Source: https://www.gesetze-im-internet.de/luftvo_2015/__44.html
Legislation: luftvo_2015

Title: A. Flugbetrieb

Description:
Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO 2015)
A. Flugbetrieb

Paragraph: 44

Full Text:
Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO 2015)
A. Flugbetrieb

**1.** **Betrieb des Luftfahrzeugs**

    a)  Ausweichmanöver:

        aa) Gefahr des Zusammenstoßes mit einem anderen Luftfahrzeug, dem Boden
            oder einem anderem Gegenstand oder eine unsichere Situation, in der
            ein Ausweichmanöver angemessen gewesen wäre,

        bb) ein Ausweichmanöver, mit dem ein Zusammenstoß mit einem anderen
            Luftfahrzeug, dem Boden oder einem anderen Gegenstand vermieden werden
            sollte,

        cc) ein Ausweichmanöver, mit dem andere unsichere Situationen vermieden
            werden sollten;

    b)  Störungen bei Start oder Landung, einschließlich vorsorglicher
        Landungen und Notlandungen, Ereignisse wie Zu-kurz-Aufsetzen,
        Überschreiten der Start- und Landebahnen, Starts, Startabbrüche,
        Landungen oder Landeversuche auf einer geschlossenen, belegten oder
        falschen Start- oder Landebahn, Störungen auf der Start- oder
        Landebahn;

    c)  Unterschreiten der zu erwartenden Leistung beim Start oder
        Anfangssteigflug;

    d)  kritische Treibstofffehlmenge oder Unmöglichkeit, Treibstoff
        umzupumpen oder die gesamte nutzbare Treibstoffmenge zu verbrauchen;

    e)  Verlust der Kontrolle über das Luftfahrzeug (auch teilweise oder
        vorübergehend) ungeachtet der Gründe;

    f)  Ereignisse bei Geschwindigkeiten nahe oder oberhalb von V
        1                          als Folge oder Ursache gefährlicher
        Situationen oder potenziell gefährlicher Situationen (z. B.
        Startabbruch, Heckaufsetzer, Verlust der Triebwerksleistung);

    g)  Durchstarten, das zu einer gefährlichen oder potenziell gefährlichen
        Situation führt;

    h)  Abweichung

        –   von der Fluggeschwindigkeit größer als V
            NE                                (Never Exceed Speed) – entspricht
            der nicht zu überschreitenden Geschwindigkeit in der jeweiligen
            Konfiguration,

        –   von der Fluggeschwindigkeit geringer als V
            MC                                (Minimum Control Speed) – entspricht
            der nicht zu unterschreitenden Geschwindigkeit in der jeweiligen
            Konfiguration,

        –   vom vorgesehenen Kurs oder von der vorgesehenen Flughöhe um mehr als
            300 Fuß ungeachtet der Gründe;

    i)  Unterschreiten der Entscheidungshöhe oder Sinkflugmindesthöhe ohne
        Vorliegen der erforderlichen Sichtmerkmale;

    j)  Verlust der Wahrnehmung der tatsächlichen eigenen Position oder der
        Position anderer Luftfahrzeuge;

    k)  Unterbrechung der Kommunikation zwischen der Flugbesatzung (Crew
        Resource Management – CRM) oder zwischen der Flugbesatzung und anderen
        Personen (Kabinenbesatzung, Flugverkehrskontrolle, Flugingenieure);

    l)  harte Landung, nach der ein „Heavy Landing Check“ für erforderlich
        angesehen wird;

    m)  Überschreiten der Grenzwerte für ungleichmäßige Treibstoffverteilung;

    n)  falsche Einstellung eines SSR-Codes oder einer Höhenmesser-Teilskala;

    o)  falsche Programmierung von Geräten für die Navigation oder für
        Leistungsberechnungen oder fehlerhafte Eingaben in diese Geräte oder
        Verwendung fehlerhafter Daten;

