Source: https://www.gesetze-im-internet.de/papindmeistprv_2005/__5.html
Legislation: papindmeistprv_2005

Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister/Geprüfte Industriemeisterin - Fachrichtung Papiererzeugung (PapIndMeistPrV 2005)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Full Text:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister/Geprüfte Industriemeisterin - Fachrichtung Papiererzeugung (PapIndMeistPrV 2005)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil "Handlungsspezifische Qualifikationen" umfasst
die Handlungsbereiche:

1.  Papiertechnologie;

2.  Führung und Organisation;

3.  Spezialisierungsgebiete.

(2) Der Handlungsbereich "Papiertechnologie" gliedert sich in folgende
Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Verfahrenstechnik und Anlagentechnik;

2.  Prozessleittechnik.

(3) Im Qualifikationsschwerpunkt "Verfahrenstechnik und
Anlagentechnik" soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
verfahrenstechnische Prozesse bei der Herstellung von Papier- und
Zellstoffprodukten unter Berücksichtigung des ökonomischen Einsatzes
von Werkstoffen, von Vorschriften des Arbeits- und Umweltschutzes, der
Anlagensicherheit sowie der Qualitätssicherung planen, organisieren
und überwachen zu können. Dazu gehört, Zusammenhänge im
verfahrenstechnischen Prozess erkennen und geeignete Maßnahmen zur
Prozessoptimierung einleiten zu können. Beim Einsatz neuer Maschinen
und Anlagenteile sollen die Auswirkungen auf den Produktionsprozess
erkannt und bei Abweichungen von den Produktionsparametern geeignete
Maßnahmen eingeleitet werden können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Koordinieren und Optimieren des Anfahrens, Betreibens und Abstellens
    von Anlagen;

2.  Optimieren des laufenden Produktionsprozesses unter Berücksichtigung
    technischer, qualitativer, organisatorischer und
    betriebswirtschaftlicher Vorgaben;

3.  Beurteilen der Eigenschaften von Roh-, Faser- und Hilfsstoffen sowie
    Berücksichtigen von Auswirkungen und Anforderungen bei deren Einsatz;

4.  Beurteilen von Faserstoffgemischen hinsichtlich ihrer Eigenschaften
    und Mengenanteile;

5.  Bestimmen von Volumenströmen;

6.  Beurteilen, Auswählen und Einsetzen von Apparaten, Maschinen,
    Anlagenteilen, technischen Hilfseinrichtungen, Energien, Roh-, Faser-
    und Hilfsstoffen unter Beachtung technischer und wirtschaftlicher
    Vorgaben;

7.  Beurteilen der Auswirkungen von Produktionsprozessen auf die Umwelt
    und Sicherstellen von Umweltschutzmaßnahmen;

8.  Organisieren und Veranlassen von Maßnahmen zur Behebung von Störungen.

(4) Im Qualifikationsschwerpunkt "Prozessleittechnik" soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, mit Hilfe von mess-, steuerungs- und
regelungstechnischen Einrichtungen Produktionsprozesse bewerten,
steuern und optimieren zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Einsetzen von Steuerungs- und Regelungssystemen zur
    Prozessoptimierung;

2.  Bewerten und Optimieren des Einsatzes von Messeinrichtungen;

3.  Darstellen und Optimieren von Steuerungs- und Regelungsprozessen;

4.  Organisieren von Maßnahmen zur Behebung von Störungen.

(5) Der Handlungsbereich "Führung und Organisation" gliedert sich in
folgende Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Personalführung;

2.  Personalentwicklung;

3.  Projektmanagement;

4.  Betriebsorganisation und Kostenwesen;

5.  Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz;

6.  Qualitätsmanagement.

(6) Im Qualifikationsschwerpunkt "Personalführung" soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, Personal einsetzen, führen und beurteilen zu
können. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft
werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalbedarfs unter Berücksichtigung technischer und
    organisatorischer Veränderungen;

2.  Auswählen und Einsetzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter
    Berücksichtigung ihrer Eignung und Bedürfnisse sowie der betrieblichen
    Anforderungen;

3.  Anwenden von Führungsmethoden und -instrumenten zur Durchführung
    betrieblicher Aufgaben und zum Lösen von Problemen und Konflikten;

4.  Sicherstellen der schichtübergreifenden Informationsweitergabe;

5.  Vermitteln von Informationen und Anweisungen der Betriebsleitung;

6.  Schaffen und Sicherstellen von Rahmenbedingungen für eine effiziente
    Kommunikation in der Gruppe;

7.  Vorbereiten, Durchführen und Nachbereiten von Besprechungen.

(7) Im Qualifikationsschwerpunkt "Personalentwicklung" soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, unter Berücksichtigung der
Qualifikationsanforderungen des Betriebes und der
Qualifikationsbedürfnisse des Einzelnen geeignete Maßnahmen zur
weiteren beruflichen Entwicklung des Personals vorschlagen und
durchführen zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalentwicklungsbedarfs unter Berücksichtigung gegenwärtiger
    Anforderungen sowie zukünftiger technischer, organisatorischer und
    personenbezogener Veränderungen;

2.  Planen, Durchführen und Veranlassen von Maßnahmen zur Qualifizierung
    und Motivation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen;

3.  Überprüfen der Ergebnisse von Qualifizierungsmaßnahmen sowie Fördern
    betrieblicher Maßnahmen der Personalentwicklung.

