Title: Anlage 2 Inhalte, die im Masterstudiengang im Rahmen der hochschulischen Lehre zu vermitteln und bei dem Antrag auf Zulassung zur psychotherapeutischen Prüfung nachzuweisen sind

Description:
Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (PsychThApprO)
Abschnitt 9 - Schlussvorschriften
Anlage 2 Inhalte, die im Masterstudiengang im Rahmen der hochschulischen Lehre zu vermitteln und bei dem Antrag auf Zulassung zur psychotherapeutischen Prüfung nachzuweisen sind

Paragraph: 85

Content:
Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (PsychThApprO)
Abschnitt 9 - Schlussvorschriften
Anlage 2 Inhalte, die im Masterstudiengang im Rahmen der hochschulischen Lehre zu vermitteln und bei dem Antrag auf Zulassung zur psychotherapeutischen Prüfung nachzuweisen sind

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 473 - 475)

1.  wissenschaftliche Vertiefung

    Die studierenden Personen erfassen und beurteilen selbständig
    Forschungsparadigmen und aktuelle Forschungsergebnisse in einem
    vertieften psychologischen Grundlagenbereich, um sie bei der eigenen
    beruflichen Tätigkeit zu nutzen.

    Zur Vermittlung der Inhalte der wissenschaftlichen Vertiefung sind bei
    der Planung der hochschulischen Lehre mindestens 6 ECTS-Punkte
    vorzusehen und die spezialisierten Wissensbereiche der
    wissenschaftlich systematisierten und kontrollierten Erfassung
    vertieften menschlichen Verhaltens und Erlebens bei Gesundheit und
    Krankheit abzudecken.

2.  vertiefte Forschungsmethodik

    Die studierenden Personen

    a)  wenden komplexe und multivariate Erhebungs- und Auswertungsmethoden
        zur Evaluierung und Qualitätssicherung von Interventionen an,

    b)  nutzen und beurteilen einschlägige Forschungsstudien und deren
        Ergebnisse für die Psychotherapie,

    c)  planen selbständig Studien zur Neu- oder Weiterentwicklung der
        Psychotherapieforschung oder der Forschung in angrenzenden Bereichen,
        führen solche Studien durch, werten sie aus und fassen sie zusammen,

    d)  bewerten wissenschaftliche Befunde sowie Neu- oder Weiterentwicklungen
        in der Psychotherapie inhaltlich und methodisch in Bezug auf deren
        Forschungsansatz und deren Aussagekraft, so dass sie daraus fundierte
        Handlungsentscheidungen für die psychotherapeutische Diagnostik, für
        psychotherapeutische Interventionen und für die Beratung ableiten
        können.

    Zur Vermittlung der Inhalte der vertieften Forschungsmethodik sind bei
    der Planung der hochschulischen Lehre mindestens 6 ECTS-Punkte
    vorzusehen und die folgenden Wissensbereiche abzudecken:

    a)  multivariate Verfahren und Messtheorie,

    b)  Evaluierung wissenschaftlicher Befunde und deren Integration in die
        eigene psychotherapeutische Tätigkeit.

3.  spezielle Störungs- und Verfahrenslehre der Psychotherapie

    Die studierenden Personen

    a)  erfassen psychologische und neuropsychologische Störungsbilder sowie
        psychische Aspekte bei körperlichen Erkrankungen bei allen Alters- und
        Patientengruppen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher
        Erkenntnisse,

    b)  schätzen die Chancen, Risiken und Grenzen der unterschiedlichen
        wissenschaftlich geprüften und anerkannten psychotherapeutischen
        Verfahren und Methoden wissenschaftlich fundiert und in Abhängigkeit
        von Lebensalter, Krankheitsbildern, sozialen und
        Persönlichkeitsmerkmalen, Gewalterfahrungen sowie dem emotionalen und
        intellektuellen Entwicklungsstand der betroffenen Patientinnen oder
        Patienten ein,

    c)  erläutern ihre Einschätzung der Chancen, Risiken und Grenzen der
        unterschiedlichen wissenschaftlich geprüften und anerkannten
        psychotherapeutischen Verfahren und Methoden den Patientinnen und
        Patienten, anderen beteiligten oder zu beteiligenden Personen,
        Institutionen oder Behörden,

