Document ID: 31986D0464

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BESCHLUSS DER KOMMISSION
vom 17. September 1986
über die Annahme von Verpflichtungen im Rahmen des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von künstlichem Korund mit Ursprung in Ungarn, Polen und der UdSSR und über die Einstellung des Verfahrens
(86/464/EWG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 2176/84 des Rates vom 23. Juli 1984 über den Schutz gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehörenden Ländern (1), insbesondere auf Artikel 10,
nach Konsultationen in dem in der genannten Verordnung vorgesehenen Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe:
A. Verfahren
(1) Im Juni 1983 erhielt die Kommission einen Antrag auf Verfahrenseinleitung von dem European Council of Chemical Manufacturers' Federations (CEFIC) im Namen von Herstellern, auf die praktisch die gesamte Gemeinschaftsproduktion von künstlichem Korund entfällt; daraufhin wurde ein Antidumpingverfahren (2) betreffend die Einfuhren dieser Ware mit Ursprung in der Volksrepublik China, der Tschechoslowakei, Spanien und Jugoslawien eingeleitet.
Das Vorliegen von Dumping auf seiten bestimmter Ausführer und einer dadurch verursachten Schädigung wurden im Laufe dieser Untersuchung festgestellt, die schließlich im Dezember 1984 (3) mit der Annahme von Preisverpflichtungen eingestellt wurde, die von den Ausführern angeboten wurden, bei denen Dumping festgestellt worden war.
(2) Im Mai 1984 erhielt die Kommission einen zusätzlichen Antrag des European Council of Chemical Manufacturers' Federations im Namen von Herstellern, auf die praktisch die gesamte Gemeinschaftsproduktion von künstlichem Korund entfällt; dieser Antrag betraf die Ausdehnung des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von künstlichem Korund mit Ursprung in der Volksrepublik China, der Tschechoslowakei, Spanien und Jugoslawien auf die Einfuhren dieser Ware mit Ursprung in Ungarn, Polen und der UdSSR.
Der Antrag enthielt Beweismittel für das Vorliegen von Dumping und einer dadurch verursachten bedeutenden Schädigung; diese Beweise wurden als ausreichend angesehen, um die Ausdehnung des bereits laufenden Antidumpingverfahrens zu rechtfertigen.
Die Kommission gab daraufhin durch Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (4) die Ausdehnung des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von künstlichem Korund der Tarifstelle 28.20 B des Gemeinsamen Zolltarifs, entsprechend NIMEXE-Kennziffer 28.20-30, in die Gemeinschaft auf die Einfuhren mit Ursprung in Ungarn, Polen und der UdSSR bekannt.
(3) Die Kommission unterrichtete offiziell die bekanntermassen betroffenen Ausführer und Einführer sowie die Antragsteller und gab den unmittelbar betroffenen Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen.
(4) Alle bekannten Ausführer legten ihren Standpunkt schriftlich dar und stellten einen Antrag auf Anhörung, dem stattgegeben wurde.
(5) Sachäusserungen wurden ferner von Verbrauchervereinigungen und den Verbrauchern selbst vorgebracht.
(6) Die Kommission hat alle Angaben eingeholt und geprüft, die sie für ihre erste Sachaufklärung bei folgenden Unternehmen für notwendig erachtete, bei denen deren Untersuchungen an Ort und Stelle angezeigt erschienen:
EWG-Hersteller:
- Dynamit Nobel AG, Troisdorf, Bundesrepublik Deutschland,
- Hermann C. Starck Berlin GmbH, Düsseldorf, Bundesrepublik Deutschland,
- Lonza-Werke GmbH, Waldshut-Tiengen, Bundesrepublik Deutschland,
- Pechiney Électrométallurgie (ex SOFREM), Paris, Frankreich,
- Samim Abrasivi SpA, San Michele all'Adige, Italien;
Nicht-EG-Ausführer:
Hungalox Handelsgesellschaft mbH, Wien, Österreich;
EWG-Einführer:
- Firma Alfred Hempel GmbH & Co KG, Düsseldorf, Bundesrepublik Deutschland,
- Mineralienwerke Kuppenheim GmbH, Kuppenheim, Bundesrepublik Deutschland,
- Wilfried Post, Gut Junkerswald, Saar, Bundesrepublik Deutschland,
- Naxos Union, Frankfurt/Main, Bundesrepublik Deutschland.
