Title: Anforderungen an die Qualität von Speise- und Kesselwasser

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Anforderungen an die Qualität von Speise- und Kesselwasser

Paragraph: 9

Content:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Anforderungen an die Qualität von Speise- und Kesselwasser

**1.** Geltungsbereich ****

    Die nachfolgenden Anforderungen gelten für die Beschaffenheit des
    Speise- und Kesselwassers von Schiffsdampfkesseln und für das
    Kreislauf- und Ergänzungswasser von Heißwassererzeugern.

**2.** Begriffsbestimmungen ****

2.1[^F799100_22_BJNR302300998BJNE002503124]
 Salzfreies Speisewasser ist Wasser mit einem Elektrolytgehalt
    entsprechend einer Leitfähigkeit*                    0,2 μS/cm,
    gemessen hinter starksaurem Probenahme-Kationenaustauscher
    , und einer Kieselsäurekonzentration*                    0,02 mg/l.

2.2 Salzarmes Speisewasser ist Wasser mit einem Elektrolytgehalt
    entsprechend einer Leitfähigkeit*                    50 μS/cm,
    gemessen ohne starksauren Probenahme-Kationenaustauscher.

2.3 Salzhaltiges Speisewasser ist Wasser mit einem Elektrolytgehalt
    entsprechend einer Leitfähigkeit*                    50 μS/cm,
    gemessen ohne starksauren Probenahme-Kationenaustauscher.

2.4[^F799100_23_BJNR302300998BJNE002503124]
 Konditionierung im Sinne dieser Anforderungen ist die Verbesserung
    bestimmter Qualitätsmerkmale des Speisewassers und Kesselwassers durch
    Anwendung von Konditionierungsmitteln
    , nach deren Art zwischen drei Fahrweisen unterschieden wird.

2.4.1 Konditionierung mit Alkalisierungsmitteln (alkalische Fahrweise) ist
    der Betrieb mit Speisewasser und Kesselwasser, deren pH-Wert durch
    Alkalisierungsmittel angehoben ist.

2.4.2 Konditionierung mit Oxidationsmitteln (neutrale Fahrweise) ist der
    Betrieb mit neutralem salzfreiem Speisewasser, dem als
    Oxidationsmittel Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid zugegeben wird.

2.4.3 Konditionierung mit Alkalisierungs- und Oxidationsmitteln (kombinierte
    Fahrweise) ist der Betrieb mit salzfreiem Speisewasser, dessen pH-Wert
    mit Ammoniak angehoben und dem zusätzlich Sauerstoff zudosiert wird.

2.5 Kreislaufwasser ist Wasser, das in einer Heißwasseranlage zwischen dem
    Heißwassererzeuger und den Wärmeverbrauchern umgewälzt wird.

2.5.1 Salzarmes Kreislaufwasser ist Wasser mit einem Elektrolytgehalt
    entsprechend einer direkt gemessenen Leitfähigkeit*
    100 μS/cm.

2.5.2 Salzhaltiges Kreislaufwasser ist Wasser mit einem Elektrolytgehalt
    entsprechend einer direkt gemessenen Leitfähigkeit*
    100 μS/cm.

