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Legislation: schsv_1998

Title: Allgemeine Bestimmungen

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Allgemeine Bestimmungen

Paragraph: 9

Full Text:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Allgemeine Bestimmungen

**1.** Geltungsbereich ****

1.1 Dieser Teil gilt für Traditionsschiffe bis zu einer Länge von 55 m.

1.2 Für Traditionsschiffe von mehr als 55 m Länge gilt

    a)  Teil 1, wenn sie mehr als zwölf Fahrgäste befördern,

    b)  Teil 6, wenn sie nicht mehr als zwölf Fahrgäste befördern, und

    c)  jeweils Teil 7.

1.3 Dieser Teil gilt nicht für

    a)  Binnenschiffe mit einer technischen Zulassung für Wasserstraßen der
        Zonen 1 und 2 nach Anhang I der Binnenschiffsuntersuchungsordnung vom
        21\. September 2018 (BGBl. I S. 1398) in der jeweils geltenden Fassung
        im Verkehr auf diesen Wasserstraßen,

    b)  Sportboote im Sinne der See-Sportbootverordnung,

    c)  Fahrgastschiffe, für die die Richtlinie 2009/45/EG gilt.

**2.** Begriffsbestimmungen ****

2.1 Im Sinne dieses Teils ist

2.1.1 **Traditionsschiff:**                    Ein historisches
    Wasserfahrzeug, an dessen Präsentation in Fahrt ein öffentliches
    Interesse besteht;

2.1.2 **Historisches Wasserfahrzeug:**                    Ein hauptsächlich
    mit den Originalwerkstoffen gebautes Schiff, das aufgrund seiner
    Bauart, seiner Konstruktion, seines ehemaligen Nutzungszwecks und
    seiner Seltenheit erhaltenswert ist und das im Wesentlichen dem
    Originalzustand zum Zeitpunkt seines Baus oder zu einem späteren für
    das Schiff während seiner wirtschaftlichen Nutzungsperiode historisch
    bedeutsamen Bauzustand entspricht;

2.1.2.1 als historisches Wasserfahrzeug kann auch ein Schiff anerkannt werden,
    das die Anforderungen der Regel 2.1.2 nur deshalb nicht erfüllt, weil
    die Kombination von Rumpfform, Antrieb und Aufbauten nicht
    originalgetreu ist, aber dessen Gesamterscheinung einem Vorläufertyp
    entspricht, den es in dieser Bauweise nachweislich in der
    Vergangenheit gegeben hat **(Rückbau)**                   ;

2.1.2.2 einem historischen Wasserfahrzeug kann im Einzelfall ein Schiff
    gleichgestellt werden, als

    a)  Einzelnachbildung eines dokumentierten, individuellen historischen
        Vorbildes **(Nachbau)**                         , oder

    b)  Segelschiff von wenigstens 24 m Länge, das sich durch Größe, Takelage,
        komplexen Schiffsbetrieb sowie seine Besatzungsstärke in besonderer
        Weise für eine fundierte Ausbildung in traditioneller Seemannschaft
        eignet **(Segelschulungsschiff)**                         ;

2.1.3 **Neubau:**                    Ein Nachbau eines historischen
    Wasserfahrzeugs, dessen Kiel am oder nach dem 14. März 2018 gelegt
    wurde;

2.1.4 **Vorhandenes Traditionsschiff:**                    Ein
    Traditionsschiff, für das am 30. September 2012 oder am 14. März 2018
    ein Sicherheitszeugnis nach der Sicherheitsrichtlinie für
    Traditionsschiffe erteilt war;

2.1.5 **Länge:**                    Die Vermessungslänge nach Maßgabe des
    Artikels 2 Absatz 8 des Londoner Schiffsvermessungsübereinkommens oder
    für Traditionsschiffe mit weniger als 24 m Vermessungslänge die
    Rumpflänge L
    H                    nach DIN EN ISO 8666, Ausgabe Dezember 2016;

2.1.6 **Betreiber:**                    Der Eigentümer des Schiffes oder
    jede andere Organisation oder Person, die vom Eigentümer des Schiffes
    die Verantwortung für den Betrieb des Schiffes übernommen hat;

2.1.7 **Berufsgenossenschaft:**                    Die Dienststelle
    Schiffssicherheit bei der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft
    Post-Logistik Telekommunikation;

2.1.8 **Anerkannte Organisation:**                    Eine nach der
    Verordnung (EG) Nr. 391/2009 anerkannte Klassifikationsgesellschaft,
    mit der ein Auftragsverhältnis im Sinne des Artikels 5 Absatz 2 der
    Verordnung (EG) Nr. 391/2009 begründet worden ist;

