Document ID: 31986R0421

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VERORDNUNG (EWG) Nr. 421/86 DER KOMMISSION
vom 25. Februar 1986
zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 771/74 und der Verordnung (EWG) Nr. 2188/84 durch Einführung eines gemeinschaftlichen Verfahrens zur Feststellung des Tetrahydrocannabinol-Gehalts in Hanf
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 1308/70 des Rates vom 29. Juni 1970 über die gemeinsame Marktorganisation für Flachs und Hanf (1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG) Nr. 1430/82 (2), insbesondere auf Artikel 4 Absatz 5,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 2059/84 des Rates vom 16. Juli 1984 zur Festlegung von Grundregeln für einschränkende Maßnahmen bei der Einfuhr von Hanf und Hanfsaaten und zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 619/71 hinsichtlich Hanf (3), insbesondere auf Artikel 4,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Nach Artikel 3 Absatz 1 der Verordnung (EWG) Nr. 619/71 des Rates (4), zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG) Nr. 2059/84, wird die Beihilfe nur gewährt, wenn der Hanf aus zertifiziertem Saatgut von Sorten stammt, bei denen festgestellt worden ist, daß der durchschnittliche Tetrahydrocannabinol-(THC-)Gehalt bestimmte annehmbare Grenzwerte nicht übersteigt. Artikel 6a der Verordnung (EWG) Nr. 771/74 der Kommission vom 29. März 1974 über die Bedingungen für die Beihilfe für Flachs und Hanf (5), zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG) Nr. 2188/84 (6), sieht insbesondere vor, daß die Feststellung des THC-Gehalts und die Probenahme für diese Feststellung zeitweilig und unter bestimmten Bedingungen nach einem Verfahren erfolgt, das die Mitgliedstaaten wählen können. In Anbetracht der Erfahrung ist ein einheitliches Verfahren für die ganze Gemeinschaft festzulegen und die Verordnung (EWG) Nr. 771/74 entsprechend anzupassen.
Nach Artikel 2 der Verordnung (EWG) Nr. 2059/84 darf Rohhanf ausserdem aus Drittländern nur eingeführt werden, wenn der Nachweis erbracht ist, daß sein Gehalt an THC bestimmte Grenzwerte nicht übersteigt. Artikel 2 Absatz 2 der Verordnung (EWG) Nr. 2188/84 schreibt vor, daß die Mitgliedstaaten bis zu einem gemeinschaftlichen Untersuchungsverfahren zur Feststellung des THC-Gewichts gegenüber dem von den Mitgliedstaaten bei der Einfuhr im Hinblick auf diese Feststellung genommenen Gewicht der repräsentativen Proben ein Verfahren eigener Wahl benutzen. In Anbetracht der Erfahrung ist nun ein solches gemeinschaftliches Untersuchungsverfahren festzulegen, indem die genannte Verordnung entsprechend geändert wird.
Die Ermittlung des D9-THC-Gehalts erweist sich als das geeignetste Verfahren, um den THC-Gehalt des Hanfs zu messen, denn das natürliche Isomer dieser Substanz überwiegt bei weitem und ist daher als repräsentativ für seinen gesamten THC-Gehalt anzusehen. Folglich ist dieses Verfahren zu wählen.
Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Verwaltungsausschusses für Flachs und Hanf -
HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Die Verordnung (EWG) Nr. 771/74 wird wie folgt geändert:
1. Artikel 6a erhält folgende Fassung:
»Artikel 6a
Die Feststellung des THC-Gehalts und die Probenahme für diese Feststellung erfolgen nach dem für die Gemeinschaft einheitlichen Verfahren gemäß Anhang C."
2. Folgender Anhang C wird angefügt:
»ANHANG C
GEMEINSCHAFTSVERFAHREN FÜR DIE MENGENMÄSSIGE BESTIMMUNG DES D 9 THC IN BESTIMMTEN HANFSORTEN
1. Gegenstand und Anwendungsbereich
Dieses Verfahren dient der Bestimmung des Gehalts an D9 Tetrahydrocannabinol (D9 THC) in Hanfsorten (cannabis sativa L.) zur Prüfung der Einhaltung der Bedingungen gemäß Artikel 3 Absatz 1 der Verordnung (EWG) Nr. 619/71.
2. Prinzip
Mengenmässige Bestimmung des D9 THC durch Gaschromatographie nach Extraktion durch ein geeignetes Lösungsmittel.
3. Geräte
- Gaschromatograph mit einem Flammenionisationsdetektor.
- Glassäule mit 2,50 m Länge und 3,2 mm Durchmesser (1,8 Zoll), gefuellt mit einer stationären Phase aus Phenyl-methyl-silicon (z. B. 3 %-OV 17), auf einem geeigneten Trägermaterial.
4. Entnahme und Verkleinerung der Probe
Entnahme
Aus einer Population einer bestimmten Hanfsorte werden an verschiedenen Stellen und unter Auslassung der Randstreifen 500 Pflanzen entnommen. Diese Entnahmen sind am hellen Tag und am Ende der Blüte vorzusehen.
