Source: https://www.gesetze-im-internet.de/seearbg/__99.html
Legislation: seearbg

Title: § 99 Anspruch auf medizinische Betreuung

Description:
Seearbeitsgesetz (SeeArbG)
Abschnitt 6 - Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, medizinische und soziale Betreuung
Unterabschnitt 1 - Anspruch auf medizinische Betreuung an Bord und an Land
§ 99 Anspruch auf medizinische Betreuung

Paragraph: 99

Full Text:
Seearbeitsgesetz (SeeArbG)
Abschnitt 6 - Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, medizinische und soziale Betreuung
Unterabschnitt 1 - Anspruch auf medizinische Betreuung an Bord und an Land
§ 99 Anspruch auf medizinische Betreuung

(1) Das Besatzungsmitglied hat für die Dauer des Heuerverhältnisses im
Falle einer Erkrankung oder Verletzung auf Kosten des Reeders Anspruch
auf unverzügliche und angemessene medizinische Betreuung, wie sie im
Allgemeinen den Arbeitnehmern an Land zur Verfügung steht, bis es
wieder gesund ist oder bis die Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit als
dauernd eingestuft ist, soweit die §§ 100, 102 und 103 nichts anderes
bestimmen. Sofern das Schiff in einem inländischen Hafen liegt, hat
das Besatzungsmitglied entsprechend Satz 1 Anspruch auf vorbeugende
Maßnahmen, die zur Verhütung und Früherkennung von Krankheiten und
deren Verschlechterung notwendig sind und die Programme zur
Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung umfassen.

(2) Dem erkrankten oder verletzten Besatzungsmitglied steht ein
Besatzungsmitglied gleich, das infolge einer nicht rechtswidrigen
Sterilisation oder eines nicht rechtswidrigen Abbruchs der
Schwangerschaft an seiner Dienstleistung verhindert ist. Dasselbe gilt
für einen Abbruch der Schwangerschaft, wenn die Schwangerschaft
innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis durch einen Arzt
abgebrochen wird, die schwangere Frau den Abbruch verlangt und dem
Arzt durch eine Bescheinigung nachgewiesen hat, dass sie sich
mindestens drei Tage vor dem Eingriff von einer anerkannten
Beratungsstelle hat beraten lassen.

(3) Der Anspruch auf medizinische Betreuung nach Absatz 1 Satz 1
umfasst alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und
der Heilbehandlung, einschließlich einer notwendigen Zahnbehandlung,
sowie die Verpflegung und Unterkunft des kranken oder verletzten
Besatzungsmitglieds. Zur medizinischen Betreuung gehören auch die
Versorgung mit den notwendigen Arznei- und Heilmitteln, der Zugang zu
medizinischen Geräten und Einrichtungen für Diagnose und Behandlung
und zu medizinischen Informationen und Fachauskünften.

(4) Das Besatzungsmitglied hat das Recht, in den Anlaufhäfen umgehend
einen qualifizierten Arzt oder Zahnarzt aufzusuchen.

(5) Der Anspruch nach Absatz 1 besteht nicht, wenn

1.  das Heuerverhältnis im Ausland begründet worden ist und das
    Besatzungsmitglied die Reise wegen einer bei Beginn des
    Heuerverhältnisses bereits vorhandenen Erkrankung oder Verletzung
    nicht antritt,

2.  das Besatzungsmitglied eine Krankheit oder ein Gebrechen bei Abschluss
    des Heuervertrages vorsätzlich verschwiegen hat oder

3.  das Besatzungsmitglied sich die Krankheit oder Verletzung durch eine
    von ihm vorsätzlich begangene Straftat zugezogen hat.

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Level: 4.0