2.1.9 **Anerkannter Schiffbaustandard:**                    die
    Klassifikationsregeln einer anerkannten Organisation;

2.1.10 **Stand der medizinischen Erkenntnisse:**                    Der nach
    § 108 Absatz 2 Satz 1 des Seearbeitsgesetzes im Verkehrsblatt oder im
    Bundesanzeiger jeweils zuletzt bekannt gemachte Stand der
    medizinischen Anforderungen in der Seeschifffahrt;

2.1.11 **IMO:**                    Die Internationale Seeschifffahrts-
    Organisation;

2.1.12 **Küstennahe Seegewässer:**                    die Gewässer im Sinne
    des § 1 Absatz 2 Satz 2 Sportseeschifferscheinverordnung.

2.2 Soweit dieser Teil auf bestimmte Vorschriften verweist, bedeutet

2.2.1 **Schiffssicherheitsgesetz:**
    Schiffssicherheitsgesetz vom 9. September 1998 (BGBl. I S. 2860), das
    durch Artikel 4 des Gesetzes vom 4. Juni 2013 (BGBl. I S. 1471)
    geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.2 **Sportseeschifferscheinverordnung:**
    Sportseeschifferscheinverordnung vom 17. Dezember 1992 (BGBl. I S.
    2061), die zuletzt durch Artikel 4 Absatz 132 des Gesetzes vom 7.
    August 2013 (BGBl. I S. 3154) geändert worden ist, in der jeweils
    geltenden Fassung;

2.2.3 **SOLAS-Übereinkommen:**                    Internationales
    Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See
    (BGBl. 1979 II S. 141, 142), das zuletzt durch die Entschließungen
    MSC.269(85) vom 4. Dezember 2008 und MSC.282(86) vom 5. Juni 2009
    (BGBl. 2011 II S. 506, 507, 518) geändert worden ist, sowie Protokoll
    von 1988 zu dem Internationalen Übereinkommen von 1974 zum Schutz des
    menschlichen Lebens auf See (BGBl. 1994 II S. 2458, Anlageband), das
    zuletzt durch die Entschließung MSC.283(86) vom 5. Juni 2009 (BGBl.
    2011 II S. 506, 523) geändert worden ist, in der jeweils
    innerstaatlich geltenden Fassung;

2.2.4 **MARPOL-Übereinkommen:**                    Internationales
    Übereinkommen von 1973 zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch
    Schiffe und Protokoll von 1978 zu diesem Übereinkommen (BGBl. 1982 II
    S. 2, 4, 24; 1996 II S. 399, Anlageband; 2003 II S. 130, 132, 136),
    zuletzt geändert durch die Entschließungen MEPC.200(62) und
    MEPC.201(62) vom 15. Juli 2011 (BGBl. 2012 II S. 1194, 1195, 1206), in
    der jeweils innerstaatlich geltenden Fassung;

2.2.5 **Londoner Schiffsvermessungsübereinkommen:**
    Internationales Schiffsvermessungs-Übereinkommen von 1969 vom 23. Juni
    1969 (BGBl. 1975 II S. 67);

2.2.6 **Binnenschiffsuntersuchungsordnung:**
    Binnenschiffsuntersuchungsordnung vom 21. September 2018 (BGBl. I S.
    1398) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.7 **Richtlinie 2009/15/EG:**                    Richtlinie 2009/15/EG
    des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2009 über
    gemeinsame Vorschriften und Normen für Schiffsüberprüfungs- und
    -besichtigungsorganisationen und die einschlägigen Maßnahmen der
    Seebehörden (ABl. L 131 vom 28.5.2009, S. 47) in der jeweils geltenden
    und anzuwendenden Fassung;

2.2.8 **Richtlinie 2009/45/EG:**                    Richtlinie 2009/45/EG
    des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Mai 2009 über
    Sicherheitsvorschriften und -normen für Fahrgastschiffe (Neufassung),
    (ABl. L 163 vom 25.6.2009, S. 1), die zuletzt durch die Richtlinie
    (EU) 2016/844 der Kommission vom 27. Mai 2016 (ABl. L 141 vom
    28\.5.2016, S. 51) geändert worden ist, in der jeweils geltenden
    Fassung;