Die Mischung aus diesen Entnahmen muß repräsentativ für die Partie sein.
Das erhaltene Material wird an der Luft getrocknet.
Verkleinerung
Die nach obiger Anweisung entnommene Probe wird auf eventuell 500 Pflanzen verkleinert; die verkleinerte Probe muß repräsentativ für die ursprünglich entnommene Probe sein.
Die verkleinerte Probe wird in zwei Laborproben aufgeteilt. Eine Probe wird dem mit der Bestimmung des D9-THC-Gehalts beauftragten Labaratorium übermittelt, die andere Probe dient der Durchführung einer etwaigen Gegenanalyse.
5. Reagenzien
- Petrolether (40/65°C) oder Lösungsmittel ähnlicher Polarität;
- D9 Tetrahydrocannabinol (D9 THC), chromatographisch rein;
- 0,1 %ige Ethanollösung (G/V) von Androsten-3,17-dion, chromatographisch rein.
6. Vorbereitung der Laborprobe
Von dem Pflanzenmaterial der eingegangenen Probe wird für die Bestimmung des D9-THC-Anteils das obere Drittel der Pflanzen entnommen. Von diesem Drittel sind die Stiele und Samen abzutrennen. Das so vorbereitete Pflanzenmaterial wird im Ofen bei einer Temperatur bis zu 40 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet.
7. Extraktion
Das gemäß obigem Punkt 6 entnommene Material wird zu halbfeinem Pulver zerkleinert (Sieb mit 1 000 Maschen je cm2).
2,0 g des gut gemischten Pulvers werden mit 30 bis 40 ml Petrolether (40-65 °C) extrahiert. Nach 24stuendiger Extraktion und einer Stunde mechanischen Schütteln wird filtriert. Der Bodensatz wird unter den gleichen Bedingungen noch zweimal extrahiert. Die Petroletherlösungen werden zur Trockne eingedampft. Den Rückstand mit 10,0 ml Petrolether aufnehmen. Der so zubereitete Auszug ist für die quantitative Gaschromatographie geeignet. 8. Quantitative Gaschromatographie
a) Vorbereitung der zu dosierenden Lösungen
Der mit 10,0 ml Petrolether aufgenommene Extraktionsrückstand wird einer quantitativen Analyse auf das in ihm enthaltene D9 THC unterzogen. Hierfür wird die Technik des internen Standards verwendet. Es werden die Peakflächen bestimmt. Das Ergebnis wird in Flächenprozent angegeben.
1,0 ml Petroletherlösung wird trocken verdampft. Der Rückstand wird mit 2,0 ml einer 0,1 %igen Ethanollösung von Androten-3,17-dion aufgenommen (interner Standard mit Retentionszeit deutlich über den Retentionszeiten der verschiedenen Cannabinoide und insbesondere rund doppelt so groß wie die Retentionszeit des D9 THC.
Standardisierungsbereiche:
0,10, 0,25, 0,50, 1,0 und 1,5 mg des D9 THC in 1 ml 0,1 %iger Ethanollösung von Androsten-3,17-dion.
b) Einstellungen des Gerätes
1.2 // Temperatur des Ofens: // 240 °C, // Temperatur des Injektors: // 280 °C, // Temperatur des Detektors: // 270 °C; // Stickstoff: // 25 ml/min, // Wasserstoff: // 25 ml/min, // Luftabgabe: // 300 ml/min;
Einspritzvolumen: 1 ml der Ethanollösung (siehe Punkt 8 Buchstabe a)).
Die relative Retentionszeit des D9 THC wird im Verhältnis zum Androsten errechnet.
9. Darstellung der Ergebnisse
Das Ergebnis wird in g D9 THC je 100 g Trockensubstanz der Laborprobe ausgedrückt, die bis zur Gewichtskonstanz getrocknet wurde.
Das Ergebnis lässt eine Toleranz von 0,03 g/100 g zu."
Artikel 2
Die Verordnung (EWG) Nr. 2188/84 wird wie folgt geändert:
1. In Artikel 2 Absatz 2 erhält der dritte Unterabsatz folgende Fassung:
»Die Feststellung des THC-Gewichts gegenüber dem Probengewicht erfolgt nach dem für die Gemeinschaft einheitlichen Verfahren, das im Anhang vorgesehen ist.
2. Folgender Anhang wird angefügt:
»ANHANG
GEMEINSCHAFTSVERFAHREN FÜR DIE MENGENMÄSSIGE BESTIMMUNG DES D 9 THC IN UNVERARBEITETEM HANF
1. Gegenstand und Anwendungsbereich
Dieses Verfahren dient der Bestimmung des Gehalts an D9 Tetrahydrocannabinol (D9 THC) in unverarbeitetem Hanf (cannabis sativa L.) zur Prüfung der Einhaltung der Bedingungen gemäß Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2059/84.
