Title: § 9 Abschlussprüfung

Description:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Textillaborant/zur Textillaborantin (TextLabAusbV 2003)
§ 9 Abschlussprüfung

Paragraph: 9

Content:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Textillaborant/zur Textillaborantin (TextLabAusbV 2003)
§ 9 Abschlussprüfung

(1) Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage
aufgeführten Qualifikationen sowie auf den im Berufsschulunterricht
vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich
ist.

(2) Die Abschlussprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen

1.  Arbeitsauftrag,

2.  Prüftechnologie,

3.  Textilchemie und Textilphysik sowie

4.  Wirtschafts- und Sozialkunde.

Dabei sind Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht, Aufbau und
Organisation des Ausbildungsbetriebes, Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz, Planen und Vorbereiten
von Arbeitsabläufen, Anwenden von Informations- und
Kommunikationssystemen, Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen
und Bestimmen der Merkmale von Faserstoffen, textilen Längen- und
Flächengebilden zu berücksichtigen.

(3) Der Prüfling soll im Prüfungsbereich Arbeitsauftrag zeigen, dass
er

1.  Arbeitsabläufe unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer,
    organisatorischer und zeitlicher Vorgaben selbständig und
    kundenorientiert planen und abstimmen,

2.  Prüfverfahren festlegen und unter Einhaltung der Prüfnormen
    vorbereiten und durchführen sowie Prüfverfahren und Prozessabläufe
    überwachen und bei Störungen Korrekturen vornehmen,

3.  Kenndaten ermitteln, statistische Verfahren anwenden, Messergebnisse
    auswerten, darstellen und interpretieren sowie Arbeitsergebnisse
    kontrollieren und dokumentieren,

4.  fremdsprachliche Dokumentationen handhaben und technische
    Dokumentationen erstellen,

5.  mechanisch-technologische Eigenschaften an textilen Flächengebilden
    und Ungleichmäßigkeiten an textilen Längengebilden bestimmen,

6.  physikalische und chemische Zusammenhänge erkennen,

darüber hinaus im Schwerpunkt Textiltechnik

1.  Verarbeitungskriterien und anwendungstechnisches Verhalten bestimmen,

2.  ökologische Anforderungen, Widerstandsfähigkeit gegenüber
    mechanischen, thermischen, chemischen, witterungsbedingten,
    biologischen, elektrischen und elektromagnetischen Einflüssen prüfen,

darüber hinaus im Schwerpunkt Textilveredlung

1.  Wasseruntersuchungen durchführen, Behandlungsflotten oder -pasten
    sowie Prozesswasser quantitativ bestimmen,

2.  produktspezifische Eigenschaften von Textilhilfsmitteln bestimmen und
    ihre Wirkungsweise prüfen sowie Rezepturen erstellen und prüfen,
    optische Messungen durchführen,

3.  produktspezifische Eigenschaften von Farbmitteln bestimmen und ihre
    Wirksamkeit prüfen sowie Rezepturen erstellen und prüfen,
    Farbmessungen durchführen,

darüber hinaus im Schwerpunkt Textilchemie

1.  Wasseruntersuchungen durchführen, Behandlungsflotten oder -pasten
    sowie Prozesswasser quantitativ bestimmen,

2.  Analyseverfahren anwenden, anwendungsspezifische Wirksamkeit prüfen
    und Synthesen durchführen,

3.  produktspezifische, anwendungsrelevante, sicherheitsrelevante
    Eigenschaften bestimmen, umweltbezogene Arbeitstechniken anwenden

kann. Zum Nachweis kommen insbesondere

1.  im Schwerpunkt Textiltechnik:

    die Durchführung einer Materialprüfung an einem textilen Längen- und
    Flächengebilde einschließlich Materialanalyse, Bestimmen der
    mechanisch-technologischen Eigenschaften, der Konstruktionsmerkmale
    sowie der Widerstandsfähigkeit gegenüber physikalischen oder
    chemischen Einflüssen,

2.  im Schwerpunkt Textilveredlung:

    die Durchführung einer Materialprüfung an einem textilen Längen- und
    Flächengebilde einschließlich Materialanalyse, Bestimmen der
    Konstruktionsmerkmale und Bestimmen der anwendungstechnischen
    Eigenschaften und Wirksamkeit von Textilhilfs- oder Farbmitteln sowie
    Analysieren von Wasser oder Lösungen,

3.  im Schwerpunkt Textilchemie:

    die Durchführung einer Materialprüfung an einem textilen Längen- und
    Flächengebilde einschließlich Materialanalyse, Bestimmen der
    Konstruktionsmerkmale, Bestimmen der anwendungsspezifischen
    Wirksamkeit von Arbeitsstoffen und Bestimmen der Zusammensetzung oder
    der produktspezifischen Eigenschaften von Arbeitsstoffen oder
    Herstellen eines Arbeitsstoffes nach Rezeptur

in Betracht.

