Title: § 30 Mündlich-praktische Prüfung

Description:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Dritter Abschnitt - Die Ärztliche Prüfung
Dritter Unterabschnitt - Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung
§ 30 Mündlich-praktische Prüfung

Paragraph: 30

Content:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Dritter Abschnitt - Die Ärztliche Prüfung
Dritter Unterabschnitt - Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung
§ 30 Mündlich-praktische Prüfung

(1) Die mündlich-praktische Prüfung findet an zwei Tagen statt. Sie
dauert an beiden Tagen bei maximal vier Prüflingen jeweils mindestens
45, höchstens 60 Minuten je Prüfling. Am ersten Prüfungstag erfolgt
die praktische Prüfung mit Patientenvorstellung. In begründeten
Einzelfällen kann die Prüfung mit Patientenvorstellung an geschulten
Simulationspatienten oder Simulationspatientinnen durchgeführt werden.

(2) Dem Prüfling sind praktische Aufgaben aus den klinisch-praktischen
Fächern zu stellen. Dabei sind auch klinisch-theoretische und
fächerübergreifende Fragestellungen sowie Fragestellungen aus
Querschnittsbereichen einzuschließen. Die mündlich-praktische Prüfung
erstreckt sich auf patientenbezogene Fragestellungen aus der Inneren
Medizin, der Chirurgie und dem Gebiet, auf dem der Prüfling seine
praktische Ausbildung nach § 3 Absatz 1 Satz 3 Nummer 3 erfahren hat.

(3) In der Prüfung hat der Prüfling fallbezogen zu zeigen, dass er die
während des Studiums erworbenen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden
weiß und über die für den Arzt erforderlichen fächerübergreifenden
Grundkenntnisse und über die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten,
auch in der ärztlichen Gesprächsführung, verfügt. Er hat insbesondere
nachzuweisen, dass er

1.  die Technik der Anamneseerhebung, der klinischen Untersuchungsmethoden
    und die Technik der grundlegenden Laboratoriumsmethoden beherrscht und
    dass er ihre Resultate beurteilen kann,

2.  in der Lage ist, die Informationen, die zur Stellung der Diagnose
    erforderlich sind, zu gewinnen und anzufordern, die unterschiedliche
    Bedeutung und ihre Gewichtung für die Diagnosestellung zu erkennen und
    im Rahmen differentialdiagnostischer Überlegungen kritisch zu
    verwerten,

3.  über hinreichende Kenntnisse in der Pathologie und Pathophysiologie
    verfügt, insbesondere in der Lage ist, pathogenetische Zusammenhänge
    zu erkennen,

4.  die Indikation zu konservativer und operativer Therapie sowie die
    wichtigsten therapeutischen Prinzipien beherrscht und
    gesundheitsökonomisch sinnvolle Entscheidungen treffen kann,

5.  grundlegende pharmakologische Kenntnisse besitzt, die
    Pharmakotherapie, insbesondere die Anwendung medizinisch bedeutsamer
    Pharmaka, ihre Indikation und Gegenindikation, auch unter
    Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Aspekte, beherrscht und die
    Regeln des Rezeptierens sowie die für den Arzt wichtigen
    arzneimittelrechtlichen Vorschriften kennt,

6.  die Grundlagen und Grundkenntnisse der Gesundheitsförderung, der
    Prävention und Rehabilitation beherrscht sowie die Einflüsse von
    Umwelt, Gesellschaft, Familie und Beruf auf die Gesundheit zu bewerten
    weiß,

7.  über Grundkenntnisse des Gesundheitssystems verfügt,

8.  die Tätigkeitsfelder des öffentlichen Gesundheitswesens kennt und über
    Grundkenntnisse der bevölkerungsmedizinischen Aspekte von Krankheit
    und Gesundheit verfügt,

9.  die Notwendigkeit und die grundlegenden Prinzipien der Koordinierung
    von Behandlungsabläufen erkennt und

10. die allgemeinen Regeln ärztlichen Verhaltens gegenüber dem Patienten
    unter Berücksichtigung insbesondere auch ethischer Fragestellungen
    kennt, sich der Situation entsprechend zu verhalten weiß und zu Hilfe
    und Betreuung auch bei chronisch und unheilbar Kranken sowie
    Sterbenden fähig ist.

(4) Die Prüfungskommission hat dem Prüfling vor dem Prüfungstermin
einen oder mehrere Patienten zur Anamneseerhebung und Untersuchung
zuzuweisen. Der Prüfling hat hierüber einen Bericht zu fertigen, der
Anamnese, Diagnose, Prognose, Behandlungsplan sowie eine Epikrise des
Falles enthält. Der Bericht ist unverzüglich nach Fertigstellung von
einem Mitglied der Prüfungskommission gegenzuzeichnen und beim
Prüfungstermin vorzulegen. Er ist Gegenstand der Prüfung und in die
Bewertung einzubeziehen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/_appro_2002/__30.html
Directory: aeappro_2002
Level: 4.0