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Legislation: abwv

Title: Anhang 19 Zellstofferzeugung

Description:
Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer (AbwV)
Anhang 19 Zellstofferzeugung

Paragraph: 7

Full Text:
Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer (AbwV)
Anhang 19 Zellstofferzeugung

(Fundstelle: BGBl. I 2004, 1132 - 1133)

**A** **Anwendungsbereich**

(1) Dieser Anhang gilt für Abwasser, dessen Schadstofffracht im
Wesentlichen aus der Herstellung von gebleichtem Zellstoff nach dem
Sulfit- oder dem Sulfatverfahren stammt.
(2) Dieser Anhang gilt nicht für Abwasser aus der Erzeugung von
Zellstoff aus Einjahrespflanzen sowie für Abwasser aus indirekten
Kühlsystemen und aus der Betriebswasseraufbereitung.
(3) Die in Teil C Absatz 1 und 3 und Teil D Absatz 1 und 3 genannten
Anforderungen sind Emissionsgrenzwerte im Sinne von § 1 Absatz 2 Satz
1\.

**B** **Allgemeine Anforderungen**

(1) Abwasseranfall und Schadstofffracht sind so gering zu halten, wie
dies durch folgende Maßnahmen möglich ist:

1.  Reduzierung des Wasserverbrauchs, zum Beispiel durch Optimierung des
    Wassermanagements mittels messtechnischer Erfassung der
    Hauptwasserverbrauchsstellen, Einengung der Wasserkreisläufe,
    Gegenstromführung und Wiederverwendung gebrauchten Prozesswassers;

2.  weitgehend abwasserfreie Entrindung;

3.  Vermeidung der Verunreinigung der Rinde und des Holzes mit Sand und
    Steinen durch entsprechende innerbetriebliche Handhabung des Holzes;

4.  optimierter Holzaufschluss durch weitergehende Kochung und Sauerstoff-
    Delignifizierung;

5.  geschlossene Wäsche und Sortierung des ungebleichten Zellstoffes;

6.  Erfassung der beim Kochaufschluss in Lösung gegangenen organischen
    Substanz zu mindestens
    98 Prozent                    durch den Einsatz Wasser sparender
    Waschverfahren;

7.  Verwertung von Nebenprodukten aus der Zellstoffwäsche, zum Beispiel
    Tallölgewinnung beim Sulfatverfahren;

8.  Neutralisierung und Eindampfung der Waschlösung;

9.  Verwertung des Eindampfkonzentrates (Dicklauge) und Rückgewinnung der
    Aufschlusschemikalien;

10. Strippung und anschließende Wiederverwendung der hoch konzentrierten
    Eindampfkondensate;

11. Zellstoffbleiche ohne Einsatz von Elementarchlor und chlorhaltigen
    Bleichchemikalien, mit Ausnahme von Chlordioxid bei der Herstellung
    von elementarchlorfreiem Sulfatzellstoff;

12. teilweise Schließung des Kreislaufs in der Bleichanlage;

13. Sammlung aller Leckagewässer;

14. Dimensionierung der Eindampfungsanlage unter Berücksichtigung von
    Spitzenbelastungen;

15. Verzicht auf den Einsatz von organischen Komplexbildnern, die einen
    DOC-Abbaugrad nach 28 Tagen von 80 Prozent entsprechend dem Verfahren
    nach Anlage 1 Nummer 406 nicht erreichen; ist ein Verzicht nicht
    möglich, sind die Einsatzmengen zu minimieren und ist die
    Schadstofffracht entsprechend den technischen Möglichkeiten zu
    reduzieren.

(2) Abwasserbehandlungsanlagen sind so zu errichten und zu betreiben,
dass Geruchsemissionen vermieden werden, zum Beispiel durch optimale
Durchmischung und kontinuierliche Entwässerung des Schlammes.

