Document ID: 31993R0797

VERORDNUNG (EWG) Nr. 797/93 DER KOMMISSION vom 30. März 1993 zur Einführung eines vorläufigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren von Ferrochrom mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,5 GHT oder weniger (kohlenstoffarmes Ferrochrom) mit Ursprung in Kasachstan, Rußland und der Ukraine
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 des Rates vom 11. Juli 1988 über den Schutz gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehörenden Ländern (1), insbesondere auf Artikel 11,
nach Konsultationen in dem mit der vorgenannten Verordnung eingesetzten Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe:
A. VERFAHREN
(1) Die Kommission erhielt im Juni 1992 einen Antrag des Comité de Liaison des Industries de Ferro-Alliages de la Communauté Économique Européenne im Namen des einzigen Gemeinschaftsherstellers von kohlenstoffarmem Ferrochrom. Der Antrag enthielt Beweise für das Vorliegen von Dumping bei der betreffenden Ware und für eine dadurch verursachte bedeutende Schädigung. Diese wurden als ausreichend angesehen, um die Einleitung eines Verfahrens zu rechtfertigen.
(2) Die Kommission veröffentlichte daraufhin im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (2) eine Bekanntmachung über die Einleitung eines Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von kohlenstoffarmem Ferrochrom der KN-Codes 7202 49 10 und 7202 49 50 mit Ursprung in Kasachstan, Rußland und der Ukraine und leitete eine Untersuchung ein.
(3) Die Kommission unterrichtete davon offiziell die bekanntermassen betroffenen Ausführer und Einführer, die Vertreter der Ausfuhrländer und den Antragsteller. Sie gab den unmittelbar betroffenen Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen.
(4) Sieben Unternehmen, denen ein Fragebogen für Einführer zugesandt worden war, beantworteten diesen fristgerecht, jedoch nur eines erklärte, daß es die betreffende Ware importierte. Da diese Importe im Vergleich zu den Gesamtimporten gering waren, konnten sie für die fraglichen Exporte nicht als repräsentativ angesehen werden. Von den sechs Unternehmen, denen der Fragebogen für Ausführer zugesandt worden war, antwortete nur eines, machte jedoch keine näheren Angaben zu seinen Exporten in die Gemeinschaft. Mehrere Verbände, die Einführer, Händler und Verbraucher von kohlenstoffarmem Ferrochrom vertreten, stellten einen Antrag auf Anhörung, dem stattgegeben wurde.
(5) Wegen der fehlenden Bereitschaft zur Mitarbeit konnte die Kommission für ihre vorläufige Sachaufklärung nur die Handelsstatistiken der Gemeinschaft, gewisse Informationen der interessierten Parteien und die Angaben des Gemeinschaftsherstellers Elektrowerk Weisweiler GmbH, Eschweiler, Deutschland, verwenden, die in den Betrieben dieses Unternehmens nachgeprüft worden waren.
(6) Die Dumpinguntersuchung betraf den Zeitraum vom 1. Juli 1991 bis 30. Juni 1992 (Untersuchungszeitraum).
B. WARE - GLEICHARTIGE WARE
1. Ursprung der eingeführten Ware (7) Die drei Exportländer gehörten früher zur Sowjetunion und errangen Anfang 1992 die Unabhängigkeit. Diese Situation spiegelt sich noch nicht in den Einfuhrstatistiken der Gemeinschaft wider, in denen sich die Zahlen für den Untersuchungszeitraum nach wie vor auf die ehemalige Sowjetunion beziehen. Da der Kommission kein anderer Hersteller ausserhalb Kasachstans, Rußlands und der Ukraine im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion bekannt ist und keine interessierte Partei entsprechende Informationen vorlegen konnte, wurde vorläufig davon ausgegangen, daß die Einfuhren aus der ehemaligen Sowjetunion ihren Ursprung in den drei betroffenen Staaten haben.