(8) Im Qualifikationsschwerpunkt "Projektmanagement" soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden des Projektmanagements
auswählen und anwenden zu können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Auswählen und Strukturieren von Projektgruppen;

2.  Anwenden von Instrumenten zur Projektplanung und -durchführung;

3.  Moderieren und Steuern von Projektgruppen;

4.  Durchführen von Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Machbarkeitsstudien und
    Projektcontrolling;

5.  Dokumentieren von Projektergebnissen.

(9) Im Qualifikationsschwerpunkt "Betriebsorganisation und
Kostenwesen" soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und
Techniken zur Organisation und Optimierung von Arbeitsabläufen
anwenden zu können. Dazu gehört, Kostenverantwortung zu übernehmen. In
diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Anwenden von Methoden und Instrumenten zur Arbeitsplatzbeschreibung
    und -analyse;

2.  Optimieren der Schichtorganisation unter Berücksichtigung
    betriebswirtschaftlicher Faktoren;

3.  Anwenden von Methoden und Instrumenten zur Analyse und Optimierung von
    organisatorischen Abläufen;

4.  Erkennen und Beurteilen von Zusammenhängen des betrieblichen
    Rechnungswesens, insbesondere Kostenarten-, Kostenstellen-,
    Kostenträger- und Prozesskostenrechnung;

5.  Ermitteln von Zielgrößen, insbesondere Betriebsergebnis,
    Deckungsbeitrag und Kennzahlen;

6.  Anwenden von Kalkulationsverfahren;

7.  Durchführen von Kostenkontrollen;

8.  Einleiten von Maßnahmen zur Kostenbeeinflussung.

(10) Im Qualifikationsschwerpunkt "Arbeits-, Umwelt- und
Gesundheitsschutz" soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
einschlägige Gesetze, Vorschriften und Bestimmungen in ihrer Bedeutung
erkennen und ihre Einhaltung sicherstellen zu können. Dazu gehört, den
Arbeitsschutz zu gewährleisten, Störungen zu erkennen und zu
analysieren sowie Maßnahmen zu ihrer Vermeidung oder Beseitigung
einzuleiten. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen zu arbeits-,
umwelt- und gesundheitsbewusstem Verhalten und Handeln angeleitet
werden können. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte
geprüft werden:

1.  Überprüfen und Gewährleisten der Anlagensicherheit und Überwachen der
    Einhaltung der Vorschriften des Arbeits-, Umwelt- und
    Gesundheitsschutzes;

2.  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im
    Hinblick auf Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz;

3.  Planen und Durchführen von Unterweisungen in der Anlagensicherheit,
    des Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes;

4.  Überwachen der Lagerung von und des Umgangs mit umweltbelastenden und
    gesundheitsgefährdenden Betriebsmitteln, Einrichtungen und
    Werkstoffen;

5.  Vorschlagen, Planen, Einleiten und Überprüfen von Maßnahmen zur
    Verbesserung des Arbeitsschutzes sowie zur Reduzierung und Vermeidung
    von Unfällen und von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen;

6.  Sicherstellen des Informationsaustausches über arbeitsschutz-,
    gesundheits- und umweltrelevante Vorgänge.

(11) Im Qualifikationsschwerpunkt "Qualitätsmanagement" soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, Methoden und Techniken zur Optimierung
des qualitätsbewussten Handelns und zur Weiterentwicklung des
betrieblichen Qualitätsmanagements anwenden zu können. In diesem
Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Umsetzen von Kundenforderungen in Qualitätsziele und
    Qualitätsvorgaben;

2.  Berücksichtigen betrieblicher Vorgaben und Qualitätsnormen sowie
    Sicherstellen der Einhaltung im eigenen Verantwortungsbereich;

3.  Fördern des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen;

4.  Beschreiben und dokumentieren betrieblicher Prozesse und Vorbereiten
    von Überprüfungen (Audits) und Zertifizierungen;

5.  Nutzen von Instrumenten des Qualitätsmanagements zu kontinuierlichen
    Qualitäts- und Prozessverbesserungen.

(12) Im Handlungsbereich "Spezialisierungsgebiete" soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, unter Berücksichtigung produktbezogener sowie
anlagen- und verfahrenstechnischer Unterschiede, in einem der
nachfolgend genannten Wahlqualifikationsschwerpunkte eine betriebliche
Aufgabenstellung analysieren, strukturieren, darstellen und einer
begründeten Lösung zuführen zu können. Die zu prüfende Person bestimmt
einen der nachfolgend genannten Wahlqualifikationsschwerpunkte, in dem
geprüft werden soll:

