Document ID: 31997D0026

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 24. April 1996 mit der ein Zusammenschluß als unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens erklärt wird (Sache Nr. IV/M.619 - Gencor/Lonrho) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (97/26/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, insbesondere Artikel 57,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (1), geändert durch die Akte über den Beitritt Österreichs, Finnlands und Schwedens, insbesondere Artikel 8 Absatz 3,
gestützt auf die Entscheidung der Kommission vom 20. Dezember 1995, in diesem Fall das Verfahren zu eröffnen,
nachdem den Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, zu den von der Kommission erhobenen Einwänden Stellung zu nehmen,
nach Stellungnahme des Beratenden Ausschusses für die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (2),
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Das Verfahren betrifft Gencor Limited, Südafrika, ("Gencor") und Lonrho plc, Vereinigtes Königreich, ("Lonrho"), die gemeinsam ein Vorhaben zur Erlangung der gemeinschaftlichen Kontrolle des Unternehmens Impala Platinum Holdings Limited ("Implats") angemeldet haben. Implats hält zur Zeit alle Gencor-Anteile im Bereich des Bergbaus und der Raffination von Platinmetallen (platinum group metal - "PGM". Die Platin-Aktivitäten von Lonrho werden von den Unternehmen Eastern Platinum Limited ("Eastplats") und Western Platinum Limited ("Westplats") wahrgenommen, die zusammen den Geschäftsbereich Lonrho Platinum Division ("LPD") bilden. Gencor wird von der South African National Life Insurance Company ("Sanlam") und der Rembrandt Group Limited ("Rembrandt") im Sinne des Artikels 3 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 ("Fusionskontrollverordnung") gemeinsam kontrolliert.
(2) Die Kommission ordnete mit ihrer Entscheidung vom 8. Dezember 1995 gemäß Artikel 7 Absatz 2 und Artikel 18 Absatz 2 der Fusionskontrollverordnung die Suspendierung des gesamten Zusammenschlußvorhabens bis zu einer endgültigen Entscheidung an.
(3) Die Kommission stellte in ihrer Entscheidung vom 20. Dezember 1995 fest, daß der Zusammenschluß zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt Anlaß gibt, und leitete daher gemäß Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c) der Fusionskontrollverordnung das Verfahren ein.
I. DIE PARTEIEN
(4) Gencor ist ein international tätiger Konzern im Metall- und Mineraliensektor mit Sitz in Südafrika. Lonrho ist ein britisches Unternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Bergbau und Raffination, Hotellerie, Landwirtschaft und Handel.
II. DAS VORHABEN
(5) Das geplante Vorhaben führt dazu, daß Lonrho und Gencor die gemeinsame Kontrolle über Implats und LPD insgesamt erlangen.
(6) Das Vorhaben soll in zwei Schritten realisiert werden: a) die Übernahme der gemeinsamen Kontrolle über Implats, an der Gencor zur Zeit mit 46,5 % beteiligt ist (die restlichen Aktien befinden sich in Streubesitz), durch Lonrho und Gencor, und b) die Übernahme der alleinigen Kontrolle über die beiden Unternehmen Eastplats und Westplats, auf die jetzt alle Platinaktivitäten von Lonrho entfallen und an denen Lonrho zur Zeit mit 73 % und Implats mit 27 % beteiligt sind, durch Implats.
(7) Im Austausch für die Lonrho-Beteiligungen an Eastplats und Westplats, die an Implats übertragen werden, erhält Lonrho neue Implats-Aktien. Die Aktien werden an der Johannesburger Börse und der Londoner Börse notiert. Nach Ausgabe der neuen Aktien werden Gencor und Lonrho jeweils rund 32 % der Implats-Aktien halten, die restlichen Aktien befinden sich in Streubesitz.
III. DER ZUSAMMENSCHLUSS
Gemeinsame Kontrolle
(8) Die Parteien benennen jeweils vier Mitglieder des Board of Directors von Implats. Dem Board werden zwei unabhängige nichtgeschäftsführende Board-Mitglieder und vier geschäftsführende Board-Mitglieder angehören, die weder Beschäftigte noch Board-Mitglieder des Lonrho- oder Gencor-Konzerns sind. Eines der von Gencor benannten Board-Mitglieder wird zum Vorsitzenden ernannt, dessen Stimme bei Stimmengleichheit ausschlaggebend ist. Die ausschlaggebende Stimme wird jedoch nicht bei Entscheidungen eingesetzt, die dem Board in seiner Gesamtheit vorbehalten sind und für die durch eine Stimmvereinbarung sicherstellt ist, daß die von den Parteien benannten Mitglieder in der gleichen Weise stimmen. Ähnlich wird sichergestellt, daß die Parteien über Vorschläge der Implats-Hauptversammlung in gleicher Weise abstimmen. Dem Board in seiner Gesamtheit vorbehalten sind:
a) der Abschluß, die Änderung und die Beendigung aller Vereinbarungen oder Verträge zwischen Implats und Gencor oder Lonrho;
b) die Veräußerung oder Übernahme von Vermögenswerten, deren Gesamtwert 50 Million Rand (rund 10 Millionen ECU) pro Vorgang überschreitet;
c) die Genehmigung des Budgets;
d) Dividendenausschüttungen und die Ausgabe von Aktien.
Aufgrund der Managementstruktur nach Abschluß des Vorhabens werden die Parteien daher die gemeinsame Kontrolle über Implats haben.
Dauerhafte Ausübung aller Funktionen
(9) Implats wird weiterhin in der Gewinnung und Raffination von PGM tätig sein. Das Vorhaben führt zur Zusammenlegung der Aktivitäten von Implats mit denjenigen der LPD-Unternehmen Westplats und Eastplats und somit zur Schaffung eines größeren Unternehmens, das alle PGM-Aktivitäten der Muttergesellschaften zusammenfaßt. Implats und LPD sind bereits Unternehmen mit allen Funktionen einer selbständigen wirtschaftlichen Einheit, und die Zusammenlegung des jetzigen Unternehmens Implats mit Westplats und Eastplats ändert daran nichts. Es handelt sich somit um ein Vollfunktions-Gemeinschaftsunternehmen.
Keine Koordinierung
(10) Implats, Eastplats und Westplats stellen sämtliche Beteiligungen von Lonrho und Gencor im Bereich des Abbaus, der Gewinnung und der Raffination von PGM dar. Außerdem haben die Parteien als Teil des Vorhabens vereinbart, daß Implats das einzige Unternehmen sein soll, über das künftig Beteiligungen im Bereich des primären Abbaus, der Verarbeitung, der Raffination von PGM oder des Handels damit von einem der beiden Konzerne zum Zweck der Ausbeutung von PGM erworben oder gehalten werden. Das Vorhaben schafft daher weder Möglichkeiten für eine Koordinierung zwischen Gencor oder Lonrho und Implats noch das Risiko eines Wiedereintritts der Parteien in die Märkte für PGM.
(11) Nach Angabe der Parteien verfügt Rembrandt über eine durchgerechnete Beteiligung von 14 % an Northam Platinum Limited ("Northam"), an der daneben als weitere bedeutende Aktionäre Anglo American Corporation of South Africa Limited ("AAC") zu 21 % und Liberty Life (ein Gencor-Aktionär) zu 7 % beteiligt sind, während sich die restlichen Northam-Aktien in Streubesitz befinden. Außerdem wurde angegeben, daß Sanlam über keine wesentlichen Beteiligungen an anderen Platinmetallbergwerken verfügt und weder Sanlam noch Rembrandt materiell mit AAC verbunden sind. In jedem Fall wird Lonrho künftig keine Beteiligungen im Bereich des Abbaus und der Raffination von PGM außerhalb von Implats haben. Somit schafft das Vorhaben keine Möglichkeiten für eine Koordinierung zwischen Lonrho und den Gencor-Obergesellschaften.
Schlußfolgerung
(12) Das Gemeinschaftsunternehmen wird von Gencor und Lonrho gemeinsam kontrolliert werden und ein Vollfunktions-Gemeinschaftsunternehmen sein. Es besteht keine Gefahr einer Koordinierung zwischen den Parteien, die sich aus dem Vorhaben ergäbe, da lediglich Rembrandt, eine der Gencor-Obergesellschaften, über Beteiligungen im Bereich des Abbaus und der Raffination von PGM außerhalb des Gemeinschaftsunternehmens verfügen wird. Das zu gründende Gemeinschaftsunternehmen ist daher im Sinne der Fusionskontrollverordnung ein konzentratives Gemeinschaftsunternehmen.
IV. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG
(13) Der Zusammenschluß ist nach Artikel 1 Absatz 2 der Fusionskontrollverordnung von gemeinschaftsweiter Bedeutung. Der von den beteiligten Unternehmen weltweit erzielte Gesamtumsatz von mehr als 10 Mrd. ECU überschreitet die von der Fusionskontrollverordnung festgelegte Schwelle von 5 Mrd. ECU. Gencor und Lonrho hatten beide im letzten Geschäftsjahr einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 Mio. ECU. Die Parteien erzielen nicht mehr als zwei Drittel ihrer gemeinschaftsweiten Gesamtumsatzes in ein und demselben Mitgliedstaat.
V. EINFLUSS AUF DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSRAUM
(14) Die Gesamtumsätze der Parteien im EWR sind: Lonrho 1 281 Millionen ECU (1994) und Gencor 1 164 Millionen ECU (1995). Überdies werden von LPD die PGM-Umsätze durch Western Metal Sales, eine Brüsseler Tochterfirma von Lonrho, erzielt.
(15) AACs Platinunternehmen, Amplats, der dritte große südafrikanische Lieferant, verkauft ebenso einen bedeutenden Teil seiner Metalle durch seinen alleinigen Verkaufsagenten Johnson Matthey im Vereinigten Königreich. Johnson Matthey verkauft diese dann an Verbraucher und Tochterunternehmen in der ganzen Welt.
(16) In der Zeit von 1993 bis 1995 betrug der westeuropäische Verbrauch von PGM 20 % des Weltverbrauchs. Jedoch muß diese Zahl mit Vorsicht betrachtet werden, weil, wie schon weiter unten festgestellt wurde, die PGM Märkte weltweit sind. Demgemäß sind PGM frei-, leicht- und weitbeweglich; ein Verkauf in einer Region zieht den Gebrauch in einer anderen nach sich. Einige der Verkäufe der Parteien an Abnehmer, die im EWR ansässig sind, werden in Drittländer exportiert; beispielsweise verkauft LPD an Mitsubishi im Vereinigten Königreich, Mitsubishi verkauft dann an Letztverbraucher in Japan. Umgekehrt ist der größte Abnehmer von Implats General Motors, die ihre Einkäufe in Nordamerika tätigen. General Motors wiederum verkauft an seine Tochterfirmen in der EU.
(17) Es gibt eine beachtenswerte Präsenz der nachgeordneten verarbeitenden Industrie (die PGM in halbfertige und fertige Erzeugnisse verarbeitet) im EWR einschließlich multinationaler Unternehmen, die im Vereinigten Königreich, Deutschland und Frankreich ansässig sind. Darüber hinaus befindet sich einer der drei internationalen Märkte für PGM in London mit Lieferungen, die für diesen Markt in Zürich stattfinden.
(18) Auf der Grundlage der vorherigen Ausführungen ist zu schließen, daß sämtliche Auswirkungen auf den Weltmarkt in der EU und im EWR vollständig widergespiegelt werden.
VI. DIE RELEVANTEN MÄRKTE
A. Die relevanten Produktmärkte
A.1. Hintergrund: Die Platinmetalle
(19) Die Tätigkeiten beider Parteien erstrecken sich auf den Abbau und die Raffination bestimmter Metalle, die unter der Sammelbezeichnung PGM bekannt sind. Diese werden in komplexen Verfahrensschritten auf festgelegte Reinheitsgrade raffiniert.
(20) PGM treten zusammen im selben Erz auf. Außerdem liegen sie aufgrund geologischer Prozesse häufig als Begleiter von Eisenmetallen (Eisen, Nickel, Kupfer, Chrom und Kobalt) vor. PGM stellen jedoch keinen einzelnen relevanten Produktmarkt dar, sondern sechs unterschiedliche Märkte, nämlich: Platin, Palladium, Rhodium, Iridium, Ruthenium und Osmium. In ihrer Anmeldung gaben die Parteien an, daß PGM "für den Einsatz in Kfz-Abgaskatalysatoren kombiniert werden können, ansonsten aber in einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen eingesetzt werden und nicht untereinander substituierbar sind, da sie sich in ihren Eigenschaften unterscheiden". Außerdem ist die Substituierbarkeit von PGM in der Tat beschränkt. Ein Verarbeiter gab an:
"Platinmetalle weisen viele einzigartige Eigenschaften auf, ... eine vollständige Substitution erfolgt nur selten oder langsam, auch wenn Materialeinsparungen (d. h. die Verringerung der pro Erzeugnis verwendeten PGM-Menge) an der Tagesordnung sind."
(21) Der weltweite Gesamtumsatz mit Platinmetallen belief sich 1994 auf rund 2,3 Mrd. ECU. Platin ist (mit einem Umsatzanteil von 65 %) das wichtigste und am häufigsten verwendete Platinmetall (daher auch die Sammelbezeichnung "PGM"). Palladium und Rhodium folgen an zweiter und dritter Stelle mit Umsatzanteilen von 23 bzw. 12 %. Die restlichen drei PGM (Iridium, Osmium und Ruthenium) sind von geringerer wirtschaftlicher Bedeutung und machen zusammen weniger als 1 % des Gesamtumsatzes mit Platinmetallen aus. Sie finden in der Regel in Legierungen mit Platin oder Palladium sowie in speziellen Anwendungen Einsatz, für die sie aufgrund ihrer physikalischen oder chemischen Eigenschaften besonders geeignet sind.
(22) PGM sind seltene Metalle. Es wird zwanzigmal weniger Platin als Gold erzeugt. PGM gelten darüber hinaus als Edelmetalle. Insbesondere zeichnen sie sich durch Widerstandsfähigkeit gegen Oxidation und Korrosion, Temperaturbeständigkeit (mit Schmelzpunkten über 1 500 °C), Säureunlöslichkeit und eine sehr hohe elektrische Leitfähigkeit aus. Außerdem verfügen sie über herausragende katalytische Eigenschaften (ein Katalysator leitet eine chemische Reaktion ein oder beschleunigt sie, aus der er selbst unverändert wieder hervorgeht). Aufgrund dieser besonderen physikalischen und chemischen Eigenschaften finden PGM in einer Vielzahl von Bereichen Anwendung, unter anderem:
- in Schmuckwaren;
- in Abgaskatalysatoren und anderen kraftfahrzeugtechnischen Anwendungen wie Zündkerzen und Lambda-Sonden;
- in allgemeinen industriellen Katalysatoranwendungen, in der industriellen Verfahrenstechnik wie der Erdölraffination und bei der Herstellung von Gläsern für Flüssigkristallanzeigen (LCD-Anzeigen);
- in elektronischen Bauteilen wie beispielsweise Festplatten von PCs
und
- in elektronischen Bauelementen des Mehrschicht-Keramikkondensatortyps (MLCC), die in großem Umfang in Computern und Telekommunikationsgeräten eingesetzt werden.
(23) Aufgrund ihrer Eigenschaften sind PGM daher von großer Bedeutung für die Fahrzeugtechnik, die Elektronik und die chemische Industrie und, im Fall von Platin, auch für Schmuckwaren. Wie im folgenden ausgeführt wird, sind als die von dem angemeldeten Vorhaben betroffenen Märkte die Märkte für jedes einzelne raffinierte PGM anzusehen.
A.2. Platin
i) Hauptverwendungszwecke von Platin
(24) Platin wird hauptsächlich in Kfz-Abgaskatalysatoren (32 %), für industrielle Zwecke (20 %) und für Schmuck (38 %) verwendet, während ein Rest (10 %) im wesentlichen zu Anlagezwecken gekauft wird (siehe Abschnitt VI.). Wie im folgenden ausgeführt wird, ist Platin für diese Zwecke nur begrenzt durch andere Metalle ersetzbar.
Kraftfahrzeugtechnische Anwendungen
(25) Abgaskatalysatoren auf der Basis von Platin, Palladium und/oder Rhodium wurden entwickelt, um die drei schädlichsten Abgasbestandteile von Verbrennungsmotoren, nämlich Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx) und unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) aus den Abgasen zu entfernen. Der Katalysator wandelt diese Schadstoffe in weniger schädliche Verbindungen (Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser) um.
(26) Im wesentlichen werden zur Zeit zwei Arten von Abgaskatalysatoren hergestellt. Beim älteren der beiden Systeme wandelt ein oxidierender Platin/Palladium-Katalysator die beiden Abgasbestandteile CO und HC (daher als "Zwei-Wege-Katalysator" bezeichnet) zu Kohlendioxid und Wasser um. Das neuere System erfuellt nicht nur die Funktion des Zwei-Wege-Katalysators, sondern entfernt auch den dritten Schadstoff NOx. Dieser Katalysator, der außer Platin und Palladium auch Rhodium enthält, wandelt CO, HC und NOx in Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser um, weshalb er als "Drei-Wege-Katalysator" bezeichnet wird. Drei-Wege-Katalysatoren enthalten entweder Platin/Rhodium oder Platin/Palladium/Rhodium.
(27) Platin, Palladium und Rhodium werden in unterschiedlichen Anteilen in Abhängigkeit von den spezifischen Anforderungen, etwa Motorgröße, Kraftstoff (Benzin oder Diesel), angestrebtem Wirkungsgrad und Fahrzeugmasse, und je nach der vom Hersteller verwendeten Konstruktion und Technik eingesetzt. Platin hat gegenüber den anderen PGM den Vorteil, daß es für eine breitere Palette von Abgasen geeignet ist. Von den drei genannten Metallen ist es bei der CO- und HC-Umwandlung das aktivste, wird am wenigsten von Blei und Schwefel im Kraftstoff beeinträchtigt und ist bereits bei einer niedrigen Temperatur katalytisch aktiv. Jedoch vermindert es den NOx-Ausstoß nicht wirksam (hier werden mit Rhodium bessere Ergebnisse erzielt). Palladium kann in gewissem Umfang CO und HC umwandeln und den NOx-Ausstoß mindern, wird jedoch leicht durch Katalysatorgifte desaktiviert und erst bei längerem Betrieb wirksam. Platin, Palladium und Rhodium weisen somit in der katalytischen Abgasreinigung unterschiedliche Leistungsmerkmale auf.
(28) Des weiteren erfordern Konstruktionsänderungen bei Kraftfahrzeugbauteilen in der Regel Vorlaufzeiten von mehreren Jahren. Solche Änderungen sind kostspielig, da mit ihnen ein erheblicher FuE- und Prüfaufwand verbunden ist, um die Einhaltung immer strengerer Umweltschutzvorschriften durch das neue Modell sicherzustellen. Automobilhersteller haben angegeben, daß der FuE-Aufwand für eine Neukonstruktion nicht wirtschaftlich ist, sofern es keine spürbare und unumkehrbare Preisänderung bei PGM gibt oder die Umweltschutzvorschriften gelockert werden. Die Kosten für die Umstellung übertreffen bei den Automobilherstellern eindeutig die Kosten der verschiedenen PGM. Daher sind die PGM für Abgaskatalysatoren nur beschränkt untereinander substituierbar. Statt einer Substituierbarkeit ist eher der einander ergänzende Charakter der PGM in Kfz-Abgaskatalysatoren erwiesen. Außerdem werden für Dieselmotoren nur Katalysatoren mit Platin und nicht mit Palladium verwendet. Die Möglichkeiten einer Substitution von Platin durch Palladium scheinen daher für diese Zwecke beschränkt zu sein.
(29) Die Parteien haben ausgeführt, daß wesentlich größere Möglichkeiten für die Substitution von Platin durch Palladium in Kfz-Abgaskatalysatoren bestehen, als von der Kommission zugestanden wird. In diesem Zusammenhang sollen Ford, Nissan und Engelhard führend an der Entwicklung dieser Technologie beteiligt sein, die sich in Europa wegen der kleineren Fahrzeugmotoren stärker auswirken soll.
(30) Im Verlaufe des Verfahrens ist die Kommission mit zweien dieser Unternehmen in Verbindung getreten. Das eine Unternehmen gab an, daß es stets Platin und Rhodium für die Fertigung von Abgaskatalysatoren verwendet hat und Änderungen kostspielige Designmodifikationen erfordern würden. Das andere Unternehmen bestätigte, daß es ausschließlich Palladium enthaltende Kfz-Abgaskatalysatoren herstellt.