2. Warenbeschreibung (8) Ferrochrom mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,5 GHT oder weniger (kohlenstoffarmes Ferrochrom) ist eine Legierung aus Eisen und Chrom, die durch Reduzierung der Chromerze mit Silicon und/oder Kohlenstoff im Lichtbogenofen gewonnen wird. Der Produktionsprozeß umfasst zwei (manchmal auch drei) Phasen, und der Chromgehalt der Legierung variiert je nach Art des verwendeten Erzes. Der Kohlenstoffgehalt wird durch die während der zweiten Phase des Produktionsprozesses zugefügten Stoffe bestimmt.
Der Kohlenstoffgehalt der Slabs am Ende des Mischprozesses schwankt erheblich, und die Slabs, die in der Folge in verschiedene Grössen gebrochen werden, werden daher nach ihrem Kohlenstoffgehalt eingestuft.
Die Preise für kohlenstoffarmes Ferrochrom werden normalerweise in einem Wert je Kilogramm Chrom, das in der Legierung enthalten ist, ausgedrückt und variieren wegen des unterschiedlichen Kohlenstoffgehalts (je niedriger der Kohlenstoffgehalt, desto höher die Preise). Diese Preisdifferenz wird nicht durch unterschiedliche Produktionskosten hervorgerufen, die praktisch für alle Arten von Ferrochrom mit einem Kohlenstoffgehalt unter 0,5 % die gleichen sind, sondern stellt eine Prämie für das Know-how des Herstellers dar und spiegelt die Kosteneinsparungen für den Verbraucher der Ware wider, da die Verwendung von Ferrochrom mit einem höheren Kohlenstoffgehalt eine weitere Bearbeitung der Ware erfordert.
(9) Kohlenstoffarmes Ferrochrom wird hauptsächlich zur Herstellung von hochfesten Baustählen bzw. hitze- und säurebeständigen Stählen mit hohem Chromgehalt verwendet. Es wird auch zur Regulierung des Chromgehalts in nichtrostenden Stählen eingesetzt und muß immer da für Stahl verwendet werden, aus wo anlagetechnischen Gründen die Entfernung des Kohlenstoffs während der Stahlgewinnung nicht möglich ist. Diese verschiedenen Verwendungsarten von kohlenstoffarmem Ferrochrom hängen jedoch nicht mit dem genauen Kohlenstoffgehalt zusammen, und Waren mit sehr unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt sind weitgehend austauschbar.
(10) Eine der interessierten Parteien meinte, daß wegen der Preisunterschiede je nach dem Kohlenstoffgehalt kohlenstoffarmes Ferrochrom nicht als eine einzige Ware angesehen werden könne.
Angesichts der unabhängig von den Preisunterschieden hohen Austauschbarkeit der Ware kam die Kommission jedoch vorläufig zu dem Schluß, daß die verschiedenen Qualitäten von kohlenstoffarmem Ferrochrom gleichartig genug waren, um eine einzige Ware zu bilden.
3. Gleichartige Ware (11) Die oben dargelegten Fakten gelten nicht nur für die aus den betroffenen Ländern eingeführten, sondern auch für die in der Gemeinschaft und in anderen Drittländern hergestellten Waren. Die Kommission kommt daher zu dem Schluß, daß das in der Gemeinschaft und anderswo hergestellte kohlenstoffarme Ferrochrom die gleichen grundlegenden chemischen und materiellen Eigenschaften aufweist und hinreichend gleichartig ist, um im Sinne von Artikel 2 Absatz 12 der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 eine gleichartige Ware darzustellen.
C. WIRTSCHAFTSZWEIG DER GEMEINSCHAFT
(12) Im Untersuchungszeitraum war die Elektrowerk Weisweiler GmbH der einzige Gemeinschaftshersteller der betreffenden Ware. Zwei andere Gemeinschaftshersteller, Falk in Italien und Lippendorf in Deutschland, mussten zwischen 1988 und dem Beginn des Untersuchungszeitraums ihre Produktion einstellen.
