Document ID: 31988R4062

VERORDNUNG ( EWG ) Nr . 4062/88 DER KOMMISSION vom 23 . Dezember 1988 zur Einführung eines vorläufigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren von Videokassetten und Videobandspulen mit Ursprung in der Republik Korea und in Hongkong
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 des Rates vom 11 . Juli 1988 über den Schutz gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehörenden Ländern ( 1 ), insbesondere auf Artikel 11,
nach Konsultationen in dem in der vorgenannten Verordnung vorgesehenen Beratenden Ausschuß,
in Erwägung nachstehender Gründe :
A . VERFAHREN ( 1 ) Im September 1987 erhielt die Kommission einen schriftlichen Antrag auf Verfahrenseinleitung, der vom Europäischen Ausschuß der Verbände der chemischen Industrie ( CEFIC ) im Namen von Herstellern gestellt wurde, auf die angeblich der grösste Teil der Gemeinschaftsproduktion der betreffenden Waren entfällt . Der Antrag enthielt Beweismittel für das Vorliegen von Dumping bei den betreffenden Waren mit Ursprung in der Republik Korea und in Hongkong sowie eine dadurch verursachte Schädigung; diese Beweismittel wurden als ausreichend erachtet, um die Einleitung eines Verfahrens zu rechtfertigen .
Die Kommission gab daraufhin durch Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften ( 2 ) die Einleitung eines Antidumpingverfahrens betreffend die Einfuhren von Videokassettenbändern, die entweder in Kassetten oder als vorgeschnittene beschichtete" Spulen für die Montage oder als breite, ungeschnittene, beschichtete Spulen geliefert werden, der KN-Code 8523 11 00, 8523 12 00 und 8523 13 00 mit Ursprung in Korea und in Hongkong in die Gemeinschaft bekannt und leitete eine Untersuchung ein .
( 2 ) Die Kommission unterrichtete die bekanntermassen betroffenen Ausführer und Einführer, die Vertreter des Ausfuhrlandes und die Antragsteller offiziell davon und gab den unmittelbar betroffenen Parteien Gelegenheit, ihren Standpunkt schriftlich darzulegen und eine Anhörung zu beantragen .
( 3 ) Alle bekannten koreanischen Ausführer, einige Ausführer in Hongkong, einige Einführer und alle antragstellenden Gemeinschaftshersteller legten ihren Standpunkt schriftlich dar . Sachäusserungen wurden ferner von einer Reihe von Einführern vorgebracht .
( 4 ) Die Kommission hat alle Informationen eingeholt und geprüft, die sie für eine erste Sachaufklärung für notwendig erachtete, und bei folgenden Unternehmen Untersuchungen an Ort und Stelle durchgeführt :
a ) Hersteller der Gemeinschaft :
- Agfa-Gevaert AG, München, Deutschland,
- BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen, Deutschland,
- Magna Tonträger Produktions GmbH, Berlin, Deutschland,
- PDM Magnetics, Oosterhout, Niederlande .
All diese Gemeinschaftshersteller sind Mitglieder des CEFIC;
b ) koreanische Hersteller :
- Goldstar Co ., Seoul,
- Kolon Industries Inc ., Seoul,
- Sähan Media Co ., Seoul,
- SKC Ltd, Seoul;
c ) Hersteller in Hongkong :
- ACME Cassette Manufacturing Ltd,
- Hanny Magnetics Ltd,
- Magnetic Enterprise Ltd,
- Magnetic Technology Ltd,
- Swilynn ( HK ) Ltd,
- Swire Magnetics ( HK ) Ltd,
- Wing Shing Cassette Ltd,
- Yee Keung Industrial Company Ltd;
d ) Einführer in die Gemeinschaft :
- Goldstar Deutschland GmbH, Ratingen,
- Lucky Goldstar International Ltd, London,
- SKC Europe GmbH, Frankfurt,
- Sunkyong France Sarl, Suresnes,
- Sunkyong Europe Ltd, London .
( 5 ) Die Kommission erhielt auf Ersuchen ausführliche schriftliche und mündliche Sachäusserungen von den antragstellenden Herstellern in der Gemeinschaft, den meisten Ausführern und den obengenannten Einführern und überprüfte die darin enthaltenen Angaben in dem von ihr für erforderlich gehaltenen Umfang .
Ferner berücksichtigte die Kommission Sachäusserungen von Montagebetrieben und Vertriebsgesellschaften für Videokassetten in der Gemeinschaft .
Einige Hersteller in Hongkong verweigerten entweder den Zugang zu Informationen, die die Kommission für die Überprüfung ihrer Unterlagen für notwendig hielt, oder lieferten während dieser Untersuchung keine zuverlässigen und/oder überprüfbaren Angaben über ihre Produktionskosten für gleichartige Waren und ihre Gewinnspanne bei Verkäufen auf dem Binnenmarkt . Die Kommission traf daher ihre Feststellungen auf der Grundlage der verfügbaren Fakten .
( 6 ) Die Dumpinguntersuchung umfasste den Zeitraum von Januar 1987 bis einschließlich November 1987 ( Untersuchungszeitraum ).
B . WARE, GLEICHARTIGE WARE UND WIRTSCHAFTSZWEIG DER GEMEINSCHAFT 1 . Ware ( 7 ) Bei der in der Bekanntmachung über die Einleitung eines Antidumpingverfahrens genannten Ware handelt es sich um Videokassettenbänder . Die Untersuchung ergab jedoch, daß zur Zeit zwei unterschiedliche Arten von Videokassettenband in die Gemeinschaft geliefert werden .
( 8 ) Bei der ersten Art handelt es sich um vorgeschnittene, mit Chromdioxid beschichtete Polyesterbandspulen, die sogenannten Rohwickel"; diese Videobandspulen werden bei der Herstellung von Videokassetten verwendet . Die vorgeschnittene Polyesterbandspule wird in einer bestimmten Länge in ein Plastikgehäuse, die sogenannte V-0-Kassette, eingespult; diese gefuellte Leerkassette ist die Videokassette . Videobandspulen werden normalerweise an Einspul - oder an Montagebetriebe als Ausgangsprodukt für die Herstellung von Videokassetten verkauft .
( 9 ) Bei der zweiten Art handelt es sich um Videokassetten . Sie werden im allgemeinen in Lizenz der JVC ( Japan Victor Company ) hergestellt . Die Videokassetten werden in Videokameras zur Aufnahme von Videofilmen oder in Videobandgeräten zur Aufnahme von Fernsehprogrammen und zum Abspielen dieser Programme sowie zum Abspielen zuvor aufgenommener Spielfilme oder mit einer Videokamera aufgezeichneter Filme verwendet; Videokassetten werden ferner in Videokassettenspielern zum Abspielen zuvor aufgenommener Spielfilme benutzt . Videokassetten gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich in der Länge des Bandes und in der Qualität unterscheiden . Allgemeine, anerkannte Qualitätsnormen für diese verschiedenen Modelle existieren jedoch nicht .
