Document ID: 31989D0657

BESCHLUSS DES RATES vom 18 . Dezember 1989 über ein Aktionsprogramm zur Förderung von Innovationen in der Berufsbildung in der Folge des technologischen Wandels in der Europäischen Gemeinschaft ( EUROTECNET ) ( 89/657/EWG )
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 128,
gestützt auf den Beschluß 63/266/EWG des Rates vom 2 . April 1963 über die Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Durchführung einer gemeinsamen Politik der Berufsausbildung ( 1 ), insbesondere auf den zweiten, fünften, sechsten, siebten, neunten und zehnten Grundsatz,
auf Vorschlag der Kommission ( 2 ), der nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für die Berufsbildung erarbeitet wurde,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments ( 3 ),
nach Stellungnahme des Wirtschafts - und Sozialausschusses ( 4 ),
in Erwägung nachstehender Gründe :
Der Europäische Rat hat auf seinen Tagungen am 5 . und 6 . Dezember 1986 in London und am 26 . und 27 . Juni 1989 in Madrid die Bedeutung der Gemeinschaftsmaßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung unterstrichen und hervorgehoben, daß die Erschließung des menschlichen Potentials durch Ausbildung ein grundlegender Gesichtspunkt der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ist .
Der Rat hat in seiner Entschließung vom 22 . Dezember 1986 über ein Aktionsprogramm zur Förderung des Beschäftigungswachstums ( 5 ) die Verbesserung der Berufsausbildung, die Anhebung des Qualifikationsstandes und den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern als unerläßliche Faktoren für die Ausweitung der Beschäftigung eingestuft .
Der Rat hat in seiner Entschließung vom 5 . Juni 1989 über die berufliche Weiterbildung ( 6 ) mit Blick auf die Vollendung des Binnenmarktes auf die tragende Funktion der beruflichen Weiterbildung für die Erschließung des menschlichen Potentials hingewiesen .
In einer gemeinsamen Stellungnahme, die im Rahmen des sozialen Dialogs am 6 . März 1987 verabschiedet wurde, wird eine effiziente Ausbildung von Arbeitnehmern und Führungskräften in den neuen Technologien als notwendig bezeichnet .
Der Rat hat in dem Beschluß 87/569/EWG ( 7 ) ein Aktionsprogramm für die Berufsbildung Jugendlicher und zur Vorbereitung der Jugendlichen auf das Erwachsenen - und Erwerbsleben angenommen und darin auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Anpassungsfähigkeit der Berufsbildungssysteme an den raschen technischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel zu verbessern .
Der Rat hat in dem Beschluß 89/27/EWG ( 8 ) ( COMETT-Programm ) bekräftigt, daß er an dem Konzept der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Wirtschaft bei der Berufsbildung im Bereich der fortgeschrittenen Technologien festhält .
Die technologisch-industrielle Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung ist Gegenstand der Entscheidung des Rates 88/279/EWG ( 9 ) ( ESPRIT ), des Beschlusses 85/196/EWG ( 10 ) ( BRITE/EURAM ) sowie der Entscheidungen 88/419/EWG ( 11 ) ( SCIENCE ), 88/417/EWG ( 12 ) ( DELTA ) und 89/286/EWG ( 13 ) ( SPRINT ).
Zusätzlich zu den bisher vom Rat verabschiedeten Regelungen müssen weitere Maßnahmen getroffen werden, um die Anpassungsfähigkeit der Berufsbildungssysteme an den technologischen Wandel zu verbessern und zur Verwirklichung des Grundsatzes des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts beizutragen .
Das Arbeitsprogramm der Kommission für den Zeitraum 1985 bis 1988, auf das sich die Mitteilung der Kommission an den Rat vom 18 . April 1985 bezog, die sie im Anschluß an die Entschließung des Rates vom 2 . Juni 1983 über Maßnahmen der Berufsbildung im Hinblick auf die Einführung der neuen Informationstechnologien ( 14 ) vorgelegt hatte, hat den hohen Stellenwert verdeutlicht, der einem Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten mit dem Ziel einer bestmöglichen Nutzung der durch die neuen Technologien gebotenen Möglichkeiten in den Berufsbildungssystemen zukommt .
