Title: § 4 Ziel, Gliederung und Inhalt des Teils IV

Description:
Verordnung über die Meisterprüfung in den Teilen III und IV im Handwerk und in handwerksähnlichen Gewerben (AMstPrV)
§ 4 Ziel, Gliederung und Inhalt des Teils IV

Paragraph: 4

Content:
Verordnung über die Meisterprüfung in den Teilen III und IV im Handwerk und in handwerksähnlichen Gewerben (AMstPrV)
§ 4 Ziel, Gliederung und Inhalt des Teils IV

(1) Durch die Prüfung in Teil IV hat der Prüfling seine berufs- und
arbeitspädagogischen Kenntnisse nachzuweisen und dass er die zur
ordnungsgemäßen Ausbildung von Lehrlingen (Auszubildenden)
erforderliche Kompetenz zum selbstständigen Planen, Durchführen und
Kontrollieren der Berufsausbildung besitzt.

(2) Die Prüfung in Teil IV besteht aus einem schriftlichen und einem
praktischen Teil.

(3) Im schriftlichen Teil der Prüfung sind fallbezogene Aufgaben in
jedem der nachfolgend aufgeführten Handlungsfelder zu bearbeiten:

1.  Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen

    Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er in der Lage ist,
    Ausbildungsvoraussetzungen auf der Grundlage betrieblicher,
    berufsbezogener und rechtlicher Bestimmungen zu prüfen und zu bewerten
    sowie die Ausbildung, auch unter Berücksichtigung außerbetrieblicher
    Ausbildungszeiten, zu planen. Bei der Aufgabenstellung sollen mehrere
    der unter den Buchstaben a bis g aufgeführten Qualifikationen
    verknüpft werden:

    a)  Vorteile und Nutzen betrieblicher Ausbildung darstellen und begründen,

    b)  betrieblichen Ausbildungsbedarf auf der Grundlage rechtlicher,
        tarifvertraglicher und betrieblicher Rahmenbedingungen planen sowie
        hierzu Entscheidungen vorbereiten und treffen,

    c)  Strukturen des Berufsbildungssystems und seine Schnittstellen
        darstellen,

    d)  Ausbildungsberufe für den Betrieb auswählen und Auswahl begründen,

    e)  Eignung des Betriebes für die Ausbildung in angestrebten
        Ausbildungsberufen prüfen, insbesondere unter Berücksichtigung von
        Ausbildung im Verbund, überbetrieblicher und außerbetrieblicher
        Ausbildung,

    f)  Möglichkeiten des Einsatzes von berufsausbildungsvorbereitenden
        Maßnahmen prüfen und bewerten,

    g)  innerbetriebliche Aufgabenverteilung für die Ausbildung unter
        Berücksichtigung von Funktionen und Qualifikationen der an der
        Ausbildung Mitwirkenden koordinieren;

2.  Ausbildung vorbereiten und Einstellung von Auszubildenden durchführen

    Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er in der Lage ist, Aufgaben der
    Ausbildungsvorbereitung wahrzunehmen, Auswahlkriterien für
    Einstellungen festzulegen sowie Einstellungsverfahren durchzuführen,
    auch unter Berücksichtigung betrieblicher Arbeits- und
    Geschäftsprozesse sowie rechtlicher Aspekte. Bei der Aufgabenstellung
    sollen mehrere der unter den Buchstaben a bis f aufgeführten
    Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  auf der Grundlage einer Ausbildungsordnung einen betrieblichen
        Ausbildungsplan erstellen, der sich insbesondere an berufstypischen
        Arbeits- und Geschäftsprozessen orientiert,

    b)  Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung der betrieblichen
        Interessenvertretungen in der Berufsbildung darstellen und begründen,

    c)  Kooperationsbedarf ermitteln und inhaltliche sowie organisatorische
        Abstimmung mit Kooperationspartnern, insbesondere der Berufsschule,
        durchführen,

    d)  Kriterien und Verfahren zur Auswahl von Auszubildenden auch unter
        Berücksichtigung ihrer Verschiedenartigkeit anwenden,

    e)  Berufsausbildungsvertrag vorbereiten und abschließen sowie die
        Eintragung bei der zuständigen Stelle veranlassen,

    f)  Möglichkeiten prüfen, ob Teile der Berufsausbildung im Ausland
        durchgeführt werden können;

