Document ID: 31997D0400

BESCHLUSS DER KOMMISSION vom 13. Juni 1997 zur Einstellung des Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Seilen aus synthetischen Chemiefasern mit Ursprung in Indien (97/400/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 384/96 des Rates vom 22. Dezember 1995 über den Schutz gegen gedumpte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Gemeinschaft gehörenden Ländern (1), geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 2331/96 (2), insbesondere auf Artikel 9,
nach Konsultationen im Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe:
A. VERFAHREN
(1) Im April 1996 veröffentlichte die Kommission im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (3) eine Bekanntmachung über die Einleitung eines Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Seilen aus synthetischen Chemiefasern mit Ursprung in Indien.
(2) Dieses Verfahren wurde aufgrund eines Antrags eingeleitet, den das "Liaison Committee of European Twine, Cordage and Netting Industries" (Eurocord, nachstehend "Antragsteller" genannt) am 23. Februar 1996 im Namen des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft gestellt hatte. Der Antrag wurde von 20 Gemeinschaftsherstellern unterstützt, auf die rund 81 % der Gemeinschaftsproduktion der betroffenen Ware entfielen.
Der Antrag enthielt Anscheinsbeweise für das Vorliegen von Dumping bei der betroffenen Ware mit Ursprung in Indien und für eine dadurch verursachte bedeutende Schädigung; diese Beweise wurden als ausreichend angesehen, um die Einleitung eines Verfahrens zu rechtfertigen. Daraufhin leitete die Kommission eine Untersuchung betreffend die Einfuhren von Seilen aus synthetischen Chemiefasern mit Ursprung in Indien ein.
(3) Sie unterrichtete die bekanntermaßen betroffenen Hersteller, Ausführer und Einführer, die Vertreter des Ausfuhrlandes und die Antragsteller über die Einleitung des Verfahrens. Außerdem gab sie den interessierten Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen.
(4) Die Kommission sandte allen bekanntermaßen betroffenen Herstellern, Ausführern und Einführern Fragebogen zu und erhielt Antworten von zwei indischen Herstellern sowie von einem Einführer in der Gemeinschaft. Die indischen Hersteller stellten Anträge auf Anhörung, denen stattgegeben wurde.
(5) Aufgrund der Vielzahl der Gemeinschaftshersteller, die den Antrag ausdrücklich unterstützten, beschränkte die Kommission die Schadensermittlung auf eine repräsentative Auswahl von Gemeinschaftsherstellern. Sie sandte diesen repräsentativen Gemeinschaftsherstellern Fragebogen zu, die ihr daraufhin Informationen übermittelten.
(6) Die Kommission holte alle für die Sachaufklärung für notwendig erachteten Informationen ein, prüfte sie nach und führte Untersuchungen in den Betrieben der folgenden Unternehmen durch:
a) Gemeinschaftshersteller (Stichprobe):
- Irish Ropes (Newbridge, Co. Kildare, Irland),
- Oliveira SA (Porto, Portugal),
- Oliveira Holland BV (Rotterdam, Niederlande),
- Explorplas (Porto, Portugal),
- Cotesi (Porto, Portugal),
- Cerfil (Porto, Portugal),
- Lankhorst Touwfabrieken BV (Sneek, Niederlande);
b) Hersteller/Ausführer:
- Krishna Filament Limited, Mumbai, Indien,
- Garware-Wall Ropes Limited, Poona, Indien.
(7) Die Dumpinguntersuchung betraf den Zeitraum vom 1. April 1995 bis zum 31. März 1996 (nachstehend "Untersuchungszeitraum" genannt).
Die Schadensprüfung betraf den Zeitraum von 1992 bis zum Ende des Untersuchungszeitraums.
Unterrichtung
(8) Die Parteien wurden schriftlich über die wichtigsten Tatsachen und Erwägungen unterrichtet, auf deren Grundlage beabsichtigt wurde, die Einstellung des Verfahrens zu empfehlen. Nach dieser Unterrichtung wurde ihnen außerdem eine angemessene Frist zur Stellungnahme eingeräumt.
Die schriftlichen Stellungnahmen der Parteien wurden geprüft und gegebenenfalls von der Kommission berücksichtigt.