    p)  falsche Entgegennahme oder falsche Auslegung von Funksprüchen, wenn
        keine Korrekturen erfolgen bzw. bei Wiederholungen keine Bestätigungen
        erfolgen;

    q)  Fehlfunktionen oder Schäden an der Treibstoffanlage, die sich auf die
        Treibstoffversorgung und/oder -verteilung ausgewirkt haben;

    r)  unbeabsichtigtes Verlassen einer befestigten Rollfläche durch ein
        Luftfahrzeug;

    s)  Zusammenstoß eines Luftfahrzeugs mit einem anderen Luftfahrzeug, einem
        Fahrzeug oder einem Gegenstand auf dem Boden;

    t)  unbeabsichtigte und/oder fehlerhafte Bedienung von Steuerelementen;

    u)  Unmöglichkeit, die vorgesehene Luftfahrzeugkonfiguration während einer
        Flugphase zu erreichen (z. B. fehlerhaftes Fahrwerk oder fehlerhafte
        Fahrwerksklappen, Landeklappen, Stabilisatoren, Vorflügel);

    v)  gefährliche oder potenziell gefährliche Situation als Folge einer
        gezielten Simulation von Notfallbedingungen bei Schulungen,
        Systemüberprüfungen oder zu Schulungszwecken;

    w)  anormale Vibrationen;

    x)  Auslösen eines primären Warnsystems, das mit dem Manövrieren des
        Luftfahrzeugs im Zusammenhang steht, z. B. Konfigurationswarnung,
        Überzieh-Warnung („Stick Shake“) oder Geschwindigkeitswarnung, es sei
        denn,

        aa) die Flugbesatzung hat eindeutig festgestellt, dass es sich um eine
            Fehlwarnung handelt und die Fehlwarnung hat nicht zu Schwierigkeiten
            oder Gefahren infolge der Reaktionen der Flugbesatzung auf die Warnung
            geführt oder

        bb) das Auslösen ist zu Schulungs- oder Prüfungszwecken erfolgt;

    y)  Warnung des Bodenannäherungswarnsystems (Ground Proximity Warning
        System – GPWS/
        Terrain                          Awareness and Warning System – TAWS),
        falls

        aa) das Luftfahrzeug dem Boden näher kommt als geplant oder erwartet oder

        bb) die Warnung bei Instrumenten-Wetterbedingungen (IMC) oder nachts
            auftritt und feststeht, dass sie durch eine hohe
            Sinkfluggeschwindigkeit ausgelöst wurde (Modus 1), oder

        cc) die Warnung darauf beruht, dass das Fahrwerk oder die Landeklappen an
            dem entsprechenden Punkt beim Landeanflug nicht ausgefahren wurden
            (Modus 4), oder

        dd) sich eine Schwierigkeit oder Gefahr auf Grund der Reaktion der
            Besatzung auf die Warnung ergibt oder hätte ergeben können, z. B.
            verringerter Abstand von anderen Luftfahrzeugen; dazu können Warnungen
            aller Modi oder Typen gehören, d. h. echte, störende oder
            Fehlwarnungen;

    z)  Alarm des Bodenannäherungswarnsystems (GPWS/TAWS), falls sich eine
        Schwierigkeit oder Gefahr auf Grund der Reaktion der Besatzung auf den
        Alarm ergibt oder hätte ergeben können:

        aa) ACAS-Anweisungen (RA), (ACAS: Aircraft Collision Avoidance System, RA:
            Resolution Advice),

        bb) durch Triebwerk- oder Propellerstrahl verursachte erhebliche Schäden
            oder schwere Verletzungen.

