Document ID: 31991D0240

BESCHLUSS DER KOMMISSION vom 29 . April 1991 zur Annahme von Verpflichtungsangeboten bestimmter Ausführer im Rahmen der Überprüfung der Antidumpingmaßnahmen gegenüber den Einfuhren von Ferrosilicium mit Ursprung in Brasilien und zur Einstellung des Verfahrens gegenüber diesen Ausführern ( 91/240/EWG )
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 des Rates vom 11 . Juli 1988 über den Schutz gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehörenden Ländern ( 1 ), insbesondere auf Artikel 10,
nach Konsultationen in dem mit dieser Verordnung eingesetzten Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe :
A . VERFAHREN
(1 ) Mit der Verordnung ( EWG ) Nr . 3650/87 ( 2 ) hat der Rat einen endgültigen Antidumpingzoll auf die Einfuhren von Ferrosilicium mit Ursprung in Brasilien eingeführt . Dieser Zoll gilt nicht für die Waren, die von den Firmen Companhia Brasileira Carbureto de Cálcio SA und Electrometalur ( gegenwärtig Rima SA ) hergestellt und exportiert werden, da hier kein Dumping vorlag, und auch nicht für die Firma Italmagnesio SA, die bei der Einführung des Zolls eine Preisverpflichtung angeboten hat, die von der Kommission angenommen wurde ( 3 ).
( 2 ) Mit der Verordnung ( EWG ) Nr . 2409/87 der Kommission ( 3 ) und der Verordnung ( EWG ) Nr . 341 /90 des Rates ( 4 ) wurden Antidumpingzölle auf die Einfuhren der Ware mit Ursprung in der Sowjetunion, Norwegen, Schweden, Island, Venezuela und Jugoslawien eingeführt .
( 3 ) In dem Überprüfungsantrag der brasilianischen Hersteller und/oder Ausführer vom November 1989 wird geltend gemacht, daß sie diese Ware nicht mehr zu Dumpingpreisen exportieren und daß folglich dem Industriezweig der Gemeinschaft durch die brasilianische Ware kein erheblicher Schaden mehr zugefügt werde . Die 1987 eingeleiteten Maßnahmen müssten daher aufgehoben oder geändert werden .
( 4 ) Die Kommission entschied nach Konsultationen, daß genügend Beweismittel vorliegen, um eine Überprüfung zu rechtfertigen, und leitete gemäß Artikel 14 der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 eine Untersuchung ein . Da sie Grund zu der Annahme hat, daß die von einigen brasilianischen Ausführern geltend gemachten Umstände auch für die anderen Hersteller/Ausführer in diesem Land zutreffen, wurde die Überprüfung auf alle Hersteller/Ausführer in Brasilien ausgedehnt ( 5 ).
( 5 ) Die Kommission unterrichtete davon offiziell die bekanntermassen betroffenen Ausführer, die Gemeinschaftshersteller und die Einführer und gab den betroffenen Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen .
( 6 ) Die Gemeinschaftshersteller, die Ausführer und einige Einführer legten ihren Standpunkt schriftlich dar .
( 7 ) Einige Ausführer sowie mehrere Einführer und Abnehmer von Ferrosilicium stellten einen Antrag auf Anhörung, dem stattgegeben wurde .
( 8 ) Die Kommission holte alle erforderlichen Informationen für die Feststellungen von Dumping, der Schädigung oder der drohenden Schädigung ein, prüfte sie nach und führte Kontrollen in den Betrieben folgender Unternehmen durch :
- Gemeinschaftshersteller :
- Pechiney Electrométallurgie, Frankreich,
- SKW Trostberg AG, Deutschland,
- Carburos Metálicos, Spanien,
- Industria Elettrica Indel, Italien,
- Utilizzazioni Elettro Industrial ÜI, Italien;
- Einführer in der Gemeinschaft :
- Considar Europe SA, Belgien,
- Sogem Rohstoffhandel GmbH, Deutschland;
- Hersteller/Ausführer in Brasilien :
- Companhia Brasileira Carbureto de Calcio ( CBCC ),
- Companhia Italmagnesio SA,
- Companhia Ferroligas de Baía - Ferbasa,
- Companhia Cimento Portland Maringa,
- Companhia Paulista de Ferro Ligas,
- Companhia Ferroligas Minas Gerais - Minas Ligas,
- Companhia Ferroligas Piracicaba Ltda,
- Companhia Rima Electrometalurgia SA .