(13) Eine der interessierten Parteien behauptete, der Antragsteller oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen hätten kohlenstoffarmes Ferrochrom aus den betreffenden Ländern importiert, und verlangte, der Antragsteller sollte deshalb gemäß Artikel 4 Absatz 5 der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 aus dem Wirtschaftszweig der Gemeinschaft ausgeklammert werden. Diese Partei war jedoch nicht in der Lage, Beweise für diese Behauptung vorzulegen; auch während der Untersuchung wurden keine derartigen Beweise ermittelt.
D. DUMPING
1. Normalwert (14) Da alle drei Länder keine Marktwirtschaftsländer sind, musste der Normalwert nach Artikel 2 Absatz 5 der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 anhand der Zahlen für ein Drittland mit Marktwirtschaft (Vergleichsland) oder, falls keine brauchbaren Zahlenangaben vorliegen, auf der Grundlage der in der Gemeinschaft gezahlten oder zu zahlenden Preise ermittelt werden. Als Vergleichsland schlug der Antragsteller Südafrika vor. Die Kommission sandte dem südafrikanischen Hersteller von Ferrochrom einen Fragebogen zu, den dieser trotz mehrerer Ersuchen der Kommission nicht beantwortete. Die Kommission wandte sich daraufhin an einen Hersteller von Ferrochrom in Simbabwe, der aber ebenfalls nicht antwortete.
(15) Unter diesen Umständen und angesichts der schwierigen Situation des Gemeinschaftsherstellers beschloß die Kommission, das Verfahren nicht weiter hinauszuzögern und den Normalwert vorläufig anhand der ihr vorliegenden Zahlen zu ermitteln. Das sind die Produktionskosten des südafrikanischen Herstellers von kohlenstoffarmem Ferrochrom, wie sie von dem Antragsteller angegeben wurden, zuzueglich einer Gewinnspanne von 5 %. Da auf dem südafrikanischen Markt der Zugang zu den Rohstoffen und die Wettbewerbssituation vergleichbar waren, was garantiert, daß Preise und Kosten angemessen und nicht unvernünftig sind, vertrat die Kommission die Auffassung, daß Südafrika als Vergleichsland gewählt werden konnte. Die Kommission weist darauf hin, daß die Heranziehung der Preise in der Gemeinschaft zu einem weniger günstigen Ergebnis für die betroffenen Ausführer geführt hätte.
Da eine der interessierten Parteien behauptete, das aus den fraglichen Ländern exportierte Ferrochrom sei nicht in spezifische Grössen gebrochen, ließ die Kommission die Kosten für das Brechen der Ware bei ihrer vorläufigen Berechnung des Normalwertes unberücksichtigt.
2. Ausfuhrpreis (16) Da kein Ausführer zur Mitarbeit bereit war, legte die Kommission bei der Berechnung der Ausfuhrpreise den durchschnittlichen Einfuhrpreis zugrunde, wie er sich aus den EG-Handelsstatistiken ergab. Wie oben dargelegt (Randnummer 7), wurde in diesen Statistiken zwischen den fraglichen Ländern keine Unterscheidung getroffen. Die Kommissionsdienststellen mussten daher für ihre vorläufige Sachaufklärung für alle drei Länder den gleichen Ausfuhrpreis wählen.
3. Vergleich (17) Da Ferrochrom normalerweise zu einem Preis verkauft wird, der sich auf den Chromgehalt stützt (Randnummer 8), verglich die Kommission den Normalwert und die Ausfuhrpreise auf der Basis des Nettochromgehalts der entsprechenden Ware. Zu diesem Zweck ging sie im Fall der exportierten Waren von einem Chromgehalt von 68 % und im Falle der südafrikanischen Ware von 59 % aus. Dies gilt in diesem Industriezweig für jede dieser Waren als angemessener Anteil.
(18) Um den Normalwert auf der Stufe ab Werk vorläufig zu ermitteln und etwaige Unterschiede in den Preisbedingungen und den Transportkosten auszuschließen, ließ die Kommission die in den Produktionskosten des südafrikanischen Herstellers enthaltenen Transport- und Finanzierungskosten unberücksichtigt und berichtigte den Ausfuhrpreis auf der Stufe fob um einen angemessenen Betrag für den Transport.