2. Prinzip
Quantitative Bestimmung des D9 THC durch Gaschromatographie nach Extraktion durch ein geeignetes Lösungsmittel. 3. Geräte
- Gaschromatograph mit einem Flammenionisationsdetektor.
- Glassäule mit 2,50 m Länge und 3,2 mm Durchmesser (1/8 Zoll), gefuellt mit einer stationären Phase aus Phenyl-methyl-silicon (z. B. 3 %-OV 17), auf einem geeigneten Trägermaterial.
4. Entnahme und Verkleinerung der Probe
Entnahme
In der Masse eines einzuführenden Erzeugnisses werden mindestens fünf Elementarentnahmen durchgeführt. Diese Entnahmen werden an verschiedenen Stellen der zu prüfenden Partie ausgeführt. Jede wiegt mindestens 1 000 g.
Die Mischung aus diesen Entnahmen muß repräsentativ für die Partie sein.
Verkleinerung
Die nach obiger Anweisung entnommene Probe wird auf 1 000 Gramm verkleinert; die verkleinerte Probe muß repräsentativ für die ursprünglich entnommene Probe sein. Feuchtes Material ist an der Luft zu trockenen.
Die verkleinerte Probe wird in zwei Laborproben aufgeteilt. Eine Probe wird dem mit der Bestimmung des D9-THC-Gehalts beauftragten Laboratorium übermittelt, die andere Probe dient der Durchführung einer etwaigen Gegenanalyse.
5. Reagenzien
- Petrolether (40/65 °C) oder Lösungsmittel ähnlicher Polarität,
- D9 Tetrahydrocannabinol (D9 THC), chromatographisch rein,
- 0,1 %ige Ethanollösung (G/V) von Androten-3,17-dion, chromatographisch rein.
6. Vorbereitung der Laborprobe
Von dem Pflanzenmaterial der eingegangenen Probe wird für die Bestimmung des D9-THC-Anteils das obere Drittel der Pflanzen oder - falls dieses Drittel nicht getrennt werden kann - die gesamten Pflanzen entnommen. Von diesem Drittel oder diesen Pflanzen sind die Stiele und Samen abzutrennen. Das so vorbereitete Pflanzenmaterial wird im Ofen bei Temperaturen bis zu 40 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet.
7. Extraktion
Das gemäß obigem Punkt 6 entnommene Material wird zu halbfeinem Pulver zerkleinert (Sieb mit 1 000 Maschen je cm2).
2,0 des gut gemischten Pulvers werden mit 30 bis 40 ml Petrolether (40-65 °C) extrahiert. Nach 24stuendiger Extraktion und einer Stunde mechanischen Schüttelns wird filtriert. Der Bodensatz wird unter den gleichen Bedingungen noch zweimal extrahiert. Die Petroletherlösungen werden bis zur Trockne eingedampft. Den Rückstand mit 10,0 ml Petrolether aufnehmen. Der so zubereitete Auszug ist für die quantitative Gaschromatographie geeignet.
8. Quantitative Gaschromatographie
a) Vorbereitung der zu dosierenden Lösungen
Der mit 10,0 ml Petrolether aufgenommene Extraktionsrückstand wird einer quantitativen Analyse auf das in ihm enthaltene D9 THC unterzogen. Hierfür wird die Technik des internen Standards verwendet. Es werden die Peakflächen bestimmt. Das Ergebnis wird in Flächenprozent angegeben. 1,0 ml Petroletherlösung wird bis zur Trockne verdampft. Der Rückstand wird mit 2,0 ml einer 0,1 %igen Ethanollösung von Androsten-3,17-dion aufgenommen (interner Standard mit Retentionszeit deutlich über den Retentionszeiten der verschiedenen Cannabinoide und insbesondere rund doppelt so groß wie die Retentionszeit des D9 THC.
Standardisierungsbereiche:
0,10 0,25, 0,50, 1,0 und 1,5 mg des D9 THC in 1 ml 0,1 %iger Ethanollösung von Androsten-3,17-dion.
b) Einstellungen des Gerätes
1.2 // Temperatur des Ofens: // 240 °C, // Temperatur des Injektors: // 280 °C, // Temperatur des Detektors: // 270 °C; // Stickstoff: // 25 ml/min, // Wasserstoff: // 25 ml/min, // Luftabgabe: // 300 ml/min;
Einspritzvolumen: 1 ml der Ethanollösung (siehe Punkt 8 Buchstabe a)).
Die relative Retentionszeit des D9 THC wird im Verhältnis zum Androsten errechnet.
9. Darstellung der Ergebnisse
Das Ergebnis wird in g D9 THC je 100 g Trockensubstanz der Laborprobe ausgedrückt, die bis zur Gewichtskonstanz getrocknet wurde.
Das Ergebnis lässt eine Toleranz von 0,03 g/100 g zu."
Artikel 3
Diese Verordnung tritt am dritten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Kraft.
Sie gilt ab 1. Juli 1986.
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.
Brüssel, den 25. Februar 1986

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