Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wphgmaanzv/__1.html
Legislation: wphgmaanzv

Title: § 1 Sachkunde des Mitarbeiters in der Anlageberatung

Description:
Verordnung über den Einsatz von Mitarbeitern in der Anlageberatung, als Vertriebsmitarbeiter, in der Finanzportfolioverwaltung, als Vertriebsbeauftragte oder als Compliance- Beauftragte und über die Anzeigepflichten nach § 87 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHGMaAnzV)
Abschnitt 1 - Sachkunde
§ 1 Sachkunde des Mitarbeiters in der Anlageberatung

Paragraph: 1

Full Text:
Verordnung über den Einsatz von Mitarbeitern in der Anlageberatung, als Vertriebsmitarbeiter, in der Finanzportfolioverwaltung, als Vertriebsbeauftragte oder als Compliance- Beauftragte und über die Anzeigepflichten nach § 87 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHGMaAnzV)
Abschnitt 1 - Sachkunde
§ 1 Sachkunde des Mitarbeiters in der Anlageberatung

(1) Mitarbeiter in der Anlageberatung im Sinne des § 87 Absatz 1 des
Wertpapierhandelsgesetzes müssen die für die Erbringung der
Anlageberatung erforderliche Sachkunde haben. Sie ist kontinuierlich
zu wahren und regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Das
Wertpapierdienstleistungsunternehmen überprüft die Sachkunde jedes
Mitarbeiters mindestens einmal jährlich unter Berücksichtigung von
Veränderungen der gesetzlichen Anforderungen und seines Angebots an
Wertpapierdienstleistungen, Wertpapiernebendienstleistungen und
Finanzinstrumenten.

(2) Die Sachkunde umfasst insbesondere Kenntnisse in folgenden
Sachgebieten und ihre praktische Anwendung:

1.  Kundenberatung:

    a)  Bedarfsermittlung,

    b)  Lösungsmöglichkeiten,

    c)  Produktdarstellung und -information und

    d)  Serviceerwartungen des Kunden, Besuchsvorbereitung, Kundenkontakte,
        Kundengespräch, Kundenbetreuung;

2.  rechtliche Grundlagen:

    a)  Vertragsrecht,

    b)  Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes und des
        Kapitalanlagegesetzbuchs, die bei der Anlageberatung oder der
        Anbahnung einer Anlageberatung zu beachten sind, und

    c)  Verwaltungsvorschriften, die von der Bundesanstalt für
        Finanzdienstleistungsaufsicht (Bundesanstalt) zur Konkretisierung von
        § 64 Absatz 3 und 4 des Wertpapierhandelsgesetzes erlassen worden
        sind;

3.  fachliche Grundlagen:

    a)  Funktionsweise des Finanzmarktes einschließlich der Auswirkungen des
        Finanzmarktes auf den Wert und die Preisbildung von Finanzinstrumenten
        sowie des Einflusses von wirtschaftlichen Kennzahlen oder von
        regionalen, nationalen oder globalen Ereignissen auf die Märkte und
        auf den Wert von Finanzinstrumenten,

    b)  Merkmale, Risiken und Funktionsweise der Finanzinstrumente
        einschließlich allgemeiner steuerlicher Auswirkungen für Kunden im
        Zusammenhang mit den Geschäften, der Bewertung von für die
        Finanzinstrumente relevanten Daten sowie der spezifischen
        Marktstrukturen, Handelsplätze und der Existenz von Sekundärmärkten,

    c)  Wertentwicklung von Finanzinstrumenten einschließlich der Unterschiede
        zwischen vergangenen und zukünftigen Wertentwicklungsszenarien und die
        Grenzen vorausschauender Prognosen,

    d)  Grundzüge der Bewertungsgrundsätze für Finanzinstrumente,

    e)  Kosten und Gebühren, die für den Kunden im Zusammenhang mit den
        Finanzinstrumenten insgesamt anfallen und die in Bezug auf die
        Anlageberatung und andere damit zusammenhängende Dienstleistungen
        entstehen,

    f)  Grundzüge des Portfoliomanagements einschließlich der Auswirkungen der
        Diversifikation bezogen auf individuelle Anlagealternativen und

    g)  Aspekte des Marktmissbrauchs und der Bekämpfung der Geldwäsche.

(3) Die Sachkunde umfasst darüber hinaus die Kenntnis der internen
Anweisungen des Wertpapierdienstleistungsunternehmens, die der
Einhaltung der in Absatz 2 Nummer 2 Buchstabe b und c genannten
Vorschriften dienen.

(4) Die nach Absatz 2 Nummer 3 erforderlichen Kenntnisse müssen sich
auf die Arten von Finanzinstrumenten beziehen, die das
Wertpapierdienstleistungsunternehmen anbietet oder die Gegenstand der
Anlageberatung durch den Mitarbeiter sein können.

(5) Die nach Absatz 2 erforderliche praktische Anwendung bedeutet,
dass der Mitarbeiter durch seine vorherige Tätigkeit erfolgreich
nachgewiesen hat, dass er in der Lage ist, die Anlageberatung zu
erbringen. Der Mitarbeiter muss diese vorherige Tätigkeit mindestens
über einen Zeitraum von sechs Monaten, gerechnet auf der Basis von
Vollzeitäquivalenten, ausgeübt haben. Die vorherige Tätigkeit kann
auch in einer Tätigkeit in der Anlageberatung unter der Aufsicht eines
anderen Mitarbeiters bestehen, wenn Intensität und Reichweite der
Aufsicht im angemessenen Verhältnis zu den Kenntnissen und praktischen
Anwendungen des beaufsichtigten Mitarbeiters stehen und der
beaufsichtigende Mitarbeiter

1.  mit der Anlageberatung betraut ist,

2.  die dafür und für eine Aufsicht notwendige Sachkunde hat,

3.  die notwendigen Mittel für eine Aufsicht zur Verfügung hat und

4.  die Anlageberatung gegenüber dem Kunden verantwortlich erbringt.

Die Tätigkeit unter Aufsicht nach Satz 3 darf nicht länger als über
einen Zeitraum von vier Jahren ausgeübt werden.

(6) Die nach den Absätzen 1 bis 5 erforderliche Sachkunde muss durch
Abschluss- oder Arbeitszeugnisse, gegebenenfalls in Verbindung mit
Stellenbeschreibungen, durch Schulungs- oder Weiterbildungsnachweise
oder in anderer geeigneter Weise nachgewiesen sein.

(7) Die Absätze 1 bis 6 gelten für die Sachkunde von Mitarbeitern von
Wertpapierdienstleistungsunternehmen entsprechend, wenn diese
Mitarbeiter strukturierte Einlagen an Kunden verkaufen oder Kunden
über solche beraten.

Collections: bundestag_gesetze
WpHGMaAnzV
Level: 3.0