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Welcher Titel würde den Kern des Artikels am besten erfassen?
Die Cadillac des Jahrgangs 2005 haben nicht mehr viel gemeinsam mit den rollenden Chrompalästen der texanischen Ölbarone von einst. "Bold and edgy" - "kühn und kantig" - lautet das neue Credo bei der GM-Nobelmarke. Die kantig-geradlinige Karosserie kann durchaus gefallen mit ihren zwei riesigen Frontscheinwerfern, in die serienmäßig Xenon-Scheinwerfer eingebaut sind. Mit klaren Kanten, einem unverwechselbaren Design und einer Technik, die globalen Standards standhält, will General Motors seine Edel-Marke nun auch exportfähig machen. Zuhause, auf dem US-Markt rangiert der Caddy mittlerweile nach dem Lexus auf Platz zwei der Luxus-Zulassungen, vor BMW und Mercedes. Aber ob die Cadillac-Designer schon so ganz im Rest der Welt angekommen sind, daran kann man (noch) zweifeln, schaut man sich den frisch auf den Markt gekommenen Top-Caddy STS genauer an: Das ansonsten markante und höchst ansehnliche Auto, das mit knapp fünf Metern Länge auch für europäische Straßen tauglich ausgefallen ist, leistet sich mit einem völlig unsinnigen Heckspoiler einen in dieser Klasse unverzeihlichen Schnitzer. Stilbruch Mag ja sein, dass bei den Kompakten solch ein Flügelchen verkaufsfördernd wirkt. Wer jedoch auf die Käufer von tendenziell dezent gestylten Oberklasse-Limousinen aus München, Stuttgart oder Ingolstadt abzielt, verscherzt sich mit einer solchen "Manta-Theke" am Heck viel Sympathie - selbst, wenn sie noch halbwegs dezent ausgefallen ist. Sieht man von dem Bürzel ab, schafft der STS mit seinem Äußeren durchaus, was die GM-Strategen von ihm wollen. Er bietet mit seiner aus einem Block gepresst erscheinenden Karosserie die optische Alternative zu den üblichen Outfits in der oberen Mittelklasse, die man durch den Gewöhnungseffekt im Alltag längst schon übersieht. Wer schaut schon noch einer E-Klasse hinterher? Schlankes Ziel Wer aber mit dem STS unterwegs ist, der darf sich noch der Blicke vieler Passanten sicher sein. Und schaut man sich die Planung des Importeurs an, wird dieser Effekt noch länger anhalten - jährlich rechnet Cadillac in Deutschland gerade mal mit 200 Zulassungen. Die kantig-geradlinige Karosserie kann eben durchaus gefallen mit ihren zwei riesigen Frontscheinwerfern, in die serienmäßig Xenon-Scheinwerfer eingebaut sind. Mit dem nicht minder riesigen Lamellen-Kühlergrill und dem Caddy-Logo mittendrin, der V-förmigen Motorhaube. Mit der leicht ansteigenden Gürtellinie und den hochstehenden LED-Rückleuchten (jede davon mit 30 in zwei Linien angeordneten Leuchtdioden) hinten. Die gesamte Frontpartie weist keine Fugen auf - auf diesen Hinweis legt man bei Cadillac besonderen Wert. Will man damit doch die hochwertige Verarbeitungsqualität des Luxusliners unterstreichen, bislang ja nicht unbedingt etwas, für das amerikanische Autos berühmt waren. Viel Licht... Auch innen hält der Caddy weitgehend, was er von außen verspricht: gepflegte Clubatmosphäre mit edlen Materialien und dezenten Farben. Die gut konturierten und auch auf langen Strecken bequemen Sitze sind mit weich gegerbtem Nappaleder bezogen und lassen sich achtfach elektrisch verstellen. Wahlweise Eukalyptusholz oder gebürstetes Aluminium setzen an Lenkrad, Mittelkonsole, Armaturenbrett und Armlehnen die Akzente. Platz ist vorne wie hinten reichlich. Und dank der ins Dach hineingezogenen Türen sind der Ein- und der Ausstieg sehr einfach.
Fahrbericht: Cadillac STS 4.6 V8 - Habt Acht!
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Motorisierte Taxis gibt es schon fast so lange, wie es Autos gibt. Das erste Taxiunternehmen in Deutschland ging bereits im Jahr 1893 an den Start. Fritz Lutzmann - Erfinder, Automobilkonstrukteur und Taxi-Pionier - bot unmotorisierten Zeitgenossen einen Fahrservice zwischen Dessau und Wörlitz an. Fast 120 Jahre später sind deutschlandweit rund 50.000 Taxis registriert. Die Chauffeure sind nicht selten Menschen mit akademischer Bildung, die einen klassischen Karriereweg nicht gehen wollen oder können - weil vielleicht der Abschluss fehlt oder im Ausland abgelegte Examen in Deutschland nicht anerkannt werden. Wer Taxi-Dienste anbieten darf und wie ein Taxi auszusehen hat, regelt in Deutschland das Personenbeförderungsgesetz. Während der Chauffeur neben dem Führerschein auch Ortskenntnisse, tadellose Führung und allgemeine Tauglichkeit für sein Gewerbe nachzuweisen hat, muss das motorisierte Taxi mindestens über zwei Achsen, vier Räder und zwei Türen an der Bordsteinseite verfügen, um den Dienst als Motortaxi antreten zu können. Nur für Fahrradtaxen gelten andere Bestimmungen. Zur technischen Grundausstattung gehören auch das gelbe Schild auf dem Dach, ein geeichtes und behördlich genehmigtes Taxameter sowie der Taxi-Alarm, der vom Fahrer als Licht- und Hupsignal oder als Stiller Alarm - bei dem das als Taxischild auf dem Dach blinkt - ausgelöst werden kann. In den 60er-Jahren wurden in der Bundesrepublik besonders strenge Sicherheits-Reglements zum Schutz von Taxifahrern eingeführt. Nach einer Häufung von gewaltsamen Übergriffen und etlichen Taximorden hatte das Bundesverkehrsministerium 1966 die "Trennwandverordnung" erlassen. Ein Jahr später trat sie in Kraft und binnen Jahresfrist mussten alle Taxis mit einer kugelsicheren Trennwand aus Panzerglas ausgerüstet werden.
London Taxis - Black Cabs auf Tour
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GS, das war einmal: Hightech kompakt verpackt und auch noch hydropneumatisch gefedert, genauso wie die Göttin und der SM. Der BX hatte dieses Konzept in die Sturm-und-Drang-Periode des zu Ende gehenden Jahrhunderts hinübergerettet, doch er war der letzte Mohikaner in einem Pool der Beliebigkeit, in dem sich später so trübe Modelle versteckten wie AX, Saxo und Xsara. Auf den BX folgte der schon ziemlich austauschbare Xantia, der später Platz machte für den noch gesichtsloseren C5 - ein Auto, das wirklich kaum noch jemand haben wollte. Der absolute Tiefpunkt war dann mit dem Facelift erreicht, das jede Stilsicherheit vermissen ließ. Eine Sackgasse für die Marke, die endgültige Abkehr von allen Werten? Glücklicherweise nein. Citroën ist von den Scheintoten auferstanden. Mit C6, C4 und Picasso hat der Designer Jean-Pierre Ploué erfreuliche Zeichen gesetzt, die sogar die späten Entwürfe seines Peugeot-Kollegen Gérard Welter überstrahlen. Verschrobene Willkür war gestern Und so passt auch der neue C5 perfekt in das Bild der moderat progressiven Aufbruchstimmung. Er ist modern, aber nicht übertrieben modisch; er kombiniert die aktuelle Doppelwinkel-Front mit einer in den Proportionen stimmigen Grundarchitektur; er funktioniert als Kombi genauso gut wie als Stufenhecklimousine. Und: Er hält sich innen an die Spielregeln der Ergonomie, statt unsere Gutmütigkeit durch verschrobene Willkür über Gebühr zu strapazieren. GS, BX, Xantia und der erste C5 leisteten sich kollektiv den Luxus des teuren Hydropneumatik-Fahrwerks. Der neue C5 differenziert: Die kleinen Vierzylinder bekommen eine Stahlfederung, in der mittleren Leistungsklasse - Benziner mit 103 kW (140 PS), Diesel mit 100 kW (136 PS) - kann der Kunde wählen, bei den beiden V6-Aggregaten und in Kombination mit dem 125 kW (170 PS) starken Diesel wird die Hydractive-3-Plus-Federung verbaut. Die ist identisch mit dem Fahrwerk des C6 HDI 170, erreicht aber nicht ganz das hohe technische Niveau der C6-Spitzenmodelle. C6 und C5 sehen zwar völlig unterschiedlich aus, doch Bodengruppe und Chassis sind weitgehend baugleich; mit 2,82 Meter kommt der Radstand des C5 bis auf acht Zentimeter an den großen Bruder heran. Der Kofferraum unter der konkaven Heckscheibe, die nicht von ungefähr an den CX erinnert, hat wieder Gardemaß. In den Kombi allerdings, der bislang 565 Liter schluckte, passen künftig ein paar Flaschen Wein weniger hinein; mit 4,83 Meter ist der Break übrigens fast so lang wie ein BMW Fünfer Touring.
Citroën C5 - Zeit-Maschine
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Zoe ist ein altgriechisches Wort und bedeutet Leben. Ob das gleichnamige französische Elektro-Fahrzeug allerdings den vitalisierenden Odem in die stockende Elektromobilität hauchen kann, steht noch in den Sternen. Denn nicht jedermann kann den Wagen problemlos laden, da der Zoe zum ein Wand-Ladegerät braucht - das aber immerhin mitgeliefert wird. Keine idealen Voraussetzungen für hohe Zulassungszahlen. Dabei ist der französische Stromer durchaus alltagstauglich. Er schaffte mit einer Batterieladung bei den ersten Testfahrten rund 130 Kilometer. Das ist zwar weit unter den angegebenen 210 Kilometern. Aber bei dem Meß-Zyklus für Elektroautos verhält es sich wie bei den Benzinverbrauchsangaben in den offiziellen Datenblättern der Autohersteller - sie entsprechen nicht unbedingt der Realität. Um möglichst viele Kilometer mit der 22-Kilowattstunden-Batterie zu pressen, haben die Franzosen zum Beispiel eine Wärmepumpe verbaut, die den Innenraum erwärmt, aber nur ein Drittel der Energie einer normalen Heizung verbraucht. Damit der Strom auch möglichst lange fließt, rekuperiert der Zoe, sobald man den Gasfuß lupft. Kein Sportwagen In Bewegung zeigt der Franzose die bekannten Stärken eines Elektroautos: Er fährt lautlos und das Drehmoment von 220 Newtonmetern steht vom ersten Moment an zur Verfügung. Ein Druck auf den Eco-Knopf sorgt für besonders ressourcenschonende Fortbewegung und begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h. Die Leistung des Elektro-Triebwerks ist dann auf 58 PS begrenzt. Bei einem Kickdown setzt der Elektromotor seine ganzen 88 PS frei und beschleunigt auf maximal 135 km/h. Wird die Leistung nicht mehr abgerufen, wird der Eco-Modus automatisch wieder aktiviert. Um einen ressourcenschonenden Fahrstil zu fördern, gibt die Elektronik ständig Rückmeldung über den Fahrstil und schlägt gegebenenfalls Verbesserungen vor. Eine grün schimmernde Anzeige signalisiert einen umweltfreundlichen Fahrstil. Bei violetter Beleuchtung ist der Fahrer zu ambitioniert unterwegs. Das ist nur selten der Fall. Denn der Zoe weckt keine sportlichen Ambitionen. Die Sitzposition ist nicht optimal, da der Fahrer zu weit vom Lenkrad entfernt ist und das Gestühl wenig Seitenhalt bietet. Zudem ist das Fahrwerk ziemlich straff und gibt Unebenheiten deutlich an die Insassen weiter.
Elektroauto Renault Zoe
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"Zuletzt gesichtet vor Cape Flattery." So lakonisch kurz können Mitteilungen von Leuchtturmwärtern sein. Auf Tatoosh Island, einer kleinen, kaum 800 Meter breiten Insel, die vor dem gleichnamigen Kap im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten aus schäumender Gischt und einer Unzahl von Klippen aus dem Pazifischen Ozean ragt, waren sie über lange Zeit hinweg eher die Regel. Der Frachter Selendang Ayu lief am 8. Dezember 2004 vor der Aleuten-Insel Unalaska auf Grund und brach eine Stunde später auseinander. Neben Sojabohnen hatte der Frachter etwa 1600 Tonnen Schweröl und 69,3 Tonnen Schiffsdiesel an Bord. Dort, an der Strait of Juan de Fuca, der Einfahrt zum Puget Sound, verschwanden Hunderte Schiffe. Sie hießen Skagway, Southerner, HMS Condor oder Emily Farnum. Zerschmettert an schroffem Gestein, das wie der Buckel eines Wales nur für Sekunden aus den Wellenbergen auftaucht, und im nächsten Augenblick wie eine optische Täuschung wieder im Wasser entschwindet. Segler, Dampfer und Kauffahrer, die zuvor die halbe Welt umrundet hatten, wurden hier, auf den letzten Meilen vor ihrem Ziel, zum Spielball der Elemente. Sie zerbrachen an Klippen und Felsen und nahmen nicht selten alle Mann mit in die Tiefe. Die Meerenge zwischen Vancouver Island und der zum US-Bundesstaat Washington gehörenden Olympic-Halbinsel ist mit 13.000 Schiffsbewegungen pro Jahr eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Und weil die raue See den Menschen nicht abschrecken konnte, gehören der Regenwald, der sich bis direkt an die Klippen erstreckt, wie auch das Seetangdickicht zwischen den Riffs und steil abfallenden Felsen zu den am stärksten gefährdeten Küsten der Welt. Einst waren hier Schiffe mit Kisten und Säcken voll Baumwolle oder wertvollem Tuch unterwegs. Heute sind sie mit Materialien beladen, die nicht selten in die Kategorie Gefahrgut gehören; und mit Schweröl als Treibstoff an Bord, das im Fall einer Leckage im Handumdrehen Millionen Liter Wasser verseucht. Die Folgen, wenn in dichtem Nebel und unter schwierigen Strömungsverhältnissen mal wieder ein Ruder klemmt, ein einzelner Frachter auf die Küste zutreibt und auf die scharfkantigen Felsvorsprünge aufläuft, sind unüberschaubar. Eine der schwersten Katastrophen, die sich dort je ereigneten, war der Zusammenstoß des japanischen Fischtrawlers Tenyo Maru mit einem chinesischen Frachter.
Gefährliche Wasserstraßen - Hochspannung am Puget Sound
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Wer später kommt, hat mehr vom Leben. Das widerspricht zwar der landläufigen Meinung, könnte sich diesmal aber als treffsicher erweisen. Denn während Volkswagen mit der Preisgestaltung des neuen Golf gerade auf die Nase fiel und peinlich nachbessern musste, konnte sich Konkurrent Opel in aller Ruhe an den Wolfsburgern und der Reaktion des Markts ausrichten und die Preise des neuen Astra gleich von vornherein wettbewerbsfähig gestalten. Ganz frischer Wind - und trotzdem mit Opel-Image Kein Wunder also, dass er mit 15.200 Euro deutlich unterm Volksmodell Golf beginnt. Und wer den Astra noch vor Markteinführung am 20. März bestellt, bekommt sogar noch ein Ausstattungspaket im Wert von mehr als 2000 Euro gratis. Autobauen, nebenbei, ist ein wirklich ganz hartes Geschäft geworden. Vorteil Angreifer: Wer so deutlich in den Verkaufszahlen zurückliegt wie zuletzt der Astra im Besonderen und Opel allgemein, bei dem erklärt sich jeder Mut mit Verzweiflung. Entsprechend ambitioniert hebt sich das Design vom Golf ab, den man selbst dann nur schwer als neu erkennt, wenn er direkt vor einem an der Ampel steht. Neue Opel-Klarheit Dagegen der Astra: scharf geschnitten, stämmige Figur mit betonten Radausschnitten, Scheinwerfer-Batterien unter Klarglas, pfeilförmige Einzüge, klare Konturen, wohl proportioniert. Jedenfalls ausgesprochen dynamisch und trotzdem, wie schon der Vectra, unverkennbar ein Opel der neueren Generation. Und da man sein Auto ja nicht ununterbrochen als Spiegelung in Schaufenstern betrachten kann, trägt das Innendesign eher noch größeres Gewicht. Auch hier dominiert die Strenge der Linien, sie sorgt für Klarheit und Übersicht, ohne klinisch kühl zu wirken. Aus der Gestaltung erwächst die Tauglichkeit im Umgang: intuitive, mühelose Bedienung, gute Übersichtlichkeit, ein Gefühl von Qualität und Geborgenheit durch stimmige, wenngleich hinten nicht wirklich üppige Raumverhältnisse. Und gute Sitze obendrein. Allenfalls haben wir rings um den Fahrerplatz noch die eine oder andere Ablage vermisst. Gut dagegen sind die in jeder Konstellation umlegbaren Rücksitzlehnen. Vier Personen und eine Bockleiter - kein Transportproblem im Astra. Verblüffende Agilität Am verblüffendsten ist der Neue aber in Bewegung. Nicht, dass nicht auch die Konkurrenz von Golf bis Ford Focus über erstaunliche Kurveneigenschaften verfügte. Was man im Astra darüber hinaus freudig antrifft ist eine Straffheit, die aber nichts mit Härte zu tun hat, sondern am besten mit jener festen Geschmeidigkeit zu beschreiben ist, die wir zum Beispiel an einem BMW so schätzen. Die präzise, gehorsame Lenkung des Opel mit ihrer klaren Rückmeldung füllt dabei weit mehr als nur eine Statistenrolle aus. Und auch, wenn unter einschlägigen Experten schon der Streit ausgebrochen ist, ob wohl die Mehrlenker-Hinterachse von Golf und Focus dem Torsionslenker-Konzept des Astra überlegen ist - wir halten die Frage für rein akademischer Natur, schließlich sind die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten und die Gutmütigkeit der Reaktionen beim Astra beeindruckend. Ein Durchschnittsfahrer wird die Reichweite der Technik ohnehin nur im absoluten Notfall ausloten. Elektronische Fahrwerksverstellung Für besonders Ambitionierte bietet Opel dann aber noch ein besonderes, in der Kompaktklasse einmaliges Extra: Für einen günstigen Aufpreis von mindestens 395 Euro lassen sich die Stoßdämpfer elektronisch verstellen und das Fahrwerk kann per Knopfdruck auf sportliche Härte getrimmt werden. Auch Lenkung und Gaspedal geben sich dann besonders agil und angriffslustig. Und wo wir schon bei der Technik sind: adaptives Kurvenlicht, Kopfairbags, digitales Radio, Reifendruck-Kontrolle, ESP Plus mit Untersteuerkontrolle und automatischer Einbremsung für ins Schlingern geratene Anhänger, Berganfahr- und Einparkassistent, ein vorbildliches Infotainment-System - so viel Astra, ja, so viel Kompaktklasse war nie, wenn auch meist gegen Aufpreis. Von 80 bis 200 PS Gut sortiert ist zudem das Angebot unter der Haube. Im ersten Verkaufsjahr wird es fünf Benzinmotoren und drei Diesel geben - alle schadstoffarm nach Euronorm 4. Bei den Benzinern reicht die Spanne vom 1,4-Liter mit 95 PS über einen 1,6-Liter (105 PS) und einen 1,8-Liter (125 PS) bis zum Zweiliter-Turbo mit strammen 170 PS. Den Top-Motor mit 200 PS wird es von Sommer an zu kaufen geben. Auch dieseln wird es munter im Astra. Zwei 1,7-Liter-Common-Rail-Motoren mit 80 und 100 PS machen den Anfang, im Sommer kommt ein völlig neu entwickelter 1,9-Liter-CDTI mit 150 PS und 315 Nm Drehmoment. Der hat es in sich und bildet in der Quersumme aus Fahrspaß, Komfort und Wirtschaftlichkeit die größte Versuchung im Astra-Motorensortiment. Außerdem wird es für ihn einen Rußfilter geben. Die nächsten Astra-Stufen folgen denn auch bald: im Herbst der Caravan, nächstes Frühjahr ein tolles Coupé und Anfang 2006 das Cabrio mit festem Klappdach. Die Zeit drängt, denn wer früher kommt, hat mehr vom Markt. So ist es dann auch wieder.
Opel Astra - Mit dem Mut zum scharfen Schnitt
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Bereits beim Erstkontakt macht der Sechser einen guten Eindruck. Kein Gedanke an den einst lethargisch wirkenden Vorgänger 626 oder eine gebastelte Rucksackversion. Der Mazda 6 Kombi - ob mit Sport oder ohne - gefällt. Das Gesamtpaket wirkt auf den zweiten Blick sogar noch stimmiger als bei Fließheck- und Limousinenversion. Passagiere und Gepäck können sich über enge Abmessungen im Innenraum nicht beklagen. Vorne und hinten geht es gleichermaßen üppig zu. Vorne und hinten gleichermaßen üppig: Der Mazda 6 als Sportkombi Besonders der Fahrer freut sich über einen gelungen kreierten Arbeitsplatz. Die bequemen Sitze lassen sich - wenn auch etwas umständlich - gut verstellen. Pedalerie, Schaltung, Lenkrad und Armaturen passen ebenso wie die zahlreichen Ablagen. Allein der deplatzierte Lichtschalter am Blinkerhebel stört und die Mittelkonsole im Alulook wirkt wenig aufgeräumt. Die multifunktionelle LCD-Anzeige liegt gut im Blick - sollte angesichts der zahlreichen Informationen jedoch deutlich größer sein. Etwas mehr Beleuchtung für Bedienelemente in Türen und Armaturenbrett wären eine gute Sache. Die Konkurrenz macht es vor. Im Fond gibt es keinen Anlass zur Klage. Dank ausreichender Beinfreiheit und großzügig dimensionierten Sitzen kann man auch groß gewachsenen Personen die zweite Reihe ohne Bedenken zumuten. Wer im Heck lieber ein Fahrrad oder ein paar Kisten unterbringen möchte, legt die geteilte Rückbank mit exakt zwei Handgriffen um. Die einen sagen ausgefeilte Technik - Mazda nennt das ganze "Karakuri" - kein Witz. Rücklehne und Sitzfläche klappen dabei flach nach vorn. Das bringt leicht zu beladende 1.690 Liter Stauraum. Leider öffnet die Glasscheibe nicht separat. Die Bezeichnung "Sportkombi" macht jedoch Lust auf mehr. Hier kommt man um die Dieselversionen nicht herum. Beim Mazda 6 steht ein Zweiliter-Commonrail-Diesel mit zwei Leistungsstufen zur Verfügung. 121 und 136 PS liegen auf klassenüblichem Niveau. Bei einem Preisunterschied von gerade einmal 400 Euro kommt kein Gedanke an den "Kleinen" auf. So freut man sich über die anständigen Fahrleistungen des Mazda 6 2.0 CD. Der Spurt 0 auf 100 km/h in 10,4 Sekunden weckt fast den Leichtathleten in uns. 310 Nm Drehmoment bei 2.000 U/min sind ebenso klassenüblich wie die gemessene Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h, die die Werksgabe sogar übertraf. Das traf leider auch auf den Durchschnittsverbrauch zu. Statt der versprochenen 6,4 Liter Diesel auf 100 km/h genehmigte sich der immerhin 1,6 Tonnen schwere Japaner 7,2 Liter. Deutlich schwerwiegender: Ein Partikelfilter bleibt außen vor und die Kombiversion schafft nicht einmal die Euro4-Abgasnorm. Der kraftvolle Vierzylinder zeigt sich durchzugsstark und zerrt mitunter unschön an der Vorderachse. Der präzisen Lenkung tut das jedoch keinen Abbruch. Doch etwas leiser dürfte der Motor nicht nur im kalten Zustand klingen. Ein Grund ist bei höheren Geschwindigkeiten die Fünfgang-Schaltung, die eine sechste Stufe besonders bei flottem Autobahntempo gut vertragen könnte. Bei der nächsten Euro4-Generation der Dieselaggregate dürfte ein langer sechster Gang obligatorisch sein. Die Ford-Brüder machen es vor. Die Abstimmung von Fahrwerk und Dämpfern ist hingegen überzeugend. Die nächste kurvige Landstraße kann kommen - gerne. Für Familien und sportlich ambitionierte Zweier-WGs sind Sicherheits- und Serienausstattung besonders in der umkämpften Mittelklasse von großer Bedeutung. Hier sollte es zumindest die Exclusive-Variante sein. Für 25.520 Euro gibt es unter anderem ABS, ESP, Front-, Kopf- und Seitenairbags sowie Isofix-Vorrüstungen. Fehlen allein Nebelscheinwerfer und Xenonlicht, die allein bei der Topversion zu bekommen sind. Nicht nur Vielfahrer freuen sich über die DVD-Navigation (2.300 Euro).
Mazda 6 Sport Kombi - Sport oder Familie
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Noch sind es gut drei Wochen, bis in Düsseldorf mit der boot 2007 die weltgrößte Wassersportausstellung eröffnet wird. Vom 20. bis 28. Januar werden in 17 Messehallen 1650 Aussteller aus mehr als 50 Ländern mit Premieren, aktuellen Produkten und Dienstleistungen rund um den Yacht- und Wassersport erwartet. Und natürlich sind alle großen Bootsbaunationen an Bord, von Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, den Niederlanden und den Ländern Nordeuropas bis zu den USA und den Golfstaaten. Mit den Segeljachten Vision 40 und Vision 44 (vorne) will die Bavaria Werft gehobene Ausstattung unter Deck und sportliches Segeln gleichermaßen möglich machen. Da ist die Konkurrenz groß - selbst für ein Unternehmen wie Bavaria Yachtbau, das seinen Sitz in Giebelstadt nahe Würzburg hat und Deutschlands größte Yachtwerft ist. Das Flaggschiff kommt Erstmals gezeigt werden soll in Düsseldorf die neue Bavaria 50 Vision - mit 15,70 Meter Länge und coupéförmigen Decksaufbau das Flaggschiff der Werft. Bereits mit den beiden kleineren Ausführungen dieser Serie - der 12,70 Meter langen Vision 40 und der um einen Meter längeren Vision 44 hatten die fränkischen Bootsbauer für Aufsehen gesorgt. Denn mit diesen Entwürfen steuert Bavaria-Chef Winfrid Herrmann, 64, einen neuen Kurs und will den steigenden Ansprüchen der Segler nach gehobener Ausstattung und sportlichem Segeln gleichermaßen gerecht werden. Mehr als 100 Einheiten der Reihen Vision 40 und 44 sind nach Werftangaben bereits verkauft - das war im vergangenen Geschäftsjahr für die Werft allerdings vergleichsweise nur eine Kleinigkeit, denn: Insgesamt wurden 2849 Segelyachten und fast 700 Motoryachten im Wert von mehr als 270 Millionen Euro gebaut und ausgeliefert. "Im neuem Geschäftsjahr werden es wohl mehr als 4000 Schiffe sein", hofft Verkaufsleiter Mike Reuer. Rationalisierung als Hobby Bereits 1978 hatte Werftchef Herrmann angefangen, in seiner Kunststofffenster-Fabrik auch Segelboote zu bauen. Der Kaufmann und Segler ging allerdings anders an die Aufgabe heran, als es die meisten gelernten Bootsbauer zu tun pflegen. Herrmanns Boote waren und sind Serienyachten, in der individuelle Eignerwünsche kaum berücksichtigt, dafür aber auch kostengünstig gebaut werden können. Dazu kommt eine besondere Liebhaberei: "Mein Hobby ist die Umsetzung von Rationalisierungsideen", gesteht Herrmann. Auch heute geht er noch mit kritischen Blicken durch seine auf mehr als 65 000 Quadratmeter Fläche angewachsenen Produktionshallen und sucht weitere Möglichkeiten des effektiven Yachtbaus.
Moderner Schiffsbau - Am laufenden Band
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(SZ vom 15.07.1995) Zugegeben: die Erwartungen des Autos waren nicht besonders hoch. Schließlich ist der neue Rover 400 in vielen Elementen mit dem fünftürigen Honda Civic baugleich - und der Honda enttäuschte auf der ganzen Linie: fades Design, wenig Platz, nicht sonderlich stimmiges Fahrwerk, unausgewogene Motoren. In Sachen Raumangebot verdient auch der Rover nur das Prädikat 'ausreichend', doch in den übrigen Disziplinen schneidet er durchweg besser ab als sein japanischer Bruder. Diese Diskrepanz liegt zu einem gewissen Teil am Ort der Präsentation. Während Honda den Civic auf Madeira vorstellte, wo sich das Auto zumeist im zweiten Gang die steilen und engen Bergsträßchen hinauf- und dann wieder hinunterquälen mußte, lud Rover in das weit weniger hügelige England. Der erste Eindruck: der 416i ist besser abgestimmt und mit einem nervenschonenden 1.6-Liter- Motor bestückt, der sich angenehmer fährt als auf das hohe Drehzahlen angewiesene Honda-Aggregat. Der angelsächsische, 82 kW (111 PS) starke 16-Ventiler mobilisiert sein maximales Drehmoment von 145 Nm schon bei 3000/min, der 1.6- Liter-Honda-Treibsatz mit 83 kW (113 PS) benötigt dagegen 5100 Touren, um 140 Nm bereitzustellen. Auch in bezug auf den Verbrauch hat der 416i mit 7,0 l/100 km gegenüber 7,3 l bleifrei Super auf 100 Kilometer den Kühler vorn. Den Rover-Designern unter Gordon Sked ist es - wieder einmal - gelungen, dem neuen Modell eine eigenständige und markentypische Form zu geben. Zu den wichtigsten Änderungen gegenüber dem Civic gehören der verchromte Grill, die Breitbandscheinwerfer mit den seitlich direkt anschließenden Blinkern und die elegantere Heckpartie. Diese positiven Akzente können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Grundform ziemlich banal ausgefallen ist. Rover will den Newcomer zwar als Gegenspieler von Mondeo, Carina und Vectra positionieren, doch vom Platzangebot paßt der Wagen besser zu Escort, Corolla und Astra. Während Fahrer und Beifahrer relativ komfortabel untergebracht sind, geht es im Fond ziemlich eng zu. Auch der Kofferrauminhalt von 375 Liter paßt nicht so recht zum Anspruch, in der Mittelklasse mitmischen zu wollen. Leider ist das Interieur auch stilistisch keine Offenbarung. Die Paisley-Bezüge und das großflächig verlegte Wurzelholz sind zwar very British und vergleichsweise up-market, aber dazwischen türmt sich altbackenes Hartplastik, und die Ergonomie ist nicht durchgehend stimmig. Der Rover 400 kommt erst nach der IAA im September auf den deutschen Markt. Zunächst gibt es den Fünftürer ausschließlich mit dem 111 PS starken 1.6-Liter-Motor, später folgen ein 1.4-Liter-Aggregat mit 76 kW (104 PS), ein 2.0- Liter-16-Ventiler mit 100 kW (136 PS) und ein 2.0-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 64 kW (85 PS). Im April 1996 startet die viertürige Stufenhecklimousine, die von den Abmessungen gefährlich dicht an den Rover 600 heranrückt. Ebenfalls für das nächste Frühjahr vorgesehen ist die Markteinführung der Neuauflage des dreitürigen Rover 200, der im Gegensatz zum 400 die alte Bodengruppe beibehält. Coupé, Cabriolet und Tourer werden leicht überarbeitet und Zug um Zug mit den neuen Motoren ausgerüstet. Das einzige Rover-Modell, das - aus vertraglichen Gründen - über die gesamte Laufzeit den Honda-Maschinen treu bleibt, ist der 600. Im Rover 800 debütiert dagegen binnen Jahresfrist der in Eigenregie entwickelte KV6-Sechszylinder, der eine interessante Alternative zu den weiß-blauen Reihenmotoren darstellen dürfte. Doch zurück zum 416i/Si/SLi, der hierzulande je nach Ausstattung zwischen 28 000 und 34 000 Mark kosten soll. Schon die preiswerteste Variante verfügt über Fahrer-Airbag, ABS, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, höhenverstellbare Gurte, von innen einstellbare Spiegel, Servolenkung, elektrisches Schiebedach und Radiovorbereitung mit vier Lautsprechern. Der Si bietet zusätzlich elektrische Fensterheber vorn, elektrisch verstellbare und beheizte Rückspiegel, Fahrersitz-Höhenverstellung und Veloursbezüge. Das Topmodell ist der SLi, der einen Beifahrer-Airbag, Fensterheber und Kopfstützen auch hinten, Nebelscheinwerfer, mehr Holz und zusätzliche Lautsprecher besitzt. Für viele Varianten gegen Aufpreis lieferbar sind Radio, Alufelgen, Metalliclack, Lederpolster und Klimaanlage. Der von uns ausgiebig probegefahrene Rover 416 SLi beschleunigt in 10.8 Sekunden von Null auf 100 km/h und ist 190 km/h schnell. Bei dem 111-PS-Motor handelt es sich um die 1.6-Liter-Version der in England entwickelten K-Motorenreihe, die sich durch gesunde Laufkultur und eine angenehme Drehmomentcharakteristik auszeichnet. Die Maschine hängt ordentlich am Gas, dreht willig hoch und harmoniert gut mit dem praxisgerecht abgestuften Getriebe, das präzise und mit kurzen Wegen arbeitet. Die Kupplung paßt zum agilen Gesamteindruck der Antriebseinheit, denn sie packt einerseits kraftvoll zu und ist andererseits problemlos zu dosieren. Auch an der Gewichtung der Pedalerie merkt man, daß sich die Rover-Techniker bei der Abstimmung viel Mühe gegeben haben: der Kraftaufwand der Fußarbeit ist genau austariert - beim Tanz auf Gas, Bremse und Kupplung stimmt der Rhythmus. Die Lenkung vermittelt mehr Fahrbahnkontakt als der Richtungsfinder des Civic, denn Rover wählte eine steifere Kennlinie und eine progressivere Gewichtung um die Mittellage, die den Wagen souveräner und weniger giftig erscheinen läßt. Das Fahrwerk des 416 SLi leistet sich den in dieser Klasse nicht selbstverständlichen Luxus von vier einzeln aufgehängten Rädern. Vorne kommen doppelte Dreiecksquerlenker zum Einsatz, hinten tut eine Mehrlenker-Achse Dienst. Die Engländer sind besonders stolz auf die neuen, linear ausgelegten und damit sehr feinfühlig reagierenden Gasdruck-Stoßdämpfer, die guten Komfort versprechen ohne das Handling zu beeinträchtigen. Ein spezieller Prüfstand, auf dem die verschiedensten Fahr- und Fahrbahnzustände simuliert werden können, half den Technikern bei der endgültigen Feder- Dämpfer-Abstimmung. Das Ergebnis ist ein agiles und gleichzeitig in allen Lebenslagen stabiles Handling, das in der trittsicheren Straßenlage und der guten Richtungsstabilität kongeniale Partner findet. Der kompakte Rover ist ein ausgewogener und leichtfüßiger Fünfsitzer . Die wesentlichen fahrdynamischen Unterschiede zum Honda Civic betreffen die souveränere Lenkung, das harmonischere Chassis und den im Alltagsbetrieb angenehmeren Motor. Die 400er-Reihe ist der letzte gemeinsame mit Honda entwickelte und gebaute Rover. Sein Nachfolger mit dem Code RD2 entsteht derzeit mit tatkräftiger Unterstützung durch BMW. Die Bayern haben den Engländern zu diesem Zweck jenes bereits ziemlich weit gediehene Frontantriebsprojekt vermacht, das als alternativer 3er-Nachfolger entwickelt und dann doch wieder verworfen wurde. Da auch bei den Motoren und bei den Unternehmen langfristig Synergieeffekte angestrebt werden (vom Jahr 2003 an nur noch ein gemeinsamer Vierzylinder und nur mehr ein Sechszylinder, entweder als V6 oder als Reihenmotor), ist eine stärkere Verschmelzung der Produktaktivitäten bereits vorprogrammiert. Diese Integration spart Kosten, aber sie reduziert auf beiden Seiten des Kanals die technische Eigenverantwortung, und sie bedeutet speziell im Antriebsbereich den Verlust von Arbeitsplätzen, der das freundliche Miteinander schon bald in ein argwöhnisches Gegeneinander umschlagen lassen könnte. Von Georg Kacher
Rover 400 - Ausgewogen, kompakt und leichtfüßig
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"Jetzt den Fuß ganz von der Bremse nehmen! Runter damit!!! Und die Arme über Kreuz lassen! Nicht lenken!!!" Die körperlose Stimme an meinen Ohren ist laut, fordernd, beinahe aggressiv. Und hat gut reden. Mein Kopf weiß schon, was mein Körper zu tun hat. Aber dieser will nicht - zumindest nicht so, wie der Kopf, in jedem Fall aber die Stimme aus dem Off es ihm vorschreiben möchten. Auf nassem Untergrund freiwillig eine echte Vollbremsung hinlegen, das kostet reichlich Überwindung. Die Folgen? Sie könnten katastrophal sein. Und sind es nur nicht, weil die Situation nicht real, sondern gestellt ist. Auf dem Fahrübungsplatz. Harmlos eingezwängt zwischen einem riesigen Flugzeughangar und einem unidentifizierbaren Gebäude von nicht minder beeindruckenden Ausmaßen. Hier, am Münchner Flughafen, schlägt BMW zu. Auf einer ansehnlichen Fläche hat der Münchner Autohersteller mehrere Fahr-Parcours parzelliert, die in der Regel allesamt simultan betrieben werden: verschiedene Trainingsvarianten für verschiedene Teilnehmer mit verschiedenen Modellen. Alle von BMW natürlich. Wir sind im Anfängerkurs, "BMW Kompakt-Training" geheißen. Dem entsprechend sind auch unsere Trainingsgefährte Anfängerautos - zumindest innerhalb der BMW-Hierarchie: Wir sind in silbernen 318ti Compact unterwegs. (Bei diesem Kurs dürfen Teilnehmer auch ihre eigenen Autos mitbringen - und einsetzen.) Erst mal an den Rand des Eingemachten Und lernen bald deren unbestreitbare Handlichkeit zu schätzen. Nach den ersten Slalomfahrten zum "Kennenlernen" geht es bald schon sozusagen an den Rand des Eingemachten. Bremsen. Mit und ohne ABS. Das lässt sich übrigens nur in den speziellen Trainingsautos abschalten - und simuliert so überzeugend Pkw, die über diese automatische Stotterbremse noch nicht verfügen. "Das werden zwar weniger, aber es gibt sie noch", verkündet Jörg Behringer, unser Trainingsleiter. Ironie des Schicksals: Der freundliche und - wie sich bald herausstellen wird - überaus geduldige junge Bayer steht heute selbst auf dem Prüfstand: Er macht mit uns seine Prüfung zum offiziellen vollwertigen Trainingsmenschen, Instruktor genannt. Das hat er uns bei der rund einstündigen Theorie-Sitzung vor den Praxisübungen verraten. Wir drücken uns gegenseitig die Daumen. Ach ja, bremsen. Ist doch wirklich kinderleicht, oder? Von wegen. Der Bremsakt gerät wenigstens dann zu einer unerwartet zögerlichen Kleckerei, wenn es nicht wirklich "ernst" wird. Und ein paar Pylonen auf einer künstlich genässten Übungsstrecke sind nun mal nicht "ernst". Also werden wir nachdrücklich per Funk (die Stimme aus dem Off) vom Trainingsleiter aufgefordert, "mit voller Wucht aufs Bremspedal zu treten. So, als ob Sie es kaputt treten wollten." Fortgeschrittenen-Übung Dazu muss man sich wirklich überwinden. Und dabei bricht die Karre ein wenig aus. Das soll sie auch. Denn es muss demonstriert werden, wie Räder ohne ABS blockieren und das Auto lenkunfähig machen. Quietsch! Dass man auch daraus noch was Gutes machen kann, beweist etwas später eine fortgeschrittenere Übung (die wir eingangs beschrieben haben). Man bremst wieder mit aller Wucht, schlägt während der Verzögerung das Lenkrad um 180 Grad ein. Das beeindruckt das Auto überhaupt nicht, es schiebt geradeaus weiter, da es sich mit den blockierten Rädern ja nicht gezielt dirigieren lässt. Man schlittert also mehr oder weniger gerade auf ein Hindernis zu, und soll dann auch noch von der Bremse gehen. Dazu kann ich mich erst beim dritten Versuch ernsthaft überwinden. Und siehe da: Es klappt. Die Räder gewinnen nämlich wieder ihre Stabilität und reißen das Auto in die vom Lenkrad vorgegebene Richtung. Das sind 180 Grad, was den Wagen doch glatt zielsicher in die vorgegebene "Pylonen-Ausweichgasse" drängt. Nix Aufprall aufs Hindernis. Na sowas. Erfolg! Der Jumbo ist schuld Weniger erfolgreich sind wir beim Rundkurs. Aber nicht wegen mangelnder Instruktionen oder in die Knie gegangener Autos. Vielmehr hat der erschöpfte Teilnehmer die fachkundigen Anweisungen schlichtweg verpennt, weil ihn viel mehr interessiert hat, wie auf dem Nachbargrundstück ein Jumbo in den Hangar verbracht wird. Das hat zur Folge, dass wir beim Untersteuern mit ausgeschaltetem DSC (Dynamic Stability Control: So heißt das ESP bei BMW. OK?) auf dem Rundkurs arg abgedrängt werden - und uns eine entsprechende Rüge einhandeln. Besser sieht es schließlich aus, als wir innerhalb eng gesteckter (Garagen-)Wände (die freundlicherweise von Pylonen symbolisiert werden) das Wenden üben sollen. Irgendwie läuft das erstaunlich gut - auch wenn ein rascher Blick nach nebenan die Frage aufwirft, ob der Jumbopilot in seinem Hangar das auch üben muss... Alles hat ein Ende - sogar ein BMW Kompakt-Training. Wie erhalten schließlich eine Urkunde ausgehändigt, die uns die erfolgreiche Teilnahme an dem Kurs bescheinigt - was laut Kursleiter Behringer hin und wieder sogar die eine oder andere Kfz-Versicherung in Sachen Policen-Rabatt bewegt haben soll. Das lässt die Teilnehmer wieder aus ihren Erschöpfungszuständen auftauchen, in die sie gefallen "wurden". Alle sind jetzt froh, geloben fürderhin standesgemäße Fortbewegung im Straßenverkehr und - was Jörg Behringer vermutlich mindestens genauso interessieren dürfte - die Teilnahme an einem Fortgeschrittenenkurs. Ach ja: Als wir fertig sind, weiß er selbst noch nicht, ob er bestanden hat. Aber unserer Meinung nach muss er sich da nicht allzu viele Sorgen machen.
Fahrer-Training - Von Ausbrüchen, Blockaden und Ausweichgassen
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Fiat ist wohl wieder auf dem aufsteigenden Ast. Nach dem Grande Punto und dem Panda startet nun der neue Hoffnungsträger Bravo. Das weltweit erste Auto, das komplett am Computer entwickelt wurde, soll Golf und Astra Angst machen und alte Fiat-Kunden zurückholen. Elegant: Während Seiten- und Fensterlinie deutlich nach hinten ansteigen, fällt das Dach ab der B-Säule sanft nach hinten ab und geht in ein rundliches Hinterteil über. Fiat Bravo? - hat man doch schon einmal gehört! Klar, der Vorgänger des aktuellen und im Markt real kaum vertretenen Fiat Stilo hieß ebenfalls Bravo. Zusammen mit seiner dreitürigen Zwillingsschwester Brava hatte sich das Fiat-Duo in den 90er Jahren erfolgreich an den deutschen und französischen Platzhirschen die Zähne ausgebissen. Doch Fiat-Chefentwickler Harald J. Wester und sein Team haben in nur 18 Monaten ein völlig neues Auto auf die Räder gestellt, das keinen Vergleich scheuen soll. Die Erwartungen sind riesig, und auch die Konkurrenz schaut erwartungsvoll nach Turin, wo der neue Bravo vorgestellt wird. Alles andere als langweilig Bereits das neue, dunkelrote Fiat-Logo soll den Einstieg in eine neue Kompaktklasse-Ära einläuten. Aber alles schon einmal gehört, und die Norditaliener bringen ihr ehemals blaues Logo nicht zum ersten Mal zum Schönheitschirurgen. Statt blau zukünftig also rot, und statt kantig-markig soll der neue Bravo mit Eleganz und Dynamik überzeugen. Als wohl erstes Auto weltweit wurde der neue Golfkonkurrent komplett am Computer entworfen. Testfahrzeuge gab es nur für die Endanstimmung von Fahrwerk und Motor. Das ist neu. Der neue Bravo sieht alles andere als langweilig aus. Ähnlichkeiten zum Grande Punto und dem gleichermaßen großen wie erfolglosen Croma sind kein Zufall und sollen das neue Fiat-Markengesicht in die Hirne der Käufer bringen. Anders als viele Konkurrenten bemüht sich der Hoffnungsträger nicht gnadenlos darum, durch sein Design Kraft und Aggressivität darzustellen. Keine wilde Pfeilung in der Motorhaube und auch die Radkästen beileibe nicht voluminös ausgestellt. Dafür wirkt das Design wie aus einem Guss, durchaus rundlich und eigenständig. Während Seiten- und Fensterlinie deutlich nach hinten ansteigen, fällt das Dach ab der B-Säule sanft nach hinten ab und geht in ein rundliches Hinterteil über.
Neuvorstellung Fiat Bravo - Zurück zum Geschäft
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Welche Überschrift würde den Inhalt dieses Artikels am besten zusammenfassen?
