Title: § 3 Grundsätze für die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln

Description:
Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (DüV 2017)
§ 3 Grundsätze für die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln

Paragraph: 3

Content:
Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (DüV 2017)
§ 3 Grundsätze für die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln

(1) Die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen,
Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln ist unter Berücksichtigung
der Standortbedingungen auf ein Gleichgewicht zwischen dem
voraussichtlichen Nährstoffbedarf der Pflanzen einerseits und der
Nährstoffversorgung aus dem Boden und aus der Düngung andererseits
auszurichten. Aufbringungszeitpunkt und -menge sind bei den in Satz 1
genannten Stoffen so zu wählen, dass verfügbare oder verfügbar
werdende Nährstoffe den Pflanzen zeitgerecht in einer dem
Nährstoffbedarf der Pflanzen entsprechenden Menge zur Verfügung stehen
und Einträge in oberirdische Gewässer und das Grundwasser vermieden
werden. Hierbei sollen auch die Ergebnisse regionaler Feldversuche zur
Validierung herangezogen werden. Erfordernisse für die Erhaltung der
standortbezogenen Bodenfruchtbarkeit sind zusätzlich zu
berücksichtigen.

(2) Vor dem Aufbringen von wesentlichen Nährstoffmengen an Stickstoff
oder Phosphat mit Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten
und Pflanzenhilfsmitteln hat der Betriebsinhaber den Düngebedarf der
Kultur für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit nach den
Vorgaben des § 4 zu ermitteln. Satz 1 gilt nicht für die in § 10
Absatz 3 genannten Flächen und Betriebe sowie im Falle von Phosphat
für Schläge, die kleiner als ein Hektar sind. Abweichend von Satz 1
können beim Anbau von Gemüse- und Erdbeerkulturen mehrere Schläge und
Bewirtschaftungseinheiten, die jeweils kleiner als 0,5 Hektar sind,
für die Zwecke der Düngebedarfsermittlung im Falle von Stickstoff
zusammengefasst werden, höchstens jedoch zu einer Fläche von zwei
Hektar. Abweichend von Satz 1 sind ferner bei satzweisem Anbau von
Gemüsekulturen bis zu drei Düngebedarfsermittlungen im Abstand von
höchstens jeweils sechs Wochen durchzuführen, bei satzweisem Anbau auf
zusammengefassten Flächen mindestens für eine der satzweise angebauten
Gemüsekulturen.

(3) Der nach Absatz 2 Satz 1 ermittelte Düngebedarf darf im Rahmen der
geplanten Düngungsmaßnahme nicht überschritten werden. Teilgaben sind
zulässig. Abweichend von Satz 1 sind Überschreitungen des nach Satz 1
ermittelten Düngebedarfs um höchstens 10 Prozent beim Aufbringen von
Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und
Pflanzenhilfsmitteln zulässig, soweit auf Grund nachträglich
eintretender Umstände, insbesondere Bestandsentwicklung oder
Witterungsereignisse, ein höherer Düngebedarf besteht. Im Falle des
Satzes 3 hat der Betriebsinhaber vor dem Aufbringen der dort genannten
Stoffe

1.  den Düngebedarf der Kultur für jeden Schlag oder jede
    Bewirtschaftungseinheit unter Beachtung der Vorgaben des § 4 und

2.  nach Maßgabe der nach Landesrecht zuständigen Stelle erneut zu
    ermitteln.

Im Falle des Satzes 4 gilt Absatz 2 Satz 2 bis 4 entsprechend.

(4) Das Aufbringen von Düngemitteln sowie Bodenhilfsstoffen,
Kultursubstraten oder Pflanzenhilfsmitteln darf nur erfolgen, wenn vor
dem Aufbringen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem
Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat

1.  auf Grund vorgeschriebener Kennzeichnung dem Betriebsinhaber bekannt
    sind,

2.  auf der Grundlage von Daten der nach Landesrecht zuständigen Stelle
    vom Betriebsinhaber ermittelt oder

3.  auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden vom
    Betriebsinhaber oder in dessen Auftrag festgestellt worden sind.

Bei der Ermittlung der Gehalte nach Satz 1 Nummer 2 sind für
Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft und Düngemittel, bei denen es
sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt,
mindestens die Werte nach Anlage 1 und Anlage 2 Zeile 5 bis 9 Spalte 2
und 3 heranzuziehen.

(5) Für die Ausnutzung des Stickstoffs sind im Jahr des Aufbringens

1.  bei mineralischen Düngemitteln die darin enthaltenen Stickstoffmengen
    in voller Höhe anzusetzen,

2.  bei organischen oder organisch-mineralischen Düngemitteln die Werte
    nach Anlage 3, mindestens jedoch der nach Absatz 4 ermittelte Gehalt
    an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff, anzusetzen.

Für in Anlage 3 nicht genannte Düngemittel sind im Falle des Satzes 1
Nummer 2 die anzusetzenden Werte bei der nach Landesrecht zuständigen
Stelle zu erfragen.

(6) Auf Schlägen, bei denen die Bodenuntersuchung nach § 4 Absatz 4
Satz 1 Nummer 2 ergeben hat, dass der Phosphatgehalt im Durchschnitt
(gewogenes Mittel) 20 Milligramm Phosphat je 100 Gramm Boden nach dem
Calcium-Acetat-Lactat-Extraktionsverfahren (CAL-Methode), 25
Milligramm Phosphat je 100 Gramm Boden nach dem Doppel-Lactat-
Verfahren (DL-Methode) oder 3,6 Milligramm Phosphor je 100 Gramm Boden
nach dem Elektro-Ultrafiltrationsverfahren (EUF-Verfahren)
überschreitet, dürfen phosphathaltige Düngemittel höchstens bis in
Höhe der voraussichtlichen Phosphatabfuhr aufgebracht werden; im
Rahmen einer Fruchtfolge kann die voraussichtliche Phosphatabfuhr für
einen Zeitraum von höchstens drei Jahren zu Grunde gelegt werden. Bei
der Ermittlung der Phosphatabfuhr der angebauten Kulturen sind die
Phosphatgehalte pflanzlicher Erzeugnisse nach Anlage 7 Tabelle 1 bis 3
heranzuziehen. Wenn schädliche Gewässerveränderungen in Folge des
Aufbringens phosphathaltiger Düngemittel nach Satz 1 festgestellt
werden, hat die nach Landesrecht zuständige Stelle im Einzelfall
gegenüber dem Betriebsinhaber anzuordnen, dass abweichend von Satz 1
nur geringere Phosphatmengen aufgebracht werden dürfen, oder das
Aufbringen phosphathaltiger Düngemittel zu untersagen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/d_v_2017/__3.html
Directory: duev_2017
Level: 2.0