2.2.9 **Internationaler Rettungsmittel-(LSA-)Code:**                    Der
    vom Schiffssicherheitsausschuss der IMO mit Entschließung MSC.48(66)
    angenommene Internationale Rettungsmittel-(LSA-)Code, angenommen am 4.
    Juni 1996 (BAnz. Nr. 118a vom 1. Juli 1998) in der jeweils geltenden
    Fassung;

2.2.10 **Internationaler Code für Brandsicherheitssysteme (FSS-Code):**
    Der vom Schiffssicherheitsausschuss der IMO mit Entschließung
    MSC.98(73) angenommene Internationale Code für
    Brandsicherheitssysteme, angenommen am 5. Dezember 2000 (VkBl. 2002 S.
    449, Anlageband B 8128) in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.11 **Code über Intaktstabilität:**                    Die Entschließung
    MSC.267(85) über den Internationalen Code über Intaktstabilität von
    2008 (VkBl. 2009 S. 724) in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.12 **SPS-Code:**                    Code über die Sicherheit von
    Spezialschiffen:

    a)  für Schiffe, die vor dem 1. Januar 2009 gebaut oder als Spezialschiffe
        zugelassen worden sind: Code über die Sicherheit von Spezialschiffen
        (Entschließung A.534(13)), angenommen am 17. November 1983 (VkBl. 1993
        S. 671), geändert durch MSC/Rundschreiben 739 vom 28. Juni 1996 (VkBl.
        1996 S. 636) in der jeweils geltenden Fassung;

    b)  für Schiffe, die am oder nach dem 1. Januar 2009 gebaut oder als
        Spezialschiffe zugelassen worden sind: Code über die Sicherheit von
        Spezialschiffen (Entschließung MSC.266(84)), angenommen am 13. Mai
        2008 (VkBl. 2009 S. 84), zuletzt geändert durch Rundschreiben
        (MSC.183(79), VkBl. 2009 S. 272) in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.13 **Maritime-Medizin-Verordnung:**                    Verordnung über
    maritime medizinische Anforderungen auf Kauffahrteischiffen vom 14.
    August 2014 (BGBl. I S. 1383) in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.14 **Betriebssicherheitsverordnung:**
    Betriebssicherheitsverordnung vom 3. Februar 2015 (BGBl. I S. 49) in
    der jeweils geltenden Fassung;

2.2.15 **Schiffsausrüstungsverordnung:**
    Schiffsausrüstungsverordnung vom 1. Oktober 2008 (BGBl. I S. 1913),
    die zuletzt durch Artikel 3 und 4 der Verordnung vom 23. Januar 2015
    (BGBl. I S. 78) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.16 **See-Umweltverhaltensverordnung:**                    Verordnung über
    das umweltgerechte Verhalten in der Seeschifffahrt vom 13. August 2014
    (BGBl. I S. 1371) in der jeweils geltenden Fassung;

2.2.17 **Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe:**
    Richtlinie nach § 6 Absatz 1 der Schiffssicherheitsverordnung über
    Sicherheitsanforderungen an Bau und Ausrüstung von Traditionsschiffen,
    die nicht internationalen Schiffssicherheitsregelungen einschließlich
    der Richtlinie 98/18/EG des Rates vom 17. März 1998 über
    Sicherheitsvorschriften und -normen für Fahrgastschiffe unterliegen
    (Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe) vom 3. Februar 2000
    (VkBl. 2000 Dokument Nr. B 8135), zuletzt geändert am 12. März 2003
    (VkBl. 2003 S. 205) in der bis zum 14. März 2018 geltenden Fassung.

2.3 DIN-, DIN EN- und DIN EN ISO-Normen, auf die in diesem Teil verwiesen
    wird, sind bei der Beuth-Verlag GmbH, Berlin, erschienen und beim
    Deutschen Patent- und Markenamt in München archivmäßig gesichert und
    hinterlegt.

**3.** Bau und Ausrüstung ****

3.1 Ein Traditionsschiff muss den technischen Anforderungen der Kapitel 1
    bis 6 entsprechen.

3.2 Kann im Einzelfall eine der Anforderungen nach Regel 3.1 nicht erfüllt
    werden, kann die Berufsgenossenschaft gleichwertige Einrichtungen,
    Hilfsmittel und Maßnahmen festlegen.

3.3 Bei denkmalgeschützten Schiffen und historischen Wasserfahrzeugen im
    Sinne der Regel 2.1.2 kann die Berufsgenossenschaft Ausnahmen von den
    technischen Anforderungen nach den Kapiteln 1 bis 6 zulassen.

