Document ID: 32001D0536

Entscheidung der Kommission
vom 6. Juli 2001
mit vorübergehenden Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung des Pepino mosaic virus bei zum Anpflanzen bestimmten Tomatenpflanzen
(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1768)
(2001/536/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Richtlinie 2000/29/EG des Rates vom 8. Mai 2000 über Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse(1), geändert durch die Richtlinie 2001/33/EG der Kommission(2), insbesondere auf Artikel 16 Absatz 3 dritter Satz,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Ende 1999 und Anfang 2000 haben das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Deutschland und Frankreich die anderen Mitgliedstaaten und die Kommission über Ausbrüche des Pepino mosaic virus an Tomatenpflanzen in ihrem Land sowie über die entsprechenden Tilgungsmaßnahmen in Kenntnis gesetzt.
(2) Mit der Entscheidung 2000/325/EG(3) hat die Kommission die Mitgliedstaaten vorübergehend ermächtigt, Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung des Pepino mosaic virus bei zum Anpflanzen bestimmten Tomatenpflanzen, außer Samen, zu erlassen.
(3) Bei offiziellen, von den Mitgliedstaaten gemäß der Entscheidung 2000/325/EG durchgeführten Erhebungen wurden neue Ausbrüche entdeckt. Darüber hinaus scheint das Pepino mosaic virus in mehreren Drittländern vorzukommen.
(4) Das Pepino mosaic virus wird derzeit weder in Anhang I noch in Anhang II der Richtlinie 2000/29/EG geführt. Eine vorläufige Schädlingsrisikoanalyse mehrerer Mitgliedstaaten auf der Grundlage verfügbarer wissenschaftlicher Informationen hat jedoch gezeigt, dass das Pepino mosaic virus und durch das Virus verursachte Schäden eine beträchtliche Gefahr für die Pflanzengesundheit in der Gemeinschaft darstellen, und dass insbesondere die in Gewächshäusern erzeugten Tomaten geschädigt werden könnten. Die Gefahr für die Freilanderzeugung von Tomaten und anderen Solanaceae-Pflanzen, insbesondere Kartoffeln, ist noch nicht vollständig untersucht worden. Die zuständigen Dienststellen in den Mitgliedstaaten wurden von der Kommission aufgefordert, die wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen und zu der Gefahr des Pepino mosaic virus für die Freilanderzeugung von Tomaten und anderen Solanaceae-Pflanzen Stellung zu nehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt hat die wissenschaftliche Arbeit im Zusammenhang mit dem Pepino mosaic virus noch keine ausreichend klaren Ergebnisse geliefert, um die vorläufige Schädlingsrisikoanalyse zu überprüfen.
(5) Da die Entscheidung 2000/325/EG nicht länger gültig ist, sollten vorläufige Maßnahmen gegen das Pepino mosaic virus getroffen werden.
(6) Der Ursprung der Kontaminierung auf Flächen für die Tomatenfruchterzeugung konnte bisher nicht bestimmt werden. Die zuständigen Dienststellen in den Mitgliedstaaten werden daher von der Kommission aufgefordert, die Quellen der Kontaminierung sowie den Weg der Einführung zurückzuverfolgen.
(7) Obwohl die Rolle von Tomatensamen als Infektionsquelle noch nicht vollständig geklärt ist, ist es wahrscheinlich, dass Samen eine wichtige Rolle spielen. Die Maßnahmen sollten daher auch für Tomatensamen gelten.
(8) Diese Maßnahmen sollten für die Einschleppung oder Ausbreitung des Pepino mosaic virus, die Untersuchung von zum Anpflanzen bestimmten Tomatenpflanzen mit Ursprung in Drittländern und die Verbringung von zum Anpflanzen bestimmten Tomatenpflanzen gelten. Sie sollten darüber hinaus auch eine allgemeinere Überwachung des Auftretens des Pepino mosaic virus in den Mitgliedstaaten umfassen.
(9) Die Ergebnisse der genannten Maßnahmen werden - insbesondere auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten bereitgestellten Informationen - fortlaufend bewertet. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Bewertung, der bereitgestellten Informationen und der wissenschaftlichen Stellungnahme der zuständigen Stellen der Mitgliedstaaten werden mögliche Folgemaßnahmen erwogen.
(10) Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für Pflanzenschutz -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Die Einführung und Verbringung von zum Anpflanzen bestimmten Tomatenpflanzen, Lycopersicon lycopersicum (L.) Karsten ex Farw., in der Gemeinschaft ist verboten, wenn diese vom Pepino mosaic virus befallen sind.
Artikel 2
Zum Anpflanzen bestimmte Tomatenpflanzen mit Ursprung in Drittländern müssen die Bedingungen gemäß den Nummern 1 und 2 des Anhangs dieser Entscheidung erfuellen und bei der Einfuhr in die Gemeinschaft gemäß Artikel 13 Absatz 1 Buchstabe a) der Richtlinie 2000/29/EG auf Befall mit Pepino mosaic virus untersucht werden.
Artikel 3
(1) Tomatenpflanzen, die zum Anpflanzen bestimmt sind, dürfen nur von ihrem Erzeugungsort verbracht werden, wenn sie die Bedingungen gemäß den Nummern 3 und 4 im Anhang dieser Entscheidung erfuellen.
(2) Absatz 1 gilt nicht für die Verbringung von Pflanzen, die zum Verkauf an Endverbraucher bestimmt sind, die keinen gewerblichen Pflanzenbau betreiben, sofern dies aufgrund der Verpackung oder anderer Kennzeichnen offenkundig ist.
Artikel 4
Die Mitgliedstaaten führen zumindest in den Erzeugungseinrichtungen für Tomatenpflanzen und -früchte amtliche Erhebungen über das Auftreten des Pepino mosaic virus durch.
Unbeschadet von Artikel 16 Absatz 2 der Richtlinie 2000/29/EG werden die Ergebnisse der Erhebungen gemäß Absatz 1 der Kommission und den anderen Mitgliedstaaten bis zum 30. September 2002 übermittelt.
Artikel 5
Die Kommission überprüft die Anwendung dieser Entscheidung spätestens am 31. Oktober 2002.
Artikel 6
Diese Entscheidung gilt bis zum 31. Dezember 2002.
Artikel 7
Diese Entscheidung ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
Brüssel, den 6. Juli 2001

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