Title: § 3.02 Nachweis der Intaktstabilität für Gierseilfähren

Description:
(Anhang II der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh II)
Teil I - Fähren
Kapitel 3 - Zusätzliche Anforderungen an seil- und kettengebundene Fähren
§ 3.02 Nachweis der Intaktstabilität für Gierseilfähren

Paragraph: 3

Content:
(Anhang II der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh II)
Teil I - Fähren
Kapitel 3 - Zusätzliche Anforderungen an seil- und kettengebundene Fähren
§ 3.02 Nachweis der Intaktstabilität für Gierseilfähren

1.  Ergänzend zu § 2.02 muss sich der Nachweis ausreichender
    Intaktstabilität für Gierseilfähren auf Berechnungen für Neigungen der
    Gierseilfähre nach Oberstrom und nach Unterstrom erstrecken.

2.  Der Nachweis ausreichender Intaktstabilität bei Neigungen nach
    Oberstrom ist als erbracht anzusehen, wenn die Krängung der
    Gierseilfähre nach Oberstrom bei einer Beladung nach Nummer 4 und
    voller Ausrüstung und bei Einhaltung eines Restfreibords nach Nummer 7
    unter gleichzeitiger Einwirkung

    a)  einer seitlichen Verschiebung der Landfahrzeuge und Personen nach
        Nummer 5,

    b)  des Windwiderstandes nach Artikel 19.03 Nummer 5 ES-TRIN,

    c)  einer seitlichen Anströmung und

    d)  eines Restwasserstandes auf dem Boden des Fährkörpers nach Nummer 8

    einen Winkel von 5° nicht überschreitet. Gierseilfähren mit
    Hilfsantrieb sind mit halbgefüllten Brennstofftanks zu rechnen. Der
    Nachweis ist in Form einer grafischen Hebelarmbilanz zu erbringen.
    Dabei sind für mindestens drei angenommene Beladungszustände nach
    Nummer 4 und mindestens drei Fließgeschwindigkeiten nach Nummer 6 die
    krängenden Hebelarme in Metern nach der Formel
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0010-01.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0010-01.jpg)
    und die aufrichtenden Hebelarme in Metern nach der Formel

    h
    a                    = (µ · MF + MG) · sin
    φ                    – Δh
    q

    zu ermitteln. Bei Gierseilfähren, deren Gierseil auf der Sohle des
    Flussbettes verlegt ist (Grundseilfähren), lautet die Formel für die
    krängenden Hebelarme in Metern
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0020.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0020.jpg)
    In diesen Formeln bedeutet:

        W
    q   der Widerstand aus Queranströmung bei Neigungswinkeln von 0° bis 11°
        in Kilonewton (kN),

        W
    G   der Gefällewiderstand in Kilonewton (kN),

        W
    W   der Windwiderstand in Kilonewton (kN) nach Artikel 19.03 Nummer 5 ES-
        TRIN,

        H
    T   der senkrechte Abstand des Angriffspunktes des Gierseils von der
        Wasserlinie im Ausgangszustand in Metern (m),

        B
    T   der horizontale Abstand des Angriffspunktes des Gierseils von Mitte
        Schiff in Metern (m),

    *   der Winkel des Gierseils am Schiff gegen die Horizontale,

        M
    W   das Winddruckmoment in Kilonewtonmeter (kNm) nach Artikel 19.03 Nummer
        5 ES-TRIN,

        M
    Z   das Moment aus der Verschiebung der Zuladung nach Nummer 5 in
        Kilonewtonmeter (kNm),

    g   die Erdbeschleunigung 9,81 in Meter durch Sekundenquadrat (m/s
        2                         ),

    D   die Wasserverdrängung in Tonnen (t),

    µMF die vertikale Auswanderung des Formschwerpunkts in Metern (m),

    MG  die metazentrische Höhe, verringert um den Abzug für freie Oberflächen
        entsprechend Nummer 8 in Metern (m),

    *   der Krängungswinkel der Gierseilfähre und

        Δh
    q   die direkte Verminderung der Stabilitätshebelarme durch Queranströmung
        in Metern (m).

3.  Der Nachweis ausreichender Intaktstabilität bei Neigungen nach
    Unterstrom ist erbracht, wenn die Krängung der Gierseilfähre unter
    Berücksichtigung der Beladungszustände und der krängenden Einflüsse
    nach Nummer 2 Satz 1 einen Winkel*
    zul                   , der sich aus der Formel
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0030.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0030.jpg)
    ergibt, nicht überschreitet. In dieser Formel bedeutet:

    *zul der Grenzwinkel,

    H – T der Abstand des tiefsten Punkts des Fährdecks bis zur Wasserlinie bei*
        = 0°, der bei Krängung der Fähre nach Unterstrom zuerst zu Wasser
        kommt, in Metern (m),

    T   der Tiefgang bei dem zu untersuchenden Beladungsfall in Metern (m) und

    B   die Breite der Gierseilfähre in Höhe des Decks an der Stelle, wo das
        Maß H angenommen wurde, in Metern (m).

    Der Grenzwinkel darf 10° nicht überschreiten. Der Nachweis ist in Form
    eines grafischen Vergleichs der sich einstellenden Endneigungswinkel
    mit dem Grenzwinkel für mindestens drei Beladungszustände nach Nummer
    4 und mindestens 3 Fließgeschwindigkeiten nach Nummer 6 zu erbringen.
    Dabei sind die Endneigungswinkel nach der Formel
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0040.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0040.jpg)
    zu errechnen. In dieser Formel bedeutet:

        h
    kr  die Summe der krängenden Hebelarme in Metern (m),

    *zul der Grenzwinkel nach obiger Formel und

        h
    a   der aufrichtende Hebelarm in Metern (m).

