Source: https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/__35.html
Legislation: apobetro_1987

Title: § 35 Herstellung von Arzneimitteln zur parenteralen Anwendung

Description:
Verordnung über den Betrieb von Apotheken (ApoBetrO 1987)
Vierter Abschnitt - Sondervorschriften
§ 35 Herstellung von Arzneimitteln zur parenteralen Anwendung

Paragraph: 35

Full Text:
Verordnung über den Betrieb von Apotheken (ApoBetrO 1987)
Vierter Abschnitt - Sondervorschriften
§ 35 Herstellung von Arzneimitteln zur parenteralen Anwendung

(1) Im Qualitätsmanagementsystem nach § 2a sind insbesondere
Festlegungen zu treffen

1.  zu den einzusetzenden Arzneimitteln sowie den primären
    Verpackungsmaterialien und ihren Qualitätsprüfungen,

2.  zu den technischen und zu den organisatorischen Maßnahmen, um
    Kontaminationen, Kreuzkontaminationen und Verwechslungen zu vermeiden,
    einschließlich der Überprüfung ihrer Wirksamkeit,

3.  zur Kalibrierung, Qualifizierung, Wartung und Reinigung der
    Ausrüstungen und des Herstellungsraums,

4.  zur Validierung der die Produktqualität beeinflussenden Prozesse,
    Methoden und Systeme und zur Revalidierung; bei aseptischen
    Herstellungsprozessen am Ende jedes Arbeitstages unter Einbeziehung
    des betroffenen Herstellungspersonals,

5.  zu den kritischen Ausrüstungsgegenständen oder Geräten,

6.  zu den Herstellungsanweisungen und Herstellungsprotokollen gemäß § 7
    oder § 8,

7.  zu einem eventuellen Transport der hergestellten Arzneimittel,

8.  zu den Hygienemaßnahmen sowie

9.  zum hygienischen Verhalten des Personals am Arbeitsplatz und zur Art
    der Schutzkleidung für die Arzneimittelherstellung, einschließlich der
    Art und Weise und der Häufigkeit der Umkleidevorgänge.

(2) Das Personal muss für die Tätigkeiten ausreichend qualifiziert
sein und regelmäßig geschult werden; die Schulungsmaßnahmen sind zu
dokumentieren. Das nach § 3 Absatz 2 Satz 1 erforderliche Personal
ergibt sich aus Art und Umfang der Herstellung.

(3) Die Herstellung parenteraler Arzneimittel ist in einem separaten
Raum vorzunehmen, der nicht für andere Tätigkeiten genutzt werden
darf, soweit es sich nicht um die Herstellung von anderen sterilen
Zubereitungen gemäß Arzneibuch handelt. Der Zugang zu diesem Raum
sowie das Einbringen von Materialien müssen über einen Zwischenraum
(Schleuse) erfolgen, der für die Aufrechterhaltung der im
Herstellungsraum erforderlichen Reinraumklassen geeignet ist. Der Raum
muss ausschließlich dem Zweck der Herstellung parenteraler
Arzneimittel dienen, von angemessener Größe sein, um die einzelnen
Arbeitsgänge in spezifisch zugeordneten Bereichen durchführen zu
können, und die Belüftung muss über Filter angemessener Wirksamkeit
erfolgen. Seine Wände und Oberflächen sowie der Fußboden müssen leicht
zu reinigen sein, damit das umgebungsbedingte Kontaminationsrisiko für
die Arzneimittel minimal ist. In dem Raum dürfen sich zum Zeitpunkt
der Herstellung nur Mitarbeiter aufhalten, die dort entsprechende
Tätigkeiten ausüben; ihre Schutzkleidung ist den Tätigkeiten
anzupassen und mindestens arbeitstäglich zu wechseln. § 4a ist
entsprechend anzuwenden.

(4) Soweit die Arzneimittel keinem Sterilisationsverfahren im
Endbehältnis unterzogen werden und sie nicht im geschlossenen System
hergestellt werden, ist während der Zubereitung und Abfüllung

1.  in der lokalen Zone für die Arbeitsgänge ein Luftreinheitsgrad für
    Keimzahl und Partikelzahl entsprechend Klasse A der Definition des EU-
    GMP-Leitfadens, Anhang 1, der vom Bundesministerium im Bundesanzeiger
    in der jeweils aktuellen Fassung bekannt gemacht wird, einzuhalten und

2.  eine geeignete Umgebung erforderlich, die in Bezug auf Partikel- und
    Keimzahl

    a)  mindestens der Klasse B des Anhangs des Leitfadens entspricht

    b)  oder abweichend von Klasse B mindestens der Klasse C des Anhangs des
        Leitfadens entspricht, wenn die Arzneimittelqualität durch das
        angewendete Verfahren nachweislich gewährleistet wird und durch
        entsprechende Validierung des Verfahrens belegt ist,

    c)  oder bei Einsatz eines Isolators der Klasse D des Anhangs des
        Leitfadens entspricht.

Für die Zubereitung von Arzneimitteln, die nicht im geschlossenen
System hergestellt, aber einem Sterilisationsverfahren im Endbehältnis
unterzogen werden, ist abweichend von Satz 1 Nummer 2 Buchstabe a eine
Umgebung erforderlich, die in Bezug auf Partikel- und Keimzahl
mindestens der Klasse D des Anhangs des Leitfadens entspricht; für die
Abfüllung dieser Arzneimittel ist ein Luftreinheitsgrad der Klasse C
einzuhalten.

(5) Die Reinraumbedingungen sind durch geeignete Kontrollen der Luft,
kritischer Oberflächen und des Personals anhand von Partikel- und
Keimzahlbestimmungen während der Herstellung in offenen Systemen zu
überprüfen. Von dem für das Freigabeverfahren verantwortlichen
Apotheker sind dafür entsprechende Warn- und Aktionsgrenzen
festzulegen.

(6) Auf die Herstellung der parenteralen Arzneimittel sind die §§ 6
bis 8 anzuwenden. Die Plausibilitätsprüfung der ärztlichen Verordnung
muss insbesondere auch patientenindividuelle Faktoren sowie die
Regeldosierung und die daraus möglicherweise resultierende
individuelle Dosis beinhalten. Die Herstellungsanweisung muss auch
eine Kontrolle der Berechnungen, der Einwaagen und der einzusetzenden
Ausgangsstoffe durch eine zweite Person oder durch validierte
elektronische Verfahren sowie eine Dichtigkeitsprüfung des befüllten
Behältnisses vorsehen.

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ApoBetrO-1987
Level: 3.0