Die Hersteller verkaufen die Videokassetten normalerweise entweder an ÖM-Kunden, Vertriebsunternehmen und Händler oder an Filmkopieranstalten, die auf ihnen Spielfilme aufnehmen und diese bespielten Kassetten an die Endverbraucher verkaufen .
( 10 ) Die Untersuchung ergab, daß das betreffende Videoband auf Spulen oder in Kassetten zu KN-Code ex 8523 13 00 gehört .
2 . Gleichartige Ware ( 11 ) Soweit es die Definition der gleichartigen Waren angeht, ermittelte die Kommission, daß die in der Gemeinschaft hergestellten Videobandspulen den aus Korea ausgeführten Videobandspulen in jeder Hinsicht gleichartig sind .
( 12 ) Bei den Videokassetten ergab die Untersuchung einerseits, daß die verschiedenen auf den Märkten von Korea und Hongkong verkauften Videokassettenmodelle sich von den auf dem Gemeinschaftsmarkt verkauften Kassetten hauptsächlich durch ihre Bandlänge unterscheiden . Dieser Unterschied ist jedoch einigermassen belanglos . Andererseits sind die aus Korea und Hongkong in die Gemeinschaft ausgeführten Videokassetten, von etwaigen Qualitätsunterschieden abgesehen, den in der Gemeinschaft hergestellten Videokassetten in jeder Hinsicht gleich .
( 13 ) Goldstar machte geltend, daß an Filmkopierbetriebe verkaufte Videokassetten und an Vertriebsunternehmen und/oder Endverbraucher verkaufte Kassetten keine gleichartigen Waren sind . Dieses Argument war zu verwerfen, da sich weder die materiellen und technischen Eigenschaften noch Einsatzbereich und Anwendung nennenswert voneinander unterscheiden .
( 14 ) Infolgedessen kam die Kommission zu dem Schluß, daß alle in der Gemeinschaft hergestellten Videokassetten und Videobandspulen und alle aus Korea und Hongkong ausgeführten Videokassetten und Videobandspulen gleichartige Waren sind .
3 . Wirtschaftszweig der Gemeinschaft ( 15 ) Die Kommission stellte fest, daß auf die vier Gemeinschaftshersteller, in deren Namen der Antrag auf Verfahrenseinleitung gestellt wurde, im Untersuchungszeitraum etwa 90 % der gesamten Gemeinschaftsproduktion gleichartiger Waren, also der überwiegende Teil der gesamten Gemeinschaftsproduktion, entfiel .
( 16 ) Sie bilden daher nach Ansicht der Kommission den betreffenden Wirtschaftszweig der Gemeinschaft im Sinne von Artikel 4 Absatz 5 der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 .
C . DUMPING ( 17 ) Normalwert, Ausfuhrpreise, Vergleiche und Dumpingspannen wurden für Videokassetten und Videobandspulen getrennt ermittelt .
1 . Normalwert a ) Normalwert auf der Grundlage der Preise im Ausfuhrland ( 18 ) Für jedes Videokassettenmodell und jede Videobandspule der Hersteller, die im normalen Handelsverkehr auf dem Inlandsmarkt in ausreichenden Mengen und zu Preisen verkauft wurden, die die Deckung aller angemessen verteilten Kosten erlaubten, wurde der Normalwert vorläufig auf der Grundlage des gewogenen Durchschnitts der Inlandspreise dieser Modelle und Spulen ermittelt . In den Fällen, in denen diese Verkäufe nicht den von der Kommission in vorausgegangenen Fällen festgesetzten Grenzwert von 5 % des Volumens der Ausfuhren dieser Modelle in die Gemeinschaft erreichten, sah die Kommission diese Verkäufe als zu gering an, um repräsentativ zu sein, und ermittelte den Normalwert rechnerisch .
( 19 ) Ein koreanischer Hersteller machte nach der Untersuchung an Ort und Stelle Angaben über die Einfuhrabgaben, die gleichartige, zum Verbrauch im Ursprungsland bestimmte Waren und darin verarbeitete Erzeugnisse belasten und die bei in die Gemeinschaft ausgeführten Waren erstattet wurden .
( 20 ) Da diese Einfuhrabgaben nicht überprüft werden konnten und unverhältnismässig höher waren als die von anderen Herstellern im gleichen Land angegebenen Einfuhrabgaben, wurde es für angemessen erachtet, den auf dem vergleichbaren, auf dem koreanischen Markt tatsächlich gezahlten Preis basierenden Normalwert nur um den Durchschnittsbetrag zu kürzen, der von den anderen Herstellern angegeben worden war .
b ) Rechnerisch ermittelter Normalwert ( 21 ) In allen Fällen, in denen ein Videokassettenmodell, das dem zum Export in die Gemeinschaft verkauften Modell vergleichbar war, auf dem Inlandsmarkt nicht oder in unzureichenden Mengen abgesetzt wurde, oder in denen Modelle, die den zum Export in die Gemeinschaft verkauften Modellen vergleichbar waren, während des Untersuchungszeitraums auf dem Inlandsmarkt in grossen Mengen zu Preisen verkauft wurden, die im Untersuchungszeitraum nicht die Deckung aller angemessen verteilten Kosten im normalen Handelsverkehr erlaubten, wurde der Normalwert auf der Grundlage des rechnerisch ermittelten Wertes des betreffenden Modells festgesetzt . Aus den gleichen Gründen wurde für einen koreanischen Hersteller der Normalwert von Videobandspulen auf der Grundlage des rechnerisch ermittelten Wertes festgesetzt . Der Wert des in die Gemeinschaft ausgeführten Modells wurde auf der Grundlage aller variablen und fixen Material - und Herstellungskosten im Ursprungsland zuzueglich eines angemessenen Betrags für Vertriebs -, Verwaltungs - und andere Gemeinkosten sowie einer angemessenen Gewinnspanne rechnerisch ermittelt .
(22 ) Zwei koreanische Hersteller behaupteten, daß sie die fraglichen Waren während des Untersuchungszeitraums auf dem Inlandsmarkt in grossen Mengen zu Preisen abgesetzt hatten, die im Durchschnitt die Deckung ihrer gesamten Kosten ermöglichten .
( 23 ) Diese Angaben konnten jedoch nicht akzeptiert werden, da die von diesen Herstellern angegebenen Kosten ihre tatsächlichen Produktionskosten nicht vollständig widerspiegelten .
