Source: https://www.gesetze-im-internet.de/abwassermeistprv/__5.html
Legislation: abwassermeistprv

Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Abwassermeister/Geprüfte Abwassermeisterin (AbwasserMeistPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Full Text:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Abwassermeister/Geprüfte Abwassermeisterin (AbwasserMeistPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil "Handlungsspezifische Qualifikationen" umfasst
die Handlungsbereiche "Technik", "Organisation" sowie "Führung und
Personal". Die Handlungsbereiche enthalten folgende
Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Handlungsbereich "Technik":

    a)  Betrieb,

    b)  Überwachung,

    c)  Instandhaltung;

2.  Handlungsbereich "Organisation":

    a)  Kostenwesen,

    b)  Betriebsführung, Betriebsüberwachung und Kundenorientierung,

    c)  Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz,

    d)  Recht;

3.  Handlungsbereich "Führung und Personal":

    a)  Personalführung,

    b)  Personalentwicklung,

    c)  Managementsysteme.

(2) Es werden drei die Handlungsbereiche integrierende
Situationsaufgaben nach den Absätzen 3 bis 5 unter Berücksichtigung
der "Grundlegenden Qualifikationen" gestellt. Zwei der
Situationsaufgaben sind schriftlich zu lösen, eine Situationsaufgabe
ist Gegenstand des situationsbezogenen Fachgespräches nach Absatz 6.
Die Situationsaufgaben sind so zu gestalten, dass alle
Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsbereiche mindestens einmal
thematisiert werden. Die Prüfungsdauer der schriftlichen
Situationsaufgaben beträgt jeweils mindestens drei Stunden, insgesamt
jedoch nicht mehr als acht Stunden.

(3) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich "Technik" sollen
dessen Qualifikationsschwerpunkte den Kern bilden. Die
Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche "Organisation" sowie
"Führung und Personal" integrativ mit berücksichtigen. Im Einzelnen
kann die Situationsaufgabe folgende Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich "Technik" mit den Qualifikationsschwerpunkten gemäß
den Nummern 1 bis 3 umfassen:

1.  im Qualifikationsschwerpunkt "Betrieb" soll die Fähigkeit nachgewiesen
    werden, verfahrenstechnische Prozessabläufe der Abwassertechnik zu
    planen, zu steuern sowie zu optimieren. Weiterhin soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, zusammen mit den Mitarbeitern und
    Mitarbeiterinnen entsprechend den Normen und Vorschriften Anlagen oder
    Anlagenteile in und außer Betrieb zu nehmen sowie Maßnahmen zur
    Störungsvermeidung und der Behebung von Störungen zu treffen. In
    diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den
    Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Anwenden von physikalischen, biologischen und chemischen Methoden und
        Verfahren der Abwasserableitung und -reinigung und Schlammbehandlung,

    b)  Steuern und Optimieren der Verfahrenstechnik,

    c)  Erkennen von Störungsursachen, Beurteilen von Störungen und
        Veranlassen von Maßnahmen zu deren Vermeidung und Beseitigung,

    d)  Planen und Überwachen der In- und Außerbetriebnahme von Anlagenteilen,

    e)  Sicherstellen des Betriebes von maschinentechnischen und elektrischen
        Anlagen unter Beachtung der Zuständigkeiten;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt "Überwachung" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, zusammen mit den Mitarbeitern und
    Mitarbeiterinnen die Einhaltung der wasser- und abfallrechtlichen
    Auflagen und die verfahrenstechnische Optimierung zu überwachen. In
    diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den
    Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Durchführen der Eigenüberwachung für den Kanal- und
        Kläranlagenbetrieb,

    b)  Durchführen der Indirekteinleiterüberwachung unter Anwendung des
        Indirekteinleiterkatasters,

    c)  Einleiten und Überwachen von Verfahren des Emissionsschutzes im Zuge
        der Klärschlammentsorgung und -verwertung und Reststandbeseitigung,

    d)  Anwenden von statistischen Methoden und Erstellen von Dokumentationen
        des Betriebsablaufs und seiner Überwachung;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt "Instandhaltung" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, zusammen mit den Mitarbeitern und
    Mitarbeiterinnen die Instandhaltung der technischen Anlagen und
    Einrichtungen zu planen, zu organisieren und zu überwachen. In diesem
    Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den Situationsaufgaben
    geprüft werden:

    a)  Planen und Einleiten, Überwachen und Dokumentieren von Wartungs- und
        Instandhaltungsarbeiten; Auswerten und Dokumentieren von
        Schadensereignissen; Führen einer Schadensstatistik,

    b)  Aufstellen und Fortschreiben von Inspektions- und Wartungsplänen,

    c)  Überwachen der Instandhaltung von maschinentechnischen Einrichtungen
        von Bauwerken und Rohrleitungen anhand von Inspektions- und
        Wartungsplänen,

    d)  Überwachen von elektrotechnischen Arbeiten im Rahmen der
        Zuständigkeiten.

