Title: § 4 Ermittlung des Düngebedarfs an Stickstoff und Phosphat

Description:
Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (DüV 2017)
§ 4 Ermittlung des Düngebedarfs an Stickstoff und Phosphat

Paragraph: 4

Content:
Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (DüV 2017)
§ 4 Ermittlung des Düngebedarfs an Stickstoff und Phosphat

(1) Der Stickstoffdüngebedarf ist im Falle von Ackerland als
standortbezogene Obergrenze auf der Grundlage der nachfolgenden
Bestimmungen und der Anlage 4 Tabelle 1 bis 7 zu ermitteln. Bei der
Ermittlung sind die folgenden Einflüsse auf den zu ermittelnden Bedarf
heranzuziehen:

1.  die Stickstoffbedarfswerte nach Anlage 4 Tabelle 2 für die dort
    genannten Ackerkulturen; dabei sind die Stickstoffbedarfswerte nach
    Maßgabe der Anlage 4 Tabelle 3 anzupassen, wenn das tatsächliche
    Ertragsniveau der angebauten Kulturen im Durchschnitt der letzten fünf
    Jahre von dem Ertragsniveau nach Anlage 4 Tabelle 2 abweicht,

2.  die Stickstoffbedarfswerte nach Anlage 4 Tabelle 4 für die dort
    genannten Gemüsekulturen; dabei sind die Stickstoffbedarfswerte nach
    Maßgabe der Anlage 4 Tabelle 5 anzupassen, wenn das tatsächliche
    Ertragsniveau der angebauten Kulturen im Durchschnitt der letzten fünf
    Jahre von dem Ertragsniveau nach Anlage 4 Tabelle 4 abweicht; wenn
    Kulturen zur Ernteverfrühung mit Folie oder Vlies abgedeckt werden,
    sind Zuschläge zu den Stickstoffbedarfswerten von höchstens 20
    Kilogramm Stickstoff je Hektar zulässig; wenn auf nach § 3 Absatz 2
    Satz 3 zusammengefassten Flächen verschiedene Kulturen angebaut
    werden, kann ein durchschnittlicher Stickstoffbedarfswert gebildet
    werden oder die Ermittlung für drei Gemüsekulturen mit
    unterschiedlichen Stickstoffbedarfswerten erfolgen,

3.  die nach Absatz 4 ermittelte im Boden verfügbare Stickstoffmenge,

4.  die während des Wachstums des jeweiligen Pflanzenbestandes als
    Ergebnis der Standortbedingungen, insbesondere des Klimas, der
    Bodenart und des Bodentyps zusätzlich pflanzenverfügbar werdenden
    Stickstoffmenge aus dem Bodenvorrat nach Anlage 4 Tabelle 6,

5.  die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen
    oder organisch-mineralischen Düngemitteln zu den Vorkulturen des
    Vorjahres in Form eines Abschlags in Höhe von zehn vom Hundert der mit
    diesen Düngemitteln aufgebrachten Menge an Gesamtstickstoff, im Falle
    der Aufbringung von Kompost nach § 6 Absatz 4 Satz 2 für die drei
    Folgejahre in Form eines jährlichen Abschlags in Höhe von vier vom
    Hundert im ersten Folgejahr und danach in Höhe von jeweils drei vom
    Hundert der mit dem Kompost aufgebrachten Menge an Gesamtstickstoff,

6.  die Nachlieferung von Stickstoff aus Vor- und Zwischenfrüchten während
    des Wachstums des jeweiligen Pflanzenbestandes nach Anlage 4 Tabelle 7
    bei Acker- und Gemüsekulturen oder aus der Vorkultur im gleichen Jahr
    nach Anlage 4 Tabelle 4 Spalte 5 bei Gemüsekulturen,

7.  die Menge an verfügbarem Stickstoff, die nach § 6 Absatz 9 Satz 1
    Nummer 1 zu Winterraps oder Wintergerste ab dem Zeitpunkt, ab dem die
    Ernte der letzten Hauptfrucht abgeschlossen ist, bis zum Ablauf des 1.
    Oktober aufgebracht worden ist.

Abweichend von den Sätzen 1 und 2 kann die nach Landesrecht zuständige
Stelle andere Methoden oder Verfahren zur Ermittlung des Düngebedarfs
zulassen, soweit sich daraus kein höherer Düngebedarf als nach der
Ermittlung nach den Sätzen 1 und 2 ergibt. Im Falle von Kulturen, die
nicht von Satz 1 in Verbindung mit Satz 2 erfasst sind, gelten für die
Ermittlung des Stickstoffdüngebedarfs die Sätze 1 bis 3 entsprechend.
Hierbei sind die von der nach Landesrecht zuständigen Stelle
herausgegebenen Stickstoffbedarfswerte heranzuziehen.