B. WARE, GLEICHARTIGE WARE
(9) Das Verfahren betrifft Bindfäden, Seile und Taue, auch geflochten, auch mit Kautschuk oder Kunststoff getränkt, bestrichen, überzogen oder umhüllt aus Polyethylen oder Polypropylen, andere als Bindegarne oder Pressengarne, mit einem Titer von mehr als 50 000 dtex (5 g je m), geflochten und andere, sowie aus anderen synthetischen Chemiefasern aus Nylon oder anderen Polyamiden oder aus Polyestern mit einem Titer von mehr als 50 000 dtex (5 g je m), geflochten und andere. Die vorgenannte Ware fällt unter die KN-Codes 5607 49 11, 5607 49 19, 5607 50 11 und 5607 50 19.
Die Ware wird in vielfältiger Weise in der Schifffahrt (insbesondere zum Vertäuen) und in der Industrie (vor allem in der Fischerei) verwendet. Die Hersteller bieten eine breite Palette von Seiltypen an, die sich in der Materialzusammensetzung und der Anzahl der Litzen unterscheiden.
(10) Die Untersuchung ergab, daß die verschiedenen in Indien verkauften Seile aus synthetischen Chemiefasern die gleichen materiellen Eigenschaften und Verwendungen haben wie die in die Gemeinschaft ausgeführten Seiltypen. Auch die in der Gemeinschaft hergestellten Seile und die aus Indien in die Gemeinschaft ausgeführten Seile weisen die gleichen Eigenschaften auf und konkurrieren miteinander. Daher wird der Schluß gezogen, daß sie als gleichartige Waren im Sinne des Artikels 1 Absatz 4 der Verordnung (EG) Nr. 384/96 (nachstehend Grundverordnung genannt) anzusehen sind.
C. DUMPING
1. Normalwert
(11) Zunächst prüfte die Kommission, ob die Verkäufe beider kooperierender Hersteller/Ausführer auf dem Inlandsmarkt gemäß Artikel 2 Absatz 2 der Grundverordnung repräsentativ waren. Dazu ermittelte sie zunächst, ob die betroffene Ware im Untersuchungszeitraum auf dem Inlandsmarkt insgesamt in Mengen verkauft wurde, die 5 v. H. oder mehr aller Exportverkäufe der gleichartigen Ware in die Gemeinschaft ausmachten. Dies war bei beiden kooperierenden Herstellern/Ausführern der Fall.
(12) Danach prüfte die Kommission, ob alle Seiltypen, die direkt mit den zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauften Typen vergleichbar waren, im Untersuchungszeitraum auf dem Inlandsmarkt in ausreichenden Mengen im Sinne des Artikels 2 Absatz 2 der Grundverordnung verkauft wurden, d. h., ob die Inlandsverkäufe jeweils 5 v. H. oder mehr der zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauften Mengen des vergleichbaren Seiltyps ausmachten.
(13) Da einer der kooperierenden Hersteller/Ausführer nicht in der Lage war, der Kommission ausreichende Informationen über die Aufschlüsselung der Inlandsverkäufe auf die verschiedenen Seiltypen vorzulegen, konnte die Kommission nicht überprüfen, ob dieses Unternehmen alle Seiltypen auf dem Inlandsmarkt in repräsentativen Mengen verkaufte. Daher mußte sie den Normalwert für dieses Unternehmen gemäß Artikel 18 Absatz 1 der Grundverordnung anhand der verfügbaren Informationen ermitteln. Da sich die Waren der beiden kooperierenden Hersteller/Ausführer stark ähnelten, hielt die Kommission in diesem Zusammenhang die Zugrundelegung der Normalwerte des anderen Herstellers für angemessen.
(14) Der andere kooperierende Hersteller/Ausführer verkaufte alle Seiltypen im Untersuchungszeitraum auf dem Inlandsmarkt in repräsentativen Mengen.
(15) Gemäß Artikel 2 Absatz 4 der Grundverordnung prüfte die Kommission bei dem letztgenannten Hersteller/Ausführer sodann, ob die Verkäufe aller Seiltypen auf dem Inlandsmarkt als Geschäfte im normalen Handelsverkehr angesehen werden konnten, und ermittelte dazu jeweils den Anteil der gewinnbringenden Verkäufe.