(31) Die Kommission erkennt an, daß Palladium Platin in den letzten Jahren bei gewissen Typen von Autokatalysatoren ersetzt hat. Wie von den Parteien angegeben wurde, wird sich dieser Trend bis zu einem gewissen Punkt fortsetzen. Jedoch vertritt die Kommission die Ansicht, daß es wegen der hohen Umstellungs- und Entwicklungskosten und der spezifischen Reaktionseigenschaften jedes Metalls nur eher beschränkte Möglichkeiten für eine spürbare Substituierung von Platin durch Palladium bei Autokatalysatoren gibt. Wie bereits oben ausgeführt, bringen es diese Eigenschaften mit sich, daß Blei und Schwefel Palladium desaktivieren und Dieselmotoren und große Benzinmotoren Platinkatalysatoren benötigen. Nach Auffassung von Johnson Matthey sind "viele europäische Fahrzeuge mit zweiteiligen Katalysatorsystemen ausgestattet, es ist deshalb nun üblich, einen Katalysator aus Palladium/Rhodium in Verbindung mit einem anderen platinhaltigen Katalysator zu gebrauchen. Dies ermöglicht es den Autoherstellern, die Wirksamkeit von Palladium in der HC-Umwandlung zu nutzen, während Platin wegen seiner CO-Aktivität und Rhodium wegen seiner Reaktionsfreude mit NOx beibehalten wird". Die Parteien stimmen zu, daß Platin nicht zur Gänze durch Palladium substituiert werden kann. (siehe Antwort der Parteien vom 19. März 1996 auf die sich in der Anhörung ergebenden Fragen).
(32) Obwohl der Einsatz von Palladium im Verhältnis zu Platin auch zugenommen hat, wird die Marktnachfrage nach Platin anhalten, das ein wesentlicher Bestandteil von Kfz-Abgaskatalysatoren bleiben wird.
Industrielle Anwendungen
(33) Platin wird für vielfältige industrielle Anwendungen eingesetzt, z. B. in feinmaschigen Katalysatornetzen bei der Herstellung von Salpetersäure für Düngemittel und in der Glasindustrie in Ausrüstungen aus Platin-Rhodium-Legierungen, die bei stark korrodierenden Prozessen bei der Fertigung von hochwertigem LCD-Glas (das in Computer- und Fernsehbildschirmen zu finden ist) eingesetzt werden. Platin kann in solchen industriellen Anwendungen nicht ersetzt werden.
Schmuckwaren
(34) Platin ist, wie im folgenden ausgeführt wird, eine weltweit gehandelte Ware. Die Nachfrage nach Platin für Schmuckwaren wird vom japanischen Markt bestimmt. Rund 85 % der weltweiten Endverbrauchsnachfrage nach Platin für die Schmuckverarbeitung entfiel 1994 auf japanische Kunden. Der besondere Charakter des japanischen Schmuckwarenmarkts kann daher einen wesentlichen Einfluß auf die Platinnachfrage und somit darauf haben, ob Platin in wesentlichem Ausmaß durch andere Metalle ersetzbar ist.
(35) Die Gründe für diesen hohen Verbrauch sind historischer Natur. Zum ersten messen die Japaner der Reinheit einen großen Wert bei, und Platin kommt dem mit einem Reinheitsgrad von 99,95 % und seiner weißlichen Erscheinung entgegen. Zum zweiten unterlag die Goldeinfuhr lange Jahre (bis 1973) einer strengen Kontrolle, so daß sich eine Tradition der Platinverarbeitung für Schmuckwaren entwickelte. Schließlich hat auch die Stärke des Yen gegenüber dem amerikanischen Dollar (der Währung, in der Platinpreise quotiert werden) in den letzten Jahren die Nachfrage nach Platin wie auch nach anderen Edelmetallen wie Gold gestützt.
(36) Platin wird als einziges PGM für Schmuckwaren verwendet. Es ist das wertvollste aller Edelmetalle, und Platinschmuck ist insbesondere auch teurer als Goldschmuck. Abgesehen von den höheren Materialkosten ist Platinschmuck auch deshalb teurer, weil Platin zur Schmuckverarbeitung einen höheren Reinheitsgrad als Gold aufweist und sich auch schwerer verarbeiten läßt als Gold. Wie im folgenden noch ausgeführt wird, stellen jedoch weder Gold noch andere Edelmetalle einen Ersatz für Platin im japanischen Schmuckwarenmarkt dar.
(37) Die Kommission hat folgende Daten zur aktuellen Position von Platin im Vergleich zu Gold auf dem japanischen Markt eingeholt: 1994 wurden in Japan 29,3 Mio. Schmuckstücke aus Platin, Gold oder Platin/Gold-Kombinationen verkauft. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, entfallen auf Platin 23,2 % aller verkauften Schmuckstücke, jedoch 57 % des Umsatzes mit Schmuckwaren, was die wesentlich höheren Preise von Platinschmuckstücken widerspiegelt.
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(38) Platin erreichte 1994 bei edelsteinbesetzten Schmuckstücken einen Umsatzanteil von 64 %, Gold 31 % und Platin/Gold in Kombination 5 %. Andererseits entfielen bei edelsteinlosen Schmuckstücken auf Gold im gleichen Jahr 59 % des Umsatzes. Dies deutet darauf hin, daß Platin hauptsächlich für teureren Schmuck im oberen Segment des japanischen Schmuckwarenmarkts verwendet wird.
(39) Für Ringe ist Platin mit Abstand die erste Wahl in Japan. 1994 waren 98 % aller Verlobungsringe, 63 % aller Hochzeitsringe und 66 % aller sonstigen Ringe aus Platin. Nur für 2 % aller Verlobungsringe wurde somit entweder Gold oder eine Platin/Gold-Kombination verwendet; bei den Hochzeitsringen waren 16 % aus Gold und 21 % aus Platin/Gold-Kombinationen. Die überwältigende Popularität von Platin im Vergleich zu Gold und Platin/Gold-Kombinationen bei Ringen ist in den letzten fünf Jahren aufgrund der Besonderheiten des Käuferverhaltens auf dem japanischen Schmuckwarenmarkt recht stabil geblieben. Demgegenüber wird bei anderen Arten von Schmuck nur in geringerem Ausmaß auf Platin zurückgegriffen. Auf Platin entfiel 1994 ein Umsatzanteil von 45 % bei Anhängern, 36 % bei Halsketten und 25 % bei Ohrringen.
(40) Gold und Platin scheinen daher bei Schmuckwaren nicht gut substituierbar, da sie sich in ihrer typischen Endnutzung stark unterscheiden.
(41) Der erhebliche Preisunterschied zwischen Gold- und Platinschmuckwaren auf dem japanischen Markt ist ebenfalls ein Anhalt dafür, daß Gold und Platin bei Schmuckwaren nicht in wesentlichem Umfang substituierbar sind. Eine Schätzung der Preiselastizität der japanischen Platinnachfrage für Schmuckwaren belegte darüber hinaus, daß Platin keinem ausgeprägten Wettbewerb durch andere Metalle unterliegt.
(42) Zu dieser Berechnung der Preiselastizität der japanischen Platinnachfrage bei Schmuckwaren war eine ökonometrische Schätzung erforderlich. Die Kommission hat im Rahmen ihrer Überprüfung des vorliegenden Falls ein Gutachten zu den Faktoren, die den Platinpreis beeinflussen, in Auftrag gegeben (siehe unten). In der Studie wird die Preiselastizität der japanischen Platinnachfrage bei Schmuckwaren auf -0,6, also als unelastisch (Elastizität kleiner eins) (3) geschätzt.
(43) Eine geringe Preiselastizität impliziert eine geringe Substituierbarkeit. Aus den genannten Daten kann geschlossen werden, daß Platin bei Schmuckwaren daher auf dem japanischen Markt keinem ausgeprägten Wettbewerb durch andere Edelmetalle ausgesetzt ist.
Nachfrage zu Anlagezwecken
(44) Platin wird zu Anlagezwecken an Privatpersonen und Unternehmen (hauptsächlich in Japan) zum Beispiel in Form von Barren verkauft; eine solche Anlage kann Spekulationscharakter haben. Platin ist in dieser Hinsicht jedoch nicht mit Gold vergleichbar, das in der Vergangenheit ein Zahlungsmittel war. Die Nachfrage nach Platin zu Anlagezwecken spiegelt daher die zugrundeliegende Verwendung von Platin für Kfz-Abgaskatalysatoren, für den industriellen Einsatz und für Schmuckwaren wider, weil der Wert des Platins durch diese Verwendungen bestimmt wird. Außerdem liegen keine Anzeichen dafür vor, daß angesammelte Bestände solcher Barren und Münzen wieder auf den Platinmarkt kommen. Belegt wird dies in der Veröffentlichung Platinum 1995 Interim Review von Johnson Matthey, wo ein Rückgang der Anlagenachfrage nur für ein Jahr (1986) und auch nur für eine Art Barren nachgewiesen ist.
Schlußfolgerung
(45) Es gibt keinen Ersatz für Platin in dessen Hauptanwendungen für Kfz-Abgaskatalysatoren, für den industriellen Einsatz und für Schmuckwaren. Diese Schlußfolgerung wird durch eine Analyse der Faktoren, die den Platinpreis beeinflussen, bestätigt.
ii) Faktoren, die den Platinpreis beeinflussen
(46) Platin ist eine frei gehandelte Ware, deren Preis durch den Ausgleich von Angebot und Nachfrage am Markt zustande kommt. Nach Angaben einiger bedeutender Händler/Verarbeiter und Banken, die im Platinmarkt tätig sind, werden die Platinpreise durch die Einsatzzwecke des Metalls bestimmt. Der Platinmarkt ist vom Volumen her - verglichen beispielsweise mit Gold - ein relativ kleiner Markt. Laut Händlern/Verarbeitern und Banken ist der Platinmarkt daher nicht sehr spekulativ, weil ein einmal erworbener größerer Bestand offensichtlich schwerer wieder abgestoßen werden kann, was das Risiko bei Beteiligung in Marktspekulationen erhöht.
(47) Wie nachfolgend dargelegt, ist die Kommission der Auffassung, daß die grundlegenden Angebots- und Nachfragefaktoren für die Platinverwendung in Schmuckwaren, in Kfz-Abgaskatalysatoren und für den industriellen Einsatz bestimmenden Einfluß auf den Platinpreis haben.
Feststellungen des Metals Analysis Outlook
(48) Um die preisbeeinflussenden Angebots- und Nachfragefaktoren zu erfassen, hat die Kommission die wichtigsten preisbeeinflussenden Faktoren der letzten fünf Jahre anhand von Auszügen der Zeitschrift Metals Analysis Outlook verfolgt, die die Marktentwicklung quartalsweise vorhersagt. Anhand dieser Unterlagen wurden als wichtigste Faktoren ermittelt:
- Vorhersagen zu Produktion, Ausbau oder Aufgabe südafrikanischer Abbaustätten,
- Umfang des Platinrecyclings,
- Umfang der Almaz-Verkäufe für den russischen Staat, vorhergesagt anhand der Nickelproduktion und der Lagerbestände,
- Verbrauch für Abgaskatalysatoren und kraftfahrtechnische Anwendungen,
- Schmuckwarennachfrage in Japan, dortige Wirtschaftslage und Yen/Dollar-Wechselkurse sowie
- in Verarbeitung befindliche Bestände.
(49) Die aufgezählten Faktoren zeigen, daß der Platinpreis von den grundlegenden Angebots- und Nachfragefaktoren für Platin bestimmt wird. Daher stellt Platin einen relevanten Produktmarkt dar, der sich von dem anderer Edelmetalle unterscheidet.
Gutachten der Kommission zu den Faktoren, die Platinpreisbewegungen beeinflussen
(50) Zweck des Kommissionsgutachtens war es, soweit möglich die wichtigsten Faktoren zu ermitteln, die die Platinpreise bestimmen. Das Gutachten kommt zu folgenden Hauptergebnissen:
a) Der Platinpreis korreliert statistisch kurzfristig mit dem Goldpreis, nicht notwendigerweise jedoch langfristig (der Zusammenhang wird weiter unten als Scheinkorrelation identifiziert), der Platinpreis wird jedoch auch durch das grundlegende Verhältnis von Angebot und Nachfrage innerhalb der Platinindustrie bestimmt.
b) Die Korrelation zwischen Gold- und Platinpreisen belegt nicht, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Preisen besteht.
c) Eine signifikante Beziehung ist weder zwischen Platinpreisen und den wichtigsten makroökonomischen Indikatoren (Inflationsraten, Zinssätze, Wechselkurse und Wirtschaftswachstum) noch zwischen Goldpreisen und den wichtigsten makroökonomischen Indikatoren feststellbar.
d) Der Platin-Terminmarkt ist im wesentlichen ein Markt für Termingeschäfte und in der Regel nicht durch ein hohes Maß an Spekulationsgeschäften gekennzeichnet. Langfristig herrschen daher die fundamentalen Daten als entscheidender preisbestimmender Faktor vor.
e) Die Nachfrage nach Platin ist preisunelastisch (Elastizität kleiner eins, siehe Abschnitt iii) unten).
f) Zwar ist der Platinmarkt kleiner als der Goldmarkt und größeren Schwankungen ausgesetzt, doch liegen keine Anzeichen für eine übermäßige Spekulation vor. Anders als bei Gold gibt es bestenfalls begrenzte Platinbestände, um eine periodisch auftretende Spitzennachfrage zu Anlagezwecken zu befriedigen.
(51) Das Gutachten bestätigt daher, daß der Platinmarkt kein hochgradig spekulativer Markt ist und grundlegende Angebots- und Nachfragefaktoren preisbestimmend sind.
Scheinkorrelationen zwischen Platin-, Gold-, Silber-, Rhodium- und Palladiumpreisen
(52) Zwar korrelieren die Preise von Edelmetallen wie Gold und Platin hochgradig, eine ausgeprägte Korrelation impliziert für sich allein genommen jedoch noch keinen Kausalzusammenhang. Ökonomische Preisreihendaten sind häufig nichtstationär (d.h. weisen einen Trend auf) und korrelieren dadurch automatisch. Die Kommission hatte sich daher für eine gründlichere Analyse der Korrelation zwischen den Platin-, Gold-, Silber-, Rhodium- und Palladiumpreisen entschieden.
(53) Die Kommission hat eine Kointegrationsanalyse der Preisdaten für Platin, Rhodium und Palladium sowie für Gold und Silber vorgenommen. Bei der Kointegrationsanalyse handelt es sich um ein ökonometrisches Verfahren, bei dem geprüft wird, ob eine systematische Gleichgewichtsbeziehung (oder langfristige Beziehung) zwischen zwei oder mehr Zeitreihendaten vorliegt. Nach den Analyseergebnissen belegen die Daten keine Gleichgewichtsbeziehung (oder langfristige Beziehung) zwischen den verschiedenen Preisniveaus für Platin, Rhodium, Palladium, Gold und Silber oder für eine beliebige Teilmenge dieser Metalle. Die ökonometrische Analyse der Metallpreise ergibt, daß die Platin-, Rhodium-, Palladium-, Gold- und Silberpreise sich langfristig unabhängig voneinander verändern. Dies bestätigt die Auffassung, daß Platin, Rhodium, Palladium, Silber und Gold separate relevante Produktmärkte sind.
Von den Parteien angewandte Methode für die Platinpreisprognose
(54) Die Bedeutung der grundlegenden Angebots- und Nachfragefaktoren für die Entwicklung der Platinpreise wird durch die Methode bestätigt, mit der die Parteien die Platinpreise prognostizieren. Nach Angaben von Implats sind die Preise kurzfristig (bis zu ein Jahr im voraus) sehr schwer vorherzusagen und beruhen auf einer Reihe von Faktoren wie Gold- und Silberpreisen, Veränderungen bei den Zinssätzen und Wechselkursen, Gerüchten über technische Entwicklungen usw. Längerfristig (länger als ein Jahr im voraus) betrachtet Implats die grundlegenden Angebots- und Nachfragefaktoren, bei denen ein Überangebot schwächere Preisen verursacht, während Angebotsdefizite umgekehrt zu höheren Preisen führen. LPD sagt kurzfristige Preise (6-12 Monate) durch Betrachtung der Faktoren Marktstimmung, Spekulationstätigkeit und Metallverfügbarkeit vorher. Langfristige Preise werden prognostiziert, indem einfach ein geschätzter US-Inflationsfaktor auf die Preise der kurzfristigen Vorhersage angewandt wird. Es ist jedenfalls klar, daß sowohl LPD als auch Implats die Verfügbarkeit des Metalls und somit den jeweiligen Angebots- und Nachfrageausgleich als wichtig für die Berechnung des Platinmarktpreises erachten.
Schlußfolgerung
(55) Eine Analyse der Faktoren, die den Platinpreis beeinflussen, zeigt, daß der Platinpreis längerfristig von den grundlegenden Faktoren des Angebots und der Nachfrage bestimmt wird, wie der Nachfrage nach Platin zur Verwendung in Kfz-Abgaskatalysatoren, für industrielle Anwendungen und für Schmuckwaren. Der Platinpreis kann zwar durch kurzfristige spekulative Bewegungen bei Edelmetallen wie Gold beeinflußt werden, steht aber längerfristig nicht mit den Preisen anderer Edelmetalle in Zusammenhang.
iii) Preisunelastische Nachfrage nach Platin
(56) Der Anteil der Platinnachfrage, der auf industrielle Anwendungen und Kfz-Abgaskatalysatoren entfällt, ist preisunelastisch, wahrscheinlich mit einer sehr geringen Preiselastizität, da Platin in diesen Anwendungen im Grunde nicht substituierbar ist, abgesehen von einer beschränkten Substitutierbarkeit von Platin durch Palladium in bestimmten Abgaskatalysatoren. Die Elastizität der Schmucknachfrage im japanischen Markt wurde in der obengenannten Studie als preisunelastisch mit einer Elastizität von -0,6 ermittelt. Da Abgaskatalysatoren und industrielle Anwendungen etwa 51 % des Markts und der japanische Schmuckwarenmarkt etwa 34 % ausmachen, bedeutet das, daß die Preiselastizität für 85 % des gesamten Platinmarkts äußerst gering ist. Die restlichen 15 % der Nachfrage entfallen auf Schmuckwaren außerhalb Japans (5 %) und auf Platin zu Anlagezwecken (10 %). Der Schmuckwarenmarkt außerhalb Japans dürfte eine unelastische Nachfrage aufweisen, da Platinschmuck ein ganz besonderes Produkt des gehobenen Marktsegments darstellt. Außerdem hat die Nachfrage zu Anlagezwecken nur eine kleine Auswirkung auf die Preiselastizität des gesamten Markts. Insgesamt kann daraus geschlossen werden, daß die Preiselastizität des gesamten Markts unelastisch ist (kleiner als eins).
(57) Eine Preiselastizität kleiner als eins bedeutet, daß die Kreuzpreis-Substitutionselastizitäten gegenüber anderen Metallen noch kleiner sind, die Konkurrenzwirkung anderer Metalle also nicht sehr hoch ist. Eine unelastische Preiselastizität der Nachfrage deutet darauf hin, daß Platin einen separaten Produktmarkt darstellt.
(58) Die Nachfrage nach Platin ist offensichtlich nur in der aktuellen Preisspanne unelastisch. Das bedeutet, daß beispielsweise eine Änderung des Preisniveaus von 10 % möglich wäre, ohne daß eine größere Substitution stattfindet. Die Kommission schließt jedoch nicht aus, daß eine umfangreichere Substitution von Platin durch andere Metalle nach einer gewissen Vorlaufzeit erfolgen könnte, wenn der Preis beispielsweise um 100 % oder mehr steigt. Dieses Phänomen konnte bei Rhodium beobachtet werden, dessen Preis Anfang der neunziger Jahre von 300 US-Dollar auf 7 000 US-Dollar pro Unze stieg. Wegen des Preisanstiegs von über 2 000 % begannen die Käufer von Rhodium, Alternativen zu suchen. Als Ergebnis sind viele Rhodiumanwendungen entfallen. Diese Extremsituation ist im vorliegenden Fall jedoch nicht vorrangig von Belang.
(59) In der Antwort der Parteien auf die Beschwerdepunkte wird ausgeführt, daß die Analyse, die den Schlußfolgerungen der Kommission hinsichtlich der unelastischen Platinnachfrage zugrunde liegt, nicht stichhaltig ist (NERA - Bericht, S. 27). Jedoch haben die Parteien keinen Beweis für diese Behauptung erbracht und auch nicht bestritten, daß die Preiselastizität der Platinnachfrage unelastisch ist.
iv) Schlußfolgerung
(60) Auf der Grundlage der obigen Analyse stimmt die Kommission der Schlußfolgerung der Parteien in ihrer Anmeldung zu, daß Platin einen separaten relevanten Produktmarkt darstellt.
A.3. Palladium
(61) Palladium wird hauptsächlich für industrielle Anwendungen eingesetzt. Nur 4 % (200 000 Unzen) der Nachfrage pro Jahr entfällt auf Schmuckwaren, wo Palladium in Platinlegierungen oder als nicht-allergener Aufheller für Gold verwendet wird. Insbesondere kann Palladium Platin in Schmuckwaren nicht substituieren.
(62) Palladium wird in großem Umfang in Kfz-Abgaskatalysatoren und Industriekatalysatoren in der Erdölraffination und der chemischen Industrie verwendet, z. B. zur Begrenzung des Platin- und Rhodiumverlusts bei der Umwandlung von Ammoniak in Salpetersäure. Palladium ist auch ein Rohmaterial von strategischer Bedeutung in elektronischen Bauelementen, insbesondere in palladiumhaltigen Bauelementen, die als Mehrschicht-Keramikkondensatoren (MLCC) bekannt sind. Diese Bauelemente sind in elektronischen Geräten und Telekommunikationsausrüstungen weit verbreitet. Ein Mobilfunktelefon enthält beispielsweise rund einhundert MLCC-Bauelemente.
