Title: Vorbemerkung ****

Description:
Verordnung über den kerntechnischen Sicherheitsbeauftragten und über die Meldung von Störfällen und sonstigen Ereignissen (AtSMV)
Vorbemerkung ****

Paragraph: 7

Content:
Verordnung über den kerntechnischen Sicherheitsbeauftragten und über die Meldung von Störfällen und sonstigen Ereignissen (AtSMV)
Vorbemerkung ****

Die in der Bundesrepublik Deutschland betriebenen Anlagen zur Spaltung
von Kernbrennstoffen, die überwiegend Forschungszwecken dienen,
unterscheiden sich sowohl in ihrem Gefährdungspotenzial als auch in zu
ihrem Sicherheitssystem gehörenden Einrichtungen sowie in der Anzahl
von Redundanzen sicherheitstechnisch wichtiger Systeme oder
Anlagenteile zum Teil deutlich voneinander. Für eine einheitliche
Anwendung der einzelnen Meldekriterien in diesen Anlagen ist eine
anlagenspezifische Konkretisierung erforderlich.

1.**** Radiologie und Strahlenschutz ****

    Wird bei den nachfolgenden Kriterien Bezug auf die Werte der Anlage 4
    Tabelle 1 Spalte 5 der Strahlenschutzverordnung genommen, ist eine
    Mittelungsfläche von 300 Quadratzentimetern zugrunde zu legen.

**1.1** **Ableitung radioaktiver Stoffe**

    Kriterium S 1.1.1

    Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft oder Wasser, bei der die
    innerhalb von 24 Stunden abgeleitete Aktivität

    –   zu einer Überschreitung der Grenzwerte der effektiven Dosis nach § 99
        Absatz 1 der Strahlenschutzverordnung führt oder

    –   die von der zuständigen Behörde festgelegten, im Kalenderjahr maximal
        zulässigen Aktivitätsabgaben überschreitet.

    Kriterium E 1.1.1

    Ableitung radioaktiver Stoffe mit Luft oder Wasser, bei der die
    abgeleitete Aktivität die von der zuständigen Behörde festgelegten,
    maximal zulässigen Aktivitätsabgaben überschreitet.

**1.2** **Freisetzung radioaktiver Stoffe**

    Kriterium S 1.2.1

    Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung, bei der zu besorgen
    ist, dass die innerhalb von 24 Stunden freigesetzte Aktivität

    –   zu einer Überschreitung der Grenzwerte der effektiven Dosis nach § 99
        Absatz 1 der Strahlenschutzverordnung führt oder

    –   mehr als 10 Prozent der von der zuständigen Behörde für Ableitungen
        festgelegten, im Kalenderjahr maximal zulässigen Aktivitätsabgaben
        beträgt.

    Kriterium E 1.2.1

    Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung, bei der zu besorgen
    ist, dass die freigesetzte Aktivität

    –   zu einer effektiven Dosis führt, die mehr als 10 Prozent der
        Grenzwerte nach § 99 Absatz 1 der Strahlenschutzverordnung betragen,
        oder

    –   mehr als 10 Prozent der von der zuständigen Behörde für Ableitungen
        festgelegten, im Kalenderjahr maximal zulässigen Aktivitätsabgaben
        beträgt.

    Kriterium N 1.2.1

    Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung, die nicht unter die
    Kriterien S 1.2.1 oder E 1.2.1 fällt.

    Kriterium S 1.2.2

    Freisetzung radioaktiver Stoffe innerhalb der Anlage, so dass
    außerhalb eines als Kontrollbereich gekennzeichneten Bereiches die
    Ortsdosisleistung den Wert von 3 Millisievert pro Stunde
    überschreitet.

    Kriterium E 1.2.2

    Freisetzung radioaktiver Stoffe innerhalb der Anlage, so dass

    –   innerhalb eines als Kontrollbereich gekennzeichneten Bereiches, soweit
        dieser nicht als Sperrbereich gekennzeichnet ist, die
        Ortsdosisleistung den Wert von 3 Millisievert pro Stunde für mehr als
        24 Stunden überschreitet, oder

    –   die Einrichtung eines neuen Kontrollbereiches erforderlich ist.

