Document ID: 32003D0678

Entscheidung der Kommission
vom 24. September 2003
über eine erste Finanzhilfe der Gemeinschaft zu den beihilfefähigen Kosten der Tilgung der Gefluegelpest in den Niederlanden im Jahr 2003
(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 3327)
(Nur die niederländische Text ist verbindlich)
(2003/678/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Entscheidung 90/424/EWG des Rates vom 26. Juni 1990 über bestimmte Ausgaben im Veterinärbereich(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 806/2003(2) des Rates, insbesondere auf Artikel 3 Absatz 3 und Artikel 5 Absatz 3,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Sobald die Gefluegelpest im Jahr 2003 amtlich bestätigt war, berichteten die Niederlande, dass sie die im Falle eines Ausbruchs dieser Krankheit zu treffenden Bekämpfungsmaßnahmen gemäß der Richtlinie 92/40/EWG vom 19. Mai 1992 mit Gemeinschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung der Gefluegelpest(3), zuletzt geändert durch die Akte über den Beitritt Österreichs, Finnlands und Schwedens, unverzüglich eingeleitet hätten, wie es erforderlich ist, um gemäß der Entscheidung 90/424/EWG eine Finanzhilfe der Gemeinschaft für die Tilgung dieser Krankheit zu erhalten.
(2) Die Gefluegelpest stellt eine ernste Gefahr für die Bestände in der Gemeinschaft dar. Um zu verhindern, dass diese Krankheit sich ausbreitet, und um einen Beitrag zu ihrer Tilgung zu leisten, sollte die Gemeinschaft einen Beitrag zu den den Niederlanden entstandenen beihilfefähigen Ausgaben leisten. Daher ist es angezeigt, dass den Niederlanden gemäß der Entscheidung 90/424/EWG zur Deckung der Kosten in Zusammenhang mit dem Ausbruch der Gefluegelpest im Jahr 2003 eine Finanzhilfe der Gemeinschaft gewährt wird.
(3) Die Begriffe "zügige, angemessene Entschädigung der Tierhalter" und "Kosten für Vernichtung, Reinigung, Desinfizierung und Ungezieferbekämpfung", die in Artikel 3 Absatz 2 der Entscheidung 90/424/EWG verwendet werden, sowie die in der vorliegenden Entscheidung verwendeten Begriffe "angemessene Zahlungen" und "berechtigte Zahlungen" sind klarzustellen.
(4) Am 23. April 2003 legten die Niederlande Tabellen mit den Werten verschiedener Gefluegelarten und Eier vor. Diese Werte dienen als Grundlage für die Berechnung der beihilfefähigen Entschädigungen der Tierhalter. Sie können abhängig von der Preisentwicklung in den Niederlanden und in den umliegenden Mitgliedstaaten regelmäßig angepasst werden.
(5) Gemäß Artikel 3 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 1258/1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik(4) werden in Übereinstimmung mit den Gemeinschaftsvorschriften durchgeführte Veterinär- und Pflanzenschutzmaßnahmen aus der Abteilung Garantie des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft finanziert. Zum Zwecke der Finanzkontrolle gelten die Artikel 8 und 9 der Verordnung (EG) Nr. 1258/1999.
(6) Angesichts der Haushaltslage des Notfonds zum jetzigen Zeitpunkt im Geschäftsjahr 2003 und angesichts der Ungewissheit über den endgültigen für die Entschädigungen im Rahmen des Ausbruchs der Krankheit erforderlichen beihilfefähigen Betrag sollte die Finanzhilfe zum jetzigen Zeitpunkt auf einen Vorschuss begrenzt werden, der 50 % der im März und April 2003 entstandenen beihilfefähigen Kosten für die obligatorische Keulung der Tiere und die obligatorische Vernichtung der Eier abdeckt.
(7) Die Finanzhilfe der Gemeinschaft sollte unter der Voraussetzung geleistet werden, dass die geplanten Maßnahmen effizient durchgeführt werden und die Behörden alle erforderlichen Informationen innerhalb der in dieser Entscheidung festgelegten Frist liefern.