2.6 Füll- und Ergänzungswasser ist das für die Erstbefüllung oder zum
    Ersatz von Verlusten zugeführte Wasser.

**3.** Anforderungen an die Wasserqualität von Dampferzeugern ****

3.1 Anforderungen an Speise- und Kesselwasser müssen bestimmte
    Anforderungen erfüllen, um Dampferzeuger schadensfrei und sicher
    betreiben zu können. Diese Anforderungen werden in der Regel von den
    Einflussfaktoren Bauart, Betriebsüberdruck und Betriebsbedingungen des
    Dampferzeugers bestimmt. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sind
    in den Tafeln 1 bis 5b die Anforderungen an das Speise- und
    Kesselwasser festgelegt. Dabei wird unterschieden, ob für die Speisung
    des Dampferzeugers salzfreies, salzarmes oder salzhaltiges
    Speisewasser verwendet wird. Salzfreies Speisewasser ist erforderlich
    für den Betrieb von Durchlauf-Dampferzeugern und von Einspritzkühlern
    zur Dampftemperaturregelung (Tafel 1). Abweichungen sind zulässig bei
    Durchlauf-Dampferzeugern für die Erzeugung und Verwendung von Dampf
    mit hohem Wasseranteil, der Salzanreicherung oder -abscheidung
    weitgehend ausschließt, wie z. B. bei Dampfflutanlagen. Für Umlauf-
    Dampferzeuger mit*                    68 bar zulässigem
    Betriebsüberdruck sollte die Anwendung salzfreien Speisewassers
    ebenfalls die Regel sein (Tafel 2 und 3). Salzarmes oder salzhaltiges
    Speisewasser kann bei Großwasserraum-Dampferzeugern sowie bei Umlauf-
    Dampferzeugern bis 87 bar zulässigen Betriebsüberdruck verwendet
    werden (Tafel 4, 5a und 5b). In allen Fällen gilt, dass Speise- und
    Kesselwasser klar, farblos und frei von suspendierten Stoffen sein
    sollen. Zur Verhinderung von Korrosion ist eine Konditionierung des
    Speise- und Kesselwassers notwendig. Sie kann bei Durchlauf-, Umlauf-
    und Großwasserraum-Dampferzeugern mit Alkalisierungsmitteln
    (alkalische Fahrweise), bei Durchlauf-Dampferzeugern alternativ auch
    mit Oxidationsmitteln (neutrale Fahrweise) oder mit Ammoniak und
    Sauerstoff (kombinierte Fahrweise) erfolgen. Die Anforderungen an
    Speise- und Kesselwasser gelten für den Dauerbetrieb mit den in den
    Tafeln 1, 2 und 4 angegebenen Grenzwerten für kurzzeitig zulässige
    Abweichungen bei Anfahrvorgängen.

3.2 Anforderungen an das Speisewasser für Einspritzkühler zur
    Dampftemperaturregelung

    Das Einspritzwasser zur Dampftemperaturregelung soll die gleichen
    Reinheitsanforderungen wie das Speisewasser für Durchlaufkessel (Tafel
    1) erfüllen. Wo Einspritzwasser dieser Qualität nicht verfügbar ist,
    beispielsweise in Anlagen, die nicht mit salzfreiem Zusatzspeisewasser
    betrieben werden, muss Dampfkondensat verwendet werden. Unter diesen
    Voraussetzungen nicht vermeidbare Salzablagerungen im Überhitzer sind
    durch Spülen zu entfernen.

**4.** Anforderungen an die Wasserqualität von Heißwassererzeugern ****

4.1 Anforderungen an das Kreislaufwasser

    Das Kreislaufwasser muss bestimmte Anforderungen erfüllen, um
    Heißwassererzeuger sicher betreiben zu können. Diese Anforderungen
    werden beeinflusst durch Bauart des Heißwassererzeugers, die Qualität
    des Füll- und Ergänzungswassers und die Betriebsbedingungen. Das
    Kreislaufwasser soll von Erdalkalien freigehalten werden (Richtwert*
    0,02 mmol/l) und klar sowie frei von suspendierten Stoffen sein.
    Heißwassersysteme werden mit salzarmem oder salzhaltigem
    Kreislaufwasser betrieben. Langjährige Betriebserfahrungen haben
    gezeigt, dass die Betriebsweise mit salzarmem Wasser Vorteile bietet,
    da mögliche Probleme durch sauerstoffbedingte Korrosion verringert
    werden. Daher kann bei Betrieb mit salzarmem Kreislaufwasser die
    Konditionierung vereinfacht und auf den Einsatz von
    Sauerstoffbindemitteln verzichtet werden. Für das Kreislaufwasser
    gelten die in der Tafel 6 genannten Richtwerte.

4.2 Anforderungen an das Füll- und Ergänzungswasser

    Die Füll- und Ergänzungswasser sollen so aufbereitet sein, dass sie
    frei von Erdalkalien (Härte) sind. Dies ist ggf. durch geeignete
    Maßnahmen sicherzustellen.

**5.** Überwachung der Wasserqualität ****

    Die Einhaltung der in diesem Teil gestellten Anforderungen ist nach
    innerbetrieblicher Anweisung zu überwachen. Dies geschieht entweder
    kontinuierlich und registrierend oder diskontinuierlich (siehe Spalte
    „Überwachung“ in den Tafeln 1 bis 6). Diskontinuierliche Messungen
    sind in regelmäßigen Zeitabständen gemäß Betriebsanweisung
    durchzuführen.

    Die Ergebnisse sind schriftlich festzuhalten.