3.4 Soweit die Kapitel 1 bis 6 keine besonderen Anforderungen an
    Bauausführungen, Anordnungen, Einrichtungen, Anlagen, Ausrüstung,
    Werkstoffe, deren Einbau und den Betrieb enthalten, sind die allgemein
    anerkannten Regeln der Technik einzuhalten.

3.5 Die nach Kapitel 1 bis 6 vorgeschriebene Ausrüstung muss nach der
    Schiffsausrüstungsverordnung zugelassen sein, wenn nicht in den
    nachfolgenden Regeln etwas anderes bestimmt ist. Ausrüstung, die nicht
    der Schiffsausrüstungsverordnung unterliegt, muss durch die
    Berufsgenossenschaft, das Bundesamt für Seeschifffahrt und
    Hydrographie (BSH) zugelassen sein oder den Anforderungen einer
    anerkannten Organisation genügen.

3.6 Vorgeschriebene Ausrüstung, die in einem anderen Mitgliedstaat der
    Europäischen Union oder der Türkei oder einem EFTA-Staat, der
    Vertragspartei des EWR-Abkommens ist, rechtmäßig hergestellt oder in
    Verkehr gebracht wurde, ist als gleichwertig anerkannt.

**4.** Meeresumweltschutz ****

    Die Bestimmungen des MARPOL-Übereinkommens und der See-
    Umweltverhaltensverordnung sind für Traditionsschiffe unmittelbar
    anzuwenden und im Zweifel vorrangig gegenüber den ergänzenden
    Bestimmungen des Kapitels 8.

**5.** Betriebsvorschriften ****

5.1 Der Betrieb eines Traditionsschiffes muss ideellen Zwecken,
    insbesondere der Vermittlung historischer Schiffsbetriebstechnik und
    traditioneller Seemannschaft dienen.

5.2 Eine erwerbswirtschaftliche Nutzung ist nicht zulässig. Entgelte
    dürfen nur erhoben werden, wenn sie ausschließlich für den Erhalt und
    Betrieb des Traditionsschiffes verwendet werden. Als Entgelt gelten
    auch mittelbare wirtschaftliche Vorteile, die durch den Betrieb des
    Traditionsschiffes erzielt werden. Anschaffungskosten für das
    Traditionsschiff dürfen nicht aus Einnahmen durch den Schiffsbetrieb
    erwirtschaftet werden. Ausgenommen sind als gemeinnützig anerkannte
    Körperschaften unter den Voraussetzungen, dass die Körperschaft nach
    ihrer Satzung durch den Schiffsbetrieb den wesentlichen Zweck, die
    maritimen Traditionen zu erhalten, selbst verfolgt, und dass das
    Traditionsschiff in uneingeschränktem Eigentum der Körperschaft steht.

5.3 Erträge dürfen nicht als Gewinn ausgeschüttet, im materiellen
    Interesse des Betreibers verwendet oder auf andere Weise dem ideellen
    Zweck entzogen werden.

5.4 Die Beförderung von Ladung mit einem Traditionsschiff zu
    Anschauungszwecken ist zulässig, sofern die Ladung gesichert ist sowie
    die Stabilität des Traditionsschiffes und die Sicherheit der an Bord
    befindlichen Personen gewährleistet sind.

5.5 Für die Organisation eines sicheren Schiffsbetriebs gilt Kapitel 7.

**6.** Verfahren ****

6.1 Die Berufsgenossenschaft erteilt auf Antrag ein Sicherheitszeugnis für
    Traditionsschiffe, wenn

    a)  das Schiff ein historisches Wasserfahrzeug ist,

    b)  an seiner Präsentation in Fahrt ein öffentliches Interesse besteht,

    c)  zu erwarten ist, dass der Betrieb nach dem nach Nummer 6.3 Buchstabe b
        vorzulegenden Nutzungskonzept und nach dem nach Nummer 6.3 Buchstabe c
        vorzulegenden Prüfbericht die in Regel 5 genannten Anforderungen
        erfüllt, und

    d)  die Besichtigung die Übereinstimmung mit den anwendbaren Vorschriften
        dieser Verordnung ergeben hat.

6.2 Wird ein Sicherheitszeugnis für Traditionsschiffe für einen Rückbau,
    einen Nachbau oder ein Segelschulungsschiff beantragt, gilt Regel 6.1
    mit der Maßgabe, dass die Berufsgenossenschaft nach pflichtgemäßem
    Ermessen entscheidet.