( 24 ) Was die Fertigungsgemeinkosten anbetrifft, so mussten die Abschreibungen für die erheblichen Investitionen in neue oder in den Ausbau vorhandener Produktionskapazitäten berichtigt werden . Die Kommission war der Ansicht, daß bei einer Berichtigung die durchschnittlichen Herstellungskosten der betreffenden Waren zugrunde gelegt werden sollten . Dieses Vorgehen wurde für die angemessenste und objektivste Methode zur Ermittlung der exakten Kosten eines jeden auf dem Inlandsmarkt verkauften Modells gehalten . Soweit die durchschnittlichen Herstellungskosten nicht verfügbar waren, wurde ausnahmsweise vorläufig die Zahl der hergestellten Videokassetten zugrunde gelegt .
( 25 ) In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, daß ein Hersteller, der seine Produktionskapazität für Videokassetten und Videobandspulen erweitert und die Produktion im Oktober 1986 aufgenommen hatte, in einem Zeitraum von drei Monaten ( Oktober bis Dezember ) im Jahr 1986 bereits 10,2 % seiner Investitionen abgeschrieben hatte . Dies entspricht 40,8 % für zwölf Monate . Der Abschreibungssatz für das gesamte Jahr 1987 betrug nur 23,3 %. Man kann zwar im ersten Produktionsjahr aus steuerlichen oder anderen Gründen einen höheren Betrag abschreiben, doch spiegelt diese Abschreibungsmethode nicht die tatsächlichen Abschreibungskosten eines Unternehmens wider . Die Kommission wählte daher eine Methode der regelmässigeren Abschreibung, um zu vermeiden, daß die Abschreibung im Untersuchungszeitraum künstlich niedrig ist .
( 26 ) Ein anderer koreanischer Hersteller hatte die Abschreibungen für Gebäude, Infrastrukturen, Ausrüstungen und Fahrzeuge auf Videokassetten und Videobandspulen im Verhältnis der Investitionen in die Montage zu den Gesamtinvestitionen für Maschinen zur Herstellung der beiden Erzeugnisse aufgeteilt . Nach Auffassung der Kommission gibt dies kein genaues Bild der Abschreibungen . Sie teile daher mangels genauerer Informationen die Abschreibungen auf diese beiden Waren auf .
( 1 ) Januar bis November .
Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr . L 356 / 24 . 12 . 88 ( 27 ) Was die Finanzierungskosten betrifft, so teilte ein koreanischer Hersteller die erheblichen Finanzierungskosten für Neuinvestitionen in den Videokassetten - und Videobandspulensektor nicht voll auf den spezifischen Umsatz der Ware auf . Die Kommission hielt es deshalb für notwendig, die Finanzierungskosten neu aufzuschlüsseln, damit sie die Kosten für die Investitionen in diesen Sektor korrekt widerspiegeln .
In diesem Fall basierte die Aufteilung auf den Finanzierungskosten gemäß den angegebenen inländischen Zinssätzen dieses Ausführers, auf seinen Investitionen in den Videokassettenband-Sektor und auf dem Umfang seiner Selbstfinanzierung, wie sie den verfügbaren Buchungsdaten dieses Herstellers zu entnehmen waren . Die Höhe der Finanzierungskosten je Einheit stand im Einklang mit den von anderen koreanischen Herstellern angegebenen entsprechenden Kosten .
Ein anderer koreanischer Hersteller machte Finanzierungskosten geltend, die Kosten für Exportverkäufe einschlossen . Diese konnten nicht berücksichtigt werden, da die Produktionskosten auf der Basis aller im normalen Handelsverkehr im Ursprungsland anfallenden Kosten berechnet werden müssen . Deshalb konnten die Finanzierungskosten für Exportverkäufe nicht berücksichtigt werden . Die Kommission berechnete die Finanzierungskosten auf der Basis des Verhältnisses aller inländischen Finanzierungskosten zum gesamten Inlandsumsatz .
( 28 ) Die Beträge für Vertriebs -, Verwaltungs -, Gemeinkosten und Gewinne wurden aufgrund der Ausgaben und Gewinne des betreffenden Herstellers bei seinen Verkäufen vergleichbarer Modelle auf dem Inlandsmarkt berechnet, wenn die Kommission feststellen konnte, daß sie den tatsächlichen Ausgaben und Gewinnen für die auf dem Inlandsmarkt verkauften Modelle entsprachen . In allen anderen Fällen wurden diese Ausgaben auf der Grundlage der Kosten und Gewinne anderer Hersteller bei ihren rentablen Verkäufen vergleichbarer Modelle auf dem koreanischen Markt bzw . dem Markt von Hongkong berechnet .
( 29 ) Ein Hersteller beantragte, für seine Verkäufe an ÖM-Kunden eine niedrigere Gewinnspanne anzusetzen . Spezifische Gründe für diesen Antrag wurden jedoch nicht angegeben . Die Kommission stellte fest, daß die Waren als solche identisch sind und nur die Papierumhüllung dieser Kassetten je nach dem Firmennamen des ÖM-Käufers verschieden war . Ausserdem unterscheiden sich die Absatzmengen an ÖM-Käufer im allgemeinen nicht wesentlich von den Absatzmengen an Videokassetten-Vertriebsfirmen, und die Verkaufsmethoden in den beiden Verkaufskanälen ( ÖM-Käufer und Vertriebsfirmen ) sind gleich . Schließlich wies auch nichts darauf hin, daß sich die Verkaufskosten und Gewinne in den beiden Verkaufskanälen wesentlich voneinander unterscheiden . Der Antrag wurde daher abgelehnt .
( 30 ) In allen Fällen, in denen die Vertriebs -, Verwaltungs - und anderen Gemeinkosten nicht auf Umsatzbasis aufgeteilt wurden, erfolgte die Aufteilung nach der Buchungsmethode des Herstellers, soweit die Kommission feststellen konnte, daß diese Methode für die betreffenden Kosten angemessen war .
2 . Ausfuhrpreise ( 31 ) Bei den Direktausfuhren von Herstellern in Korea und Hongkong an unabhängige Einführer in der Gemeinschaft wurden die Ausfuhrpreise auf der Grundlage der tatsächlich gezahlten oder zu zahlenden Preise der verkauften Ware bestimmt .
( 32 ) In anderen Fällen gingen die Ausfuhren an Tochtergesellschaften, die die Ware in die Gemeinschaft importierten . In diesen Fällen erschien es angesichts der Beziehung zwischen dem Ausführer und dem Einführer angebracht, die Ausfuhrpreise auf der Basis der Preise zu errechnen, zu denen die eingeführte Ware erstmals an einen unabhängigen Käufer weiterverkauft wurde . Mengenrabatte, Preisnachlässe und der Wert von Gratiszugaben wurden von dem Preis an den unabhängigen Käufer abgezogen . Auch wurde eine gebührende Berichtigung für alle zwischen der Einfuhr und dem Wiederverkauf entstandenen Kosten einschließlich aller Zölle und Abgaben vorgenommen .
