Title: **Grundsätze und Fristen**

Description:
Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz (BSI-KritisV)
**Grundsätze und Fristen**

Paragraph: 10

Content:
Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz (BSI-KritisV)
**Grundsätze und Fristen**

1.  Für die in Teil 3 Spalte B genannten Anlagenkategorien gelten
    vorrangig die Begriffsbestimmungen nach § 3 des
    Telekommunikationsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung.

2.  Im Sinne von Anhang 4 ist oder sind

    2.1 Zugangsnetz

        eine Anlage, über die der Zugang zu einem Sprachkommunikationsdienst,
        zu einem öffentlich zugänglichen Datenübertragungsdienst oder zu einem
        Internetzugangsdienst erfolgt, zum Beispiel Glasfaseranschlüsse und
        Mobilfunkzugangsnetze.

    2.2 Übertragungsnetz

        eine Anlage zur Übertragung von Sprache und Daten für
        Sprachkommunikationsdienste und öffentlich zugängliche
        Datenübertragungsdienste oder für Internetzugangsdienste, zum Beispiel
        Backbone- und Core-Netze.

    2.3 Seekabelanlandestation

        eine Anlandestation zur Anbindung primär der Sprach- und
        Datenübertragung dienender Seekabel an landgestützte
        Telekommunikationsnetze.

    2.4 IXP

        eine von den angeschlossenen autonomen Systemen unabhängige
        Netzeinrichtung, die die Zusammenschaltung von mehr als zwei
        unabhängigen autonomen Systemen für den Zweck des Austausches von
        Internetdatenverkehr ermöglicht. Eine Anlage ist auch dann ein IXP,
        wenn der Internetdatenverkehr zwischen zwei beliebigen teilnehmenden
        autonomen Systemen nicht über ein intermediäres autonomes System
        läuft.

    2.5 DNS-Resolver

        eine Anlage oder ein System im Zugangsnetz eines Anbieters von
        Internetzugangsdiensten zur Beantwortung von Anfragen zur
        Namensauflösung, die oder das bei Unkenntnis der Antwort die Anfragen
        an übergeordnete DNS-Instanzen weiterreicht, wenn die Anlage oder das
        System zur Nutzung von Sprachkommunikationsdiensten, öffentlich
        zugänglichen Datenübertragungsdiensten oder Internetzugangsdiensten
        angeboten wird.

    2.6 Autoritativer DNS-Server

        eine Anlage oder ein System zur Beantwortung von Anfragen zur
        Namensauflösung gemäß Kapitel 5 des RFC 7719, in der oder in dem durch
        lokal vorliegende Informationen über den Inhalt einer DNS-Zone
        Anfragen über diese DNS-Zone beantwortet werden oder die Anfragen an
        andere Server delegiert werden.

    2.7 Top-Level-Domain-Name-Registry

        eine Anlage, welche die Registrierung von Internet-Domain-Namen
        innerhalb einer spezifischen Top-Level-Domain (TLD) verwaltet und
        betreibt.

    2.8 Rechenzentrum (Housing)

        ein oder mehrere Gebäude, zumindest aber ein geschlossener Raum mit
        dem vorrangigen Zweck, eine geeignete Umgebung für die Unterbringung
        und den Betrieb von zentralen IT-Komponenten, zum Beispiel Server oder
        Netzwerktechnik, in mindestens zehn Racks bereitzustellen.

    2.9 Serverfarm (Hosting)

        zwei oder mehrere physische oder virtuelle Instanzen, die im IT-
        Netzwerk Dienste bereitstellen. Dabei gelten virtuelle Maschinen, die
        mit einem eigenen Betriebssystem auf einer physischen Instanz
        betrieben werden, als virtuelle Instanzen.

    2.10 Content Delivery Network

        ein Netz regional verteilter und über das Internet verbundener Server,
        mit dem Inhalte ausgeliefert und zwischengespeichert werden, um
        insbesondere die Verfügbarkeit und Performanz zu erhöhen.

    2.11 Anlage zur Erbringung von Vertrauensdiensten

        eine vertrauenswürdige dritte Instanz (Trusted Third Party), die in
        elektronischen Kommunikationsprozessen die jeweilige Identität des
        Kommunikationspartners bescheinigt.

3.  Eine Anlage, die einer in Teil 3 Spalte B genannten Anlagenkategorie
    zuzuordnen ist, gilt ab dem 1. April des Kalenderjahres, das auf das
    Kalenderjahr folgt, in dem ihr Versorgungsgrad den in Teil 3 Spalte D
    genannten Schwellenwert erstmals erreicht oder überschreitet, als
    Kritische Infrastruktur. Nicht mehr als Kritische Infrastruktur gilt
    eine solche Anlage ab dem 1. April des Kalenderjahres, das auf das
    Kalenderjahr folgt, in dem ihr Versorgungsgrad den genannten
    Schwellenwert unterschreitet.

4.  Der Betreiber hat den Versorgungsgrad seiner Anlage für das
    zurückliegende Kalenderjahr bis zum 31. März des Folgejahres zu
    ermitteln.

5.  Für die Anlagenkategorien des Teils 3 Nummer 1.1.1 bis 1.2.1 und 2.1.1
    ist der Versorgungsgrad zum 30. Juni des zurückliegenden
    Kalenderjahres jeweils maßgeblich.

6.  Stehen mehrere Anlagen derselben Art in einem engen betrieblichen
    Zusammenhang (gemeinsame Anlage) und erreichen oder überschreiten die
    in Teil 3 Spalte D genannten Schwellenwerte zusammen, gilt die
    gemeinsame Anlage als Kritische Infrastruktur. Ein enger betrieblicher
    Zusammenhang ist unabhängig von der räumlichen Distanz der Anlagen
    gegeben, wenn die Anlagen

    a)  mit gemeinsamen Betriebseinrichtungen oder untereinander verbunden
        sind,

    b)  einem vergleichbaren technischen Zweck dienen und

    c)  unter gemeinsamer Leitung oder Steuerung stehen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bsi-kritisv/__10.html
Directory: bsi-kritisv
Level: 2.0