Title: § 7 Gesellenprüfung

Description:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Seiler und zur Seilerin (SeilAusbV 2008)
§ 7 Gesellenprüfung

Paragraph: 7

Content:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Seiler und zur Seilerin (SeilAusbV 2008)
§ 7 Gesellenprüfung

(1) Durch die Gesellenprüfung ist festzustellen, ob der Prüfling die
berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat. In der Gesellenprüfung
soll der Prüfling nachweisen, dass er die dafür erforderlichen
beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die notwendigen beruflichen
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und mit dem im
Berufsschulunterricht zu vermittelnden, für die Berufsausbildung
wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungsordnung ist
zugrunde zu legen.

(2) Die Gesellenprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen:

1.  Schwerpunktspezifische Produkte,

2.  Seil- und Netztechnik,

3.  Konfektion,

4.  Wirtschafts- und Sozialkunde.

(3) Für den Prüfungsbereich Schwerpunktspezifische Produkte bestehen
folgende Vorgaben:

1.  Der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  Seil- und Netzzubehör auswählen und einarbeiten,

    b)  Berechnungen zu Verbindungsarten und Belastbarkeit durchführen,

    c)  Seile oder Netze vormontieren,

    d)  berufsbezogene gesetzliche Bestimmungen und Normen sowie technische
        Unterlagen anwenden,

    e)  Messungen und Prüfungen an Seilen oder Netzen durchführen,
        dokumentieren und bewerten,

    f)  Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, zur Sicherheit und zum
        Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur
        Kundenorientierung, zur Wirtschaftlichkeit und zur Qualitätssicherung
        berücksichtigen,

    g)  Arbeitsabläufe unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer und
        organisatorischer Vorgaben selbstständig und kundenorientiert planen,
        durchführen und dokumentieren und

    h)  die für das schwerpunktspezifische Produkt relevanten fachlichen
        Hintergründe aufzeigen

    kann.
    Im Schwerpunkt Seilherstellung soll der Prüfling zusätzlich
    nachweisen, dass er

    a)  Fertigungsverfahren, Seilkonstruktion und Material festlegen,

    b)  Konstruktionsberechnungen durchführen sowie

    c)  Nachbehandlungen ausführen

    kann.
    Im Schwerpunkt Seilkonfektion soll der Prüfling zusätzlich nachweisen,
    dass er

    a)  Anschlagmittel, Anschlagart und Beschläge festlegen,

    b)  Seilkonstruktion und Durchmesser festlegen,

    c)  Verbindungstechniken ausführen und

    d)  Seile und Beschläge zu Anschlagmitteln verarbeiten

    kann.
    Im Schwerpunkt Netzkonfektion soll der Prüfling zusätzlich nachweisen,
    dass er

    a)  Netzkonstruktion und Material festlegen,

    b)  Netzparameter messen, Ansetz- und Schnittrhythmen berechnen und

    c)  Netzteile zuschneiden und zusammensetzen

    kann.

2.  Im Schwerpunkt Seilherstellung ist aus den folgenden Tätigkeiten
    auszuwählen:

    a)  Herstellen eines Doppelgeflechts,

    b)  Schlagen und Fertigstellen eines mehrlagigen Drahtseiles,

    c)  Schlagen und Fertigstellen eines mehrlitzigen Faserseiles,

    d)  Herstellen eines Litzengeflechts.

    Im Schwerpunkt Seilkonfektion ist aus folgenden Tätigkeiten
    auszuwählen:

    a)  Herstellen eines Langspleißes im Drahtseil,

    b)  Konfektionieren von Seilen zu gebrauchsfertigen Produkten mit
        mindestens zwei verschiedenen Endverbindungen.

    Im Schwerpunkt Netzkonfektion ist folgende Tätigkeit zugrunde zu
    legen:
    Konfektionieren von Netzteilen zu einem gebrauchsfertigen Netz.

3.  Der Prüfling soll eine Arbeitsaufgabe durchführen, mit praxisbezogenen
    Unterlagen dokumentieren und hierüber ein situatives Fachgespräch
    führen.

4.  Die Prüfungszeit beträgt insgesamt sieben Stunden; innerhalb dieser
    Zeit soll das situative Fachgespräch in höchstens 20 Minuten
    durchgeführt werden.

(4) Für den Prüfungsbereich Seil- und Netztechnik bestehen folgende
Vorgaben:

1.  Der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  Werkstoffeigenschaften und Konstruktionsmerkmale bestimmen,

    b)  Seil- und Netzarten nach Verwendungszweck und Belastbarkeit auswählen,

    c)  Seil- und Netzverbindungen herstellen,

    d)  Imprägniermittel und Schmiermittel festlegen und einsetzen,

    e)  Einfluss von Werkstoffeigenschaften und Konstruktion auf den
        Produktionsprozess und das Fertigprodukt berücksichtigen,

    f)  Werkzeuge handhaben, Maschinen bedienen und Sicherheitsvorgaben
        einhalten,

    g)  massebezogene Berechnungen durchführen und

    h)  rechtliche Bestimmungen, Normen und technische Zeichnungen anwenden

    kann.

2.  Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten.

3.  Die Prüfungszeit beträgt zwei Stunden.

(5) Für den Prüfungsbereich Konfektion bestehen folgende Vorgaben:

1.  Der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  Netze unter Berücksichtigung der Ansetz- und Schnittrhythmen
        konfektionieren,

    b)  rechtliche Bestimmungen und Normen beim Herstellen, Lagern und
        Verpacken anwenden,

    c)  Anforderungen an die Montage von Seilen und Netzen einhalten,

    d)  Anschlagmittel und Beschläge nach Verwendungszweck und Belastbarkeit
        auswählen,

    e)  Anschlagmittel mit verschiedenen Verbindungstechniken herstellen und

    f)  Mess- und Prüftechniken anwenden und Qualitätsvorgaben einhalten

    kann.

2.  Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten.

3.  Die Prüfungszeit beträgt zwei Stunden.

(6) Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bestehen die
folgenden Vorgaben:

1.  Der Prüfling soll nachweisen, dass er allgemeine wirtschaftliche und
    gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen
    und beurteilen kann.

2.  Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten.

3.  Die Prüfungszeit beträgt eine Stunde.

(7) Die einzelnen Prüfungsbereiche sind wie folgt zu gewichten:

*    *   1.

    *   Prüfungsbereich Schwerpunkt-
        spezifische Produkte

    *   50 Prozent,

*    *   2.

    *   Prüfungsbereich Seil- und Netztechnik

    *   20 Prozent,

*    *   3.

    *   Prüfungsbereich Konfektion

    *   20 Prozent,

*    *   4.

    *   Prüfungsbereich Wirtschafts-
        und Sozialkunde

    *   10 Prozent.

(8) Die Gesellenprüfung ist bestanden, wenn die Leistungen

1.  im Gesamtergebnis mit mindestens „ausreichend“,

2.  im Prüfungsbereich Schwerpunktspezifische Produkte mit mindestens
    „ausreichend“,

3.  in mindestens zwei der übrigen Prüfungsbereiche mit mindestens
    „ausreichend“ und

4.  in keinem Prüfungsbereich mit „ungenügend“

bewertet worden sind.

(9) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der mit
schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen die
Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich
zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von 15 Minuten zu
ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben
kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich
sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen
Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2 : 1 zu gewichten.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/seilausbv_2008/__7.html
Directory: seilausbv_2008
Level: 2.0