Title: Anlage 5 Vereinfachtes Nachweisverfahren für ein zu errichtendes Wohngebäude

Description:
Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (GEG)
Teil 9 - Übergangsvorschriften
Anlage 5 Vereinfachtes Nachweisverfahren für ein zu errichtendes Wohngebäude

Paragraph: 115

Content:
Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (GEG)
Teil 9 - Übergangsvorschriften
Anlage 5 Vereinfachtes Nachweisverfahren für ein zu errichtendes Wohngebäude

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 1776 - 1781; bezüglich der einzelnen
Änderungen vgl. Fußnote)

**1.** **Voraussetzungen für die Anwendung des vereinfachten
    Nachweisverfahrens**

    Das vereinfachte Nachweisverfahren nach § 31 Absatz 1 kann auf ein zu
    errichtendes Wohngebäude angewendet werden, wenn sämtliche der
    folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

    a)  Das Gebäude ist ein Wohngebäude im Sinne des § 3 Nummer 33; wird ein
        gemischt genutztes Gebäude nach § 106 Absatz 1 oder Absatz 2 in zwei
        Gebäudeteile aufgeteilt, kann das vereinfachte Nachweisverfahren nach
        § 31 Absatz 1 bei Erfüllung aller anderen Voraussetzungen auf den
        Wohngebäudeteil angewendet werden.

    b)  Das Gebäude darf nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet sein.

    c)  Die Dichtheit des Gebäudes ist nach § 26 zu prüfen und muss die dort
        genannten Grenzwerte einhalten.

    d)  Damit der sommerliche Wärmeschutz auch ohne Nachweisrechnung als
        ausreichend angesehen werden kann, muss das Gebäude folgende
        Voraussetzungen erfüllen:

        aa) beim kritischen Raum (Raum mit der höchsten Wärmeeinstrahlung im
            Sommer) beträgt der Fensterflächenanteil bezogen auf die Grundfläche
            dieses Raums nicht mehr als 35 Prozent,

        bb) sämtliche Fenster in Ost-, Süd- oder Westorientierung (inklusive derer
            eines eventuellen Glasvorbaus) sind mit außen liegenden
            Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor F
            C                                ≤ 0,30 ausgestattet.

    e)  Die beheizte Bruttogrundfläche des Gebäudes A
[^F812398_03_BJNR172810020BJNE012101119]
        BGF, Gebäude
        darf nicht kleiner als 115 Quadratmeter und nicht größer als 2 300
        Quadratmeter sein.

    f)[^F812398_04_BJNR172810020BJNE012101119]
  Die mittlere Geschosshöhe
        nach DIN V 18599-1: 2018-09 des Gebäudes darf nicht kleiner als 2,5
        Meter und nicht größer als 3 Meter sein.

    g)  Die Kompaktheit des Gebäudes in Bezug auf das Verhältnis von
        Bruttoumfang beheizter Bruttogrundfläche A
        BGF, Geschoss                          jedes beheizten Geschosses muss
        folgende Voraussetzung erfüllen: Das Quadrat des Bruttoumfangs U
        brutto                          in Meter darf höchstens das 20fache
        der beheizten Bruttogrundfläche eines beheizten Geschosses A
        BGF, Geschoss                          in Quadratmeter betragen; bei
        einem angebauten Gebäude ist in den Bruttoumfang auch derjenige Anteil
        einzurechnen, der an benachbarte beheizte Gebäude angrenzt.

    h)[^F812398_05_BJNR172810020BJNE012101119]
  Bei Gebäuden mit beheizten Räumen in mehreren Geschossen müssen die
        beheizten Bruttogeschossflächen aller Geschosse ohne Vor- oder
        Rücksprünge deckungsgleich sein; nur das oberste Geschoss darf eine
        kleinere beheizte Bruttogeschossfläche als das darunter liegende
        Geschoss besitzen.

    i)  Insgesamt darf das Gebäude nicht mehr als sechs beheizte Geschosse
        besitzen.

    j)[^F812398_06_BJNR172810020BJNE012101119]
  Der Fensterflächenanteil des Gebäudes
        darf bei zweiseitig angebauten Gebäuden nicht mehr als 35 Prozent, bei
        allen anderen Gebäuden nicht mehr als 30 Prozent an der gesamten
        Fassadenfläche des Gebäudes betragen.

