Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister/Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung (PapKuVerarbIndMeistPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Content:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister/Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung (PapKuVerarbIndMeistPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikationen“ umfasst
die Handlungsbereiche:

1.  Technologie der Papier- und Kunststoffverarbeitung,

2.  Führung und Organisation,

3.  Spezialisierungsgebiete.

(2) Der Handlungsbereich „Technologie der Papier- und
Kunststoffverarbeitung“ gliedert sich in folgende
Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Verfahrens- und Fertigungstechnik,

2.  Prozesssteuerung.

(3) Im Qualifikationsschwerpunkt „Verfahrens- und Fertigungstechnik“
soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, verfahrens- und
fertigungstechnische Prozesse bei der Herstellung von Produkten unter
Berücksichtigung des ökonomischen und ökologischen Einsatzes von Roh-,
Hilfs- und Betriebsstoffen planen, organisieren und überwachen zu
können. Dazu gehört, Zusammenhänge und Optimierungsmöglichkeiten der
verfahrens- und fertigungstechnischen Prozesse erkennen und geeignete
Maßnahmen zur Prozessoptimierung einleiten zu können. Beim Einsatz
neuer Maschinen und Anlagenteile sowie bei der Veränderung von
Materialien sollen die Auswirkungen auf den Fertigungsprozess erkannt
und bei Abweichungen geeignete Maßnahmen eingeleitet werden können. In
diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Beurteilen der Eigenschaften von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
    sowie Berücksichtigen der Anforderungen bei deren Einsatz;

2.  Beurteilen der Einsatzmöglichkeiten von Maschinen und Anlagen sowie
    deren Verwendung;

3.  Auswählen von Maschinen und Anlagen sowie deren Bauteilen unter
    Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte;

4.  Auswählen von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen unter Berücksichtigung
    technischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte;

5.  Koordinieren und Optimieren des Rüstens und Betreibens von Anlagen;

6.  Optimieren des Produktionsprozesses unter Berücksichtigung
    technischer, qualitativer, organisatorischer und
    betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkte;

7.  Beurteilen der Auswirkungen von Produktionsprozessen auf die Umwelt
    sowie Einsetzen und Weiterentwickeln geeigneter Verfahren;

8.  Organisieren und Veranlassen von Maßnahmen zur Behebung von Störungen.

(4) Im Qualifikationsschwerpunkt „Prozesssteuerung“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, mit Hilfe von mess-, steuerungs- und
regeltechnischen Einrichtungen Prozesse bewerten, steuern und
optimieren zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Bewerten und Optimieren des Einsatzes von Messeinrichtungen;

2.  Einsetzen von Steuerungs- und Regelsystemen zur Prozessoptimierung;

3.  Darstellen und Optimieren von Steuerungs- und Regelungsprozessen;

4.  Organisieren und Veranlassen von Maßnahmen zur Behebung von Störungen.

(5) Der Handlungsbereich „Führung und Organisation“ gliedert sich in
folgende Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Personalführung,

2.  Personalentwicklung,

3.  Projektmanagement,

4.  Betriebsorganisation und Kostenwesen,

5.  Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz,

6.  Qualitätsmanagement.

(6) Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalführung“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, Personal einsetzen, führen und beurteilen zu
können. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft
werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalbedarfs unter Berücksichtigung technischer und
    organisatorischer Veränderungen;

2.  Auswählen und Einsetzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter
    Berücksichtigung ihrer Eignung und Bedürfnisse sowie der betrieblichen
    Anforderungen;

3.  Delegieren von Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung;

4.  Fördern der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft;

5.  Anwenden von Führungsmethoden und -instrumenten zur Durchführung
    betrieblicher Aufgaben und zum Lösen von Problemen und Konflikten;

6.  Sicherstellen der schichtübergreifenden Informationsweitergabe;

7.  Vermitteln von Informationen und Anweisungen;

8.  Schaffen und Sicherstellen von Rahmenbedingungen für eine effiziente
    Kommunikation in der Gruppe;

9.  Vorbereiten, Durchführen und Nachbereiten von Besprechungen.

(7) Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalentwicklung“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, unter Beachtung der
Qualifikationsanforderungen des Betriebes und der
Qualifikationsbedürfnisse des Einzelnen, geeignete Maßnahmen zur
weiteren beruflichen Entwicklung des Personals vorschlagen und
durchführen zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalentwicklungsbedarfs unter Berücksichtigung gegenwärtiger
    Anforderungen sowie zukünftiger technischer, organisatorischer und
    personenbezogener Veränderungen;

2.  Planen, Durchführen und Veranlassen von Maßnahmen zur Qualifizierung
    und Motivation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen;

3.  Überprüfen der Ergebnisse von Qualifizierungsmaßnahmen sowie Fördern
    betrieblicher Maßnahmen der Personalentwicklung.