( 33 ) Soweit Kostenaufschlüsselungen bei der rechnerischen Ermittlung der Ausfuhrpreise erforderlich waren, wurden sie auf Umsatzbasis vorgenommen . Zu diesem Zweck wurden generell Kosten und Umsatz des verbundenen Einführers während des letzten Geschäftsjahres, wie sie sich aus den geprüften Bilanzen ergaben, herangezogen . In allen Fällen, in denen eine Aufschlüsselung der Vertriebs -, Verwaltungs - und anderen Gemeinkosten nicht auf Umsatzbasis erfolgte, wurde der aufzuschlüsselnde Betrag anhand der verfügbaren, unmittelbar mit den betreffenden Verkäufen zusammenhängenden Buchungsdaten berechnet . Ein mit einem koreanischen Hersteller verbundener Einführer machte Gemein - und Verwaltungskosten auf der Grundlage eines Umsatzes geltend, der Finanzierungsgeschäfte innerhalb der Gruppe einschloß . Nach Ansicht der Kommission spiegelte diese Angabe nicht die normalen Kosten des besagten Einführers für die betroffenen Waren wider, und sie ließ den mit den Finanzierungsgeschäften zusammenhängenden Teil des Antrags ausser acht . Im Falle eines weiteren Einführers nahm die Kommission auch eine Berichtigung für Werbungskosten gemäß Artikel 2 Absatz 8 Buchstabe b ) der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 vor .
( 34 ) Die aufgeschlüsselten Kosten umfassen alle Verwaltungs - und anderen Gemeinkosten, die bei den fraglichen Verkäufen anfielen, unabhängig davon, ob sie vom Ausführer oder dem verbundenen Einführer finanziert worden waren .
( 35 ) Bei der Errechnung eines Ausfuhrpreises cif Gemeinschaftsgrenze wurden auch Berichtigungen für Zölle bei der Einfuhr in die Gemeinschaft und für einen Gewinn von 10 % des Umsatzes vorgenommen . Die Kommission stützte diese Gewinnspanne von 10 % auf die Zahlenangaben, die sie auf Antrag von mehreren unabhängigen Einführern von Videokassetten erhielt . Dabei wurde festgestellt, daß sich der durchschnittliche Gewinn unabhängiger Händler vor den Einfuhren von Videokassetten aus Korea und Hongkong, d . h . 1985, auf mehr als 10 % belief . Für die Zwecke dieser vorläufigen Sachaufklärung wurde dieser Prozentsatz dementsprechend bei allen Verkäufen der verbundenen Einführer an ihre ersten unabhängigen Käufer in der Gemeinschaft zugrunde gelegt .
( 36 ) Hinsichtlich der Ausfuhrpreise überprüfte die Kommission bei den Waren jedes Ausführers mindestens 70 % aller Geschäftsvorgänge während des Untersuchungszeitraums . Diese Menge wurde für alle Geschäftsvorgänge dieser Tochtergesellschaften während dieses Zeitraums als repräsentativ angesehen .
D . VERGLEICH ( 37) Im Interesse eines gerechten Vergleichs zwischen Normalwert und Ausfuhrpreis und im Einklang mit Artikel 2 Randnummer 9 und 10 der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 berücksichtigte die Kommission in gebührendem Masse alle die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussenden Unterschiede, wie Unterschiede bei den Verkaufsbedingungen, soweit die angebliche direkte Beziehung dieser Unterschiede zu den betreffenden Verkäufen in zufriedenstellender Weise nachgewiesen werden konnte . Das war der Fall bei Unterschieden bei den Kreditbedingungen, Garantien, Provisionen, Gehältern für Verkaufspersonal, Verpackungs -, Transport -, Versicherungs -, Be - und Entlade - sowie sonstigen Nebenkosten . Die rechnerisch ermittelten Werte wurden ab inländische Verkaufsorganisation, die Ausfuhrpreise ab Exportverkaufsunternehmen oder -verkaufsorganisation ermittelt .
E . DUMPINGSPANNEN ( 38 ) Der auf der Basis gewogener Mittel festgestellte Normalwert wurde für jedes Videokassettenmodell und für die vorgeschnittenen, beschichteten Videobandspulen eines jeden Herstellers mit dem Ausfuhrpreis vergleichbarer Modelle bzw . vergleichbarer Videobandspulen je Geschäftsvorgang verglichen . Die vorläufige Sachaufklärung ergab, daß bei den Einfuhren von Videobandspulen und Videokassetten mit Ursprung in Korea und Videokassetten mit Ursprung in Hongkong im Falle aller untersuchten Hersteller in Korea und in Hongkong Dumping vorlag, wobei die Dumpingspanne dem Betrag entspricht, um den der festgestellte Normalwert den Preis bei der Ausfuhr in die Gemeinschaft übersteigt .
( 39 ) Die Dumpingspanne war je nach Hersteller unterschiedlich hoch, die gewogenen mittleren Dumpingspannen betrugen :
- Videokassetten Koreanische Hersteller - Goldstar Co . 10,82 %, - Kolon Industries Inc . 7,64 %, - Sähan Media Co . 4,56 %, - SKC Ltd 6,68 %;
Hersteller in Hongkong - Hanny Magnetics Ltd 59,35 %, - Magnetic Enterprise Ltd 20,55 %, - Swilynn Ltd 8,13 % - Swire Magnetics Ltd 11,37 %;
- Videobandspulen - Sähan Media Co . 1,06 %, - SKC Ltd 5,53 %. ( 40 ) Im Falle der Hersteller, die weder den Fragebogen der Kommission beantworteten noch sich in anderer Weise meldeten, wurden die Dumpingspannen auf der Grundlage der verfügbaren Fakten gemäß Artikel 7 Absatz 7 Buchstabe b ) der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 bestimmt . In diesem Zusammenhang war die Kommission der Auffassung, daß die Ergebnisse ihrer Untersuchung die am besten geeignete Basis für die Bestimmung der Dumpingspanne lieferten . Da eine Möglichkeit für die Umgehung des Zolls geschaffen würde, wenn die Dumpingspanne für diese Hersteller niedriger wäre als die höchsten Dumpingspannen, die für Hersteller in Korea bzw . in Hongkong ermittelt wurden, die an der Untersuchung mitgearbeitet hatten, d . h . 10,82 % für Videokassetten und 5,53 % für Videobandspulen aus Korea bzw . 59,35 % für Hongkong, wird es als angemessen angesehen, diese Dumpingspannen für diese Gruppen von Herstellern zu wählen .