(63) Palladium kommt in denselben Erzen wie Platin vor und wird, wenn auch in einem anderen Raffinationsverfahren, von denselben Unternehmen produziert, die auch Platin herstellen.
(64) Wie bereits für Platin ausgeführt, schwankt auch der Palladiumpreis unabhängig von den Preisen anderer Platinmetalle und unabhängig von den Gold- und Silberpreisen (Abschnitt VI.A.2 ii)). Palladium ist in Autokatalysatoren nur begrenzt mit Platin und in einfacheren elektronischen Kondensatoren mit Nickel substituierbar. Die Kommission stimmt mit der Schlußfolgerung der Parteien in ihrer Anmeldung überein, daß Palladium einen separaten relevanten Produktmarkt darstellt.
A.4. Rhodium
(65) Rhodium wird hauptsächlich für kraftfahrzeugtechnische Anwendungen eingesetzt. Rhodium kommt in denselben Erzen wie Platin vor und wird, wenn auch in einem anderen Raffinationsverfahren, von denselben Unternehmen produziert, die auch Platin herstellen. Wie bereits für Platin ausgeführt, schwankt auch der Rhodiumpreis unabhängig von den Preisen anderer Platinmetalle und unabhängig von den Gold- und Silberpreisen (Abschnitt VI.A.2 ii)). Rhodium ist nicht substituierbar (Abschnitt VI.A.2 i)). Die Preiselastizität ist daher innerhalb der gegenwärtigen Preisspanne nahe null. Die Kommission stimmt mit der Schlußfolgerung der Parteien im Formblatt CO überein, daß Rhodium einen separaten relevanten Produktmarkt darstellt.
A.5. Ruthenium, Iridium und Osmium
(66) Die restlichen drei PGM (Iridium, Osmium und Ruthenium) sind von geringerer wirtschaftlicher Bedeutung und werden häufig für Legierungen mit Platin oder Palladium verwendet.
(67) Diese Metalle sind nicht substituierbar, und nach veröffentlichten Preisdaten scheinen sich ihre Preise zum gegenwärtigen Zeitpunkt unabhängig von denen anderer Metalle zu entwickeln. Daher scheinen diese Metalle jeweils separate relevante Produktmärkte darzustellen. Die Kommission stimmt mit der Schlußfolgerung der Parteien in ihrer Anmeldung überein, daß diese Metalle jeweils einen separaten relevanten Produktmarkt darstellen.
B. Der relevante räumliche Markt
B.1. Handel mit PGM
(68) PGM sind vertretbare Sachen, die leicht zu transportieren sind, weltweit nach denselben Reinheitsstandards raffiniert und ohne Zollschranken gehandelt werden. PGM werden weltweit entweder aufgrund langfristiger Verträge oder auf dem Metallmarkt gehandelt. Die Preise für PGM sind bei langfristigen Lieferverträgen an einen Marktpreisindex gebunden und werden im allgemeinen monatlich anhand des Durchschnitts der täglichen Börsenpreisfeststellungen in dem der Lieferung vorausgehenden Monat ermittelt. Die Preise sind in US-Dollar je Feinunze angegeben.
B.2. Die Platin- und Palladiumbörsen
(69) Die Hauptbörsen für Platin und Palladium sind der London Platinum and Palladium Market (LPPM), die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die Tokyo Commodity Exchange for Industry (TOCOM). Sowohl für Platin als auch für Palladium liegen detaillierte Anforderungen hinsichtlich Form, Gewicht, Reinheit und Kennzeichnung vor, die für den Handel an diesen Börsen erfuellt sein müssen. Eine Reihe von Erzeugern wurden von den Börsen als sogenannte "Good Delivery"-Erzeuger anerkannt, deren Waren für den Handel zugelassen sind.
(70) Die LPPM-Börse ist der einzige Spot-Markt unter den drei Börsen, wohingegen NYMEX und TOCOM beides Terminbörsen sind, von denen NYMEX die größte Bedeutung zukommt. Diese Börsen sind jedoch alle Teil desselben integrierten Weltmarkts für Platin und Palladium. Händler sind regelmäßig auf allen drei Börsen gleichzeitig tätig, beispielsweise im Handel am LPPM-Spot-Markt für die physische Lieferung, während sie am New Yorker Terminmarkt Sicherungsgeschäfte abschließen.
B.3. Händlerpreise für Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium
(71) Die Preise für Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium werden nicht an den Metallbörsen quotiert, sondern anhand der Preise der New Yorker Händler (NYD-Preise) und der Basispreise von Johnson Matthey ermittelt. Diese Marktpreise werden regelmäßig in der Veröffentlichung Platt's Metals Week bekanntgegeben bzw. stehen im Fall der Basispreise von Johnson Matthey den Händlern auf deren Computerbildschirmen zur Verfügung.
B.4. Schlußfolgerung
(72) Die Metallbörsen sind miteinander verknüpft. Daher ist ein weltweiter räumlicher Markt gegeben, auf dem die Weltmarktpreise für Platin und Palladium in US-Dollar je Feinunze quotiert werden.
(73) Die Märkte für die weniger bedeutenden Metalle sind schwächer entwickelt. Diese Metalle werden jedoch im weltweiten Maßstab zu öffentlich quotierten Preisen in US-Dollar je Feinunze gehandelt. Da Rhodium, Ruthenium, Osmium und Iridium auf weltweiter Basis gehandelt und ihre Marktpreise entsprechend bestimmt werden, ist der relevante räumliche Markt für jedes dieser Metalle der Weltmarkt.
VII. VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT UND DEM EWR-ABKOMMEN
(74) Durch das angemeldete Vorhaben würde die Zahl der Primärerzeuger von PGM in Südafrika von drei auf zwei verringert. Die südafrikanischen Platinvorkommen werden effektiv von diesen drei PGM-Erzeugern kontrolliert. Nur in Südafrika und in geringerem Ausmaß in den USA ist das Erz so ergiebig, daß es allein wegen der PGM gefördert wird, statt daß PGM als Nebenprodukte anfallen. Dies wird künftig auch in Simbabwe der Fall sein.
(75) Von den russischen Vorkommen abgesehen, die rund 10 % der Weltvorkommen ausmachen und bei denen PGM als Nebenprodukte der Nickelgewinnung anfallen, gibt es sonst keine nennenswerten PGM-Vorkommen in der Welt. Das Vorhaben würde somit dazu führen, daß auf zwei Unternehmen rund 90 % der Weltvorkommen an PGM entfallen.
(76) Durchführbarkeitsstudien und Schätzungen der Branche haben durchgängig bestätigt, daß Südafrika die wichtigste Quelle für PGM, insbesondere Platin selbst, ist und in absehbarer Zukunft bleiben wird.
(77) Unter den drei südafrikanischen Erzeugern nimmt LPD eine Sonderstellung ein. Dies beruht erstens auf der Konzernzugehörigkeit: als Unternehmen europäischen Ursprungs wurde es als Außenseiter in der Branche angesehen. Außerdem unterscheidet es sich in seinem Managementstil von den anderen südafrikanischen Bergbaugesellschaften und wird von anderen Unternehmen als "rank und schlank" bezeichnet.
(78) Alle PGM werden zwar zusammen abgebaut, doch stehen bei der Beurteilung des angemeldeten Vorhabens die Auswirkungen auf den Abbau und die Raffination von Platin und Rhodium im Mittelpunkt, da das Vorhaben nur in diesen Märkten zu einer beherrschenden Stellung führt. Bei Osmium gibt es außerdem zwischen den Parteien keine Überlappung, da LPD kein Osmium produziert. Desgleichen hat das Vorhaben nur begrenzte Auswirkungen auf den Palladiummarkt.
A. Quellen für Platinmetalle
A.1. Nachgewiesene und wahrscheinliche Vorkommen, Lagerbestände und vorhandene Abbaustätten von Platinmetallen
(79) PGM werden hauptsächlich in Südafrika und Rußland abgebaut, kleinere Vorkommen befinden sich auch in den USA und Kanada. Der Abbau von PGM erfolgt in Südafrika nach drei Methoden: in einem Tagebau, bei dem das Erz von der Oberfläche aus abgebaut wird, in sogenannten Tonnlagerschacht-Bergwerken, bei denen der Schacht im selben Winkel wie das Erzflöz in die Erde vorgetrieben wird, und in Bergwerken, bei denen der Schacht senkrecht in die Erde vorgetrieben wird und der Abbau der Erzflöze in waagerechten Stollen erfolgt. Der Tagebau ist die kostengünstigste Abbaumethode, gefolgt von Tonnlagerschacht-Bergwerken und schließlich Bergwerken mit senkrechtem Schacht. Die Kosten steigen bei letzteren ab einer Tiefe von 1 000 m stark an, da eine zusätzliche Kühlung erforderlich wird und die Wege für die Arbeitskräfte und den Transport des geförderten Erzes länger sind. Weder LPD noch Implats betreiben einen Tagebau, der einzige ist im Besitz des AAC-Platinbergbauunternehmens Amplats. Im allgemeinen gilt die bei allen drei Abbaumethoden eingesetzte Technik als ausgereift.
(80) Die einzelnen PGM fallen bei der Erzeugung in unveränderlichen, von der Natur vorgegebenen Relationen an, die von der jeweils ausgebeuteten Erzlagerstätte abhängen. Hinweisen offizieller Quellen (4) zufolge beträgt das Verhältnis Platin/Palladium/Rhodium beim Merensky-Riff etwa 100:42:21 und beim UG2-Riff 100:83:54. In anderen Ländern tritt Palladium im Verhältnis zu Platin mit einem höheren Anteil auf. Im größten russischen Bergwerk in Norilsk beträgt das Verhältnis rund 100:284:16, im amerikanischen Stillwater-Bergwerk 100:350:73 und im kanadischen Sudbury-Bergwerk 100:110:24. Diese Produktionsrelationen führen häufig zu erhöhten Lagerbeständen oder zum Überangebot der weniger nachgefragten Metalle. Sie sind auch der Grund, warum Palladium einen höheren Anteil an der russischen Produktion hat als Platin. In den südafrikanischen Bergwerken ist Platin jedoch mit Abstand das wichtigste Metall, auf das über 80 % des Umsatzes entfallen.
(81) Wie aus Tabelle 2 ersichtlich, deckten südafrikanische Erzeuger 1994 70 % der Weltnachfrage nach Platin und 75 % der Nachfrage nach Rhodium, während Rußland 22 % des Platins und 21 % des Rhodiums lieferte. Rußland war mit 63 % des weltweit umgesetzten Palladiums der größte Lieferer, während Südafrika 28 % lieferte. Diese Marktanteile können gewissen jährlichen Schwankungen unterliegen, wenn die Erzeuger Lagerbestände abbauen, was beispielsweise 1994 in Rußland definitiv der Fall war. Bei der Betrachtung eines mehrjährigen Zeitraums scheinen keine Zweifel zu bestehen, daß Südafrika der Hauptlieferer für alle Platinmetalle ist und bleiben wird. Wie aus Tabelle 3 hervorgeht, befanden sich 1993 89 % der Weltvorkommen in Südafrika, verglichen mit 10 % in Rußland und 1 % in Nordamerika (5).
PLATZ FÜR EINE TABELLE
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(82) Nach einer alternativen Beurteilung der Vorkommen, die von C.F. Vermaak in The Platinum Group Metals - a global perspective vorgenommen wurde, entfallen auf Simbabwe rund 9 % und auf Finnland rund 12 % der weltweiten Vorkommen. In Simbabwe wurde, wie weiter unten ausgeführt wird, mit dem Abbau dieser Vorkommen noch nicht begonnen, und die in-situ Vorkommen sind ungefähr 50% niedriger als im Bushveld-Komplex. In Finnland ist der PGM-Abbau grundsätzlich unwirtschaftlich und erfolgt nur als Nebenaktivität beim Nickelbergbau. Im Zeitraum 1981-1992 hat Finnland jährlich nur durchschnittlich 2 000 Unzen Platin gefördert. Folglich kann es als wesentliche Quelle für die Zukunft ausgeschlossen werden. Unter allen Umständen würde es sehr lange dauern und hohe Investitionen fordern, bevor Finnland sich zu einem wichtigen Produzent entwickelte. Außerdem ist zu beachten, daß in den letzten 30 Jahren intensiv nach PGM-Vorkommen gesucht wurde und nicht davon auszugehen ist, daß neue, nicht bereits bekannte Platinvorkommen bedeutenden Umfangs gefunden werden.
(83) Die südafrikanischen PGM-Vorkommen liegen im wesentlichen im Bushveld-Komplex rund 130 km nördlich Johannesburgs. Der Bushveld-Komplex ist die größte bekannte PGM-Lagerstätte der Welt. Es handelt sich dabei um eine ellipsenförmige Intrusion mit einem Ausmaß von etwa 350 × 250 km. PGM werden aus drei Erzflözen gewonnen, dem Merensky-Riff, dem UG2-Riff senkrecht unterhalb des Merensky-Riffs und dem Plat-Riff. Das Merensky-Riff und das UG2-Riff befinden sich im östlichen und westlichen Teil des Bushveld-Komplexes, das Plat-Riff im Nördlichen.
(84) In Rußland werden PGM hauptsächlich in der Norilsk-Lagerstätte in Nordsibirien gewonnen. Bei dieser Lagerstätte handelt es sich um ein Nickelerzvorkommen, bei dem PGM als Nebenprodukte anfallen. PGM sind auch in Kanada Nebenprodukte des Nickelbergbaus.
Schlußfolgerung
(85) Der Bushveld-Komplex in Südafrika ist das einzige größere Gebiet, in dem Lagerstätten ausschließlich wegen ihres Gehalts an PGM ausgebeutet werden. Außerdem entfallen auf den Bushveld-Komplex rund 89 % der weltweiten PGM-Vorkommen und auf Rußland nur rund 10 %, wo PGM als Nebenprodukte des Nickelbergbaus gewonnen werden.
A.2. Zutritt zu den PGM-Märkten und neue Bergbauprojekte
(86) In den letzten fünf Jahren ist kein unabhängiges Unternehmen neu in den Weltmarkt für PGM eingetreten (6).
(87) In Simbabwe werden zwei Bergbauprojekte durchgeführt. Das erste und wichtigste Projekt ist das Hartley Platinum Project, das ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden australischen Unternehmen Delta Gold und BHP ist. Nach öffentlich zugänglichen Informationen soll die Erzförderung 1996 beginnen. Im Zeitraum 1997-1999 sollen jährlich 150 000 Unzen Platin, 110 000 Unzen Palladium und 11 500 Unzen Rhodium produziert werden. Dies entspricht bei Platin 2,5 % der weltweiten Förderung, bei Palladium 2 % und bei Rhodium 2,5 %. Die von den Parteien in ihrer Antwort behauptete weitere Förderungserhöhung ist spekulativ.
(88) Das zweite Projekt in Simbabwe ist das Mimosa-Explorationsbergwerk, das von der Zimbabwe Mining and Smelting Company betrieben werden soll, die im Besitz des eigenen Managements ist. Nach veröffentlichten Schätzungen soll das Explorationsprojekt eine jährliche Fördermenge von 6 000 Unzen haben, die später gesteigert werden könnte. Das Erz ist jedoch anscheinend von geringerer Güte als im Hartley-Projekt, und in jedem Fall ist eine Ausweitung der Produktion in naher Zukunft nicht vorherzusehen. Einige weitere Projekte befinden sich im Planungsstadium, so unter anderem in Simbabwe, Kanada und den USA. Hinsichtlich des Stillwater-Bergwerks in den USA haben die Parteien angegeben, daß sich die Förderung bis Ende 1997 auf 125 000 Unzen jährlich verdoppeln könnte. Dieses Bergwerk bliebe auch dann mengenmäßig unbedeutend, da eine solche Fördermenge lediglich 2,5 % der Weltjahresförderung ausmacht. Außerdem wurde darauf verwiesen, daß sich die Stillwater-Produktion in Abhängigkeit von den Ergebnissen einer Durchführbarkeitsstudie bis zum Jahr 2000 auf 250 000 Unzen jährlich belaufen könnte. Dies entspräche 5 % der jetzigen Weltförderung, was auch bei tatsächlichem Erreichen dieser Menge als unbedeutend anzusehen wäre. Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß Stillwater über keine Weiterverarbeitungsanlagen verfügt, sondern die Raffination des geförderten Platins im Ausland vornehmen läßt.
(89) Alle bekannten wirtschaftlich ausbeutbaren Grubenfelder im südafrikanischen Bushveld-Komplex werden von Implats, LPD oder Amplats kontrolliert. Daher sind in dieser Region keine neu eintretenden Unternehmen zu erwarten. Außerdem ist die Errichtung eines neuen PGM-Bergwerks sehr kapitalintensiv, und der gesamte Investitionsbedarf für den Eintritt dürfte sich angesichts des erforderlichen Erwerbs von Land oder Grubenfeldern und der Ausrüstungsinvestitionen auf mehr als 100 Mio. US-Dollar belaufen. Ein Großteil dieser Aufwendungen stellt unwiderbringliche Kosten dar. Solche Projekte haben außerdem in der Regel eine Vorlaufzeit von mindestens fünf Jahren. Selbst wenn es wirtschaftlich wäre, hätte daher kein neues Projekt größeren Ausmaßes in vorhersehbarer Zukunft Auswirkungen auf den Markt.
Schlußfolgerung
(90) Nur das Hartley-Bergwerk wird sich wahrscheinlich zu einer neuen Quelle für PGM entwickeln, die nicht der Kontrolle der bisherigen Marktbeteiligten unterliegt. Es wird jedoch im Weltmarkt ohne Bedeutung sein und den Gesamtmarkt nur wenig beeinflussen. Es scheint daher sicher zu sein, daß die primären PGM weiterhin aus den bekannten südafrikanischen und russischen Lagerstätten kommen werden und von Amplats, Implats, LPD und Rußland erzeugt und verkauft werden.
A.3. Recycling von PGM
(91) Das PGM-Recycling erfolgt in zwei Formen:
a) Geschlossener Kreislauf
Bei industriell eingesetzten Katalysatoren müssen die PGM nach einer gewissen Betriebsdauer erneuert werden, weil sie durch Katalysatorgifte unwirksam werden. Geringfügige Verluste (rund 2 %) treten entweder beim Recycling oder in der industriellen Anwendung ein. Das Metall wird im Auftrag des Anlagenbetreibers raffiniert, so daß sich die Eigentumsverhältnisse durch das Recycling nicht ändern. Die Neunachfrage der Industrie ergibt sich daher aus der Erweiterung der Kapazitäten und dem Ersatz der geringen PGM-Verluste.
b) Schrottrecycling
PGM werden in geringen Mengen aus dem Schrottrecycling z. B. von gedruckten Schaltungen gewonnen, im wesentlichen jedoch aus verschrotteten Kfz-Abgaskatalysatoren. Nach Schätzungen von Johnson Matthey beläuft sich die Rückgewinnung von PGM aus Abgaskatalysatoren in der westlichen Welt auf folgende Mengen:
Tabelle 4 Gesamter PGM-Verbrauch für Kfz-Abgaskatalysatoren und Rückgewinnung aus Schrott
PLATZ FÜR EINE TABELLE
PLATZ FÜR EINE TABELLE
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(92) Tabelle 4 ist zu entnehmen, daß die Rückgewinnungsquote bei Platin langsam angestiegen ist und sich 1995 auf 17,6 % belief. Die absoluten Mengen zurückgewonnenen Palladiums und Rhodiums sind ebenfalls gestiegen.
(93) Die Gesamtmenge der aus Kfz-Abgaskatalysatoren zurückgewonnenen PGM wird mit zunehmendem Einsatz dieser Katalysatoren voraussichtlich steigen. Selbst mit den vorhandenen Netzen von Sammelstellen in Nordamerika und Japan dürfte die Rückgewinnungsquote 100 % jedoch nicht erreichen, da die logistischen Gegebenheiten und Erfassungskosten keinen Anreiz zur Schrottsammlung darstellen. Außerdem werden viele Gebrauchtwagen aus Europa und den USA den Recyclingsystemen durch die Ausfuhr nach Osteuropa oder Ländern der dritten Welt entzogen. Erfahrungen in Amerika, wo seit etwa 20 Jahren eine entsprechende Umweltgesetzgebung besteht, zeigen überdies, daß das PGM-Recycling nur einen Teil der Nachfrage für Kfz-Abgaskatalysatoren in Nordamerika decken kann (1994 lediglich 30 % des Jahresverbrauchs).
