Title: Anlage XVIIIa Durchführung der Prüfungen von Fahrtschreibern und Kontrollgeräten

Description:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)

Anlage XVIIIa Durchführung der Prüfungen von Fahrtschreibern und Kontrollgeräten

Paragraph: 73

Content:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)

Anlage XVIIIa Durchführung der Prüfungen von Fahrtschreibern und Kontrollgeräten

(Fundstelle: BGBl. I 2012, 810 - 813)

**1** **Allgemeines**

    Prüfungen der Fahrtschreiber und Kontrollgeräte sind nach den
    Vorschriften dieser Anlage unter Beachtung der gegebenenfalls dazu im
    Verkehrsblatt – Amtsblatt des Bundesministeriums für Verkehr und
    digitale Infrastruktur der Bundesrepublik Deutschland –
    veröffentlichten Richtlinien durchzuführen.

**2** **Prüfungsfälle**

2.1 Prüfungen von Fahrtschreibern und Kontrollgeräten nach § 57b sind
    durchzuführen

    a)  nach dem Einbau,

    b)  mindestens einmal innerhalb von zwei Jahren nach der letzten Prüfung,

    c)  nach jeder Reparatur an der Fahrtschreiber- oder Kontrollgeräteanlage,

    d)  nach jeder Änderung der Wegdrehzahl/Wegimpulszahl des Kraftfahrzeugs
        und

    e)  nach jeder Änderung des wirksamen Reifenumfangs des Kraftfahrzeugs,
        die sich aus der Änderung der Reifengröße ergibt.

2.2 An Kontrollgeräten nach Anhang I B der Verordnung (EWG) Nr. 3821/85
    sind zusätzlich Prüfungen durchzuführen

    a)  nach jeder Änderung des amtlichen Kennzeichens des Kraftfahrzeugs oder

    b)  wenn die UTC-Zeit von der korrekten Zeit um mehr als 20 Minuten
        abweicht.

**3** **Durchführung der Prüfung**

3.1 Einbauprüfungen, Nachprüfungen und Reparaturen von Fahrtschreibern und
    Kontrollgeräten nach Anhang I der Verordnung (EWG) Nr. 3821/85

3.1.1 Einbau, Funktionsprobe und Nachprüfung (bei Prüfungen nach Nummer
    2\.1).

3.1.1.1 Der Fahrtschreiber oder das Kontrollgerät ist in das Fahrzeug
    einzubauen sowie mechanisch und elektrisch anzuschließen.

3.1.1.2 Es ist eine Funktionsprobefahrt durchzuführen (entfällt bei
    Rollenprüfstand).

3.1.1.3 Die Anlage ist an den lösbaren mechanischen oder elektrischen
    Verbindungen mit Plombenzeichen zu plombieren.

3.1.1.4 Bei Nachprüfungen des eingebauten Fahrtschreibers oder Kontrollgeräts
    in den Fällen der Nummer 2.1 Buchstabe b bis e wird die angeglichene
    Wegdrehzahl geprüft und im Einbauschild unter w eingetragen; bei
    Fahrtschreibern oder Kontrollgeräten mit elektronischer Angleichung
    der Gerätekonstante an die Wegimpulszahl des Fahrzeugs wird die
    Wegimpulszahl geprüft und im Einbauschild unter w eingetragen.

3.1.2 Angleichung des Fahrtschreibers oder des Kontrollgeräts an das
    Kraftfahrzeug

3.1.2.1 Die Gerätekonstante auf dem Einbauschild ist festzustellen.

3.1.2.2 Das Wegdrehzahl- oder Wegimpulsmessgerät ist am Fahrzeug
    anzuschließen, danach ist das Fahrzeug abzurollen.

3.1.2.3 Die Wegdrehzahl/Wegimpulszahl w ist auf einer geeigneten ebenen
    Prüfstrecke von mindestens 40 m festzustellen; ersatzweise kann eine
    20 m lange Messstrecke bei Verwendung eines elektronischen
    Wegimpulszahlmessgeräts gewählt werden.