( 9 ) Die Kommission erhielt Informationen von dem Einführer Marc Rich, Zug ( Schweiz ), die sie berücksichtigte .
( 10 ) Alle Hersteller/Ausführer wurden über die wichtigsten Fakten und Erwägungen unterrichtet, auf deren Grundlage beabsichtigt wurde, die Einführung endgültiger Maßnahmen zu empfehlen . Ihnen wurde ferner eine Frist zur Stellungnahme zu diesen Informationen eingeräumt . Ihre Bemerkungen wurden geprüft und, soweit angemessen, berücksichtigt .
( 11 ) Die Dumpinguntersuchung umfasste den Zeitraum vom 1 . September 1989 bis 30 . April 1990 .
B . WARE
1 . Warenbeschreibung
( 12 ) Gegenstand der Untersuchung war Ferrosilicium mit einem Siliciumgehalt von 10 bis 96 GHT der KN-Codes 7202 21 10, 7202 21 90 und ex 7202 29 00 .
2 . Gleichartige Ware
( 13 ) Die Kommission stellte fest, daß das in der Gemeinschaft hergestellte Ferrosilicium und das von Brasilien ausgeführte Silicium nach allen wesentlichen materiellen und technischen Eigenschaften gleichartige Waren waren .
C . DUMPING
1 . Normalwert
( 14 ) Allgemein wurde der Normalwert für jede Firma und jeden Monat anhand der Inlandspreise der sieben brasilianischen Hersteller ermittelt, von denen fünf während des Untersuchungszeitraums in die Gemeinschaft exportierten und ausreichende Beweismittel vorlegten .
(15 ) Der Normalwert wurde auch für die beiden brasilianischen Hersteller ermittelt, die während des Untersuchungszeitraums nicht in die Gemeinschaft exportierten . Diese Ausführer arbeiteten in vollem Umfang an der Untersuchung mit und äusserten die Absicht, in nächster Zukunft in die Gemeinschaft zu exportieren .
( 16 ) Ein brasilianischer Hersteller verkaufte während des Untersuchungszeitraums die Ware auf dem Inlandsmarkt nur in unerheblichen und nicht repräsentativen Mengen und im Durchschnitt mit Verlust . Unter diesen Umständen musste der Normalwert auf andere Weise ermittelt werden . Bei der Berechnung wurde der Durchschnitt der monatlichen fixen und variablen Material - und Herstellungskosten - gewogen nach der für den Export hergestellten Menge - zuzueglich der Vertriebs -, Verwaltungs - und anderen Gemeinkosten sowie einer Gewinnspanne von 6 % zugrunde gelegt, die als vernünftig angesehen wurde .
( 17 ) Zur Neutralisierung der Inflation auf dem Inlandsmarkt wurden die Normalwerte monatlich in US-Dollar auf der Grundlage des monatlichen durchschnittlichen Umrechnungskurses ausgedrückt .
2 . Ausfuhrpreise
( 18 ) Die Ausfuhrpreise - ausgedrückt in US-Dollar - stützten sich auf die tatsächlich gezahlten oder zu zahlenden Preise der zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauften Ware . Erfolgten die Ausfuhren an Tochtergesellschaften in der Gemeinschaft oder zeigte sich, daß eine Ausgleichsvereinbarung zwischen dem Ausführer und dem Einführer bestand, wurden die Ausfuhrpreise anhand der Preise berechnet, zu denen die eingeführte Ware erstmals an einen unabhängigen Käufer weiterverkauft wurde, wobei gebührende Berichtigungen für alle zwischen der Einfuhr und dem Wiederverkauf entstandenen Kosten sowie für einen angemessenen Gewinn von 3 % vorgenommen wurden, der anhand des Gewinns der unabhängigen Einführer der fraglichen Ware festgelegt wurde . Alle Verkäufe erfolgten vor der Zahlung des Antidumpingzolls .
