingestützte Behandlung zu beenden.

(5) Die Absätze 1 bis 4 und § 5 Absatz 11 sind entsprechend
anzuwenden, wenn Diamorphin aus dem Bestand des Praxis- oder
Stationsbedarfs nach Absatz 3 Satz 1 verabreicht oder zum
unmittelbaren Verbrauch überlassen wird.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/btmvv_1998/__5a.html
Directory: btmvv_1998
Level: 2.0