Title: § 9 Zusätzliche Schutzmaßnahmen

Description:
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV 2010)
Abschnitt 4 - Schutzmaßnahmen
§ 9 Zusätzliche Schutzmaßnahmen

Paragraph: 9

Content:
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV 2010)
Abschnitt 4 - Schutzmaßnahmen
§ 9 Zusätzliche Schutzmaßnahmen

(1) Sind die allgemeinen Schutzmaßnahmen nach § 8 nicht ausreichend,
um Gefährdungen durch Einatmen, Aufnahme über die Haut oder
Verschlucken entgegenzuwirken, hat der Arbeitgeber zusätzlich
diejenigen Maßnahmen nach den Absätzen 2 bis 7 zu ergreifen, die auf
Grund der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 erforderlich sind. Dies gilt
insbesondere, wenn

1.  Arbeitsplatzgrenzwerte oder biologische Grenzwerte überschritten
    werden,

2.  bei hautresorptiven oder haut- oder augenschädigenden Gefahrstoffen
    eine Gefährdung durch Haut- oder Augenkontakt besteht oder

3.  bei Gefahrstoffen ohne Arbeitsplatzgrenzwert und ohne biologischen
    Grenzwert eine Gefährdung auf Grund der ihnen zugeordneten
    Gefahrenklasse nach § 3 und der inhalativen Exposition angenommen
    werden kann.

(2) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Gefahrstoffe in einem
geschlossenen System hergestellt und verwendet werden, wenn

1.  die Substitution der Gefahrstoffe nach § 7 Absatz 3 durch solche
    Stoffe, Gemische, Erzeugnisse oder Verfahren, die bei ihrer Verwendung
    nicht oder weniger gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit sind,
    technisch nicht möglich ist und

2.  eine erhöhte Gefährdung der Beschäftigten durch inhalative Exposition
    gegenüber diesen Gefahrstoffen besteht.

Ist die Anwendung eines geschlossenen Systems technisch nicht möglich,
so hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Exposition der
Beschäftigten nach dem Stand der Technik und unter Beachtung von § 7
Absatz 4 so weit wie möglich verringert wird.

(3) Bei Überschreitung eines Arbeitsplatzgrenzwerts muss der
Arbeitgeber unverzüglich die Gefährdungsbeurteilung nach § 6 erneut
durchführen und geeignete zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen, um
den Arbeitsplatzgrenzwert einzuhalten. Wird trotz Ausschöpfung aller
technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen der
Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten, hat der Arbeitgeber
unverzüglich persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen. Dies gilt
insbesondere für Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten.

(4) Besteht trotz Ausschöpfung aller technischen und organisatorischen
Schutzmaßnahmen bei hautresorptiven, haut- oder augenschädigenden
Gefahrstoffen eine Gefährdung durch Haut- oder Augenkontakt, hat der
Arbeitgeber unverzüglich persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.

(5) Der Arbeitgeber hat getrennte Aufbewahrungsmöglichkeiten für die
Arbeits- oder Schutzkleidung einerseits und die Straßenkleidung
andererseits zur Verfügung zu stellen. Der Arbeitgeber hat die durch
Gefahrstoffe verunreinigte Arbeitskleidung zu reinigen.

(6) Der Arbeitgeber hat geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die
gewährleisten, dass Arbeitsbereiche, in denen eine erhöhte Gefährdung
der Beschäftigten besteht, nur den Beschäftigten zugänglich sind, die
sie zur Ausübung ihrer Arbeit oder zur Durchführung bestimmter
Aufgaben betreten müssen.

(7) Wenn Tätigkeiten mit Gefahrstoffen von einer oder einem
Beschäftigten allein ausgeübt werden, hat der Arbeitgeber zusätzliche
Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder eine angemessene Aufsicht zu
gewährleisten. Dies kann auch durch den Einsatz technischer Mittel
sichergestellt werden.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/gefstoffv_2010/__9.html
Directory: gefstoffv_2010
Level: 3.0