(4) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich "Organisation"
sollen dessen Qualifikationsschwerpunkte den Kern bilden. Die
Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus den
Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche "Technik" sowie
"Führung und Personal" integrativ mit berücksichtigen. Im Einzelnen
kann die Situationsaufgabe folgende Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich "Organisation" mit den Qualifikationsschwerpunkten
gemäß den Nummern 1 bis 4 umfassen:

1.  im Qualifikationsschwerpunkt "Kostenwesen" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und
    kostenrelevante Einflussfaktoren erfassen und beurteilen zu können.
    Die Fähigkeit umfasst, Möglichkeiten der Kostenbeeinflussung
    aufzuzeigen und Maßnahmen zum kostenbewussten Handeln zu planen, zu
    organisieren, einzuleiten und zu überwachen. Es soll ferner die
    Fähigkeit nachgewiesen werden, Kalkulationsverfahren anwenden und
    organisatorische sowie personelle Maßnahmen auch in ihrer Bedeutung
    als Kostenfaktoren beurteilen und berücksichtigen zu können. In diesem
    Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den Situationsaufgaben
    geprüft werden:

    a)  Planen, Erfassen, Analysieren und Bewerten von Kosten,

    b)  Überwachen und Einhalten des Budgets,

    c)  Beeinflussen der Kosten, insbesondere unter Berücksichtigung
        alternativer Konzepte,

    d)  Beeinflussen des Kostenbewusstseins der Mitarbeiter und
        Mitarbeiterinnen,

    e)  Anwenden von Kalkulationsverfahren,

    f)  Anwenden von Instrumenten der Zeitwirtschaft,

    g)  Abwickeln von Aufträgen über Lieferungen und Leistungen;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt "Betriebsführung, Betriebsüberwachung und
    Kundenorientierung" soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die
    Betriebsführung und Betriebsüberwachung gemeinsam mit den Mitarbeitern
    und Mitarbeiterinnen entsprechend den Normen und Vorschriften zu
    beherrschen sowie die Kunden zu beraten und die Kundenzufriedenheit zu
    fördern. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den
    Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Mitwirken beim Gestalten der Betriebsorganisation,

    b)  Erstellen von Bereitschafts- und Notfallplänen,

    c)  Planen, Kontrollieren und Optimieren der Betriebsabläufe,
        Betriebseinrichtungen und Stoffströme,

    d)  Disponieren von Betriebsmitteln, Geräten, Fahrzeugen und
        Betriebseinrichtungen,

    e)  Einsetzen von Betriebs- und Hilfsmitteln sowie
        Kommunikationstechniken,

    f)  Durchführen von Maßnahmen der Kundenbetreuung und Bearbeiten von
        Kundenaufträgen,

    g)  Anwenden von Instrumenten zur Arbeitsplanung und Terminüberwachung;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt "Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz"
    soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, einschlägige Gesetze,
    Vorschriften und Bestimmungen in ihrer Bedeutung erkennen und ihre
    Einhaltung sicherstellen zu können. Die Fähigkeit umfasst, Gefahren
    vorzubeugen, Störungen zu erkennen und zu analysieren sowie Maßnahmen
    zu ihrer Vermeidung oder Beseitigung einzuleiten sowie
    sicherzustellen, dass sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
    arbeits-, umwelt- und gesundheitsschutzbewusst verhalten und
    entsprechend handeln. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte in den Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Beurteilen, Überprüfen und Gewährleisten der Arbeitssicherheit, des
        Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes,

    b)  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
        bezüglich der Arbeitssicherheit, des Arbeits-, Umwelt- und
        Gesundheitsschutzes,

    c)  Planen und Durchführen von Unterweisungen in der Arbeitssicherheit,
        des Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes,

    d)  Überwachen der Lagerung von und des Umgangs mit umweltbelastenden und
        gesundheitsgefährdenden Stoffen und Betriebsmitteln,

    e)  Planen, Vorschlagen, Einleiten und Überprüfen von Maßnahmen zur
        Verbesserung der Arbeitssicherheit sowie zur Reduzierung und
        Vermeidung von Unfällen und von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen;

4.  im Qualifikationsschwerpunkt "Recht" soll das Vertrautsein mit den für
    die Abwassertechnik relevanten Rechtsvorschriften und die Fähigkeit,
    diese im Rahmen der Tätigkeit berücksichtigen zu können, nachgewiesen
    werden. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den
    Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Berücksichtigen des Wasserrechts,

    b)  Berücksichtigen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts und des
        Bundesimmissionsschutzrechts,

    c)  Berücksichtigen der technischen Normen und Regelwerke,

    d)  Berücksichtigen des kommunalen Satzungsrechts.

