Document ID: 31994D0611

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 9. September 1994 zur Durchführung von Artikel 20 der Richtlinie 89/106/EWG über Bauprodukte (94/611/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Richtlinie 89/106/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Bauprodukte (1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 93/68/EWG (2), insbesondere auf die Artikel 3, 6 und 20,
gestützt auf die Mitteilung der Kommission über die Grundlagendokumente der Richtlinie 89/106/EWG,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Nach Artikel 3 Absatz 2 der Richtlinie 89/106/EWG können für jede wesentliche Anforderung Klassen in den Grundlagendokumenten und den technischen Spezifikationen festgelegt werden, um unterschiedliche Schutzniveaus für Bauwerke zu berücksichtigen, die gegebenenfalls auf einzelstaatlicher, regionaler oder lokaler Ebene bestehen.
Nach Abschnitt 4.2.1 des Grundlagendokuments Nr. 2 "Brandschutz" können unterschiedliche Stufen der wesentlichen Anforderung abhängen von
- Art, Nutzung und Lage des Bauwerks,
- der Bauwerksplanung,
- der Verfügbarkeit von Notfalleinrichtungen.
Abschnitt 2.2 des Grundlagendokuments Nr. 2 enthält eine Reihe untereinander zusammenhängender Maßnahmen, die sicherstellen, daß die wesentliche Anforderung "Brandschutz" erfuellt wird, und zusammen dazu beitragen, eine Strategie für den Brandschutz festzulegen, die in den Mitgliedstaaten in unterschiedlicher Weise entwickelt werden kann.
Abschnitt 4.2.3.3 des Grundlagendokuments Nr. 2 nennt als eine der in den Mitgliedstaaten verbreiteten Maßnahmen die Begrenzung der Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch im Brandentstehungsraum (oder in einem gegebenen Bereich), indem der Beitrag der Bauprodukte zu einem Vollbrand begrenzt wird.
Die Festlegung von Klassen für die wesentliche Anforderung hängt teilweise von diesem Grenzniveau ab.
Das Grenzniveau kann nur durch unterschiedliche Stufen des Brandverhaltens ausgedrückt werden, die Bauprodukte unter ihren Verwendungsbedingungen aufweisen.
In Abschnitt 4.3.1.1 des Grundlagendokuments Nr. 2 heisst es, daß zur Beurteilung des Brandverhaltens von Produkten eine harmonisierte Lösung entwickelt wird, bei der Großversuche oder Versuche im Labormaßstab angewendet werden, die mit maßgeblichen realen Brandszenarien korrelieren.
Diese Lösung besteht in einem System von Klassen, die nicht im Grundlagendokument enthalten sind.
Das zu diesem Zweck festgelegte Klassensystem bezieht sich mit Ausnahme des SBI-Verfahrens (Single Burning Item - brennender Gegenstand) auf eine Reihe von Prüfverfahren, die von den Normenorganisationen bereits festgelegt wurden.
Die Schwellenwerte der Klassen B, C und D werden zu einem späteren Zeitpunkt mit einer neuen Entscheidung mitgeteilt, die nach Maßgabe der Entwicklung des SBI-Verfahrens erlassen wird.
In Artikel 20 Absatz 2 der Richtlinie 89/106/EWG wird erläutert, welches Verfahren beim Erlaß der Bestimmung anzuwenden ist, die für die Festlegung von Klassen für Anforderungen, soweit diese nicht in den Grundlagendokumenten enthalten sind, erforderlich ist.
Der Ständige Ausschuß für das Bauwesen wurde nach dem Verfahren von Artikel 20 Absatz 3 der Richtlinie angehört und hat eine befürwortende Stellungnahme abgegeben -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
(1) Trägt ein Bauprodukt unter seinen Verwendungsbedingungen zur Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch im Brandentstehungsraum (oder in einem gegebenen Bereich) bei, wird das Produkt ausgehend von seinem Brandverhalten unter Berücksichtigung des Klassifizierungssystems in den Tabellen 1 und 2 des Anhangs eingestuft.
(2) Bei Produkten wird von ihren Verwendungsbedingungen ausgegangen.
(3) Tabelle 1 gilt für
- Produkte für Wände und Decken einschließlich Bekleidungen,
- Bauteile,
- in Bauteile eingebaute Produkte,
- Rohre und Leitungsteile,
- Produkte für Aussenwände.
Tabelle 2 gilt für Fußböden einschließlich der Beläge.
Artikel 2
Diese Entscheidung ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
Brüssel, den 9. September 1994

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