Title: Maschinenanlagen

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Maschinenanlagen

Paragraph: 9

Content:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Maschinenanlagen

**15.** Haupt- und Hilfsmaschinen ****

    Die folgenden Bestimmungen beziehen sich auf Verbrennungskraftanlagen.

**15.1** **Kühlwassersystem**

    Wassergekühlte Hauptantriebsmotoren sollen, wenn bauartbedingt
    zulässig, mit zwei Kühlwasserpumpen versehen sein, die zweite Pumpe
    kann auch eine kraftbetriebene Reservepumpe sein, die über eine
    Schlauchverbindung angeschlossen wird. Bei Kielrohrkühlung sind im
    Frischwasserkühlsystem Absperrschieber an der Innenseite der Bordwand
    vorzusehen.

**15.2** **Schmierölsystem**

    Hauptantriebsmotoren sollen mit umschaltbaren Schmieröl-Doppelfiltern
    ausgerüstet sein. Bei Motoren, deren Schmierölversorgung aus der
    Motorölwanne erfolgt, können auch Einfachfilter vorgesehen werden. Sie
    müssen dann mit einem dem Filter nachgeschalteten Druckalarm
    ausgerüstet sein. Für Hilfsmotoren genügen Einfachfilter mit
    nachgeschaltetem Druckalarm.

**15.3** **Brennstoffsystem**

15.3.1 Freistehende Brennstoffstanks müssen aus Stahlblech bestehen, sicher
    befestigt und in Leckölwannen aufgestellt sein, die durch
    Rohrleitungen mit Lecköltanks verbunden sein müssen.

15.3.2 Zur Brennstoffübernahme müssen fest verlegte Füllrohre vorhanden sein,
    die vom freien Deck von oben durch die Tankdecke bis zum Boden des
    Brennstofftanks führen. Für Brennstofftanks, die drucklos befüllt
    werden, kann auf Füllrohre bis zum Boden des Brennstofftanks
    verzichtet werden.

15.3.3 Austrittsleitungen müssen unmittelbar an den Brennstofftanks mit
    Schnellschlussventilen versehen sein, die von einer außerhalb des
    jeweiligen Raumes liegenden sicheren Stelle geschlossen werden können.
    Diese Stelle ist auffällig zu kennzeichnen. Dies gilt nicht für Tanks,
    die direkt am Motor angebaut sind.

15.3.4 Brennstofftanks müssen mit Luftrohren ausgestattet sein, die auf dem
    freien Deck enden, gegen Eindringen von Wasser oder Schmutz geschützt
    sind und insgesamt einen freien Mindestquerschnitt vom 1,25-fachen des
    freien Füllrohr-Querschnitts haben. Bei kleinen Tanks bis 50 l Inhalt
    reicht eine Luftausgleichsöffnung, die gegen Eindringen von Wasser
    oder Schmutz geschützt ist. Bei ausschließlich drucklos zu befüllenden
    Tanks reicht eine Luftausgleichsöffnung. Der Luftausgleich muss auch
    bei Krängung möglich sein.

15.3.5 Vorrichtungen zum Entwässern und vollständigen Entleeren von
    Brennstofftanks müssen mit selbstschließenden Absperrvorrichtungen
    versehen sein.

15.3.6 Brennstofftanks müssen mit einer geeigneten Peileinrichtung versehen
    sein. Peilgläser müssen gegen Beschädigungen geschützt sowie am
    unteren und oberen Ende mittels Selbstschlusseinrichtungen absperrbar
    sein. Das Material der Peilgläser muss bei normalen
    Umgebungstemperaturen formfest bleiben.

15.3.7 Brennstoffleitungen müssen aus Stahlrohren bestehen. Schlauchleitungen
    dürfen nur in begrenztem Umfang verwendet werden (bis 500 mm Länge)
    und müssen flammenbeständig und baumustergeprüft sein.

15.3.8 Brennstoffvorfilter sind als umschaltbare Doppelfilter mit
    Wasserabscheider auszuführen. Sind bauartbedingt Einfachfilter
    nachgeschaltet, muss deren Filterfeinheit gröber sein als die der
    umschaltbaren Vorfilter. Für nicht betriebsgewichtige Hilfsmaschinen
    genügen Einfachfilter. Filter dürfen nicht über Schwungrädern oder in
    der Nähe von Abgasleitungen angebracht sein.

