Title: **Partikelförmige Gefahrstoffe**

Description:
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV 2010)
**Partikelförmige Gefahrstoffe**

Paragraph: 25

Content:
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV 2010)
**Partikelförmige Gefahrstoffe**

**2.1** **Anwendungsbereich**

Nummer 2 gilt für Tätigkeiten mit Exposition gegenüber allen
alveolengängigen und einatembaren Stäuben. Nummer 2.4 gilt ergänzend
für Tätigkeiten, bei denen Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen
Materialien freigesetzt wird oder freigesetzt werden kann.
Abweichungen von den Nummern 2.4.2 bis 2.4.5 sind möglich, sofern es
sich um Tätigkeiten handelt, die nur zu einer geringen Exposition
führen.

**2.2** **Begriffsbestimmungen**

(1) Stäube, einschließlich Rauche, sind disperse Verteilungen fester
Stoffe in der Luft, die insbesondere durch mechanische, thermische
oder chemische Prozesse oder durch Aufwirbelung entstehen.

(2) Einatembar ist derjenige Anteil von Stäuben im Atembereich von
Beschäftigten, der über die Atemwege aufgenommen werden kann.
Alveolengängig ist derjenige Anteil von einatembaren Stäuben, der die
Alveolen und Bronchiolen erreichen kann.

(3) Asbest im Sinne von Nummer 2 und Anhang II Nummer 1 sind folgende
Silikate mit Faserstruktur:

1.[^F1a_774705_BJNR164400010BJNE002606126]
  Aktinolith, CAS-Nummer
    77536-66-4,

2.  Amosit, CAS-Nummer 12172-73-5,

3.  Anthophyllit, CAS-Nummer 77536-67-5,

4.  Chrysotil, CAS-Nummer 12001-29-5 und CAS-Nummer 132207-32-0,

5.  Krokydolith, CAS-Nummer 12001-28-4,

6.  Tremolit, CAS-Nummer 77536-68-6.

**2.3** **Ergänzende Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit Exposition gegenüber
    einatembaren Stäuben**

(1) Die Gefährdungsbeurteilung nach § 6 bei Tätigkeiten mit Stoffen,
Gemischen und Erzeugnissen, die Stäube freisetzen können, ist unter
Beachtung ihres Staubungsverhaltens vorzunehmen.

(2) Bei Tätigkeiten mit Exposition gegenüber einatembaren Stäuben, für
die kein stoffbezogener Arbeitsplatzgrenzwert festgelegt ist, sind die
Schutzmaßnahmen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 so
festzulegen, dass mindestens die Arbeitsplatzgrenzwerte für den
einatembaren Staubanteil und für den alveolengängigen Staubanteil
eingehalten werden.

(3) Maschinen und Geräte sind so auszuwählen und zu betreiben, dass
möglichst wenig Staub freigesetzt wird. Staub emittierende Anlagen,
Maschinen und Geräte müssen mit einer wirksamen Absaugung versehen
sein, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist und die
Staubfreisetzung nicht durch andere Maßnahmen verhindert wird.

(4) Bei Tätigkeiten mit Staubexposition ist eine Ausbreitung des
Staubs auf unbelastete Arbeitsbereiche zu verhindern, soweit dies nach
dem Stand der Technik möglich ist.

(5) Stäube sind an der Austritts- oder Entstehungsstelle möglichst
vollständig zu erfassen und gefahrlos zu entsorgen. Die abgesaugte
Luft ist so zu führen, dass so wenig Staub wie möglich in die Atemluft
der Beschäftigten gelangt. Die abgesaugte Luft darf nur in den
Arbeitsbereich zurückgeführt werden, wenn sie ausreichend gereinigt
worden ist.

(6) Ablagerungen von Stäuben sind zu vermeiden. Ist dies nicht
möglich, so sind die Staubablagerungen durch Feucht- oder
Nassverfahren nach dem Stand der Technik oder durch saugende Verfahren
unter Verwendung geeigneter Staubsauger oder Entstauber zu beseitigen.
Das Reinigen des Arbeitsbereichs durch Kehren ohne Staub bindende
Maßnahmen oder Abblasen von Staubablagerungen mit Druckluft ist
grundsätzlich nicht zulässig.

