Title: Anlage 7 Infrastrukturbezogene Fachkenntnisse für den Erwerb der Zusatzbescheinigung

Description:
Verordnung über die Erteilung der Fahrberechtigung an Triebfahrzeugführer sowie die Anerkennung von Personen und Stellen für Ausbildung und Prüfung (TfV)
Sechster Abschnitt - Schlussbestimmungen
Anlage 7 Infrastrukturbezogene Fachkenntnisse für den Erwerb der Zusatzbescheinigung

Paragraph: 22

Content:
Verordnung über die Erteilung der Fahrberechtigung an Triebfahrzeugführer sowie die Anerkennung von Personen und Stellen für Ausbildung und Prüfung (TfV)
Sechster Abschnitt - Schlussbestimmungen
Anlage 7 Infrastrukturbezogene Fachkenntnisse für den Erwerb der Zusatzbescheinigung

(Fundstelle: BGBl. I 2011, 726 - 727; bzgl. der einzelnen Änderungen
vgl. Fußnote)

**1.** **Bremsberechnung**

    Der Triebfahrzeugführer muss vor Fahrtantritt feststellen können, dass
    der Zug die für die Strecke vorgeschriebene Bremsleistung erreicht.

**2.** **Zulässige Geschwindigkeit des Zuges in Bezug auf die Infrastruktur**

    Der Triebfahrzeugführer muss die vom Eisenbahninfrastrukturunternehmer
    im Fahrplan des Zuges vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie
    durch Befehle oder Signale angeordnete Einschränkungen einhalten
    können.

**3.** **Kenntnis über Bahnanlagen**

    Der Triebfahrzeugführer muss vorausschauend und energiesparend fahren
    und in Bezug auf Sicherheit, Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit
    angemessen reagieren können.

    Folgende Aspekte sind wichtig:

    a)  Betriebsführung, wie Zweck der Gleisarten, Fahrtrichtungen und
        Betriebsverfahren;

    b)  Erkennen der für die unmittelbare Regelung und Sicherung des Betriebs
        maßgeblichen Stellen der Bahnanlagen (Betriebsstellen), sowie deren
        Übereinstimmung mit den Planunterlagen;

    c)  Blocksystem und diesbezügliche Regelungen;

    d)  geltende Regelwerke und Bedeutung des Signalsystems;

    e)  Zugbeeinflussungssysteme;

    f)  Zugfunksysteme;

    g)  Wechsel von Betriebsverfahren, Signal- oder
        Energieversorgungssystemen.

    Als Ergänzung zu Signalen und Fahrplanunterlagen benötigt der
    Triebfahrzeugführer die Kenntnis über die Besonderheiten der Strecke,
    um die Strecke eigenständig, verantwortlich, sicher, fahrplanmäßig und
    wirtschaftlich befahren zu können (Streckenkenntnis). Dies beinhaltet
    die Kenntnis der Fahrwege in den Bahnhöfen, die bei Rangierfahrten vor
    und nach der Zugfahrt befahren werden müssen. Er soll auch über die
    notwendigen Kenntnisse der Strecken bei gegebenenfalls alternativen
    Streckenführungen verfügen.

**4.** **Führen des Zuges**

    Der Triebfahrzeugführer muss die Fähigkeit besitzen,

    a)  den Zug erst dann in Bewegung zu setzen, wenn alle vorgeschriebenen
        Bedingungen zur Abfahrt erfüllt sind;

    b)  bei einem signalgeführten Zug die Signale an der Strecke und bei einem
        anzeigegeführten Zug die Führerraumsignalisierung unverzüglich und
        fehlerfrei zu erkennen, zu beachten und entsprechend zu handeln;

    c)  den Zug gemäß der auf der zu befahrenen Strecke gültigen
        Betriebsverfahren, Zugbeeinflussungssystemen und Signalsystemen sicher
        zu fahren;

    d)  die planmäßigen Halte zu beachten und erforderlichenfalls bei diesen
        Halten Leistungen für Fahrgäste zu erbringen, wie Freigeben und
        Schließen der Türen oder Bedienen von Einstiegshilfen für
        Rollstuhlfahrer;

    e)  jederzeit die Position des Zuges auf der befahrenen Strecke zu kennen;

    f)  die Bremsen so zu bedienen, dass keine Schädigung von Fahrzeugen und
        Anlagen eintreten;

    g)  die Geschwindigkeiten des Zuges nach den Fahrplanangaben unter
        Berücksichtigung möglicher Energiesparanweisungen einzuhalten und

    h)  die vom Eisenbahninfrastrukturunternehmer bekannt gegebenen
        vorübergehenden Langsamfahrstellen und anderen Besonderheiten zu
        beachten.