4. Dumpingspanne (19) Der Vergleich des durchschnittlichen monatlichen Ausfuhrpreises mit dem Normalwert ergab, daß bei kohlenstoffarmem Ferrochrom mit Ursprung in Kasachstan, Rußland und der Ukraine Dumping vorlag, wobei die Dumpingspanne dem Betrag entsprach, um den der Normalwert den Preis bei der Ausfuhr in die Gemeinschaft überstieg.
(20) Die Dumpingspanne beträgt 0,406 ECU/kg Chromgehalt der exportierten Ware, was 0,276 ECU je kg kohlenstoffarmes Ferrochrom und 41,3 % des cif-Wertes frei Grenze der Gemeinschaft entspricht.
E. SCHÄDIGUNG
1. Schadensfaktoren 1.1. Entwicklung der Einfuhrmengen und der Marktanteile (21) Die Einfuhren aus den fraglichen Ländern stiegen von 4 553 Tonnen 1988 auf 6 772 Tonnen 1990 und 11 748 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Der Marktanteil erhöhte sich dementsprechend von 7,6 % 1988 auf 10,7 % 1990 und 18,3 % im Untersuchungszeitraum.
1.2. Verkäufe und Marktanteile der Gemeinschaftsindustrie (22) Trotz eines geringen Verbrauchsanstiegs in der Gemeinschaft von 59 730 Tonnen 1988 auf 63 442 Tonnen 1990 und 64 166 Tonnen im Untersuchungszeitraum gingen die Verkäufe des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zurück, und zwar von 19 254 Tonnen 1988 auf 14 554 Tonnen 1990 und 10 362 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Gleichzeitig verringerte sich sein Marktanteil von 32,2 % 1988 auf 22,9 % 1990 und 16,2 % im Untersuchungszeitraum.
(23) Dieser Absatz- und Marktanteilrückgang war zum Teil darauf zurückzuführen, daß ein italienischer und ein deutscher Hersteller die Produktion Ende 1990 eingestellt hatten (Randnummer 12). Der verbleibende Gemeinschaftshersteller war jedoch nicht in der Lage, davon zu profitieren, da sein Absatz zwischen 1990 und dem Untersuchungszeitraum stark zurückging und sein Marktanteil sich in der gleichen Zeit erheblich verminderte.
1.3. Preisunterbietung (24) Um festzustellen, ob eine Preisunterbietung vorlag, verglich die Kommission die Verkaufspreise des Gemeinschaftsherstellers nach Abzug der Kosten für das Brechen der Ware (Randnummer 15) mit den durchschnittlichen Einfuhrpreisen aus den betroffenen Ländern, die sie nach oben um 8 % für den Einfuhrzoll und für eine Spanne des Einführers von etwa 20 % des Wertes einschließlich Zoll berichtigte. Auf dieser Grundlage ergab der Vergleich eine Preisunterbietung von 0,53 ECU je kg Chrom, die 54 % des cif-Preises frei Grenze der Gemeinschaft entspricht.
1.4. Gewinne und Preise des Gemeinschaftsherstellers (25) Die Geschäftsergebnisse des Gemeinschaftsherstellers in der EG, die 1988 noch einen geringfügigen Gewinn auswiesen, ergaben bereits 1990 einen geringfügigen Verlust und einen hohen Verlust im Untersuchungszeitraum.
(26) Die Untersuchung ergab, daß die Preise des Gemeinschaftsherstellers auf seinen wichtigsten Absatzmärkten im Untersuchungszeitraum ständig fielen. Der durchschnittliche Preisverfall zwischen Juli 1991 und Juni 1992 betrug 15 %.
1.5. Lagerbestände (27) Die Bestände des Gemeinschaftsherstellers gingen zwischen dem Ende des Geschäftsjahres 1988 und Ende 1990 um 33 Indexpunkte zurück (Index 1988 = 100) und stiegen von da an bis zum Ende des Untersuchungszeitraums um 66 Indexpunkte.
