Title: § 2 Art und Umfang der Maßnahmen

Description:
Verordnung zur Durchführung der Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (BSHG§72DV 2001)
§ 2 Art und Umfang der Maßnahmen

Paragraph: 2

Content:
Verordnung zur Durchführung der Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (BSHG§72DV 2001)
§ 2 Art und Umfang der Maßnahmen

(1) Art und Umfang der Maßnahmen richten sich nach dem Ziel, die
Hilfesuchenden zur Selbsthilfe zu befähigen, die Teilnahme am Leben in
der Gemeinschaft zu ermöglichen und die Führung eines menschenwürdigen
Lebens zu sichern. Durch Unterstützung der Hilfesuchenden zur
selbständigen Bewältigung ihrer besonderen sozialen Schwierigkeiten
sollen sie in die Lage versetzt werden, ihr Leben entsprechend ihren
Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten zu organisieren und
selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei ist auch zu berücksichtigen,
dass Hilfesuchende verpflichtet sind, nach eigenen Kräften an der
Überwindung der besonderen sozialen Schwierigkeiten mitzuwirken. Auf
Leistungen anderer Stellen oder nach anderen Vorschriften des Zwölften
Buches Sozialgesetzbuch, die im Sinne dieser Verordnung geeignet sind,
ist hinzuwirken; die Regelungen über Erstattungsansprüche der
Leistungsträger untereinander gemäß §§ 102 bis 114 des Zehnten Buches
Sozialgesetzbuch finden insoweit auch zwischen Trägern der Sozialhilfe
Anwendung.

(2) Maßnahmen sind die Dienst-, Geld- und Sachleistungen, die
notwendig sind, um die besonderen sozialen Schwierigkeiten nachhaltig
abzuwenden, zu beseitigen, zu mildern oder ihre Verschlimmerung zu
verhüten. Vorrangig sind als Hilfe zur Selbsthilfe Dienstleistungen
der Beratung und persönlichen Unterstützung für die Hilfesuchenden und
für ihre Angehörigen, bei der Erhaltung und Beschaffung einer Wohnung,
bei der Vermittlung in Ausbildung, bei der Erlangung und Sicherung
eines Arbeitsplatzes sowie bei Aufbau und Aufrechterhaltung sozialer
Beziehungen und der Gestaltung des Alltags. Bei der Hilfe sind
geschlechts- und altersbedingte Besonderheiten sowie besondere
Fähigkeiten und Neigungen zu berücksichtigen.

(3) Bei der Ermittlung und Feststellung des Hilfebedarfs sowie bei der
Erstellung und Fortschreibung eines Gesamtplanes sollen die
Hilfesuchenden unter Berücksichtigung der vorhandenen Kräfte und
Fähigkeiten beteiligt werden. Wird ein Gesamtplan erstellt, sind der
ermittelte Bedarf und die dem Bedarf entsprechenden Maßnahmen der
Hilfe zu benennen und anzugeben, in welchem Verhältnis zueinander sie
verwirklicht werden sollen. Dabei ist der verbundene Einsatz der
unterschiedlichen Hilfen nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch und
nach anderen Leistungsgesetzen anzustreben. Soweit es erforderlich
ist, wirkt der Träger der Sozialhilfe mit anderen am Einzelfall
Beteiligten zusammen; bei Personen vor Vollendung des 21. Lebensjahres
ist ein Zusammenwirken mit dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe
erforderlich.

(4) Gesamtplan und Maßnahmen sind zu überprüfen, sobald Umstände die
Annahme rechtfertigen, dass die Hilfe nicht oder nicht mehr
zielgerecht ausgestaltet ist oder Hilfesuchende nicht nach ihren
Kräften mitwirken.

(5) In stationären Einrichtungen soll die Hilfe nur befristet und nur
dann gewährt werden, wenn eine verfügbare ambulante oder
teilstationäre Hilfe nicht geeignet und die stationäre Hilfe Teil
eines Gesamtplanes ist, an dessen Erstellung der für die stationäre
Hilfe zuständige Träger der Sozialhilfe beteiligt war. Ist die
Erstellung eines Gesamtplanes vor Beginn der Hilfe nicht möglich, hat
sie unverzüglich danach zu erfolgen. Die Hilfe ist spätestens nach
jeweils sechs Monaten zu überprüfen. Frauenhäuser sind keine
Einrichtungen im Sinne von Satz 1; ambulante Maßnahmen nach den §§ 3
bis 6 werden durch den Aufenthalt in einem Frauenhaus nicht
ausgeschlossen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bshg_72dv_2001/__2.html
Directory: bshg_72dv_2001
Level: 2.0