Title: § 2 Begriffsbestimmungen

Description:
Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch elektromagnetische Felder (EMFV)
Abschnitt 1 - Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen
§ 2 Begriffsbestimmungen

Paragraph: 2

Content:
Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch elektromagnetische Felder (EMFV)
Abschnitt 1 - Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen
§ 2 Begriffsbestimmungen

(1) Im Sinne dieser Verordnung gelten die Begriffsbestimmungen der
Absätze 2 bis 10.

(2) Elektromagnetische Felder sind statische elektrische, statische
magnetische sowie zeitveränderliche elektrische, magnetische und
elektromagnetische Felder mit Frequenzen bis 300 Gigahertz.

(3) Direkte Wirkungen sind die im menschlichen Körper durch dessen
Anwesenheit in einem elektromagnetischen Feld unmittelbar
hervorgerufenen Wirkungen. Zu denen zählen

1.  thermische Wirkungen aufgrund von Energieabsorption aus
    elektromagnetischen Feldern im menschlichen Gewebe oder durch
    induzierte Körperströme in Extremitäten und

2.  nichtthermische Wirkungen durch die Stimulation von Muskeln, Nerven
    oder Sinnesorganen. Diese Wirkungen können kognitive Funktionen oder
    die körperliche Gesundheit exponierter Beschäftigter nachteilig
    beeinflussen, durch die Stimulation von Sinnesorganen zu
    vorübergehenden Symptomen wie Schwindelgefühl oder Magnetophosphenen
    führen sowie das Wahrnehmungsvermögen oder andere Hirn- oder
    Muskelfunktionen beeinflussen und damit das sichere Arbeiten von
    Beschäftigten gefährden.

(4) Indirekte Wirkungen sind die von einem elektromagnetischen Feld
ausgelösten Wirkungen auf Gegenstände, welche die Gesundheit und die
Sicherheit von Beschäftigten am Arbeitsplatz gefährden können. Dies
betrifft insbesondere Gefährdungen durch

1.  Einwirkungen auf medizinische Vorrichtungen oder Geräte,
    einschließlich Herzschrittmachern sowie andere aktive oder passive
    Implantate oder am Körper getragene medizinische Geräte;

2.  die Projektilwirkung ferromagnetischer Gegenstände in statischen
    Magnetfeldern;

3.  die Auslösung von elektrischen Zündvorrichtungen (Detonatoren);

4.  Brände oder Explosionen durch die Entzündung von brennbaren
    Materialien aufgrund von Funkenbildung sowie

5.  Kontaktströme.

(5) Expositionsgrenzwerte sind maximal zulässige Werte, die aufgrund
von wissenschaftlich nachgewiesenen Wirkungen im Inneren des
menschlichen Körpers festgelegt wurden und deren Einhaltung nicht
direkt durch Messungen am Arbeitsplatz überprüfbar ist. Folgende
Expositionsgrenzwerte sind zu unterscheiden:

1.  Expositionsgrenzwerte für gesundheitliche Wirkungen; dies sind
    diejenigen Grenzwerte, bei deren Überschreitung gesundheitsschädliche
    Gewebeerwärmung oder Stimulation von Nerven- oder Muskelgewebe
    auftreten können;

2.  Expositionsgrenzwerte für sensorische Wirkungen; dies sind diejenigen
    Grenzwerte, bei deren Überschreitung reversible Stimulationen von
    Sinneszellen oder geringfügige Veränderungen von Hirnfunktionen
    auftreten können (Magnetophosphene, Schwindel, Übelkeit, metallischer
    Geschmack, Mikrowellenhören).

(6) Auslöseschwellen sind festgelegte Werte von direkt messbaren
physikalischen Größen. Bei Auslöseschwellen, die von
Expositionsgrenzwerten abgeleitet sind, bedeutet die Einhaltung dieser
Auslöseschwellen, dass die entsprechenden Expositionsgrenzwerte nicht
überschritten werden. Bei Exposition oberhalb dieser Auslöseschwellen
sind Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten zu ergreifen, es sei denn,
dass die relevanten Expositionsgrenzwerte nachweislich eingehalten
sind. Bei Auslöseschwellen, die nicht von Expositionsgrenzwerten
abgeleitet sind, sind bei Überschreitung dieser Auslöseschwellen
direkt Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten durchzuführen. Im
Frequenzbereich von 0 Hertz bis 10 Megahertz ist zwischen unteren und
oberen Auslöseschwellen zu unterscheiden:

1.  bei elektrischen Feldern bezeichnen die Ausdrücke untere
    Auslöseschwelle und obere Auslöseschwelle die Werte, ab deren
    Überschreitung spezifische Maßnahmen zur Vermeidung von direkten und
    indirekten Wirkungen durch Entladungen oder Kontaktströme nach § 6
    Absatz 1 zu ergreifen sind, und

2.  bei magnetischen Feldern ist die untere Auslöseschwelle vom
    Expositionsgrenzwert für sensorische Wirkungen und die obere
    Auslöseschwelle vom Expositionsgrenzwert für gesundheitliche Wirkungen
    abgeleitet.

(7) Besonders schutzbedürftige Beschäftigte sind insbesondere
Beschäftigte

1.  mit aktiven medizinischen Implantaten, insbesondere
    Herzschrittmachern,

2.  mit passiven medizinischen Implantaten,

3.  mit medizinischen Geräten, die am Körper getragen werden, insbesondere
    Insulinpumpen,

4.  mit sonstigen durch elektromagnetische Felder beeinflussbaren
    Fremdkörpern im Körper oder

5.  mit eingeschränkter Thermoregulation.

(8) Fachkundig ist, wer über die erforderlichen Fachkenntnisse zur
Ausübung einer in dieser Verordnung bestimmten Aufgabe verfügt. Die
Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art
der Aufgabe. Zu den Anforderungen zählen eine entsprechende
Berufsausbildung oder Berufserfahrung jeweils in Verbindung mit einer
zeitnah ausgeübten einschlägigen beruflichen Tätigkeit sowie die
Teilnahme an spezifischen Fortbildungsmaßnahmen.

(9) Stand der Technik ist der Entwicklungsstand fortschrittlicher
Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen, der die praktische
Eignung einer Maßnahme zum Schutz der Gesundheit und zur Sicherheit
der Beschäftigten gesichert erscheinen lässt. Bei der Bestimmung des
Standes der Technik sind insbesondere vergleichbare Verfahren,
Einrichtungen oder Betriebsweisen heranzuziehen, die mit Erfolg in der
Praxis erprobt worden sind. Gleiches gilt für die Anforderungen an die
Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene.

(10) Beschäftigte sind Personen im Sinne des § 2 Absatz 2 des
Arbeitsschutzgesetzes. Den Beschäftigten stehen folgende Personen
gleich, sofern sie bei ihren Tätigkeiten elektromagnetischen Feldern
ausgesetzt sein können:

1.  Schülerinnen und Schüler,

2.  Studierende und Praktikanten sowie

3.  sonstige, insbesondere an wissenschaftlichen Einrichtungen tätige
    Personen.

Auf die den Beschäftigten gleichstehenden Personen finden die
Regelungen dieser Verordnung über die Beteiligung der
Personalvertretungen keine Anwendung.

(11) Den in dieser Verordnung verwendeten physikalischen Größen sind
die in Anhang 1 enthaltenen Definitionen zugrunde zu legen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/emfv/__2.html
Directory: emfv
Level: 3.0