Title: Arbeitsboote

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Arbeitsboote

Paragraph: 9

Content:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Arbeitsboote

**1.** Allgemeine Bestimmungen ****

1.1 Für selbstständig von Land in Sichtweite der Küste eingesetzte
    Arbeitsboote über 8 m Länge gelten die Anforderungen des Kapitels 3
    entsprechend, soweit nicht nachfolgend etwas Abweichendes geregelt
    ist.

1.2 Die Schwimmfähigkeit des mit Wasser gefüllten Bootes muss durch
    Auftriebskörper sichergestellt sein. Der Restauftrieb [kN] des
    vollgeschlagenen unbemannten Bootes muss mindestens 0,3 x L
    B                    x B
    B                    x H
    B                    betragen. Dabei ist

    L
    B                    Länge des Bootes in m;

    B
    B                    Breite des Bootes in m;

    H
    B                    Seitenhöhe des Bootes in m.

1.3[^F799100_09_BJNR302300998BJNE002503124]
 Eine GMDSS-Funkausrüstung ist nicht erforderlich, sofern ein
    Handfunksprechgerät mit DSC-Funktion
    vorhanden ist.

1.4 Die Berufsgenossenschaft kann für ein Arbeitsboot, für das aufgrund
    seiner geringen Größe oder besonderen Bauart die Anforderungen der
    Anlage 2 nicht erfüllbar sind, im Einzelfall bestimmen, welche
    Anforderungen erfüllt werden müssen, damit die an Bord befindlichen
    Personen und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden.

1.5 Arbeitsboote, die nur als Beiboot in Sichtweite des Mutterschiffs zum
    Einsatz kommen, müssen mindestens die Anforderungen des Kapitels V des
    Internationalen Rettungsmittel-(LSA-)Codes für normale oder schnelle
    Bereitschaftsboote erfüllen.

**2.** Ergänzende Vorschriften ****

    Für Fahrzeuge, die nicht den Klassifikationsregeln einer anerkannten
    Organisation entsprechen, gilt:

**2.1** **Bauart und Bauweise**

2.1.1 Arbeitsboote müssen in ihrer Bauart und Festigkeit sowie der
    Konstruktion der Maschinen und elektrischen Anlagen so beschaffen und
    ausgestattet sein und sich in einem solchen Erhaltungszustand
    befinden, dass sie den Beanspruchungen genügen, die der beabsichtigte
    Verwendungszweck erfordert.

2.1.2 Aufblasbare Boote und starre aufblasbare Boote müssen mindestens der
    Norm DIN EN ISO 6185 Teil 4:2011-10 entsprechen.

2.1.3 Teilgedeckte Arbeitsboote müssen mit einem Kollisionsschott
    ausgerüstet sein. Bei Fahrzeugen mit einer Rumpflänge über 15 m muss
    das Kollisionsschott in einem Abstand von mindestens 0,035 x LH,
    höchstens jedoch 0,05 x LH hinter dem Vorsteven angebracht sein. Das
    Kollisionsschott ist bis zum freiliegenden Deck hoch zu führen und
    darf nicht mit Öffnungen versehen sein.

2.1.4 Bei teilgedeckten Fahrzeugen müssen der Rumpf einschließlich Deck und
    Aufbau sowie alle anderen Teile eine wasserdichte Einheit bilden.
    Hauptniedergänge in Cockpits müssen, wenn sie unter die
    Hauptdecksebene reichen, bis zur Hauptdecksebene abgedichtet werden
    können. Deckshäuser und sonstige Einstiege oder Niedergänge sowie
    Luken auf der Hauptdecksebene müssen eine Süllhöhe von mindestens 300
    mm haben. Direkte Zugänge vom Deck zum Maschinenraum müssen eine
    Süllhöhe von mindestens 460 mm haben.

2.1.5 Cockpits, Plichten und alle anderen Bereiche, die nicht wasserdicht
    verschlossen werden können, müssen selbstlenzend oder mit anderen
    Vorrichtungen ausgerüstet sein, die das Eindringen von Wasser in das
    Bootsinnere verhindern. Sofern das Fahrzeug über ein geschlossenes
    Schanzkleid verfügt, sind Wasserpforten vorzusehen. Die Berechnung
    erfolgt nach den Vorschriften des Internationalen Freibord-
    Übereinkommens.

2.1.6 Die Höhe der Schanzkleider oder Schutzgeländer muss mindestens 1 m
    über Deck betragen. Eine Reling muss mit mindestens zwei Durchzügen
    oder Längsträgern ausgestattet sein. Wird durch diese Höhe der normale
    Betrieb des Arbeitsbootes behindert, kann eine geringere Höhe
    zugelassen werden, sofern die Berufsgenossenschaft einen ausreichenden
    Schutz für gegeben hält. Die Genehmigung kann mit Nebenbestimmungen
    versehen werden.

