Document ID: 32012R0161

VERORDNUNG (EU) Nr. 161/2012 DER KOMMISSION
vom 23. Februar 2012
über Sofortmaßnahmen zum Schutz der Schellfischbestände in den Gewässern westlich Schottlands
DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION -
gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union,
gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 2371/2002 des Rates vom 20. Dezember 2002 über die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Fischereiressourcen im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik (1), insbesondere auf Artikel 7,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)
Nach der Verordnung (EG) Nr. 2371/2002 gewährleistet die Gemeinsame Fischereipolitik die Annahme abgestimmter Maßnahmen zur Erhaltung, Bewirtschaftung und Nutzung der lebenden aquatischen Ressourcen, einschließlich spezifischer Maßnahmen zur Begrenzung der Auswirkungen der Fischerei auf die marinen Ökosysteme und auf Nichtzielarten.
(2)
Zum Schutz von Kabeljau, Schellfisch und Wittling wurde gemäß Anhang III Nummer 6.1 der Verordnung (EG) Nr. 43/2009 des Rates (2), geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1288/2009 (3) und die Verordnung (EU) Nr. 579/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates (4), in der ICES-Division VI a ein Gebiet eingerichtet, in dem jeglicher Fischfang verboten ist (nachstehend „Gewässer westlich Schottlands“).
(3)
Abweichend von diesem Verbot darf gemäß Anhang III Nummern 6.5. und 6.6. der Verordnung (EG) Nr. 43/2009 unter bestimmten Bedingungen Kaisergranat gefangen und Fischfang mit Schleppnetzen, Grundschleppnetzen oder ähnlichen Fanggeräten betrieben werden, wobei insbesondere vorgegeben ist, dass nur ein festgelegter Höchstsatz des an Bord behaltenen Fangs aus einer Mischung von Kabeljau, Schellfisch und/oder Wittling bestehen darf.
(4)
Sinn dieser Vorschrift war es, durch Verhinderung einer gezielten Befischung die fischereiliche Sterblichkeit für die drei Bestände in ihrem Verbreitungsgebiet zu senken.
(5)
Der Kommission liegen Hinweise und Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und des Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschusses für die Fischerei (STECF) vor, dass es als Folge dieser Vorschrift über die Fangzusammensetzung in der ICES-Division VI a zu Rückwürfen kommt.
(6)
Nach Einschätzung des ICES befindet sich der Schellfischbestand in der ICES-Division VI a außerhalb sicherer biologischer Grenzen, aber überdurchschnittlich starke Nachwuchsjahrgänge werden zu einer Erhöhung der Biomasse des Laicherbestands führen.
(7)
Diese Nachwuchsjahrgänge haben jetzt die Größe erreicht, dass sie in die Fischerei eintreten werden. Aufgrund der geltenden Vorschriften über die Fangzusammensetzung ist damit zu rechnen, dass noch mehr Fische zurückgeworfen werden, um den Anlandevorschriften zu genügen, bevor diese Fische zum Nachwachsen des Bestands beitragen konnten. Die Vernichtung von Laicherbiomasse eines Bestands, der sich außerhalb sicherer biologischer Grenzen befindet, ist eine ernste Gefahr für dessen Wiederauffüllung und dessen Fortbestand. Zur Feststellung, ob die Vorschriften über die Fangzusammensetzung eingehalten werden, werden die Anlandungen und nicht die Fänge kontrolliert. Unabhängig von etwaigen Quotenänderungen wird die derzeitige Zunahme des Schellfischbestands zu verstärkten vorschriftsbedingten Rückwürfen führen.
(8)
Der Anstieg der Fangmöglichkeiten für Schellfisch in ICES-Division VI a ab Februar 2012 wird auch den fischereilichen Druck ansteigen lassen. Die Nutzung der Fangmöglichkeiten 2012 wird unweigerlich die Sterblichkeit bei anderen, zusammen mit Schellfisch gefangenen Arten erhöhen, insbesondere bei Wittling und Kabeljau.
(9)
Da Schellfisch hauptsächlich ab Februar gefangen wird, sind umgehend Änderungen erforderlich, um übermäßige Rückwürfe zu verhindern.
(10)
Anhaltende und noch zunehmende Rückwürfe aus dem Schellfischbestand werden sich negativ auf dessen Wiederauffüllung und künftige Produktion auswirken. Die größtmögliche Nutzung der Fangmöglichkeiten gefährdet die Erhaltung anderer Bestände. Aufgrund hoher fischereilicher Sterblichkeit drohen weitere Zusammenbrüche dieser Bestände.
(11)
Die Diskrepanz zwischen Anlandevorschriften und unvermeidlichen Schellfischfängen wird 2012 deutlich zunehmen. Die Vorschriften über die Fangzusammensetzung müssen deshalb für Schellfisch umgehend ausgesetzt werden, um eine ernsthafte Gefährdung dieser Art in den Gewässern westlich Schottlands ebenso wie zusätzlichen fischereilichen Druck auf andere Bestände zu verhindern und gleichzeitig die rationelle Nutzung der Fangmöglichkeiten 2012 zu ermöglichen -
HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Die Prozentsätze, die in Anhang III Teil A Nummer 6.5 Ziffer iii und Nummer 6.6 Ziffer ii der Verordnung (EG) Nr. 43/2009 für die Fangzusammensetzung genannt sind, gelten für die Geltungsdauer der vorliegenden Verordnung nicht für Schellfisch.
Artikel 2
Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.
Sie gilt bis 25. August 2012.
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.
Brüssel, den 23. Februar 2012

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