Title: Anlage 1 Theoretischer und praktischer Unterricht

Description:
Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV)
Abschnitt 6 - Übergangs- und Schlussvorschriften
Anlage 1 Theoretischer und praktischer Unterricht

Paragraph: 26

Content:
Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV)
Abschnitt 6 - Übergangs- und Schlussvorschriften
Anlage 1 Theoretischer und praktischer Unterricht

(Fundstelle: BGBl. I 2013, 4289 - 4292)

Der theoretische und praktische Unterricht umfasst folgende
Themenbereiche:

*    *
    *
    *
    *   Stunden

*    *   **1.**

    *   **Notfallsituationen bei Menschen aller Altersgruppen sowie
        Gefahrensituationen erkennen, erfassen und bewerten**

    *   **360**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   auf der Grundlage notfallmedizinischer Erkenntnisse und
        notfallrelevanter Kenntnisse der Bezugswissenschaften wie
        Naturwissenschaften, Anatomie, Physiologie, allgemeine und spezielle
        Krankheitslehre und medizinische Mikrobiologie sowie
        Sozialwissenschaften, Notfallsituationen wahrzunehmen und zu
        reflektieren sowie Veränderungen der Notfallsituationen zu erkennen
        und adäquat zu handeln,

    *

*    *
    *   b)

    *   eine Eigen- und Fremdanamnese unter Anwendung der notwendigen
        diagnostischen Maßnahmen entsprechend dem aktuellen Stand von
        Wissenschaft und Technik sowie unter Berücksichtigung des Zustandes
        der Patientin oder des Patienten insbesondere im Hinblick auf ihre
        oder seine vitale Gefährdung zielgerichtet zu erheben,

    *

*    *
    *   c)

    *   die erhobenen Befunde zu beurteilen und eine Arbeitsdiagnose zu
        erstellen,

    *

*    *
    *   d)

    *   unter Beachtung der Lage vor Ort und möglicher Gefahren Maßnahmen zur
        Erkundung einer Einsatzstelle durchzuführen,

    *

*    *
    *   e)

    *   die gewonnenen Erkenntnisse zu beurteilen sowie der Situation
        entsprechend zu reagieren,

    *

*    *
    *   f)

    *   die eigenen Grenzen insbesondere im Hinblick auf die Gefährdungslage,
        die Zahl der betroffenen Personen oder die berufsrechtlichen
        Rahmenbedingungen zu beachten und unter Berücksichtigung sachlicher,
        personenbezogener und situativer Erfordernisse Maßnahmen zum Anfordern
        entsprechender Unterstützung einzuleiten.

    *

*    *   **2.**

    *   **Rettungsdienstliche Maßnahmen und Maßnahmen der Gefahrenabwehr
        auswählen, durchführen und auswerten**

    *   **360**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   Maßnahmen zur Rettung der Patientinnen und Patienten sowie
        medizinische Maßnahmen der Erstversorgung entsprechend dem aktuellen
        Stand von Wissenschaft und Technik in ihrer Zielsetzung, Art und ihrem
        Umfang an der Arbeitsdiagnose auszurichten und danach zu handeln,

    *

*    *
    *   b)

    *   Maßnahmen zur Überprüfung und Sicherung der Vitalfunktionen
        situationsgerecht durchzuführen,

    *

*    *
    *   c)

    *   geeignete Hilfsmittel zur fachgerechten Lagerung und zum Transport von
        unterschiedlichen Patientengruppen unter Beachtung der Patienten- und
        Eigenschonung einzusetzen,

    *

*    *
    *   d)

    *   Maßnahmen zur fachgerechten Lagerung, Betreuung und Überwachung von
        unterschiedlichen Patientengruppen unter Einbeziehung der Grundregeln
        der Hygiene während des Transports durchzuführen,

    *

*    *
    *   e)

    *   Maßnahmen zur fachgerechten Betreuung und Überwachung unter
        Einbeziehung der Grundregeln der Hygiene von unterschiedlichen
        Patientengruppen während eines ärztlich begleiteten
        Sekundärtransportes durchzuführen,

