Title: § 80 Matching-Anpassung an die maßgebliche risikofreie Zinskurve

Description:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 2 - Finanzielle Ausstattung
Abschnitt 1 - Solvabilitätsübersicht
§ 80 Matching-Anpassung an die maßgebliche risikofreie Zinskurve

Paragraph: 80

Content:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 2 - Finanzielle Ausstattung
Abschnitt 1 - Solvabilitätsübersicht
§ 80 Matching-Anpassung an die maßgebliche risikofreie Zinskurve

(1) Mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde können
Versicherungsunternehmen eine Matching-Anpassung an die maßgebliche
risikofreie Zinskurve vornehmen, um den besten Schätzwert des
Portfolios der Lebensversicherungs- oder
Rückversicherungsverpflichtungen zu berechnen, einschließlich der
Rentenversicherungen, die aus Nichtlebensversicherungs- oder
Rückversicherungsverträgen stammen. Die Genehmigung wird erteilt, wenn
folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1.  das Versicherungsunternehmen hat ein Portfolio aus Vermögenswerten,
    bestehend aus Anleihen und sonstigen Vermögenswerten mit ähnlichen
    Zahlungsstrom-Eigenschaften, festgelegt, um den besten Schätzwert des
    Portfolios der Versicherungs- oder Rückversicherungsverpflichtungen zu
    bedecken und behält diese Festlegung während des Bestehens der
    Verpflichtungen bei, es sei denn, eine Abweichung erfolgt zu dem
    Zweck, die Replikation der erwarteten Zahlungsströme zwischen
    Vermögenswerten und Verbindlichkeiten aufrechtzuerhalten, wenn sich
    die Zahlungsströme wesentlich verändert haben;

2.  das Portfolio der Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen, bei denen die Matching-Anpassung
    vorgenommen werden soll, und das zugeordnete Vermögensportfolio werden
    getrennt von den anderen Aktivitäten des Unternehmens identifiziert,
    organisiert und verwaltet und das zugeordnete Vermögensportfolio kann
    nicht verwendet werden, um Verluste aus anderen Aktivitäten des
    Unternehmens abzudecken;

3.  die erwarteten Zahlungsströme des zugeordneten Vermögensportfolios
    replizieren sämtliche künftigen Zahlungsströme des Portfolios der
    Versicherungs- oder Rückversicherungsverpflichtungen in derselben
    Währung und Inkongruenzen ziehen keine Risiken nach sich, die im
    Vergleich zu den inhärenten Risiken des Versicherungs- oder
    Rückversicherungsgeschäfts, bei dem eine Matching-Anpassung
    vorgenommen wird, wesentlich sind;

4.  die dem Portfolio der Verpflichtungen zugrunde liegenden
    Versicherungs- und Rückversicherungsverträge führen nicht zu künftigen
    Prämienzahlungen;

5.  die einzigen versicherungstechnischen Risiken im Zusammenhang mit dem
    Portfolio der Versicherungs- oder Rückversicherungsverpflichtungen
    sind das Langlebigkeitsrisiko, das Kostenrisiko, das Revisionsrisiko
    und das Sterblichkeitsrisiko;

6.  das Sterblichkeitsrisiko gehört zu den versicherungstechnischen
    Risiken im Zusammenhang mit dem Portfolio der Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen und es erhöht sich der beste
    Schätzwert des Portfolios der Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen nicht um mehr als 5 Prozent unter
    einem Sterblichkeitsrisikostress, der gemäß § 97 kalibriert wird;

7.  die dem Portfolio der Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen zugrunde liegenden Verträge enthalten
    keine Optionen für den Versicherungsnehmer oder nur eine
    Rückkaufoption, bei der der Rückkaufwert den Wert der gemäß § 74
    bewerteten Vermögenswerte, die im Zeitpunkt der Ausübung der
    Rückkaufoption die Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen abdecken, nicht übersteigt;

8.  die Vermögenswerte des zugeordneten Vermögensportfolios generieren
    fixe Zahlungsströme, die von den Emittenten der Vermögenswerte oder
    Dritten nicht verändert werden können, und

9.  die Versicherungs- oder Rückversicherungsverpflichtungen eines
    Versicherungs- oder Rückversicherungsvertrags werden bei der
    Zusammenstellung des Portfolios der Versicherungs- oder
    Rückversicherungsverpflichtungen für die Zwecke dieses Absatzes nicht
    in verschiedene Teile geteilt.

Unbeschadet des Satzes 2 Nummer 8 können Versicherungsunternehmen
Vermögenswerte verwenden, deren Zahlungsströme abgesehen von der
Inflationsabhängigkeit fix sind, wenn diese Vermögenswerte die in den
Zahlungsströmen des Portfolios der inflationsabhängigen Versicherungs-
oder Rückversicherungsverpflichtungen enthaltene Inflation
replizieren. Haben Emittenten oder Dritte das Recht, Zahlungsströme
von Vermögenswerten so zu ändern, dass der Anleger hinreichenden
Ausgleich erhält, um den gleichen Zahlungsstrom durch Reinvestitionen
in Vermögenswerte gleicher oder besserer Kreditqualität zu erhalten,
schließt das Recht, Zahlungsströme zu ändern, den Vermögenswert nicht
von der Zulässigkeit für das zugeordnete Portfolio gemäß Satz 2 Nummer
8 aus.

(2) Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen, die die
Matching-Anpassung an einem Portfolio von Versicherungs- oder
Rückversicherungsverpflichtungen vornehmen, dürfen nicht zu einem
Ansatz zurückkehren, der keine Matching-Anpassung umfasst. Ist ein
Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen, das die Matching-
Anpassung vornimmt, nicht mehr in der Lage, die in Absatz 1 genannten
Voraussetzungen zu erfüllen, hat es die Aufsichtsbehörde unverzüglich
davon in Kenntnis zu setzen und die erforderlichen Maßnahmen zu
ergreifen, damit diese Voraussetzungen wieder erfüllt werden. Gelingt
es dem Unternehmen nicht, innerhalb von zwei Monaten ab dem Zeitpunkt
der Nichteinhaltung die in Absatz 1 genannten Voraussetzungen wieder
zu erfüllen, darf es bei seinen Versicherungs- oder
Rückversicherungsverpflichtungen keine Matching-Anpassung mehr
vornehmen und die Matching-Anpassung erst nach weiteren 24 Monaten
wieder aufnehmen.

(3) Die Matching-Anpassung darf nicht auf Versicherungs- oder
Rückversicherungsverpflichtungen angewandt werden, bei denen die
maßgebliche risikofreie Zinskurve für die Berechnung des besten
Schätzwerts dieser Verpflichtungen eine Volatilitätsanpassung nach §
82 oder eine Übergangsmaßnahme zu den risikofreien Zinssätzen gemäß §
351 enthält.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__80.html
Directory: vag_2016
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