    Die krängenden Hebelarme in Metern sind dabei nach der Formel
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0050.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0050.jpg)
    und die aufrichtenden Hebelarme nach der Formel
    ![bgbl1_2018_j1398-1_0060.jpg](bgbl1_2018_j1398-1_0060.jpg)
    zu berechnen. Die Definition der einzelnen Summanden und Faktoren
    entspricht der Definition in Nummer 2; für W
    q                    ist jedoch nur der Wert für 0° Neigung
    einzusetzen.

4.  Für die Berechnung nach den Nummern 2 und 3 ist eine gemischte
    Beladung Z aus Landfahrzeugen und 45 Personen in homogener Verteilung
    anzunehmen. Sie ist für jeweils einen Rechengang in

    Z
    1                    = (  0 · P
    F                   ) + (0 · P
    P                   ) (Gierseilfähre leer),

    Z
    2                    = (0,5 · P
    F                   ) + (1 · P
    P                   ) (halbe Zuladung),

    Z
    3                    = (  1 · P
    F                   ) + (1 · P
    P                   ) (ganze Zuladung)

    aufzuteilen, wobei Z das Gewicht der Zuladung in Tonnen, P
    F                    das Gewicht der Landfahrzeuge in Tonnen und P
    P                    das Gewicht von 45 Personen in Tonnen ist.

5.  Das Moment aus der seitlichen Verschiebung der Zuladung ist nach
    folgender Formel zu berechnen:

    M
    Z                    = Z
    n                    · e

    In dieser Formel bedeutet:

        Z
    n   das Gewicht der Zuladung Z
        2                          oder Z
        3                          in Tonnen (t),

    e   den größten seitlichen Verschiebungsweg der Zuladung aus der
        Mittellängsachse der Gierseilfähre in Metern (m).

    Sind die Schrammborde so gesetzt, dass eine seitliche Verschiebung der
    Landfahrzeuge nicht möglich ist, so ist nur die seitliche Verschiebung
    der Personen nach der Formel

    M
    Z                    = P
    P                    · e

    in die Rechnung einzusetzen.

6.  In den Berechnungen nach den Nummern 2 und 3 ist die mittlere
    Fließgeschwindigkeit des Wassers vornehmlich bei:

    a)  Niedrigwasserstand (NW),

    b)  Mittelwasserstand (MW) und

    c)  Hochwasserstand (HW)

    zu berücksichtigen. Die Werte müssen sich nachweisbar auf die
    Fährstelle beziehen und müssen vom zuständigen Wasserstraßen- und
    Schifffahrtsamt bestätigt sein. Eine Querprofilzeichnung der
    Fährstelle ist der Rechnung beizufügen.

7.  Bei Neigungen der Gierseilfähre nach Oberstrom entsprechend Nummer 2
    muss

    a)  der Restfreibord auf der Oberstromseite mindestens 0,10 m und bei

    b)  Gierseilfähren mit zusätzlichem wasserdichten Deckaufsatz auf der
        Oberstromseite mindestens 0,10 m, jedoch nicht weniger als die größte
        Höhe des Deckaufsatzes über dem Fährdeck,

    betragen. Für den Restfreibord gilt folgende Formel:

    F
    R                    = H – TS

    In dieser Formel bedeutet:

        F
    R   der Restfreibord in Metern (m),

    H   die Seitenhöhe bis zum tiefsten Punkt des Fährdecks in Metern (m),

    TS  die Aufstauhöhe in Metern (m).

    Bei Gierseilfähren mit Deckssprung, bei denen die hochgezogene
    Außenhaut ein festes Schanzkleid bildet, kann der Restfreibord vom
    Anlenkpunkt der Landeklappen oder vom tiefsten nicht wasserdichten
    Punkt des Schanzkleids abgesetzt werden; der tiefere Punkt ist
    maßgebend.

8.  In den Berechnungen nach den Nummern 2 und 3 ist ein Restwasserstand
    von 0,02 m im Fährkörper anzunehmen.

9.  Als Ergebnisse der Berechnung sind festzulegen:

    a)  bei Belastung der Gierseilfähre ausschließlich mit Personen

        aa) die höchstzulässige Anzahl der Fahrgäste,

        bb) die Verdrängung (m
            3                               ),

    b)  bei Belastung der Gierseilfähre mit Personen, Landfahrzeugen oder
        sonstigen Lasten

        aa) die höchstzulässige Anzahl der Fahrgäste,

        bb) die Tragfähigkeit in Tonnen (t) einschließlich 45 Personen,

        cc) das zulässige Gesamtgewicht eines von mehreren Landfahrzeugen in
            Tonnen (t),

        dd) das zulässige Gesamtgewicht des schwersten und einzigen Landfahrzeugs
            in Tonnen (t),

        ee) die zulässige Achslast einer Einzelachse und einer Doppelachse von
            Landfahrzeugen in Tonnen (t)

    jeweils bei Niedrigwasserstand, Mittelwasserstand und Hochwasserstand.

10. Während der Fahrt und bei Be- und Entladen der Fähre darf der
    höchstzulässige Krängungswinkel nach § 3.02 Nummer 3 nicht
    überschritten und der Restfreibord nach § 3.02 Nummer 7 nicht
    unterschritten werden, wobei beim Be- und Entladevorgang die Fähre
    freischwimmend zu betrachten ist, es sei denn, das Fährgefäß wird beim
    Abstützen auf der Rampe durch eine kraftschlüssige Verbindung in einer
    festen Lage gehalten.

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Directory: binschuo2018anh_ii
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