    *

*    *
    *   f)

    *   Transporte von Intensivpatientinnen und -patienten mit den notwendigen
        Pflegemaßnahmen unter Einbeziehung der Grundregeln der Hygiene zu
        begleiten,

    *

*    *
    *   g)

    *   das eigene Handeln an Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zum Eigenschutz
        einschließlich der Grundregeln des Infektionsschutzes auszurichten und
        einfache Maßnahmen sicher anzuwenden,

    *

*    *
    *   h)

    *   die durchgeführten berufsfeldspezifischen Maßnahmen zu evaluieren und
        zielgerichtetes Handeln kontinuierlich an sich verändernde
        Anforderungen anzupassen.

    *

*    *   **3.**

    *   **Kommunikation und Interaktion mit sowie Beratung von hilfesuchenden
        und hilfebedürftigen Menschen unter Berücksichtigung des jeweiligen
        Alters sowie soziologischer und psychologischer Aspekte**

    *   **120**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   Kommunikation und Interaktion im Rettungsdienst an Grundlagen aus
        Psychologie und Soziologie auszurichten,

    *

*    *
    *   b)

    *   mit kranken und verunfallten Patientinnen und Patienten sowie ihren
        Angehörigen unter Berücksichtigung personenbezogener und situativer
        Erfordernisse zu kommunizieren,

    *

*    *
    *   c)

    *   die besonderen Bedürfnisse von sterbenden Patientinnen und Patienten
        sowie ihrer Angehörigen zu beachten,

    *

*    *
    *   d)

    *   das eigene Kommunikationsverhalten, auch unter Nutzung nonverbaler
        Möglichkeiten, an den spezifischen Bedürfnissen und Anforderungen in
        der Kommunikation und Betreuung von speziellen Patientengruppen wie
        Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen, pflegebedürftigen Menschen,
        gesellschaftlichen Randgruppen, übergewichtigen Menschen oder hör- und
        sehbehinderten Menschen sowie von deren Angehörigen und von
        unbeteiligten Dritten auszurichten,

    *

*    *
    *   e)

    *   das eigene Kommunikationsverhalten an Auswirkungen wesentlicher
        psychischer Erkrankungen auf die Patientenkommunikation und
        Patientenbetreuung auszurichten.

    *

*    *   **4.**

    *   **Abläufe im Rettungsdienst strukturieren und Maßnahmen in Algorithmen
        und Einsatzkonzepte integrieren und anwenden**

    *   **100**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   Versorgungsalgorithmen entsprechend dem aktuellen Stand von
        Wissenschaft und Technik unter Berücksichtigung sachlicher,
        personenbezogener und situativer Erfordernisse anzuwenden,

    *

*    *
    *   b)

    *   das eigene Handeln bei besonderen Lagen an aktuellen Einsatzkonzepten
        auszurichten,

    *

*    *
    *   c)

    *   auf einer Rettungswache nach Verfahrensanweisungen zur Strukturierung
        und Organisation von Arbeitsabläufen zu handeln.

    *

*    *   **5.**

    *   **Das Arbeiten im Rettungsdienst intern und interdisziplinär innerhalb
        vorhandener Strukturen organisieren**

    *   **100**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   ihre Einsatzbereitschaft und die Einsatzbereitschaft der Einsatzmittel
        des Rettungsdienstes einschließlich Luft-, Berg- und
        Wasserrettungsdienst durch tägliche Kontrolle des Materials und der
        Geräte anhand von Vorschriften und Checklisten sicherzustellen,

    *

*    *
    *   b)

    *   mit Funk- und Kommunikationsmitteln zu arbeiten,

    *

*    *
    *   c)

    *   bei Transportentscheidungen die Krankenhausorganisation in Deutschland
        zu berücksichtigen,

    *

*    *
    *   d)

    *   die technischen und organisatorischen Erfordernisse bei
        Intensivtransporten zu berücksichtigen,

    *

*    *
    *   e)

    *   bis zum Eintreffen von Leitungspersonal unter Beachtung der dann zu
        erwartenden Strukturen und Maßnahmen der Einsatzleitung bei
        außergewöhnlichen Einsatzlagen wie insbesondere Großschadensfällen,
        CBNR-Gefahren, terroristischen Gefahren und Katastrophen zu handeln.

