Title: Anlage 1 Anforderungen an den Rebenbestand

Description:
Rebenpflanzgutverordnung (RebPflV 1986)
Abschnitt 4 - Schlußvorschriften
Anlage 1 Anforderungen an den Rebenbestand

Paragraph: 23

Content:
Rebenpflanzgutverordnung (RebPflV 1986)
Abschnitt 4 - Schlußvorschriften
Anlage 1 Anforderungen an den Rebenbestand

(Fundstelle: BGBl. I 2006, 1440 - 1441;
bzgl. der einzelnen Änderungen vgl. Fußnote)

1   Allgemeines

1.1 Der Bestand ist sortenecht und sortenrein und entspricht
    erforderlichenfalls dem Klon.

1.2 Das Vorhandensein von Schadorganismen, die den Wert des Pflanzgutes
    beeinträchtigen, ist auf das geringstmögliche Maß beschränkt.

1.3 Die Gründe für die durch Virusbefall oder andere Einwirkungen
    verursachten Fehlstellen sind von demjenigen, in dessen Betrieb die
    Prüfung stattfindet, in den Aufzeichnungen über die Rebenbestände
    vermerkt worden.

1.4 Die in dieser Anlage vorgesehenen visuellen Kontrollen, Probenahmen
    und Untersuchungen werden jeweils in der am besten geeigneten
    Jahreszeit unter Berücksichtigung von Klima- und Wachstumsbedingungen
    der Reben sowie der Biologie der relevanten RNQPs durchgeführt.

2.  RNQPs

2.1 Die nachfolgend genannten RNQPs sind bei der amtlichen Prüfung nach
    Maßgabe der Nummern 2.2 bis 2.4 entsprechend zu berücksichtigen:

    a)  Insekten:
        Viteus vitifoliae                          Fitch

    b)  Bakterien:
        Xylophilus ampelinus                          Willems
        et al.

    c)  Viren, Viroide, virusähnliche Krankheiten und Phytoplasmen:

        aa) Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.

        bb) Arabis                                mosaic virus

        cc) Grapevine fanleaf virus

        dd) Grapevine leafroll associated virus 1

        ee) Grapevine leafroll associated virus 3

        ff) Grapevine fleck virus (nur bei Unterlagsreben)

2.2 Visuelle Kontrollen bei Vorstufenpflanzgut, Basispflanzgut,
    Zertifiziertem Pflanzgut und Standardpflanzgut

    Die für die Erzeugung der genannten Pflanzgutkategorien bestimmten
    Mutterrebenbestände und Rebschulen werden mindestens jährlich einer
    amtlichen Bestandsbesichtigung aller Pflanzen auf das Vorhandensein
    der in Nummer 2.1 genannten RNQPs unterzogen.

2.3 Beprobung und Untersuchung

2.3.1 Die Ergebnisse der Beprobung und Untersuchung nach den Nummern 2.3.2
    bis 2.3.4 müssen vor einer Anerkennung der betreffenden
    Mutterrebenbestände vorliegen.

2.3.2 Vorstufenpflanzgut

    In den für die Erzeugung von Vorstufenpflanzgut bestimmten
    Mutterrebenbeständen werden alle Reben im Hinblick auf das
    Vorhandensein der in Nummer 2.1 Buchstabe c Doppelbuchstabe bb bis ff
    genannten Viren beprobt und untersucht. Dabei ist ein Verfahren mit
    Indikatorpflanzen oder ein gleichwertiges international anerkanntes
    Testverfahren anzuwenden. Die Beprobung und Untersuchung im Hinblick
    auf das Vorhandensein der in Nummer 2.1 Buchstabe c Doppelbuchstabe bb
    bis ee genannten Viren sind alle fünf Jahre zu wiederholen.

2.3.3 Basispflanzgut

    In den für die Erzeugung von Basispflanzgut bestimmten
    Mutterrebenbeständen werden alle Reben im Hinblick auf das
    Vorhandensein der in Nummer 2.1 Buchstabe c Doppelbuchstabe bb bis ee
    genannten Viren beprobt und untersucht. Die Beprobung und Untersuchung
    beginnen bei sechs Jahre alten Mutterrebenbeständen und sind alle
    sechs Jahre zu wiederholen.

