Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Schuhfertigung und Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Schuhfertigung (SchuhfIndMeistPrV 2013)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Content:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Schuhfertigung und Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Schuhfertigung (SchuhfIndMeistPrV 2013)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikationen“ umfasst
die Handlungsbereiche „Schuhtechnik“, „Organisation“ sowie „Führung
und Kommunikation“. Die Handlungsbereiche werden durch die in Absatz 2
Nummer 1 bis 3 genannten Qualifikationsschwerpunkte beschrieben. Es
werden drei die Handlungsbereiche integrierende Situationsaufgaben
nach den Absätzen 3 bis 5 unter Berücksichtigung der
fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen gestellt. Zwei der
Situationsaufgaben sind schriftlich zu lösen, eine Situationsaufgabe
ist Gegenstand eines situationsbezogenen Fachgesprächs nach Absatz 6.
Die Situationsaufgaben sind so zu gestalten, dass alle
Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsbereiche mindestens einmal
thematisiert werden. Die Prüfungsdauer der schriftlichen
Situationsaufgaben beträgt jeweils mindestens vier Stunden, insgesamt
jedoch nicht mehr als zehn Stunden.

(2) Die Handlungsbereiche nach Absatz 1 enthalten folgende
Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Handlungsbereich „Schuhtechnik“:

    a)  Schuhfertigung,

    b)  Maschinen- und Anlagentechnik;

2.  Handlungsbereich „Organisation“:

    a)  Betriebliches Kostenwesen,

    b)  Planungs- und Steuerungssysteme, Prozessoptimierung,

    c)  Arbeitssicherheit, Umwelt- und Gesundheitsschutz;

3.  Handlungsbereich „Führung und Kommunikation“:

    a)  Personalführung und -entwicklung,

    b)  Information und Kommunikation,

    c)  Qualitätsmanagement.

(3) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Schuhtechnik“
soll einer der beiden Qualifikationsschwerpunkte den Kern bilden. Die
Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche „Organisation“ und
„Führung und Kommunikation“ integrativ mitberücksichtigen. Diese
integrativen Qualifikationsinhalte sind in annähernd gleichem Umfang
den Absätzen 4 und 5 zu entnehmen. Im Einzelnen kann die
Situationsaufgabe folgende Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich „Schuhtechnik“ mit den Qualifikationsschwerpunkten
nach den Nummern 1 und 2 umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Schuhfertigung“ soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, Fertigungsprozesse zur Herstellung von Schuhen
    unter Berücksichtigung von Produkt- und Anlagensicherheit,
    Arbeitssicherheit, Umweltschutz sowie Qualitätssicherung planen,
    organisieren und überwachen zu können. Dazu gehört,
    fertigungstechnische Einzelheiten, Zusammenhänge sowie
    Optimierungsmöglichkeiten des Fertigungsprozesses zu erkennen und
    entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Weiterhin soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, beim Einsatz von Maschinen und Anlagen, Werk-,
    Betriebs- und Hilfsstoffen sowie bei der Be- und Verarbeitung
    unterschiedlicher Werkstoffe die Auswirkungen auf den
    Fertigungsprozess erkennen und berücksichtigen zu können. In diesem
    Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Planen und Analysieren von Fertigungsaufträgen und Festlegen von
        Fertigungsverfahren, Maschinen und Anlagen sowie Ermitteln der
        technischen Daten,

    b)  Festlegen des Einsatzes von Werk-, Betriebs- und Hilfsstoffen,
        insbesondere Steppmaterialien, Verstärkungen, Klebstoffen,
        Bodenmaterialien, Farben und Appreturen, unter Berücksichtigung
        wirtschaftlicher und produktionstechnischer Aspekte,

    c)  Optimieren und Reduzieren des Einsatzes von Klebstoffen,
        Lösungsmitteln und Finishprodukten unter Berücksichtigung der
        chemischen und physikalischen Reaktionen,

    d)  Einleiten, Steuern, Überwachen und Optimieren von Fertigungsprozessen,

    e)  Anwenden und Überwachen der Mess-, Steuer- und Regelungseinrichtungen
        bei der Organisation von Fertigungsprozessen,

    f)  Anwenden von statistischen Methoden zur Überwachung, Sicherung und
        Steuerung von Prozessen,

    g)  Erstellen von Fertigungsvorschriften und Festlegen der
        Verfahrensabläufe unter Beachtung von Arbeitssicherheit, Gesundheits-
        und Umweltschutz,

    h)  Auswählen und Anwenden von Prüftechniken, Auswerten der Kenndaten und
        Einleiten von qualitätssichernden Maßnahmen,

    i)  Organisieren und Veranlassen von Maßnahmen zur Behebung von Störungen
        und Einhalten qualitativer und quantitativer Anforderungen,

    j)  Beurteilen von Auswirkungen auf Fertigungsprozesse beim Umstellen von
        Maschinen und Anlagen auf neue Produkte sowie bei der Änderung von
        Prozessparametern,