( 41 ) Ferner verweigerte ein Hersteller in Hongkong während einer Untersuchung an Ort und Stelle den Zugang zu Informationen, die die Kommission zur Überprüfung der Buchwerte des betreffenden Unternehmens für notwendig erachtete . Drei weitere Unternehmen konnten keine überprüfbaren Buchungsdaten über ihre Produktions -, Vertriebs -, Gemein - und Verwaltungskosten sowie ihre Gewinne angeben . Die Kommission konnte daher nicht sicher sein, im Falle der betreffenden Hersteller vollständige, zuverlässige Daten zur Feststellung des Normalwerts zu erhalten, und betrachtete es folglich als angemessen, auch im Falle dieser Unternehmen die vorläufige Sachaufklärung auf die verfügbaren Fakten,d . h . die Untersuchungsergebnisse, zu stützen .
( 42 ) Die Kommission war der Auffassung, daß unter diesen Umständen auch eine Gelegenheit für die Umgebung des Zolls geschaffen würde und es einer Prämie für mangelnde Mitarbeit gleichkäme, wenn die Dumpingspanne dieser Hersteller niedriger festgesetzt würde als die höchste Dumpingspanne, die für einen Hersteller ermittelt wurde, der an der Untersuchung mitgearbeitet hatte . Aus diesen Gründen und im Einklang mit Artikel 7 Absatz 7 Buchstabe b ) der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 wird es als angemessen angesehen, die höchste Dumpingspanne für diese Unternehmen zu wählen .
F . SCHÄDIGUNG 1 . Volumen und Marktanteile ( 43 ) Was das Marktvolumen anbetrifft, so zeigte sich beim Verbrauch von Videokassetten in der Gemeinschaft ein stetiger Anstieg von 123,5 Millionen Stück im Jahr 1985 auf 167,7 Millionen Stück 1986 und 230,2 Millionen Stück 1987, also ein Anstieg um 86,4 %.
( 44 ) Bei den Einfuhren aus Korea und Hongkong und den Marktanteilen ergaben sich für Videokassetten folgende Zahlen :
- 1985 10,8 Millionen Stück ( d . h . 5,5 bzw . 5,3 ),
- 1986 33,1 Millionen Stück ( d . h . 16,5 bzw . 16,6),
- 1987 ( 1 ) 64,2 Millionen Stück ( d . h . 35,8 bzw . 28,4 ).
Im gleichen Zeitraum entwickelte sich der Absatz des betreffenden Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft wie folgt :
- 1985 51,3 Millionen Stück,
- 1986 59,5 Millionen Stück,
- 1987 ( 1 ) 82,8 Millionen Stück .
Das entspricht einem Anstieg der Marktanteile Koreas und Hongkongs von 8,7 % im Jahr 1985 auf 27,9 % im Jahr 1987, während die Marktanteile der europäischen Hersteller fast konstant blieben ( 1985 : 33 %; 1987 : 36 %). Daraus ergibt sich, daß sich in der Zeit von 1985 bis 1987, in der sich das Marktvolumen der Videokassetten fast verdoppelte, die Marktanteile der Hersteller in Korea und Hongkong verdreifachten, wohingegen die Marktanteile der europäischen Hersteller konstant blieben .
( 45 ) Soweit es Videobandspulen betrifft, setzten die koreanischen Hersteller im Jahr 1985 2,1 Millionen m2 Videobandspulen in der Gemeinschaft ab, die Hersteller der Gemeinschaft hingegen 21 Millionen . Im Jahr 1987 setzten erstere 7 Millionen m2 Videobandspulen ab, letztere hingegen 110,6 Millionen m2 .
2. Preise ( 46 ) Was die Preise anbetrifft, so zeigt sich bei den Preisen des betreffenden Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zwischen 1984 und 1987 im Durchschnitt eine kontinuierlich rückläufige Tendenz : Während dieses Zeitraums sank der Durchschnittspreis der am häufigsten verkauften Videokassette, nämlich VHS E 180, um 50 %, während der Preis von Videobandspulen allein im Jahr 1987 um etwa 50 % sank .
( 47 ) Hinsichtlich der Preisunterbietungen bei Videokassetten und Videobandspulen verglich die Kommission den gewogenen Durchschnitt der Verkaufspreise abzueglichaller Rabatte, Nachlässe und Steuern, berechnet auf der Grundlage der Verkäufe an den ersten unabhängigen Käufer, in den einzelnen Verkaufskanälen ( ÖM, Montagebetrieb, Vertriebsunternehmen, Einzelhändler und Endverbraucher ) im Untersuchungszeitraum. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Gemeinschaftshersteller wurde anhand des Absatzvolumens der unterschiedlichen Typen gleichartiger Waren gewogen . Anschließend wurde dieser durchschnittliche europäische Verkaufspreis mit den entsprechenden Zahlen für jeden Hersteller in Korea und Hongkong auf der Grundlage der cif-Preise verglichen und auch nach dem Absatzvolumen gewichtet .
( 48 ) Da die Preise in Korea und Hongkong auf der Grundlage der cif-Preise frei Gemeinschaftsgrenze festzustellen waren, während die Preise der europäischen Hersteller sich normalerweise frei Lieferadresse verstanden, wurde eine Berichtigung von 10 % gewährt . Ausserdem berücksichtigte die Kommission einerseits, daß die Waren aus Korea und Hongkong im Vergleich mit den in der Gemeinschaft hergestellten Videokassetten und Videobandspulen als qualitativ minderwertig gelten, und andererseits, daß die Mehrzahl der Kunden zwischen den unterschiedlichen Lieferquellen keinen Unterschied macht . Deshalb wurde eine zusätzliche Berichtigung von 20 % für den qualitativen Aspekt vorgenommen .
( 49 ) Bei diesem Vergleich stellte die Kommission fest, daß die Preisunterbietung bei Videokassetten für die koreanischen Hersteller zwischen 4 % und 20 % und für die Hersteller in Hongkong zwischen 0 % und 32 % betrug . Hinsichtlich der Videobandspulen ergab die Untersuchung bei betroffenen koreanischen Herstellern eine Preisunterbietung von 24 bis 30 %.
