Source: https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__26.html
Legislation: vag_2016

Title: § 26 Risikomanagement

Description:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 1 - Geschäftstätigkeit
Abschnitt 3 - Geschäftsorganisation
§ 26 Risikomanagement

Paragraph: 26

Full Text:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 1 - Geschäftstätigkeit
Abschnitt 3 - Geschäftsorganisation
§ 26 Risikomanagement

(1) Versicherungsunternehmen müssen über ein wirksames
Risikomanagementsystem verfügen, das gut in die Organisationsstruktur
und die Entscheidungsprozesse des Unternehmens integriert ist und
dabei die Informationsbedürfnisse der Personen, die das Unternehmen
tatsächlich leiten oder andere Schlüsselfunktionen innehaben, durch
eine angemessene interne Berichterstattung gebührend berücksichtigt.
Das Risikomanagementsystem muss die Strategien, Prozesse und internen
Meldeverfahren umfassen, die erforderlich sind, um Risiken, denen das
Unternehmen tatsächlich oder möglicherweise ausgesetzt ist, zu
identifizieren, zu bewerten, zu überwachen und zu steuern sowie
aussagefähig über diese Risiken zu berichten. Es muss einzeln und auf
aggregierter Basis eine kontinuierliche Risikosteuerung unter
Berücksichtigung der zwischen den Risiken bestehenden Interdependenzen
ermöglichen. Auf Verlangen der Aufsichtsbehörde haben die
Versicherungsunternehmen einen Sanierungsplan (allgemeiner
Sanierungsplan) aufzustellen. Der allgemeine Sanierungsplan muss
Szenarien beschreiben, die zu einer Gefährdung des Unternehmens führen
können, und darlegen, mit welchen Maßnahmen diesen begegnet werden
soll.

(2) Zu den zu entwickelnden Strategien zählt insbesondere eine auf die
Steuerung des Unternehmens abgestimmte Risikostrategie, die Art,
Umfang und Komplexität des betriebenen Geschäfts und der mit ihm
verbundenen Risiken berücksichtigt.

(3) Wenn Versicherungsunternehmen die Matching-Anpassung gemäß § 80
oder die Volatilitätsanpassung gemäß § 82 anwenden, erstellen sie
einen Liquiditätsplan, der die eingehenden und ausgehenden
Zahlungsströme in Bezug auf die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten
projiziert, die diesen Anpassungen unterliegen.

(4) Wird die Volatilitätsanpassung gemäß § 82 angewendet, umfassen die
schriftlich festgelegten Leitlinien für das Risikomanagement gemäß §
23 Absatz 3 Leitlinien für die Kriterien zur Anwendung der
Volatilitätsanpassung.

(5) Das Risikomanagementsystem hat sämtliche Risiken des
Versicherungsunternehmens zu umfassen und insbesondere die folgenden
Bereiche abzudecken:

1.  die Zeichnung von Versicherungsrisiken und die Bildung von
    Rückstellungen,

2.  das Aktiv-Passiv-Management,

3.  die Kapitalanlagen, insbesondere Derivate und Instrumente von
    vergleichbarer Komplexität,

4.  die Steuerung des Liquiditäts- und des Konzentrationsrisikos,

5.  die Steuerung operationeller Risiken und

6.  die Rückversicherung und andere Risikominderungstechniken.

Die innerbetrieblichen Leitlinien zum Risikomanagement müssen
mindestens Vorgaben zu den genannten Bereichen machen.

(6) In Bezug auf das Kapitalanlagerisiko müssen
Versicherungsunternehmen nachweisen, dass sie die Anforderungen des §
124 einhalten.

(7) In Bezug auf das Aktiv-Passiv-Management bewerten die
Versicherungsunternehmen regelmäßig

1.  die Sensitivität ihrer versicherungstechnischen Rückstellungen und
    anrechenbaren Eigenmittel in Bezug auf die Annahmen, die der
    Extrapolation der maßgeblichen risikofreien Zinskurve gemäß § 7 Nummer
    21 zugrunde liegen;

2.  wenn die Matching-Anpassung gemäß § 80 angewendet wird:

    a)  die Sensitivität ihrer versicherungstechnischen Rückstellungen und
        anrechenbaren Eigenmittel in Bezug auf die Annahmen, die der
        Berechnung der Matching-Anpassung zugrunde liegen, einschließlich der
        Berechnung des grundlegenden Spreads gemäß § 81 Nummer 2, und die
        potenziellen Auswirkungen von Zwangsverkäufen von Vermögenswerten auf
        ihre anrechenbaren Eigenmittel;

    b)  die Sensitivität ihrer versicherungstechnischen Rückstellungen und
        anrechenbaren Eigenmittel in Bezug auf Änderungen der Zusammensetzung
        des zugeordneten Vermögensportfolios;

    c)  die Auswirkung einer Verringerung der Matching-Anpassung auf null;

3.  wenn die Volatilitätsanpassung gemäß § 82 angewendet wird:

    a)  die Sensitivität ihrer versicherungstechnischen Rückstellungen und
        anrechenbaren Eigenmittel in Bezug auf die Annahmen, die der
        Berechnung der Volatilitätsanpassung zugrunde liegen, und die
        potenziellen Auswirkungen einer erzwungenen Veräußerung von
        Vermögenswerten auf ihre anrechenbaren Eigenmittel,

    b)  die Auswirkung einer Verringerung der Volatilitätsanpassung auf null.

Die Versicherungsunternehmen übermitteln die in Satz 1 genannten
Bewertungen der Aufsichtsbehörde jährlich im Rahmen der gemäß § 43 zu
übermittelnden Informationen. Falls eine Reduzierung der Matching-
Anpassung oder der Volatilitätsanpassung auf null zur Nichteinhaltung
der Solvabilitätskapitalanforderung führen würde, legt das Unternehmen
darüber hinaus eine Analyse der Maßnahmen vor, die es in einer
derartigen Situation anwenden könnte, um die anrechnungsfähigen
Eigenmittel in der zur Einhaltung der Solvabilitätskapitalanforderung
erforderlichen Höhe wieder aufzubringen oder das Risikoprofil zu
senken, sodass die Einhaltung der Solvabilitätskapitalanforderung
wiederhergestellt ist.

(8) Die Versicherungsunternehmen müssen eine unabhängige
Risikocontrollingfunktion einrichten, die so strukturiert ist, dass
sie die Umsetzung des Risikomanagementsystems maßgeblich befördert.
Bei Versicherungsunternehmen, die ein internes Modell verwenden, hat
die Risikocontrollingfunktion zusätzlich die Aufgabe, das interne
Modell zu entwickeln, umzusetzen, zu testen, zu validieren und
einschließlich späterer Änderungen zu dokumentieren. Darüber hinaus
analysiert sie die Leistungsfähigkeit des internen Modells und
berichtet dem Vorstand in zusammengefasster Form über diese Analyse,
gibt ihm Anregungen zur Verbesserung des Modells und hält ihn über
Korrekturmaßnahmen für festgestellte Schwächen oder Mängel auf dem
Laufenden.

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