3.1.2.4 Die Messung der Wegdrehzahl/Wegimpulszahl w kann auch auf einem für
    diese Zwecke geeigneten Rollenprüfstand durchgeführt werden (w =
    Anzahl der Umdrehungen oder Impulse des Geräteanschlusses am Fahrzeug
    bezogen auf eine Wegstrecke von 1 km).

3.1.2.5 Bei Fahrtschreibern und Kontrollgeräten mit mechanischer Angleichung
    ist die Wegdrehzahl w an Gerätekonstante k innerhalb*
    2 % so anzugleichen, dass das Gerät im eingebauten Zustand die
    Fehlergrenze nach Anhang I Kapitel III Buchstabe f Nummer 2 der
    Verordnung (EWG) Nr. 3821/85 einhalten kann. Die Angleichung ist
    mittels Zwischengetriebe vorzunehmen und auf Einhaltung der
    Fehlergrenzen zu überprüfen. Bei Fahrtschreibern oder Kontrollgeräten
    mit elektronischer Angleichung der Gerätekonstante an die
    Wegimpulszahl des Fahrzeugs sind ebenfalls die Fehlergrenzen nach
    Anhang I Kapitel III Buchstabe f Nummer 2 der Verordnung (EWG) Nr.
    3821/85 einzuhalten.

3.1.2.6 Die Messung des Fahrzeugs ist wie folgt vorzunehmen:

    a)  mit unbeladenem Fahrzeug in fahrbereitem Zustand nur mit einem Fahrer
        besetzt,

    b)  mit verkehrssicheren Fahrzeugreifen und dem vom Fahrzeughersteller
        empfohlenen Innendruck,

    c)  durch nachfolgend beschriebene Bewegung des Fahrzeugs:

        Das Fahrzeug muss sich mit eigener Motorkraft geradlinig auf ebenem
        Gelände und mit einer Geschwindigkeit von 50*
        5 km/h fortbewegen. Die Messstrecke muss mindestens 1 000 m betragen.

        Die Prüfung kann auch mit anderen Methoden, wie zum Beispiel auf einem
        Prüfstand durchgeführt werden, sofern eine vergleichbare Genauigkeit
        gewährleistet ist.

3.1.2.7 Der nach Nummer 3.1.2.6 Buchstabe a und b zu berücksichtigende
    Normalzustand des Fahrzeugs kann aus anderen betrieblichen Zuständen
    des Fahrzeugs durch Korrektur der zugehörigen Messwerte rechnerisch
    angenähert sein (vgl. die Korrekturwerte bzw. die Korrekturtabellen
    der Fahrtschreiberhersteller).

3.1.2.8 Die Antriebswelle ist auf gute Verlegung und einwandfreien Lauf zu
    prüfen.

3.1.3 Untersuchung des Fahrtschreibers oder des Kontrollgeräts auf
    Eigenfehler (bei Prüfungen nach Nummer 2.1 Buchstabe a bis c)

3.1.3.1 Das Schaublatt ist mit den Fahrzeugdaten und Datum auszufüllen und in
    den Fahrtschreiber oder in das Kontrollgerät einzulegen.

3.1.3.2 Der Fahrtschreiber oder das Kontrollgerät ist als separate Komponente
    mit einem Prüfgerät zu kontrollieren; dabei dürfen die Abweichungen
    höchstens betragen:

    a)  zurückgelegte Wegstrecke:

        *                          1 %, bezogen auf 1 000 m,

    b)  Geschwindigkeit:

        *                          3 km/h (gilt bis Messbereich 125 km/h),

    c)  Zeit:

        *                          2 Minuten pro Tag oder

        *                          10 Minuten nach sieben Tagen.

3.1.3.3 Es ist ein Prüfdiagramm wie folgt zu erstellen:

    a)  Es sind drei Messpunkte nach Geschwindigkeitsanzeige anzufahren (zum
        Beispiel 40, 80, 120 für Messbereich 125 km/h).

    b)  Leitliniendiagramm

        Es ist kurzzeitig bis zum Endpunkt hochzufahren und das Prüfgerät ist
        nach ca. 60 Sekunden auszuschalten = zeitlose Abfalllinie.

    c)  Es ist wieder bis zum Endpunkt hochzufahren und danach in drei Stufen
        mit jeweils 60 Sekunden Verharrung auf jeden Messpunkt abwärts zu
        schreiben.

    d)  Das Prüfschaublatt ist durch ein Auswertgerät mit Lupe zu
        kontrollieren.