**1.3** **Kontamination**

    Kriterium E 1.3.1

    Kontamination innerhalb des Überwachungsbereiches, die das
    Hundertfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 5 der
    Strahlenschutzverordnung überschreitet und deren Gesamtaktivität in
    Becquerel mehr als das Zehnfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1
    Spalte 2 der Strahlenschutzverordnung beträgt.

    Kriterium N 1.3.1

    Kontamination innerhalb des Kontrollbereiches, die in einem Bereich,
    der bei bestimmungsgemäßem Betrieb nicht kontaminiert sein kann, das
    Tausendfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 5 der
    Strahlenschutzverordnung überschreitet und deren Gesamtaktivität in
    Becquerel mehr als das Hundertfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1
    Spalte 2 der Strahlenschutzverordnung beträgt.

**1.4** **Verschleppung radioaktiver Stoffe**

    Kriterium S 1.4.1

    Weiterverbreitung von radioaktiven Stoffen aus der Anlage durch
    Verschleppung in einen Bereich

    –   außerhalb von Überwachungsbereichen auf dem Betriebsgelände, sofern
        die dorthin verschleppte Aktivität das Hundertfache der Werte nach
        Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 5 der Strahlenschutzverordnung und das
        Hundertfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 der
        Strahlenschutzverordnung überschreitet, oder

    –   außerhalb des Betriebsgeländes, sofern die dorthin verschleppte
        Aktivität das Hundertfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 5
        der Strahlenschutzverordnung und das Zehnfache der Werte nach Anlage 4
        Tabelle 1 Spalte 2 der Strahlenschutzverordnung überschreitet.

    Kriterium E 1.4.1

    Weiterverbreitung von radioaktiven Stoffen aus der Anlage durch
    Verschleppung in einen Bereich

    –   außerhalb von Überwachungsbereichen auf dem Betriebsgelände, sofern
        die dorthin verschleppte Aktivität das Zehnfache der Werte nach Anlage
        4 Tabelle 1 Spalte 5 der Strahlenschutzverordnung und das Hundertfache
        der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 der
        Strahlenschutzverordnung überschreitet, oder

    –   außerhalb des Betriebsgeländes, sofern die dorthin verschleppte
        Aktivität das Zehnfache der Werte nach Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 5 der
        Strahlenschutzverordnung und das Einfache der Werte nach Anlage 4
        Tabelle 1 Spalte 2 der Strahlenschutzverordnung überschreitet.

**1.5** **Strahlenschutz von Personen**

    Kriterium S 1.5.1

    Exposition einer beruflich exponierten Person, die einen Grenzwert der
    Körperdosis nach § 78 des Strahlenschutzgesetzes überschreitet, sofern
    die Exposition nicht eine besonders zugelassene Exposition nach § 74
    der Strahlenschutzverordnung darstellt.

2.**** Anlagentechnik und -betrieb ****

**2.1** **Funktionsstörungen, Schäden oder Ausfälle im Sicherheitssystem oder
    in den sonstigen sicherheitstechnisch wichtigen Systemen oder
    Anlagenteilen**

    Kriterium S 2.1.1

    Funktionsstörung, Schaden oder Ausfall im Sicherheitssystem
    (einschließlich zugehöriger Hilfs- und Nebensysteme) mit der Folge,
    dass die auslegungsgemäß zur Störfallbeherrschung erforderliche Anzahl
    von Sicherheitsteileinrichtungen nicht mehr zur Verfügung steht. Wann
    dies der Fall ist, ist in den genehmigten Betriebsvorschriften
    festgelegt.

    Kriterium E 2.1.1

    –   Funktionsstörung, Schaden oder Ausfall im Sicherheitssystem
        (einschließlich zugehöriger Hilfs- und Nebensysteme) mit der Folge,
        dass nur noch die auslegungsgemäß zur Störfallbeherrschung
        erforderliche Anzahl von Sicherheitsteileinrichtungen zur Verfügung
        steht. Wann dies der Fall ist, ist in den genehmigten
        Betriebsvorschriften festgelegt.

    –   Vollständiger Ausfall einer Sicherheitseinrichtung, die für die
        Dichtheit des Gebäudes, welches den Reaktor umschließt, erforderlich
        ist.

    Kriterium N 2.1.1

    –   Funktionsstörung, Schaden oder Ausfall im Sicherheitssystem
        (einschließlich zugehöriger Hilfs- und Nebensysteme) mit der Folge,
        dass mindestens eine Sicherheitsteileinrichtung nicht zur Verfügung
        steht.

