human: War das Konzept des geistigen Eigentums im Mittelalter bekannt?
assistant: Es gab im Mittelalter lediglich rudimentär ein Anrecht am intellektuellem Eigen. Temporell und lokal beschränkte Rechte, zum Beispiel an Kochrezepten oder an Zunftgeheimnissen gab es aber in individuellen vorzeitigen Kulturkreisen. Eine Nachbildung war gestattet, sofern keine Prohibitionen bestanden. Ein Taschenbuch zum Beispiel durfte vor der Invention der Buchdruckerkunst geschrieben werden. Genauso die Änderung oder Annahme von Stücken und Songs durch andere Musikanten war die Abarbeitung eines Stoffs durch viele verschiedene Autore und Kunstschaffender der Regelfall.																									
Die Entschädigung des Urschöpfers erfolgte vor Invention der Buchdruckerkunst nicht durch eine Veräußerung von Arbeiten, sondern durch Würdigungen. Die Würdigungen erfolgten ohne Rechtspflicht. Die Kunstschaffenden hatten großteil eine hochstehende soziale Position inne, wurden von einer Förderin unterstützt, oder waren in Abteien oder Gewerken veranstaltet und also ökonomisch gesichert. Attrappen waren jedoch bereits seinerzeit verschmäht. Die Verhunzung ihrer Arbeiten bei der Kopie fürchteten Autore durch Ausschreiben. Wenn ein Schriftsteller keine Änderung seines Schriftwerks wollte, behalf er sich mit einem Bücherfluch – so wünschte Eike von Repgow, der Autor des Sachsenspiegels, jedem die Miselsucht auf den Nacken, der seine Arbeit verfälschte.																									
Da berührt sich die rechtsgeschichtliche Zitierpraxis mit einer geistesgeschichtlichen Observierung: ebenso die Zitierpraxis war in jenen Zeiträumen eine erheblich andere, gering strikte, als heutzutage. Mehr nach seinen zünftigen Fähigkeiten als nach der Ursprünglichkeit seiner Kreationen bemaß sich die Rangstufe eines Kunstschaffenders.																									
Schon im verspätetem Mittelalter, ungefähr ab dem 14. Jahrhundert, wurden Vorrechte von den respektiven Machthabern, teilweise außerdem von kostenlosen Reichsstädten gewährt, die es alleine dem Begünstigten erlaubten, eine strenge Verfahrensweise einzusetzen. Durch eine staatliche Bescheinigung gewährt wurden diese. Die Fahrt in die Niederlande von Albrecht Dürer zum Protektion seiner Stiche durch Imperator Karl V. ist ein Exempel.																									
Die Zielsetzung des Privilegiums bestand häufig aber kaum im Ausschließung anderer, sondern in der Freistellung von Zunftregeln oder anderen Bestimmungen. Venedig führte als erste rechtliche Bestimmung schon 1474 ein Patentgesetz ein, nach dem ein Entwickler durch die Eintragung bei einer Instanz eine temporell beschränkte Protektion gegen Nachbildung erlangen konnte.																									
Vorrechte auf die geschickte Wiedergabe standen zudem bei Entstehung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert zuerst im Vordergrund. Die Wiedergabe erforderte häufig eine enorme Investierung. Häufig lediglich für dezidierte Arbeiten gewährt wurden diese. Dies gab dem Herrscher zeitgleich eine Chance zur Verbot. Autorenprivilegien kamen lediglich im 16. Jahrhundert analog dazu auf. Die Verlegerin erwarb gewöhnlich aber durch den Zukauf des Schriftstückes und der Genehmigung des Autors zur Erstausstrahlung ein Nachdruckrecht. Am Protektion der Verlegerin orientierte sich außerdem das erste Urhebergesetz, die großbritannische Statute of Anne überwiegend.