Title: § 2 Simulationen und Prognosen

Description:
Verordnung zum Gesetz über Bausparkassen (BauSparkV 2015)
§ 2 Simulationen und Prognosen

Paragraph: 2

Content:
Verordnung zum Gesetz über Bausparkassen (BauSparkV 2015)
§ 2 Simulationen und Prognosen

(1) Bei den nach den Regelungen des § 8 Absatz 4 des Gesetzes über
Bausparkassen sowie dieser Verordnung zu erstellenden Simulationen und
Prognosen hat die Bausparkasse jeweils ein Basisszenario und geeignete
Stressszenarien zu simulieren. Ein Basisszenario stellt insbesondere
die von der Bausparkasse erwartete Entwicklung der Ertrags-und
Liquiditätslage unter Berücksichtigung des erwarteten Marktzinsniveaus
über einen bestimmten Zeitraum dar. Ein Stressszenario liegt vor, wenn
gegenüber dem Basisszenario abweichende und aus Sicht der Bausparkasse
ungünstige Entwicklungen bestimmter Parameter, beispielsweise des
Marktzinsniveaus oder der Neugeschäftsentwicklung, angenommen werden.

(2) Die Ergebnisse einer gemäß § 8 Absatz 4 des Gesetzes über
Bausparkassen mit einem bauspartechnischen Simulationsmodell
durchgeführten Simulation (Simulationsergebnisse) sind von der
Bausparkasse nachvollziehbar zu dokumentieren. Hierzu hat die
Bausparkasse einen Bericht zu erstellen. In dem Bericht sind
nachvollziehbar darzulegen und zu begründen:

1.  die den Simulationsergebnissen zugrunde liegenden Annahmen und

2.  die Simulationsparameter und die Abhängigkeiten, die zu den jeweiligen
    Simulationsergebnissen führen.

(3) Die Bundesanstalt kann die Gestaltung der Szenarien vorgeben und
bei Bedarf weitere Szenarien anfordern, sofern dies für den jeweiligen
Zweck erforderlich erscheint.

(4) Die Bundesanstalt kann die Simulationsergebnisse zur Beurteilung
mit heranziehen, ob die in § 10 Nummer 10 Buchstaben a bis k des
Gesetzes über Bausparkassen genannten Voraussetzungen vorliegen. Zur
Beurteilung nach Satz 1 kann die Bundesanstalt ferner weitere im
Zusammenhang mit dem Bauspargeschäft stehende betriebswirtschaftliche
Größen mit heranziehen. Die Bausparkasse hat die Entwicklung dieser
betriebswirtschaftlichen Größen über einen Zeitraum von in der Regel
20 Jahren (Prognosezeitraum) zu prognostizieren. Zu den
betriebswirtschaftlichen Größen im Sinne des Satzes 2 zählen
insbesondere

1.  die Höhe der Vorfinanzierungskredite oder der
    Zwischenfinanzierungskredite nach § 4 Absatz 1 Nummer 1 des Gesetzes
    über Bausparkassen,

2.  die Höhe der sonstigen Baudarlehen nach § 4 Absatz 1 Nummer 2 des
    Gesetzes über Bausparkassen,

3.  die Höhe der Geldanlagen nach § 4 Absatz 3 des Gesetzes über
    Bausparkassen,

4.  die Höhe der zur Gewährung von Bauspardarlehen und von Darlehen nach §
    4 Absatz 1 Nummer 1 und 2 des Gesetzes über Bausparkassen sowie zur
    Beschaffung der darüber hinaus für den Geschäftsbetrieb erforderlichen
    Mittel nach den Regelungen des § 4 Absatz 1 Nummer 5 des Gesetzes über
    Bausparkassen eingegangenen Verbindlichkeiten,

5.  die Höhe des Fonds zur bauspartechnischen Absicherung nach § 6 Absatz
    2 des Gesetzes über Bausparkassen,

6.  die Höhe der jeweiligen Aufwendungen und Erträge, die jeweils den in
    Nummer 1 bis 5 genannten Größen zuzuordnen sind,

7.  die Höhe der unverzinslichen Passiva,

8.  die Höhe des Verwaltungsaufwands,

9.  die Höhe des Provisionsüberschusses,

10. die Höhe des Teilbetriebsergebnisses im Sinne des Satzes 5,

11. die kollektive Zinsspanne im Sinne des Satzes 6,

12. die kollektiv bedingte Zinsspanne im Sinne des § 1 Absatz 4 Satz 1 des
    Gesetzes über Bausparkassen,

13. der kollektiv bedingte Zinsüberschuss im Sinne des § 1 Absatz 4 Satz 2
    des Gesetzes über Bausparkassen und

14. der gesamte Zinsüberschuss.

Das Teilbetriebsergebnis im Sinne des Satzes 4 Nummer 10 ist die Summe
aus Zinsüberschuss und Provisionsüberschuss abzüglich des
Verwaltungsaufwands. Die kollektive Zinsspanne im Sinne des Satzes 4
Nummer 11 ist die Differenz von durchschnittlicher Verzinsung der
Bauspardarlehen und durchschnittlicher Verzinsung der Bauspareinlagen.
Die durchschnittliche Verzinsung der Bauspardarlehen im Sinne des
Satzes 6 ist das Verhältnis Zinsertrag zu Jahresdurchschnittsbestand
an Bauspardarlehen. Die durchschnittliche Verzinsung der
Bauspareinlagen im Sinne des Satzes 6 ist das Verhältnis Zinsaufwand
zu Jahresdurchschnittsbestand an Bauspareinlagen. Die Annahmen, die
der Prognose über die Entwicklung der in Satz 4 Nummer 1 bis 9
genannten Größen zugrunde liegen, sind nachvollziehbar darzulegen und
zu begründen.

(5) Die Bundesanstalt kann weitere zu prognostizierende Größen
benennen, sofern dies erforderlich erscheint, um zu beurteilen, ob die
Voraussetzungen nach § 10 Nummer 10 Buchstabe a bis k des Gesetzes
über Bausparkassen vorliegen.

(6) Die Ergebnisse einer nach den Absätzen 4 und 5 erstellten Prognose
(Prognoseergebnisse) sind von der Bausparkasse nachvollziehbar zu
dokumentieren. Absatz 1 Satz 1 und Absatz 3 gelten entsprechend. Die
den Prognoseergebnissen zugrunde liegenden Annahmen, die
Prognoseparameter und die Abhängigkeiten, die zu den jeweiligen
Prognoseergebnissen führen, sowie die Zusammenhänge mit den
Simulationsergebnissen nach Absatz 2 sind von der Bausparkasse
nachvollziehbar darzulegen und zu begründen.

(7) Die Bundesanstalt kann die Form vorgeben, in der Simulations- und
Prognoseergebnissen darzulegen und zu begründen sind, insbesondere
auch deren Verbindung in einem gemeinsamen Bericht.

(8) Bei Anträgen auf eine Genehmigung nach § 6 Absatz 1 Satz 2 Nummer
2 und Absatz 2 Satz 4, nach § 9 Absatz 1 Satz 1 und 2 sowie nach § 14
Absatz 1 und 3 des Gesetzes über Bausparkassen hat die Bausparkasse
ihrem jeweiligen Antrag in der Regel beizufügen:

1.  aktuelle Simulations- und Prognoseergebnisse sowie

2.  einen Bericht zu den Simulations- und Prognoseergebnissen.

Diese müssen den Anforderungen nach den Absätzen 1 bis 7 entsprechen.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bausparkv_2015/__2.html
Directory: bausparkv_2015
Level: 2.0