6.3 Dem Antrag sind beizufügen:

    a)  Angaben zur Schiffsgeschichte mit beweiskräftigen Belegen für die
        Authentizität und Identität des Schiffes, z. B. in Form von
        Fotografien, Zeichnungen oder sonstigen relevanten Materialien;

    b)  ein Nutzungskonzept, aus dem sich ergibt, in welcher Weise das Schiff
        zur Vermittlung historischer Schiffsbetriebstechnik und traditioneller
        Seemannschaft eingesetzt wird;

    c)  ein Prüfbericht eines Wirtschaftsprüfers oder Steuerberaters aus dem
        hervorgeht, dass die vorgesehene Mittelverwendung den Anforderungen
        der Regel 5 entspricht. Grundlage der Prüfung sind die letzten drei
        Wirtschaftsjahre vor der Antragstellung. Bei Erstanträgen ist das
        erwartete Ergebnis zum Ende der ersten drei Geschäftsjahre maßgeblich;

    d)  ein Gutachten eines Sachverständigen zum Nachweis der Voraussetzungen
        für die Anerkennung als historisches Wasserfahrzeug, wenn die nach
        Buchstabe a vorgelegten Unterlagen unzureichend sind oder ein
        Sicherheitszeugnis für Traditionsschiffe für einen Rückbau oder einen
        Nachbau beantragt wird.

    Bei Erneuerungsanträgen sind die Unterlagen nach Buchstabe a und d,
    die bereits vorgelegen haben, nicht erneut vorzulegen. Die
    Historizität des Traditionsschiffes ist nur erneut zu prüfen, soweit

    a)  neue Erkenntnisse zur Beurteilung der Historizität vorliegen oder

    b)  sich die tatsächlichen oder die rechtlichen Verhältnisse geändert
        haben.

**7.** Sachverständige ****

7.1 Sachverständige sind:

    a)  natürliche Personen oder Bedienstete öffentlich-rechtlicher
        Körperschaften, die nach den Bestimmungen dieses Teils durch die
        Berufsgenossenschaft anerkannt sind,

    b)  Bedienstete der Berufsgenossenschaft, sofern die Voraussetzungen für
        die Anerkennung als Sachverständige erfüllt sind, und

    c)  Bedienstete der Denkmalschutzbehörden der Länder, sofern die
        Voraussetzungen für die Anerkennung als Sachverständige erfüllt sind.

7.2 Als Sachverständiger kann anerkannt werden, wer persönlich und
    fachlich geeignet ist und die Gewähr bietet, dass er seine Tätigkeit
    als Gutachter unabhängig und frei von Weisungen ausübt.

7.3 Ein Bewerber um die Anerkennung als Sachverständiger

    a)  muss

        aa) über ein abgeschlossenes Hochschulstudium der
            Geschichtswissenschaften, vorzugsweise mit dem Schwerpunkt
            Technikgeschichte, und Forschungserfahrung in der deutschen und
            europäischen Schifffahrtsgeschichte verfügen, oder

        bb) in gleichwertiger Weise vertiefte, in qualifizierten Lehrgängen oder
            auf andere Weise erworbene Spezialkenntnisse und Erfahrungen
            nachweisen

        und

    b)  muss über die für die Aufgabenwahrnehmung notwendigen Rechts- und
        Verwaltungskenntnisse verfügen.

7.4 Die Anerkennung kann mit einem Vorbehalt des Widerrufes, einer
    Befristung, mit Bedingungen, Auflagen und dem Vorbehalt von Auflagen
    versehen werden. Sie kann insbesondere widerrufen werden, wenn der
    Sachverständige die Anforderungen nach Regel 7.2 nicht mehr erfüllt
    oder wiederholt Mängel bei der Prüftätigkeit festgestellt wurden.

7.5 Die Anerkennung ist zu versagen, wenn Tatsachen die Annahme
    rechtfertigen, dass die antragstellende Person die erforderliche
    Zuverlässigkeit nicht besitzt, insbesondere wenn sie keine
    Unabhängigkeit gewährleisten kann.

**8.** Besichtigung ****

8.1 Traditionsschiffe unterliegen den nachstehend bezeichneten
    Besichtigungen durch Besichtiger der Berufsgenossenschaft:

    a)  einer erstmaligen Besichtigung vor der Indienststellung des Schiffes
        als Traditionsschiff;

    b)  einer Zwischenbesichtigung zwischen dem zweiten und dritten Jahr vor
        dem Ablaufdatum des Sicherheitszeugnisses, wenn das Zeugnis für einen
        Zeitraum von mehr als drei Jahren ausgestellt ist;

    c)  einer Erneuerungsbesichtigung innerhalb von drei Monaten vor dem
        Ablaufdatum des Sicherheitszeugnisses.

