Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Glas und Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Glas (GlasIndMstrFortbV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Content:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Glas und Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Glas (GlasIndMstrFortbV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikationen“ umfasst
die Handlungsbereiche „Technik“, „Organisation“ sowie „Führung und
Personal“ mit folgenden Qualifikationsschwerpunkten:

1.  Der Handlungsbereich „Technik“ enthält die Qualifikationsschwerpunkte:

    a)  Glastechnologie,

    b)  Produktionsprozesse;

2.  der Handlungsbereich „Organisation“ enthält die
    Qualifikationsschwerpunkte:

    a)  Information und Kommunikation,

    b)  Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz,

    c)  Betriebliches Kostenwesen;

3.  der Handlungsbereich „Führung und Personal“ enthält die
    Qualifikationsschwerpunkte:

    a)  Personalführung und -entwicklung,

    b)  Qualitätsmanagement.

(2) Es werden drei die Handlungsbereiche integrierende
Situationsaufgaben nach den Absätzen 3 bis 5 unter Berücksichtigung
der fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen gestellt. Zwei
der Situationsaufgaben sind schriftlich zu lösen, eine
Situationsaufgabe ist Gegenstand des situationsbezogenen Fachgesprächs
nach Absatz 6. Die Situationsaufgaben sind so zu gestalten, dass alle
Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsbereiche mindestens einmal
thematisiert werden. Die Prüfungsdauer der schriftlichen
Situationsaufgaben beträgt jeweils mindestens vier Stunden, insgesamt
jedoch nicht mehr als zehn Stunden. Das situationsbezogene
Fachgespräch soll für die zu prüfende Person mindestens 30 Minuten und
höchstens 45 Minuten dauern. Es sind höchstens 45 Minuten
Vorbereitungszeit einzuräumen.

(3) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Technik“ soll
einer seiner Qualifikationsschwerpunkte den Kern bilden, wobei die
Qualifikationsinhalte etwa zur Hälfte aus dem bestimmten
Qualifikationsschwerpunkt entnommen werden sollen. Die
Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche „Organisation“ sowie
„Führung und Personal“ integrativ mitberücksichtigen. Im Einzelnen
kann die Situationsaufgabe Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich „Technik“ mit den Qualifikationsschwerpunkten nach
den folgenden Nummern 1 und 2 umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Glastechnologie“ soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, Kenntnisse über Struktur und Eigenschaften des
    Werkstoffes Glas in der Herstellung, Verarbeitung und Veredelung
    anwenden zu können; dazu gehört, Kenntnisse über den Einfluss der
    Zusammensetzung auf chemische und physikalische Eigenschaften von
    Gläsern sowie auf Herstellungs-, Formgebungs-, Verarbeitungs- und
    Veredelungsverfahren umsetzen zu können; in diesem Rahmen können
    folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Auswählen der geeigneten Rohstoffe für Gläser mit spezifizierten
        Eigenschaften,

    b)  Berechnen der Rezeptur und Überwachen der Gemengeherstellung,

    c)  Beurteilen der Schmelz- und Läuterprozesse während der Glasbildung,

    d)  Festlegen und Sicherstellen der Parameter von Verarbeitungs- und
        Kühlprozessen, abhängig von der Glaszusammensetzung,

    e)  Beurteilen von chemischen und physikalischen Materialeigenschaften
        entlang der Prozesskette;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Produktionsprozesse“ soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, verfahrenstechnische Prozesse der
    Glasherstellung, Glasverarbeitung und Glasveredelung planen, steuern
    und überwachen zu können; dazu gehört, Zusammenhänge sowie
    Optimierungsmöglichkeiten der Prozesse zu erkennen und im Störungsfall
    Maßnahmen einzuleiten; weiterhin soll die Fähigkeit nachgewiesen
    werden, bei Änderungen von Maschinen und Produktionsanlagen sowie bei
    Veränderungen von Einflussgrößen die Prozessparameter anpassen zu
    können; in diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft
    werden:

    a)  Beurteilen von Aufbau, Funktionsprinzip und Einsatzmöglichkeiten von
        Maschinen, Produktionsanlagen und technischen Hilfseinrichtungen,
        insbesondere Mess-, Steuer- und Regelungseinrichtungen,

    b)  Mitwirken bei der Auswahl von Maschinen, Produktionsanlagen,
        technischen Hilfseinrichtungen, insbesondere Mess-, Steuerungs- und
        Regelungseinrichtungen, Energien sowie Hilfs- und Betriebsstoffen
        unter Beachtung von technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten,

