Title: § 168 Bewertung; Verordnungsermächtigung

Description:
Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB)
Kapitel 2 - Publikumsinvestmentvermögen
Abschnitt 1 - Allgemeine Vorschriften für offene Publikumsinvestmentvermögen
Unterabschnitt 1 - Allgemeines
§ 168 Bewertung; Verordnungsermächtigung

Paragraph: 168

Content:
Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB)
Kapitel 2 - Publikumsinvestmentvermögen
Abschnitt 1 - Allgemeine Vorschriften für offene Publikumsinvestmentvermögen
Unterabschnitt 1 - Allgemeines
§ 168 Bewertung; Verordnungsermächtigung

(1) Der Nettoinventarwert je Anteil oder je Aktie ergibt sich aus der
Teilung des Wertes des offenen Publikumsinvestmentvermögens durch die
Zahl der in den Verkehr gelangten Anteile oder Aktien. Der Wert eines
offenen Publikumsinvestmentvermögens ist auf Grund der jeweiligen
Verkehrswerte der zu ihm gehörenden Vermögensgegenstände abzüglich der
aufgenommenen Kredite und sonstigen Verbindlichkeiten zu ermitteln.
Zur Bestimmung des Verkehrswertes des Vermögensgegenstandes ist das
jeweilige gesetzliche oder marktübliche Verfahren zugrunde zu legen.

(1a) Falls die Kapitalverwaltungsgesellschaft von der Möglichkeit des
Swing Pricing Gebrauch macht, ist zusätzlich zum Nettoinventarwert der
modifizierte Nettoinventarwert je Anteil oder je Aktie zu berechnen.
Die Vorgaben der §§ 170, 212, 216 Absatz 7, des § 217 Absatz 3 Satz 1
sowie des § 297 Absatz 2 Satz 1 gelten für den modifizierten
Nettoinventarwert entsprechend mit der Maßgabe, dass jeweils anstelle
des Nettoinventarwertes der modifizierte Nettoinventarwert zu
veröffentlichen oder bekanntzugeben ist.

(2) Bei Vermögensgegenständen, die zum Handel an einer Börse
zugelassen oder an einem anderen organisierten Markt zugelassen oder
in diesen einbezogen sind, ist als Verkehrswert der Kurswert der
Vermögensgegenstände anzusetzen, sofern dieser eine verlässliche
Bewertung gewährleistet.

(3) Bei Vermögensgegenständen, für die die Voraussetzungen nach Absatz
2 nicht vorliegen oder für die kein handelbarer Kurs verfügbar ist,
ist der Verkehrswert, der bei sorgfältiger Einschätzung nach
geeigneten Bewertungsmodellen unter Berücksichtigung der aktuellen
Marktgegebenheiten angemessen ist, zugrunde zu legen.

(4) Für die Bewertung von Schuldverschreibungen, die nicht zum Handel
an einer Börse zugelassen oder nicht an einem anderen organisierten
Markt zugelassen oder in diesen einbezogen sind, sowie für die
Bewertung von Schuldscheindarlehen sind die für vergleichbare
Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen vereinbarten Preise und
gegebenenfalls die Kurswerte von Anleihen vergleichbarer Emittenten
und entsprechender Laufzeit und Verzinsung, erforderlichenfalls mit
einem Abschlag zum Ausgleich der geringeren Veräußerbarkeit, zugrunde
zu legen.

(5) Auf Derivate geleistete Einschüsse unter Einbeziehung der am
Börsentag festgestellten Bewertungsgewinne und Bewertungsverluste sind
dem Investmentvermögen zuzurechnen.

(6) Bei schwebenden Verpflichtungsgeschäften ist anstelle des von der
Kapitalverwaltungsgesellschaft zu liefernden Vermögensgegenstandes die
von ihr zu fordernde Gegenleistung unmittelbar nach Abschluss des
Geschäfts zu berücksichtigen. Für die Rückerstattungsansprüche aus
Wertpapier-Darlehen ist der jeweilige Kurswert der als Darlehen
übertragenen Wertpapiere maßgebend.

(7) Die Kapitalverwaltungsgesellschaft hat alle angemessenen Maßnahmen
zu ergreifen, um bei Erwerb und Veräußerung von Vermögensgegenständen
das bestmögliche Ergebnis für das offene Publikumsinvestmentvermögen
zu erzielen. Dabei hat sie den Kurs oder den Preis, die Kosten, die
Geschwindigkeit und Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abrechnung,
den Umfang und die Art des Auftrags sowie alle sonstigen, für die
Auftragsausführung relevanten Aspekte zu berücksichtigen. Die
Gewichtung dieser Faktoren bestimmt sich nach folgenden Kriterien:

1.  Ziele, Anlagepolitik und spezifische Risiken des offenen
    Publikumsinvestmentvermögens, wie sie im Verkaufsprospekt oder
    gegebenenfalls in den Anlagebedingungen dargelegt sind,

2.  Merkmale des Auftrags,

3.  Merkmale der Vermögensgegenstände und

4.  Merkmale der Ausführungsplätze, an die der Auftrag weitergeleitet
    werden kann.

Geschäftsabschlüsse für das offene Publikumsinvestmentvermögen zu
nicht marktgerechten Bedingungen sind unzulässig, wenn sie für das
offene Publikumsinvestmentvermögen nachteilig sind.

(8) Das Bundesministerium der Finanzen wird ermächtigt, durch
Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf,
weitere Bestimmungen über die Bewertung der Vermögensgegenstände und
die Anteil- oder Aktienwertermittlung sowie über die Berücksichtigung
ungewisser Steuerverpflichtungen bei der Anteil- oder
Aktienwertermittlung zu erlassen. Das Bundesministerium der Finanzen
kann diese Ermächtigung durch Rechtsverordnung auf die Bundesanstalt
übertragen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/kagb/__168.html
Directory: kagb
Level: 5.0