Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wpig/__44.html
Legislation: wpig

Title: § 44 Funktion des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans im Rahmen des Risikomanagements; Ausschussbildung

Description:
Gesetz zur Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten (WpIG)
Kapitel 5 - Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten; Solvenzaufsicht
Abschnitt 1 - Grundlagen der Solvenzaufsicht
§ 44 Funktion des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans im Rahmen des Risikomanagements; Ausschussbildung

Paragraph: 44

Full Text:
Gesetz zur Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten (WpIG)
Kapitel 5 - Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten; Solvenzaufsicht
Abschnitt 1 - Grundlagen der Solvenzaufsicht
§ 44 Funktion des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans im Rahmen des Risikomanagements; Ausschussbildung

(1) Das Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan des Wertpapierinstituts
überwacht regelmäßig die Risikostrategie und die internen Grundsätze
des Wertpapierinstituts zum Umgang mit Risiken. Es überwacht die
angemessene Ausgestaltung der Vergütungssysteme einschließlich deren
Umsetzung in dem Wertpapierinstitut und überprüft sie regelmäßig. Es
ist auch für die Ausgestaltung der Vergütungssysteme der
Geschäftsleiter zuständig.

(2) Das Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan erhält Zugang zu
Informationen, die für die Erfüllung seiner Kontroll- und
Überwachungsfunktion notwendig sind. Dazu gehört insbesondere der
Zugang zu Informationen über die Risiken, denen das Wertpapierinstitut
ausgesetzt ist oder ausgesetzt sein könnte.

(3) Das Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan eines Wertpapierinstituts hat
aus seiner Mitte einen Risikoausschuss und einen
Vergütungskontrollausschuss einzurichten. Von der Einrichtung des
Risikoausschusses und des Vergütungskontrollausschusses kann bei
Wertpapierinstituten abgesehen werden, wenn

1.  deren bilanzielle und außerbilanzielle Vermögenswerte, gemessen am
    Durchschnitt der letzten vier vorangegangenen Geschäftsjahre, nicht
    mehr als 100 Millionen Euro betragen oder

2.  deren bilanzielle und außerbilanzielle Vermögenswerte, gemessen am
    Durchschnitt der letzten vier vorangegangenen Geschäftsjahre, nicht
    mehr als 300 Millionen Euro betragen, wenn

    a)  sie gemessen an der Bilanzsumme nicht zu den drei größten Mittleren
        Wertpapierinstituten mit Sitz in Deutschland gehören,

    b)  sie nicht den Anforderungen in Bezug auf die Sanierungs- und
        Abwicklungsplanung oder gemäß den §§ 19 und 41 des Sanierungs- und
        Abwicklungsgesetzes den vereinfachten Anforderungen in Bezug auf die
        Sanierungs- und Abwicklungsplanung unterliegen,

    c)  der Umfang ihrer bilanziellen und außerbilanziellen
        Handelsbuchtätigkeit nicht mehr als 150 Millionen Euro beträgt und

    d)  der Umfang ihrer bilanziellen und außerbilanziellen Geschäfte mit
        Derivaten nicht mehr als 100 Millionen Euro beträgt.

Abweichend von Satz 2 kann die Bundesanstalt im Einzelfall für ein
Wertpapierinstitut die Einrichtung eines Risikoausschusses anordnen,
wenn dies aufgrund von Art und Umfang der Tätigkeit des
Wertpapierinstituts, seiner internen Organisation oder der
Eigenschaften der Gruppe, der das Wertpapierinstitut angehört, geboten
ist.

(4) Der Risikoausschuss berät das Verwaltungs- oder Aufsichtsorgan zur
gegenwärtigen und zukünftigen Gesamtrisikobereitschaft und -strategie
des Wertpapierinstituts. Er unterstützt das Verwaltungs- oder
Aufsichtsorgan bei der Überwachung der Umsetzung der Risikostrategie
durch die Geschäftsleiter.

(5) Die Mitglieder des Risikoausschusses müssen über ausreichende
Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen, um die
Risikostrategie und die Risikobereitschaft des Wertpapierinstituts zu
erfassen und zu überwachen.

(6) Der Vergütungskontrollausschuss unterstützt das Verwaltungs- oder
Aufsichtsorgan bei der Überprüfung der Vergütungssysteme sowie der für
das Risiko-, Kapital- und Liquiditätsmanagement geschaffenen Anreize.
Er ist zuständig für die Ausarbeitung von Beschlüssen des Verwaltungs-
oder Aufsichtsorgans betreffend die Vergütungssysteme, einschließlich
solcher, die sich auf das Risiko und das Risikomanagement des
betreffenden Wertpapierinstituts auswirken. Bei der Vorbereitung der
Beschlüsse trägt der Vergütungskontrollausschuss dem öffentlichen
Interesse und den langfristigen Interessen der Gesellschafter, Anleger
und sonstigen Interessenträger des Wertpapierinstituts Rechnung.

(7) Der Vergütungskontrollausschuss muss eine ausgewogene
Zusammensetzung aus Frauen und Männern aufweisen. Die Mitglieder des
Vergütungskontrollausschusses müssen in der Lage sein, die
Vergütungssysteme sowie die für das Risiko-, Kapital- und
Liquiditätsmanagement geschaffenen Anreize sachkundig und unabhängig
zu bewerten. Ist eine Arbeitnehmervertretung im Verwaltungs- oder
Aufsichtsorgan vorgesehen, so umfasst der Vergütungskontrollausschuss
einen oder mehrere Vertreter der Arbeitnehmer. Der
Vergütungskontrollausschuss kann auf Gruppenebene eingerichtet werden.

Collections: bundestag_gesetze
WpIG
Level: 4.0