3 . Andere maßgebliche wirtschaftliche Faktoren a ) Kapazität, Auslassungsgrad, Produktion und Lagerbestände ( 50 ) Hier stellte die Kommission fest, daß die tatsächlichen Kapazitäten von 58,84 Millionen Stück auf 76,45 Millionen Stück 1986 und 100 Millionen Stück 1987 gestiegen sind, wobei der durchschnittliche Ausnutzungsgrad von 84,3 % im Jahr 1985 auf 81,1 % im Jahr 1986 und 76,1 % im Jahr 1987 fiel . Die Gesamtproduktion stieg von 49,6 Millionen Stück 1985 auf 62,0 im Jahr 1986 und 76,1 im Jahr 1987 ( Januar bis November ). Im gleichen Zeitraum stiegen die Lagerbestände der Gemeinschaftshersteller bei Videokassetten schneller als die Verkaufszahlen : Während die Absatzmengen sich zwischen 1985 und 1987 um rund 46 % erhöhten, stiegen die Bestände von 9 Millionen Stück auf 23,6 Millionen Stück, d . h . um 162 %; sie machten während des Untersuchungszeitraums fast 25 % der Gemeinschaftsproduktion aus . Bei Videobandspulen erhöhte sich die Produktion von 21 Millionen m2 im Jahr 1985 auf 110,6 Millionen m2 im Jahr 1987 .
Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr . L 356 / 24 . 12 . 88 b ) Umsatz, Rentabilität und Beschäftigung ( 51 ) Der Umsatz der Videokassetten des betroffenen Industriezweigs der Gemeinschaft blieb zwischen 1985 und 1986 nahezu konstant (+ 0,9 %), während die abgesetzte Menge um 25 % stieg . Im Untersuchungszeitraum sank der Wert der abgesetzten Waren ( 15,4 %), während die Absatzmengen ständig stiegen (+ 22,7 %).
( 52 ) Der Umsatz der Videobandspulen erhöhte sich von 1985 bis 1986 (+ 47 %) und von 1986 bis 1987 (+ 40 %). Der Anstieg bei den Absatzmengen jedoch belief sich 1986 auf 183 % und 1987 auf 86 %.
( 53 ) Die Gewinne der Gemeinschaftshersteller von Videobandspulen und Videokassetten zeigen seit 1985 eine ungebrochen rückläufige Tendenz . 1985 arbeiteten drei der vier Gemeinschaftshersteller mit Gewinn . Die beim vierten Hersteller aufgetretenen Verluste waren in der Hauptsache auf erhebliche Investitionskosten zurückzuführen, die durch Gewinne in den darauffolgenden Jahren hätten ausgeglichen werden können . 1986 war nur noch ein Gemeinschaftsunternehmen rentabel . 1987 mussten alle vier Hersteller der Gemeinschaft Verluste von 9 % bzw . 10 %, 22 % und 27 % beim Absatz ihrer Videokassetten in der Gemeinschaft hinnehmen . Ähnliche Verluste traten beim Absatz der Videobandspulen auf .
( 54 ) Die Beschäftigtenzahlen stiegen von 3 782 Personen im Jahr 1985 auf 3 958 im Jahr 1986, sanken jedoch geringfügig im Jahr 1987 .
4 . Schlußfolgerung ( 55 ) Bei der Ermittlung, ob dem Wirtschaftszweig der Gemeinschaft eine bedeutende Schädigung im Sinne von Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 zugefügt wurde, stellte die Kommission fest, daß die Zahlen über Marktanteilentwicklung Produktion und Absatz, für sich genommen, eine steigende Tendenz aufweisen . Verglichen mit den Einfuhren aus Korea und Hongkong und mit dem allgemeinen Verbrauch blieben sie jedoch hinter der allgemeinen Marktentwicklung weit zurück . Während der allgemeine Verbrauch zwischen 1985 und 1987 um etwa 86 % zunahm, stiegen Kapazität, Produktion und Absatz des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft um vieles langsamer, d .h . um 70 % bzw . um 53 und 46 %. Ausserdem wurde die Produktionssteigerung zum Teil durch den Anstieg der Lagerbestände (+ 162 %) absorbiert .
( 56 ) Soweit es die Marktanteile angeht, zogen die EG-Hersteller keine Vorteile aus ihren economics of scale" und konnten ihre Stellung zwischen 1985 und 1987 gerade behaupten, während die Hersteller in Korea und Hongkong ihren Anteil um 220 % steigerten .
( 57 ) Die Gewinne waren trotz grosser Anstrengungen, die Produktionskosten zu senken, und trotz der gestiegenen Produktions - und Absatzzahlen wegen des anhaltenden Preisverfalls ständig rückläufig : 1986 und 1987 investierte der gesamte Wirtschaftszweig der Gemeinschaft mehr als 15 % des Wertes seiner Absätze in Rationalisierungsmaßnahmen und erzielte eine Senkung seiner Produktionskosten von über 15 %; im gleichen Zeitraum machte der Preisverfall diese Rationalisierungsanstrengungen trotz des gestiegenen Absatzes zunichte und führte während des Untersuchungszeitraums zu einer Umsatzeinbusse von 15,4 %. Dieser Rentabilitätsverlust gefährdet nicht nur den Fortbestand der Videokassetten - und Videobandspulenproduktion aller vier Hersteller der Gemeinschaft, sondern auch die künftige Produktion anderer Magnetbänder ( z.B . für akustische Geräte oder für Anwendungen in der EDV-Industrie ). Er stellt ausserdem eine Gefahr für die Beschäftigungslage dar und stellt die Weiterentwicklung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft auf anderen Gebieten in Frage .
G . SCHADENSURSACHE 1 . Kumulierung ( 58 ) Hinsichtlich der Schadensursache war die Kommission der Auffassung, daß die Auswirkungen der Einfuhren aus Korea und Hongkong kumulativ zu analysieren sind . Die Videokassetten und Videobandspulen aus Korea und Hongkong, die Gegenstand der Untersuchung sind, wurden aufgrund ähnlicher Absatzstrategien und innerhalb eines vergleichbaren Zeitraums in der Gemeinschaft vermarktet und traten gemeinsam sowohl mit den in der Gemeinschaft hergestellten als auch mit den aus anderen Ländern eingeführten Videokassetten und Videobandspulen in Wettbewerb . Dieser Wettbewerb führte dazu, daß die Hersteller in Korea und Hongkong ein gleichartiges Verhalten auf dem Markt der Gemeinschaft annahmen .