**Tafel 1**[^F799100_25_BJNR302300998BJNE002503124]
 Anforderungen an salzfreies
    Speisewasser für Durchlauf-Dampferzeuger

*    *
    *   Einheit

    *   Richtwert

    *   Grenzwert
        für kurzzeitig
        zulässige
        Abweichungen

    *   Überwachung

    *   Bemerkungen

*    *   **Konditionierung mit flüchtigen Alkalisierungsmitteln**

    *
    *
    *
    *
    *   Bei den Leitfähigkeitsgrenzwerten für kurzzeitig zulässige
        Abweichungen wird vorausgesetzt, dass die Leitfähigkeitserhöhung durch
        Kohlensäure verursacht wird.
        Nach kurzer Betriebszeit muss eine fallende Tendenz der
        Leitfähigkeitswerte eintreten.

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Kationenaustauscher

    *   μS/cm

    *   < 0,2

    *   < 5,0

    *   kontinuierlich, registrierend

*    *   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *   > 9,0

    *   > 6,5

    *   registrierend, ggf. über Hilfsgrößen

*    *   Sauerstoff (O
        2                       )

    *   mg/l

    *   < 0,10

    *   < 0,30

    *   diskontinuierlich

*    *   **Konditionierung mit Oxidationsmitteln**

    *
    *
    *
    *

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C ohne starksauren
        Kationenaustauscher

    *   μS/cm

    *   < 0,25

    *   < 1,0

    *   kontinuierlich, registrierend

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Kationenaustauscher

    *   μS/cm

    *   < 0,2

    *   < 1,0

    *   kontinuierlich, registrierend

*    *   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *   7,0 bis 8,0

    *   > 6,5

    *   durch Messung beider Leitfähigkeiten erfüllt

*    *   Sauerstoff (O
        2                       )

    *   mg/l

    *   0,05 bis 0,25

    *   > 0,05 bis
        < 0,50

    *   kontinuierlich, registrierend

*    *   **Konditionierung mit Ammoniak und Sauerstoff**

    *
    *
    *
    *

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Kationenaustauscher

    *   μS/cm

    *   < 0,2

    *   < 1,0

    *   kontinuierlich, registrierend

*    *   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *   8,0 bis 9,0

    *   > 6,5

    *   über direkt
        gemessene Leitfähigkeit

*    *   Sauerstoff (O
        2                       )

    *   mg/l

    *   0,03 bis 0,15

    *   > 0,03 bis
        < 0,5

    *   kontinuierlich, registrierend

**Tafel 2** Anforderungen an salzfreies
    Speisewasser für Umlauf- und Großwasserraum-Dampferzeuger

*    *
    *   Einheit

    *   Richtwert

    *   Grenzwert
        für kurzzeitig
        zulässige
        Abweichungen

    *   Überwachung

    *   Bemerkungen

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Kationenaustauscher

    *   µS/cm

    *   < 0,2

    *   < 5,0

    *   kontinuierlich, registrierend (nicht erforderlich bei Großwasserraum-
        kesseln)

    *   siehe Bemerkungen in Tafel 1

*    *   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *   > 9,0

    *   > 6,5

    *   registrierend, ggf. über Hilfsgrößen

    *   Bis zur Abzweigung für das Einspritzwasser für Dampfkühler nur
        flüchtige Alkalisierungsmittel

*    *   Sauerstoff (O
        2                       )

    *   mg/l

    *   < 0,10

    *   < 0,30

    *   diskontinuierlich

**Tafel 3** Anforderungen an das Kesselwasser von Umlauf- und Großwasserraum-
    Dampferzeugern bei salzfreiem
    Speisewasser

*    *
    *   Einheit

    *   Richtwert

    *   Überwachung

    *   Bemerkungen

*    *   * *68 bar:*
        Leitfähigkeit bei 25 °C ohne starksaure Probenahme-
        Kationenaustauscher

    *   µS/cm

    *   < 50

    *   kontinuierlich

    *[^F799100_26_BJNR302300998BJNE002503124]
   Bei kombinierter Anwendung fester und flüchtiger Alkalisierungsmittel
[^F799100_27_BJNR302300998BJNE002503124]
        ,

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Probenahme-
        Kationenaustauscher

    *   µS/cm

    *   < 150

    *   diskontinuierlich

*    *   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *   9,5 bis 10,5

    *   diskontinuierlich, ggf. über Hilfs-
        größen

*    *   * *68 bar:*
        Leitfähigkeit bei 25 °C hinter starksaurem Probenahme-
        Kationenaustauscher

