Title: § 18 Marktbeherrschung

Description:
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
Teil 1 - Wettbewerbsbeschränkungen
Kapitel 2 - Marktbeherrschung, sonstiges wettbewerbsbeschränkendes Verhalten
§ 18 Marktbeherrschung

Paragraph: 18

Content:
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
Teil 1 - Wettbewerbsbeschränkungen
Kapitel 2 - Marktbeherrschung, sonstiges wettbewerbsbeschränkendes Verhalten
§ 18 Marktbeherrschung

(1) Ein Unternehmen ist marktbeherrschend, soweit es als Anbieter oder
Nachfrager einer bestimmten Art von Waren oder gewerblichen Leistungen
auf dem sachlich und räumlich relevanten Markt

1.  ohne Wettbewerber ist,

2.  keinem wesentlichen Wettbewerb ausgesetzt ist oder

3.  eine im Verhältnis zu seinen Wettbewerbern überragende Marktstellung
    hat.

(2) Der räumlich relevante Markt kann weiter sein als der
Geltungsbereich dieses Gesetzes.

(2a) Der Annahme eines Marktes steht nicht entgegen, dass eine
Leistung unentgeltlich erbracht wird.

(3) Bei der Bewertung der Marktstellung eines Unternehmens im
Verhältnis zu seinen Wettbewerbern ist insbesondere Folgendes zu
berücksichtigen:

1.  sein Marktanteil,

2.  seine Finanzkraft,

3.  sein Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten,

4.  sein Zugang zu den Beschaffungs- oder Absatzmärkten,

5.  Verflechtungen mit anderen Unternehmen,

6.  rechtliche oder tatsächliche Schranken für den Marktzutritt anderer
    Unternehmen,

7.  der tatsächliche oder potenzielle Wettbewerb durch Unternehmen, die
    innerhalb oder außerhalb des Geltungsbereichs dieses Gesetzes ansässig
    sind,

8.  die Fähigkeit, sein Angebot oder seine Nachfrage auf andere Waren oder
    gewerbliche Leistungen umzustellen, sowie

9.  die Möglichkeit der Marktgegenseite, auf andere Unternehmen
    auszuweichen.

(3a) Insbesondere bei mehrseitigen Märkten und Netzwerken sind bei der
Bewertung der Marktstellung eines Unternehmens auch zu
berücksichtigen:

1.  direkte und indirekte Netzwerkeffekte,

2.  die parallele Nutzung mehrerer Dienste und der Wechselaufwand für die
    Nutzer,

3.  seine Größenvorteile im Zusammenhang mit Netzwerkeffekten,

4.  sein Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten,

5.  innovationsgetriebener Wettbewerbsdruck.

(3b) Bei der Bewertung der Marktstellung eines Unternehmens, das als
Vermittler auf mehrseitigen Märkten tätig ist, ist insbesondere auch
die Bedeutung der von ihm erbrachten Vermittlungsdienstleistungen für
den Zugang zu Beschaffungs- und Absatzmärkten zu berücksichtigen.

(4) Es wird vermutet, dass ein Unternehmen marktbeherrschend ist, wenn
es einen Marktanteil von mindestens 40 Prozent hat.

(5) Zwei oder mehr Unternehmen sind marktbeherrschend, soweit

1.  zwischen ihnen für eine bestimmte Art von Waren oder gewerblichen
    Leistungen ein wesentlicher Wettbewerb nicht besteht und

2.  sie in ihrer Gesamtheit die Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllen.

(6) Eine Gesamtheit von Unternehmen gilt als marktbeherrschend, wenn
sie

1.  aus drei oder weniger Unternehmen besteht, die zusammen einen
    Marktanteil von 50 Prozent erreichen, oder

2.  aus fünf oder weniger Unternehmen besteht, die zusammen einen
    Marktanteil von zwei Dritteln erreichen.

(7) Die Vermutung des Absatzes 6 kann widerlegt werden, wenn die
Unternehmen nachweisen, dass

1.  die Wettbewerbsbedingungen zwischen ihnen wesentlichen Wettbewerb
    erwarten lassen oder

2.  die Gesamtheit der Unternehmen im Verhältnis zu den übrigen
    Wettbewerbern keine überragende Marktstellung hat.

(8) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie berichtet den
gesetzgebenden Körperschaften nach Ablauf von drei Jahren nach
Inkrafttreten der Regelungen in den Absätzen 2a und 3a über die
Erfahrungen mit den Vorschriften.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/gwb/__18.html
Directory: gwb
Level: 4.0