War der gewogene durchschnittliche Preis von 20 v. H. oder mehr der Verkäufe eines Seiltyps niedriger als die gewogenen durchschnittlichen Stückkosten, so ermittelte die Kommission den Normalwert ausschließlich anhand der gewogenen durchschnittlichen Preise der verbleibenden, gewinnbringenden Verkäufe, sofern diese mehr als 10 v. H. der zur Bestimmung des Normalwertes herangezogenen Verkäufe ausmachten.
Wurde die gleichartige Ware auf dem Inlandsmarkt nicht verkauft oder machten die gewinnbringenden Verkäufe 10 v. H. oder weniger der gesamten Inlandsverkäufe eines bestimmten Seiltyps aus, so wurde der Normalwert gemäß Artikel 2 Absatz 3 der Grundverordnung rechnerisch ermittelt.
Dazu addierte die Kommission die Herstellkosten der ausgeführten Seiltypen und einen angemessenen Betrag für Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten sowie für Gewinne, den sie gemäß Artikel 2 Absatz 6 der Grundverordnung anhand der Inlandsverkäufe dieses Herstellers/Ausführers im normalen Handelsverkehr festsetzte.
2. Ausfuhrpreis
(16) Da die beiden kooperierenden Hersteller/Ausführer die betroffene Ware direkt an unabhängige Einführer in der Gemeinschaft verkauften, wurden die Ausfuhrpreise gemäß Artikel 2 Absatz 8 der Grundverordnung anhand der von diesen unabhängigen Einführern tatsächlich gezahlten oder zu zahlenden Preise errechnet.
3. Vergleich
(17) Gemäß Artikel 2 Absätze 10 und 11 der Grundverordnung wurde bei beiden kooperierenden Herstellern/Ausführern der gewogene durchschnittliche Normalwert der einzelnen Seiltypen mit den gewogenen durchschnittlichen Ausfuhrpreisen auf der Stufe ab Werk und auf der gleichen Handelsstufe verglichen.
(18) Im Interesse eines fairen Vergleichs wurden gemäß Artikel 2 Absatz 10 der Grundverordnung Berichtigungen vorgenommen, sofern ausreichende Beweise dafür vorgelegt wurden, da die Unterschiede bei den betroffenen Faktoren die Vergleichbarkeit der Preise beeinflußten. Diese Berichtigungen betrafen die indirekten Steuern, die Transport-, die Versicherungs- und die Verpackungskosten.
(19) Die beantragte Berichtigung für die Einfuhrabgaben konnte nicht zugestanden werden, da der betreffende Hersteller/Ausführer nicht in der Lage war nachzuweisen, daß die zollpflichtigen eingeführten Rohstoffe für die Herstellung der für den Inlandsmarkt bestimmten Ware verwendet wurden.
(20) Was die Berichtigungen für Unterschiede bei der Handelsstufe anbetrifft, die mit der Begründung beantragt wurden, daß die Ausfuhren in die Gemeinschaft in erster Linie an Großhändler gingen, während die Ware im Inland an verschiedene Kategorien von Kunden, d. h. an Großhändler, Einzelhändler und Endabnehmer, verkauft wurde, so ergab die Untersuchung, daß es keine nennenswerten oder anhaltenden Unterschiede zwischen den Preisen gab, die diesen verschiedenen Kategorien von Abnehmern im Inland in Rechnung gestellt wurden. Da keine ausreichenden Beweise dafür vorgelegt wurden, daß dieser angebliche Unterschied bei der Handelsstufe die Vergleichbarkeit der Preise beeinflußte, wurde dem Antrag nicht stattgegeben.
4. Dumpingspanne
(21) Der Vergleich des Normalwertes mit dem Ausfuhrpreis ergab das Vorliegen von Dumping, wobei die Dumpingspanne dem Betrag entspricht, um den der Normalwert den Preis bei Ausfuhr in die Gemeinschaft übersteigt.