Harley-Davidson hat ein Problem. Nein, nicht bei den Absatzzahlen, die sind mit über 260 000 verkauften Modellen im vergangenen Jahr so gut wie schon lange nicht mehr. Die Krisenjahre zwischen 2007 und 2009 sind überwunden, Verlustbringer wie die Marken Buell und MV Agusta sind eingestellt oder wurden wieder verkauft. Gerade in den USA geht es aufwärts. So erwähnt Matt Levatich, Präsident der H.-D. Motor Company, nicht ohne Stolz, dass Harley-Davidson "in den letzten fünf Jahren zur Marke Nummer eins bei jungen US-Amerikanern" aufstieg. Und auch hierzulande verkaufen sich Big Bikes aus Milwaukee wie Road King, Electra Glide und Low Rider bestens - im vergangenen Jahr 9927-mal, Tendenz steigend. Das Problem ist das Image der Luxusmarke. Das bisher günstigste Motorrad, die Sportster 883 Iron, kostet hierzulande ab 8995 Euro, die Preisgrenze nach oben ist dagegen nahezu offen. Gerade in den europäischen Krisenländern Spanien, Portugal und Italien sowie in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens tut sich Harley mit seinen kostspieligen Big Twins eher schwer. Das soll sich ändern. Dafür haben die Amerikaner ein komplett neues Motorrad entwickelt, das erste seit 14 Jahren, das eine neue Plattform begründet. Mit der Harley-Davidson Street 750 sollen "junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren" angesprochen werden, wie Marketingchef Mark-Hans Richer anlässlich der Präsentation im vergangenen Jahr auf der Messe in Mailand verkündete. Weg mit einigen Traditionen Um dieser Generation von Motorradfahrern in Europa und Asien den Traum von einer preiswerten Harley zu ermöglichen, wirft das Unternehmen einige Traditionen über Bord. Dazu gehört die Fertigung in einer Produktionsstätte außerhalb der USA. Seit 2009 besitzt Harley-Davidson in Haryana in der Nähe von Dehli ein eigenes Werk, in dem bisher 883-Varianten der Sportster aus angelieferten Produktgruppen, sogenannten Knock-down-Kits, zusammengebaut werden. Die für den europäischen und den asiatischen Markt bestimmte Street 750 wird dagegen komplett in Indien produziert. Wohl um die heimische Kundschaft nicht zu verschrecken, laufen gleichzeitig Street-Modelle für die USA und Kanada am heimischen Produktionsstandort Kansas City vom Band. Eine weitere Revolution ist der Antrieb der Street 750. Weshalb der neue V-Twin wohl auch den Namen Revolution X trägt. Mit dem von Porsche 2003 für den Harley Dragster V-Rod 1200 entwickelten Revolution-V2 hat der Street-Motor aber nichts gemein. Der wurde im Harley-Davidson Product Development Center in Milwaukee entwickelt. Im Vergleich zu den klassischen 45-Grad-V2-Motorrädern besitzt der Street-Motor Wasserkühlung und einen Zylinderwinkel von 60 Grad. Der größere Winkel ermöglicht einen tieferen Schwerpunkt und eine mit 709 Millimeter sehr niedrige Sitzhöhe. Mit 56 PS liegt die Leistung zwar über der 48-PS-Grenze für den aktuell so attraktiven Führerschein A2, aber Harley-Davidson bietet die Street auf Wunsch mit einem entsprechenden Drosselsatz ausgestattet auch in dieser Leistungsklasse an. Verzicht ist nicht nötig Und worauf muss der Interessent bei einem in Indien produzierten Bike verzichten? Eigentlich auf nichts, was eine Harley-Davidson ausmacht. Die Street mag mit bestimmten Traditionen brechen, dennoch besitzt sie die typischen Big-Bore-Gene wie den kräftigen Sound, den markanten Tank mit dem Harley-Logo, den Minimalismus im Cockpit und das Gefühl von Heavy Metal unter dem Hintern. Dazu erfreut der Motor mit einer Spontanität bei der Gasannahme und einer Laufruhe ohne lästige Vibrationen, wie man sie von kaum einer anderen Harley kennt. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und mit 222 Kilo wiegt die Street fast 40 Kilo weniger als eine Sportster 883. Das kommt der Handlichkeit zugute und macht es "dem Fahrer leicht, dem Großstadtverkehr zu entkommen", resümiert Matthew Knott, Harleys PR-Manager. Es gibt aber auch unschöne Details, die offensichtlich Ergebnis des Kostendrucks sind. Dazu gehören die frei dem Regen ausgesetzten Kabelverbindungen oder das fehlende ABS, das erst beim 2016er Modell kommen soll. Ob der "urban orientierte Fahrer das Abenteuer in der Stadt und auf dem Land" auch bei einem angepeilten Preis von 7500 Euro angeht und dies in Kauf nimmt, wird man erst ab September sehen können, wenn die Street 750 bei deutschen Harley-Dealern stehen wird. Vorher werden nämlich die Krisenländer Spanien, Portugal und Italien beliefert.
Harley-Davidson Street 750
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Wenn die Tage kürzer werden, ist eine gute Beleuchtung am Fahrrad unverzichtbar. Für Radler, die auch in der dunkleren Jahreszeit täglich unterwegs sind, empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine ausfallsichere LED-Beleuchtung mit Nabendynamo. Mountainbiker, Rennradler und Gelegenheitsfahrer verwenden gerne Akkuleuchten zum Anklemmen. Seit Juni 2017 sind diese im Straßenverkehr erlaubt, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Modelle mit StVZO-Zulassung erkennt man an einem Prüfzeichen und einer Zulassungsnummer, die mit einem Wellensymbol und dem Buchstaben K beginnt. Auf dem Markt für Vorderradlampen gibt es große Qualitätsunterschiede - von billigen Funzeln bis zu Modellen, die Suchscheinwerfern ähneln. Wer abseits von Straßen unterwegs ist, muss gut erkennen, wohin er fährt, deshalb ist die Leuchtkraft das wichtigste Kriterium für die Qualität einer Lampe. Wie gut diese strahlt, lässt sich aber nicht allein an den technischen Werten ablesen. "Die Luxwerte sind so aussagekräftig wie der Hubraum beim Auto", sagt Stephan Behrendt, Fachreferent für Technik und Verbraucherberatung beim ADFC in Köln, "wichtig ist nicht, was aus der Lampe rauskommt, sondern wie und wo es auf der Fahrbahn ankommt." Das "Leuchtbild" soll möglichst gleichmäßig sein. Die Lampen dürfen andere Verkehrsteilnehmer nicht blenden, im Idealfall sind sie in der Höhe und zur Seite verstellbar und verrutschen auch auf holprigen Wegen nicht. Für unseren Test spielten auch die Montage, die Bedienfreundlichkeit und die Ausdauer des Akkus eine Rolle. Illustration: Dirk Schmidt; Fotos: Imago; Hersteller
Test: Das ist die beste Fahrradlampe
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Schreibe eine knappe Schlagzeile, die den Lesern das Wesentliche dieses Artikels vermittelt.
Die Kollision zwischen rollendem Einkaufswagen und Auto gilt nicht als Verkehrsunfall. Doch was, wenn der Einkaufswagen gleichzeitig ein Auto ist? Ein motorisierter Riesen-Einkaufswagen in den USA. Das Urteil im Detail Ein Zusammenstoß zwischen einem rollenden Einkaufswagen und einem parkenden Auto gilt nicht als Verkehrsunfall und ist damit kein Fall für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Vielmehr muss derjenige für den Schaden aufkommen, der den Einkaufswagen ungesichert abgestellt hat. Das hat das Münchner Amtsgericht in einem mittlerweile rechtskräftigen Urteil entschieden (AZ 343 C 28512/12). So kam es zu dem Unfall In dem Fall hatte ein Mann den Einkaufswagen auf dem Parkplatz eines Supermarktes im Landkreis Starnberg neben sein Auto gestellt, um leere Getränkekisten aufzuladen. Dabei rollte der Einkaufwagen gegen einen daneben geparkten Kastenwagen. Den Schaden von 1638,43 Euro versuchte die Eigentümerin des Kastenwagens von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Mannes zu bekommen. Die Urteilsbegründung Die Klage der Frau wies das Amtsgericht ab. Es verurteilte aber den Mann zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 1519,91 Euro. Die Kfz-Haftpflichtversicherung müsse nur zahlen, wenn sich ein Unfall bei Betrieb eines Kraftfahrzeugs ereignet. Die Ursache des Unfalls liege in diesem Fall aber nicht in der Gefahr, die durch das Auto ausging. Vielmehr hätte der Mann beim Abstellen des Einkaufswagens darauf achten müssen, dass dieser sicher steht und nicht wegrollt. Mit seinem Auto hatte die Sache deshalb nichts zu tun.
Wer zahlt, wenn der Einkaufswagen ein Auto rammt?
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Indien steht vor der Massenmotorisierung - einer vierrädrigen diesmal. Zwar werden noch mehr Zwei- und Dreiräder mit Motoren verkauft als ausgewachsene Autos. Doch es steht eine Trendwende an. Darauf hoffen drei große indische Autohersteller und eine Menge ausländischer Konzerne, die seit der Liberalisierung des margenreichen Marktes Anfang der 90er Jahren in den Subkontinent drängen, Fabriken bauen und Gemeinschaftsunternehmen gründen. Die Arbeitskosten sind niedrig, Normen für Sicherheit und Umweltschutz lax. Straßenverkehr in Neu Delhi: Die vierrädrige Massenmotorisierung soll in Indien kurz bevorstehen. Sind erst einmal die großen Autobahnen gebaut, sind längere Autoreisen und der Warentransport auf Asphalt auch in Indien sinnvoll. Für die Wirtschaft und den Handel ist die bevorstehende Fertigstellung des fast 6000 Kilometer langen "Golden Quadrilateral" zentral, das gigantische Milliardenprojekt, das die großen Städte Indiens mit vier- bis sechsspurigen Schnellstraßen verbinden wird: Bombay (im Westen) mit Delhi (im Norden), Kalkutta (im Osten) und Chennai (im Süden). Die wachsende Kaufkraft der indischen Mittelschicht, welche auf 300 Millionen Menschen geschätzt wird, verspricht gute Geschäfte. 2006 wurden in Indien 1,3 Millionen Autos verkauft; in zehn Jahren sollen es doppelt so viele sein. Die indische Autoindustrie konzentriert sich in dieser Phase fast ausschließlich auf billige Kleinwagen. Die Firma Maruti Udyog, ein Joint Venture aus den 80er Jahren des indischen Staates mit der japanischen Suzuki, ist der große, einst beinahe monopolistisch operierende Branchenprimus. "Maruti-Suzuki" halten vor allem mit dem beliebten Kleinwagen Maruti 800, von dem in den letzten zwanzig Jahren in Indien mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft wurden, etwa 35 Prozent des Marktes. Die Vormacht schrumpft allerdings und ist nun ernsthaft bedroht. Geplant: Das billigste Auto der Welt Tata Motors, die Tochtergesellschaft eines der größten Industriekonglomerate Indiens und Herstellerin von Bussen und Nutzfahrzeugen mit 29 Prozent Marktanteil, baut am billigsten Auto der Welt: Der "One lakh car" , der Wagen für 100 000 Rupien, soll 2008 auf den Markt kommen und umgerechnet 2000 Euro kosten. Die jährliche Fabrikationsmenge dürfte zunächst nur 100 000 betragen. Ein neues Werk ist aber in Planung. Ratan Tata, der Chef und Erbe des Unternehmens, hat Erfahrung mit der Herstellung von Billigautos. Mit dem Modell Indica, dem ersten vollständig in Indien gebauten Auto, stieg er 1998 in den Markt der Personenwagen ein und musste sich zunächst viel Kritik anhören über mangelnde Qualität. Dennoch glaubt die Branche, der "One lakh car" werde die Industrie revolutionieren und die Inder in großer Zahl zu Autobesitzern machen. Tata kooperiert hauptsächlich mit Fiat. Mit Renault hat sich Mahindra & Mahindra verbündet, die 1945 gegründete Nummer drei im indischen Markt mit acht Prozent Anteil, Herstellerin von Jeeps, Last- und Landwirtschaftsfahrzeugen und Maschinen. Renault produziert und verkauft mit Hilfe von M&M ihr Billigauto Logan auch in Indien. Kürzlich geriet Mahindra & Mahindra in die Schlagzeilen, als bekanntwurde, dass sie sich - wie Tata Motors auch - für den Kauf der Marken Jaguar und Land Rover von Ford interessiere.
Autoland Indien (6) - Umstieg auf vier Räder
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Welche Überschrift würdest du für diesen Artikel vorschlagen?
Ob es unter den Heerscharen von Leuten, die sich bei den großen Automobilkonzernen mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen, wohl auch welche gibt, die sich die Kommentare im Netz angucken, wenn mal wieder ein neues Modell präsentiert worden ist? Die Hersteller tun dann ja immer gerne so, als sei man in eine völlig neue Dimension vorgestoßen. Da ist die dritte Generation des VW Touareg, den es seit 2002 gibt, nicht einfach der neue Touareg, sondern "The all-new Touareg", der mit der Überschrift - oder muss man sagen, der Headline? - angekündigt wird: "Leading the way". Das finden nun nicht alle. "Warum braucht man eigentlich so ein Auto? Man kann mit ihm das Feld umpflügen oder Brennholz aus dem Wald schleppen. Sehr nützlich für Stadtbewohner", kann man im Netz lesen, ein anderer schreibt: "Und damit fährt Mutti dann jeden Tag die Kinder zur Schule und dann zum Einkaufen. Und dann wird er wieder abgestellt". Auch der Begriff "Kleinpanzer" taucht auf. Logisch, dass man das bei VW ganz anders sieht. Der Touareg sei "das SUV für die digitale Generation" und überhaupt "das Urmeter für Qualität" bei VW, schwärmt Sprecher Martin Hube bei der Präsentation in Österreich, und VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann ergänzt: "Der Wagen ist das Flaggschiff von VW." Nach dem missglückten Experiment mit dem mittlerweile eingestellten Phaeton ist der Touareg in der Tat das einzige Auto der Marke VW in der Oberklasse. Um diesen Anspruch zu untermauern, hat VW den neuen Touareg gewaltig aufgerüstet. Er ist noch mal ein Stück länger und breiter geworden, dafür dank der Fortschritte bei den Werkstoffen um 106 Kilo leichter. Mit dem Offroad-betonten Charakter des ersten Touareg hat die dritte Generation nur noch wenig zu tun, "analog zu den gesellschaftlichen Trends der letzten eineinhalb Jahrzehnte" habe sich auch der Touareg verändert, heißt es im Pressetext. Er will und soll jetzt in erster Linie ein möglichst komfortables Groß-SUV sein. Offen ist, wann der Plug-in-Hybrid nach Europa kommt Was wirklich neu ist, spiegelt sich weder in der äußeren Hülle noch unter der Motorhaube wider. Das Design ist solide, aber nicht spektakulär, irgendwie VW-typisch. Bei den Wolfsburgern hat man den Pelz schon immer gern innen getragen. Auch bei den Motoren setzt VW auf Bewährtes. Der Drei-Liter-Turbodiesel wird beim Touareg der Standardmotor bleiben, es gibt ihn wahlweise mit 286 oder 231 PS. Ergänzt wird die Motorenpalette durch einen 340 PS starken Sechs-Zylinder-Turbobenziner. Später folgt dann noch ein Vier-Liter-V8-Turbodiesel mit 421 PS. Nur für den chinesischen Markt wird auch ein Plug-in-Hybrid angeboten. Ob und wann er auch in Europa kommt, lässt VW offen. Eine rätselhafte Entscheidung, wo doch sonst bei VW ständig von der Elektrifizierungsoffensive die Rede ist. Das technologische Feuerwerk, das den Touareg auf eine neue Stufe hebt, findet woanders statt und lässt sich mit den Stichworten Konnektivität, Digitalisierung, Individualisierung und Komfortsteigerung am besten beschreiben. Wer diesen Fortschritt genießen will, muss allerdings tief in die Tasche greifen, denn alles, was den Touareg zum Oberklassefahrzeug macht, ist aufpreispflichtig.
VW Touareg 2018 - Das neue SUV im Fahrbericht
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Schlage zu diesem Artikel einen Titel vor, der neugierig macht und zum Lesen einlädt.
Ja, es ist schön. Und es macht Spaß. Das ist die Botschaft des Genfer Automobilsalons 2010, der gerade zu Ende ging. Souverän und gut gelaunt zeigte sich die Autoindustrie, frech wie ein Schüler, der seine Hausaufgabe - vernünftigere Autos zu bauen - erledigt hat und dann glaubt, alles sei in Butter. Dabei ähnelte der Vorgarten der Show weniger einer Weltausstellung als einem überdimensionalen McDonalds: hier ein aufblasbares Riesenmodell des Dacia Duster, Renaults neuestes Aldi-SUV, dort der gelbblaue Tesla Roadster von RWE mit passender Stromsäulenattrappe. "AntiRetro" annonciert Citroën mit Bildtapeten des neuen DS3 in Knallgelb. Drinnen war alles klein wie eh und je. Doch der Eindruck bleibt: Je weniger gezeigt wird, desto mehr will das Auto sein. Die Quintessenz des Phänomens stellte Audi dar. Der A1, Ingolstadts Kleinster, wurde als "ein ganz großes Automobil" mit "charaktervollem Design, kompromissloser Qualität und wegweisenden Effizienztechnologien" propagiert. Der A1 stellte sogar den neuesten A8 in den Schatten, auch das ist ein Paradigmenwechsel. Der stilsichere Luxusliner wurde fast versteckt präsentiert. Seine Formgebung neigt zum Unsichtbaren. Als ob man den Unterschied zum kaum kürzeren A4 nicht wirklich zeigen wolle. Die Zeiten, in denen Statusymbolik von oben nach unten dekliniert wird, scheinen vorbei zu sein. Jetzt spielt die Musik im Erdgeschoss: Der A1 beginnt mit einem kühlen Machogesicht im pursten Audi-Stil, das sich der Seite entlang in Richtung Mamma, Bambini & Fiat 500 entwickelt, um dann in einem ganz speziellen Po, muskulös und mollig zugleich, zu enden.
Genf 2010: Autodesign - Design im Dilemma
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Formuliere eine treffende Überschrift für den folgenden Text.
In einer schnellebigen Zeit wie der unseren, in der auch die Autos bald jährlich ihr Blechkleid wechseln, grenzt es schon beinahe an ein Wunder, wenn ein Automobilhersteller erst nach sieben Jahren einem seiner Verkaufsschlager ein neues Aussehen verpaßt. Seit 1988 verkaufte Opel 2,5 Millionen Stück seines Vectra in Europa. Von 21. Oktober an steht nun der Nachfolger entweder als viertüriges Stufenheck oder als fünftüriges Schrägheck bei den Händlern; von ihnen erhofft sich Opel, daß sie noch bis Ende 1995 rund 25 000 Vectra unter die Leute bringen. Mit modernerer Karosserie Einige Argumente glaubt der Hersteller seinen 2500 Vertragshändlern mitgeben zu können. Rein äußerlich zeigt sich der Mittelklasse-Wagen zwar nach wie vor nicht als Trendsetter, doch gibt es auch keinen handfesten Grund dafür, warum ein erfolgreiches Modell plötzlich völlig anders aussehen müßte. Moderner ist wohl der richtige Begriff für die veränderte Karosserie, und dieses Attribut steht dem Vectra gut: Gerade die Linie, die von der Motorhaube zu den Außenspiegeln läuft - sie scheinen aus der Haube herauszuwachsen - ist gelungen. Die Außenmaße des neuen Vectra unterscheiden sich nun unwesentlich von denen seines Vorläufers. Der 4,74 Meter lange Wagen verfügt als Stufenheck über ein Kofferraumvolumen von 500 Litern, als Schrägheck über 480 Liter. Da bei beiden Modellen die Rückbank asymmetrisch geteilt werden kann, präsentieren sich die 1170 Kilogramm schwere Stufenheckvariante und die rund 20 Kilogramm schwerere Schrägheckversion als Familienautos mit Urlaubstauglichkeit. Angetrieben wird der Vectra von einer zwar bekannten, aber leicht überarbeiteten Motorenpalette: Es stehen zur Zeit fünf Benzin- und ein Turbodieselaggregat zur Auswahl. Die Basismotorisierung des 1,6 Liter-Beziners mit einer Leistung von 55 kW (75 PS) überraschte bei der ersten Begegnung durch seine solide Arbeit. Nicht nur, daß die Basisversion eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h erreichen und in 15,5 Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigen kann. Als günstig ist auch der Kraftstoffverbrauch von 6,7 Liter Super bleifrei im Drittelmix auf 100 Kilometer zu bezeichnen. Die Motorenpalette reicht nun noch über eine 1,6 Liter-Version mit 74 kW (100 PS), die einen eher schlaffen Eindruck hinterlassen hat. Es scheint kein Argument dafür zu sprechen, sich für die rund 1700 Mark teurere 100-PS-Version zu entscheiden. Wesentlich besser bleiben die Modelle mit 1,8 Litern Hubraum, einer Leistung von 85 kW (115 PS) und 2,0 Liter Hubraum mit 100 kW (136 PS) in Erinnerung. Beide laufen drehfeudiger und agiler und liegen dennoch mit Drittelmixwerten von 7,1 beziehungsweise 7,4 Liter auf 100 Kilometer auf der Sonnenseite des Geldbeutels. Der Vectra-Fahrer, der trotz braver Karosserieformen sportliche Ambitionen hat, könnte sich für das stärkste Aggregat, den 2.5 V6, entscheiden. Die Statistiker können in ihre Liste folgende Werte eintragen: 230 km/h Vmax, Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 8,5 Sekunden. Wer mit dem Vectra am sparsamsten fahren will, sollte sich für die Turbodieselvariante mit 1,7 Litern Hubraum und einer Leistung von 60 kW (82 PS) entscheiden. Mit erfreulichen 5,9 Litern Dieselkraftstoff kommt man im Durchschnitt mit dem Turbodiesel 100 Kilometer weit. Allerdings läßt die Fahrkultur des TD etwas zu wünschen übrig. Die Geräuschabdämmung ist nicht so gut, daß man das traditionelle Nageln nicht hören würde. Was aber alle sechs Modelle, egal ob Schrägheck oder Stufenheck gut können, haben sie dem verbesserten Fahrwerk zu verdanken. Spurtreue, keine Ambitionen zum Ausbrechen und leichtes Handling zeichnen sie aus. Komplette Sicherheitsausstattung In punkto Sicherheit hat sich Opel etwas Neues einfallen lassen. Um das Verletzungsrisiko im Fußraum zu reduzieren wurde eine neue Pedalaufhängung konstruiert, die sich bei einem schweren Frontalcrash aus der Verankerung ausklingt und nach unten wegtaucht. Zur Serie gehören noch: zwei Full-Size-Airbags, Gurtstraffer, ABS, Servolenkung und Zentralverriegelung. Das Optionsangebot reicht von einer Viergang-Automatik, Schiebedach und Klimaanlage bis zu vielen elektrischen Helfern. Als Besonderheit kann man für den Vectra einen Konsolenumbau für D-Netz-Handies bestellen. Im Paket sind die notwendige Dachantenne und die Verkabelung der Boxen, über die die Freisprechanlage läuft, im Preis von 250 Mark enthalten. Aber nicht nur deshalb kann man den Vectra als gelungenes Mittelklassefahrzeug einstufen. Bei einer Preisskala, die von 30 950 Mark für die viertürige Basisversion bis zu 44 510 Mark für den fünftürigen V6 reicht, werden die Konkurrenten von Audi oder BMW den Neuankömmling mit einigem Argwohn beobachten müssen. Von Marion Zellner
Opel Vectra - Erwartungen eines Millionensellers
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Kaum hat man den aufrechten Gang erlernt, wird man auch schon undankbar. Und bequem: "Was! Sooo weit soll ich gehen? Zu Fuuuß?" "Wie soll man denn sonst gehen?", antworten coole Eltern dann auf den Protest ihres bewegungsmüden Nachwuchses. Und alles ist ein schöner Traum, was einen endlich vom blöden Zu-Fuß-Gehen-Müssen befreien würde: Fahrrad, Motorrad, ein eigenes Auto gar. Doch wenn Jahrzehnte später ein Knöchel mal böse verknackst war und ein Knie manchmal fies zwickt, ist das öde 'Gehen' auf einmal wieder ein Luxus, den man um keinen Preis missen möchte. Und scheint es anfangs auch noch ein wenig ungewohnt und unnötig strapaziös zu sein nach all den Büro- und Autositzjahren, kann man dabei in Ruhe über das Stehen und Gehen nachdenken und über das Leben als Wanderung. Fast 40 Millionen Deutsche sind inzwischen wieder Wanderer - allein oder in Gruppen, schnell oder langsam, aber immer ist es gehen, sehen, riechen, spüren. Und es ist: reden, schweigen, denken, oder auch nicht. Und wirklich frei sein für den Moment. Ursprünglicher geht's nicht: Ich Urmensch gehe durch diese Natur über diese Erde. Und der allergrößte Luxus dabei: Wandern ist bewusst verschenkte Zeit. Mit dem Auto, ja sogar mit dem Rad wäre man schneller am Ziel! Na und? Es gibt ja gar kein Ziel. Weil beim Wandern nun wirklich mal der Weg das Erlebnisziel ist. Und je länger die Strecke, desto länger währt diese so unfassbar unproduktive Freiheit: Gemeinsam kochen, essen, trinken und in Hütten übernachten. Und wunderbar müde einschlafen. Autofahrten über Tausende Kilometer werden nicht mehr groß beklatscht. Aber ein paar Kilometer fußläufig quer durch den Wald und über die Heide, da dreht man sich am Ende um, schaut zurück und ist von sich selbst begeistert wie selten: Was! Sooo weit soll ich gegangen sein? Zu Fuuuß? - Und der aufbrausende innere Applaus dafür will kein Ende nehmen. Wann wandern wir das nächste Mal?
So weit die Füße tragen
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Die Redaktion von sueddeutsche.de sieht sich um - im "Weltspiegel": Welche Autos fahren die anderen? Wie reagieren andere Länder und Hersteller auf den Klimawandel? Wer steigt auf alternativ angetriebene Fahrzeuge um? Das Luxus-Segment boomt. Moskau hat die größte Maybach-Dichte der Welt. Fluchend versucht der Mann im Trainingsanzug und der schäbigen Jacke, mit dem Schraubenzieher den Scheibenwischer seines altersschwachen Lada zu richten. Ein paar Minuten später quetschen sich auf derselben Straße in St. Petersburg zwei deutsche Luxuslimousinen durch das Verkehrschaos, gefolgt von einem Geländewagen mit Personenschützern. Glanz und Elend liegen in Russland auch auf der Straße dicht beieinander. Der Marktanteil der heimischen Autoindustrie lag im ersten Halbjahr 2008 trotz gestiegener Produktionszahlen gerade mal bei 26 Prozent, Tendenz weiter fallend. So drängt es praktisch jeden Autohersteller nach Russland. "Russland ist der absolut wichtigste Wachstumsmarkt in Europa. Er wird im Jahr 2008 Deutschland überholen und dann größter Automarkt in Europa sein", glaubt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen. Auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers kommt zu diesem Ergebnis. Für das erste Halbjahr 2008 verzeichnet die Studie eine Zunahme der Verkäufe um 41 Prozent. Den größten Anteil daran haben demnach importierte Neuwagen und in Russland produzierte ausländische Fabrikate. Die erfolgreichste Marke ist Chevrolet, gefolgt von Hyundai, Ford, Toyota und Nissan. "Der Automarkt spiegelt auch die großen Einkommensunterschiede im Land: Kaviar und Trockenfisch", sagt Dudenhöffer. Zu den beiden wichtigsten Fahrzeugklassen zählen Kompaktfahrzeuge auf der einen und Geländewagen auf der anderen Seite. So gehören zu den Top-Sellern Opel Astra, Chevrolet Lacetti, Hyundai Verna (Accent) und Renault Logan ebenso wie BMW X5, Audi Q7 oder Porsche Cayenne. Auch das Luxus-Segment boomt. Moskau beispielsweise hat die größte Maybach-Dichte der Welt.
Weltspiegel (10): Automarkt Russland - Kaviar und Trockenfisch
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Es scheint, als sei es nur eine Frage der Zeit, bis ein Funke zur Katastrophe führt. Im Streit um die Chemikalie R1234yf, die künftig in allen Autoklimaanlagen verwendet werden muss, scheint das Sprachbild zuzutreffen. Jetzt erhöhen Umweltverbände und Europaabgeordnete den Druck auf die EU-Kommission, um die Gefahr zu bannen. Denn eigentlich müssen seit vergangenem Jahr die Klimaanlagen neuer Fahrzeuge in Europa mit einem neuen Kältemittel namens R1234yf befüllt werden. Es ist klimafreundlicher, einerseits. Deswegen hat Brüssel den Umstieg verfügt. Aber es ist andererseits extrem gefährlich - wie sich erst nach der Gesetzgebung gezeigt hat. Die Brühe kann sich entzünden und wenn Feuchtigkeit dazukommt, dann entsteht Flusssäure, die selbst Glas durchätzt. "Verbraucher und Menschenschutz muss vor Klimaschutz gehen" Dutzende Mal haben Daimler-Ingenieure das zuwege gebracht. Die Universität München hat zudem festgestellt, dass bei einem Brand ein Abkömmling des Kampfgiftes Phosgen entsteht. Daimler weigert sich deshalb, das neue Mittel einzufüllen. Doch die EU-Kommission ignoriert die Warnungen - und prozessiert stattdessen gegen Deutschland, weil die Bundesregierung Daimler nicht zur Raison ruft. Michael Theurer, Europaparlamentarier der FDP und Mitglied des Wirtschaftsausschusses im EU-Parlament, fordert nun, dass die Kommission ihre Position überdenkt: "Verbraucher und Menschenschutz muss vor Klimaschutz gehen", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Es bestehe die Sorge, dass durch das neue Kältemittel Millionen Autofahrer und Rettungskräfte tödlicher Gefahr ausgesetzt werden: "Das ist nicht hinnehmbar!" Die Kommission müsse das alte Kältemittel länger erlauben und das Vertragsverletzungsverfahren ruhen lassen. Und er spricht aus, was auf politischer Ebene bislang nur hinter den Kulissen gemurmelt wurde: "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit dem Argument des Klimaschutzes Industrieinteressen verfolgt wurden, zu Lasten der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer." Welche Rolle spielen die Anbieter von R1234yf? Die beiden US-Chemiekonzerne DuPont und Honeywell sind die Anbieter von R1234yf. Theurer will nun in einer parlamentarischen Anfrage klären, welche Rolle sie spielen: Wieso ordnet die Kommission keine eigenen Forschungen an? Und: "Warum schlägt die Kommission angesichts der offensichtlichen Gefahr von R1234yf nicht eine Novellierung der Richtlinie über mobile Klimaanlagen vor, um der Industrie Zeit für die Entwicklung von CO₂-gekühlten Anlagen zu geben?" Liegt es an der Chemie-Lobby? "Es stehen für die Chemiefirmen viele hundert Millionen Euro Umsatz auf dem Spiel", sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. Der Umweltverband dringt wie auch die Deutsche Umwelthilfe seit Monaten darauf, das neue Mittel wieder zu verbieten. Es sei zwar klimafreundlicher, jedoch gerade im Vergleich zu Kohlendioxid, mit dem moderne Klimaanlagen betrieben werden könnten, immer noch ein Umweltgift. "Im Sinne des Umweltschutzes und des Verbraucherschutzes muss der Umstieg vom alten Mittel in Gottes Namen noch mal nach hinten verschoben werden", fordert Lohbeck. Die anderen deutschen Autohersteller müssten sich an die Seite von Daimler stellen und sagen: Wir stehen zu CO₂ als Zukunftstechnik und bis dahin nehmen wir noch das alte Mittel! Denn, wenn das erste schwere Unglück passiere mit R1234yf, dann habe die ganze Autoindustrie ein Problem.
Streit um Kältemittel R1234yf - Kurz vor der Explosion
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Schlangenbeschwörer dürfen sich schon mal auf eine neue Mutprobe gefasst machen. Die Werkstuner aus dem Hause Chrysler haben die Dodge Viper SRT-10 ACR (American Club Racer) auf die Räder gestellt. Das schon von Haus aus rasend schnelle Biest SRT-10 wurde einer Abmagerungskur unterzogen. Wer will, kann auch das Audiosystem und den Teppichboden rausschmeißen Allerdings nur beim Gewicht, denn in Sachen Leistung schicken die Amerikaner die Mega-Viper nach wie vor mit 600 Pferdestärken ins Rennen. Ihre geballte Kraft schöpft sie aus einem 8,4 Liter großen V10-Motor mit variabler Ventilsteuerung. Damit sie ihre Zähne möglichst tief in den Asphalt bohren kann, wird die Viper mit verstellbaren Front- und Heckspoilern sowie kleinen Karbon-Flügeln am vorderen Stoßfänger ausgestattet. Die Flügel-Armada erzeugt soviel Abtrieb, dass die Viper förmlich auf der Piste klebt. So martialisch die Rennflunder auch aussieht - sie hat eine Straßenzulassung. "So können eingefleischte Viper- und Rennsport-Enthusiasten den Wagen zur Rennstrecke fahren, dort auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigen und dann wieder nach Hause fahren", heißt es bei Dodge. Anders herum wäre es auch schlecht in einem Land, in dem auf der Autobahn höchstens 120 km/h erlaubt sind. Durch diverse Maßnahmen wurde das Gewicht der Viper ACR im Vergleich zur normalen SRT-10 um 18 Kilogramm reduziert. Wem der Rennsport-Trimm der Viper noch nicht spartanisch genug ist, der kann ein "Hard Core Package" bestellen. Dann schmeißt Dodge zum Beispiel das Audio-System, die Schallschutzdämmung unter der Motorhaube oder den Teppichboden im Kofferraum raus. Das bringt noch mal rund 18 Kilogramm Gewichtsersparnis.
Dodge Viper SRT-10 ACR - Schlangengift
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Romeo sucht Julia. Sie sollte vermögend sein, Alfa-affin und geduldig. Denn der 8C ist als Coupé seit Monaten restlos ausverkauft, scusi. 500 Stück für die ganze Welt, da hilft nicht einmal mehr der direkte Draht zum Fiat-capo Sergio Marchionne. Die Glücklichen dürfen nach hartem Auswahlverfahren demnächst 174.600 Euro nach Italien überweisen. Nein, dieser Betrag ist kein Druckfehler. Der 8C Competizione kostet nackt zwar 159.860 Euro, aber im Schnitt sind nochmal 13.400 Euro für Extras fällig. Zum Beispiel für geflochtene Ledersitze, Sonderlack im Babyblau der sechziger Jahre, Schedoni-Kofferset oder Bremssättel in Wunschfarbe. In Deutschland gab es 210 Interessenten, aber nur 81 zuteilungsreife Verträge. Ein Auto, das uns den Kopf verdreht Das Verrückte ist: Dieses Auto hat den Rummel verdient. Der 8C wäre es sogar Wert, das Domizil zu verkaufen, den Familienschmuck zu verpfänden und sich hoch zu verschulden. Wenn es zwischen Mensch und Maschine eine Art Hörigkeit gäbe, dann bestünde Gefahr, dass uns der Competizione den Kopf verdreht, bis wir am Stock gehen. Das bevorzugt rote Coupé eignet sich nämlich nicht nur zum Besitzen, sondern auch zum Vererben. Und natürlich zum Fahren. Obwohl dieser Alfa eigentlich gar kein Alfa ist. Die Bodengruppe mit dem Doppelquerlenker-Chassis stammt vom Maserati GranSport, das Cambiocorsa-Transaxle-Getriebe trägt ebenfalls die Teilenummern des Dreizacks und der V8 wird gar aus der Kaderschmiede von Ferrari zugeliefert. Mit 4,7 Liter Hubraum besitzt er noch größere Lungen als der F430 oder der Quattroporte, was sich auch im maximalen Drehmoment von 480 Nm niederschlägt.
Alfa 8c - Rot ist die Liebe
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"Auch Väter sind Männer", sagt Peter Krist. Der Projektleiter des Zweier Gran Tourer widerspricht damit Kritikern, ein Van würde nicht so recht zum Dynamik-Image von BMW passen. Dass er damit richtigliegt, zeigt der erfolgreiche Start des kürzeren Bruders: Der Zweier Active Tourer wurde im ersten halben Jahr bereits über 33 000 Mal verkauft. Das Modell übertraf die Erwartungen - und lockte neue Käufer zur Marke. "75 Prozent der Kunden haben zuvor keinen BMW gefahren", sagt Peter Henrich vom Produktmanagement, und prognostiziert diese Eroberungsrate auch für den größeren Van - mindestens. Der Gran Tourer ist 21 Zentimeter länger als der Active Tourer. Elf davon entfallen auf den Radstand, kommen also dem Sitzkomfort im Fond zugute. Auch in der Höhe (plus fünf Zentimeter) wuchs der Familientransporter. Dadurch leiden zwar die sportlichen Proportionen, die man dem kürzeren Allrounder durchaus noch attestieren konnte. Doch der Gewinn an Raum und Funktionalität hatte eindeutige Priorität. Die Zielgruppe heißt "Familie mit zwei und mehr Kindern" - hier kann der Gran Tourer seine Trümpfe ausspielen. Für 790 Euro mehr rollt er mit einer dritten Sitzreihe an. Sie ist bündig unter dem Ladeboden versenkt und macht den Van zum Siebensitzer. "Kein anderer Premiumhersteller bietet das", sagt Produktmanager Henrich. Einschränkung: Nur Kinder können in Reihe drei halbwegs bequem sitzen. Deutlich großzügiger sind Personen in der zweiten Sitzreihe untergebracht. Erst recht dann, wenn diese in voller Länge um 13 Zentimeter nach hinten geschoben wird. Bis zu 1905 Liter Stauraum Serienmäßig lassen sich die drei Lehnen der mittleren Reihe in der Aufteilung 40:20:40 per elektrischer Fernentriegelung vom Kofferraum aus in die Waagerechte klappen. Der Gran Tourer wäre jetzt fit für den Besuch im Möbelhaus. Bis zu 1905 Liter sollen laut BMW hineinpassen. Dies entspricht dem Ladevolumen eines Oberklassekombis. Lange Gegenstände bis 2,60 Meter schluckt der Gran Tourer, wenn die Beifahrerlehne (Aufpreis: 150 Euro) umgelegt wird. Und wer für weitere 750 Euro das sogenannte Convenience Paket ordert, kann ganz bequem per Fußschwenk unter der Stoßstange die Heckklappe öffnen und schließen - und die Einkaufstüten im Arm behalten. Auch über vermeintlich unwichtige Dinge haben sich die Münchner Entwickler Gedanken gemacht. Weiß man normalerweise nach dem Umklappen der Sitze nicht wohin mit der sperrigen Gepäckraumabdeckung, findet sie nun exakt in einem Fach unter dem Ladeboden Platz. Ebenso top: die Befestigung von Kindersitzen. Drei passen in die mittlere (die äußeren per Isofix), zwei in die hinterste Reihe, und ein sechster auf den Beifahrersitz. Die dritte Sitzreihe kostet 900 Euro Aufpreis. Kinder sind ein teures Vergnügen, auch beim Kauf des Siebensitzers Zur Markteinführung im Juni kommt der Zweier Gran Tourer als Benziner in den Versionen 218i mit 136 PS und 220i mit 192 PS. Gut einen Monat später soll der 216i folgen, dessen Dreizylinder-Motor 102 PS leistet. Bei den Dieselaggregaten geht es zunächst mit dem 216d (Dreizylinder mit 116 PS) los. Die ebenfalls neuen Vierzylinder 218d und 220d leisten 150 und 190 PS. Letzteren gibt es auch mit Allradantrieb (xDrive), den Produktmann Peter Henrich als "weiteres Alleinstellungsmerkmal" im Premiumsegment bezeichnet. Im Juli soll dann als neuer Einstiegsdiesel der 214d folgen, der mit 95 PS kein Dynamikwunder sein dürfte. Deutlich besser ist man als BMW-Fan mit dem 220d bedient, der mit seinen 400 Newtonmeter Drehmoment souveränes Fahren erlaubt und schon aus niedrigen Drehzahlen munter zur Sache geht. Für zusätzliche Entspannung sorgt natürlich die Achtgangautomatik, mit der das Testfahrzeug ausgestattet war. Wermutstropfen: Es schlägt mit 2100 Euro extra zu Buche. Überhaupt: die Aufpreisgestaltung. Der Einstieg in die Van-Welt von BMW ist alles andere als günstig. Viele Dinge - selbst ein Aschenbecher mit Zigarettenanzünder - müssen gesondert bezahlt werden. Schon der 216i kostet in der Basis 26 950 Euro, womit der Gran Tourer 1250 Euro teurer ist als der Active Tourer. Ausstattungsbereinigt sollen es laut BMW-Mann Henrich aber nur rund 900 Euro sein, weil die verschiebbare Sitzreihe nun serienmäßig an Bord ist und es ein paar Ablagefächer mehr gibt. Für den von uns gefahrenen 220d xDrive müssen mindestens 40 200 Euro überwiesen werden. Erwähnte Extras wie die dritte Sitzreihe und die elektrische Heckklappe sowie weitere Annehmlichkeiten (Navigation, Sitzheizung, Parksensoren, Assistenzsysteme oder eine edlere Innenausstattung) treiben den Preis auf über 50 000 Euro. Väter haben es auch in dieser Beziehung alles andere als leicht.
BMW Gran Tourer: Teurer Familienspaß
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Irgendwie ist es ja en vogue geworden, auf die Deutsche Bahn zu schimpfen. Dabei lässt sich bei einer Fahrt mit einem ICE der neuesten Generation zunächst einmal lobend konstatieren: Wer Retro mag, der wird die neuen ICE-Waggons lieben. Das Design der Kopflehnen hat sich verändert, diese haben seitlich nun Flügel und erinnern an Urgroßmutters Ohrensessel. Und die Gepäckfächer ziert ein orangeroter LED-Streifen, was Assoziationen mit der Brückenausstattung des ersten Raumschiffs Enterprise weckt. In anderer Hinsicht jedoch ist die Bahn sich treu geblieben: Die Anzeigen der Sitzplatzreservierungen fallen weiterhin aus. So trägt die Bahn durchaus vorausschauend schon einmal der Tatsache Rechnung, dass zu viele Neuerungen den Kunden nur verwirren würden. Und wer sich in einem der Sitze niederlässt, der merkt sofort: Irgendwas ist hier anders. Eine Frau in der Reihe davor hat das Problem sofort identifiziert und schnappt sich die Schaffnerin: "Sagen Sie, kann es sein, dass der Sitzabstand in den neuen ICEs geringer ist?" - "Ja", erklärt die Zugbegleiterin unumwunden und fügt hinzu: "Dafür können wir in einem Zug jetzt bis zu 150 Personen mehr unterbringen." Als sie versucht, sich wegzudrehen, prallt sie mit der Hüfte gegen einen Sitz, schneidet eine schmerzverzerrte Grimasse und sagt gequält: "Ein paar blaue Flecken muss man allerdings in Kauf nehmen." Nach etwa einer Stunde Fahrtzeit spürt man, dass sich die Temperatur nicht gerade im Wohlfühlbereich befindet. Frage an den Fahrkartenkontrolleur: Lässt sich die Klimaanlage etwas wärmer stellen? Lapidare Antwort: "Nein." Die reguliere der Zug automatisch. Aber eine solche Technik wird ja jemand programmiert haben? Auch da lernt man dazu: "Der Zug programmiert das von alleine", klärt der Mitarbeiter auf. "Er misst die Außentemperatur mit einem Wärmefühler und passt die Temperatur hier drinnen an." Der Zug will also, dass seine Passagiere frieren. Das erinnert stark an den Film "Matrix" von 1999, wo Maschinen in der Lage sind, die Herrschaft über die Menschheit zu übernehmen. Damals hielt man das für ein völlig überzogenes Zukunftsszenario. Im ICE 4 wird klar: So weit weg scheint die Zukunft gar nicht mehr zu sein.
Kolumne - Im Zug in die Zukunft
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Schlage zu diesem Artikel einen Titel vor, der neugierig macht und zum Lesen einlädt.
Eigentlich sind vier Stunden gar nicht so lang, wenn man bedenkt, worum es in dem Rechtsgespräch am vergangenen Donnerstag ging: um Fragen des Europarechts, des Bundesimmissionsschutzgesetzes, der Straßenverkehrsordnung. Erörtert wurde auch, ob Diesel-Fahrverbote in der Praxis überhaupt kontrolliert werden können und was schwerer wiegt: Umweltbelange oder dass fast zehn Millionen Dieselautos wahrscheinlich massiv an Wert und ihre Besitzer damit viel Geld verlieren würden. Nach gut vier Stunden sah der Vorsitzende Richter des 7. Senats des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig, Andreas Korbmacher, daher immer noch "erheblichen Beratungsbedarf" - und vertagte die Entscheidung auf den heutigen Dienstag. Im Verlauf dieses Rechtsgesprächs zeigte sich keine klare Tendenz, wie Korbmacher urteilen wird. "Es ist alles noch offen, wir sind aber deutlich optimistischer", sagte deshalb Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die geklagt hatte. Ein Anwalt der beklagten Landesregierung Baden-Württemberg (es geht außerdem um ein Verfahren gegen Nordrhein-Westfalen) sieht in der Vertagung dagegen "ein gutes Zeichen für uns". Man habe den Senat zum Nachdenken gebracht. Allein diese Einschätzungen zeigen: Noch weiß keiner, wie die Sache ausgehen könnte. Dies sind die drei wahrscheinlichsten Szenarien. 1. Das Bundesverwaltungsgericht ermöglicht Diesel-Fahrverbote Das Bundesverwaltungsgericht würde damit keine Fahrverbote verhängen und sie auch nicht anordnen, sondern lediglich einen Rechtsrahmen schaffen. Die städtischen Behörden in Stuttgart und Düsseldorf müssten jedoch ihre Luftreinhaltepläne nachbessern und darin Sperrzonen für bestimmte Pkw verankern. Sie könnten nun festlegen, in welchen Straßen Fahrverbote gelten sollen und wer Ausnahmegenehmigungen bekommt, etwa Anwohner mit Behinderung oder Handwerker. Dies dürfte aber dauern, mit Fahrverboten wäre frühestens in Monaten oder gar Jahren zu rechnen. Konkret betroffen wären Dieselfahrzeuge, die nur die Abgasnorm Euro 5 oder schlechter erfüllen, sowie Benziner mit Euro 2 oder schlechter. Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 und Benziner mit Euro 3 oder besser dürften weiterhin uneingeschränkt in allen deutschen Innenstädten fahren. So sah zumindest das ursprüngliche Konzept aus. Richter Korbmacher brachte am vergangenen Donnerstag zudem ein sukzessives Vorgehen ins Spiel. Denkbar sei, zunächst Diesel der Abgasnorm Euro 4 (galt von 2005 bis 2009) und später Euro-5-Fahrzeuge (2009 bis 2014) mit einem Fahrverbot zu belegen. Er appellierte an die Behörden, sich mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit Gedanken über eine Zeitschiene zu machen. Das Urteil wäre ein Erfolg für die Umwelthilfe. Die Landesregierungen würden mit ihren Revisionen gegen Urteile der lokalen Verwaltungsgerichte scheitern, die bereits zugunsten der DUH ausfielen. 2. Das Bundesverwaltungsgericht hält Diesel-Fahrverbote für nicht zulässig Damit würde das Bundesverwaltungsgericht anders entscheiden als die Vorinstanzen. Alles bliebe beim Alten, für Dieselfahrer würde sich vorerst nichts ändern. Es wäre ein Erfolg für die Landesregierungen, die stets argumentierten, dass Fahrverbote derzeit gar nicht zu kontrollieren seien. Die Behörden müssten dazu Autos anhalten und in die Papiere schauen. Das sei nicht praktikabel. Sollte Korbmacher gegen Fahrverbote urteilen, könnte der Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums vom Wochenende eine Rolle gespielt haben. Demnach soll eine Rechtsgrundlage für "streckenbezogene Verkehrsverbote oder -beschränkungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor Feinstaub oder Abgasen (Stickstoffdioxid)" geschaffen werden. Kommunen hätten also die Möglichkeit, stark belastete Straßen oder Stadtbereiche für alle oder bestimmte Fahrzeuge zu sperren. 3. Das Bundesverwaltungsgericht leitet das Verfahren an den EuGH weiter Dieses zuvor eher unwahrscheinliche Szenario gewann während des Rechtsgesprächs an Relevanz. Korbmacher warf am Donnerstag die Frage auf, ob das EU-Recht nicht eine andere Betrachtung der Verbotsfrage verlange. Der EuGH werde zunehmend ungeduldig über Verstöße gegen die Luftreinhaltevorschriften. Die DUH rechnet dagegen damit, dass Korbmacher selbst urteilt. "Wir gehen fest davon aus, dass das Gericht entscheiden wird. Wir wollen auch eine nationale Entscheidung", sagte Bundesgeschäftsführer Resch nach der Verhandlung.
