Title: Anlage 1 Anforderungen an die Zulassung von Ausgangsmaterial unter den Kategorien "Ausgewählt", "Qualifiziert" und "Geprüft"

Description:
Forstvermehrungsgut-Zulassungsverordnung (FoVZV)
Anlage 1 Anforderungen an die Zulassung von Ausgangsmaterial unter den Kategorien "Ausgewählt", "Qualifiziert" und "Geprüft"

Paragraph: 3

Content:
Forstvermehrungsgut-Zulassungsverordnung (FoVZV)
Anlage 1 Anforderungen an die Zulassung von Ausgangsmaterial unter den Kategorien "Ausgewählt", "Qualifiziert" und "Geprüft"

(Fundstelle des Originaltextes: BGBl. I 2002, 4722 - 4726)

Kapitel I
Mindestanforderungen für die Zulassung unter der Kategorie
"Ausgewählt"

1.  Ausgangsmaterial: Beim Ausgangsmaterial muss es sich um einen
    Erntebestand in einem einzigen Herkunftsgebiet handeln.

2.  Ursprung: Vorzugsweise sollen bei Baumarten, die in dem betreffenden
    Herkunftsgebiet natürlich vorkommen, autochthone Erntebestände
    zugelassen werden. Bei anderen Baumarten sollen vorzugsweise
    Erntebestände zugelassen werden, die sich auf dem gegebenen Standort
    phänotypisch bewährt haben und von denen der Ursprung bekannt ist.
    Abweichend von Satz 1 und 2 können Erntebestände zugelassen werden,
    die sich auf dem gegebenen Standort phänotypisch bewährt haben. In
    diesen Fällen ist an die Erfüllung der Anforderungen nach Nummer 7 ein
    besonders strenger Maßstab anzulegen.

3.  Isolierung: Erntebestände müssen in ausreichender Entfernung von
    phänotypisch schlechten Beständen derselben Art sowie Beständen
    verwandter Arten oder Sorten liegen, die bei den betreffenden Arten
    einkreuzen können. Dies gilt insbesondere bei autochthonen
    Erntebeständen, die von nicht autochthonen Beständen oder Beständen
    unbekannten Ursprungs umgeben sind. Bei Stiel- und Traubeneiche, bei
    Winter- und Sommerlinde sowie bei Sand- und Moorbirke ist eine
    Beimischung der jeweils anderen Art im Erntebestand und in seiner
    Umgebung zulässig, soweit es sich nicht um phänotypisch schlechte
    Individuen oder Bestände handelt. Die Beimischung im Erntebestand ist
    bei der Zulassung entsprechend zu dokumentieren (geschätzter Anteil an
    der Baumartenanteilsfläche). Bei der Vogelkirsche ist insbesondere auf
    ausreichende Entfernung von Kulturkirschen zu achten.

4.  Tatsächliche Bestandesgröße: Die Erntebestände der bestandesbildenden
    Baumarten müssen eine baumartenspezifische Mindestfläche aufweisen,
    wobei die Anteilsfläche der zugelassenen Baumart ausschlaggebend ist.
    Erntebestände müssen aus fruktifikationsfähigen Bäumen bestehen, die
    so zahlreich und gut verteilt sind, dass zwischen den Bäumen eine
    ausreichende gegenseitige Befruchtung gewährleistet ist. Zur
    Vermeidung der Gefahr eines Verlusts an genetischer Vielfalt wird die
    Zulassung mit der Auflage versehen, dass die Ernte von einer
    Mindestzahl etwa gleichmäßig über den Erntebestand verteilter
    Einzelbäume erfolgen muss. Die Tabelle zu Nummern 4 und 5 legt die
    Mindestfläche (nur bei bestandesbildenden Baumarten) sowie die
    Mindestzahl fruktifikationsfähiger Bäume im Erntebestand und bei der
    Ernte fest. Von den Mindestbaumzahlen bei der Ernte kann bei den
    Baumarten Große Küstentanne, Spitzahorn, Bergahorn, Gemeine Esche,
    Vogelkirsche, Douglasie, Robinie und Sommerlinde in besonders
    begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden, soweit es für die
    Versorgung erforderlich ist.

5.  Alter und Entwicklungsstand: Erntebestände müssen sich aus Bäumen
    zusammensetzen, deren Alter und Entwicklungsstand ohne weiteres die
    Ansprache der Auslesekriterien ermöglicht. Die Tabelle zu Nummern 4
    und 5 legt das Mindestalter fest.

6.  Homogenität: Die Erntebestände müssen in den zu beurteilenden
    phänotypischen Merkmalen unter Berücksichtigung der normalen
    individuellen Variabilität ausreichend einheitlich sein, um eine
    Bewertung für den gesamten Erntebestand zu ermöglichen.

7.  Angepasstheit, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit: Die Erntebestände
    müssen offensichtlich an die im Herkunftsgebiet herrschenden
    ökologischen Bedingungen angepasst sein. Sie müssen gesund sein und an
    ihrem Standort eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber
    Schadorganismen und abiotischen Schadeinflüssen aufweisen. Eine als
    normal anzusehende Reaktion auf Immissionen schließt die Zulassung
    nicht aus.

8.  Volumenzuwachs: Die Erntebestände sollen einen Holzvolumenzuwachs
    aufweisen, der über dem Mittelwert vergleichbar bewirtschafteter
    Bestände unter ähnlichen ökologischen Bedingungen liegt. Ausnahmen
    sind zulässig, wenn gegenläufige Aspekte der Kriterien Nummer 9 oder
    10 höher zu bewerten sind oder wenn im Hinblick auf den Zweck
    (Kriterium Nummer 11) dem Volumenzuwachs keine hohe Bedeutung zukommt.

9.  Holzqualität: Der Holzqualität ist Rechnung zu tragen. Sie kann als
    wesentliches Kriterium herangezogen werden bei Baumarten, bei denen
    deutlich unterschiedliche Holzqualitäten auftreten können, die sich
    stark auf den Wert des Holzes auswirken.

10. Form und Habitus: Bäume in Erntebeständen müssen besonders gute
    phänotypische Merkmale aufweisen, insbesondere Geradschaftigkeit,
    Wipfelschäftigkeit und Schaftrundheit, gute Verzweigung und
    Feinastigkeit. Darüber hinaus darf der Anteil von Bäumen mit Zwieseln
    oder Drehwuchs nur gering sein. Je nach Baumart sollen weitere
    Merkmale wie Vollholzigkeit, Kronenform, Rindenstruktur, Astwinkel,
    gute natürliche Astreinigung sowie Überwallung von Astnarben und
    Wunden berücksichtigt werden.

11. Zweck: Der Erntebestand ist im Hinblick auf den Zweck zu beurteilen,
    für den das Vermehrungsgut bestimmt sein soll. Der Zweck wird vom
    Antragsteller oder, bei Zulassung von Amts wegen, von der nach
    Landesrecht zuständigen Stelle (Landesstelle) bestimmt. Dem Zweck ist
    bei der Anwendung der Kriterien Nummer 1 bis 10 in gebührender Weise
    Rechnung zu tragen. Erntebestände, die zu einem besonderen Zweck
    zugelassen werden sollen, müssen für diesen besonderen Zweck
    überdurchschnittlich gut geeignet sein.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/fovzv/__3.html
Directory: fovzv
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