Title: § 2.02 Nachweis der Intakt- und Leckstabilität

Description:
(Anhang II der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh II)
Teil I - Fähren
Kapitel 2 - Bau, Einrichtung und Ausrüstung von Fähren
§ 2.02 Nachweis der Intakt- und Leckstabilität

Paragraph: 2

Content:
(Anhang II der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh II)
Teil I - Fähren
Kapitel 2 - Bau, Einrichtung und Ausrüstung von Fähren
§ 2.02 Nachweis der Intakt- und Leckstabilität

1.  Der Antragsteller muss durch eine Berechnung nachweisen, dass die
    Intaktstabilität der Fähre angemessen ist. Die Berechnung muss nach
    Artikel 19.03 Nummer 1, 3 bis 6 ES-TRIN durchgeführt werden. Sie muss
    in Abhängigkeit von der zu befahrenden Wasserstraße durchgeführt
    werden und die Anforderungen der Artikel 19.04, 19.05 ES-TRIN in
    Verbindung mit Anhang III § 1.02 Nummer 1 Buchstabe a, § 7.03 oder §
    10\.08 erfüllen.

2.  Bei Fähren in Pontonform können dabei die Koordinaten des
    Gewichtsschwerpunktes durch eine Gewichtsberechnung ermittelt werden.
    Ein Krängungsversuch ist dann nicht erforderlich.

3.  In der Berechnung sind für Personen, Landfahrzeuge und Großvieh
    mindestens folgende Last- und Maßannahmen zu verwenden:

    *        *[^F819939_01_BJNR142200018BJNE000701119]
   Nutzlast

        *[^F819939_02_BJNR142200018BJNE000701119]
   Lastannahmen
            t

        *   mittlere Höhe
            der Ladung
            über Deck
            m

        *   mittlere Höhe
            des Massenschwerpunktes
            über Deck
            m

        *   mittlere Höhe
            des Schwerpunktes
            der Windangriffsfläche
            der Ladung über Deck
            m

    *        *   Abmessungen
            L x B x H
            m

    *        *   Personen

        *   0,075

        *   1,8

        *   1,0

        *   0,85

    *        *   –

    *        *   Lastkraftwagen
            mit Ladung

        *   24,5

        *   3,0

        *   1,6

        *   1,25

    *        *   13,6 x 2,45 x 3,0

    *        *   Personenkraftwagen
            ohne Personen

        *   1,4

        *   1,5

        *   0,8

        *   0,75

    *        *   4,2 x 1,7 x 1,5

    *        *   Großvieh

        *   0,5

        *   1,7

        *   1,0

        *   0,85

    *        *   –

    *        *

   Die mittlere Höhe des Gewichtsschwerpunktes der Ladung und des
    Schwerpunktes der Windangriffsfläche der Ladung ist auf den tiefsten
    Punkt des Fährdecks auf halber Länge der Fähre zu beziehen und bei
    nicht durchgehenden, höher gelegenen Decks auf die halbe Länge des
    betreffenden Decks zu beziehen.

4.  Die Berechnung der Intaktstabilität muss abweichend von Artikel 19.03
    Nummer 2 ES-TRIN mindestens folgende Ladefälle erfassen:

    a)  Fähre ausschließlich mit Personen beladen,

        aa) maximale Anzahl der Personen in möglichst ungünstigsten Aufstellungen,

        bb) alle Tanks der Fähre zu 50 % gefüllt,

    b)  Fähre einseitig jeweils nach Steuer- und nach Backbord beladen,

        aa) mit Landfahrzeugen in möglichst ungünstigsten Aufstellungen bis zur
            Fährmitte, wobei der noch zur Verfügung stehende Platz der belasteten
            Seite mit kleineren Landfahrzeugen und mit Personen aufzufüllen ist,

        bb) alle Tanks der Fähre zu 50 % gefüllt,

    c)  Fähre ausschließlich mit Landfahrzeugen beladen,

        aa) Landfahrzeuge in möglichst ungünstigsten Aufstellungen,

        bb) alle Tanks der Fähre zu 50 % gefüllt,

    d)  Fähre mit dem schwersten Landfahrzeug beladen,

        aa) schwerstes Landfahrzeug nach § 1.01 Nummer 17 in mittiger Aufstellung
            auf dem Fährdeck,

        bb) alle Tanks der Fähre zu 50 % gefüllt,

    e)  Fähre bis an die Grenze der Tragfähigkeit beladen,

        aa) maximale Anzahl der Personen,

        bb) maximale Anzahl der Landfahrzeuge,

        cc) Treibstoff- und Frischwassertanks zu 98 % gefüllt,

        dd) Abwassertank der Fähre zu 10 % gefüllt,

    f)  Fähre leer,

        aa) ohne Personen und ohne Landfahrzeuge,

        bb) Treibstoff- und Frischwassertanks der Fähre zu 10 % gefüllt,

        cc) Vorratsräume und Abwassertanks leer.

    Im Fall des Satzes 1 Buchstabe b und c ist die Annahme einer
    Verschiebung der Landfahrzeuge höchstens bis zum Schrammbord
    ausreichend. Für die Erfüllung der Intaktstabilität nach Nummer 1
    müssen die Ladefälle nach den Buchstaben a bis f nachgewiesen sein.
    Bei den vorgenannten Ladefällen ist bei Wagenfähren

    a)  das Fährdeck rutschhemmend herzurichten, wenn der Krängungswinkel nach
        Artikel 19.03 Nummer 3 Buchstabe e ES-TRIN in den dort genannten
        Fällen den Grenzwinkel von 5,7° überschreitet, und

    b)  im Lateralplan nach Artikel 19.03 Nummer 5 ES-TRIN die Beladung mit z.
        B. Lastkraftwagen oder Personenkraftwagen zu berücksichtigen.

    Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt kann für
    zusätzliche Ladefälle, die wegen des Baus oder wegen der Nutzung der
    Fähre geboten sind, weitere Berechnungen verlangen.

5.  Als Ergebnis der Stabilitätsberechnung sind festzulegen:

    a)  bei Belastung der Fähre ausschließlich mit Personen,

        aa) die höchstzulässige Anzahl der Fahrgäste,

        bb) die Verdrängung (m
            3                               ),

    b)  bei Belastung der Fähre mit Personen, Landfahrzeugen oder sonstigen
        Lasten,

        aa) die höchstzulässige Anzahl der Fahrgäste,

        bb) die Tragfähigkeit in Tonnen (t),

        cc) das zulässige Gesamtgewicht eines von mehreren Landfahrzeugen in
            Tonnen (t),

        dd) das zulässige Gesamtgewicht des schwersten und einzigen Landfahrzeugs
            in Tonnen (t).

6.  Der Antragsteller muss durch eine Berechnung nachweisen, dass die
    Leckstabilität der Fähre angemessen ist. Die Berechnung muss nach
    Artikel 19.03 Nummer 7, 9 bis 13 ES-TRIN durchgeführt werden. Sie muss
    in Abhängigkeit von der zu befahrenden Wasserstraße durchgeführt
    werden und die Anforderungen der Artikel 19.04, 19.05 ES-TRIN in
    Verbindung mit Anhang III § 1.02 Nummer 1 Buchstabe a, § 7.03 oder §
    10\.08 sowie Anhang IV § 4.03 erfüllen. Hierbei

    a)  müssen abweichend vom Artikel 19.03 Nummer 8 Satz 1 ES-TRIN die
        Ladefälle nach Nummer 4 nachgewiesen werden,

    b)  müssen die Fähren den 1-Abteilungsstatus nach Artikel 19.03 Nummer 9
        ES-TRIN nicht einhalten, wenn der 2-Abteilungsstatus eingehalten wird,

    c)  darf der B/3 Abstand nach Artikel 19.03 Nummer 9 Buchstabe a ES-TRIN
        auf B/5 Abstand vermindert werden.

    Für Fähren, die für die Beförderung von mehr als 50 und weniger als
    100 Fahrgästen zugelassen sind und deren L
    WL                    25 m nicht überschreitet, gilt Artikel 19.15
    Nummer 1 ES-TRIN entsprechend.

7.  Während der Fahrt und beim Be- und Entladen der Fähre darf der nach
    Artikel 19.03 Nummer 2 und 3 ES-TRIN zulässige Krängungswinkel nicht
    überschritten und der für die jeweilige Zone zulässige Restfreibord
    nicht unterschritten werden, wobei beim Be- und Entladevorgang die
    Fähre freischwimmend zu betrachten ist, es sei denn, das Fährgefäß
    wird beim Abstützen auf der Rampe durch eine kraftschlüssige
    Verbindung in einer festen Lage gehalten.

8.  Für Personenfähren für die Beförderung von bis zu 12 Fahrgästen, deren
    Länge 15 m nicht überschreitet, müssen im symmetrisch gefluteten
    Zustand folgende Kriterien durch eine Berechnung nachgewiesen werden:

    a)  die Fähre darf maximal bis zur Tauchgrenze eintauchen und

    b)  die verbleibende metazentrische Höhe GM
        R                          darf 0,10 m nicht unterschreiten.

    Der erforderliche Restauftrieb ist durch

    a)  die geeignete Wahl des Materials des Schiffskörpers,

    b)  Auftriebskörper aus geschlossenzelligem Schaum, die fest mit dem Rumpf
        verbunden sind,

    c)  örtliche Unterteilungen, die wasserdichte Teilräume bilden,

    d)  einen 1-Abteilungsstatus nach Artikel 19.03 Nummer 9 ES-TRIN oder

    e)  eine Kombination aus den genannten Möglichkeiten nach Buchstabe a bis
        d

    zu gewährleisten.

9.  Für Kahnfähren und Kahnseilfähren genügt als Nachweis für die:

    a)  Intaktstabilität;

        ein Belastungsversuch, wobei dieser mit dem halben Gewicht der
        höchstzulässigen Zahl der Fahrgäste und bei der ungünstigsten Füllung
        der Brennstoff- und Wasserbehälter durchzuführen ist. Die Fahrgäste
        sind dabei als stehend anzunehmen und ihr Gewicht ist soweit wie
        möglich seitlich auf der für Fahrgäste verfügbaren Fläche
        unterzubringen. Dabei darf ein Krängungswinkel von 7° nicht
        überschritten sowie ein Restfreibord und ein Restsicherheitsabstand
        von 0,20 m in Zone 4 und von 0,30 m in Zone 3 und Zone 2-Binnen nicht
        unterschritten werden.

    b)  Leckstabilität;

        ein rechnerischer Nachweis, wobei bei voller Beladung und Flutung der
        Fähre ein Reserveauftrieb von 100 Newton je Person und eine stabile
        aufrechte Schwimmlage verbleiben muss, bei der die verbleibende
        metazentrische Höhe GM
        R                          0,10 m nicht unterschritten werden darf.

    Die angegebenen Nutzlasten können entsprechend der tatsächlichen
    Beladung durch andere Nutzlasten erweitert werden.
[^F819939_01_BJNR142200018BJNE000701119]:     Die angegebenen Werte sind Mittelwerte und können durch die
    tatsächliche Beladung z. B. mit größeren/kleineren Lastkraftwagen
    (einschließlich der Beladung z. B. mit Containern), Feuerwehrwagen,
    Tankwagen, Traktoren, Kränen, Anhängern ersetzt werden.
[^F819939_02_BJNR142200018BJNE000701119]:

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