(8) Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit -
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN
Artikel 1
Zahlung einer Finanzhilfe der Gemeinschaft an die Niederlande
Die Niederlande können eine Finanzhilfe der Gemeinschaft in Höhe von 50 % der beihilfefähigen Ausgaben erhalten für:
a) die zügige, angemessene Entschädigung der Besitzer nach der Keulung ihrer Tiere und Vernichtung ihrer Eier gemäß Artikel 5 der Richtlinie 92/40/EWG und Artikel 10 der Richtlinie 90/425/EWG des Rates(5) im Rahmen der obligatorischen Tilgungsmaßnahmen in Zusammenhang mit Ausbrüchen der Gefluegelpest im Jahr 2003 gemäß Artikel 3 Absatz 2 erster und siebter Gedankenstrich der Entscheidung 90/424/EWG und in Übereinstimmung mit der vorliegenden Entscheidung;
b) die Kosten für die Vernichtung der Tierkörper, der Eier, der kontaminierten Futtermittel und der Ausstattung, der Reinigung, Ungezieferbekämpfung und Desinfizierung der Betriebe und der Ausstattung gemäß den Bestimmungen von Artikel 3 Absatz 2 erster, zweiter und dritter Gedankenstrich der Entscheidung 90/424/EWG des Rates und in Übereinstimmung mit der vorliegenden Entscheidung.
Artikel 2
Definitionen
Für die Zwecke dieser Entscheidung gelten folgende Definitionen:
a) "zügige, angemessene Entschädigung": Zahlung innerhalb von 90 Tagen:
- nach Keulung der Tiere für die Entschädigung in Höhe des Marktwerts gemäß Artikel 3 Absatz 1,
- nach Vernichtung der Eier für die Entschädigung in Höhe des Marktwerts gemäß Artikel 3 Absatz 1;
b) "angemessene Zahlungen": Zahlungen für den Kauf von Material oder Dienstleistungen zu Preisen, die im Verhältnis zu den Marktpreisen vor dem Ausbruch der Gefluegelpest stehen;
c) "berechtigte Zahlungen": Zahlungen für den Kauf von Material oder Dienstleistungen, deren Art und direkte Verbindung mit der obligatorischen Schlachtung von Tieren oder der Vernichtung von Eiern gemäß Artikel 1 Buchstabe a) nachgewiesen wird.
Artikel 3
Ausgaben, für die eine Finanzhilfe der Gemeinschaft gewährt wird
(1) Der Hoechstbetrag der für die Entschädigung der Eigentümer der Tiere und der Eier entstandenen beihilfefähigen Ausgaben berechnet sich auf der Grundlage der von den Niederlanden am 23. April 2003 vorgelegten Zahlen über den Marktwert der verschiedenen Gefluegelarten und Eier zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Lebenskreislauf. Sind jedoch die tatsächlich von den Niederlanden gezahlten Entschädigungen auf einen bestimmten Teil dieses Marktwerts beschränkt, sind die beihilfefähigen Erstattungsausgaben auf der Grundlage dieses Teils zu berechnen.
(2) Auf Ersuchen der niederländischen Behörden kann mit entsprechender Begründung gemäß dem Verfahren des Artikels 41 der Entscheidung 90/424/EWG entschieden werden, die Berechnung der beihilfefähigen Ausgaben anzupassen, um die Entwicklung der entsprechenden Preisindizes für Gefluegel und Eier in den Niederlanden und in den umliegenden Mitgliedstaaten zu berücksichtigen.
