Title: Anlage 1 Anforderungen an die ärztliche Beurteilung der medizinischen Eignung des toten Spenders nach § 3 Abs. 1

Description:
Verordnung über die Anforderungen an Qualität und Sicherheit der Entnahme von Geweben und deren Übertragung nach dem Transplantationsgesetz (TPG-GewV)
Anlage 1 Anforderungen an die ärztliche Beurteilung der medizinischen Eignung des toten Spenders nach § 3 Abs. 1

Paragraph: 3

Content:
Verordnung über die Anforderungen an Qualität und Sicherheit der Entnahme von Geweben und deren Übertragung nach dem Transplantationsgesetz (TPG-GewV)
Anlage 1 Anforderungen an die ärztliche Beurteilung der medizinischen Eignung des toten Spenders nach § 3 Abs. 1

( Fundstelle: BGBl. I 2008, 515 - 516 )

1.  Spenderevaluierung

    a)  Die für die Beurteilung der Spendereignung nach den §§ 3 und 6
        erforderlichen medizinischen und verhaltensbezogenen Informationen
        sind von einem Arzt zu erheben.

    b)  Zur Erhebung der Informationen sind die erforderlichen Quellen unter
        Beachtung der Anforderungen des § 7 des Transplantationsgesetzes zu
        nutzen, einschließlich der folgenden Quellen, soweit diese geeignet
        sind:

        aa) die Krankenakte des Spenders;

        bb) die Befragung einer Person, die den Spender gut kannte;

        cc) eine Befragung des behandelnden Arztes;

        dd) eine Befragung des Hausarztes;

        ee) der Autopsiebericht.

    c)  Darüber hinaus ist eine körperliche Untersuchung durchzuführen, um
        Anzeichen zu erkennen, die bereits als solche für den Ausschluss des
        Spenders ausreichen oder die anhand der medizinischen und persönlichen
        Vorgeschichte des Spenders überprüft werden müssen.

    d)  Die gesamte Spenderakte ist von einem Arzt auf die Eignung des
        Spenders zu überprüfen und zu bewerten.

2.  Ausschlussgründe

    a)  Unbekannte Todesursache, sofern die Todesursache nicht nach der
        Entnahme aus der Autopsie hervorgeht und kein anderes im Folgenden
        genanntes Ausschlusskriterium zutrifft;

    b)  Erkrankung unbekannter Ätiologie in der Vorgeschichte;

    c)  Vorliegen oder Vorgeschichte einer malignen Erkrankung, ausgenommen
        primäres Basalzellkarzinom,
        In-situ-Gebärmutterhalskarzinom                          und einige
        primäre Tumore des zentralen Nervensystems, die nach den
        wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bewerten sind; Spender mit
        malignen Erkrankungen können für Hornhautspenden in Betracht kommen,
        ausgenommen Spender mit Retinoblastom, hämatologischen Neoplastien und
        malignen Tumoren des Augenhintergrunds;

    d)  Risiko der Krankheitsübertragung durch Prionen. Dieses Risiko besteht
        bei

        aa) Personen, bei denen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder die neue
            Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diagnostiziert wurde oder die
            eine nicht iatrogene Creutzfeldt-Jakob-Krankheit in der familiären
            Vorgeschichte aufweisen;

        bb) Personen mit anamnestisch erhobener rasch fortschreitender Demenz oder
            einer degenerativen neurologischen Erkrankung, einschließlich solcher
            unbekannter Ursache;

        cc) Empfänger von Hormonen, die aus der menschlichen Hypophyse gewonnen
            wurden (wie Wachstumshormone), Empfänger von Transplantaten von
            Cornea, Sklera und Dura mater sowie Personen, die nicht dokumentierten
            neurologischen Operationen unterzogen wurden (bei denen möglicherweise
            Dura mater verwendet wurde).

        Bei der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind eventuell
        weitere Vorsichtsmaßnahmen zu empfehlen.

    e)  Systemische Infektion, die zum Zeitpunkt der Spende nicht unter
        Kontrolle ist, einschließlich bakterieller Infektionen, systemischer
        viraler, Pilz- oder parasitärer Infektionen, oder signifikante lokale
        Infektion in den zu spendenden Geweben; Spender mit bakterieller
        Sepsis können für eine Augenspende beurteilt und in Betracht gezogen
        werden, allerdings nur, sofern die Hornhäute in einer Organkultur
        aufbewahrt werden, welche den Nachweis einer etwaigen bakteriellen
        Kontamination des Gewebes ermöglicht;

    f)  Anamnestisch erhobene, klinisch oder durch bestätigte Labortests
        nachgewiesene HIV-Infektion, Übertragungsrisiko akuter oder
        chronischer Hepatitis B (außer bei Personen mit nachgewiesener
        Immunität), Hepatitis C und HTLV I/II oder Anzeichen von
        Risikofaktoren für diese Infektionen;

    g)  Anamnestisch erhobene chronische, systemische Autoimmunerkrankung, die
        eine schädigende Auswirkung auf das zu entnehmende Gewebe haben
        könnte;

    h)  Anzeichen für ungültige Untersuchungsergebnisse der Spenderblutproben
        wegen

        aa) Hämodilution, gemäß den Spezifikationen in Anlage 3 Nr. 2, wenn keine
            Prätransfusionsprobe verfügbar ist, oder

        bb) Behandlung mit immunsuppressiven Wirkstoffen;

    i)  Anzeichen sonstiger Risikofaktoren für Infektionskrankheiten auf der
        Grundlage einer Risikobewertung unter Berücksichtigung der Reisen und
        der Expositionsgeschichte des Spenders sowie der lokalen Prävalenz von
        Infektionskrankheiten;

    j)  Anzeichen am Körper des Spenders, die ein Infektionsrisiko im Sinne
        von Nummer 1 Buchstabe c nahelegen;

    k)  Aufnahme von oder Exposition gegenüber einer Substanz (wie Zyanid,
        Blei, Quecksilber, Gold), die auf den Empfänger in einer
        gesundheitsschädlichen Dosis übertragen werden könnte;

    l)  Kürzlich erfolgte Impfung mit einem Lebendimpfstoff aus abgeschwächtem
        Virus, bei der ein Übertragungsrisiko für möglich gehalten wird;

    m)  Transplantationen von Heterotransplantaten und Xenotransplantaten;

    n)  Zusätzliche Ausschlussgründe für verstorbene Kinder

        aa) Alle Kinder HIV-infizierter Mütter sowie Kinder, auf die ein in Nummer
            2 Buchstabe a bis m genannter Ausschlussgrund zutrifft, sind als
            Spender auszuschließen, bis das Risiko einer Infektionsübertragung
            endgültig ausgeschlossen werden kann;

        bb) Kinder unter 18 Monaten von Müttern mit HIV-, Hepatitis-C- oder HTLV-
            Infektion oder dem Risiko einer solchen Infektion, die während der
            vorausgegangenen zwölf Monate von der Mutter gestillt wurden, sind
            unabhängig vom Untersuchungsergebnis als Spender auszuschließen;

        cc) Kinder von Müttern mit HIV-, Hepatitis-C- oder HTLV-Infektion oder dem
            Risiko einer solchen Infektion, die während der vorangegangenen zwölf
            Monate nicht von der Mutter gestillt wurden und deren
            Untersuchungsergebnisse, körperliche Untersuchungen und die Sichtung
            der medizinischen Unterlagen keinen Hinweis auf eine HIV-,
            Hepatitis-C- oder HTLV-Infektion ergeben, können als Spender
            zugelassen werden.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/tpg-gewv/__3.html
Directory: tpg-gewv
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