    d)  wählen auf der Grundlage vorangegangener Diagnostik,
        Differentialdiagnostik und Klassifikation die dem Befund sowie der
        Patientin oder dem Patienten angemessenen wissenschaftlich fundierten
        Behandlungsleitlinien aus,

    e)  entwickeln selbständig wissenschaftlich fundierte Fallkonzeptionen und
        die entsprechende Behandlungsplanung und beachten die Besonderheiten
        der jeweiligen Altersgruppe, der jeweiligen Krankheitsbilder und des
        jeweiligen Krankheitskontextes sowie des emotionalen und
        intellektuellen Entwicklungsstandes der betroffenen Patientinnen und
        Patienten,

    f)  erklären auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft psychische und
        psychisch mitbedingte Erkrankungen im Kindes-, Jugend- und
        Erwachsenenalter einschließlich des höheren Lebensalters.

    Zur Vermittlung der Inhalte der speziellen Störungs- und
    Verfahrenslehre der Psychotherapie sind bei der Planung der
    hochschulischen Lehre mindestens 11 ECTS-Punkte vorzusehen und die
    folgenden Wissensbereiche abzudecken:

    a)  psychotherapeutische Behandlung nach Zielgruppen (Kinder und
        Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung,
        Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen) und die Besonderheiten
        der Zielgruppen,

    b)  psychotherapeutische Behandlung nach Störungsbildern und die
        Besonderheiten der Störungsbilder,

    c)  psychotherapeutische Behandlung nach Setting (Einzeltherapie, Paar-
        und Familientherapie, Gruppentherapie, Notfall- und
        Krisenintervention) und die Besonderheiten des Settings,

    d)  psychotherapeutische Behandlung nach wissenschaftlich geprüften und
        anerkannten Verfahren und Methoden sowie die Besonderheiten der
        wissenschaftlich geprüften und anerkannten Verfahren und Methoden,

    e)  Fallkonzeption und Behandlungsplanung,

    f)  Weiterentwicklung bestehender und Entwicklung neuer
        psychotherapeutischer Verfahren und Methoden.

4.  angewandte Psychotherapie

    Die studierenden Personen

    a)  nehmen die Behandlungsplanung gemäß den unterschiedlichen Settings
        (Einzeltherapie, Gruppentherapie, Paar- und Familientherapie) und
        unter Berücksichtigung der Besonderheit von stationärer oder
        ambulanter Versorgung vor,

    b)  beraten Patientinnen und Patienten sowie andere beteiligte oder zu
        beteiligende Personen anhand der spezifischen Merkmale und
        Behandlungsansätze der klinischen Versorgung insbesondere in den
        Bereichen Psychiatrie, Psychosomatik, Neuropsychologie, Prävention,
        Rehabilitation oder Forensik und der ambulanten Versorgung angemessen
        über die spezifischen Indikationen der unterschiedlichen
        Versorgungseinrichtungen,

    c)  überführen Patientinnen und Patienten bei Bedarf angemessen in die
        weitere Versorgung an der entsprechenden Einrichtung,

    d)  schätzen die Notwendigkeit einer alternativen oder additiven
        Versorgung durch psychologische, psychosoziale, pädagogische,
        sozialpädagogische, rehabilitative oder medizinische Interventionen
        ein und leiten diese Interventionen, sofern erforderlich, in die Wege,

    e)  beachten die für eine Tätigkeit im Gesundheitswesen notwendigen
        berufs- und sozialrechtlichen Grundlagen einschließlich
        institutioneller und struktureller Rahmenbedingungen bei der Ausübung
        von Psychotherapie.

    Zur Vermittlung der Inhalte der angewandten Psychotherapie sind unter
    Einbindung von geeigneten Fallbeispielen bei der Planung der
    hochschulischen Lehre mindestens 5 ECTS-Punkte vorzusehen und die
    folgenden Wissensbereiche abzudecken:

    a)  Kennzeichnungen des Versorgungssystems unter besonderer
        Berücksichtigung von psychischen Störungen mit Krankheitswert, bei
        denen Psychotherapie indiziert ist,

    b)  ambulante Psychotherapie bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen,
        älteren Menschen und Menschen mit Behinderung,

    c)  klinische Versorgung insbesondere in den Bereichen Psychiatrie,
        Psychosomatik, Neuropsychologie oder Forensik,

    d)  psychosoziale Versorgung insbesondere in den Bereichen Prävention,
        Rehabilitation oder Beratung.