**15.4** **Anlasssystem und Startvorrichtung**

15.4.1 Sind an Bord Hauptantriebs- und Hilfsdieselmotoren vorhanden und
    werden diese elektrisch gestartet, so muss die Kapazität der
    Starterbatterie ausreichend sein, um bei 20 °C mindestens sechs
    aufeinanderfolgende Starts des Hauptantriebsmotors zu gewährleisten.
    Traditionsschiffe müssen mindestens über eine Starterbatterie und eine
    Verbraucherbatterie verfügen. Die Schaltung soll möglichst so
    erfolgen, dass auch die Verbraucherbatterie zum Starten des Motors
    benutzt werden kann, umgekehrt jedoch die Starterbatterie nicht an den
    Verbraucherstromkreislauf angeschlossen werden kann.

15.4.2 Erfolgt der Anlassvorgang mit Druckluft, so sind zwei
    Anlassluftbehälter und zwei Anlassluftkompressoren vorzusehen. Davon
    kann einer ein handbedienbarer Kompressor sein.

**15.5** **Abgasleitungen**

    Bei einer nassen Abgasleitung muss sichergestellt sein, dass kein
    Seewasser in die Antriebsmotoren gelangen kann.

**15.6** **Seilzüge/Bowdenzüge**

    Seilzüge zur Betätigung von Hauptmotor, Wendegetriebe und
    Verstellpropeller sind so auszuführen, dass die Umlenkungen über
    Rollen von 80 mm Durchmesser erfolgen und die Seilaugen mit drei
    Seilklemmen zu sichern sind. Bowdenzüge sind als Gleit- und Kugelzüge
    auszuführen.

**15.7** **Überwachungseinrichtungen**

    Am Steuerstand müssen mindestens für Schmieröl und Kühlwasser
    Kontrollanzeigen sowie dazugehörige optische und akustische Alarme
    installiert sein oder wahrgenommen werden können. Auch der optische
    und akustische Signalgeber des Bilgenalarms muss am Steuerstand oder
    im Ruderhaus installiert sein oder wahrgenommen werden können.

**16.** Maschinenbauliche Einrichtungen ****

**16.1** **Lenzsystem und Bilgenalarme**

16.1.1 Traditionsschiffe müssen mit zwei Lenzpumpen ausgerüstet sein. Eine
    Lenzpumpe muss kraftbetrieben und kann an den Hauptantriebsmotor
    angehängt sein. Die zweite Lenzpumpe muss von der Hauptantriebsanlage
    unabhängig und kann eine Handlenzpumpe sein.

16.1.2 Auf Traditionsschiffen unter 15 m Länge ist eine Handlenzpumpe mit
    einem Fördervolumen von mindestens 5 m
    3                   /h ausreichend.

16.1.3 Die kraftbetriebenen Lenzpumpen und die Handlenzpumpen müssen aus
    allen Abteilungen des Traditionsschiffes – mit Ausnahme der Vorpiek –
    lenzen können.

16.1.4 Transportable motorbetriebene Lenzpumpen können die festeingebauten
    kraftbetriebenen Lenzpumpen und Handlenzpumpen nicht ersetzen.

16.1.5 Kraftbetriebene Lenzpumpen müssen folgendes Fördervolumen haben:

    *        *   Länge des Schiffes

        *   Mindest-Fördervolumen einer kraftbetriebenen Lenzpumpe

    *        *   > 15 m

        *   8 m
            3                             /h

    *        *   > 20 m

        *   12 m
            3                             /h

    *        *   > 40 m

        *   15 m
            3                             /h

16.1.6 In kombinierten Lenz-/Seewassersystemen sind nachstehende Armaturen
    (z. B. Rückschlagventile, Unterlaufhähne) einzubauen:

    a)  auf der Druckseite der Pumpe ein Rückschlagventil oder die
        Austrittsleitung im Bogen hochgeführt und der Austritt ausreichend
        hoch über der Wasserlinie endend,

    b)  auf der Saugseite der Pumpe zwei Rückschlagventile oder ein
        Unterlaufhahn und ein Rückschlagventil oder ein L-Hahn (kein T-Hahn)
        und ein Rückschlagventil.

