Document ID: 31992D0506

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 30. September 1992 zur Genehmigung von Beihilfen der Bundesrepublik Deutschland zugunsten des Steinkohlenbergbaus im Jahr 1992 (Nur der deutsche Text ist verbindlich) (92/506/EGKS)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl,
gestützt auf die Entscheidung Nr. 2064/86/EGKS der Kommission vom 30. Juni 1986 über die Gemeinschaftsregelung für Maßnahmen der Mitgliedstaaten zugunsten des Steinkohlenbergbaus (1),
in Erwägung nachstehender Gründe:
I
Mit Schreiben vom 8. Januar 1992 hat die Regierung der Bundesrepublik Deutschland der Kommission gemäß Artikel 9 Absatz 2 der Entscheidung Nr. 2064/86/EGKS finanzielle Maßnahmen bekanntgegeben, die sie im Jahr 1992 zugunsten des Steinkohlenbergbaus durchzuführen gedenkt. Mit Schreiben vom 25. Juni 1992 hat die deutsche Regierung auf das Schreiben der Kommission vom 24. Februar 1992 hin ergänzende Auskünfte gegeben.
Gemäß der genannten Entscheidung befindet die Kommission über die nachstehend aufgeführten finanziellen Maßnahmen:
- eine Beihilfe zur Lieferung von Kohle und Koks an die Stahlindustrie der Gemeinschaft in Höhe von 3 293 Millionen DM;
- eine Beihilfe im Rahmen eines Systems zur Erhaltung der Untertagebelegschaft (Bergmannsprämie) in Höhe von 133 Millionen DM.
Die von der Bundesregierung zugunsten des Steinkohlenbergbaus geplanten Maßnahmen entsprechen Artikel 1 Absatz 1 der Entscheidung. Die Kommission muß nunmehr gemäß Artikel 10 der Entscheidung darüber befinden, ob sie mit den in der genannten Entscheidung festgelegten Zielen und Kriterien sowie mit dem ordnungsgemässen Funktionieren des Gemeinsamen Marktes vereinbar sind.
II
Gemäß den Artikeln 4 und 12 der Entscheidung sind die Bergbauunternehmen ermächtigt, bei Lieferungen von Kokskohle, Koks und Einblaskohle, die im Rahmen eines langfristigen Vertrages zur Versorgung von Hochöfen der Eisen- und Stahlindustrie der Gemeinschaft erfolgen, soweit erforderlich Nachlässe gegenüber ihren Listenpreisen bzw. Produktionskosten zu gewähren. Diese Preisnachlässe dürfen nicht zu Einstandspreisen für Kohle und Koks führen, die niedriger sind als diejenigen, die sich für Kohle aus Drittländern und für Koks aus Kokskohle von Drittländern ergeben würden.
Die deutsche Regierung hat der Kommission die neuen Grundsätze zur Kenntnis gebracht, die dem Beihilfesystem für Lieferungen von Kohle und Koks an die Stahlindustrie der Gemeinschaft in dem Dreijahreszeitraum von 1. Januar 1992 bis 31. Dezember 1994 zugrunde liegen; diese Grundsätze üben einen gewissen Druck auf die Kokskohleproduktion hinsichtlich der Kosten aus; zu diesem Zweck hat die Bundesregierung den Beihilfebetrag für diesen Zeitraum begrenzt und einen finanziellen Beitrag zu Lasten der Industrie eingeführt. Die Bundesregierung hat in ihrer Meldung die Auswirkungen anerkannt, die das Auslaufen der Entscheidung Nr. 2064/86/EGKS am 31. Dezember 1993 für die Anwendung des Systems im Jahr 1994 haben wird.
Die für den Zeitraum insgesamt vorgesehenen Beihilfen belaufen sich auf 9 106 Millionen DM; die von diesen Beihilfen abgedeckten Lieferungen dürften insgesamt 57,2 Millionen Tonnen Kohle erreichen. Das Volumen der für den Zeitraum verfügbaren Beihilfen wird nur 83 % des nach diesem System gezahlten Gesamtbeihilfebetrags des vorhergehenden Dreijahreszeitraums betragen. Die durch das genannte System abgedeckten Kohlelieferungen werden nur 81 % der Mengen repräsentieren, für die im Zeitraum 1989 bis 1991 Beihilfen gezahlt wurden.
