Title: § 36 Bereifung und Laufflächen

Description:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)
B. - Fahrzeuge
III. - Bau- und Betriebsvorschriften
2. - Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger
§ 36 Bereifung und Laufflächen

Paragraph: 36

Content:
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO 2012)
B. - Fahrzeuge
III. - Bau- und Betriebsvorschriften
2. - Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger
§ 36 Bereifung und Laufflächen

(1) Maße und Bauart der Reifen von Fahrzeugen müssen den
Betriebsbedingungen, besonders der Belastung und der durch die Bauart
bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, entsprechen. Sind
land- oder forstwirtschaftliche Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuge des
Straßenunterhaltungsdienstes mit Reifen ausgerüstet, die nur eine
niedrigere Höchstgeschwindigkeit zulassen, müssen diese Fahrzeuge
entsprechend § 58 für diese Geschwindigkeit gekennzeichnet sein.
Reifen oder andere Laufflächen dürfen keine Unebenheiten haben, die
eine feste Fahrbahn beschädigen können. Eiserne Reifen müssen
abgerundete Kanten haben und daran verwendete Nägel müssen eingelassen
sein.

(2) Luftreifen, auf die sich die im Anhang zu dieser Vorschrift
genannten Bestimmungen beziehen, müssen diesen Bestimmungen
entsprechen.

(3) Die Räder der Kraftfahrzeuge und Anhänger müssen mit Luftreifen
versehen sein, soweit nicht nachstehend andere Bereifungen zugelassen
sind. Als Luftreifen gelten Reifen, deren Arbeitsvermögen überwiegend
durch den Überdruck des eingeschlossenen Luftinhalts bestimmt wird.
Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern müssen am ganzen Umfang
und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder
Einschnitten versehen sein. Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine
Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen; als Hauptprofil gelten
dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche,
der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt. Jedoch genügt bei
Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern eine
Profiltiefe von mindestens 1 mm.

(4) Reifen für winterliche Wetterverhältnisse sind Luftreifen im Sinne
des Absatzes 2,

1.  durch deren Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Bauart vor
    allem die Fahreigenschaften bei Schnee gegenüber normalen Reifen
    hinsichtlich ihrer Eigenschaft beim Anfahren, bei der Stabilisierung
    der Fahrzeugbewegung und beim Abbremsen des Fahrzeugs verbessert
    werden, und

2.  die mit dem Alpine-Symbol
    ![bgbl1_2017_j1282-1_0010.jpg](bgbl1_2017_j1282-1_0010.jpg)    (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) nach der Regelung Nr. 117 der
    Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) –
    Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Reifen hinsichtlich
    der Rollgeräuschemissionen und der Haftung auf nassen Oberflächen
    und/oder des Rollwiderstandes (ABl. L 218 vom 12.8.2016, S. 1)
    gekennzeichnet sind.

(4a) Abweichend von § 36 Absatz 4 gelten bis zum Ablauf des 30.
September 2024 als Reifen für winterliche Wetterverhältnisse auch
Luftreifen im Sinne des Absatzes 2, die

1.  die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31.
    März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern
    und über ihre Montage (ABl. L 129 vom 14.5.1992, S. 95), die zuletzt
    durch die Richtlinie 2005/11/EG (ABl. L 46 vom 17.2.2005, S. 42)
    geändert worden ist, beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S Reifen)
    und

2.  nicht nach dem 31. Dezember 2017 hergestellt worden sind.

Im Falle des Satzes 1 Nummer 2 maßgeblich ist das am Reifen angegebene
Herstellungsdatum.

(5) Bei Verwendung von Reifen im Sinne des Absatzes 4 oder
Geländereifen für den gewerblichen Einsatz mit der Kennzeichnung
„POR“, deren zulässige Höchstgeschwindigkeit unter der durch die
Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt, ist die
Anforderung des Absatzes 1 Satz 1 hinsichtlich der
Höchstgeschwindigkeit erfüllt, wenn

1.  die für die Reifen zulässige Höchstgeschwindigkeit

    a)  für die Dauer der Verwendung der Reifen an dem Fahrzeug durch ein
        Schild oder einen Aufkleber oder

    b)  durch eine Anzeige im Fahrzeug, zumindest rechtzeitig vor Erreichen
        der für die verwendeten Reifen zulässigen Höchstgeschwindigkeit,

    im Blickfeld des Fahrzeugführers angegeben oder angezeigt wird und

2.  diese Geschwindigkeit im Betrieb nicht überschritten wird.

