Source: https://www.gesetze-im-internet.de/fev_2010/__42.html
Legislation: fev_2010

Title: § 42 Fahreignungsseminar

Description:
Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (FeV 2010)
II. - Führen von Kraftfahrzeugen
7. - Fahreignungs-Bewertungssystem
§ 42 Fahreignungsseminar

Paragraph: 42

Full Text:
Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (FeV 2010)
II. - Führen von Kraftfahrzeugen
7. - Fahreignungs-Bewertungssystem
§ 42 Fahreignungsseminar

(1) Das Fahreignungsseminar besteht aus einer verkehrspädagogischen
und aus einer verkehrspsychologischen Teilmaßnahme. Die Teilmaßnahmen
sind durch gegenseitige Information der jeweiligen Seminarleiter
aufeinander abzustimmen.

(2) Die verkehrspädagogische Teilmaßnahme zielt auf die Vermittlung
von Kenntnissen zum Risikoverhalten, die Verbesserung der
Gefahrenkognition, die Anregung zur Selbstreflexion und die
Entwicklung von Verhaltensvarianten ab. Sie umfasst zwei Module zu je
90 Minuten entsprechend der Anlage 16. Neben den dort genannten Lehr-
und Lernmethoden und Medien dürfen auch Methoden und Medien eingesetzt
werden, die den gleichen Lernerfolg gewährleisten. Über die
Geeignetheit der Methoden und Medien entscheidet die nach Landesrecht
zuständige Behörde, die zur Bewertung ein unabhängiges
wissenschaftliches Gutachten einer für die Bewertung geeigneten Stelle
einholen kann. Die verkehrspädagogische Teilmaßnahme kann als
Einzelmaßnahme oder in Gruppen mit bis zu sechs Teilnehmern
durchgeführt werden.

(3) Modul 1 der verkehrspädagogischen Teilmaßnahme umfasst folgende
Bausteine:

1.  Einzelbaustein „Seminarüberblick“,

2.  teilnehmerbezogene Darstellung der individuellen Fahrerkarriere und
    Sicherheitsverantwortung,

3.  teilnehmerbezogene Darstellung der individuellen Mobilitätsbedeutung,

4.  Darstellung der individuellen Mobilitätsbedeutung als Hausaufgabe,

5.  Einzelbaustein „Erläuterung des Fahreignungs-Bewertungssystems“,

6.  tatbezogene Bausteine zu Verkehrsregeln und Rechtsfolgen bei
    Zuwiderhandlungen mit folgenden Varianten:

    a)  Geschwindigkeit,

    b)  Abstand,

    c)  Vorfahrt und Abbiegen,

    d)  Überholen,

    e)  Ladung,

    f)  Telefonieren im Fahrzeug,

    g)  Alkohol und andere berauschende Mittel,

    h)  Straftaten,

7.  Festigungsbaustein „Übung zur Klärung der individuellen
    Mobilitätssituation“ und

8.  Hausaufgabenbaustein „Übung zur Selbstbeobachtung“.

(4) Modul 2 der verkehrspädagogischen Teilmaßnahme umfasst folgende
Bausteine:

1.  Auswertung der Hausaufgaben,

2.  tatbezogene Bausteine zu Risikoverhalten und Unfallfolgen und

3.  Festigungsbaustein „individuelle Sicherheitsverantwortung“.

(5) Die Auswahl der tatbezogenen Bausteine nach den Absätzen 3 und 4
wird vom Seminarleiter in Abhängigkeit von den in den individuellen
Fahrerkarrieren dargestellten Verkehrszuwiderhandlungen vorgenommen.
Modul 2 der verkehrspädagogischen Teilmaßnahme darf frühestens nach
Ablauf von einer Woche nach Abschluss des Moduls 1 begonnen werden.

(6) Die verkehrspsychologische Teilmaßnahme zielt darauf ab, dem
Teilnehmer Zusammenhänge zwischen auslösenden und aufrechterhaltenden
Bedingungen des regelwidrigen Verkehrsverhaltens aufzuzeigen. Sie soll
beim Teilnehmer Reflexionsbereitschaft erzeugen und
Veränderungsbereitschaft schaffen. Sie umfasst zwei Sitzungen zu je 75
Minuten und ist als Einzelmaßnahme durchzuführen.

(7) Sitzung 1 der verkehrspsychologischen Teilmaßnahme dient der
Verhaltensanalyse, der Entwicklung eines funktionalen
Bedingungsmodells und der Erarbeitung von Lösungsstrategien. Sie
umfasst

1.  die Erarbeitung der auslösenden und aufrechterhaltenden inneren und
    äußeren Bedingungen der Verkehrszuwiderhandlungen als
    Verhaltensanalyse,

2.  die Erarbeitung der Funktionalität des Fehlverhaltens in Form einer
    Mittel-Zweck-Relation,

3.  die Aktivierung persönlicher Stärken und Unterstützungsmöglichkeiten
    sowie Motivationsarbeit,

4.  die Ausarbeitung schriftlicher Zielvereinbarungen, diese umfassen

    a)  die Spezifikation des Zielverhaltens in Form von Lösungsstrategien,

    b)  die Festlegung der Verstärker, Belohnungen und positiven Konsequenzen
        und

    c)  die Festlegung der zu erreichenden Schritte

    und

5.  die Hausaufgaben „Selbstbeobachtung des Verhaltens in kritischen
    Situationen“ und „Erprobung des neuen Zielverhaltens“.

(8) Sitzung 2 der verkehrspsychologischen Teilmaßnahme dient der
Festigung der Lösungsstrategien. Sie umfasst

1.  die Besprechung der Erfahrungen aus der Selbstbeobachtung,

2.  die Besprechung der Einhaltung der Zielvereinbarungen,

3.  die Erarbeitung und Weiterentwicklung von Verhaltensstrategien und

4.  die Aktivierung persönlicher Stärken und Unterstützungsmöglichkeiten
    sowie Motivationsarbeit.

(9) Mit Sitzung 2 der verkehrspsychologischen Teilmaßnahme darf
frühestens nach Ablauf von drei Wochen nach Abschluss von Sitzung 1
begonnen werden.

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FeV-2010
Level: 4.0