So könnte das Diesel-Fahrverbotsurteil ausfallen
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Bekanntlich ist der Bikini nichts anderes als die Fortsetzung der gotischen Kathedrale mit den Mitteln von H&M oder Victoria's Secret. In beiden Fällen, beim Bikini wie bei der Kathedrale, kommen raffinierte, innovative Wölbkonstruktionen zum Einsatz, es ist der Versuch, möglichst wenig Material und möglichst viel Einblick zu bieten, wenn nicht gar Einsicht und Transzendenz. All das dient letztlich der Verherrlichung der Schöpfung, wobei beim Bikini außerdem auch die darin befindlichen sonnenbraunen Geschöpfe anzubeten sind. Zum Beispiel - das um sich greifende Phänomen der Naturkirche macht sich hier stark bemerkbar - sind entsprechende Gottesdienste dann auch am Strand oder im Freibad denkbar. In aller Regel handelt es sich bei der Anbetung der naturnahen Gottheiten übrigens um weibliche Wesen, sieht man einmal vom kasachischen Fernsehreporter Borat im giftgrünen "Mankini" ab. Das ist ein Filmbild, von dem man noch lange albträumen wird. Zudem ist es der Beweis, dass die Feier der Schöpfung als Analogie zur Baukunst der Gotik absolut nicht gendergerecht ist. Wo bleibt das Recht der Männer auf ein bisschen Gotik und Göttlichkeit in postmodernen Zeiten? Felgen haben einen guten Lauf Doch dieses Skandalon (im Gegensatz zum Diesel-Amok) hat die deutsche Automobilindustrie nun beendet. Mit Hilfe des boomenden Felgendesigns. Wobei es kein Zufall ist, dass sich dessen Formwunder immer mehr der hochgotischen Fensterrosette annähern. So gesehen ist die Felge der Bikini des kleinen Mannes. Im Grunde ein architektonisch formuliertes Glaubensbekenntnis zu Kultur und Sakralität. Es ist schön, dass es auf diese Weise auch für Männer - diese dominieren nach Einschätzungen von Branchenkennern die mittlerweile stark individualisierte Felgennachfrage - die Möglichkeit gibt, ihrem wahren Glauben einen angemessenen spirituellen Ausdruck zu verleihen. Das ist vor allem der Glaube an ornamental verschwenderisch ausgeformte und konstruktiv kühn herausfordernde Leichtmetallräder. Vor diesem Hintergrund darf man den typischen Satz in der Autowaschanlage ("einmal Felgenglanz extra bitte") als liturgische Formel begreifen. Eine 20-Zoll-Individual-LMR-V-Speiche 759 I verdient etwas Felgenglanz extra. Obschon es natürlich auch darum geht: um das Gesehenwerden und etwas gigolohaftes Aufbrezeln. Da gibt es Speichen und Doppelspeichen, die Pro-Line und Matt Dark Grey sowie die Variante "Ethos Brillantsilber". Das Ethos, also die vom Bewusstsein sittlicher Werte geprägte Gesinnung, dürfte niemals einen besseren Lauf gehabt haben als in dieser felgenintensiven Saison. Höhere Mächte, tiefergelegt Übrigens fällt auf, dass die Varianz des Felgendesigns nicht nur auf die Formenlehre der Hochgotik zurückgreift. Einigen Felgenherstellern darf man unterstellen, dass ihnen die Baugeschichte des "Radfensters" durchaus geläufig ist. Das Radfenster ist ein Rundfenster, dessen Geometrie sich aus den "Speichen" ergibt. Man kennt Radfenster als Vorstufen der gotischen Fensterrosen schon aus der Spätromanik. Schön jedenfalls, dass die Felge "BBS Super RS Gold" (20 Zoll, glänzend poliert) von höheren Mächten und Sphären auch tiefergelegt auf der Straße kündet. Das Lexikon der Baukunst weiß Erbauliches über die Fensterrose zu sagen. Manches davon wird man auch für die Kunst der Felge in Anspruch nehmen dürfen. So ist der Zentralform der Fensterrose "eine suggestive und meditative Wirkung" zu verdanken. "Sie wirkt überaus prächtig, machtvoll, schön, beruhigend und harmonisch. Sie regt aufgrund ihrer Kreisform immer wieder zu symbolischen Deutungen an." Und: "Sie kann die Vollkommenheit der sich nach allen Seiten verbreitenden Liebe des Göttlichen verkörpern." Boshaft ließe sich zwar auch darüber spekulieren, ob das derzeitige Felgendesign zum einen der Versuch ist, über die depressiv verstimmende Formapokalyptik moderner Autos hinwegzutäuschen. Wenn sich beinahe alle Autos gleichen in ihrer blasenkranken Beul-Ästhetik, dann muss es wenigstens die besondere Felge richten. Andererseits könnte die zeitgenössische Felgenarchitektur auch ein Beleg dafür sein, dass die Gestalter seit den Zeiten der Romanik und Gotik das Rad auch nicht gerade neu erfunden haben. Doch schöner ist es, wenn man sich vorstellt, dass der Felgenfetisch von Leuten, die sich im Internet für ein paar tausend Euro einen vielspeichigen, glänzend polierten Boaaaah!-Faktor bestellen, letztlich nur Ausdruck ist von der Vollkommenheit der sich nach allen Seiten verbreitenden Liebe des Göttlichen. Amen.
Autodesign: Felgen erinnern an Kathedralen
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Eine Ethanol-Fabrik bei Palestine in Illinois - in den USA wandert jetzt schon die Hälfte des angebauten Mais in den Tank. Öl, Sonne oder Wasser - die Kraftstoffsuche für die kommenden Jahrzehnte ist noch lange nicht abgeschlossen. Schon seit Jahren ist klar, dass die Ölvorkommen irgendwann versiegt sein werden. Eine Alternative für Autofahrer wäre der hauptsächlich aus Futtergetreide und Zuckerrüben gewonnene Biotreibstoff Ethanol. Der wirft aber gleichzeitig ein globales Problem auf, den Kampf um den ethisch korrekten Einsatz von Ackerland. Soll es zur Lebensmittel- oder Biotreibstoffgewinnung genutzt werden? Zuletzt wurde die Diskussion vor der Einführung des Treibstoffs E10 neu entfacht, dessen Absatz in Deutschland bei knapp über einer Million Tonnen im Jahr beziehungsweise elf Prozent des Treibstoffangebots liegt. Der größte Teil des Ethanols wird aus Mais gewonnen In Deutschland wird der Biosprit hauptsächlich aus Futtergetreide und Zuckerrüben gewonnen. Insgesamt macht der Biosprit zwei Prozent der heimischen Ackerfläche aus. Weltweit sieht das Ganze etwas anders aus. Zirka 150 Millionen Tonnen Getreide, sieben Prozent der weltweiten Ernte, werden für die Bioethanol-Produktion verwendet. Der größte Teil davon Mais. Allein in den USA landet fast die Hälfte davon im Tank. Beim Zucker, dem eigentlichen Energielieferanten, entfallen sogar 30 Prozent der Welterzeugung auf die Produktion von Ethanol. Trotz des verhältnismäßig geringen Treibstoff-Ackerland-Verhältnisses in Deutschland bleibt dennoch ein fader Beigeschmack. Wird die gleiche Fläche zur Energiegewinnung genutzt, reicht dies für 16.000 Kilowattstunden Strom oder etwa 3,5 Tonnen Bioethanol. Aus Pflanzenresten wird Treibstoff gewonnen Aber es gibt eine Alternative: Der deutsche Spezialchemie-Hersteller Clarant hat ein Verfahren entwickelt, den Treibstoff aus Stroh und anderen Pflanzenresten zu gewinnen. In der im Juli 2012 eingeweihten Demonstrationsanlage im niederbayrischen Straubing wandelt die Firma den schwer zugänglichen Zucker aus bislang nicht verwertbaren Pflanzenresten, wie Maisstroh oder Bagasse, nahezu vollständig in Cellulose-Ethanol um. Sollte sich das Verfahren durchsetzen, könnte es gleichzeitig einen Aufschwung für den bislang an nur 340 Tankstellen in Deutschland erhältlichen Treibstoff E85 bedeuten. Er besteht aus 85 Prozent Ethanol sowie 15 Prozent Benzin und kostet knapp 1,10 Euro pro Liter. Während die Brasilianer seit Jahrzehnten mit reinem Ethanol fahren, ist die Anzahl der in Deutschland zugelassenen E85 fähigen FFV (Flexi Fuel Vehicles) gering. Zu schlecht ist der Ruf, zu groß die Sorge potenzielle Lebensmittel trotz Hungersnöten im Tank zu verheizen. Dem könnte die Ethanol-Gewinnung aus Pflanzenresten zumindest schrittweise entgegenwirken.
Bioethanol als Auto-Treibstoff der Zukunft
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Langsam wird es wärmer, der letzte Schnee schmilzt und die ersten Schneeglöckchen zeigen sich. Auch im motorradaffinen Menschen sorgt der Frühling für einen steigenden Zwei- und Viertakt-Puls. Selbst wenn es draußen noch ungemütlich ist, schleicht sich nun so mancher Biker in die Garage, tätschelt den Tank oder streicht über die Sitzbank, um auf diese Weise die quälende Wartezeit bis zur ersten Ausfahrt des Jahres etwas erträglicher zu gestalten. Andere kompensieren ihre Leidenschaft mit intensiver Lektüre von Fachpublikationen. Und besonders Ungeduldige machen sich daran, ihr Motorrad aus dem Winterschlaf zu wecken, um bei passender Gelegenheit die erste Tour nach der langen Winterpause sofort starten zu können. Dass dieser Lust-Entzug viel mehr Menschen trifft als gedacht, belegen die gestiegenen Besucherzahlen der Frühjahrsmessen in München und Dortmund; das Interesse hierzulande scheint ungebrochen. Die Industrie, die 2009 unter stark rückläufigen Umsätzen zu leiden hatte, lässt das hoffen: Insgesamt verkauften die Hersteller mit 86.305 Motorrädern fast 17 Prozent weniger als im Jahr zuvor - und schon da waren die Zahlen schlecht. In diesem Jahr tat der lange Winter ein Übriges, sodass in den ersten zwei Monaten 2010 nur noch halb so viel Bikes verkauft werden konnten, wie im Vergleichszeitraum 2009. Vor allem bei den vier großen japanischen Produzenten Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki herrschte Absatzflaute; sie reagierten mit rigiden Sparprogrammen, Werksschließungen und abgespecktem Neuheitenprogramm.
Motorräder 2010 - Das Prinzip Hoffnung
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(SZ vom 02.06.2001) Wer sich heute von anderen Automobilherstellern unterscheiden will, muss sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Denn auf deutschen Straßen tummeln sich eine Menge Fahrzeuge, die unter anderem in die Kategorien "schick", "sicher", "umweltfreundlich" und vieles mehr einzuordnen sind. Wie soll sich da ein potenzieller Kunde noch entscheiden können, welcher für ihn der richtige Wagen ist? Dabei gilt es bei allen Herstellern als grundsätzliches Bestreben, anderen Unternehmen die Kunden abspenstig zu machen. Schließlich wildert man lieber in den Revieren anderer als im eigenen. Ein gerade in Deutschland schwieriges Segment ist die Oberklasse, die dank der Modelle von Audi, BMW und Mercedes-Benz fest in deutscher Hand ist. Dennoch warten andere Marken auf ihre Chance. Seit Anfang des Jahres hat sich ein französisches Modell aus der Ecke getraut, das Kunden mit modernster Dieseltechnik von sich überzeugen will. Der Peugeot 607 HDi war der erste Wagen, der serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter ausgerüstet ist. Inzwischen folgten bei der PSA-Gruppe (Peugeot und Citroën) noch weitere Modelle wie der 406 oder der Citroën C5. Doch mit dem HDi zielt Peugeot ganz klar auf die Oberklasse, die zwar schon mit sehr guten Dieselaggregaten ausgerüstet ist, aber dabei eben über keinen Diesel verfügt, der keine Rußpartikel mehr ausstößt. Peugeot gibt sich einerseits zwar bescheiden, denn man rechnet damit, dass in einem Jahr etwa 2500 Exemplare des 607 HDi in Deutschland verkauft werden. Doch andererseits sind die Franzosen so selbstbewusst, dass sie nicht hinter dem Berg halten, wenn es darum geht, ihre Erfindung zu präsentieren. Beim Genfer Autosalon etwa wurde Peugeot nicht müde, zu unterstreichen, dass der neue 307 das erste Auto der Kompaktklasse mit einem serienmäßigen Partikelfilter ist. Beim 307 dauert es zwar noch bis August, bis er auf den Straßen fährt, doch beim großen Bruder 607 kann man den HDi schon einmal genießen - und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn das 2,2-Liter-Aggregat passt sehr harmonisch zur eleganten Limousine. 98kW (133PS) Leistung treiben den gut 1,6 Tonnen schweren Wagen spielend und vor allem geräuscharm an. Von einem unangenehmen Dieseln ist nicht viel zu hören, denn auch bei kaltem Motor präsentiert sich der HDi gut gedämmt. Das maximale Drehmoment von 317 Nm ermöglicht in der knapp 4,9 Meter langen Limousine souveränes Dahingleiten. Eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h und eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 10,6 Sekunden sind alles andere als träge. Im Innenraum des Peugeot 607 HDi breitet sich eine Behaglichkeit auf allen Plätzen (selbst der Mittelplatz im Fond ist akzeptabel) aus, die sich hinter der deutscher Limousinen nicht verstecken muss. Dazu trägt nicht nur die optionale Lederausstattung (3950Mark) bei, sondern auch die großzügigen Abmessungen. Der 607 HDi kostet 59 946 Mark. Von Marion Zellner
Peugeot 607 HDi - Alternative Oberklasse
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Die fossilen Brennstoffe gehen - wenn auch langsam - zu Neige. Und so zerbricht man sich nicht nur in der Automobilwirtschaft seit Jahren den Kopf darüber, wie man Fahrzeuge alternativ antreiben und der verwöhnten Kundschaft dabei auch noch gewohnten Fahrspaß bieten könnte. Der BMW Hydrogen 7: Wasserstoff für die Prominenz. Als erster Autohersteller verlässt BMW sein Forschungszentrum mit Ergebnissen und bringt eine Kleinserie von 7er BMW mit Wasserstoffantrieb auf die Straßen. Weltweit sollen die rund 100 Fahrzeuge für Wasserstoff, erneuerbare Energien und nicht zuletzt BMW werben. Doch den Weg zum BMW-Händler kann sich der Nobel-Öko getrost sparen. Die Fahrzeuge werden nicht an jedermann verkauft, sondern befristet in Hände von - wie BMW es nennt - Pioniere vermietet. "Diese Pioniere kommen aus Wirtschaft, Politik, Sport und dem kulturellen Leben und sollen ein Fahrzeug der Wasserstoffflotte bis zu sechs Monate auf Herz und Nieren testen", sagt Dr. Timm Kehler, verantwortlich für das Hydrogen-Marketing. Garagenverbot "Los geht es im zweiten Quartal 2007. Wir erwarten für die Nutzung jedoch eine kommunikative Gegenleistung." Voraussetzung für die Lizenz zum Wasser-Fahren ist zudem das Fehlen einer Garage. Denn da darf der Hydrogen 7 bis auf weiteres nicht rein. Der optisch weitgehend unauffällige Wasserstoff-Siebener soll den Bayern ein zusätzliches Umweltimage verpassen. Mit der Expo-Flotte der BMW 750 hL und dem Rekordgeschoss H2R haben die Bayern in den vergangenen Jahren sowohl aus Ingenieurs- als auch Marketingsicht einige grüne Erfolge vorzuweisen. "Voreilig und irrwitzig" Doch die Konkurrenz hat überraschend wenig Angst vor den Wasserstoffambitionen von BMW. Spricht man mit Leuten aus den Entwicklungsabteilungen anderer Hersteller, so halten die meisten den BMW-Vorstoß für voreilig, einige für irrwitzig und andere sogar für schlicht falsch. Kritisiert werden die Energiebilanz, die hohen Kosten und der Einsatz eines Verbrennungsmotors. Anders als andere kombinieren die Bayern den Wasserstoffantrieb nicht mit einer Brennstoffzelle, die üblicherweise als Ziel in einer fernen Zukunft gesehen wird, sondern mit einem normalen Benzintriebwerk. Der bekannte Zwölfzylinder des BMW 760 Li wurde umfangreich umgebaut und so fit für einen bivalenten Antrieb gemacht. Das hat seinen Preis.
BMW Hydrogen 7 - 100 Autos für prominente Tester
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Beim Stichwort Brennstoffzelle winkt mancher Hersteller dankend ab: zu schwer, schlechte Versorgung, große und schwere Tanks, Energie, die erst in Strom umgewandelt werden muss. Auf Werbe-Tour: Die Mercedes-B-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb unterwegs in Südfrankreich. Mercedes kennt die Bedenken, doch in Stuttgart schätzt man Vorteile wie das emissionsfreie Fahren, das drei Minuten kurze Betanken, die ansprechende Reichweite und die langfristig günstige Kostenstruktur. "Anders als für Öl gibt es für Wasserstoff keinen Weltmarktpreis, und die rund acht Euro pro Kilo, die man heute bezahlen muss, sind noch nicht das letzte Wort", glaubt Arwed Niestroj, der bei Mercedes für das Thema zuständig ist. "Die Wasserstoff-Infrastruktur lässt zwar zu wünschen übrig", so Niestroj, "aber während batterieseitig keine Revolution in Sicht ist, steckt in der Brennstoffzelle noch Verbesserungspotential." Die Leistung werde bis 2014 um bis zu 15 Prozent steigen, der Verbrauch weiter optimiert, Größe und Gewicht reduziert. "Unser Ziel", sagt der Entwickler, "ist es, ein Konzept zu entwickeln, das dem Verbrenner zumindest ebenbürtig ist." Wir fahren auf der Autoroute von Lyon nach Perpignan. Die knallgrüne B-Klasse ist als Weltumkreiser auffällig beklebt, doch innen verrät fast nichts den neuen Antriebsstrang, und die Fahrleistungen verdienen das Prädikat ausreichend unauffällig. Dieser Mercedes tickt völlig anders als seine Schwestermodelle. Die Kombination aus 1,4-kWh-Batterie und Brennstoffzelle schnurrt schwingungsfrei, das stufenlos summende Getriebe begnügt sich mit einem einzigen Vorwärtsgang, und statt dem Drehzahlmesser illustriert ein Powermeter den Takt. In der Ebene reichen schon 20 Prozent der Systemleistung von 70 kW, um mit 100 km/h im Verkehr mitzuschwimmen. Unter Vollgas stehen kurzfristig 100 kW zur Verfügung. Weil gasförmiger Wasserstoff gezapft wird, gibt Mercedes den Verbrauch in Kilo pro 100 km an. Im NEFZ (neuer europäischer Fahr-Zyklus) reichen 0,97 kg H2/100 km.
Brennstoffzelle bei Mercedes - Der Stoff, aus dem die Träume sind
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Neue Cabrios – Porsche 911 Targa Der Targa ist zurück. Laut Porsche war das Halb-Cabrio zwar nie weg, aber die Fans haben die letzten beiden Targa-Varianten, die nichts anderes als Elfer mit großem Schiebedach waren, nie akzeptiert. Jetzt präsentiert der Schwabe wieder die ursprüngliche Optik mit breitem Bügel und umlaufender Panorama-Heckscheibe. Anders als früher muss das Dachteil jedoch nicht mehr von Hand verstaut werden. Wer frische Luft in den Innenraum leiten möchte, aktiviert per Knopfdruck eine ausgeklügelte Prozedur, mit der das Dach im Heck verschwindet. Der neue Porsche 911 Targa kommt am 10. Mai ausschließlich mit Allradantrieb und den bekannten Sechszylinder-Boxermotoren auf den Markt. Der 350 PS starke Porsche 911 Targa kostet mindestens 109 338 Euro, die 400 PS starke S-Variante schlägt mit 124 094 Euro zu Buche.
Neue Cabrios für die Frischluftsaison 2014
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(SZ vom 26.02.1997) Die Liebhaber des Offenfahres sind schon am Wochenende - zumindest im Süden Deutschlands - bei sonnigem Wetter auf ihre Kosten gekommen. Die Freunde des M roadsters von BMW müssen sich noch ein bißchen gedulden, denn der neue, schnellste Z3 hat erst am 26. April seinen Verkaufsstart. Nach einer ersten kurzen Begegnung trauen wir uns aber (fast) schon zu wetten, daß der Fan von Motorleistung, sportlichem Fahrwerk und extravagantem Interieur diesen Tag kaum noch erwarten kann: Der M roadster - das sei vorweggenommen - hat in vielen Details überzeugt. Seine äußere Gestalt ist bis auf einige kleine - aber nicht unwesentliche - Details gleich mit der des Sechszylinder-Modells. Das auffälligste gemeinsame Merkmal ist die verbreiterte Heckpartie, unter der beim M roadster jedoch vier verchromte Auspuffrohre hervorstehen. Der schnelle Münchner wartet noch mit einer veränderten Schnauze, die bulliger geworden ist, und 17-Zoll-Leichtmetall-Rädern mit Mischbereifung auf. Im Innenraum wird deutlich, daß BMW mit diesem Auto aus der Hand der M GmbH eine Mischung aus Rennsporttradition, Exklusivität und Individualität finden wollte. Die Sportsitze aus Leder, aber auch die Mittelkonsole sowie das Armaturenbrett und das Lenkrad sind schwarz. Akzente setzen dort farbige Applikationen, die sich nach der Karosseriefarbe des Wagens richten, und dem Interieur eine edle und hochwertige Erscheinung geben. Hinter den integrierten Nackenstützen ragen beim M roadster erstmals zwei Überrollbügel hervor, die nun für alle Z3-Modelle optional zu haben sind. Einen Stilbruch stellen bei der sonst sehr hochwertig erscheinenden Ausstattung die - wie bei allen Z3 - aus Kunststoff gefertigten, abschließbaren Ablagefächer hinter den Sitzen dar. Die sind zwar praktisch, schließlich ist man bei einem Zweisitzer mit einem Kofferraumvolumen von 165 Litern dankbar um jede Staumöglichkeit, aber sie wirken für ein Auto, das doch immerhin 91 500 Mark kosten soll, zu billig. Gar nicht unpassend ist der Motor, der das 1350 Kilogramm schwere Cabriolet antreibt. Bereits bekannt aus dem M3, bietet er folgende Papierwerte: 236 kW (321 kW) bei 3,2 Liter Hubraum, Spurt von Null auf 100 km/h in 5,4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h. Was auf Papier recht eindrucksvoll klingt, bestätigt sich in der Praxis. Daß der M roadster ein Beschleunigungsprofi ist, wird niemanden wundern, daß er aber auch herrlich schaltfaul zu fahren ist, glaubt man nicht unbedingt. Noch ein Wort zum schaltfaulen Fahren: Das Fünfgang-Getriebe verfügt über einen angenehm kurzen Schaltweg, was das Go-Kart-Feeling in dem tiefliegenden Wagen noch unterstützt. Das heißt, der M roadster wird sowohl den Genußfahrern, die eher eine ruhige Fahrt bevorzugen, als auch den ambitionierten Fahrern, die mehr das Zügige schätzen, gerecht. Nun mag man sich fragen, ob denn dieser Wagen so gar keine negativen Seiten hat - und ob er vielleicht sogar alles besser kann als die Sechszylinder-Variante. Beides kann man klar mit Nein beantworten. Ein Rätsel ist etwa der innere Rückspiegel, der mit seiner eliptischen Form designerisch zwar sehr gelungen ist, der aber Fahrern fast jeder Körpergröße zum Teil den Bick auf die Straße versperrt. Übrigens ist der M roadster der erste BMW ohne Reserverad - das Prinzip folgt dem von Mercedes-Benz, allerdings muß der Fahrer bei einer Reifenpanne die Dichtungsmasse nicht mehr von Hand in den Reifen pumpen, sondern das übernimmt ein kleiner Kompressor für ihn. Den Vergleich mit dem Sechszylinder muß der M roadster selbstverständlich nicht scheuen; er hinterließ auch keinen überzüchteten Eindruck, doch stellt sich die Frage, wieviel Kraft so ein kleines Auto eigentlich verträgt. Der Sechszylinder schien uns so ausgewogen, daß er nicht nach mehr PS verlangt hat - aber schließlich will BMW mit dem schnellsten Z3 auch eine bestimmte Klientel treffen. Nicht, daß der Vernunftfaktor völlig außen vor bliebe, obwohl es Adolf P. Prommesberger, Vorsitzender der Geschäftsführung der BMW M GmbH, in Bezug auf die Motivation des M Teams so ausdrückte: "Eine gehörige Portion Unvernunft war dabei erwünscht. " Aber Cabrio- und besonders Roadster-Fahren war noch selten eine mit dem Kopf, sondern eher aus dem Bauch heraus getroffene Entscheidung. Von Marion Zellner
BMW M Roadster - Eine gehörige Portion Unvernunft
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Sind die Dieselautos von Mercedes so sauber, wie der Hersteller behauptet? Die Deutsche Umwelthilfe hat da ihre Zweifel. Mehr Gewinn, mehr Dividende, mehr Umsatz: Wenn sich die Aktionäre von Daimler an diesem Mittwoch zur Hauptversammlung in Berlin treffen, will der Konzern für positive Schlagzeilen sorgen. Das vergangene Geschäftsjahr lieferte Rekordzahlen. Der Daimler-Slogan "Das Beste oder nichts" soll endlich auch für Investoren gelten. Vergessen, so hoffte man bislang in der Zentrale, wären dann die lästigen Öko-Debatten angesichts erhöhter Abgaswerte, die der Autobranche schon seit Monaten zu schaffen machen. Vor allem seit der Konkurrent VW Manipulationen zugegeben hat. Doch das Treffen einiger Tausend Daimler-Investoren dürfte erneut für Diskussionen über zu viel Dreck im Auspuff sorgen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der erste Umweltverband in der Affäre juristische Schritte gegen den Konzern eingeleitet. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) reichte Ende März eine Unterlassungsklage gegen den Konzern vor dem Landgericht Stuttgart ein. In dem elfseitigen Papier fährt die Organisation schwere Geschütze auf und wirft Daimler irreführende Abgas-Angaben gegenüber den Käufern vor. Erhöhte Abgaswerte bei der Mercedes C-Klasse Damit wächst in der Abgasaffäre nun der Druck auf Daimler. Bislang stand vor allem VW im Fokus. Die Wolfsburger haben eine illegale Software in Diesel-Fahrzeuge eingebaut und deshalb massiven Ärger mit Regierungen, Behörden und der Staatsanwaltschaft. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte sich dagegen zuletzt wie kein anderer Spitzenmanager mit dem Bekenntnis aus dem Fenster gelehnt, Daimler habe in der Affäre ein reines Gewissen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte zuletzt auch VW-Konkurrenten vorgeworfen, die in Prospekten versprochenen Abgas-Traumwerte etwa bei Stickoxiden in der Praxis nicht zu erreichen - sondern nur unter ganz bestimmten Laborbedingungen. Messergebnisse aus den Niederlanden ließen auch den schwäbischen Konzern schlecht aussehen. Ein dortiges Prüfinstitut hatte deutlich erhöhte Werte bei der Mercedes C-Klasse 220 Bluetec ermittelt. Ausgerechnet bei Geschwindigkeiten, die innerorts üblich sind, stieß der Wagen das Zehnfache des Normwerts aus. Daimler will seine Bauteile schützen Mit der Klage bekommt die Kritik der Umweltschützer an der Autobranche jetzt eine neue Dimension. Hersteller bewegen sich bislang in einer Grauzone. Die Daimler AG hatte teils höhere Werte im Straßenverkehr eingeräumt, aber damit begründet, dass die Abgasreinigung unter bestimmten Betriebsbedingungen zum Schutz der Bauteile gedrosselt werde. Etwa bei bestimmten Außentemperaturen. Die ist laut Gesetz möglich. Laut DUH-Klage stößt das Modell aber schon bei üblichen Temperaturen von weniger als zehn Grad deutlich mehr Abgase aus - anders als Konkurrenzmodelle von BMW. Die Daimler-Werbung, Bluetec reduziere die Emissionen "unserer hochmodernen Dieselmotoren auf ein Minimum" sei irreführend, wettert die DUH. "Mit der Realität hat diese Werbeaussage nichts zu tun." Was nach Nebenkriegsschauplatz klingt, könnte große Wirkung entfalten und den Konzern und seinen Chef noch in arge Bedrängnis bringen.
Deutsche Umwelthilfe DUH klagt gegen Daimler
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"Rängdengadäng" lärmt es in der Erinnerung los. Unvergesslich ist dieses halbstarke Verbrennungsgeräusch, das nie über den Stimmbruch hinaus kam. Manch einer verbindet sein erstes (nur leicht getuntes) Mofa mit diesem metallischen Meckern. Andere denken an Trabbi, die Schwalbe oder an die DKW-Modelle der Nachkriegsjahre. Schön war die Zeit der Basismobilität, als sich der blaue Öldampf noch mit dem Geruch von Freiheit und Abenteuer verklären ließ. Im Zeitalter der Umweltzonen beschränkt sich solche Nostalgie fast nur noch auf Oldtimertreffen. Was da aus dem Auspuff qualmt, ist längst nicht mehr politisch korrekt oder serientauglich. Zweitakter, so scheint es, sind als Simpelmotoren vom Aussterben bedroht. Schade, denn die Idee hat einigen Charme: Verdichten, zünden, arbeiten - so einfach kann ein Motor sein. Das Atmen geschieht nebenher während jeder Auf- und Abwärtsbewegung des Kolbens. Das ganze Geklingel mit den Ventilen ist ebenso überflüssig, wie ein zusätzlicher Ansaug- und Ausschiebetakt. Jetzt soll der Zweitakter ausgerechnet in der Nähe von Detroit seine Renaissance erleben. Das Städtchen Livona ist ein alter Produktionsstandort von Ford. Entsprechend trist war es hier, seit die globale Krise viele Fließbänder leerlaufen ließ. In den Büros und Werkhallen war Platz genug für das kleine Team von EcoMotors - und deren kuriose Erfindung: Der 300 PS starke Diesel ist bloß 42 Zentimeter hoch. Eher wie eine Zigarre als ein Big Block sieht der Zweitakter aus. "Unser Motor wiegt nur ein Drittel eines gleich starken Viertakters. Außerdem verbraucht er je nach Konfiguration schon jetzt 12 bis 45 Prozent weniger Kraftstoff", sagt Peter Hofbauer, "da sind die Effizienzgewinne der Serienentwicklung noch gar nicht eingerechnet." Der 70-jährige Professor und Technikchef von EcoMotors ist in der Branche wohlbekannt. Er hat in Deutschland vor mehr als 30 Jahren TDI-Geschichte geschrieben. Neun Jahre war er Chef der Volkswagen-Antriebsforschung, bevor er ebenso lang dort die gesamte Motorenentwicklung geleitet hat: "Beim ersten Saugkammerdiesel im Golf ging der Vertrieb von fünfzig verkauften Autos pro Tag aus. Das rechnete sich natürlich nicht, deshalb wurde das Projekt gestoppt. Wir haben den Motor dann für den Transporter weiterentwickelt - und drei Monate später war er wieder im Golf. Das war ein Hammer!", erinnert sich der Österreicher lachend. Ein Hammer könnte auch der Gegenkolbenmotor sein, an dem Peter Hofbauer mit einem Team von Spezialisten arbeitet. Um Geldgeber muss sich der Erfinder keine Sorgen machen. Als er vor drei Jahren EcoMotors ins Leben rief, war auch Vinod Koshla dabei. Der Milliardär und Mitbegründer von Sun Microsystems hat mit Bill Gates 23 Millionen US-Dollar in das Start-up investiert und weiteres Kapital in Aussicht gestellt.
Zweitakt-Motoren - Ein Motor, nicht totzukriegen
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Wroomm! Dieser Playstation-Racer ist das Gegenteil eines braven Familien-Vans: Blutrote Alcantara-Bezüge, puristisches Metall und schwarzgraues Karbonflechtwerk sind scharfe Zutaten für nächtliche Burnout-Partys. Nissans Studie IDx Nismo drückt das Lebensgefühl einer Generation von Designern aus, die mit Computerspielen aufgewachsen sind. Dass sie die übliche Zierleisten-Behaglichkeit satt haben, zeigt auch eine zweite Konzeptstudie: Die Lackierung in Flachs und Weiß soll an eine Freizeitkluft aus Kakihose und weißem T-Shirt erinnern. Innen eignet sich der kantige Kompakt-Nissan ebenso wenig für Fashion-Spießer: Eine Jetflügel-Armaturentafel mit Luftausströmern in Turbinenform lässt die kleine Hütte großzügig wirken. Kombiniert mit edlen Aluminium-Details, einem Tacho-Solitär und einem großen Mitteldisplay soll der IDx Freeflow in den Augen jüngerer Käufer cool aussehen. Beschwörung einer glorreichen Vergangenheit Wir schreiben das Jahr 14 im 21. Jahrhundert. Während Automobildesigner zumindest gelegentlich neue Ideen in Blech pressen lassen, herrscht hinter Glas und Türen meist gesichtslose Tristesse. Viele Autointerieurs wirken so austauschbar, als würden sie für die immer gleichen Fahrer mit Hut gebaut. Die gute Stube auf Rädern zementiert einen traditionellen Begriff von Markenidentität: Obwohl voll digitale Cockpits und zentrale Bedienbildschirme Stand der Technik sind, wird ein Retrolook im Stil von analogen Chronografen gepflegt. Passend zu Ledercouchgarnitur und Echtholzimitat sollen (simulierte) mechanische Zeigerinstrumente in chromblitzenden Tuben eine glorreiche Vergangenheit beschwören. Der Innenraum der neuen Mercedes S-Klasse: Hightech in biederem Ambiente. Ästhetisch besonders schwierig wird es, wenn solcher Technik-Kitsch auf topaktuelle Unterhaltungselektronik prallt. Die neue Mercedes S-Klasse bettet beispielsweise zwei Farbdisplays mit einer Bildschirmdiagonale von jeweils gut 30 Zentimetern (12,3 Zoll) in ein Plüsch-Ambiente aus Holz, Leder, Chrom und geschwungene Formen. "Der Mensch trachtet bei Luxus nach authentischen Werten", sagt Hartmut Sinkwitz, "wir schaffen eine warme Wohlfühlatmosphäre, bei der wir uns vom Erbe der Marke gerne inspirieren lassen." Der Chef des Mercedes-Interieur-Designs erklärt kugelrunde Luftausströmer, Zweispeichenlenkrad und die Analoguhr über der Mittelkonsole mit einer tiefen Sehnsucht nach den Ikonen der Vergangenheit. Gleichzeitig - und das ist die Krux - legt nicht nur die wachsende asiatische Kundschaft Wert auf die neuesten digitalen Spielereien. Wer zu Hause von Flimmerkisten umgeben ist, erwartet auch im Auto entsprechende Riesenbildschirme. Ein bisschen Bond fährt mit Erinnern wir uns: Schon in den Sechzigerjahren wollte sich der technikverliebte Mann hinterm Steuer wie James Bond fühlen. Meistertechniker "Q" hatte einen Peilsender samt Kontrollbildschirm in der Mittelkonsole des Aston Martin DB5 untergebracht. In "Man lebt nur zweimal" (1967) fuhr der Agent Ihrer Majestät ein Toyota 2000 GT Cabrio mit sprachgesteuertem Kassettenspieler, Fernseher, schnurlosem Telefon und Kameras in den Kennzeichen. Ein bisschen Bond steckt heute also in jedem Infotainmentsystem. Auch wenn die wenigsten Automobilisten Geheimagenten sind: Knöpfe und Kontrollleuchten rund ums Cockpit befriedigen den Spieltrieb. Fahrerarbeitsplätze wie in Rennwagen, Flugzeugen oder Raumschiffen gelten bei Porsche noch heute als Ausweis technischer Kompetenz. Die digitale Revolution hat die separaten Anzeigen und Bedieneinheiten zwar überflüssig gemacht. Aber es fällt Autotraditionalisten erstaunlich schwer, die Optik des analogen Zeitalters hinter sich zu lassen. Wer die neue Mercedes S-Klasse und das Tesla Model S im direkten Vergleich fährt, fühlt sich als Wandler zwischen den Epochen. Obwohl die Armaturentafeln beider Autos von einer großen Mattscheibe geprägt sind, lässt sich der Tesla von Computer-affinen Menschen wesentlich intuitiver bedienen.
Interieurdesign in Autos
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Ob auf festem Untergrund oder im Schnee: Eine kurvenreiche Bergstraße macht im Porsche 911 besonders viel Spaß. Offen fahren ist eine Offenbarung. Menschen, die Autos ohne Dach überm Kopf schätzen, wissen das. Und Motorradfahrer natürlich. Aber das ist ja wieder eine ganz andere Geschichte. Wir lieben eben dieses Gefühl: vier Räder, der Himmel in Sicht, Natur in der Nase, Wind im Genick und Motorenklang im Ohr. Natürlich sind Offenfahrer auch ein ganz klein bisschen harte Kerle, es sei denn, sie missbrauchten ihr Vehikel bloß zum Schaulaufen in Sun City - als geschniegelte Warmwetter-Cabrioten mit diesem Sieht-mich-auch-jede(r)-Blick. Die Hartgesottenen jedenfalls pfeifen auf die Sonnenprognose fürs Wochenende. Mütze auf, Schal um den Hals, Dach runter. Und dem Winter hinterher. Was gar nicht so einfach war in diesem Jahr. Fast wäre unser Vorhaben, die angeblich weiße Jahreszeit gebührend zu verabschieden, am Ende gescheitert. Kaum schneebedeckte Straßen selbst im Hochgebirge, und wenn, dann nur für ein paar Tage. Und die meisten Pässe ohnehin gesperrt zu dieser Jahreszeit. Termine? Ständig umgeschmissen, der Fotograf nervös, der Fahrer ungeduldig. Nur das Auto blieb gelassen. Vermutlich, weil das seiner Art entspricht. Ist schließlich keine große Sache für einen offenen Porsche Carrera S, so eine Tour in die Alpen. Der Motor ist auch für Dreitausender gerüstet Dafür spricht schon die Papierform. 420 PS bei 6000 Umdrehungen liefert der inzwischen nur noch drei Liter große Sechszylinder, zwangsbeatmet von zwei Turboladern mit geänderten Verdichtern, geschärft von einer speziell abgestimmten Motorsteuerung und perfektioniert von einer neuen Abgasanlage. Damit sollten sich auch Dreitausender anstandslos bewältigen lassen. Genervt zwischen Schneemangel und dem nahenden Frühling fiel unsere Streckenwahl am Ende auf die Kaunertaler Gletscherstraße in Tirol, die sich vom kleinen Dörflein Feichten aus vorbei an Gepatschhaus (1928 Meter) und Ochsenalm (2150 Meter) bis zum Restaurant am Fuß des Gletschers auf 2750 Meter Höhe windet. Schneebedeckt, serpetinenbestückt, fahrerisch eine Herausforderung. Und schon auf dem Weg dorthin wird klar, was man hier am allerwenigsten braucht: Höchstleistung. Die Route über Füssen, den Fernpass ins Österreichische hinein, dann über Landeck weiter in Richtung Reschenpass lässt nicht mehr zu als Bummeltempo. 308 km/h schafft der Carrera S, sagen die Daten, wir brauchen nicht mal ein Drittel davon. Und dass er in 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h erreicht? Geschenkt.
Porsche 911 Carrera S Cabrio im Fahrbericht
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Anfang Juli unterzeichneten in Brüssel sieben europäische Eisenbahngesellschaften ein historisches Vertragswerk. Unter dem Namen Railteam wollen die Deutsche Bahn (DB) und die Bahnen Frankreichs, Belgiens, Österreichs, der Niederlande, der Schweiz sowie das britische Unternehmen Eurostar Zugfahren in Europa schneller, einfacher und komfortabler machen. Fahr-Plan: Bis zum Jahr 2010 soll das Schnellbahnnetz Railteam insgesamt 15.000 Kilometer Strecke haben. Die in der Grafik rot unterlegten Städte werden dabei zu Knotenpunkten. Damit knüpfen sie an eine Tradition an, die bereits in den fünfziger Jahren mit der Einführung der TEE, der Trans-Europ-Express-Züge, begonnen wurde. Deren Weiterentwicklung zu einem europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz war jedoch an der Konkurrenz der beteiligten Gesellschaften gescheitert. Genau zum richtigen Zeitpunkt, um solche historischen Zusammenhänge zu beleuchten, Vorannahmen und Weichenstellungen zu hinterfragen, hat die Technikgeschichtliche Fakultät der ETH Zürich der Frage der Hochgeschwindigkeit im Zugverkehr eine Tagung gewidmet. In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich und dem Schweizer Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme lud sie unlängst Eisenbahner, Vertreter einiger großer Firmen, Politiker, Verwaltungsfachleute und Wissenschaftler ein, um unter der Überschrift ,,Mit Tempo in die Zukunft? Die Geschwindigkeit der Eisenbahn'' ihre Ansichten auszutauschen. So rasch wie nötig, so schnell wie möglich Gisela Hürlimann - eine der Initiatorinnen der Veranstaltung - gab dabei mit ihren Ausführungen zur Geschichte der Schweizerischen Bundesbahnen gewissermaßen das Motto: Die durch den Siegeszug des Autoverkehrs seit den fünfziger Jahren ausgelöste Modernisierungsdebatte führte bei den SBB zu einer Art drittem Weg zwischen Frankreich und Deutschland, indem man das Konzept der Hochgeschwindigkeit in Relation zum gesamten Netz definierte.
Eisenbahnnetz in Europa - Auf die Schnelle
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Nikolaus Schües möchte die Welt retten. Oder zumindest verbessern. Vielleicht nagt an dem 81-jährigen Hamburger, der ein Vermögen im Schiffbau gemacht hat, ja auch ein wenig das schlechte Gewissen. "Auf unseren Schiffen verbrennen wir Schweröl, den schmutzigsten aller Brennstoffe", räumt der Reeder unumwunden ein. Bis zur Umstellung auf umweltfreundliche Antriebe werde es noch eine ganze Weile dauern. "Deshalb wollte ich privat ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen." Schües' gute Tat: Der Reeder fährt Auto. Wenn er aufs Gaspedal seines Toyota Mirai tritt, fließt Wasserstoff durch den Tank. "Das ist der Antrieb der Zukunft", glaubt Schües, "und ein günstiger noch obendrein." Zwar räumt er ein, dass die Umwandlung des Rohstoffs nach wie vor viel Energie frisst - die dann doch zum Teil aus Kohlekraftwerken stammt. Aber: "Das wird sich bald ändern. Wasserstoff wird grün sein in Zukunft." Ganz objektiv ist Schües bei dieser Einschätzung jedoch nicht. Er war jahrelang Vorsitzender der Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg, die den Einsatz des Gases vorantreibt. Noch stellen Wasserstoff-Fahrzeuge in Deutschland die große Ausnahme dar. Schon E-Autos sieht man hierzulande nur äußerst selten. Zwar möchte die Bundesregierung bis zum Jahr 2020 eine Million Stromer auf den Straßen sehen - aktuell waren es nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts mit Stand Januar 2017 aber gerade einmal knapp über 34 000 Fahrzeuge. Doch im Vergleich zu den rund 300 in Deutschland zugelassenen Brennstoffzellen-Autos ist selbst das eine ordentliche Zahl. Sie tauchen in der offiziellen Statistik nicht einmal auf. Was bisher im Verkehrssektor existiert, sind allenfalls Vorzeige-Projekte, beispielsweise der Brennstoffzellen-Zug "Coradia iLint", der vom Jahr 2018 an in Niedersachen rollen soll. Oder die "Raststätte der Zukunft" in Fürholzen bei München, an der unter anderem Wasserstoff angeboten wird. "Es ist das Henne-Ei-Problem", klagt Schües. "Wenn das Angebot da wäre, würden deutlich mehr Leute umsteigen. Deshalb brauchen wir so schnell wie möglich eintausend Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland." Hamburg will seine komplette Nahverkehrsflotte umstellen In Hamburg lebt Schües diesbezüglich im Luxus. In der selbst ernannten "Wasserstoff-City" bieten gleich vier Tankstellen den Treibstoff an. Eine fünfte ist in Planung - und das bei nur 50 Fahrzeugen, die in der Hansestadt das Gas als Antriebsquelle nutzen. Eine teure Überversorgung? Das sieht Heinrich Klingenberg anders. Er leitet die HySolutions GmbH, ein im Jahr 2005 gegründetes Unternehmen, in dem sich staatliche und private Akteure zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel: In Zukunft soll der gesamte öffentliche Nahverkehr der Hansestadt emissionsfrei fahren, möglichst mit Wasserstoff. Auch bei den 3500 in Hamburg zugelassenen Taxen sehen sie viel Potenzial. "In Schleswig-Holstein hatten wir letztes Jahr einen Windenergie-Überschuss im Wert von 500 Millionen Euro", sagt Klingenberg. "Die sind verloren, wenn man sie nicht sinnvoll speichert." Rund 200 000 Wasserstoff-Fahrzeuge pro Jahr könne man allein mit der überschüssigen Windenergie betreiben, beteuert der Geschäftsführer. Noch sieht die Realität allerdings auch in Hamburg anders aus. Etwa die Hälfte des Wasserstoffs wird dort noch mithilfe von konventionellem Strom produziert, räumt Klingenberg ein. Trotzdem sieht er das Wasserstoffauto im Vergleich zum Stromer klar im Vorteil. "Weil die Reichweite deutlich länger ist. Und weil sich Wasserstoff schnell nachtanken lässt, genau wie Benzin."