2.3.4 Zertifiziertes Pflanzgut

    In den für die Erzeugung von Zertifiziertem Pflanzgut bestimmten
    Mutterrebenbeständen wird ein repräsentativer Anteil der Reben im
    Hinblick auf das Vorhandensein der in Nummer 2.1 Buchstabe c
    Doppelbuchstabe bb bis ee genannten Viren beprobt und untersucht. Die
    Beprobung und Untersuchung beginnen bei zehn Jahre alten
    Mutterrebenbeständen und sind alle zehn Jahre zu wiederholen.

2.4 Anforderungen an die Rebenbestände hinsichtlich der unter Nummer 2.1
    genannten RNQPs

2.4.1 Bestände zur Erzeugung von Vorstufenpflanzgut, Basispflanzgut und
    Zertifiziertem Pflanzgut

    a)  Candidatus                          Phytoplasma
        solani                          Quaglino
        et al.

        aa) Die Vermehrungsbestände liegen in Gebieten, die bekanntermaßen frei
            sind von
            Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.,                                oder

        bb) während der gesamten abgeschlossenen Vegetationsperiode wurden an
            Reben der Vermehrungsbestände keine Symptome von
            Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.                                gefunden oder

        cc) alle Reben, die Symptome von
            Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.                                aufweisen, wurden bei
            Mutterrebenbeständen für die Erzeugung von Vorstufenpflanzgut und
            Basispflanzgut entfernt, für die Erzeugung von Zertifiziertem
            Pflanzgut zumindest von der Vermehrung ausgeschlossen und bei dem zum
            Inverkehrbringen bestimmten Pflanzgut, das Symptome von
            Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.                                aufweist, wurde die gesamte
            Pflanzgutpartie einer Warmwasserbehandlung oder einer anderen
            geeigneten Behandlung gemäß den EPPO-Protokollen oder anderen
            international anerkannten Protokollen unterzogen, um sicherzustellen,
            dass das Pflanzgut frei ist von
            Candidatus                                Phytoplasma
            solani                                Quaglino
            et al.

    b)  Xylophilus ampelinus                          Willems
        et al.

        aa) Die Vermehrungsbestände liegen in Gebieten, die bekanntermaßen frei
            sind von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.,                                oder

        bb) während der gesamten abgeschlossenen Vegetationsperiode wurden an
            Reben der Vermehrungsbestände keine Symptome von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.                                gefunden oder

        cc) alle Reben der Mutterrebenbestände für die Erzeugung von
            Vorstufenpflanzgut, Basispflanzgut und Zertifiziertem Pflanzgut, die
            Symptome von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.                                aufweisen, wurden entfernt und
            es werden geeignete Hygienemaßnahmen durchgeführt und Reben auf der
            Vermehrungsfläche, die Symptome von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.                                aufweisen, werden nach dem
            Rebschnitt mit einem Bakterizid behandelt, um sicherzustellen, dass
            sie frei von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.                                sind, und bei dem zum
            Inverkehrbringen bestimmten Pflanzgut, das Symptome von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.                                aufweist, wird die gesamte
            Pflanzgutpartie einer Warmwasserbehandlung oder einer anderen
            geeigneten Behandlung gemäß den EPPO-Protokollen oder anderen
            international anerkannten Protokollen unterzogen, um sicherzustellen,
            dass das Pflanzgut frei ist von
            Xylophilus ampelinus                                Willems
            et al.

    c)  Arabis                          mosaic virus, Grapevine fanleaf virus,
        Grapevine leafroll associated virus 1, Grapevine leafroll associated
        virus 3

        aa) An Reben der Mutterrebenbestände für die Erzeugung von
            Vorstufenpflanzgut und Basispflanzgut wurden keine Symptome eines
            Befalls mit den genannten Viren festgestellt und befallene Pflanzen
            wurden entfernt und vernichtet und bei Mutterrebenbeständen für die
            Erzeugung von Zertifiziertem Pflanzgut weisen nicht mehr als 5 v. H.
            der Reben Symptome eines Befalls mit den genannten Viren auf und die
            befallenen Reben wurden von der Vermehrung ausgeschlossen oder

        bb) alle Reben der Mutterrebenbestände für die Erzeugung von
            Vorstufenpflanzgut, sowie das Vorstufenpflanzgut selbst werden in
            insektensicheren Einrichtungen gehalten, um sicherzustellen, dass sie
            frei von Grapevine leafroll associated Virus 1 und Grapevine leafroll
            associated Virus 3 sind.

