Title: § 17 Erhaltung der antarktischen Tier- und Pflanzenwelt

Description:
Gesetz zur Ausführung des Umweltschutzprotokolls vom 4. Oktober 1991 zum Antarktis-Vertrag (AntarktUmwSchProtAG)
§ 17 Erhaltung der antarktischen Tier- und Pflanzenwelt

Paragraph: 17

Content:
Gesetz zur Ausführung des Umweltschutzprotokolls vom 4. Oktober 1991 zum Antarktis-Vertrag (AntarktUmwSchProtAG)
§ 17 Erhaltung der antarktischen Tier- und Pflanzenwelt

(1) Es ist verboten, in der Antarktis

1.  Säugetiere oder Vögel zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu
    berühren oder heimische Pflanzen in solchen Mengen zu entfernen oder
    zu beschädigen, daß Verbreitung oder Dichte dieser Pflanzen erheblich
    beeinträchtigt wird;

2.  auf die in der Antarktis heimische Tier- oder Pflanzenwelt schädlich
    einzuwirken; als schädliches Einwirken gilt:

    a)  das Fliegen oder Landen von Hubschraubern oder sonstigen
        Luftfahrzeugen in einer Weise, daß Vogel- oder Robbenansammlungen
        beunruhigt werden;

    b)  die Benutzung von Land- und Wasserfahrzeugen, einschließlich von
        Hovercraft-Schiffen und kleinen Booten in einer Weise, daß Vogel- oder
        Robbenansammlungen beunruhigt werden;

    c)  die Verwendung von Sprengstoffen oder Schußwaffen in einer Weise, daß
        Vogel- oder Robbenansammlungen beunruhigt werden;

    d)  das absichtliche Beunruhigen brütender Vögel, Vögel in der Mauser oder
        Vogel- oder Robbenansammlungen durch Menschen zu Fuß;

    e)  das erhebliche Schädigen von Ansammlungen von Landpflanzen durch das
        Landen von Luftfahrzeugen, das Fahren von Fahrzeugen, durch
        Niedertreten oder auf andere Weise;

    f)  eine sonstige Handlung, die zu einer erheblichen nachteiligen
        Veränderung des Lebensraums von Arten oder Populationen von
        Säugetieren, Vögeln, Pflanzen oder Wirbellosen führt.

(2) Das Umweltbundesamt kann im Einzelfall im Einvernehmen mit dem
Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des § 3 Abs. 1 Ausnahmen von den
Verboten des Absatzes 1 genehmigen. Eine Genehmigung darf nur erteilt
werden

1.  für die Beschaffung von Exemplaren für wissenschaftliche
    Untersuchungen oder zur wissenschaftlichen Information oder

2.  für die Beschaffung von Exemplaren für Museen, Herbarien, zoologische
    oder botanische Gärten oder für andere Bildungs- oder
    Kultureinrichtungen oder entsprechende Nutzungen oder

3.  als vorsorgliche Maßnahme hinsichtlich der unvermeidlichen Folgen der
    Errichtung und des Betriebs wissenschaftlicher
    Unterstützungseinrichtungen sowie wissenschaftlicher Tätigkeiten, die
    nicht unter die Nummern 1 und 2 fallen.

(3) Die Erteilung von Genehmigungen ist insoweit zu beschränken, als

1.  nicht mehr Säugetiere oder Vögel getötet, verletzt, gefangen oder
    berührt werden, oder Pflanzen der Natur entnommen werden dürfen, als
    für die in Absatz 1 genannten Zwecke unbedingt erforderlich ist,

2.  nur eine geringe Zahl von Säugetieren oder Vögeln getötet werden darf
    und - auch im Zusammenwirken mit anderen genehmigten Entnahmen - nur
    so viele Säugetiere und Vögel einer lokalen Population getötet werden
    dürfen wie normalerweise durch natürliche Vermehrung in der folgenden
    Saison ersetzt werden,

3.  die Vielfalt der Arten, die für diese Arten wesentlichen Lebensräume,
    sowie das Gleichgewicht der in der Antarktis vorhandenen Ökosysteme
    erhalten bleiben.

(4) Alle Arten der Gattung Arctocephalus (Pelzrobben) und Ommatophoca
rossii (Ross-Robben) stehen unter besonderem Schutz. Eine Genehmigung
für das Töten, Verletzen, Fangen oder Berühren dieser Arten kann nur
für einen zwingenden wissenschaftlichen Zweck erteilt werden, wenn das
Überleben oder die Erholung der Art oder der örtlichen Population
nicht gefährdet und, soweit möglich, Methoden angewandt werden, die
nicht zum Tod führen.

(5) Die Genehmigung hat ausstellende Behörde und Genehmigungsempfänger
sowie Ort und Zeitpunkt der genehmigten Tätigkeit zu benennen.

(6) Jedes Töten, Verletzen, Fangen oder Berühren von Säugetieren oder
Vögeln hat so zu erfolgen, daß Schmerzen und Leiden der Tiere so weit
wie möglich vermieden werden.

(7) Das Gesetz zu dem Übereinkommen vom 1. Juni 1972 zur Erhaltung der
antarktischen Robben (BGBl. 1987 II S. 90) und das Gesetz zu dem
Übereinkommen vom 2. Dezember 1946 zur Regelung des Walfanges (BGBl.
1982 II S. 558) bleiben unberührt.

(8) Das Gesetz zu dem Übereinkommen vom 20. Mai 1980 über die
Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (BGBl. 1982 II S.
420) bleibt unberührt, soweit der Beifang von Vögeln betroffen ist.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/antarktumwschprotag/__17.html
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