Source: https://www.gesetze-im-internet.de/kondmstrv_2006/__8.html
Legislation: kondmstrv_2006

Title: § 8 Gliederung, Prüfungsdauer und Bestehen des Teils II

Description:
Verordnung über das Meisterprüfungsberufsbild und über die  Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung im Konditoren- Handwerk (KondMstrV 2006)
§ 8 Gliederung, Prüfungsdauer und Bestehen des Teils II

Paragraph: 8

Full Text:
Verordnung über das Meisterprüfungsberufsbild und über die  Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung im Konditoren- Handwerk (KondMstrV 2006)
§ 8 Gliederung, Prüfungsdauer und Bestehen des Teils II

(1) Durch die Prüfung in Teil II soll der Prüfling in den in Absatz 2
genannten Handlungsfeldern seine Handlungskompetenz dadurch
nachweisen, dass er berufsbezogene Probleme analysieren und bewerten
sowie Lösungswege aufzeigen und dokumentieren und dabei aktuelle
Entwicklungen berücksichtigen kann.

(2) Handlungsfelder sind:

1.  Gestaltung und Herstellungsverfahren,

2.  Auftragsabwicklung,

3.  Betriebsführung und Betriebsorganisation.

(3) In jedem Handlungsfeld ist mindestens eine Aufgabe zu bearbeiten,
die fallorientiert sein muss:

1.  Gestaltung und Herstellungsverfahren

    Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, Aufgaben und
    Probleme der Gestaltung und des Verfahrensablaufs unter
    Berücksichtigung wirtschaftlicher, lebensmittelspezifischer und
    ökologischer Aspekte in einem Konditoreibetrieb zu bearbeiten; dabei
    soll er berufsbezogene Sachverhalte analysieren und bewerten; bei der
    jeweiligen Aufgabenstellung sollen mehrere der unter Buchstabe a bis h
    aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  Dekormuster rohstoffgerecht skizzieren, Ornamente entwerfen sowie
        Torten und Formstücke mit verschiedenen Garniermustern zeichnerisch
        darstellen,

    b)  dekorative Schrifttypen unterscheiden und Verwendungszwecken zuordnen
        sowie zeichnerisch darstellen,

    c)  Entwürfe und maßstabgetreue Zeichnungen für Konditorei- und
        Confiserieerzeugnisse, insbesondere aus Kuvertüre und Zucker,
        anfertigen,

    d)  Gießformen zur proportionsgerechten Formgebung von feinen Backwaren,
        Schokoladen- und Süßwaren zeichnen sowie Farbgebung von Torten und
        Schaustücken darstellen und begründen,

    e)  Konzepte für Warenpräsentationen und Schaufenstergestaltungen mit
        Konditorei- und Confiserieerzeugnissen unter Berücksichtigung von
        Gestaltungselementen entwickeln,

    f)  Rezepturen für Speisen und Getränke darstellen und abwandeln, dabei
        ernährungswissenschaftliche und diätetische Grundlagen beachten;
        Kennzeichnungserfordernisse darstellen und begründen,

    g)  Eigenschaften von Rohstoffen sowie Halb- und Fertigerzeugnissen
        beurteilen und Verwendungszwecken zuordnen; Möglichkeiten der Lagerung
        und Qualitätserhaltung, auch unter Einsatz der Kühl- und
        Gefriertechnik, beurteilen,

    h)  technologische Vorgänge und Herstellungsschritte bei der Fertigung von
        Konditorei- und Confiserieerzeugnissen, insbesondere unter
        Berücksichtigung leicht verderblicher Rohstoffe, darstellen und
        beurteilen, Kontrollerfordernisse begründen; physikalische und
        biologische Veränderungsprozesse erläutern;

