Title: § 2 Art, Inhalt und Umfang der Aufzeichnungen

Description:
Verordnung zu Art, Inhalt und Umfang von Aufzeichnungen im Sinne des § 90 Absatz 3 der Abgabenordnung (GAufzV 2017)
§ 2 Art, Inhalt und Umfang der Aufzeichnungen

Paragraph: 2

Content:
Verordnung zu Art, Inhalt und Umfang von Aufzeichnungen im Sinne des § 90 Absatz 3 der Abgabenordnung (GAufzV 2017)
§ 2 Art, Inhalt und Umfang der Aufzeichnungen

(1) Aufzeichnungen über Geschäftsbeziehungen können in Papierform oder
elektronisch erstellt werden. Sie sind ordnungsmäßig zu führen und
aufzubewahren. Sie müssen das ernsthafte Bemühen des Steuerpflichtigen
belegen, seine Geschäftsbeziehungen unter Beachtung des
Fremdvergleichsgrundsatzes zu gestalten. Die Aufzeichnungen müssen es
daher einem sachverständigen Dritten ermöglichen, innerhalb einer
angemessenen Frist festzustellen, welche Sachverhalte der
Steuerpflichtige im Zusammenhang mit seinen Geschäftsbeziehungen
verwirklicht hat und ob und inwieweit er dabei den
Fremdvergleichsgrundsatz beachtet hat.

(2) Art, Inhalt und Umfang der zu erstellenden Aufzeichnungen
bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach
der vom Steuerpflichtigen angewandten Verrechnungspreismethode. Der
Steuerpflichtige ist nicht verpflichtet, Aufzeichnungen für mehr als
eine geeignete Verrechnungspreismethode zu erstellen.

(3) Aufzeichnungen sind grundsätzlich geschäftsvorfallbezogen zu
erstellen. Geschäftsvorfälle, die gemessen an Funktionen und Risiken
wirtschaftlich vergleichbar sind, können für die Erstellung von
Aufzeichnungen zu Gruppen zusammengefasst werden, wenn

1.  die Gruppenbildung nach vorher festgelegten und nachvollziehbaren
    Regeln vorgenommen wurde und die Geschäftsvorfälle gleichartig oder
    gleichwertig sind oder

2.  die Zusammenfassung auch bei Geschäftsvorfällen zwischen fremden
    Dritten üblich ist.

Eine Zusammenfassung ist auch zulässig bei ursächlich
zusammenhängenden Geschäftsvorfällen und bei Teilleistungen im Rahmen
eines Gesamtgeschäfts, wenn es für die Prüfung der Angemessenheit
weniger auf den einzelnen Geschäftsvorfall, sondern mehr auf die
Beurteilung des Gesamtgeschäfts ankommt. Werden Aufzeichnungen für
Gruppen von Geschäftsvorfällen erstellt, sind die Regeln für deren
Abwicklung und die Kriterien für die Gruppenbildung darzustellen.
Bestehen für eine Gruppe verbundener Unternehmen dem
Fremdvergleichsgrundsatz genügende innerbetriebliche
Verrechnungspreisrichtlinien, die für die einzelnen Unternehmen eine
geeignete Verrechnungspreismethode oder mehrere geeignete
Verrechnungspreismethoden vorgeben, können diese
Verrechnungspreisrichtlinien als Bestandteil der Aufzeichnungen
verwendet werden. Soweit solche Verrechnungspreisrichtlinien die
Preisermittlung regeln und tatsächlich befolgt werden, kann auf
geschäftsvorfallbezogene Einzelaufzeichnungen im Sinne des Satzes 1
verzichtet werden.

(4) Ergibt sich bei Dauersachverhalten eine Änderung der Umstände, die
für die Angemessenheit vereinbarter Preise von wesentlicher Bedeutung
ist, hat der Steuerpflichtige auch nach dem Geschäftsabschluss
Informationen zu sammeln und aufzuzeichnen, die einer Finanzbehörde
die Prüfung ermöglichen, ob und ab welchem Zeitpunkt fremde Dritte
eine Anpassung der Geschäftsbedingungen für spätere Geschäftsvorfälle
vereinbart hätten. Dies gilt insbesondere, wenn in einem
Geschäftsbereich steuerliche Verluste erkennbar werden, die ein
fremder Dritter nicht hingenommen hätte, oder wenn Preisanpassungen zu
Lasten des Steuerpflichtigen vorgenommen werden.

(5) Aufzeichnungen sind grundsätzlich in deutscher Sprache zu
erstellen. Die Finanzbehörde kann auf Antrag des Steuerpflichtigen
Ausnahmen hiervon zulassen. Der Antrag kann vor der Anfertigung der
Aufzeichnungen gestellt werden, er ist aber spätestens unverzüglich
nach Anforderung der Aufzeichnungen durch die Finanzbehörde zu
stellen. Erforderliche Übersetzungen von Verträgen und ähnlichen
Dokumenten im Sinne der §§ 4 und 5 gehören zu den Aufzeichnungen. § 87
Absatz 2 der Abgabenordnung bleibt unberührt.

(6) Aufzeichnungen sollen im Regelfall nur für die Zwecke der
Durchführung einer Außenprüfung angefordert werden. Die Anforderung
soll die Geschäftsbereiche und die Geschäftsbeziehungen des
Steuerpflichtigen bezeichnen, die Gegenstand der Außenprüfung sein
sollen. In der Anforderung sollen auch die Art und der Umfang der
angeforderten Aufzeichnungen inhaltlich hinreichend bestimmt werden.
Die Anforderung kann zusammen mit der Prüfungsanordnung erfolgen und
jederzeit nachgeholt, ergänzt oder geändert werden (§ 90 Absatz 3 Satz
10 der Abgabenordnung).

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/gaufzv_2017/__2.html
Directory: gaufzv_2017
Level: 2.0