        Bei nichtauswertbarem Aufschrieb muss der Fahrtschreiber oder das
        Kontrollgerät instand gesetzt werden; anschließend ist die Überprüfung
        nach Nummer 3.1.3 zu wiederholen.

3.1.3.4 Die Prüfung nach Nummer 3.1.3 entfällt beim Einbau, wenn die Prüfung
    bereits vom Gerätehersteller vorgenommen wurde und nicht länger als
    ein Jahr zurückliegt.

3.2 Einbauprüfungen, Nachprüfungen und Reparaturen von Kontrollgeräten
    nach Anhang I B der Verordnung (EWG) Nr. 3821/85

3.2.1 Bei neuen oder reparierten Kontrollgeräten wird die ordnungsgemäße
    Arbeitsweise und die Genauigkeit der Anzeigen und Aufzeichnungen
    innerhalb der in den Nummern 3.2.5.1 und 3.2.5.2 festgelegten
    Fehlergrenzen durch die vom Hersteller oder der Werkstatt vorgenommene
    Plombierung bestätigt und muss beim Einbau oder der Eingabe des
    Fahrzeugkennzeichens nicht nochmals überprüft werden, sondern es sind
    lediglich die Prüfungen nach Nummer 3.2.3 Buchstabe c bis f
    durchzuführen.

3.2.2 Einbauprüfung

    Beim Einbau in ein Fahrzeug muss die Gesamtanlage (einschließlich
    Kontrollgerät) den Vorschriften über die in den Nummern 3.2.5.1 und
    3\.2.5.2 festgelegten Fehlergrenzen entsprechen.

3.2.3 Regelmäßige Nachprüfung

    Regelmäßige Nachprüfungen müssen bei jedem der unter Nummer 2
    aufgeführten Prüfungsfälle erfolgen. Überprüft werden mindestens:

    a)  die ordnungsgemäße Arbeitsweise des Kontrollgeräts einschließlich der
        Datenspeicherung auf den Kontrollgerätkarten,

    b)  die Einhaltung der in den Nummern 3.2.5.1 und 3.2.5.2 aufgeführten
        Fehlergrenzen des Geräts in eingebautem Zustand,

    c)  das Vorhandensein des Prüfzeichens auf dem Kontrollgerät,

    d)  das Vorhandensein des Einbauschilds,

    e)  die Unversehrtheit der Plombierung des Geräts und der anderen
        Einbauteile,

    f)  die Reifengröße und der tatsächliche Reifenumfang.

    Bestandteil der Überprüfung muss eine Kalibrierung nach Nummer 3.3
    sein.

3.2.4 Messung der Anzeigefehler

    Die Messung der Anzeigefehler beim Einbau und während der Benutzung
    wird unter folgenden Bedingungen, die als normale Prüfbedingungen
    anzusehen sind, durchgeführt:

    a)  unbeladenes Fahrzeug in fahrbereitem Zustand,

    b)  Reifendrücke gemäß Angaben des Herstellers,

    c)  Reifenabnutzung innerhalb der zulässigen Grenzen der Straßenverkehrs-
        Zulassungs-Ordnung,

    d)  Bewegung des Fahrzeugs:

        Das Fahrzeug muss sich mit eigener Motorkraft geradlinig auf ebenem
        Gelände und mit einer Geschwindigkeit von 50*
        5 km/h fortbewegen. Die Messstrecke muss mindestens 1 000 m betragen.

        Die Prüfung kann auch mit anderen Methoden, wie zum Beispiel auf einem
        Prüfstand durchgeführt werden, sofern eine vergleichbare Genauigkeit
        gewährleistet ist.

3.2.5 Fehlergrenzen

3.2.5.1 Messung der zurückgelegten Wegstrecke

3.2.5.1.1 Die Messung kann erfolgen:

    a)  als Kumulierung der Vorwärts- und der Rückwärtsfahrt oder

    b)  nur beim Vorwärtsfahren.