(22) Für die beiden kooperierenden Hersteller/Ausführer ergaben sich folgende gewogene durchschnittliche Dumpingspannen, ausgedrückt als Prozentsatz des Preises frei Grenze der Gemeinschaft, unverzollt:
PLATZ FÜR EINE TABELLE
(23) Für die Hersteller/Ausführer in Indien, die weder den Fragebogen der Kommission beantworteten noch sich in anderer Weise meldeten, wurde die Dumpingspanne gemäß Artikel 18 Absatz 1 der Grundverordnung anhand der verfügbaren Informationen ermittelt.
(24) Da der Vergleich der Eurostat-Statistiken mit den Angaben der kooperierenden indischen Hersteller/Ausführer über die Ausfuhren in die Gemeinschaft auf ein äußerst hohes Maß an Mitarbeit hindeutete (auf die kooperierenden Hersteller/Ausführer entfielen fast sämtliche Ausfuhren), vertrat die Kommission die Auffassung, daß die Untersuchungsergebnisse die besten verfügbaren Informationen darstellten und daß es in diesem Zusammenhang am angemessensten war, die höchste festgestellte Dumpingspanne zugrunde zu legen, denn es gab keinen Grund zu der Annahme, daß die Dumpingspanne eines nichtkooperierenden Herstellers/Ausführers niedriger sein könnte.
Somit wurde für die nichtkooperierenden Hersteller/Ausführer eine Dumpingspanne von 77,8 %, ausgedrückt als Prozentsatz des Preises frei Grenze der Gemeinschaft, festgesetzt.
D. WIRTSCHAFTSZWEIG DER GEMEINSCHAFT
(25) Auf die antragstellenden Hersteller, die bei dieser Untersuchung mit der Kommission zusammenarbeiteten, entfielen 81 % der Gemeinschaftsproduktion der betroffenen Ware, so daß diese Hersteller gemäß Artikel 4 Absatz 1 und Artikel 5 Absatz 4 der Grundverordnung für den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft repräsentativ waren.
E. SCHÄDIGUNG
1. Vorbemerkungen
(26) Die Schadensprüfung bezog sich, wie unter Randnummer 7 dargelegt, auf den Zeitraum von 1992 bis März 1996. Geographisch gesehen erstreckte sie sich auf die Gemeinschaft in ihrer Zusammensetzung zum Zeitpunkt der Einleitung des Verfahrens, d. h. auf die Fünfzehnergemeinschaft. Bei der Schadensprüfung legte die Kommission die unter Artikel 3 der Grundverordnung genannten relevanten Wirtschaftsfaktoren zugrunde.
Da jedoch im Fall bestimmter Schadensfaktoren (Verbrauch, Marktanteil, Produktion und Absatz) zuverlässige Angaben für die Zeit vor 1995 nur für die Zwölfergemeinschaft vorlagen und letztere gemessen an der Marktgröße für die Fünfzehnergemeinschaft repräsentativ war, erstreckt sich die Prüfung dieser Faktoren auf die Zwölfergemeinschaft.
2. Einholung der Angaben über die Schädigung
(27) Die Kommission forderte alle antragstellenden Gemeinschaftshersteller zur Übermittlung von Angaben über Produktion, Absatz und Marktanteil auf ("globale Angaben"). Aufgrund der Vielzahl der den Antrag unterstützenden Hersteller sowie der in Artikel 6 Absatz 9 der Grundverordnung gesetzten Fristen beschränkte sich die Kommission jedoch bei der Prüfung der übrigen Schadensindikatoren auf eine repräsentative Auswahl von Gemeinschaftsherstellern ("Angaben über die Stichprobe").
Bei der Auswahl der Stichprobe legte die Kommission den Standort sowie das Produktions- und Absatzvolumen der Unternehmen zugrunde. Außerdem berücksichtigte sie, in welchem Maße die Unternehmen bei der Untersuchung mitarbeiteten. Der Beschluß eines ausgewählten Unternehmens, zu einem sehr späten Zeitpunkt des Verfahrens jede weitere Mitarbeit zu verweigern, beeinflußte den normalen Verlauf der Untersuchung und hatte zur Folge, daß der Kommission weniger sachdienliche Informationen zur Verfügung standen.