(8) Im Qualifikationsschwerpunkt „Projektmanagement“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden des Projektmanagements
auswählen und anwenden zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Auswählen und Strukturieren von Projektgruppen;

2.  Anwenden von Instrumenten zur Projektplanung und -durchführung;

3.  Moderieren und Steuern von Projektgruppen;

4.  Durchführen von Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Machbarkeitsstudien und
    Projektcontrolling;

5.  Dokumentieren von Projektergebnissen.

(9) Im Qualifikationsschwerpunkt „Betriebsorganisation und
Kostenwesen“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und
Techniken zur Organisation und Optimierung von Arbeitsabläufen
anwenden zu können. Dazu gehört, Kostenverantwortung zu übernehmen. In
diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Anwenden von Methoden und Instrumenten zur Arbeitsplatzbeschreibung
    und -analyse;

2.  Optimieren der Schichtorganisation unter Berücksichtigung
    betriebswirtschaftlicher Faktoren;

3.  Anwenden von Methoden und Instrumenten zur Analyse und Optimierung von
    organisatorischen Abläufen;

4.  Erkennen und Beurteilen von Zusammenhängen des betrieblichen
    Rechnungswesens, insbesondere Kostenarten-, Kostenstellen-,
    Kostenträger- und Prozesskostenrechnung;

5.  Ermitteln von Zielgrößen, insbesondere Betriebsergebnis,
    Deckungsbeitrag und Kennzahlen;

6.  Anwenden von Kalkulationsverfahren;

7.  Durchführen von Kostenkontrollen;

8.  Einleiten von Maßnahmen zur Kostenbeeinflussung;

9.  Überwachen und Einhalten des zugeteilten Budgets;

10. Fördern des Kostenbewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
    bei unterschiedlichen Formen der Arbeitsorganisation.

(10) Im Qualifikationsschwerpunkt „Arbeits-, Umwelt- und
Gesundheitsschutz“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
einschlägige Gesetze, Vorschriften und Bestimmungen in ihrer Bedeutung
erkennen und ihre Einhaltung sicherstellen zu können. Dazu gehört, den
Arbeitsschutz zu gewährleisten, Störungen zu erkennen und zu
analysieren sowie Maßnahmen zu ihrer Vermeidung oder Beseitigung
einleiten zu können. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen zu
arbeits-, umwelt- und gesundheitsbewusstem Verhalten und Handeln
angeleitet werden können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Überprüfen und Gewährleisten der Anlagensicherheit;

2.  Überwachen der Einhaltung der Vorschriften des Arbeits-, Umwelt- und
    Gesundheitsschutzes;

3.  Sicherstellen der Einhaltung von Vorgaben im eigenen
    Verantwortungsbereich, insbesondere von Hygieneanforderungen;

4.  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im
    Hinblick auf Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz;

5.  Planen und Durchführen von Unterweisungen in der Anlagensicherheit,
    des Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes;

6.  Überwachen der Lagerung von und des Umgangs mit umweltbelastenden und
    gesundheitsgefährdenden Betriebsmitteln, Einrichtungen und
    Werkstoffen;

7.  Vorschlagen, Planen, Einleiten und Überprüfen von Maßnahmen zur
    Verbesserung des Arbeitsschutzes sowie zur Reduzierung und Vermeidung
    von Unfällen und von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen;

8.  Sicherstellen des Informationsaustausches über arbeitsschutz-,
    gesundheits- und umweltrelevante Vorgänge.

(11) Im Qualifikationsschwerpunkt „Qualitätsmanagement“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und Techniken zur Optimierung
des qualitätsbewussten Handelns und zur Weiterentwicklung des
betrieblichen Qualitätsmanagements anwenden zu können. In diesem
Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Ermitteln und Umsetzen von Kundenwünschen und
    -vorgaben;

2.  Umsetzen von Kundenanforderungen in Qualitätsziele und
    Qualitätsvorgaben;

3.  Berücksichtigen betrieblicher Vorgaben und Qualitätsnormen sowie
    Sicherstellen der Einhaltung im eigenen Verantwortungsbereich;

4.  Fördern des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen;

5.  Beschreiben und Dokumentieren betrieblicher Prozesse und Vorbereiten
    von Überprüfungen (Audits) und Zertifizierungen;

6.  Nutzen von Instrumenten des Qualitätsmanagements zu kontinuierlichen
    Qualitäts- und Prozessverbesserungen;

7.  Kontinuierliches Umsetzen von Qualitätsmanagementzielen durch Planen,
    Sichern und Lenken von qualitätswirksamen Maßnahmen.