    *   µS/cm

    *   < 50

    *   kontinuierlich

*    *   pH-Wert bis 25 °C
        *                        68 bis 136 bar
        *                        136 bar

    *   –
        –

    *   9,8 bis 10,2
        9,3 bis 9,7

    *   diskontinuierlich, ggf. über Hilfs-
        größen

    *

*    *
    *

**Tafel 4** Anforderungen an salzarmes und salzhaltiges
    Speisewasser für Umlauf- und Großwasserraum-Dampferzeuger

*    *
    *   Zulässiger
        Betriebs-
        überdruck
        in bar

    *   Einheit

    *   Richtwert

    *   Grenzwert
        für kurzzeitig
        zulässige
        Abweichungen

    *   Überwachung

    *   Bemerkungen

*    *   pH-Wert
        bei 25 °C

    *
    *   –

    *   > 9,0

    *   > 8,0

    *   diskontinuierlich, ggf. über Hilfsgrößen

    *

*    *   Summe
        Erdalkalien
        (Ca
        2+                        + Mg
        2+                       )

    *   *                        68
        > 68 bis*                        87

    *   mmol/l
        mmol/l

    *   < 0,010
        < 0,005

    *   < 0,050
        < 0,010

    *   diskontinuierlich
        diskontinuierlich

    *

*    *   Sauerstoff (O
        2                       )

    *
    *   mg/l

    *   < 0,02

    *   anfahrbedingte Über-
        schreitungen zulässig

    *   diskontinuierlich, ggf. über Hilfsparameter

    *   Durch thermische Entgasung, ggf. durch Sauer-
        stoffbindemittel sicherzustellen

**Tafel 5a** Anforderungen an das Kesselwasser für Großraum-Dampferzeuger bei
    salzarmem und bei salzhaltigem
    Speisewasser

*    *   Zulässiger
        Betriebs-
        überdruck
        in bar

    *   Richtwert

    *   Überwachung

    *   Bemerkungen

*    *   Leitfähigkeit bei
        25 °C
        in µS/cm

    *   pH-Wert bei 25 °C

*    *   salzarmes Speise-
        wasser

    *   salzhaltiges Speise-
        wasser

*    *   *                        22
        > 22

    *   < 8 000
        < 4 000

    *   10,5 bis 11,5
[^F799100_28_BJNR302300998BJNE002503124]
        10,0 bis 11,0

    *   10,5 bis 12,0
        10,0 bis 11,8

    *   diskontinuierlich, ggf. über Hilfs-
        größen

    *

*    *

**Tafel 5b** Anforderungen an das Kesselwasser für Umlauf-Dampferzeuger bei
    salzarmem und bei salzhaltigem
    Speisewasser

*    *   Zulässiger
        Betriebsüberdruck
        in bar

    *   Richtwert

    *   Überwachung

*    *   Leitfähigkeit bei 25 °C
        in µS/cm

    *   pH-Wert bei 25 °C

*    *   > 22
        > 44
        > 68

    *   *                        22
        *                        44
        *                        68
[^F799100_29_BJNR302300998BJNE002503124]
        *                        87

    *   < 8 000
        < 4 000
        < 2 000
        <   300

    *   10,5 bis 12,0
        10,0 bis 11,8
        10,0 bis 11,0
        9,5 bis 10,5

    *   diskontinuierlich,
        ggf. über Hilfsgrößen

*    *

**Tafel 6**[^F799100_30_BJNR302300998BJNE002503124]
 Anforderungen an das Kreislaufwasser

*    *
    *   Einheit

    *   salzarm

    *   salzhaltig

*    *   el. Leitfähigkeit bei 25 °C

    *   μS/cm

    *   *                        30

    *   > 30 – 100

    *   > 100 – 1 500

*    *[^F799100_31_BJNR302300998BJNE002503124]
   pH-Wert bei 25 °C

    *   –

    *[^F799100_32_BJNR302300998BJNE002503124]
   9,0 – 10,0

    *   9,0 – 10,5
        5

    *   9,0 – 10,5

*    *   Sauerstoff (O
[^F799100_33_BJNR302300998BJNE002503124]
        2                       )

    *   mg/l

    *   < 0,1

    *   < 0,05

    *   < 0,02

Anhang

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
Directory: schsv_1998
Level: 2.0