2.  Auftragsabwicklung

    Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist,
    Auftragsabwicklungsprozesse, auch unter Anwendung branchenüblicher
    Software, erfolgs-, kunden- und qualitätsorientiert zu planen, deren
    Durchführung zu kontrollieren und sie abzuschließen; bei der
    jeweiligen Aufgabenstellung sollen mehrere der unter Buchstabe a bis f
    aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  Möglichkeiten der Auftragsbeschaffung darstellen,

    b)  Angebotsunterlagen erstellen und Angebote auswerten,
        Angebotskalkulation durchführen,

    c)  Methoden und Verfahren der Arbeitsplanung und -organisation unter
        Berücksichtigung der Herstellungstechnik, der Hygiene, gestalterischer
        Aspekte sowie des Einsatzes von Material, Geräten und Personal
        bewerten, dabei qualitätssichernde Aspekte darstellen sowie
        Schnittstellen zwischen Arbeitsbereichen berücksichtigen,

    d)  berufsbezogene rechtliche Vorschriften und technische Normen sowie
        allgemein anerkannte Regeln der Technik anwenden, insbesondere Haftung
        bei der Herstellung und bei Dienstleistungen beurteilen,

    e)  Arbeitspläne erarbeiten, bewerten und korrigieren,

    f)  Mengen ermitteln und berechnen, Vor- und Nachkalkulation durchführen;

3.  Betriebsführung und Betriebsorganisation

    Der Prüfling soll nachweisen, dass er in der Lage ist, Aufgaben der
    Betriebsführung und Betriebsorganisation unter Berücksichtigung der
    rechtlichen Vorschriften, auch unter Anwendung von Informations- und
    Kommunikationssystemen, wahrzunehmen; bei der jeweiligen
    Aufgabenstellung sollen mehrere der unter Buchstabe a bis i
    aufgeführten Qualifikationen verknüpft werden:

    a)  betriebliche Kosten ermitteln, dabei betriebswirtschaftliche
        Zusammenhänge berücksichtigen,

    b)  betriebliche Kostenstrukturen überprüfen; betriebliche Kennzahlen
        ermitteln,

    c)  auf der Grundlage von Rezepturen Kosten für Konditorei- und
        Confiserieerzeugnisse ermitteln und Preise unter Berücksichtigung der
        unterschiedlichen Verkaufsorte Theke,
        Cafe und außer Haus festlegen,

    d)  Marketingmaßnahmen zur Kundenpflege und zur Gewinnung neuer Kunden vor
        dem Hintergrund technischer und wirtschaftlicher Entwicklungen
        erarbeiten,

    e)  betriebliches Qualitätsmanagement planen und darstellen,

    f)  Aufgaben der Personalverwaltung wahrnehmen; den Zusammenhang zwischen
        Personalverwaltung sowie Personalführung und -entwicklung darstellen,

    g)  betriebsspezifische Maßnahmen zur Einhaltung der
        arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen und des Umweltschutzes
        entwickeln; Gefahrenpotenziale beurteilen und Maßnahmen zur
        Gefahrenvermeidung und -beseitigung festlegen,

    h)  Betriebs- und Lagerausstattung sowie logistische Prozesse planen und
        darstellen,

    i)  Chancen und Risiken betrieblicher Kooperation darstellen und
        beurteilen.

(4) Die Prüfung in Teil II ist schriftlich durchzuführen. Sie soll in
jedem Handlungsfeld nicht länger als drei Stunden dauern. Eine
Prüfungsdauer von sechs Stunden täglich darf nicht überschritten
werden.

(5) Die Gesamtbewertung des Teils II wird aus dem arithmetischen
Mittel der Einzelbewertungen der Handlungsfelder gemäß Absatz 2
gebildet.

(6) Wurden in höchstens zwei der in Absatz 2 genannten Handlungsfelder
jeweils mindestens 30 und weniger als 50 Punkte erreicht, kann in
einem dieser Handlungsfelder eine mündliche Ergänzungsprüfung
durchgeführt werden, wenn diese das Bestehen des Teils II der
Meisterprüfung ermöglicht.

(7) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils II der
Meisterprüfung ist eine insgesamt ausreichende Prüfungsleistung. Die
Prüfung des Teils II ist nicht bestanden, wenn

1.  ein Handlungsfeld mit weniger als 30 Punkten bewertet worden ist oder

2.  nach durchgeführter Ergänzungsprüfung zwei Handlungsfelder jeweils mit
    weniger als 50 Punkten bewertet worden sind.

Collections: bundestag_gesetze
KondMstrV-2006
Level: 2.0