(12) Im Handlungsbereich „Spezialisierungsgebiete“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, unter Berücksichtigung produktbezogener sowie
anlagen- und verfahrenstechnischer Unterschiede, in einem der
nachfolgend genannten Wahlqualifikationsschwerpunkte eine betriebliche
Aufgabenstellung analysieren, strukturieren, darstellen und einer
begründeten Lösung zuführen zu können. Die zu prüfende Person bestimmt
einen der nachfolgend genannten Wahlqualifikationsschwerpunkte, in dem
geprüft werden soll:

1.  Flexible Packstoffe und Packmittel,

2.  Biegesteife Packstoffe und Packmittel,

3.  Briefumschläge und Versandtaschen,

4.  Haft- und Selbstklebeetiketten,

5.  Hartpapierwaren und Kombidosen.

Im Rahmen des bestimmten Qualifikationsschwerpunktes können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Planen und Organisieren des Einsatzes der Produktionsfaktoren;

2.  Optimieren des Einsatzes von Roh- und Hilfsstoffen unter Beachtung von
    Substitutionsmöglichkeiten;

3.  Überwachen, Steuern und Optimieren des Produktionsprozesses unter
    Berücksichtigung von Qualität und Kosten;

4.  Ergreifen von Maßnahmen zur Kosten- und Leistungsbeeinflussung.

(13) In den Handlungsbereichen „Technologie der Papier- und
Kunststoffverarbeitung“ und „Führung und Organisation“ ist unter
Berücksichtigung der fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen
in Form von je einer schriftlichen Situationsaufgabe zu prüfen. Die
Situationsaufgaben sind so zu gestalten, dass die
Qualifikationsschwerpunkte aus den jeweiligen Handlungsbereichen nach
Absatz 1 Nr. 1 und 2 mindestens einmal thematisiert werden. Kern der
Situationsaufgabe im Handlungsbereich „Technologie der Papier- und
Kunststoffverarbeitung“ sind mit etwa zwei Dritteln die
Qualifikationsschwerpunkte dieses Handlungsbereiches.
Qualifikationsschwerpunkte des Handlungsbereiches „Führung und
Organisation“ sind mit etwa einem Drittel integrativ einzubeziehen.
Kern der Situationsaufgabe im Handlungsbereich „Führung und
Organisation“ sind mit etwa zwei Dritteln die
Qualifikationsschwerpunkte dieses Handlungsbereichs.
Qualifikationsschwerpunkte des Handlungsbereichs „Technologie der
Papier- und Kunststoffverarbeitung“ sind mit etwa einem Drittel
integrativ einzubeziehen. Die Prüfungsdauer für die Bearbeitung der
Situationsaufgaben beträgt jeweils mindestens drei Stunden, insgesamt
jedoch nicht mehr als acht Stunden.

(14) Im Handlungsbereich „Spezialisierungsgebiete“ ist in Form einer
komplexen praxisbezogenen Aufgabenstellung, für die schriftliche
Präsentationsunterlagen anzufertigen sind, und einer mündlichen
Präsentation dieser Unterlagen einschließlich eines Fachgesprächs zu
prüfen. Die Aufgabenstellung kann alle Qualifikationsinhalte nach den
Absätzen 3 und 4 sowie 6 bis 12 umfassen. Mit den
Präsentationsunterlagen und in der mündlichen Präsentation soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, die Aufgabenstellung erfassen,
darstellen, beurteilen und lösen zu können. Im Fachgespräch sollen
weiterführende Fragestellungen dazu beantwortet werden können. Der
Umfang der schriftlichen Präsentationsunterlagen soll höchstens 20
Seiten betragen. Als Bearbeitungszeit für die Erstellung der
Präsentationsunterlagen stehen der zu prüfenden Person höchstens 30
aufeinander folgende Kalendertage zur Verfügung. Die
Präsentationsunterlagen sind dem Prüfungsausschuss mindestens 21
Kalendertage vor der Präsentation zur Verfügung zu stellen. Die Form
der Präsentation und der Einsatz angemessener Präsentationstechniken
stehen der zu prüfenden Person frei. Die Prüfungszeit für die
Präsentation und das Fachgespräch beträgt insgesamt höchstens 45
Minuten. Die Präsentation soll nicht länger als 15 Minuten dauern. Die
einzelnen Prüfungsgebiete der praxisbezogenen Aufgabenstellung sind
wie folgt zu gewichten:

1.  schriftliche Präsentationsunterlagen
    20 Prozent,

2.  mündliche Präsentation
    30 Prozent,

3.  Fachgespräch
    50 Prozent.

(15) Wurde in nicht mehr als einer Prüfungsleistung nach Absatz 13
eine mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist eine mündliche
Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehreren ungenügenden
Prüfungsleistungen besteht diese Möglichkeit nicht. Die
Ergänzungsprüfung soll in der Regel nicht länger als 20 Minuten
dauern. Die Bewertung der schriftlichen Prüfungsleistung und die der
mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu einer Prüfungsleistung
zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung doppelt gewichtet. In der praxisbezogenen
Aufgabenstellung nach Absatz 14 besteht keine Möglichkeit einer
mündlichen Ergänzungsprüfung.

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