    k)  Veranlassen von Maßnahmen zur optimalen Lagerung von Werk- und
        Hilfsstoffen sowie von Halb- und Fertigwaren;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Maschinen- und Anlagentechnik“ soll die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Anlagen, Maschinen und Einrichtungen
    und deren Instandhaltung planen, organisieren und überwachen zu
    können. Weiterhin soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
    Störungsanalysen durchführen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu
    können. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft
    werden:

    a)  Aufstellen und Inbetriebnehmen von Anlagen, Maschinen und
        Einrichtungen, insbesondere unter Beachtung sicherheitstechnischer und
        anlagenspezifischer Vorschriften,

    b)  Berechnen der Beanspruchung auf Zug, Druck und Abscherung sowie der
        Flächenpressung an mechanischen Antrieben und Bauteilen,

    c)  Mitwirken bei der Auswahl und beim Funktionserhalt von
        Fertigungsmaschinen und -anlagen, von Anlagen der Ver- und Entsorgung
        sowie von Hebe-, Transport- und Fördermitteln,

    d)  Planen und Anwenden von Schutzmaßnahmen entsprechend der
        Sicherheitsvorschriften,

    e)  Planen und Veranlassen der vorbeugenden Instandhaltung sowie
        Organisieren, Überwachen und Koordinieren von Maßnahmen der
        Instandhaltung,

    f)  Durchführen von Störungsanalysen und Einleiten von Maßnahmen zur
        Behebung von Störungen,

    g)  Beurteilen der Energiearten, deren Nutzung und Verteilung im Betrieb
        unter Berücksichtigung von Energieeinsparmöglichkeiten.

(4) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Organisation“
sollen mindestens zwei der Qualifikationsschwerpunkte den Kern der
Situationsaufgabe bilden. Die Situationsaufgabe soll darüber hinaus
Qualifikationsinhalte aus den Qualifikationsschwerpunkten der
Handlungsbereiche „Schuhtechnik“ und „Führung und Kommunikation“
integrativ mitberücksichtigen. Diese integrativen
Qualifikationsinhalte sind in annähernd gleichen Umfang den Absätzen 3
und 5 zu entnehmen. Im Einzelnen kann die Situationsaufgabe folgende
Qualifikationsinhalte aus dem Handlungsbereich „Organisation“ mit den
Schwerpunkten nach den Nummern 1 bis 3 umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Betriebliches Kostenwesen“ soll die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Kostenverantwortung übernehmen zu
    können. Dazu gehört, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und
    kostenrelevante Einflussfaktoren hinsichtlich der Entstehung von
    Kosten, der Entwicklung von Kostenstrukturen, der Kalkulation von
    Kosten sowie der Kostenplanung beurteilen zu können. Diese sollen auf
    betriebswirtschaftliche Anwendungssituationen bezogen und in
    Entscheidungen über wirtschaftliche Abläufe umgesetzt werden können.
    In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Erkennen und Beurteilen von Zusammenhängen des betrieblichen
        Rechnungswesens, insbesondere Kostenarten-, Kostenstellen-,
        Kostenträgerrechnung,

    b)  Berücksichtigen der Kostenfaktoren bei technischen, organisatorischen
        und personellen Maßnahmen,

    c)  Anwenden von Kalkulationsverfahren und Methoden der Zeitwirtschaft,

    d)  Fördern des Kostenbewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
        und Einleiten von Maßnahmen zur Kostenbeeinflussung;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Planungs- und Steuerungssysteme,
    Prozessoptimierung“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die
    Bedeutung dieser Systeme erkennen, sie anforderungsgerecht auswählen
    sowie zur Überwachung von Planungszielen und zur Optimierung von
    Prozessen anwenden zu können. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Erstellen, Anpassen und Umsetzen von Produktions-, Mengen-, Termin-
        und Kapazitätsplanungen,

    b)  Anwenden von Systemen für die Arbeitsablaufplanung,
        Materialflussgestaltung, Produktionsprogrammplanung und
        Auftragsdisposition, einschließlich der dazugehörigen Zeit- und
        Datenermittlung,

    c)  Anwenden von Logistiksystemen, insbesondere im Rahmen der Produkt- und
        Materialdisposition;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt „Arbeitssicherheit, Umwelt- und
    Gesundheitsschutz“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die
    Vernetzung ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren
    berücksichtigen zu können. Dazu gehört, in den Bereichen
    Arbeitssicherheit, Umwelt- und Gesundheitsschutz im Rahmen
    gesetzlicher Vorschriften und betrieblicher Vorgaben verantwortlich
    handeln zu können. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Überprüfen und Gewährleisten der Arbeitssicherheit, des Gesundheits-
        und Umweltschutzes, Erkennen von Schwachstellen sowie Einleiten
        vorbeugender Maßnahmen,

    b)  Durchführen von Gefährdungsbeurteilungen sowie Vorschlagen, Planen,
        Einleiten und Überprüfen von Maßnahmen zur Verbesserung der
        Arbeitssicherheit, zur Reduzierung und Vermeidung von Unfällen sowie
        von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen,

    c)  Planen und Durchführen von Unterweisungen zur Arbeitssicherheit, zum
        Gesundheits- und Umweltschutz,

    d)  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
        bezüglich der Arbeitssicherheit und des betrieblichen Arbeits-,
        Umwelt- und Gesundheitsschutzes,

    e)  Überwachen der Lagerung, des Einsatzes und der Entsorgung von
        umweltbelastenden und gesundheitsgefährdenden Stoffen und
        Betriebsmitteln.