    k)  Die Gesamtfläche spezieller Fenstertüren an der gesamten
        Fassadenfläche des Gebäudes darf bei freistehenden Gebäuden und
        einseitig angebauten Gebäuden 4,5 Prozent und bei zweiseitig
        angebauten Gebäuden 5,5 Prozent nicht überschreiten.

    l)[^F812398_07_BJNR172810020BJNE012101119]
  Die Fläche der in nördliche Richtung orientierten
        Fenster des Gebäudes darf nicht größer sein als der Mittelwert der
        Fensterflächen anderer Orientierungen.

    m)  Der Anteil von Dachflächenfenstern, Lichtkuppeln und ähnlichen
        transparenten Bauteilen im Dachbereich darf nicht mehr als 6 Prozent
        der Dachfläche betragen.

    n)[^F812398_08_BJNR172810020BJNE012101119]
  Die Gesamtfläche aller Außentüren
        darf bei Ein- und Zweifamilienhäusern 2,7 Prozent, ansonsten 1,5
        Prozent der beheizten Bruttogrundfläche des Gebäudes nicht
        überschreiten.

**2.** **Bauteilanforderungen**

    Folgende Anforderungen an die jeweiligen einzelnen Bauteile der
    thermischen Gebäudehülle müssen eingehalten werden:

    •   Dachflächen, oberste Geschossdecke, Dachgauben:

        U ≤ 0,14 W/(m
        2                          K)

    •   Fenster und sonstige transparente Bauteile:

        U
        w                          ≤ 0,90 W/(m
        2                          K)

    •   Dachflächenfenster:

        U
        w                          ≤ 1,0 W/(m
        2                          K)

    •   Außenwände, Geschossdecken nach unten gegen Außenluft:

        U ≤ 0,20 W/(m
        2                          K)

    •   Sonstige opake Bauteile (Kellerdecken, Wände und Decken zu unbeheizten
        Räumen, Wand- und Bodenflächen gegen Erdreich, etc.):

        U ≤ 0,25 W/(m
        2                          K)

    •   Türen (Keller- und Außentüren)

        U
        D                          ≤ 1,2 W/(m
        2                          K)

    •   Lichtkuppeln und ähnliche Bauteile:

        U ≤ 1,5 W/(m² K)

    •   Spezielle Fenstertüren (mit Klapp-, Falt-, Schiebe- oder
        Hebemechanismus):

        U
        W                          ≤ 1,4 W/(m
        2                          K)

    •   Vermeidung von Wärmebrücken:

        *                         U
        WB                          ≤ 0,035 W/(m
        2                          K).

    Die Anforderungen sind über die gesamte Fläche des jeweiligen Bauteils
    einzuhalten. Zudem müssen die Anforderungen an die Ausführung von
    Wärmebrücken sowie an die Luftdichtheit der Gebäudehülle eingehalten
    werden.

**3.** **Zulässige Anlagenkonzepte**

    Für die Anlagentechnik ist eines der nachfolgenden Anlagenkonzepte
    umzusetzen:

    •   Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe,
        zentrale Abluftanlage

    •   Wasser-Wasser-Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe,
        zentrale Abluftanlage

    •   Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe,
        zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
        (Wärmebereitstellungsgrad ≥ 80 %)

    •   Fernwärme mit zertifiziertem Primärenergiefaktor f
        p                          ≤ 0,7, zentrale Lüftungsanlage mit
        Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad ≥ 80 %)

    •   Zentrale Biomasse-Heizungsanlage auf Basis von Holzpellets,
        Hackschnitzeln oder Scheitholz, zentrale Abluftanlage, solarthermische
        Anlage zur Trinkwarmwasser-Bereitung

    Der Aufstellungsort des Wärmeerzeugers beziehungsweise der
    Wärmeübergabestation muss innerhalb der thermischen Gebäudehülle
    liegen und es muss eine zentrale Trinkwarmwasser-Bereitung vorhanden
    sein. Bei Wahl eines Anlagenkonzeptes mit Wärmepumpe dürfen einzelne
    Komponenten auch außerhalb der thermischen Gebäudehülle aufgestellt
    werden, wenn sich mindestens die Geräte zur Wärmespeicherung und
    -verteilung innerhalb der thermischen Gebäudehülle befinden. Bei Wahl
    einer Wärmepumpe kann die Trinkwarmwasser-Bereitung mittels
    Durchlauferhitzer dezentral erfolgen. Eine Trinkwarmwasser-Zirkulation
    ist zulässig.

