Title: Anlage 11 Anforderungen an die Inhalte der Schulung für die Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen

Description:
Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (GEG)
Teil 9 - Übergangsvorschriften
Anlage 11 Anforderungen an die Inhalte der Schulung für die Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen

Paragraph: 115

Content:
Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (GEG)
Teil 9 - Übergangsvorschriften
Anlage 11 Anforderungen an die Inhalte der Schulung für die Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 1791 - 1792)

1.  Zweck der Schulung

    Die nach § 88 Absatz 2 Nummer 2 verlangte Schulung soll die Aussteller
    von Energieausweisen in die Lage versetzen, bei der Ausstellung
    solcher Energieausweise die Vorschriften dieses Gesetzes
    einschließlich des technischen Regelwerks zum energiesparenden Bauen
    sachgemäß anzuwenden. Die Schulung soll praktische Übungen
    einschließen und insbesondere die im Folgenden genannten
    Fachkenntnisse vermitteln.

2.  Inhaltliche Schwerpunkte der Schulung zu Wohngebäuden

    a)  Bestandsaufnahme und Dokumentation des Gebäudes, der Baukonstruktion
        und der technischen Anlagen

        Ermittlung, Bewertung und Dokumentation des Einflusses der
        geometrischen und energetischen Kennwerte der Gebäudehülle
        einschließlich aller Einbauteile und Wärmebrücken, der Luftdichtheit
        und Erkennen von Leckagen, der bauphysikalischen Eigenschaften von
        Baustoffen und Bauprodukten einschließlich der damit verbundenen
        konstruktiv-statischen Aspekte, der energetischen Kennwerte von
        anlagentechnischen Komponenten einschließlich deren
        Betriebseinstellung und Wartung, der Auswirkungen des Nutzerverhaltens
        und von Leerstand und von Klimarandbedingungen und
        Witterungseinflüssen auf den Energieverbrauch.

    b)  Beurteilung der Gebäudehülle

        Ermittlung von Eingangs- und Berechnungsgrößen für die energetische
        Berechnung, wie zum Beispiel Wärmeleitfähigkeit,
        Wärmedurchlasswiderstand, Wärmedurchgangskoeffizient,
        Transmissionswärmeverlust, Lüftungswärmebedarf und nutzbare interne
        und solare Wärmegewinne. Durchführung der erforderlichen Berechnungen
        nach DIN V 18599 oder DIN V 4108-6 sowie Anwendung vereinfachter
        Annahmen und Berechnungs- und Beurteilungsmethoden. Berücksichtigung
        von Maßnahmen des sommerlichen Wärmeschutzes und Berechnung nach DIN
        4108-2, Kenntnisse über Luftdichtheitsmessungen und die Ermittlung der
        Luftdichtheitsrate.

    c)  Beurteilung von Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen

        Detaillierte Beurteilung von Komponenten einer Heizungsanlage zur
        Wärmeerzeugung, Wärmespeicherung, Wärmeverteilung und Wärmeabgabe.
        Kenntnisse über die Interaktion von Gebäudehülle und Anlagentechnik,
        Durchführung der Berechnungen nach DIN V 18599 oder DIN V 4701-10,
        Beurteilung von Systemen der alternativen und erneuerbaren Energie-
        und Wärmeerzeugung.

    d)  Beurteilung von Lüftungs- und Klimaanlagen

        Bewertung unterschiedlicher Arten von Lüftungsanlagen und deren
        Konstruktionsmerkmalen, Berücksichtigung der Brand- und
        Schallschutzanforderungen für lüftungstechnische Anlagen, Durchführung
        der Berechnungen nach DIN V 18599 oder DIN V 4701-10, Grundkenntnisse
        über Klimaanlagen.

    e)  Erbringung der Nachweise

        Kenntnisse über energetische Anforderungen an Wohngebäude und das
        Bauordnungsrecht, insbesondere des Mindestwärmeschutzes, die
        Durchführung der Nachweise und Berechnungen des Jahres-
        Primärenergiebedarfs, die Ermittlung des Energieverbrauchs und seine
        rechnerische Bewertung einschließlich der Witterungsbereinigung und
        über die Ausstellung eines Energieausweises.

    f)  Grundlagen der Beurteilung von Modernisierungsempfehlungen
        einschließlich ihrer technischen Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit

        Kenntnisse und Erfahrungswerte über Amortisations- und
        Wirtschaftlichkeitsberechnung für einzelne Bauteile und Anlagen
        einschließlich Investitionskosten und Kosteneinsparungen, über
        erfahrungsgemäß wirtschaftlich rentable, im Allgemeinen
        verwirklichungsfähige Modernisierungsempfehlungen für kosteneffiziente
        Verbesserungen der energetischen Eigenschaften des Wohngebäudes, über
        Vor- und Nachteile bestimmter Verbesserungsvorschläge unter
        Berücksichtigung bautechnischer und rechtlicher Rahmenbedingungen (zum
        Beispiel bei Wechsel des Heizenergieträgers, Grenzbebauung,
        Grenzabstände), über aktuelle Förderprogramme, über tangierte
        bauphysikalische und statisch-konstruktive Einflüsse, wie zum Beispiel
        Wärmebrücken, Tauwasseranfall (Kondensation), Wasserdampftransport,
        Schimmelpilzbefall, Bauteilanschlüsse und Vorschläge für weitere
        Abdichtungsmaßnahmen, über die Auswahl von Materialien zur Herstellung
        der Luftdichtheit nach den Gesichtspunkten der Verträglichkeit der
        Wirksamkeit sowie der Dauerhaftigkeit und über Auswirkungen von
        wärmeschutztechnischen Maßnahmen auf den Schall- und Brandschutz.
        Erstellung erfahrungsgemäß wirtschaftlich rentabler, im Allgemeinen
        verwirklichungsfähiger Modernisierungsempfehlungen für
        kosteneffiziente Verbesserungen der energetischen Eigenschaften.

