Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__193.html
Legislation: bewg

Title: § 193 Bewertung des Erbbaurechts

Description:
Bewertungsgesetz (BewG)
Zweiter Teil - Besondere Bewertungsvorschriften
Sechster Abschnitt - Vorschriften für die Bewertung von Grundbesitz, von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und von Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer ab 1. Januar 2009
C. - Grundvermögen
IV. - Sonderfälle
§ 193 Bewertung des Erbbaurechts

Paragraph: 193

Full Text:
Bewertungsgesetz (BewG)
Zweiter Teil - Besondere Bewertungsvorschriften
Sechster Abschnitt - Vorschriften für die Bewertung von Grundbesitz, von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und von Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer ab 1. Januar 2009
C. - Grundvermögen
IV. - Sonderfälle
§ 193 Bewertung des Erbbaurechts

(1) Der Wert des Erbbaurechts ist durch Multiplikation des Werts des
unbelasteten Grundstücks mit einem Erbbaurechtskoeffizienten zu
ermitteln. Anzuwenden sind die von den Gutachterausschüssen im Sinne
der §§ 192 ff. des Baugesetzbuchs ermittelten
Erbbaurechtskoeffizienten nach Maßgabe des § 177 Absatz 2 und 3. Der
Wert des unbelasteten Grundstücks ist der Wert des Grundstücks, der
nach den §§ 179, 182 bis 196 festzustellen wäre, wenn die Belastung
mit dem Erbbaurecht nicht bestünde.

(2) Der Wert des Erbbaurechts ist durch Multiplikation des nach den
Absätzen 3 bis 5 ermittelten Werts mit einem Erbbaurechtsfaktor zu
ermitteln, wenn für das zu bewertende Erbbaurecht kein
Erbbaurechtskoeffizient nach Absatz 1 vorliegt. Anzuwenden sind die
von den Gutachterausschüssen im Sinne der §§ 192 ff. des
Baugesetzbuchs ermittelten Erbbaurechtsfaktoren nach Maßgabe des § 177
Absatz 2 und 3. Soweit derartige Erbbaurechtsfaktoren nicht zur
Verfügung stehen, gilt der Erbbaurechtsfaktor 1,0.

(3) Zur Ermittlung des Werts des Erbbaurechts wird zunächst die Summe
aus

1.  dem Wert des unbelasteten Grundstücks im Sinne des Absatzes 1 Satz 3
    abzüglich des Bodenwerts des unbelasteten Grundstücks nach § 179 und

2.  der nach Absatz 4 über die Restlaufzeit des Erbbaurechts
    kapitalisierten Differenz aus dem angemessenen Verzinsungsbetrag des
    Bodenwerts des unbelasteten Grundstücks und dem vertraglich
    vereinbarten jährlichen Erbbauzins

gebildet. Ein bei Ablauf des Erbbaurechts nicht zu entschädigender
Wertanteil der Gebäude oder des Gebäudes nach Absatz 5 ist abzuziehen.

(4) Der Unterschiedsbetrag aus dem angemessenen Verzinsungsbetrag des
Bodenwerts des unbelasteten Grundstücks und dem vertraglich
vereinbarten jährlichen Erbbauzins ist über die Restlaufzeit des
Erbbaurechts mit dem sich aus Anlage 21 ergebenden Vervielfältiger zu
kapitalisieren. Für die Kapitalisierung sind die Zinssätze zu
verwenden, die der Ermittlung des Erbbaurechtsfaktors im Sinne des
Absatzes 2 Satz 2 zugrunde gelegt wurden. Soweit derartige Zinssätze
nicht zur Verfügung stehen, gelten folgende Zinssätze:

1.  2,5 Prozent für Ein- und Zweifamilienhäuser und Wohnungseigentum, das
    wie Ein- und Zweifamilienhäuser gestaltet ist,

2.  3,5 Prozent für Mietwohngrundstücke und Wohnungseigentum, das nicht
    unter Nummer 1 fällt,

3.  4,5 Prozent für gemischt genutzte Grundstücke mit einem gewerblichen
    Anteil von bis zu 50 Prozent, berechnet nach der Wohn- und Nutzfläche,
    sowie sonstige bebaute Grundstücke,

4.  5,0 Prozent für gemischt genutzte Grundstücke mit einem gewerblichen
    Anteil von mehr als 50 Prozent, berechnet nach der Wohn- und
    Nutzfläche, und

5.  6,0 Prozent für Geschäftsgrundstücke und Teileigentum.

Der angemessene Verzinsungsbetrag des Bodenwerts des unbelasteten
Grundstücks ergibt sich durch Anwendung des Zinssatzes nach Satz 2
oder 3 auf den Bodenwert nach § 179. Liegt ein immerwährendes
Erbbaurecht vor, entspricht der Vervielfältiger dem Kehrwert des nach
Satz 2 oder 3 anzuwendenden Zinssatzes.

(5) Zur Ermittlung des bei Ablauf des Erbbaurechts nicht zu
entschädigenden Wertanteils der Gebäude oder des Gebäudes im Sinne des
Absatzes 3 Satz 2 ist auf den Zeitpunkt des Ablaufs des Erbbaurechts
die Differenz aus dem Wert des Grundstücks nach den §§ 179, 182 bis
196 und dem Bodenwert nach § 179 zu ermitteln. Hierbei ist die
Restnutzungsdauer des Gebäudes bei Ablauf des Erbbaurechts zugrunde zu
legen. Der so ermittelte Unterschiedsbetrag ist über die Restlaufzeit
des Erbbaurechts nach Maßgabe der Anlage 26 auf den Bewertungsstichtag
abzuzinsen. Für die Abzinsung sind die Zinssätze im Sinne des Absatzes
4 Satz 2 oder 3 anzuwenden. Liegt ein immerwährendes Erbbaurecht vor,
ist der Abzinsungsfaktor 0. Der auf den Bewertungsstichtag abgezinste
Unterschiedsbetrag ist mit dem nicht zu entschädigenden Wertanteil der
jeweiligen Gebäude zu multiplizieren.

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BewG
Level: 6.0