(4) Der Prüfling soll zum Nachweis der Anforderungen im
Prüfungsbereich Arbeitsauftrag

1.  in höchstens 14 Stunden einen betrieblichen Auftrag durchführen und
    mit praxisbezogenen Unterlagen dokumentieren sowie darüber ein
    Fachgespräch von höchstens 30 Minuten führen. Das Fachgespräch wird
    auf der Grundlage der Dokumentation des durchgeführten betrieblichen
    Auftrags geführt, mit dem Ziel, die prozessrelevanten Kompetenzen in
    Bezug zur Auftragsdurchführung zu bewerten. Unter Berücksichtigung der
    praxisbezogenen Unterlagen sollen durch das Fachgespräch die
    prozessrelevanten Qualifikationen in Bezug zur Auftragsdurchführung
    bewertet werden. Dem Prüfungsausschuss ist vor der Durchführung des
    Auftrags die Aufgabenstellung einschließlich eines geplanten
    Bearbeitungszeitraums zur Genehmigung vorzulegen,

    oder

2.  in höchstens acht Stunden eine praktische Aufgabe vorbereiten,
    durchführen, nachbereiten und mit aufgabenspezifischen Unterlagen
    dokumentieren sowie darüber ein begleitendes Fachgespräch von
    insgesamt höchstens 20 Minuten führen. Durch Beobachtungen der
    Durchführung der praktischen Aufgabe, die aufgabenspezifischen
    Unterlagen und das Fachgespräch sollen die prozessrelevanten
    Qualifikationen in Bezug zu der Durchführung der praktischen Aufgabe
    bewertet werden.

(5) Der Ausbildungsbetrieb wählt die Prüfungsvariante nach Absatz 4
aus und teilt sie dem Prüfling und der zuständigen Stelle mit der
Anmeldung zur Prüfung mit.

(6) Der Prüfling soll im Prüfungsbereich Prüftechnologie in höchstens
90 Minuten Qualifikationen aus dem Bereich mechanisch-technologische
Eigenschaften und Verwendung von Faserstoffen, textilen Längen- und
Flächengebilden, Prüfverfahren und Prüfmittel, Probeentnahme und
-vorbereitung, Berechnen, Auswerten und Interpretieren von
fachspezifischen Kenndaten nachweisen.

(7) Der Prüfling soll im Prüfungsbereich Textilchemie und Textilphysik
in höchstens 150 Minuten Qualifikationen aus dem Bereich Analysieren
von Faserstoffen, Eigenschaften von Natur- und Chemiefasern,
Herstellen von Chemiefasern, Veredlungsverfahren, Textilhilfsmitteln,
Textilchemikalien und Farbmittel, physikalischen
Untersuchungsmethoden, Stöchiometrie, physikalische und chemische
Berechnungen nachweisen.

(8) In den Prüfungsbereichen Prüftechnologie, Textilchemie und
Textilphysik soll der Prüfling zeigen, dass er praxisbezogene Fälle
mit verknüpften informationstechnischen, technologischen,
physikalischen und chemischen Inhalten analysieren, bewerten und lösen
kann. Dabei sollen die Sicherheit und der Gesundheitsschutz bei der
Arbeit, der Umweltschutz, der Umgang mit Informations- und
Kommunikationssystemen, kundenorientierte sowie qualitätssichernde
Maßnahmen einbezogen werden.

(9) Der Prüfling soll im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde
in höchstens 60 Minuten praxisbezogene handlungsorientierte Aufgaben
bearbeiten und dabei zeigen, dass er allgemeine wirtschaftliche und
gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen
und beurteilen kann.

(10) Die Abschlussprüfung ist bestanden, wenn

1.  im Prüfungsbereich Arbeitsauftrag und

2.  im Gesamtergebnis der Prüfungsbereiche Prüftechnologie, Textilchemie
    und Textilphysik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde

jeweils mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden. Dabei
haben die Prüfungsbereiche Prüftechnologie sowie Textilchemie und
Textilphysik jeweils das doppelte Gewicht gegenüber dem
Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde. In zwei der
Prüfungsbereiche nach Nummer 2 müssen mindestens ausreichende
Leistungen, in dem dritten Prüfungsbereich nach Nummer 2 dürfen keine
ungenügenden Leistungen erbracht worden sein.

(11) Die Prüfungsbereiche Prüftechnologie, Textilchemie und
Textilphysik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde sind auf Antrag des
Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einzelnen
Prüfungsbereichen durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen, wenn diese
für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der
Ermittlung des Ergebnisses für die mündlich geprüften Prüfungsbereiche
sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen
Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/textlabausbv_2003/__9.html
Directory: textlabausbv_2003
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