Document ID: 31988D0125

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BESCHLUSS DER KOMMISSION
vom 4. März 1988
über die Einstellung des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Kraftpapier und Kraftpappe mit Ursprung in Brasilien und der Republik Südafrika
(88/125/EWG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 2176/84 des Rates vom 23. Juli 1984 über den Schutz gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehörenden Ländern (1), insbesondere auf Artikel 9,
nach Konsultationen in dem mit der vorgenannten Verordnung eingesetzten Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe:
A. VERFAHREN
(1) Am 17. März 1987 erhielt die Kommission von der European Association of Makers of Corrugated Case Papers, die praktisch die gesamte Gemeinschaftsproduktion der betreffenden Ware vertritt, einen Antrag auf Einleitung eines Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Kraftpapier und Kraftpappe mit Ursprung in Brasilien und der Republik Südafrika.
(2 Der Antrag enthielt Beweismittel für das Vorliegen von Dumping und eine dadurch verursachte Schädigung; diese Beweismittel wurden als ausreichend angesehen, um die Einleitung des vorgenannten Verfahrens zu rechtfertigen.
Die Kommission veröffentlichte daraufhin im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (2) eine Bekanntmachung über die Einleitung eines Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Kraftpapier und Kraftpappe entsprechend KN-Code 4804 11 11, 15 und 19 mit Ursprung in Brasilien und der Republik Südafrika in die Gemeinschaft.
(3) Die Kommission unterrichtete offiziell die bekanntermassen betroffenen Hersteller/Ausführer und Einführer sowie den Antragsteller und gab den unmittelbar betroffenen Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen.
(4) Das International Committee of Paper and Board Converters in the Common Market (CITPA), das die Wellpapierhersteller in der Gemeinschaft, d. h. die meisten Einführer von Kraftlinern vertritt, brachte Sachäusserungen vor.
(5) Die Kommission hat alle Informationen, die sie für die Sachaufklärung für notwendig erachtete, eingeholt und geprüft und bei folgenden Unternehmen Untersuchungen an Ort und Stelle durchgeführt:
Hersteller/Ausführer:
- Indústrias Klabin Papel e Celulose SA, São Paulo,
- Manville Produtos Florestais Ltda, Lages/SC,
- Sappi Limited, Johannesburg.
Hersteller in der Gemeinschaft:
- La Cellulose du Pin, Bordeaux,
- Portucel, Lisboa,
- INPACSA, Barcelona.
(6) Die Dumpinguntersuchung umfasste den Zeitraum vom 1. januar 1986 bis zum 30. April 1987.
B. DUMPING
a) Ausfuhrpreis
(7) Die Ausfuhrpreise wurden allgemein auf der Grundlage der tatsächlich gezahlten Preise der zur Ausfuhr nach der Gemeinschaft verkauften Ware ermittelt.
b) Normalwert
(8) Im Falle eines jeden betroffenen Herstellers/Ausführers wurde der Normalwert auf der Grundlage des gewogenen Durchschnitts vergleichbarer inländischer Verkaufspreise ermittelt, die diesen Herstellern/Ausführern im normalen Handelsverkehr für gleichartige, für den Inlandsverbrauch bestimmte Waren gezahlt wurden oder zu zahlen waren.
c) Vergleich
(9) Bei dem Vergleich des Normalwertes mit den Ausfuhrpreisen berücksichtigte die Kommission in gebührendem Masse die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussende Unterschiede, wie Unterschiede bei den materiellen Eigenschaften der Waren, Provisionen, Kreditbedingungen, Transport und Versicherung, Bereitstellung, Be- und Entladung, Verpackungs- sowie sonstige Nebenkosten und Gehälter für Verkaufspersonal. Für diese Unterschiede wurden gebührende Berichtigungen vorgenommen, sofern der Nachweis erbracht wurde, daß Anträge in dieser Richtung berechtigt waren.
