Title: Anlage Prüfanforderungen und Anforderungen an die Fahrdynamik

Description:
Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr (eKFV)
Anlage Prüfanforderungen und Anforderungen an die Fahrdynamik

Paragraph: 15

Content:
Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr (eKFV)
Anlage Prüfanforderungen und Anforderungen an die Fahrdynamik

(Fundstelle: BGBl. I 2019, 761 - 763)

**1.** **Allgemeine Prüfbedingungen**

1.1 Die Prüfungen sind auf einer Fahrbahn mit ebener, trockener und
    griffiger Beton- oder Asphaltoberfläche durchzuführen. In
    Längsrichtung darf die Prüfstrecke keine größere Steigung als 1 % und
    keine größere Schrägneigung als 3 % aufweisen.

1.2 Die Umgebungstemperatur muss zwischen 0 °C und 45 °C liegen.

1.3 Die Prüfungen dürfen nur stattfinden, wenn die Ergebnisse nicht vom
    Wind beeinflusst werden.

1.4 Bei den Prüfungen muss der Akkuladestand des Fahrzeugs mindestens 75 %
    betragen.

1.5 Bei Luftreifen ist vor den Prüfungen der vom Hersteller für den
    normalen Betrieb vorgesehene Fülldruck einzustellen.

1.6 Die Masse des Fahrzeugs muss der Masse in fahrbereitem Zustand
    entsprechen.

1.7 Bei den Prüfungen ist ein Fahrer mit einer Masse von 70 kg bis 100 kg
    vorzusehen.

**2.** **Prüfverfahren**

2.1 Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit

2.1.1 Zur Ermittlung der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit muss das zu
    prüfende Fahrzeug über eine Strecke von mindestens 50 m mit maximaler
    Antriebsleistung gefahren werden. Dabei ist die gefahrene
    Höchstgeschwindigkeit zu ermitteln. Die Prüfung ist im Anschluss in
    die entgegengesetzte Richtung der Strecke zu wiederholen.

2.1.2 Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs wird in km/h durch eine ganze
    Zahl ausgedrückt, die dem arithmetischen Mittel der bei zwei
    aufeinanderfolgenden Prüfungen in jeweils beiden Fahrtrichtungen
    ermittelten Geschwindigkeitswerte, die nicht mehr als 10 % voneinander
    abweichen dürfen, am nächsten kommt. Liegt das arithmetische Mittel
    genau in der Mitte zwischen zwei ganzen Zahlen, so wird aufgerundet.

2.1.3 Die bei den Prüfungen ermittelte Höchstgeschwindigkeit darf von der
    angegebenen bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 10 %
    abweichen.

2.1.4 Wenn das Elektrokleinstfahrzeug über einen eigenen
    Geschwindigkeitsmesser mit Anzeige verfügt, so kann dieser hierbei auf
    seine Genauigkeit der Anzeige überprüft werden. Wenn er eine
    Genauigkeit von maximal 10 % Toleranz nach oben und 0 % nach unten
    aufweist, kann dieser fahrzeugeigene Geschwindigkeitsmesser für alle
    weiteren Fahrtests verwendet werden, bei denen die
    Fahrzeuggeschwindigkeit relevant ist.

2.2 Verzögerung

2.2.1 Das Fahrzeug wird auf der Prüfstrecke mit der bauartbedingten
    Höchstgeschwindigkeit geradeaus gefahren. An einem festgelegten Punkt
    wird mit allen Verzögerungseinrichtungen gleichzeitig schnellstmöglich
    bis zum Stillstand maximal verzögert, solange dies ohne
    Sturzgefährdung (z. B. durch ein blockierendes Vorderrad bei
    Einspurfahrzeugen) möglich ist. Bei Sturzgefährdung muss die
    aufgebrachte Bremskraft entsprechend reduziert werden, damit das
    Fahrzeug während des Bremsvorgangs sturzfrei beherrschbar bleibt.

2.2.2 Der benötigte Anhalteweg wird auf zwei Nachkommastellen in Metern
    gemessen.

2.2.3 Die Messung ist in mindestens fünf aufeinanderfolgenden Prüfungen zu
    wiederholen.

2.2.4 Mit der nachfolgenden Formel wird die erreichte
    Durchschnittsverzögerung berechnet. Die Verzögerung des Fahrzeugs wird
    in m/s
    2                    durch eine Dezimalzahl mit einer Nachkommastelle
    ausgedrückt.

    *        *            ![bgbl1_2019_j0756-1_0020.jpg](bgbl1_2019_j0756-1_0020.jpg)

    *        *   a

        *   = Durchschnittsverzögerung [m/s
            2                             ]

    *        *   v

        *   = Ausgangsgeschwindigkeit [m/s]

    *        *   s

        *   = Anhalteweg [m]

    Der Wert für die jeweilige Verzögerung wird auf die erste Stelle nach
    dem Komma gerundet.

2.2.5 Zur Überprüfung der Mindestverzögerung bei Ausfall einer
    Bremseinrichtung wird:

    a)  bei unabhängig voneinander bedienbaren Bremsen der obige Fahrversuch
        wiederholt, jedoch mit dem Unterschied, dass jeweils nur eine Bremse
        jeweils in mindestens drei aufeinanderfolgenden Prüfungen betätigt
        wird;

    b)  bei kombinierten Bremseinrichtungen je eine der Bremsen geeignet außer
        Funktion gesetzt und der obige Fahrversuch wiederholt.

2.3 Fahrdynamik

2.3.1 Ergänzend zu Nummer 1.1 muss die Fahrbahn für die Fahrdynamikprüfungen
    jeweils die in den nachfolgenden Prüfungen beschriebenen
    Fahrbahnelemente aufweisen.