**2.** **Notfälle**

    a)  Brand, Explosion, Rauch oder giftige oder schädliche Gase, auch nach
        Löschung des Brandes;

    b)  Anwendung eines nicht vorgesehenen Verfahrens durch die Flugbesatzung,
        um einen Notfall zu beherrschen, wenn

        aa) zwar ein Verfahren vorgesehen ist, dieses aber nicht angewendet wird,

        bb) kein Verfahren vorgesehen ist,

        cc) zwar ein Verfahren vorgesehen ist, dieses aber unzulänglich oder
            ungeeignet ist,

        dd) das vorgesehene Verfahren nicht korrekt angewendet werden kann;

    c)  Nichteignung von Verfahren für den Einsatz in Notfällen, auch beim
        Einsatz zu Instandhaltungs-, Schulungs- oder Prüfzwecken;

    d)  Ereignis, das zu einer Noträumung des Luftfahrzeugs führt;

    e)  Druckabfall;

    f)  Benutzung von Notfallausrüstung oder Anwendung vorgeschriebener
        Notfallverfahren, um eine Situation zu beherrschen;

    g)  Ereignis, das zur Erklärung eines Notfalls („Mayday“ oder „Pan“)
        führt;

    h)  Ausfall eines Notfallsystems oder -ausrüstungsteils, einschließlich
        Ausstiegstüren und Beleuchtung, auch beim Einsatz zu Instandhaltungs-,
        Schulungs- oder Prüfzwecken;

    i)  Ereignisse, die die Notfallverwendung von Sauerstoff durch ein
        Mitglied der Flugbesatzung erforderlich machen.

**3.** **Einsatzunfähigkeit der Flugbesatzung**

    a)  Einsatzunfähigkeit eines Mitglieds der Flugbesatzung – auch vor dem
        Abflug, falls anzunehmen ist, dass es zu einer Einsatzunfähigkeit nach
        dem Start hätte kommen können;

    b)  Einsatzunfähigkeit eines Mitglieds der Kabinenbesatzung, die es ihm
        unmöglich macht, wesentliche Notfallaufgaben wahrzunehmen.

**4.** **Verletzungen**

    Ereignisse, die zu erheblichen Verletzungen von Fluggästen oder
    Besatzungsmitgliedern geführt haben oder hätten führen können.

**5.** **Wetter**

    a)  Blitzschlag, der zu Schäden am Luftfahrzeug oder zum Ausfall oder zu
        Störungen wesentlicher Funktionen geführt hat;

    b)  Hagelschlag, der zu Schäden am Luftfahrzeug oder zum Ausfall oder zu
        Störungen wesentlicher Funktionen geführt hat;

    c)  Durchfliegen schwerer Turbulenzen, das zur Verletzung von Insassen
        geführt hat oder nach dem die Durchführung eines Turbulenz-Checks des
        Luftfahrzeugs für erforderlich angesehen wird;

    d)  Durchfliegen von Scherwinden;

    e)  Vereisungsprobleme, die zu Bedienungsproblemen, zu Schäden am
        Luftfahrzeug oder zum Ausfall oder zu Störungen wesentlicher
        Funktionen geführt haben.

**6.** **Äußere Sicherheit**

    a)  Rechtswidriger Eingriff in den Luftverkehr, einschließlich
        Bombendrohung oder Entführung eines Luftfahrzeugs;

    b)  Schwierigkeiten bei der Kontrolle betrunkener, gewalttätiger oder sich
        Anordnungen widersetzender Fluggäste;

    c)  Entdeckung eines „blinden Passagiers“.

**7.** **Sonstige Ereignisse**

    a)  Wiederholt auftretende Ereignisse einer bestimmten Art, die für sich
        allein genommen nicht als meldefähig angesehen würden, die auf Grund
        ihrer Häufigkeit aber eine potenzielle Gefahr darstellen;

    b)  Vogelschlag, der zu Schäden am Luftfahrzeug oder zum Ausfall oder zu
        Störungen wesentlicher Funktionen geführt hat;

    c)  Durchfliegen einer Wirbelschleppe;

    d)  jedes sonstige Ereignis gleich welcher Art, das als Gefährdung oder
        mögliche Gefährdung des Luftfahrzeugs oder seiner Insassen an Bord
        angesehen wurde.

Collections: bundestag_gesetze
LuftVO-2015
Level: 2.0