    –   Funktionsstörung, Schaden oder Ausfall in einem sonstigen
        sicherheitstechnisch wichtigen System oder Anlagenteil mit der Folge,
        dass das System oder eine Redundante nicht zur Verfügung steht.

    –   Ausfall einer Sicherheitsteileinrichtung, welche ausschließlich zur
        Beherrschung von Ereignissen mit sehr geringer
        Eintrittswahrscheinlichkeit (Einwirkungen von außen oder von innen)
        vorgesehen ist.

    Nicht zu melden sind Funktionsstörungen, Schäden oder Ausfälle:

    –   einzelner Karten oder Messumformer im Reaktorschutzsystem und in
        leittechnischen Einrichtungen, die vergleichbare Aufgaben wahrnehmen,
        sofern der Ausfall selbstmeldend ist, innerhalb von 8 Stunden behoben
        wird und nicht nach Kriterium N 2.1.2 zu melden ist,

    –   in den sonstigen sicherheitstechnisch wichtigen Systemen, die in
        weniger als 24 Stunden behoben werden, oder deren Ausfälle, für die
        genehmigte Ersatzmaßnahmen vorgesehen sind, sofern das Ereignis nicht
        nach Kriterium N 2.1.2 zu melden ist.

    Kriterium N 2.1.2

    Ausfall, Schaden oder Befund, mit Hinweis auf einen systematischen
    Fehler

    –   am Sicherheitssystem oder an einem sonstigen sicherheitstechnisch
        wichtigen System oder Anlagenteil,

    –   an einer Komponente, einem Bauteil oder einer Baugruppe in einem
        betrieblichen System, wenn die Komponente, das Bauteil oder die
        Baugruppe unter vergleichbaren Randbedingungen und in vergleichbarer
        Qualität im Sicherheitssystem oder in einem sonstigen
        sicherheitstechnisch wichtigen System eingesetzt wird.

    Kriterium N 2.1.3

    Ausfall von oder Schaden an einer Einrichtung des anlagentechnischen
    oder bautechnischen Brandschutzes.

    Nicht zu melden sind Ausfälle von oder geringfügige Schäden an
    einzelnen Komponenten des anlagentechnischen oder bautechnischen
    Brandschutzes, durch die die Brandschutzfunktionen nicht unzulässig
    beeinträchtigt wurden.

    Kriterium N 2.1.4

    Nichtöffnen oder Nichtschließen eines Sicherheitsventils an einem
    sonstigen sicherheitstechnisch wichtigen System oder Anlagenteil.

    Kriterium E 2.1.5

    Sicherheitstechnisch bedeutsame Überschreitung von Auslegungswerten

    –   beim Reaktorkern,

    –   beim Primärkühlsystem bzw. Reaktorbecken,

    –   bei dem Gebäude, welches das Primärkühlsystem umschließt,

    –   bei einer Experimentiereinrichtung, bei deren Versagen Auswirkungen
        auf den Reaktor und dessen Sicherheitseinrichtungen sowie sonstige
        sicherheitstechnisch wichtige Systeme oder Anlagenteile nicht
        auszuschließen sind, sowie

    –   beim Sekundärkreislauf, sofern dieser sicherheitstechnische Aufgaben
        wahrnimmt.

    Kriterium N 2.1.6

    Sicherheitstechnisch bedeutsame Abweichung vom spezifizierten Zustand
    im Sicherheitssystem (einschließlich zugehöriger Hilfs- und
    Nebensysteme) oder in einem sonstigen sicherheitstechnisch wichtigen
    System oder Anlagenteil.

    Abweichungen in mehreren redundanten Sicherheitsteileinrichtungen, die
    gleichzeitig einen Ausfall dieser Sicherheitsteileinrichtungen
    entsprechend den Sicherheitsspezifikationen bedeuten, sind auch nach
    Kriterium S 2.1.1 oder Kriterium E 2.1.1 zu melden.

**2.2** **Schäden oder Leckagen an Rohrleitungen oder Behältern**

    Kriterium S 2.2.1

    Leckage am Primärkühlsystem, die zur Auslösung einer Schutzaktion
    führt. Nicht zu melden sind Fehlanregungen von Schutzaktionen oder
    Leckagen bei Schwimmbadreaktoren.

