Title: Elektrische Anlagen

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Elektrische Anlagen

Paragraph: 9

Content:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Elektrische Anlagen

**19.** Allgemeines ****

    Elektrische Anlagen dürfen nur als Niederspannungsanlagen, die den
    allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ausgeführt
    werden.

**20.** Elektrische Betriebsmittel ****

    Kabel müssen schwer entflammbar, selbst verlöschend und
    widerstandsfähig gegen Wasser und Öl sein. Einzelkabel und -leitungen
    gelten als schwer entflammbar, wenn sie die Prüfanforderungen
    hinsichtlich der Flammausbreitung nach DIN EN 60332-1-1, Ausgabe Juni
    2005, erfüllen. Kabel- und Leitungsbündel gelten als
    bündelbrandsicher, wenn sie als Einzelkabel schwer entflammbar sind
    und, im Bündel verlegt, die Prüfanforderungen hinsichtlich der
    Flammausbreitung nach DIN EN 60332-1-3, Ausgabe Juni 2005, Kategorie
    A/F, erfüllen. Sofern die vorhandene Installation den allgemein
    anerkannten Regeln der Technik entspricht, müssen schwer entflammbare
    Kabel erst bei Neuinstallation verwendet werden.

**21.** Betriebsbedingungen ****

    Elektrische Einrichtungen müssen so gekapselt oder eingebaut sein,
    dass sie nicht durch Wasser, Feuchtigkeit, Brennstoff und Öle aller
    Art beschädigt werden können. Sie müssen geeignet sein für eine
    Umgebungstemperatur von bis zu 45 °C und einer Schlagseite bis zu 30°.

**22.** Systeme von Niederspannungsanlagen ****

    Folgende Verteilungssysteme sind zugelassen:

22.1 Für Gleichstrom und 1-Phasen-Wechselstrom:

    a)  2-Leiter, von denen der eine geerdet ist (L1/N/PE);

    b)  1-Leiter und Schiffskörperrückleitung, nur für örtlich begrenzte
        Anlagen (wie Startanlagen eines Verbrennungsmotors (L1/PEN);

    c)  2-Leiter isoliert vom Schiffskörper (L1/L2/PE).

22.2 Für Drehstrom (3-Phasen-Wechselstrom):

    a)  4-Leiter mit geerdetem Sternpunkt ohne Schiffskörperrückleitung
        (L1/L2/L3/N/PE) = (TN-S-Netz) oder (TT-Netz);

    b)  3-Leiter isoliert vom Schiffskörper (L1/L2/L3/PE) = (IT-Netz);

    c)  3-Leiter mit geerdetem Sternpunkt und Schiffskörperrückleitung, jedoch
        nicht für Endstromkreise (L1/L2/L3/PEN).

22.3 Die Berufsgenossenschaft kann die Verwendung anderer
    Verteilungssysteme zulassen.

**23.** Kabel und Leitungen ****

    Kabel und Leitungen dürfen nicht höher belastet und gesichert werden
    als nach der Leiterzahl und dem Leitungsquerschnitt zulässig. Der
    Schiffsrumpf darf nicht als Leiter benutzt werden.

**24.** Installation ****

24.1 Kabelführungen innerhalb von Raumisolierungen sind nur zulässig, wenn
    sie den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Kabel sind vor
    Wärmeeinwirkung und mechanischer Beschädigung zu schützen.

24.2 Bei Kabelbögen sind die zulässigen Biegeradien zu berücksichtigen.

24.3 Kabelbündel sollen nicht mehr als 6 Kabel in flacher Anordnung oder
    Gruppen von je drei Kabeln enthalten.

24.4 Die Kabelbahnen oder Kabelwege sollen aus korrosionsgeschützten,
    metallischen Werkstoffen hergestellt sein. Kabel und Leitungen müssen
    mit korrosionsgeschützten, schwer entflammbaren Schellen oder Bandagen
    befestigt werden. Ausgenommen sind Kabel, die in Rohren oder
    Kabelkanälen verlegt sind. Werden Kabel hängend mit Kunststoffschellen
    oder -bändern befestigt, so müssen in Maschinenräumen und in
    Fluchtwegen Metallbefestigungen in Abständen von nicht mehr als 1 m
    vorgenommen werden. Kabelführende metallische Rohre und Kabelkanäle
    müssen geerdet sein. Nichtmetallische Kabelrohre und -kanäle müssen
    schwer entflammbar sein.