(7) Die Dumping-Untersuchung umfasste den Zeitraum vom 1. Juli 1983 bis 30. Juni 1984.
(8) In einer späteren Phase des Verfahrens wurde festgestellt, daß die ungarischen Ausfuhren nach der Gemeinschaft nicht auf direkter Basis, sondern über eine Handelsgesellschaft mit Sitz in Österreich, in der der ungarische Ausführer eine Minderheitsbeteiligung besaß, getätigt wurden. Auf Antrag des Ausführers wurde Verbindung zu dieser Gesellschaft aufgenommen, die sich zur Mitarbeit in der Untersuchung bereit erklärte und eine Überprüfung der von ihr gelieferten Informationen an Ort und Stelle erlaubte.
B. Normalwert
(9) Bei der Untersuchung der Frage, ob die Einfuhren aus Ungarn, Polen und der UdSSR gedumpt waren, musste die Kommission der Tatsache Rechnung tragen, daß es sich um Länder ohne Marktwirtschaft handelt; sie musste daher bei ihren Ermittlungen von dem Normalwert in einem Land mit Marktwirtschaft ausgehen. In diesem Zusammenhang schlugen die Antragsteller die jugoslawischen Inlandspreise vor. Gegen diesen Vorschlag wurden keine Einwände erhoben.
Der Hersteller von künstlichem Korund in Jugoslawien führte seine Geschäfte nach normalen Rentabilitätsgesichtspunkten. Bei den beiden in dem Verfahren berücksichtigten Grundqualitäten von Korund wurden nur bei der weissen Qualität Verkäufe mit Verlusten auf dem jugoslawischen Inlandsmarkt festgestellt. In diesem Fall wurde der Normalwert rechnerisch ermittelt, indem zu den vollen Produktionskosten eine angemessene Gewinnspanne hinzugerechnet wurde. Diese Gewinnspanne basierte auf der Rentabilität der anderen Qualitäten dieses Materials und derjenigen vergleichbarer Materialien, die von der Firma hergestellt wurden. Bei der Ermittlung des Normalwertes für die andere (braune) Qualität von künstlichem Korund wurden die Inlandspreise zugrunde gelegt. Die Methode war die gleiche wie in dem ersten Verfahren.
C. Ausfuhrpreise
(10) Die Ausfuhrpreise wurden auf der Grundlage der Preise ermittelt, die gegenwärtig von unabhängigen Einführern in der Gemeinschaft für die Ware gezahlt werden oder zu zahlen sind.
D. Vergleich
(11) Bei dem Vergleich des Normalwertes mit den Ausfuhrpreisen berücksichtigte die Kommission in gebührendem Masse alle die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussenden Unterschiede in den Verkaufsbedingungen wie Transport, Kreditbedingungen, Nebenkosten und Verkaufsprovisionen. Soweit zulässig wurden Berichtigungen für Unterschiede bei den materiellen Eigenschaften vorgenommen.
Alle Vergleiche wurden auf der Stufe ab Werk vorgenommen.
E. Dumpingspannen
(12) Die erste Sachaufklärung ergab, daß bei den Ausfuhren aus Ungarn, Polen und der UdSSR Dumping vorlag, wobei die Dumpingspanne in jedem einzelnen Fall dem Betrag entspricht, um den der festgestellte Normalwert über dem Preis bei der Ausfuhr nach der Gemeinschaft liegt.
(13) Diese Spannen sind je nach Einfuhrmitgliedstaat und Sorte des künstlichen Korund unterschiedlich hoch; die Spannen betragen ausgedrückt in Prozent des cif-Preises frei Gemeinschaftsgrenze für die betreffenden Erzeugnisqualitäten:
1.2.3 // // // // // Brauner Korund // Weisser Korund // // // // Ungarn // keine Exporte // 26,4 % // Polen // 0,1 % (1) // 12,4 % // UdSSR // 33,5 % // keine Exporte // // //
(1) Wird als minimal angesehen.
F. Schädigung
Marktanteil der Einfuhren
(14) Hinsichtlich des durch die gedumpten Einfuhren verursachten Schadens ergibt sich aus den der Kommission vorliegenden Beweisunterlagen, daß diese Einfuhren aus Polen, Ungarn und der UdSSR in die Gemeinschaft von 8 665 Tonnen im Jahre 1981 auf 12 295 Tonnen im Jahre 1984 gestiegen sind, was einer Zunahme von 41,9 % entspricht.
