Source: https://www.gesetze-im-internet.de/finvermv/__3.html
Legislation: finvermv

Title: § 3 Verfahren

Description:
Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung (FinVermV)
Abschnitt 1 - Sachkundenachweis
§ 3 Verfahren

Paragraph: 3

Full Text:
Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung (FinVermV)
Abschnitt 1 - Sachkundenachweis
§ 3 Verfahren

(1) Die Sachkundeprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem
praktischen Teil. Die Teilnahme am praktischen Teil der Prüfung setzt
das Bestehen des schriftlichen Teils voraus.

(2) Der schriftliche Teil der Prüfung umfasst die in § 1 Absatz 1
Nummer 1 aufgeführten Sachgebiete. Sie sind anhand praxisbezogener
Aufgaben und in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander zu prüfen.
Der schriftliche Teil der Prüfung kann mit Hilfe unterschiedlicher
Medien durchgeführt werden. Folgende Bereiche sind schriftlich zu
prüfen:

1.  Kenntnisse über offene Investmentvermögen im Sinne des § 1 Absatz 4
    des Kapitalanlagegesetzbuchs,

2.  Kenntnisse über geschlossene Investmentvermögen im Sinne des § 1
    Absatz 5 des Kapitalanlagegesetzbuchs sowie

3.  Kenntnisse über Vermögensanlagen im Sinne des § 1 Absatz 2 des
    Vermögensanlagengesetzes.

Der schriftliche Teil der Prüfung kann auf Antrag des Prüflings auf
die einzelnen Kategorien von Finanzanlagen nach Satz 4 Nummer 1, 2
oder Nummer 3 beschränkt werden. In diesem Fall muss der schriftliche
Teil der Prüfung diejenigen in Satz 4 Nummer 1, 2 oder Nummer 3
genannten Bereiche umfassen, für die eine Erlaubnis nach § 34f Absatz
1 Satz 1 Nummer 1, 2 oder Nummer 3 in Verbindung mit Satz 3 oder § 34h
Absatz 1 Satz 1 in Verbindung mit Satz 3 der Gewerbeordnung beantragt
wird. Für eine Erlaubnis nach § 34f Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 in
Verbindung mit Satz 3 oder § 34h Absatz 1 Satz 1 in Verbindung mit
Satz 3 und § 34f Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 der Gewerbeordnung muss der
schriftliche Teil der Prüfung zusätzlich die in Satz 4 Nummer 2
genannten Bereiche umfassen. Der Prüfling soll anhand von
praxisbezogenen Aufgaben nachweisen, dass er die grundlegenden
fachlichen und rechtlichen Kenntnisse erworben hat und diese praktisch
anwenden kann.

(3) Die Auswahl der Prüfungsaufgaben für den schriftlichen Teil der
Prüfung trifft ein nach Maßgabe des § 32 Absatz 2 der Gewerbeordnung
eingerichteter bundesweit einheitlich tätiger
Aufgabenauswahlausschuss. Der Aufgabenauswahlausschuss ist mit sieben
Mitgliedern und sieben stellvertretenden Mitgliedern zu besetzen. Die
Berufung der Mitglieder und der Stellvertreter erfolgt nach Anhörung
von Vertretern der Finanzanlagenvermittler, der Anbieter von
Investmentvermögen und Vermögensanlagen und der
Verbraucherschutzorganisationen. Es werden berufen:

1.  drei Mitglieder und drei Stellvertreter aus den Reihen der
    Finanzanlagenvermittler oder der Vertreter ihrer Interessen,

2.  zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter aus den Reihen der Anbieter
    von Investmentvermögen im Sinne des § 1 Absatz 1 des
    Kapitalanlagegesetzbuchs und Vermögensanlagen oder der Vertreter ihrer
    Interessen,

3.  ein Mitglied und ein Stellvertreter aus den Reihen der Industrie- und
    Handelskammern oder der Vertreter ihrer Interessen sowie

4.  ein Mitglied und ein Stellvertreter aus den Reihen der
    Verbraucherschutzorganisationen oder der Vertreter ihrer Interessen.

