Document ID: 32003D0721

Entscheidung der Kommission
vom 29. September 2003
zur Änderung der Richtlinie 92/118/EWG des Rates hinsichtlich der Vorschriften für Kollagen für den menschlichen Verzehr und zur Aufhebung der Entscheidung 2003/42/EG
(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 3393)
(Text von Bedeutung für den EWR)
(2003/721/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Richtlinie 92/118/EWG des Rates vom 17. Dezember 1992 über die tierseuchenrechtlichen und gesundheitlichen Bedingungen für den Handel mit Erzeugnissen tierischen Ursprungs in der Gemeinschaft sowie für ihre Einfuhr in die Gemeinschaft, soweit sie diesbezüglich nicht den spezifischen Gemeinschaftsregelungen nach Anhang A Kapitel I der Richtlinie 89/662/EWG und - in Bezug auf Krankheitserreger - der Richtlinie 90/425/EWG(1) unterliegen, zuletzt geändert durch die Entscheidung 2003/42/EG(2) der Kommission, insbesondere auf Artikel 15 Absatz 2,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Unter dem Gesichtspunkt der Verbrauchergesundheit sollten besondere Bedingungen für die Herstellung von zum Verzehr bestimmtem Kollagen festgelegt werden. Unter der Voraussetzung, dass diese Bedingungen für Kollagen für den menschlichen Verzehr und für nicht zum Verzehr bestimmtes Kollagen die gleichen sind und auch die gleichen hygienischen Verhältnisse herrschen, müsste es möglich sein, beide Arten von Kollagen in ein und demselben Betrieb herzustellen und/oder zu lagern.
(2) Es sollten Bedingungen für die Zulassung, Registrierung, Inspektion und Hygiene von Kollagenherstellungsbetrieben festgelegt werden. Bestimmte Hygienevorschriften der Richtlinie 77/99/EWG des Rates vom 21. Dezember 1976 zur Regelung gesundheitlicher Fragen bei der Herstellung und dem Inverkehrbringen von Fleischerzeugnissen und einigen anderen Erzeugnissen tierischen Ursprungs(3), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 807/2003(4), und der Richtlinie 93/43/EWG des Rates vom 14. Juni 1993 über Lebensmittelhygiene(5) sind auch für die Kollagenherstellung maßgeblich.
(3) In Artikel 2.3.13.7 des Internationalen Tiergesundheitskodex (2001) des Internationalen Tierseuchenamtes, der sich mit BSE befasst, wird empfohlen, dass Veterinärämter die Einfuhr von Gelatine und Kollagen, soweit sie ausschließlich aus Häuten und Fellen hergestellt werden, in sowie die Durchfuhr dieser Erzeugnisse durch ihr Zuständigkeitsgebiet uneingeschränkt und unabhängig vom Gesundheitsstatus des Ausfuhrlandes genehmigen.
(4) Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 999/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 mit Vorschriften zur Verhütung, Kontrolle und Tilgung bestimmter transmissibler spongiformer Enzephalopathien(6), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1234/2003 der Kommission(7), gelten für das Inverkehrbringen von Häuten und Fellen im Sinne der Richtlinie 92/118/EWG, die von gesunden Wiederkäuern gewonnen wurden, sowie für daraus hergestelltes Kollagen keinerlei Vermarktungsbeschränkungen.
(5) Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss hat am 10./11. Mai 2001 eine Stellungnahme zur Sicherheit von Kollagen angenommen, in der die Frage der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von aus Wiederkäuerhäuten gewonnenem Kollagen unter dem Gesichtspunkt transmissibler spongiformer Enzephalopathien (im Folgenden "TSE" genannt) behandelt wird.
(6) Als Rohmaterial für die Herstellung von Kollagen werden vor allem Bindegewebe von Rinderhäuten und -sehnen sowie Kalbs-, Schafs- und Schweinehäute verwendet. Die Unbedenklichkeit des Rohmaterials ist nur gewährleistet, wenn es von Tieren stammt, die infolge der Schlachttier- und Fleischuntersuchung für genusstauglich befunden wurden. Außerdem muss das Material unter hygienisch möglichst einwandfreien Bedingungen gesammelt, befördert, gelagert und bearbeitet werden.
(7) Im Interesse der Herkunftssicherung sollten die Sammelstellen und Gerbereien, aus denen das Rohmaterial bezogen werden soll, zugelassen und registriert sein. Außerdem sollte ein Musterdokument für den Handel festgelegt werden, das das Rohmaterial während der Beförderung und bis zur Lieferung an die Sammelstellen, Gerbereien und Kollagenherstellungsbetriebe begleitet.