2 . Auswirkungen der gedumpten Einfuhren ( 59 ) Die Kommission stellte fest, daß der beschleunigte Preisverfall, die Unmöglichkeit für die Hersteller der Gemeinschaft, ihre Marktanteile zu erhöhen, und der Rentabilitätsverlust bzw . die Rentabilitätsminderung für den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft mit dem Beginn der Einfuhren aus Korea und Hongkong zusammenfallen und sich seit der Zunahme dieser Einfuhren verschlimmert haben . Auch waren andere Indikatoren für die Gesundheit eines Wirtschaftszweigs, wie Produktionskapazität, Umsatz - und Bestandszahlen, im Jahr 1985 für den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft wesentlich besser als im Untersuchungszeitraum . Auf einem von scharfem Preiswettbewerb geprägten Markt wirken sich Preisunterbietungen bei Videokassetten sehr negativ auf den Absatz und mithin auf die Rentabilität des betreffenden Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft aus . Dieser Negativeffekt wird noch verstärkt durch die erheblichen Preisunterbietungen dieser Einführer bei Videobandspulen, die von Montagebetrieben der Gemeinschaft zur Produktion von Videokassetten verwendet werden, die in Konkurrenz mit den von dem betreffenden Wirtschaftszweig der Gemeinschaft hergestellten Videokassetten verkauft werden sollen .
3 . Auswirkungen anderer Faktoren ( 60 ) Hinsichtlich der Möglichkeit, daß die Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft durch andere Faktoren hervorgerufen wurde, prüfte die Kommission einige von den Herstellern in Korea und Hongkong vorgebrachte Argumente .
( 61 ) Erstens wurde behauptet, daß die Preise seit 1980 hauptsächlich wegen der allgemeinen Senkung der Produktionskosten und wegen des Preiswettbewerbs seitens der Montagebetriebe der Gemeinschaft gesunken seien . Zweitens wurde vorgebracht, der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft habe die Preise künstlich hochgehalten, und seine betrieblichen Aufwendungen seien infolge seiner spezifischen Kostenstruktur und insbesondere seiner Ausgaben für Werbung abnorm hoch .
( 62 ) Soweit es die Preise anbetrifft, stellte die Kommission fest, daß der Preisrückgang als Folge der Produktionskostensenkung und des lauteren Wettbewerbs sich seit 1985 durch die kontinuierliche Preisunterbietung seitens der Hersteller in Korea und Hongkong wesentlich verstärkt hatte . Er wurde infolge des Wettbewerbs europäischer Montagebetriebe, die sich ähnliche Preisunterbietungen bei koreanischen Videobandspulen zunutze machten, noch verstärkt . Was die betrieblichen Aufwendungen des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft betrifft, so hatte dieser Wirtschaftszweig seine Produktionskosten erheblich gesenkt . Ausserdem legten die Hersteller in Korea und Hongkong keine sachdienlichen Beweise für die behauptete abnorme Kostenstruktur der europäischen Hersteller vor .
( 63 ) Angesichts des Umfangs der gedumpten Einfuhren, ihres Marktanteils und der Preise, zu denen sie in der Gemeinschaft abgesetzt worden sind, kam die Kommission daher zu dem Schluß, daß dem betreffenden Wirtschaftszweig der Gemeinschaft durch die gedumpten Einfuhren von Videokassetten und Videobandspulen mit Ursprung in Korea und Hongkong eine bedeutende Schädigung verursacht worden ist .
H . INTERESSE DER GEMEINSCHAFT 1 . Allgemeine Erwägungen ( 64 ) Bei der Prüfung der Frage, ob die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen gegen die gedumpten Einfuhren von Videokassetten und Videobandspulen aus Korea und Hongkong erfordern, berücksichtigte die Kommission zunächst, daß Videokassetten und Videobandspulen einen wichtigen Teil der Videoindustrie darstellen, weil nur Videokassetten in einer Videokamera oder einem Videokassettenrecorder zum Aufnehmen oder Abspielen eines Programms benutzt werden können . Zweitens spielt die Videobandindustrie eine wichtige Rolle in der Unterhaltungselektronik, die sich rapide entwickelt . Schließlich hat die Videokassettenproduktion auch ihren Platz in der Spitzentechnologie der chemischen Industrie, wo neue technologische Entwicklungen erwartet werden können .
( 65 ) Deshalb hätte eine wesentliche Rücknahme der Videokassettenproduktion durch den betreffenden Wirtschaftszweig der Gemeinschaft auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaftszweige Chemie, elektronische Medien und Unterhaltung in der Gemeinschaft . Darüber hinaus muß die Videokassettentechnologie zumindest bis zu einem gewissen Grad parallel zum technologischen Fortschritt in der Videokassettenrekorder -, Kamera - und Fernsehindustrie weiterentwickelt werden : ein kränkelnder oder geschwächter Videokassettenhersteller wird nicht in der Lage sein, diese technologische Herausforderung anzunehmen . Für die Beschäftigungslage und die Wirtschaftskraft des betreffenden Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft hätte es mit der Zeit negative Folgen, hinter einer solchen technologischen und kommerziellen Entwicklung zurückzubleiben .
2 . Argumente der Hersteller ( 66 ) Was Videobandspulen anbelangt, wurde vorgebracht, daß die Einführung eines Antidumpingzolls zum Verlust von Arbeitsplätzen in den Montagebetrieben der Gemeinschaft führen würde .
( 67 ) Was Videokassetten anbelangt, wurde vorgebracht, daß die Einführung eines Antidumpingzolls Gewinnverluste und infolgedessen auch Arbeitsplatzverluste bei den Filmkopieranstalten und Vertriebsunternehmen der Gemeinschaft verursachen würde .
( 68 ) Zu diesen Argumenten bemerkt die Kommission, daß die Interessen der Montage - und Filmkopierbetriebe, Vertriebsunternehmen und Verbraucher gegen die vielfältigen Folgen abzuwägen sind, mit denen zu rechnen ist, wenn einer rentablen Fertigungsindustrie des Videobandsektors in der Gemeinschaft kein Schutz durch Wiederherstellung lauterer Wettbewerbsbedingungen geboten wird . Alles in allem ist die Kommission der Auffassung, daß es im Interesse der Gemeinschaft liegt, den Fortbestand der Videoband-Fertigungsindustrie mit den entsprechenden positiven Auswirkungen auf die Beschäftigungslage und den Technologiestand zu gewährleisten, statt die Montage - und Filmkopierbetriebe und die Absatzunternehmen in der Gemeinschaft zu begünstigen, die bis zu einem gewissen Umfang von den schädlichen Dumpingeinfuhren abhängig sind .
( 69 ) Was die Preise anbelangt, ist sich die Kommission dessen bewusst, daß die Preise dieser Ausfuhren aus Korea und Hongkong möglicherweise steigen und die Endverbraucher und Filmkopieranstalten, ÖM-Unternehmen und Montagebetriebe deshalb für die gelieferten Waren eventuell mehr bezahlen müssen . Man sollte sich jedoch vor Augen halten, daß diese Käufer ihren bisherigen Preisvorteil unlauteren Handelspraktiken zu verdanken hatten und daß es nicht gerechtfertigt ist, daß diese unfair niedrigen Preise weiterhin praktiziert werden . Überdies wird die Anhebung der Preise für Videokassetten das Verbraucherverhalten wahrscheinlich nur wenig beeinflussen, da Videokassetten zusammen mit hochwertigen Videokameras und Videokassettenrekordern oder -spielern benutzt werden müssen; das gleiche gilt für die Filmkopieranstalten, da die Kosten einer Videokassette gegenüber den Kosten des Copyrights für einen Spielfilm kaum ins Gewicht fallen . Hinsichtlich der Montagebetriebe für Videokassetten ist zu bedenken, daß der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft seine Preise erhöhen muß, wenn er wieder rentabel arbeiten will . Antidumpingzölle werden daher nur geringen Einfluß auf ihre Wettbewerbslage haben .