Auf die ausgewählten Unternehmen entfielen im Untersuchungszeitraum 37 % der Produktion und des Absatzes der antragstellenden Gemeinschaftshersteller und 30 % der gesamten Gemeinschaftsproduktion der betroffenen Ware.
Obwohl mehr als die Hälfte der Gemeinschaftsproduktion auf einen einzigen Mitgliedstaat entfiel, bezog die Kommission Hersteller aus anderen Mitgliedstaaten in die Stichprobe ein.
3. Gemeinschaftsverbrauch
(28) Der Gemeinschaftsverbrauch verringerte sich von 21 709 Tonnen im Jahr 1992 auf 20 697 Tonnen im Jahr 1993 und erhöhte sich dann auf 23 097 Tonnen im Jahr 1994, 24 046 Tonnen im Jahr 1995 und 24 253 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Damit erhöhte sich der Verbrauch im Bezugszeitraum insgesamt um 11,7 %.
4. Volumen und Marktanteile der gedumpten Einfuhren
(29) Die gedumpten Einfuhren von Seilen aus synthetischen Chemiefasern mit Ursprung in Indien erhöhten sich von 129 Tonnen im Jahr 1992 auf 440 Tonnen im Jahr 1993, gingen 1994 auf 342 Tonnen zurück und stiegen dann auf 1 180 Tonnen im Jahr 1995 sowie im Untersuchungszeitraum. Dabei erhöhte sich ihr Marktanteil von 0,6 % im Jahr 1992 auf 2,1 % im Jahr 1993, verringerte sich auf 1,5 % im Jahr 1994 und stieg 1995 sowie im Untersuchungszeitraum auf 4,9 %.
5. Preise der gedumpten Einfuhren
(30) Zur Prüfung der Frage, ob die ausführenden Hersteller die Preise der Gemeinschaftshersteller im Untersuchungszeitraum unterboten, verglich die Kommission in den einzelnen Mitgliedstaaten die Preise der ausgewählten Gemeinschaftshersteller mit den entsprechenden Preisen der betroffenen Ausführer. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Seiltypen wurde der Preisvergleich auf ausgewählte Transaktionen beschränkt, auf die bei den Gemeinschaftsherstellern mehr als 70 % der Verkäufe aller Typen von Seilen aus synthetischen Chemiefasern entfielen. Für die Zwecke des Vergleichs wurden die Seile, die von den Gemeinschaftsherstellern produziert und verkauft bzw. die aus Indien in die Gemeinschaft ausgeführt wurden, anhand der Materialzusammensetzung und der Anzahl der Litzen (3 und 4 Litzen bzw. 8 Litzen) in vergleichbare Warengruppen eingeteilt.
Im Fall des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zog die Kommission die Preise heran, die unabhängigen Abnehmern in Rechnung gestellt wurden, wobei sie diese Preise gegebenenfalls durch Berichtigungen auf die Stufe ab Werk brachte. Die Verkaufspreise der Ausführer (cif frei Grenze der Gemeinschaft) wurden erhöht, um den Zöllen sowie den Kosten und Gewinnen nach Einfuhr der Waren Rechnung zu tragen (dabei stützte sich die Kommission auf die während der Untersuchung eingeholten Angaben). Der Preisvergleich erstreckte sich auf 51 % der gesamten Einfuhren aus Indien im Untersuchungszeitraum. Sämtliche Preise wurden netto abzüglich aller Rabatte und Nachlässe auf vergleichbaren Handelsstufen verglichen.
(31) Im Antrag wurde geltend gemacht, die Einfuhren der betroffenen Ware in einen Mitgliedstaat seien gemäß der Verordnung (EG) Nr. 3009/95 der Kommission vom 22. Dezember 1995 zur Änderung des Anhangs I der Verordnung (EWG) Nr. 2658/87 des Rates über die zolltarifliche und statistische Nomenklatur sowie den Gemeinsamen Zolltarif (4) im Rahmen der Bestimmungen über die besondere Verwendung von den Einfuhrzöllen befreit gewesen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß kein Einführer in diesem Verfahren zur Mitarbeit bereit war. Nachforschungen der Kommission bei den Zollbehörden des betroffenen Mitgliedstaats ergaben jedoch, daß nur ein geringfügiger Teil der Einfuhren aus Indien (6 Tonnen) unter die vorgenannten Bestimmungen fiel. Daher trug die Kommission der Zollbefreiung bei der Preisanalyse nicht Rechnung.
