Title: § 163 Ermittlung der Wirtschaftswerte

Description:
Bewertungsgesetz (BewG)
Zweiter Teil - Besondere Bewertungsvorschriften
Sechster Abschnitt - Vorschriften für die Bewertung von Grundbesitz, von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und von Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer ab 1. Januar 2009
B. - Land- und forstwirtschaftliches Vermögen
I. - Allgemeines
§ 163 Ermittlung der Wirtschaftswerte

Paragraph: 163

Content:
Bewertungsgesetz (BewG)
Zweiter Teil - Besondere Bewertungsvorschriften
Sechster Abschnitt - Vorschriften für die Bewertung von Grundbesitz, von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und von Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer ab 1. Januar 2009
B. - Land- und forstwirtschaftliches Vermögen
I. - Allgemeines
§ 163 Ermittlung der Wirtschaftswerte

(1) Bei der Ermittlung der jeweiligen Wirtschaftswerte ist von der
nachhaltigen Ertragsfähigkeit land- und forstwirtschaftlicher Betriebe
auszugehen. Ertragsfähigkeit ist der bei ordnungsmäßiger
Bewirtschaftung gemeinhin und nachhaltig erzielbare Reingewinn. Dabei
sind alle Umstände zu berücksichtigen, die bei einer
Selbstbewirtschaftung den Wirtschaftserfolg beeinflussen.

(2) Der Reingewinn umfasst das ordentliche Ergebnis abzüglich eines
angemessenen Lohnansatzes für die Arbeitsleistung des Betriebsinhabers
und der nicht entlohnten Arbeitskräfte. Die im unmittelbaren
wirtschaftlichen Zusammenhang mit einem Betrieb der Land- und
Forstwirtschaft stehenden Verbindlichkeiten sind durch den Ansatz der
Zinsaufwendungen abgegolten. Zur Berücksichtigung der nachhaltigen
Ertragsfähigkeit ist der Durchschnitt der letzten fünf abgelaufenen
Wirtschaftsjahre vor dem Bewertungsstichtag zu Grunde zu legen.

(3) Der Reingewinn für die landwirtschaftliche Nutzung bestimmt sich
nach der Region, der maßgeblichen Nutzungsart (Betriebsform) und der
Betriebsgröße nach der Europäischen Größeneinheit (EGE). Zur
Ermittlung der maßgeblichen Betriebsform ist das
Klassifizierungssystem nach der Entscheidung 85/377/EWG der Kommission
vom 7. Juni 1985 zur Errichtung eines gemeinschaftlichen
Klassifizierungssystems der landwirtschaftlichen Betriebe (ABl. EG Nr.
L 220 S. 1), zuletzt geändert durch Entscheidung der Kommission vom
16\. Mai 2003 (ABl. EU Nr. L 127 S. 48), in der jeweils geltenden
Fassung heranzuziehen. Hierzu sind die Standarddeckungsbeiträge der
selbst bewirtschafteten Flächen und der Tiereinheiten der
landwirtschaftlichen Nutzung zu ermitteln und daraus die Betriebsform
zu bestimmen. Die Summe der Standarddeckungsbeiträge ist durch 1 200
Euro zu dividieren, so dass sich die Betriebsgröße in EGE ergibt, die
einer der folgenden Betriebsgrößenklassen zuzuordnen ist:

1.  Kleinbetriebe von 0 bis unter 40 EGE,

2.  Mittelbetriebe von 40 bis 100 EGE,

3.  Großbetriebe über 100 EGE.

Das Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht die maßgeblichen
Standarddeckungsbeiträge im Bundessteuerblatt. Der entsprechende
Reingewinn ergibt sich aus der Spalte 4 der Anlage 14 in Euro pro
Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (EUR/ha LF).