Der Marktanteil von künstlichem Korund mit Ursprung in Ungarn, Polen und der UdSSR erhöhte sich von 5,1 % im Jahre 1981 auf 7,0 % im Jahre 1984, obgleich der Gesamtverbrauch nur um 4,9 % zunahm. Bei der Beurteilung der Zahlenangaben über die Marktanteile sind zwei wesentliche Faktoren zu berücksichtigen. (15) Erstens betrug der Marktanteil der vier von dem ersten Verfahren betroffenen Ausfuhrländer 1981 7,9 % und 1984 8,1 %, so daß die Berücksichtigung dieser Marktanteile zusammen mit denjenigen der von der Ausdehnung des Verfahrens betroffenen Ausführer eine realistischere Beurteilung ihrer Bedeutung im Verhältnis zum Verbrauch in der Gemeinschaft zulässt.
(16) Zweitens ist die besondere Stellung der ungarischen Ausfuhren in den obengenannten Zahlen zu beachten.
Diese sind zwischen 1981 und 1984 stark zurückgegangen, soweit es sich um die offiziellen Handelsstatistiken für diese NIMEXE-Kennziffer handelt, in der alle Korundsorten und -qualitäten zusammengefasst sind. Die Einfuhren beliefen sich 1981 auf 7 190 Tonnen und 1984 auf 2 820 Tonnen. Bei diesen statistischen Zahlen sollte der dahinterliegende Sachverhalt berücksichtigt werden. Der ungarische Ausführer war zehn Jahre lang bis zum 31. März 1983 mit einem Gemeinschaftshersteller durch einen Kooperationsvertrag verbunden. Im Rahmen dieses Vertrages leistete der Gemeinschaftshersteller dem ungarischen Ausführer technische Hilfe, lieferte ihm normalen Korund und bezog von ihm weissen Korund. Bei dem grössten Teil der Einfuhren von weissem Korund aus Ungarn handelte es sich um Halbfertigwaren, die dann von dem Gemeinschaftshersteller verarbeitet wurden. Beispielsweise wurden in dem letzten vollen Jahr des Kooperationsvertrages, dem Kalenderjahr 1982, 5 000 Tonnen Halbfertigware und etwa 1 750 Tonnen klassifizierte Fertigware in Körnerform importiert. Alle Verkäufe in die Gemeinschaft und an Abnehmer in dritten Ländern (ausserhalb der Länder ohne Marktwirtschaft) wurden über die Verkaufsabteilung des Gemeinschaftsherstellers abgewickelt.
Nach Ablauf dieses Vertrages verringerten sich die in die Gemeinschaft eingeführten Mengen um mehr als die Hälfte, wobei die wichtigste Veränderung in der Zusammensetzung dieser Einfuhren darin bestand, daß nunmehr grosse Mengen Halbfertigwaren, die zuvor der Ergänzung der Produktion des Gemeinschaftsherstellers dienten, fehlten. Weiterhin wurden aber bedeutende Mengen Fertigwaren eingeführt, die heute über eine österreichische Firma verkauft werden, die in geschäftlicher Verbindung zu dem Ausführer steht. Nach dem der Kommission vorliegenden Beweismaterial erreichten diese Einfuhren 2 820 Tonnen in dem Untersuchungszeitraum vom 1. Juli 1983 bis 30. Juni 1984, der unmittelbar auf das Ende des Kooperationsvertrages folgte, und die gleiche Menge im Kalenderjahr 1984. Diese Mengen stellen einen Anteil von etwa 1,6 % an dem gesamten Gemeinschaftsverbrauch während der betreffenden Zeiträume dar.