(32) Der Vergleich der Durchschnittspreise ergab, daß die Preisunterbietungsspannen, ausgedrückt als Prozentsatz des durchschnittlichen Verkaufspreises des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft, im Untersuchungszeitraum zwischen 0 % und 53,57 % schwankten und sich im gewogenen Durchschnitt auf 16,47 % beliefen. Die Unterschiede bei diesen Preisunterbietungsspannen spiegeln die Tatsache wider, daß viele verschiedene Typen der betroffenen Ware angeboten wurden und daß es nicht bei allen Typen zu einer Preisunterbietung durch die Einfuhren aus Indien kam. Nach den Feststellungen der Kommission verfolgten die indischen Ausführer keine deutlich unterschiedlichen Preisstrategien für bestimmte Seiltypen oder Mitgliedstaaten.
6. Lage des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft
a) Produktion (globale Angaben)
(33) Das Produktionsvolumen des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft blieb im Bezugszeitraum insgesamt relativ konstant. Die Produktion der betroffenen Ware belief sich 1992 auf 18 505 Tonnen und im Untersuchungszeitraum auf 18 598 Tonnen.
b) Absatz (globale Angaben)
(34) Auch der Absatz des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft bleib im Bezugszeitraum relativ konstant (14 971 Tonnen zu Beginn des Jahres 1992 und 14 829 Tonnen im Untersuchungszeitraum).
c) Marktanteil (globale Angaben)
(35) Der Vergleich des Absatzes mit dem sichtbaren Gemeinschaftsverbrauch zeigte, daß der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft im Bezugszeitraum Marktanteileinbußen hinnehmen mußte. So verringerte sich der Marktanteil der Antragsteller von 68,9 % im Jahr 1992 auf 61,1 % im Untersuchungszeitraum. Allerdings war zwischen 1995 und dem Untersuchungszeitraum eine leichte Verbesserung zu verzeichnen.
d) Kapazität und Kapazitätsauslastung (Angaben über die Stichprobe)
(36) Die Maschinen für die Herstellung von Seilen aus synthetischen Chemiefasern werden auch für die Produktion anderer Waren verwendet, die nicht von diesem Verfahren betroffen sind und saisonalen Nachfrageschwankungen unterliegen, wie z. B. Bindfäden für die Landwirtschaft. Daher war es schwierig, die genaue Kapazität und Kapazitätsauslastung für die betroffene Ware zu ermitteln.
Unter Zugrundelegung der Kapazität, die der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft üblicherweise der betroffenen Ware zuweist, entwickelte sich die Produktionskapazität schätzungsweise wie folgt: 10 330 Tonnen im Jahr 1992, 10 220 Tonnen im Jahr 1993, 10 650 Tonnen im Jahr 1994, 10 940 Tonnen im Jahr 1995 und 10 940 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Dies entspricht einem durchschnittlichen Anstieg um 6 % zwischen 1992 und dem Untersuchungszeitraum.
Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung lag im Bezugszeitraum bei 69 %. 1992 belief sie sich auf 72 %, 1993 auf 63 %, 1994 auf 74 % und 1995 und im Untersuchungszeitraum auf 68 %.
Bei der Bewertung der Kapazitätsauslastung ist zu berücksichtigen, daß die gleichen Maschinen auch zur Herstellung von Waren verwendet werden können, die nicht von diesem Verfahren betroffen sind.
e) Lagerbestände (Angaben über die Stichprobe)
(37) Die Untersuchung ergab, daß die betroffene Ware in der Gemeinschaft üblicherweise auf Bestellung hergestellt wird. Daher verfügten die Gemeinschaftshersteller im allgemeinen nicht über umfangreiche Lagerbestände.