    d)  Viteus vitifoliae                          Fitch

        aa) Die Vermehrungsbestände liegen in Gebieten, die bekanntermaßen frei
            von
            Viteus vitifoliae                                Fitch sind, oder

        bb) Reben werden auf Unterlagen gepfropft, die widerstandsfähig gegen
            Viteus vitifoliae                                Fitch sind, oder

        cc) alle Reben der Mutterrebenbestände für die Erzeugung von
            Vorstufenpflanzgut sowie das Vorstufenpflanzgut selbst werden in
            insektensicheren Einrichtungen gehalten und während der gesamten
            abgeschlossenen Vegetationsperiode wurde an den Reben kein Befall mit
            Viteus vitifoliae                                Fitch festgestellt
            und wenn zum Inverkehrbringen bestimmtes Pflanzgut Symptome von
            Viteus vitifoliae                                Fitch aufweist, wird
            die gesamte Pflanzgutpartie einer Begasung oder Warmwasserbehandlung
            oder einer anderen geeigneten Behandlung gemäß den EPPO-Protokollen
            oder anderen international anerkannten Protokollen unterzogen, um
            sicherzustellen, dass das Pflanzgut frei von
            Viteus vitifoliae                                Fitch ist.

2.4.2 Bestände zur Erzeugung von Standardpflanzgut

    a)  Candidatus                          Phytoplasma
        solani                          Quaglino
        et al.

        Die Anforderungen nach Nummer 2.4.1 Buchstabe a gelten entsprechend.

    b)  Xylophilus ampelinus                          Willems
        et al.

        Die Anforderungen nach Nummer 2.4.1 Buchstabe b gelten entsprechend.

    c)  Arabis                          mosaic virus, Grapevine fanleaf virus,
        Grapevine leafroll associated virus 1, Grapevine leafroll associated
        virus 3

        Bei Mutterbeständen für die Erzeugung von Standardpflanzgut dürfen
        nicht mehr als 10 v. H. der Reben Symptome eines Befalls mit den
        genannten Viren aufweisen und die befallenen Reben wurden von der
        Vermehrung ausgeschlossen.

    d)  Viteus vitifoliae                          Fitch

        aa) Die Vermehrungsbestände liegen in Gebieten, die bekanntermaßen frei
            von
            Viteus vitifoliae                                Fitch sind, oder

        bb) Reben werden auf Unterlagen gepfropft, die widerstandsfähig gegen
            Viteus vitifoliae                                Fitch sind, oder

        cc) wenn zum Inverkehrbringen bestimmtes Pflanzgut Symptome von
            Viteus vitifoliae                                Fitch aufweist, wird
            die gesamte Pflanzgutpartie einer Begasung oder Warmwasserbehandlung
            oder einer anderen geeigneten Behandlung gemäß den EPPO-Protokollen
            oder anderen international anerkannten Protokollen unterzogen, um
            sicherzustellen, dass das Pflanzgut frei von
            Viteus vitifoliae                                Fitch ist.

3   Mutterrebenbestände

3.1 Die Rebenbestände müssen so angelegt sein, dass eine ordnungsgemäße
    Bewirtschaftung möglich ist.

3.2 Ausbildung, Reife und Ertrag des Holzes, bei Ertragsreben auch der
    Trauben, müssen die Ruten als für den Nutzungszweck geeignet
    erscheinen lassen.

4   Rebschulen

4.1 Rebschulen dürfen nicht in Ertragsweinbergen oder Mutterrebenbeständen
    angelegt werden. Der Mindestabstand zu einem Ertragsweinberg oder
    Mutterrebenbestand beträgt 3 Meter.

4.2 Der Bestand einer Sorte ist durch einen deutlichen Abstand von den
    Beständen anderer Sorten zu trennen. Anfang und Ende des Bestandes
    jeder Sorte und jedes Klones, bei Pfropfreben jeder Kombination, sind
    kenntlich zu machen.

5   Topfreben und Kartonagereben

    Das Pflanzgut muss deutlich getrennt nach den jeweiligen Kombinationen
    vorgestellt werden.

(zu § 6 Satz 2)

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/rebpflv_1986/__23.html
Directory: rebpflv_1986
Level: 3.0