Title: § 18a Gemeinsame Vorschriften für psychoanalytisch begründete Verfahren, Verhaltenstherapie und Systemische Therapie

Description:
Verordnung über Beihilfe in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen (BBhV)
Kapitel 2 - Aufwendungen in Krankheitsfällen
Abschnitt 1 - Ambulante Leistungen
§ 18a Gemeinsame Vorschriften für psychoanalytisch begründete Verfahren, Verhaltenstherapie und Systemische Therapie

Paragraph: 18a

Content:
Verordnung über Beihilfe in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen (BBhV)
Kapitel 2 - Aufwendungen in Krankheitsfällen
Abschnitt 1 - Ambulante Leistungen
§ 18a Gemeinsame Vorschriften für psychoanalytisch begründete Verfahren, Verhaltenstherapie und Systemische Therapie

(1) Aufwendungen für Leistungen der Psychotherapie sind beihilfefähig
bei

1.  affektiven Störungen: depressive Episoden, rezidivierende depressive
    Störungen und Dysthymie,

2.  Angststörungen und Zwangsstörungen,

3.  somatoformen Störungen und dissoziativen Störungen,

4.  Anpassungsstörungen und Reaktionen auf schwere Belastungen,

5.  Essstörungen,

6.  nichtorganischen Schlafstörungen,

7.  sexuellen Funktionsstörungen,

8.  Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.

(2) Neben oder nach einer somatischen ärztlichen Behandlung von
Krankheiten oder deren Auswirkungen sind Aufwendungen für Leistungen
der Psychotherapie beihilfefähig bei

1.  psychischen Störungen und Verhaltensstörungen

    a)  durch psychotrope Substanzen; im Fall einer Abhängigkeit nur, wenn
        Suchtmittelfreiheit oder Abstinenz erreicht ist oder voraussichtlich
        innerhalb von zehn Sitzungen erreicht werden kann,

    b)  durch Opioide und gleichzeitiger stabiler substitutionsgestützter
        Behandlung im Zustand der Beigebrauchsfreiheit,

2.  seelischen Krankheiten auf Grund frühkindlicher emotionaler
    Mangelzustände oder tiefgreifender Entwicklungsstörungen, in
    Ausnahmefällen auch bei seelischen Krankheiten, die im Zusammenhang
    mit frühkindlichen körperlichen Schädigungen oder Missbildungen
    stehen,

3.  seelischen Krankheiten als Folge schwerer chronischer
    Krankheitsverläufe,

4.  schizophrenen und affektiven psychotischen Störungen.

Die Beihilfefähigkeit setzt voraus, dass die Leistungen von einer
Ärztin, einem Arzt, einer Therapeutin oder einem Therapeuten nach den
Abschnitten 2 bis 4 der Anlage 3 erbracht werden. Eine Sitzung der
Psychotherapie umfasst eine Behandlungsdauer von mindestens 50 Minuten
bei einer Einzelbehandlung und von in der Regel mindestens 100 Minuten
bei einer Gruppenbehandlung. Eine Gruppenbehandlung kann auch mit
einer Behandlungsdauer von 50 Minuten unter entsprechender Erhöhung
der Gesamtzahl der Sitzungen durchgeführt werden.

(3) Aufwendungen für Leistungen der Psychotherapie, die zu den
wissenschaftlich anerkannten Verfahren gehören und nach den
Abschnitten B und G der Anlage zur Gebührenordnung für Ärzte
abgerechnet werden, sind beihilfefähig, wenn

1.  sie der Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen nach Absatz
    1 dienen, bei denen eine Psychotherapie indiziert ist,

2.  nach einer biographischen Analyse oder einer Verhaltensanalyse und
    nach den probatorischen Sitzungen ein Behandlungserfolg zu erwarten
    ist und

3.  die Festsetzungsstelle vor Beginn der Behandlung die Beihilfefähigkeit
    der Aufwendungen auf Grund eines Gutachtens zu Notwendigkeit, Art und
    Umfang der Behandlung anerkannt hat, es sei denn, dass es sich um eine
    Kurzzeittherapie handelt.

Aufwendungen für Maßnahmen nach Satz 1 Nummer 2 sind auch dann
beihilfefähig, wenn sich eine psychotherapeutische Behandlung später
als nicht notwendig erwiesen hat.

(4) Das Gutachten nach Absatz 3 Satz 1 Nummer 3 ist bei einer
Gutachterin oder einem Gutachter einzuholen, die oder der von der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Einvernehmen mit den
Bundesverbänden der Vertragskassen nach § 12 der Psychotherapie-
Vereinbarung in der jeweils geltenden auf der Internetseite der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (www.kbv.de) veröffentlichten
Fassung bestellt worden ist. Für Personen, die nach § 3
beihilfeberechtigt oder bei einer nach § 3 beihilfeberechtigten Person
berücksichtigungsfähig sind, kann das Gutachten beim Gesundheitsdienst
des Auswärtigen Amtes oder bei einer oder einem vom Gesundheitsdienst
des Auswärtigen Amtes beauftragten Ärztin oder Arzt eingeholt werden.

(5) Festsetzungsstellen können auf die Einholung eines Gutachtens im
Rahmen des Voranerkennungsverfahrens nach Absatz 3 Satz 1 Nummer 3
verzichten, wenn sichergestellt ist, dass sie selbst in der Lage sind,
Notwendigkeit, Art und Umfang der Behandlung festzustellen.

(6) Aufwendungen für Kurzzeittherapien sind ohne Genehmigung durch die
Festsetzungsstelle bis zu 24 Sitzungen als Einzel- oder
Gruppenbehandlung beihilfefähig. Für Personen, die das 21. Lebensjahr
noch nicht vollendet haben, und für Menschen mit einer geistigen
Behinderung sind Aufwendungen für bis zu 30 Behandlungen einer
genehmigungsfreien Kurzzeittherapie unter Einbeziehung von
Bezugspersonen beihilfefähig. Erbrachte Sitzungen im Rahmen der
psychotherapeutischen Akutbehandlung werden mit der Anzahl der
Sitzungen der Kurzzeittherapie verrechnet. Die bereits in Anspruch
genommenen Sitzungen der Kurzzeittherapie sind auf eine
genehmigungspflichtige Therapie nach den §§ 19 bis 20a anzurechnen.

(7) Aufwendungen für eine Eye-Movement-Desensitization-and-
Reprocessing-Behandlung sind nur bei Personen, die das 18. Lebensjahr
vollendet haben, mit posttraumatischen Belastungsstörungen im Rahmen
eines umfassenden Behandlungskonzepts der Verhaltenstherapie, der
tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder analytischen
Psychotherapie beihilfefähig.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bbhv/__18a.html
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