    Kriterium E 2.2.1

    –   Bruch oder Riss mit Leckage im Primärkühlsystem, einschließlich des
        Primärwärmetauschers, oder am Reaktorbecken oder Reaktorbehälter, der
        aus sicherheitstechnischen Gründen ein Abfahren der Anlage erfordert.

    –   Leckage über Leitungen, bei denen auf Grund ihrer Einbindung der
        Primärkühlmittelverlust mit oder ohne Nachspeisung grundsätzlich so
        begrenzt ist, dass die ausreichende Kühlfähigkeit des Reaktors
        sichergestellt bleibt. Nicht zu melden sind Leckagen bei Training,
        Research, Isotopes, General Atomic Reaktoren (TRIGA-Reaktoren).

    –   Leckage im Sekundärkreislauf, sofern dieser sicherheitstechnische
        Aufgaben wahrnimmt, und bei der ein Abfahren der Anlage aus
        sicherheitstechnischen Gründen erforderlich ist.

    Kriterium N 2.2.1

    –   Leckage oder Schaden an einer Einrichtung des Sicherheitssystems oder
        einem sonstigen aktivitätsführenden System,

    –   Leckage oder Schaden an einer Umschließung des Sekundärkreislaufes,
        sofern dieser sicherheitstechnische Aufgaben wahrnimmt,

    –   Leckage im Sekundärkreislauf, bei der aus sicherheitstechnischen
        Gründen ein Abfahren der Anlage erforderlich ist.

    Nicht zu melden sind einzelne Dichtungs- oder Flanschleckagen sowie
    Tropfleckagen außerhalb des Sicherheitssystems.

    Kriterium E 2.2.3

    –   Versagen eines Druckbehälters, eines Armatur- oder Pumpengehäuses,

    –   Zerlegen einer Schwungmasse,

    –   Brechen einer Rohrleitung,

    wenn es hierdurch zu einer Funktionsstörung eines sicherheitstechnisch
    wichtigen Systems oder Anlagenteils kommen kann.

    Kriterium N 2.2.3

    Schaden an einem Druckbehälter, soweit zu besorgen ist, dass ein
    Versagen des Behälters auf Grund dieses Schadens unmittelbar oder in
    einer Kette anzunehmender Folgeereignisse zu der Gefährdung eines
    sicherheitstechnisch wichtigen Systems oder Anlagenteils führt oder
    einen Störfall auslöst.

**2.3** **Kritikalitätsstörungen**

    Kriterium S 2.3.1

    Kritikalität ohne ausreichende Abschaltreserve des
    Schnellabschaltsystems.

    Kriterium E 2.3.1

    –   Unzulässige Reaktivitätstransiente oder

    –   unzulässige Entnahme von Neutronen absorbierenden Stoffen.

**2.4** **Absturz von Lasten; Ereignisse bei Handhabung, Lagerung oder
    Transport**

    Kriterium S 2.4.1

    Absturz einer Last in einen der folgenden Raumbereiche:

    –   Reaktorbecken oder Reaktorbehälter,

    –   Primärkreislauf bis einschließlich erste Absperrung,

    –   Absetzbecken, Brennelementlagerbecken,

    –   Experimentiereinrichtungen,

    –   Strahlrohre,

    mit der Folge eines Verlustes der Unterkritikalität oder einer nicht
    absperrbaren größeren Leckage (mehr als 0,3 Liter pro Sekunde).

    Kriterium E 2.4.1

    Absturz

    –   eines Brennelements in das Brennelementlagerbecken, in den Transport-
        oder Lagerbehälter oder in das Reaktorbecken oder in den
        Reaktorbehälter,

    –   einer sonstigen Last in das Brennelementlagerbecken, Reaktorbecken
        oder den Reaktorbehälter, mit der Folge einer größeren (mehr als 0,3
        Liter pro Sekunde) absperrbaren oder geringen (0,3 Liter pro Sekunde
        oder weniger) nicht absperrbaren Leckage,

    –   einer sonstigen Last in einen Raumbereich des Primärkreislaufes bis
        einschließlich der ersten Absperrung oder der
        Experimentiereinrichtungen oder der Strahlrohre, sofern die
        Möglichkeit eines Kühlmittelverlustes bei Beschädigung gegeben ist,
        mit der Folge einer größeren (mehr als 0,3 Liter pro Sekunde)
        absperrbaren oder geringen (0,3 Liter pro Sekunde oder weniger) nicht
        absperrbaren Leckage,

    –   einer schweren Last in einen Raum, in dem sich ein
        sicherheitstechnisch wichtiges System oder Anlagenteil befindet.