1.6. Beschäftigung (28) Der Gemeinschaftshersteller verringerte seinen Personalbestand zwischen Ende 1988 und Ende 1990 um 6 % und bis zum Ende des Untersuchungszeitraums um weitere 4 %.
2. Schlußfolgerung zu der Schädigung (29) Unter Berücksichtigung der Absatz- und Marktanteileinbussen, in Verbindung mit den wachsenden Lagerbeständen und der Preiserosion, die zu einer Verschlechterung der Umsatzgewinne in der EG führten, kam die Kommission vorläufig zu dem Schluß, daß dem Gemeinschaftshersteller ein erheblicher Schaden zugefügt worden war.
3. Ursächlicher Zusammenhang 3.1. Auswirkungen der Einfuhren (30) Angesichts des erheblichen Anstiegs der Mengen und des Marktanteils, zusammen mit der hohen Preisunterbietung, die bei einem transparenten Markt mit einer begrenzten Bieterzahl den Gemeinschaftshersteller in eine schwierige Wettbewerbslage brachte, kam die Kommission zu dem Ergebnis, daß die fraglichen Einfuhren dem Wirtschaftszweig der Gemeinschaft Schaden zugefügt hatten.
3.2. Andere Faktoren (31) Eine der interessierten Parteien behauptete, die Schädigung des Gemeinschaftsherstellers sei den Importen aus Südafrika und Simbabwe zuzuschreiben, da die Hersteller in diesen Ländern vergleichsweise Vorteile beim Bezug von Rohstoffen und Energie und bei den Lohnkosten besässen.
(32) Die Einfuhrstatistiken der EG bestätigen diese Behauptung jedoch nicht, denn die Importe aus Südafrika fielen von 8 377 Tonnen 1988 auf 5 906 Tonnen 1990 und 5 475 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Diejenigen aus Simbabwe erhöhten sich zunächst von 12 201 Tonnen 1988 auf 16 237 Tonnen 1990, fielen aber dann ebenfalls auf 10 813 Tonnen im Untersuchungszeitraum. Dementsprechend verringerten sich auch die Marktanteile dieser Länder.
(33) Ausserdem zeigte ein Vergleich der Einfuhrpreise mit den Preisen des Gemeinschaftsherstellers auf der unter Randnummer 24 beschriebenen Basis (aber ohne Anpassung für das Brechen), daß bei den Importen aus Südafrika eine Preisunterbietung und bei denjenigen aus Simbabwe nur eine begrenzte Preisunterbietung von 6,7 % vorlag.
(34) Ferner wurde geltend gemacht, der Gemeinschaftshersteller hätte unter der veränderten Technologie in der Produktion von nichtrostendem Stahl gelitten, die zu einem Rückgang des Verbrauchs an kohlenstoffarmem Ferrochrom in der Gemeinschaft geführt hätte. Diese Behauptung wurde durch die Untersuchung der Kommission nicht bestätigt, die vielmehr einen leichten Anstieg des Verbrauchs seit 1988 zeigte.
(35) Im Falle der Importe aus anderen Drittländern stellte die Kommission fest, daß diese Importe insgesamt erheblich zunahmen. Jedoch war es nicht möglich, einen wesentlichen Teil davon bestimmten Ländern zuzuweisen, da entsprechend den Anträgen der betroffenen Einführer in den Handelsstatistiken der Gemeinschaft unter Herkunftsland "Geheim" steht. Beim Vergleich der durchschnittlichen Einfuhrpreise dieser Mengen mit denjenigen aus den drei betroffenen Ländern stellte die Kommission eine gewisse Ähnlichkeit in den Preisniveaus fest. Ausserdem wurde festgestellt, daß in den Mitgliedstaaten, in denen die "geheimen Einfuhren" hoch waren, aus den fraglichen Ländern keine Importe ausgewiesen wurden.
