Title: § 6 Kalkulatorische Abschreibungen

Description:
Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (StromNEV)
Teil 2 - Methode zur Ermittlung der Netzentgelte
Abschnitt 1 - Kostenartenrechnung
§ 6 Kalkulatorische Abschreibungen

Paragraph: 6

Content:
Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (StromNEV)
Teil 2 - Methode zur Ermittlung der Netzentgelte
Abschnitt 1 - Kostenartenrechnung
§ 6 Kalkulatorische Abschreibungen

(1) Zur Gewährleistung eines langfristig angelegten leistungsfähigen
und zuverlässigen Netzbetriebs ist die Wertminderung der
betriebsnotwendigen Anlagegüter nach den Absätzen 2 bis 7 als
Kostenposition bei der Ermittlung der Netzkosten in Ansatz zu bringen
(kalkulatorische Abschreibungen). Die kalkulatorischen Abschreibungen
treten insoweit in der kalkulatorischen Kosten- und Erlösrechnung an
die Stelle der entsprechenden bilanziellen Abschreibungen der Gewinn-
und Verlustrechnung. Bei der Ermittlung der kalkulatorischen
Abschreibungen ist jeweils zu unterscheiden nach Anlagegütern, die vor
dem 1. Januar 2006 aktiviert wurden (Altanlage), und Anlagegütern, die
ab dem 1. Januar 2006 aktiviert werden (Neuanlage).

(2) Die kalkulatorischen Abschreibungen der Altanlagen sind unter
Berücksichtigung der Eigenkapitalquote nach der linearen
Abschreibungsmethode zu ermitteln. Für die Ermittlung der
kalkulatorischen Abschreibungen

1.  des eigenfinanzierten Anteils der Altanlagen ist die Summe aller
    anlagenspezifisch und ausgehend von dem jeweiligen Tagesneuwert nach
    Absatz 3 Satz 1 und 2 ermittelten Abschreibungsbeträge aller
    Altanlagen zu bilden und anschließend mit der Eigenkapitalquote zu
    multiplizieren;

2.  des fremdfinanzierten Anteils der Altanlagen ist die Summe aller
    anlagenspezifisch und ausgehend von den jeweiligen, im Zeitpunkt ihrer
    Errichtung erstmalig aktivierten Anschaffungs- und Herstellungskosten
    (historische Anschaffungs- und Herstellungskosten) ermittelten
    Abschreibungsbeträge aller Altanlagen zu bilden und anschließend mit
    der Fremdkapitalquote zu multiplizieren.

Die Eigenkapitalquote ergibt sich rechnerisch als Quotient aus dem
betriebsnotwendigen Eigenkapital und den kalkulatorisch ermittelten
Restwerten des betriebsnotwendigen Vermögens zu historischen
Anschaffungs- und Herstellungskosten. Die anzusetzende
Eigenkapitalquote wird kalkulatorisch für die Berechnung der
Netzentgelte auf höchstens 40 Prozent begrenzt. Die Fremdkapitalquote
ist die Differenz zwischen 100 Prozent und der Eigenkapitalquote.

(3) Der Tagesneuwert ist der unter Berücksichtigung der technischen
Entwicklung maßgebliche Anschaffungswert zum jeweiligen
Bewertungszeitpunkt. Die Umrechnung der historischen Anschaffungs- und
Herstellungskosten der betriebsnotwendigen Anlagegüter auf
Tagesneuwerte zum jeweiligen Stichtag erfolgt unter Verwendung von
Indexreihen des Statistischen Bundesamtes nach Maßgabe des § 6a. Im
Falle der Elektrizitätsversorgungsnetze in Berlin, Brandenburg,
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können
für jene Anlagegüter, deren Errichtung zeitlich vor ihrer erstmaligen
Bewertung in Deutscher Mark liegt, die Anschaffungs- und
Herstellungskosten unter Verwendung zeitnaher üblicher Anschaffungs-
und Herstellungskosten und einer Rückrechnung mittels der anwendbaren
Preisindizes ermittelt werden.

(4) Die kalkulatorischen Abschreibungen der Neuanlagen sind ausgehend
von den jeweiligen historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten
nach der linearen Abschreibungsmethode zu ermitteln.

(5) Die kalkulatorischen Abschreibungen sind für jede Anlage jährlich
auf Grundlage der jeweiligen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern nach
Anlage 1 vorzunehmen. Die jeweils für eine Anlage in Anwendung
gebrachte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ist für die Restdauer
ihrer kalkulatorischen Abschreibung unverändert zu lassen. Die
kalkulatorischen Abschreibungen sind jahresbezogen zu ermitteln. Dabei
ist jeweils ein Zugang des Anlagegutes zum 1. Januar des
Anschaffungsjahres zugrunde zu legen.

(6) Der kalkulatorische Restwert eines Anlageguts beträgt nach Ablauf
des ursprünglich angesetzten Abschreibungszeitraums Null. Ein
Wiederaufleben kalkulatorischer Restwerte ist unzulässig. Bei
Veränderung der ursprünglichen Abschreibungsdauer während der Nutzung
ist sicherzustellen, dass keine Erhöhung der Kalkulationsgrundlage
erfolgt. In einem solchen Fall bildet der jeweilige Restwert des
Wirtschaftsguts zum Zeitpunkt der Abschreibungsdauerumstellung die
Grundlage der weiteren Abschreibung. Der neue Abschreibungsbetrag
ergibt sich aus der Division des Restwertes durch die
Restabschreibungsdauer. Es erfolgt keine Abschreibung unter Null.

(7) Das Verbot von Abschreibungen unter Null gilt ungeachtet der
Änderung von Eigentumsverhältnissen oder der Begründung von
Schuldverhältnissen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stromnev/__6.html
Directory: stromnev
Level: 4.0