**5.** **Unregelmäßigkeiten, Störungen und Unfälle**

    Der Triebfahrzeugführer muss

    a)  Unregelmäßigkeiten und Störungen an der Infrastruktur, wie Signale,
        Gleise, Oberleitung und Bahnübergänge, erkennen können;

    b)  die Entfernung zu sichtbaren Hindernissen einschätzen können;

    c)  den Eisenbahninfrastrukturunternehmer schnellstmöglich über den Ort
        und die Art der beobachteten Störungen unterrichten können;

    d)  Maßnahmen durchführen oder veranlassen können, die die Sicherheit des
        Eisenbahnbetriebes und der Personen gewährleisten;

    e)  Maßnahmen zur Sicherung des Zuges ergreifen und Hilfe anfordern
        können;

    f)  im Falle eines Brandes den Halteort des Zuges bestimmen und
        erforderlichenfalls bei der Evakuierung der Fahrgäste helfen können
        und

    g)  beurteilen können, ob und unter welchen Bedingungen das Fahrzeug
        weiterfahren kann.

6.  Sprachprüfungen

    Der Triebfahrzeugführer muss über ausreichende Kenntnisse der
    deutschen Sprache verfügen. Seine Sprachkenntnisse müssen ihm eine
    aktive und zielgerichtete Verständigung im Regelbetrieb, bei
    Unregelmäßigkeiten und in Notfällen erlauben.

    Ausreichende deutsche Sprachkenntnisse entsprechen dem Niveau B 1 des
    Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen.

    Abweichend von Satz 1 muss der Triebfahrzeugführer auf
    Grenzbetriebsstrecken und Durchgangsstrecken, auf denen der
    Eisenbahninfrastrukturunternehmer neben Deutsch eine zweite
    Betriebssprache zugelassen hat, über Sprachkenntnisse einer der beiden
    zugelassenen Sprachen auf dem Niveau B 1 des Gemeinsamen europäischen
    Referenzrahmens für Sprachen verfügen. Von den Anforderungen des
    Sprachniveaus B 1 nach Satz 3 können Triebfahrzeugführer auf
    Grenzbetriebsstrecken und Durchgangsstrecken ausgenommen werden, wenn

    a)  der Unternehmer beim Eisenbahninfrastrukturunternehmer nach dem in
        dessen Schienennetz-Nutzungsbedingungen veröffentlichten Verfahren
        eine Ausnahme für dort eingesetzte Triebfahrzeugführer beantragt,

    b)  der Unternehmer nachweist, dass er in seinem
        Sicherheitsmanagementsystem ausreichende Vorkehrungen getroffen hat,
        um sicherzustellen, dass die betreffenden Triebfahrzeugführer und die
        Mitarbeiter des Eisenbahninfrastrukturunternehmers sich bei
        Normalbetrieb, gestörtem Betrieb und in Notsituationen untereinander
        verständigen können,

    c)  der Eisenbahninfrastrukturunternehmer eine Ausnahme gewährt und

    d)  eine entsprechende Unterrichtung der betroffenen Triebfahrzeugführer
        und Mitarbeiter des Eisenbahninfrastrukturunternehmers in den
        jeweiligen Sicherheitsmanagementsystemen sichergestellt ist.

    Auf Grenzbetriebs- und Durchgangsstrecken, für die Vereinbarungen nach
    § 3a Absatz 4 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung bestehen, gilt
    der Nachweis nach Satz 5 Buchstabe b durch einen Verweis auf die
    bestehende, in den Schienennetz-Nutzungsbestimmungen des
    Eisenbahninfrastrukturunternehmers veröffentlichte Regelung als
    erbracht. Die Ausnahme nach Satz 5 Buchstabe c erfolgt in diesen
    Fällen durch Abschluss einer Vereinbarung über die Bestimmungen über
    die Betriebssicherheit nach § 21 Absatz 1 des
    Eisenbahnregulierungsgesetzes. Abweichend von den Sätzen 1 bis 3
    können Unternehmer in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren
    Eisenbahninfrastrukturunternehmern Pilotprojekte nach Maßgabe des
    Anhangs VI Nummer 8 Absatz 4 bis 10 der Richtlinie 2007/59/EG
    durchführen, um andere Möglichkeiten zur Gewährleistung einer
    wirksamen Kommunikation zu erproben.

(zu § 6 Absatz 3 und § 7 Absatz 1 Satz 2)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/tfv/__22.html
Directory: tfv
Level: 3.0