**C** **Anforderungen an das Abwasser für die Einleitungsstelle**

(1) An das Abwasser werden für die Einleitungsstelle in das Gewässer
folgende Anforderungen gestellt:

*    *
    *   24-Stunden-Mischprobe

*    *   Gesamter organischer Kohlenstoff (TOC)

    *   kg/t

    *   12

*    *   Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

    *   kg/t

    *   25

*    *   Biochemischer Sauerstoffbedarf in 5 Tagen (BSB
        5                       )

    *   mg/l

    *   30

*    *   Phosphor, gesamt

    *   mg/l

    *   2,0

*    *   Stickstoff, gesamt, als Summe von Ammonium-, Nitrit- und
        Nitratstickstoff (N
        ges                       )

    *   mg/l

    *   10

*    *   Gesamter gebundener Stickstoff (TN
        b                       )

    *   mg/l

    *   20

*    *   Giftigkeit gegenüber Fischeiern (G
        Ei                       )

    *
    *   2

Die Anforderung an die Giftigkeit gegenüber Fischeiern (G
Ei             ) bezieht sich auf die Stichprobe.
(2) Die produktionsspezifischen Frachtwerte (kg/t) nach Absatz 1
ergeben sich aus dem Verhältnis der Schadstofffracht zur
Produktionskapazität für lufttrockenen Zellstoff in Tonnen je Tag, die
der wasserrechtlichen Zulassung zugrunde liegt. Die Schadstofffracht
ergibt sich aus einer Multiplikation des Konzentrationswerts der
24-Stunden-Mischprobe mit dem Volumen des Abwasserstroms in 24
Stunden, der mit der Probenahme korrespondiert.
(3)Unbeschadet der Anforderungen nach den Absätzen 1 und 2 dürfen im
Abwasser folgende Jahresmittelwerte in Kilogramm je Tonne erzeugten
lufttrockenen Zellstoffs nicht überschritten werden:

*    *
    *   Gebleichter
        Sulfatzellstoff
        kg/t

    *   Gebleichter
        Sulfitzellstoff
        kg/t

*    *   Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

    *   13

    *   30

*    *   Abfiltrierbare Stoffe

    *   1,5

    *   1,5

*    *   Gesamter gebundener Stickstoff (TN
        b                       )

    *   0,25

    *   0,30

*    *   Phosphor, gesamt

    *   0,030

    *   0,050

(4) Die Parameter nach Absatz 3 sind nach Teil H Absatz 1 Nummer 1
Buchstabe a und b zu messen. Der produktionsspezifische Frachtwert
(kg/t) für die Parameter nach Absatz 3 ergibt sich aus dem Verhältnis
der Schadstofffracht zur Produktion lufttrockenen Zellstoffs, die dem
Zeitraum der Probenahme zuzurechnen ist. Die Schadstofffracht ergibt
sich aus einer Multiplikation des Konzentrationswerts der 24-Stunden-
Mischprobe mit dem Volumen des Abwasserstroms in 24 Stunden, der mit
der Probenahme korrespondiert. Die Ergebnisse der Messungen nach Satz
1 stehen Ergebnissen staatlicher Überwachung gleich. § 6 Absatz 1
findet keine Anwendung.

**D** **Anforderungen an das Abwasser vor Vermischung**

(1) Das Abwasser darf vor der Vermischung mit anderem Abwasser Chlor
und chlorhaltige Bleichmittel sowie adsorbierbare organisch gebundene
Halogene (AOX) aus der Bleiche nicht enthalten. Abweichend von Satz 1
darf Abwasser aus der Herstellung von elementarchlorfreiem
Sulfatzellstoff in der 24-Stunden-Mischprobe bis zu 0,25 kg AOX je
Tonne Zellstoff enthalten.
(2) Der produktionsspezifische Frachtwert für den Parameter AOX
(kg/t), der nach Absatz 1 Satz 2 zu messen ist, ergibt sich aus dem
Verhältnis der Schadstofffracht zur Produktionskapazität für
lufttrockenen Zellstoff in Tonnen je Tag, die der wasserrechtlichen
Zulassung zugrunde liegt. Die Schadstofffracht ergibt sich aus einer
Multiplikation des Konzentrationswerts der 24-Stunden-Mischprobe mit
dem Volumen des Abwasserstroms in 24 Stunden, der mit der Probenahme
korrespondiert.
(3) Unbeschadet der Anforderungen nach Absatz 1 darf im Abwasser für
AOX ein Jahresmittelwert von 0,20 kg/t erzeugten Zellstoffs aus dem
Sulfatzellstoffprozess oder von 1,5 mg/l bei der Herstellung von
Sulfitzellstoff nicht überschritten werden. Der Wert für die
Herstellung von Sulfitzellstoff gilt nicht, wenn das totalchlorfreie
Bleichverfahren bei der Herstellung von Sulfitzellstoff angewendet
wird. Der Parameter AOX ist nach Teil H Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe a
oder Buchstabe b zu messen. Der produktionsspezifische Frachtwert
(kg/t) ergibt sich aus dem Verhältnis der Schadstofffracht zur
Produktion lufttrockenen Zellstoffs, die dem Zeitraum der Probenahme
zuzurechnen ist. Die Schadstofffracht ergibt sich aus einer
Multiplikation des Konzentrationswerts der 24-Stunden-Mischprobe mit
dem Volumen des Abwasserstroms in 24 Stunden, der mit der Probenahme
korrespondiert. Die Ergebnisse der Messungen nach Satz 3 stehen
Ergebnissen staatlicher Überwachung gleich. § 6 Absatz 1 findet keine
Anwendung.