3 . Vergleich
( 19 ) Beim Vergleich des Normalwertes mit den Ausfuhrpreisen je Geschäftsvorgang berücksichtigte die Kommission die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussenden Unterschiede, soweit die Umstände dies rechtfertigten und ausreichende Beweismittel vorgelegt wurden . Diese Berichtigungen betrafen in erster Linie die Zahlungs - und Lieferbedingungen, die Transport - und Versicherungskosten sowie die unterschiedlichen Aufmachungen .
( 20 ) Von den Ausfuhrpreisen wurden die Kosten abgezogen, die durch Verluste im Zuge der aufeinanderfolgenden Be - und Entladungen der Lieferungen entstanden . Hatten einige Hersteller diese Kosten nicht quantifiziert, so wurde von dem Verkaufspreis ein Prozentsatz abgezogen, um den Nettopreis ab Werk zu errechnen . Dieser Prozentsatz wurde nach den Zahlenangaben, die während der Untersuchung in den Betrieben der Hersteller nachgeprüft worden sind, die Beweismittel beibrachten, als vernünftig angesehen .
( 21 ) Angesichts der hohen und anhaltenden Inflation in Brasilien wurden die Normalwerte und die Ausfuhrpreise in US-Dollar verglichen .
(22 ) Alle Vergleiche erfolgten auf der Stufe ab Werk .
4 . Dumpingspanne
( 23 ) Der Vergleich des Normalwertes mit den Ausfuhrpreisen in der Zeit von September 1989 bis April 1990 ergibt, daß bei den Ausfuhren von fünf brasilianischen Herstellern Dumping vorlag, wobei die durchschnittlichen Dumpingspannen auf der Grundlage des Preises frei Grenze der Gemeinschaft folgende Werte erreichten :
- Companhia Italmagnesio SA 66,56 %
- Companhia Cimento Portland Maringa 39,31 %
- Companhia Ferroligas da Baía 41,18 %
- Companhia Ferroligas Minas Gerais 26,03 %
- Companhia Rima Electrometalurgia SA 12,18 %
- Companhia Brasileira Carbureto de Cálcio SA 0,00 %.
D . SCHÄDIGUNG
( 24 ) Die Kommission musste zu der Frage Stellung nehmen, ob eine Schädigung vorlag oder droht, und zwar trotz der für einige Ausführer geltenden Dumpingmaßnahmen .
I . Derzeitige Situation
1 . Volumen und Preise der Einfuhren
( 25 ) Die Ausfuhren aus Brasilien in die Gemeinschaft stiegen von 7 000 Tonnen 1986 auf 17 000 Tonnen 1987, Jahr, in dem die Antidumpingmaßnahmen in Kraft traten, und erreichten 1990 etwa 22 000 Tonnen . Der Marktanteil Brasiliens erhöhte sich von etwa 1 % 1986 auf mehr als 4 % 1990 . Dieser relativ bescheidene Marktanteil ist im Zusammenhang mit demjenigen der anderen Länder wie Norwegen, Schweden, Island, Venezuela, Sowjetunion und Jugoslawien zu prüfen, deren gemeinsamer Marktanteil etwa 65 % ausmacht und für die aufgrund ihrer Dumpingpraktiken Antidumpingmaßnahmen gelten .
( 26 ) Die Kommission stellte ferner fest, daß zwar die Wiederverkaufspreise der aus Brasilien eingeführten Waren im Untersuchungszeitraum durch die geltenden Antidumpingmaßnahmen positiv beeinflusst wurden, aber in zahlreichen Fällen unter den Preisen der Gemeinschaftshersteller lagen .
