Title: § 51b Handakten

Description:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 51b Handakten

Paragraph: 51b

Content:
Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer (WiPrO)
Dritter Teil - Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer
§ 51b Handakten

(1) Berufsangehörige müssen durch Anlegung von Handakten ein
zutreffendes Bild über die von ihnen entfaltete Tätigkeit geben
können.

(2) Berufsangehörige haben ihre Handakten für die Dauer von zehn
Jahren nach Beendigung des Auftrags aufzubewahren. Diese Verpflichtung
erlischt jedoch schon vor Beendigung dieses Zeitraums, wenn die
Berufsangehörigen ihre Auftraggeber aufgefordert haben, die Handakten
in Empfang zu nehmen, und die Auftraggeber dieser Aufforderung binnen
sechs Monaten, nachdem sie sie erhalten haben, nicht nachgekommen
sind.

(3) Berufsangehörige können ihren Auftraggebern die Herausgabe der
Handakten verweigern, bis sie wegen ihrer Vergütung und Auslagen
befriedigt sind. Dies gilt nicht, soweit die Vorenthaltung der
Handakten oder einzelner Schriftstücke nach den Umständen unangemessen
wäre.

(4) Handakten im Sinne der Absätze 2 und 3 sind nur solche
Schriftstücke, die Berufsangehörige aus Anlass ihrer beruflichen
Tätigkeit von ihren Auftraggebern oder für diese erhalten haben, nicht
aber die Briefwechsel zwischen den Berufsangehörigen und ihren
Auftraggebern, die Schriftstücke, die die Auftraggeber bereits in
Urschrift oder Abschrift erhalten haben, sowie die zu internen Zwecken
gefertigten Arbeitspapiere.

(5) Bei gesetzlichen Abschlussprüfungen nach § 316 des
Handelsgesetzbuchs ist für jede Abschlussprüfung eine Handakte nach
Absatz 1 (Prüfungsakte) anzulegen, die spätestens 60 Tage nach
Unterzeichnung des Bestätigungsvermerks im Sinne des § 322 des
Handelsgesetzbuchs zu schließen ist. Berufsangehörige haben in der
Prüfungsakte auch zu dokumentieren,

1.  ob sie die Anforderungen an ihre Unabhängigkeit im Sinne des § 319
    Absatz 2 bis 5 des Handelsgesetzbuchs erfüllen, ob ihre Unabhängigkeit
    gefährdende Umstände vorliegen und welche Schutzmaßnahmen sie
    gegebenenfalls zur Verminderung dieser Gefahren ergriffen haben,

2.  ob sie über die Zeit, das Personal und die sonstigen Mittel verfügen,
    die nach § 43 Absatz 5 zur angemessenen Durchführung der
    Abschlussprüfung erforderlich sind,

3.  wenn sie den Rat externer Sachverständiger einholen, die
    entsprechenden Anfragen und die erhaltenen Antworten.

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben darüber hinaus den
verantwortlichen Prüfungspartner zu benennen und zu dokumentieren,
dass dieser nach dem Zweiten oder Neunten Teil zugelassen ist. Die
Berufsangehörigen haben alle Informationen und Unterlagen
aufzubewahren, die zur Begründung des Bestätigungsvermerks im Sinne
des § 322 des Handelsgesetzbuchs, des Prüfungsberichts im Sinne des §
321 des Handelsgesetzbuchs oder zur Kontrolle der Einhaltung von
Berufspflichten von Bedeutung sind oder die schriftliche Beschwerden
über die Durchführung der Abschlussprüfungen beinhalten. Die
Dokumentationspflichten nach den Artikeln 6 bis 8 der Verordnung (EU)
Nr. 537/2014 in der jeweils geltenden Fassung und die
Aufbewahrungspflicht nach Artikel 15 der Verordnung (EU) Nr. 537/2014
bleiben unberührt.

(6) Berufsangehörige, die eine Konzernabschlussprüfung durchführen,
haben der Wirtschaftsprüferkammer auf deren schriftliche oder
elektronische Aufforderung die Unterlagen über die Arbeit von
Drittstaatsprüfern und Drittstaatsprüfungsgesellschaften, die in den
Konzernabschluss einbezogene Tochterunternehmen prüfen, zu übergeben,
soweit diese nicht gemäß § 134 Absatz 1 eingetragen sind und keine
Vereinbarung zur Zusammenarbeit gemäß § 57 Absatz 9 Satz 5 Nummer 3
besteht. Erhalten Berufsangehörige keinen Zugang zu den Unterlagen
über die Arbeit von Drittstaatsprüfern und
Drittstaatsprüfungsgesellschaften, so haben sie den Versuch ihrer
Erlangung und die Hindernisse zu dokumentieren und der
Wirtschaftsprüferkammer auf deren schriftliche oder elektronische
Aufforderung die Gründe dafür mitzuteilen.

(7) Die Absätze 1 bis 6 gelten entsprechend, soweit sich
Berufsangehörige zum Führen von Handakten der elektronischen
Datenverarbeitung bedienen. In anderen Gesetzen getroffene Regelungen
über die Pflichten zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen bleiben
unberührt.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wipro/__51b.html
Directory: wipro
Level: 3.0