(7) Einrichtungen zum Abscheiden, Erfassen und Niederschlagen von
Stäuben müssen dem Stand der Technik entsprechen. Bei der ersten
Inbetriebnahme dieser Einrichtungen ist deren ausreichende Wirksamkeit
zu überprüfen. Die Einrichtungen sind mindestens jährlich auf ihre
Funktionsfähigkeit zu prüfen, zu warten und gegebenenfalls in Stand zu
setzen. Die niedergelegten Ergebnisse der Prüfungen nach den Sätzen 2
und 3 sind aufzubewahren.

(8) Für staubintensive Tätigkeiten sind geeignete organisatorische
Maßnahmen zu ergreifen, um die Dauer der Exposition so weit wie
möglich zu verkürzen. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung nach § 6, dass
die in Absatz 2 in Bezug genommenen Arbeitsplatzgrenzwerte nicht
eingehalten werden können, hat der Arbeitgeber geeignete persönliche
Schutzausrüstung, insbesondere zum Atemschutz, zur Verfügung zu
stellen. Diese ist von den Beschäftigten zu tragen. Den Beschäftigten
sind getrennte Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Arbeitskleidung und
für die Straßenkleidung sowie Waschräume zur Verfügung zu stellen.

**2.4** **Ergänzende Vorschriften zum Schutz gegen Gefährdung durch Asbest**

2.4.1 Ermittlung und Beurteilung der Gefährdung durch Asbest

Der Arbeitgeber hat bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 6
festzustellen, ob Beschäftigte bei Tätigkeiten Asbeststaub oder Staub
von asbesthaltigen Materialien ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein
können. Dies gilt insbesondere für Abbruch-, Sanierungs- und
Instandhaltungsarbeiten mit asbesthaltigen Erzeugnissen oder
Materialien. Vor allem hat der Arbeitgeber zu ermitteln, ob Asbest in
schwach gebundener Form vorliegt.

2.4.2 Anzeige an die Behörde

(1) Tätigkeiten nach Nummer 2.1 Satz 2 müssen der zuständigen Behörde
angezeigt werden. Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten und ihrer
Vertretung Einsicht in die Anzeige zu gewähren.

(2) Die Anzeige muss spätestens sieben Tage vor Beginn der Tätigkeiten
durch den Arbeitgeber erfolgen und mindestens folgende Angaben
enthalten:

1.  Lage der Arbeitsstätte,

2.  verwendete oder gehandhabte Asbestarten und -mengen,

3.  ausgeübte Tätigkeiten und angewendete Verfahren,

4.  Anzahl der beteiligten Beschäftigten,

5.  Beginn und Dauer der Tätigkeiten,

6.  Maßnahmen zur Begrenzung der Asbestfreisetzung und zur Begrenzung der
    Asbestexposition der Beschäftigten.

(3) Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Asbest
dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, deren personelle und
sicherheitstechnische Ausstattung für diese Tätigkeiten geeignet ist.
Bei den Arbeiten ist dafür zu sorgen, dass mindestens eine
weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort tätig ist. Die Sachkunde
wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen
Behörde anerkannten Sachkundelehrgang nachgewiesen. Sachkundenachweise
gelten für den Zeitraum von sechs Jahren. Abweichend von Satz 4
behalten Sachkundenachweise, die vor dem 1. Juli 2010 erworben wurden,
bis zum 30. Juni 2016 ihre Gültigkeit. Wird während der Geltungsdauer
des Sachkundenachweises ein behördlich anerkannter
Fortbildungslehrgang besucht, verlängert sich die Geltungsdauer um
sechs Jahre, gerechnet ab dem Datum des Nachweises über den Abschluss
des Fortbildungslehrgangs.