(3) Werden die Entschädigungen von den Niederlanden gemäß Artikel 1 Buchstabe a) nach der in Artikel 2 Buchstabe a) festgelegten Frist von 90 Tagen gezahlt, werden die beihilfefähigen Beträge für die nach der Frist getätigten Ausgaben wie folgt gekürzt:
- um 25 % für Zahlungen, die zwischen 91 und 105 Tagen nach der Keulung der Tiere oder der Vernichtung der Eier erfolgten;
- um 50 % für Zahlungen, die zwischen 106 und 120 Tagen nach der Keulung der Tiere oder der Vernichtung der Eier erfolgten;
- um 75 % für Zahlungen, die zwischen 121 und 135 Tagen nach der Keulung der Tiere oder der Vernichtung der Eier erfolgten;
- um 100 % für Zahlungen, die 136 Tage nach der Keulung der Tiere oder der Vernichtung der Eier oder später erfolgten.
Treten jedoch bei der Verwaltung bestimmter Maßnahmen besondere Umstände ein oder werden von den Niederlanden stichhaltige Begründungen beigebracht, so wendet die Kommission eine abweichende Staffelung und/oder geringere Kürzungsprozentsätze bzw. einen Nullprozentsatz an.
(4) Bei den in Artikel 1 Buchstabe b) genannten Kosten, die für eine Finanzhilfe in Frage kommen, handelt es sich nur um die in Anhang III aufgeführten Kosten.
(5) Die Finanzhilfe der Gemeinschaft wird nicht gewährt für:
a) Mehrwertsteuer,
b) Beamtengehälter,
c) Verwendung von anderem öffentlichen Material als Verbrauchsmaterial.
Artikel 4
Bedingungen für die Zahlung und Nachweise
(1) Abhängig von den Ergebnissen möglicher Inspektionen gemäß Artikel 5 wird auf der Grundlage von durch die Niederlande vorgelegten Nachweisen für die zügige, angemessene Entschädigung von Eigentümern nach der obligatorischen Keulung der Tiere und der obligatorischen Vernichtung der Eier im März und April 2003 gemäß Artikel 5 der Richtlinie 92/40/EWG und Artikel 10 der Richtlinie 90/425/EWG ein Vorschuss von 10000000 EUR gezahlt.
(2) Der Rest der Finanzhilfe der Gemeinschaft wird nach dem Verfahren des Artikels 41 der Entscheidung 90/424/EWG des Rates auf folgender Grundlage festgelegt:
a) Geltendmachung eines Anspruchs gemäß Anhang I A, I B und II innerhalb der in Absatz 3 vorgesehenen Frist;
b) ausführliche Belege, welche die in dem Anspruch nach Buchstabe a) genannten Beträge bestätigen;
c) Ergebnisse der möglicherweise durchzuführenden Vor-Ort-Inspektionen der Kommission gemäß Artikel 5.
Die unter Buchstabe b) genannten Belege sowie entsprechende Handelsinformationen sind für Vor-Ort-Inspektionen der Kommission zur Verfügung zu stellen.
(3) Der in Absatz 2 Buchstabe a) genannte Anspruch ist in elektronischer Form vorzulegen gemäß:
- Anhang I A und Anhang I B, 60 Kalendertage nach Abschluss der in der Entscheidung 2003/428/EG der Kommission(6) vorgesehenen Maßnahmen
- Anhang II innerhalb von 6 Monaten nach dem im ersten Gedankenstrich genannten Datum.
Werden diese Fristen nicht eingehalten, so wird die Finanzhilfe der Gemeinschaft je Monat Verspätung um 25 % gekürzt.
Auf begründeten Antrag der Niederlande kann die Kommission jedoch den im zweiten Gedankenstrich genannten Zeitraum von 6 Monaten verlängern.
Artikel 5
Vor-Ort-Inspektionen der Kommission
Die Kommission kann in Zusammenarbeit mit den zuständigen nationalen Behörden Vor-Ort-Inspektionen vornehmen, um die Durchführung der Maßnahmen zur Tilgung der Gefluegelpest sowie die in diesem Zusammenhang entstandenen Kosten zu überprüfen.
Artikel 6
Adressaten
Diese Entscheidung ist an das Königreich der Niederlande gerichtet.
Brüssel, den 24. September 2003

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