**E** **Anforderungen an das Abwasser für den Ort des Anfalls**

An das Abwasser werden für den Ort des Anfalls keine zusätzlichen
Anforderungen gestellt.

**F** **Anforderungen für vorhandene Einleitungen**

Für vorhandene Einleitungen von Abwasser aus Anlagen, die vor dem 1.
August 2001 rechtmäßig in Betrieb waren oder mit deren Bau zu diesem
Zeitpunkt rechtmäßig begonnen worden ist, gilt abweichend von Teil C
Absatz 1 für den CSB ein Wert von 40 kg/t.

**G** **Abfallrechtliche Anforderungen**

Abfallrechtliche Anforderungen werden nicht gestellt.

**H** **Betreiberpflichten**

Abfallrechtliche Anforderungen werden nicht gestellt.

(1) Es sind mindestens folgende Messungen im Abwasser vorzunehmen:

1.  An der Einleitungsstelle in das Gewässer sind die folgenden Parameter
    in der 24-Stunden-Mischprobe wie folgt zu messen:

    a)  tägliche Messung des CSB und der abfiltrierbaren Stoffe;

    b)  wöchentliche Messung des BSB
        5                         , TN
        b                          und von Phosphor, gesamt;

    c)  monatliche Messung von Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) und
        Diethylentriaminpentaessigsäure (DTPA), sofern diese Stoffe im Prozess
        eingesetzt werden.

2.  Vor der Vermischung mit anderem Abwasser sind die folgenden Parameter
    in der 24-Stunden-Mischprobe wie folgt zu messen:

    a)  bei der Herstellung von elementarchlorfrei gebleichtem Zellstoff
        monatliche Messung des AOX;

    b)  bei der Herstellung von totalchlorfrei gebleichtem Zellstoff einmal
        alle zwei Monate Messung des AOX, sofern AOX durch die Zugabe von
        Chemikalien oder Rohstoffen entsteht;

    c)  jährliche Messung von Blei, Cadmium, Kupfer, Nickel, Quecksilber und
        Zink.

(2) Die Jahresmittelwerte für die Parameter nach Teil C Absatz 3 sowie
der Jahresmittelwert für den Parameter AOX bezogen auf den erzeugten
Zellstoff aus dem Sulfatzellstoffprozess nach Teil D Absatz 3 Satz 1
ergeben sich aus den nach der täglichen Produktion gewichteten
Mittelwerten der produktionsspezifischen Frachtwerte, die aus den
Ergebnissen der Messungen nach Absatz 1 ermittelt werden. Der
Jahresmittelwert für den AOX bezogen auf die Herstellung von
Sulfitzellstoff nach Teil D Absatz 3 Satz 1 errechnet sich aus den
Ergebnissen der Messungen nach Absatz 1.

(3) Es ist ein Jahresbericht nach Anlage 2 Nummer 3 zu erstellen.
Mindestens alle drei Jahre ist in diesem Bericht auch nachzuweisen,
dass

1.  erneut überprüft wurde, ob ein Verzicht auf den Einsatz der unter Teil
    B Absatz 1 Nummer 15 genannten Stoffe möglich ist,

2.  der Einsatz dieser Stoffe weiterhin erforderlich ist,

3.  vorhandene Alternativen bewertet wurden und

4.  mögliche Maßnahmen zur Minimierung der Einsatzmengen umgesetzt wurden.

Die Restschadstofffracht aus dem Einsatz dieser Stoffe ist
abzuschätzen.

(4) Die Messungen der Parameter nach Absatz 1 sind nach den Analyse-
und Messverfahren nach Anlage 1 oder nach behördlich anerkannten
Überwachungsverfahren durchzuführen. Die landesrechtlichen
Vorschriften für die Selbstüberwachung bleiben von den
Betreiberpflichten nach den Absätzen 1 bis 3 unberührt.

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