Title: Anlage 4 Anforderungen an die Abgabe kleiner Mengen von erlegtem Wild oder Fleisch von erlegtem Wild

Description:
Verordnung über Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von bestimmten Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Tier-LMHV)
Abschnitt 7 - Schlussvorschriften
Anlage 4 Anforderungen an die Abgabe kleiner Mengen von erlegtem Wild oder Fleisch von erlegtem Wild

Paragraph: 25

Content:
Verordnung über Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von bestimmten Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Tier-LMHV)
Abschnitt 7 - Schlussvorschriften
Anlage 4 Anforderungen an die Abgabe kleiner Mengen von erlegtem Wild oder Fleisch von erlegtem Wild

(Fundstelle: BGBl. I 2018, 494)

1.  Beim Gewinnen des Fleisches ist Folgendes zu beachten:

1.1 Großwild ist so schnell wie möglich, Kleinwild spätestens bei der
    Abgabe aufzubrechen und auszuweiden. Das Enthäuten und eine Zerlegung
    von Großwild am Erlegeort ist nur zulässig, wenn der Transport sonst
    nicht möglich ist.

1.2 Großwild ist unmittelbar nach dem Aufbrechen und Ausweiden so
    aufzubewahren, dass es gründlich auskühlen und in den Körperhöhlen
    abtrocknen kann. Kleinwild ist unmittelbar nach dem Erlegen so
    aufzubewahren, dass es gründlich auskühlen kann. Großwild muss alsbald
    nach dem Erlegen auf eine Innentemperatur von höchstens + 7 °C,
    Kleinwild auf eine Innentemperatur von höchstens + 4 °C abgekühlt
    sein; erforderlichenfalls ist das erlegte Wild dazu in eine geeignete
    Kühleinrichtung zu verbringen.

1.3 Beim Erlegen, Aufbrechen, Zerwirken und weiteren Behandeln ist auf
    Merkmale zu achten, die das Fleisch als gesundheitlich bedenklich
    erscheinen lassen. Diese liegen vor bei

1.3.1 abnormen Verhaltensweisen oder Störungen des Allgemeinbefindens;

1.3.2 Fehlen von Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung als Todesursache
    (Fallwild);

1.3.3 Geschwülsten oder Abszessen, wenn sie zahlreich oder verteilt in
    inneren Organen oder in der Muskulatur vorkommen;

1.3.4 Schwellungen der Gelenke oder Hoden, Hodenvereiterung, Leber- oder
    Milzschwellung, Darm- oder Nabelentzündung, bei Federwild Entzündung
    des Herzens, des Drüsen- oder Muskelmagens;

1.3.5 fremdem Inhalt in den Körperhöhlen, insbesondere Magen- und Darminhalt
    oder Harn, wenn Brust- oder Bauchfell verfärbt ist;

1.3.6 erheblicher Gasbildung im Magen- und Darmkanal mit Verfärbung der
    inneren Organe;

1.3.7 erheblichen Abweichungen der Muskulatur oder der Organe in Farbe,
    Konsistenz oder Geruch;

1.3.8 offenen Knochenbrüchen, soweit sie nicht unmittelbar mit dem Erlegen
    in Zusammenhang stehen;

1.3.9 erheblicher Abmagerung;

1.3.10 frischen Verklebungen oder Verwachsungen von Organen mit Brust- oder
    Bauchfell;

1.3.11 Geschwülste oder Wucherungen im Kopfbereich oder an den Ständern bei
    Federwild;

1.3.12 verklebten Augenlidern, Anzeichen von Durchfall, insbesondere im
    Bereich der Kloake, sowie Verklebungen und sonstigen Veränderungen der
    Befiederung, Haut- und Kopfanhänge sowie Ständer bei Federwild;

1.3.13 sonstigen erheblichen sinnfälligen Veränderungen außer
    Schussverletzungen.

1.4 Eingeweide, die Veränderungen aufweisen, sind so zu kennzeichnen, dass
    die Zugehörigkeit zu dem betreffenden Wildkörper festgestellt werden
    kann; sie müssen bis zum Abschluss der amtlichen Untersuchungen beim
    Wildkörper verbleiben.

2.  Es ist durch geeignete Maßnahmen oder Vorrichtungen sicherzustellen,
    dass beim Zerlegen und Umhüllen Fleisch von Großwild auf einer
    Temperatur von nicht mehr als + 7 °C und Fleisch von Kleinwild auf
    einer Temperatur von nicht mehr als + 4 °C gehalten wird.

3.  Räume zum Sammeln von Groß- und Kleinwild nach dem Erlegen
    (Wildkammern) müssen über

3.1 eine geeignete Kühleinrichtung verfügen, wenn auf andere Weise eine
    gründliche Auskühlung des erlegten Wildes nicht erreicht werden kann;

3.2 einen geeigneten Platz zum Enthäuten und Zerlegen verfügen, wenn diese
    Arbeiten darin ausgeführt werden.

4.  In den Räumen und gegebenenfalls in Wildkammern gilt für die
    Bearbeitung des erlegten Wildes Folgendes:

4.1 Untersuchungspflichtiges erlegtes Wild ist so rechtzeitig der
    Untersuchung zuzuführen, dass Veränderungen bei der amtlichen
    Untersuchung erkannt und beurteilt werden können.

4.2 Erlegtes Großwild ist auf Ersuchen des amtlichen Untersuchers zur
    Untersuchung zu enthäuten; der Brustkorb ist zu öffnen. Die
    Wirbelsäule und der Kopf sind längs zu spalten, wenn nach Feststellung
    des Untersuchers gesundheitliche Gründe dies erforderlich machen.
    Erlegtes Großwild in der Decke darf nicht eingefroren werden.

4.3 Erlegtes Federwild ist auf Verlangen des Untersuchers zur Untersuchung
    so herzurichten, dass die nach der fachlichen Beurteilung
    erforderlichen Untersuchungen durchgeführt werden können. Ungerupftes
    und nicht ausgenommenes Federwild darf nicht eingefroren werden.

4.4 Großwild in der Decke oder Kleinwild in der Decke oder im Federkleid
    darf Fleisch von erlegtem Wild nicht berühren.

(zu § 7 Satz 1)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/tier-lmhv/__25.html
Directory: tier-lmhv
Level: 3.0