8.2 Der Antragsteller kann mit der Besichtigung nach Regel 8.1 ganz oder
    teilweise auch eine anerkannte Organisation beauftragen. Die
    Besichtigung darf bei Antragsstellung nicht länger als drei Monate
    zurückliegen.

8.3 Die Berufsgenossenschaft kann unbeschadet des Verfahrens nach Regel
    8\.2 weitere Nachweise zur Erfüllung der Anforderungen dieser
    Verordnung verlangen und eigene Feststellungen treffen oder
    Besichtigungen durchführen.

8.4 Im Rahmen der erstmaligen Besichtigung und bei jeder
    Erneuerungsbesichtigung ist eine Überprüfung der Außenhaut und der
    Schiffsverbände auf dem Trockenen durchzuführen.

8.5 Die Takelage ist bei allen Besichtigungen nach Regel 8.1 auf
    ordnungsgemäßen Zustand und Funktion zu prüfen. Der Teil des
    hölzernen, durch das Deck geführten Mastes, der sich unter Deck
    befindet, ist bei jeder Erneuerungsbesichtigung zu prüfen. Dazu muss
    der Mast herausgezogen werden. Bei Masten, die zum Zeitpunkt der
    Erneuerungsbesichtigung nicht älter als zweieinhalb Jahre sind, kann
    die Berufsgenossenschaft auf das Herausziehen des Mastes verzichten.

8.6 Zur Berücksichtigung besonderer Umstände kann die Berufsgenossenschaft
    kürzere Fristen und weitere Zwischenprüfungen festlegen.

8.7 Nach einer Besichtigung dürfen an den baulichen Anordnungen, der
    Maschinenanlage, den Ausrüstungsgegenständen und den sonstigen
    Gegenständen, auf die sich die Besichtigung erstreckt hat, ohne
    Genehmigung der Berufsgenossenschaft keine Änderungen vorgenommen
    werden.

**9.** Geltungsdauer und Gültigkeit des Sicherheitszeugnisses ****

9.1 Das Sicherheitszeugnis für Traditionsschiffe wird für die Dauer von
    höchstens fünf Jahren erteilt. Die Laufzeit beginnt am letzten Tag der
    erstmaligen Besichtigung oder der Erneuerungsbesichtigung.

9.2 Über die Erteilung eines Zeugnisses nach Regel 9.1 kann vorläufig
    entschieden werden, wenn

    a)  zur Feststellung der Voraussetzungen voraussichtlich längere Zeit
        erforderlich ist,

    b)  nach Regel 8 fällige Besichtigungen abgeschlossen sind,

    c)  nach dem Ergebnis dieser Besichtigung die Voraussetzungen für die
        Erteilung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit vorliegen und

    d)  der Antragsteller die Umstände, die einer abschließenden Entscheidung
        entgegenstehen, nicht zu vertreten hat.

    Die Gültigkeit eines Sicherheitszeugnisses nach Satz 1 darf sechs
    Monate nicht überschreiten.

9.3 Das Sicherheitszeugnis wird ungültig, wenn

    a)  die vorgeschriebenen Besichtigungen nicht innerhalb der in Regel 8.1,
        8\.4 und 8.6 festgelegten Zeitabschnitte abgeschlossen werden, oder

    b)  nach einer Besichtigung Veränderungen am Traditionsschiff, der
        Ausrüstung oder sonstigen Einrichtungen vorgenommen werden, die
        Gegenstand der Besichtigung waren.

9.4 Das Sicherheitszeugnis ruht, wenn das Traditionsschiff von einem
    Unfall betroffen ist oder ein Fehler entdeckt wird, der die Sicherheit
    des Traditionsschiffes oder die Leistungsfähigkeit oder
    Vollständigkeit seiner Rettungsmittel oder sonstigen Ausrüstungen
    beeinträchtigt. Die Berufsgenossenschaft entscheidet auf Antrag über
    das Wiederaufleben des Sicherheitszeugnisses.

**10.** Verantwortlichkeit und Verhaltenspflichten ****

10.1 Der Betreiber ist für die Einhaltung der Rechte und Pflichten nach
    dieser Verordnung verantwortlich. Dies gilt auch dann, wenn eine
    andere Organisation oder Person bestimmte Aufgaben und Pflichten im
    Auftrag des Betreibers erfüllt. § 9 des Schiffssicherheitsgesetzes
    bleibt unberührt.