2.3.2 In den Prüfungen sind die Fahrbahnelemente jeweils mit der
    bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit und mit einer Geschwindigkeit
    von 8*                    2 km/h zu befahren. Zusätzlich sind die
    Fahrbahnelemente bei den Prüfungen 1 und 2 (je nur an den
    Auffahrstufen) und 4 (mit direktem Kontakt des in Fahrtrichtung
    vorderen Rades an die Auffahrstufe/Bordsteinkante) jeweils aus dem
    Stillstand anzufahren.

2.3.3 Das Fahrzeug muss bei jeder Prüfung das jeweilige Fahrbahnelement
    vollständig überfahren und dabei jederzeit für den Fahrenden
    beherrschbar bleiben. Die vom Fahrenden gewünschte Fahrtrichtung muss
    beibehalten werden, wobei eine maximale Abweichung zwischen der Soll-
    und der Ist-Trajektorie von 20 Grad zulässig ist. Selbstbalancierende
    Fahrzeuge müssen während den Prüfungen die Balance einhalten und
    dürfen insbesondere nicht plötzlich die Selbstbalancefunktion
    deaktivieren.

2.3.4 Prüfung 1 (Vertiefung)

2.3.4.1 Aufbau des Fahrbahnelements:

    Eine Vertiefung zur Fahrebene mit den Maßen von mindestens 100 cm x
    100 cm x 5 cm (L x B x H) mit senkrechten Wänden und einer
    Ausfahrrampe im Winkel von 45 Grad.

    *        *            ![bgbl1_2019_j0756-1_0030.jpg](bgbl1_2019_j0756-1_0030.jpg)

    *        *   Bild 1: Vertiefung (rechts) mit Ausfahrrampe (links)

2.3.4.2 Mit dem zu prüfenden Fahrzeug ist die Vertiefung gerade über die Kante
    in Richtung Rampe parallel zur eingezeichneten Fahrtrichtung zu
    durchfahren. Bei einem mehrspurigen zu prüfenden Fahrzeug ist die
    Versuchsfahrt zusätzlich mit nur einer Spur durch die Vertiefung zu
    wiederholen.

2.3.5 Prüfung 2 (Ab- und Auffahrstufe)

2.3.5.1 Aufbau des Fahrbahnelements:

    Eine Ab- und Auffahrstufe mit 2 cm Höhendifferenz zur Fahrebene (Größe
    100 cm x 100 cm).

    *        *            ![bgbl1_2019_j0756-1_0040.jpg](bgbl1_2019_j0756-1_0040.jpg)

    *        *   Bild 2: Ab- und Auffahrstufe (von rechts nach links)

2.3.5.2 Mit dem zu prüfenden Fahrzeug ist die Vertiefung gerade über die Kante
    in Richtung Auffahrstufe parallel zur eingezeichneten Fahrtrichtung zu
    durchfahren. Bei einem mehrspurigen zu prüfenden Fahrzeug ist die
    Versuchsfahrt zusätzlich mit nur einer Spur durch die Vertiefung zu
    wiederholen.

2.3.6 Prüfung 3 (Einseitige Absenkung)

2.3.6.1 Aufbau des Fahrbahnelements:

    Eine Wegstrecke, auf der die Fahrebene in Fahrtrichtung linksseitig
    auf einer Länge von 100 cm um 10 cm abfällt bzw. rechtsseitig ansteigt
    (einseitige Absenkung bzw. Auffahrt).

    *        *            ![bgbl1_2019_j0756-1_0050.jpg](bgbl1_2019_j0756-1_0050.jpg)

    *        *   Bild 3: Einseitige Absenkung

2.3.6.2 Mit dem zu prüfenden Fahrzeug ist die einseitig abfallende Wegstrecke
    ab- und aufwärts parallel zur eingezeichneten Fahrtrichtung zu
    befahren. Das Kantenprofil des Fahrbahnelements mit einer Höhe von 10
    cm muss dabei nicht überfahren werden.

2.3.7 Prüfung 4 (Bordsteinprofil)

2.3.7.1 Aufbau des Fahrbahnelements:

    Eine Bordsteinkante mit Profil wie in Bild 4 dargestellt und einem
    Höhenunterschied zwischen Fahrbahnniveau und Bordsteinoberkante von 3
    cm.

    *        *            ![bgbl1_2019_j0756-1_0060.jpg](bgbl1_2019_j0756-1_0060.jpg)

    *        *   Bild 4: Bordsteinprofil

2.3.7.2 Mit dem zu prüfenden Fahrzeug ist die Bordsteinkante aufwärts unter
    einem Winkel von 90 Grad und unter einem Winkel von 45 Grad zu
    überfahren.

2.4 Antriebsdeaktivierung

2.4.1 Das Fahrzeug wird auf der Prüfstrecke mit Schrittgeschwindigkeit
    gefahren. Die fahrende Person steigt bei dieser Geschwindigkeit
    gezielt vom Fahrzeug ab und nimmt die Hände von der Lenk- oder
    Haltestange.

2.4.2 Es muss erkennbar sein, dass der Fahrzeugantrieb innerhalb von 1,0 s
    nach dem Absteigen automatisch deaktiviert wird und das Fahrzeug nicht
    motorisch betrieben weiter- oder losrollt.

2.4.3 Bei selbstbalancierenden Fahrzeugen wird zusätzlich folgender Test
    durchgeführt:

2.4.3.1 Der Prüfer steht neben dem Fahrzeug und schaltet das Fahrzeug in den
    fahrbereiten Zustand. Dann nimmt der Prüfer die Hände vom Fahrzeug und
    lässt es los.

2.4.3.2 Der Fahrzeugantrieb darf nicht aktiviert werden und das Fahrzeug darf
    nicht losfahren.

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