24.5 Schott- und Decksdurchführungen müssen wasserdicht sein und der
    entsprechenden Brandklasse entsprechen.

24.6 Steckdosen und sonstige elektrische Betriebsmittel unter zu öffnenden
    Bullaugen und Fenstern sind nicht zugelassen.

**25.** Schalttafeln und -schränke ****

    Schalttafeln und -schränke müssen so beschaffen sein, dass sie das
    Auswechseln von Sicherungen und das Bedienen von
    Rückstelleinrichtungen von außen zulassen. Die Gehäuse müssen aus
    Metall oder einem schwer entflammbaren Werkstoff bestehen.

**26.** Sicherungen und Schalter ****

    Zum Abschalten der Bordnetzbatterien ist ein Hauptschalter vorzusehen.
    Jeder Generator ist gegen Kurzschluss und Überlast zu schützen. Alle
    Stromkreise müssen an der Hauptschalttafel spannungslos gemacht werden
    können. Betriebswichtige Verbraucher sind grundsätzlich einzeln
    abzusichern und einzeln zu schalten. Positionslaternen oder sonstige
    Navigationslichter müssen mindestens als getrennte Gruppe abgesichert
    und schaltbar sein. Verbraucher mit einem Nennstrom über 16 A müssen
    über einen getrennten Stromkreis eingespeist und abgesichert werden.

**27.** Mindestschutzarten ****

    Die Mindestschutzarten der elektrischen Geräte müssen der
    nachstehenden Tabelle entsprechen:

    *        *   Aufstellungsort

        *   Mindestschutzart

    *        *   Motoren-, Betriebs- und Kontrollräume

        *   IP 23

    *        *   Unter Deck, Wohnräume, Kajüten

        *   IP 20

    *        *   Kombüsen, sanitäre Räume

        *   IP 44

    *        *   Geschlossener Steuerstand

        *   IP 23

    *        *   Freies Deck, offene Steuerstände

        *   IP 55

    *        *   Geräte, die überflutet werden können

        *   IP 56

    *        *   Lüfterschächte zum offenen Deck

        *   IP 44

    *        *   Akkuräume, -schränke, -kästen

        *   IP 44

**28.** Akkumulatoren ****

    Akkumulatoren sind in gut be- und entlüfteten Kästen, Schränken oder
    Räumen aufzustellen, die der Wartung gut zugänglich sind. Sie müssen
    so beschaffen sein, dass ein Verrutschen und ein Auslaufen des
    Elektrolyts bis 40° Neigung verhindert wird. Bei Akkumulatoren mit
    einer Ladeleistung über 2 kW sind die Behälter oder Räume zum freien
    Deck hin zu be- und entlüften.

**29.** Motor- und Verbraucherbatterie ****

    Entsprechend der notwendigen Kapazitäten müssen mindestens eine Motor-
    und eine Verbraucherbatterie vorhanden sein.

**30.** Ersatzstromquelle ****

    Traditionsschiffe müssen mit einer Ersatzstromquelle ausgerüstet sein,
    die sich außerhalb des Maschinenraums befinden muss. Diese
    Ersatzstromquelle muss mindestens sechs Stunden lang den Betrieb der
    vorgeschriebenen Funkanlage sicherstellen können.

**31.** Hilfsbatterien ****

    Traditionsschiffe außerhalb küstennaher Seegewässer müssen zusätzlich
    mit mindestens einer Hilfsbatterie oder einer Ersatzstromquelle
    ausgestattet sein, die mindestens sechs Stunden lang die
    Navigationslichter und die Notbeleuchtung in Unterkünften und
    Maschinenraum mit Strom versorgt.

**32.** Prinzipschaltplan ****

    Für jedes Traditionsschiff muss bei der Berufsgenossenschaft ein
    Prinzipschaltplan der elektrischen Anlagen eingereicht werden, der die
    grundsätzlichen Schaltungen der Energieerzeugung, -speicherung und
    -verteilung zeigt, mit Leistungsangaben für Generatoren,
    Akkumulatoren, Verbraucher einschließlich deren Absicherung.

Kapitel 3

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
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Level: 2.0