Daher lässt sich nicht ausschließen, daß erhebliche Mengen "geheimer" Importe aus diesen Ländern stammen, wodurch sich die Menge und der Marktanteil der gedumpten Einfuhren erhöhen würden. Die übrigen Importe aus Drittländern erreichen am Gemeinschaftsmarkt einen Anteil von nur 10 %. Diese Importe können zwar ebenfalls zu den Schwierigkeiten des Gemeinschaftsherstellers beigetragen haben; dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Schädigung durch die gedumpten Einfuhren für sich genommen wegen ihres wachsenden Marktanteils und ihrer niedrigen Preise als bedeutend zu bezeichnen ist.
3.3. Schlußfolgerung (36) Unter diesen Umständen kommt die Kommission vorläufig zu dem Schluß, daß durch die gedumpten Einfuhren aus Kasachstan, Rußland und der Ukraine der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft einen erheblichen Schaden erlitten hat.
F. INTERESSE DER GEMEINSCHAFT
(37) Bei der Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft vertritt die Kommission die Auffassung, daß es im Sinne von Artikel 3 Buchstabe f) des EWG-Vertrages im allgemeinen Interesse der Gemeinschaft liegt, einer Wettbewerbsverzerrung infolge unlauterer Handelspraktiken Einhalt zu gebieten und einen offenen und lauteren Wettbewerb auf dem Gemeinschaftsmarkt wiederherzustellen, was mit Antidumpingmaßnahmen gerade erreicht werden soll. Darüber hinaus führten die Prüfung des Preisverhaltens der betroffenen Ausführer und die Position des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zu dem Schluß, daß der verbleibende Gemeinschaftshersteller seine Fabrik in absehbarer Zukunft schließen müsste, wenn keine Maßnahmen gegenüber den Einfuhren von kohlenstoffarmem Ferrochrom aus diesen Ländern getroffen würden. Dies würde nicht nur die Arbeitsplätze von mehr als 300 Menschen gefährden, sondern auch zur vollständigen Einfuhrabhängigkeit der Gemeinschaft bei einer Ware führen, die als Erzeugnis von strategischer Bedeutung eingestuft ist, für das einige Mitgliedstaaten (Frankreich und Vereinigtes Königreich) ein staatliches Vorratsprogramm aufgestellt haben.
(38) Ferner ist darauf hinzuweisen, daß der Gemeinschaftshersteller beträchtliche Anstrengungen zur Entwicklung des wahrscheinlich energiesparsamsten Fertigungsprozesses am Markt unternommen und seine Produktion so weit automatisiert hat, daß er mit jedem anderen Hersteller, der unter fairen Marktbedingungen handelt, konkurrieren könnte. Jedoch ist es diesem Unternehmen unmöglich, mit den niedrigen Preisen der Ausführer in den betroffenen Drittländern zu konkurrieren, da ihre Preise in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten der ausgeführten Waren stehen.
(39) Der Verband, der die Interessen der Abnehmer von Ferrochrom vertritt, behauptete bei seiner Anhörung, daß die Einführung von Zöllen auf die Einfuhren von kohlenstoffarmem Ferrochrom mit Ursprung in den drei betroffenen Ländern die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller von rostfreiem Stahl gefährden würde. Da er jedoch nicht in der Lage war, seine Behauptung in irgendeiner Weise zu untermauern, und keine Beweise dafür vorlegte, inwieweit eine Erhöhung der Preise für Ferrochrom aus diesen Ländern die Wettbewerbsfähigkeit dieser Abnehmer beeinträchtigen würde, erhielt die Kommission auf ihre Bitte von dem Antragsteller Informationen zu den Auswirkungen der Preise von kohlenstoffarmem Ferrochrom auf die Herstellung von rostfreiem Stahl. Diesen Informationen zufolge war auf dem deutschen Markt, der etwa 30 % des Gemeinschaftsmarktes ausmacht, in den ersten neun Monaten von 1992 höchstens 1 kg kohlenstoffarmes Ferrochrom für die Herstellung von 1 000 kg rostfreiem Stahl verwendet worden. Dies entspricht einer Inzidenz von 0,1 %. Informationen aus anderen Quellen ergeben sogar eine Inzidenz von nur 0,02 %. Unter diesen Umständen dürften Antidumpingmaßnahmen gegenüber den Einfuhren von kohlenstoffarmem Ferrochrom aus diesen Ländern kaum die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller von rostfreiem Stahl in der EG schwächen.