    Kriterium N 2.4.1

    –   Sicherheitstechnisch bedeutsames Ereignis beim Transport, der
        Handhabung oder Lagerung eines Brennelements oder von sonstigen
        radioaktiven Stoffen innerhalb der Anlage oder des Anlagengeländes.

    –   Sicherheitstechnisch bedeutsames Ereignis beim Transport oder der
        Handhabung einer Last.

    –   Sicherheitstechnisch bedeutsamer Schaden an einem Hebezeug, einer
        Transport- oder Handhabungseinrichtung.

**2.5** **Sonstige Ereignisse**

    Kriterium E 2.5.1

    –   Vollständiger Ausfall der Primärkühlmittelpumpen (gilt nicht für
        TRIGA- und Schwimmbadreaktoren).

    –   Vollständige Blockade von Kühlkanälen durch lose Teile oder
        Fremdkörper.

    Kriterium N 2.5.1

    Schaden am Reaktorkern, an Reaktorbehältereinbauten,
    Reaktorbeckeneinbauten oder Primärwärmetauschereinbauten.

    Nicht zu melden sind einzelne Brennelementschäden, sofern sie nicht
    über Risse oder leichte Verformungen hinausgehen und nicht auf
    systematische Schwachstellen hinweisen.

    Kriterium N 2.5.2

    Ein loses Teil oder ein Fremdkörper

    –   im Reaktorbecken oder Reaktorbehälter oder im Primärkühlkreislauf oder

    –   in einer anderen Einrichtung des Sicherheitssystems,

    wenn eine sicherheitstechnisch wichtige Funktion, wie zum Beispiel die
    Gewährleistung der Integrität oder Kühlung der Brennelemente,
    beeinträchtigt werden kann.

    Bei TRIGA-Reaktoren und Schwimmbadreaktoren ist die Feststellung eines
    losen Teils oder eines Fremdkörpers nicht zu melden, wenn
    ausgeschlossen werden kann, dass dieses Teil oder dieser Fremdkörper
    auch unter ungünstigeren Umständen als im aktuellen Fall zu

    –   einer Beeinträchtigung der Kühlung,

    –   einer Beeinträchtigung der Abschaltfunktion oder

    –   zu einem Brennelementschaden

    hätte führen können.

    Kriterium N 2.5.3

    Schaden durch einen Wasser- oder Kondensationsschlag oder
    systematische Schäden an Aufhängungen, Unterstützungen und
    Dämpfungseinrichtungen an einer sicherheitstechnisch wichtigen
    Rohrleitung oder Komponente.

    Kriterium N 2.5.4

    –   Schäden an Primärkühlmittelpumpen, die ein Abfahren der Anlage
        erfordern.

    –   Vollständiger Ausfall von Primärkühlmittelpumpen während des nuklearen
        Leistungsbetriebes; bei Schwimmbadreaktoren auch vollständiger Ausfall
        von Primärkühlmittelpumpen kurz nach Abschaltung des Reaktors.

    Kriterium N 2.5.5

    Ausfälle von mehr als einer Hauptpumpe des Sekundärkreislaufes während
    des nuklearen Leistungsbetriebes, sofern der Sekundärkreislauf
    sicherheitstechnische Aufgaben wahrnimmt.

    Kriterium N 2.5.6

    Ausfall der Netzversorgung, sofern dadurch die elektrische Versorgung
    einer sicherheitstechnisch wichtigen Einrichtung nicht mehr
    gewährleistet ist.

    Kriterium N 2.5.7

    Anforderung oder Fehlanregung einer Sicherheitsteileinrichtung durch
    das Reaktorschutzsystem.