(94) Die Parteien haben angeführt, daß im Jahr 2000 rund 737 000 Unzen Platin aus dem Recycling von Kfz-Abgaskatalysatoren anfallen werden, was praktisch eine Verdoppelung gegenüber 1995 darstellt (bei Zugrundelegung der Daten von Johnson Matthey beträgt die Steigerung 134 %). Eine derartige Menge recyceltes Material ist mit dem von Implats prognostizierten Verbrauch für Abgaskatalysatoren in Beziehung zu setzen. 1995 betrug das Verhältnis von recyceltem Platin zum Platinverbrauch 19 %, im Jahr 2000 soll es sich auf 39 % belaufen. Eine solche Steigerung erscheint deshalb besonders ehrgeizig, weil die Recyclingquote 1995 (nach Johnson Matthey) in Nordamerika 30 %, in Japan 16 % und in Europa 7 % betrug. Daher ist die Kommission der Auffassung, daß eine solche Prognose nicht zu verwirklichen ist.
Schlußfolgerung
(95) Bei der Beurteilung der Recyclingauswirkungen ist zuerst zu beachten, daß eine steigende Gesamtnachfrage nach PGM erwartet wird (siehe Abschnitt VII.B.3). Daher kann ein Nachfrageungleichgewicht nicht mit den gegenwärtigen Recyclingquoten aufgefangen werden. Die PGM aus dem Recycling im geschlossenen Kreislauf kommen außerdem nicht auf den Markt, so daß sie aus der Betrachtung auszuschließen sind. Das Abgaskatalysatorrecycling stellt hingegen lediglich eine zusätzliche Versorgungsquelle für PGM mit begrenztem Volumen dar, was sich in absehbarer Zukunft auch nicht ändern dürfte. Ein Großteil des Platins wird in der Schmuckwarenindustrie verbraucht, wo verhältnismäßig wenig Schrott anfällt und es keine Anzeichen dafür gibt, daß Schmuckwaren der Wiederverarbeitung zugeführt werden. Aufgrund dessen ist davon auszugehen, daß recycelte PGM in absehbarer Zukunft weiterhin nur eine geringfügige Rolle bei der Versorgung spielen werden.
B. Platin
B.1. Nachfrage
Jetzige Nachfragestruktur
(96) Die Platinnachfrage der westlichen Welt (in tausend Unzen) ist für die letzten fünf Jahre nach Anwendungsbereich und Region in den Tabellen 5 und 6 wiedergegeben. Alle Angaben sind der Publikation "Platinum 1992, 1993, 1994, 1995 and Interim Review 1995" von Johnson Matthey entnommen und basieren auf dem Verbrauch.
PLATZ FÜR EINE TABELLE
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(97) Von der Gesamtnachfrage 1995 entfielen 32 % auf Kfz-Abgaskatalysatoren, 20 % auf industrielle Anwendungen und 38 % auf Schmuckwaren. Der Anteil für Schmuckwaren war im Zeitraum 1982 bis 1995 fast gleichbleibend, während der Anteil für die Kraftfahrzeugtechnik gestiegen und der Anteil für industrielle Anwendungen zurückgegangen ist.
(98) Auf Japan entfiel während der letzten fünf Jahre zwischen 47 und 51 % der Weltnachfrage nach Platin; für den Zeitraum 1982 bis 1995 ist dieser Anteil nie unter 42 % gesunken. Nordamerika hatte im gleichen Zeitraum einen Anteil an der Weltnachfrage von durchschnittlich 25 % und in den letzten fünf Jahren zwischen 19 und 20 %. Der Anteil Westeuropas am Verbrauch betrug in den letzten fünf Jahren zwischen 17 und 22 % und belief sich während der letzten 14 Jahre durchschnittlich auf rund 17 %.
(99) Die regionalen Unterschiede beim Verbrauch sind erklärbar. Im Durchschnitt entfiel während der letzten 14 Jahre etwa 63 % des gesamten japanischen Platinverbrauchs auf die Schmuckwarenindustrie. Die Gründe für diesen hohen Verbrauch wurden weiter oben bereits ausgeführt.
(100) Die regionale Verteilung des Platinverbrauchs für Kfz-Abgaskatalysatoren wird von zwei Faktoren bestimmt: dem Datum der Einführung von Abgasvorschriften und der Fahrzeugdichte. Hier liegen die USA an führender Stelle, gefolgt von Japan und Westeuropa. Die Vereinigten Staaten haben als erste 1970 verbindliche Abgasvorschriften eingeführt, die 1990 verschärft wurden. In Japan traten entsprechende Rechtsvorschriften Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre in Kraft. In Westeuropa wurden amerikanische Abgasnormen 1987 in Österreich und der Schweiz und 1989 in Norwegen und Schweden übernommen. 1992 trat eine EG-Richtlinie in Kraft, nach der ab 1993 für alle Neufahrzeuge mit Ottomotor ein Drei-Wege-Katalysator vorgeschrieben ist. Außerdem berichtet Johnson Matthey, daß ab 1996 die Mehrzahl der Dieselfahrzeuge in Europa aufgrund strengerer Abgasvorschriften mit Katalysatoren ausgestattet sein wird.
Schlußfolgerung
(101) Platin spielt sowohl als Katalysator als auch als Edelmetall eine wichtige Rolle. In der Vergangenheit hat die Platinnachfrage mit Einführung neuer industrieller Anwendungen oder dem Inkrafttreten von Umweltschutzvorschriften über den Einbau von Kfz-Abgaskatalysatoren zugenommen.
B.2. Anbieter
(102) Wie in den Tabellen A1 und A2 (Anhang I) dargestellt, waren die Hauptanbieter von Platin im Jahr 1994 die südafrikanischen Unternehmen Gencor, LPD und Amplats sowie Rußland. Weitere Erzeuger sind u. a. Inco (Kanada) und Stillwater (USA). Eine kurze Darstellung der Haupterzeuger verdeutlicht, wie wichtig die südafrikanischen Platinbergbauaktivitäten sind.
Amplats
(103) Amplats ist das führende Unternehmen der Branche und der älteste Platinerzeuger Südafrikas. Es hatte 1994 bei Platin einen Weltmarktanteil von [...] (7*) (8) und verfügt insbesondere über sehr große Vorkommen. Angaben zu Vorkommen werden staatlicherseits streng geheimgehalten. Amplats hat die Vorkommen jedoch anhand offizieller unveröffentlichter Daten geschätzt. Nach den neuesten eigenen Schätzungen kontrolliert Amplats rund 50 % der wirtschaftlich ausbeutbaren Vorkommen im Bushveld-Komplex (die restlichen 50 % werden von den Wettbewerbern Implats und LPD kontrolliert).
(104) Amplats fördert 75 % seiner Produktion im Merensky-Riff. Das Merensky-Riff weist einen höheren Gehalt an Basismetallen wie Nickel und Kupfer als das UG2-Riff auf. Diese Basismetalle stellen eine zusätzliche Einnahmequelle neben den Platinmetallen dar. In der Regel ist es daher von Vorteil, den Abbau im Merensky-Riff statt im UG2-Riff vornehmen zu können.
(105) Wie aus dem Schaubild (siehe Anhang II) ersichtlich, reichen die Bergbauaktivitäten von Amplats vom Betrieb des Potgietersrust-Tagebaus mit geringen Kosten bis zu einigen mit relativ hohen Kosten verbundenen herkömmlichen Bergwerken, die bei der vorherrschenden Preis/Kostenrelation im Jahr 1994 keinen Gewinn erwirtschafteten. Anhand der Implats-Daten schätzt die Kommission, daß Abbaustätten, auf die rund [...] (9) der Amplats-Produktion entfallen, lediglich Kostendeckung oder sogar Betriebsverluste erzielt haben.
(106) Amplats ist finanziell an den nachgeordneten Tätigkeiten im Handel, der Verarbeitung und der Vermarktung beteiligt:
a) AAC hält über ihre Luxemburger Auslandstochter Minorco und über Johannesburg Consolidated Investment Limited (JCI) indirekt Anteile an zwei Verarbeitern, nämlich Johnson Matthey (weniger als 25 %) und Engelhard (weniger als 40 %). Außerdem ist Engelhard einer der Hauptkunden von Amplats, und Johnson Matthey ist ausschließlicher Amplats-Vertriebsagent, doch können die Kunden unter bestimmten Umständen auch direkt von Amplats kaufen.
b) Amplats ist der Hauptbeteiligte an der Platinum Guild International (PGI), die die Förderung der Platinverwendung in der Schmuckwarenindustrie zum Ziel hat. Es existieren fünf separate PGI-Sparten, die in Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den USA und Japan tätig sind. Die japanische PGI-Sparte ist aufgrund der Größe des japanischen Schmuckwarenmarkts die bei weitem wichtigste. Gencor finanziert einige PGI-Verkaufsförderungsprojekte in den USA und Japan mit.
(107) Amplats ist der Branchenführer in der Platinindustrie und verfügt über eine starke Finanzposition mit niedrigen Verbindlichkeiten und hoher Liquidität.
Implats
(108) Implats ist der zweitgrößte Platinanbieter und hatte 1994 einen Anteil von [...] (10) am Platinweltmarkt. Nach Angaben von Amplats kontrollieren Implats und LPD zusammen rund 50 % der wirtschaftlich interessanten Vorkommen im Bushveld-Komplex. In dem im Hinblick auf den Zusammenschluß versandten Rundschreiben an die Aktionäre wird geschätzt, daß die Implats-Vorkommen mindestens noch 40 Jahre lang ausgebeutet werden können. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, daß Implats ein seit längerer Zeit im Platinbergbau tätiges Unternehmen ist und die meisten Implats-Vorkommen tief gelegen sind, so daß der Abbau höhere Kosten verursacht. Das von Implats geförderte Erz stammt zur Zeit zu 50 % aus dem Merensky-Riff und zu 50 % aus dem UG2-Riff.
(109) Wie aus dem Schaubild in Anhang II hervorgeht, verfügt Implats über einige sehr kostengünstig arbeitende Abbaustätten, ist aber insgesamt dennoch der südafrikanische Erzeuger mit den höchsten Kosten. Rund [...] (11) der Implats-Produktion war 1994 mit Verlusten verbunden oder nur kostendeckend. Verglichen mit Amplats und LPD ist eine Steigerung der Produktion nur durch den Abbau von tiefergelegenen Vorkommen und somit zu höheren Kosten möglich.
(110) Gencor war im Besitz des Handelsunternehmens Ayrton Metals Limited, das aber 1994 an die Standard Bank Investment Corporation Limited verkauft wurde. Standard Bank ist im Besitz des Versicherungsunternehmens South African Mutual Life, das Anteile an Rembrandt und an der mit AAC verbundenen De Beers besitzt. Außerdem hat Gencor 1994 von Shell die Bergbauaktivitäten des Unternehmens Billiton übernommen. Zu Billiton gehören Bergbau- und Raffinationsbetriebe sowie größere Nichteisenmetall-Handelsunternehmen, die bereits mit Edelmetallen wie Gold handeln. Billiton ist Mitglied der London Metal Exchange und dort als Ringhändler tätig. Außerdem trägt Implats auf Projektbasis zu einigen PGI-Aktivitäten in den USA und Japan bei.
(111) Implats befindet sich in einer guter Finanzposition und verfügt über eine hohe Liquidität und geringe Verschuldung. Bevor der Zusammenschluß geplant wurde, war Implats an der Ausweitung ihres Platingeschäfts interessiert. Sie hielt jedoch die strategische Option eines Zusammenschlusses mit LPD für attraktiver als die Erweiterung durch Ausbeutung tieferliegender Vorkommen, da letzteres hohe Investitionen erfordern würde.
LPD
(112) LPD ist der drittgrößte südafrikanische Erzeuger mit einem Anteil von [...] (12) am Platinweltmarkt 1994. Wie bereits ausgeführt, ist Amplats-Informationen nach zu schließen, daß LPD und Implats zusammen 50 % der Vorkommen im Bushveld-Komplex kontrollieren. Laut Lonrho-Rundschreiben an die Aktionäre vom November 1995 reichen die LPD-Vorkommen mindestens noch 35 Jahre, und es gibt Anzeichen dafür, daß darüber hinaus weitere Vorkommen vorhanden sind. Dabei ist zu beachten, daß LPD über umfangreiche Vorkommen in niedriger Tiefe verfügt und den Abbau sehr kostengünstig betreibt.
(113) LPD fördert zu 75 % Erz aus dem UG2-Riff und zu 25 % aus dem Merensky-Riff. LPD ist es gelungen, sehr kostengünstig zu produzieren. Wie im Schaubild in Anhang II dargestellt ist, hat LPD die geringsten Durchschnittskosten der drei südafrikanischen Erzeuger, und keine ihrer Förderstätten erlitt 1994 Verluste. Die geringen Kosten der LPD-Aktivitäten beruhen zum Teil darauf, daß die Vorkommen in geringer Tiefe liegen, und zum Teil auf der straffen Betriebsführung des Unternehmens. LPD verfügt über eine flache Organisationsstruktur und eine ausgeprägt dynamische Unternehmenskultur und mißt der Verantwortlichkeit einen hohen Stellenwert bei. LPD unterscheidet sich somit erheblich von den größeren südafrikanischen Bergbauunternehmen.
(114) LPD hat sich beschränkt an den PGI-Aktivitäten beteiligt, hat aber daneben keine vertikal nachgelagerten Interessen. Seit 1990 hat es jedoch strukturelle Verbindungen zwischen Implats und LPD gegeben, als der Lonrho-Konzern von Implats das Karee-Bergwerk gegen eine Beteiligung in Höhe von 27 % an LPD erwarb. Diese Übernahme war auch Anlaß einer Aktionärsvereinbarung zwischen den Konzernen Lonrho und Gencor, nach der beide Aktionäre gleich viele Mitglieder des Board of Directors benennen, diese Board-Mitglieder über gleiche Stimmrechte verfügen und keines bei Stimmengleichheit ausschlaggebend ist. Die Vereinbarung sieht vor, daß bestimmte Entscheidungen, nämlich die Diversifizierung von LPD, der strategische Jahresplan und das Budget, die Genehmigung des Jahresabschlusses und Änderungen von Vergütungen für Managementvereinbarungen usw., der Zustimmung des Board of Directors bedürfen. Entscheidungen über bedeutende Investitionen und Veräußerungen sind von den Aktionären zu genehmigen.
(115) Trotz dieser Verbindungen ist LPD ein unabhängiger Wettbewerber geblieben. Im Jahr 1989, als sich die LPD-Platinproduktion auf 346 000 Unzen belief, hat das Unternehmen ein Erweiterungsprogramm durchgeführt. Im selben Jahr wurde eine neue Erzaufbereitungsanlage mit einer Jahreskapazität von einer Million Tonnen im Westplats-Bergwerk in Betrieb genommen. Im Laufe des Jahres 1990 wurden umfangreiche Erweiterungen in der Verhüttung, der Basismetall- und der Edelmetallraffination abgeschlossen. Das Erweiterungsprogramm wurde 1991 und 1992 mit moderatem Tempo fortgeführt, so daß eine Jahresproduktion von rund 550 000 Unzen erreicht wurde. Das Investitionsprogramm lief 1992 aus, aber laut Lonrho-Jahresbericht wurde eine künftige Stabilität der LPD-Produktion von 900 000 Unzen jährlich vorhergesehen. Zusätzliche Erweiterungen sind ebenfalls geplant. Im Lonrho-Geschäftsbericht 1993 heißt es: "die Platinbergwerke sind auf eine schnelle, effektive und zu niedrigen Kosten erfolgende zusätzliche Erweiterung ... vorbereitet." Nach dem Rundschreiben an die Aktionäre vom November 1995 beliefen sich die Investitionen bei LPD 1993 auf 163 Millionen Rand, 1994 auf 96 Millionen Rand und 1995 auf 79 Millionen Rand. Vorgesehen sind begrenzte Zusatzinvestitionen, die LPD die Ausweitung der Produktion auf die genannten 900 000 Unzen jährlich erlauben würden.
(116) Nach der Vereinbarung von 1990 ist LPD ein unabhängiges Unternehmen mit eigener Managementstruktur und eigenen Marketingplänen und Unternehmensstrategien. Lonrho Management Services, ein strukturell von LPD unabhängiges Unternehmen des Lonrho-Konzerns, behält das Recht, die Geschäfte von sowohl Eastplats als auch Westplats zu führen, was die Verantwortung für die "Führung der Tagesgeschäfte" dieser Unternehmen einschließt. Ergänzend hat Lonrho Management Services "auch Beratungs- und sonstige Dienstleistungen ... für die ordnungsgemäße Durchführung der Geschäfte" von LPD zu erbringen. Lonrho Management Services wird vom Lonrho-Konzern kontrolliert, der auch die gesamte Geschäftsleitung stellt.
(117) Vermarktung und Verkauf der gesamten LPD-Produktion obliegen aufgrund vertraglicher Vereinbarung ausschließlich Western Metal Sales. Dieses in Brüssel ansässige Unternehmen verfügt über keine strukturellen Verbindungen zu LPD, es gehört zum Lonrho-Konzern und sein Management und seine Geschäftsleitung werden nicht vom Gencor-Konzern ernannt oder kontrolliert. LPD und Implats, die getrennte Marketingabteilungen beibehalten haben, stehen miteinander im Wettbewerb und beliefern zum Teil die gleichen Kunden zu unterschiedlichen Konditionen (z. B. mit unterschiedlichen Rabatten).
(118) Der Gencor-Konzern hat keinen Einfluß auf die Wettbewerbsstrategien von LPD genommen. Dies wird von den Parteien selbst bestätigt, die angegeben haben, daß "Implats und LPD jeweils separate Unternehmen waren und bis heute sind, deren Tagesgeschäfte jeweils allein vom betreffenden Management ohne gegenseitige Bezugnahme geführt werden. Das Engagement von Implats beschränkte sich in der Vergangenheit und beschränkt sich weiterhin auf das eines Aktionärs, der 27 % der Anteile an LPD hält". Außerdem gaben die Parteien an, daß "die Beziehung [zwischen den Gencor- und Lonrho-Konzernen] die Beziehung zweier Anteilseigner der beiden Unternehmen Western Platinum Limited und Eastern Platinum Limited und keine Partnerschaft oder Quasi-Partnerschaft war". Die Tatsache, daß Lonrho Management Services Managementdienstleistungen für LPD erbringt, bedeutet, daß es sich in einer besonderen Machtposition befindet, in der es sowohl Kenntnis von den Geschäften nehmen als diese auch führen und das Ergebnis aller geschäftlichen Entscheidungen wesentlich beeinflussen kann.
(119) Die Eigenständigkeit von LPD wird durch die Entschlossenheit des Lonrho-Konzernmanagements gestärkt, LPD als unabhängiges Unternehmen zu erhalten. Bei Inkrafttreten der Vereinbarung hatte der Lonrho-Konzern Herrn T. Wilkinson, ein Mitglied der Lonrho-Geschäftsleitung, zum Geschäftsführenden Direktor ernannt, der diese Position seitdem innehat. Seine Stellung wurde dadurch gestärkt, daß Gencor erst mehr als ein Jahr nach Abschluß der Vereinbarung im Januar 1990 Mitglieder des Board of Directors von LPD ernannte.
(120) Wie in Abschnitt VII.B.5 weiter ausgeführt wird, werden die Aktivitäten von Western Metal Sales und Lonrho Management Services durch den Zusammenschluß absorbiert. Außerdem wird LPD die Möglichkeit zu einer unabhängigen Ausweitung der Produktion verlieren, so daß geschlossen werden kann, daß die unabhängigen LPD-Aktivitäten im Zusammenhang mit der der Managementstruktur und den Produktions-, Marketing- und kommerziellen Strategien des Unternehmens verschwinden werden. Daraus folgen wesentliche Veränderungen des Wettbewerbscharakters der Branche.
(121) LPD hat wegen seiner in den letzten Jahren vorgenommenen Investitionen vergleichsweise hohe Verbindlichkeiten und eine geringe Liquidität, doch arbeiten die Betriebe beim gegenwärtigen Preisniveau mit Gewinn. Ein Abbau der Verschuldung wäre wünschenswert. Das Management von LPD und Lonrho Südafrika ist jedoch nicht der Meinung, daß ein Zusammenschluß mit Gencor erforderlich ist, um eine Verringerung der Schuldenlast zu erreichen. Stattdessen hält es es für möglich, neues Kapital aus anderen Quellen aufzunehmen. Dies können zum Beispiel interne Kapitalzufluesse (die laut Prognose zur Deckung begrenzter Investitionen ausreichen sollen), Bankdarlehen (durch Gesellschafterbürgschaften abgesichert) oder weitere Gesellschafterdarlehen sein.
Rußland
(122) Rußland hatte 1994 und 1995 einen Anteil von 24 % am Weltplatinangebot. Nach Angaben von Johnson Matthey entfielen 1995 jedoch nur 14 der 24 Prozentpunkte auf die Erzeugung, während rund 10 Prozentpunkte, d. h. rund 500 000 Unzen, aus russischen Lagerbeständen kamen. Die Edelmetallausfuhr aus Rußland wird von der Regierung über den Ausschuß für Edelmetalle und Edelsteine und die Verkaufsagentur Almaz kontrolliert.
(123) Die russische Platinproduktion soll nach Angaben von Johnson Matthey in "Platinum 1995" ihren Höhepunkt in den späten achtziger Jahren erreicht haben. Darüber hinaus berichten sie, daß die politischen Veränderungen in Rußland zu einem Produktionsrückgang geführt haben, unter anderem wegen des Ausbleibens größerer Investitionen und weil die PGM-Güte gesunken sein, da das sulfidreiche Erz bereits weitgehend abgebaut ist. Die russischen Bergwerke können ihre Wettbewerbsposition daher in der vorhersehbaren Zukunft nicht durch Erweiterung stärken.
