Title: Anlage 13 Befähigungsstandards für das Führen von Fahrzeugen unter Radar

Description:
Verordnung über die Besatzung und über die Befähigungen der Besatzung von Fahrzeugen in der Binnenschifffahrt (BinSchPersV)
Teil 3: Behördenschifferzeugnis
Anlage 13 Befähigungsstandards für das Führen von Fahrzeugen unter Radar

Paragraph: 142

Content:
Verordnung über die Besatzung und über die Befähigungen der Besatzung von Fahrzeugen in der Binnenschifffahrt (BinSchPersV)
Teil 3: Behördenschifferzeugnis
Anlage 13 Befähigungsstandards für das Führen von Fahrzeugen unter Radar

(Fundstelle: Anlageband zu BGBl. I 2021, Ausgabe 81 vom 6. Dezember
2021, S. 68 - 69)

1.  Der Schiffsführer, der unter Radar fährt, muss in der Lage sein,
    mithilfe des Radars vor dem Ablegen geeignete Maßnahmen in Bezug auf
    die Navigation zu ergreifen.

    Der Schiffsführer muss in der Lage sein,

    *        *   Spalte 1
            Befähigung

        *   Spalte 2
            Kenntnisse und Fertigkeiten

    *        *
            1.  den Beginn einer
                Reise vorzubereiten und insbesondere
                bei eingeschränkten Sichtverhältnissen
                Navigationsradaranlagen und Wendegeschwindigkeitsanzeiger zu nutzen.

        *
            1.  Allgemeine Kenntnisse über Funkwellen und Kenntnisse über das
                Radarprinzip und insbesondere

                •   die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Funkwellen,

                •   die Reflexion von Funkwellen,

                •   die technischen Kennungsgrößen von Navigationsradaranlagen
                    (Betriebsfrequenzbereich, Sendeleistung, Impulsdauer,
                    Antennendrehzahl, Antennencharakteristik, Bildschirmabmessungen und
                    Entfernungsbereiche, Mindestentfernung, radiale und azimutale
                    Auflösung usw.).

            2.  Allgemeine Kenntnisse über Funktionsweise und Einsatz von
                Wendegeschwindigkeitsanzeigern.

            3.  Fähigkeit, Bedienungselemente von Navigationsradaranlagen wie Tune
                (Abstimmung), Gain (Verstärkung), Brilliance (Helligkeit), On/Standby
                (An/Bereitschaft), Range (Entfernung) einzuschalten, einzustellen und
                zu überwachen sowie Wendegeschwindigkeitsanzeiger in der
                Binnenschifffahrt zu nutzen und ihren ordnungsgemäßen Einsatz
                sicherzustellen.

2.  Der Schiffsführer, der unter Radar fährt, muss in der Lage sein,
    Radarbilder auszuwerten und die Radarinformationen zu analysieren.

    Der Schiffsführer muss in der Lage sein,

    *        *   Spalte 1
            Befähigung

        *   Spalte 2
            Kenntnisse und Fertigkeiten

    *        *
            1.  das Radarbild in Be-
                zug auf die Lage des eigenen Fahrzeugs und die Lage anderer Fahrzeuge
                korrekt auszuwerten;

        *
            1.  Fähigkeit, das Radarbild auszuwerten durch korrekte Bestimmung

                •   des Standorts der Antenne auf dem Bildschirm und der Vorauslinie,

                •   von Lage, Kurs und Wenderichtung des eigenen Fahrzeugs,

                •   der Abstände und Entfernungen.

            2.  Fähigkeit, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer (stillliegende
                Fahrzeuge, entgegenkommende Fahrzeuge, mitlaufende Fahrzeuge) zu
                interpretieren.

    *        *
            2.  weitere vom Radar bereitgestellte Informationen zu analysieren.

        *
            1.  Fähigkeit, vom Radar bereitgestellte Informationen wie Vorauslinie
                (HL – Heading Line), elektronische Peillinie (EBL – Electronic Bearing
                Line), Ringabstände, variabler Entfernungsmessring (VRM – Variable
                Range Marker), Zielspuren, Dezentrierung, parallele Linien (P-Linien)
                zu analysieren und das Radarbild zu erklären.

            2.  Kenntnis der Grenzen der Informationsmöglichkeiten durch
                Navigationsradaranlagen.

            3.  Fähigkeit, das Verhalten von ortsfesten und sich bewegenden Objekten
                auszuwerten.

3.  Der Schiffsführer, der unter Radar fährt, muss in der Lage sein,
    Störungen unterschiedlichen Ursprungs zu reduzieren.

