Title: § 6 Anforderungen im Prüfungsteil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“

Description:
Verordnung über die Meisterprüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Agrarservicemeister und Agrarservicemeisterin (AgrarservMeistPrV)
§ 6 Anforderungen im Prüfungsteil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“

Paragraph: 6

Content:
Verordnung über die Meisterprüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Agrarservicemeister und Agrarservicemeisterin (AgrarservMeistPrV)
§ 6 Anforderungen im Prüfungsteil „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“

(1) Der Prüfling soll nachweisen, dass er Zusammenhänge der
Berufsbildung und Mitarbeiterführung erkennen, Auszubildende ausbilden
und Mitarbeiter führen kann sowie über entsprechende fachliche,
methodische und didaktische Fähigkeiten verfügt.

(2) Der Nachweis der Qualifikation nach Absatz 1 ist in folgenden
Handlungsfeldern zu führen:

1.  Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen,

2.  Ausbildung vorbereiten und Auszubildende einstellen,

3.  Ausbildung durchführen,

4.  Ausbildung abschließen,

5.  Personalbedarf ermitteln, Mitarbeiter auswählen, einstellen und
    Aufgaben auf diese übertragen sowie

6.  Mitarbeiter anleiten, führen, fördern und motivieren sowie deren
    berufliche Weiterbildung unterstützen.

(3) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 1 umfasst die Kompetenzen:

1.  die Vorteile und den Nutzen betrieblicher Ausbildung darstellen und
    begründen zu können,

2.  Planungen hinsichtlich des betrieblichen Ausbildungsbedarfs auf der
    Grundlage der rechtlichen, tarifvertraglichen und betrieblichen
    Rahmenbedingungen durchzuführen und Entscheidungen zu treffen,

3.  die Strukturen des Berufsbildungssystems und seine Schnittstellen
    darzustellen,

4.  Ausbildungsberufe für den Betrieb auszuwählen und dies zu begründen,

5.  die Eignung des Betriebs für die Ausbildung in dem angestrebten
    Ausbildungsberuf zu prüfen sowie zu prüfen, ob und inwieweit
    Ausbildungsinhalte durch Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte,
    insbesondere durch Ausbildung im Verbund sowie durch überbetriebliche
    und außerbetriebliche Ausbildung, vermittelt werden müssen,

6.  die Möglichkeiten des Einsatzes von auf die Berufsausbildung
    vorbereitenden Maßnahmen einzuschätzen sowie

7.  die Aufgaben der an der Ausbildung Mitwirkenden unter Berücksichtigung
    ihrer Funktionen und Qualifikationen im Betrieb abzustimmen.

(4) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 2 umfasst die Kompetenzen:

1.  auf der Grundlage einer Ausbildungsordnung einen betrieblichen
    Ausbildungsplan zu erstellen, der sich insbesondere an berufstypischen
    Arbeits- und Geschäftsprozessen orientiert,

2.  die Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung der betrieblichen
    Interessenvertretungen in der Berufsbildung zu berücksichtigen,

3.  den Kooperationsbedarf zu ermitteln und sich inhaltlich sowie
    organisatorisch mit den Kooperationspartnern, insbesondere der
    Berufsschule, abzustimmen,

4.  Kriterien und Verfahren zur Auswahl von Auszubildenden, auch unter
    Berücksichtigung ihrer Verschiedenartigkeit, anzuwenden,

5.  den Berufsausbildungsvertrag vorzubereiten und die Eintragung des
    Vertrags bei der zuständigen Stelle zu veranlassen sowie

6.  die Möglichkeiten zu prüfen, ob Teile der Berufsausbildung im Ausland
    durchgeführt werden können.

(5) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 3 umfasst die Kompetenzen:

1.  lernförderliche Bedingungen und eine motivierende Lernkultur zu
    schaffen, Rückmeldungen zu geben und zu empfangen,

2.  die Probezeit zu organisieren, zu gestalten und zu bewerten,

3.  aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und den berufstypischen Arbeits-
    und Geschäftsprozessen betriebliche Lern- und Arbeitsaufgaben zu
    entwickeln und zu gestalten,

4.  Ausbildungsmethoden und -medien zielgruppengerecht auszuwählen und
    situationsspezifisch einzusetzen,

5.  Auszubildende bei Lernschwierigkeiten durch individuelle Gestaltung
    der Ausbildung und Lernberatung zu unterstützen, bei Bedarf
    ausbildungsunterstützende Hilfen einzusetzen und die Möglichkeit zur
    Verlängerung der Ausbildungszeit zu prüfen,

6.  Auszubildenden zusätzliche Ausbildungsangebote, insbesondere in Form
    von Zusatzqualifikationen, zu machen und die Möglichkeit der
    Verkürzung der Ausbildungsdauer und die der vorzeitigen Zulassung zur
    Abschlussprüfung zu prüfen,

7.  die soziale und persönliche Entwicklung von Auszubildenden zu fördern,
    Probleme und Konflikte rechtzeitig zu erkennen sowie auf Lösungen
    hinzuwirken,

8.  Leistungen festzustellen und zu bewerten, Leistungsbeurteilungen
    Dritter und Prüfungsergebnisse auszuwerten, Beurteilungsgespräche zu
    führen, Rückschlüsse für den weiteren Ausbildungsverlauf zu ziehen
    sowie

9.  interkulturelle Kompetenzen zu fördern.

