Source: https://www.gesetze-im-internet.de/kerausbv_2009/__7.html
Legislation: kerausbv_2009

Title: § 7 Gesellenprüfung

Description:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Keramiker und zur Keramikerin (KerAusbV 2009)
§ 7 Gesellenprüfung

Paragraph: 7

Full Text:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Keramiker und zur Keramikerin (KerAusbV 2009)
§ 7 Gesellenprüfung

(1) Durch die Gesellenprüfung ist festzustellen, ob der Prüfling die
berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat. In der Gesellenprüfung
soll der Prüfling nachweisen, dass er die dafür erforderlichen
beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die notwendigen beruflichen
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und mit dem im
Berufsschulunterricht zu vermittelnden, für die Berufsausbildung
wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungsordnung ist
zugrunde zu legen.

(2) Die Gesellenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage
aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie auf den im
Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für die
Berufsausbildung wesentlich ist.

(3) Die Gesellenprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen:

1.  Herstellen eines keramischen Produkts,

2.  Herstellen von keramischen Roherzeugnissen,

3.  Keramische Technologie und Gestaltung,

4.  Wirtschafts- und Sozialkunde.

(4) Für den Prüfungsbereich „Herstellen eines keramischen Produkts“
bestehen folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  Werkzeichnungen anfertigen und anwenden,

    b)  Rohstoffe und Massen auswählen und vorbereiten,

    c)  Werkzeuge, Maschinen und Einrichtungen vorbereiten und einrichten,

    d)  Formgebungsverfahren anwenden,

    e)  Dekorationstechniken anwenden,

    f)  keramische Produkte fertig stellen und präsentieren,

    g)  Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, zur Sicherheit und zum
        Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur
        Kundenorientierung, zur Wirtschaftlichkeit und zur Qualitätssicherung
        berücksichtigen sowie

    h)  Arbeitsabläufe unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer und
        organisatorischer Vorgaben selbstständig und kundenorientiert planen,
        durchführen und dokumentieren

    kann;

2.  folgende Tätigkeiten sind dem Prüfungsbereich zugrunde zu legen:

    a)  Anfertigen eines freigedrehten Gefäßes oder Objekts von mindestens 30
        Zentimetern Höhe und 18 Zentimetern Bauchdurchmesser, einer
        freigedrehten Schale oder Flachware von 30 Zentimetern Durchmesser und
        eines mehrteiligen Keramikproduktes oder eines Ensembles jeweils nach
        eigenem Entwurf oder

    b)  Anfertigen einer dreidimensionalen Baukeramik mit einem Mindestmaß von
        50 Zentimetern in einer Dimension, einer Ofenkachel, einer Eckkachel
        und eines Ecksimses sowie eines mehrteiligen baukeramischen Projekts
        jeweils nach eigenem Entwurf oder

    c)  Gestalten und Dekorieren der Oberfläche eines vorgefertigten Gefäßes
        oder Objekts von mindestens 30 Zentimetern Höhe, einer vorgefertigten
        Schale oder einer Flachware mit mindestens 30 Zentimetern Durchmesser
        und eines mehrteiligen Keramikprojekts oder Ensembles aus kubischen
        und flächigen vorgefertigten Teilen jeweils nach eigenem Entwurf;

3.  der Prüfling soll Prüfungsstücke herstellen, mit praxisbezogenen
    Unterlagen dokumentieren und hierüber ein auftragsbezogenes
    Fachgespräch führen. Dabei sind die in den Wahlqualifikationen
    erworbenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu
    berücksichtigen;

4.  die Prüfungszeit beträgt insgesamt 24 Stunden; innerhalb dieser Zeit
    soll das Fachgespräch in höchstens 20 Minuten durchgeführt werden.

(5) Für den Prüfungsbereich „Herstellen von keramischen
Roherzeugnissen“ bestehen folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  keramische Formlinge nach Vorgaben herstellen oder dekorieren,

    b)  keramische Formlinge nach eigenen Ideen herstellen oder dekorieren
        sowie

    c)  keramische Formlinge fertigstellen

    kann;