Die Mitglieder des Ausschusses sowie ihre Stellvertreter müssen in der
Lage sein, sachverständige Entscheidungen zur Aufgabenauswahl zu
treffen. Die Prüfungsaufgaben werden nach der Prüfung nicht
veröffentlicht; sie stehen den Prüflingen nur während der Prüfungen
zur Verfügung.

(4) Im praktischen Teil der Prüfung wird jeweils ein Prüfling geprüft.
Dieser Prüfungsteil umfasst die Kundenberatung nach § 1 Absatz 1
Nummer 2 und wird als Simulation eines Kundenberatungsgesprächs
durchgeführt. Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er über die
Fähigkeiten verfügt, kundengerechte Lösungen zu entwickeln und
anzubieten.

(5) Der praktische Teil der Prüfung entfällt, wenn der Prüfling

1.  eine auf die in Absatz 2 Satz 4 Nummer 1 genannte Kategorie von
    Finanzanlagen beschränkte Sachkundeprüfung ablegt und

    a)  eine Erlaubnis nach § 34d Absatz 1 oder 2 der Gewerbeordnung hat oder

    b)  einen Sachkundenachweis im Sinne des § 34d Absatz 5 Satz 1 Nummer 4
        der Gewerbeordnung oder einen diesem nach § 27 der
        Versicherungsvermittlungsverordnung gleichgestellten Abschluss
        besitzt,

2.  eine Folgeprüfung zur Erweiterung einer nach § 34f Absatz 1 Satz 3
    oder § 34h Absatz 1 Satz 3 der Gewerbeordnung auf einzelne Kategorien
    von Finanzanlagen beschränkten Erlaubnis ablegt oder

3.  einen Sachkundenachweis im Sinne des § 34i Absatz 2 Nummer 4 der
    Gewerbeordnung besitzt.

(6) Die Prüfung ist nicht öffentlich. Es können jedoch folgende
Personen anwesend sein:

1.  Vertreter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht,

2.  Mitglieder eines anderen Prüfungsausschusses,

3.  Vertreter der Industrie- und Handelskammern,

4.  Personen, die beauftragt sind, die Qualität der Prüfungen zu
    kontrollieren, oder

5.  Personen, die dafür vorgesehen sind, in einen Prüfungsausschuss
    berufen zu werden.

Diese Personen dürfen nicht in die laufende Prüfung eingreifen oder in
die Beratung über das Prüfungsergebnis einbezogen werden.

(7) Die Leistung des Prüflings ist vom Prüfungsausschuss mit
„bestanden“ oder „nicht bestanden“ zu bewerten. Die Prüfung ist
bestanden, wenn sowohl der schriftliche als auch der praktische Teil
der Prüfung mit „bestanden“ bewertet worden ist. Der schriftliche Teil
der Prüfung ist bestanden, wenn der Prüfling in den in Absatz 2 Satz 4
Nummer 1 bis 3 genannten und geprüften Bereichen jeweils mindestens 50
Prozent der erreichbaren Punkte erzielt. Der praktische Teil der
Prüfung ist bestanden, wenn der Prüfling mindestens 50 Prozent der
erreichbaren Punkte erzielt.

(8) Die Industrie- und Handelskammer stellt unverzüglich eine
Bescheinigung nach Anlage 2 aus, wenn der Prüfling die Prüfung
erfolgreich abgelegt hat. In der Bescheinigung ist anzugeben, welche
Bereiche nach Absatz 2 Satz 4 Nummer 1 bis 3 der schriftliche Teil der
Prüfung umfasst hat. Wurde die Prüfung nicht erfolgreich abgelegt,
erhält der Prüfling darüber einen Bescheid, in dem auf die Möglichkeit
der Wiederholungsprüfung hinzuweisen ist.

(9) Die Einzelheiten des Prüfungsverfahrens regelt die Industrie- und
Handelskammer nach Maßgabe des § 32 Absatz 1 Satz 2 der Gewerbeordnung
durch Satzung.

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