Title: § 88 Aussetzung des Restes der Jugendstrafe

Description:
Jugendgerichtsgesetz (JGG)
Zweiter Teil - Jugendliche
Drittes Hauptstück - Vollstreckung und Vollzug
Erster Abschnitt - Vollstreckung
Dritter Unterabschnitt - Jugendstrafe
§ 88 Aussetzung des Restes der Jugendstrafe

Paragraph: 88

Content:
Jugendgerichtsgesetz (JGG)
Zweiter Teil - Jugendliche
Drittes Hauptstück - Vollstreckung und Vollzug
Erster Abschnitt - Vollstreckung
Dritter Unterabschnitt - Jugendstrafe
§ 88 Aussetzung des Restes der Jugendstrafe

(1) Der Vollstreckungsleiter kann die Vollstreckung des Restes der
Jugendstrafe zur Bewährung aussetzen, wenn der Verurteilte einen Teil
der Strafe verbüßt hat und dies im Hinblick auf die Entwicklung des
Jugendlichen, auch unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses
der Allgemeinheit, verantwortet werden kann.

(2) Vor Verbüßung von sechs Monaten darf die Aussetzung der
Vollstreckung des Restes nur aus besonders wichtigen Gründen
angeordnet werden. Sie ist bei einer Jugendstrafe von mehr als einem
Jahr nur zulässig, wenn der Verurteilte mindestens ein Drittel der
Strafe verbüßt hat.

(3) Der Vollstreckungsleiter soll in den Fällen der Absätze 1 und 2
seine Entscheidung so frühzeitig treffen, daß die erforderlichen
Maßnahmen zur Vorbereitung des Verurteilten auf sein Leben nach der
Entlassung durchgeführt werden können. Er kann seine Entscheidung bis
zur Entlassung des Verurteilten wieder aufheben, wenn die Aussetzung
aufgrund neu eingetretener oder bekanntgewordener Tatsachen im
Hinblick auf die Entwicklung des Jugendlichen, auch unter
Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit, nicht
mehr verantwortet werden kann.

(4) Der Vollstreckungsleiter entscheidet nach Anhören des
Staatsanwalts und des Vollzugsleiters. Dem Verurteilten ist
Gelegenheit zur mündlichen Äußerung zu geben.

(5) Der Vollstreckungsleiter kann Fristen von höchstens sechs Monaten
festsetzen, vor deren Ablauf ein Antrag des Verurteilten, den
Strafrest zur Bewährung auszusetzen, unzulässig ist.

(6) Ordnet der Vollstreckungsleiter die Aussetzung der Vollstreckung
des Restes der Jugendstrafe an, so gelten § 22 Abs. 1, 2 Satz 1 und 2
sowie die §§ 23 bis 26a sinngemäß. An die Stelle des erkennenden
Richters tritt der Vollstreckungsleiter. Auf das Verfahren und die
Anfechtung von Entscheidungen sind die §§ 58, 59 Abs. 2 bis 4 und § 60
entsprechend anzuwenden. Die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen
den Beschluß, der die Aussetzung des Strafrestes anordnet, hat
aufschiebende Wirkung.

Source: https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__88.html
Directory: jgg
Level: 6.0