Title: § 6b Aufsichtliche Überprüfung und Beurteilung

Description:
Gesetz über das Kreditwesen (KredWG)
Erster Abschnitt - Allgemeine Vorschriften
2. - Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
§ 6b Aufsichtliche Überprüfung und Beurteilung

Paragraph: 6b

Content:
Gesetz über das Kreditwesen (KredWG)
Erster Abschnitt - Allgemeine Vorschriften
2. - Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
§ 6b Aufsichtliche Überprüfung und Beurteilung

(1) Im Rahmen der Beaufsichtigung beurteilt die Aufsichtsbehörde

1.  die Regelungen, Strategien, Verfahren und Prozesse, die ein Institut
    zur Einhaltung der aufsichtlichen Anforderungen geschaffen hat, und

2.  die Risiken, denen ein Institut ausgesetzt ist oder sein könnte,
    insbesondere auch die Risiken, die unter Berücksichtigung der Art, des
    Umfangs und der Komplexität der Geschäftstätigkeit eines Instituts bei
    Stresstests festgestellt wurden.

Die Bundesanstalt arbeitet hierbei mit der Deutschen Bundesbank nach
Maßgabe des § 7 zusammen.

(2) Die Aufsichtsbehörde bewertet anhand der Überprüfung und
Beurteilung zusammenfassend und zukunftsgerichtet, ob die von einem
Institut geschaffenen Regelungen, Strategien, Verfahren und Prozesse
sowie seine Liquiditäts- und Eigenmittelausstattung ein angemessenes
und wirksames Risikomanagement und eine solide Risikoabdeckung
gewährleisten. Neben Kreditrisiken, Marktrisiken und operationellen
Risiken berücksichtigt sie dabei insbesondere

1.  die Ergebnisse der internen Stresstests eines Instituts, das einen
    IRB-Ansatz verwendet oder das zur Berechnung der in den Artikeln 362
    bis 377 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 in der jeweils geltenden
    Fassung festgelegten Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko ein
    internes Modell verwendet;

2.  die Fähigkeit eines Instituts, auf Grund von gemäß Artikel 105 der
    Verordnung (EU) Nr. 575/2013 in der jeweils geltenden Fassung
    vorgenommenen Bewertungskorrekturen seine Positionen des Handelsbuchs
    unter normalen Marktbedingungen kurzfristig ohne wesentliche Verluste
    zu veräußern oder abzusichern;

3.  das Ausmaß, in dem ein Institut Risikokonzentrationen ausgesetzt ist,
    und deren Steuerung durch das Institut, einschließlich der Erfüllung
    der aufsichtlichen Anforderungen;

4.  die Auswirkung von Diversifikationseffekten und auf welche Art und
    Weise sie in das Risikomesssystem eines Instituts einbezogen werden;

5.  die Robustheit, Eignung und Art der Anwendung der Grundsätze und
    Verfahren, die ein Institut für das Management des Risikos eingeführt
    hat, das trotz des Einsatzes anerkannter
    Kreditrisikominderungstechniken bei dem Institut verbleibt;

6.  die Angemessenheit der Eigenmittel, die ein Institut für Verbriefungen
    hält, für die es als Originator gilt, unter Berücksichtigung der
    wirtschaftlichen Substanz der Transaktion und des Grads an erreichter
    Risikoübertragung; die Aufsichtsbehörde überwacht in diesem
    Zusammenhang, ob ein Institut außervertragliche Unterstützung für eine
    Transaktion leistet;

7.  die Liquiditätsrisiken, denen ein Institut ausgesetzt ist, sowie deren
    Beurteilung und Steuerung einschließlich der Entwicklung von
    Alternativszenarioanalysen und wirksamer Notfallpläne sowie der
    Steuerung risikomindernder Faktoren, insbesondere Höhe,
    Zusammensetzung und Qualität von Liquiditätspuffern;

8.  die Ergebnisse aufsichtlicher Stresstests nach Absatz 3 oder nach
    Artikel 32 der Verordnung (EU) Nr. 1093/2010;

9.  die geografische Verteilung der eingegangenen Risiken eines Instituts;

