Title: Anlage XII Bedingungen für die Gleichwertigkeit von Luftfederungen und bestimmten anderen Federungssystemen an der (den) Antriebsachse(n) des Fahrzeugs

Description:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)
Ergänzungsbestimmungen
Anlage XII Bedingungen für die Gleichwertigkeit von Luftfederungen und bestimmten anderen Federungssystemen an der (den) Antriebsachse(n) des Fahrzeugs

Paragraph: 73

Content:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)
Ergänzungsbestimmungen
Anlage XII Bedingungen für die Gleichwertigkeit von Luftfederungen und bestimmten anderen Federungssystemen an der (den) Antriebsachse(n) des Fahrzeugs

(Fundstelle: BGBl. I 2012, 778 - 779)

**1** **Definition der Luftfederung**

    Ein Federungssystem gilt als luftgefedert, wenn die Federwirkung zu
    mindestens 75 Prozent durch pneumatische Vorrichtungen erzeugt wird.

**2** **Gleichwertigkeit mit der Luftfederung**

    Ein Federungssystem wird als der Luftfederung gleichwertig anerkannt,
    wenn es folgende Voraussetzungen erfüllt:

2.1 Während des kurzzeitigen freien niederfrequenten vertikalen
    Schwingungsvorgangs der gefederten Masse senkrecht über der
    Antriebsachse oder einer Achsgruppe dürfen die gemessene Frequenz und
    Dämpfung der Federung unter Höchstlast die unter den Nummern 2.2 bis
    2\.5 festgelegten Grenzwerte nicht überschreiten.

2.2 Jede Achse muss mit hydraulischen Dämpfern ausgerüstet sein. Bei
    Doppelachsen müssen die hydraulischen Dämpfer so angebracht sein, dass
    die Schwingung der Achsgruppe auf ein Mindestmaß reduziert wird.

2.3 Das mittlere Dämpfungsverhältnis D muss über 20 Prozent der kritischen
    Dämpfung der Federung im Normalzustand, das heißt mit
    funktionstüchtigen hydraulischen Dämpfern, betragen.

2.4 Wenn alle hydraulischen Dämpfer entfernt oder außer Funktion gesetzt
    sind, darf das Dämpfungsverhältnis der Federung nicht mehr als 50
    Prozent des mittleren Dämpfungsverhältnisses D betragen.

2.5 Die Frequenz der gefederten Masse über der Antriebsachse oder der
    Achsgruppe während eines kurzzeitigen freien vertikalen
    Schwingungsvorgangs darf 2,0 Hz nicht überschreiten.

2.6 Unter Nummer 3 werden die Frequenz und die Dämpfung der Federung
    definiert. Unter Nummer 4 werden die Prüfverfahren zur Ermittlung der
    Frequenz- und der Dämpfungswerte beschrieben.

**3** Definition von Frequenz und Dämpfung
    ****

    In dieser Definition wird von einer gefederten Masse M Kilogramm (kg)
    über einer Antriebsachse oder einer Achsgruppe ausgegangen. Die Achse
    oder die Achsgruppe hat einen vertikalen Gesamtdruck zwischen
    Straßenoberfläche und gefederter Masse von K Newton/Meter (N/m) und
    einen Gesamtdämpfungskoeffizienten von C Newton pro Meter und Sekunde
    (N/ms). Z ist der Weg der gefederten Masse in vertikaler Richtung. Die
    Bewegungsgleichung für die freie Schwingung der gefederten Masse
    lautet:

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0080.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0080.jpg)
    Die Frequenz der Schwingung der gefederten Masse F rad/s ist:

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0090.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0090.jpg)
    Die Dämpfung ist kritisch, wenn C = Co ist, wobei

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0100.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0100.jpg)
    ist.

    Das Dämpfungsverhältnis als Bruchteil des kritischen Wertes ist C/Co.

    Die kurzzeitige freie vertikale Schwingung der gefederten Masse ergibt
    die in Abbildung 2 dargestellte gedämpfte Sinuskurve. Die Frequenz
    lässt sich durch Messung der für sämtliche zu beobachtenden
    Schwingungszyklen benötigten Zeit ermitteln. Die Dämpfung wird durch
    Messung der aufeinanderfolgenden Schwingungspeaks, die in derselben
    Richtung auftreten, ermittelt. Wenn die Amplitudenpeaks des ersten und
    des zweiten Schwingungszyklus A
    1                    und A
    2                    sind, beträgt das Dämpfungsverhältnis D

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0110.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0110.jpg)
    Dabei ist ln der natürliche Logarithmus des Amplitudenverhältnisses.

**4** **Prüfverfahren**

    Um im Test das Dämpfungsverhältnis D, das Dämpfungsverhältnis bei
    entfernten hydraulischen Dämpfern sowie die Frequenz F der Federung
    bestimmen zu können, muss das beladene Fahrzeug entweder

    a)  mit geringer Geschwindigkeit (5 km/h*                          1 km/h)
        über eine Schwelle von 80 mm Höhe mit dem in Abbildung 1 gezeigten
        Profil gefahren werden; auf Frequenz und Dämpfung ist die kurzzeitige
        Schwingung zu untersuchen, die sich ergibt, nachdem die Räder an der
        Antriebsachse die Schwelle wieder verlassen haben; oder

    b)  am Fahrgestell heruntergezogen werden, so dass die Antriebsachslast
        das Anderthalbfache des höchsten statischen Wertes beträgt. Danach
        wird die auf das Fahrzeug wirkende Zugkraft plötzlich aufgehoben und
        die daraus resultierende Schwingung untersucht; oder

    c)  am Fahrgestell hochgezogen werden, so dass die gefederte Masse um 80
        mm über die Antriebsachse angehoben wird. Danach wird die auf das
        Fahrzeug wirkende Zugkraft plötzlich aufgehoben und die daraus
        resultierende Schwingung untersucht; oder

    d)  anderen Verfahren unterzogen werden, sofern ihre Gleichwertigkeit vom
        Hersteller gegenüber der zuständigen technischen Behörde
        zufriedenstellend nachgewiesen wurde.

    Das Fahrzeug sollte zwischen Antriebsachse und Fahrgestell senkrecht
    über der Achse mit einem Schwingungsschreiber versehen werden. Anhand
    der Zeitspanne zwischen der ersten und der zweiten Kompressionsspitze
    lassen sich einerseits die Frequenz F und andererseits das
    Amplitudenverhältnis und damit dann die Dämpfung ermitteln. Bei
    Doppelantriebsachsen sollten Schwingungsschreiber zwischen jeder
    Antriebsachse und dem Fahrgestell senkrecht über diesen Achsen
    angebracht werden.

    **Abbildung 1**

    **Schwelle für Federprüfungen**

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0120.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0120.jpg)
    **Abbildung 2**

    **Gedämpfte Sinuskurve bei einer kurzzeitigen freien Schwingung**

    ![bgbl1_2012_j0679-1_0130.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0130.jpg)

(§ 34a Absatz 3)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__73.html
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