(5) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich "Führung und
Personal" sollen dessen Qualifikationsschwerpunkte den Kern bilden.
Die Situationsaufgabe soll darüber hinaus Qualifikationsinhalte aus
den Qualifikationsschwerpunkten der Handlungsbereiche "Technik" und
"Organisation" integrativ mit berücksichtigen. Im Einzelnen kann die
Situationsaufgabe folgende Qualifikationsinhalte aus dem
Handlungsbereich "Führung und Personal" mit den
Qualifikationsschwerpunkten gemäß den Nummern 1 bis 3 umfassen:

1.  im Qualifikationsschwerpunkt "Personalführung" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, den Personalbedarf ermitteln und den
    Personaleinsatz entsprechend den betrieblichen Anforderungen
    sicherstellen zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, die Mitarbeiter
    und Mitarbeiterinnen nach zielgerichteten Erfordernissen durch die
    Anwendung geeigneter Methoden zu verantwortlichem Handeln hinzuführen.
    In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte in den
    Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
        Personalbedarfs unter Berücksichtigung technischer und
        organisatorischer Veränderungen,

    b)  Auswählen und Einsetzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter
        Berücksichtigung der betrieblichen Anforderungen sowie ihrer
        persönlichen Eignung und Befähigung,

    c)  Berücksichtigen der rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz von
        Fremdpersonal und Fremdfirmen,

    d)  Erstellen von Anforderungsprofilen, Stellenplanungen sowie Funktions-
        und Stellenbeschreibungen,

    e)  Delegieren von Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung,

    f)  Fördern der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft,

    g)  Anwenden von Führungsmethoden und -instrumenten,

    h)  Beteiligen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an
        Verbesserungsprozessen,

    i)  Einrichten, Moderieren und Steuern von Arbeits- und Projektgruppen;

2.  im Qualifikationsschwerpunkt "Personalentwicklung" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, auf der Grundlage einer qualitativen und
    quantitativen Personalplanung eine systematische Personalentwicklung
    durchführen zu können. Dazu gehört, Personalentwicklungspotenziale
    einschätzen und Personalentwicklungs- und Qualifizierungsziele
    festlegen zu können. Es sollen entsprechende Maßnahmen geplant,
    realisiert, ihre Ergebnisse überprüft und die Umsetzung im Betrieb
    gefördert werden können. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte in den Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Festlegen der Ziele für eine kontinuierliche und
        innovationsorientierte Personalentwicklung sowie der Erfolgskriterien,
        Ermitteln des Personalentwicklungsbedarfs,

    b)  Durchführen von Potenzialeinschätzungen nach vorgegebenen Kriterien,

    c)  Veranlassen und Überprüfen von Maßnahmen der Personalentwicklung zur
        Qualifizierung,

    d)  Beraten, Fördern, Beurteilen und Unterstützen von Mitarbeitern und
        Mitarbeiterinnen hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung;

3.  im Qualifikationsschwerpunkt "Managementsysteme" soll die Fähigkeit
    nachgewiesen werden, bei der Realisierung, Verbesserung und
    Weiterentwicklung von Managementsystemen mitzuwirken. Die Fähigkeit
    umfasst, die Ziele der Managementsysteme durch Anwendung
    entsprechender Methoden und Führung der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen erreichen zu können. In diesem Rahmen können folgende
    Qualifikationsinhalte in den Situationsaufgaben geprüft werden:

    a)  Berücksichtigen des Einflusses von Managementsystemen auf das
        Unternehmen,

    b)  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
        bezüglich der Systemziele,

    c)  Anwenden von Methoden zur Sicherung, Verbesserung und
        Weiterentwicklung von Managementsystemen,

    d)  kontinuierliches Umsetzen geeigneter Maßnahmen zur Erreichung von
        Managementzielen.

(6) Im situationsbezogenen Fachgespräch soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, betriebliche Aufgabenstellungen analysieren,
strukturieren und einer begründeten Lösung zuführen zu können. Dazu
gehört, Lösungsvorschläge unter Einbeziehung von
Präsentationstechniken erläutern und erörtern zu können. Das
situationsbezogene Fachgespräch hat die gleiche Struktur wie eine
schriftliche Situationsaufgabe. Es stellt den Handlungsbereich in den
Mittelpunkt, der nicht Kern einer schriftlichen Situationsaufgabe ist,
und integriert insbesondere die Qualifikationsschwerpunkte, die nicht
schriftlich geprüft werden. Das Fachgespräch soll für die zu prüfende
Person mindestens 45 Minuten und höchstens 60 Minuten dauern.

(7) Wurde in nicht mehr als einer schriftlichen Situationsaufgabe eine
mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist in dieser Situationsaufgabe
eine mündliche Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehreren
ungenügenden schriftlichen Prüfungsleistungen besteht diese
Möglichkeit nicht. Die Ergänzungsprüfung soll in der Regel nicht
länger als 20 Minuten dauern. Die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung und die der mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu
einer Note zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung doppelt gewichtet.

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