2.1.7 Die Intaktstabilität muss den Anforderungen der DIN EN ISO
    12217-1:2002 genügen.

2.1.8 Der Mindestfreibord, gemessen von der Oberkante des Kiels bis zur
    Oberkante des Dollbords an seiner niedrigsten Stelle über der
    Wasserlinie, beträgt 6 % der Länge über alles oder 40 % der
    Seitenhöhe, je nachdem, welcher Wert größer ist, jedoch nicht mehr als
    800 mm. Liegt die Unterkante einer Öffnung im Schiffskörper, durch die
    Wasser in das Fahrzeug eindringen kann, tiefer über der Wasserlinie
    als die tiefste Stelle des Dollbords, ist die Seitenhöhe bis zur
    Unterkante der tiefsten Öffnung zu messen.

**2.2** **Maschinenbauliche Einrichtungen**

2.2.1 Hauptantriebs- und Hilfsdieselmotoren

2.2.1.1 Wassergekühlte Hauptantriebsmotoren sollen mit zwei Kühlwasserpumpen
    versehen sein, die zweite Pumpe kann auch eine kraftbetriebene
    Reservepumpe sein, die über eine Schlauchverbindung angeschlossen
    wird. Bei Kiehlrohrkühlung sind im Frischwasserkühlsystem
    Absperrschieber an der Innenseite der Bordwand vorzusehen.
    Luftgekühlte Motoren sind zulässig.

2.2.1.2 Für das Schmierölsystem genügt ein Einfachfilter. Eine
    Schmierölmangelsicherung für Hauptantriebsmotoren ist nicht
    erforderlich.

2.2.1.3 Werden die Hauptantriebsmotoren elektrisch gestartet, so muss die
    Kapazität der Starterbatterie ausreichend sein, um mindestens sechs
    aufeinanderfolgende Starts des Hauptantriebsmotors zu gewährleisten.
    Jedes Fahrzeug muss mindestens über eine Starterbatterie und eine
    Verbraucherbatterie verfügen. Die Schaltung hat so zu erfolgen, dass
    auch die Verbraucherbatterie zum Starten des Motors benutzt, umgekehrt
    jedoch die Starterbatterie nicht an den Verbraucherstromkreislauf
    angeschlossen werden kann.

2.2.1.4 Es muss für ausreichend Be- und Entlüftung des Maschinenraums gesorgt
    werden. Lüfteröffnungen von Maschinenräumen sind mit von außen
    verschließbaren Brandklappen zu versehen.

2.2.1.5 Im Maschinenraum muss ein Niveau-Bilgenalarm vorhanden sein.

2.2.1.6 Alle Teile des Brennstoffsystems müssen so angeordnet und zugänglich
    sein, dass eine Sichtkontrolle auf Brennstoffleckagen leicht erfolgen
    kann. Auf ein Mantelrohrsystem für frei liegende Hochdruck-
    Brennstoffleitungen zwischen Einspritzpumpen und -ventilen kann
    verzichtet werden. Brennstofffilter können als Einfachfilter
    ausgeführt sein.

2.2.1.7 Am Steuerstand müssen Kontrollanzeigen nach Vorgabe des
    Motorenherstellers, mindestens jedoch Anzeigen für Motordrehzahl,
    Schmieröldruck und -temperatur, Kühlwasser einschließlich der
    dazugehörigen optischen und akustischen Alarme, sowie der optische und
    akustische Signalgeber des Bilgenalarms installiert sein.

2.2.2 Lenzeinrichtungen

2.2.2.1 Alle Fahrzeuge müssen mit zwei Lenzpumpen ausgerüstet sein. Eine
    Lenzpumpe muss kraftbetrieben und kann an den Hauptantriebsmotor
    angehängt sein. Die zweite Lenzpumpe muss von der Hauptantriebsanlage
    unabhängig und kann eine Handlenzpumpe sein.

2.2.2.2 Bei einem vom Seewassersystem getrennten Lenzsystem reicht auf der
    Saugseite ein Rückschlagventil aus. Auf der Druckseite der Pumpen sind
    die Armaturen wie bei einem kombinierten Lenz-/Seewassersystem
    auszuführen.

**2.3** **Elektrische Einrichtungen**

2.3.1 Für die elektrische Energieversorgung genügt ein Wellengenerator.

2.3.2 Akkumulatoren sind in gut be- und entlüfteten Kästen, Schränken oder
    Räumen aufzustellen, die der Wartung gut zugänglich sind. Sie müssen
    so beschaffen sein, dass ein Verrutschen und ein Auslaufen des
    Elektrolyts bis 40° Neigung verhindert werden. Bei Akkumulatoren mit
    einer Ladeleistung über 2 kW sind die Behälter oder Räume zum freien
    Deck hin zu be- und entlüften.

2.3.3 Ein Anschlusskasten für den Landanschluss ist nicht erforderlich.

Kapitel 6

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
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Level: 2.0