f) Preisentwicklung (Angaben über die Stichprobe)
(38) Die gewogenen durchschnittlichen Preise, die die ausgewählten Hersteller beim Verkauf der betroffenen Ware in der EU in Rechnung stellten, gingen zwischen 1992 und 1994 um 10 % zurück, stiegen dann aber 1995 um 19 %.
g) Rentabilität (Angaben über die Stichprobe)
(39) Die ausgewählten Unternehmen waren nicht in der Lage, der Kommission ausreichende Angaben über die Rentabilität im Bezugszeitraum zu übermitteln. Im Untersuchungszeitraum stellte die Kommission gewogene durchschnittliche Verluste von 1,6 % fest.
h) Beschäftigung (Angaben über die Stichprobe)
(40) Die Zahl der Arbeitnehmer, die die ausgewählten Gemeinschaftsunternehmen für die Herstellung der betroffenen Ware einsetzten, verringerte sich im Bezugszeitraum um 29 %. Der Beschäftigungsrückgang war zwischen 1992 und 1994 mit 27 % am stärksten, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft damals mit Schwierigkeiten konfrontiert war. Im Untersuchungszeitraum kam es zu einer leichten Verbesserung.
7. Schlußfolgerung zur Schädigung
(41) Zwar verlor der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft im Bezugszeitraum Marktanteile, doch das Absatz- und das Produktionsvolumen blieben konstant, und die Preise stiegen beträchtlich. Zur Rentabilität konnten mangels ausreichender Angaben keine Schlußfolgerungen gezogen werden. Dei Gesamtzahl der Arbeitsplätze verringerte sich, allerdings war im Untersuchungszeitraum eine leichte Verbesserung der Beschäftigungslage zu erkennen.
Somit deuten einige Faktoren auf das Vorliegen einer Schädigung hin.
F. SCHADENSURSACHE
(42) Zwar fiel der beträchtliche Anstieg der Einfuhren aus Indien zwischen 1994 und dem Untersuchungszeitraum zeitlich mit den Marktanteileinbußen des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zusammen, doch blieb dessen Produktions- und Absatzvolumen im Bezugszeitraum konstant.
Der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft befand sich Anfang der neunziger Jahre in einer schwierigen Lage und verringerte daraufhin die Zahl seiner Beschäftigten. Die meisten Arbeitsplätze wurden zwischen 1992 und 1994 abgebaut, d. h. vor dem beträchtlichen Anstieg der Einfuhren aus Indien in die Gemeinschaft. Somit kann die Mehrzahl der Arbeitsplatzverluste nicht den indischen Einfuhren angelastet werden.
Mangels ausreichender Angaben über die Rentabilität konnte die Kommission keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der finanziellen Lage der Gemeinschaft und den Einfuhren aus Indien ermitteln.
G. SCHLUSSFOLGERUNG
(43) Die Schwierigkeiten des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft traten vor dem Anstieg der Einfuhren aus Indien auf. Außerdem spielten auch andere Faktoren wie beispielsweise die Erhöhung der Rohstoffkosten eine Rolle. Obwohl die gedumpten Einfuhren möglicherweise die Probleme des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft, soweit es um die betroffene Ware ging, verschärften, konnte nicht ausreichend festgestellt werden, daß das gesamte Ausmaß dieser schädigenden Auswirkungen die Einführung von Maßnahmen in diesem Fall rechtfertigte.
H. EINSTELLUNG DES VERFAHRENS
(44) Die Antragsteller und die anderen interessierten Parteien wurden über die wichtigsten Tatsachen und Erwägungen unterrichtet, auf deren Grundlage die Kommission beabsichtigte, das Verfahren einzustellen. Die diesbezüglichen Stellungnahmen der Antragsteller wurden von der Kommission eingehend geprüft.
(45) Der Beratende Ausschuß wurde konsultiert und befürwortete mehrheitlich den Vorschlag der Kommission -
BESCHLIESST:
Einziger Artikel
Das Antidumpingverfahren betreffend die Einfuhren von Seilen aus synthetischen Chemiefasern der KN-Codes 5607 49 11, 5607 49 19, 5607 50 11 und 5607 50 19 mit Ursprung in Indien wird eingestellt.
Brüssel, den 13. Juni 1997

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