(124) Grundsätzlich wäre es westlichen Unternehmen möglich, in die russische Platinmetallerzeugung zu investieren. Wie im folgenden ausgeführt wird, ist dies jedoch unwahrscheinlich (siehe VII.B). Es ist daher davon auszugehen, daß die Bedeutung Rußlands für den Wettbewerb auf dem Platinmarkt in den nächsten Jahren zurückgehen wird.
(125) Die Parteien haben angegeben, daß das russische Norilsk-Bergwerk die Jahresproduktion innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 1 Million Unzen steigern wird. Dies ist laut "The Platinum Group Metals - a global perspective" von C.F. Vermaak ein zuvor noch nie erzieltes Produktionsniveau. Nach den Parteien werden, um diese Produktion zu erreichen, umfangreiche Investitionen in Höhe von 1 bis 2 Mrd. US-Dollar notwendig sein, die in den nächsten vier bis fünf Jahren bereitgestellt werden könnten. Die Parteien behaupten darüber hinaus, daß eine Verpflichtung diese Mittel (in den nächsten zwei Jahren) aufzubringen von der Uneximbank und der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung eingegangen wurde. Anders als angegeben, beteiligt sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung nicht an der Finanzierung. Angesichts des weiten Investitionshorizonts und der geringen Wahrscheinlichkeit, die Finanzierung zu sichern, ist es sehr unwahrscheinlich, daß Rußland das bisherige Produktionsniveau während der nächsten fünf Jahre erreichen (oder, wie von den Parteien angegeben, sogar überschreiten) kann.
Weitere Marktbeteiligte
(126) Weitere Marktbeteiligte dieser Branche sind insbesondere Stillwater in den USA, und Inco, Kanada. Stillwater verfügt weder über die Produktionskapazität noch die Vorkommen der südafrikanischen Unternehmen, um deren Marktstellung streitig zu machen. Inco betreibt im wesentlichen Nickelbergbau. In jedem Fall können auf diese weiteren Marktbeteiligten aufgrund ihres Potentials nur einige Prozent des Platinweltmarkts entfallen.
B.3 Angebots- und Nachfrageprognosen
Von den Parteien vorgelegte Nachfrageprognosen
(127) Sowohl Implats als auch Lonrho haben Prognosen zur Platinnachfrage vorgelegt. Die Implats-Prognose wurde im Unternehmen intern erstellt, während die von Lonrho vorgelegte Prognose (Tabelle 7) von der Maklerfirma Anderson, Wilson & Partners Inc, Johannesburg, erstellt und in einem Rundbrief vom 28. August 1995 veröffentlicht wurde. Danach wird sich die Nachfrage (in 1000 Unzen) wie folgt entwickeln:
PLATZ FÜR EINE TABELLE
Der Durchschnittsanteil an der Gesamtnachfrage im entsprechenden Zeitraum beträgt für Kfz-Abgaskatalysatoren rund 34 %, für Schmuckwaren rund 40 %, für den industriellen Einsatz 19 % und für Anlagezwecke 7 %. Der Kommission wurden von den Parteien weitere Prognosen vorgelegt: für 1996 und 1997 Prognosen von BOE Nat West Securities und SBC Warburg und für den Zeitraum bis zum Jahr 2000 eine Prognose von Engelhard. Die Prognosen von Implats und BOE Nat West Securities sind optimistischer als die oben wiedergegebene Prognose, während diejenigen von Engelhard und SBC Warburg pessimistischer ausfallen. Für den Zeitraum 1997-2000 ist die obige Tabelle optimistischer als die Prognosen von Implats und Engelhard.
Faktoren, die die Prognose beeinflussen
Kfz-Abgaskatalysatoren
(128) Die künftige Nachfrage nach Platin für Kfz-Abgaskatalysatoren hängt vom Nachfragezuwachs bei Kraftfahrzeugen und der Einführung neuer oder verschärfter Abgasvorschriften ab. Strengere Abgasvorschriften werden sowohl in den USA als auch in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet. Außerdem liegen Anzeichen für eine zunehmende Nutzung von Platin in Abgaskatalysatoren für Dieselfahrzeuge in Europa vor. Es wird angenommen, daß in diesem Bereich ein weltweites Wachstum zu verzeichnen sein wird.
(129) Die Nachfrage nach Platin für Kfz-Abgaskatalysatoren wird anhalten und weiter zunehmen und durch neue Gesetzesvorschriften, die zum Beispiel 1996 in Brasilien und 1997 in Argentinien eingeführt werden sollen, gestärkt.
Schmuckwaren
(130) PGI prognostiziert, daß der japanische Platinschmuckwarenmarkt bis Ende dieses Jahrhunderts wachsen wird. Außerdem werden der chinesische und der amerikanische Markt mit einer umfangreichen Marketingkampagne der International Platinum Association und der PGI bearbeitet. In den USA könnte die Nachfrage auf das Niveau der zwanziger Jahre (150 000 Unzen jährlich) zurückkehren. Ein Nachfragezuwachs bei Platinschmuck in China ist demgegenüber eher Spekulation, jedoch sind kulturelle Ähnlichkeiten zwischen Japan und China durchaus gegeben, so daß die Reinheit und die weißliche Erscheinung des Metalls wichtige Faktoren für ein solches Wachstum darstellen.
Industrielle Anwendungen
(131) Eine nennenswerte neue Nachfrage der mineralölverarbeitenden und der chemischen Industrie ist insgesamt unwahrscheinlich, da deren Platinanwendungen im allgemeinen ausgereift sind. Trotzdem wird ein gewisser Ersatz stattfinden, da Anlagen, die für die Dauer der Rezession stillgelegt wurden, jetzt wieder in Betrieb genommen werden. Die zunehmende Nutzung von Personal Computern wird zu einer erhöhten Nachfrage führen, da mehr Platin für die Festplattenbeschichtungen und andere Bauteile der Computer benötigt wird. Außerdem können Brennstoffzellen langfristig zu einer höheren Nachfrage führen.
Von den Parteien vorgelegte Angebotsprognosen
(132) Lonrho hat sich auf eine Prognose bezogen (Tabelle 8), die von der Maklerfirma Anderson, Wilson & Partners Inc, Johannesburg, erstellt und in einem Rundbrief vom 28. August 1995 veröffentlicht wurde. Danach entwickelt sich das Angebot (in 1000 Unzen) wie folgt:
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(133) Der Kommission wurden von den Parteien weitere Prognosen vorgelegt: für 1996 und 1997 Prognosen von BOE Nat West Securities und SBC Warburg und für den Zeitraum bis zum Jahr 2000 eine Prognose von Engelhard. Alle drei Prognosen weisen ein größeres Angebot aus, als aus der obigen Tabelle für 1996 und 1997 hervorgeht. Laut Engelhard wird das Angebot auch im Zeitraum 1998-2000 die obigen Werte übersteigen. Auch Implats hat eine Angebotsprognose für den obigen Zeitraum aus Unterlagen der Geschäftsleitung vorgelegt, nach der das Angebot über den obigen Werten liegt. Diese Prognose ist laut LPD im Hinblick auf das Angebot zu pessimistisch.
(134) Welche dieser Prognosen am zutreffendsten ist, ist unerheblich. Was von Bedeutung ist und aus Tabelle 8 eindeutig hervorgeht, ist die Tatsache, daß die südafrikanische und russische Förderung das weltweite Platinangebot weiterhin dominieren werden und eine moderate Nachfragesteigerung eintreten wird. Da das Angebot aus anderen Regionen und die Recyclingmengen gering sind, kann ein Angebotsdefizit nur durch Südafrika oder durch Rußland gedeckt werden. Es ist unwahrscheinlich, daß die russischen Verkäufe ausreichen werden, um ein künftiges Marktungleichgewicht abzuschwächen, da das Norilsk-Bergwerk (aus Mangel an Ersatzteilen und Verbrauchsgütern und wegen anderer Probleme wie dem Ausfall des örtlichen Kraftwerks) nicht in vollem Umfang in Betrieb ist. Außerdem ist es unwahrscheinlich, daß das Bergwerk ohne umfangreiche, vermutlich westliche Investitionen vollständig wieder in Betrieb genommen werden kann. Derartige Investitionen dürften ausbleiben, da ein westlicher Investor vor Durchführung von Investitionen im Bergwerk die bereits entstandenen Umweltschäden beheben müßte.
(135) Johnson Matthey schätzt, daß Rußland "in mindestens vier Jahren seit 1991" Verkäufe aus Lagerbeständen getätigt hat. Die Frage lautet daher, für wie viele Jahre Lagerbestände vorhanden sind, die zur Deckung einer die Produktion überschreitenden Nachfrage der westlichen Welt zur Verfügung stehen könnten. Diese Frage kann nicht genau beantwortet werden, doch [... wird in der Industrie allgemein davon ausgegangen, daß auf dem gegenwärtigen Niveau an Verkäufen der russische Platinvorrat zum Ende des Jahres 1997 verbraucht sein wird. Diese Ansicht ...] spiegelt sich in Tabelle 8 wider, der ein Rückgang der russischen Verkäufe zu entnehmen ist.
(136) In einem Wachstumsmarkt ist daher ein Angebotsdefizit wahrscheinlich, das realistischerweise nur von den südafrikanischen Erzeugern gedeckt werden kann.
B.4. Zugrundegelegte wirtschaftliche Prämissen für die Komissionsanalyse der Marktbeherrschung in der Platinindustrie
(137) Die Kommission ist der Auffassung, daß der Wettbewerb in der Platinindustrie im wesentlichen auf vier Hauptanbieter beschränkt ist - Amplats, Implats, LPD und Rußland -, die 90 % des Markts abdecken. Alle vier Marktbeteiligten sind sich darüber hinaus ihrer Wirkung im Markt bewußt, was ihr Marktverhalten beeinflußt. Die Gründe für diese Auffassung sind folgende:
(138) a) Die Platinindustrie ist eine Rohstoffindustrie, die ein homogenes Produkt mit notierten Marktpreisen erzeugt. Alle vier Haupterzeuger sind sich ihres Gewichts im Markt bewußt. Dies wird beispielsweise durch den von [...] Bericht [...] belegt, der zeigt, [...] daß eine Einschränkung der Produktion durch das neue Unternehmen zu einer Preiserhöhung führen würde. Desgleichen scheint auch Rußland die Vorteile des Platinverkaufs in marktstarken Phasen erkannt zu haben (siehe unten). Die Erzeuger wissen, welche Risiken mit einem preisdrückenden Verhalten verbunden sind. In wirtschaftlicher Sicht sehen sich die Erzeuger nicht einfach als Mengenanpasser. Dies ist noch weniger nach einem Zusammenschluß von Implats und LPD der Fall, wenn es anfangs drei und kurz darauf (unter Annahme eines Rückgangs der russischen Verkäufe, siehe unten) nur noch zwei größere Marktbeteiligte geben wird.
b) Die Platinindustrie ist durch hohe Fixkosten und eine unflexible Kostenstruktur geprägt. [...] gibt beispielsweise an, daß auf die Fixkosten 70 % der Gesamtkosten entfallen. [... in der Platinindustrie kann die Erzeugung angesichts dieser Kostenstruktur mit hohen Fixkosten nicht wesentlich variiert werden, selbst wenn eine Reihe von Abbaustätten nur einen geringen oder gar keinen Rentabilitätsbeitrag leisten. Eine Strategie mit dem Ziel, die Abbaustätten mit niedrigen Deckungsbeiträgen zu schließen und sich auf die rentabelsten Abbaustätten zu konzentrieren, würde bedeuten, daß nicht reduzierbare Kosten den verbleibenden Abbaustätten zugerechnet werden müssen, wodurch alle Abbaustätten mit marginalem Deckungsbeitrag unrentabel würden, was wiederum zu neuen Schließungen von Abbaustätten führen würde.] Ein Platinerzeuger muß daher bei der Festlegung des angemessenen Produktionsniveaus die gesamte Kostensituation seiner Betriebe berücksichtigen und nicht bloß die Betriebskosten einzelner Abbaustätten.
Außerdem erhöhen die Kosten für die vorübergehende Schließung und für die Wiederinbetriebnahme von Abbaustätten die Starrheit der Produktion. Einzelne Abbaustätten werden nicht einfach kurzfristigen Entwicklungen des Platinpreises folgend außer Betrieb gesetzt und wieder in Betrieb genommen.
Die Kommission hat in Anhang II einen Kostenvergleich zwischen den Haupterzeugern in Südafrika auf der Grundlage von Implats-Daten vorgenommen. Dabei handelt es sich um einen Vergleich der Betriebskosten von Abbaustätten und nicht der Grenzkostenkurven für die Platinerzeugung. Ein Großteil der Betriebskosten einer Abbaustätte ändert sich tatsächlich nicht in Abhängigkeit von der Produktionsmenge, sondert stellt Fixkosten dar. Wie bereits erwähnt, basieren Entscheidungen über die Produktionsmenge eines Platinbergwerks außerdem auf einer Reihe von anderen Faktoren als den kurzfristigen Betriebskosten und Deckungsbeiträgen einzelner Abbaustätten. Daher stellen die Kostenkurven in Anhang II weder die kurzfristigen noch die langfristigen Angebotskurven der einzelnen Erzeuger dar, sondern dienen lediglich zum Vergleich der Betriebskosten.
c) In der Platinindustrie wäre ein Merkmal für den Mißbrauch einer beherrschenden Stellung die kontrollierte Begrenzung der Produktionsmenge, was zu einem Preisanstieg führen würde. Damit ein solcher Mißbrauch erfolgreich ist, darf die Angebotsreaktion marginaler Quellen, wie sie das Recycling, Anbieter außerhalb des Oligopols und oberirdische Lagerbestände darstellen, nicht so stark sein, daß sie die durch die Produktionsrücknahme im Markt entstandene Lücke fuellt.
In dieser Hinsicht ist aufschlußreich, daß die bisherigen Daten nicht viele Belege für eine Angebotsreaktion derjenigen marginalen Quellen liefern. Mengenmäßig wuchs der Platinmarkt von 1985 bis 1995 von 2,8 auf 5,2 Millionen Unzen. Von der zusätzlichen Nachfrage in Höhe von 2,4 Millionen Unzen wurden 2 Millionen Unzen von Amplats, LPD und Rußland bedient, während andere Anbieter und das Recycling nur den Rest des Anstieges abdeckten. Anbieter außerhalb Rußlands und Südafrikas haben ihren Marktanteil von 6 % im Jahr 1985 lediglich auf 7 % im Jahr 1995 gesteigert, während das Recycling im gleichen Zeitraum von 2 % auf 6 % des Gesamtmarkts angewachsen ist. Es ist daher unrealistisch anzunehmen, daß das Recycling und die marginalen Anbieter außerhalb Südafrikas und Rußlands einen wesentlichen Anstieg des Platinpreises hätten verhindern können, wenn Amplats, LPD und Rußland die zusätzliche Nachfrage nach Platin nicht gedeckt hätten.
Im Zeitraum 1985-1995 gab es einen verhältnismäßig geringen Abbau oberirdischer Lagerbestände (Rußland ausgenommen), obwohl die realen Platinpreise von 400 US-Dollar je Unze im Jahr 1985 auf über 600 US-Dollar in den Jahren 1986-1989 angestiegen waren und dort verharrten, während die jährliche Nachfrage im Zeitraum 1985-1995 gleichzeitig um 2,4 Millionen Unzen gestiegen war. Der Lagerabbau erreichte innerhalb dieses Zeitraums 1987 und 1988 seinen Höhepunkt mit Mengen von 220 000 und 370 000 Unzen, was höchstens 10 % der Nachfrage entsprach und einen Anstieg des Platinpreises zwischen 1986 und 1987 nicht verhindern konnte. Somit konnte der Lagerabbau während dieses Zeitraums keine ausreichend disziplinierende Wirkung auf einen dominanten Beteiligten am Platinmarkt ausüben.
Die Parteien haben vorgetragen, daß seit 1985 Lagerbestände von 4 Millionen Unzen in Form von Platinbarren für Anlagezwecke gebildet wurden. Die meisten dieser Barren wurden an Privatanleger in Japan verkauft und sind weit gestreut. Die Parteien argumentieren, daß diese Barren wieder auf den Markt kommen und preisdisziplinierend wirken könnten. Da diese Barren jedoch weit gestreut gehalten werden, Bestandteil privater Anlagepläne sind und für den längerfristigen Besitz gekauft werden, ist es unwahrscheinlich, daß sie dieselbe disziplinierende Wirkung ausüben, wie wenn sie, wie im Fall der russischen Lagerbestände, in einem größeren Block gehalten würden. Nur in einem einzigen Jahr (1986) kam ein Teil dieses Metalls wieder auf den Markt, was aber auch nur eine bestimmte Art Barren betraf. In jedem Fall würde der Ankauf und Verkauf eines Lagerbestands von nur 4 Millionen Unzen wahrscheinlich stark von den zugrundeliegenden Angebots- und Nachfragefaktoren im Platinmarkt und somit von den Maßnahmen der Erzeuger beeinflußt sein. Dies stimmt auch mit dem Ergebnis der RSI-Studie über Einflußfaktoren des Platinpreises überein, daß "es im Gegensatz zu Gold nur begrenzte Lager gibt, die periodische Ausschläge in der Investmentnachfrage befriedigen können."
Wie oben ausgeführt ist die Kommission daher nicht der Auffassung, daß Angebotsreaktionen marginaler Art in bezug auf Lagerbestände, neue Bergwerke und Recycling disziplinierende Kräfte von Bedeutung darstellen, die einen Mißbrauch einer beherrschenden Stellung, wie sie Amplats, Implats/LPD und Rußland gemeinsam haben (13), verhindern könnten. Ein Ergebnis des geplanten Zusammenschlusses ist in der Tat, daß die zusammengeschlossenen Unternehmen Implats und LPD keinen Anreiz haben werden, die Produktion auszuweiten, wenn dies dem Gesamtinteresse des Oligopols widerspricht (siehe unten). Es muß auch festgehalten werden, daß ein marginaler Anbieter in seiner Entscheidungsfindung das überwältigende Gewicht der Oligopolmitglieder im Markt berücksichtigen muß.
(139) Zusammenfassend ist festzuhalten, daß eine wirtschaftliche Analyse des Wettbewerbs und der Marktbeherrschung in der Platinindustrie von den Prämissen auszugehen hat, daß die vier Haupterzeuger sich der Tatsache bewußt sind, daß die Preise durch ihre Produktionsentscheidungen beeinflußt werden, und daß das Angebot marginaler Quellen nicht ausreicht, um monopolistische Verhaltensweisen zu verhindern. Unter diesem Blickwinkel kommt die folgende Analyse zu dem Schluß, daß die oligopolistische Marktbeherrschung eine sehr wahrscheinliche Konsequenz des Zusammenschlusses ist.
B.5. Oligopolistische Beherrschung
(140) Ähnlich negative Auswirkungen wie die, die sich aus der beherrschenden Stellung eines einzelnen Unternehmens ergeben, hat auch die beherrschende Stellung eines Oligopols. Eine solche Situation kann eintreten, wenn die bloße Anpassung der Mitglieder des Oligopols an die Marktbedingungen ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten verursacht, durch das das Oligopol beherrschend wird. Eine aktive Kollusion wäre daher keine unbedingte Voraussetzung dafür, daß die Mitglieder des Oligopols eine beherrschende Stellung erreichen und sich in erheblichem Ausmaß unabhängig von ihren restlichen Wettbewerbern, ihren Kunden und schließlich auch den Verbrauchern verhalten.
(141) Im Platinmarkt kontrollieren Amplats, Implats, LPD und Rußland die Förderung und bilden ein Oligopol. Bereits vor einem Zusammenschluß scheint der Platinmarkt viele Merkmale eines nichtwettbewerblichen oligopolistischen Markts aufzuweisen:
a) Auf der Nachfrageseite ist ein gemäßigtes Wachstum, eine unelastische Nachfrage und eine unbedeutende ausgleichende Nachfragemacht gegeben. Die Käufer sind daher in hohem Maße für mögliche Mißbräuche anfällig.
(b) Die Angebotsseite weist einen hohen Konzentrationsgrad auf und ist durch eine große Transparenz bei einem homogenen Produkt, eine ausgereifte Produktionstechnologie und hohe Zutrittsschranken (zu denen hohe unwiederbringliche Kosten gehören) gekennzeichnet, und die Anbieter verfügen über finanzielle Verknüpfungen und Kontakte auf mehreren Märkten. Diese Merkmale der Angebotsseite erleichtern es den Anbietern, ein Parallelverhalten an den Tag zu legen, und bieten ihnen Anreize dazu, ohne daß ein Ausgleich durch Maßnahmen auf der Nachfrageseite möglich ist.
(142) Aufgrund dieser Marktmerkmale war die Wettbewerbsintensität im Platinmarkt gering und lagen in der Vergangenheit nur wenige Wettbewerbselemente sowie eine Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung vor. Der geplante Zusammenschluß wird zu einer Ausschaltung dieser Wettbewerbselemente und zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung letztlich zum Schaden der Verbraucher führen.
