Title: § 38 Jugendgerichtshilfe

Description:
Jugendgerichtsgesetz (JGG)
Zweiter Teil - Jugendliche
Zweites Hauptstück - Jugendgerichtsverfassung und Jugendstrafverfahren
Erster Abschnitt - Jugendgerichtsverfassung
§ 38 Jugendgerichtshilfe

Paragraph: 38

Content:
Jugendgerichtsgesetz (JGG)
Zweiter Teil - Jugendliche
Zweites Hauptstück - Jugendgerichtsverfassung und Jugendstrafverfahren
Erster Abschnitt - Jugendgerichtsverfassung
§ 38 Jugendgerichtshilfe

(1) Die Jugendgerichtshilfe wird von den Jugendämtern im
Zusammenwirken mit den Vereinigungen für Jugendhilfe ausgeübt.

(2) Die Vertreter der Jugendgerichtshilfe bringen die erzieherischen,
sozialen und sonstigen im Hinblick auf die Ziele und Aufgaben der
Jugendhilfe bedeutsamen Gesichtspunkte im Verfahren vor den
Jugendgerichten zur Geltung. Sie unterstützen zu diesem Zweck die
beteiligten Behörden durch Erforschung der Persönlichkeit, der
Entwicklung und des familiären, sozialen und wirtschaftlichen
Hintergrundes des Jugendlichen und äußern sich zu einer möglichen
besonderen Schutzbedürftigkeit sowie zu den Maßnahmen, die zu
ergreifen sind.

(3) Sobald es im Verfahren von Bedeutung ist, soll über das Ergebnis
der Nachforschungen nach Absatz 2 möglichst zeitnah Auskunft gegeben
werden. In Haftsachen berichten die Vertreter der Jugendgerichtshilfe
beschleunigt über das Ergebnis ihrer Nachforschungen. Bei einer
wesentlichen Änderung der nach Absatz 2 bedeutsamen Umstände führen
sie nötigenfalls ergänzende Nachforschungen durch und berichten der
Jugendstaatsanwaltschaft und nach Erhebung der Anklage auch dem
Jugendgericht darüber.

(4) Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe nimmt an der
Hauptverhandlung teil, soweit darauf nicht nach Absatz 7 verzichtet
wird. Entsandt werden soll die Person, die die Nachforschungen
angestellt hat. Erscheint trotz rechtzeitiger Mitteilung nach § 50
Absatz 3 Satz 1 kein Vertreter der Jugendgerichtshilfe in der
Hauptverhandlung und ist kein Verzicht nach Absatz 7 erklärt worden,
so kann dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe auferlegt werden, die
dadurch verursachten Kosten zu ersetzen; § 51 Absatz 2 der
Strafprozessordnung gilt entsprechend.

(5) Soweit nicht ein Bewährungshelfer dazu berufen ist, wacht die
Jugendgerichtshilfe darüber, dass der Jugendliche Weisungen und
Auflagen nachkommt. Erhebliche Zuwiderhandlungen teilt sie dem
Jugendgericht mit. Im Fall der Unterstellung nach § 10 Absatz 1 Satz 3
Nummer 5 übt sie die Betreuung und Aufsicht aus, wenn das
Jugendgericht nicht eine andere Person damit betraut. Während der
Bewährungszeit arbeitet sie eng mit dem Bewährungshelfer zusammen.
Während des Vollzugs bleibt sie mit dem Jugendlichen in Verbindung und
nimmt sich seiner Wiedereingliederung in die Gemeinschaft an.

(6) Im gesamten Verfahren gegen einen Jugendlichen ist die
Jugendgerichtshilfe heranzuziehen. Dies soll so früh wie möglich
geschehen. Vor der Erteilung von Weisungen (§ 10) sind die Vertreter
der Jugendgerichtshilfe stets zu hören; kommt eine Betreuungsweisung
in Betracht, sollen sie sich auch dazu äußern, wer als
Betreuungshelfer bestellt werden soll.

(7) Das Jugendgericht und im Vorverfahren die Jugendstaatsanwaltschaft
können auf die Erfüllung der Anforderungen des Absatzes 3 und auf
Antrag der Jugendgerichtshilfe auf die Erfüllung der Anforderungen des
Absatzes 4 Satz 1 verzichten, soweit dies auf Grund der Umstände des
Falles gerechtfertigt und mit dem Wohl des Jugendlichen vereinbar ist.
Der Verzicht ist der Jugendgerichtshilfe und den weiteren am Verfahren
Beteiligten möglichst frühzeitig mitzuteilen. Im Vorverfahren kommt
ein Verzicht insbesondere in Betracht, wenn zu erwarten ist, dass das
Verfahren ohne Erhebung der öffentlichen Klage abgeschlossen wird. Der
Verzicht auf die Anwesenheit eines Vertreters der Jugendgerichtshilfe
in der Hauptverhandlung kann sich auf Teile der Hauptverhandlung
beschränken. Er kann auch während der Hauptverhandlung erklärt werden
und bedarf in diesem Fall keines Antrags.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__38.html
Directory: jgg
Level: 5.0