Source: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html
Legislation: stgb

Title: § 203 Verletzung von Privatgeheimnissen

Description:
Strafgesetzbuch (StGB)
Besonderer Teil -
Fünfzehnter Abschnitt - Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs
§ 203 Verletzung von Privatgeheimnissen

Paragraph: 203

Full Text:
Strafgesetzbuch (StGB)
Besonderer Teil -
Fünfzehnter Abschnitt - Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs
§ 203 Verletzung von Privatgeheimnissen

(1) Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum
persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs-
oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als

1.  Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehörigen eines anderen
    Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der
    Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert,

2.  Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher
    Abschlußprüfung,

3.  Rechtsanwalt, Kammerrechtsbeistand, Patentanwalt, Notar, Verteidiger
    in einem gesetzlich geordneten Verfahren, Wirtschaftsprüfer,
    vereidigtem Buchprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten,

3a. Organ oder Mitglied eines Organs einer Wirtschaftsprüfungs-,
    Buchprüfungs- oder einer Berufsausübungsgesellschaft von
    Steuerberatern und Steuerbevollmächtigten, einer
    Berufsausübungsgesellschaft von Rechtsanwälten oder europäischen
    niedergelassenen Rechtsanwälten oder einer Berufsausübungsgesellschaft
    von Patentanwälten oder niedergelassenen europäischen Patentanwälten
    im Zusammenhang mit der Beratung und Vertretung der
    Wirtschaftsprüfungs-, Buchprüfungs- oder Berufsausübungsgesellschaft
    im Bereich der Wirtschaftsprüfung, Buchprüfung oder Hilfeleistung in
    Steuersachen oder ihrer rechtsanwaltlichen oder patentanwaltlichen
    Tätigkeit,

4.  Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberater sowie Berater für
    Suchtfragen in einer Beratungsstelle, die von einer Behörde oder
    Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts anerkannt
    ist,

5.  Mitglied oder Beauftragten einer anerkannten Beratungsstelle nach den
    §§ 3 und 8 Absatz 1 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes,

6.  staatlich anerkanntem Sozialarbeiter oder staatlich anerkanntem
    Sozialpädagogen oder

7.  Angehörigen eines Unternehmens der privaten Kranken-, Unfall- oder
    Lebensversicherung oder einer privatärztlichen, steuerberaterlichen
    oder anwaltlichen Verrechnungsstelle

anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt ein fremdes Geheimnis,
namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis
oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als

1.  Amtsträger oder Europäischer Amtsträger,

2.  für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten,

3.  Person, die Aufgaben oder Befugnisse nach dem Personalvertretungsrecht
    wahrnimmt,

4.  Mitglied eines für ein Gesetzgebungsorgan des Bundes oder eines Landes
    tätigen Untersuchungsausschusses, sonstigen Ausschusses oder Rates,
    das nicht selbst Mitglied des Gesetzgebungsorgans ist, oder als
    Hilfskraft eines solchen Ausschusses oder Rates,

5.  öffentlich bestelltem Sachverständigen, der auf die gewissenhafte
    Erfüllung seiner Obliegenheiten auf Grund eines Gesetzes förmlich
    verpflichtet worden ist, oder

6.  Person, die auf die gewissenhafte Erfüllung ihrer
    Geheimhaltungspflicht bei der Durchführung wissenschaftlicher
    Forschungsvorhaben auf Grund eines Gesetzes förmlich verpflichtet
    worden ist,

anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist. Einem Geheimnis im
Sinne des Satzes 1 stehen Einzelangaben über persönliche oder
sachliche Verhältnisse eines anderen gleich, die für Aufgaben der
öffentlichen Verwaltung erfaßt worden sind; Satz 1 ist jedoch nicht
anzuwenden, soweit solche Einzelangaben anderen Behörden oder
sonstigen Stellen für Aufgaben der öffentlichen Verwaltung
bekanntgegeben werden und das Gesetz dies nicht untersagt.

(2a) (weggefallen)

(3) Kein Offenbaren im Sinne dieser Vorschrift liegt vor, wenn die in
den Absätzen 1 und 2 genannten Personen Geheimnisse den bei ihnen
berufsmäßig tätigen Gehilfen oder den bei ihnen zur Vorbereitung auf
den Beruf tätigen Personen zugänglich machen. Die in den Absätzen 1
und 2 Genannten dürfen fremde Geheimnisse gegenüber sonstigen Personen
offenbaren, die an ihrer beruflichen oder dienstlichen Tätigkeit
mitwirken, soweit dies für die Inanspruchnahme der Tätigkeit der
sonstigen mitwirkenden Personen erforderlich ist; das Gleiche gilt für
sonstige mitwirkende Personen, wenn diese sich weiterer Personen
bedienen, die an der beruflichen oder dienstlichen Tätigkeit der in
den Absätzen 1 und 2 Genannten mitwirken.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird
bestraft, wer unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, das ihm bei
der Ausübung oder bei Gelegenheit seiner Tätigkeit als mitwirkende
Person oder als bei den in den Absätzen 1 und 2 genannten Personen
tätiger Datenschutzbeauftragter bekannt geworden ist. Ebenso wird
bestraft, wer

1.  als in den Absätzen 1 und 2 genannte Person nicht dafür Sorge getragen
    hat, dass eine sonstige mitwirkende Person, die unbefugt ein fremdes,
    ihr bei der Ausübung oder bei Gelegenheit ihrer Tätigkeit bekannt
    gewordenes Geheimnis offenbart, zur Geheimhaltung verpflichtet wurde;
    dies gilt nicht für sonstige mitwirkende Personen, die selbst eine in
    den Absätzen 1 oder 2 genannte Person sind,

2.  als im Absatz 3 genannte mitwirkende Person sich einer weiteren
    mitwirkenden Person, die unbefugt ein fremdes, ihr bei der Ausübung
    oder bei Gelegenheit ihrer Tätigkeit bekannt gewordenes Geheimnis
    offenbart, bedient und nicht dafür Sorge getragen hat, dass diese zur
    Geheimhaltung verpflichtet wurde; dies gilt nicht für sonstige
    mitwirkende Personen, die selbst eine in den Absätzen 1 oder 2
    genannte Person sind, oder

3.  nach dem Tod der nach Satz 1 oder nach den Absätzen 1 oder 2
    verpflichteten Person ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart, das er
    von dem Verstorbenen erfahren oder aus dessen Nachlass erlangt hat.

(5) Die Absätze 1 bis 4 sind auch anzuwenden, wenn der Täter das
fremde Geheimnis nach dem Tod des Betroffenen unbefugt offenbart.

(6) Handelt der Täter gegen Entgelt oder in der Absicht, sich oder
einen anderen zu bereichern oder einen anderen zu schädigen, so ist
die Strafe Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe.

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