Title: **Durchführung, Umfang und Häufigkeit der Untersuchungen**

Description:
Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (TrinkwV 2001)
**Durchführung, Umfang und Häufigkeit der Untersuchungen**

Paragraph: 25

Content:
Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (TrinkwV 2001)
**Durchführung, Umfang und Häufigkeit der Untersuchungen**

1.  Untersuchungskonzept

    Zur Erfüllung der Untersuchungspflicht nach § 14a Absatz 1 sind
    Untersuchungen erforderlich, soweit nicht die zuständige Behörde eine
    Feststellung nach § 14a Absatz 4 getroffen hat.

    Das Konzept unterscheidet zwischen Erstuntersuchung und regelmäßigen
    Untersuchungen.

    a)  Erstuntersuchung

        Die Erstuntersuchung dient der Ermittlung und Bewertung der im
        Jahresdurchschnitt vorliegenden Aktivitätskonzentration und umfasst
        vier Untersuchungen der Aktivitätskonzentrationen in vier
        unterschiedlichen Quartalen innerhalb von zwölf Monaten.

        Wenn sich nach Durchführung der Erstuntersuchung wesentliche
        Änderungen bei der Wassergewinnung oder Wasseraufbereitung ergeben,
        die sich auf den Gehalt an Radionukliden nachteilig auswirken können,
        sind erneut Untersuchungen im Sinne der Erstuntersuchung vorzunehmen.

        Eine Erstuntersuchung ist nicht erforderlich, wenn die zuständige
        Behörde eine Feststellung nach § 14a Absatz 4 Satz 2 Nummer 1
        getroffen hat.

    b)  Regelmäßige Untersuchungen

        Regelmäßige Untersuchungen des Trinkwassers sind erforderlich, wenn
        bei der Erstuntersuchung eine Überschreitung eines oder mehrerer
        Parameterwerte für radioaktive Stoffe festgestellt wurde. Sie sollen
        mit den in der Tabelle angegebenen Mindesthäufigkeiten durchgeführt
        werden.

        Regelmäßige Untersuchungen sind nicht erforderlich, wenn die
        zuständige Behörde eine Feststellung nach § 14a Absatz 4 Satz 2 Nummer
        2 getroffen hat.

        Ordnet die zuständige Behörde nach § 9 Absatz 5a Maßnahmen zur
        Aufbereitung an, um den Gehalt an Radionukliden im Trinkwasser zu
        reduzieren, so sind regelmäßige Untersuchungen durchzuführen, um die
        anhaltende Wirksamkeit der Aufbereitung zu überprüfen.

        Im Fall von natürlich vorkommenden Radionukliden, für die vorherige
        Ergebnisse eine stabile Aktivitätskonzentration anzeigen, kann die
        zuständige Behörde abhängig von den örtlichen Gegebenheiten geringere
        Häufigkeiten der Untersuchungen festlegen und den Untersuchungsumfang
        anpassen.

        **Mindesthäufigkeiten der Untersuchungen**
        ##

        *            *   Laufende
                Nummer

            *   Menge des in einem
                Versorgungsgebiet pro Tag abgegebenen
                oder produzierten Wassers in Kubikmeter pro Tag
                (Anmerkung 1)

            *   Anzahl der Untersuchungen pro Jahr
                (Anmerkung 2)

        *            *   1

            *   Menge*                                    1 000

            *   1

        *            *   2

            *   1 000 < Menge*                                    10 000

            *   1
                zuzüglich für die über 1 000 Kubikmeter pro Tag hinausgehende Menge
                jeweils 1 pro 3 300 Kubikmeter pro Tag
                (Teilmengen als Rest der Berechnung werden auf 3 300 Kubikmeter
                aufgerundet)

        *            *   3

            *   10 000 < Menge*                                    100 000

            *   3
                zuzüglich für die über 10 000 Kubikmeter pro Tag hinausgehende Menge
                jeweils 1 pro 10 000 Kubikmeter pro Tag
                (Teilmengen als Rest der Berechnung werden auf 10 000 Kubikmeter
                aufgerundet)

        *            *   4

            *   Menge*                                    100 000

            *   10
                zuzüglich für die über 100 000 Kubikmeter pro Tag hinausgehende Menge
                jeweils 1 pro 25 000 Kubikmeter pro Tag
                (Teilmengen als Rest der Berechnung werden auf 25 000 Kubikmeter
                aufgerundet)

        **Anmerkung 1:** Die Mengen werden als Mittelwerte über ein Kalenderjahr hinweg
            berechnet. Anstelle der Menge des abgegebenen oder produzierten
            Wassers kann die zuständige Behörde zur Bestimmung der
            Mindesthäufigkeit auch die Einwohnerzahl eines Versorgungsgebiets
            heranziehen und einen täglichen Pro-Kopf-Wasserverbrauch von 200 Liter
            ansetzen.

