Source: https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__27.html
Legislation: vag_2016

Title: § 27 Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung

Description:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 1 - Geschäftstätigkeit
Abschnitt 3 - Geschäftsorganisation
§ 27 Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung

Paragraph: 27

Full Text:
Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (VAG 2016)
Teil 2 - Vorschriften für die Erstversicherung und die Rückversicherung
Kapitel 1 - Geschäftstätigkeit
Abschnitt 3 - Geschäftsorganisation
§ 27 Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung

(1) Zum Risikomanagementsystem gehört eine unternehmenseigene Risiko-
und Solvabilitätsbeurteilung, die Versicherungsunternehmen regelmäßig
sowie im Fall wesentlicher Änderungen in ihrem Risikoprofil
unverzüglich vorzunehmen haben. Die Risiko- und
Solvabilitätsbeurteilung muss fester Bestandteil der
Geschäftsstrategie des Unternehmens sein und kontinuierlich in die
strategischen Entscheidungen einfließen. Die Versicherungsunternehmen
informieren die Aufsichtsbehörde innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss
jeder durchgeführten Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung über das
Ergebnis.

(2) Die Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung umfasst mindestens

1.  eine eigenständige Bewertung des Solvabilitätsbedarfs unter
    Berücksichtigung des spezifischen Risikoprofils, der festgelegten
    Risikotoleranzlimite und der Geschäftsstrategie des Unternehmens,

2.  eine Beurteilung der jederzeitigen Erfüllbarkeit der
    aufsichtsrechtlichen Eigenmittelanforderungen, der Anforderungen an
    die versicherungstechnischen Rückstellungen in der
    Solvabilitätsübersicht und der Risikotragfähigkeit sowie

3.  eine Beurteilung der Wesentlichkeit von Abweichungen des Risikoprofils
    des Unternehmens von den Annahmen, die der Berechnung der
    Solvabilitätskapitalanforderung mit der Standardformel oder mit dem
    internen Modell zugrunde liegen.

(3) Die Unternehmen müssen für die Beurteilung nach Absatz 2 Nummer 1
über Prozesse verfügen, die der Art, dem Umfang und der Komplexität
ihrer Risiken angemessen sind und es ihnen erlauben, alle Risiken,
denen sie kurz- und langfristig ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein
könnten, ordnungsgemäß zu identifizieren und zu beurteilen. Dazu
gehört insbesondere die selbständige Durchführung von Stresstests und
Szenarioanalysen.

(4) Die Versicherungsunternehmen sind für die von ihnen zur Bewertung
des Solvabilitätsbedarfs nach Absatz 2 Nummer 1 verwendeten Methoden
darlegungspflichtig.

(5) Sofern ein internes Modell verwendet wird, hat die Bewertung in
den in Absatz 2 Nummer 3 genannten Fällen zusammen mit der
Rekalibrierung zu erfolgen, mit der die Ergebnisse des internen
Modells auf das Risikomaß und die Kalibrierung der
Solvabilitätskapitalanforderung überführt werden.

(6) Unternehmen, die langfristige Garantien geben, müssen als Teil der
Beurteilung nach Absatz 2 Nummer 2 auch die langfristige
Risikotragfähigkeit des Unternehmens berücksichtigen. Wenn
Versicherungsunternehmen die Matching-Anpassung gemäß § 80, die
Volatilitätsanpassung gemäß § 82 oder die Übergangsmaßnahmen gemäß den
§§ 351 und 352 anwenden, ist die Einhaltung der Kapitalanforderungen
gemäß Absatz 2 Nummer 2 mit und ohne Berücksichtigung dieser
Anpassungen und Übergangsmaßnahmen zu bewerten.

Collections: bundestag_gesetze
VAG-2016
Level: 5.0