    c)  Mitwirken beim Aufstellen und in Betrieb nehmen von Anlagen und
        Einrichtungen unter Beachtung sicherheitstechnischer und
        anlagenspezifischer Vorschriften,

    d)  Koordinieren und Optimieren des Anlagenbetriebs,

    e)  Erfassen und Beurteilen von Produktionsdaten mit Hilfe von
        Prozessleitsystemen, Festlegen der Prozessparameter zur Sicherstellung
        der Prozessstabilität,

    f)  Koordinieren und Überwachen der Lagerung und des innerbetrieblichen
        Transports von Roh- und Einsatzstoffen, Hilfs- und Betriebsstoffen,
        Halbzeugen und Produkten,

    g)  Organisieren und Veranlassen von Maßnahmen zur Behebung von Störungen,

    h)  Erfassen, Auswerten und Bewerten von Mengen- und Energiebilanzen sowie
        Prozessparametern zur Steuerung und Optimierung der
        Produktionsschritte,

    i)  Koordinieren und Optimieren von Rüstvorgängen,

    j)  Überwachen der Einhaltung von Quantitäts- und Qualitätsvorgaben;
        Durchführen statistischer Prozesskontrollen,

    k)  Umsetzen von Instandhaltungsvorgaben unter Berücksichtigung der
        Anlagenverfügbarkeit,

    l)  Erfassen und Bewerten von Schwachstellen, Schäden und
        Funktionsstörungen sowie Abschätzen und Begründen von Auswirkungen
        geplanter Eingriffe.

(4) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Organisation“
sollen mindestens zwei seiner Qualifikationsschwerpunkte den Kern
bilden, wobei die Qualifikationsinhalte etwa zur Hälfte aus den
bestimmten Qualifikationsschwerpunkten entnommen werden sollen. Die
Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche „Technik“ sowie
„Führung und Personal“ integrativ mitberücksichtigen. Im Einzelnen
kann die Situationsaufgabe Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich „Organisation“ mit den Qualifikationsschwerpunkten
nach den folgenden Nummern 1 bis 3 umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Information und Kommunikation“ soll die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und Systeme der Information
    und Kommunikation im Betrieb anwenden zu können; in diesem Rahmen
    können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Einsetzen von Planungs- und Steuerungssystemen zur Produktions-,
        Mengen-, Kapazitäts- und Terminplanung,

    b)  Vermitteln von Informationen und Anweisungen der Betriebsleitung,

    c)  Durchführen von Unterweisungen und Qualifizierungsmaßnahmen,

    d)  Kommunizieren mit Kunden,

    e)  Schaffen und Sicherstellen von Rahmenbedingungen für eine effiziente
        Kommunikation in der Gruppe;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz“
    soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, im Rahmen gesetzlicher
    Vorschriften und betrieblicher Vorgaben verantwortlich handeln zu
    können; dazu gehört, arbeits-, umwelt- und gesundheitsschutzbewusstes
    Handeln und Verhalten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Betrieb
    sicherstellen sowie Gefahren vorbeugen, Störungen erkennen und
    analysieren sowie Maßnahmen zu ihrer Vermeidung oder Beseitigung
    einleiten zu können; ferner soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
    die Vernetzung ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren
    berücksichtigen und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen
    zu können; in diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in
    den Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Überprüfen und Gewährleisten der Arbeits- und Anlagensicherheit, des
        Gesundheits- sowie des Umweltschutzes,

    b)  Überwachen der Lagerung von und des Umgangs mit umweltbelastenden und
        gesundheitsgefährdenden Stoffen,

    c)  Erkennen von Schwachstellen im Bereich Arbeits- und Anlagensicherheit,
        Gesundheits- und Umweltschutz sowie Einleiten vorbeugender Maßnahmen,

    d)  Durchführen von Gefährdungsbeurteilungen zur Reduzierung und
        Vermeidung von Unfällen und von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen,

    e)  Planen und Durchführen von Unterweisungen zur Arbeits- und
        Anlagensicherheit sowie zum Gesundheits- und Umweltschutz,

    f)  Fördern des verantwortlichen Handelns von Mitarbeitern und
        Mitarbeiterinnen im Betrieb,