(40) Ausserdem erhielt die Kommission Beweise dafür, daß, sollte der Gemeinschaftshersteller die Produktion aufgeben, mehrere Hersteller von rostfreiem Stahl in Schwierigkeiten geraten würden, da sie auf bestimmte Spezialprodukte angewiesen sind, die nur der Gemeinschaftshersteller liefern kann.
(41) Die Kommission kommt daher vorläufig zu dem Schluß, daß es im Interesse der Gemeinschaft liegt, den verbleibenden Gemeinschaftshersteller gegen die unlautere Konkurrenz aus den betreffenden Ländern zu schützen, um eine ertragsfähige und technisch führende Produktion in der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.
G. VORLÄUFIGER ZOLL
1. Höhe des Zolls (42) Um festzustellen, ob der vorläufige Zoll der festgelegten Dumpingspanne entsprechen sollte oder ein niedrigerer Zollsatz zur Beseitigung des Schadens ausreichen würde, verglich die Kommission gemäß Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 die Dumpingspanne mit der hauptsächlich für den Schaden verantwortlichen Preisunterbietungsspanne auf cif-Ebene. Da die Preisunterbietung die Dumpingspanne erheblich überstieg, sollte der Zoll auf der Höhe der letzteren festgesetzt werden.
2. Form des Zolls (43) Die betroffenen Ausführer verkaufen ausser kohlenstoffarmem Ferrochrom eine Vielzahl anderer Produkte an die Einführer in der Gemeinschaft. Um die Gefahr auszuschließen, daß die Auswirkungen des Zolls durch Preismanipulierungen weitgehend zunichte gemacht werden, wird es als angemessen angesehen, den Zoll in Form eines spezifischen Betrags je kg einzuführen. Dementsprechend sollte ein vorläufiger Antidumpingzoll auf die Einfuhren von kohlenstoffarmem Ferrochrom mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,5 % oder weniger von 0,276 ECU je kg erhoben werden.
(44) Es empfiehlt sich, eine Frist zu setzen, innerhalb deren die interessierten Parteien ihren Standpunkt darlegen und eine Anhörung beantragen können. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, daß alle Feststellungen für die Zwecke dieser Verordnung vorläufig sind und im Hinblick auf etwaige endgültige Maßnahmen, die die Kommission unter Umständen vorschlägt, überprüft werden können - HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
Artikel 1
(1) Auf die Einfuhren von Ferrochrom mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,5 GHT oder weniger der KN-Codes 7202 49 10 und 7202 49 50 mit Ursprung in Kasachstan, Rußland und der Ukraine wird ein vorläufiger Antidumpingzoll eingeführt.
(2) Der Zoll beträgt 0,276 ECU je Nettokilogramm.
(3) Für die Erhebung des Zolls sind die geltenden Zollbestimmungen maßgebend.
(4) Die Abfertigung der in Absatz 1 genannten Waren zum zollrechtlich freien Verkehr in der Gemeinschaft ist von einer Sicherheitsleistung in Höhe des vorläufigen Zolls abhängig.
Artikel 2
Unbeschadet des Artikels 7 Absatz 4 Buchstaben b) und c) der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 können die betroffenen Parteien innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten dieser Verordnung ihren Standpunkt schriftlich darlegen und bei der Kommission einen Antrag auf Anhörung stellen.
Artikel 3
Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Kraft.
Vorbehaltlich der Artikel 11, 12 und 13 der Verordnung (EWG) Nr. 2423/88 gilt Artikel 1 dieser Verordnung für einen Zeitraum von vier Monaten oder bis zum Erlaß endgültiger Maßnahmen durch den Rat.
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.
Brüssel, den 30. März 1993

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