Hamburg setzt voll auf den Wasserstoffantrieb
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Ob man das will, oder nicht: Wer Cabrio fährt, inszeniert sich selbst - jedenfalls eindeutiger, als wenn er unter einem schützenden Blechdach dahinfahren würde. Seht her, ich bin's, und jeder schaut. Da sollte man rechtzeitig darauf achten, wofür man sich gerne ansehen lassen möchte. Das A4-Cabriolet von Audi besticht durch Eleganz und formale Zurückhaltung. So gesehen, spricht im direkten Vergleich mit seinem Hauptkonkurrenten vieles für das A4-Cabrio von Audi. Weil die Basecap-Gel-im-Haar-dröhnende-Bässe-Fraktion sich nun mal in den offenen BMW Dreier verliebt hat (natürlich gebraucht), und bislang um den A4 einen weiten Bogen macht, bleibt die Audi-Weste blütenweiß von jedem Halbstarken-Verdacht. Entsprechend glaubwürdig ist sein Auftritt. Zwar ist die Form weniger sportlich als die des BMW, dafür zeitlos und elegant. Gut angezogen ist man in jedem Fall. Extremkonstellation Bliebe dann nur noch die Frage, wovon man sich beim Kauf leiten lässt. Die maximale Distanz zwischen Kopf und Bauch, Rechenstift und Leidenschaft markiert auf der einen Seite der 1.8 T, Basismodell mit schon strammen 163 PS. Weit oben am blauen Himmel der Cabrio-Träume zieht dagegen der neue offene S4 mit acht Zylindern und 344 PS souverän seine Bahn. In Euro ausgedrückt: Für 33.500 gibt es den 1.8 T, und wer darauf nochmal die Kleinigkeit von 26.500 Euro legen kann, darf sich beim Audi-Händler als König fühlen. Dazwischen liegen zwei Benziner mit 2,4 und 3,0 Liter Hubraum und ein 2,5-Liter-TDI. Reduziert auf den Kern der Wahrheit, bekommt man im preisgünstigsten und im teuersten Fall erst mal das gleiche Auto: ein solides viersitziges Reisecabrio, das auch auf schlechter Wegstrecke erschütterungsfrei bleibt wie ein Fels in der Brandung. Wobei die hinteren Sitze zwar ausreichend Platz bieten, aber dank exzessiver Luftverwirbelung doch generell eher etwas für den geschlossenen Fahrbetrieb sind. Leiser Langstreckengleiter Wirklich viersitzig ist so ein Cabrio (egal, von welcher Marke) eigentlich nur mit aufgezogener Kapuze. Dann allerdings ist der A4 ein durchaus vollwertiges, sogar recht leises Langstreckenauto für vier Personen mit nervenschonender Grundauslegung und emotionalem Mehrwert.
Unterwegs mit den Audi-A4-Cabriolets 1.8 T und S4 - Gemischtes Doppel
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Der Unterricht passt zu seiner Philosophie: Nicht autoritär, nicht drillen, sondern experimentieren. Das ist, was Titus Dittmann mit dem Skateboarding verbindet. Deshalb lehrt Deutschlands erster Universitätsdozent für Skateboarding auch nicht in einem sterilen Kursraum der Uni Münster, sondern im Münsteraner Skatepark Berg Fidel. "Skateboarding darf nicht verschult werden und muss seinen Charakter als rebellische Jugendkultur behalten", predigt Dittmann. Titus Dittmann, 63, ist Deutschlands erster Universitätsdozent für Skateboarding. Die Schüler sitzen nicht in Reih und Glied auf Stühlen, sondern lassen ihre Beine locker über die Rampe der Skateanlage baumeln. Zwei Studenten referieren auf Augenhöhe mit Dittmann über die soziokulturelle Wirkung von Skateboarding. Im eng vorgegebenen Raster der Prüfungsordnung nimmt der Dozent Dittmann sich die größtmögliche Freiheit. Wenn schon 50 Prozent Theorie und 50 Prozent Praxis vorgegeben sind, dann in einem Umfeld, das den Studenten Lust auf den Sport vermittelt. Wichtiger als die Praxis ist Dittmann aber noch die Theorie. "Das Beherrschen der Fahrtechnik ist Nebensache. Wichtiger ist das Verständnis für die stärkste Jugendkultur, die je aus dem Sport erwachsen ist", raunt der Idealist. Der 63-Jährige, der mit Wollmütze, Kapuzenpulli, Cordhose und Sneakern seiner eigenen Marke Titus so gar nicht seinem Alter entsprechend angezogen scheint, sagt aus dem tiefen Brustton der Überzeugung: "Skateboarding darf nicht als Schulfach begriffen werden." Dittmann selbst ist bis ins hohe Alter ein jugendlicher Rebell geblieben. Seine Augen funkeln, wenn er voller Inbrunst erzählt, wofür die Jugendkultur steht und was Skateboarding ihm gegeben hat, als er vor 35 Jahren das erste Mal damit in Kontakt kam: "Leistungsbereitschaft, Kreativitätsanspruch, Willensbildung, Leidensfähigkeit und Umgang mit Druck in Stresssituationen." Der Unternehmer, der bis 1984 selbst sechs Jahre Sportlehrer war, macht diese Ziele während der Unterrichtseinheit im Münsteraner Skatepark Berg Fidel anschaulich. Seine Studenten sollen an seinem Vorbild lernen, wie sie später ihre Schüler unterrichten sollen. Er greift so wenig wie möglich ins Unterrichtsgeschehen ein, lässt die Studenten ihre eigenen Erfahrungen machen und in Gruppen lernen. Am liebsten ist es dem Münsteraner, wenn nicht er die Übungen vormacht, sondern einer der fortgeschritteneren Lehramtsstudenten. "So ist es doch auch später in der Schule. In jeder Klasse gibt es inzwischen Skateboarder, die die Vorbildfunktion übernehmen können. So lernen sie auch in der Freizeit", sagt Dittmann.
Ungewöhnliche Dozentur in Münster - Professor Skateboard
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Schlage zu diesem Artikel einen Titel vor, der neugierig macht und zum Lesen einlädt.
Es klingt nach einem Skandal. Über Jahre hinweg sollen Studiengebühren, die einer staatlichen Hochschule zustanden, rechtswidrig an private Weiterbildungsfirmen geflossen sein, insgesamt 1,5 Millionen Euro. Professoren sollen sowohl für die Hochschule als auch für die Unternehmen gearbeitet haben, ohne dies wie vorgeschrieben anzuzeigen. Von Interessenkonflikten und Begünstigungen schrieb der Landesrechnungshof Sachsen-Anhalt in seinem Jahresbericht. Er rügte "gravierende Mängel bei der Durchführung von Weiterbildungsstudiengängen an der Hochschule Magdeburg-Stendal". Doch die Hochschule war nicht einsichtig, sie ging zum Gegenangriff über: Die Vorwürfe seien in Teilen unseriös, ja schikanös. Die Prüfer hätten offenbar keine Ahnung von den Abläufen an Hochschulen. Sogar eine gezielte "Diffamierung der Hochschule" hielt Rektorin Anne Lequy in einem Brief an den Rechnungshof für möglich: "Der Schaden, der schon bisher angerichtet wurde, ist immens." So wie der Prüfbericht des Rechnungshofes vertraulich war, so war es auch Lequys im November verfasste Protestnote. Dennoch fanden beide ihren Weg in die Öffentlichkeit und warfen Licht auf einen erbitterten Grundsatzstreit, der sonst meist im Verborgenen ausgetragen wird. Auf der einen Seite steht die Wissenschaft - staatliche Hochschulen, die auf ihre im Grundgesetz verbriefte Wissenschaftsfreiheit pochen und doch am Tropf der öffentlichen Haushalte hängen. Ihnen gegenüber stehen jene Ämter, die überprüfen, ob staatliche Gelder regelkonform ausgegeben werden. Während die Hochschulen stets über Unterfinanzierung klagen, halten die Rechnungshöfe sie für ebenso verschwendungsanfällig wie andere Behörden. Doch darf man an die Wissenschaft dieselben Maßstäbe anlegen wie an Polizei, Sozialämter oder Baubehörden? Martin Winter ist Sprecher des Bundesrechnungshofes. Er sagt: Man darf nicht nur, man muss. "Wir maßen uns ja nicht an, Wissenschaft als solche zu bewerten, sondern schauen, wie die Einrichtungen mit dem Steuergeld umgehen." Klingt nachvollziehbar. Es gibt jedoch Rektoren, die den Rechnungshöfen die Expertise absprechen. Weder verstünden sie, dass man Hochschulen, siehe Wissenschaftsfreiheit, nicht wie Behörden von oben nach unten durchregieren kann, noch sähen sie den internationalen Wettbewerb, in dem die Wissenschaft mithalten müsse. Das Leid der Geprüften Aber kaum ein Hochschulrektor lässt sich mit derlei Sätzen zitieren. Zu groß ist das Machtgefälle zwischen Geprüften und Prüfern. Zwar haben die Rechnungshöfe formal wenig Einfluss, sie berichten lediglich an Parlamente und Regierungen und können selbst keine Strafen beschließen. Dennoch werden ihre Ermittlungen von Politik und Medien oft wie Tatsachen behandelt. Ein Eindruck, den die Rechnungshöfe durch ihre Kommunikation befördern. So teilt etwa der Sprecher des Landesrechnungshofs Nordrhein-Westfalen auf Anfrage mit, sein Haus gebe "keine Bewertungen zu politischen Entscheidungen ab und beteiligt sich nicht an Spekulationen, Mutmaßungen oder unbelegten Behauptungen. Seine Aussagen basieren ausschließlich auf Prüfungserkenntnissen." Es sind Sätze wie diese, mit denen die Prüfer die Geprüften auf die Barrikaden treiben. Als gäbe es keine zweite Perspektive, sagt Helmut Rubin, der über 30 Jahre lang Beamter im NRW-Finanzministerium war, zuständig unter anderem für die Haushaltspläne von Universitäten und Unikliniken. "Da herrscht keine Waffengleichheit zwischen Prüfern, die Jahre später auf die Akten schauen, und den Geprüften, die oft im Augenblick entscheiden mussten." Dabei kann die Kritik der Rechnungshöfe durchaus berechtigt sein. Wenn etwa Professoren ihre Lehrverpflichtung nicht erfüllen oder eine Universität dem dazugehörigen Uniklinikum über Jahre zu viel Geld überweist. Oder wenn eine Forschungseinrichtung einem Professor für Zehntausende Euro eine neue Küche finanziert, damit er sich nicht abwerben lässt.
Hochschulfinanzierung - Über einen vermeintlichen Skandal
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Das Avicenna-Studienwerk ist das jüngste Mitglied in der Runde der Begabtenförderungswerke. Seit 2013 unterstützt der Verein muslimische Studierende und Doktoranden. Überdurchschnittliche schulische oder akademische Leistungen sind eine wichtige Voraussetzung für ein Stipendium, berücksichtigt wird aber auch soziales Engagement. Studierende bewerben sich selbst, sie müssen noch mindestens fünf Semester Regelstudienzeit vor sich haben oder dürfen mit ihrer Promotion gerade erst begonnen haben.​ Das Cusanuswerk ist die Studienförderung der katholischen Kirche, gegründet wurde es1956. Gefördert werden vor allem katholische Studenten aller Fachrichtungen im Studium ebenso wie während der Promotion. Von den Bewerbern wird neben hervorragenden Leistungen unter anderem erwartet, "dass sie bereit sind, Stellung zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen; ihren eigenen Glaubensweg ernst nehmen; die Kirche gestalten und mit ihr leben und sich aus ihrem Glauben heraus für andere einsetzen". Das Recht, Bewerber vorzuschlagen, haben Schulleiter, Hochschullehrer und Mitarbeiter der Hochschulpastoral. Gleichberechtigt ist auch eine Selbstbewerbung möglich. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk wurde 2009 gegründet und richtet sich vor allem an jüdische Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen. Ziel ist es, Begabungen in der jüdischen Gemeinde zu fördern. Von Bewerbern fordert das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk "überdurchschnittliche Schul- und Studienleistungen, aber auch Einsatz darüber hinaus: in jüdischen Gemeinden, im sozialen Bereich, in der Jugendarbeit, in studentischen Organisationen und im gesellschaftlichen Umfeld". Interessenten können sich selbst für ein Stipendium vorschlagen oder das dem "Schulleiter, Hochschullehrer und Leiter jüdischer Institutionen" überlassen. Das evangelische Studienwerk Villigst ist das Begabtenförderungswerk der Evangelischen Kirche. "Unsere komplexe und widerspruchsreiche Gesellschaft braucht engagierte Intellektuelle und Entscheidungsträger, die fachliches, fachübergreifendes und politisches Urteilsvermögen verbinden", heißt es im Leitbild der Stiftung. Mitglieder der evangelischen Kirche können sich selbst für ein Stipendium vorschlagen oder sich vorschlagen lassen. Neben guten Noten zählt vor allem soziales Engagement. Die Friedrich-Ebert-Stiftung - gegründet 1925 - ist die älteste politische Stiftung in Deutschland. Für ein Stipendium seien Persönlichkeit und gesellschaftspolitischer Einsatz genauso wichtig wie gute Leistungen, heißt es in den Aufnahmekriterien. Jedes Jahr werden etwa 600 Studierende und Promovierende ins Förderprogramm aufgenommen, bewerben dürfen sich die Interessenten selbst. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist die FDP-nahe Stiftung unter den Begabtenförderungswerken. Interessenten können sich selbst bewerben, auch hier sind nicht nur sehr gute Noten, sondern auch "gesellschaftliches, liberal-orientiertes Problembewusstsein" gefragt. Die Hanns-Seidel-Stiftung wurde als CSU-nahe Organisation 1982 gegründet. Sie vergibt Stipendien für das Studium an Universitäten und Fachhochschulen, für Promotionen und für journalistische Programme. Es gilt das Selbstbewerbungsprinzip, die Stiftung wünscht sich Stipendiaten mit überdurchschnittlichen Schul- oder Studienleistungen, die sich im politischen, kirchlichen oder sozialen Umfeld engagieren. Die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist eines der größten Begabtenförderungswerke. 1750 Stipendiaten, die sich sonst kein Hochschulstudium leisten könnten, werden hier gefördert. Der DGB kann passende Kandidaten für ein Stipendium vorschlagen - sofern sie gewerkschaftlich engagiert sind. Wer kein Gewerkschaftsmitglied ist, aber ansonsten den Aufnahmekriterien entspricht, kann sich selbst bewerben. Die Heinrich-Böll-Stiftung steht den Grünen nahe. Sie fördert Studenten aller Fachrichtungen aus dem In- und Ausland, sofern sie hinter den Werten der Grünen stehen. Insbesondere gilt die Unterstützung Menschen mit Migrationshintergrund, Studierenden aus nicht akademischem Elternhaus, Studierenden aus den MINT-Fächern (Schwerpunkt: Umweltforschung), aus Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sowie Kunst, Studierenden, die Journalistinnen oder Journalisten werden möchten, und Studierenden an Fachhochschulen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist das parteinahe Begabtenförderungswerk der CDU. Mit etwa 3000 Stipendiaten gehört sie zu den größten deutschen Stiftungen. Gefördert werden Studenten aller Fachrichtungen, insbesondere Studenten mit Migrationshintergrund, angehende Journalisten, Studenten, aus deren Familie bislang niemand eine Hochschule besucht hat, und ausländische Studenten. Neben herausragenden akademischen Leistungen und sozialem Engagement wird auch eine Nähe zu den geistigen Grundlagen der Stiftung vorausgesetzt. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung wurde 1992 als parteinahe, bundesweit tätige Stiftung der PDS - heute Die Linke - anerkannt. Aufnahmekriterien für das Stipendienprogramm sind herausragende akademische Leistungen und soziales Engagement. Bei gleicher Qualifikation werden Frauen, sozial Bedürftige und Menschen mit Behinderungen bevorzugt. Es gilt das Prinzip der Selbstbewerbung. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft fördert Studenten mit Unternehmergeist aus allen Fachrichtungen. Die Stiftung wird von Unternehmern, Unternehmen und Arbeitgeberverbänden getragen. Sie kooperiert in vielen Bereichen mit anderen großen Wirtschaftsstiftungen, ist überparteilich und konfessionell unabhängig. Ein spezielles Förderprogramm gibt es für Lehramtsstudenten. Die Studienstiftung des Deutschen Volkes ist mit 11.000 Stipendiaten das größte und gleichzeitig älteste Begabtenförderungswerk. Sie ist konfessionell, politisch und weltanschaulich unabhängig. Für die Aufnahme in die Studienstiftung kann man vorgeschlagen werden oder sich mit einem Test selbst bewerben. Vorschlagsrecht haben Schulleiter (für Abiturienten), Prüfungsämter und Hochschullehrer (für Studierende bis zwei Semester vor Abschluss der Regelstudienzeit) und Betreuer von Promotionsvorhaben (für Doktoranden). Wer alle 13 Begabtenförderungswerke miteinander vergleichen möchte, findet auf dieser Seite ausführliche Informationen über Anforderungen, Fördermöglichkeiten und Ausrichtung der einzelnen Stiftungen.
Geld für die Besten: Stipendien für Begabte
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Schnell noch einen Platz für den Unistart ergattern? Das ist auch kurz vor Beginn der Vorlesungen noch möglich. Der Semesterbeginn an den Hochschulen in Deutschland naht. An den meisten Universitäten beginnen die Vorlesungen Mitte Oktober. Tausende Studienanfänger sind in diesen Tagen auf WG-Suche, organisieren den Umzug oder genießen noch die letzten freien Tage, bevor das Uni-Leben startet: Sie haben bereits die Zulassung für ihren Studienplatz. Doch auch für diejenigen, die bisher nur Absagen bekommen haben, ist es noch nicht zu spät. Und selbst wer sich bisher noch gar nicht für einen Studienplatz beworben hat, hat die Chance, in wenigen Tagen doch noch als Erstsemester im Hörsaal Platz zu nehmen. "Weiblich, ledig, Abiturientin sucht Studium, das zu ihr passt?": Die Vergabe von Tausenden Studienplätzen an Tausende Bewerber ist eine komplexe Angelegenheit, die durchaus Parallelen zu Partnerbörsen hat. Eine Reihe Studiengänge haben inzwischen eine Zulassungsbeschränkung, Bewerber mit guten Noten oder Wartesemestern bekommen Zusagen für mehrere Studiengänge, nachträglich werden dann Plätze wieder frei. Daher gibt es auch bis zum Studienbeginn noch die Möglichkeit, einen Platz zu ergattern. Wie? Das hängt zunächst davon ab, ob der Studiengang eine Zulassungsbeschränkung hat oder nicht. Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung - ab zum Einschreiben Es gibt eine ganze Reihe Studiengänge, für die man nur die Hochschulzugangsberechtigung benötigt, also zum Beispiel das Abitur. Die Note ist egal - daher stehen die Chancen, hier einen Studienplatz zu finden, super. Das privat betriebene Studenten-Portal Studis-online.de bietet eine Übersicht über zulassungsfreie Studiengänge an. Und auch die bundesweite Studienplatzbörse der Stiftung für Hochschulzulassung und der Hochschulrektorenkonferenz bietet eine Suchfunktion an. Unter freie-studienplaetze.de lässt sich in der Suchmaske die Einstellung "ohne Beschränkung" auswählen, die Suche kann nach Fächern, Art des Abschluss und Region sowie Studienort spezifiziert werden. Zu den einzelnen Studiengängen bietet das Portal dann weitere Informationen. Besonders wichtig: Der Hinweis zu den Einschreibefristen, die häufig Ende September enden. Das Passende gefunden? Dann schleunigst über alle Details bei der Hochschule informieren, denn auch wenn für den Studiengang kein Numerus Clausus gilt, sind manchmal weitere Voraussetzungen wie Praktika nötig. Alle Unterlagen komplett? Ab zur Uni und immatrikulieren. Und auch wenn die Frist bereits abgelaufen ist, ein Anruf bei der Hochschule kostet nichts - möglicherweise wird ja eine Ausnahme gemacht. Studiengänge mit Zulassungsbeschränkung - fertig fürs Losverfahren Besonders kompliziert ist die Vergabe von zulassungsbeschränkten Plätzen an der Hochschule. Mittlerweile sind die regulären Bewerbungsrunden gelaufen, jetzt geht es um die noch freien Restplätze. Und diese werden in der Regel verlost. Die Hochschulen können ihre Restbestände an Studienplatzbörsen melden. Bei der Börse des Portals Studieren.de sind aktuell bundesweit noch über 17.000 freie Plätze an über 200 Hochschulen zu finden. Auch unter freie-studienplaetze.de können die entsprechenden Studiengänge unter dem Zulassungsmodus "mit Beschränkung" gesucht werden. Mehrfach nachschauen lohnt sich: Die Unis stellen ihre Angebote zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Plattform. Die Restplätze werden von den einzelnen Universitäten selbst verlost. Dafür ist eine Anmeldung bei der Hochschule notwendig. Manchmal sind die Hinweise für das Losverfahren auf den Internetseiten der Unis nicht ganz einfach zu finden. Dann einfach "Losverfahren" oder "Restplätze" bei der Suche eingeben. Vom 30. September bis zum 4. Oktober findet außerdem das zweite Clearingverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung statt. 13 Hochschulen beteiligen sich zurzeit mit ihren Studiengängen an dem Verfahren, darunter auch besonders gefragte Fächer wie Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwesen. Unter hochschulstart.de können Interessierte nach passenden Studiengängen suchen und sich zentral auf der Plattform für die ausgeschriebenen Restplätze bewerben. In diesem Verfahren verlost die Stiftung für Hochschulzulassung zentral, am 5. Oktober gibt sie das Ergebnis bekannt. Auch wer bereits einen Studienplatz sicher hat, kann an dem Clearingverfahren teilnehmen - das hat keine Auswirkungen auf mögliche andere Zusagen. Und auch, wer sich bisher noch gar nicht für einen Studienplatz beworben hat, darf mitmachen. Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie - ein letztes Fünkchen Hoffnung Diese besonders begehrten Fächer werden nur über das zentrale Vergabeverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung vergeben. Das Prozedere umfasst das Hauptverfahren und mehrere Nachrückerrunden. Wenn danach noch Plätze frei werden, können diese von den Unis in einem Losverfahren verlost werden. Die Regeln für die Teilnahme bestimmt jede Hochschule selbst. Die Chancen, so doch noch an den Wunschstudienplatz zu kommen, sind jedoch sehr gering.
Im Losverfahren an die Uni - Wege zum Last-Minute-Studienplatz
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"Im Gedenken an den 15. Juli, den Sieg der Demokratie und die Märtyrer", steht auf diesem Büchlein, das schon im vergangenen September an türkische Schüler verteilt wurde. Charles Darwin hat es erwischt, seine Evolutionstheorie soll nicht mehr vorkommen. Der Mensch ist nicht das Ergebnis natürlicher Selektion, Gott hat ihn erschaffen - so sollen es türkische Schüler künftig lernen. Vermittelt werden soll ihnen auch der Dschihad, eine Ankündigung, die in säkularen Kreisen einen Aufschrei auslöste. Zwar beeilte sich Bildungsminister İsmet Yılmaz zu versichern, den Schülern solle nicht der Religionskrieg beigebracht werden, die wahre Bedeutung des Begriffs sei "Vaterlandsliebe". Doch die Kritiker beruhigte das nicht. Die Regierung, schimpfte die säkulare Oppositionspartei CHP, plage "die Gehirne unserer kleinen Kinder mit derselben Haltung, die den Nahen Osten in ein Blutbad verwandelt". Seit Mitte September läuft das Schuljahr in der Türkei, die Reformen der AKP-Regierung sind in Kraft. Und während Yılmaz die Änderungen als "Vereinfachung" des Unterrichtsstoffs herunterspielt, halten seine Kritiker die Überarbeitung des Lehrplans für fundamental. Für sie ist der Streit um Unterrichtsinhalte und Schulbücher mehr als ein Ringen um die richtige Bildungspolitik. Es geht um die Ausrichtung der Republik. Und um die Frage, ob kommende Jahrgänge noch im Geiste von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk aufwachsen, oder ob da die "fromme Generation" herangezogen wird, die Präsident Recep Tayyip Erdoğan sich wünscht. Der Zorn richtet sich unter anderem gegen eine Reform, die den Zugang zu weiterführenden Schulen nach der 8. Klasse neu regeln soll. Die bisherige Prüfung wurde im Hauruckverfahren abgeschafft, ersetzen sollen sie ein neues Examen und ein Verteilsystem, das die Wohnadresse stärker berücksichtigt. Kritiker sagen, dass auf diese Weise die sogenannten Imam-Hatip-Schulen aufgewertet werden sollen - religiöse Schulen, an denen ursprünglich vor allem Geistliche ausgebildet wurden. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Aktuell gibt es 1150 - mehr als 900 von ihnen wurden seit dem Regierungsantritt der AKP im Jahr 2002 gegründet. Die Zahl der Schüler stieg seitdem von unter 100 000 auf 1,15 Millionen. Das Bildungsministerium begründet die Reform unter anderem mit dem unzumutbarem Leistungsdruck. Dass der nun sinken wird, bezweifelt Ayfer Koçak, 42, Mathe-Lehrerin und Vorsitzende eines Istanbuler Kreisverbands der linken Bildungsgewerkschaft Eğitim Sen - die begehrten Gymnasiumsplätze seien schließlich weiterhin knapp. Der Rest der Schüler verteile sich auf andere Schultypen, verstärkt auf Religionsschulen - oder Privatschulen, denen die Reform einen Boom bescheren dürfte. "Die Grundidee ist ja richtig, gute Schulen direkt im Wohnviertel zu haben", sagt Koçak. "Aber dann sollte man mehr gute Gymnasien eröffnen." Die Bildungspolitik war immer schon Austragungsort kultureller Grabenkämpfe, auch vor dem Regierungsantritt der AKP. Nach dem Putsch 1980 verordnete das Militär sein Konzept der "türkisch-islamischen Synthese"; die subversive Kraft der Religion sollte mit nationalistischen Elementen verschmolzen und so gebändigt werden. Religion wurde zum Pflichtfach - auch für die Minderheit der Aleviten, die mit dem Staatsislam sunnitischer Prägung wenig anfangen konnten. Zugleich befand sich die islamistische Bewegung, aus der später auch die AKP hervorging, auf dem Vormarsch. Die Lehrinhalte veränderten sich vor allem nach 2012 Seit sie regiert, hat der Kampf um die Bildung deutlich an Schärfe gewonnen. Er äußerte sich etwa im jahrelangen Streit um die Lockerung des Kopftuchverbots an Universitäten und Schulen - aus Sicht des säkularen Lagers ein Frontalangriff auf die Grundfesten der Republik. Laut einer Studie von Impact-se, einer israelischen Organisation, die Schulbücher und Lehrpläne wissenschaftlich untersucht, begannen sich die an türkischen Schulen gelehrten Inhalte vor allem nach 2012 zu verändern: "Die Türken werden als Hüter des Islams dargestellt", so die Autoren. Betont wurde die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie, von Religion und Wissenschaft; infrage gestellt wurde die bis dahin vorherrschende Meinung der Säkularen, dass das Osmanische Reich und die Türkei wegen des Islams technologisch hinterherhinke. "Das Curriculum zeigt die türkisch-islamische Zivilisation im Vergleich mit der westlichen Welt als gleichwertig, in manchen Fällen als überlegen", so die Studie. 2012 führte die AKP-Regierung auch das umstrittene 4+4+4-System ein. Die Regelung erlaubt es Schülern, nicht erst nach der 8. Klasse, sondern schon nach der 4. eine Imam-Hatip-Schule zu besuchen.
Türkei - Lernen für Gott und Vaterland
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Heute sind die Berufe dran. "This is a teacher", erklärt Nicole Sölch ihren Viertklässlern und deutet auf eines der Bilder an der Tafel. Später fragt die Lehrerin einer bayerischen Grundschule: "What do you want to be?" Vereinzelte Wortmeldungen der Schüler, einer will gar keinen der gezeigten Jobs ergreifen, sondern lieber "youtube filmmaker" werden. Seit dem Schuljahr 2005/06 ist der Unterricht in einer Fremdsprache an Deutschlands Grundschulen verpflichtend. Vielerorts werden junge Schüler schon seit der Jahrtausendwende an Sprachen herangeführt. In grenznahen Gebieten wird teilweise die Sprache des Nachbarlandes gelehrt, etwa Französisch im Saarland. Das Gros der Grundschüler aber kommt zuerst mit Englisch in Kontakt, in den meisten Bundesländern zur dritten Klasse. Sechs Länder starten schon in der ersten Jahrgangsstufe, zum Beispiel Baden-Württemberg. "Die Kinder sollen den Mund aufkriegen" Der Unterricht soll "die Grundlage für den Erwerb von Mehrsprachigkeit und für lebenslanges Fremdsprachenlernen" legen, schreibt die Kultusministerkonferenz in ihrem aktuellsten Bericht zum Thema. Wegen dieses Anspruchs hat es in den vergangenen Jahren viel Kritik am Englischunterricht für die Kleinen gegeben: Gymnasiallehrer murrten, das bringe doch gar nichts; Forscher wiesen in Studien wahlweise nach, dass der Fremdsprachenunterricht viel zu früh oder viel zu spät beginne. Heinz-Peter Meidinger, Chef des Philologenverbands, bezeichnete 2009 die "überstürzte Einführung" dieses Fremdsprachenunterrichts als einen von vielen "verfehlten Reformschnellschüssen". Seitdem jedoch hat sich viel getan. Gut die Hälfte der aktuellen Englischlehrer an Grundschulen hat das Fach tatsächlich studiert. In den Jahren zuvor hatten die meisten erst im Job eine Zusatzqualifikation erworben, um Englisch lehren zu dürfen. Heiner Böttger, Professor für Englisch-Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sagt: "Wir sind in einer Zwischenphase, bereits in wenigen Jahren werden wir einen ganz neuen Standard haben." Dass die Schüler am Ende der vierten Klasse jetzt schon eine Menge mitgenommen haben, zeigt die BIG-Studie, die Böttger mit Kollegen erstellt hat. Die erst im September erscheinende Studie liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Dafür wurden deutschlandweit 2000 Viertklässler zum Englischunterricht befragt, ihr Wissen wurde getestet. Selbst in der Gruppe der Leistungsschwachen wollte der Großteil gern mehr Englisch lernen. Zudem bewiesen die Schüler, dass sie einfache Hörtexte gut erfassen können und in schriftlicher Form sogar einen noch größeren Teil verstehen. Daher sagen die Wissenschaftler, dass in Grundschulen "Mehrsprachigkeit ein reales Ziel sein kann und muss". Die guten Leistungen im Leseverstehen sind überraschend, da in den meisten Ländern das Schreiben kaum gelehrt wird. "Die Kinder sollen den Mund aufkriegen und ein Gefühl für die Sprache bekommen", sagt Lehrerin Sölch. In den zwei Stunden Englisch pro Woche unterrichtet sie ihre vierte Klasse daher einsprachig. Es dauert dann zwar eine Weile, bis sie den Berufswunsch "archaeologist" erklärt hat. Aber durch visuelle Unterstützung - Grabbewegungen mit den Händen - verstehen die Schüler dann doch, was gemeint ist.
"Englisch lernen - "Kinder sollen den Mund aufkriegen"
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Aufatmen bei den Unis - nach hartem Ringen haben Bund und Länder ihren Streit um die künftige Exzellenzinitiative beigelegt. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten hatten sich bei einem Treffen am vergangenen Donnerstag geeinigt. Damit wird es nicht nur ein neues milliardenschweres Programm für die Förderung von Elite-Unis und Forschungsbereichen geben, sondern es können zugleich weitere Großprojekte in der Wissenschaft starten: eine Förderschiene für Kooperationen zwischen kleineren Unis sowie Fachhochschulen mit der Wirtschaft und ein auf jüngere Forscher zielendes Karriereprogramm mit neuen Professorenstellen. Kosten: rund eine Milliarde Euro verteilt auf 15 Jahre. "Die Hochschulen stehen bereit, die Herausforderungen der drei Wettbewerbe anzunehmen", sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler. Trotz Kritik an Details sehe der Dachverband der Hochschulen "die Chance, das Hochschulsystem stärker und international wettbewerbsfähiger zu machen. Ein Aufschub oder gar ein Scheitern wäre eine riesige Enttäuschung gewesen." Eigentlich hatte die Runde der Wissenschaftsminister (GWK) von Bund und Ländern sich bereits im April auf die Neuauflage des Elite-Programms verständigt. Über den Wettbewerb, der seit Kurzem "Exzellenzstrategie" heißt, sind seit 2006 gut fünf Milliarden Euro zusätzlich in die Forschung geflossen. Kernstück waren bisher Exzellenz-Förderungen für ganze Standorte, vulgo Elite-Unis. Aktuell sind das elf. Die GWK hatte acht bis elf Top-Unis eingeplant. Hamburg sperrte sich bis Donnerstag dagegen. Die Chancengleichheit zwischen Hochschulen sei nicht genug berücksichtigt, hieß es. Im Grunde hatte man Angst, dass die Uni Hamburg nicht dabei ist im Elite-Kreis; schon in bisherigen Runden hatten die Hanseaten - trotz der Größe der Uni und der Bedeutung der Stadt - den Einzug in die erste Liga verpasst. Da im neuen Konzept eine dauerhafte Förderung des Bundes vorgesehen ist, befürchteten Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seine grüne Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: einmal nicht dabei, immer nicht dabei. Das ganze Projekt war somit in Gefahr geraten, weil Einstimmigkeit im Kanzleramt nötig war. Nun wird es eben einen Kompromiss geben. 2019 sollen zunächst elf Exzellenz-Unis gekürt werden, sieben Jahre später werden in jedem Fall vier Neubewerber aufgenommen. Dann würden einige Unis wieder herausfallen, deutete Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) an. Die frei werdenden Plätze würden ausgeschrieben - in jedem Fall sollten aber vier Unis neu dazukommen. Damit sei auch die von Hamburg geforderte "Dynamik" gewährleistet. In der Wissenschaftsszene gilt "11 plus 4" seit Donnerstagabend als fester Begriff. Für Hamburg hat sich der Poker gelohnt, auch wenn keineswegs klar ist, dass die örtliche Uni tatsächlich in den Elite-Kreis gelangt. Vor der Sitzung hatte das Bundesbildungsministerium trotzig mitgeteilt, die Haltung von Scholz zeuge von wenig Vertrauen in die eigene Uni; zudem werde es keine "Lex Hamburg" geben. Wobei man den Kompromiss durchaus so deuten kann.
Forschung - 11 plus 4
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Back to school: Nächste Woche veröffentlichen wir die Ergebnisse der Bildungsrecherche. Liebe Leserinnen, liebe Leser, kommende Woche gehen im letzten Bundesland, in Bayern, die Sommerferien zu Ende - und damit auch die Bildungsrecherche. Von Montag, 9. September, an packen wir das Bildungspaket aus, die Ergebnisse der zweiten Runde unseres Projekts Die Recherche. Dann erfahren Sie, wie ein Maßkrug im Matheunterricht gute Dienste leisten kann und wie Sie sich endlich merken können, wann die Rechtschreibreform ß oder ss verlangt, zum Beispiel wenn es um Maßkrüge oder Masskrüge geht. In mehr als einem Dutzend Essays, Reportagen, Interviews und Videos wollen wir dann die von Ihnen ausgewählte Recherchefrage beantworten, welche Bildung unsere Kinder wirklich brauchen und was sich in unserem Schulsystem dafür möglicherweise ändern muss. Unser Autor Gunnar Herrmann beispielsweise musste nach seiner Rückkehr aus Schweden nach Deutschland mit einem schulpflichtigen Kind feststellen, dass deutsche Familien pro Jahr bis zu 1,5 Milliarden Euro für die Nachhilfestunden ausgeben. Im schwedischen Schulsystem geht es zwar auch nicht zu wie beim Nachbarn und Pisa-Spitzenreiter Finnland, aber es hat eine Weile gedauert, bis Herrmann einem schwedischen Freund erklärt hatte, was Nachhilfeunterricht überhaupt ist. Guten Lehrern kann man nicht nicht zuhören Außerdem hatten wir kluge und diskussionsfreudige Jugendliche in München zu Gast. Fast zwei Stunden haben sich Ena, Clara, Arberie, Roman, Kassem und Georg darüber ausgetauscht, was den idealen Lehrer aus- und wie Unterricht Spaß macht. Gute Lehrer gestalten ihren Unterricht so, dass man nicht nicht zuhören kann, war eine Definition. Mehr vom SZ-Schülergipfel gibt es in der kommenden Woche. Und wir sammeln weiter: Haben Sie, habt ihr Erinnerungen an einen Lehrer, der vielleicht ein bisschen anders war als die anderen, der Ihnen oder euch schwierigen Stoff mit einem besonders anschaulichen Beispiel, mit einer besonders eingängigen Erklärung oder einfach besonders engagiert nahegebracht hat? Außerdem wollen wir weiterhin die Mathematik, ein für die meisten wohl in gutem wie im bösen Sinne aus dem Stundenplan herausgehobenes Fach, würdigen: Wir freuen uns über Anekdoten, Geschichten, Erinnerungen an Mathelehrer, die dem Klischee vom "Horrorfach", wie es ein Leser nannte, entsprechen - oder die im Gegenteil mit ihm brechen. Schreiben Sie uns, schreibt uns. So sind wir für Sie erreichbar - übrigens auch für weitergehendes Feedback, Kommentare oder neue Themenvorschläge: Mehr dann nächste Woche. Bis dahin viele Grüße, Sabrina Ebitsch, Team Die Recherche
Vorschau aufs Bildungspaket - Nachhelfen und zuhören
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Alle Schulen in Deutschland müssen ihren Teil zur Inklusion geistig und/oder körperlich behinderter Schüler beitragen - auch die Gymnasien. Das hat das Verwaltungsgericht Bremen nun entschieden. Die Leiterin eines Bremer Gymnasiums ist mit ihrer Klage gegen eine die Einrichtung einer Inklusionsklasse gescheitert. Die Beamtin könne lediglich verwaltungsintern ihre Bedenken geltend machen, sei aber darüber hinaus nicht klagebefugt, teilte das Verwaltungsgericht Bremen zur Begründung seiner Entscheidung mit. Die Klage ist als unzulässig abgewiesen worden. Eine Berufung ist möglich. Die Schulleiterin des Gymnasiums Horn hatte sich mit der Klage gegen die Einrichtung eines inklusiven Klassenverbandes mit 19 regulären Schülern und fünf Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung (im Behördendeutsch ist von Beeinträchtigungen bei "Wahrnehmung und Entwicklung" die Rede, kurz W+E) zur Wehr gesetzt. Am ersten Verhandlungstag hatte die Klägerin erklärt, sie sehe das zweisprachige Gymnasium Horn vor allem als Lernort mit gehobenen Leistungsanforderungen an die Schüler und dem erklärten Ziel, zum Abitur zu führen. Sie fühle sich von der Schulbehörde unzureichend informiert, welche Kinder mit welchen Beeinträchtigungen aufgenommen werden sollten und fürchte Zustände, die auch in anderen Schulen bei "W+E"-Klassenverbänden festzustellen seien. "Da bemüht sich dann etwa ein Master-Student, die fünf W+E-Kinder zu beruhigen, während die anderen Kinder Mathe oder Englisch lernen", sagte die Pädagogin. Dafür wolle sie keine Verantwortung übernehmen. Eine Vertreterin der Schulbehörde hatte Unterstützung für die Inklusionsmaßnahme an der Schule zugesagt. Sie hatte aber auch betont, dass das Gymnasium nicht nur für leistungsstarke Kinder gedacht sei. Aus Sicht der Schulleiterin hätten W+E-Kinder nichts am Gymnasium zu suchen, bemängelte sie. "Da geht es um eine Haltung. Auch Gymnasiasten müssen den Umgang mit geistig behinderten Kinder lernen. Sie sollen nicht zusammen Mathe lernen. Es geht um soziales Lernen." Das Gericht erkannte keine Anhaltspunkte für eine Rechtswidrigkeit der behördlichen Anweisung. Die Einführung der inklusiven Beschulung an allen Bremer Schulen entspreche einem klaren gesetzgeberischen Auftrag. Dies gelte auch für die Unterrichtung von Schülern mit Beeinträchtigungen im Bereich Wahrnehmung und Entwicklung an Gymnasien. Schlechtere Bildungschancen der Regelschüler seien hierdurch nicht zu befürchten.
Inklusion: Schulleiterin muss Inklusionsklasse anbieten
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Lehrer, so ein gängiges Vorurteil, haben es gerne bequem. Korrekturstress? Umgehen sie geschickt, indem sie die Prüfungsbögen nur anlesen und dann Noten nach Gutdünken vergeben. Das ist zumindest der Eindruck, den mancher Schüler im Laufe seiner Schulkarriere gewinnt. Ein amerikanischer Teenager soll die Theorie vom ökonomisch arbeitenden Pädagogen jetzt einem Praxistest unterzogen haben. Er stellte seinem Lehrer eine Falle, indem er nur im ersten Absatz seines Aufsatzes tatsächlich auf die gestellte Frage antwortete - und die restlichen Seiten mit Nonsens füllte. So heißt es nach einer kurzen Abhandlung zum Motiv überstürzter Entscheidungen in Shakespeares Werken "Othello" und Romeo und Julia" zu Beginn des zweiten Absatzes: "Um ganz ehrlich zu sein, das Thema langweilt mich jetzt schon. (...) Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie das hier sowieso nicht lesen werden, also schreibe ich jetzt einfach genug Worte hin, dass es so aussieht, als hätte ich viel geschrieben, während ich eigentlich nur die Zeit totschlage." Und der Pädagoge tappte prompt in die Falle: Er vergab für das zusammenhangslose Gebabbel eine "A-", was hierzulande einer Eins minus entspricht. Ein Freund des Schülers postete ein Bild der Klausur-Finte auf der Foto-Plattform Imgur. Ob die Geschichte dahinter stimmt, lässt sich nur schwer nachvollziehen - lustig ist die Idee allemal. Genauso wie die nun folgenden (mutmaßlichen) Schülerantworten.
"Skurrile Prüfungsantworten: "Das Thema langweilt mich"
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Ein königlicher Erlass der Kleopatra ( weitere Informationen finden Sie hier ) In den Unigesprächen befragen wir Forscher und Hochschullehrer, die sich mit einem sehr speziellen Fachgebiet beschäftigen. Diesmal im Interview: Andrea Jördens, die am Institut für Papyrologie der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität forscht und lehrt. SZ.de: Frau Jördens, wie sind Sie zu Ihrem sehr speziellen Forschungsbereich gekommen? Ich bin Klassische Philologin und habe einen Teil meines Studiums in Florenz absolviert. Damals hat mir eine Freundin geraten, alles das zu machen, was es in Deutschland nicht gäbe, wie etwa die Papyrologie. Nach meiner Rückkehr nach Heidelberg wurde das Fach dort gerade eingerichtet. Ein glücklicher Zufall. Worum geht es in der Papyrologie? Wir beschäftigen uns mit dem griechischen Millennium, also den tausend Jahren von 300 vor bis 700 nach Christi Geburt, als Griechisch im Raum Ägypten Amts- und Umgangssprache war. Die meisten denken ja bei Papyri direkt an Ägypten - das ist bezüglich der Herkunft der Texte richtig, es hat aber nichts mit den ägyptischen Sprachen oder Hieroglyphen zu tun. Wir wollen die Papyri in den Kontext der Alltagskultur einordnen und so die Welt der Antike in Ägypten und anderswo, wo schließlich vieles ganz ähnlich verlief, besser kennen und verstehen lernen. Lassen Sie uns über das Studium sprechen. Welche Lehrveranstaltungen können Studierende bei Ihnen besuchen? Ich biete eine Vorlesung an, in der ich versuche, anhand der Papyri ein Bild der Epoche zu entwerfen - immer mit einem anderen Schwerpunkt. Per Studienordnung sind die Studierenden verpflichtet, Module zu belegen, in denen sie fachübergreifende Kompetenzen erwerben. Viele kommen deswegen zur Papyrologie. Wer genau, hängt vom Thema der Veranstaltung ab. Bei "Griechische Literatur und Bildung in Ägypten" kommen viele Philologen, wenn ich kommendes Semester die Verwaltung des kaiserzeitlichen Ägypten bespreche, werden wohl hauptsächlich Althistoriker teilnehmen. "Jüdisches Leben in Ägypten" besuchen vorwiegend Theologen oder Studenten von der Hochschule für Jüdische Studien. Ich treffe aber auch auf Soziologen oder Altorientalisten. Bekommen Sie Feedback dazu, warum sich Studierende für die Papyrologie interessieren? Es gibt drei Gruppen: Manche kommen aus einem benachbarten Fach und halten es für eine sinnvolle Ergänzung; manche sagen "Irgendwas muss ich ja machen und das ist wenigstens mal was anderes"; bei der dritten Gruppe passt die Vorlesung halt gerade gut in den Stundenplan. Zu meinen Vorlesungen kommen teilweise mehr als 30 Studierende, zu Seminaren deutlich weniger. Was bedeutet das gemischte Publikum für Sie als Hochschullehrerin? Mir macht das Spaß, weil jeder Student das Wissen aus seinem speziellen Fachbereich einbringen kann, was der Diskussion meistens sehr gut tut. Es ist nicht so wichtig, aus welchem Fach die Studierenden kommen, da wir sowieso mit vielfältigen Methoden arbeiten. Für die Seminare wäre es natürlich gut, wenn Teilnehmer Griechisch könnten. Lateinkenntnisse sind nicht so wichtig, weil Latein im damaligen Ägypten eigentlich nur in der Armee verwendet wurde. Kommen viele Studenten aus dem Ausland zu Ihnen? Auf jeden Fall. Ich veranstalte regelmäßige Kaffeetrinken für alle hier Beschäftigten und Studierenden. Da sind die einzigen Deutschen am Tisch meistens das technische Personal und ich als Leitung. Auch in meinen Seminaren sitzen zu etwa 80 Prozent Studierende aus dem Ausland. Viele kommen nach dem Master im Rahmen einer Promotion zu uns.