(6) An Kraftfahrzeugen – ausgenommen Personenkraftwagen – mit einem
zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t und einer durch die Bauart
bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h und an ihren
Anhängern dürfen die Räder einer Achse entweder nur mit Diagonal- oder
nur mit Radialreifen ausgerüstet sein. Personenkraftwagen sowie andere
Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von nicht mehr als
3,5 t und einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von
mehr als 40 km/h und ihre Anhänger dürfen entweder nur mit Diagonal-
oder nur mit Radialreifen ausgerüstet sein; im Zug gilt dies nur für
das jeweilige Einzelfahrzeug. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht für die
nach § 58 für eine Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h
gekennzeichneten Anhänger hinter Kraftfahrzeugen, die mit einer
Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h gefahren werden
(Betriebsvorschrift). Satz 2 gilt nicht für Krafträder – ausgenommen
Leichtkrafträder, Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor.

(7) Reifenhersteller und Reifenerneuerer müssen Luftreifen für
Fahrzeuge mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit
von mehr als 40 km/h mit ihrer Fabrik- oder Handelsmarke sowie mit
Angaben kennzeichnen, aus denen Reifengröße, Reifenbauart,
Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskategorie, Herstellungs- bzw.
Reifenerneuerungsdatum hervorgehen. Die Art und Weise der Angaben
werden im Verkehrsblatt bekannt gegeben.

(8) Statt Luftreifen sind für Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten von
nicht mehr als 25 km/h (für Kraftfahrzeuge ohne gefederte Triebachse
jedoch nur bei Höchstgeschwindigkeiten von nicht mehr als 16 km/h)
Gummireifen zulässig, die folgenden Anforderungen genügen: Auf beiden
Seiten des Reifens muss eine 10 mm breite, hervorstehende und deutlich
erkennbare Rippe die Grenze angeben, bis zu welcher der Reifen
abgefahren werden darf; die Rippe darf nur durch Angaben über den
Hersteller, die Größe und dergleichen sowie durch Aussparungen des
Reifens unterbrochen sein. Der Reifen muss an der Abfahrgrenze noch
ein Arbeitsvermögen von mindestens 60 J haben. Die Flächenpressung des
Reifens darf unter der höchstzulässigen statischen Belastung 0,8 N/qmm
nicht übersteigen. Der Reifen muss zwischen Rippe und Stahlband
beiderseits die Aufschrift tragen: „60 J“. Das Arbeitsvermögen von 60
J ist noch vorhanden, wenn die Eindrückung der Gummibereifung eines
Rades mit Einzel- oder Doppelreifen beim Aufbringen einer Mehrlast von
1 000 kg auf die bereits mit der höchstzulässigen statischen Belastung
beschwerte Bereifung um einen Mindestbetrag zunimmt, der sich nach
folgender Formel errechnet:

*    *        ![bgbl1_2012_j0679-1_0010.jpg](bgbl1_2012_j0679-1_0010.jpg)

   dabei bedeutet f den Mindestbetrag der Zunahme des Eindrucks in
Millimetern und P die höchstzulässige statische Belastung in
Kilogramm. Die höchstzulässige statische Belastung darf 100 N/mm der
Grundflächenbreite des Reifens nicht übersteigen; sie darf jedoch 125
N/mm betragen, wenn die Fahrzeuge eine Höchstgeschwindigkeit von 8
km/h nicht überschreiten und entsprechende Geschwindigkeitsschilder (§
58) angebracht sind. Die Flächenpressung ist unter der
höchstzulässigen statischen Belastung ohne Berücksichtigung der
Aussparung auf der Lauffläche zu ermitteln. Die Vorschriften über das
Arbeitsvermögen gelten nicht für Gummireifen an Elektrokarren mit
gefederter Triebachse und einer durch die Bauart bestimmten
Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 20 km/h sowie deren Anhänger.

