Document ID: 31988D0177

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ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION
vom 11. Februar 1988
zur Genehmigung der von Italien für Pflanzkartoffeln mit Ursprung in Polen vorgesehenen Ausnahmen von bestimmten Vorschriften der Richtlinie 77/93/EWG des Rates
(Nur der italienische Text ist verbindlich)
(88/177/EWG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Richtlinie 77/93/EWG des Rates vom 21. Dezember 1976 über Maßnahmen zum Schutz gegen das Verbringen von Schadorganismen der Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse in die Mitgliedstaaten (1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 87/298/EWG (2), insbesondere auf Artikel 14 Absatz 2 und Anhang IV Teil A Ziffer 24,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Gemäß der Richtlinie 77/93/EWG dürfen Knollen der Kartoffel mit Ursprung in Drittländern, in denen »Potato spindle tuber viroid" aufgetreten ist, wegen der Gefahr der Einschleppung des »Potato spindle tuber viroid" grundsätzlich nur dann in die Gemeinschaft eingeführt werden, wenn ihre Keimfähigkeit unterbunden worden ist und - sofern sie ihren Ursprung in einem Land haben, in dem das Auftreten von Corynebacterium sepedonicum bekannt ist - wenn im Ursprungsland Bestimmungen eingehalten wurden, die als den gemeinschaftlichen Vorschriften zur Bekämpfung dieses Schadorganismus gleichwertig anerkannt worden sind.
Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe c) Ziffer iii) der genannten Richtlinie erlaubt es jedoch den Mitgliedstaaten, Ausnahmen von der Anforderung hinsichtlich der Unterbindung der Keimfähigkeit zuzulassen, sofern eine Ausbreitung von Schadorganismen nicht zu befürchten ist. Diese Ausnahmen unterliegen gemäß Artikel 14 Absatz 2 der Genehmigungspflicht und müssen den Bedingungen in Anhang IV Teil A Ziffer 24 entsprechen.
In Italien ist der Anbau von Kartoffeln der Sorte Sieglinde seit langem üblich. Ein Teil der Versorgung mit Pflanzkartoffeln dieser Sorte ist durch Einfuhren aus Polen sichergestellt worden.
Italien hat seine Absicht bekundet, Ausnahmen für die laufende Pflanzkartoffelsaison zuzulassen.
Polen ist bekanntlich weder von »Potato spindle viroid" noch von Corynebacterium sepedonicum frei.
Polen hat ein Programm zur Ausmerzung dieser Schadorganismen auf regionaler Ebene aufgestellt. Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß das Programm zur Ausmerzung dieser Schadorganismen zumindest in bestimmten »geschlossenen Zonen" (strefy zamkniete) der Woiwodschaft Lomza voll wirksam geworden ist.
Es kann daher festgestellt werden, daß keine Gefahr der Ausbreitung der betreffenden Schadorganismen besteht, sofern die Pflanzkartoffeln aus diesen Zonen stammen und eine Reihe besonderer technischer Bedingungen eingehalten werden.
Die von Italien vorgesehenen Ausnahmen können daher, sofern sie die vorgenannten Bedingungen umfassen, und unbeschadet der Richtlinie 66/403/EWG des Rates (3), zuletzt geändert durch die Richtlinie 87/374/EWG (4), und der Richtlinie 70/457/EWG des Rates (5), zuletzt geändert durch die Richtlinie 86/155/EWG (6), für die laufende Pflanzkartoffelsaison genehmigt werden.
Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für Pflanzenschutz -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
(1) Es wird genehmigt, daß Italien gemäß Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe c) Ziffer iii) der Richtlinie 77/93/EWG in Verbindung mit Anhang IV Teil A Ziffer 24 dritter Gedankenstrich unter den im nachstehenden Absatz 2 festgelegten Voraussetzungen und unbeschadet der Richtlinien 66/403/EWG und 70/457/EWG Ausnahmen von Artikel 5 Absatz 1 und Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe a) dritter Gedankenstrich der Richtlinie 77/93/EWG hinsichtlich der Anforderungen von Anhang IV Teil A Ziffer 25 für Pflanzkartoffeln der Sorte Sieglinde mit Ursprung in Polen vorsieht.
(2) Die Anwendung des Absatzes 1 unterliegt folgenden Bedingungen:
a) Die Pflanzkartoffeln sind auf Feldern in der »geschlossenen Zone" (strefa zamknieta) von Wierzbowo in der Woiwodschaft Lomza erzeugt worden.
b) Die Pflanzkartoffeln sind ausschließlich aus Pflanzkartoffeln der Kategorie »Superelite" erwachsen, die von der staatlichen Pflanzenzuchtstation von Lubleno in der Woiwodschaft Danzig geliefert wurden.
c) Die Pflanzkartoffeln sind amtlich als Pflanzkartoffeln anerkannt, die mindestens den für die Klasse »Elite" festgelegten Bedingungen entsprechen.