5.  Dokumentation, Evaluierung und Organisation psychotherapeutischer
    Behandlungen

    Die studierenden Personen

    a)  dokumentieren ihr psychotherapeutisches Handeln und überprüfen ihr
        Handeln zur Verbesserung der Behandlungsqualität kontinuierlich,

    b)  beurteilen die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
        psychotherapeutischer und psychosozialer Maßnahmen sowie von Settings,

    c)  evaluieren psychotherapeutisches Handeln sowohl bei Einzelfällen wie
        auch im Behandlungssetting unter Anwendung wissenschaftsmethodischer
        Kenntnisse und unter Berücksichtigung qualitätsrelevanter Aspekte,

    d)  beurteilen Maßnahmen des kontinuierlichen Qualitätsmanagements sowie
        Maßnahmen zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung,

    e)  ergreifen selbständig angemessene Maßnahmen, um die
        Patientensicherheit zu gewährleisten,

    f)  leiten interdisziplinäre Teams.

    Zur Vermittlung der Inhalte der Dokumentation, Evaluierung und
    Organisation psychotherapeutischer Behandlungen sind bei der Planung
    der hochschulischen Lehre mindestens 2 ECTS-Punkte vorzusehen und die
    folgenden Wissensbereiche abzudecken:

    a)  Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement,

    b)  Methoden der Prüfung, zur Sicherung und zur weiteren Verbesserung der
        psychotherapeutischen Versorgung unter Berücksichtigung der
        Anforderungen und Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems,

    c)  Zuständigkeiten und Kompetenzen der Berufsgruppen im Gesundheitswesen
        sowie Besonderheiten bei Führungsfunktionen.

6.  vertiefte psychologische Diagnostik und Begutachtung

    Die studierenden Personen

    a)  entwickeln und bewerten psychodiagnostische Verfahren nach aktuellen
        testtheoretischen Modellen,

    b)  erstellen Gutachten zu klinisch-psychologischen oder
        psychotherapeutischen Fragestellungen nach dem allgemeinen Stand der
        wissenschaftlichen Begutachtung,

    c)  entscheiden nach wissenschaftlichen Kriterien, welche diagnostischen
        Verfahren unter Berücksichtigung der jeweiligen Fragestellung
        einschließlich des Lebensalters, der Persönlichkeitsmerkmale, des
        sozialen Umfeldes sowie des emotionalen und des intellektuellen
        Entwicklungsstandes von Patientinnen und Patienten
        situationsangemessen anzuwenden sind, führen diese Verfahren im
        Einzelfall durch, werten die Ergebnisse aus und interpretieren die
        Ergebnisse,

    d)  setzen diagnostische Verfahren zur Erkennung von Risikoprofilen,
        Suizidalität, Anzeichen von Kindeswohlgefährdung sowie von Anzeichen
        von Gewalterfahrungen körperlicher, psychischer, sexueller Art und
        ungünstiger Behandlungsverläufe angemessen ein,

    e)  erheben und beurteilen systematisch Verlaufs- und
        Veränderungsprozesse,

    f)  bearbeiten und bewerten wissenschaftlich gutachterliche
        Fragestellungen, die die psychotherapeutische Versorgung betreffen,
        einschließlich von Fragestellungen zu Arbeits-, Berufs- und
        Erwerbsunfähigkeit sowie zum Grad der Behinderung oder zum Grad der
        Schädigung,

    g)  erkennen die Grenzen der eigenen diagnostischen Kompetenz und
        Urteilsfähigkeit und leiten, soweit notwendig, Maßnahmen zur eigenen
        Unterstützung ein.