(17) Der ungarische Ausführer erklärte, daß eine Prüfung der offiziellen Handelsstatistiken ausreiche, um alle Behauptungen hinsichtlich der Schädigung zu widerlegen. Er berief sich dabei auf den starken allgemeinen Rückgang der ungarischen Ausfuhren in die Gemeinschaft bei künstlichem Korund der in Frage stehenden Tarifnummer zwischen 1981 und 1984. Diese Argumente sind aus folgenden Gründen nicht annehmbar:
Erstens ist es nicht möglich, die Einfuhren von künstlichem Korund aus Ungarn bis zum 31. März 1983 mit denjenigen nach diesem Zeitpunkt auf einer so oberflächlichen Basis wie der betreffenden NIMEXE-Kennziffer zu vergleichen. Wie aus den Erwägungsgründen 15 und 16 hervorgeht, handelt es sich bei den Einfuhren vor diesem Zeitpunkt im wesentlichen um eine Ergänzung der Produktionskapazität eines Gemeinschaftsherstellers, dessen Elektro-Ofenkapazität niedriger war als diejenige seiner Verarbeitungsanlage.
Fast drei Viertel dieser Einfuhren waren Halbfertigwaren, die eine weitere Verarbeitung erforderten, und alle Einfuhren erfolgten in jedem Fall unter vollständiger Handelskontrolle des Gemeinschaftsherstellers, der, soweit er es wünschte, diese Waren exportieren konnte und nicht zwangsläufig alle auf dem Gemeinschaftsmarkt absetzen musste.
Zweitens ist festzustellen, daß ein Vergleich zwischen den Einfuhren vor dem 31. März 1983 und denjenigen danach, sollte er dennoch angestellt werden, sich streng auf das beschränken sollte, was effektiv vergleichbar ist, d. h. die klassifizierte Fertigware. Auf dieser Basis ist ein beträchtlicher Anstieg von 1 750 Tonnen im letzten vollen Kalenderjahr vor dem 31. März 1983 auf 2 820 Tonnen in der Zeit vom 1. Juli 1983 bis 30. Juni 1984 oder von etwa 61 % zu beobachten.
(18) Drittens lassen weitere Faktoren darauf schließen, daß in Zukunft eine wesentliche Steigerung der Einfuhren droht. Die wichtigsten dieser Faktoren sind die hohe Produktionskapazität bei einem begrenzten Inlandsmarkt, ein hochwertiges Produkt, das nach den Normen der FEPA (Fédération Européenne des fabricants de produits abrasifs) in Anlagen hergestellt wird, die mit technologischer Hilfe der Gemeinschaft gebaut worden sind, ein grosser potentieller Kundenkreis, der ursprünglich von dem Gemeinschaftshersteller, dessen Verkaufsabteilung vorher diese Ware vermarktete, aufgebaut und beliefert worden war.
Preisunterbietung
(19) Hinsichtlich der Preisunterbietung wurden in der Untersuchung Spannen von 13 % bis 20 % für beide Qualitäten von polnischem künstlichem Korund festgestellt. Bei braunem künstlichen Korund aus der UdSSR lagen die Preisunterbietungen zwischen 28 % und 55 %. Bei weissem künstlichem Korund aus Ungarn erreichte die Preisunterbietung 10 % bis 27 %. In allen Fällen wurde der Vergleich auf der Grundlage des gewo genen Durchschnitts der Preise der Gemeinschaftshersteller auf dem von diesen Einfuhren betroffenen Gemeinschaftsmarkt vorgenommen.
Auswirkungen auf den Industriezweig der Gemeinschaft
(20) Die kombinierte Erhöhung der Marktanteile der von den beiden Verfahren betroffenen Ausführer bewirkte - vor dem Hintergrund des steigenden Gemeinschaftsverbrauchs - einen Absatzverlust der Gemeinschaftshersteller. Ihr Marktanteil fiel um nahezu 5 000 Tonnen von 74,4 % im Jahr 1981 auf 69 % im Jahr 1984.
(21) Die Gemeinschaftsproduktion hat ihr Niveau von 1981 nach ihrem Tiefstand 1982/83 im Jahr 1984 nicht wieder erreicht. Auch die Kapazitätsauslastung von 1981 wurde 1984 trotz des in diesem Zeitraum steigenden Gemeinschaftsverbrauchs nicht wieder erreicht. Die Produktionserholung 1983/84 hing weitgehend mit dem Anstieg der Ausfuhren nach Ländern ausserhalb der Gemeinschaft zusammen und dürfte von kurzer Dauer sein, insofern als das zusätzliche Exportvolumen auf vorübergehende günstige Wechselkurse zurückzuführen ist.