10. das Geschäftsmodell;

11. das Zinsänderungsrisiko eines Instituts aus Geschäften, die nicht
    unter das Handelsbuch fallen;

12. die Verfahren zur Ermittlung und Sicherstellung der
    Risikotragfähigkeit eines Instituts nach § 25a;

13. das Risiko einer übermäßigen Verschuldung eines Instituts, wie es aus
    den Indikatoren für eine übermäßige Verschuldung hervorgeht, wozu auch
    die gemäß Artikel 429 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 in der jeweils
    geltenden Fassung bestimmte Verschuldungsquote zählt; bei der
    Beurteilung der Angemessenheit der Verschuldungsquote eines Instituts
    und der vom Institut zur Steuerung des Risikos einer übermäßigen
    Verschuldung eingeführten Regelungen, Strategien, Verfahren und
    Mechanismen berücksichtigt die Aufsichtsbehörde das Geschäftsmodell
    des Instituts;

14. die Regelungen zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen
    Geschäftsführung eines Instituts, die Art und Weise ihrer
    Implementierung und praktischen Durchführung sowie die Fähigkeit der
    Mitglieder des Leitungsorgans zur Erfüllung ihrer Pflichten.

(3) Die Aufsichtsbehörde kann ein Institut aufsichtlichen Stresstests
unterziehen oder, soweit die Bundesanstalt Aufsichtsbehörde ist, die
Deutsche Bundesbank hierzu beauftragen. Hierzu kann die
Aufsichtsbehörde und, soweit die Bundesanstalt Aufsichtsbehörde ist,
auch die Deutsche Bundesbank

1.  das Institut auffordern, seine Risiko-, Eigenmittel- und
    Liquiditätspositionen unter Nutzung der institutseigenen
    Risikomanagement-Methoden bei aufsichtlich vorgegebenen Szenarien zu
    berechnen und die Daten sowie die Ergebnisse an die Aufsichtsbehörde,
    die Deutsche Bundesbank und, soweit Aufsichtsbehörde die Europäische
    Zentralbank ist, auch an die Bundesanstalt zu übermitteln und

2.  die Auswirkungen von Schocks auf das Institut auf der Grundlage
    aufsichtlicher Stresstest-Methoden anhand der verfügbaren Daten
    bestimmen.

(4) Die Aufsichtsbehörde bestimmt Häufigkeit und Intensität der
Überprüfungen, Beurteilungen und möglicher aufsichtlicher Stresstests
unter Berücksichtigung der Größe, der Systemrelevanz sowie der Art,
des Umfangs und der Komplexität der Geschäfte eines Instituts. Die
Überprüfungen und Beurteilungen werden mindestens einmal jährlich
aktualisiert. Die Aufsichtsbehörde wendet bei der Überprüfung und
Beurteilung nach Absatz 1 den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nach
Maßgabe der von ihr veröffentlichten Kriterien an. Soweit die
Bundesanstalt Aufsichtsbehörde ist, nimmt sie die Aufgaben nach Satz 1
in Abstimmung mit der Deutschen Bundesbank wahr.

(5) Die Aufsichtsbehörde kann die Methode der Überprüfung und
Beurteilung nach Absatz 1 anpassen, um Instituten mit einem ähnlichen
Risikoprofil Rechnung zu tragen. Die angepasste Methode

1.  kann risikoorientierte Referenzwerte und quantitative Indikatoren
    einschließen,

2.  hat die angemessene Berücksichtigung spezifischer Risiken zu
    ermöglichen, denen ein Institut möglicherweise ausgesetzt ist, und

3.  darf den institutsspezifischen Charakter von Anordnungen, die im
    Zusammenhang mit dem aufsichtlichen Überprüfungs- und
    Beurteilungsverfahren, der laufenden Überprüfung der Erlaubnis zur
    Verwendung interner Ansätze oder zur Abwehr von Verstößen gegen dieses
    Gesetz oder gegen die Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 575/2013
    erlassen wurden, nicht beeinträchtigen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/kredwg/__6b.html
Directory: kredwg
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