Title: § 17 Ermittlung der Netzentgelte

Description:
Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (StromNEV)
Teil 2 - Methode zur Ermittlung der Netzentgelte
Abschnitt 3 - Kostenträgerrechnung
§ 17 Ermittlung der Netzentgelte

Paragraph: 17

Content:
Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (StromNEV)
Teil 2 - Methode zur Ermittlung der Netzentgelte
Abschnitt 3 - Kostenträgerrechnung
§ 17 Ermittlung der Netzentgelte

(1) Die von Netznutzern zu entrichtenden Netzentgelte sind ihrer Höhe
nach unabhängig von der räumlichen Entfernung zwischen dem Ort der
Einspeisung elektrischer Energie und dem Ort der Entnahme. Die
Netzentgelte richten sich nach der Anschlussnetzebene der
Entnahmestelle, den jeweils vorhandenen Messvorrichtungen an der
Entnahmestelle sowie der jeweiligen Benutzungsstundenzahl der
Entnahmestelle.

(2) Das Netzentgelt pro Entnahmestelle besteht aus einem
Jahresleistungspreis in Euro pro Kilowatt und einem Arbeitspreis in
Cent pro Kilowattstunde. Das Jahresleistungsentgelt ist das Produkt
aus dem jeweiligen Jahresleistungspreis und der Jahreshöchstleistung
in Kilowatt der jeweiligen Entnahme im Abrechnungsjahr. Das
Arbeitsentgelt ist das Produkt aus dem jeweiligen Arbeitspreis und der
im Abrechnungsjahr jeweils entnommenen elektrischen Arbeit in
Kilowattstunden.

(2a) Eine zeitgleiche Zusammenführung mehrerer Entnahmestellen zu
einer Entnahmestelle zum Zwecke der Ermittlung des
Jahresleistungsentgeltes nach Absatz 2 Satz 2 (Pooling) ist unabhängig
von einem entsprechenden Verlangen des jeweiligen Netznutzers
durchzuführen, wenn all diese Entnahmestellen

1.  durch denselben Netznutzer genutzt werden,

2.  mit dem Elektrizitätsversorgungsnetz desselben Netzbetreibers
    verbunden sind,

3.  sich auf der gleichen Netz- oder Umspannebene befinden und

4.  entweder Bestandteil desselben Netzknotens sind oder bei Vorliegen
    einer kundenseitigen galvanischen Verbindung an das
    Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind.

Im Übrigen ist ein Pooling mehrerer Entnahmestellen unzulässig. Das
Vorliegen der in Satz 1 genannten Voraussetzungen hat der Netznutzer
nachzuweisen. Das Pooling erfolgt

1.  im Falle des Satzes 1 Nummer 4 erste Alternative durch eine
    zeitgleiche und vorzeichengerechte Addition (Saldierung) der
    Lastgangzeitreihen der Entnahmestellen innerhalb des zeitgleichen
    Messintervalls der Lastgangzählung oder

2.  im Falle des Satzes 1 Nummer 4 zweite Alternative durch eine
    zeitgleiche Addition der richtungsgleichen Lastgangzeitreihen der
    einzelnen Entnahmestellen innerhalb des zeitgleichen Messintervalls
    der Lastgangzählung.

Abweichend von Satz 4 Nummer 2 erfolgt ein Pooling durch Saldierung
nach Satz 4 Nummer 1 auch im Falle des Satzes 1 Nummer 4 zweite
Alternative, wenn ein Transit vorliegt. Ein Transit ist gegeben, wenn
innerhalb des zeitgleichen Messintervalls der Lastgangzählung dieselbe
Energiemenge aus einer Entnahmestelle entnommen und zumindest
teilweise über eine andere, galvanisch verbundene Entnahmestelle
abgegeben wird.

(3) Zur Ermittlung der jeweiligen Netzentgelte einer Netz- oder
Umspannebene in Form von Leistungs- und Arbeitspreisen werden die nach
§ 16 Abs. 1 ermittelten leistungsbezogenen Gesamtjahreskosten mit den
Parametern der nach Anlage 4 ermittelten Geradengleichungen des
Gleichzeitigkeitsgrades nach § 16 Absatz 2 Satz 1 oder im Fall der
bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte nach § 16 Absatz 2 Satz 2
multipliziert.