"Unigespräche - Bologna "ist der Tod vieler Lehrformen"
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Wenn es so etwas gibt wie den typischen Erasmus-Studenten, dann ist es Xavier. Während seines Austauschjahres in Barcelona entdeckt der französische Wirtschaftsstudent das facettenreiche Nachtleben, die Tücken einer Fernbeziehung - und die U-Bahn Station Urquinaona. Ein Wort, so sagt er zu Beginn des Filmes "L'auberge espagnol", das ihm wie Sioux vorkommt und dann doch in einer Hirnwindung verankert bleibt, weil er so oft an der Station entlang läuft. Anfangs nur mit einem schweren Rucksack und einem zerknüllten Stadtplan, schließlich gemeinsam mit Freunden. Wer mit Unterstützung des Erasmus-Programms ins Ausland geht, verbringt nur selten seine gesamte Zeit an der Hochschule - und genau so soll es sein. Es ist eine Szene, in der viel Kitsch steckt, aber ebenso viel Wahrheit. Eine Szene, über die vielleicht auch manch ein Abgeordneter im EU-Parlament an diesem Dienstag nachdenkt. Dann wird über den Haushalt der Europäischen Union beraten und dabei auch über die Frage, wie viel Europa das Erasmus-Programm noch wert ist. Die Staaten, die jedes Jahr mehr Geld nach Brüssel überweisen, als sie aus dem gemeinsamen Topf erhalten, drängen auf mehr Sparsamkeit. Damit könnte auch die Förderung des Studentenaustauschs gekürzt werden. Zumindest deutsche Studenten müssen sich noch keine Sorge machen. "Das Wintersemester ist gesichert", sagt Siegbert Wuttig, der beim Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn für Erasmus zuständig ist. Etwa 80 Prozent der Gelder, die seine Einrichtung an die deutschen Hochschulen verteilt, habe die Kommission bereits überwiesen - und zwar für das gesamte Studienjahr 2012/2013. Er sei zuversichtlich, dass auch die weiteren 20 Prozent folgen und damit die Stipendien für das Sommersemester absichern. Das fehlende Geld, so sagt Wuttig, wird entweder durch einen Nachtragshaushalt abgedeckt oder aus dem Budget des Folgejahres. Dann würden die Verpflichtungen aus dem Vorjahr allerdings wie eine Bugwelle in den neuen Haushalt schwappen. Und je höher die Verbindlichkeiten, die vom alten ins neue Jahr mitgenommen werden, desto knapper der Spielraum für neue Vorhaben. Spannend wird vor allem, welche Folgen dies in den nächsten Wochen für die Rahmenplanung des EU-Haushalts bis 2020 hat. Mit 450 Millionen fällt Erasmus im aktuellen 130 Milliarden Euro umfassenden EU-Haushalt kaum ins Gewicht. Es ist eine Anschubfinanzierung für die europaweite Verständigung: Allein von den 200 Euro, die ein Studenten monatlich im Schnitt erhält, lässt sich der Austausch nicht stemmen. Es sind die Hilfe bei administrativen Hürden, die Erzählungen älterer Kommilitonen, die Studenten locken. 700 Deutsche haben das Programm zum Auftakt vor 25 Jahren genutzt, mehr als 30.000 waren es im Studienjahr 2010/2011. Gewiss kann man darüber streiten, ob Europa in Zeiten, in denen manchem schmerzhafte Sparanstrengungen abverlangt werden, einem Anwaltssprössling die abendlichen Trinktouren durch spanische Bars finanzieren sollte. Doch bei Erasmus geht es gerade darum, die Welt jenseits der Hörsäle kennenzulernen. Statt der Scheine fürs Pro-Seminar bringen die Studenten etwas mit zurück, das weitaus wichtiger ist: Erinnerungen. Keine Generation vor ihnen verstand es so gut, diese am Leben zu halten. Dank Billigflieger und Facebook bleiben sie nah dran an ihren europäischen Nachbarn - an deren Sorgen und Sehnsüchten. So wie die fast 5000 deutschen Studenten, die im vergangen Jahr ein Erasmus-Semester an einer spanischen Uni und wohl auch ein paar Nächte in spanischen Bars verbracht haben. Kein anderes Land ist für den Austausch beliebter. Krise hin oder her. Studenten, das hat Wuttig beobachtet, wählen für ein Erasmus-Semester nicht etwa ein Land, in dem sie sich einen Job versprechen, sondern eines, dem sie sich sprachlich und kulturell nahe fühlen. Unter Spaniern sind nicht Deutschland oder England die beliebtesten Ziele, sondern Italien und Frankreich. Von Europamüdigkeit keine Spur. Drei Millionen Studenten nutzen Erasmus im Jahr. Tendenz steigend. Das ist ein gutes Zeichen, weil da eine Generation kreuz und quer über den Kontinent reist, die Kriege und Grenzkontrollen in Europa zwar nicht mehr erlebt hat, die aber die Lasten der Schuldenkrise schultern muss. In Zeiten, in denen es darum geht, für dieses Problem gemeinsam eine Lösung zu finden, werden sich diejenigen leichter tun, die wie der französische Filmheld Xavier mit ihren Mitbewohnern aus Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Italien und Spanien schon das Problem des zu voll gestopften Kühlschrank und der dreckigen Badewanne gelöst haben.
Studieren in Europa - Warum das Geld für Erasmus knapp wird
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Was studiert ein Assyrologe? Und womit beschäftigt sich ein Onomastiker? An der Uni gibt es viel Exotisches: Kennen Sie sich aus in den Orchideenfächern? Die deutschen Hochschulen sollen weitgehend unabhängig von staatlichem Einfluss ihr Lehrangebot verbessern. Dies fordert der Aktionsrat Bildung in einem Gutachten, das am Dienstag in München vorgestellt wurde. Die Universitäten sollen demnach künftig in eigener Verantwortung ihre Studiengänge überprüfen lassen und dann möglicherweise Konsequenzen ziehen. Nach den geltenden Regeln kontrollieren private Agenturen die Hochschulen und stellen damit sicher, dass die Studiengänge den Standards entsprechen. In einigen Bundesländern wie Bayern müssen die Hochschulen ihre Studiengänge auf diese Art überprüfen lassen, in anderen wie Niedersachsen ist die Überprüfung nicht zwingend. Der Aktionsrat Bildung ist ein politisch unabhängiges Gremium von Experten, das regelmäßig Gutachten veröffentlicht. Der Rat wird von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft finanziert. Kritik an Pflicht zur Überprüfung Die Fachleute kritisierten die bisherige Pflicht zur Überprüfung, die sogenannte Akkreditierung, scharf. Der Vorsitzende des Aktionsrats, der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen, sprach von einer "Curriculum-Polizei" und "kleinlichem Kontrollgeist", der auf den eigentlichen Inhalt der Studiengänge keine Rücksicht nehme. Bei der Akkreditierung prüfen private Agenturen, ob die Studiengänge formale Kriterien einhalten wie die Regelstudienzeit oder den Aufbau des Studiums. Die Länder wollen so Mindeststandards garantieren und eine landesweite Planung der Hochschullandschaft verwirklichen. Die Akkreditierung war vor zehn Jahren parallel zu den neuen Abschlüssen Bachelor und Master eingeführt worden. Bislang wurde etwa die Hälfte der 14.000 Bachelor- und Masterstudiengänge akkreditiert, nur 100 Anträge, also weniger als ein Prozent, sind endgültig gescheitert. Laut Aktionsrat überziehen die Akkreditierungsverfahren die Hochschulen mit Bürokratie, sie seien sehr aufwendig, langsam und teuer, sagte der Co-Autor der Studie, der Zürcher Professor Hans-Dieter Daniel. Das Verfahren garantiere "im besten Fall" Mindeststandards, trage jedoch wenig dazu bei, das Lehrangebot zu verbessern. Der Aktionsrat verlangt deshalb einen klaren Schnitt: Die staatlich verlangten Prüfungen der Studiengänge sollten abgeschafft und durch freiwillige Begutachtungen und Beratungen, sogenannte Qualitätsaudits, ersetzt werden. Die politische Planung soll durch Vereinbarungen zwischen Land und Hochschulen über gemeinsame Ziele erreicht werden, zudem sollten die Hochschulen allgemein zu einer Qualitätssicherung verpflichtet werden, empfahl Daniel. Ein neuer Qualitätsrat solle das Niveau an den Hochschulen fördern und die Begutachten organisieren. Vorschlag für weniger Bürokratie an Hochschulen Der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Alfred Gaffal, unterstützte die Forderungen. Das neue Modell schaffe "mehr Eigenverantwortung und verringert die Bürokratie an den Hochschulen", sagte er. Die Studentenvertreterin Franziska Traube unterstützte das Reformmodell teilweise. Auch sie sei für einen Abschied der verpflichtenden Akkreditierungen. Allerdings hätten durch die Prüfungen viele Professoren "endlich wieder einmal darüber nachgedacht, was die Qualität des Studiums ausmacht", sagte die Sprecherin der Landes-ASten-Konferenz Bayern. Die Studierenden müssten bei der Verbesserung des Lehrangebots einbezogen werden, sagte Traube. Sogar der Hauptverantwortliche für die Akkreditierungen, Reinhold Grimm, räumte Änderungsbedarf ein. Natürlich könnten die Akkreditierungsverfahren nicht so bleiben wie sie ursprünglich angelegt gewesen seien, sagte er. Allerdings hätten die Untersuchungen der Studiengänge deren Qualität verbessert, sagt der Jenaer Professor. In Zukunft müssten die Gutachter mehr auf die Inhalte des Studiums achten und weniger darauf, ob Formalia eingehalten werden.
"Autonomie der Unis: Gegen den "kleinlichen Kontrollgeist"
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Benoît Peeters ist Tintinologe durch und durch. So nennen sich Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit der Comic-Reihe "Tim und Struppi" (Originaltitel: "Les Aventures de Tintin") beschäftigen, die der belgische Zeichner Georges Remi unter dem Namen Hergé von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1983 veröffentlicht hat. Peeters hält die Reihe für das Meisterwerk der Comic-Kunst schlechthin, weshalb er Essays und Bücher darüber verfasst hat und zudem eine Biografie von Hergé. In manchen akademischen Kreisen gilt die Beschäftigung mit Comics als banal und unwissenschaftlich. Peeters, 58, hat das nie angefochten. Comics sind eines seiner Lebensthemen, und das heißt nicht, dass er sich nicht auch mit schwereren Stoffen beschäftigen würde. Vor fünf Jahren veröffentlichte er eine hochgelobte Biografie des Philosophen Jacques Derrida. "Ein wichtiger und interessanter Moment für die grafische Form" Als die Universität von Lancaster jüngst beschlossen hatte, die erste Comic-Professur Großbritanniens einzuführen, fragte sie vorsichtig bei Peeters an, ob er sich für so einen Posten interessieren könnte. Peeters zeigte sich begeistert und sagte zu, was heißt, dass die Universität nun stolz verkünden konnte, dass der in Belgien lebende Franzose von 2016 an drei Jahre als "Gastprofessor für grafische Fiktion und Comic-Kunst" im Nordwesten Englands arbeiten wird. Simon Guy, Dekan der Philosophischen Fakultät, befand, die Ernennung bringe "eine neue Dimension" in die Lehre der Universität, und Peeters selbst sagte: "Dies ist ein wichtiger und interessanter Moment für die grafische Form." Nach seinem Abschluss in Philosophie an der Pariser Sorbonne studierte Peeters bei Roland Barthes an der berühmten École des Hautes Études en Sciences Sociales. Seine Doktorarbeit wollte er über Comics schreiben, was aber damals, wie er erzählt, im akademischen Milieu Frankreichs schlicht nicht möglich war. Peeters zog nach Belgien und veröffentlichte Romane und Sachbücher, er schrieb Essays und drehte Filme. 2007 wurde er an der Sorbonne habilitiert. Peeters kennt sich nicht nur in der Theorie mit Comics aus Aus Sicht der Universität in Lancaster sprach für Peeters neben seiner Vielseitigkeit auch, dass er sich nicht nur in der Theorie mit der Kunst des Comics beschäftigt. Mit dem belgischen Zeichner François Schuiten veröffentlicht er bereits seit 1983 die Comic-Reihe "Die geheimnisvollen Städte". Darin geht es um eine Welt, die von der Erde aus gesehen auf der anderen Seite der Sonne liegt. Sie ist mit unserer Welt allerdings durch geheime Portale verbunden, die einige wenige Menschen kennen, was dazu führt, dass zum Beispiel der große Jules Verne immer wieder einmal in den geheimnisvollen Städten auftaucht. Für die Reihe wurden Schuiten und Peeters mit internationalen Preisen bedacht, unter anderem 1998 mit dem Max-und-Moritz-Preis, der wichtigsten Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Diese wird alle zwei Jahre beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen vergeben.
Benoît Peeters - Philosoph und Comic-Professor
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Kaum im Amt kündigt Johanna Wanka eine harte Gangart an: Die neue Bundesbildungsministerin drängt die Länder, angesichts des Ansturms auf die Hochschulen mehr Geld für zusätzliche Studienplätze bereitzustellen. Sie werde "mit den Ländern sehr konsequent verhandeln", sagte die CDU-Frau wenige Stunden nach ihrer Vereidigung am Donnerstag in Berlin. Hintergrund ist das Ringen um den Hochschulpakt. Wegen der vielen Studienanfänger verlangen die Länder dabei einen Nachschlag von 1,9 bis 3,4 Milliarden Euro aus der Bundeskasse. Im April soll erneut verhandelt werden. "Ich kann ganz deutlich sagen, dass der Bund in den letzten Jahren konsequent war und zuverlässlich finanziert hat", sagte Wanka. Bereits als Landesministerin in Niedersachsen habe sie kritisch gesehen, dass einige Länder Schwierigkeiten mit der eigentlich vorgesehenen Finanzierung der Hälfte der Mittel hätten. Es müsse "mehr Transparenz in die Kofinanzierung" geben und zugleich deutlich werden, "dass wir die Kofinanzierung der Länder brauchen". Nur so könnten die zusätzlichen Studienplätze auch wirklich gut ausgestattet werden. Neue Ministerin, alte Probleme Dem Vorstoß von Vorgängerin Annette Schavan (CDU), mit einer Grundgesetzänderung mehr Bildungskooperation zwischen Bund und Ländern bei den Hochschulen durchzusetzen, gibt Wanka angesichts des rot-grünen Widerstands keine Chance mehr. "Ich habe keine großen Hoffnungen, dass da bis zur Wahl noch etwas erfolgt." Das sei sehr bedauerlich. Als Schwerpunkte bis zur Bundestagswahl im Herbst dieses Jahres nannte Wanka die geplante Offensive für die Lehrerbildung sowie mehr Bildungsgerechtigkeit. "Mich interessiert der Übergang von beruflicher in akademische Bildung oder auch umgekehrt." Die Schranken sollten niedriger werden. Die Zahl der Studienabbrecher müsse weiter gesenkt werden - und Abbrecher müssten Möglichkeiten zum Wechsel in den Beruf haben. Andererseits sei die Zahl der Studenten ohne Abitur, aber mit Meister, immer noch gering. Insgesamt liegt der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur und Fachhochschulreife laut Centrum für Hochschulentwicklung in Deutschland bei 2,3 Prozent. Weitere Erfolge gebe es nur, wenn Sozialpartner, Kammern, Hochschulen zusammenarbeiteten, so Wanka. Die Bundesbildungsministerin will nach eigenen Worten auch bei der Forschung Akzente setzen - und die Projekte zur Energiewende stärker bündeln. Die Forschung zu den großen Volkskrankheiten solle möglichst schnell bei den Leuten ankommen. Hoffnung auf eine baldige Bafög-Erhöhung machte Wanka nicht, obwohl es die letzte Erhöhung der studentischen Ausbildungsförderung am 1. Oktober 2010 gab. "Bafög ist schwierig." Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Wanka deutete an, dass sie keine Verständigung darüber mit den Ländern erwartet. Die 61-Jährige war bereits fast zehn Jahre in Brandenburg und knapp drei Jahre in Niedersachsen Wissenschaftsministerin. Sie ist unter anderem eine Verfechterin von Studiengebühren. Linktipp: Lesen Sie hier, wie Johanna Wanka bei ihrer ersten Bundespressekonferenz altgediente Berliner Politikjournalisten überrascht hat.
Bildungsministerin: Wanka will Länder in die Pflicht nehmen
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"Wissen Sie, was Inklusion bedeutet?" Auf diese Frage wissen die meisten Menschen keine Antwort. Nur ein Aspekt des Problems beim gemeinsamen Unterricht von Behinderten mit Nichtbehinderten. Jüngst fragten die Macher eines Kurzfilms die Bewohner einer Einrichtung der Behindertenhilfe in Westfalen: "Wissen Sie, was Inklusion bedeutet?" In ihren Antworten variiert die Ratlosigkeit: "Weiß ich nicht, kenne ich nicht, nie gehört." Eine Umfrage unter der Laufkundschaft auf den Marktplätzen dieser Republik würde kein anderes Ergebnis haben. Mit anderen Worten: Kaum einer weiß, was Inklusion bedeutet. Es gibt einen erlesenen Zirkel von sozial- und bildungspolitischen Akteuren der Parteien, Universitäten und Sozialverbände, für die klar zu sein scheint, was gemeint ist. Sie kennen die Behindertenrechtskonvention (BRK) der Vereinten Nationen von 2006, in deren Präambel steht, es gehe darum, "den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern". Die Konvention wurde im März 2009 auch von Deutschland feierlich in Kraft gesetzt; sie ist nun als Bundesgesetz in Geltung. Wie merkt aber nun das Volk etwas von diesem Völkerrecht? Diese Frage hat einerseits eine juristische Dimension: So ist es zum Beispiel nach der Ansicht des Präsidenten des Bundessozialgerichts, Peter Masuch, völlig offen, ob aus dem geltenden Gesetz auch irgendeine Anwendbarkeit folgt, zum Beispiel ein einklagbares Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung. Knappe Kassenlage Die nationale Umsetzungspraxis leidet aber auch an der Kassenlage der öffentlichen Haushalte. Fast alle Landesparlamente haben Sparpakete beschlossen. Allein in diesem Jahr sollen in Nordrhein-Westfalen 150 Millionen Euro gekürzt werden. Die Politik aber macht sich unglaubwürdig, wenn sie zwar inklusionspolitischen Gestaltungswillen zur Schau stellt, für die Umsetzung aber die notwendigen Ressourcen nicht bereitstellt. In Berlin meint der Inklusionsbeirat, es genügten drei zusätzliche Wochenstunden sonderpädagogischer Begleitung an Regelschulen - und schon können Kinder mit und ohne Behinderung dauerhaft gemeinsam lernen. Das ist ein beredtes Beispiel für diese Diskrepanz zwischen einer fulminanten Programmatik und ihrer fachlich desolaten, geradezu experimentellen Umsetzung. Um von der finanziellen Ohnmacht abzulenken, greift die Politik zur rhetorischen Figur des Appells. Die zivilgesellschaftlichen Akteure, die Bürgerinnen und Bürger also, sollen sich einsetzen für eine Kultur der Anerkennung und der Gastfreundschaft. Es soll also der Bürger richten, was er erstens vermutlich noch gar nicht verstanden hat und was zweitens rechtlich reichlich unbestimmt bleibt. Es geht, wie der Landesaktionsplan in NRW formuliert, um eine "Verinnerlichung des Inklusionsprinzips im Denken und Handeln sowie in den Einstellungen der verantwortlichen Menschen" - und um deren "Haltung". Das ist natürlich nie verkehrt. Das alltägliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ist in Deutschland keine Normalität. Aber der Appell ans allgemein Menschliche genügt nicht, wenn die Inklusion eine Realität der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse werden soll.
Woran Unterricht von Behinderten mit Nichtbehinderten hakt
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Was Bayern jetzt bevorsteht, hat in Niedersachsen bereits begonnen: der Umbau des Gymnasiums vom G 8 zum G 9. Niedersachsen kehrte 2015 zum Abitur nach neun Jahren zurück. Die rot-grüne Landesregierung ging damit auf die nicht enden wollenden Proteste von Eltern und Lehrern ein. Bislang verlaufe die Rückkehr "sehr geräuschlos", heißt es aus der Kultusbehörde. Schüler und Eltern seien froh, dass der Stress nachgelassen habe. Wie erfolgreich die Reform wirklich ist, wird sich aber erst in ein paar Jahren zeigen, wenn die ersten Jahrgänge aufs Abitur zugehen. Es gibt Ähnlichkeiten zwischen dem neuen G 9 in Bayern und Niedersachsen. So sinkt in beiden Ländern die Zahl der Unterrichtsstunden pro Woche je nach Jahrgang von 34 auf bis zu 30. Inhaltlich bestehen jedoch große Unterschiede. Während etwa die zweite Fremdsprache in Bayern weiter in Klasse sechs beginnt, streckt Niedersachsen den Stoff nicht nur, es stellt den Schulen auch frei, die zweite Sprache durch ein anderes Fach zu ersetzen. "Wenn ich der Schule ein Jahr länger gebe, ihr aber mehr Inhalte aufbürde, dann verändere ich ja nicht die Belastung", verteidigt die sozialdemokratische Bildungsministerin Frauke Heiligenstadt das Konzept. Der schulpolitische Sprecher der CDU, Kai Seefried, ist damit nicht glücklich: "Grundsätzlich stehen wir hinter G 9, aber bei den Details gibt es viel Enttäuschung", sagt er. Fächer wie Musik, Kunst, Erdkunde hätten profitieren können, werden aber weiterhin nur einstündig unterrichtet. Mehr Gewicht bekommen Informatik und die Berufsorientierung. Bis zum ersten Abiturjahrgang 2020/21 muss das Land 1300 Lehrer einstellen. Doch der Markt ist leergefegt, schon jetzt heuert Niedersachsen viele Quereinsteiger an, laut Ministerium sind 100 Stellen unbesetzt. Wenn die Abkehr vom CDU-Erbe weiter geräuscharm verlaufen soll, bleibt viel zu tun. Viele Oppositionspolitiker in den Ländern setzen im Wahlkampf auf Kritik am G 8 Nach Niedersachsen ist Bayern nun erst das zweite Bundesland, das komplett zum G 9 zurückkehrt. Doch mit Ausnahme von Ostdeutschland, wo das G 8 auf eine lange DDR-Tradition zurückblickt, haben fast alle Länder die Reform aufgeweicht - auf die eine oder andere Weise. Wer Vorurteile gegen die Länderhoheit in der Bildung hegt, den wird ein Blick auf die Übersichtskarte zur Gymnasialzeit eher nicht bekehren. In Hessen etwa können die Gymnasien selbst entscheiden; die meisten wählen G 9. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben G-9-Modellversuche gestartet, in Schleswig-Holstein gibt es 15 Gymnasien, an denen Schüler in neun Jahren zum Abitur geführt werden. Einen ganz eigenen Weg ist Rheinland-Pfalz gegangen, wo Schüler 12,5 Jahre bis zum Abitur brauchen. Ein lupenreines G 8 gibt es im Westen nur noch in Hamburg, Bremen, im Saarland und - bislang - in Bayern.
Schule - Welches Gymnasium hätten'S denn gern?
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Hans-Hennig von Grünberg , 51, ist Präsident der Hochschule Niederrhein, die in zehn Fachbereichen 260 Professoren beschäftigt. Der Physiker ist außerdem Vorsitzender des Verbands Hochschulallianz für den Mittelstand. Kleine Gruppen, hochqualifizierte Lehre - so sollten die mehr als 717 000 deutschen Fachhochschüler studieren. Doch die Realität hinkt dem Ideal hinterher: Betreute ein Professor vor zehn Jahren im Schnitt 36,5 Studenten, sind es heute 45, wie der Wissenschaftsrat vergangene Woche mitteilte. Es herrscht Professorenmangel. Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein, sucht nach Lösungen. SZ: Für welche Fachbereiche sind Professoren am schwersten zu finden? Hans-Hennig von Grünberg: Für die, die es nur an Fachhochschulen gibt. In der Chemie profitieren wir von dem wissenschaftlichen Nachwuchs, den die Universitäten im Überfluss ausbilden. Doch die Textil- und Bekleidungstechnik oder die Lebensmittelwissenschaften gibt es dort nicht. Also promoviert darin auch niemand. Der Wissenschaftsrat rät zu Tandem-Professuren. Sie wollen das umsetzen. Wie? Indem wir promovierte Kandidaten an uns binden und zugleich ein Unternehmen für sie finden. Bei uns steigen sie in die Lehre ein, in der Firma lernen sie drei bis fünf Jahre lang die Praxis kennen, auf einer halben Stelle, die wir zur Hälfte mitfinanzieren. Danach können sie sich bei uns auf langfristig eingeplante Professuren bewerben. Ein verlässlich gestalteter Karriereplan muss her. Die Wissenschaftsministerin Svenja Schulze hat NRW 80 Stellen dafür zugesagt. Was kann man außerdem tun, um Professoren an Fachhochschulen zu locken? Schwerpunktprofessuren einrichten, wie vom Wissenschaftsrat empfohlen. Damit unsere Professoren verstärkt forschen können. Das macht die Aufgabe attraktiver. Hochschullehre lebt davon, dass sie von Forschung angereichert wird. Der Wissenschaftsrat erwähnte auch, die FH-Professur sei zu unbekannt. Zu Recht. Die 105 Professoren, die ich in sechs Jahren Amtszeit berufen habe, waren alle auf Unis gewesen, kaum einer kannte die Philosophie der Fachhochschulen oder hatte wenigstens mal mit einer kooperiert. Und das, obwohl 38 Prozent aller Studenten an diesem Hochschultyp studieren! Wir müssen unseren volkswirtschaftlich wichtigen Auftrag, Menschen mit akademischen Tugenden für den Arbeitsmarkt auszubilden, bekannter machen. Brauchen Fachhochschulen nicht auch das Promotionsrecht, um aus den vielen Studenten ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs herauszubilden? Die Frage rührt ans Allerheiligste der Universitäten. Selbst die Technischen Universitäten mussten einmal 50 Jahre um dieses Recht kämpfen. Bei den Fachhochschulen ist heute Hessen Vorreiter: Im Fachbereich Sozialwissenschaften an der Hochschule Fulda darf jetzt promoviert werden. Ich bin überzeugt, das hat Modellcharakter. Aber Johanna Wanka ist dagegen. Ja, die Bundesbildungsministerin favorisiert die kooperative Promotion: Man promoviert an der Fachhochschule, Zweitgutachter und Urkunde kommen von einer Universität. Die ganze Idee hängt leider immer vom Goodwill der handelnden Personen ab und eignet sich daher weniger für eine systematische Verbesserung des Zustandes.
"Fachhochschulen - "Ein Karriereplan muss her"
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Wer den Namen "Stacey Campfield" bei Google sucht, bekommt schnell einen ersten Eindruck davon, was für eine Art Mann der US-Politiker mit dem blonden Bürstenhaarschnitt ist. So mag Stacey Campfield offensichtlich keine Schwulen und Lesben. Damit Kinder gar nicht erst auf den Gedanken kommen, es gäbe etwas anderes als die Liebe zwischen Mann und Frau, hat sich der republikanische Senator des Staates Tennessee ein Gesetz erdacht: Seit Jahren versucht der 44-Jährige, das "Don't Say Gay law" (Sag-nicht-schwul-Gesetz) durchzubringen, dass es Lehrern verbieten würde, in den unteren Klassen über Homosexualität zu sprechen. Nun wartet der religiöse wie politische Hardliner mit einer neuen bildungspolitischen Initiative auf: Er plant, sozialhilfebedürftigen Eltern die staatliche Unterstützung zu kürzen, wenn ihre Kinder schlechte Noten nach Hause bringen. Das berichten amerikanische Medien. Ganz neu ist Campfields Idee nicht. Die Eltern von Schulschwänzern können in Tennessee bereits bis zu 20 Prozent der staatlichen Hilfen verlieren. Der republikanische Senator will nun zusätzlich festlegen, dass Schüler aus benachteiligten Familien einen "zufriedenstellenden akademischen Fortschritt" in der Schule erreichen müssen. Wenn sich die Leistungen eines Kindes verschlechtern statt verbessern oder in den Fachbereichen Mathematik und Lesen/Sprache eine bestimmte Note nicht erreicht wird, soll künftig eine Kürzung um bis zu 30 Prozent drohen. Weniger als 90 Euro im Monat zum Leben Campfield will die Betroffenen damit jedoch nicht bestrafen, wie er beteuert - vielmehr sei sein Vorschlag dazu gedacht, den "Kreislauf der Armut" zu durchbrechen. "Wenn es der Familie egal ist, ob das Kind zur Schule geht oder dort gute Leistungen erzielt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass das Kind den Weg aus der Armut schafft", sagte er in einem Interview. "Dieser Gesetzentwurf gibt Eltern die Motivation, ihre Kinder in der Schule und beim Lernen mehr zu unterstützen." Mehr Bildungsbemühungen, damit Gelder nicht gekürzt werden? Das erscheint nicht nur dem Laien als Milchmädchenrechnung - auch Experten und politische Gegner kritisieren Campfields Vorschlag. Linda O'Neal, Direktorin der "Tennessee Commission of Children and Youth", äußert die Befürchtung, dass die Situation von Eltern und Kindern dadurch prekärer würde, die ohnehin zu kämpfen hätten. So blieben einer Mutter mit zwei Kindern im Ernstfall weniger als 125 Dollar - umgerechnet etwa 90 Euro - im Monat zum Leben. Noch deutlicher bringt es der Vorsitzende der Demokraten im Senat in Nashville auf den Punkt: "Wie stellt sich Senator Campfield vor, dass ein Kind seine Hausaufgaben macht, wenn es nichts zum Abendessen bekommt?" Auch im Internet kommt der neue Vorschlag des republikanischen Senators nicht gut weg. Auf einer eigens für den umstrittenen (Bildungs-) Politiker eingerichteten Anti-Fan-Seite bei Facebook reichen die Reaktionen von Fremdscham ("Stacey Campfield beschämt weiter sich selbst und die Bewohner Tennessees") bis zu Galgenhumor ("Der arme Stacey hat seine Medikamente mal wieder abgesetzt"). Ob sein Gesetzesentwurf durchkommt, ist offen. Campfields Anti-Aufklärungs-Unterricht hat es trotz negativer Presse zumindest schon mal durch den Senat geschafft. Eine weitere entscheidende Abstimmung darüber steht noch aus. Derweil unterfüttert der 44-Jährige sein homophobes Vorhaben mit kruden Thesen: Im vergangenen Jahr versuchte er in einem Interview der Welt zu erklären, der HIV-Virus sei durch einen schwulen Piloten verbreitet worden, der Sex mit einem Affen gehabt habe.
Umstrittener Vorschlag von US-Politiker - Schlechte Noten, weniger Sozialhilfe
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Vier Cent mehr sollen reichen, damit ein Mittagessen die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfüllt. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner will flächendeckende Qualitätsstandards für Schulessen erreichen. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ergeben, dass es nur einen Kostenunterschied von vier Cent bedeute, wenn ein Mittagessen in den Schulen an die DGE-Standards angepasst werde. "Wenn nur ein einstelliger Cent-Betrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben", teilte Klöckner mit. Es gehe um eine Investition in die Gesundheit der Kinder. Das zahle sich für alle aus. Der Unterschied von vier Cent kann laut der Studie durch mehr Effizienz eingespart werden. Die öffentlich geförderte DGE gibt mit ihren Standards Empfehlungen für eine gesunde Schulverpflegung: Dazu gehören etwa Vorgaben darüber, welche Lebensmittel wie häufig eingesetzt werden sollten, wie diese am besten zubereitet werden oder wie eine gute Zwischenmahlzeit aussehen sollte. Klöckner: Qualitätsstandards sollen Grundlage für jeden Speiseplan sein Aufgabe der Ministerien sei es, zu gewährleisten, dass die Gelder auch wirklich das gesunde Essen an Schulen fördern, teilte Klöckner mit. "Ich will, dass der Qualitätsstandard für die Schulverpflegung die Grundlage jedes Speiseplans in Schulen wird", sagte Klöckner. Die Beratungsangebote an die Kommunen sollten verstärkt werden. Die Mittel für Projekte der Vernetzungsstellen Schulverpflegung sollen auf zwei Millionen Euro pro Jahr verdoppelt werden. Als Annahmen lagen der Erhebung zugrunde, dass vor Ort gekocht wird und durchschnittlich 200 Essen ausgegeben werden. Heraus kamen dabei Kosten von 5,36 Euro für eine Mittagsmahlzeit beziehungsweise 5,40 Euro für ein Essen nach Qalitätsstandards. Dabei zeigte sich, dass es große Preisunterschiede bei den Mahlzeiten gibt: Essen weniger als 100 Kinder in der Schulkantine, sind laut Studie vor allem die Personalkosten vergleichsweise hoch. Eine Mahlzeit kostet dort ohne staatlichen Zuschuss im Schnitt bis zu 7,46 Euro. Je mehr Kinder versorgt werden, desto geringer wird der Preis pro Mahlzeit - bei ganz großen Kantinen mit mehr als 600 Schülern zum Teil liegt er bei 3,57 Euro. Die Kommunen fördern das Mittagessen in den Schulen pro Jahr mit bis zu 1,2 Milliarden Euro an Zuschüssen. Darunter fallen etwa Ausgaben für Personal, Strom und Wasser oder das Mobiliar für den Speiseraum. Durch die Förderung müssen Eltern in der Regel nicht mehr als 3,50 Euro pro Schulessen bezahlen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte aus Anlass der Studie ein neues Schulfach Ernährung. "Die steigende Zahl übergewichtiger Kinder ist ein Alarmzeichen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Guido Zeitler. "Mit einem eigenen Fach würden Kinder und Jugendliche das 'Einmaleins des Essens' lernen." Zudem solle die Mehrwertsteuer für Schulessen reduziert werden.
Schulessen: Mit Qualitätsstandards nur wenig teurer
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Einer von sieben Schülern hat Probleme damit, selbst simpelste Kaufentscheidungen zu treffen. Das zeigt ein am Mittwoch veröffentlichter Zusatz zur Pisa-Studie über das Finanzwissen von 15-Jährigen. Getestet wurde etwa, ob Jugendliche Rechnungen lesen und Bankauszüge verstehen, die Kosten eines Kredits erfassen oder Wucher beim Versandporto erkennen können. Das ist aber nur das Ergebnis für die 18 Staaten und Regionen, die bei den Finanz-Tests der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mitgemacht haben. Beim klassischen Pisa-Test für Mathe und Lesen gab es 68 Teilnehmer. Auch Deutschland hat sich nicht beteiligt. Das ruft Kritik hervor. "Unser Land ist leider durch eine grundsätzliche Feindlichkeit gegenüber allem geprägt, was nach Wirtschaft riecht. Deshalb überrascht es uns nicht, dass Deutschland sich dieser Studie entzieht", sagte Christian Wewezow, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland, der Süddeutschen Zeitung. "Dadurch, dass wir in der Schule schöne heile Welt spielen, bereiten wir die Schüler nicht darauf vor, auf Augenhöhe am Wirtschaftsleben teilzunehmen." Ebenfalls Kritik übte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken Michael Kemmer: "Gerade in Deutschland wäre ein Impuls für die gesellschaftliche Debatte über eine bessere Wirtschaftsbildung dringend nötig." So gebe es Hinweise "auf gravierende Defizite". "Finanzwissen nicht Teil des Lehrplans" In der Jugendstudie seines Verbands hätten nur die Hälfte der befragten 14- und 24-Jährigen angegeben, sich mit Geldangelegenheiten auszukennen, bei Börsenfragen noch weniger. Der Verband der privaten Banken fordert flächendeckend ein Schulfach Wirtschaft. Auch OECD-Generalsekretär Ángel Gurría rügte die Nichtteilnehmer indirekt. "Die Entwicklung von Finanzkompetenz ist entscheidend, weil Menschen künftig wesentlich früher Entscheidungen treffen müssen, die ihre Zukunft beeinflussen", sagte er. Viele Regierungen hätten das erkannt; andere nicht, muss man sich hinzudenken. In Kreisen der Kultusministerkonferenz (KMK) hieß es, man habe wegen der Mehrbelastungen für Schulen die Teilnahme ausgeschlagen. Für die Finanz-Prüfungen hätte die Testzeit bei der letzten Pisa-Runde, deren Ergebnisse im Dezember erschienen sind, ausgeweitet müssen. Als 2010 die Finanz-Tests geplant wurden, habe zudem das Konzept Mängel gehabt. Laut der Zeitung Die Welt wird von der Bildungspolitik auch vorgebracht, dass "Finanzwissen nicht Teil des Lehrplans" sei. Dies könnte sich mittelfristig ändern. Im Juni traf sich die KMK mit den Verbraucherschutzministern der Länder. Man prüfe alle Bildungspläne "im Hinblick auf eine angemessene Behandlung von Konsumentscheidungen im Unterricht", hieß es, genannt wurden Finanzen, Ernährung, Medien und nachhaltiger Konsum. Angst vor einem deutschen Debakel beim Finanz-Test hätte die Politik aber kaum haben müssen. Bei der Pisa-Hauptstudie hatten die Schüler zuletzt in allen Bereichen den OECD-Schnitt übertroffen. In Ländern mit guten Mathe-Resultaten ist laut der Zusatzstudie auch das Finanzverständnis besser. Vorne landeten bei dem Test Shanghai, Flämisch-Belgien, Estland und Australien. Auf den hinteren Plätzen die Slowakei, Italien und Kolumbien.
Pisa-Finanztest - Ganz schön doof
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Vanessa und Svenja teilen sich eine Wohnung in der Dortmunder Innenstadt. Meistens gehen die Studentinnen abends zusammen weg. Möchte die eine früher nach Hause, ist klar: "Wir schreiben einander bei Whatsapp, sobald wir angekommen sind", sagt Vanessa. "Ansonsten ruft die andere sofort an." Doch sie wissen nicht immer, wenn die Mitbewohnerin nachts alleine unterwegs ist. Beide studieren an verschiedenen Unis und arbeiten oft lange in der Bibliothek. Vor allem junge Frauen fühlen sich in der Dunkelheit, wenn sie nach dem Lernen, der Arbeit oder von einer Party alleine nach Hause gehen müssen, nicht sicher. Zwar betrug der Anteil von Straftaten gegen "sexuelle Selbstbestimmung" im Jahr 2012 gerade einmal 0,8 Prozent an der Gesamtkriminalität. Doch viele Situationen, in denen Mädchen und Frauen angepöbelt, angegrapscht oder anderweitig belästigt werden, tauchen hier gar nicht auf, weil die wenigsten wegen so etwas zur Polizei gehen. Erleben wollen sie es trotzdem nicht. Katharina Hochmuth, Mario Pfaller und Tim Hautkappe, alle Studenten der Universität Regensburg, haben deshalb eine App entwickelt, die einen sicheren Nachhauseweg garantieren soll. "Wir haben uns gedacht: Für jeden Quatsch gibt es eine App - warum dann nicht auch für etwas Sinnvolles?", sagt Hautkappe. "KommGutHeim" bietet die Möglichkeit, sich via Live-Standort-Übertragung von Eltern oder Freunden auf dem Heimweg virtuell begleiten zu lassen. "Somit ist ein gutes und sicheres Gefühl beim Heimgänger, aber auch beim Begleiter gewährleistet", sagt Katharina Hochmuth. Die Karte, die weltweit funktioniert, kommt auf zehn Meter genau an die beobachtete Person heran und erinnert optisch an Google Maps. Der Zuschauer verfolgt den Weg des Läufers und sieht, wenn Route oder Geschwindigkeit sich verändern. Hält die App den einsamen Heimgänger für inaktiv, fragt sie ihn nach 20 Minuten "Bist du noch auf dem Weg?". Reagiert er nicht, fragt sie ihn nach zehn Minuten erneut. Der virtuelle Begleiter erhält im schlimmsten Fall also erst nach 30 Minuten den Hinweis, dass womöglich etwas nicht stimmt. Bald soll es deshalb einen "Notfall-Button" geben, der im entscheidenden Moment vom Heimgänger gedrückt werden kann. Etwa 2500 Downloads verzeichnete die App nach Angaben der Betreiber seit Beginn des Jahres. Der virtuelle Begleiter verfolgt den Weg von Tim, der ihn dazu berechtigt hat. Um die Karte ganz zu sehen, bitte klicken. Neben solchen technischen Angeboten sind auch die Hochschulen in der Pflicht, für einen sicheren Heimweg der Studenten zu sorgen. Doch hier sind die Probleme je nach Lage und Größe der Universität so unterschiedlich, weswegen Susanne Schilden von der Hochschulrektorenkonferenz zentrale Lösungen ausschließt. Als präventive Maßnahme haben viele Institute Selbstverteidigungskurse für Frauen in ihr Sportprogramm aufgenommen. Auf zahlreichen Homepages werden Tipps für das eigene Verhalten in als bedrohlich wahrgenommenen Situationen gegeben und Rufnummern für den Notfall aufgelistet. So kann beispielsweise auf der Internetseite der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eine Sicherheitskarte mit allen Notfallnummern heruntergeladen werden; mit einem eigenen Alarmmelde- und Notfallreaktionssystem bietet die RWTH Aachen etwas Ähnliches an.
Studium: App gegen die Angst
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Aufmüpfige Schüler, Lärm, Zeitdruck: Die Belastungen für Lehrer sind hoch. So hoch, dass nur 41 Prozent aller Pädagogen glauben, bis zum Pensionsalter arbeiten zu können. Das zumindest geht aus der Studie einer Krankenkasse hervor. Amtlich registriert sind aber nur die tatsächlichen Frühpensionierungen wegen Dienstunfähigkeit, bundesweit gut 4000 im Jahr. Über sonstige Fehlzeiten gibt es keine genauen Zahlen, weil diese nicht zentral erfasst werden. In Nordrhein-Westfalen soll sich das nun ändern. Künftig sollen Schulleitungen den Krankenstand elektronisch an ihre Bezirksregierungen melden. Bislang durften die Fehltage aus Gründen des Datenschutzes nicht im Krankenstandsbericht der Regierung erfasst werden. Dieses Hindernis wurde nun durch eine Verordnungsänderung beseitigt. Wie eine Sprecherin des Ministeriums in Düsseldorf auf Anfrage betonte, gehe es hierbei jedoch nur um Gesundheitsförderung - und "nicht um eine Kontrolle der Lehrer". Es werde sichergestellt, dass keine einzelnen Pädagogen oder Schulen erkennbar seien. Im Krankenstandsbericht werde auf Landesebene in Prozent angegeben, in welcher Schulform es zu kurz-, mittel- und langfristigen zu Erkrankungen kommt. Zahlen geben keine Auskunft über dahinterstehende Probleme Dass die geplante Erfassung überhaupt nötig sei, wird von den Lehrerverbänden stark bezweifelt. Und zum Beispiel in Bayern werden Fehlzeiten von Lehrern nicht systematisch dokumentiert, heißt es aus dem Kultusministerium in München. "Es ist fraglich, ob jede Fehlstunde einer Lehrkraft einzeln gemeldet werden muss", sagt Udo Beckmann, Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Schon jetzt werden die Krankentage der Lehrer an den Schulen erfasst. Erst wenn ein Lehrer innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen krank ist, wird dies an die Schulaufsicht gemeldet. Der tägliche Kampf im Klassenzimmer macht viele Lehrer krank. Ute Lorenz von der Bildungsgewerkschaft GEW in NRW hält diese Regelung für ausreichend. Denn Schulen selbst hätten den besten Überblick darüber, warum ein Lehrer fehle und welche Maßnahmen zu ergreifen seien. "Anhand der Zahlen können wir nicht sehen, welche Probleme es genau an den einzelnen Schulen gibt. Die Gründe für Krankenstände bleiben verborgen." Für Lorenz bedeutet die Neuregelung nur Bürokratie - und mehr Aufwand für die Schulleiter. Erfassen sei das eine, aber das Ministerium müsse die Hintergründe erforschen und handeln, sagt auch Beckmann. "Bisher weiß das Land noch nicht mal, wie viele Burnout-Fälle es in der Lehrerschaft gibt. Das zeigt, dass die Regierung ihre Aufgabe als Gesundheitswahrer und -vorsorger nicht hinreichend erfüllt." Wenn eine Regierung Lehrern zu wenig Zeit für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts gebe und ihnen ständig neue Aufgaben zuweise, "muss man sich nicht wundern, wenn die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage immer weiter steigt". Der VBE fordert mehr Personal - eine "Vertretungsreserve" von acht Prozent pro Schule.