1.  Graphische Papiere;

2.  Technische Papiere und Spezialpapiere;

3.  Verpackungspapiere, Karton und Pappe;

4.  Hygienepapiere;

5.  Zellstoff.

Im Rahmen des bestimmten Qualifikationsschwerpunktes können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

a)  Planen und Organisieren des Einsatzes der Produktionsfaktoren,

b)  Optimieren des Einsatzes von Roh- und Hilfsstoffen unter Beachtung von
    Substitutionsmöglichkeiten,

c)  Überwachen, Steuern und Optimieren des Produktionsprozesses unter
    Berücksichtigung von Qualität und Kosten,

d)  Beurteilen von chemischen, mechanischen und steuerungstechnischen
    Abläufen,

e)  Ergreifen von Maßnahmen zur Kosten- und Leistungsbeeinflussung.

(13) In den Handlungsbereichen "Papiertechnologie" sowie "Führung und
Organisation" ist unter Berücksichtigung der
fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen in Form von je einer
schriftlichen Situationsaufgabe zu prüfen. Die Situationsaufgaben sind
so zu gestalten, dass die Qualifikationsschwerpunkte aus den
jeweiligen Handlungsbereichen gemäß Absatz 1 Nr. 1 und 2 mindestens
einmal thematisiert werden. Kern der Situationsaufgabe im
Handlungsbereich "Papiertechnologie" sind mit etwa zwei Dritteln die
Qualifikationsschwerpunkte dieses Handlungsbereiches.
Qualifikationsschwerpunkte des Handlungsbereiches "Führung und
Organisation" sind mit etwa einem Drittel integrativ einzubeziehen.
Kern der Situationsaufgabe im Handlungsbereich "Führung und
Organisation" sind mit etwa zwei Dritteln die
Qualifikationsschwerpunkte dieses Handlungsbereiches.
Qualifikationsschwerpunkte des Handlungsbereiches "Papiertechnologie"
sind mit etwa einem Drittel integrativ einzubeziehen. Die
Prüfungsdauer für die Bearbeitung der Situationsaufgaben beträgt
jeweils mindestens drei Stunden, insgesamt jedoch nicht mehr als acht
Stunden.

(14) Im Handlungsbereich "Spezialisierungsgebiete" ist in Form einer
komplexen praxisbezogenen Aufgabenstellung, für die schriftliche
Präsentationsunterlagen anzufertigen sind und einer mündlichen
Präsentation dieser Unterlagen einschließlich eines Fachgesprächs zu
prüfen. Die Aufgabenstellung kann alle Qualifikationsinhalte gemäß § 5
umfassen. Mit den Präsentationsunterlagen und in der mündlichen
Präsentation soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die
Aufgabenstellung erfassen, darstellen, beurteilen und lösen zu können.
Im Fachgespräch sollen weiterführende Fragestellungen dazu beantwortet
werden können. Der Umfang der schriftlichen Präsentationsunterlagen
soll höchstens 20 Seiten betragen. Als Bearbeitungszeit für die
Erstellung der Präsentationsunterlagen steht der zu prüfenden Person
höchstens 90 aufeinanderfolgende Kalendertage zur Verfügung. Die
Präsentationsunterlagen sind dem Prüfungsausschuss mindestens 21
Kalendertage vor der Präsentation zur Verfügung zu stellen. Die Form
der Präsentation und der Einsatz sachgerechter Präsentationstechniken
steht der zu prüfenden Person frei. Die Prüfungszeit für die
Präsentation und das Fachgespräch beträgt insgesamt höchstens 45
Minuten. Die Präsentation soll nicht länger als 15 Minuten dauern. Die
einzelnen Prüfungsgebiete der praxisbezogenen Aufgabenstellung sind
wie folgt zu gewichten:

a)  schriftliche Präsentationsunterlagen 30 Prozent,

b)  mündliche Präsentation 20 Prozent,

c)  Fachgespräch 50 Prozent.

(15) Wurde in nicht mehr als einer Prüfungsleistung gemäß Absatz 13
eine mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist eine mündliche
Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer oder mehrerer ungenügender
Prüfungsleistungen besteht diese Möglichkeit nicht. Die
Ergänzungsprüfung soll in der Regel nicht länger als 20 Minuten
dauern. Die Bewertung der schriftlichen Prüfungsleistung und die der
mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu einer Prüfungsleistung
zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der schriftlichen
Prüfungsleistung doppelt gewichtet. In der praxisbezogenen
Aufgabenstellung gemäß Absatz 14 besteht keine Möglichkeit einer
mündlichen Ergänzungsprüfung.

Collections: bundestag_gesetze
PapIndMeistPrV-2005
Level: 2.0