2.  folgende Tätigkeiten sind dem Prüfungsbereich zugrunde zu legen:

    a)  unter Berücksichtigung der gewählten Wahlqualifikationen nach § 4
        Absatz 2 Abschnitt B Nummer 1, 2 oder Nummer 3:

        aa) Freidrehen und Abdrehen von Formen:

            aaa) Freidrehen einer Serie von Hohlgefäßen von 25 Zentimetern Höhe und
                einer Schalenserie von 25 Zentimetern Durchmesser nach Vorgabe,

            bbb) Freidrehen von frei gewählten Gefäßformen nach eigener Skizze und

            ccc) Freidrehen einer Dose mit Deckel oder einer Serie von kleinen Gefäßen,
                wobei eine Serie jeweils aus mindestens drei Formlingen besteht, oder

        bb) Formen, Aufbauen und Modellieren von Baukeramiken:

            aaa) Anfertigen einer Kachel einschließlich dem Schneiden auf Gehrung,

            bbb) Montieren, Modellieren und Garnieren einer Verzierkachel,

            ccc) Aufbauen oder Überschlagen und Verstegen eines baukeramischen
                Hohlkörpers von mindestens 40 Zentimetern Höhe und

            ddd) Freidrehen einer Serie von Schüsselkacheln aus mindestens drei
                Formlingen oder Formen, auf Gehrung Schneiden und Montieren eines
                Simses, oder

        cc) Entwerfen und Umsetzen von Dekoren:

            aaa) Ausführen von Dekoren auf Hohl- und Flachware sowie auf Baukeramik
                nach Vorgabe und eigenem Entwurf mit verschiedenen Dekorations- und
                Maltechniken sowie

            bbb) Ausführen einer plastischen Dekoration an einem keramischen Objekt;

    b)  unter Berücksichtigung der gewählten Wahlqualifikationen nach § 4
        Absatz 2 Abschnitt B Nummer 4, 5 oder Nummer 6:

        aa) Ziehen und Angarnieren von Henkeln an einer mindestens dreiteiligen
            Serie von komplexen Formen von mindestens 25 Zentimetern Höhe oder
            Angarnieren frei geformter Formteile oder

        bb) Herstellen von rohen Flach- oder Hohlgeschirrteilen durch
            halbmaschinelle Formgebung oder

        cc) Herstellen einer ein- oder zweiteiligen Gipsform oder eines Modells
            für eine Gefäßform oder für eine Baukeramik;

3.  der Prüfling soll eine Arbeitsaufgabe, die aus mehreren Teilen
    bestehen kann, durchführen. Dabei sind die in den Wahlqualifikationen
    erworbenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu
    berücksichtigen;

4.  die Prüfungszeit beträgt fünf Stunden.

(6) Für den Prüfungsbereich „Keramische Technologie und Gestaltung“
bestehen folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er

    a)  Rohstoff- und Werkstoffeigenschaften bestimmen,

    b)  Werkzeuge auswählen, Maschinen und Anlagen einrichten sowie
        Sicherheitsvorgaben einhalten,

    c)  Fertigungsprozesse produktbezogen festlegen,

    d)  thermische Prozesse produktbezogen festlegen,

    e)  fachspezifische Berechnungen durchführen,

    f)  qualitätssichernde Maßnahmen anwenden,

    g)  Entwürfe und Werkzeichnungen anfertigen sowie

    h)  Maßnahmen der Werbung und des Produktverkaufs durchführen

    kann;

2.  der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die Prüfungszeit beträgt 210 Minuten.

(7) Für den Prüfungsbereich „Wirtschafts- und Sozialkunde“ bestehen
folgende Vorgaben:

1.  der Prüfling soll nachweisen, dass er allgemeine wirtschaftliche und
    gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen
    und beurteilen kann;

2.  der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;

3.  die Prüfungszeit beträgt 60 Minuten.

(8) Die einzelnen Prüfungsbereiche sind wie folgt zu gewichten:

*    *   1. Prüfungsbereich „Herstellen eines keramischen Produkts“

    *   15 Prozent,

*    *   2. Prüfungsbereich „Herstellen von keramischen Roherzeugnissen“

    *   45 Prozent,

*    *   3. Prüfungsbereich „Keramische Technologie und Gestaltung“

    *   30 Prozent,

*    *   4. Prüfungsbereich „Wirtschafts- und Sozialkunde“

    *   10 Prozent.

(9) Die Gesellenprüfung ist bestanden, wenn die Leistungen

1.  im Gesamtergebnis mit mindestens „ausreichend“,

2.  im Prüfungsbereich „Herstellen von keramischen Roherzeugnissen“ mit
    mindestens „ausreichend“,

3.  in mindestens zwei der übrigen Prüfungsbereiche mit mindestens
    „ausreichend“ und

4.  in keinem Prüfungsbereich mit „ungenügend“

bewertet worden sind.

(10) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der mit
schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen die
Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich
zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von etwa 15 Minuten zu
ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben
kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich
sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen
Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2 : 1 zu gewichten.

Collections: bundestag_gesetze
KerAusbV-2009
Level: 2.0