(22) Die Niedrigpreiseinfuhren aus den von dem Verfahren betroffenen Ländern haben weitgehend zu dem ernsthaften Rentabilitätsverlust des Industriezweigs der Gemeinschaft beigetragen, der bereits zu Zeiten des ersten Verfahrens ermittelt worden war. Seinerzeit (1983) wurde festgestellt, daß die Gemeinschaftshersteller keine Gewinne erzielten und ihre Gesamtkosten im Durchschnitt nur zu 73 % decken konnten (1). Obgleich sich die Rentabilität der Gemeinschaftshersteller 1984 gegenüber 1983 leicht verbesserte, blieb sie dennoch negativ oder bestenfalls kostendeckend. Die Beschäftigung entwickelte sich in dem Industriezweig der Gemeinschaft weiterhin rückläufig, der 1984 nur noch 1 300 Beschäftigte zählte gegenüber 1 500 im Jahr 1981.
(23) Bei der Ermittlung der Auswirkungen der gedumpten Einfuhren auf den Industriezweig der Gemeinschaft berücksichtigte die Kommission die Auswirkungen aller gedumpten Einfuhren aus allen Ausfuhrländern und von allen betroffenen Herstellern. Grosse Unterschiede in den Marktanteilen bestanden zwischen den Ausführern, bei denen Dumping festgestellt wurde. Einige Ausführer beantragten, daß die Auswirkungen ihrer Ausfuhren in die Gemeinschaft getrennt betrachtet und angesichts ihres niedrigen oder rückläufigen Marktanteils nicht als Ursache eines bedeutenden Schadens angesehen werden sollten. Der Marktanteil Ungarns fiel effektiv von 4,3 % 1981 auf 1,6 % 1984. Die im Falle dieses Ausführers vorliegenden besonderen Faktoren wurden bereits in den Erwägungsgründen 16 und 17 dargelegt. Während des gleichen Zeitraums stieg der polnische Marktanteil von 0,4 % auf 2,4 % und der Marktanteil der UdSSR von 0,4 % auf 3 %. Bei der Prüfung der Frage, ob eine Kumulierung in diesen Fällen angezeigt war, berücksichtigte die Kommission die Vergleichbarkeit der eingeführten Waren mit den in der Gemeinschaft hergestellten Waren hinsichtlich der materiellen Eigenschaften, der Einfuhrvolumen und des Preisniveaus der eingeführten Waren, verglichen mit denjenigen der in der Gemeinschaft hergestellten konkurrierenden Qualitäten. Die Marktanteile der von dem ersten Verfahren betroffenen Ausführer, die in Erwägungsgrund 15 genannt werden, wurden ebenfalls berücksichtigt. Die Kommission kam auf der Grundlage dieser Prüfung zu dem Schluß, daß die gedumpten Einfuhren von den betroffenen Ausführern zu der bedeutenden Schädigung des Industriezweigs der Gemeinschaft beigetragen haben und daß diese Einfuhren unter solchen Bedingungen getätigt wurden, daß die Kommission, sollte sie jeden Ausführer getrennt behandeln, in diskriminierender Weise gegenüber den übrigen handeln würde. Daher wurde beschlossen, bei der Ermittlung des Schadens die gedumpten Einfuhren aller Ausführer zu kumulieren.
(24) Die Kommission untersuchte ferner, ob die Schädigung des Industriezweigs der Gemeinschaft durch andere Faktoren wie Einfuhren aus anderen Quellen oder die Entwicklung der Nachfrage verursacht worden ist. Die Einfuhren aus anderen Quellen ausserhalb der Gemeinschaft waren zwar beträchtlich, besassen jedoch hinsichtlich Preis und ständig wachsendem Marktanteil nicht die Merkmale, die es erlaubt hätten, ihnen die obengenannte Schädigung zuzuschreiben. Die Mengen schwankten beträchtlich in den Jahren zwischen 1980 und 1984, jedoch erhöhte sich ihr Marktanteil nur geringfügig, da die Einfuhren am Ende des Untersuchungszeitraums 41 600 Tonnen betrugen, das sind 1 000 Tonnen mehr als zu Beginn des Untersuchungszeitraums und entspricht einer Wachstumsrate von 2,4 % im Gegensatz zu der Wachstumsrate der von diesem Verfahren betroffenen Einfuhren, wie die in Erwägungsgrund 14 genannten Zahlen zeigen. Hinsichtlich der Nachfrageentwicklung wurde bereits erwähnt, daß der Gemeinschaftsverbrauch während dieses Zeitraums expandierte, daß aber die Gemeinschaftshersteller weiterhin an Marktanteil verloren.
