Title: Anlage 1 Allgemeine Kriterien für die Risikobewertung

Description:
Verordnung über die Sicherheitsstufen und Sicherheitsmaßnahmen bei gentechnischen Arbeiten in gentechnischen Anlagen (GenTSV 2021)
Abschnitt 6 - Ordnungswidrigkeiten
Anlage 1 Allgemeine Kriterien für die Risikobewertung

Paragraph: 33

Content:
Verordnung über die Sicherheitsstufen und Sicherheitsmaßnahmen bei gentechnischen Arbeiten in gentechnischen Anlagen (GenTSV 2021)
Abschnitt 6 - Ordnungswidrigkeiten
Anlage 1 Allgemeine Kriterien für die Risikobewertung

(Fundstelle: BGBl. I 2019, 1248 - 1250)

Allgemeine Kriterien für die Risikobewertung von Organismen bei
gentechnischen Arbeiten, sofern relevant:

**1.** **Informationen über Spender- und Empfängerorganismen bzw.
    Ausgangsorganismen**

    a)  Name und Bezeichnung

    b)  Grad der Verwandtschaft

    c)  Herkunft

    d)  Information über reproduktive Zyklen (sexuell/asexuell) des
        Ausgangsorganismus oder ggf. des Empfängerorganismus

    e)  Angaben über frühere gentechnische Veränderungen

    f)  Stabilität des Empfängerorganismus in Bezug auf die einschlägigen
        genetischen Merkmale

    g)  Pathogenität des Organismus für abwehrgesunde Menschen oder Tiere

    h)  kleinste infektiöse Dosis

    i)  Toxizität für die Umwelt sowie Toxizität und Allergenität für Menschen

    j)  Widerstandsfähigkeit des Organismus: Überleben des Organismus bzw.
        Erhalten der Vermehrungs- und Infektionsfähigkeit von Mikroorganismen
        unter relevanten Bedingungen

    k)  Kolonisierungskapazität

    l)  Wirtsbereich

    m)  Art der Übertragung, z. B. durch

        –   direkten oder indirekten Kontakt mit der verletzten oder unverletzten
            Haut oder Schleimhaut

        –   Aerosole oder Staub über den Atemtrakt

        –   Wasser oder Lebensmittel über den Verdauungstrakt

        –   Biss, Stich oder Injektion sowie über die Keimbahn bei tierischen
            Überträgern

        –   diaplazentare Übertragung

    n)  Möglichkeit der Übertragung von Krankheitserregern durch den
        Organismus

    o)  Verfügbarkeit von Therapeutika und/oder Impfstoffen und/oder anderen
        wirksamen Methoden zur Verhütung und Behandlung von humanen
        Erkrankungen

    p)  Art und Eigenschaften der in den Organismen enthaltenen Vektoren:

        –   Sequenz

        –   Mobilisierbarkeit

        –   Wirtsspezifität

        –   Vorhandensein von relevanten Genen, z. B. Resistenzgenen

    q)  Adventiv-Agenzien, die in den Organismus eingefügtes genetisches
        Material mobilisieren könnten

    r)  andere potentiell signifikante physiologische Merkmale

    s)  Stabilität der Merkmale nach Buchstabe r

    t)  epidemiologische Situation:

        –   Vorkommen und Verbreitung des Organismus

        –   Rolle von lebenden Überträgern und Organismenreservoirs

        –   Ausmaß der natürlichen Resistenz bei Mensch und Tier gegen den
            Organismus

        –   Grad der erworbenen Immunität bei Mensch und Tier (z. B. durch stille
            Feiung und Impfung)

        –   Vorkommen bzw. Nichtvorkommen eines geeigneten Wirtstiers

        –   Resistenz bei Pflanzen (natürliche oder durch Züchtung bedingte)

        –   Vorkommen bzw. Nichtvorkommen und Verbreitung einer geeigneten
            Wirtspflanze für den Organismus

    u)  bedeutende Beteiligung des Organismus an Umweltprozessen (z. B.
        Stickstofffixierung oder pH-Regelung)

    v)  Vorliegen von geeigneten Bedingungen zur Besiedelung der Umwelt durch
        den Organismus

    w)  Wechselwirkung mit anderen und Auswirkungen auf andere Organismen in
        der Umwelt (einschließlich voraussichtlicher konkurrierender oder
        symbiotischer Eigenschaften)

    x)  Fähigkeit, Überlebensstrukturen zu bilden (z. B. Samen, Sporen oder
        Sklerotien), und deren Ausbreitungsmöglichkeiten