(4) Der Reingewinn für die forstwirtschaftliche Nutzung bestimmt sich
nach den Flächen der jeweiligen Nutzungsart (Baumartengruppe) und den
Ertragsklassen. Die jeweilige Nutzungsart umfasst:

1.  Die Baumartengruppe Buche, zu der auch sonstiges Laubholz
    einschließlich der Roteiche gehört,

2.  die Baumartengruppe Eiche, zu der auch alle übrigen Eichenarten
    gehören,

3.  die Baumartengruppe Fichte, zu der auch alle übrigen Nadelholzarten
    mit Ausnahme der Kiefer und der Lärche gehören,

4.  die Baumartengruppe Kiefer und Lärchen mit Ausnahme der
    Weymouthskiefer,

5.  die übrige Fläche der forstwirtschaftlichen Nutzung.

Die Ertragsklassen bestimmen sich für

1.  die Baumartengruppe Buche nach der von Schober für mäßige
    Durchforstung veröffentlichten Ertragstafel,

2.  die Baumartengruppe Eiche nach der von Jüttner für mäßige
    Durchforstung veröffentlichten Ertragstafel,

3.  die Baumartengruppe Fichte nach der von Wiedemann für mäßige
    Durchforstung veröffentlichten Ertragstafel,

4.  die Baumartengruppe Kiefer nach der von Wiedemann für mäßige
    Durchforstung veröffentlichten Ertragstafel.

Der nach den Sätzen 2 und 3 maßgebliche Reingewinn ergibt sich aus der
Spalte 4 der Anlage 15 in Euro pro Hektar (EUR/ha).

(5) Der Reingewinn für die weinbauliche Nutzung bestimmt sich nach den
Flächen der jeweiligen Nutzungsart (Verwertungsform). Er ergibt sich
aus der Spalte 3 der Anlage 16.

(6) Der Reingewinn für die gärtnerische Nutzung bestimmt sich nach dem
maßgeblichen Nutzungsteil, der Nutzungsart und den Flächen. Er ergibt
sich aus der Spalte 4 der Anlage 17.

(7) Der Reingewinn für die Sondernutzungen Hopfen, Spargel, Tabak
ergibt sich aus der Spalte 3 der Anlage 18.

(8) Der Reingewinn für die sonstigen land- und forstwirtschaftlichen
Nutzungen, für Nebenbetriebe sowie für Abbauland ist im
Einzelertragswertverfahren zu ermitteln, soweit für die jeweilige
Region nicht auf einen durch statistische Erhebungen ermittelten
pauschalierten Reingewinn zurückgegriffen werden kann. Der
Einzelertragswert ermittelt sich aus dem betriebsindividuellen
Ergebnis und dem Kapitalisierungszinssatz nach Absatz 11.

(9) Der Reingewinn für das Geringstland wird pauschal mit 5,40 Euro
pro Hektar festgelegt.

(10) Der Reingewinn für das Unland beträgt 0 Euro.

(11) Der jeweilige Reingewinn ist zu kapitalisieren. Der
Kapitalisierungszinssatz beträgt 5,5 Prozent und der
Kapitalisierungsfaktor beträgt 18,6.

(12) Der kapitalisierte Reingewinn für die landwirtschaftliche, die
forstwirtschaftliche, die weinbauliche, die gärtnerische Nutzung oder
für deren Nutzungsteile, die Sondernutzungen und das Geringstland ist
mit der jeweiligen Eigentumsfläche des Betriebs zum Bewertungsstichtag
zu vervielfältigen, der dieser Nutzung zuzurechnen ist.

(13) Die Hofflächen und die Flächen der Wirtschaftsgebäude sind dabei
anteilig in die einzelnen Nutzungen einzubeziehen. Wirtschaftswege,
Hecken, Gräben, Grenzraine und dergleichen sind in die Nutzung
einzubeziehen, zu der sie gehören; dies gilt auch für Wasserflächen,
soweit sie nicht Unland sind oder zu den übrigen land- und
forstwirtschaftlichen Nutzungen gehören.

(14) Das Bundesministerium der Finanzen wird ermächtigt, durch
Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Anlagen 14 bis 18
zu diesem Gesetz dadurch zu ändern, dass es die darin aufgeführten
Reingewinne turnusmäßig an die Ergebnisse der Erhebungen nach § 2 des
Landwirtschaftsgesetzes anpasst.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__163.html
Directory: bewg
Level: 6.0