Source: https://www.gesetze-im-internet.de/uvsv/__2.html
Legislation: uvsv

Title: Anlage 8 Informationsschrift zu den Gefahren und Risiken einer UV-Bestrahlung

Description:
Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV)
Anlage 8 Informationsschrift zu den Gefahren und Risiken einer UV-Bestrahlung

Paragraph: 2

Full Text:
Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV)
Anlage 8 Informationsschrift zu den Gefahren und Risiken einer UV-Bestrahlung

(Fundstelle: BGBl. I 2011, 1427 - 1428)

**Solarien und UV-Strahlung**

Sie haben sich zur Nutzung eines Solariums entschieden, in dem Sie mit
künstlicher UV-Strahlung bestrahlt werden. Da künstliche UV-Strahlung
auch schädliche Wirkungen hat, werden Sie gebeten, diese
Informationsschrift aufmerksam zu lesen.

**Wo wirkt UV-Strahlung?**

Natürliche wie künstlich erzeugte UV-Strahlung wirkt zunächst
hauptsächlich auf Haut und Augen, kann aber Einfluss auf den gesamten
Körper haben.

UV-Strahlung dringt in die Haut ein und wird dort von Körperzellen
aufgenommen. Während UV-A-Strahlung in das unter den oberen
Hautschichten liegende Bindegewebe vordringt, wird UV-B-Strahlung von
den oberen Hautschichten absorbiert.

UV-Strahlung durchdringt zudem die Augenhornhaut und gelangt in das
Augeninnere. Dort wird sie vor allem von der Augenlinse aufgenommen,
ein Teil der UV-A-Strahlung erreicht die Netzhaut. Bei kleinen Kindern
ist die UV-Empfindlichkeit des Auges erhöht und ein größerer Anteil
der UV-Strahlung erreicht die Netzhaut.

**Schädliche Wirkungen der UV-Strahlung**

Grundsätzlich kann man zwischen kurzfristigen (akuten) und
langfristigen (chronischen) schädlichen Wirkungen der UV-Strahlung auf
Haut und Augen unterscheiden:

*Kurzfristige (akute) Wirkungen*

Die auffälligste akute Schädigung der Haut ist der Sonnenbrand. Ein
Sonnenbrand tritt meist erst einige Stunden nach der UV-Bestrahlung
auf und erreicht nach 6 bis 24 Stunden seine höchste Ausprägung.

Weitere akute Hautreaktionen sind fotoallergische und fototoxische
Reaktionen. Sie kommen vor allem durch das Zusammenwirken von UV-
Strahlung mit bestimmten Stoffen wie z. B. Medikamenten (z. B.
Antibiotika, Anti-Baby-Pille) oder Kosmetika (z. B. Parfüm, Make-up,
Cremes) zustande.

UV-Strahlung kann an den Augen schmerzhafte Hornhaut- und
Bindehautentzündungen verursachen.

*Langfristige (chronische) Wirkungen*

Bereits eine geringe UV-Bestrahlung bewirkt eine Schädigung des
Erbguts (DNS) in den bestrahlten Zellen. Je ausgiebiger das Sonnenbad
oder der Solariumsbesuch, desto größer ist das Risiko solcher
Schädigungen. Normalerweise sorgen Reparatursysteme der Zellen für die
Korrektur dieser Schäden. Diese Reparatursysteme können aber durch
häufige UV-Bestrahlung überlastet werden und Fehler machen. Dadurch
wird das Erbgut der Zellen bleibend geschädigt, die Folge kann
Hautkrebs sein.

Deshalb hat die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), eine
Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), UV-Strahlung in die
höchste Kategorie krebserregender Stoffe eingeordnet. Jährlich
erkranken in Deutschland bis zu 140 000 Menschen an Hautkrebs; die
Tendenz ist steigend. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen hat sich in
den letzten zehn Jahren verdoppelt. Auch junge Menschen sind zunehmend
betroffen. Bis zu 3 000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an
Hautkrebs.