Schule: NRW will Krankheitstage von Lehrern erfassen
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Für die neunjährige Alisa ist das Wohnzimmer der Klassenraum. Es liegt in einem für Ausländer reservierten Wohngebiet am Rande der nigerianischen Millionenstadt Lagos. Da es dort keine deutsche Schule gibt und ihre Eltern sie nicht auf die amerikanische gehen lassen wollen, wird sie aus der Ferne unterrichtet. Ihre Mutter, Bücher und Lernmaterialien nach deutschen Lehrplänen und ein eisern eingehaltener Stundenplan helfen ihr dabei. Im kommenden Jahr wird der Vater, Manager bei einem deutschen Baukonzern, nach Deutschland zurückkehren. Dann soll Alisa ein Gymnasium besuchen - wenn der Betreuungslehrer das empfiehlt. Darauf arbeiten Alisa und ihre Mutter hin. Das sei kein Problem, glaubt die Mutter. Schwieriger werde für die Tochter der Übergang auf eine normale Schule. "Lehrer kennt sie ja gar nicht", begründet sie ihre Einschätzung, "und wie man sich in eine Klasse eingliedert, wird sie noch lernen müssen." Immerhin wird Alisa im Stoff nicht hinterherhinken. Denn für Kinder, die mit ihren Eltern im Ausland leben und keine deutsche oder internationale Schule in der Nähe haben, gibt es die sogenannte Fernschulstraße. Sie besteht aus drei staatlich anerkannten Organisationen, die Kinder im Ausland mit Lehrmitteln auf Deutsch, nach deutschem Lehrplan und mit der Hilfe deutscher Pädagogen unterrichten. Diese drei haben sich die Arbeit und den Markt aufgeteilt. Die Deutsche Fernschule im hessischen Wetzlar bietet Unterricht in den Klassen eins bis fünf. Das Fernlehrwerk des ILS Instituts für Lernsysteme in Hamburg betreut Schüler und Schülerinnen der fünften bis zehnten Klasse. Die gymnasiale Oberstufe deckt ein Fernkurs zum Abitur ab, der von einem anderen Teil des zum Klett-Konzern gehörenden Unternehmens angeboten wird. Und die Flex-Fernschule in Breisach-Oberrimsingen (Baden-Württemberg) bereitet Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren in Deutschland und im Ausland mit Fernunterricht auf den Hauptschulabschluss vor. Bei der Deutschen Fernschule buchen jedes Jahr etwa 200 Familien das "Komplettpaket Grundschule". Es besteht aus den Pflichtfächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht und den Wahlfächern Englisch und Kunst. "Das Kind bekommt die Lernmaterialien per E-Mail", erklärt Schulleiter Hartmut Bischoff. "Mit dabei sind Handlungsanweisungen für den Lernhelfer, das sind meist Mutter oder Vater." Wie in der Schule müssen die Kinder regelmäßig Tests schreiben. Jedes Kind hat einen Betreuungslehrer, der die Übungen schriftlich beurteilt und Hinweise zur Verbesserung gibt. Und wenn die Eltern statt des Kindes die Tests absolvieren? "Das können wir nicht zu hundert Prozent ausschließen", sagt der Schulleiter. "Wir sagen den Eltern: Lasst es allein lernen, denn irgendwann kommt das Kind an eine Schule oder Hochschule und fällt auf die Nase."
"Schule im Ausland - So lernen Kinder auf der "Fernschulstraße"
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Ob am İstanbul Lisesi die türkische Schulleitung aus eigenem Antrieb oder auf Weisung aus dem Bildungsministerium die Beschäftigung mit Weihnachten im Unterricht verboten hat, ist ungewiss. Warum sie das Verbot nun wieder zurückgenommen hat, ebenso. Vielleicht war ja wirklich alles ein Missverständnis. Klar ist, dass die 35 deutschen Lehrer an der Schule mit deutschen Steuergeldern bezahlt werden. Dürfte sich die Türkei also in die Unterrichtsgestaltung einmischen? Wie funktionieren die Deutschen Auslandsschulen überhaupt? Die deutsche Sprache fördern, kulturellen Austausch mit dem Gastland betreiben und damit letztendlich den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken: Das sind, etwas verknappt, die Aufgaben der deutschen Bildungspolitik im Ausland. Wahrgenommen werden sie unter anderem von derzeit 140 Deutschen Auslandsschulen rund um den Globus. Etwa 82 000 Kinder lernen dort, wobei nur etwas mehr als ein Viertel von ihnen tatsächlich einen deutschen Pass hat; der Rest sind Schüler mit anderer Nationalität. Finanziert werden die Schulen zwar teilweise, aber nicht hautpsächlich durch die Abgaben deutscher Steuerzahler. Etwa 70 Prozent ihres Haushaltes erwirtschaften die Auslandsschulen selbst, heißt es vom Weltverband Deutscher Auslandschulen (WDA). Der Großteil stammt aus dem Schulgeld, dass die Schüler entrichten müssen. Dazu kommen verschiedene Drittmittel, etwa Spenden örtlicher Unternehmen und privater Gönner. Die fehlenden etwa 30 Prozent des Schuletats bezahlt die Bundesrepublik Deutschland, 2015 entstanden dadurch Kosten von 225,75 Millionen Euro. Dazu gehören auch die Gehälter der Lehrkräfte. Die sind hauptsächlich unterteilt in Auslandsdienstlehrkräfte und Bundesprogrammlehrkräfte. Erstere sind deutsche Beamte, die bei ihrem zeitlich begrenzten Aufenthalt im Ausland das gleiche Gehalt bekommen wie ihre Kollegen in Deutschland. Zweitere werden nach im jeweiligen Land gängigen Lehrer-Salär honoriert, bekommen aber zusätzlich eine finanzielle Unterstützung aus Deutschland. Da Schüler an den Deutschen Auslandsschulen Abschlüsse erreichen können, die auch in Deutschland anerkannt sind, unterscheiden sich die Lehrpläne von denen in deutschen Regelschulen kaum. Wer das Abitur etwa in Südafrika macht, soll später ebenso an einer deutschen Uni studieren dürfen wie der Auslandsabiturient in Australien oder auf den Philippinen.
Schule - Wie Deutsche Auslandsschulen funktionieren
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Da sind die schönen Geschichten: Flüchtlingskinder, die zwischen Pinseln und Klebstofftuben in die Normalität finden, die ihren ersten deutschen Alltagswortschatz lernen, Verben wie essen, trinken, gehen, sitzen. Lehrer kümmern sich rührend um die Neuankömmlinge, die Mitschüler sind offen. Wenn ein neues Kind in die Klasse komme, werde auf dem Globus nachgeschaut, woher es stammt - und "schwuppdiwupp ist es integriert", erzählt eine Mannheimer Grundschulpädagogin. Auf der anderen Seite sind da täglich Hilferufe von Schulleitern, Kommunalpolitikern und Gewerkschaften: Viel mehr Lehrer seien nötig, Sozialpädagogen, Trauma-Experten und Dolmetscher, in vielen Schulen fehlten auch schon Räume. Und die pädagogische Herausforderung dürfe nicht vergessen werden: Etwa 300 000 schulpflichtige Flüchtlinge kommen 2015 an die Schulen, so die Schätzung, wenn man die bisherige Altersstruktur von Asylbewerbern zugrunde legt. "Restlos überfordert" seien die Schulen, sagt zum Beispiel der Chef des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus. Doch wie denken Schüler und junge Erwachsene über die Herausforderung? Das zeigt nun eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 14- bis 21-Jährigen im Auftrag des Stifterverbands für die Wissenschaft, der SOS Kinderdörfer und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Die Studie, die an diesem Dienstag erscheinen soll, liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Es fehlt an zusätzlichen Lehrern und individueller Förderung Demnach stehen die Zeichen auf Skepsis: So bezweifelt eine Mehrheit der Befragten, dass die Integration an den Schulen gelingen kann. Drei Viertel trauen es dem Bildungssystem nicht oder kaum zu, die wachsende Anzahl von Schülern mit Zuwanderungsgeschichte zu verkraften - gerade jeder Vierte glaubt, dass die Schulen gut vorbereitet sind. Noch weniger Zutrauen zur Integrationsleistung des Schulsystems haben Jugendliche in Ostdeutschland (88 Prozent) und die bereits Volljährigen unter den Befragten (81 Prozent). Woran es konkret fehlt? Genannt werden häufig: zusätzliche Lehrer und Betreuer, auch Pädagogen mit Fremdsprachenkompetenz sowie eine individuelle Förderung von Schülern als Grundprinzip - dazu müssten nach Ansicht vieler Befragten die Lehrer besser geschult werden. Interessant ist zudem, was Migranten sagen, die in Deutschland zur Schule gingen: Hier sehen 31 Prozent das Bildungssystem gut vorbereitet für Flüchtlingskinder, geringfügig mehr. Woher kommt der Pessimismus? Ergebnisse der Bildungsforschung und internationale Vergleichstests, unter anderem die Pisa-Studie, bescheinigen Deutschland, dass es keine Bildungsgerechtigkeit gibt. Auch wenn es seit dem Pisa-Schock Fortschritte gegeben hat; Kinder mit Migrationshintergrund hinken in Vergleichstests hinterher, die Schulabbrecher-Quote ist doppelt so hoch wie die unter Deutschstämmigen; und erst kürzlich hatte der Berufsbildungsbericht der Bertelsmann-Stiftung diese Gleichung aufgestellt: Ausländische Wurzeln plus Hauptschulabschluss bedeutet Chancenlosigkeit.
Was Schüler über Flüchtlinge in ihren Klassen denken
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Wohnen Dresden gehört zu den Großstädten mit der höchsten Mietpreissteigerung. Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete ist dem Mietpreisspiegel 2017 zufolge in den vergangenen zwei Jahren um 6,8 Prozent auf 6,09 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gestiegen (Stand März 2017). WG-Zimmer mit 15 Quadratmetern kosten 170 Euro bis 360 Euro - vorausgesetzt man erwartet keinen Sichtkontakt zur Frauenkirche. Typische Wohnviertel für Studenten sind die Neustadt und das Hechtviertel, auch Löbtau wird immer beliebter und punktet mit Uninähe. Nah am Campus liegt auch die Südvorstadt. Medizinstudenten sollten sich aufgrund der Nähe zum eigenen Campus vor allem in Striesen und Johannstadt umsehen. Weniger studentisch, aber günstig ist die Friedrichstadt. Tipps für die Wohnungssuche Wer eine neue WG gründen will, sollte sich auf den Online-Marktplätzen der Sächsischen Zeitung und der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) umsehen. WG-Zimmer findet man wie in fast jeder Uni-Stadt am unkompliziertesten über WG-gesucht.de. Auch auf Facebook-Seiten wie "WG Zimmer frei in Dresden" oder "Wohnung & WG - suchen, anbieten, finden I Dresden" werden fast täglich Angebote gepostet. In der Facebook-Gruppe "TU Dresden WG Börse", im Kleinanzeigen-Teil der Campuszeitungen CAZ oder ad.rem sowie an den Schwarzen Brettern in den Mensen werden ebenfalls Angebote geteilt. Studentenwohnheime Auf der Webseite des Studentenwerks findet man eine Übersicht über die insgesamt 35 Wohnheime in Dresden und am Campus in Tharandt. Das Projekt "Womiko" (Wohnen mit Kommilitonen) des Studentenwerks sorgt dafür, dass man in seinem Wohnheim viele Studenten aus ähnlichen Studiengängen um sich hat. Auf der Webseite des Studentenwerks kann man die meisten der Wohnheime mit einer virtuellen Tour besichtigen. Öffentliche Verkehrsmittel Dresden hat mit 13 Straßenbahnlinien und mehr als 20 Buslinien ein vernünftig ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz. Die Verbindungsauskunft auf der Website der Dresdner Verkehrsbetriebe erklärt das Liniensystem. Wer nachts mit Bus und Bahn nach Hause will, muss sich an die "GuteNachtLinien" halten. Nachts treffen sich die Straßenbahnen auf dem Postplatz. Die wichtigsten Nachtlinien sind die Linien 11, 3, 4 und 13, die bis 22:45 Uhr alle 15 Minuten, bis 1:45 Uhr alle 30 Minuten und ab 2:25 Uhr alle 70 Minuten fahren. Das Semesterticket heißt in Dresden Studentenjahresticket. Das Ticket gilt für den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) in allen Bussen, Straßenbahnen und Personenfähren in und um Dresden und zusätzlich für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Sachsen. Je nachdem, in welchem Gültigkeitsbereich man sich aufhält, gelten verschiedene Regelungen. Diese sind auf der Webseite des StudentInnenrats zusammengefasst. Gut zu wissen: Nachts und am Wochenende darf auch das Fahrrad kostenlos mitfahren. Der Preis für das Studentenjahresticket (175,80 Euro pro Semester) ist im Semesterbeitrag inbegriffen. Der liegt für das Sommersemester 2017 bei 257,90 Euro. Fahrrad Mit dem Rad durch Dresden zu fahren ist nicht nur wahnsinnig schön, sondern auch wahnsinnig praktisch. Auf dem TU-Campus liegen zwischen den einzelnen Veranstaltungen manchmal längere Strecken und die inoffizielle Campus-Buslinie 61 ist meistens überfüllt. Länger als 20 Minuten ist man mit Rad vom TU-Campus zu den typischen Studenten-Wohnvierteln eigentlich nie unterwegs. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, gibt es ja noch Straßenbahnen und Buslinien. Ein Wermutstropfen: Fahrradwege sind in manchen Teilen Dresdes rar. Außerdem ist ein massives Fahrradschloss empfehlenswert, auf dem Campus werden immer wieder Diebstähle gemeldet. Günstige Räder findet man Samstagfrüh auf dem Flohmarkt an der Albertbrücke. Auch ein Blick in die Unizeitungen CAZ und ad.rem lohnt sich. Taxi Das FunkTaxi Dresden erreicht man über die Nummer 211 211. Die Bestellung ist auch über die App "Dein Taxi" möglich. Die Dresdner Verkehrsbetriebe bieten zwischen 22 und vier Uhr für einige Stadtgebiete mit schwieriger Öffi-Anbindung auch sogenannte Anruflinientaxis (kurz: Alita), die man zu regulären Ticketpreisen bis 20 Minuten vor der gewünschten Abfahrt bestellen kann. Achtung: Die "Alitas" sind nicht im Semesterticket inbegriffen, bestellen kann man sich eines unter 0351 8571111 oder beim Fahrer der Linie, mit der man vorher unterwegs ist.
Studium - So lebt es sich in der Uni-Stadt Dresden
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Wie könnte man diesen Artikel am besten betiteln?
Dem jungen Kollegen, so schreibt der Professor, sei "eine "vorzügliche Leistung geglückt". Mancher Aspekt sei "noch nie so profund dargestellt worden wie in dieser Arbeit". Er könne feststellen, dass der Verfasser "sein großes Thema in mustergültiger Weise bearbeitet hat und viel Lob verdient". Das höchste Lob gar, die Bestnote: summa cum laude. Es war der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, der diese Lobhudelei erfuhr. Fünf Jahre später wurde er als Betrüger enttarnt: ein dreistes Plagiat, Schande statt Lob. Das Gutachten aber lag im Trend. Professoren geizen immer seltener mit summa cum laude.
Hochschulen - Hervorragend! Ausgezeichnet!
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Europa, die USA und Australien sind die beliebtesten Reiseländer für Auslandsaufenthalte. Wer aber lieber in eine ganz fremde Kultur eintauchen will oder schon seit Jahren von einer Reise in eine bestimmte Ecke der Welt träumt, kann sich nach länderunabhängigen oder regionenspezifischen Stipendien umschauen. Ähnlich dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und den Begabtenförderwerken, die auch Auslandsaufenthalte ihrer Stipendiaten bezuschussen, gibt es einige andere Stipendiengeber, die weniger bekannt sind, aber ebenso Auslandsaufenthalte unabhängig von der Zielregion unterstützen. Wie dem DAAD geht es ihnen um den internationalen Austausch oder um die Förderung einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin. Für das Baden-Württemberg Stipendium beispielsweise können sich Schüler, Studenten und Berufstätige aus Baden-Württemberg bewerben, die ins Ausland wollen. Die Haniel Stiftung fördert in Kooperation mit der Studienstiftung des Deutschen Volkes wirtschaftsbezogene Aufbaustudiengänge im Ausland. Außerdem gibt es Angebote über die Hochschulen selbst, die Kooperationen mit ausländischen Unis unterhalten oder Stipendien vergeben: Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg unterstützt beispielsweise die Dr. Artur Grün-Stiftung für Auslandsförderung. Programme für Lateinamerika oder China Darüber hinaus gibt es einige Stipendienangebote, mit denen Kontakte in bestimmte Länder gestärkt werden sollen. Bei der Haniel Stiftung etwa gibt es weitere auf die USA oder China beschränkte Programmschienen. Auslandsaufenthalte in Lateinamerika, Afrika oder Asien fördert beispielsweise der Lutherische Weltbund. Die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa vergibt Stipendien für Studienaufenthalte in Polen und Tschechien. Forschungsstipendien in Japan für Nachwuchswissenschaftler bietet die Japan Society for the Promotion of Science. Gerade bei Ländern, die nicht - wie die USA, Australien oder EU-Länder - ganz oben auf der Bewerber-Wunschliste stehen, gibt es für die Auslandsstipendien oft nur wenige Bewerber, so dass die Chancen für ein Stipendium gut stehen. Es lohnt sich also, Datenbanken nach den - vielleicht auch weniger populären - Wunschländern zu durchforsten und sich an der eigenen Uni nach Kooperationen oder Förderprogrammen zu erkundigen. Ansprechpartner sind die Stipendienstellen, die International Offices, Auslandsämter oder die Fachschaften und Professoren. Auch Berufs- oder Wissenschaftsverbände können unter Umständen weiterhelfen.
Wie bekomme ich ein Stipendium für mein Traumland?
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Welche Überschrift würde den Inhalt dieses Artikels am besten zusammenfassen?
Marco Maurer hat es geschafft - so sagt man das wohl. Er, Sohn eines Schornsteinfegers und einer Friseurin, Scheidungskind aus einer bayerischen Kleinstadt, hat die Heimat verlassen, studiert, ist Journalist geworden. Welche Hürden er überwinden musste, beschreibt er in einem Buch. "Du bleibst, was du bist" heißt es und macht in seinen stärksten Momenten deutlich: "Es geschafft zu haben" ist eine verkürzte und unzureichende Floskel für das, was Maurer erlebt hat und immer noch erlebt. In Deutschland studieren Kinder von Nicht-Akademikern viel seltener als Akademiker-Kinder. Und selbst für die, die den Weg an die Universität finden, bleibt ein Rest von dem Gefühl zurück, nicht dazuzugehören. Erst einmal Molkereifachmann "Du bleibst, was du bist" ist in Folge eines Artikels in der Zeit entstanden. In "Ich Arbeiterkind" erzählt Maurer ebenso wie im Buch von dem Grundschullehrer, der seiner Mutter mit den Worten "Das hat doch keinen Wert bei ihm" für den Sohn den Gang auf die Haupt- statt die Realschule empfahl. Ein Urteil, das seine Mutter, die Friseurin, von dem Akademiker, der vor ihr saß, hinnahm. Und hinterher sagte: "Ich habe mich einfach machtlos gefühlt." Marco selbst setzte durch, dass er die Aufnahmeprüfung für die Realschule machen durfte, schloss mit der Mittleren Reife ab, inklusive Ehrenrunde. Seinen Traumberuf - Sportjournalist - redete ihm ein Mann vom Arbeitsamt erst einmal aus und riet ihm stattdessen zu "etwas Vernünftigem". Maurer lernte Molkereifachmann, holte das Abitur nach und traf zum ersten Mal auf einen Menschen, der seine Träume nicht abgehoben fand. "Sie würden einen ausgezeichneten Journalisten abgeben", sagte ihm ausgerechnet die strenge Deutschlehrerin, die ihre Schüler mit anspruchsvoller Literatur herausforderte, die der Lehrplan gar nicht vorsah. Maurer ist heute tatsächlich ein ausgezeichneter Journalist im Wortsinn, insgesamt 13 Journalistenpreise listet er auf seiner Homepage auf, drei allein für "Ich Arbeiterkind". Was Maurer jedoch sonst so aus seinem Leben erzählt, macht deutlich, dass "Du bleibst, was du bist" nicht nur für Arbeiterkinder gilt, die in den vorgesehenen Bahnen bleiben. Sondern auch für Maurer selbst, der sich zuweilen in beiden Welten fremd fühlt: in seiner Familie, aber auch in seinem neuen akademischen Freundeskreis mit den reichen, behüteten Mädchen, von denen eine seine Freundin ist. Fremd in beiden Welten Er schreibt von schwierigen Gesprächen mit seinem Vater, der Schwule als "warme Brüder" bezeichnet und findet, heute noch Auschwitz-Wärter zu verfolgen, sei übertrieben. Und er schreibt mit leiser Verwunderung über das seltsame Gefühl, das ihn manchmal in Gegenwart der Eltern seiner Freundin befällt. Mit denen macht er zum Beispiel Weihnachtsurlaub in einem Chalet in der Schweiz, zu viert sitzen sie abends am Kaminfeuer, jeder von ihnen ein Buch oder eine Zeitung in der Hand. Bei seinen Eltern zuhause läuft stattdessen immer der Fernseher. Bücher hat er von ihnen nie bekommen. Seine Herkunft beeinflusst allerdings nicht nur sein Privatleben. Maurer fühlt sich persönlich angesprochen, wenn er als Journalist über Themen wie die gescheiterte Hamburger Schulreform schreibt. Über Eltern, die sich sorgen, was passiert, "wenn unterqualifizierte Kinder von Nichtakademikern auf fortführende Schulen gehen und dort den Bildungsfortschritt der begabteren Schüler aus bildungsaffinen Haushalten aufhalten", ärgert er sich sehr.
Warum aus dem Arbeiterkind selten ein Akademiker wird
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Formuliere eine treffende Überschrift für den folgenden Text.
Die Digitalisierung wird oft als vierte industrielle Revolution bezeichnet, nach der Erfindung der Dampfmaschine, des Fließbandes und des Computers. Der Name klingt imposant, auch wenn er nie ein offizieller Titel war: "Elite-Universität". Die Auszeichnung für ganze Hochschulen galt stets als Attraktion der Exzellenzinitiative - viel präsenter als ihre beiden anderen Säulen, die Förderung von zuletzt jeweils gut 40 Doktorandenschulen und Forschungsbereichen, den "Clustern". Wohlgemerkt: galt. Über den Wettbewerb sind seit 2005 etwa fünf Milliarden Euro zusätzlich in Forschung geflossen, Ende 2017 läuft er aus. Und immer deutlicher zeichnet sich ab: Die Exzellenzuniversitäten - aktuell sind es elf - werden im künftigen Konzept wohl abgeschafft. "Wozu brauchen wir den Elite-Stempel?" "Was bleiben muss, ist der Exzellenzgedanke, der offene Wettbewerb. Ich kann mir aber eine Exzellenzinitiative ohne den 'Elite-Titel' sehr gut vorstellen", sagt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, der Süddeutschen Zeitung. "Wozu brauchen wir den Elite-Stempel? Ob die LMU in München, nur ein Beispiel, nun dieses Etikett hat oder nicht: Jeder weiß, dass das ein guter Laden ist. Das gleiche lässt sich über viele andere sagen." Hippler war vor seinem Amt im Dachverband Chef des damaligen Exzellenz-Standorts Karlsruhe und als Befürworter des Elite-Konzepts bekannt. Auch aus Sicht des Bundesbildungsministeriums "ist die bloße Fortschreibung von Förderlinien nicht zielführend", wie es etwas nebulös im Haus von Johanna Wanka (CDU) heißt. Das klingt auch nach einer Abkehr von der Elite-Kür. Doch was kommt stattdessen? Schon in Kürze wollen sich Bund und Länder auf ein vorläufiges Konzept einigen Die Gewinner-Unis bisher, in allen drei Förderlinien, konnten herausragende Bedingungen für Forscher schaffen. Dass Deutschland hinter den USA und Großbritannien drittbeliebtestes Gastland für internationale Wissenschaftler ist, verdankt man auch dem Wettbewerb. Bund und Länder sowie die Berliner Koalitionsfraktionen von Union und SPD haben sich daher schon grundsätzlich geeinigt: Es geht weiter mit der Exzellenzinitiative, zehn Jahre mindestens, wieder mit vielen Milliarden Euro. Wie das neue Konzept aussieht - darauf hat man sich noch nicht verständigt. Während die SPD in Bund und Ländern dem Vernehmen nach die Förderung möglichst breit aufstellen will, denkt man in der Union an eine Art Super-Elite: ganz wenige Standorte mit weltweiter Strahlkraft. Das wären dann nicht elf Elite-Unis wie derzeit, und auch nicht nur Hochschulen - sondern womöglich drei Regionen, in denen Unis und Partner wie Max-Planck-Institute als Standort Geld erhalten. Man werde sicher "nicht das Geld mit der Gießkanne ausschütten", heißt es in Unionskreisen.
Hochschulförderung - Bye, bye Elite-Unis
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Wie könnte man den folgenden Text am besten betiteln?
Zwei Wochen hat sie Zeit, um die wichtigsten Inhalte der Betriebswirtschaftslehre zu erlernen. Saskia Schneider ist Psychologin, bislang hat sie am Institut für Sexualmedizin der Berliner Charité gearbeitet. Jetzt soll sie für die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) Unternehmen optimieren. Dafür absolviert sie das zweiwöchige BWL-Bootcamp der Beratung: Gemeinsam mit acht Ingenieuren, Philosophen und anderen Exoten lernt sie jene Grundprinzipien der BWL, die in ihrem neuen Job unverzichtbar sind. Doch wie kann es sein, dass sich das Wichtigste einer ganzen Disziplin in wenigen Wochen zusammenfassen lässt? Schneider ist als Psychologin in der Unternehmensberatung kein Einzelfall. "Bei uns liegt der Anteil an BWLern und Nicht-BWLern bei ungefähr 50 zu 50", sagt Philipp Jostarndt, Partner und Recruitingchef bei BCG. Die Exoten bringen Diversität ins Team und seien unverzichtbar für den Projekterfolg. Sein Lieblingsbeispiel: der Musikwissenschaftler, der als Projektleiter die Steuerung eines Hochofens in einem Stahlwerk optimiert. Und auch in anderen Sektoren machen sich die Fachfremden in BWL-Jobs breit. 2,2 Millionen Arbeitnehmer üben laut Bundesagentur für Arbeit in Deutschland betriebswirtschaftliche Tätigkeiten aus. Von ihnen haben aber nur 1,7 Millionen ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert. Dem Ruf des BWL-Studiums tut das nicht gerade gut. Zwar kennen viele BWLer das Klischee, sie seien angepasst, unkreativ und langweilig. Doch gleichzeitig gelten sie eben auch als fleißig, clever und vor allem: kompetent in ihrem Feld. So ließen sich bislang schließlich ihre hohen Einstiegsgehälter rechtfertigen. Und so hat sich die BWL zum beliebtesten Studiengang Deutschlands gemausert. Doch wenn jetzt Geistes- und Naturwissenschaftler ins Herz des BWL-Territoriums vordringen, stellt das die Mär vom langweiligen, aber kompetenten BWLer infrage. Sind BWLer derart ersetzbar? "Der Großteil meines Studiums war stumpfes Auswendiglernen", sagt Andreas Fiege, der in Wirklichkeit anders heißt und Absolvent der privaten European Business School in Oestrich-Winkel ist. Fiege absolvierte während des Studiums Praktika bei Beratungen und Banken, später arbeitete er bei mehreren Start-ups, heute leitet er sein eigenes Unternehmen in Berlin. Inhaltlich gut vorbereitet habe ihn sein Studium auf diese Herausforderungen jedoch nicht, sagt er. Den Stoff hätten die Studierenden kurzfristig in sich reingestopft, um ihn in der Prüfung wieder auszuspucken. "Bulimie-Lernen" hieß das, angelehnt an die mit Hungerattacken einhergehende Essstörung. Das Gelernte konnte nach der Prüfung, musste gar, sofort wieder vergessen werden. Schließlich stand die nächste Prüfung unmittelbar bevor. Für Praktika ist genug Zeit, für kritisches Hinterfragen und nachhaltiges Lernen nicht Heute stellt Fiege für seine Firma selbst Mitarbeiter ein - auch BWLer. Von deren Universitäten wünscht er sich, dass sie weniger aufs Auswendiglernen setzen. Stattdessen sollten Gruppenarbeit und kritisches Hinterfragen in den Fokus rücken. "Das ist doch der Unterschied zwischen BWL und Fächern wie Jura oder Medizin. Ein Arzt muss nun mal alle Krankheitsbilder kennen, da führt kein Weg am Auswendiglernen vorbei." Ein BWLer dagegen müsse vor allem Kreativität, analytische Fähigkeiten und "people skills" mitbringen. Fähigkeiten also, die beim Auswendiglernen eher auf der Strecke bleiben. Auch Kornelia Huegli hat an einer Spitzenuniversität BWL studiert. Auch ihr Lebenslauf liest sich beeindruckend. Und auch sie hinterfragt den inhaltlichen Nutzen ihres Studiums. "Irgendwelche Details des Steuerrechts, die ich vor drei Jahren einmal auswendig gelernt und danach nie mehr gesehen habe, bringen mir natürlich heute nicht mehr viel", sagt die Absolventin der Universität St. Gallen.
Karriere - Braucht es das BWL-Studium?
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Schlage zu diesem Artikel einen Titel vor, der neugierig macht und zum Lesen einlädt.
Zehn Mythen über die Schule - und was dran ist Kaum ein Thema beschäftigt Eltern so sehr wie das der ersten Schuljahre ihres Kindes, und fast immer geht es um die gleichen Vorwürfe. Es geht um Grundschüler, denen nach den Hausaufgaben kaum Freizeit bleibe bis hin zu Prüfungen, die doch viel schwerer seien als früher. Aber was ist wirklich dran? In der Titelgeschichte des Magazins "Süddeutsche Zeitung Familie" klopfen wir die zehn gängigsten Mythen zur Grundschule auf ihren Wahrheitsgehalt ab. Wir haben mit Bildungsforschern und Lehrern gesprochen, lassen Eltern zu Wort kommen. Am Ende ergibt sich das komplexe Bild einer Grundschule in einem föderalen Bildungssystem, die in vielen Punkten besser ist als vermutet. Sie steht aber unter verschärfter Beobachtung und auch größerem Druck, weil die heutigen Eltern genauer wissen wollen und genauer hinschauen, was in den Klassenräumen vorgeht und wie vor allem ihre Kinder bestehen. So hat eine aktuelle Umfrage herausgefunden, dass in 41 Prozent der Familien Noten für Stress sorgen - interessanterweise schrieben bei diesen 41 Prozent ein Drittel der Kinder nur Einser und Zweier. Auch ist die Schule nicht unbedingt schwerer geworden, aber eben anders. Statt um pures Auswendiglernen geht es heute oft mehr darum, Probleme in ihrem Zusammenhang lösen zu können. Statt den genauen Aufbau eines Thermometers wissen zu müssen, geht es eher um das Entstehen von Wetterphänomen. Und auch die skandinavischen Länder sind nicht in allen Punkten ein Bildungsparadies, so halten viele Experten die Chancengleichheit in Finnland inzwischen für einen Mythos. Und wie sieht es bei anderen Mythen in Deutschland aus? Sortieren deutsche Schulen wirklich zu früh? Sind Waldorfschulen eigentlich die besseren Schulen? Sind Lehrer faul? Schaut Schule nur auf die Schwächen statt auf die Stärken? Klappt Inklusion wirklich nicht?
Zehn Mythen über die Schule - und was wirklich dran ist
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An vielen Hochschulen gilt noch immer: Professoren und Studierende leben in verschiedenen Welten und haben zwar ein paar Vermutungen, was man voneinander erwartet, aber wenig Gewissheiten. Anhand dieser These ist eine Studie der Frage nachgegangen, welche Verhaltensweisen und Eigenschaften sich Studierende von ihren Professoren wünschen. Co-Autor Jens Nachtwei ist Personalpsychologe und forscht seit 2011 als Postdoc am Lehrstuhl für Sozial- und Organisationspsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem lehrt er seit 2012 als Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning bei München. SZ: Herr Nachtwei, die Lehre spielt an vielen Unis eine untergeordnete Rolle. Wollen Sie und Ihre Kollegen sich dem mit Ihrer Studie entgegenstellen? Jens Nachtwei: Das kann man so sagen. Mein Kollege Thorsten Gruber hat in einem Artikel gemeinsam mit anderen die Rolle von Studierenden als Kunden der Hochschulen diskutiert. Und bei einem Kunden fragt man sich als Unternehmen doch auch: Wie kann ich ihn zufriedenstellen und dafür sorgen, dass er gerne wiederkommt? Umso überraschender, dass an Unis recht selten thematisiert wird, wie man eine didaktisch gute Vorlesung hält. In Fakultätsmeetings und ähnlichen Veranstaltungen wird tatsächlich viel über Formales, über Forschung und auch mal über den Betriebsausflug gesprochen - aber auffallend wenig über die Lehre und die Beziehung zu den Studierenden. Da ich mich als Personalpsychologe sehr dafür interessiere, wie Menschen ihren Job machen wollen und dabei von anderen gesehen werden, lag die Forschungsfrage auf der Hand: Was macht in den Augen der Studierenden einen guten Professor aus? Eigentlich wäre es doch logisch, dass sich diese Frage jeder Hochschuldozent selbst stellt. Werden Lehrveranstaltungen immer noch zu wenig evaluiert? Eher nicht, aber die Bewertung durch die Studierenden hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Da wird ein Dozent womöglich deshalb gut bewertet, weil er einfach ein sympathischer Typ oder in seinem Kurs leicht eine Eins zu bekommen ist. Über die Qualität der Lehrveranstaltung sagt die Evaluation nicht zwingend etwas aus. Dazu kommt: Die meisten Dozenten sprechen untereinander kaum über das Lehren. Das liegt meiner Meinung nach aber auch ein wenig im System Hochschule begründet. Inwiefern? Zum Professor wird man primär berufen aufgrund wissenschaftlicher Expertise - nachgewiesen durch Publikationen - und des Potenzials, Drittmittel einzuwerben. An Fachhochschulen zählt zudem die einschlägige Erfahrung in der Praxis. Ob man auch pädagogisch etwas drauf hat, ist meist eher zweitrangig und man wird in dem Bereich kaum geschult. Weil das so ist, haben viele Professoren womöglich auch ein wenig Angst davor, sich mit sich selbst und dem Berufsbild, das sie da im Hörsaal ausüben, auseinanderzusetzen. Nun ist es den in Ihrer Studie befragten Studierenden aber besonders wichtig, dass die Lehre logisch strukturiert ist. Was muss sich also ändern? Es wäre sehr sinnvoll, wenn man sich unter Kollegen einfach mal gegenseitig in die Vorlesungen setzen würde. So könnte man mit überschaubarem Aufwand die Kräfte bündeln und sich darüber austauschen, was gut läuft und woran man vielleicht arbeiten könnte. Grundsätzlich sollten die Hochschulen auch viel mehr darauf achten, dass Dozenten in den Bereichen Pädagogik und Didaktik regelmäßig geschult werden. Im Moment ist es theoretisch möglich, sich während einer jahrzehntelangen Uni-Karriere kein einziges Mal pädagogisch fortzubilden. Das darf eigentlich nicht sein, im Hörsaal wird schließlich die nächste Generation von Wissenschaftlern und Fach- und Führungskräften unterrichtet. Da dürfen keine längst veralteten Methoden zum Einsatz kommen.
Studium - Studierende wollen nicht unterhalten werden
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Lara Luttmer ist in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme: Die Hamburgerin studiert einen dieser seltsam klingenden neuen Studiengänge, "Mensch-Computer-Systeme", eine Mischung aus Psychologie und Informatik. Sie zog extra dafür nach Würzburg um. Ihre Leistungen sind sehr gut, sie hat nebenbei noch Chinesisch gelernt und sich für ein Zweitstudium in Sinologie eingeschrieben, arbeitet als Hilfswissenschaftlerin und schafft es auch noch, sich in der Fachschaft zu engagieren. Für all das wurde sie mit dem sogenannten Deutschlandstipendium belohnt. "Es ist ein wunderschönes Gefühl, meinen Eltern, die inzwischen Rentner sind, nicht mehr auf der Tasche liegen zu müssen. Mit Bafög, Hiwistelle und Stipendium bin ich endlich finanziell unabhängig", freut sie sich. Lara Luttmer ist glücklich über ihr Deutschlandstipendium. Die 22-Jährige studiert "Mensch-Computer-Systeme" in Würzburg. Seit dem Sommersemester 2011 gibt es das Deutschlandstipendium: Auf 150 Euro monatlich, die ein privater Sponsor einem herausragenden Studierenden schenkt, legt der Bund noch einmal denselben Betrag drauf - unabhängig vom Einkommen der Eltern und vom Bafög. 300 Euro im Monat, das kann sich lohnen. Doch ihre Sponsoren müssen die Universitäten selbst finden - das ist in Deutschland, anders als in den USA, woher das Modell stammt, nicht überall so leicht. Zum Wintersemester hatten die bayerischen Hochschulen erst zwei Drittel ihrer möglichen 1200 Stipendien vergeben. Acht Prozent aller Studierenden sollen langfristig in den Genuss des Stipendiums kommen, jedes Jahr wird mehr Geld ausgeschüttet. In diesem Jahr bekommt Bayern theoretisch schon 2800 Stipendien zugeteilt. Um die alle vergeben zu können, müssen die Hochschulen noch kräftig die Werbetrommel rühren. Eine Technische Hochschule mit ihren traditionell guten Kontakten zur Industrie und den führenden DAX-Konzernen tut sich da leicht. So vermeldet die TU München, dass sie schon alle 260 Stipendien für 2012 vergeben hat. Fast 650.000 Euro kann sie auf diese Weise an die glücklichen Gewinner ausschütten. Die benachbarte Ludwig-Maximilians-Universität mit ihrer überwiegend geisteswissenschaftlichen Ausrichtung muss dagegen noch sammeln gehen und kann ihre Stipendien für 2012 erst ausschreiben, wenn sie genügend Sponsoren gefunden hat. Auch die anderen bayerischen Universitäten suchen noch weitere Unterstützer.
Studieren mit Sponsor
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Entlastet in allen Punkten: Die Universität Gießen hat die Plagiatsvorwürfe gegen die Dissertation von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zurückgewiesen. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, erklärte die Hochschule am Dienstag. Der zuständige Promotionsausschuss habe deshalb in einer Sitzung am Vortag beschlossen, Steinmeier den Doktorgrad nicht zu entziehen und das Prüfverfahren einzustellen. Der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz hatte die Justus-Liebig-Universität Ende September in einer E-Mail darüber informiert, dass er "Plagiatsindizien" in der Dissertation des Politikers gefunden habe. Angehängt war ein mehrseitiger "Prüfbericht", der das Fehlverhalten Steinmeiers belegen sollte. Der Fall schlug auch deshalb hohe Wellen, weil es das erste Mal war, dass ein prominenter sozialdemokratischer Politiker des Plagiats bezichtigt wurde. Zuvor hatten mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan zwei Minister von CSU und CDU ihren Doktortitel wegen Plagiats verloren und waren von ihren Ämtern zurückgetreten. Auch mehrere FDP-Politiker waren wegen Plagiatsvorwürfen in den Schlagzeilen. Frühe Zweifel Steinmeier bekam jedoch von Beginn an Schützenhilfe aus der Wissenschaft. So äußerten Plagiatsexperten Kritik an Kamenz' Vorgehensweise zur Feststellung von Plagiaten. Es sei fraglich, ob Steinmeiers Dissertation überhaupt genügend Mängel aufweise, um die Einleitung eines offiziellen Prüfverfahrens zu rechtfertigen. Auch auf Wunsch des Beschuldigten selbst - der die Anschuldigungen als "absurd" zurückwies - leitete die Uni Gießen dieses am 30. September ein. Die umfängliche Entlastung für Steinmeier kommt nun zu einem Zeitpunkt, da die öffentliche Stimmung sich zu seinen Ungunsten zu drehen schien. Zuletzt hatten mehrere Medien unter Berufung auf die Plattform VroniPlag berichtet, die Dissertation des SPD-Politikers weise tatsächlich eine beträchtliche Anzahl an Plagiatsstellen auf. Der Vorsitzende der Ständigen Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Uni Gießen, Wolf-Dietrich Walker, erklärte jetzt jedoch, man habe lediglich einige handwerkliche Schwächen bei der Zitierweise feststellen können. Steinmeier war 1991 mit seiner Arbeit zum Thema "Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit" promoviert worden.
Uni Gießen: Steinmeier darf Doktortitel behalten
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Eigentlich ist der Valentinstag der Tag der Liebenden. Und tatsächlich spielten sich am vergangenen Freitag an meiner Schule herzzerreißende Szenen ab - allerdings waren sie überwiegend unerfreulicher Art. Wie an allen bayerischen Schulen wurden auch bei uns die Zwischenzeugnisse (anderswo auch "Halbjahreszeugnisse" genannt) verteilt. Die Reaktionen der Schüler waren durchaus unterschiedlich. Gemütszustand: aufgelöst bis aufgeregt. Eine Rückschau auf das postzensurale Gefühlsbarometer. Im Jammertal: Fünftkässler Markus weint seit Minuten bitterlich und lässt sich nicht beruhigen. Einige Mitschüler versuchen vergeblich, ihn zu trösten; andere schütteln nur den Kopf. Auch ich als Klassenlehrerin bin zunächst ratlos, weiß ich doch, dass er zu den fünf besten Schülern der Klasse gehört. Kein Grund zu weinen, sollte man meinen. Irgendwann ist Markus wieder in der Verfassung zu sprechen: "Ich hab' in Reli nur eine Zwei!" Das Verständnis der Mitschüler hält sich in Grenzen: "Hallo, spinnst du? Ich hab' vier Fünfen - was meinst du, was bei mir daheim los ist, und du heulst wegen einer Zwei in Reli!" So unterschiedlich kann die Wahrnehmung von Noten sein - wobei Markus kein Einzelfall ist. Es gibt schon seit einigen Jahren einen Trend zum Extremen. Auf der einen Seite machen sich sehr ehrgeizige Schüler wegen vermeintlich schlechter Noten wahnsinnig. Sie bauen sich selbst Druck auf, wo gar keiner nötig wäre - und wohl auch nicht gesund ist. Auf der anderen Seite scheinen diejenigen, die wirklich schlechte Noten haben, resigniert zu haben. Die schlechten Noten tangieren sie - zumindest nach außen - wenig, ja es wird sogar ein Wettbewerb ausgerufen, wer das schlechteste Zeugnis hat. In beiden Fällen kann ich oft nur raten, wie es zu Hause aussieht: Gibt es vielleicht tatsächlich Ärger wegen einer Zwei in Religion (was die wenigsten Mütter und Väter in der Elternsprechstunde zugeben würden)? Sind Noten in der Familie wirklich nur Nebensache - oder interessiert sich einfach keiner für das Kind und seine schulischen Belange? Angst vor der Höchststrafe: Kevin will nicht nach Hause, in Englisch hat es für die Vier nicht mehr gereicht. "Jetzt kommt meine Playstation weg! Und ich bekomme voll Ärger ..." Ob das die richtige Maßnahme ist? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin sehr für einen verantwortlichen Medienumgang, kein Kind sollte den ganzen Nachmittag vor einem Bildschirm verbringen, schon gar nicht unbeaufsichtigt. Aber erfahrungsgemäß haben solche Sanktionen keine Wirkung, außer dass sie das elterliche Gewissen beruhigen. Kevins Arbeitsmoral wird sich nicht verbessern, nur weil seine Playstation weg ist - er wird einfach eine andere Beschäftigung finden, die ihn davon abhält, etwas für die Schule zu tun. Seine Eltern täten besser daran, ihn positiv zu unterstützen: Indem sie ihren Sohn zum Beispiel bei den Hausaufgaben betreuen oder ihn Englisch-Vokabeln abfragen. So kommt es in der Regel gar nicht erst zu einem "Mangelhaft" im Zeugnis.