    Zur Vermittlung der Inhalte der vertieften psychologischen Diagnostik
    und Begutachtung sind bei der Planung der hochschulischen Lehre
    mindestens 7 ECTS-Punkte vorzusehen und die folgenden Wissensbereiche
    abzudecken:

    a)  diagnostische Modelle und Methoden,

    b)  Methoden der Zielsetzung, des Aufbaus, Verfassens und Präsentierens
        von psychologischen Gutachten mit Bezug auf die Psychotherapie,

    c)  Beurteilung von Fragestellungen der Arbeits-, Berufs- und
        Erwerbsunfähigkeit sowie zum Grad der Behinderung oder Schädigung,

    d)  Grundlagen zur Beurteilung von Fragestellungen mit familien- oder
        strafrechtsrelevanten Inhalten.

7.  berufsqualifizierende Tätigkeit II – vertiefte Praxis der
    Psychotherapie

    Die studierenden Personen

    a)  führen psychotherapeutische Erstgespräche, Problem- und Zielanalysen
        sowie die Therapieplanung durch,

    b)  setzen psychotherapeutische Basistechniken als Grundlage der
        unterschiedlichen wissenschaftlich geprüften und anerkannten
        psychotherapeutischen Verfahren und Methoden bei Kindern und
        Jugendlichen sowie bei Erwachsenen unter Berücksichtigung von
        Besonderheiten der jeweiligen Alters- und Patientengruppe ein,

    c)  führen allgemeine Beratungsgespräche unter Berücksichtigung
        wissenschaftlich relevanter Erkenntnisse und mittels eines der
        Situation angemessenen Gesprächsverhaltens durch und berücksichtigen
        Aspekte der partizipativen Entscheidungsfindung,

    d)  klären Patientinnen und Patienten sowie andere beteiligte oder zu
        beteiligende Personen individuell angemessen über die
        wissenschaftlichen Erkenntnisse, Störungsmodelle und wissenschaftlich
        fundierten Behandlungsleitlinien zu den verschiedenen
        Krankheitsbildern der unterschiedlichen Alters- und Patientengruppen
        auf,

    e)  führen psychoedukative Maßnahmen durch,

    f)  erklären Patientinnen und Patienten das Behandlungsrational
        unterschiedlicher wissenschaftlich geprüfter und anerkannter
        psychotherapeutischer Verfahren und Methoden individuell angemessen,

    g)  beachten Aspekte der therapeutischen Beziehung, um auftretende
        Probleme in der Behandlungs- und Veränderungsmotivation von
        Patientinnen und Patienten sowie von Therapeutinnen und Therapeuten zu
        erkennen, angemessen zu thematisieren und in geeigneter Weise zu
        lösen,

    h)  erkennen Notfall- und Krisensituationen einschließlich der
        Suizidalität oder Anzeichen von Kindeswohlgefährdung, Anzeichen von
        Gewalterfahrungen körperlicher, psychischer, sexueller Art sowie
        Fehlentwicklungen im Behandlungsverlauf selbständig und ergreifen
        geeignete Maßnahmen, um Schaden für Patientinnen und Patienten
        abzuwenden.

    Eine selbständige Arbeit an Patienten wird bei der Vermittlung der
    Inhalte noch nicht erwartet. Zur Vermittlung der Inhalte der
    berufsqualifizierenden Tätigkeit II – vertiefte Praxis der
    Psychotherapie sind bei der Planung der hochschulischen Lehre
    mindestens 15 ECTS-Punkte vorzusehen.

8.  Selbstreflexion

    Die studierenden Personen

    a)  reflektieren das eigene psychotherapeutische Handeln, die Stärken und
        Schwächen der eigenen Persönlichkeit und ihrer Auswirkungen auf das
        eigene psychotherapeutische Handeln,

    b)  nehmen Verbesserungsvorschläge an,

    c)  nehmen eigene Emotionen, Kognitionen, Motive und Verhaltensweisen im
        therapeutischen Prozess wahr und regulieren sie, um sie bei der
        Optimierung von therapeutischen Prozessen zu berücksichtigen oder die
        Kompetenzen zur Selbstregulation kontinuierlich zu verbessern,

    d)  erkennen Grenzen des eigenen psychotherapeutischen Handelns und leiten
        geeignete Maßnahmen daraus ab.

    Zur Vermittlung der Inhalte der Selbstreflexion sind bei der Planung
    der hochschulischen Lehre mindestens 2 ECTS-Punkte vorzusehen.

(zu § 33 Absatz 2)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/psychthappro/__85.html
Directory: psychthappro
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