    Eine zentrale Abluftanlage kann durch eine Lüftungsanlage mit
    Wärmerückgewinnung ersetzt werden. Für diese besteht dann keine
    Anforderung an einen ausschließlichen Einsatz einer zentralen Anlage.
    Darüber hinausgehende Abweichungen von den genannten Anforderungen an
    die Bauteile und den aufgeführten Anlagenkonzepten sind für dieses
    Nachweisverfahren nicht zulässig. Weitere Wärmeerzeuger für Heizung
    oder Trinkwarmwasser sind nicht zulässig, auch nicht als ergänzender
    Wärmeerzeuger. Soweit sinnvoll, können die Konzepte um solarthermische
    Anlagen (Heizungsunterstützung und Trinkwarmwasser-Bereitung) oder
    Photovoltaik-Anlagen ergänzt werden.

    Als zentrale Lüftungsanlage gelten sowohl gebäude- als auch
    wohnungszentrale Anlagen. Die Anforderung an den Einbau einer
    Lüftungsanlage besteht dabei an das Gebäude. Bei dem Einbau
    wohnungszentraler Anlagen in ein Mehrfamilienhaus sind Anlagen
    mindestens in jede einzelne Wohnung einzubauen. Die jeweiligen
    Anforderungen an den Wärmebereitstellungsgrad werden für
    Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gleichwertig erfüllt, wenn die
    zentrale Lüftungsanlage einen spezifischen Energieverbrauch von SEV <
    – 26 kWh/(m
    2                    a) gemäß der Definition des SEV nach Anhang 1
    Nummer 1 der Verordnung (EU) Nr.
    1253/2014                    der Kommission vom 7. Juli 2014 zur
    Durchführung der Richtlinie 2009/125/EG des Europäischen Parlaments
    und des Rates hinsichtlich der Anforderungen an die umweltgerechte
    Gestaltung von Lüftungsanlagen (ABl. L 337 vom 25.11.2014, S. 8)
    aufweist.

[^F812398_03_BJNR172810020BJNE012101119]:     Die „beheizte Bruttogrundfläche des Gebäudes A             BGF
    “ ist die Summe der Bruttogrundflächen aller beheizten Geschosse,
    wobei bei Gebäuden mit zwei oder mehr beheizten Geschossen nur 80
    Prozent der Bruttogrundfläche des obersten beheizten Geschosses
    eingerechnet werden.
    Die „mittlere Geschosshöhe des Gebäudes“ ist der flächengewichtete
    Durchschnitt der Geschosshöhen aller beheizten Geschosse des Gebäudes.
[^F812398_04_BJNR172810020BJNE012101119]:     Kellerabgänge und Kellervorräume sind keine beheizten Geschosse im
    Sinne dieser Regelung, soweit sie nur indirekt beheizt sind.
[^F812398_05_BJNR172810020BJNE012101119]:     Der Fensterflächenanteil ist der Quotient aus Fensterfläche und der
    Summe aus Fensterfläche und Außenwand-/Fassadenfläche. Die
    Fensterfläche ist einschließlich Fenstertüren und spezieller
    Fenstertüren zu ermitteln; spezielle Fenstertüren sind barrierefreie
    Fenstertüren gemäß DIN 18040-2: 2011-09 sowie Schiebe-, Hebe-Schiebe-,
    Falt- und Faltschiebetüren.
[^F812398_06_BJNR172810020BJNE012101119]:     Fenster sind in nördliche Richtungen orientiert, wenn die Senkrechte
    auf die Fensterfläche nicht mehr als 22,5 Grad von der Nordrichtung
    abweicht.
[^F812398_07_BJNR172810020BJNE012101119]:     Öffnungsmaße von Fenstern und Türen werden gemäß DIN V 18599-1:
    2018-09 mit den lichten Rohbaumaßen innen ermittelt.
[^F812398_08_BJNR172810020BJNE012101119]: 
(zu § 32 Absatz 3)

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