(4) Abbruch- und Sanierungsarbeiten bei Vorhandensein von Asbest in
schwach gebundener Form dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt
werden, die von der zuständigen Behörde zur Ausführung dieser
Tätigkeiten zugelassen worden sind. Die Zulassung ist auf
schriftlichen oder elektronischen Antrag des Arbeitgebers zu erteilen,
wenn dieser nachgewiesen hat, dass die für diese Tätigkeiten
notwendige personelle und sicherheitstechnische Ausstattung im
notwendigen Umfang gegeben ist.

2.4.3 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Asbestexposition

(1) Die Ausbreitung von Asbeststaub ist durch eine staubdichte
Abtrennung des Arbeitsbereichs oder durch geeignete Schutzmaßnahmen,
die einen gleichartigen Sicherheitsstandard gewährleisten, zu
verhindern.

(2) Durch eine ausreichend dimensionierte raumlufttechnische Anlage
ist sicherzustellen, dass der Arbeitsbereich durchlüftet und ein
ausreichender Unterdruck gehalten wird.

(3) Der Arbeitsbereich ist mit einer Personenschleuse mit Dusche und
einer Materialschleuse auszustatten.

(4) Den Beschäftigten sind geeignete Atemschutzgeräte, Schutzanzüge
und, soweit erforderlich, weitere persönliche Schutzausrüstung zur
Verfügung zu stellen. Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass die
Beschäftigten die persönliche Schutzausrüstung verwenden.

(5) Kontaminierte persönliche Schutzausrüstung und die Arbeitskleidung
müssen entweder gereinigt oder entsorgt werden. Sie können auch in
geeigneten Einrichtungen außerhalb des Betriebs gereinigt werden. Die
Reinigung ist so durchzuführen, dass Beschäftigte Asbeststaub nicht
ausgesetzt werden. Das Reinigungsgut ist in geschlossenen,
gekennzeichneten Behältnissen aufzubewahren und zu transportieren.

(6) Den Beschäftigten müssen geeignete Waschräume mit Duschen zur
Verfügung gestellt werden.

(7) Vor Anwendung von Abbruchtechniken sind asbesthaltige Materialien
zu entfernen, soweit dies möglich ist.

2.4.4 Arbeitsplan

Vor Aufnahme von Tätigkeiten mit Asbest, insbesondere von Abbruch-,
Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, hat der Arbeitgeber einen
Arbeitsplan aufzustellen. Der Arbeitsplan muss Folgendes vorsehen:

1.  eine Beschreibung des Arbeitsverfahrens und der verwendeten
    Arbeitsmittel zum Entfernen und Beseitigen von Asbest und
    asbesthaltigen Materialien,

2.  Angaben zur persönlichen Schutzausrüstung,

3.  eine Beschreibung, wie überprüft wird, dass im Arbeitsbereich nach
    Abschluss der Abbruch- oder Sanierungsarbeiten keine Gefährdung durch
    Asbest mehr besteht.

2.4.5 Ergänzende Bestimmungen zur Unterweisung der Beschäftigten

(1) Die Beschäftigten sind regelmäßig bezogen auf die konkrete
Tätigkeit zu unterweisen. Hierbei ist der Arbeitsplan nach Nummer
2\.4.4 zu berücksichtigen.

(2) Gegenstand der Unterweisung sind insbesondere folgende Punkte:

1.  Eigenschaften von Asbest und seine Wirkungen auf die Gesundheit,
    einschließlich der verstärkenden Wirkung durch das Rauchen,

2.  Arten von Erzeugnissen und Materialien, die Asbest enthalten können,

3.  Tätigkeiten, bei denen eine Asbestexposition auftreten kann, und die
    Bedeutung von Maßnahmen zur Expositionsminderung,

4.  sachgerechte Anwendung sicherer Verfahren und der persönlichen
    Schutzausrüstung,

5.  Maßnahmen bei Störungen des Betriebsablaufs,

6.  sachgerechte Abfallbeseitigung,

7.  arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach der Verordnung zur
    arbeitsmedizinischen Vorsorge.

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