Im Rahmen dieses Systems beabsichtigt die deutsche Regierung, den Steinkohlenproduzenten für das Jahr 1992 aus den verfügbaren Haushaltsmitteln einen Betrag von 3 293 Millionen DM für eine Produktion von 20,7 Millionen Tonnen Kohle und Koks zu zahlen.
Die Kommission begrüsst zwar den Grundsatz der Beihilfebegrenzung und die Einführung eines Finanzbeitrags zu Lasten der Steinkohlenindustrie, doch stellt sie fest, daß die Produktionskosten weiter wachsen und daß die Differenz zwischen den Produktionskosten und den Weltmarktpreisen grösser wird. Daraus folgt, daß die Bemühungen intensiviert werden müssen und daß eine strengere Produktionskostendisziplin und schärfer durchgreifende Strukturveränderungen vonnöten sind, um eine spürbare Verringerung der Beihilfen einzuleiten.
Der Beitrag der geplanten Maßnahmen zur Umstrukturierung und Rationalisierung im Steinkohlenbergbau und zur Lösung der sozialen und regionalen Probleme bei zeitlich gestaffelter Stillegung unwirtschaftlicher Anlagen entspricht den Kriterien und Zielen von Artikel 2 der Entscheidung Nr. 2064/86/EGKS.
Ferner sind diese Beihilfen mit den Bestimmungen der Artikel 4 und 12 der genannten Entscheidung vereinbar, da sie nicht zu Preisen führen, die niedriger sind als die für Kohle aus Drittländern.
Gemäß Artikel 11 Absatz 1 der Entscheidung Nr. 2064/86/EGKS ist darauf zu achten, daß diese Beihilfen nicht zu Diskriminierungen im Sinne des EGKS-Vertrags zwischen den Käufern oder Verbrauchern von Kohle und Koks in der Gemeinschaft führen.
Die deutsche Regierung teilt nach Ablauf des Jahres 1992 die in dem genannten Jahr eingetretenen Veränderungen mit, sowohl was die Lieferungen, als auch was den Indikativpreis und die Produktionskosten betrifft, damit sich die Kommission überzeugen kann, daß alle oben erwähnten Bestimmungen eingehalten wurden.
Die Beihilfe von 133 Millionen DM zur Finanzierung der Bergmannsprämie (10 DM pro untertage verfahrene Schicht) gestattet es den Unternehmen, sich einen Stamm von qualifiziertem Untertagepersonal zu erhalten. Diese Beihilfe, die zur Verbesserung der Produktivität beiträgt, ist in Artikel 6 der sogenannten Entscheidung ausdrücklich vorgesehen und trägt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Sinne von Artikel 2 Absatz 1 erster Gedankenstrich der Entscheidung bei.
III
Die Beihilfen, die Gegenstand dieser Entscheidung sind, lassen sich folglich mit dem ordnungsgemässen Funktionieren des Gemeinsamen Marktes vereinbaren -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland wird ermächtigt, für das Kalenderjahr 1992 zugunsten des deutschen Steinkohlenbergbaus Beihilfen bis zu einem Betrag von 3 426 000 000 DM zu zahlen. Der Gesamtbetrag ist wie folgt aufgegliedert:
- eine Beihilfe zur Lieferung von Kohle und Koks an die Stahlindustrie der Gemeinschaft in Höhe von 3 293 000 000 DM;
- eine Beihilfe im Rahmen eines Systems zur Erhaltung der Untertagebelegschaft (Bergmannsprämie) in Höhe von 133 000 000 DM.
Artikel 2
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland teilt der Kommission bis zum 30. Juni 1993 die im Jahr 1992 tatsächlich gezahlten Beträge mit.
Artikel 3
Diese Entscheidung ist an die Bundesrepublik Deutschland gerichtet. Brüssel, den 30. September 1992

Labels: 18
19
14