(6) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 4 umfasst die Kompetenzen:

1.  Auszubildende auf die Abschlussprüfung unter Berücksichtigung der
    Prüfungstermine vorzubereiten und die Ausbildung zu einem
    erfolgreichen Abschluss zu führen,

2.  für die Anmeldung der Auszubildenden zu Prüfungen bei der zuständigen
    Stelle zu sorgen und diese auf durchführungsrelevante Besonderheiten
    hinzuweisen,

3.  an der Erstellung eines schriftlichen Zeugnisses auf der Grundlage von
    Leistungsbeurteilungen mitzuwirken sowie

4.  Auszubildende über betriebliche Entwicklungswege und berufliche
    Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren und zu beraten.

(7) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 5 umfasst die Kompetenzen:

1.  rechtliche Grundlagen des Arbeits-, Tarif- und Sozialrechts im Betrieb
    umzusetzen,

2.  Konzepte der Personalplanung anzuwenden,

3.  Mitarbeiter auszuwählen, einzustellen und einzuarbeiten,

4.  Leistungsfähigkeit, Qualifikation und Eignung von Mitarbeitern zu
    beurteilen und Aufgaben auf diese entsprechend der Beurteilung zu
    übertragen,

5.  zur Krankheitsprävention anzuleiten und Maßnahmen organisieren sowie

6.  Beendigung von Arbeitsverhältnissen durchzuführen.

(8) Das Handlungsfeld nach Absatz 2 Nummer 6 umfasst die Kompetenzen:

1.  Mitarbeiter anzuleiten, Leistungen und Verhalten gegebenenfalls unter
    Hinzuziehung von Leistungsbeurteilungen Dritter festzustellen und zu
    bewerten,

2.  Mitarbeiter- und Beurteilungsgespräche zu führen und
    Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen,

3.  Mitarbeiter zu motivieren und zu fördern,

4.  Mitarbeiter zu qualifizieren und bei der Weiterbildung zu
    unterstützen,

5.  soziale Zusammenhänge und Konflikte zu erkennen,

6.  Maßnahmen zur Konfliktbewältigung anzuwenden, Teamarbeit zu
    organisieren und zu unterstützen sowie

7.  Führungsstile zu kennen und das eigene Führungsverhalten kritisch zu
    reflektieren.

(9) Die Prüfung gliedert sich in die Abschnitte Berufsausbildung und
Mitarbeiterführung. Der Abschnitt Berufsausbildung besteht aus einem
praktischen Teil nach Absatz 10 und einem schriftlichen Teil nach
Absatz 11. Der Abschnitt Mitarbeiterführung besteht aus einer
Fallstudie nach Absatz 12.

(10) Der praktische Teil besteht aus der Durchführung einer vom
Prüfling in Abstimmung mit dem Prüfungsausschuss auszuwählenden
Ausbildungssituation und einem Fachgespräch. Die Ausbildungssituation
ist schriftlich zu planen und praktisch durchzuführen. Auswahl und
Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.
Für die schriftliche Planung der Ausbildungssituation steht ein
Zeitraum von sieben Tagen zur Verfügung. Für die praktische
Durchführung der Ausbildungssituation stehen 60 Minuten zur Verfügung.
Das Fachgespräch soll nicht länger als 30 Minuten dauern.

(11) Im schriftlichen Teil soll der Prüfling fallbezogene Aufgaben zu
den in den Absätzen 3 bis 6 aufgeführten Kompetenzen bearbeiten. Die
Prüfungszeit beträgt 150 Minuten.

(12) In der Fallstudie soll der Prüfling eine vom Prüfungsausschuss
vorgegebene Situation der Mitarbeiterführung, die sich auf die in den
Absätzen 7 und 8 aufgeführten Kompetenzen bezieht, analysieren,
Handlungsoptionen entwickeln, schriftlich darlegen und diese in einem
Fachgespräch erläutern. Für die Bearbeitung der Fallstudie stehen 120
Minuten zur Verfügung. Das darauf aufbauende Fachgespräch soll nicht
länger als 20 Minuten dauern.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/agrarservmeistprv/__6.html
Directory: agrarservmeistprv
Level: 2.0