Der Nutzen des technologischen Fortschritts für die Wirtschaft hängt davon ab, inwieweit die Qualifikationen den Erfordernissen angepasst werden können, sowie von der Eigeninitiative der Arbeitnehmer . Es ist angezeigt, die Gemeinschaftsinitiativen zur im Rahmen dieses Programms angestrebten optimalen Erschließung des menschlichen Potentials und optimalen Nutzung der Ausbildungsinvesti -
¹
¹
¹
tionen zu intensivieren . Die Berufsbildung ist somit ein wichtiger strategischer Faktor bei der Vollendung des Binnenmarktes .
Im Hinblick auf die Entschließung des Rates vom 3 . November 1986 zum Aktionsprogramm für die kleinen und mittleren Unternehmen ( 15 ) sollten diese Unternehmen an der Verwirklichung des vorliegenden Programms und der Verbreitung seiner Ergebnisse beteiligt werden .
Die Sozialpartner haben auf europäischer Ebene wiederholt gefordert, an der Durchführung solcher Programme in vollem Umfang beteiligt zu werden -
BESCHLIESST :
Artikel 1
Aufstellung des EUROTECNET-Programms
( 1 ) Das Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft zur Förderung von Innovationen in der Berufsbildung in der Folge des technologischen Wandels wird mit diesem Beschluß angenommen .
( 2 ) Das Programm ( im folgenden EUROTECNET-Programm genannt ) wird ab 1 . Januar 1990 über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt .
Artikel 2
Programmziel
Das EUROTECNET-Programm zielt auf die Förderung von Innovationen in der beruflichen Erstausbildung und der beruflichen Weiterbildung ab, um dem derzeitigen und künftigen technologischen Wandel und seinen Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeit sowie die erforderlichen Qualifikationen und Kenntnisse Rechnung zu tragen .
Artikel 3
Programminhalt
Das EUROTECNET-Programm umfasst :
a ) ein Netz von innovativen nationalen oder grenzuebergreifenden Vorhaben, bei dem ein gemeinsamer Rahmen von Leitlinien gemäß Artikel 4 zugrundegelegt wird und das auf den Ausbau und die Verbesserung der Maßnahmen und Systeme für die Berufsbildung im Bereich neuer Technologien in den Mitgliedstaaten abzielt;
b ) eine Reihe von Gemeinschaftsmaßnahmen, die in den Artikeln 5 und 6 sowie im Anhang im einzelnen aufgeführt sind und mit denen die von und in den Mitgliedstaaten getroffenen Maßnahmen unterstützt und ergänzt werden sollen .
Artikel 4
Gemeinsamer Rahmen von Leitlinien
( 1 ) Der gemeinsame Rahmen von Leitlinien gemäß Artikel 3 Buchstabe a ) geht von folgenden Zielsetzungen aus :
a ) Ausweitung der Zusammenarbeit von staatlichen und privaten Stellen auf allen Ebenen,
b )
Analyse der Auswirkungen des technologischen Wandels für die Qualifikationen und Kenntnisse der betroffenen Personengruppen, wie zum Beispiel Führungskräfte, Arbeitnehmer und Arbeitslose; hierbei sind die Gegebenheiten bei kleinen und mittleren Unternehmen in bezug sowohl auf das Führungspersonal als auch auf die Arbeitnehmerschaft besonders zu berücksichtigen,
c )
Durchführung von nationalen oder grenzuebergreifenden Modellvorhaben zur Innovation der Berufsbildungsangebote,
d )
Erleichterung des Eintritts Jugendlicher und Arbeitsloser in das Erwerbsleben - insbesondere für diejenigen unter ihnen, die unzureichende oder ungeeignete Qualifikationen aufweisen - durch Maßnahmen sowohl zur Ausbildung in neuen Technologien als auch zur Meisterung des technologischen Fortschritts,
e )
Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen, insbesondere des Zugangs der Frauen zu Berufsbildungsgängen mit hohem technischen Lehrstoff sowie der Umschulung und beruflichen Wiedereingliederung von Frauen, deren berufliche Tätigkeit vom technologischen Wandel betroffen ist,
f )
Förderung der Aus - und Fortbildung von Ausbildern auf fachlichem, pädagogischem und sozialem Gebiet,
g )
Verbreitung sachdienlicher Informationen .
