Document ID: 31993D0365

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 2. Juni 1993 zur Ermächtigung der Mitgliedstaaten, für wärmebehandeltes Nadelholz mit Ursprung in Kanada Ausnahmen von bestimmten Vorschriften der Richtlinie 77/93/EWG des Rates vorzusehen, und zur Festlegung der Kennzeichnung des wärmebehandelten Holzes
(93/365/EWG)DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Richtlinie 77/93/EWG des Rates vom 21. Dezember 1976 über Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse (1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 93/19/EWG (2), insbesondere auf Artikel 14 Absatz 3 dritter Gedankenstrich,
auf Antrag der Mitgliedstaaten,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Gemäß der Richtlinie 77/93/EWG darf Holz von Koniferen (Coniferales) mit Ausnahme von Thuja L., ausgenommen Holz in Form von
- Plättchen oder Schnitzeln, Holzabfällen oder Holzausschuß, das ganz oder teilweise aus diesen Koniferen gewonnen wurde,
- Kisten, Verschlägen und Trommeln,
- Flach- und Boxpaletten sowie anderen Ladungsträgern,
- Stauholz, Zwischenholz und Trägern,
jedoch einschließlich des Holzes, das seine natürliche Oberflächenrundung nicht behalten hat, mit Ursprung in China, Japan, Kanada, Korea, Taiwan und den Vereinigten Staaten von Amerika wegen der Gefahr der Einschleppung von Schadorganismen nur dann in die Gemeinschaft verbracht werden, wenn es einer geeigneten Wärmebehandlung unterzogen wurde, um 30 Minuten lang eine Holzkerntemperatur von mindestens 56 °C erzielen, und es von den Zeugnissen gemäß Artikel 7 oder 8 der genannten Richtlinie begleitet ist.
Holz von Koniferen mit Ursprung in Kanada wird gegenwärtig in die Gemeinschaft eingeführt. Für solches Holz wird in Kanada in der Regel kein Pflanzengesundheitszeugnis ausgestellt. Es sind die Einzelheiten der Holzkennzeichnung festzulegen, anhand derer bestätigt wird, daß das Holz der vorgeschriebenen Wärmebehandlung unterzogen worden ist, bei der 30 Minuten lang eine Holzkerntemperatur von mindestens 56 °C erzielt wurde.
Aufgrund der von Kanada übermittelten Informationen hat die Kommission festgestellt, daß es dort ein amtlich genehmigtes und kontrolliertes Programm zur Überwachung der Wärmebehandlung gibt, das gewährleistet, daß das Holz in zugelassenen Heizkammern einer Wärmebehandlung unterzogen wird, bei der 30 Minuten lang eine Holzkerntemperatur von mindestens 56 °C erzielt wird, so daß die betreffenden Schadorganismen (Bursaphelenchus xylophilus und seine Träger) durch Wärmeeinwirkung abgetötet werden. Die Gefahr der Ausbreitung der betreffenden Schadorganismen ist gering, wenn dem Holz eine im Rahmen dieses Programms ausgestellte "Kammertrocknungsbescheinigung" (using heat chamber) beigefügt ist.
Die Kommission wird dafür Sorge tragen, daß Kanada alle technischen Angaben zugänglich macht, die erforderlich sind, um das Funktionieren des vorgenannten Programms zu beurteilen.
Diese Ermächtigung sollte bis spätestens 1. April 1995 überprüft werden.
Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für Pflanzenschutz -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
(1) Die Mitgliedstaaten werden ermächtigt, für Nadelholz mit Ursprung in Kanada, das einer geeigneten Wärmebehandlung unterzogen worden ist, unter den Bedingungen von Absatz 2 Ausnahmen von Artikel 7 Absatz 2 und Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe b) der Richtlinie 77/93/EWG zuzulassen.
(2) Für die Anwendung von Absatz 1 müssen folgende Bedingungen erfuellt sein:
a) Das Holz ist in Sägewerken hergestellt oder in geeigneten Anlagen behandelt worden, die vom kanadischen Landwirtschaftsministerium (Agriculture Canada) genehmigt und zur Teilnahme am Programm zur Überwachung der Wärmebehandlung zugelassen sind.
b) Das Holz ist in Heizkammern, die von einer vom kanadischen Landwirtschaftsministerium hierzu genehmigten unabhängigen Prüfstelle geprüft, bewertet und genehmigt worden sind, einer Wärmebehandlung unterzogen worden, bei der 30 Minuten lang eine Holzkerntemperatur von mindestens 56 °C erzielt wurde. Dauer und Temperatur der genannten Behandlung bei jeder Einzelpartie werden aufgezeichnet und zu den Akten genommen.
c) Die Bewertung gemäß Buchstabe b) wird anhand eines Verfahrens durchgeführt, bei dem die Zeitspanne ermittelt wird, die erforderlich ist, um unter den schlechtmöglichsten Bedingungen 30 Minuten lang eine Holzkerntemperatur von mindestens 56 °C zu erzielen. Dementsprechend wird für jede Heizkammer ein Behandlungszeitplan aufgestellt.
d) Die in Buchstabe b) genannten Heizkammern müssen über geeichte Ausrüstungen verfügen, um die während der Behandlung erreichte Temperatur zu erfassen. Diese Ausrüstungen werden ebenfalls von der in Buchstabe b) genannten Prüfstelle bewertet.
e) Wenn die Anforderungen von Buchstabe b) eingehalten worden sind, bringt die damit beauftragte Person des unter Buchstabe a) genannten Sägewerks eine standardisierte Markierung im oberen rechten Viertel der einen Längsseite jedes Holzbündels an oder lässt diese unter seiner Überwachung anbringen.
f) Die amtlichen Sortierstellen, die hierzu qualifiziert und im Rahmen eines vom kanadischen Landwirtschaftsministerium genehmigten und überwachten Programms befugt sind, führen ein Kontrollsystem ein, anhand dessen die Einhaltung der Anforderungen der Buchstaben a) bis e) gewährleistet wird.
g) Im Rahmen eines Kontrollsystems überwachen Inspektoren des kanadischen Landwirtschaftsministeriums die unter Buchstabe a) genannten zugelassenen Sägewerke und kontrollieren das Holz vor dem Verschiffen stichprobenweise.
h) Das Holz wird von einer gemäß dem Programm unter Buchstabe a) standardisierten Kammertrocknungsbescheinigung begleitet, die dem Muster im Anhang entspricht und von einem Bevollmächtigten im Namen der Sägewerke ausgestellt wurde, die vom kanadischen Landwirtschaftsministerium zur Teilnahme an diesem Programm zugelassen worden sind.
Artikel 2
Unbeschadet des Artikels 14 Absatz 5 der Richtlinie 77/93/EWG unterrichten die Mitgliedstaaten die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten über alle gemäß dieser Entscheidung in ihr Hoheitsgebiet verbrachten Warensendungen, die nicht den Bedingungen von Artikel 1 Absatz 2 Buchstaben e) und h) entsprechen.
Artikel 3
Die Ermächtigung gemäß Artikel 1 gilt ab 1. Juni 1993. Sie wird widerrufen, wenn festgestellt wird, daß die in Artikel 1 Absatz 2 genannten Bedingungen entweder nicht ausreichen, um die Einschleppung von Schadorganismen zu verhindern, oder daß sie nicht eingehalten wurden. Sie wird spätestens am 1. April 1995 überprüft.
Artikel 4
Diese Entscheidung ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
Brüssel, den 2. Juni 1993

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