Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wasbauprv/__5.html
Legislation: wasbauprv

Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Wasserbaumeister/Geprüfte Wasserbaumeisterin (WasBauPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Full Text:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Wasserbaumeister/Geprüfte Wasserbaumeisterin (WasBauPrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikationen“ umfasst
die Handlungsbereiche „Planung und Bau“, „Betrieb und Unterhaltung“
sowie „Führung und Organisation“.

(2) Im Handlungsbereich „Planung und Bau“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen
und geltenden Regeln der Technik an der Planung von wasserbaulichen
Anlagen, Ausbaumaßnahmen an Gewässern und Anlagen zur
Gewässerbewirtschaftung sowie bei der Aufstellung von
Gewässerentwicklungskonzepten und Rahmenplänen für den
Hochwasserschutz mitwirken zu können. Dazu gehört auch, die
Baumaßnahmen vorbereiten, durchführen, überwachen und abnehmen zu
können. Es soll ferner die Fähigkeit nachgewiesen werden,
Kalkulationen durchzuführen und organisatorische Maßnahmen auch in
ihrer Bedeutung als Kostenfaktoren zu beurteilen und zu
berücksichtigen. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Durchführen der Bestandsaufnahme und Ermitteln der
    Planungsvoraussetzungen,

2.  Zusammenstellen der für die Planung notwendigen Unterlagen und Daten,

3.  Erarbeiten, Bewerten und Festlegen von Lösungsmöglichkeiten unter
    Berücksichtigung der Nachhaltigkeit,

4.  Durchführen von Kalkulationen,

5.  Abstimmen mit Dritten, zuständigen Einrichtungen und Behörden,
    Einholen von Genehmigungen,

6.  Erstellen von Leistungsverzeichnissen, Materiallisten, Skizzen und
    Bauzeichnungen sowie von Ausschreibungsunterlagen und Durchführen der
    Auftragsvergabe,

7.  Erstellen von Bauzeitenplänen,

8.  Auswählen von Bauverfahren und Materialien unter Berücksichtigung der
    Wirtschaftlichkeit, der geltenden Normen und Vorschriften,

9.  Veranlassen der geplanten Baumaßnahme sowie Koordinieren und
    Kontrollieren der Baustelleneinrichtung unter Berücksichtigung der
    Arbeitssicherheit und der Verkehrssicherungspflicht,

10. Koordinieren, Kontrollieren und Dokumentieren von Baumaßnahmen,

11. Prüfen des Aufmaßes und Abnehmen von Lieferungen und Leistungen
    Dritter einschließlich Durchführen der Funktionsprüfungen,

12. Erstellen der Baudokumentation, Einmessen und Aktualisieren der
    Bestandspläne und Kartenwerke.

(3) Im Handlungsbereich „Betrieb und Unterhaltung“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, zusammen mit den Mitarbeitern und
Mitarbeiterinnen wasserbauliche Anlagen betreiben, überwachen und
unterhalten zu können, um dauerhafte Betriebs-, Funktions- und
Standsicherheit sowie die Sicherheit und Leichtigkeit des
Schiffsverkehrs zu gewährleisten. Darüber hinaus soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, auf der Grundlage von
Gewässerentwicklungskonzepten und Rahmenplänen die Pflege und
Entwicklung von Gewässern durchführen und für die Erhaltung eines
ordnungsgemäßen Abflusses sorgen zu können. Weiterhin soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge
zu erfassen sowie personelle Maßnahmen auch in ihrer Bedeutung als
Kostenfaktoren zu beurteilen und zu berücksichtigen. In diesem Rahmen
können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Überwachen und Dokumentieren des Zustandes von Gewässern und
    Wasserstraßen,

2.  Planen, Durchführen und Dokumentieren der Bauwerksüberwachung,

3.  Betreiben und Unterhalten von wasserbaulichen Anlagen, Erkennen und
    Dokumentieren von Störungen und Schäden sowie Festlegen und Einleiten
    von Maßnahmen zur Sanierung und Schadensvermeidung,

4.  Überwachen und Unterhalten des Zustandes von Gewässern sowie Einleiten
    von notwendigen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen unter
    Berücksichtigung von Naturschutz und Landschaftspflege,

5.  Überwachen und Unterhalten von Gewässern und Veranlassen von Maßnahmen
    zur Erhaltung eines ordnungsgemäßen Abflusses,