2 . Auswirkungen auf den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft
Die Kommission nahm folgende Fakten zur Kenntnis :
a ) Kapazität und Produktion der Gemeinschaftshersteller
( 27 ) Von 1986 bis 1990 verringerte sich die Produktionskapazität in der Gemeinschaft von 285 000 Tonnen auf 252 000 Tonnen . Die Gemeinschaftshersteller kürzten ihre Produktionskapazitäten und konzentrierten sich zum Teil auf die Produktion von Spezialprodukten, um angesichts des Preisdrucks der Ausführer aus Drittländern, insbesondere Brasiliens - der trotz der geltenden Antidumpingmaßnahmen anhielt - bei Standardprodukten und sonstigen Produkten der Gemeinschaftsindustrie ihre Verluste in Grenzen zu halten .
( 28 ) Die Produktion der Gemeinschaftshersteller ging um etwa 41 % zurück, und zwar von 227 000 Tonnen 1986 auf 133 000 Tonnen 1990 . Ein Teil dieser Produktion wurde exportiert oder auf Lager genommen .
b ) Marktanteil und Verbrauch
( 29 ) Zwischen 1986 und 1990 verringerte sich der Marktanteil der Gemeinschaftshersteller von 39 % auf 20 %, während sich der jährliche Verbrauch in der Gemeinschaft in der gleichen Zeit bei etwa 500 000 stabilisierte . Die Verbrauchszunahme kam eindeutig den Einfuhren mit Ursprung in Drittländern, darunter auch Brasilien, zugute .
c ) Preise
( 30 ) In fast allen Fällen waren die Wiederverkaufspreise der gedumpten Einfuhren während des Untersuchungszeitraums niedriger als diejenigen, die zur Deckung der Kosten der Gemeinschaftshersteller und zur Erwirtschaftung eines angemessenen Gewinns notwendig waren; um Absatz und Marktanteil in der Gemeinschaft zu halten, mussten die Gemeinschaftshersteller ihre Waren zu immer niedrigeren Preisen verkaufen, die während des Untersuchungszeitraums unter das Kostenniveau fielen .
d ) Gewinne
( 31 ) Zwischen 1986 und 1987 erzielte der Industriezweig der Gemeinschaft keine Gewinne mehr . Erst 1988 wurden einige Unternehmen wieder rentabel . Die Situation verbesserte sich weiter vorübergehend im ersten Halbjahr 1989 unter dem Einfluß des starken Anstiegs der Verkaufspreise der betreffenden Ware . Diese relative Verbesserung blieb jedoch bescheiden trotz der Wachstumsbelebung in der Stahlindustrie, wichtigster Abnehmer der Ware, und trotz der Umstrukturierungsmaßnahmen, die eine höhere, aber immer noch nicht zufriedenstellende Kapazitätsauslastung ermöglichten . Während des Untersuchungszeitraums verzeichneten die Gemeinschaftshersteller erneut erhebliche Verluste . Die geltenden Antidumpingmaßnahmen haben jedoch die Verluste der Unternehmen in Zeiten des Preisverfalls in Grenzen gehalten .
3 . Ursächlicher Zusammenhang und andere Faktoren
( 32 ) Das Zusammentreffen von Anstieg der Einfuhren aus Brasilien, relativer Erhöhung ihres Marktanteils, dem durch diese Einfuhren hervorgerufenen Preisdruck und der Verschlechterung der Situation der Gemeinschaftshersteller trotz ihrer Umstrukturierungsanstrengungen zeigt, daß sich der Industriezweig der Gemeinschaft nach wie vor in einer schwierigen Situation befindet . In einer solchen Situation erhöhen die Billigeinfuhren aus Brasilien die Krisenanfälligkeit dieses Industriezweigs noch weiter und tragen zu einer zusätzlichen Schädigung bei .