3.  Inhaltliche Schwerpunkte der Schulung zu Nichtwohngebäuden

    Zusätzlich zu den unter Nummer 2 aufgeführten Schwerpunkten soll die
    Schulung insbesondere die nachfolgenden Fachkenntnisse zu
    Nichtwohngebäuden vermitteln:

    a)  Bestandsaufnahme und Dokumentation des Gebäudes, der Baukonstruktion
        und der technischen Anlagen

        Energetische Modellierung eines Gebäudes – hierzu gehören beheiztes
        oder gekühltes Volumen, konditionierte oder nicht konditionierte
        Räume, Versorgungsbereich der Anlagentechnik –, Ermittlung der
        Systemgrenze und Einteilung des Gebäudes in Zonen nach entsprechenden
        Nutzungsrandbedingungen, Zuordnung von geometrischen und energetischen
        Kenngrößen zu den Zonen und Versorgungsbereichen, Zusammenwirken von
        Gebäude und Anlagentechnik mit Verrechnung von Bilanzanteilen,
        Anwendung vereinfachter Verfahren, zum Beispiel die Anwendung des Ein-
        Zonen-Modells, Bestimmung von Wärmequellen und -senken und des
        Nutzenergiebedarfs von Zonen, Ermittlung, Bewertung und Dokumentation
        der energetischen Kennwerte von raumlufttechnischen Anlagen,
        insbesondere von Klimaanlagen, und Beleuchtungssystemen.

    b)  Beurteilung der Gebäudehülle

        Ermittlung von Eingangs- und Berechnungsgrößen und energetische
        Bewertung von Fassadensystemen, insbesondere von Vorhang- und
        Glasfassaden, Bewertung von Systemen für den sommerlichen Wärmeschutz
        und von Verbauungs- und Verschattungssituationen.

    c)  Beurteilung von Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen

        Berechnung des Endenergiebedarfs für Heizungs- und Warmwasserbereitung
        einschließlich der Verluste in den technischen Prozessschritten nach
        DIN V 18599-5 und DIN V 18599-8, Beurteilung von Kraft-Wärme-
        Kopplungsanlagen nach DIN V 18599-9, Bilanzierung von Nah- und
        Fernwärmesystemen und der Nutzung erneuerbarer Energien.

    d)  Beurteilung von raumlufttechnischen Anlagen und sonstigen Anlagen zur
        Kühlung

        Berechnung des Kühlbedarfs von Gebäuden (Nutzkälte) und der
        Nutzenergie für die Luftaufbereitung, Bewertung unterschiedlicher
        Arten von raumlufttechnischen Anlagen und deren
        Konstruktionsmerkmalen, Berücksichtigung der Brand- und
        Schallschutzanforderungen für diese Anlagen, Berechnung des
        Energiebedarfs für die Befeuchtung mit einem Dampferzeuger, Ermittlung
        von Übergabe- und Verteilverlusten, Bewertung von
        Bauteiltemperierungen, Durchführung der Berechnungen nach DIN V
        18599-2, DIN V 18599-3 und DIN V 18599-7 und der Nutzung erneuerbarer
        Energien.

    e)  Beurteilung von Beleuchtungs- und Belichtungssystemen

        Berechnung des Endenergiebedarfs für die Beleuchtung nach DIN V
        18599-4, Bewertung der Tageslichtnutzung, zum Beispiel der Fenster,
        der Tageslichtsysteme, des Beleuchtungsniveaus, des Wartungswertes
        sowie der Beleuchtungsstärke, der tageslichtabhängigen
        Kunstlichtregelung, zum Beispiel der Art, der Kontrollstrategie, des
        Funktionsumfangs, sowie des Schaltsystems und der
        Kunstlichtbeleuchtung, zum Beispiel der Lichtquelle, der
        Vorschaltgeräte sowie der Leuchten.

    f)  Erbringung der Nachweise

        Kenntnisse über energetische Anforderungen an Nichtwohngebäude und das
        Bauordnungsrecht, insbesondere den Mindestwärmeschutz, Durchführung
        der Nachweise und Berechnungen des Jahres-Primärenergiebedarfs,
        Ermittlung des Energieverbrauchs und seine rechnerische Bewertung
        einschließlich der Witterungsbereinigung, Ausstellung eines
        Energieausweises.

    g)  Grundlagen der Beurteilung von Modernisierungsempfehlungen
        einschließlich ihrer technischen Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit

        Erstellung von erfahrungsgemäß wirtschaftlich rentablen, im
        Allgemeinen verwirklichungsfähigen Modernisierungsempfehlungen für
        kosteneffiziente Verbesserungen der energetischen Eigenschaften für
        Nichtwohngebäude.

4.  Umfang der Schulung

    Der Umfang der Fortbildung insgesamt sowie der einzelnen Schwerpunkte
    soll dem Zweck und den Anforderungen dieser Anlage sowie der
    Vorbildung der jeweiligen Teilnehmer Rechnung tragen.

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Directory: geg
Level: 3.0