6.  Durchführen von Maßnahmen bei besonderen Betriebszuständen,
    insbesondere bei Hochwasser und Eis,

7.  Durchführen und Überwachen von Maßnahmen zur Verkehrssicherung,

8.  Wahrnehmen von strom- und schifffahrtspolizeilichen
    Überwachungsaufgaben,

9.  Bezeichnen und Sichern der Fahrrinne und des Fahrwassers,

10. Anwenden der Kosten-Leistungs-Rechnung, Überwachen und Einhalten des
    vorgegebenen Kostenrahmens,

11. Planen, Organisieren, Überwachen und Dokumentieren des Fahrzeug- und
    Geräteeinsatzes,

12. Vergeben und Abrechnen von Aufträgen über Lieferungen und Leistungen
    unter Beachtung der vertragsrechtlichen und der haushaltsrechtlichen
    Vorschriften sowie des betrieblichen Rechnungswesens,

13. Berücksichtigen der einschlägigen Arbeitssicherheits-, Gesundheits-
    und Umweltschutzbestimmungen.

(4) Im Handlungsbereich „Führung und Organisation“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, organisieren und führen zu können. Dies
beinhaltet die Fähigkeit, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach
zielgerichteten Erfordernissen durch die Anwendung geeigneter Methoden
zu verantwortlichem Handeln hinzuführen und auf der Grundlage einer
qualitativen und quantitativen Personalplanung zu einer systematischen
Personalentwicklung beizutragen. Dazu gehört die Leistungsbereitschaft
der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu fördern sowie betriebliche und
soziale Konflikte zu lösen. Darüber hinaus soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und
kostenrelevante Einflussfaktoren erfassen und beurteilen zu können. In
diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalbedarfs,

2.  Einsetzen von Fremdpersonal,

3.  Mitwirken beim Erstellen von Anforderungsprofilen und
    Funktionsbeschreibungen,

4.  Delegieren von Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung,

5.  Fördern der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft,

6.  Anwenden von Führungsmethoden,

7.  Beraten, Fördern und Beurteilen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
    hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung,

8.  Anwenden von Methoden der Gesprächsführung zur Lösung betrieblicher
    und sozialer Konflikte,

9.  Beteiligen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an
    Verbesserungsprozessen,

10. Durchführen von Maßnahmen zur Qualitätssicherung und
    Qualitätsverbesserung,

11. Fördern des kostenbewussten Handelns der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen,

12. Darstellen von Arbeitsergebnissen mittels Präsentationstechniken,

13. Beurteilen, Überprüfen und Gewährleisten der Arbeitssicherheit, des
    Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes.

(5) Der handlungsspezifische Prüfungsteil wird in zwei schriftlichen,
integrierenden Situationsaufgaben und in einem situationsbezogenen
Fachgespräch geprüft. Insgesamt sollen darin alle
Qualifikationsinhalte dieses Prüfungsteils integrativ berücksichtigt
werden.

(6) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Planung und
Bau“ bilden dessen Qualifikationsinhalte den Kern, es werden darin
Qualifikationsinhalte aus dem Handlungsbereich „Führung und
Organisation“ einbezogen sowie Inhalte der „Grundlegenden
Qualifikationen“ mitberücksichtigt. Die Prüfungsdauer beträgt acht
Stunden.

(7) In der Situationsaufgabe aus dem Handlungsbereich „Betrieb und
Unterhaltung“ bilden dessen Qualifikationsinhalte den Kern, es werden
darin Qualifikationsinhalte aus dem Handlungsbereich „Führung und
Organisation“ einbezogen sowie Inhalte der „Grundlegenden
Qualifikationen“ mitberücksichtigt. Die Prüfungsdauer beträgt acht
Stunden.

(8) In einem situationsbezogenen Fachgespräch soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, betriebliche Aufgabenstellungen analysieren,
strukturieren und einer begründeten Lösung zuführen zu können. Dazu
gehört, Lösungsvorschläge unter Einbeziehung von
Präsentationstechniken erläutern und erörtern zu können. Gegenstand
des integrativ durchzuführenden Fachgesprächs sind die Inhalte des
Handlungsbereichs „Führung und Organisation“ unter Einbeziehung der
Handlungsbereiche „Planung und Bau“ sowie „Betrieb und Unterhaltung“.
Dabei sollen insbesondere die Qualifikationsinhalte, die nicht
Gegenstand der schriftlichen Situationsaufgaben waren, berücksichtigt
werden. Das Fachgespräch soll für die zu prüfende Person mindestens 45
Minuten und höchstens 60 Minuten dauern; zusätzlich ist eine
Vorbereitungszeit von 15 Minuten zu gewähren.

(9) Wurde in nicht mehr als einer schriftlichen Situationsaufgabe eine
mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist in dieser Situationsaufgabe
eine mündliche Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehreren
ungenügenden schriftlichen Prüfungsleistungen besteht diese
Möglichkeit nicht. Die Ergänzungsprüfung soll in der Regel nicht
länger als 20 Minuten dauern. Die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung und die der mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu
einer Note zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung doppelt gewichtet.

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WasBauPrV
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