(9) Eiserne Reifen mit einem Auflagedruck von nicht mehr als 125 N/mm
Reifenbreite sind zulässig

1.  für Zugmaschinen in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben, deren
    zulässiges Gesamtgewicht 4 t und deren durch die Bauart bestimmte
    Höchstgeschwindigkeit 8 km/h nicht übersteigt,

2.  für Arbeitsmaschinen und Stapler (§ 3 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1
    Buchstabe a der Fahrzeug-Zulassungsverordnung), deren durch die Bauart
    bestimmte Höchstgeschwindigkeit 8 km/h nicht übersteigt, und für
    Fahrzeuge, die von ihnen mitgeführt werden,

3.  hinter Zugmaschinen mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 8
    km/h (Betriebsvorschrift)

    a)  für Möbelwagen,

    b)  für Wohn- und Schaustellerwagen, wenn sie nur zwischen dem Festplatz
        oder Abstellplatz und dem nächstgelegenen Bahnhof oder zwischen dem
        Festplatz und einem in der Nähe gelegenen Abstellplatz befördert
        werden,

    c)  für Unterkunftswagen der Bauarbeiter, wenn sie von oder nach einer
        Baustelle befördert werden und nicht gleichzeitig zu einem erheblichen
        Teil der Beförderung von Gütern dienen,

    d)  für die beim Wegebau und bei der Wegeunterhaltung verwendeten
        fahrbaren Geräte und Maschinen bei der Beförderung von oder nach einer
        Baustelle,

    e)  für land- oder forstwirtschaftliche Arbeitsgeräte und für Fahrzeuge
        zur Beförderung von land- oder forstwirtschaftlichen Bedarfsgütern,
        Arbeitsgeräten oder Erzeugnissen.

(10) Bei Gleiskettenfahrzeugen (§ 34b Absatz 1 Satz 1) darf die Kette
oder das Band (Gleiskette) keine schädlichen Kratzbewegungen gegen die
Fahrbahn ausführen. Die Kanten der Bodenplatten und ihrer Rippen
müssen rund sein. Die Rundungen metallischer Bodenplatten und Rippen
müssen an den Längsseiten der Gleisketten einen Halbmesser von
mindestens 60 mm haben. Der Druck der durch gefederte Laufrollen
belasteten Auflagefläche von Gleisketten auf die ebene Fahrbahn darf
1,5 N/qmm, bei Fahrzeugen mit ungefederten Laufrollen und Gleisketten,
die außen vollständig aus Gummiband bestehen, 0,8 N/qmm nicht
übersteigen. Als Auflagefläche gilt nur derjenige Teil einer
Gleiskette, der tatsächlich auf einer ebenen Fahrbahn aufliegt. Im
Hinblick auf die Beschaffenheit der Laufflächen und der Federung wird
für Gleiskettenfahrzeuge und Züge, in denen Gleiskettenfahrzeuge
mitgeführt werden,

1.  allgemein die Geschwindigkeit auf 8 km/h,

2.  wenn die Laufrollen der Gleisketten mit 40 mm hohen Gummireifen
    versehen sind oder die Auflageflächen der Gleisketten ein Gummipolster
    haben, die Geschwindigkeit auf 16 km/h,

3.  wenn die Laufrollen ungefedert sind und die Gleisketten außen
    vollständig aus Gummiband bestehen, die Geschwindigkeit auf 30 km/h

beschränkt; sind die Laufflächen von Gleisketten gummigepolstert oder
bestehen die Gleisketten außen vollständig aus Gummiband und sind die
Laufrollen mit 40 mm hohen Gummireifen versehen oder besonders
abgefedert, so ist die Geschwindigkeit nicht beschränkt.

(11) Absatz 5 gilt entsprechend für solche Luftreifen, die die in
Nummer 2.29 der Regelung Nummer 75 der Wirtschaftskommission der
Vereinten Nationen für Europa (UNECE) – Einheitliche Bedingungen für
die Genehmigung der Luftreifen für Krafträder und Mopeds (ABl. L 84
vom 30.3.2011, S. 46) beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S
Reifen), sofern diese Luftreifen an Fahrzeugen der Klasse L verwendet
werden.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html
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