( 33 ) Die Kommission prüfte, ob andere Faktoren für die Schädigung des Industriezweigs der Gemeinschaft verantwortlich waren, z . B . die Einfuhren von Waren mit Ursprung in anderen Drittländern . Dazu stellte die Kommission fest, daß einerseits der Marktanteil der anderen Länder sehr groß ist, andererseits aber für die Einfuhren aus fast allen diesen Ländern Antidumpingmaßnahmen gelten . Es handelt sich im vorliegenden Fall um Norwegen, Schweden, Island, Venezuela, Jugoslawien und die Sowjetunion . Gleichzeitig zeigte sich, daß alle diese Länder zu der ungesunden Situation des Industriezweigs der Gemeinschaft beigetragen hatten . In diesem Zusammenhang wäre es eine Diskriminierung der vorgenannten Länder, wenn keine Maßnahmen gegenüber Brasilien getroffen würden, das ebenfalls zu der Verschlechterung der Situation in der Gemeinschaft beigetragen hat .
( 34 ) Die Kommission kam daher auf der Grundlage der vorgenannten Fakten zu dem Schluß, daß die Einfuhren der Waren mit Ursprung in Brasilien die Ursache eines Schadens darstellen, der für sich genommen für den betroffenen Industriezweig der Gemeinschaft erheblich ist .
II . Drohende Schädigung
( 35 ) Die gedumpten Einfuhren aus Brasilien sind stark angestiegen . Sollte dieser Anstieg in dem Ausmaß anhalten, könnte dies nachteilige Folgen für den Industriezweig der Gemeinschaft haben . Ausserdem besitzt Brasilien mit etwa 280 000 Tonnen Ferrosilicium 16 % der Produktionskapazität der Marktwirtschaftsländer und damit einen beachtlichen Anteil an der weltweiten Produktionskapazität . 1989 erreichte seine Produktion rund 230 000 Tonnen, während der Inlandsverbrauch höchstens 120 000 Tonnen erreichte . Damit stehen etwa 100 000 Tonnen für den Export zur Verfügung .
( 36 ) Mit dem Auslaufen der Antidumpingmaßnahmen könnte Brasilien durchaus eine aktivere Exportpolitik betreiben, zumal die Gemeinschaft einen attraktiven Markt wegen seiner hohen Preise, seiner Zahlungsbedingungen und seiner wertvollen Devisen darstellt .
( 37 ) Die Untersuchung zeigte ferner, daß die Einfuhren aus Brasilien zu Preisen erfolgen, die ständig die Preise des Industriezweigs der Gemeinschaft unterbieten .
III . Schlußfolgerungen
( 38 ) Unter diesen Bedingungen kommt die Kommission zu dem Schluß, daß die bestehenden Antidumpingmaßnahmen in geänderter Form beizubehalten und neue Maßnahmen gegenüber bestimmten Ausführern einzuführen sind .
E . INTERESSE DER GEMEINSCHAFT
( 39 ) Das Interesse der Gemeinschaft ist es, einen gesunden und nicht durch unlautere Praktiken gestörten Wettbewerb wiederherzustellen . Sollten die Dumpingpraktiken anhalten, wäre das Überleben des Industriezweigs der Gemeinschaft in Frage gestellt .
Angesichts der Bedeutung von Ferrosilicium für die Stahlerzeugung kann es nicht im Interesse der Gemeinschaft liegen, in ihrer Versorgung vollständig auf Drittländer angewiesen zu sein, zumal einige Lieferanten geographisch sehr weit von der Gemeinschaft entfernt sind .
( 40 ) Vertreter der Verarbeitungsindustrie der Gemeinschaft und einzelne Firmen machten geltend, es sei nicht im Interesse der Gemeinschaft, Schutzmaßnahmen aufrechtzuerhalten, weil dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Einfuhren von Fertigwaren mit Ursprung in Drittländern verringert würde .
( 41 ) Wie bei allen Rohstoffen dürften Preiserhöhungen die Kosten der Verarbeitungsindustrie beeinflussen . Kein Unternehmen legte jedoch überzeugende Beweismittel zu den besonderen Auswirkungen einer Erhöhung der Ferrosilicium-Preise auf seine Produktionskosten vor; auch wurden keine Beweise zu den möglichen Folgen einer Erhöhung der Preise der Verarbeitungsindustrie für ihren Gesamtabsatz geliefert . Nach Auffassung der Kommission dürften diese Auswirkungen jedoch gering sein angesichts des niedrigen Prozentsatzes an Ferrosilicium, das zur Herstellung einer Tonne Stahl verwendet wird, sowie des geringen relativen Wertes, den dieses Erzeugnis in den Gesamtkosten einer Tonne Stahl ausmacht .