(25) Nach der vorstehenden Analyse sind die gedumpten Ausfuhren aus Ungarn, Polen und der UdSSR als eine wesentliche Ursache der bedeutenden Schädigung der Gemeinschaftshersteller anzusehen.
G. Interesse der Gemeinschaft
(26) Die Vertreter der Verarbeitungsindustrien in der Gemeinschaft machten geltend, daß die Einführung von Schutzmaßnahmen nicht im Interesse der Gemeinschaft läge, da sie dadurch gegenüber Einfuhren von Fertigwaren mit Ursprung in dritten Ländern an Wettbewerbsfähigkeit verlieren würden. Gleichzeitig würden sie weniger wettbewerbsfähig auf den Märkten der dritten Länder, nach denen die betroffenen Firmen exportierten. Diese Argumente bezogen sich auf besondere Teilmärkte, insbesondere auf die preiswertere Palette von Schleifmitteln.
(27) Obgleich damit zu rechnen ist, daß sich die Verteuerung der Einfuhren von künstlichem Korund auf die Kosten dieser Verbraucher auswirken wird, erhielt die Kommission keine ausführlichen Beweismittel, die eine zufriedenstellende Beurteilung des Umfangs dieser Kosteninzidenz oder der nachteiligen Auswirkungen einer Weitergabe der Kostenerhöhung der Verarbeitungsindustrie an den Endverbraucher auf Umsatz und Rentabilität erlauben. Eine zuverlässige Beurteilung der Auswirkungen solcher Preiserhöhungen ist daher nicht möglich. Ausserdem können diese hypothetischen Schwierigkeiten mit den ernsten Problemen der Gemeinschaftshersteller, die unmittelbar auf die gedumpten Einfuhren zurückzuführen sind, nicht verglichen werden, so daß die Kommission zu dem Schluß gelangt ist, daß ein Eingreifen notwendig ist.
H. Verpflichtungen
(28) Die Ausführer in Ungarn, Polen und der UdSSR wurden über die wichtigsten Ergebnisse der ersten Sachaufklärung unterrichtet, und sie nahmen daraufhin dazu Stellung. Im weiteren Verlauf boten sie Preisverpflichtungen an, die sich dahingehend auswirken werden, daß die geänderten Preise bei der Einfuhr von künstlichem Korund mit Ursprung in diesen Ländern in die Gemeinschaft die im Falle jedes Ausführers während der Untersuchung vorläufig festgestellte niedrige Dumpingspanne und den dadurch herbeigeführten Schaden beseitigen werden.
Unter diesen Umständen werden die angebotenen Verpflichtungen als annehmbar betrachtet, und die Antidumpinguntersuchung kann ohne Einführung von Antidumpingzöllen eingestellt werden.
(30) Der Beratende Ausschuß hat keine Einwände erhoben.
(30) Es ist daran zu erinnern, daß die Tschechoslowakei und die Volksrepublik China, bei denen in dem ersten Antidumpingverfahren betreffend künstlichen Korund Dumping festgestellt worden war, ebenfalls Preisverpflichtungen anboten. Diese Verpflichtungen wurden als annehmbar angesehen, und das Verfahren wurde auf dieser Grundlage eingestellt -
BESCHLIESST:
Artikel 1
Die Verpflichtungen, die von
- Hungarian Aluminium Corporation, Budapest, Ungarn, verbunden mit Hungalox Handelsgesellschaft, Wien, Österreich,
- Inter-Vis, Warschau, Polen,
- v/o Stankoimport, Moskau, UdSSR,
im Rahmen des Antidumpingverfahrens betreffend Einfuhren von künstlichem Korund der Tarifstelle 28.20 B des Gemeinsamen Zolltarifs, entsprechend NIMEXE-Kennziffer 28.20-30, mit Ursprung in Ungarn, Polen und der UdSSR angeboten worden sind, werden angenommen.
Artikel 2
Das in Artikel 1 genannte Antidumpingverfahren wird eingestellt.
Brüssel, den 17. September 1986

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