( 2 ) Die Sozialpartner werden entsprechend den nationalen Gepflogenheiten an der Durchführung des in Artikel 3 Buchstabe a ) genannten gemeinsamen Rahmens von Leitlinien in vollem Umfang beteiligt .
Artikel 5
Maßnahmen der Gemeinschaft
Die Maßnahmen der Gemeinschaft gemäß Artikel 3 Buchstabe b ) haben folgende Zielsetzung :
a ) Aufbau eines gemeinschaftsweiten Netzes innovativer Vorhaben in den Bereichen der beruflichen Erstausbildung und der beruflichen Weiterbildung,
b )
Verstärkung von Zusammenarbeit, Austausch und Transfer von Methoden sowie Entwicklung grenzuebergreifender Vorhaben,
c )
Förderung von Maßnahmen zur beruflichen Erstausbildung und beruflichen Weiterbildung von Ausbildern,
d )
Forschungsarbeiten und Untersuchungen über den aus dem technologischen Wandel resultierenden Qualifikationsbedarf,
e )
verstärkter Einsatz offener und flexibler Lernmethoden unter anderem zur Förderung von selbstgesteuertem Lernen,
f )
Verbreitung sachdienlicher Informationen in der Gemeinschaft .
Artikel 6
Flankierende Maßnahmen
( 1 ) Zur Unterstützung und Ergänzung der Maßnahmen, mit denen in den Mitgliedstaaten Qualität und Niveau der Berufsbildung sowie der erforderlichen Qualifikationen und Kenntnisse angesichts des technologischen Wandels angehoben werden sollen, führt die Kommission verschiedene Maßnahmen durch, die im Anhang aufgeführt sind; hierbei ist den unterschiedlichen Erfordernissen und Gegebenheiten in den Mitgliedstaaten, vor allem dem jeweiligen Stand der technischen Entwicklung und dem jeweiligen Berufsbildungssystem Rechnung zu tragen .
( 2 ) Die Sozialpartner werden in geeigneter Form an der Durchführung der in Absatz 1 genannten Maßnahmen in vollem Umfang beteiligt .
Artikel 7
Finanzierung
( 1 ) Der Mittelbedarf für die Finanzierung des EUROTECNET-Programms in den ersten drei Jahren des Fünfjahreszeitraums nach Artikel 1 Absatz 2 wird auf 7,5 Millionen ECU veranschlagt .
( 2 ) Die erforderlichen jährlichen Mittel werden im Rahmen des jährlichen Haushaltsverfahrens unter Beachtung der vom Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission gemeinsam festgelegten finanziellen Vorausschau und deren Entwicklung bewilligt .
Artikel 8
Kohärenz und Komplementarität
( 1 ) Die Kommission trägt dafür Sorge, daß die im Rahmen des EUROTECNET-Programms einzuleitenden Gemeinschaftsmaßnahmen mit den übrigen Gemeinschaftsprogrammen im Bereich der Berufsbildung und/oder der technologischen Entwicklung im Einklang stehen und diese ergänzen .