Lehrer-Blog zum Zwischenzeugnis: Die Playstation kommt weg
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Das Wort Ankündigungsministerin ist im wissenschaftspolitischen Vokabular mittlerweile gestrichen. Es war ja über Jahre eine wahre Freude für die Opposition im Parlament und für Lobby-verbände, der Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Namen anzuheften. Allzu viele Vorstöße und Projekte waren am Föderalismus gescheitert, zogen sich ewig hin oder wurden mitunter von Berlin aus schlichtweg mies gemanagt. Seit drei Jahren heißt die Bundesministerin Johanna Wanka, und es ist erstaunlich, wie das nun läuft: Ein Projekt ums andere für Hochschulen und Wissenschaft arbeitet sie ab, im Akkord werden Beschlüsse verkündet, um mal Millionen, mal Milliarden ins System zu pressen. Wie kommt das? Macht Frau Wanka ihren Job so gut? Oder sind es die Rahmenbedingungen, die ihr ein glückliches Händchen bescheren? Allein in den vergangenen Wochen hat sie drei Großprojekte verkündet: die Exzellenzinitiative, der Förderwettbewerb für "Elite"-Unis und Spitzenforschung, wird fortgesetzt - jährlich fließen 533 Millionen Euro, der Bund steigt finanziell stärker ein als die Länder. Zunächst gibt es keine zeitliche Befristung, Grundlage für diese dauerhafte Förderung ist die Lockerung des sogenannten Kooperationsverbots im Grundgesetz Ende 2014. Es gibt einen Nachwuchspakt, 1000 neue Jobs für angehende Professoren sollen bis 2032 kommen, Kosten: eine Milliarde Euro. Es gibt einen neuen Topf für kleine Unis und Fachhochschulen, den der Bund fast allein befüllt: eine halbe Milliarde Euro auf zehn Jahre. Dem Bafög hat Wanka eine Frischekur verpasst und es in die Hoheit des Bundes geholt, den Ländern wird gut eine Milliarde Euro abgenommen im Jahr. Geschacher im Bundesrat bei Erhöhungen entfällt fortan. Töpfe hier, Töpfe dort: etwa eine halbe Milliarde Euro für Lehrerausbildung an Unis. "Die Frau hat einen Lauf, und was für einen", sagt ein Kollege aus dem Wissenschaftsbetrieb Und beinahe täglich Neuigkeiten - und Erfolgsmeldungen - aus dem Bundesministerium: Rekordzahl an Studenten, weltweit drittbeliebtestes Gastland für ausländische Forscher. Auch Kennzahlen, für die Wankas Haus nur bedingt verantwortlich ist, heftet man sich ans Revers: die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU zum Beispiel. Bei öffentlichen Auftritten merkt man der Bundesministerin die Lust am Verkaufen guter Nachrichten so richtig an. "Die Frau hat einen Lauf, und was für einen", sagt ein hochrangiger Wissenschaftsfunktionär, der regelmäßig mit der Ministerin zu tun hat. Und er sagt: "Da ist ein unglaublicher Rückhalt im Kabinett, sie kann anscheinend alles gut durchdrücken bei der Kanzlerin." Es hat sich aber auch etwas geändert in den Grundfesten des Systems. Viele Länder haben erkannt, dass sie es in der Wissenschaft allein nicht schaffen; zumal der Vergleichsmaßstab in der heutigen Forschungsrhetorik - und oft ist das lächerlich - Harvard heißt. Es gibt auch Länder, die den Bund am liebsten draußen halten wollen - es aber nicht hinnehmen könnten, dass die Kollegen alles einheimsen. Eine Frau mit CDU-Parteibuch und bester Kenntnis der Materie - Johanna Wanka ist eine sichere Bank für die Kanzlerin. Wanka kann investieren dank Etat, sie darf investieren seit der Grundgesetzänderung. Und nun tut sie es auch. "Der Bund ist nicht der Ausputzer der Länder", das hat sie in einem SZ-Interview kurz nach der Verfassungsnovelle aber klargestellt. "Sie schaut penibel auf die Verwendung", heißt es in Koalitionskreisen, auch weil es schon schlechte Erfahrungen gab, Länder Geld vom Bund nicht so einsetzten wie gedacht. Die Länder wiederum wollen eigentlich keinen Bund, der kontrolliert oder gar vorschreibt, nur einen, der zahlt. Letztlich scheint Wanka am längeren Hebel zu sitzen. Als es um die halbe Milliarde für die Lehrerbildung ging, hatte sie in den Verhandlungen wie aus dem Nichts eine Bedingung gestellt: Vergleichbarkeit bei den Lehrer-Abschlüssen. Sonst: Projekt ade, kein müder Euro vom Bund. Die 16 Kollegen schwenkten ein, "Erpressung" entfuhr es einer echauffierten SPD-Ressortchefin. Man muss sehen, wie sich nach der Machtverschiebung das System ausbalanciert, wie sich der Bund künftig tatsächlich einmischt. Erste Konflikte ziehen bereits auf (siehe Kasten). Die Länder haben in der Wissenschaft aber jetzt ein Stück Föderalismus aufgegeben, konzentrieren sich wiederum mit Verve auf Schule. Dort hält sich Wanka fein raus. Einmal hat sie sich auf das Feld gewagt und war mit Blessuren davongekommen, in der Debatte über das achtjährige Gymnasium (G 8). Da warnte sie die Länder vor der Rückkehr zum G 9: Es sei verkehrt, "Politik nach Umfragen zu machen" und sich dem Druck der Eltern zu beugen. Die Äußerungen fielen in eine Zeit, in der vielerorts das G 8 Thema Nummer eins war. Man werde das selbst zu regeln wissen, "ohne Debattenbeiträge aus Berlin", verlautete es angesäuert sogar aus unionsgeführten Ländern. Seitdem hält sich Wanka zurück, betreut Leseprojekte, steckt Geld in Forschungswettbewerbe für Schüler, meist Unverfängliches, ab und zu mal ein Ratschlag - wenn sie gefragt wird. Eine Bundesbildungsministerin ist ja generell nicht zu beneiden um ihren Job. Die Zuständigkeit reicht theoretisch vom Kita-Kind bis zum Professor und von Berchtesgaden bis an die Förde. Für alles, selbst das schier Unlösbare, soll eine Lösung aus Berlin her in den Augen der Öffentlichkeit. Wanka hat nun quasi ein reines Wissenschaftsministerium daraus gemacht. Das liegt an ihrer Biografie, an einem Lebenslauf in der und für die Wissenschaft. Die 65-jährige Mathematikerin stieg nach der Wende von der Professorin zur Rektorin auf, Hochschule Merseburg. 1998 gehörte sie einem CDU-Schattenkabinett in Magdeburg an. Zwei Jahre später wurde sie Wissenschaftsministerin in Brandenburg, zunächst parteilos, dann trat sie der CDU bei; 2010 derselbe Job in Niedersachsen. Sie weiß, wie die Minister ticken, wie Föderalismus funktioniert. Sie hat das alles selbst durchgemacht Dass sie in die Koalition kam, war den Umständen geschuldet. Sie war frei, als Vorgängerin Schavan über ihre Doktorarbeit stürzte, die Niedersachsen hatten Wankas schwarz-gelbe Koalition in Hannover gerade abgewählt. Eine Frau mit CDU-Parteibuch und bester Kenntnis der Materie - eine sichere Bank für die Kanzlerin. Wanka weiß, wie die Wissenschaft tickt, das wird ihr in der Szene angerechnet. Bei der Wahl zum "Minister des Jahres", die von der Professorengewerkschaft DHV mittels Mitgliederumfrage abgehalten wird, liegt sie stets auf vorderen Plätzen. Und sie weiß, wie der Föderalismus tickt, welche Kniffe bei den Landesministern im Kopf durchgespielt werden. Sie hat das ja genauso gemacht all die Jahre zuvor, als stramme Föderalistin. Da braut sich was zusammen Zwei Wochen vor der endgültigen Entscheidung über die Exzellenzinitiative verzeichnet eine Kritiker-Petition Zulauf. Sie sammelt Unterschriften gegen den milliardenschweren Wettbewerb. Nach den Plänen soll Spitzenforschung mit 500 Millionen Euro jedes Jahr gestärkt werden. Das Programm für acht bis elf "Elite"-Universitäten sowie wohl gut 50 Cluster (herausragende Forschungsbereiche) wird künftig unbefristet laufen. Zu den mittlerweile ungefähr 2500 Unterzeichnern (exzellenzkritik.wordpress.com) gehören viele Professoren und Doktoranden. Ziel des Exzellenzprojekts, so argumentiert die Petition, sei es, die "Ungleichheit zwischen Hochschulen auszubauen". Mitte Juni wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten den Fahrplan beschließen. Dass die Gegenbewegung daran tatsächlich etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich. Auch der Jenaer Professor Tilman Reitz, Mit-Initiator der Petition, spricht von geringen Chancen auf Korrekturen. Dieses Szenario skizzierte er im Deutschlandfunk: Dauerhaft wenige Hochschulen mit Forschung nach internationalem Maßstab, dann ein Mittelfeld mit nationaler Bedeutung und "sehr viele Hochschulen", die "überhaupt nicht mehr als Forschungsstandort infrage kommen." Die Pläne durchkreuzen könnte nun allerdings ein Bundesland: Hamburg. Der Stadtstaat hatte sich in der Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, in der die Pläne auf den Weg gebracht wurden, schon enthalten. Und droht nun offenbar damit, den Beschluss mit der Kanzlerin platzen zu lassen. Hamburgs rot-grüne Regierung hat Angst, dass die örtliche Uni nicht im Elite-Kreis dabei ist - und wegen der dauerhaften Finanzierung auf lange Zeit ausgeschlossen bliebe. Einige Länder sowie das Bundesbildungsministerium reagierten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur empört. Hamburg schade so "allen Hochschulen" und zeige "wenig Vertrauen in die eigene Universität", hieß es aus Berlin. Johann Osel Neulich in Berlin, Pressetermin, die Verkündigung der Professoren-Offensive und des Fachhochschulprogramms - zusammen 1,5 Milliarden Euro schwer - steht an. Johanna Wanka sitzt mit der Senatorin aus Bremen auf dem Podium, mit der sie der gemeinsamen Runde der Wissenschaftsminister von Bund und Ländern vorsteht. Ein Tag für tolle Presse. "Kuck ma mal", sagt die Ministerin auf die Frage eines Journalisten, ob denn die Pläne am Ende auch wirklich das Plazet der Finanzminister bekommen. Wanka ist in ihrem Element, sie mag den Auftritt, als gestrenge Grande Dame der deutschen Wissenschaft, zugleich ein bisschen schäkernd, so erlebt man sie häufig. Sie wechselt zwischen Fachlich- und Flapsigkeit, gerade geht es um das Wortungetüm "Wissenschaftszeitvertragsgesetz", im nächsten Moment heißen große Unis "Riesenklopper". Man habe "selten so viel auf einen Schlag auf den Weg gebracht", stellt Wanka klar, als ob das angesichts der immensen Summen nicht schon klar wäre. Und wer noch nicht wusste, dass sie gerade aus Japan zurückgekehrt ist, erfährt es in der Pressekonferenz, in der es gar nicht um Japan geht - gleich zwei Mal findet die Reise Erwähnung. Johanna Wanka stößt viele Dinge an, die medial gut vermarktbar sind. Dass das Bildungssystem immer noch kaum gerechte Chancen bietet, dass es trotz der Studentenrekordzahl vom Portemonnaie der Eltern abhängt, ob jemand an die Hochschule gelangt, dass es im Bachelor-System knirscht an allen Ecken und Enden, dass das Bafög trotz Reform immer nur der Preisentwicklung hinterherhinkt, dass in manchen Fächern fast die Hälfte der Hochschüler ihr Studium abbricht, dass sich Frust aufstaut gegen die Exzellenz-Fokussierung und den ganzen Zirkus um die Spitzenforschung - das wird gut übertüncht. Und da wäre noch die Sache mit den Schulen. Der Laie in der Bildungspolitik erwartet da von einer Bundesministerin sehr wohl Antworten. Das zeigt sich in Interviews mit der Boulevardpresse, da gibt es selten Fragen zur Forschung, vielmehr zu Noten, Rechnen und Schreibschrift. Und in der Flüchtlingsfrage wünschen sich viele eine übergreifende Koordinierung, es geht vor allem um die Schulen - da braucht es zumindest symbolisch eine Krisenmanagerin, kein Klein-Klein der Länder. Von Wanka kam da bisher eher wenig: Sie könne sich vorstellen, schlug sie vor, dass es zur Integration neue Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder Hörfunk gibt, die sich speziell an Flüchtlinge richten.
Bilanz der Bildungsministerin - Wanka will's wissen
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Nun also auch Frank-Walter Steinmeier. Angeblich. Der SPD-Fraktionschef ist mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert, erhoben von einem Fachhochschul-Professor. Die Universität Gießen will den Vorwürfen gegen Steinmeiers Dissertation aus dem Jahre 1991 jetzt nachgehen und am Montag das weitere Vorgehen klären. Ob Steinmeier aber wirklich um seinen Doktortitel bangen muss, ist längst nicht ausgemacht. Die Vorwürfe sind keineswegs so gravierend wie in anderen Fällen prominenter Abschreiber aus der Politik. Nach Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Annette Schavan (CDU) ist Steinmeier nun der erste Spitzenpolitiker aus Reihen der SPD, der öffentlich beschuldigt wird, unsauber zitiert zu haben. Doch die Quelle des Verdachts ist selbst keineswegs unumstritten. Die Vorwürfe kommen von Uwe Kamenz, einem Wirtschaftsprofessor der Fachhochschule Dortmund, der in Münster ein "Institut für Internet Marketing" betreibt und dort reihenweise Plagiatsprüfungen vornimmt. In Kreisen anderer Plagiatsexperten ist das Vorgehen von Kamenz ebenso umstritten wie dessen Person. Kamenz benutzt eine eigene Software, deren Zuverlässigkeit sich nun erweisen wird. Als erstes Medium hat das Magazin Focus über Kamenz' Analyse zu Steinmeier berichtet. Laut Angaben des Professors ist der Focus übrigens auch Sponsor der Plagiatsanalysen, die Kamenz betreibt. Deswegen habe das Magazin ein "Erstpublikations-Recht" gehabt. Eine interessante Geschäftsbeziehung. Ein Sprecher des Burda-Verlags, in dem der Focus erscheint, erklärte auf Nachfrage, das Magazin habe Kamenz zwei Mal einen dreistelligen Euro-Betrag als Aufwandsentschädigung für das Digitalisieren von Büchern zukommen lassen. "Dies geschah losgelöst von der Untersuchung bestimmter Dissertationen." Steinmeier durfte die Vorwürfe im Focus dann immerhin als "absurd" zurückweisen und erklären, er sehe einer Überprüfung seiner Arbeit durch die Uni Gießen, an der er promoviert hatte, mit Gelassenheit entgegen. Seine Dissertation im Fach Jura trägt den Titel "Bürger ohne Obdach: zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum; Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit". Sie wurde damals von juristischen Koryphäen begutachtet: Brun-Otto Bryde, der später gut ein Jahrzehnt lang Richter am Bundesverfassungsgericht war; sowie dem linksliberalen Verfassungsrechtler Helmut Ridder. "Lässliche Sünden" oder Plagiat? Bei Steinmeiers Text kommt die Software, die Kamenz auf Steinmeiers Text angesetzt hat, auf eine "Gesamtplagiatswahrscheinlichkeit" von 63 Prozent. Dies ist erstaunlich, betrachtet man den Prüfbericht im Einzelnen, da die meisten vermeintlichen Funde unterhalb der Schwelle eines Plagiatsverdachts liegen. Überwiegend geht es um Bagatellen oder offenkundige Nicht-Plagiate. Nur an sehr wenigen Stellen scheint Steinmeier aus einer Quelle länger zitiert zu haben, ohne Anführungszeichen zu setzen - eine Quellenangabe in den Fußnoten gibt es aber. Der Berliner Jura-Professor Gerhard Dannemann sprach dem Focus zufolge von überwiegend "lässlichen Sünden" in Steinmeiers Arbeit. Kamenz sagte dagegen auf Anfrage von Süddeutsche.de, er halte die Bagatellschwelle für überschritten. Allerdings sei er grundsätzlich dafür, eine "Amnestie" für Plagiatssünder zu erlassen, weil es zu viele Altfälle gebe. Würde man sie alle prüfen, könnte das die Universitäten lahmlegen. Kamenz glaubt, die Uni Gießen könnte Steinmeier den Doktortitel entziehen; ob sie dies tue und ob dies wünschenswert wäre, sei eine andere Frage, über die man diskutieren könne. In Kreisen anderer Plagiatsexperten ist man dagegen skeptisch, ob Steinmeiers Text überhaupt genügend Mängel aufweist, um ein ordentliches Verfahren wegen Verstößen gegen die Zitierregeln einzuleiten. Nun wollen sich alle den Text erst einmal genau ansehen, bevor sie womöglich voreilige Schlüsse ziehen - und wie Uwe Kamenz in die Öffentlichkeit vorpreschen. Die Berliner Professorin Debora Weber-Wulff, die sich seit Jahren mit Plagiatssoftware befasst und auch bei der Internet-Plattform "VroniPlag" mitgemacht hat, hält es für "unverantwortlich" von Kamenz, einen aus ihrer Sicht unsauberen Bericht veröffentlicht zu haben. Für Weber-Wulff ist schleierhaft, wie der Wert von insgesamt 63 Prozent zustande kommen soll. Im Bericht gebe es weitere Ungereimtheiten, beispielsweise Stellen, mit einer "Einzelplagiatswahrscheinlichkeit" von null Prozent, die dennoch ausgewiesen seien. Der Prüfbericht sei automatisch von einer Software erstellt worden, aber: "Entscheiden kann nur ein Mensch, die Maschine kann nur Hinweise liefern."
Plagiatsvorwürfe gegen SPD-Fraktionschef Steinmeier
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Wenn man sagt, dass am 16. Oktober für Malte Tielsch ein Traum in Erfüllung gegangen ist, klingt das erst einmal kitschig. Doch er empfand es als Wunder, dass er sein Medizinstudium an der Universität des Saarlandes am Standort Homburg beginnen konnte. Mit einem Abiturdurchschnitt von 1,5 hatte er im Sommer 2015 das Mannheimer Lessing-Gymnasium verlassen. Schon da wusste er: "Mit dieser Note wird es schwer für mich, in meiner Heimatstadt Medizin zu studieren." In der Tat: Wer in der Mannheimer Universitätsmedizin der Uni Heidelberg einen Medizinstudienplatz ergattern möchte, muss eine 1,0 vorlegen. Also kein Studium nach der Schule für Malte Tielsch wie für viele seiner Freunde, sondern stattdessen: warten. Ähnlich wie Tielsch geht es Jahr für Jahr vielen Schulabgängern. Zum Wintersemester 2015/16 gab es an Deutschlands Universitäten ungefähr 9000 Studienplätze für mehr als 43 000 Bewerber. Bis zu 15 Semester beträgt die Wartezeit für den Einstieg in das Medizinstudium. Das ist mit ein Grund, warum das Bundesverfassungsgericht derzeit prüft, ob der Numerus clausus gegen das Grundgesetz verstößt." Doch es gibt Möglichkeiten, wie auch ohne brillante Abiturnote der Einstieg ins Medizinstudium glücken kann. Denn jede Hochschule hat Freiräume, den Zugang zum Medizinstudium individuell zu regeln. Die Universität Rostock etwa hat die Aufnahme von Erstsemestern in das Medizinstudium in diesem Wintersemester neu organisiert. "Unser Ziel war es, dass Studierende mit einer sehr hohen Motivation ihre Abiturzulassungsnote verbessern können", sagt Attila Altiner, Studiendekan der Universitätsmedizin Rostock. Diesen jungen Menschen wolle man eine Chance geben. Künftig werden je 20 Prozent der Erstsemester über die Abiturnote und die Wartezeit bestimmt, doch für die restlichen 60 Prozent hat die Uni ein eigenes Verfahren beschlossen. Wer daran teilnimmt, muss eine Abinote von mindestens 2,3 vorlegen können. Diese kann sich um 0,3 Punkte verringern, wenn die Bewerber eine medizinnahe Berufsausbildung mit 1,0 abgeschlossen haben. Dazu zählt die Ausbildung zum Altenpfleger, zur Krankenschwester, zur Hebamme, zum Medizinisch-technischen Assistenten oder zum Rettungsassistenten. "Wir wollen eine sehr gut abgeschlossene Berufsausbildung belohnen, denn die Wartezeit wurde sehr sinnvoll genutzt", erklärt Altiner. Um 0,1 kann ein Interessent seine Abinote zudem verbessern, wenn er ein oder mehrere medizinische Module des Juniorstudiums - eine Art von Schnupperstudium für Oberstufenschüler an der Uni Rostock - belegt hat. Hinzu kommt als dritter Faktor der sogenannte Test für Medizinische Studiengänge (TMS). Er wird von der Medizinischen Fakultät der Uni Heidelberg koordiniert und in der Humanmedizin bundesweit an 22 Hochschulen eingesetzt. Für die Uni Rostock war die Anwendung in diesem Jahr die Premiere. Wer den Test mit der Note eins abschloss, dessen Abiturdurchschnitt verringerte sich um den Wert 0,3; bei der Testnote zwei um den Wert 0,2 und bei der Testnote drei um 0,1. "Wer gut organisiert ist und sich über den TMS informiert, kann seine Chancen auf ein Studium erhöhen", sagt Altiner. In diesem Wintersemester hätten mithilfe dieses Verfahrens einige Abiturienten mit Noten bis zu 1,7 noch einen Studienplatz erhalten. "Ich glaube, wir bekommen dadurch sehr motivierte und talentierte Medizinstudierende", sagt Altiner.
Studium - Durch die Seitentür ins Medizinstudium
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In der Debatte über die steigende Zahl der Studenten zu Lasten der Lehrstellennachfrage wird der Begriff immer wieder genannt: der "Exportschlager" duale Berufsausbildung. Nun gibt es eine Datenbasis dazu, wie das deutsche System der Ausbildung tatsächlich Interesse im Ausland weckt. Im ersten Quartal 2015 wurden Zugriffe aus 106 Staaten auf der Seite der Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation verbucht. Die Länder Europas, Amerikas und Asiens seien dabei nahezu vollständig vertreten. Das größte Interesse komme aus Russland, den USA und Brasilien, innerhalb der EU aus Italien und den Niederlanden, teilten die Macher des Portals mit. Vor gut zwei Jahren hatte die Bundesregierung dieses ins Leben gerufen, um mit einer zentralen deutschen Anlaufstelle in mehreren Sprachen über die Berufsausbildung hierzulande zu informieren - beziehungsweise angesichts des Fachkräftebedarfs Kooperationen zu schließen. Neben Gesundheitsberufen beklagen Firmen vor allem für technische Tätigkeiten wie Mechatroniker ) Engpässe beim Nachwuchs. Die Daten der Zugriffsauswertung deckten sich zudem weitgehend mit den schriftlich gerichteten Anfragen zur Berufsbildung, hieß es.
Ausbildungen - Neugierde weltweit
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Im Rechtsstreit mit AOL Time Warner hat Microsoft dem klagenden Medienkonzern vorgeworfen, wichtige Dokumente zurückzuhalten. Darin sei aufgeführt, wie AOL die neun US-Bundesstaaten unterstützt habe, die auf schärfere kartellrechtliche Strafen gegen den weltweit größten Softwarehersteller drängen, teilte Microsoft am Donnerstag mit. In der am Dienstag eingereichten Klageschrift habe AOL es versäumt, seine Kontakte zu den neun Bundesstaaten offen zu legen. AOL kritisierte seinerseit Microsoft, Gespräche abgebrochen zu haben, in denen der Streit über Verfahrensfragen hätte beigelegt werden sollen. "AOL kann nicht beides haben", sagte Microsoft-Sprecher Jim Dresler. Das unkooperative Verhalten von AOL in Bezug auf die Herausgabe von Dokumenten stehe in krassem Widerspruch zu seinen Verbindungen hinter den Kulissen zu den Staaten, die den Streit mit Microsoft nicht beilegen wollten, sagte Dresler. AOL hinterlegte bei Gericht den Angaben zufolge bisher 851 Seiten an Dokumenten. Microsoft beantragte bei dem zuständigen Gericht, von AOL die Aushändigung weiterer Unterlagen zu verlangen. Darüber hinaus solle das Gericht alle von AOL benannten Zeugen von der Aussage ausschließen. In einer Stellungnahme teilte AOL mit, das Unternehmen befürworte einen zügigeren Zeitplan. AOL kritisierte Microsoft dafür, Gespräche über strittige Verfahrensfragen abgebrochen zu haben. Dies und das Einreichen der Klageschrift falle mit einer Klage zusammen, die die AOL-Tochter Netscape gegen Microsoft eingereicht habe. Auf entsprechende Fragen habe Microsoft eingeräumt, dass die Netscape-Klage Microsoft zu einer plötzlichen Änderung der Position bewogen habe, teilte AOL mit. Im Streit um den einst marktführenden Internet-Browser Netscape hatte AOL den Software-Riesen am Dienstag auf Schadenersatz verklagt. AOL wirft Microsoft vor, den Browser der 1999 von AOL gekauften Firma Netscape mit unfairen Mitteln verdrängt und dabei gegen das Kartellgesetz verstoßen zu haben. In seiner Klage verlangt AOL, Microsoft für die Zukunft wettbewerbswidriges Verhalten zu untersagen. Außerdem will AOL für entgangene Umsätze im Geschäft mit Browser-Lizenzen und verlorene Marktanteile Schadenersatz in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe. Im Kartellverfahren der US-Regierung gegen Microsoft hatte sich das Justizministerium mit dem Konzern auf einen Vergleich geeinigt. Dem hatten sich lediglich neun der 18 ebenfalls klagenden US-Bundesstaaten angeschlossen. Die restlichen neun Staaten verweigern sich bislang dem Kompromiss und fordern strengere Sanktionen gegen Microsoft. (sueddeutsche.de/Reuters)
Browser-Krieg - AOL gegen Microsoft
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Mensch und Maschine verschmelzen. Während Wissenschaftler mit Cochlea-Implantaten die Hörleistung lediglich wiederherstellen wollen, erweitern selbsternannte Cyborgs ihr Gehör mit derselben Technik auf Frequenzen, die andere Menschen nicht hören können. Eine bunte Do-it-yourself-Szene aus sogenannten Transhumanisten und Body-Hackern experimentiert mit dem eigenen Körper. Sie implantieren sich Magneten, um Magnetfelder zu spüren, oder RFID-Chips, mit denen sich sogenannte intelligente Schlösser öffnen lassen. Der Künstler und Komponist Neil Harbisson ist zum Beispiel von Geburt an farbenblind - hört aber dank einer speziellen Kamera Farbtöne als Frequenzen und nimmt UV-Strahlung wahr. Journalist Alexander Krützfeldt hat sich der Szene für sein Buch "Wir sind Cyborgs" genähert (erschienen unter dem Blumenbar-Label des Aufbau Verlags). SZ: Was sind das für Menschen, die sich aufschneiden und ohne Zwang technische Geräte implantieren lassen? Krützfeldt: Mutige Menschen, vielleicht manchmal ein bisschen sehr mutig. Sie sind fasziniert von der Idee, Menschen und Maschinen zu verbinden und so die Gesellschaft radikal zu verändern; im Hinblick auf Rollenteilung, Emanzipation und erweiterte Sinne. Sie haben Implantierte und Experten getroffen. Wie weit ist die Cyborg-Technik? Am Anfang dachte ich, dass das Thema zwar für die Medien sexy wäre, aber eigentlich eine Luftnummer. Aber dann las ich die Meldung über diese Gehirn-Text-Schnittstelle, mit der man Hirnströme über Elektroden am Gehirn mit dem Computer auslesen, Lauten zuordnen und mit Spracherkennungssoftware in Text übersetzen kann. Da habe ich gedacht: Das schmeißt ja alles über den Haufen, das hat mir richtig Angst gemacht. Solche Coups dürften in den nächsten Jahren zunehmen, und wir werden erst noch begreifen, was alles schon entwickelt worden ist. Die sogenannten Bio-Hacker lösen starke Reaktionen aus - von Faszination bis Ekel. Sie sind den Menschen begegnet. Halten Sie die für Freaks? Die Unterstellung, dass manche an einer "körperdysmorphen Störung" leiden, kann ich nicht ganz von der Hand weisen. Eine iPhone-große Circadia-Platine zu implantieren, wie sie der Bio-Hacker Tim Cannon 90 Tage im Körper trug, ist mit heftigen Schmerzen verbunden, ein tiefgreifendes Trauma. Ich kenne Tim lange und weiß, dass es auch andere Einschnitte in seinem Leben gab. Die muss man vielleicht erlebt haben, um so krass gegen den eigenen Körper zu handeln. Aber Cyborgs sind keine Freaks. Sondern Pioniere? Das ist ein großes Wort, aber ich vergleiche sie schon mit den ersten Hackern, die das Computerzeitalter kritisch begleitet haben. Die galten als Nerds und Eigenbrötler. Heute sind wir ihnen dankbar. Ich glaube, das vollzieht sich gerade ähnlich mit den Cyborgs. Sie sind die ersten Hacker in ihrem Bereich - dem eigenen Körper. Aus dem Buch geht hervor, dass viele Implantate der Bio-Hacker bisher nicht gut funktionieren. Warum liest man immer wieder das Gegenteil? Viele Medienberichte werden auf Tagungen geschrieben. Da kommt Tim Cannon nach Deutschland, und die Journalisten schreiben, was er sagt. Natürlich haben die zu wenig Zeit, jede Kleinigkeit zu hinterfragen, und außerdem sind wir ja alle fasziniert: Auch Mitglieder der Cyborg-Szene übernehmen manchmal diese Euphorie. Da wird behauptet, Dinge funktionieren toll - zu Unrecht. Rich Lee kann mit seinem implantierten Magnetspulen-Kopfhörer nicht genauso gut Musik hören wie mit einem MP3-Player. Oder die Nachtsicht per Chlorophyll-Augentropfen, über die berichtet wurde - ein kompletter Fake für die Medien. Der Chip in der Hand und der Magnet im Finger sind eigentlich Piercing-Schmuck, nach dem Motto: Ich mache mir einen Magneten rein, dann gehöre ich zur Szene. Richtig viel kann man damit aber noch nicht machen. Ihr Buch heißt "Wir sind Cyborgs". Sind wir nicht alle schon welche, weil wir uns von Technik abhängig machen? Wenn Geräte eines Tages sehr günstig und risikolos werden, kommen sie im Mainstream an - so wie Smartphones. Dann werden wir auf den Zusatznutzen nicht mehr verzichten wollen. Übertragen auf Chips und Magnete heißt das aber auch: Noch gibt es da nichts, das wir so sexy finden, dass alle es haben wollen. Aber das wird sich ändern. Lifestyle-Konzerne und medizinische Anwendungen werden das trendy machen, und dann entsteht sozialer Druck: Du hast das noch nicht? Komm schon! Ich glaube aber nicht, dass wir uns auf absehbare Zeit den eigenen Arm für einen bionischen abnehmen lassen. Dafür ist uns der Körper zu heilig. Aber was, wenn wir einen Chip einsetzen könnten, der alle unsere Passworte sicher speichert? Können Sie selbst sich einen Eingriff am eigenen Körper vorstellen, oder hat die Begegnung mit Bio-Hackern eher abschreckend gewirkt? Abschreckend nicht. Aber ich habe bisher nichts gefunden, was ich unbedingt haben möchte. Ich war schon auf der Suche nach dem einen, praktischen Gerät, das ich gern hätte. Aber ich bin ein konservativer Knochen. Für mich als Journalist wären höchstens die Hirn-Text-Schnittstelle oder ein Hörgerät vorstellbar. Ein Hörgerät? Ja, eines mit Flüstermodus: Man kann es verstellen wie ein Mischpult. Am Ende habe ich einen Modus, der es mir erlaubt, in Kneipen Gespräche am Nebentisch genau zu hören. Oder mit einem lauter gestellten Hörgerät durch eine Tür zu lauschen. Natürlich ist das aus Gründen der Überwachung und der Privatsphäre problematisch. Aber sich die Möglichkeiten vorzustellen, hat schon seinen Reiz.
"Bio-Hacker - "Cyborgs sind keine Freaks"
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Man soll nicht bei jeder Gelegenheit von einem Skandal reden. Aber das, was heute im Bundestag geschehen soll, ist eine derartige Dreistigkeit, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein Gesetz mit gewaltigen Konsequenzen, ein Gesetz, das den umfassenden staatlichen Zugriff auf private Computer und Handys erlaubt, wird auf fast betrügerische Weise an der Öffentlichkeit vorbeigeschleust und abgestimmt. Heimlich, still und leise wurden Regeln über das staatliche Hacking, über die Einführung von Staatstrojanern und die Einführung der Online-Durchsuchung an ein schon laufendes harmlos klingendes Gesetzgebungsverfahren angehängt. Es handelt sich um ein Art von Schmuggelei: Ein äußerst weitreichendes Gesetz, das den Staat zum Hacker macht, wird klandestin und undercover in den Gesetzgebungsgang hineingemogelt. Eine solche Form des legislativen Quasi-Betrugs zum Zwecke der Umgehung von kritischer Diskussion muss auch all denen missfallen, die die Online-Durchsuchung für grundsätzlich notwendig oder gar für dringend geboten halten. Ein problematisches Gesetz wird gewiss nicht dadurch besser, dass man es mit Tricks beschließt. Das Bundesverfassungsgericht hat vor knapp zehn Jahren die Online-Durchsuchung nicht grundsätzlich verboten, sondern versucht, sie rechtsstaatlich zu regeln. So, wie das jetzt geschehen soll, haben sich die Richter das nicht vorgestellt.
Staatstrojaner - Der Staat als Hacker und Schmuggler
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Es ist eine kleine Wundertüte, die Jürgen Domian fünf Mal die Woche öffnet. In seiner nächtlichen Call-in-Sendung, die zeitgleich im WDR-Fernsehen und im Radiosender 1live ausgestrahlt wird, erzählen Menschen schon mal, dass sie gerne Sex mit 60 Kilogramm Hackfleisch haben. Aber es gibt auch ernste Geschichten. Einmal sprach Domian mit einem Mädchen, das von satanischen Eltern großgezogen wird. Regelmäßig geht es bei Domian um Liebe, Trennung, Krankheit und Tod - für die härteren Fälle sitzt ein Psychologenteam im Hintergrund, das die Anrufer nach dem Gespräch betreut. Im vergangenen Herbst rief ein Fan des 1. FC Köln an, der auf Facebook eine Hetz-Seite gegen den Spieler Kevin Pezzoni anlegte. Die Hass-Attacken führten so weit, dass der Spieler seinen Vertrag beim Zweitligisten auflöste. Domian ist überall. Er redet im Radio, spricht im Fernsehen, twittert und auf Facebook hat er mehr als 63.000 Anhänger. Und die sind gerade hautnah bei einem Kleinkrieg dabei, den der WDR-Talker mit dem sozialen Netzwerk ausficht. Denn Jürgen Domian wirft Facebook vor, einige seiner Einträge sowie die darunter stehenden Kommentare gelöscht zu haben. In Windeseile verbreiteten sich die Vorwürfe im Internet. Das Posting, veröffentlicht am Montagabend, wurde innerhalb von zwölf Stunden bereits mehr als 22.000 Mal geteilt. Konkret geht es laut dem Eintrag um einen Beitrag zum neuen Papst, der Domian zufolge folgende Passage enthielt: "Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr." Für Facebook offenbar nicht tragbar. Das soziale Netzwerk teilte dem WDR-Talker mit, das Papst-Posting entspräche nicht den Richtlinien von Facebook. Domian mutmaßt: "Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen." Lohmann, Chefredakteur des privaten katholischen Fernsehsenders K-TV, hatte in der ARD-Talkshow von Günther Jauch gesagt, Abtreibung sei eine schwere Sünde, auch wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstand. Auch ein Auftritt des konservativen Katholiken in einer ZDF-Sendung von Markus Lanz erregte den Ärger von Domian. "Was für ein Bullshit", kommentiert Domian auf Facebook und warf Lohmann vor, "missionarischen Durchfall" zu verbreiten. Das Posting ist in seiner Timeline auf den ersten Blick in der Tat nicht zu sehen. Werden jedoch die Einstellungen von "Höhepunkte anzeigen" auf "Beiträge von Seiten anzeigen" geändert, lässt sich der Eintrag über Lohmann finden. Bliebe noch das Papst-Posting, das auch in dieser Ansicht verschwunden bleibt. Domian schreibt hierzu: "Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?" Das soziale Netzwerk gibt sich kleinlaut. Wie genau es zum Löschen des Domian-Postings kam, ist nicht zu erfahren. Auf Anfrage von SZ.de spricht eine Facebook-Sprecherin lediglich von einem "(menschlichen) Fehler". Dieser sei "ärgerlich und bedauernswert", aber "leider nicht rückgängig zu machen". Es handele sich aber um "keine Zensur". Konkret schreibt Facebook: "In dem Bemühen, die vielen Reports von Nutzern, die wir jeden Tag erhalten, schnell und effizient zu bearbeiten, schaut sich unser User Operations-Team Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten jede Woche an, und wie man erwarten könnte, machen wir gelegentlich einen Fehler und blockieren einen Inhalt, den wir nicht hätten sollen. Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hass-Rede und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden. Und wir wissen, dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in diesem Fall, solch ein Fehler passiert." Am Ende der Nachricht, die auch auf der Facebook-Seite der Sprecherin zu finden ist, heißt es: "Entschuldige bitte, https://www.facebook.com/Domian.Juergen!!!" Facebook stand in der Vergangenheit schon mehrfach wegen gesperrter Inhalte in der Kritik. Das amerikanische Unternehmen geht auf seiner Seite strikt gegen Pornografie und Gewaltdarstellungen vor. Dabei kommt es immer wieder vor, dass auch Inhalte von der Plattform verschwinden, die dem Schutz der Presse- oder Kunstfreiheit unterliegen. Dass es zu solchen Kollateralschäden kommen kann, liegt offenbar am Sperrsystem: Facebook-Mitarbeiter müssen laut einem Bericht in dem amerikanischen Magazin The Atlantic innerhalb kürzester Zeit entscheiden, ob eine Nutzerbeschwerde zutreffend oder belanglos ist. Im Netz schimpfen die User auf Facebook: Die neuen Facebook-Richtlinien: Wir löschen Posts, wenn Sie Ärger machen. Ihr Kim Jong-IL Facebookteam #Domian — Batmanle (@randalekasper) 18. März 2013 Ein User empfiehlt: @domian Jürgen sollte ein Blog schreiben da kann Facebook nicht seine Postings löschen #domian — Lunalight (@Obsidianwing) 19. März 2013 Die Antwort von Domian: haben wir auch schon überlegt RT @obsidianwing: #domian Jürgen sollte ein Blog schreiben da kann Facebook nicht seine Postings löschen — Jürgen Domian (@domian) 19. März 2013 Domian, der zunächst ankündigte, erst einmal nichts mehr auf Facebook zu posten, um "die Dinge zu klären, hat inzwischen die Entschuldigung von Facebook akzeptiert. Er schreibt auf seinem Profil: "Ihr Lieben, Facebook hat sich entschuldigt. Ich nehme die Entschuldigung an. Und euch danke ich für die überwältigende Unterstützung. Das hat mich sehr beeindruckt. Gemeinsam also kann man viel bewirken. Eine gute Erfahrung. Immerhin haben mittlerweile 2,7 Millionen Menschen meinen Protest-Text gelesen. Ich hoffe, dass Facebook in Zukunft grundsätzlich und allen Usern gegenüber vorsichtiger, fairer und transparenter auftritt." Angefügt hat er den papstkritischen Kommentar, den Facebook einst löschte. Um 7:25 Uhr, zehn Stunden nachdem das Posting online ging, war er noch zu lesen.
Zensur-Ärger mit Facebook: Domian akzeptiert Entschuldigung
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Das ging schnell: Nach nicht einmal 24 Stunden hat Facebook seine neue Geo-Funktion "Find Friends Nearby" wieder abgeschaltet. In einer Stellungnahme sagte das Unternehmen, es habe sich dabei nicht um eine offizielle Veröffentlichung gehandelt, sondern um eine Produkt, das von einigen Entwicklern getestet wurde. "Es gibt dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zu sagen", hieß es in der kurzen Erklärung. Das mobile Internet rückt auch für Facebook immer mehr in den Vordergrund. Jetzt hat das Unternehmen die Geolokalisierungs-Funktion "Find Friends Nearby" gelauncht. "Find Friends Nearby" hatte am Montag ein Funktion freigeschaltet, die es ermöglichen sollte, Freunde in der unmittelbaren Umgebung zu finden. Facebook griff dazu auf GPS-Daten zurück. Um die Funktion zu nutzen, musste der User eine eigens dafür eingerichtete Seite aufrufen. Öffnete der Nutzer "Find Friends Nearby", zeigte ihm das Programm Personen in seiner Umgebung an, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf "Find Friends Nearby" zugriffen. Sie mussten dazu nicht mit dem User befreundet sein. Zum Einsatz kommen könnte eine solche Funktion beispielsweise auf Partys oder Konferenzen. Im Unterschied zu Diensten wie Highlight oder Google Latitude wurde der Aufenthaltsort der Nutzer nicht permanent aufgezeichnet, sondern nur dann, wenn "Find Friends Nearby" auch tatsächlich geöffnet war. Das Feature konnte sowohl über den Browser, als auch über die Smartphone-Apps für iOS und Android aktiviert werden. Seit mehreren Monaten versucht Facebook, Marktanteile im mobilen Internet zu erobern: Teil der Strategie war es bislang, neue Funktionen in eigens dafür programmierte Apps auzulagern. So hat Facebook eigene Smartphone-Programme für Nachrichten und Fotos vorgestellt. Facebook fehlt mobile Durchschlagskraft Zudem hat man sich Expertise ins Haus geholt: Die erfolgreiche Foto-App Instagram und die Geolocation-Apps Gowalla und Glancee wurden vor dem Börsengang im Mai aufgekauft. Die Programmierer arbeiten seitdem für Facebook. Sie sollen helfen, Facebook fit für die mobile Zukunft des Internets zu machen. Derzeit hinkt Facebook in diesem Bereich noch hinterher, was auch damit zusammenhängt, dass nur wenige funktionierende mobile Werbeformate existieren. Ob Facebook "Find Friends Nearby" in Zukunft wieder freischalten und weiter ausbauen wird, ist nicht bekannt. Derzeit scheint das Feature noch in einer sehr frühen Entwicklungsstufe zu sein. Es arbeitete sehr langsam und zeigte nicht immer Ergebnisse an. Als wahrscheinlich gilt, dass Geolocation-Dienste mit der zunehmenden Verbreitung des mobilen Internets an Bedeutung gewinnen werden. Bereits jetzt können Nutzer über Facebook ihren Aufenthaltsort bekannt geben. Ähnlich wie bei Foursquare muss sich der Nutzer dazu an Orten wie Restaurants oder Bürogebäuden "einchecken". Mitglieder, die sich dort gerade befinden und mit denen man nicht befreundet ist, kann man ohne "Find Friends Nearby" aber nicht anzeigen lassen.
"Geo-Funktion "Find Friends Nearby" - Facebook will doch keine Freunde finden"
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Google Street View taucht ab: Australische Forscher wollen mit HD-Kameras und Unterwasser-Robotern 50.000 Panorama-Fotos vom Great Barrier Reef schießen und sie in Zusammenarbeit mit Google im Internet veröffentlichen. Die 360-Grad-Aufnahmen vom größten Korallenriff der Erde sollen über die Foto-Plattform Panoramio bei Google Maps und Google Earth zu sehen sein. Die prachtvolle Unterwasserwelt des Great Barrier Reef ist eine Attraktion für Australien-Touristen. Die Unterwasser-Version von Googles Straßenbilder-Dienst Street View sei eine spannende Verquickung von Forschung und Alltagskultur, sagte Studienleiter Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland. Dank raffinierter Digital-Technik könnten die Seaview-Nutzer "im Grunde genommen ins Great Barrier Reef eintauchen und einen Tauchgang unternehmen, als ob sie mit uns mitkommen würden", sagte Hoegh-Guldberg. Eigentlich wollen die Forscher mit den Unterwasser-Aufnahmen das vom Klimawandel bedrohte Korallenriff kartographieren, um Veränderungen durch die Erderwärmung zu beobachten. Außerdem sollen die Roboter Fotos in Meerestiefen schießen, die von Tauchern nicht erreicht werden können. So wollen die Wissenschaftler insbesondere herausfinden, ob die Korallen auch in großer Tiefe beim Laichen vom Mondlicht gesteuert werden. Ein zweites Team, das von dem Hai-Forscher und Kameramann Richard Fitzpatrick geleitet wird, soll die großen Bewohner des Korallenriffs mit der Kamera begleiten: Rochen, Schildkröten und Tigerhaie. Die Expedition, deren Arbeit über einen eigenen YouTube-Kanal auch in Echtzeit verfolgt werden kann, soll offiziell im September starten. Als Ende 2011 sechs Tage lang die Roboter getestet wurden, entdeckten die Forscher gleich vier in Australien bislang unbekannte Korallenarten und ein neues Zwerg-Seepferdchen. Das Great Barrier Reef erstreckt sich vor der Küste des Bundesstaates Queensland im Nordosten Australiens. Mit seiner bunten Unterwasserwelt zählt das Unesco-Weltnaturerbe zu den Hauptattraktionen der australischen Tourismusindustrie. Das Riff mit seinen 400 Korallen- und 1500 Fischarten ist aber durch die Erwärmung, Versauerung und die Verschmutzung der Meere bedroht.
Unterwasserwelt im Netz - Mit Google durchs Great Barrier Reef tauchen
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Eigentlich ist Barcelona ein guter Ort, um eine Revolution zu verkünden. In den vergangenen Jahrhunderten war die spanische Metropole immer wieder Schauplatz revolutionärer Umtriebe. Allein in der jüngsten Vergangenheit hielten sich die Katalanen in ihrem Umstürzlertum etwas zurück. Die einzige Veranstaltung, die der Stadt am Mittelmeer noch regelmäßig revolutionäre Schlagzeilen beschert, scheint inzwischen die Mobilfunkmesse Ende Februar zu sein, wo zahlreiche Aussteller ständig irgendwelche Revolutionen herbeireden. In diesem Jahr wollte der Mobilfunkkonzern Telefónica Deutschland ein revolutionäres Vorhaben per Pressekonferenz und Pressemitteilung verkünden: eine neue Tarifstruktur für die Smartphone-Kunden ihrer Tochter O2. Anstatt wie bisher für Telefonate, SMS und Internetverkehr separat zu bezahlen, werde in Zukunft nur noch nach Datenvolumen abgerechnet, lautet die Versprechung. Telefonate und SMS gebe es kostenlos dazu. "Die neuen Tarife revolutionieren den Mobilfunk", heißt es vom Unternehmen. Los geht's bei einem 50-Megabyte-Einstiegstarif für rund 20 Euro. Den Spitzentarif mit fünf Gigabyte und LTE-Geschwindigkeit gibt's für 50 Euro. Mehr Reaktion als Revolution Tatsächlich aber reagiert Telefónica mit dem Strategiewechsel mehr, als dass es revolutioniert: Seit Jahren ist der Trend absehbar, dass durch die gestiegene Popularität von Smartphones und Tablets Telefonate seltener und schriftliche Kommunikation wichtiger wird. "Nur 26 Prozent der Zeit, in der die Menschen ihr Smartphone benutzen, verbringen sie mit Telefonieren", sagte Hans Vestberg, Chef des Netzausrüsters Ericsson in Barcelona. Auch die Provider haben diesen Trend erkannt. Telefonate und Kurznachrichten werden deshalb zu vermeintlich kostenlosen Dreingaben, während die Datentarife und ihre Ausgestaltung als Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund rücken. Manche Telefónica-Konkurrenten haben diesen Schritt bereits vollzogen. Andere werden folgen - auch weil internetbasiert Kommunikationssoftware stetig an Popularität gewinnt. Für Kunden besteht die Telefónica-Tarifreform im Wesentlichen darin, dass sie mit den neuen Verträgen keine andere Wahl haben, als eine Flatrate für Telefonate und SMS zu ihrem Datenvolumen hinzu zu buchen. Eine fundamentale Veränderung des Mobilfunkmarkts ist das schon deshalb nicht, weil das Unternehmen trotz großer Ankündigung zwei der alte Tarife beibehält, bei denen Telefonate und SMS nicht im Grundpreis eingerechnet sind. Und für Bestandskunden ändert sich damit - sofern sie es nicht wollen - sowieso nichts. Facebook bedroht die Netzneutralität Weitreichende Auswirkungen auf die Mobilfunktarife der Zukunft wird wohl eher eine Vereinbarung haben, die Facebook in dieser Woche bekannt gegeben hat. Mit 18 Providern in 14 Ländern hat das Unternehmen Exklusivverträge geschlossen. Kunden dieser Mobilfunkprovider sollen künftig über die Nachrichten-Software des sozialen Netzwerks kostenlose oder stark preisreduzierte Kurznachrichten verschicken können. Damit stellt sich das soziale Netzwerk erstmals offen gegen das Prinzip der Netzneutralität. Dieses besagt, dass alle Daten gleichberechtigt durch die Netze der Mobilfunkprovider geleitet werden sollen. Für Kunden könnte die Abschaffung dieses Prinzips im Extremfall bedeuten, dass nicht mehr eine Flatrate für alle Internetdienste gilt, sondern dass die Nutzung einzelner Internetdienste beim Provider abgerechnet wird. Das wäre dann eine echte Revolution.