(4) Die abschnittsweise festgelegten Jahresleistungspreise einer Netz-
oder Umspannebene eines Betreibers von Elektrizitätsversorgungsnetzen
in Euro pro Kilowatt ergeben sich jeweils als Produkt der
Gesamtjahreskosten und der jeweiligen Anfangswerte der
Geradengleichungen des Gleichzeitigkeitsgrades. Satz 1 ist auch auf
die Betreiber von Übertragungsnetzen mit Regelzonenverantwortung bei
der Ermittlung der bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte
anzuwenden.

(5) Die abschnittsweise festgelegten Arbeitspreise einer Netz- oder
Umspannebene eines Betreibers von Elektrizitätsversorgungsnetzen in
Cent pro Kilowattstunde ergeben sich jeweils als Produkt der
Gesamtjahreskosten und der jeweiligen Steigung der Geradengleichungen
der Gleichzeitigkeitsfunktion. Satz 1 ist auch auf die Betreiber von
Übertragungsnetzen mit Regelzonenverantwortung bei der Ermittlung des
bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelts anzuwenden.

(6) Für Entnahmestellen im Niederspannungsnetz mit einer jährlichen
Entnahme von bis zu 100 000 Kilowattstunden ist bei
Zählerstandsgangmessung oder einer anderen Form der Arbeitsmessung
anstelle des Leistungs- und Arbeitspreises ein Arbeitspreis in Cent
pro Kilowattstunde festzulegen. Soweit zusätzlich ein monatlicher
Grundpreis in Euro pro Monat festgelegt wird, haben Grundpreis und
Arbeitspreis in einem angemessenen Verhältnis zueinander zu stehen.
Das sich aus Grundpreis und Arbeitspreis ergebende Entgelt hat in
einem angemessenen Verhältnis zu jenem Entgelt zu stehen, das bei
einer leistungsgemessenen Entnahme im Niederspannungsnetz auf der
Grundlage der Arbeits- und Leistungswerte nach dem Standardlastprofil
des Netznutzers entstehen würde. Abweichend von den Sätzen 1 bis 3
sind die Netzentgelte im Falle von im Verteilernetz angeschlossenen
Anlagen zur Straßenbeleuchtung auch ohne Vorliegen einer
Leistungsmessung mittels Lastgangmessung nach den Vorgaben von Absatz
2 zu ermitteln, wenn eine rechnerisch oder auf Grundlage einer
Schätzung erfolgte Ermittlung von Arbeit und Leistung mit
hinreichender Sicherheit zu vergleichbaren zuverlässigen Ergebnissen
führt wie eine Leistungsmessung mittels Lastgangmessung.

(7) Soweit es nicht den Messstellenbetrieb für moderne
Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme nach dem
Messstellenbetriebsgesetz betrifft, ist für jede Entnahmestelle und
getrennt nach Netz- und Umspannebenen ab dem 1. Januar 2017 jeweils
ein Entgelt für den Messstellenbetrieb, zu dem auch die Messung
gehört, festzulegen. Bei der Festlegung des Entgelts sind die nach §
14 Absatz 4 auf die Netz- und Umspannebenen verteilten Kosten jeweils
vollständig durch die Summe der pro Entnahmestelle entrichteten
Entgelte der jeweiligen Netz- oder Umspannebene zu decken. Gesonderte
Abrechnungsentgelte als Bestandteil der Netznutzungsentgelte sind ab
dem 1. Januar 2017 nicht mehr festzulegen. Die Entgelte sind jeweils
für jede Entnahmestelle einer Netz-oder Umspannebene zu erheben. In
der Niederspannung sind davon abweichend jeweils Entgelte für
leistungs- und für nicht leistungsgemessene Entnahmestellen
festzulegen.

(8) Netzbetreiber können für den Strombezug der von Land aus
erbrachten Stromversorgung von Seeschiffen am Liegeplatz oberhalb der
Umspannung von Mittel- zu Niederspannung neben einem Jahres- und
Monatsleistungspreissystem auch eine Abrechnung auf der Grundlage von
Tagesleistungspreisen anbieten, wenn

1.  eine zeitlich begrenzte Leistungsaufnahme erfolgt, der in der übrigen
    Zeit eine deutlich geringere oder keine Leistungsaufnahme
    gegenübersteht, und

2.  auf Anforderung des Netzbetreibers die Leistungsaufnahme innerhalb von
    maximal 15 Minuten vollständig unterbrochen wird.

(9) Andere als in dieser Verordnung genannte Entgelte sind nicht
zulässig.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stromnev/__17.html
Directory: stromnev
Level: 4.0