10.2 Wird das Traditionsschiff von einem Unfall betroffen oder wird ein
    Fehler entdeckt, der die Sicherheit des Traditionsschiffes oder die
    Leistungsfähigkeit oder Vollständigkeit seiner Rettungsmittel oder
    sonstigen Ausrüstung beeinträchtigt, so hat der Schiffsführer oder
    Betreiber des Traditionsschiffes unverzüglich die Berufsgenossenschaft
    zu unterrichten und die Untersuchungen zu veranlassen, um
    festzustellen, ob eine Besichtigung erforderlich ist. Das
    Sicherheitszeugnis ruht, bis die Berufsgenossenschaft in Kenntnis
    gesetzt wurde und alle von der Berufsgenossenschaft angeordneten
    Maßnahmen zur Wiederherstellung eines sicheren Zustandes getroffen
    wurden.

**11.** Wartung und Instandhaltung ****

11.1 Der Zustand des Traditionsschiffes und seiner Ausrüstung muss so
    erhalten werden, dass er den Bestimmungen dieser Verordnung
    entspricht, damit sichergestellt wird, dass das Traditionsschiff in
    jeder Hinsicht stets ohne Gefahr für sich oder die an Bord
    befindlichen Personen in See gehen kann.

11.2 Die Erprobung und Wartung der nachfolgenden Anlagen und
    Ausrüstungsgegenstände ist in geeigneter Form aufzuzeichnen und zu
    belegen:

    a)  Die Ruderanlage ist in regelmäßigen Abständen auf ihren Zustand hin zu
        kontrollieren. Die Notsteuervorrichtung ist regelmäßig zu erproben.

    b)  Im Falle eines Segelschiffes ist der Zustand der Takelage,
        insbesondere Masten, Spieren, stehendes und laufendes Gut regelmäßig
        zu überprüfen.

    c)  Seeventile, Schraubenwellendurchführungen und Lenzeinrichtungen müssen
        regelmäßig überprüft werden.

    d)  Haupt- und Hilfsmaschinen sind nach Herstellerangaben zu warten und zu
        überholen.

11.3 Dampfkesselanlagen sind regelmäßig durch einen nach Teil 8 anerkannten
    Sachverständigen zu überprüfen. Der Sachverständige hat eine von ihm
    unterzeichnete Bescheinigung auszustellen und dem Betreiber zu
    übergeben, aus der das Datum der Prüfung ersichtlich ist. Der
    Betreiber hat der Berufsgenossenschaft hiervon eine Kopie zu
    übermitteln.

11.4 Flüssiggasanlagen und Gasmelder müssen

    a)  vor der ersten Inbetriebnahme,

    b)  vor der Wiederinbetriebnahme nach einer wesentlichen Änderung oder
        Instandsetzung und

    c)  in regelmäßigen Intervallen von zwei Jahren

    durch einen von der Berufsgenossenschaft anerkannten Sachverständigen
    geprüft werden. Regel 11.3 Satz 2 und 3 gilt entsprechend.

11.5 Aufblasbare Rettungsflöße müssen in Abständen von höchstens zwölf
    Monaten gewartet werden. Die Berufsgenossenschaft kann das
    Wartungsintervall auf 17 Monate verlängern, wenn das Traditionsschiff
    nicht ganzjährig betrieben wird und der Antragsteller nachweist, dass
    die Rettungsflöße in der übrigen Zeit frostfrei und trocken an Land
    gelagert werden.

11.6 Die medizinische Ausstattung nach Kapitel 9 ist unter Mitwirkung einer
    öffentlichen Apotheke regelmäßig zu kontrollieren und zu ergänzen.
    Eine Kontrolle muss mindestens alle zwölf Monate erfolgen. Über die
    Durchführung sind stets aktuelle Nachweise zu führen und mindestens
    fünf Jahre ab dem Tag der Ausstellung an Bord aufzubewahren.

**12.** Schiffsbesetzung ****

12.1 Der Betreiber hat das Traditionsschiff nach Maßgabe des § 11 der
    Sportseeschifferscheinverordnung zu besetzen. Er hat unbeschadet
    seiner Verpflichtung nach Satz 1 dafür zu sorgen, dass

    a)  das Traditionsschiff entsprechend dem nach Regel 12.3 ausgestellten
        Schiffsbesatzungszeugnis besetzt ist,

    b)  Anordnungen der Berufsgenossenschaft zur Einhaltung der
        Schiffsbesetzungsvorschriften befolgt werden und

    c)  das Schiffsbesatzungszeugnis an Bord mitgeführt wird.