Die Merkmale des Platinmarkts fördern die oligopolistische Beherrschung
i) Markttransparenz und Homogenität
(143) In einem transparenten Markt fällt es einem Unternehmen leicht, die Maßnahmen seiner Wettbewerber zu verfolgen und seine eigenen Entscheidungen daran auszurichten. In einem Rohstoffmarkt wie dem Markt für Platin ist das Produkt homogen, und die wichtigsten Marktparameter sind Preis und Liefermengen.
(144) Die Tatsache, daß es sich bei Platin um ein Grunderzeugnis handelt sowie der Handel mit Platin an den Metallbörsen machen den Markt in preislicher Hinsicht äußerst transparent.
(145) Die Liefermengen am Markt sind der Branche ohne weiteres bekannt. Erstens sind die an den Metallbörsen gehandelten Mengen öffentlich bekannt, und alle Marktteilnehmern würden unmittelbar erfahren, wenn beispielsweise erhebliche neue Mengen an den Metallbörsen angeboten würden. Zweitens werden Statistiken über Produktion und Verkäufe regelmäßig von Unternehmen wie Johnson Matthey und Degussa veröffentlicht. Selbst Zahlen über russische Verkäufen sind öffentlichen Quellen, z. B. aus diesen Veröffentlichungen, zu entnehmen, und in der Branche scheinen der allgemeine Zustand des russischen Bergwerks, dessen Produktionsniveau sowie Schätzungen zu russischen Lagerbeständen und Vorkommen im Grunde unbestritten zu sein. Drittens ist die Anzahl der Direktkunden verhältnismäßig gering, so daß es den Erzeugern leichtfällt, mit allen potentiellen und tatsächlichen Kunden in Verbindung zu treten. Viertens bedeutet die Tatsache, daß das meiste Platin im Rahmen langfristiger Verträge verkauft wird (siehe unten), daß Kunden auf neue Angebote nur mit einer gewissen Verzögerung reagieren können und der Lieferantenwechsel eines Kunden den Wettbewerbern unmittelbar bekannt wird. Schließlich begrenzen Klauseln in langfristigen Verträgen, die den Wiederverkauf des Platins untersagen (siehe unten), die Anzahl der Verkäufer am Markt, wodurch die Transparenz erhöht wird.
(146) In der Platinindustrie wird neue Zusatzkapazität in der Regel durch separate Investitionsprojekte geschaffen. Details neuer Investitionsprojekte, die zu Kapazitätserhöhungen führen, sind in der Branche in der Regel ebenfalls bekannt. Die Stillwater-Erweiterungspläne und die genauen erwarteten Produktionsmengen des neuen Hartley-Bergwerks in Simbabwe sind beispielsweise öffentlich bekannt.
(147) Offensichtlich erstreckt sich die Transparenz nicht auf alle Aspekte des Platinbergbaus und der Raffination einzelner Unternehmen. Bestimmte Daten werden als Geschäftsgeheimnis behandelt. Dies ist der Fall bei Einzelheiten zu Kundenverträgen, detaillierten Produktionsdaten bezüglich der Erzbeschaffenheit und der genauen Qualität und dem Ausmaß von Vorkommen. Außerdem verfügt die Branche zwar über gewisse Kenntnisse der russischen Aktivitäten, doch sind diese nicht vollständig.
(148) Insgesamt muß jedoch geschlossen werden, daß die Platinindustrie durch eine hohe Transparenz gekennzeichnet ist, was Preise, Förder- und Verkaufsmengen, Kapazitätssteigerungen durch neue Investitionsprojekte und Gesamtvorkommen der Erzeuger angeht. Die Markttransparenz wird durch die Tatsache erhöht, daß die Platinindustrie eine relativ kleine Anzahl von Unternehmen umfaßt, die in engem Kontakt miteinander stehen. Informationen scheinen sich über informelle Kanäle sehr schnell zu verbreiten. Im Prinzip kennen sich alle maßgebenden Beteiligten persönlich und kommen häufig zusammen. Es ist auch durchaus üblich, daß Schlüsselpersonal von einem Unternehmen zum anderen wechselt. Beispielsweise war der Gencor-Vorstandsvorsitzende, Herr Gilbertson, zuvor Vorsitzender der Rustenburg Platinum Mines (jetzt Amplats). Die große Transparenz des Markts und die Produkthomogenität verschaffen den Hauptbeteiligten Kenntnis von den Maßnahmen der anderen Marktbeteiligten, was ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten vereinfacht.
ii) Die Nachfrage ist in der jetzigen Preisspanne unelastisch
(149) Wie im Abschnitt über die Ermittlung des relevanten Produktmarkts bereits ausgeführt, scheint die Nachfrage nach Platin wegen der Unersetzbarkeit des Metalls für viele Zwecke in der jetzigen Preisspanne unelastisch (kleiner eins) ist. Die geringe Preiselastizität der Platinnachfrage schafft einen größeren Anreiz für wettbewerbswidriges Parallelverhalten, da ein Preiswettbewerb allen Anbietern schaden würde. Außerdem scheint der Preiswettbewerb im Platinmarkt verhältnismäßig schwach zu sein (siehe unten).
iii) Die Käufer verfügen über keine ausgleichende Nachfragemacht
(150) Nach Aussage der Parteien wäre eine starke Käuferkonzentration mit etwa zehn maßgebenden Käufern weltweit gegeben, die eine erhebliche Nachfragemacht hätten. Zwei der größten Verarbeiter, Johnson Matthey und Engelhard, sind jedoch mit Amplats verbunden. Außerdem sind die verhältnismäßig geringen Kundenrabatte und die Klauseln in langfristigen Verträgen, die den Kunden einen Weiterverkauf ohne Genehmigung des Erzeugers verbieten (siehe unten), Anzeichen für die geringe Nachfragemacht. Wichtiger ist, daß die Verarbeiter - mit Ausnahme eines größeren Automobilherstellers (der Rabatte erhält) - nicht die Endkunden sind und Preisänderungen einfach an ihre Kunden weitergeben. Es ist unwahrscheinlich, daß diese Abnehmer über eine bedeutende ausgleichende Nachfragemacht verfügen, weil die Erzeugnisse nicht substituierbar sind und es eine große Anzahl solcher Abnehmer gibt.
iv) Prognosen sagen ein gemäßigtes Nachfragewachstum voraus
(151) Die Nachfrage soll Prognosen zufolge während der nächsten fünf Jahre mit einer gemäßigten Zuwachsrate von rund 3 % jährlich zunehmen. Dies wird im Jahr 2000 zu einem Marktvolumen von rund 5,7 Millionen Unzen (also rund 1 Million Unzen mehr als 1995) führen. Ein recht stabiler Markt wird keine neuen Unternehmen zum Eintritt in den Markt ermutigen und auch keine aggressiven Maßnahmen zur Vereinnahmung des Marktwachstums rechtfertigen, so daß darin wohl kein bedeutender Wettbewerbsanreiz zu sehen ist.
v) Die Bergbau- und Raffinationstechnologien sind ausgereift
(152) Unternehmen sind im Rahmen ihrer normalen Geschäftstätigkeit ständig bestrebt, die Kosten durch Einführung neuer Arbeitsmethoden und neuer Produktionstechnologien zu senken. Daher werden die eingesetzten Arbeitsmethoden und Technologien in den meisten Branchen im Laufe der Zeit verbessert. Der Platinbergbau ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Außerdem ist es nicht ungewöhnlich, daß sich Unternehmen derselben Branche in ihren Arbeitsmethoden in gewissem Maß unterscheiden. Es bestehen dementsprechend auch erkennbare Unterschiede zwischen den Arbeitsmethoden der vier Hauptplatinerzeuger. LPD gilt allgemein als fortschrittlichstes und effizientestes Unternehmen des südafrikanischen Platinbergbaus. Es wird ebenso in der Branche anerkannt, daß der Wettbewerb durch LPD sowohl Amplats als auch Implats zu einer Senkung ihrer Kosten gezwungen hat.
(153) Technologische Entwicklungen im Platinbergbau erfolgen jedoch nur verhältnismäßig langsam. Es sind keine größeren technologischen Durchbrüche zu erwarten, die grundlegende Änderungen der Produktionsstruktur der Platinindustrie bewirken würden. Der Fortschritt bei Bergbau- und Raffinationstechnologien dürfte daher keine Quelle intensiven Wettbewerbs sein.
vi) Hohe Zutrittsschranken und keine bedeutenden neu in den Markt eintretenden Unternehmen
(154) Die hochwertigen Erzvorkommen in der Welt befinden sich in den Händen von Amplats, Implats, LPD und Rußland. Insbesondere kontrollieren Amplats, Implats und LPD alle wirtschaftlich ausbeutbaren Vorkommen in Südafrika. Dies stellt definitiv eine Marktzutrittsschranke dar. Außerdem sind Bergbau und Raffination von Platin eine kapitalintensive Industrie. Aus dem Kapitalbedarf ergeben sich ebenfalls hohe Zutrittsschranken. Ein Großteil der Kosten für die Entwicklung eines Bergwerks sind unwiederbringlich, was das Risiko eines Engagements im Platinbergbau erhöht. Es scheint in absehbarer Zukunft keine bedeutenden, neu in den Markt eintretenden Unternehmen zu geben, die in der Lage wären, mit den Mitgliedern des Oligopols in Wettbewerb zu treten.
vii) Kontakte auf mehreren Märkten und strukturelle Verbindungen
(155) Die Mitglieder des Oligopols treffen in den Märkten für alle PGM sowie in einer Reihe anderer Märkte aufeinander; so sind z. B. Gencor, die Mütter von Gencor, AAC und Rußland alle bedeutende Golderzeuger.
(156) Strukturelle Verbindungen sind zwischen mehreren Beteiligten der Branche gegeben. Insbesondere kontrolliert AAC das Unternehmen De Beers, das für den Betrieb der Central Selling Organisation, auf die zwischen zwischen 70 und 80 % der Diamantenverkäufe weltweit entfallen, verantwortlich ist. Dieses Unternehmen und Rußland haben ein Kartellabkommen im Diamantenmarkt abgeschlossen. Außerdem sind Gencor (über Samancor) und AAC (über Vanadium) als Gesellschafter am Gemeinschaftsunternehmen Columbus beteiligt, das im südafrikanischen Edelstahlbereich tätig ist. Seit 1992 war Columbus an größeren Erweiterungsmaßnahmen beteiligt, mit denen das Gemeinschaftsunternehmen der sechstgrößte Edelstahlerzeuger der Welt werden soll. Um die Rohstoffnachfrage decken zu können, hat Columbus Zugang zur Ferrochrom-Verhüttung eines seiner Gesellschafter (Samancor) und kann seinen Nickelbedarf bei den inländischen Nickelerzeugern Amplats und Implats decken. Zwar liegen diese Tätigkeiten außerhalb des Platinmetallbereichs, zeigen aber doch die engen Verbindungen zwischen den Parteien und ihren Wettbewerbern.
(157) Am 13. März 1996 (dem Tag der mündlichen Anhörung des Falls) hat AAC rund 6 % der Aktien an Lonrho PLC mit einen Vorkaufsrecht auf weitere 18 % erworben. Sanlam, eine der Gencor-Muttergesellschaften, hält rund 3 % des Aktienkapitals von Lonrho PLC. Ein Anteil von fast 25 % ist geeignet, dem Aktionär einen erheblichen Einfluß auf Lonrho PLC zu verschaffen, da sich die restlichen Aktien in Streubesitz befinden. Dies bestätigt das Interesse von Amplats an den LPD-Aktivitäten und verstärkt die strukturellen Verbindungen zwischen den Erzeugern in der Platinindustrie.
(158) Die Kontakte auf mehreren Märkten und die strukturellen Verbindungen können eine disziplinierende Wirkung auf die Mitglieder eines Oligopols ausüben, weil dann mehrere Vergeltungsmöglichkeiten bestehen, indem sie das Vergeltungsrisiko erhöhen. In Unterlagen (datiert mit 6. Mai 1994) - die den Geschäftsführungen von Gencor und Implats übermittelt wurden - fand sich das Gutachten eines Beraters, das sich mit den möglichen Reaktionen von Konkurrenten in Folge von Implats Zusammenarbeit mit LPD beschäftigte. Ein mögliches Szenario beinhaltete folgendes: "Disziplinierungsmaßnahmen und gezielte Preiskriege - beispielsweise Rh (Rhodium)".
viii) Schlußfolgerung
(159) Die Markttransparenz und Produkthomogenität in Verbindung mit den anderen Merkmalen von Angebot und Nachfrage haben eine Situation geschaffen, die zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung beiträgt. Wie im folgenden ausgeführt wird, wird die Tendenz zu einer oligopolistischen Beherrschung durch das geringe Wettbewerbsniveau im Markt während der letzten zwei Jahrzehnte belegt.
In der Vergangenheit gab es eine Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung
(160) Das Marktwachstum und die Entwicklung der Marktanteile im letzten Jahrzehnt weisen auf ein gewisses Maß an Wettbewerb im Markt hin. Der schwache Wettbewerb und andere Verhaltensweisen der Mitglieder des Oligopols in der Vergangenheit zeigen jedoch die geringe Ausprägung des Wettbewerbs und die Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung in den letzten zwei Jahrzehnten.
i) Marktwachstum und Entwicklung der Marktanteile in der Vergangenheit
(161) Wie aus der Tabelle in Anhang IV hervorgeht, wuchs der gesamte Platinmarkt im Zeitraum 1985-1995 um 2,4 Millionen von 2,8 auf 5,2 Millionen Unzen. Das Recycling nahm um 245 000 Unzen zu und erhöhte seinen Marktanteil von 2 auf 6 %. Die Hauptnutznießer des Nachfrageanstiegs waren jedoch Rußland, Amplats und LPD, die ihre Verkäufe um fast 2 Millionen Unzen steigerten. Rußland erhöhte seinen Marktanteil von 8 auf 23 %, hauptsächlich durch verstärkte Verkäufe aus Lagerbeständen, und LPD durch erweiterte Produktion von [...] (14) auf [...] (15), während die Produktionserhöhung von Amplats einen Rückgang des Marktanteils von [...] (16) auf [...] (17) nicht verhindern konnte. Implats war nicht in der Lage, seine Produktion zu steigern, und mußte einen Rückgang des Marktanteils von [...] (18) auf [...] (19) hinnehmen. Diese Veränderungen bei den Marktanteilen deuten sicherlich auf ein gewisses Maß an Wettbewerb im Markt hin. Insbesondere wurde der Wettbewerb um das Marktwachstum von Rußland und LPD ausgetragen, während Amplats nicht als aggressiver Wettbewerber bezeichnet werden kann, da es einen rückläufigen Marktanteil zu verzeichnen hatte und nur in einem Tempo expandiert hat, das ihm die Verteidigung seiner Position als führender Erzeuger erlaubte, obwohl es über Möglichkeiten für eine weitere Expansion verfügte.
ii) Geringer direkter Preiswettbewerb für langfristige Verträge
(162) Die Tatsachen belegen, daß der direkte Preiswettbewerb im Markt gering ist. Die Tagespreise werden an den Metallbörsen ermittelt, jedoch wird nach Angaben sowohl der Kunden als auch der Parteien rund 90 % des Platins im Rahmen langfristiger Verträge und nur 10 % an den Metallbörsen gehandelt. Die meisten langfristigen Verträge haben eine Laufzeit von einem Jahr, werden aber in der Regel automatisch verlängert. Die Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen sind deswegen in der Regel relativ stabil. Langfristige Verträge enthalten oft eine Klausel, nach der das Metall für den beabsichtigten Zweck verwendet werden muß und insbesondere ein Wiederverkauf nicht ohne Genehmigung des Verkäufers erfolgen darf, der sich das Recht vorbehält, das nicht benötigte Metall vom Käufer zurückzukaufen. Als Entschädigung für diese Beschränkungen erhält der Käufer häufig einen geringen Rabatt von [...] (20) auf den Marktpreis. Diese Beschränkungen verhindern jedoch auch, daß das Metall anderen Kunden angeboten wird oder auf die Metallbörsen gelangt und dadurch den Platinmarktpreis beeinflußt. Insbesondere die langfristigen Verträge der Automobilhersteller enthalten solche Klauseln, doch auch bei einigen Verarbeitern ist dies der Fall. Die Kommission schätzt, daß möglicherweise bis zu 40 % der jährlichen Platinverkäufe diesen Beschränkungen unterliegen. Die stabilen Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen, die geringen Rabatte und die Beschränkungen hinsichtlich des Platinwiederverkaufs sind Belege für den eingeschränkten direkten Preiswettbewerb im Platinmarkt.
(163) Die Parteien argumentieren in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte wie folgt:
"Die Bedenken der Kommission hinsichtlich des Preiswettbewerbs scheinen sich auf die geringen Abweichungen bei Kundenrabatten zu beziehen, doch wäre in einer homogenen Branche keine Streuung zu erwarten (unabhängig davon, ob der Markt vollkommenem Wettbewerb ausgesetzt oder monopolisiert ist)" (NERA-Gutachten, S. 27).
(164) Die Kommission stimmt dieser Schlußfolgerung über den Wettbewerb in der Platinindustrie nicht zu. Die Anbieter konkurrieren bei langfristigen Kundenverträgen miteinander. Ein für das Wachstum von LPD in den letzten Jahren wichtiger Faktor war der bedeutende Liefervertrag des Unternehmens mit Engelhard. Dabei stand LPD im Wettbewerb mit Amplats, konnte den Kunden aber aufgrund besserer Vertragsbedingungen für sich gewinnen, obwohl Engelhard mit AAC verbunden ist. In einem Markt mit einer beschränkten Anzahl von Anbietern und Abnehmern, und wo die Preise für Verkäufe unter langfristiger Verträge mit dem Marktpreis indexiert sind, würde der Preiswettbewerb in Form von Rabattangeboten erfolgen, wenn die Anbieter bei wichtigen Verträgen konkurrieren. Es wäre in der Tat unlogisch, wenn Rabatte für den Abnehmer bei der Auswahl eines Lieferanten keine Rolle spielten. Es ist jedoch belegt, daß es nur einen geringen derartigen Wettbewerb im Platinmarkt gibt.
iii) Anhaltend hohe Preisniveaus als Beleg für eine geringe Wettbewerbsintensität
(165) Die Parteien argumentieren in ihrer Antwort, daß die realen Platinpreise in Rand im Laufe der neunziger Jahre gefallen sind, was die südafrikanischen Erzeuger unter Wettbewerbsdruck gesetzt hat:
"Wenn die verhältnismäßig starke südafrikanische Inflation in diesem Zeitraum berücksichtigt wird, wird der starke Verfall der realen Platinpreise im Laufe der neunziger Jahre deutlich. Der Durchschnittspreis war 1995 halb so hoch wie zehn Jahre zuvor. Dies vermittelt eine Vorstellung von dem Wettbewerbsdruck, dem die südafrikanischen Erzeuger in den letzten Jahren ausgesetzt waren." (NERA-Gutachten, S. 18)
(166) Die Entwicklung der jährlichen realen Platinpreise von 1975 bis 1995 in US-Dollar, Yen und Rand ist in Anhang V wiedergegeben. Es wird deutlich, daß die realen Platinpreise in Rand von 1 500 R/Unze 1980 und 1986 auf über 3 000 R/Unze stiegen. Mit Ausnahme des Jahres 1982 blieb der reale Platinpreis während des gesamten Zeitraums 1978-1990 über 2 000 R/Unze. Angesichts der Nachfragesteigerung seit 1985 und der Tatsache, daß LPD und Rußland ihren Marktanteil erhöht haben, muß geschlossen werden, daß LPD und Rußland eine wesentliche Rolle bei der Senkung des realen Preisniveaus im Lauf der letzten fünf Jahre, fast bis auf das Niveau Mitte der siebziger Jahre, gespielt haben. Dies ist eine weitere Bestätigung dafür, daß während der letzten fünf Jahre von LPD und Rußland ein gewisses Maß an Wettbewerb ausging, was aber sicherlich nicht der Fall ist, wenn der gesamte Zeitraum der letzten beiden Jahrzehnte betrachtet wird.
(167) Außerdem ist zu beachten, daß die relativ geringe Menge des an den Metallbörsen gehandelten Platins und das Bestehen langfristiger Verträge den Erzeugern die Möglichkeit zu erheblichem Einfluß auf die Marktpreisentwicklung geben. Erstens haben die Erzeuger bei langfristigen Verträgen größere Kontrolle über die Liefermengen und somit über den Marktpreis. Dies ist insbesondere bei Verträgen mit Wiederverkaufsbeschränkungen der Fall. Langfristige Verträge sind daher geeignet, eine direkte Beeinflussung der Marktpreisentwicklung auf den Metallbörsen zu verhindern. Zweitens haben die Haupterzeuger aufgrund ihres Angebots an den Metallbörsen erhebliche Einflußmöglichkeiten auf die dort ermittelten Preise. Rußland hat z. B. in den letzten Jahren eine erhebliche Menge Platin an den Metallbörsen verkauft, was zu der obengenannten Senkung der Platinpreise beigetragen hat. 1991 fiel der Platinpreis sogar unter 350 US-Dollar, als die russischen Ausfuhren zum ersten Mal die Schwelle von 1 Million Unzen überstiegen.
iv) Verhalten der Hauptmarktbeteiligten in der Vergangenheit
(168) Die Kommission hat nicht nachgeprüft, ob die Haupterzeuger sich in der Vergangenheit wie ein Kartell verhalten haben. Bei der Beurteilung, ob ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten künftig möglich ist, müssen jedoch das besondere Wettbewerbsumfeld, in dem die südafrikanischen Erzeuger in der Vergangenheit tätig waren, sowie das gegenwärtige Wettbewerbsverhalten Rußlands berücksichtigt werden.