(8) Es empfiehlt sich, das derzeit für Rohmaterial zur Herstellung von Speisegelatine geltende Handelsdokument zu ändern, um den Besonderheiten der Kontrollverfahren in bestimmten Mitgliedstaaten Rechnung zu tragen.
(9) Es sollten Qualitätsnormen für das Enderzeugnis festgelegt werden, um zu gewährleisten, dass es nicht mit Stoffen oder Mikroorganismen kontaminiert ist, die die Verbrauchergesundheit gefährden. Bis eine wissenschaftliche Bewertung dieser Normen vorgenommen wurde, empfiehlt es sich, vorübergehend allgemein anerkannte Kontaminationswerte zu übernehmen. Es sollten auch Vorschriften für die Verpackung, Lagerung und Beförderung des Enderzeugnisses festgelegt werden.
(10) Es müssen besondere Hygienevorschriften für die Einfuhr von Kollagen und von Rohmaterial zur Herstellung von Kollagen für den menschlichen Verzehr erlassen werden. Ferner sollten Muster für Genusstauglichkeitsbescheinigungen festgelegt werden, die eingeführtes Kollagen und Rohmaterial zur Herstellung von Kollagen für den menschlichen Verzehr begleiten müssen. Es ist auch notwendig, dass die Kommission auf der Grundlage entsprechender Vorschläge der betreffenden Drittländer Bedingungen anerkennt, die gleichwertige Garantien bieten.
(11) Sondervorschriften für die Herstellung von Kollagen sollten unbeschadet der Festlegung von Vorschriften zur Verhütung und Bekämpfung transmissibler spongiformer Enzephalopathien erlassen werden.
(12) Die Richtlinie 92/118/EWG ist entsprechend zu ändern.
(13) Mit der Entscheidung 2003/42/EG wurde die Richtlinie 92/118/EWG mit Wirkung vom 30. September 2003 hinsichtlich der besonderen Hygienevorschriften für Kollagen für den menschlichen Verzehr sowie der Bescheinigungsanforderungen für zum Versand in die Europäische Gemeinschaft bestimmtes Kollagen für den menschlichen Verzehr sowie für Rohmaterial zur Herstellung dieses Kollagens geändert.
(14) Die Gemeinschaft führt aus Drittländern Rohmaterial und Kollagen, einschließlich bestimmten technischen Anforderungen gerecht werdendes Kollagen, ein, das in der Gemeinschaft nicht erhältlich ist.
(15) Das Vereinigte Königreich hat einen Aufschub der Frist für die Anwendung der neuen Hygienebedingungen beantragt, damit auch Kollagenhersteller berücksichtigt werden, die von Drittlandeinfuhren abhängig sind.
(16) Die Verhandlungen zur Lösung der Probleme im Zusammenhang mit Einfuhrkollagen, die darauf hinauslaufen, diese Einfuhren, soweit die neuen Sondervorschriften erfuellt sind, weiterhin zu gestatten, können als abgeschlossen angesehen werden.
(17) Es sollte eine Frist zur Regelung der administrativen Aspekte dieser Verhandlungen vorgesehen werden, die jedoch möglichst kurz sein sollte.
(18) Im Anhang der Entscheidung 2003/42 wurde insoweit ein Fehler festgestellt, als für das Musterdokument für den Handel mit Rohmaterial für die Kollagenherstellung versehentlich ein Amtssiegel des amtlichen Tierarztes vorgesehen ist. Dieser Fehler sollte korrigiert werden.
(19) Der Klarheit halber sollte die Entscheidung 2003/42/EG aufgehoben und durch die vorliegende Entscheidung ersetzt werden.
(20) Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Anhang II der Richtlinie 92/118/EWG wird nach Maßgabe des Anhangs dieser Entscheidung geändert.
Artikel 2
Die Regelung gemäß Artikel 1 dieser Entscheidung gilt ab 31. Dezember 2003.
Sie gilt nicht für Kollagen zum menschlichen Verzehr, das vor dem genannten Datum hergestellt oder eingeführt wurde.
Artikel 3
Die Entscheidung 2003/42/EG wird mit sofortiger Wirkung aufgehoben.
Artikel 4
Diese Entscheidung ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
Brüssel, den 29. September 2003

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