(2) Der Stickstoffdüngebedarf ist im Falle von Grünland, Dauergrünland
und mehrschnittigem Feldfutterbau als standortbezogene Obergrenze auf
der Grundlage der nachfolgenden Bestimmungen und der Anlage 4 Tabelle
8 bis 12 zu ermitteln. Bei der Ermittlung sind die folgenden Einflüsse
auf den zu ermittelnden Bedarf heranzuziehen:

1.  die Stickstoffbedarfswerte nach Anlage 4 Tabelle 9; dabei sind die
    Stickstoffbedarfswerte nach Maßgabe der Anlage 4 Tabelle 10
    anzupassen, wenn das tatsächliche Ertragsniveau im Durchschnitt der
    letzten fünf Jahre von den Werten nach Anlage 4 Tabelle 9 abweicht;
    soweit der tatsächliche Rohproteingehalt im Durchschnitt der letzten
    fünf Jahre bekannt ist und von den Werten nach Anlage 4 Tabelle 9
    abweicht, können die Stickstoffbedarfswerte zusätzlich nach Maßgabe
    der Anlage 4 Tabelle 10 in Abhängigkeit vom Rohproteingehalt angepasst
    werden,

2.  die Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat nach Anlage 4 Tabelle
    11,

3.  die Stickstoffnachlieferung aus der Stickstoffbindung von Leguminosen
    nach Anlage 4 Tabelle 12,

4.  die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen
    oder organisch-mineralischen Düngemitteln im Vorjahr in Form eines
    Abschlags in Höhe von zehn vom Hundert der aufgebrachten Menge an
    Gesamtstickstoff.

Absatz 1 Satz 3 gilt entsprechend.

(3) Der Phosphatdüngebedarf ist unter Heranziehung der folgenden
Einflüsse zu ermitteln:

1.  der Phosphatbedarf des Pflanzenbestandes für die unter den jeweiligen
    Standort- und Anbaubedingungen zu erwartenden Erträge und Qualitäten;
    dabei sind die Phosphatgehalte pflanzlicher Erzeugnisse nach Anlage 7
    Tabelle 1 bis 3 zu berücksichtigen,

2.  die nach Absatz 4 ermittelte, im Boden verfügbare Phosphatmenge sowie
    die Nährstofffestlegung.

Die Ermittlung nach Satz 1 kann auch im Rahmen der Fruchtfolge
erfolgen.

(4) Vor dem Aufbringen wesentlicher Nährstoffmengen sind die im Boden
verfügbaren Nährstoffmengen vom Betriebsinhaber zu ermitteln

1.  für Stickstoff auf jedem Schlag oder jeder Bewirtschaftungseinheit –
    außer auf Grünlandflächen, Dauergrünlandflächen und Flächen mit
    mehrschnittigem Feldfutterbau – für den Zeitpunkt der Düngung,
    mindestens aber jährlich,

    a)  durch Untersuchung repräsentativer Proben oder

    b)  nach Empfehlung der nach Landesrecht zuständigen Stelle oder einer von
        dieser empfohlenen Beratungseinrichtung

        aa) durch Übernahme der Ergebnisse der Untersuchungen vergleichbarer
            Standorte oder

        bb) durch Anwendung von Berechnungs- und Schätzverfahren, die auf
            fachspezifischen Erkenntnissen beruhen,

2.  für Phosphat auf Grundlage der Untersuchung repräsentativer
    Bodenproben, die für jeden Schlag ab einem Hektar, in der Regel im
    Rahmen einer Fruchtfolge, mindestens alle sechs Jahre durchzuführen
    sind. Ausgenommen sind Flächen nach § 10 Absatz 3 Nummer 2.

Satz 1 Nummer 1 Buchstabe b gilt nicht für den Anbau von
Gemüsekulturen, die nach einer Gemüsevorkultur im selben Jahr angebaut
werden; in diesem Fall ist die im Boden verfügbare Stickstoffmenge
durch Untersuchung repräsentativer Proben zu ermitteln. Die
Probennahmen und Untersuchungen sind nach Vorgaben der nach
Landesrecht zuständigen Stelle durchzuführen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/d_v_2017/__4.html
Directory: duev_2017
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