(169) Wettbewerb war vor den kürzlich erfolgten politischen Veränderungen kein vorrangiges Merkmal der südafrikanischen Wirtschaft. Präsident Mandela hat in einem Interview der südafrikanischen Fernsehsendung "Focus" auf die Frage, ob er eine Kartellrechtspolitik für erforderlich hält, geantwortet:
"Daß es fünf Großkonzerne gibt, die mehr als drei Viertel aller an der Börse gehandelten Aktien besitzen, ist absolut unerwünscht. Unsere Volkswirtschaft kann nicht gedeihen und sich entwickeln, wenn sie sich im Würgegriff von fünf Großkonzernen befindet, die über eine Monopolstellung in der Industrie verfügen. Es muß Wettbewerb geben. Deshalb ist der Handels- und Industrieminister entschlossen, das Wettbewerbsrecht zu ändern, um Wettbewerb zu gewährleisten. Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei dem Kartellrecht zu."
(170) Übereinstimmend mit der Aussage von Präsident Mandela heißt es in einem offiziellen Diskussionsdokument der südafrikanischen Regierung zu einer Bodenschatz- und Bergbaupolitik für Südafrika:
"Marktstrukturen, die sich aus der Marktbeherrschung durch Großkonzerne ergeben haben, stellen kritische Probleme dar, da sie zu oligopolistischen Märkten führen. ... In Südafrika haben Großkonzerne die Marktanteile mit einer Reihe kollusiver Verhaltensweisen unter sich aufgeteilt, wobei sie sich absprechen, sich auf einigen Märkten des Wettbewerbs zu enthalten, um in anderen, damit nicht zusammenhängenden Märkten ungestört vorgehen zu können."
Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Diskussionsdokument, das einander widersprechende Ansichten enthalten kann. Die zitierte Aussage wird jedoch in dem Dokument nicht bestritten. Dabei ist zu bedenken, daß der Bergbau einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Südafrikas darstellt und AAC, Gencor und die Gencor-Muttergesellschaften zu den bedeutendsten Beteiligten im südafrikanischen Bergbau gehören.
(171) Im Platinmarkt hat Rußland in den letzten Jahren 10 % der Marktnachfrage durch Verkäufe aus seinen Lagerbeständen abgedeckt. Die russischen Verkäufe von Lagerbeständen dürften in erster Linie durch den Devisenbedarf begründet sein. Rußland hat durch seine Verkäufe einen gewissen Wettbewerb gewährleistet und dazu beigetragen, den realen Platinpreis Anfang der neunziger Jahre zu senken, und in gewissem Maße auch bis heute starke Preissteigerungen verhindert. Auf der Grundlage öffentlich verfügbarer Informationen von Johnson Matthey scheint es jedoch, daß Rußland die Vorteile eines Verkaufs in starken Marktphasen erkannt hat und den Platinpreis nicht zu tief hat fallen lassen. Dem von Rußland gewährleisteten Wettbewerb auf dem Platinmarkt sind daher Grenzen gesetzt. Ausgehend vom Verhalten in der Vergangenheit ist zu schließen, daß Rußland lediglich in gewissem Maße als effektiver Wettbewerber gegenüber den südafrikanischen Haupterzeugern auftreten wird, und das auch nur bis zur Erschöpfung der Lagerbestände (siehe unten).
(172) Nach Aussagen von Herrn R.W. Rowland, dem früheren Lonrho-Vorstandsvorsitzenden, ist wettbewerbswidriges Verhalten seit Jahren in der Branche im Gespräch, was sich auch auf die Möglichkeit der Gründung eines Kartells nach Art von De Beers erstreckt. Außerdem ist Gencor bereits seit einigen Jahren am Erwerb der Lonrho-Platinaktivitäten interessiert, um die praktische Kontrolle über die LPD-Bergwerke zu erlangen. Die monopolistischen Absichten waren laut Herrn Rowland für alle Parteien offensichtlich. Die Parteien haben in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragen, daß die Auslassungen von Herrn Rowland entweder nicht substantiiert oder irrelevant seien (Antwort, S. 11). Die Parteien haben die Aussagen von Herrn Rowland jedoch weder bestritten noch widerlegt.
v) Nur wenige Wettbewerbselemente in der künftigen Marktsituation
(173) Wie bereits ausgeführt hat Rußland einen Anreiz gehabt, seine Lagerbestände in den letzten Jahren zu verringern, da es Devisen benötigte. Diese zusätzlichen Mengen haben für einen gewissen Wettbewerb auf dem Markt gesorgt, wie beispielsweise die Entwicklung der realen Preise belegt. Die russischen Bergwerke sind jedoch heruntergewirtschaftet, und es wird allgemein davon ausgegangen, daß die russischen Lagerbestände beim jetzigen Verkaufstempo in rund zwei Jahren vollständig abgebaut sein werden. Der Wettbewerb, der vom Verkauf aus russischen Lagerbeständen ausging, wird daher in etwa zwei Jahren zum Erliegen kommen. Als Folge davon wird die Marktmacht von Implats, LPD und Amplats verglichen mit der Rußlands in absehbarer Zukunft zunehmen, und Rußland wird auf den Rang eines weniger bedeutenden Marktbeteiligten verwiesen werden.
(174) Das andere wichtige neue Wettbewerbselement im letzten Jahrzehnt (außer den russischen Verkäufen aus Lagerbeständen) war die Expansion von Lonrho mit einer Erhöhung des Marktanteils von [...] (21) auf [...] (22) im Zeitraum 1985-1995. Die Aussage eines bedeutenden Platinabnehmers dazu: "Im Laufe der Jahre hat sich die Lonrho Platinum Division durch Expansion zu einer maßgebenden 'dritten Kraft' auf dem Markt entwickelt."
(175) Lonrho hat das Potential für eine weitere Expansion in den nächsten Jahren mit nur geringem zusätzlichen Investitionsaufwand. Eine weitere Expansion von Lonrho würde mit Wettbewerb in der Platinindustrie einhergehen und sollte erwartungsgemäß Wettbewerbsmaßnahmen insbesondere von Amplats als Antwort auf die Herausforderung auslösen.
(176) Die Betriebskostenkurven der Minen der südafrikanischen Erzeuger sind im Schaubild in Anhang II dargestellt. Es muß festgehalten werden, daß beispielsweise im Fall von [...], ungefähr 80 % der Gesamtkosten auf Bergbau und Verdichtung entfallen, wovon 70 % Fixkosten sind. Wie aus dem Schaubild hervorgeht und in Abschnitt VII.B.2 bereits ausgeführt wurde, sind die Abweichungen in den Kostenstrukturen von Implats und Amplats wesentlich größer als im Fall von LPD. Es wird allgemein anerkannt, daß Implats derjenige Erzeuger mit hohen Kosten unter den drei südafrikanischen Unternehmen und LPD derjenige mit niedrigen Kosten ist. Die Unterschiede in ihren Kostenstrukturen stellen unterschiedliche Wettbewerbsanreize für die Unternehmen dar. Insbesondere verfügt LPD mit seinen zu geringen Kosten arbeitenden Betrieben über einen Anreiz, ihre Produktion auszuweiten, was Wettbewerb gegenüber den anderen Mitgliedern des Oligopols darstellen würde.
(177) Von den drei südafrikanischen Erzeugern hat Implats wegen seiner mit hohen Kosten arbeitenden Bergwerke durch weiteren Wettbewerb am meisten zu verlieren. Der Wettbewerb würde jedoch auch Druck auf die zu höheren Kosten arbeitenden Betriebe von Amplats ausüben und das Unternehmen zur weiteren und früheren Entwicklung seiner kostengünstigen Vorkommen zwingen. Aus den internen Unterlagen von Implats und Lonrho geht klar hervor, daß Lonrho die Produktion erhöhen will und Implats gegen eine Expansion bei LPD ist.
vi) Schlußfolgerung
(178) Aufgrund der Marktmerkmale, der Entwicklung des Preiswettbewerbs und des Verhaltens der wesentlichen Marktbeteiligten in der Vergangenheit ist offensichtlich, daß wettbewerbswidriges Parallelverhalten ein Merkmal des Platinmarkts war. In den letzten fünf Jahren wurde jedoch durch russische Verkäufe aus Lagerbeständen (die in zwei Jahren erschöpft sein werden) und durch die Expansion von LPD, mit der sich das Unternehmen zu einer bedeutenden "dritten Kraft" am Markt entwickelte, Wettbewerb gewährleistet. LPD hat das Potential für eine weitere Expansion mit geringem zusätzlichen Investitionsbedarf und wäre fähig, mit den anderen Mitgliedern des Oligopols in Wettbewerb treten.
Das geplante Vorhaben wird zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung und effektiv zu einem Duopol führen
i) Die Rolle von Amplats in der Platinindustrie
(179) Laut der Antwort der Parteien ist die Amplats-Strategie klar:
"Amplats hat den Wettbewerbern ihre eigene Strategie stets deutlich gemacht. Ein jüngeres Beispiel dafür ist die Pressemeldung (Business Day vom 29. Oktober 1995), in der Amplats mit den Worten zitiert wird, das Unternehmen würde seine Finanzkraft und seine überlegenen Erzvorkommen einsetzen, um den Wettbewerbern jegliches Wachstum im Platinmarkt zu verwehren. Außerdem würde die zur Zeit geplante Ausweitung die Produktionskosten zu dem Faktor machen, der Gewinner und Verlierer im Markt voneinander unterscheidet (siehe Anhang IV). Die Kontrolle über die zu den geringsten Kosten realisierbaren Expansionsmöglichkeiten der Branche (in PP Rust) machen Aussagen von Amplats wie diese glaubhaft.
... Damit behält Amplats eine Position bei, in der das Unternehmen eine einzigartige Marktmacht ausüben kann, sofern ihm nicht entgegengetreten wird. Für Amplats wäre dies die beste aller Möglichkeiten, während für Implats und LPD eine Neuausrichtung erforderlich würde, die die beste Option zur Wiederherstellung eines tatsächlichen Wettbewerbs auf Erzeugerebene darstellen würde (siehe Anhänge V, VI und VII)." (Anhang 10 der Antwort).
(180) Amplats verfügt über die Möglichkeit, neue Kapazitäten zu geringen Kosten auf den Markt zu bringen, und dabei mit der Geschwindigkeit vorzugehen, die das Unternehmen für angemessen hält. Die wesentlichen Wettbewerbseinfluesse auf das Marktverhalten von Amplats im letzten Jahrzehnt waren die Expansion von LPD und die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen.
ii) Der Zusammenschluß würde effektiv zu einem Duopol führen
(181) Das Vorhaben wird alle Platinaktivitäten von Gencor und Lonrho in einem Unternehmen zusammenfassen. Implats/LPD und Amplats hätten 1994 jeweils einen Marktanteil von rund 30-35 % gehabt. Dieser Marktanteil dürfte sich auf rund 40 % für jedes der beiden Unternehmen erhöhen, wenn Rußland wie erwartet in etwa zwei Jahren den Verkauf aus Lagerbeständen einstellt. Dies wird Rußland außerdem gegenüber Implats/LPD und Amplats die Rolle eines weniger bedeutenden Marktbeteiligten zuweisen. Mittel- bis langfristig dürfte sich die Wettbewerbssituation effektiv zu einem Duopol entwickeln. Eine Duopolsituation würde es den Haupterzeugern wesentlich erleichtern, ihr Verhalten aneinander anzupassen und beispielsweise die Produktion zu drosseln.
iii) Ähnliche Kostenstrukturen von Amplats und Implats/LPD werden den Wettbewerbsanreiz vermindern
(182) Wie aus dem Schaubild in Anhang II hervorgeht, wird der Zusammenschluß von LPD und Implats zu einem neuen Unternehmen führen, dessen Betriebskostenstruktur für die Bergwerke der von Amplats ähnelt. Aus den Schaubildern in Anhang II folgt nicht, daß die Betriebskosten in jeder Hinsicht gleich sein werden, da aufgrund der Erzgüte, der unterschiedlichen Zusammensetzung des geförderten Erzes, unterschiedlicher Kosten bei der Verarbeitung und Raffination und unterschiedlicher Verwaltungskosten weiterhin bedeutende Unterschiede gegeben sein können. Die Schaubilder in Anhang II zeigen jedoch eine größere Ähnlichkeit der Kosten von Amplats und Implats/LPD nach dem Zusammenschluß.
(183) Implats hat vorgetragen, daß das Vorhaben dem kombinierten Unternehmen Implats/LPD erlauben wird, erhebliche Synergien zu erzielen. Wie im folgenden Abschnitt VII dargelegt wird, werden diese Synergien vom LPD-Management bestritten. Die Kommission ist der Auffassung, daß die angegebenen Synergien sich sogar negativ auswirken können, da die Unterschiede in den zwischen Implats und LPD bestehenden Organisationskulturen eine Integration schwierig machen werden und diese daher sehr teuer sein könnte. Die einzige Auswirkung des Zusammenschlusses auf die Kostenstruktur ist demnach die Schaffung eines Unternehmens mit einer Kostenstruktur, die der von Amplats ähnelt, jedoch werden Synergieeffekte Implats/LPD keinen Kostenvorteil gegenüber Amplats verschaffen.
(184) Die größere Ähnlichkeit der Kostenstrukturen von Amplats und Implats/LPD bedeutet, daß das kombinierte Unternehmen Implats/LPD und Amplats in einem größeren Umfang auf die gleiche Weise von Marktentwicklungen beeinflußt wird und auf diese reagieren dürfte, z. B. in seinen Produktionsentscheidungen. Ein Preisanstieg würde beispielsweise ähnliche Auswirkungen auf die Rentabilität der beiden Unternehmen haben. Die beiden südafrikanischen Erzeuger werden daher in einem höheren Maße ein gemeinsames Interesse an Entwicklungstendenzen des Markts haben, was die Wahrscheinlichkeit eines wettbewerbswidrigen Parallelverhaltens nach dem Zusammenschluß, also z. B. eine Drosselung der Produktion, erhöhen wird.
(185) Die Parteien haben in ihrer Antwort ausgeführt, daß sich Implats in den letzten Jahren stark verändert hat und die Kostenunterschiede zwischen den südafrikanischen Produzenten geringer als angenommen sind. Es ist jedoch unbestritten, daß LDP derjenige Produzent in der südafrikanischen Platinindustrie mit den geringsten Kosten ist, und daß es für Implats eines der Hauptziele des Zusammenschlusses ist, sich Zugang zu billigen Rohstoffen zu sichern.
iv) Der Zusammenschluß wird LPD aus dem Markt ausschalten und den Wettbewerb vermindern
(186) Durch den Zusammenschluß wird LPD als unabhängiger Marktbeteiligter ausgeschaltet. Alle Belange des Abbaus, der Aufbereitung, der Raffination und der Vermarktung des Platins werden in einem einheitlichen Management in Implats/LPD konzentriert sein. Daher wird LPD als bedeutende "dritte Kraft" im Markt als Folge des Zusammenschlusses ausgeschaltet, wodurch den Kunden weniger Wahlmöglichkeiten bleiben. Infolgedessen dürften die Vertragsbedingungen für die Kunden noch ungünstiger werden. Der bestehende beschränkte Wettbewerb bei Rabatten dürfte nach dem Zusammenschluß weiter zurückgehen.
(187) Der Zusammenschluß wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Drosselung der Produktion des kombinierten Unternehmens Implats/LPD führen. In diesem Zusammenhang sollte festgehalten werden, daß eine Begrenzung des Ausstoßes nicht notwendigerweise eine Reduzierung des absoluten Produktionsniveaus sein muß. Eine Kontrolle der Wachstumsrate der Kapazität kann genauso wichtig sein. Selbst in einem Markt mit moderatem Wachstum wie dem Platinmarkt ist eine Verringerung der Wachstumsrate der Kapazität bereits ausreichend, um zu einer Verknappung der Angebots-Nachfrage-Relation und damit zu Preisanstiegen zu führen. Der in Vorbereitung des Zusammenschlusses an die Lonrho-Aktionäre gerichtete Rundbrief führt dazu aus:
"Implats und Lonrho konnten in der Vergangenheit keine Einigung über einige Fragen erzielen, zu denen auch die von Lonrho vorgeschlagenen Pläne zur Erweiterung der LPD-Aktivitäten gehören. Der Board of Directors ist der Meinung, daß die Interessen von Lonrho und Gencor an einer Wertsteigerung des fusionierten Unternehmens Implats nach dem Zusammenschluß zum Vorteil beider Aktionäre ausgeglichen werden."
(188) Darüber hinaus wird nach den Vorhersagen, die dem [...] präsentiert wurden, die Angleichung der Interessen nach dem Zusammenschluß eine Zurückführung der Expansionspläne beinhalten. Sie wird also zu höheren Preisen im Vergleich zu der Situation führen, in der der Zusammenschluß nicht ausgeführt wird und beide Firmen mit ihren bisherigen Zukunftsplanung fortfahren. Insbesondere wurden dem [...] zwei verschiedene Produktionsszenarien vorgelegt, in denen die Konsequenzen für die Produktion von Implats und LPD für den Fall, daß der Zusammenschluß erfolgt, und für den Fall, daß er nicht erfolgt, dargelegt werden:
"a) [...]
b) [...] (22)(22) [...]"(189) [...] ist laut dem Bericht [...] insbesondere der Auffassung, daß der Zusammenschluß marktseitig zwei Hauptvorteile (zusätzlich zu möglichen Kosteneinsparungen) haben wird:
"[... die Beibehaltung der jetzigen Produktionsniveaus dürfte die Preise für die wichtigsten Metalle positiv beeinflussen.] (23)(23) [...]"Außerdem heißt es dort:
"[... der fusionierte Konzern wird eine höhere Marktkapitalisierung aufweisen, als dem zugrundeliegenden Wert der fusionierten Unternehmen entspricht. Grund dafür sind die Größe des Konzerns und seine Möglichkeit, stärkeren Einfluß auf den Markt auszuüben]."
(190) Findet der Zusammenschluß nicht statt, würde eine Expansion von LPD den Wettbewerbsdruck auf die mit geringem Deckungsbeitrag arbeitenden Abbaustätten von Implats und Amplats erhöhen. Die Kommission schätzt ausgehend vom Schaubild in Anhang II, daß auf Abbaustätten, die Betriebsverluste erzielten, [...] (23) der Implats-Produktion und [...] (24) der Amplats-Produktion des Jahres 1994 entfielen. Der Zusammenschluß wird aus zwei Gründen den Wettbewerb verringern und zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung führen:
a) Der Zusammenschluß wird eindeutig den von LPD ausgeübten Wettbewerbsdruck auf die mit hohen Kosten arbeitenden Implats-Betriebe ausschalten, indem die Marketingfunktionen von LPD und Implats zusammengefaßt werden und sichergestellt wird, daß jede künftige Expansion der gegenwärtigen LPD-Vorkommen nur unter Berücksichtigung des Gesamtinteresses des fusionierten Unternehmens Implats/LPD erfolgt. Vom Implats-Standpunkt aus würde der Zusammenschluß dem Wettbewerbsverhalten des jetzigen Unternehmens LPD Einhalt gebieten;
b) durch den Zusammenschluß wird ein Unternehmen derselben Größe wie Amplats geschaffen, das über erhebliche, zu geringen Kosten ausbeutbare Vorkommen und eine ähnliche Kostenstruktur verfügt und in der Lage ist, einen größeren Einfluß auf den Markt auszuüben. In dieser Lage wird es angesichts der Marktmerkmale und des bisherigen Wettbewerbsverhaltens in der Branche keinen Anreiz für Amplats und Implats/LPD geben, miteinander zu konkurrieren. Ein sehr wahrscheinliches Ergebnis des Zusammenschlusses ist daher wettbewerbswidriges Parallelverhalten. Die jetzige Struktur dürfte in der Tat weit eher ein gewisses Maß an Wettbewerb gewährleisten, weil LPD eine dritte Kraft im Markt darstellt und einen größeren Anreiz hat, ihre Produktion zu erweitern, als ein fusioniertes Unternehmen Implats/LPD.