Auch führt häufige und intensive UV-Bestrahlung zum vorzeitigen Altern
der Haut. Die Elastizität der Haut verringert sich, sie wird faltig
und lederartig.

Die Augen können durch UV-Strahlung langfristig an Grauem Star
(Katarakt), einer Trübung der Augenlinse, erkranken.

Zudem schwächt übermäßige UV-Strahlung das Immunsystem.

**Daher kein Solarium**

* **für Minderjährige**

Die Nutzung von Solarien ist für Minderjährige (Kinder und Jugendliche
unter 18 Jahren) per Gesetz verboten. Die Haut von Kindern und
Jugendlichen ist gegenüber UV-Strahlung besonders empfindlich. UV-
Bestrahlung von Kindern und Jugendlichen steigert das Hautkrebsrisiko.

* **für Hauttyp I und II**

Menschen mit Hauttyp I oder II haben besonders UV-empfindliche Haut,
die in der Sonne keinen ausreichenden Eigenschutz aufbaut. Da die
gewünschte Bräunung ausbleibt, sollten sich Menschen dieser Hauttypen
keiner UV-Strahlung aussetzen.

* **bei vielen Sonnenbränden in der Kindheit**

Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko, an schwarzem
Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. Jede zusätzliche UV-
Bestrahlung im Erwachsenenalter erhöht dieses Risiko.

* **bei großen, auffälligen oder vielen Pigmentmalen**

Für Menschen mit großen, auffälligen oder auffallend vielen
Pigmentmalen (Muttermalen, Leberflecken) besteht ein erhöhtes
Hautkrebsrisiko. Jede zusätzliche UV-Bestrahlung sollte unbedingt
vermieden werden.

* **bei Hautkrebs in der Familie**

Ist in der Familie bereits Hautkrebs aufgetreten, ist die
Wahrscheinlichkeit, an Hautkrebs zu erkranken, erhöht. Jede
zusätzliche UV-Bestrahlung erhöht dieses Risiko.

* **wenn man selbst an Hautkrebs erkrankt ist**

Wer bereits an Hautkrebs erkrankt ist oder war, sollte jede
zusätzliche UV-Bestrahlung vermeiden.

* **bei Medikamenteneinnahme**

Bestimmte – auch pflanzliche – Stoffe können fotoallergische und
fototoxische Reaktionen auslösen. Nach Eindringen dieser Substanzen in
die Haut oder oraler Einnahme kann UV-Bestrahlung fotoallergische
Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen, Nässen oder Blasenbildungen an
den bestrahlten Hautbereichen auslösen. Personen, die Medikamente
einnehmen, sollten ärztlichen Rat einholen oder sich an eine Apotheke
wenden, bevor sie sich UV-Strahlung aussetzen.

* **mit Kosmetika**

Inhaltsstoffe von Kosmetika können fotoallergische und fototoxische
Reaktionen auslösen. Auf Parfüms, Deodorants, Make-Up, Lotionen,
Cremes usw. sollte daher verzichten, wer sich in die Sonne oder in ein
Solarium legen möchte. Auch hier kann es zu fotoallergischen
Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen, Nässen oder Blasenbildungen
oder sehr lang anhaltenden starken Pigmentierungen an den bestrahlten
Hautbereichen kommen.

* **zum Vorbräunen im Solarium**

Eine Vorbräunung im Solarium (z. B. vor einem Urlaub) ist nicht zu
empfehlen. Zur Ausbildung eines UV-Eigenschutzes der Haut ist vor
allem ausreichend UV-B-Strahlung notwendig. Gerade solche Solarien,
die ausschließlich oder überwiegend UV-A-Strahlung abgeben, führen
zwar zur Bräunung der Haut, reduzieren aber ihre
Sonnenbrandempfindlichkeit nicht. Schützen Sie sich lieber im Urlaub
vor der Sonne!

* **ohne Schutzbrille**

Zum Schutz der Augen vor den Gefahren von UV-Strahlung muss im
Solarium immer eine geeignete UV-Schutzbrille getragen werden.

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