3 . Schlußfolgerung ( 70 ) Bei der Abwägung aller vorgenannten Aspekte stellte die Kommission fest, daß die Interessen der Gemeinschaft es erfordern, daß angemessene Schutzmaßnahmen für den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft getroffen werden . Die Kommission hat berücksichtigt, daß sich die Bedingungen des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft in den letzten Jahren und vor allem während des Untersuchungszeitraums rapide verschlechtert haben . Die Kommission hält daher Maßnahmen für notwendig, die eine weitere Schädigung verhindern; diese Maßnahmen sollten in der Einführung vorläufiger Antidumpingzölle auf die Einfuhren von Videokassetten und Videobandspulen aus Korea und Hongkong bestehen .
I . ZOLL ( 71 ) Zur Beseitigung der Schädigung müssen die Verkaufspreise des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft erheblich erhöht werden . Die Erhöhung sollte es diesem Wirtschaftszweig ermöglichen, seine Produktionskosten zu decken und einen angemessenen Gewinn zu erwirtschaften .
Die Kommission errechnete folglich einen Richtpreis für das am meisten verkaufte Videokassettenmodell VHS E 180, auf das etwa 75 % aller Verkäufe des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft entfallen : dieser Richtpreis wurde auf der Grundlage des gewogenen Mittels der tatsächlichen Produktionskosten dieses Modells für jeden Hersteller der Gemeinschaft zuzueglich einer angestrebten Gewinnspanne von 12 % errechnet . Bei der Festlegung dieser Spanne berücksichtigte die Kommission einerseits die hohen Investitionskosten in der Vergangenheit und andererseits die Tatsache, daß der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft die technischen Fortschritte bei Videobändern finanzieren muß . In diesem Zusammenhang berücksichtigte die Kommission auch die durchschnittlichen laufenden Aufwendungen, die den Herstellern der Gemeinschaft durch Investitionen in Forschung und Entwicklung entstehen .
( 72 ) Zur Festlegung des Zollsatzes berechnete die Kommission anschließend den gewogenen Durchschnitt des Wiederverkaufspreises des gleichen Modells der Hersteller in Korea und Hongkong und verglich diesen Preis mit dem vorgenannten Richtpreis für jedes einzelne Unternehmen . Der Unterschied zwischen den beiden Preisen wurde als Prozentsatz des durchschnittlichen cif-Wertes der aus Korea und Hongkong eingeführten VHS E 180 ausgedrückt . Dabei wurde auch die ermittelte Preisunterbietung ( siehe Randnummer 47 bis 49 ) berücksichtigt .
( 73 ) Das Ergebnis dieser Berechnung war eine Spanne der Schädigung für jeden Hersteller, die die erforderliche Preiserhöhung zur Beseitigung der dem Wirtschaftszweig der Gemeinschaft zugefügten Schädigung darstellt . Jedoch hat kein Hersteller eine Dumpingspanne in einer Höhe, die dieser individuellen Schadensschwelle entspricht . Dementsprechend wurde es zur Beseitigung der nachteiligen Auswirkungen der gedumpten Einfuhren, soweit dies möglich ist, als angemessen angesehen, den vorläufigen Zoll auf der Höhe der festgestellten Dumpingspannen festzusetzen .
( 74 ) Es ist eine Frist festzusetzen, innerhalb der die betroffenen Parteien ihren Standpunkt darlegen und eine Anhörung beantragen können . Ferner ist festzustellen, daß alle für diese Verordnung durchgeführten Sachaufklärungen vorläufig sind und für die Zwecke eines endgültigen Zolls, den die Kommission gegebenenfalls vorschlagen wird, überprüft werden können - HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN :
Artikel 1 ( 1 ) Auf die Einfuhren von Videoband auf Spulen oder in Kassetten des KN-Code ex 8523 13 00 mit Ursprung in der Republik Korea und Hongkong wird ein vorläufiger Antidumpingzoll erhoben .
( 2 ) Der Zoll wird auf den Nettopreis frei Grenze der Gemeinschaft in folgender Höhe erhoben :
a ) 10,8 % für Videoband in Kassetten mit Ursprung in der Republik Korea; davon ausgenommen sind Einfuhrwaren, die von den nachstehend genannten Unternehmen hergestellt und zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauft werden . Für sie gilt der folgende Zollsatz :
- Kolon Industries Inc . 7,6 %, - Sähan Media Co . 4,5 %, - SKC Ltd 6,6 %;
b ) 59,3 % für Videoband in Kassetten mit Ursprung in Hongkong; davon ausgenommen sind Einfuhrwaren, die von den nachstehend genannten Unternehmen hergestellt und zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauft werden . Für sie gilt der folgende Zollsatz :
- Magnetic Enterprise Ltd 20,5 %, - Swilynn Ltd 8,1 %, - Swire Magnetic Ltd 11,3 %;
c ) 5,5 % für Videoband auf Spulen mit Ursprung in der Republik Korea; davon ausgenommen sind Einfuhrwaren, die von Sähan Media hergestellt und zur Ausfuhr in die Gemeinschaft verkauft werden; für sie beträgt der Zollsatz 1,0 %.
( 3 ) Die geltenden Zollbestimmungen finden Anwendung .
( 4) Die Abfertigung der in Absatz 1 genannten Waren zum zollrechtlich freien Verkehr in der Gemeinschaft ist von einer Sicherheitsleistung in Höhe des vorläufigen Zolls abhängig .
Artikel 2 Unbeschadet Artikel 7 Absatz 4 Buchstaben b ) und c ) der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 können die Betroffenen innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten dieser Verordnung ihren Standpunkt schriftlich darlegen und eine Anhörung durch die Kommission beantragen .
Artikel 3 Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Kraft .
Vorbehaltlich der Artikel 11, 12 und 13 der Verordnung ( EWG ) Nr . 2423/88 gilt Artikel 1 dieser Verordnung für einen Zeitraum von vier Monaten oder bis zum Erlaß endgültiger Maßnahmen durch den Rat .
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat .
Brüssel, den 23 . Dezember 1988

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