( 42 ) Nach Gegenüberstellung der vorgenannten Argumente und des bedeutenden Beitrags der fraglichen Einfuhren zu den besonders schwerwiegenden Schwierigkeiten der Ferrosilicium-Hersteller in der Gemeinschaft kam die Kommission zu dem Schluß, daß im Interesse der Gemeinschaft die Maßnahmen gegenüber diesen Dumpingpraktiken beizubehalten sind .
F . VERPFLICHTUNGEN
( 43 ) Folgende brasilianische Firmen, die während des Untersuchungszeitraums in die Gemeinschaft exportierten :
- Companhia de Cimento Portland Maringa, Sao Paulo,
- Companhia de Ferroligas da Bahía - Ferbasa, Pojuca,
- Companhia Ferroligas Minas Gerais - Minas Ligas, Contagem,
- Companhia Italmagnesio SA, Sao Paulo
boten zufriedenstellende Preisverpflichtungen an, durch die die Preise von Ferrosilicium mit Ursprung in Brasilien bei der Einfuhr in die Gemeinschaft so weit angehoben werden, daß die Schädigung des Industriezweigs der Gemeinschaft beseitigt wird .
( 44 ) Folgende brasilianische Firmen haben zwar während des Untersuchungszeitraums nicht in die Gemeinschaft exportiert, äusserten aber ihre Absicht, dies in Zukunft zu tun, und arbeiteten während der Untersuchung aktiv mit den Kommissionsdienststellen zusammen :
- Companhia Ferroligas Piracicaba Ltda, Sao Paulo
- Companhia Paulista de Ferroligas, Sao Paulo .
Sie boten ebenfalls zufriedenstellende Preisverpflichtungen unter Berücksichtigung des Normalwertes an, die als ausreichend angesehen wurden, um die Schädigung der Gemeinschaftsindustrie zu beseitigen .
( 45 ) Unter diesen Umständen und in Anbetracht der Tatsache, daß die Sachlage in diesem Fall derartige Maßnahmen rechtfertigt, werden die Verpflichtungsangebote der vorgenannten Hersteller/Ausführer von der Kommission als annehmbar angesehen, und die Untersuchung kann folglich gegenüber den unter Randnummer 43 und 44 genannten brasilianischen Herstellern/Ausführern eingestellt werden .
G . ENDGÜLTIGE ZÖLLE
( 46 ) Auf der Grundlage der Schlußfolgerungen der Kommission hat der Rat mit der Verordnung ( EWG ) Nr . 1115/91 ( 6 ) endgültige Antidumpingzölle auf die Einfuhren von Ferrosilicium mit Ursprung in Brasilien eingeführt -
BESCHLIESST : Artikel 1
Die Verpflichtungen, die folgende brasilianische Firmen :
- Companhia de Cimento Portland Maringa, Sao Paulo,
- Companhia de Ferroligas da Bahía - Ferbasa, Pojuca,
- Companhia Ferroligas Minas Gerais - Minas Ligas, Contagem,
- Companhia Italmagnesio SA, Sao Paulo,
- Companhia Ferroligas Piracicaba Ltda, Sao Paulo,
- Companhia Paulista de Ferroligas, Sao Paulo
im Rahmen des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Ferrosilicium mit einem Siliciumgehalt von 10 bis 96 GHT der KN-Codes 7202 21 10, 7202 21 90 und ex 7202 29 00 mit Ursprung in Brasilien angeboten haben, werden angenommen . Artikel 2
Die Untersuchung im Rahmen des Antidumpingverfahrens betreffend die in Artikel 1 genannten Firmen wird eingestellt . Brüssel, den 29 . April 1991

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