Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__1.html
Legislation: bnatschg_2009

Title: § 1 Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege

Description:
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (BNatSchG 2009)
Kapitel 1 - Allgemeine Vorschriften
§ 1 Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege

Paragraph: 1

Full Text:
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (BNatSchG 2009)
Kapitel 1 - Allgemeine Vorschriften
§ 1 Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege

(1) Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als
Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung
für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten
Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze so zu schützen, dass

1.  die biologische Vielfalt,

2.  die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts
    einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen
    Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie

3.  die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur
    und Landschaft

auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die
Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur
und Landschaft (allgemeiner Grundsatz).

(2) Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt sind
entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad insbesondere

1.  lebensfähige Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen
    einschließlich ihrer Lebensstätten zu erhalten und der Austausch
    zwischen den Populationen sowie Wanderungen und Wiederbesiedelungen zu
    ermöglichen,

2.  Gefährdungen von natürlich vorkommenden Ökosystemen, Biotopen und
    Arten entgegenzuwirken,

3.  Lebensgemeinschaften und Biotope mit ihren strukturellen und
    geografischen Eigenheiten in einer repräsentativen Verteilung zu
    erhalten; bestimmte Landschaftsteile sollen der natürlichen Dynamik
    überlassen bleiben.

(3) Zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit
des Naturhaushalts sind insbesondere

1.  die räumlich abgrenzbaren Teile seines Wirkungsgefüges im Hinblick auf
    die prägenden biologischen Funktionen, Stoff- und Energieflüsse sowie
    landschaftlichen Strukturen zu schützen; Naturgüter, die sich nicht
    erneuern, sind sparsam und schonend zu nutzen; sich erneuernde
    Naturgüter dürfen nur so genutzt werden, dass sie auf Dauer zur
    Verfügung stehen,

2.  Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen
    können; nicht mehr genutzte versiegelte Flächen sind zu renaturieren,
    oder, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht zumutbar ist,
    der natürlichen Entwicklung zu überlassen,

3.  Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre
    natürliche Selbstreinigungsfähigkeit und Dynamik zu erhalten; dies
    gilt insbesondere für natürliche und naturnahe Gewässer einschließlich
    ihrer Ufer, Auen und sonstigen Rückhalteflächen; Hochwasserschutz hat
    auch durch natürliche oder naturnahe Maßnahmen zu erfolgen; für den
    vorsorgenden Grundwasserschutz sowie für einen ausgeglichenen
    Niederschlags-Abflusshaushalt ist auch durch Maßnahmen des
    Naturschutzes und der Landschaftspflege Sorge zu tragen,

4.  Luft und Klima auch durch Maßnahmen des Naturschutzes und der
    Landschaftspflege zu schützen; dies gilt insbesondere für Flächen mit
    günstiger lufthygienischer oder klimatischer Wirkung wie Frisch- und
    Kaltluftentstehungsgebiete, Luftaustauschbahnen oder Freiräume im
    besiedelten Bereich; dem Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung
    insbesondere durch zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien kommt eine
    besondere Bedeutung zu,

5.  wild lebende Tiere und Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften sowie ihre
    Biotope und Lebensstätten auch im Hinblick auf ihre jeweiligen
    Funktionen im Naturhaushalt, einschließlich ihrer Stoffumwandlungs-
    und Bestäubungsleistungen, zu erhalten,

6.  der Entwicklung sich selbst regulierender Ökosysteme auf hierfür
    geeigneten Flächen Raum und Zeit zu geben.

(4) Zur dauerhaften Sicherung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit
sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft sind insbesondere

1.  Naturlandschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften, auch
    mit ihren Kultur-, Bau- und Bodendenkmälern, vor Verunstaltung,
    Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu bewahren,

2.  Vorkommen von Tieren und Pflanzen sowie Ausprägungen von Biotopen und
    Gewässern auch im Hinblick auf ihre Bedeutung für das Natur- und
    Landschaftserlebnis zu bewahren und zu entwickeln,

3.  zum Zweck der Erholung in der freien Landschaft nach ihrer
    Beschaffenheit und Lage geeignete Flächen vor allem im besiedelten und
    siedlungsnahen Bereich sowie großflächige Erholungsräume zu schützen
    und zugänglich zu machen.

(5) Großflächige, weitgehend unzerschnittene Landschaftsräume sind vor
weiterer Zerschneidung zu bewahren. Die erneute Inanspruchnahme
bereits bebauter Flächen sowie die Bebauung unbebauter Flächen im
beplanten und unbeplanten Innenbereich, soweit sie nicht als
Grünfläche oder als anderer Freiraum für die Verwirklichung der Ziele
des Naturschutzes und der Landschaftspflege vorgesehen oder
erforderlich sind, hat Vorrang vor der Inanspruchnahme von Freiflächen
im Außenbereich. Verkehrswege, Energieleitungen und ähnliche Vorhaben
sollen landschaftsgerecht geführt, gestaltet und so gebündelt werden,
dass die Zerschneidung und die Inanspruchnahme der Landschaft sowie
Beeinträchtigungen des Naturhaushalts vermieden oder so gering wie
möglich gehalten werden. Beim Aufsuchen und bei der Gewinnung von
Bodenschätzen, bei Abgrabungen und Aufschüttungen sind dauernde
Schäden des Naturhaushalts und Zerstörungen wertvoller
Landschaftsteile zu vermeiden; unvermeidbare Beeinträchtigungen von
Natur und Landschaft sind insbesondere durch Förderung natürlicher
Sukzession, Renaturierung, naturnahe Gestaltung, Wiedernutzbarmachung
oder Rekultivierung auszugleichen oder zu mindern.

(6) Freiräume im besiedelten und siedlungsnahen Bereich einschließlich
ihrer Bestandteile, wie Grünzüge, Parkanlagen, Kleingartenanlagen und
sonstige Grünflächen, Wälder, Waldränder und andere Gehölzstrukturen
einschließlich Einzelbäume, Fluss- und Bachläufe mit ihren Uferzonen
und Auenbereichen, stehende Gewässer und ihre Uferzonen, gartenbau-
und landwirtschaftlich genutzte Flächen, Flächen für natürliche
Entwicklungsprozesse, Naturerfahrungsräume sowie naturnahe Bereiche im
Umfeld von Verkehrsflächen und anderen Nutzungen einschließlich
wegebegleitender Säume, sind zu erhalten und dort, wo sie nicht in
ausreichendem Maße und hinreichender Qualität vorhanden sind, neu zu
schaffen oder zu entwickeln.

(7) Den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege können auch
Maßnahmen dienen, die den Zustand von Biotopen und Arten durch
Nutzung, Pflege oder das Ermöglichen ungelenkter Sukzession auf einer
Fläche nur für einen begrenzten Zeitraum verbessern.

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BNatSchG-2009
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