Title: § 9 Abschlussprüfung für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte

Description:
Verordnung über die Berufsausbildungen zum Rechtsanwaltsfachangestellten und zur Rechtsanwaltsfachangestellten, zum Notarfachangestellten und zur Notarfachangestellten, zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten sowie zum Patentanwaltsfachangestellten und zur Patentanwaltsfachangestellten (ReNoPatAusbV 2015)
§ 9 Abschlussprüfung für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte

Paragraph: 9

Content:
Verordnung über die Berufsausbildungen zum Rechtsanwaltsfachangestellten und zur Rechtsanwaltsfachangestellten, zum Notarfachangestellten und zur Notarfachangestellten, zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten sowie zum Patentanwaltsfachangestellten und zur Patentanwaltsfachangestellten (ReNoPatAusbV 2015)
§ 9 Abschlussprüfung für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte

(1) Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf

1.  die in der Anlage Abschnitt A genannten berufsübergreifenden
    berufsprofilgebenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten,

2.  die in der Anlage Abschnitt D genannten weiteren berufsprofilgebenden
    Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten,

3.  die in der Anlage Abschnitt F genannten berufsübergreifenden
    integrativen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie

4.  den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für
    die Berufsausbildung wesentlich ist.

(2) Die Abschlussprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen

1.  Geschäfts- und Leistungsprozesse,

2.  Mandanten- und Beteiligtenbetreuung,

3.  Rechtsanwendung im Rechtsanwalts- und Notarbereich,

4.  Vergütung und Kosten sowie

5.  Wirtschafts- und Sozialkunde.

(3) Für den Prüfungsbereich Geschäfts- und Leistungsprozesse bestehen
folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist,

    a)  arbeitsorganisatorische Prozesse zu planen, durchzuführen und zu
        kontrollieren,

    b)  zur Qualitätsverbesserung betrieblicher Prozesse beizutragen,

    c)  Büro- und Verwaltungsaufgaben zu planen, durchzuführen und zu
        kontrollieren,

    d)  elektronischen Rechtsverkehr zu nutzen,

    e)  Auskünfte aus Registern einzuholen und zu verarbeiten,

    f)  Aktenbuchhaltung zu führen,

    g)  Aufgaben im Bereich des Rechnungs- und Finanzwesens auszuführen;

2.  der Prüfling soll fallbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die Prüfungszeit beträgt 60 Minuten.

(4) Für den Prüfungsbereich Mandanten- und Beteiligtenbetreuung
bestehen folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist,

    a)  Mandanten und Beteiligte serviceorientiert zu betreuen,

    b)  Anliegen von Mandanten und Beteiligten zu erfassen,

    c)  Gespräche mit Mandanten und Beteiligten adressatenorientiert zu
        führen,

    d)  Auskünfte einzuholen und zu erteilen,

    e)  Konfliktsituationen zu bewältigen;

2.  für die Prüfung wählt der Prüfungsausschuss eines der folgenden
    Gebiete aus:

    a)  Rechtsanwendung in den Bereichen des bürgerlichen Rechts sowie des
        Handels- und Gesellschaftsrechts,

    b)  Rechtsanwendung in den Bereichen des Zivilprozesses und der
        Zwangsvollstreckung,

    c)  Notariatsgeschäfte,

    d)  Vergütung und Kosten,

    e)  elektronischer Rechts- und Zahlungsverkehr oder

    f)  notarielles Berufs- und Verfahrensrecht;

3.  mit dem Prüfling soll ein fallbezogenes Fachgespräch geführt werden;

4.  die fachbezogene Anwendung der englischen Sprache ist zu
    berücksichtigen;

5.  die Prüfungszeit beträgt 15 Minuten.

(5) Für den Prüfungsbereich Rechtsanwendung im Rechtsanwalts- und
Notarbereich bestehen folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist,

    a)  Sachverhalte, insbesondere in den Bereichen des bürgerlichen Rechts
        sowie des Handels-, Gesellschafts- und Registerrechts, rechtlich zu
        erfassen und zu beurteilen,

    b)  Maßnahmen im Zivilprozess- und Zwangsvollstreckungsrecht
        vorzubereiten, durchzuführen und zu kontrollieren,

    c)  Notariatsgeschäfte unter Berücksichtigung des Beurkundungs- und
        Berufsrechts einschließlich des dazugehörigen materiellen Rechts
        vorzubereiten, durchzuführen und zu kontrollieren,

    d)  fachkundliche Texte zu formulieren und zu gestalten;

2.  der Prüfling soll fallbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die fachbezogene Anwendung der englischen Sprache ist zu
    berücksichtigen;

4.  die Prüfungszeit beträgt 150 Minuten.

(6) Für den Prüfungsbereich Vergütung und Kosten bestehen folgende
Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist,

    a)  Werte, Gebühren und Auslagen für Vergütungsrechnungen und
        Kostenberechnungen zu ermitteln,

    b)  Vergütungsrechnungen und Kostenberechnungen zu erstellen,

    c)  Kostenfestsetzungsanträge und Anträge auf Vergütung im
        Prozesskostenhilfeverfahren zu erstellen,

    d)  die Kosteneinziehung vorzubereiten und zu kontrollieren,

    e)  Gerichtskostenvorschüsse zu berechnen und Gerichtskostenrechnungen zu
        kontrollieren;

2.  der Prüfling soll fallbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die Prüfungszeit beträgt 90 Minuten.

(7) Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bestehen
folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, allgemeine
    wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und
    Arbeitswelt darzustellen und zu beurteilen;

2.  der Prüfling soll fallbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die Prüfungszeit beträgt 60 Minuten.

(8) Die einzelnen Prüfungsbereiche sind wie folgt zu gewichten:

1.
    *        *   Geschäfts- und Leistungsprozesse

        *   mit 15 Prozent,

2.
    *        *   Mandanten- und Beteiligten-
            betreuung

        *   mit 15 Prozent,

3.
    *        *   Rechtsanwendung im Rechts-
            anwalts- und Notarbereich

        *   mit 30 Prozent,

4.
    *        *   Vergütung und Kosten

        *   mit 30 Prozent,

5.
    *        *   Wirtschafts- und Sozialkunde

        *   mit 10 Prozent.

(9) Die Abschlussprüfung ist bestanden, wenn die Leistungen wie folgt
bewertet worden sind:

1.  im Gesamtergebnis mit mindestens „ausreichend“,

2.  im Prüfungsbereich Rechtsanwendung im Rechtsanwalts- und Notarbereich
    mit mindestens „ausreichend“,

3.  in mindestens drei weiteren Prüfungsbereichen mit mindestens
    „ausreichend“,

4.  in keinem Prüfungsbereich mit „ungenügend“.

(10) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der
Prüfungsbereiche „Geschäfts- und Leistungsprozesse“, „Rechtsanwendung
im Rechtsanwalts- und Notarbereich“, „Vergütung und Kosten“ oder
„Wirtschafts- und Sozialkunde“ durch eine mündliche Prüfung von etwa
15 Minuten zu ergänzen, wenn

1.  der Prüfungsbereich schlechter als mit „ausreichend“ bewertet worden
    ist und

2.  die mündliche Ergänzungsprüfung für das Bestehen der Abschlussprüfung
    den Ausschlag geben kann.

Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das
bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung
im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/renopatausbv_2015/__9.html
Directory: renopatausbv_2015
Level: 2.0