16.1.7 Bei einem vom Seewassersystem getrennten Lenzsystem reicht auf der
    Saugseite ein Rückschlagventil aus; auf der Druckseite der Pumpen sind
    die Armaturen wie bei einem kombinierten Lenz-/Seewassersystem
    auszuführen.

16.1.8 In Lenz- und Seewassersystemen müssen fest verlegte Leitungen nach
    anerkanntem Schiffbaustandard verwendet werden.

16.1.9 Niveau-Bilgenalarme müssen in allen wasserdichten Abteilungen des
    Traditionsschiffes mit Ausnahme der Vorpiek vorhanden sein.

**16.2** **Belüftung von Maschinenräumen**

16.2.1 Maschinenräume müssen ausreichend be- und entlüftet werden können.

16.2.2 Lüfteröffnungen von Maschinenräumen sind mit von außen verschließbaren
    Brandklappen oder Seeschlagblenden zu versehen.

**17.** Wellenanlage, Ruderanlage, Propeller und Seeventile ****

    Wellenanlage, Ruderanlage, Propeller und Seeventile müssen anerkanntem
    Schiffbaustandard entsprechen.

**18.** Überwachungsbedürftige Anlagen ****

18.1 Für überwachungsbedürftige Anlagen gilt Abschnitt 3 sowie § 19 Absatz
    2 und 5 der Betriebssicherheitsverordnung entsprechend.

**18.2** **Dampfkesselanlagen**

    Dampfkesselanlagen, die nicht den Bestimmungen des Teils 8
    unterliegen, müssen grundsätzlich so gebaut und ausgerüstet sein, dass
    die Sicherheit des Schiffsbetriebs gewährleistet ist.

**18.3** **Druckbehälter**

18.3.1 Druckbehälter, die nicht der Richtlinie 2014/29/EU unterliegen, müssen
    so angeordnet und ausgeführt sein, dass sie den zu erwartenden
    mechanischen, thermischen und chemischen Beanspruchungen genügen.

18.3.2 Absperrbare Druckbehälter müssen mit einem absperrbaren Manometer mit
    einem Messbereich bis zum Prüfdruck sowie einer roten Marke für den
    zulässigen Betriebsdruck ausgerüstet sein.

18.3.3 Druckbehälter müssen mit einer nicht absperrbaren
    Sicherheitseinrichtung ausgerüstet sein, die ein Überschreiten des
    zulässigen Betriebsdrucks um mehr als 10 % verhindert.

18.3.4 Druckbehälter müssen so ausgeführt sein, dass sie gefahrlos drucklos
    gemacht und entleert werden können. Kann Kondenswasser entstehen, muss
    der Behälter mit einer Entwässerungsmöglichkeit versehen sein.

**18.4** **Flüssiggasanlagen**

    Flüssiggasanlagen müssen den allgemein anerkannten Regeln der Technik
    entsprechen. Die Übereinstimmung mit diesen Regeln ist durch einen
    anerkannten Sachverständigen (nach Kapitel 1 Regel 11.7) zu
    bescheinigen. In geschlossenen Räumen dürfen Flüssiggasanlagen nur
    betrieben werden, wenn sie mit geeigneten Warneinrichtungen für
    gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Kohlenmonoxid sowie für
    explosionsfähige Gas-Luftgemische ausgestattet sind.

**18.5** **Öfen und Herde**

    Öfen und Herde müssen sicher befestigt und von Bauteilen so weit
    entfernt sein, dass keine Brandgefahr besteht. Fußböden und brennbare
    Bauteile in der Nähe müssen gegen Wärmeeinwirkung geschützt sein.
    Unter ölgefeuerten Öfen und Herden sind öldichte Wannen anzuordnen.
    Rauchrohre müssen mit Steigung auf kürzestem Weg ins Freie führen und
    so verlegt sein, dass der erforderliche Zug vorhanden ist.
    Begrenzungsklappen müssen so gebaut sein, dass mindestens ein Viertel
    des Abzugsquerschnitts frei bleibt. Räume, in denen ölbefeuerte,
    kohlebefeuerte oder gasbetriebene Öfen und Herde aufgestellt sind,
    müssen nicht absperrbare Lüftungsöffnungen haben, die eine
    ausreichende Luftzufuhr gewährleisten.

Abschnitt 4

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
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Level: 2.0