(5) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Führung und
Kommunikation“ sollen mindestens zwei der Qualifikationsschwerpunkte
den Kern der Situationsaufgabe bilden. Die Situationsaufgabe soll
darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche „Schuhtechnik“ und
„Organisation“ integrativ mitberücksichtigen. Diese integrativen
Qualifikationsinhalte sind in annähernd gleichen Umfang den Absätzen 3
und 4 zu entnehmen. Im Einzelnen kann die Situationsaufgabe folgende
Qualifikationsinhalte aus dem Handlungsbereich „Führung und
Kommunikation“ mit den Schwerpunkten gemäß den Nummern 1 bis 3
umfassen:

1.  Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalführung und -entwicklung“ soll
    die Fähigkeit nachgewiesen werden, Personal einsetzen, führen,
    beurteilen und unter Beachtung der Qualifikationsanforderungen des
    Betriebes geeignete Maßnahmen zur weiteren beruflichen Entwicklung
    vorschlagen zu können. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Ermitteln des qualitativen und quantitativen Personalbedarfs,

    b)  Auswählen und Einsetzen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unter
        Berücksichtigung ihrer persönlichen Daten, ihrer Eignung und
        Interessen sowie der betrieblichen Anforderungen,

    c)  Delegieren von Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung,

    d)  Beurteilen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nach vorgegebenen
        Beurteilungssystemen,

    e)  Durchführen von Mitarbeitergesprächen und Festlegen von
        Zielvereinbarungen,

    f)  Anfertigen von Stellenbeschreibungen,

    g)  Beraten, Unterstützen und Fördern von Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
        hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt „Information und Kommunikation“ soll die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und Systeme der Information
    und Kommunikation im Betrieb anwenden zu können. In diesem Rahmen
    können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

    a)  Einsetzen von Planungs- und Steuerungssystemen zur Produktions-,
        Mengen-, Kapazitäts- und Terminplanung,

    b)  Vermitteln von Informationen und Anweisungen der Betriebsleitung,

    c)  Beteiligen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am kontinuierlichen
        Verbesserungsprozess,

    d)  Durchführen von Unterweisungen und Qualifizierungsmaßnahmen,

    e)  Kommunizieren mit vor- und nachgelagerten Bereichen,

    f)  Einrichten, Moderieren und Steuern von Arbeits- und Projektgruppen,

    g)  Fördern der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt „Qualitätsmanagement“ soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, Methoden und Techniken anwenden, um
    qualitätsbewusst handeln und das Qualitätsmanagement weiterentwickeln
    zu können. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte
    geprüft werden:

    a)  Berücksichtigen des Einflusses des Qualitätsmanagementsystems auf das
        Unternehmen,

    b)  Umsetzen der Qualitätsziele und Qualitätsvorgaben,

    c)  Berücksichtigen und Sicherstellen der Einhaltung rechtlicher und
        betrieblicher Vorgaben und Qualitätsnormen im eigenen
        Verantwortungsbereich,

    d)  Beschreiben betrieblicher Prozesse und Vorbereiten von Audits und
        Zertifizierungen,

    e)  Nutzen von Instrumenten des Qualitätsmanagements zur kontinuierlichen
        Qualitätsverbesserung, Prozessoptimierung und Kundenzufriedenheit,

    f)  Fördern des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter und
        Mitarbeiterinnen.

(6) Im situationsbezogenen Fachgespräch soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, betriebliche Aufgabenstellungen analysieren,
strukturieren und einer begründeten Lösung zuführen zu können. Dazu
gehört, Lösungsvorschläge unter Einbeziehung von
Präsentationstechniken erläutern und erörtern zu können. Das
situationsbezogene Fachgespräch hat die gleiche Struktur wie eine
schriftliche Situationsaufgabe. Es stellt den Handlungsbereich in den
Mittelpunkt, der nicht Kern einer schriftlichen Situationsaufgabe ist
und integriert insbesondere die Qualifikationsschwerpunkte, die nicht
schriftlich geprüft werden. Das situationsbezogene Fachgespräch soll
für die zu prüfende Person mindestens 45 Minuten und höchstens 60
Minuten dauern.

(7) Wurde in nicht mehr als einer schriftlichen Situationsaufgabe eine
mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist in dieser Situationsaufgabe
eine mündliche Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehreren
ungenügenden schriftlichen Prüfungsleistungen besteht diese
Möglichkeit nicht. Die Ergänzungsprüfung soll situationsbezogen
durchgeführt werden und in der Regel nicht länger als 20 Minuten
dauern. Die Bewertung der schriftlichen Prüfungsleistung und die der
mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu einer Bewertung der
Prüfungsleistung zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der
schriftlichen Prüfungsleistung doppelt gewichtet.

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