( 2 ) Die Kommission vergewissert sich bei der Durchführung des EUROTECNET-Programms der Unterstützung durch das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung ( Cedefop ) nach Maßgabe der Verordnung ( EWG ) Nr . 337/75 des Rates vom 10 . Februar 1975 über die Einrichtung eines Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung ( 16 ).
Artikel 9
Unterrichtung des Beratenden Ausschusses
für die Berufsbildung
Die Kommission unterrichtet den Beratenden Ausschuß für die Berufsbildung regelmässig über den Fortgang des EUROTECNET-Programms .
Artikel 10
Ausschuß
( 1 ) Die Kommission wird von einem Ausschuß mit beratender Funktion unterstützt, der sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt und in dem der Vertreter der Kommission den Vorsitz führt .
Drei Vertreter der Sozialpartner, die von der Kommission anhand von Vorschlägen der Organisationen ernannt werden, welche die Sozialpartner auf Gemeinschaftsebene vertreten, nehmen an den Arbeiten des Ausschusses als Beobachter teil .
( 2 ) Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden Maßnahmen für folgendes :
a ) die allgemeinen Leitlinien für das EUROTECNET-Programm,
b ) die Fragen im Zusammenhang mit der allgemeinen Ausgewogenheit des EUROTECNET-Programms, einschließlich der Aufgliederung in die einzelnen Maßnahmen .
( 3 ) Der Ausschuß gibt - gegebenenfalls durch Abstimmung - seine Stellungnahme zu diesem Entwurf innerhalb einer Frist ab, die der Vorsitzende unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der betreffenden Frage festsetzen kann .
( 4 ) Die Stellungnahme wird in das Protokoll aufgenommen . Darüber hinaus hat jeder Mitgliedstaat das Recht zu verlangen, daß sein Standpunkt im Protokoll festgehalten wird .
( 5 ) Die Kommission berücksichtigt soweit wie möglich die Stellungnahme des Ausschusses . Sie unterrichtet den Ausschuß darüber, inwieweit sie seine Stellungnahme berücksichtigt hat .
Artikel 11
Bewertung
( 1 ) Die Ergebnisse der nationalen bzw . grenzuebergreifenden Vorhaben, die die Mitgliedstaaten nach Maßgabe von Artikel 4 durchführen, sowie der Maßnahmen, die die Kommission nach Maßgabe der Artikel 5 und 6 sowie des Anhangs ergreift, werden einer objektiven externen Bewertung nach Kriterien unterzogen, die in Absprache zwischen
der Kommission und den Mitgliedstaaten festgelegt werden . Diese Bewertung erfolgt
a ) zum ersten Mal im Laufe der ersten sechs Monate des Jahres 1992,
b ) danach im Laufe der ersten sechs Monate des Jahres 1994 .
( 2 ) Die Kommission sorgt im Benehmen mit den Mitgliedstaaten für die Koordinierung der Bewertung gemäß Absatz 1 und erstattet dem Europäischen Parlament, dem Rat und dem Wirtschafts - und Sozialausschuß über die Ergebnisse dieser Bewertung Bericht, wobei sie die Modalitäten der Finanzierung des EUROTECNET-Programms klar herausstellt; die Berichterstattung erfolgt
a ) bei der Bewertung gemäß Absatz 1 Buchstabe a ) spätestens am 30 . Juni 1992,
b ) bei der Bewertung gemäß Absatz 1 Buchstabe b ) spätestens am 30 . Juni 1994 .
Artikel 12
Abschlußbericht
( 1 ) Die Kommission unterbreitet dem Europäischen Parlament, dem Rat und dem Wirtschafts - und Sozialausschuß bis zum 30 . Juni 1995 einen Abschlußbericht über die Ergebnisse des EUROTECNET-Programms .
( 2 ) Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission bis zum 31 . Dezember 1994 entsprechende Angaben, damit diese den in Absatz 1 genannten Abschlußbericht erstellen kann .
Geschehen zu Brüssel am 18 . Dezember 1989 .

Labels: 7
9
15