d) Jeder, Partie, die für Italien bestimmt ist, werden amtliche Stichproben entnommen. Eine Partie darf nur aus Knollen einer einzigen Sorte bestehen, die in einem einzigen Betrieb erzeugt worden sind. Die Stichproben werden von amtlichen Laboratorien auf die mögliche Anwesenheit von Corynebacterium sepedonicum untersucht. Die Stichproben für die Untersuchtung auf »Potato spindle tuber viroid" bestehen aus Knollen oder Blättern der Ernte, aus der die Partie besteht. Für die Untersuchung auf Corynebacterium sepedonicum werden jeder Partie zwei Stichproben entnommen, von denen jede rund 1 % der Knollen der Partie, höchstens jedoch 1 000 Knollen ausmacht. Die Untersuchungen werden bei den gesamten Stichproben nach folgenden Methoden durchgeführt:
- hinsichtlich des »Potato spindle tuber viroid":
der Page-Methode an auf geeignete Pflanzen übertragenem Kartoffelausgangsmaterial oder nach dem c-DNS-Hybridisierungsverfahren und
- hinsichtlich Corynebacterium sepedonicum:
zumindest der Angers-IF-Methode oder einer entsprechenden IF-Methode.
e) Die Partien sind bei allen Vorgängen einschließlich der Beförderung getrennt zu halten.
f) Das erforderliche Pflanzengesundheitszeugnis wird für jede Partie getrennt erst dann ausgestellt, wenn die betreffenden Wissenschaftler festgestellt haben, daß bei keiner der unter Buchstabe d) genannten Untersuchungen ein Verdacht auf die Anwesenheit von »Potato spindle tuber viroid" oder Corynebacterium sepedonicum in der Partie aufgetreten ist oder diese Schadorganismen tatsächlich anwesend waren und daß insbesondere das Ergebnis der Untersuchung anhand der IF-Methode negativ war. Das Zeugnis enthält eine »Zusätzliche Erklärung", aus der hervorgeht, daß die Bedingungen der Buchstaben a) bis d) eingehalten worden sind. Es enthält ferner den Namen des Pflanzkartoffelerzeugerbetriebs, die Pflanzkartoffel-Anerkennungsnummer sowie den Namen des Gebiets gemäß Buchstabe a).
g) In Italien wird von jeder aufgrund dieser Entscheidung eingeführten Partie für amtliche Untersuchungen gemäß der gemeinschaftlich festgelegten Methode für den Nachweis und die Diagnose von Corynebacterium sepedonicum amtlich eine repräsentative Stichprobe entnommen. Die betreffenden Partien verbleiben getrennt unter amtlicher Überwachung und dürfen weder in Verkehr gebracht noch verwendet werden, bis bestätigt worden ist, daß die Anwesenheit von Corynebacterium sepedonicum bei diesen Untersuchungen nicht vermutet oder festgestellt werden konnte. Unterproben werden für die anschließende Prüfung durch andere Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt. Die italienischen Behörden unterrichten die Kommission bis zum 31. März 1988, so daß diese Prüfungen vorgenommen werden können und eine Unterlage darüber angefertigt werden kann. Die Gesamtheit der eingeführten Partien darf nicht eine Menge übersteigen, die unter Berücksichtigung der für die obengenannten Untersuchungen zur Verfügung stehenden Mittel angemessen ist.
h) Die aus den aufgrund dieser Entscheidung eingeführten Pflanzkartoffeln erzeugten Kartoffeln werden nicht als Pflanzkartoffeln anerkannt und nur als Speisekartoffeln in Italien verwendet.
i) Gebäude, Behältnisse, Verpackungsmaterialien, Fahrzeuge und Anlagen zur innerbetrieblichen Beförderung, Sortierung und Aufbereitung, die mit den aufgrund dieser Entscheidung eingeführten Pflanzkartoffeln in Berührung gekommen sind, werden gereinigt und desinfiziert, bevor sie mit anderen Kartoffeln in Berührung gebracht werden.
Artikel 2
Italien übermittelt der Kommission und den anderen Mitgliedstaaten vor dem 1. Juni 1988 Angaben über die gemäß dieser Entscheidung eingeführten Mengen und einen ausführlichen technischen Bericht über die in Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe g) genannten amtlichen Untersuchungen. Abschriften aller Pflanzengesundheitszeugnisse werden der Kommission übermittelt.
Artikel 3
Die Genehmigung gemäß Artikel 1 gilt bis zum 31. März 1988. Sie wird widerrufen, wenn sich herausstellt, daß die in Artikel 1 Absatz 2 genannten Bedingungen die Einschleppung der betreffenden Schadorganismen nicht verhindern konnten oder daß sie nicht eingehalten worden sind. Sie kann vorzeitig widerrufen werden, falls sich Tatsachen ergeben, die dem ordnungsgemässen Funktionieren des Begriffs »geschlossene Zonen" in Polen entgegenstehen.
Artikel 4
Diese Entscheidung ist an die Italienische Republik gerichtet.
Brüssel, den 11. Februar 1988

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