3.2.5.1.2 Das Kontrollgerät muss Wegstrecken von 0 bis 9 999 999,9 km messen
    können.

3.2.5.1.3 Die simuliert gemessene Wegstrecke muss innerhalb folgender
    Fehlergrenzen liegen (Strecken von mindestens 1 000 m):

    a)  *                          1 Prozent vor dem Einbau,

    b)  *                          2 Prozent beim Einbau und bei den
        regelmäßigen Nachprüfungen,

    c)  *                          4 Prozent während des Betriebs.

3.2.5.1.4 Die Wegstreckenmessung hat auf mindestens 0,1 km genau zu erfolgen.

3.2.5.2 Geschwindigkeitsmessung

3.2.5.2.1 Das Kontrollgerät muss Geschwindigkeiten von 0 bis 220 km/h messen
    können.

3.2.5.2.2 Zur Gewährleistung einer zulässigen Fehlergrenze der angezeigten
    Geschwindigkeit im Betrieb von*                    6 km/h und unter
    der Berücksichtigung

    a)  einer Fehlergrenze von*                          2 km/h für
        Eingangsabweichung (Reifenabweichung),

    b)  einer Fehlergrenze von*                          1 km/h beim Einbau
        oder der regelmäßigen Nachprüfung

    darf das Kontrollgerät bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 180 km/h
    und bei Wegimpulszahlen des Fahrzeugs zwischen 4 000 bis 25 000 Imp/km
    die Geschwindigkeit innerhalb einer Fehlergrenze von*
    1 km/h (bei konstanter Geschwindigkeit) messen. Auf Grund der
    Auflösung der Datenspeicherung ergibt sich eine weitere zulässige
    Fehlergrenze von 0,5 km/h für die im Kontrollgerät gespeicherte
    Geschwindigkeit.

3.2.5.2.3 Die Geschwindigkeitsmessung muss auf mindestens 1 km/h genau erfolgen.

3.2.6 Die Prüfabläufe und die Erstellung des Prüfdiagramms müssen nach den
    Vorgaben des Kontrollgeräteherstellers erfolgen.

3.3 Kalibrierung

    Bei der Kalibrierung müssen folgende Vorgänge ausgeführt werden:

    a)  Koppelung des Weg- und/oder Geschwindigkeitsgebers mit der
        Fahrzeugeinheit,

    b)  digitale Angleichung der Konstante des Kontrollgeräts (k) an die
        Wegimpulszahl (w) des Fahrzeugs (Kraftfahrzeuge mit mehreren
        Hinterachsuntersetzungen müssen mit einer Umschalteinrichtung
        ausgerüstet sein, durch die die verschiedenen
        Untersetzungsverhältnisse automatisch auf die Wegimpulszahl gebracht
        werden, für die das Gerät abgestimmt wurde),

    c)  Kontrolle und gegebenenfalls Einstellung der aktuellen Uhrzeit (UTC-
        Zeit), gegebenenfalls die Einstellung des aktuellen Kilometerstands
        (Gerätetausch),

    d)  Aktualisierung der im Massenspeicher gespeicherten Kenndaten des Weg-
        und/oder Geschwindigkeitsgebers,

    e)  Aktualisierung oder Bestätigung der anderen dem Kontrollgerät
        bekannten Parameter wie:

        aa) Fahrzeugkennung:

            aaa) Fahrzeugkennzeichen,

            bbb) Fahrzeug-Identifizierungsnummer,

            ccc) zulassender Mitgliedstaat (Country Code);

        bb) Fahrzeugmerkmale:

            aaa) Wegimpulszahl (w),

            bbb) Konstante (k),

            ccc) Reifenumfang (L),

            ddd) Reifengröße,

            eee) UTC-Zeit,

            fff) aktueller Kilometerstand,

            ggg) Wert der gesetzlich vorgeschriebenen Abregelgeschwindigkeit des
                Fahrzeugs.

    Nach der Kalibrierung muss ein Ausdruck der technischen Daten am
    Kontrollgerät sowie ein Download der Werkstattkartendaten erstellt
    werden. Das Kalibrierungsprotokoll muss zusammen mit dem Prüfnachweis
    für drei Jahre aufbewahrt werden.

(zu § 57b Absatz 3 und 4)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__73.html
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