(10) Alle Vergleiche wurden auf der Stufe ab Werk vorgenommen.
d) Dumpingspanne
(11) Bei dem Vergleich des Normalwertes mit den Ausfuhrpreisen wurde festgestellt, daß einige der fraglichen Ausfuhren während des Untersuchungszeitraums gedumpt waren. Die gewogene durchschnittliche Dumpingspanne lag zwischen 2 % und 12 % im Falle der betroffenen Unternehmen. Die Kommission hat jedoch in ihrer Untersuchung erhebliche Dumpingspannen zwischen 16 % und 40 % nur zu Beginn des Untersuchungszeitraums festgestellt. In der Folge wurden die Ausfuhrpreise angehoben, und von juni 1986 bis April 1987 wurde kein Dumping mehr beobachtet.
C. SCHÄDIGUNG
(12) Gemäß Artikel 4 der Verordnung (EWG) Nr. 2176/84 wurde bei der Schadensermittlung nur der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft berücksichtigt, der eine gleichartige Ware, d. h. Kraftliner, herstellt.
(13) Die Kommission untersuchte den Umfang der gedumpten Einfuhren, die Entwicklung dieser Einfuhren und ihre Auswirkungen auf den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft. Diese Untersuchung ergab, daß die Einfuhren aus Brasilien und der Republik Südafrika von 77 800 Tonnen 1983, die einem Marktanteil von 3,6 % in der Zwölfergemeinschaft entsprachen, auf 185 100 Tonnen im Jahr 1986 angestiegen waren, was einem Marktanteil von 8,5 % entspricht.
Die Kraftliner-Produktion für den Inlandsverbrauch in der Zwölfergemeinschaft stieg dagegen von 535 634 Tonnen 1983 (Marktanteil von 22,5 %) auf 559 435 Tonnen 1986 (Marktanteil von 23,1 %).
Gleichzeitig war die Produktionskapazität der Hersteller in der Gemeinschaft, abgesehen von einem Fall, in dem Rechnungsjahr 1986 gegenüber 1985 beträchtlich erhöht worden.
Die Kapazitätsauslastung der Hersteller in der Gemeinschaft stieg in dem obengenannten Zeitraum um bis zu 10 %.
Die durchschnittlichen Verkaufspreise in der Gemeinschaft waren zwischen 1985 und 1986 um bis zu 22,6 % erhöht worden, und die Zahl der Beschäftigten in dem Wirtschaftszweig der Gemeinschaft war seit 1984 relativ konstant geblieben. Der leichte Rückgang hing mit der gestiegenen Produktivität der betroffenen Unternehmen zusammen.
Die Untersuchung ergab folglich, daß trotz gewisser Anzeichen für eine Schädigung vor allem, wenn der jeweilige Anstieg im Volumen und Marktanteil verglichen wird, der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft insgesamt keine bedeutende Schädigung erlitten hat.
(14) Nach der Entwicklung der Ausfuhrpreise der Ausführer kam die Kommission ferner zu dem Schluß, daß keine Schädigung droht, die sich zu einer bedeutenden Schädigung entwickeln könnte.
D. EINSTELLUNG DES ANTIDUMPINGVERFAHRENS
(15) Unter diesen Umständen sollte das Antidumpingverfahren ohne Schutzmaßnahmen eingestellt werden.
(16) Der Beratende Ausschuß erhob dagegen keine Einwände.
(17) Der Antragsteller wurde über die wichtigsten Sachaufklärungen und Erwägungen unterrichtet, aus denen heraus die Kommission die Einstellung des Verfahrens beabsichtigte. Er nahm dazu nicht Stellung -
BESCHLIESST:
Einziger Artikel
Das Antidumpingverfahren betreffend die Einfuhren von Kraftpapier- und Kraftpappe entsprechend KN-Code 4804 11 11, 15 und 19 mit Ursprung in Brasilien und der Republik Südafrika wird eingestellt.
Brüssel, den 4. März 1988

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