    *

*    *   **6.**

    *   **Handeln im Rettungsdienst an Qualitätskriterien ausrichten, die an
        rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen
        orientiert sind**

    *   **100**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   das eigene Handeln an den rechtlichen Rahmenbedingungen des
        Rettungsdienstes einschließlich der für seine Organisation und
        Durchführung relevanten Vorschriften der Landesrettungsdienstgesetze
        sowie des Katastrophenschutzes auszurichten,

    *

*    *
    *   b)

    *   bei der medizinischen Behandlung die rechtlichen Rahmenbedingungen zu
        berücksichtigen,

    *

*    *
    *   c)

    *   das eigene Handeln an relevanten Rechtsvorschriften aus dem Straf- und
        Zivilrecht, aus dem Straßenverkehrsrecht sowie aus anderen
        einschlägigen Rechtsgebieten, insbesondere dem Arbeits- und
        Arbeitsschutzrecht, auszurichten,

    *

*    *
    *   d)

    *   das eigene Handeln an Qualitätsmanagement- und Dokumentationssystemen
        im Rettungsdienst auszurichten.

    *

*    *   **7.**

    *   **Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken,
        lebenserhaltende Maßnahmen und Maßnahmen zur Abwendung schwerer
        gesundheitlicher Schäden bis zum Eintreffen der Notärztin oder des
        Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung
        durchführen**

    *   **500**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   apparative Hilfsmittel zur Diagnose und Überwachung von
        Notfallpatientinnen und -patienten situationsbezogen einzusetzen,

    *

*    *
    *   b)

    *   bei der Durchführung von Maßnahmen zur Sicherung der Atemwege und
        Beatmung wie insbesondere endotracheale Intubation, supraglottische
        Atemwegshilfen, erweiterte Beatmungsformen, medikamentöse Therapien
        oder Narkoseeinleitungen entsprechend dem aktuellen Stand von
        Wissenschaft und Technik mitzuwirken,

    *

*    *
    *   c)

    *   bei der Durchführung von Maßnahmen zur Stabilisierung des Kreislaufs
        wie insbesondere medikamentöse Therapien oder Infusionstherapien
        entsprechend dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik
        mitzuwirken,

    *

*    *
    *   d)

    *   bei der Durchführung von Maßnahmen im Rahmen der Reanimation wie
        insbesondere medikamentöse Therapien entsprechend dem aktuellen Stand
        von Wissenschaft und Technik mitzuwirken,

    *

*    *
    *   e)

    *   bei der Durchführung von Maßnahmen im Rahmen der chirurgischen
        Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten wie insbesondere
        Thoraxdrainage, Tracheotomie, Koniotomie oder Reposition entsprechend
        dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik mitzuwirken,

    *

*    *
    *   f)

    *   ärztlich veranlasste Maßnahmen zur Sicherung der Atemwege und
        Beatmung, zur Stabilisierung des Kreislaufs, im Rahmen der Reanimation
        und im Rahmen der chirurgischen Versorgung im Einsatzkontext
        eigenständig durchzuführen und die dabei relevanten rechtlichen
        Aspekte zu berücksichtigen,

    *

*    *
    *   g)

    *   Maßnahmen zur Sicherung der Atemwege und Beatmung, zur Stabilisierung
        des Kreislaufs,
        im Rahmen der Reanimation und im Rahmen der chirurgischen Versorgung,
        die zur Lebenserhaltung oder zur Abwendung schwerer gesundheitlicher
        Schäden im Einsatzkontext erforderlich sind, bis zum Eintreffen der
        Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen
        Versorgung eigenständig durchzuführen und die dabei relevanten
        rechtlichen Aspekte zu berücksichtigen,