        **Anmerkung 2:** Nach Möglichkeit sollten die Probennahmen zeitlich und geografisch
            gleichmäßig verteilt sein.

2.  Untersuchungsbedingungen, Untersuchungsumfang und Bewertung der
    Parameter

    a)  Radon-222

        In Bezug auf Radon-222 ist eine Erstuntersuchung durchzuführen, um das
        Ausmaß einer möglichen Exposition durch Radon-222 in Trinkwasser zu
        bestimmen.

        Der Parameterwert für Radon-222 gilt als eingehalten, wenn die
        gemessene Radon-Aktivitätskonzentration gemittelt über vier
        unterschiedliche Quartale diesen Wert nicht überschreitet.

    b)  Tritium

        Untersuchungen im Hinblick auf Tritium im Trinkwasser sind nicht
        erforderlich, es sei denn, der zuständigen Behörde liegen
        Anhaltspunkte vor, dass der in Anlage 3a Teil I festgelegte
        Parameterwert für radioaktive Stoffe überschritten sein könnte.

        Bei Überschreitung des Parameterwertes für Tritium ist eine
        Untersuchung des Trinkwassers auf andere künstliche Radionuklide
        erforderlich, da Tritium als Indikatornuklid für das Vorhandensein
        künstlicher radioaktiver Stoffe angesehen wird.

    c)  Richtdosis

        In der Regel kann die Untersuchung künstlicher Radionuklide entfallen,
        es sei denn, die zuständige Behörde ordnet solche Untersuchungen an.

        Für die Erstuntersuchung im Hinblick auf die Richtdosis durch
        natürliche Radionuklide können unterschiedliche Verfahren angewendet
        werden: Screening-Verfahren mit Bestimmung der Gesamt-Alpha-
        Aktivitätskonzentration
        C
        alpha-ges                          und Einzelnuklidbestimmung. Kann
        die Einhaltung des Parameterwertes für die Richtdosis mittels
        Screening-Verfahren nicht nachgewiesen werden, sind zur Beurteilung
        der Richtdosis Einzelnuklidbestimmungen erforderlich.

        aa) Screening-Verfahren mit Prüfwert für
            C
            alpha-ges*                                0,1 Becquerel pro Liter

            Es werden die Gesamt-Alpha-Aktivitätskonzentration und die
            Aktivitätskonzentration von Blei-210 und Radium-228 bestimmt,
            gemittelt über vier unterschiedliche Quartale.

            Die Beurteilung der Einhaltung des Parameterwertes für die Richtdosis
            erfolgt analog zu Teil II. Für die Gesamt-Alpha-
            Aktivitätskonzentration ist dabei ein Prüfwert von 0,1 Becquerel pro
            Liter vorzusehen:

            ![bgbl1_2016_j0459-1_0020.jpg](bgbl1_2016_j0459-1_0020.jpg)

        bb) Screening-Verfahren mit Prüfwert für
            C
            alpha-ges*                                0,05 Becquerel pro Liter

            Der Parameterwert für die Richtdosis gilt ohne weitere
            nuklidspezifische Untersuchungen ebenfalls als eingehalten, wenn die
            Gesamt-Alpha-Aktivitätskonzentration gleich oder weniger als 0,05
            Becquerel pro Liter beträgt.

            Sofern die zuständige Behörde eine Untersuchung künstlicher
            Radionuklide angeordnet hat, ist für die Beurteilung der Rest-Beta-
            Aktivitätskonzentration die Einhaltung folgender Bedingung
            heranzuziehen:

            C
[^f792494_08_BJNR095910001BJNE003601116]
            beta-rest*                                1,0 Becquerel pro Liter

            Die Bestimmung der Gesamt-Alpha- und Gesamt-Beta-
            Aktivitätskonzentration kann entfallen, wenn direkt die
            Einzelnuklidbestimmung vorgenommen wird.

        cc) Einzelnuklidbestimmung

            Es werden die Aktivitätskonzentrationen der Einzelnuklide bestimmt.
            Die Beurteilung der Einhaltung des Parameterwertes für die Richtdosis
            erfolgt analog zu Teil II.