(191) Trotz der zuvor bestehenden Verbindungen zwischen den Konzernen Gencor und Lonrho wäre Implats nicht auf längere Zeit in der Lage, LPD an einer Erweiterung der Platinproduktion zu hindern, wenn der Zusammenschluß nicht stattfindet. LPD kann mit lediglich begrenzten Zusatzinvestitionen expandieren. Aus den von den Parteien bereitgestellten Daten sowie einer von Herrn R.W. Rowland, dem früheren Lonrho-Vorstandsvorsitzenden, bereitgestellten Analyse geht hervor, daß die geplante Erweiterung einfach durch vom Unternehmen selbst erwirtschaftete Mittel finanziert werden kann. Eine weitere Expansion zu geringen Kosten ist ebenfalls möglich, und auch die Minderheitenrechte von Implats können auf längere Sicht keine Maßnahmen verhindern, die allen Aktionären Vorteile bringen würden.
(192) In ihrer Antwort haben die Parteien die Befürchtung ausgedrückt, daß die Kommission es versäumt hat, den Beweisen in diesem Fall das richtige Gewicht zu geben, indem sie eine irreführende Darstellung der Ansichten von Drittparteien bezüglich des Zusammenschlusses abgegeben habe. Sie versuchen die Bedeutung der Beweise zu quantifizieren, indem sie einen Prozentsatz von Antworten auf zwei bestimmte Fragen im Fragebogen der Kommission zitieren. Dies unterstützt ihrer Ansicht nach ihre Auffassung bezüglich der Auswirkungen des Zusammenschlusses. Die Kommission stimmt nicht damit überein, daß es möglich sein soll, die Bedeutung dieser Beweise dadurch zu ermitteln, daß man den Antworten Prozentzahlen zuweist. Tatsächlich ist die Kommission gerade aufgrund aller Beweismittel zu dem Schluß gekommen, daß der Zusammenschluß den Wettbewerb im Platinmarkt beeinträchtigen würde.
B.6. Von den Parteien vorgelegtes Wirtschaftsgutachten
(193) Die Parteien haben als Bestandteil ihrer schriftlichen Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein Wirtschaftsgutachten für den geplanten Zusammenschluß vorgelegt, das von dem Wirtschaftberater NERA, Großbritannien, im Auftrag der beiden Parteien erstellt wurde.
(194) Das NERA-Wirtschaftsgutachten legt Rahmenbedingungen für die Analyse des Wettbewerbs in der Platinindustrie dar. Die Schlußfolgerung hinsichtlich des bisherigen Wettbewerbs in der Platinindustrie lautet: "Die Beziehung zwischen dem gegenwärtigen Marktpreis und den Betriebskosten der südafrikanischen Erzeuger steht im Einklang mit wettbewerblich bedingten Marktergebnissen" (NERA-Gutachten, S. 12).
(195) Die Kommission ist der Auffassung, daß das Ausmaß, in dem das gegenwärtige Preisniveau den Wettbewerbspreis einer durch vollkommenen Wettbewerb gekennzeichneten Branche widerspiegelt, im Rahmen empirischer Untersuchungen zu ermitteln wäre, was weder von seiten NERAs noch von seiten der Kommission der Fall ist. Wie jedoch bereits in Abschnitt VI.B.5 ausgeführt, stimmt die Kommission der Auffassung zu, daß es in den letzten Jahren ein gewisses Maß an Wettbewerb gegeben hat. Dieser Wettbewerb kam im wesentlichen durch die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen und der LPD-Expansion zustande. Die Kommission stimmt NERA auch darin zu, daß dieser Wettbewerb zu einer Verringerung der Betriebskosten und zu Anreizen zur Einführung neuer, mit geringen Kosten arbeitender Versorgungsquellen geführt hat (NERA-Gutachten, S. 6). LPD hat in dieser Hinsicht in der südafrikanischen Platinindustrie eine wichtige Rolle gespielt.
(196) Was die Möglichkeit eines Monopolmißbrauchs angeht, führt NERA aus: "Erstens ist eines der Schlüsselmerkmale des Monopolmißbrauchs die Drosselung derjenigen Produktion, deren Betriebskosten unterhalb des (vorherrschenden) Monopolpreisniveaus liegen, und zweitens ist die Ausübung der Monopolmacht weitgehend von der Möglichkeit des Monopolisten abhängig, marginale Versorgungsquellen zu kontrollieren."
(197) Die Kommission stimmt zu, daß die Möglichkeit einer Angebotsreaktion marginaler Versorgungsquellen für die Ausübung der Monopolmacht im klassischen wirtschaftlichen Sinn von überragender Bedeutung ist. Wie jedoch bereits ausgeführt (siehe z. B. Abschnitt VI.B.4), ist es äußerst unwahrscheinlich, daß eine Drosselung der Platinproduktion durch das Oligopol durch marginale Versorgungsquellen, d. h. durch Anbieter außerhalb des Oligopols, durch Recycling und durch Lagerbestände außerhalb Rußlands, ausgeglichen werden könnte.
(198) Hinsichtlich der Möglichkeit einer oligopolistischen Marktbeherrschung argumentiert NERA: "Die möglicherweise wichtigste Vorbedingung für die Erzielung eines nichtwettbewerblichen Marktergebnisses durch eine eng verbundene oligopolistische Gruppe ist ein stabiles Marktumfeld, das frei von externen Störungen ist, die den Status quo beeinträchtigen könnten" (NERA-Gutachten, S. 25).
(199) Laut NERA gehören zu den möglichen Quellen externer Störungen:
a) Nachfrageverschiebungen;
b) Unsicherheit bezüglich der (kurz- und langfristigen) Nachfrageelastizität;
c) Unsicherheit bezüglich der Verkaufspolitik der Inhaber von Platinbeständen und marginaler Platinquellen wie Nickelbergwerke;
d) Unsicherheit bezüglich der Verfügbarkeit von recyceltem Platin (NERA-Gutachten, S. 25).
(200) Zu Punkt a): Es ist darauf hinzuweisen, daß gewisse im Laufe der Zeit eintretende Nachfrageverschiebungen ein normales Merkmal vieler Märkte sind und keine Besonderheit der Platinindustrie darstellen. Solche Verschiebungen sind für die Beurteilung einer oligopolistischen Marktbeherrschung jedoch nur in dem Maße von Bedeutung, wie sie das oligopolistische Gleichgewicht stören können. Wie bereits ausgeführt, wird für die kommenden Jahre lediglich ein gemäßigtes Wachstum des Platinmarkts vorhergesagt. Außerdem haben Nachfrageverschiebungen in den letzten Jahrzehnten positiv gewirkt und zu einer höheren Nachfrage geführt, und zur Zeit gibt es praktisch keine Negativrisiken hinsichtlich des erwarteten Marktwachstums. Stattdessen können die erwarteten Versorgungslücken realistischerweise nur durch Amplats, Implats, LPD oder (kurzfristig) durch russische Lagerbestände gedeckt werden.
(201) NERA argumentiert, daß "Platin in gewissem Maße spekulativen Nachfrageverschiebungen unterliegt" und "sich das Volumen der Abschlüsse an den Börsen NYMEX und TOCOM 1995 auf rund 135 Millionen Unzen belief, 27 mal mehr als das physische Liefervolumen" (NERA-Gutachten, S. 8). Das absolute Volumen der Börsenabschlüsse ist ein unzulänglicher Indikator für das Niveau von Spekulationsaktivitäten in einem Markt. Die Kommission hat im Laufe ihrer Untersuchung nicht feststellen können, daß der Platinmarkt ein spekulativer Markt ist, sondern daß er im Gegenteil durch grundlegende Angebots- und Nachfragefaktoren bestimmt wird, wie im Abschnitt über den Produktmarkt ausgeführt wurde. Insbesondere wurde in der von der Kommission in Auftrag gegebenen RSI-Studie festgestellt, daß die NYMEX-Börse hauptsächlich ein Terminmarkt, der dem physischen Handel dient, und kein reiner Terminkontraktmarkt ist.
(202) Zu Punkt b): Die Kommission ist zu dem Schluß gekommen, daß die Platinnachfrage in der gegenwärtigen Preisspanne preisunelastisch ist. Wie bereits hinsichtlich des Produktmarkts (Abschnitt VI.A.2 iii)) ausgeführt, räumt die Kommission ein, daß die langfristigen Nachfrageelastizitäten für Platin größer sein können, falls die Preise z. B. um das Zwei- oder Dreifache steigen. Ein größerer, aber dennoch stärker begrenzter Preisanstieg (beispielsweise um 10 %) dürfte jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu einer wesentlichen Substitution führen. Dies wird auch durch die Erfahrungen der Jahre 1985-1989 belegt, als der reale Platinpreis über 600 US-Dollar (rund 40 % über dem Preisniveau des Jahres 1995) lag, aber keine Substitution stattfand und die Nachfrage weiter zunahm. In ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte bestreiten die Parteien nicht, daß die Preiselastizität der Nachfrage in der gegenwärtigen Preisspanne unelastisch ist. Dies entspricht einem wettbewerblichen Ergebnis. Tatsächlich hätte nach der volkswirtschaftlichen Theorie eine Preiselastizität größer als 1 bedeutet, daß der Platinpreis bereits vor dem geplanten Zusammenschluß auf Monopolniveau festgesetzt gewesen wäre (NERA-Gutachten, S. 27, Ziffer 3). Wie bereits dargelegt, ist dies in der gegenwärtigen Marktsituation jedoch nicht der Fall, da Wettbewerb insbesondere durch LPD und Verkäufe aus russischen Lagerbeständen gewährleistet ist. Dies stimmt mit der Tatsache, daß die Nachfrage unelastisch ist, überein.
(203) Zu den Punkten c) und d): Wie zuvor ausgeführt, hält es die Kommission für äußerst unwahrscheinlich, daß Anbieter außerhalb des Oligopols, Lagerbestände außerhalb Rußlands und die Verfügbarkeit von recyceltem Platin ausreichende Auswirkungen auf den Markt haben werden, um den Mißbrauch einer beherrschenden Stellung verhindern zu können.
B.7. Schlußfolgerung
(204) Der Platinmarkt war in der Vergangenheit durch Tendenzen zu wettbewerbswidrigem Parallelverhalten gekennzeichnet. Es liegen Belege für einen schwachen Preiswettbewerb während der letzten zwei Jahrzehnte vor. Rußland hat in den letzten Jahren vermutlich zur Deckung seines Devisenbedarfs Verkäufe aus Lagerbeständen getätigt. Dabei hat Rußland jedoch die Politik verfolgt, bei einem "starken" Markt zu verkaufen. Außerdem ist festzustellen, daß die südafrikanische Bergbauindustrie in der Vergangenheit durch ein stark wettbewerbswidriges Verhalten gekennzeichnet war. LPD war Teil dieses Umfelds, hat jedoch ihre Produktion ausweiten können und ist dadurch in den Wettbewerb mit Amplats und Implats eingetreten. Die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen und die LPD-Expansion sind die Hauptwettbewerbselemente im Markt.
(205) Falls der Zusammenschluß erfolgen sollte, gäbe es in Zukunft zwei südafrikanische Erzeuger mit ähnlichen Förderkostenstrukturen und Anreizen. Der Zusammenschluß von LPD und Implats hätte wettbewerbswidrige Auswirkungen, da LPD zur Zeit Anreize für eine Expansion hat und LPD als aktiverer Marktbeteiligter wegfallen würde. Das fusionierte Unternehmen hätte weniger Anreiz zur Expansion, da es die mit hohen Kosten arbeitenden Implats-Betriebe nicht unter Druck setzen will. Aufgrund der Marktmerkmale und sich daraus ergebenden ähnlichen Kostenstrukturen und angesichts des bisherigen Wettbewerbsverhaltens in der Platinindustrie gäbe es keinen Anreiz für Implats/LPD und Amplats, miteinander in Wettbewerb zu treten. Die Ausschaltung von LPD würde einen qualitativ wichtigen Unterschied im Markt ausmachen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Zusammenschluß mittelfristig eine weitere Verknappung des Platinangebots und somit höhere Platinpreise zur Folge hätte. Dies läge im Interesse sowohl von Amplats als auch des fusionierten Unternehmens Implats/LPD, die aufgrund der mittelfristig schlechteren Wettbewerbsfähigkeit Rußlands eine Duopolstellung einnehmen könnten.
(206) Zusammenfassend würde das geplante Vorhaben mittelfristig ein aus Amplats und Implats/LPD bestehendes marktbeherrschendes Duopol im Platinmarkt (der bereits heute durch schwachen Wettbewerb gekennzeichnet ist) schaffen, wodurch ein effektiver Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich beeinträchtigt würde. Die Parteien haben im Gemeinsamen Markt - verglichen mit anderen Teilen der Welt - verhältnismäßig geringe Marktanteile und argumentieren, daß das Vorhaben daher nur geringe Auswirkungen auf den Gemeinsamen Markt haben würde. Der Platinmarkt ist jedoch ein Weltmarkt, und die Platinpreise in der Europäischen Gemeinschaft werden auf Weltmarktniveau festgesetzt. Wettbewerbsbeeinträchtigende Auswirkungen des Vorhabens auf den Platinmarkt würden sich daher in der Europäischen Gemeinschaft beispielsweise in höheren Preisen für das gesamte dort verkaufte Platin bemerkbar machen, und nicht nur bei dem von Implats und LPD verkauften Platin.
C. Rhodium
(207) Rhodium ist gemessen am Umsatz das nach Platin und Palladium drittwichtigste PGM. Auf Rhodium entfiel 1994 ein Anteil von 12 % des gesamten PGM-Umsatzes.
(208) Hinsichtlich Marktanteilen und Angebotskonzentration ist die Lage mit der bei Platin vergleichbar. Implats/LPD und Amplats decken etwa 70 % des Markts ab, Rußland etwa 20-25 % (siehe Tabellen A1 und A2 in Anhang I). Der Rhodiummarkt scheint die gleichen Merkmale aufzuweisen wie der Platinmarkt. Der Markt ist transparent, das Metall ist ein homogenes Gut, das frei gehandelt wird, und die Händlerpreise sind öffentlich bekannt. Außerdem ist die Abbau- und Raffinationstechnologie ausgereift, der Produktionsprozeß ist derselbe wie für andere Platinmetalle, es bestehen hohe Zutrittsschranken zur Branche, es sind finanzielle Verbindungen und Kontakte auf mehreren Märkten vorhanden, und es ist wie bei Platin unwahrscheinlich, daß die Käufer über Nachfragemacht verfügen.
(209) Wie auch im Fall von Platin ist die Nachfrage nach Rhodium preisunelastisch, da der Verbrauch fast ausschließlich mit der Herstellung von Kfz-Abgaskatalysatoren verknüpft ist. 98 % des Rhodiums wird für Abgaskatalysatoren verwendet und die restlichen 2 % für industrielle Anwendungen.
Schlußfolgerung
(210) Aus denselben Gründen, die bereits für den Platinmarkt vorgebracht wurden, folgt aus den Merkmalen des Rhodiummarkts, daß der Wettbewerb zwischen den führenden Marktbeteiligten nach dem Zusammenschluß nicht ausreichen wird, um einen wirksamen Wettbewerb in diesem Markt zu gewährleisten. Daher dürfte das Vorhaben zu einer duopolistischen Beherrschung des Rhodiummarkts führen, aufgrund derer ein wirksamer Wettbewerb in der Europäischen Gemeinschaft erheblich eingeschränkt würde.
D. Palladium, Ruthenium, Iridium
(211) Außer den Märkten für Platin und Rhodium hat die Kommission auch die Märkte für Palladium, Ruthenium und Iridium untersucht. In den Märkten für Ruthenium und Iridium wurden keine Wettbewerbsprobleme festgestellt. Rußland scheint den Palladiummarkt zu beherrschen. Der Zusammenschluß würde aber dem Marktanteil von LPD nur [...] (25) v.H. zu dem [...] (26) (1994) Marktanteil von Implats hinzufügen und deswegen nicht die dominierende Stellung Rußlands aufheben.
VIII. WIRTSCHAFTLICHER UND TECHNISCHER FORTSCHRITT
(212) Implats hat vorgetragen, daß der Zusammenschluß von Implats und LPD die Erzielung erheblicher Synergien und dadurch eine Senkung der Kosten möglich macht. Implats ist der Auffassung, daß Synergien insbesondere erzielt werden können durch
a) die Produktivitätsvorteile, die sich daraus ergeben, daß die Parteien voneinander lernen;
b) Einsparungen, die sich aus der Schließung einiger Aufbereitungs- und Raffinationsanlagen von LPD ergeben.
(213) Das Ausmaß dieser Synergien wird von der Geschäftsführung von LPD bestritten. In einem für die Geschäftsleitung von Lonrho plc. bestimmten Bericht schätzten Morgan Grenfell und James Capel die Synergien des Zusammenschlusses auf nur ein Zehntel der von Implats selbst angenommenen Auswirkungen (ausgenommen gewisse negative und positive unquantifizierbare Auswirkungen). Die Kommission ist der Auffassung, daß sich die einzigen wesentlichen Synergien bei den Aufbereitungs- und Raffinationsanlagen ergeben, diese aber erst in einigen Jahren verwirklicht werden können. Insbesondere sind die großen Synergien, die sich aus der Zusammenfassung der Edelmetall-Raffinationsbetriebe in einem Raffinationsbetrieb ergeben sollen, als ungewiß anzusehen. Hinzu kommt, daß der Synergieeffekt im ganzen möglicherweise sogar negativ sein könnte, weil die beiden Unternehmen vollkommen verschiedene Unternehmenskulturen aufweisen, was wiederum eine Integration schwer und wahrscheinlich kostspielig machen wird.
(214) Scheinbar ist die sich aus dem Zusammenschluß hauptsächlich ergebende Synergie die Erhöhung der Marktmacht des fusionierten Unternehmens. Jedoch selbst wenn es Synergien geben sollte, ist die Kommission der Auffassung, daß diese sich nicht zum Vorteil der Verbraucher auswirken, da das Vorhaben zu einer beherrschenden Stellung auf den Platin- und Rhodiummärkten führen und ein Wettbewerbshindernis auf diesen Märkten darstellen wird.
IX. VON DEN PARTEIEN VORGESCHLAGENE VERPFLICHTUNG
(215) Die Parteien haben der Kommission den Entwurf einer Verpflichtung vorgeschlagen, der versucht, die wettbewerblichen Probleme zu mildern, die durch den Zusammenschluß entstehen. Diese Verpflichtung ist den Mitgliedstaaten unterbreitet worden und wurde auf der Sitzung des Beratenden Ausschusses erörtert. Sie enthält drei Elemente:
a) die Entwicklung zusätzlicher [...] Unzen Kapazität in der [...];
b) die Beibehaltung der Produktion auf dem bestehenden Niveau - [...] Unzen p.a.;
c) die Schaffung eines "neuen Lieferanten" im Markt.
(216) Die angebotene Verpflichtung betrifft das Verhalten der Parteien und berücksichtigt nicht die wettbewerblichen Bedenken der Kommission. Zwar würde die Entwicklung zusätzlicher Kapazität von Vorteil für die Wettbewerbsstruktur der Industrie sein, das Angebot zusätzlicher Kapazitäten und der Vorschlag, die Produktion auf dem gegenwärtigen Niveau aufrechtzuerhalten spiegelt jedoch nicht das Marktwachstum zu dem es, nach Auffassung aller Beobachter kommen wird, wider. Außerdem könnte die Produktion anderer Bergwerke, die ebenfalls der fusionierten Einheit gehören, früher verringert werden, um die Produktion auf dem gegenwärtigen Niveau von [...] Unzen zu halten und so das Gesamtangebot zu verringern. Wichtiger ist, daß diese Gesichtspunkte nicht die Frage der oligopolistischen Marktstruktur berühren. Daher würde, wenn ein Lieferant seinen Ausstoß auf einem konstanten Niveau aufrechterhält, dies den anderen Mitgliedern des Oligopols, z. B. Amplats, bekanntgegeben werden. Bei einem Wachsen der Marktnachfrage würde deshalb ein nach oben gerichteter Druck auf die Preise erzeugt werden.
(217) Im Hinblick auf die Schaffung eines "neuen Lieferanten" [...] die Parteien einfach [...]. Diese Maßnahme würde daher nur geringfügige Auswirkungen auf die zukünftige Lieferung von Platin an Endverbraucher haben.
(218) Der von den Parteien vorgeschlagene Entwurf einer Verpflichtung ist daher unzureichend, um die wettbewerblichen Bedenken, die dieser Fall aufwirft, zu zerstreuen.
X. SCHLUSSFOLGERUNG
(219) Das geplante Vorhaben würde zu einem dominierenden Duopol von Amplats und Implats/LPD in den Weltmärkten für Platin und Rhodium führen, wodurch ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt im Sinne des Artikels 2 Absatz 3 der Fusionskontrollverordnung verhindert wird -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Der Zusammenschluß, durch den Gencor Limited und Lonrho plc die gemeinsame Kontrolle über die Gesamtheit der Unternehmen Implats und LPD gemäß der von Gencor Limited und Lonrho PLC vorgenommenen Anmeldung erlangen, wird für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens erklärt.
Artikel 2
Diese Entscheidung ist gerichtet an:
1. Gencor Limited,
6 Hollard Street,
Johannesburg 2001,
PO Box 61820,
Marshalltown 2107,
Republik Südafrika,
2. Lonrho PLC,
4 Grosvenor Place,
UK - London SW1X 7DL.
Brüssel, den 24. April 1996

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