12.2 Segelschulungsschiffe müssen nach Maßgabe des Kapitels 11 zusätzlich
    über ausreichend qualifizierte Besatzung verfügen, um eine fundierte
    Ausbildung in traditioneller Seemannschaft sicherzustellen.

12.3 Die Berufsgenossenschaft erteilt ein Schiffsbesatzungszeugnis, wenn
    die Voraussetzungen der Regeln 12.1 Satz 1 und 12.2 erfüllt sind. Das
    Schiffsbesatzungszeugnis wird für die Dauer von fünf Jahren erteilt.

12.4 Der Betreiber ist verpflichtet, Änderungen der für die Erteilung des
    Schiffsbesatzungszeugnisses maßgeblichen Voraussetzungen der
    Berufsgenossenschaft unverzüglich anzuzeigen und ein den geänderten
    Voraussetzungen entsprechendes Schiffsbesatzungszeugnis zu beantragen.

12.5 Als Besatzungsmitglied, das nach dem Schiffsbesatzungszeugnis zur
    sicheren Mindestbesatzung gehört, darf nur eingesetzt werden, wer für
    die von ihm zu verrichtende Tätigkeit auf See gesundheitlich tauglich
    ist. Gesundheitlich tauglich ist, wer nach seinem Gesundheitszustand
    für die Tätigkeit an Bord von Schiffen geeignet und hinreichend
    widerstandsfähig ist und den zur Erhaltung der Schiffssicherheit
    gestellten besonderen Anforderungen seines Dienstzweiges genügt.
    Abschnitt 2 und die Anlagen 1 und 2 der Maritime-Medizin-Verordnung
    gelten entsprechend.

12.6 Nach Maßgabe des Kapitels 9 müssen Besatzungsmitglieder durch die
    Teilnahme an Lehrgängen nach Kapitel 9 Regel 2.3 und 2.4 nachweisen,
    dass sie über Kenntnisse und praktische Fähigkeiten verfügen, die eine
    angemessene medizinische Behandlung und Versorgung an Bord
    gewährleisten.

**13.** Übergangsregelungen ****

13.1 Zeugnisse, Bescheinigungen und Prüflisten, die bis zum 14. März 2018
    ausgestellt worden sind, bleiben bis zum Ablauf ihrer Gültigkeit
    wirksam. Bis dahin sind die Anforderungen der Sicherheitsrichtlinie
    für Traditionsschiffe weiterhin einzuhalten.

13.2 Die Voraussetzungen der Regel 5.1 und der Regel 6.1 Buchstabe a und b
    gelten für vorhandene Traditionsschiffe als erfüllt. Der
    Bestandsschutz beschränkt sich auf die bisher zugelassenen Nutzungen.
    Er erlischt durch eine Nutzungsänderung oder in Fällen, in denen die
    Abmessungen des Traditionsschiffes wesentlich geändert wurden oder
    wesentliche Änderungen am äußeren Erscheinungsbild des
    Traditionsschiffes vorgenommen worden sind.

13.3 Traditionsschiffe, die nach dem 14. März 2018 erstmalig einen
    Erneuerungsantrag stellen, müssen die Anforderungen der Kapitel 2 bis
    11 hinsichtlich

    a)  der Ausrüstung und des Betriebssicherheitssystems innerhalb eines
        Jahres und

    b)  hinsichtlich der baulichen Anforderungen bis zur nächsten
        Zwischenbesichtigung

    erfüllen. Abweichend von Satz 1 müssen Traditionsschiffe, für die bis
    zum Ablauf des 31. Dezember 2024 erstmalig ein Erneuerungsantrag
    gestellt wird, die Anforderungen der Kapitel 2 bis 11 hinsichtlich

    a)  der Ausrüstung und des Betriebssicherheitssystems innerhalb von drei
        Jahren und

    b)  hinsichtlich der baulichen Anforderungen bis zur nächsten
        Erneuerungsbesichtigung

    erfüllen.

13.4 Die Anforderungen nach Kapitel 3 Regel 13.1 sind spätestens fünf Jahre
    nach dem 14. März 2018 zu erfüllen, soweit sie die Ausrüstung mit
    Pressluftatmern betreffen.

13.5 Die Anforderungen nach Regel 12.5, 12.6 und Kapitel 11 Regel 3 sind
    spätestens fünf Jahre nach dem 14. März 2018 zu erfüllen.

Kapitel 2
Bauweise der Traditionsschiffe –

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SchSV-1998
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