Neue Datentarife bei O2: Tarifrevolution vorerst abgesagt
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Er wolle "das Internet vom Computer befreien", hat Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo Anfang des Jahres auf der Mobilfunkmesse in Barcelona gesagt. Nun ist er diesem Ziel ein Stückchen nähergekommen. Der finnische Handykonzern stellte in Neu-Delhi seine neuen Billig-Telefone vor, die auch im Internet surfen können. 5130 XpressMusic: Billiges Musikhandy für knapp 100 Euro. Die Geräte sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen in ländlichen Gegenden der Schwellenländer zugeschnitten, sie sollen zwischen 25 und 90 Euro kosten. Mit der neuen Produktpalette wollen die Finnen ihre Position als Marktführer im Niedrigpreissektor behaupten. Sie trägt deutlich die Handschrift des Konzernchefs, der seit seinem Amtsantritt im Sommer 2006 begonnen hat, aus dem Handyhersteller Nokia eine Internetfirma zu machen. Das Unternehmen, das Kallasvuo von seinem Vorgänger und Lehrmeister Jorma Ollila übernommen hatte, war bereits Weltmarktführer bei den Mobiltelefonen. Etwa 40 Prozent aller weltweit verkauften Handys tragen das finnische Firmenlogo. Das ist schon seit Jahren so, und dass sich dieser Wert noch deutlich steigern lässt, ist eher unwahrscheinlich. Viele Beobachter hatten darum erwartet, dass der 55-jährige Jurist Kallasvuo nach seinem Aufstieg an die Spitze vor allem das Erbe verwalten, aber wenig verändern würde. Aber Kallasvuo überraschte. In seinen gut zwei Jahren als Vorstandschef hat er eine Menge bewegt. Vom Handygeschäft zur Dienstleistung Dabei traf der Finne auch harte Entscheidungen. Zum Beispiel schloss er Anfang des Jahres eine Handyfabrik in Bochum, was zu heftigen Protesten führte. Und erst am Dienstag verkündete Nokia wieder, dass in Europa Angestellte entlassen werden. Diesmal trifft es vor allem finnische Standorte, unter anderem wird die Niederlassung in Turku mit 200 Mitarbeitern geschlossen. Insgesamt will Kallasvuo weg vom reinen Handygeschäft hin zur Dienstleistung. Nokia soll nach dem Willen des Vorstandschefs künftig Firmen wie Google, Microsoft oder Apples Musikportal iTunes Konkurrenz machen. Um sich dafür zu rüsten, kaufte Kallasvuo viele Firmen, darunter Spezialisten für Internetmusik, Navigationssoftware und digitale Karten. Nutzer teurer Top-Telefone konnten schon länger über das Mobilfunknetz auf allerlei Dienste der Finnen zugreifen. Der Konzern hat ein eigenes Internet-Portal mit dem Namen Ovi eröffnet. Wer ein Nokia-Handy besitzt, kann dort Musik kaufen, Bilder hochladen oder sein Adressbuch und seine Termine speichern. Jetzt sollen die Angebote an die Kunden in den Schwellenländern angepasst werden. Unter anderem bekommt Ovi dafür einen E-Mail-Dienst. Dort können die Nutzer dann eine Mailadresse per Telefon einrichten, ein Computer wird nicht mehr benötigt. Das Nokia-Handy - so die Vision der Finnen - soll damit ein günstiges Tor zum Internet werden, das auch Menschen in den abgelegenen Provinzen Asiens, Afrikas oder Südamerikas offen steht. Bis dieses Ziel wirklich erreicht ist, wird es wohl noch dauern. Aber Olli-Pekka Kallasvuo ist dafür bekannt, dass er sehr hartnäckig sein kann, wenn er sich einmal etwas vorgenommen hat.
Handys für Schwellenländer - Multimedia auf indisch
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Der Cursor ist ein Skalpell, aber obwohl das Fett langsam abläuft und die Wangenknochen immer spitzer werden, fließt kein Blut. Mit Mausklicks und Tasteneingaben formt man bei dem Videospiel "Die Sims 3" die Gesichter und Körper der Figuren, modelliert die Nase, verschiebt die Haaransatzlinie, bestimmt den Körperfettgehalt, und wird so zu einem plastischen Pixel-Chirurgen. In klassischen Videospielen wie "Pac-Man" oder "Super Mario Brothers" stehen das Ziel des Spiels und das Vermögen der Figur im Vordergrund, ihre Superkräfte, Bewegungsradien und Nehmerqualitäten. Das Computerspiel "Die Sims 3" unterscheidet sich von anderen interaktiven Medienprodukten, weil es den Spieler nicht in fantastischen Räumen absetzt, sondern in einer Kleinstadt. In "Die Sims 3" aber ist der Look wichtiger als die Skills, beginnt das Spiel vor dem eigentlichen Spiel, im Creator Modus, wo man Physiognomie, Frisur und Modestil seiner Figur auswählt, und entscheidet, ob man nun Hausfrau, Nerd, Super-Model oder doch die nette Person von Nebenan spielen will. Vielleicht stutzt man ja kurz, weil man bemerkt, dass das menschliche Gesichter mit den gleichen Befehlen modelliert wird wie Möbel, Häuser und andere Kommoditäten, lässt es dann aber gut sein, und fügt der Game-Genesis das I-Tüpfelchen hinzu: einen Leberfleck auf der Wange. Gott als Babysitter Das Computerspiel "Die Sims 3" unterscheidet sich von anderen interaktiven Medienprodukten, weil es den Spieler nicht in fantastischen Räumen absetzt, sondern in einer Kleinstadt, und ihm die Aufgabe stelllt, einen selbst erschaffenen Miniatur-Menschen durch Alltag, Karriere und Sozialleben zu steuern. Sim ist eine Abkürzung für Simulated, der Mensch spielt das Mensch-Sein, und wer das irgendwie seltsam findet, sollte kurz mal jener Generationen gedenken, die mit den analogen Lebenssimulatoren Modelleisenbahn und Puppenhaus groß wurde. Die Sims sind ein Update dieses Prinzip, und kaum weniger erfolgreich als Barbie oder Playmobil - bislang wurden mehr als 100 Millionen Mal Einheiten verkauft. "Die Sims" gelten als die erfolgreichste Spiel-Serie aller Zeiten. Die dritte Folge der Software-Soap wurde vor Verkaufsstart bereits 200.000 Mal illegal im Internet heruntergeladen, entgegen der üblichen Praxis, schrie der Hersteller jedoch nicht gequält auf, sondern deutete die Piraterie als Manifestation des enormen Marktpotentials, und machte die Zahl inoffiziell zum Teil der Marketing-Kampagne: Das Volk will ein virtuelles Volk. Die Werbeanzeigen lesen sich wie eine Stellenanzeigen für den Beruf "Gott". "Bestimme über das Schicksal der Sims" und: "Passe alles Deinen Wünschen an".
Computerspiel: Die Sims 3 - Ohne Krise, ohne Kollaps
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Eines der wichtigsten Verfassungsorgane Deutschlands, der Bundestag, ist digital attackiert worden. Die Abgeordneten, ihre Mitarbeiter - jeder muss damit rechnen, dass gigabyteweise E-Mails und andere sensible Daten abgegriffen worden sind. In Hessen und Rheinland-Pfalz haben Hacker Kfz-Zulassungsstellen lahmgelegt. Im Nachbarland Polen konnten Flugzeuge stundenlang nicht abheben, weil die Computer angegriffen wurden, mit denen Flüge geplant werden. Alles Beispiele aus den vergangenen Tagen. So etwas passiert eben in der vernetzten Welt? Schicksal? Gibt es die totale Sicherheit nur mit gezogenem Stecker? Moment mal! Zugegeben: Niemand kann in Computernetzen hundertprozentige Sicherheit gewährleisten. Dafür bietet die Technik einfach zu viel Angriffsfläche. Aber richtig ist auch: Die weitaus meisten Attacken wären zu vermeiden gewesen oder hätten zumindest weniger Schaden verursacht, hätten die Betroffenen sich bloß an eine Reihe von Grundregeln der IT-Sicherheit gehalten. Weite Teile des Netzes infiltriert Jeder, der sich damit auch nur ein bisschen befasst, weiß, dass es heute nahezu unmöglich ist, einzelne Geräte vollständig zu schützen. Geben sich die Angreifer etwas Mühe beim social engineering, beim Anpassen von Angriffen auf die Opfer also, steigen ihre Chancen stark an, dass eines von ihnen einen gefährlichen E-Mail-Anhang öffnet oder einen Link auf eine verseuchte Webseite anklickt. Der Schutz muss also umfassender sein, keinesfalls darf es dazu kommen, dass von einem Schwachpunkt aus gleich weite Teile des Netzes infiltriert werden, so wie das im Bundestag geschehen ist. Nun ist es am Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sich einen Überblick in dem Schlamassel im Netz des Bundestages zu verschaffen, was bei einigen Tausend Rechnern dauern wird. Außerdem sollen auch externe Firmen, genannt wurde zum Beispiel die Telekom-Tochter T-Systems, daran mitarbeiten, das Netz neu aufzusetzen. Das ist in Ordnung, keine Frage, da das BSI mit seinen etwas mehr als 600 Mitarbeitern personell kaum in der Lage ist, solche Jobs zu übernehmen. Sogar die NSA, bei der mehr als 100 000 Menschen arbeiten, beschäftigt externe Mitarbeiter, dazu zählte auch einmal Edward Snowden.
Cyber-Angriffe: Warum Deutschland eine NSA braucht
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Auch wenn viele sich von ihrer Liebe für gedruckte Bücher kaum abbringen lassen werden - elektronische Lesegeräte haben ihren Anteil am Markt erobert. Krimis etwa, die man zuvörderst wegen der Spannung und wegen des "Wer war's" liest, aber selten ein zweites Mal, bieten sich für sogenannte E-Book-Reader an. Das Buch wird digital - erste Angebote sollen nun auch die Deutschen zu E-Book-Lesern machen. Durchgesetzt haben sich aber weniger die reinen Lesegeräte mit ihren monochromen Bildschirmen, sondern Smartphones und Tablet-PCs. Es lohnt daher, einen Blick auf die Dienste zu werfen, mit denen sich Smartphones und Tablet-PCs zu Bibliotheken im Taschenformat machen lassen. Reine Lesegeräte für elektronische Bücher werden zwar mittlerweile von vielen Herstellern angeboten. Doch der Onlineshopping-Riese Amazon musste den Preis seines neuesten Kindle-Modells zuletzt massiv (rund 105 Euro plus Mehrwertsteuer, Versand und Zoll) senken und nennt gegenüber Medien und Analysten auch drei Jahre nach Markteinführung noch keine offiziellen Verkaufszahlen. Denn im Gegensatz zu den Lesegeräten mit ihrem Schwarzweiß-Bildschirm bieten Handys und Tablets eine bunte Anzeige; mit ihnen kann man auch Spiele spielen oder Videos gucken. Und sie kommen gegenüber den reinen Readern moderner daher, obwohl man über den praktischen Nutzen streiten kann. Denn bei Handys und Tablets wird man beim Lesen der Hintergrundbeleuchtung wegen schneller müde, die Monochrom-Anzeigen bei Lesegeräten dagegen lassen sich wie Papier lesen. Dennoch greifen mittlerweile viele lieber zu ihrem Smartphone. Das Display etwa eines iPhone4 oder eines Google NexusS ist dafür gut geeignet, hohe Auflösungen mit bis zu 300 Bildpunkten pro Zoll bilden auch kleine Schrift scharf ab. Hinzu kommt, dass die angebotenen Leseprogramme immer besser werden. Wir stellen im Folgenden vier interessante Apps für Handys und Tablets vor. Kindle: Amazon setzt nicht allein auf sein Schwarzweiß-Lesegerät - stattdessen versucht der Konzern, das Risiko mit dem Dienst Kindle zu streuen. Die Anwendung gibt es deshalb für Computer (PC, Mac), Smartphones (Android, iPhone, Windows Phone7) und Tablets (iPad). Hat man ein Buch erst einmal gekauft, kann man es sich auch auf die anderen Plattformen holen. Dabei wird praktischerweise die Leseposition synchronisiert; auch Notizen werden in der sogenannten Cloud, also auf Servern im Internet, abgelegt. Nach langen und schwierigen Vertragsverhandlungen mit den Verlegern deutschsprachiger Bücher brachte Amazon das Kindle-Konzept nun kurz vor Ostern nach Deutschland. Im aktuellen Programm finden sich 25000 Bücher sowie einige Zeitungen und Magazine. Das Lesegerät selbst kann so auch in Deutschland bestellt werden und kostet 139 Euro; soll ein UMTS-Modul dabei sein, werden 189 Euro in Rechnung gestellt.
Digitale Bücher: Qual der Wahl - Bücher für die Hosentasche
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Die Polizei setzte vergangenen Donnerstag im Stuttgarter Schlossgarten Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Die Situation eskalierte. Unterdessen stellte der Leser Emil Pohl im Kommentarbereich von sueddeutsche.de die nüchterne Frage in die Runde: "Richtig oder falsch?" Es folgte eine sachliche Interpretation der Fakten - für und wider Stuttgart 21 - mit Begriffen wie Demokratieverständnis, Kostensteigerung und Denkmalschutz. Bewachter Bauzaun: Ein Blatt Papier mit der Aufschrift 'Wo rohe Kräfte sinnlos walten' hängt am Montag im Schlossgarten in Stuttgart an dem Bauzaun zum Baugelände für das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21. Beinahe resignierend endete seine Schilderung: "Warum setzen die Regierenden in BW nur auf Wasserwerfer, Schlagstöcke, Augenverätzungen und nicht auf eine konstruktive Behandlung der Proteste durch ergebnisoffene Gespräche?" Die Möglichkeit solcher Gespräche scheint nun immer unrealistischer. Seit Wochen tauschen User auf sueddeutsche.de zum Thema Stuttgart 21 friedlich Fakten aus oder vertreten lautstark ihre Meinungen. Sowohl Projektgegner als auch Befürworter bringen ihre Argumente in Stellung. Zeitgleich zu der Eskalation im Stuttgarter Schlossgarten entladen sich viele der aufgestauten Emotionen. Theoretische Modelle werden von aggressiven Anfeindungen abgelöst. Die Leser sind außer sich und versuchen, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Im Netz, fernab vom Schlossgarten, ist man sich unsicher, was am Mittag des 30. September genau passiert war. So eindeutig, wie sich die Eskalation auf den Fotos und Fernsehbildern darstellt, ist die Situation für die Nutzer nicht. Erst sollen Steine geflogen sein, dann waren es nur Kastanien, die ein paar Schüler auf Polizisten warfen. Eine angemeldete Schülerdemonstration stand der Polizei im Weg. Die Wut der Betroffenen Der Leser Ya_Basta meint dazu: "Selbst die Polizei spricht nur von Pfiffen, Buhrufen, Farbbeuteln und ein paar zerstochene Reifen an Polizeiautos ... Verhältnismäßigkeit der Mittel sieht anders aus." Ob der Einsatz von Wasserwerfern verhältnismäßig war, sollte Innenminister Rech später selbst erläutern. Interessant ist hingegen, dass kurze Zeit später auch digital die ersten Kastanien fliegen: "@Ya_Basta Ich würde mir von einem verblendeten Zukunftsverweigerer keinen Farbbeutel ins Gesicht werfen lassen ..." schreibt Guhvieh. Ebenso wie die Stimmung im Schlossgarten entlädt sich auch unter den Artikeln auf sueddeutsche.de die Wut der Betroffenen. Während man auf der einen Seite unterstellt, "Kinder als lebende Schutzschilde" zu nutzen, dient die Kommentarfunktion anderen Usern als Austauschplattform, um die Kette der Information nicht abreißen zu lassen. Es werden Links zu Bildern, You Tube-Videos und live-streams ausgetauscht: "@queenb61 Ich habe es nirgendwo gelesen, sondern diesem SWR-Beitrag von gestern Abend entnommen ..." Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten "@Flywheel Danke für den Link!". Das Gemeinschaftsgefühl der digitalen Demonstranten wächst. Je mehr neue Informationen aus Stuttgart durchsickern, desto lauter wird es im Kommentarbereich. Wie auch im Schlossgarten hört man im Internet häufig nur die Pro-Gröler und die Kontra-Krakeeler. Ganz leise vernimmt man allerdings auch besonnene Stimmen, die zur Räson aufrufen, nach Antworten suchen oder einfach nur interessierte Fragen stellen. Doch nur selten gelingt der digitale Austausch zwischen Pro und Contra. Leser Guennihd will von seinem Gegenüber Brado wissen: "Warum sind Sie für Stuttgart 21? Ich würde gerne Ihre Meinung dazu hören oder besser gesagt lesen!" Die Antwort lautet: "Ich bin dafür, weil dies für die Zukunft unseres Landes wichtig ist. Wir werden ein zentrales Drehkreuz in Europa." Plötzlich stehen sich zwei Menschen im virtuellen Raum gegenüber und hören sich zu, nur um im nächsten Moment von neuen Informationen überrollt zu werden. Gespannt lauscht man den Erläuterungsversuchen von Innenminister Rech. Obwohl Baden-Württembergs Innenminister nicht die Metapher der "menschlichen Schutzschilde" benutzt, liegen die S21-Befürworter im Netz mit ihm auf einer Linie. Der User "Wir weisen den Weg" kommentiert die Aussagen: "Herr Rech benutzt genau dieselben Sprachregelungen, wie sie auch hier von Kommentatoren getätigt werden ..." Die letzten Worte in Sachen Stuttgart 21 sind noch nicht gesprochen. Doch während man sich im realen Leben mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegenübersteht, bietet das Internet noch immer die Möglichkeit eines ergebnisoffenen Gesprächs. Das beweist nicht zuletzt Leser Svensk: "Ich rate zur Mäßigung. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob es jetzt noch um ein konkretes Objekt geht oder nur noch um das Prinzip. Und zwar auf beiden Seiten. Ich kenne das Stuttgarter Projekt nicht. Ich kenne weder den Bahnhof, noch kenne ich die Verkehrspolitik. Aber von außen betrachtet erscheint es mir so, dass nun beide Seiten mit Gewalt ihre Forderungen durchsetzen wollen. Und dabei verlieren beide ihr Gesicht."
Auseinandersetzung um Stuttgart 21 - Digitale Menschenketten und verbale Wasserwerfer
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Es ist eine Taktik der kleinen Schritte: Vor einigen Wochen eröffnete Google einen webbasierten App-Markt für sein Smartphone-Betriebssystem Android, am Mittwoch stellte der Konzern ein Bezahlsystem für den Vertrieb von Medieninhalten vor und nun verdichten sich die Anzeichen, dass der Internetkonzern bald einen eigenen Musikdienst an den Start bringt. Der deutlichste Hinweis kommt von Sanjay Jha, dem Mobilchef des Hardware-Herstellers Motorola: Bei einer Präsentation im Rahmen des Mobile World Congress in Barcelona ließ er durchblicken, dass Android-Geräte bald mit einem integrierten Musik-Downloaddienst ausgestattet würden. Ein entscheidender Fortschritt von Honeycomb, der nächsten Version des Android-Betriebssystems, sei die "Ergänzung von Musik- und Videodiensten", sagte er. Motorola wird mit seinem Xoom den ersten Tablet-Computer mit Honeycomb veröffentlichen. Der Musikdienst, der Branchenkreisen zufolge Google Music heißen soll, wird bereits seit längerem erwartet, allerdings verliefen die Verhandlungen zwischen Google und der Musikindustrie offenbar zäh. Die zentrale Möglichkeit zum Download von MP3s oder dem Streamen von Videos direkt auf ein Android-Endgerät erinnert nicht zufällig an das Modell eines Konkurrenten: Apples iTunes bietet Videostreaming, MP3s und Apps auf einer einzigen Verkaufsplattform, die in die Geräte des Herstellers integriert ist. Inzwischen wurden über iTunes mehr als zehn Milliarden Songs und zehn Milliarden Apps heruntergeladen. Neben den Einnahmen aus dem Hardware-Geschäft gilt der Digitalverkauf als Apples Kerngeschäft: Der Konzern erhält in der Regel 30 Prozent des Verkaufspreises einer App oder eines Musikstücks. Musik aus der Wolke Gelingt es Google, wo man sich bislang zu den Gerüchten nicht geäußert hat, eine solche Plattform bei den weit verbreiteten Android-Geräten zu etablieren, könnte das Unternehmen endlich eine weitere Einnahmequelle jenseits des Verkaufs von Online-Werbung erschließen. Allerdings hat sich Googles Bezahlsystem Checkout bislang noch nicht etablieren können, Android blieb bislang weitestgehend eine Plattform für kostenlose Inhalte. Da es sich um ein offenes Betriebssystem handelt, können zudem auch andere Online-Verkäufer ihre eigene Download-Plattform anbieten. Im Laufe des Jahres will beispielsweise Amazon einen eigenen App-Store eröffnen. Google dürfte deshalb versuchen, bei seinem Musikangebot auf der einen Seite weniger Umsatzprovision als Apple und Co zu nehmen, gleichzeitig aber möglichst schnell eine Streaming-Option einzurichten: Dann müssten Nutzer ihre Musiksammlung nicht mehr auf einem Gerät speichern, sondern könnten die Songs über das Internet abspielen. Auch Apple arbeitet an einer solchen Möglichkeit, allerdings ist bislang das mobile Breitband-Netz noch nicht für eine flächendeckende Musikstreaming-Kultur ausgelegt. Googles Musikdienst könnte jedoch auch zahlreiche Kunden verärgern: Sollte er wirklich erst mit der neuesten, noch nicht verfügbaren Version des Android-Betriebssystems funktionieren, wären Millionen von Nutzern der alten Varianten außen vor. Bei inzwischen mehr als 70 Millionen Android-Geräten wäre dies keine kleine Randgruppe.
Internet-Musikportal bald online - Google macht iTunes Konkurrenz
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Die Europäische Kommission beklagt "die unterschiedliche Handhabung des Datenschutzes in der Union" und "die öffentliche Meinung, dass speziell im Internet der Datenschutz nicht immer gewährleistet ist"; sie will, dass die "Bürger Kontrolle über ihre eigenen Daten erhalten". Deshalb hat Kommissarin Viviane Reding am Anfang dieses Jahres den Entwurf einer EU-Verordnung vorgelegt: Der Datenschutz soll direkt geltendes und detailliertes EU-Recht werden. EU-Kommissarin Vivane Reding: Bundesdatenschutzgesetze sollen entfallen. Das Bundesdatenschutzgesetz (Zivilrecht und öffentliche Stellen des Bundes) und die Landesdatenschutzgesetze (öffentliche Stellen in den Ländern) sollen ersatzlos entfallen. Was aus speziellem Datenschutzrecht, vom Archivrecht bis zur Zwangsvollstreckung, werden soll, darüber hat man sich wohl keine Gedanken gemacht. Dieses Großprojekt europäischer Gesetzgebung eröffnet eine neue Dimension im Kampf um die Regelungszuständigkeiten. Datenschutz ist ein viel weiteres Feld als viele denken. "Daten" sind alle Angaben über einzelne oder von einzelnen oder für einzelne Menschen, die in Zeichen verkörpert werden, um verstanden zu werden. Inhalt, Form und Vorgang der Einzelinformation können schwer voneinander getrennt werden. Das Wort "User" verschleiert mehr, als es erklärt Der Urheber der Information und deren Objekt, derjenige, der das Datum weiterleitet, und der Empfänger sind Beteiligte. Je nach Interessenlage will man wissen, von wem die Information stammt, auf wen sie sich bezieht, wer sie verbreitet, wer sie zur Kenntnis genommen, wer sie übermittelt, verändert, genutzt oder gelöscht hat. Im Internet gilt das verschärft: Dort sind alle Beteiligten datenschutzrechtlich Opfer und Täter zugleich. Das Wort "User" verschleiert da mehr, als es klärt. "Person"-Sein heißt nichts anderes, als dass der so Bezeichnete mit Informationen umgeht oder von Information gemeint ist. Informationen sind das Fluidum unseres Zusammenlebens: Sie sind nicht nur wertvolle Ware in Auskunfteien, nicht nur Gegenstand aller Medien und der Wissenschaft. Alle Dienstleistungen werden von den ausgetauschten Informationen meist ganz persönlicher Art geprägt; jeder Vertrag, jeder Güteraustausch wird von Informationen mehr oder weniger bedeutsam begleitet. Alle Informationen über die Ware, ihren Schöpfer und seine Marktstellung, über seine Vertrauenswürdigkeit, seinen Charakter und seine Bonität sind, möglichst detailliert, von Belang. Die EU hat für viele Randbereiche keine Kompetenz Datenschutz ist deshalb kein Rechtsgebiet wie etwa die Agrarmarktregelung oder die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Weil Informationen alle Rechtsgebiete, das materielle wie das Verfahrensrecht, prägen, würde eine europäische Datenschutzordnung unser gesamtes Dasein reglementieren und die nationalen Rechtsordnungen weitgehend überformen. Auch die Behörden gehen von morgens bis abends mit Daten um. Das bedeutet: Auch das öffentliche Recht ist insgesamt vom Datenschutz durchzogen und wäre von einer direkten europäischen Gesetzgebung insgesamt betroffen, etwa Steuerrecht und Sozialrecht, aber auch Polizei- und Baurecht, Verwaltungsverfahrensgesetze, Prozessordnungen und so weiter. Dazu hat die Europäische Union ersichtlich keine Kompetenz. Ein weiteres Problem: Die Unterscheidung zwischen einem Grundrecht als Abwehrgarantie gegen staatliche Bevormundung einerseits und als Maßstab für die zivilrechtliche Ordnung andererseits ist schon jetzt dem europäischen Recht nicht geläufig. Deshalb vermengt der Verordnungsentwurf die Gesetzesbindung aller staatlichen Datenverarbeitung und die grundlegende Freiheit der privaten Datenverarbeitung und stellt den freien Einzelnen (und sein Unternehmen) unter die gleiche Kuratel wie die öffentliche Gewalt. Damit werden nahezu alle Grundrechte mal mehr, mal weniger intensiv betroffen, wenn die Freiheit der Informationsverarbeitung eingeschränkt wird: Kunst und Wissenschaft, Meinungs-, Presse- und Medienfreiheit, Berufs- und Gewerbefreiheit, geistiges Eigentum. Es kann keine freie Gesellschaft bestehen, wenn die privatrechtliche Verarbeitung von Informationen grundsätzlich einer Befugnis bedarf. Vielmehr muss der Gesetzgeber sehr sorgfältig die zivilrechtlichen Grenzen definieren, jenseits deren das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen schutzwürdig wird, und er muss die Rechte der dabei betroffenen Privaten gegeneinander abwägen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung muss als ein Teilaspekt des allgemeinen Persönlichkeitsrechts begriffen und geregelt werden. Das kann nur in grundrechtsabwägungsgerechter Differenziertheit gelingen. Genau dazu fehlt der EU jedoch die Regelungszuständigkeit, die verfassungs- wie EU-vertragsgemäß (Art. 5 des EU-Vertrages) einer vertraglich begrenzten Einzelermächtigung bedarf. Gemäß dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (Artikel 16) steht ihr nämlich nur zu, die Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Mitgliedstaaten zu regeln, wenn die Verarbeitung im Rahmen der Ausübung von Tätigkeiten erfolgt, die in den Anwendungsbereich des Unionsrechts fallen. Ferner kann die EU Vorschriften über den freien Verkehr personenbezogener Daten erlassen. Es wäre ein übrigens nicht ganz neuer Taschenspielertrick, wollte man eine umfassende Regelungskompetenz für die gesamte Querschnittsmaterie des Datenschutzes aus dem vertraglichen Auftrag ableiten, für die barrierefreie Grenzüberschreitung beim Transport von Daten zu sorgen. Der für das Gemeinschaftsrecht konstitutive Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung liefe leer, wenn der nun einmal ubiquitäre Grenzüberschreitungsaspekt eines Lebensbereichs die Gemeinschaftszuständigkeit aus sich heraus zu begründen vermöchte. Die EU müsst sich um eine weltweite Ordnung kümmern Hinzu kommt, dass die weltweite Datenautobahn, das Internet, seiner Natur nach nicht von der Union allein geregelt werden kann und sie auch innerhalb ihrer Grenzen nicht den Mut hat, das Internet, wie alle Lebensbereiche, der Herrschaft des Rechts zu unterstellen. Das kann nur gelingen, indem der einzelne User zumindest als Informationsschöpfer (und im Falle von Rechtsverletzungen auch als Informationsrezipient) persönlich erkennbar und verantwortlich gemacht werden können muss. Im Zeitalter des Internets und namentlich des Cloud-Computing über "Grenzen" des Informationsverkehrs zu reden ist müßig. Bislang ist es jedenfalls nicht gelungen, Datenschutz im Netz zu garantieren. Die Anstrengungen der Union müssten deshalb einer weltweiten Ordnung gelten. Sie ist in allen Bereichen außerhalb der Spielerei nur mit einer personalen Kennung und einer personalen Verantwortlichkeit jedes Users zu erreichen. Die vorgesehene Datenschutzaufsicht über den Privatbereich entspricht nicht der europäischen Kompetenzordnung, weil das Verwaltungsverfahren und die nationale Umsetzung grundsätzlich Sache der Mitgliedstaaten sind, vom gemeinschaftsstiftenden Subsidiaritätsprinzip ganz abgesehen. Überdies verstößt auf nationaler Ebene die geforderte "Unabhängigkeit" der Datenschutzkontrolle über private Verarbeiter gegen das Demokratiegebot, denn die Datenschutzkontrolle wäre dann unabhängig von der für alle exekutive Staatstätigkeit geltenden ständigen Verantwortlichkeit gegenüber der jeweiligen Mehrheit des Parlaments. Der EuGH irrt gewaltig Hier irrt der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 9. März 2010 gegen Deutschland gewaltig. Die Datenschutzaufsicht über private Stellen ist nämlich normale Exekutive und nicht dritte Gewalt, weil ihr Tätigwerden keines Klägers bedarf. Warum soll sie unabhängiger und ferner von Regierungsverantwortung sein als die Atom- oder die Bankenaufsicht? Hier müssen die Regierenden in der üblichen Weise dem Parlament und dem Volk verantwortlich sein. Alles andere ist demokratiewidrig. Schließlich würde - darauf hat der Bundesverfassungsrichter Johannes Masing am 9. Januar 2012 hier im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung hingewiesen - die Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichts für das Kernstück seiner Rechtsprechung wegbrechen, wenn die für die Rechtsordnung zentrale Regelungsmaterie des Datenschutzes von der EU direkt und zentral geregelt würde und die verbindliche Auslegung dieses Rechts nicht den nationalen Gerichten, sondern dem Europäischen Gerichtshof zustände. Wir können eine Vorahnung haben: Zwischen dem Bundesverfassungsgericht und der EU müsste es, wenn es zu der Verordnung käme, also ausgerechnet beim Datenschutz zum Knall kommen. Bevor es so weit kommt, sollten die Beteiligten zumindest wissen, was sie tun. Enthusiasmus verstellt den Blick, von Machtversessenheit gar nicht zu reden. Der Autor ist Rechtsanwalt und Vorstand des Instituts für Informationsordnung. Er war von 1991 bis 2003 Sächsischer Datenschutzbeauftragter.
Digitale Bürgerrechte - Brüssels Griff nach dem Datenschutz ist demokratiewidrig
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Woher kommt der moderne Mensch, wohin geht er? Es war nicht die philosophische Dimension dieser Frage, die eine Gruppe von Forschern aus den USA interessierte, sondern im wörtlichen Sinn die geografische. In der Tat weiß man bis heute sehr wenig darüber, welchen Bewegungsmustern Menschen folgen. Dabei könnten die daraus gewonnenen Statistiken durchaus helfen, Staus zu vermeiden oder vorherzusagen, wie sich ansteckende Krankheiten verbreiten. Wer bewegt sich wo - Handydaten geben Aufschluss. Forscher der Northeastern University in Boston, USA, haben Daten ausgewertet, die Mobilfunkbetreiber über Handynutzer sammeln. Während die Ergebnisse der im Fachblatt Nature (Bd. 453, S. 779, 2008) publizierten Studie nicht übermäßig überraschen, verwundert ein Randaspekt des Projektes dafür umso mehr: Von den 100.000 europäischen Handybesitzern, deren Daten in die Studie einflossen, wurde kein einziger um Erlaubnis gefragt. Schon seit längerem suchen Wissenschaftler nach statistischen Mustern, die beschreiben, wie sich Menschen bewegen und ob man voraussagen kann, wo sie sich zu bestimmten Zeitpunkten befinden. Am weitesten kam man bisher mit der Geldscheinmethode. Auf der Webseite wheresgeorge.com kann jeder die Nummer einer Dollarnote eintragen und wo er den Geldschein bekommen hat. Diese Daten haben wiederum Wissenschaftler statistisch ausgewertet. Das war dem Bostoner Team um den Netzwerkspezialisten Albert-Laszlo Barabasi aber zu wenig. Die Geldscheine würden von Person zu Person weitergegeben, erlaubten also keine genaue Aussage darüber, wie sich Individuen verhalten. Die Forscher griffen daher auf die Daten eines Mobilfunkbetreibers zurück. Um korrekt abrechnen zu können, müssen die Firmen speichern, wann mit welchem Telefon über welchen Funkmast telefoniert wurde. Da man weiß, wo die Masten stehen, erhält man so ein auf einige hundert Meter genaues Bild darüber, wo Menschen sich aufhielten, als sie telefonierten, eine SMS bekamen oder eine verschickten. Das Ergebnis ist dennoch nicht besonders spektakulär, sondern bestätigt frühere Untersuchungen. Menschen folgen meist den immer gleichen Wegen und bewegen sich mehrheitlich nur selten mehr als zehn Kilometer von zu Hause weg. Datenschützer sehen die Studie kritisch. Zwar wurden die Daten den Forschern zufolge nur in anonymisierter Form verwendet. Für wenig vertrauenerweckend aber halten es die Skeptiker, dass nicht bekanntgegeben wurde, von welchem Betreiber die Daten stammen und in welchem europäischen Land sie erhoben wurden. Experten erwarten, dass die Daten sogenannter Sensoren, kleiner Messfühler, die sich beispielsweise in Handys einbauen lassen, künftig vermehrt für statistische Zwecke eingesetzt werden.
Handy-Ortung - Bewegungs-Melder
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Die Aufforderung der Außenministerin war klar: "Zensur sollte von keinem Unternehmen akzeptiert werden, nirgends", mahnte Hillary Clinton 2010 bei ihrer ersten Rede zur Internetfreiheit, "Und amerikanische Unternehmen müssen hier ganz klar Farbe bekennen." Surfer in einem Internet Café: Der steigende Bedarf an Internet-Filtern verspricht westlichen Firmen neue Absatzmärkte. Eine neue Recherche des Wall Street Journals (WSJ) zeigt nun, dass Clintons Appell offenbar ungehört verhallt ist. Demnach profitieren viele IT-Firmen in den USA von den verstärkten Zensuranstrengungen vieler autoritärer Regierungen in aller Welt. Wie das WSJ berichtet, pflegen vor allem die Hersteller von Filter-Software gute Geschäftsbeziehungen zu Regierungen in Afrika und in der arabischen Welt. So verkaufte beispielsweise der US-Sicherheitssoftwarehersteller McAfee, inzwischen im Besitz von Intel, Filter-Software nach Bahrain, Saudi Arabien und Kuwait. Auch kleinere Unternehmen wie Netsweeper und Blue Coat Systems liefern solche Programme an die dortigen Regierungen. Der Markt für Internetsicherheit, zu dem auch Filterprogramme gehören, hatte der Marktforschungsfirma IDC zufolge 2010 einen Wert von 1,8 Milliarden Dollar. Der Anteil des Nahen Ostens und Afrikas liegt bei bislang bescheidenen 46 Millionen Dollar, wächst aber um 16 Prozent jährlich. Filtersoftware muss theoretisch nicht zur Zensur eingesetzt werden, in der Realität nutzen autoritäre Regierungen die Software häufig, um unliebsame Diskussionen und die Organisation regierungskritischer Proteste zu verhindern. Filter an kritischen Punkten Dies ist deshalb möglich, weil in vielen dieser Länder die Internet-Provider entweder in staatlichem Besitz sind oder Behörden direkt auf diese Einfluss nehmen können. Damit kann die Software ohne Probleme an kritischen Punkten des Netzwerks installiert werden. Nach den Protesten im arabischen Raum dürfte die Nachfrage nach solchen Filtern steigen - und die winkenden Geschäfte die Anti-Zensur-Rhetorik vieler Unternehmen ad absurdum führen. Die US-Firma Websense macht seiner Unternehmenspolitik zufolge keine Geschäfte mit "Regierungen oder Internet-Providern, die sich an Regierungszensur beteiligen." In der Praxis hat es Forschern der Internet-Bürgerrechtsorganisation OpenNet Initiative zufolge Software an den Jemen verkauft, die es Aktivisten unmöglich machen soll, ihre Identität online zu verschleiern. Die betroffenen Unternehmen äußerten sich nicht zu den Anschuldigungen, das Wall Street Journal gibt als Quelle seiner Recherchen unter anderem Mitarbeiter von Internet-Providern in den entsprechenden Ländern an. Westliche Filter-Programme in neun Ländern Vorwürfe dieser Art gegen internationale Unternehmen sind nicht neu: So hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beispielsweise bereits 2006 den Netzwerk-Ausstatter Cisco dafür kritisiert, der chinesischen Regierung die Technik für ihre "große Firewall" zu liefern, dem wahrscheinlich umfassendste Internet-Zensursystem der Welt. Einem noch unveröffentlichten Bericht der Open Net Initiative zufolge wird nach Angaben des WSJ in mindestens neun Ländern in Afrika und dem Nahen Osten westliche Software eingesetzt, um Internet-Inhalte zu zensieren. In der Regel berufen sich die IT-Firmen darauf, nicht genau zu wissen, wofür ihre Produkte eingesetzt werden. Dies sei aber nur eine Ausrede, argumentiert der renommierte Harvard-Rechtsprofessor Jonathan Zittrain im Gespräch mit dem Wall Street Journal: "Sie könnten in die Software ein Signal einbauen, das genaue Informationen darüber weitergibt, was gefiltert wird. Das ist kein Hexenwerk, nur würden ihre Kunden das nicht wollen."
Internet-Filter - US-Firmen: Zensurhelfer der Despoten
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Schon mal was von Bittorrent gehört? Nein? Dann können Besitzer von Apple-Rechnern noch mal durchatmen. Denn mit Software, die eigentlich dazu dienen soll, das Herunterladen von Daten zu beschleunigen, ist es Kriminellen erstmals gelungen, auch auf Apple-Rechnern mit ihrer neuesten Masche zu landen: Ein schädliches Programm, das den Computerbesitzern sozusagen als blinder Passagier einer eigentlich unverdächtigen Software untergejubelt wird, verschlüsselt persönliche Dateien. Wiederherstellen lassen sie sich nur mit dem korrekten Schlüssel. Doch den kennen nur die Gangster, und die rücken ihn nur gegen Geld heraus - oft genug auch gar nicht. Bisher verrichteten die im Jargon Ransomware (Erpresser-Software) genannten Programme vor allem auf Windows-Rechnern ihr Werk. Das liegt hauptsächlich daran, dass Windows mit einem Marktanteil von etwa 90 Prozent nach wie vor das am weitesten verbreitete PC-Betriebssystem ist. Doch die Verkaufszahlen von Apple-Rechnern steigen, und so werden die PCs und Laptops mit dem Apfel-Logo ebenfalls zu einem lohnenden Ziel für die Angreifer aus dem digitalen Raum. Besonders tückisch an dem vorliegenden Fall ist, dass es den Kriminellen gelungen ist, die Installationsdatei eines an sich unverdächtigen Programms zu befallen. Betroffen ist eine Version des Programms "Transmission". Da handelt es sich um eine Software, die es ermöglicht, Daten schnell herunter zu laden. Das Besondere daran: Für jede Datei, die verteilt werden soll, wird ein Netz aus Computern aufgebaut. Jeder, der die Datei auf seinen Rechner lädt, gibt sie auch weiter an die Computer anderer Nutzer. Betroffen ist nach bisherigem Kenntnisstand nur eine Version der Software, und zwar die Version 2.90. Der Hersteller von Transmission warnt inzwischen vor dieser Version und bietet eine nicht verseuchte an, die Version 2.92. Wer diese auf seinen Apple-Computer lädt, löscht damit die schädliche Software. Erpressersoftware gibt es schon seit vielen Jahren. Erst in jüngerer Zeit aber häufen sich die Angriffe. Einiges Aufsehen erregten vor kurzem Attacken auf Kliniken. Im Neusser Lukaskrankenhaus etwa mussten Operationen verschoben werden, weil die Computer nach dem Befall durch die Erpressersoftware heruntergefahren wurden. Eine Klinik in Los Angeles bezahlte sogar rund 15 000 Euro, um wieder an die verschlüsselten Daten zu kommen. Und Tausende Rechner von Privatpersonen in Deutschland wurde von der Ransomware "Locky" befallen. Die Polizei rät Betroffenen, nicht zu zahlen, sondern Anzeige zu erstatten Die Polizei sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät Betroffenen, nicht zu zahlen, sondern Anzeige zu erstatten. Zum einen sei nicht gewährleistet, dass die Erpresser den Schlüssel herausrücken. Zum anderen gibt es für manche Ransomware mittlerweile auch digitale Werkzeuge, mit denen sich die Daten wieder entschlüsseln lassen. Bei einer häufig verwendeten Ransomware haben die Entwickler beispielsweise geschlampt, so dass Experten eine Entsperr-Software programmieren konnten. Wurde die Verschlüsselung allerdings korrekt umgesetzt, können die verschlüsselten Dateien mit heutiger Technik und vertretbarem Aufwand nicht wieder lesbar gemacht werden. Etwa ein Drittel der Betroffenen entscheidet sich daher dafür zu zahlen. Die Erpresser fordern meist eine Bezahlung in der Kryptowährung Bitcoin. Dabei lässt sich nur sehr schwer nachvollziehen, wer letztendlich das Geld kassiert. Um gar nicht erst in diese Verlegenheit zu kommen, empfiehlt es sich, Vorsorge zu treffen. Computer sollen immer auf dem neuesten Software-Stand sein, auch wenn das etwas lästig ist. Also nicht Meldungen zu Updates schnell wegklicken, sondern sich die paar Minuten Zeit nehmen. Und es geht nicht nur um das Betriebssystem, sondern um alle Programme, vor allem um solche, die auf vielen Computern zu finden sind, wie zum Beispiel Browser (Firefox, Internet Explorer, Chrome) oder der Adobe Reader, eine Software zum Anzeigen von Dateien im Format PDF. Kostenlose Programme wie etwa der Secunia Personal Software Inspector oder der App-Manager FileHippo helfen dabei, den Überblick zu behalten. Sie überwachen im Hintergrund die installierten Programme und zeigen an, wann es dafür Updates gibt.
Ransomware - So schützen Sie sich vor Erpresser-Software
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Automatische Wortvorschläge von Internet-Suchmaschinen beschäftigen seit längerem die Gerichte. Jetzt hat ein Unternehmer in einem Rechtsstreit gegen Google einen Teilerfolg erzielt. Bei der Eingabe seines Namens hatte Google die Suche um die Begriffe "Scientology" und "Betrug" ergänzt. Das Oberlandesgericht Köln verurteilte Google zur Unterlassung der Suchwortkombination des Namens mit dem Begriff "Scientology". Die weitergehende Klage auf Schadenersatz wies das Gericht aber ab (Aktenzeichen 15 U 199/11). Die Klage war ursprünglich von Kölner Gerichten abgewiesen worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte dann jedoch im Mai 2013 in einem Grundsatzurteil entschieden, dass auch rein technisch erzeugte Vorschläge in der Google-Suchmaske (Autocomplete) Persönlichkeitsrechte verletzen können. Der BGH verwies den Fall zurück an das Oberlandesgericht Köln, das nun erneut entschied. Demnach ist Google seiner Pflicht zur Überprüfung von konkreten Beanstandungen zunächst nicht nachgekommen. Denn 2010 habe der Konzern dem Kläger zunächst lediglich geantwortet, dass "die betreffenden Suchanfragen automatisch erstellt" würden und man daher "dem Wunsch von Einzelpersonen, die derzeit angezeigten Links zu entfernen oder zu ändern, nicht nachkommen" könne. Später habe Google den Eintrag aber doch gelöscht und damit den Rechtsverstoß beseitigt, "wenn auch erst verspätet", urteilte das Gericht. Deshalb lehnte es auch die Forderung des Klägers nach einer Geldentschädigung ab. Bei der beanstandeten Kombination des Namens mit dem Wort "Betrug" habe Google schnell genug reagiert. Die Suchmaschinen wollen Nutzern mit der automatischen Vervollständigung unnötige Tipparbeit ersparen. Google hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Funktion ohne jede Wertung nur Begriffe anzeige, die im Netz häufig aufgerufen würden.
Urteil: Google zahlt nicht für Scientology-Autocomplete