    Der Schiffsführer muss in der Lage sein,

    *        *   Spalte 1
            Befähigung

        *   Spalte 2
            Kenntnisse und Fertigkeiten

    *        *
            1.  vom eigenen Fahrzeug ausgehende Störungen zu identifizieren und zu
                reduzieren;

        *
            1.  Kenntnisse über Störungen, die durch Bruch oder Aufsplittung der
                Antennenkeule, durch Abschattungen (blinde Sektoren) oder durch
                Mehrfachreflexionen (z. B. in Laderäumen) verursacht werden können.

            2.  Fähigkeit, Maßnahmen zur Reduzierung der vom eigenen Fahrzeug
                ausgehenden Störungen zu ergreifen.

    *        *
            2.  von der Umgebung
                ausgehende Störungen zu identifizieren und zu reduzieren;

        *
            1.  Kenntnisse über Störungen durch Regen oder Wellengang, Streufelder
                (z. B. bei Brücken), Mehrfachreflexionen, Fehl-/Geisterechos,
                Hochspannungsleitungen, Radarabschattungen, Mehrwegausbreitung.

            2.  Fähigkeit, Maßnahmen zur Reduzierung der von der Umwelt ausgehenden
                Störungen (Regenechounterdrückung (FTC) und Seegangechounterdrückung
                (STC)) zu ergreifen.

    *        *
            3.  von anderen Navigationsradaranlagen ausgehende Störungen zu
                identifizieren und zu reduzieren.

        *
            1.  Kenntnis des Erscheinungsbildes der von anderen
                Navigationsradaranlagen verursachten Störungen.

            2.  Fähigkeit, Maßnahmen zur Beseitigung der von anderen
                Navigationsradaranlagen ausgehenden Störungen (Störunterdrückung (IR))
                zu ergreifen.

4.  Der Schiffsführer, der unter Radar fährt, muss in der Lage sein, unter
    Berücksichtigung der geltenden vereinbarten Regeln im Bereich der
    Binnenschifffahrt und im Einklang mit den Bestimmungen über die
    Anforderungen für die Radarfahrt (Besatzungsvorschriften, technische
    Vorschriften für Schiffe usw.) mit Radar zu fahren.

    Der Schiffsführer muss in der Lage sein,

    *        *   Spalte 1
            Befähigung

        *   Spalte 2
            Kenntnisse und Fertigkeiten

    *        *
            1.  Regeln für den Einsatz
                von Radar anzuwenden.

        *
            1.  Kenntnis der Bestimmungen für den Einsatz von Radar in den geltenden
                vereinbarten Regeln im Bereich der Binnenschifffahrt und in den
                geltenden Polizeiverordnungen (z. B. Fahrt bei eingeschränkten
                Sichtverhältnissen, Einsatz von Radar bei uneingeschränkter Sicht und
                Pflicht zum Einsatz von Radar bei der Fahrt), die Nutzung von UKW-
                Sprechfunk, Schallzeichen und Absprache des Steuerkurses.

            2.  Kenntnis der technischen Anforderungen an Fahrzeuge, die
                Navigationsradaranlagen nutzen, nach den geltenden technischen
                Vorschriften wie ESTRIN (Europäischer Standard der technischen
                Vorschriften für Binnenschiffe).

            3.  Fähigkeit, Navigationsradaranlagen, Wendegeschwindigkeitsanzeiger und
                Inland ECDIS kombiniert mit Radar zu nutzen.

            4.  Kenntnis der Besatzungsanforderungen bei eingeschränkten
                Sichtverhältnissen und bei guten Sichtverhältnissen.

            5.  Fähigkeit, Aufgaben an die Besatzungsmitglieder angemessen zu
                verteilen und sachgerechte Anweisungen zu erteilen.

5.  Der Schiffsführer, der unter Radar fährt, muss in der Lage sein,
    besondere Umstände wie z. B. Verkehrsdichte, Anlagenausfall,
    gefährliche Situationen zu bewältigen.

    Der Schiffsführer muss in der Lage sein,

    *        *   Spalte 1
            Befähigung

        *   Spalte 2
            Kenntnisse und Fertigkeiten

    *        *
            1.  unter besonderen
                Umständen
                (z. B. hohe Verkehrsdichte, Anlagenausfall und andere unklare oder
                gefährliche Verkehrssituationen) angemessen zu reagieren.

        *
            1.  Kenntnis der Möglichkeiten, bei hoher Verkehrsdichte zu reagieren.

            2.  Fähigkeit, bei hoher Verkehrsdichte angemessene Maßnahmen zu
                ergreifen.

            3.  Kenntnis von Maßnahmen zur Risikominderung und angemessener
                Reaktionsmuster bei Anlagenausfall.

            4.  Fähigkeit, bei Anlagenausfall zu reagieren.

            5.  Kenntnis möglicher Maßnahmen in unklaren oder gefährlichen
                Verkehrssituationen.

            6.  Fähigkeit, bei unklaren oder gefährlichen Verkehrssituationen zu
                reagieren.

(zu § 41 Absatz 3)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/binschpersv/__142.html
Directory: binschpersv
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