    *

*    *
    *   h)

    *   bei Maßnahmen der erweiterten notärztlichen Therapie, die über die
        Maßnahmen zur Sicherung der Atemwege und Beatmung, zur Stabilisierung
        des Kreislaufs, im Rahmen der Reanimation und im Rahmen der
        chirurgischen Versorgung hinausgehen, bei notfallmedizinisch
        relevanten Krankheitsbildern zu assistieren,

    *

*    *
    *   i)

    *   Maßnahmen der erweiterten notärztlichen Therapie, die zur
        Lebenserhaltung oder zur Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden
        im Einsatzkontext bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes
        oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung erforderlich
        sind, eigenständig durchzuführen und die dabei relevanten rechtlichen
        Aspekte, insbesondere die Verhältnismäßigkeit bei der Auswahl der
        Maßnahmen, zu berücksichtigen.

    *

*    *   **8.**

    *   **Berufliches Selbstverständnis entwickeln und lernen, berufliche
        Anforderungen zu bewältigen**

    *   **100**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   den Notfallsanitäterberuf im Kontext der Gesundheitsfachberufe zu
        positionieren,

    *

*    *
    *   b)

    *   sich kritisch mit dem Beruf auseinanderzusetzen,

    *

*    *
    *   c)

    *   zur eigenen Gesundheitsvorsorge beizutragen,

    *

*    *
    *   d)

    *   mit Krisen- und Konfliktsituationen konstruktiv umzugehen und
        Deeskalationsstrategien anzuwenden.

    *

*    *   **9.**

    *   **Auf die Entwicklung des Notfallsanitäterberufs im gesellschaftlichen
        Kontext Einfluss nehmen**

    *   **60**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   das Gesundheitssystem in Deutschland in seinen wesentlichen Strukturen
        zu kennen und Entwicklungen im Gesundheitswesen wahrzunehmen, deren
        Folgen für den Notfallsanitäterberuf einzuschätzen und sich in die
        Diskussion einzubringen,

    *

*    *
    *   b)

    *   den Notfallsanitäterberuf in seiner Eigenständigkeit und im
        Zusammenwirken mit unterschiedlichen Akteuren zu verstehen, danach zu
        handeln und ihn weiterzuentwickeln,

    *

*    *
    *   c)

    *   die eigene Ausbildung kritisch zu betrachten sowie Eigeninitiative und
        Verantwortung für das eigene lebenslange Lernen zu übernehmen,

    *

*    *
    *   d)

    *   mit Grundkenntnissen der englischen Fachsprache fachbezogen zu
        kommunizieren,

    *

*    *
    *   e)

    *   Unterschiede von Rettungsdienstsystemen innerhalb der Bundesrepublik
        Deutschland sowie in den verschiedenen europäischen Ländern mit Blick
        auf die Stellung der Notfallsanitäterin oder des Notfallsanitäters zu
        bewerten.

    *

*    *   **10.**

    *   **In Gruppen und Teams zusammenarbeiten**

    *   **120**

*    *
    *   Die Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen,

    *

*    *
    *   a)

    *   Übergabe- und Übernahmegespräche zielgerichtet zu führen,

    *

*    *
    *   b)

    *   mit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie mit
        sonstigen beteiligten Behörden und Organisationen situationsbezogen
        zusammenzuarbeiten,

    *

*    *
    *   c)

    *   mit den Angehörigen anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen unter
        Beachtung von deren Zuständigkeiten und Kompetenzen
        zusammenzuarbeiten,

    *

*    *
    *   d)

    *   mit den Angehörigen anderer Berufsgruppen im Bereich von Sicherheit
        und Ordnung sowie Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz unter
        Beachtung von deren Zuständigkeiten und Kompetenzen
        zusammenzuarbeiten.

    *

*    *   Stundenzahl insgesamt

    *   **1 920**

(zu § 1 Absatz 1 Nummer 2)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/notsan-aprv/__26.html
Directory: notsan-aprv
Level: 3.0