3.  Untersuchungsverfahren und Verfahrenskennwerte

    Die Probennahme- und Untersuchungsverfahren für die Parameterwerte für
    radioaktive Stoffe richten sich nach den allgemein anerkannten Regeln
    der Technik.

    Die angewandten Untersuchungsverfahren müssen mindestens geeignet
    sein, die Aktivitätskonzentrationen mit den nachstehend angegebenen
    Verfahrenskennwerten zu messen.

    **Verfahrenskennwerte**
    ##

    *        *   Laufende
            Nummer

        *   Parameter,
            Gesamt-Aktivitätskonzentrationen
            und Radionuklide

        *   Nachweisgrenze
            (Anmerkungen 1 und 2)

    *        *   1

        *   Tritium

        *   10 Bq/l

    *        *   2

        *   Radon-222

        *   10 Bq/l

    *        *   3

        *   Gesamt-Alpha-Aktivitätskonzentration

        *   0,04 Bq/l
            (Anmerkung 3)

    *        *
        *   Gesamt-Beta-Aktivitätskonzentration

        *   0,4 Bq/l

    *        *   4

        *   U-238

        *   0,02 Bq/l

    *        *   5

        *   U-234

        *   0,02 Bq/l

    *        *   6

        *   Ra-226

        *   0,04 Bq/l

    *        *   7

        *   Ra-228

        *   0,02 Bq/l
            (Anmerkung 4)

    *        *   8

        *   Pb-210

        *   0,02 Bq/l

    *        *   9

        *   Po-210

        *   0,01 Bq/l

    *        *   10

        *   C-14

        *   20 Bq/l

    *        *   11

        *   Sr-90

        *   0,4 Bq/l

    *        *   12

        *   Pu-239/Pu-240

        *   0,04 Bq/l

    *        *   13

        *   Am-241

        *   0,06 Bq/l

    *        *   14

        *   Co-60

        *   0,5 Bq/l

    *        *   15

        *   Cs-134

        *   0,5 Bq/l

    *        *   16

        *   Cs-137

        *   0,5 Bq/l

    *        *   17

        *   I-131

        *   0,5 Bq/l

    **Anmerkung 1:** Die Nachweisgrenze ist zu berechnen nach der Norm DIN ISO
        11929:2011-01 „Bestimmung der charakteristischen Grenzen
        (Erkennungsgrenze, Nachweisgrenze und Grenzen des Vertrauensbereichs)
        bei Messungen ionisierender Strahlung – Grundlagen und Anwendungen“
        (ISO 11929:2010) mit Wahrscheinlichkeiten des Fehlers erster bzw.
        zweiter Art von jeweils 5 Prozent.

    **Anmerkung 2:** Messunsicherheiten sind zu berechnen und zu dokumentieren. Zusätzlich
        kann der Vertrauensbereich ausgewiesen werden, wobei dieser mit der
        Wahrscheinlichkeit 1 – y von 95 Prozent festzulegen ist.

    **Anmerkung 3:** Diese Nachweisgrenze gilt nur für die Verwendung des Prüfwertes von
        0,1 Becquerel pro Liter unter Berücksichtigung der
        Aktivitätskonzentrationen von Blei-210 und Radium-228. Für die
        Verwendung des Prüfwertes von 0,05 Becquerel pro Liter ohne weitere
        nuklidspezifische Untersuchungen, wenn ausschließlich natürliche
        Radionuklide zu berücksichtigen sind, gilt die Nachweisgrenze von
        0,025 Becquerel pro Liter.

    **Anmerkung 4:** Diese Nachweisgrenze gilt nur für die Erstuntersuchung im Hinblick auf
        die Richtdosis für eine neue Wasserressource. Falls die
        Erstuntersuchung keinen plausiblen Grund dafür ergibt, dass Radium-228
        20 Prozent der abgeleiteten Konzentration überschreitet, kann für
        regelmäßige Untersuchungen eine Untersuchungsmethode mit einer
        Nachweisgrenze von bis zu 0,08 Becquerel pro Liter für Radium-228
        angewandt werden.

    Rest-Beta-Aktivitätskonzentration = Gesamt-Beta-
    Aktivitätskonzentration abzüglich der
    Kalium-40-Aktivitätskonzentration
[^f792494_08_BJNR095910001BJNE003601116]: 
(zu § 14 Absatz 2 Satz 1 und § 19 Absatz 2b Nummer 1)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/__25.html
Directory: trinkwv_2001
Level: 2.0