**2.** **Informationen über den gentechnisch veränderten Organismus**

2.1 Beschreibung der gentechnischen Veränderung

    a)  Beschreibung der gentechnischen Veränderung einschließlich des
        Verfahrens zur Einführung des Vektors bzw. Inserts in den
        Empfängerorganismus oder des Verfahrens, das zur Erzielung der
        betreffenden gentechnischen Veränderung angewandt wird

    b)  Herkunft des genetischen Materials, ggf. Identität des
        Spenderorganismus/der Spenderorganismen und der Merkmale

    c)  vorangegangene gentechnische Veränderungen des Inserts

    d)  Funktion der betreffenden gentechnischen Veränderung und/oder der
        neuen Nukleinsäure

    e)  Art und Herkunft des Vektors

    f)  Struktur und Menge eines Vektors und/oder einer Nukleinsäure des
        Spenderorganismus, wenn der Vektor und/oder die Nukleinsäure noch in
        der Endstruktur des veränderten Organismus verblieben sind

    g)  Stabilität des Organismus in Bezug auf die gentechnisch veränderten
        Merkmale

    h)  Häufigkeit der Mobilisierung des eingefügten Vektors und/oder
        Fähigkeit des Vektors zur Übertragung genetischer Information

    i)  Höhe der Expression des gentechnisch eingeführten Materials;
        Messverfahren und Empfindlichkeitsgrad

    j)  Ort des eingefügten genetischen Materials (Angabe zu einer möglichen
        Aktivierung/Deaktivierung von Wirtsgenen durch die Einfügung)

    k)  Aktivität des zur Expression gebrachten Proteins

2.2 Gesundheitliche Erwägungen

    a)  toxische oder allergene Auswirkungen der gentechnisch veränderten
        Organismen und/oder ihrer Stoffwechselprodukte

    b)  Produktrisiken

    c)  Vergleich der Pathogenität des gentechnisch veränderten Organismus mit
        der des Spender- oder Empfängerorganismus oder ggf. des
        Ausgangsorganismus

    d)  Kolonisierungskapazität

    e)  bei Pathogenität des gentechnisch veränderten Organismus für Menschen,
        die abwehrgesund sind:

        –   verursachte Krankheiten und Mechanismus der Krankheiten hervorrufenden
            Eigenschaften einschließlich Invasivität und Virulenz

        –   Übertragbarkeit

        –   Infektionsdosis

        –   Wirtsbereich, mögliche Veränderung des Wirtsbereiches

        –   mögliche Änderung des Infektionsweges oder der Gewebsspezifität

        –   Möglichkeit des Überlebens außerhalb des menschlichen Wirts

        –   Vorhandensein von Überträgern oder Mitteln der Verbreitung

        –   biologische Stabilität

        –   Muster der Antibiotikaresistenz

        –   Allergenität

        –   Toxizität

        –   Verfügbarkeit geeigneter Therapien und prophylaktischer Maßnahmen

2.3 Umwelterwägungen

    a)  Faktoren, die das Überleben, die Vermehrung und die Verbreitung der
        gentechnisch veränderten Organismen in der Umwelt beeinflussen

    b)  verfügbare Techniken zur Erfassung, Identifizierung und Überwachung
        der gentechnisch veränderten Organismen

    c)  verfügbare Techniken zur Erfassung der Übertragung des gentechnisch
        eingeführten Materials auf andere Organismen

    d)  bekannte und vorhergesagte Habitate des gentechnisch veränderten
        Organismus

    e)  Beschreibung der Ökosysteme, auf die der Organismus unbeabsichtigt
        verbreitet werden könnte

    f)  erwarteter Mechanismus und Ergebnis der Wechselwirkung zwischen dem
        gentechnisch veränderten Organismus und den Organismen oder
        Mikroorganismen, die im Falle einer Freisetzung in die Umwelt belastet
        werden könnten

    g)  bekannte oder vorhersagbare Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere, wie
        Krankheiten hervorrufende Eigenschaften, Infektion, Toxigenität,
        Virulenz, Überträger der Krankheiten hervorrufenden Eigenschaften,
        Allergenität, veränderte Muster der Antibiotikaresistenz, veränderter
        Tropismus, Kolonisierung

    h)  bekannte oder vorhersagbare Beteiligung an biogeochemischen Prozessen

    i)  Verfügbarkeit von Methoden zur Dekontamination des Gebiets im Falle
        eines Austretens von gentechnisch veränderten Organismen in die Umwelt

(zu § 14)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/gentsv_2021/__33.html
Directory: gentsv_2021
Level: 3.0