    Nicht zu melden ist eine Reaktorschnellabschaltung,

    –   die ohne sicherheitstechnisches Erfordernis gezielt vom Personal oder
        automatisch zum Schutz der Experimentiereinrichtungen durchgeführt
        wird,

    –   die eindeutig auf eine Netzstörung zurückzuführen ist (gilt nicht für
        Anlagen, bei denen dadurch die elektrische Versorgung einer
        sicherheitstechnisch wichtigen Einrichtung für die Nachwärmeabfuhr
        beeinträchtigt ist),

    –   die in der Anfahrphase bei geringer Reaktorleistung erfolgt; soweit in
        den Betriebsvorschriften für die „geringe Reaktorleistung“ nichts
        anderes definiert ist, ist die Reaktorleistung gering bei einer
        Leistung von weniger als 5 Prozent,

    –   die bei Nullleistung ohne erforderliche Zwangskühlung erfolgt oder

    –   die bei Personalausbildung bei Reaktorbetrieb ohne erforderliche
        Zwangskühlung erfolgt.

    Kriterium N 2.5.8

    Sicherheitstechnisch bedeutsamer Schaden an einer tragenden Struktur
    eines Bauwerks.

    Kriterium N 2.5.9

    Ereignis, das eine bedeutsame Änderung der Sicherheitsspezifikationen
    erfordert.

3.**** Einwirkungen von außen und anlageninterne Ereignisse ****

**3.1** **Einwirkungen von außen**

    Kriterium S 3.1.1

    Schaden durch Erdbeben, Flugzeugabsturz oder Explosionsdruckwelle an

    –   einem Gebäude, in dem sich ein sicherheitstechnisch wichtiges System
        oder Anlagenteil befindet,

    –   einem sicherheitstechnisch wichtigen System oder Anlagenteil mit der
        Folge, dass eine Sicherheitseinrichtung angefordert wird.

    Kriterium E 3.1.1

    Einwirkung von außen, die das Abschalten oder Abfahren der Anlage aus
    sicherheitstechnischen Gründen erfordert.

**3.2** **Anlageninterne Ereignisse**

    Kriterium S 3.2.1

    Anlageninterner Brand, anlageninterne Explosion, Überflutung oder
    sonstige Einwirkung von innen in einem Ausmaß, bei dem zu besorgen
    ist, dass die auslegungsgemäß zur Störfallbeherrschung erforderliche
    Anzahl von Sicherheitsteileinrichtungen nicht mehr zur Verfügung
    steht.

    Kriterium E 3.2.1

    Anlageninterner Brand, anlageninterne Explosion, Überflutung oder
    sonstige Einwirkungen von innen in einem Ausmaß, bei dem zu besorgen
    ist, dass nur noch die auslegungsgemäß zur Störfallbeherrschung
    erforderliche Anzahl von Sicherheitsteileinrichtungen zur Verfügung
    steht.

    Kriterium N 3.2.1

    Anlageninterner Brand, anlageninterne Explosion, Überflutung oder
    sonstige Einwirkung von innen in einem Raum oder Anlagenbereich, in
    dem radioaktive Stoffe mit einer Aktivität oberhalb der Werte nach
    Anlage 4 Tabelle 1 Spalte 2 der Strahlenschutzverordnung vorhanden
    sind oder in dem sich eine sicherheitstechnisch wichtige Einrichtung
    befindet.

    Nicht zu melden sind örtlich begrenzte Kleinstbrände

    –   im Zusammenhang mit Änderungs- oder Instandhaltungsarbeiten, für die
        vorbeugende planmäßige Brandschutzmaßnahmen getroffen wurden und deren
        Anwendung bei der Brandbekämpfung wirksam war,

    –   im Bereich von Experimentiereinrichtungen, die auf Grund von Ort, Art
        und Umfang nicht die Verfügbarkeit einer sicherheitstechnisch
        wichtigen Einrichtung beeinträchtigen konnten.

4.**** Ereignisse vor Erteilung der Genehmigung zum Beladen des Reaktors ****

    Kriterium V 4.1

    Befund an einem sicherheitstechnisch wichtigen System oder
    Anlagenteil, der auf einen Auslegungsfehler oder auf eine Schwäche im
    Qualitätssicherungssystem hinweist.

    Kriterium V 4.2

    Ereignis an einem sicherheitstechnisch wichtigen System oder
    Anlagenteil, soweit dieses Ereignis im Hinblick auf den späteren
    sicheren Betrieb von Bedeutung ist.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/atsmv/__7.html
Directory: atsmv
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