    g)  Gewährleisten des Informationsaustausches über sicherheits- und
        umweltrelevante Vorgänge;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt „Betriebliches Kostenwesen“ soll die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Kostenverantwortung übernehmen zu
    können; dazu gehört, kostenrelevante Einflussfaktoren hinsichtlich der
    Entstehung der Kosten, der Entwicklung von Kostenstrukturen, der
    Kalkulation von Kosten sowie der Kostenplanung beurteilen zu können;
    in diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Erkennen und Beurteilen von Zusammenhängen des betrieblichen
        Rechnungswesens, insbesondere Kostenarten-, Kostenstellen-,
        Kostenträger- und Prozesskostenrechnung sowie Kalkulationsverfahren,

    b)  Ermitteln von Zielgrößen, insbesondere Betriebsergebnis,
        Deckungsbeitrag und Kennzahlen,

    c)  Durchführen von Kostenkontrollen,

    d)  Einleiten von Maßnahmen zur Kostenbeeinflussung,

    e)  Überwachen und Einhalten des zugeteilten Budgets.

(5) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Führung und
Personal“ soll mindestens einer seiner Qualifikationsschwerpunkte den
Kern der Situationsaufgabe bilden, wobei die Qualifikationsinhalte
etwa zur Hälfte aus dem bestimmten Qualifikationsschwerpunkt entnommen
werden sollen. Die Situationsaufgabe soll darüber hinaus
Qualifikationsinhalte aus den Qualifikationsschwerpunkten der
Handlungsbereiche „Technik“ sowie „Organisation“ integrativ
mitberücksichtigen. Im Einzelnen kann die Situationsaufgabe
Qualifikationsinhalte aus dem Handlungsbereich „Führung und Personal“
mit den Qualifikationsschwerpunkten nach den folgenden Nummern 1 und 2
umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalführung und -entwicklung“ soll
    die Fähigkeit nachgewiesen werden, Personal einsetzen, führen und
    beurteilen zu können; dazu gehört, unter Beachtung der
    Qualifikationsanforderungen des Betriebes geeignete Maßnahmen zur
    weiteren beruflichen Entwicklung vorschlagen zu können; in diesem
    Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Ermitteln des qualitativen und quantitativen Personalbedarfs,

    b)  Auswählen und Einsetzen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen,

    c)  Führen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen,

    d)  Beurteilen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nach vorgegebenen
        Beurteilungssystemen,

    e)  Durchführen von Mitarbeitergesprächen und Festlegen von
        Zielvereinbarungen,

    f)  Anfertigen von Stellenbeschreibungen,

    g)  Ergreifen von Maßnahmen zur Qualifizierung der Mitarbeiter und
        Mitarbeiterinnen;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Qualitätsmanagement“ soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, Methoden und Techniken anzuwenden, um
    qualitätsbewusst handeln und das Qualitätsmanagement weiter entwickeln
    zu können; dazu gehört, das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen zu sichern; in diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Berücksichtigen des Einflusses des Qualitätsmanagementsystems auf das
        Unternehmen und die Funktionsfelder,

    b)  Fördern des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter und
        Mitarbeiterinnen,

    c)  Anwenden von Methoden zur Sicherung und Verbesserung der Qualität,
        insbesondere der Produktqualität und Kundenzufriedenheit,

    d)  kontinuierliches Umsetzen der Qualitätsmanagementziele durch Planen,
        Sichern und Lenken von qualitätswirksamen Maßnahmen.

(6) Im situationsbezogenen Fachgespräch soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, betriebliche Aufgabenstellungen analysieren,
strukturieren und einer begründeten Lösung zuführen zu können. Dazu
gehört, Lösungsvorschläge unter Einbeziehung von
Präsentationstechniken erläutern und erörtern zu können. Das
situationsbezogene Fachgespräch hat die gleiche Struktur wie eine
schriftliche Situationsaufgabe. Es stellt den Handlungsbereich in den
Mittelpunkt, der nicht Kern einer schriftlichen Situationsaufgabe ist
und integriert insbesondere die Qualifikationsschwerpunkte, die nicht
schriftlich geprüft werden.

(7) Wurde in nicht mehr als einer schriftlichen Situationsaufgabe eine
mangelhafte Leistung erbracht, ist in dieser Situationsaufgabe eine
mündliche Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehreren
ungenügenden Prüfungsleistungen besteht diese Möglichkeit nicht. Die
Ergänzungsprüfung soll situationsbezogen durchgeführt werden und für
die zu prüfende Person in der Regel nicht länger als 20 Minuten
dauern. Die Bewertung der schriftlichen Prüfungsleistung und die der
mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu einer Bewertung der
Prüfungsleistung zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der
schriftlichen Prüfungsleistung doppelt gewichtet.

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