3.  Ausbildung durchführen

    Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er in der Lage ist, Lernprozesse
    handlungsorientiert zu planen und zu kontrollieren sowie
    selbstständiges Lernen zu fördern. Dabei sind berufstypische Arbeits-
    und Geschäftsprozesse sowie Einsatzmöglichkeiten und
    Lernvoraussetzungen der Auszubildenden zu berücksichtigen. Bei der
    Aufgabenstellung sollen mehrere der unter den Buchstaben a bis j
    aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  lernförderliche Bedingungen und motivierende Lernkultur schaffen,
        Rückmeldungen geben und empfangen,

    b)  Probezeit organisieren, gestalten und bewerten,

    c)  aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und den berufstypischen Arbeits-
        und Geschäftsprozessen betriebliche Lern- und Arbeitsaufgaben
        entwickeln und gestalten,

    d)  Ausbildungsmethoden und -medien zielgruppengerecht auswählen und
        situationsspezifisch einsetzen,

    e)  Auszubildende bei Lernschwierigkeiten durch individuelle Gestaltung
        der Ausbildung und Lernberatung unterstützen,
        ausbildungsunterstützende Hilfen einsetzen und Möglichkeiten zur
        Verlängerung der Ausbildungszeit prüfen,

    f)  für Auszubildende zusätzliche Ausbildungsangebote, insbesondere
        Zusatzqualifikationen, prüfen und vorschlagen; Möglichkeiten der
        Verkürzung der Ausbildungsdauer und der vorzeitigen Zulassung zur
        Abschluss- oder Gesellenprüfung prüfen,

    g)  soziale und persönliche Entwicklungen von Auszubildenden fördern;
        Probleme und Konflikte rechtzeitig erkennen und auf Lösungen
        hinwirken,

    h)  Lernen und Arbeiten im Team entwickeln,

    i)  Leistungen von Auszubildenden feststellen und bewerten,
        Leistungsbeurteilungen Dritter und Prüfungsergebnisse auswerten,
        Beurteilungsgespräche führen, Rückschlüsse für den weiteren
        Ausbildungsverlauf ziehen,

    j)  interkulturelle Kompetenzen im Betrieb fördern;

4.  Ausbildung abschließen

    Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er in der Lage ist, die Ausbildung
    zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen und Perspektiven von
    weiteren Lern- und Qualifizierungswegen aufzuzeigen. Bei der
    Aufgabenstellung sollen mehrere der unter den Buchstaben a bis d
    aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  Auszubildende auf die Abschluss- oder Gesellenprüfung unter
        Berücksichtigung der Prüfungstermine vorbereiten und die Ausbildung zu
        einem erfolgreichen Abschluss führen,

    b)  für die Anmeldung der Auszubildenden zu Prüfungen bei der zuständigen
        Stelle Sorge tragen und diese auf durchführungsrelevante
        Besonderheiten hinweisen,

    c)  schriftliche Zeugnisse auf der Grundlage von Leistungsbeurteilungen
        erstellen,

    d)  Auszubildende über betriebliche Entwicklungswege und berufliche
        Weiterbildungsmöglichkeiten informieren und beraten.

(4) Der praktische Teil der Prüfung besteht aus

1.  einer Präsentation oder einer praktischen Durchführung einer
    Ausbildungssituation und

2.  einem Fachgespräch.

Für die Präsentation oder die praktische Durchführung wählt der
Prüfling eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Auswahl und
Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/amstprv/__4.html
Directory: amstprv
Level: 2.0