Title: § 55c Bestellung eines Praxisabwicklers

Description:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 55c Bestellung eines Praxisabwicklers

Paragraph: 55c

Content:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 55c Bestellung eines Praxisabwicklers

(1) Ist ein Berufsangehöriger oder eine Berufsangehörige verstorben,
kann die Wirtschaftsprüferkammer einen anderen Berufsangehörigen oder
eine andere Berufsangehörige zum Abwickler der Praxis bestellen. Ein
Abwickler kann auch für die Praxis früherer Berufsangehöriger bestellt
werden, deren Bestellung erloschen, zurückgenommen oder widerrufen
worden ist. Die Bestellung erstreckt sich nicht auf Aufträge zur
Durchführung gesetzlich vorgeschriebener Abschlussprüfungen nach § 316
des Handelsgesetzbuchs.

(2) Der Abwickler ist in der Regel nicht länger als für die Dauer
eines Jahres zu bestellen. Auf Antrag des Abwicklers ist die
Bestellung jeweils höchstens um ein Jahr zu verlängern, wenn er
glaubhaft macht, dass schwebende Angelegenheiten noch nicht zu Ende
geführt werden konnten.

(3) Dem Abwickler obliegt es, die schwebenden Angelegenheiten
abzuwickeln. Er führt die laufenden Aufträge fort; innerhalb der
ersten sechs Monate ist er auch berechtigt, neue Aufträge anzunehmen.
Ihm stehen die gleichen Befugnisse zu, die die ehemaligen
Berufsangehörigen hatten. Der Abwickler gilt für die schwebenden
Angelegenheiten als von der Partei bevollmächtigt, sofern diese nicht
für die Wahrnehmung ihrer Rechte in anderer Weise gesorgt hat.

(4) Berufsangehörige, die zum Abwickler bestellt werden sollen, können
die Abwicklung nur aus einem wichtigen Grund ablehnen. Über die
Zulässigkeit der Ablehnung entscheidet die Wirtschaftsprüferkammer.

(5) Dem Abwickler stehen im Rahmen der eigenen Befugnisse die
rechtlichen Befugnisse der Berufsangehörigen zu, deren Praxis er
abwickelt. Der Abwickler wird in eigener Verantwortung, jedoch im
Interesse, für Rechnung und auf Kosten der abzuwickelnden Praxis
tätig. Die §§ 666, 667 und 670 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten
entsprechend.

(6) Der Abwickler ist berechtigt, die Praxisräume zu betreten und die
zur Praxis gehörenden Gegenstände einschließlich des den ehemaligen
Berufsangehörigen zur Verwahrung unterliegenden Treugutes in Besitz zu
nehmen, herauszuverlangen und hierüber zu verfügen. An Weisungen der
ehemaligen Berufsangehörigen oder deren Erben ist er nicht gebunden.
Die ehemaligen Berufsangehörigen oder deren Erben dürfen die Tätigkeit
des Abwicklers nicht beeinträchtigen. Die ehemaligen Berufsangehörigen
oder deren Erben haben dem Abwickler eine angemessene Vergütung zu
zahlen, für die Sicherheit zu leisten ist, wenn die Umstände es
erfordern. Können sich die Beteiligten über die Höhe der Vergütung
oder über die Sicherheit nicht einigen oder wird die geschuldete
Sicherheit nicht geleistet, setzt der Vorstand der
Wirtschaftsprüferkammer auf Antrag der ehemaligen Berufsangehörigen
oder deren Erben oder des Abwicklers die Vergütung fest. Der Abwickler
ist befugt, Vorschüsse auf die vereinbarte oder festgesetzte Vergütung
zu entnehmen. Für die festgesetzte Vergütung haftet die
Wirtschaftsprüferkammer wie ein Ausfallbürge.

(7) Der Abwickler ist berechtigt, jedoch außer im Rahmen eines
Kostenfestsetzungsverfahrens nicht verpflichtet, Gebührenansprüche und
Kostenforderungen der ehemaligen Berufsangehörigen im eigenen Namen
geltend zu machen, im Falle verstorbener Berufsangehöriger allerdings
nur für Rechnung der Erben.

(8) Die Bestellung kann widerrufen werden.

(9) Der Abwickler darf für die Dauer von zwei Jahren nach Ablauf der
Bestellung nicht für Auftraggeber tätig werden, die er in seiner
Eigenschaft als Abwickler betreut hat, es sei denn, es liegt eine
schriftliche Einwilligung der ehemaligen Berufsangehörigen oder deren
Erben vor.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wipro/__55c.html
Directory: wipro
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