Source: https://www.gesetze-im-internet.de/derivatev_2013/__16.html
Legislation: derivatev_2013

Title: § 16 Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko

Description:
Verordnung über Risikomanagement und Risikomessung beim Einsatz von Derivaten, Wertpapier-Darlehen und Pensionsgeschäften in Investmentvermögen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (DerivateV 2013)
Abschnitt 2 - Marktrisiko
Unterabschnitt 3 - Einfacher Ansatz
§ 16 Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko

Paragraph: 16

Full Text:
Verordnung über Risikomanagement und Risikomessung beim Einsatz von Derivaten, Wertpapier-Darlehen und Pensionsgeschäften in Investmentvermögen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (DerivateV 2013)
Abschnitt 2 - Marktrisiko
Unterabschnitt 3 - Einfacher Ansatz
§ 16 Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko

(1) Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko für Grundformen von
Derivaten ist regelmäßig jeweils das Basiswertäquivalent. Dabei ist
der Marktwert des Basiswertes zugrunde zu legen. Führt dies zu einer
konservativeren Ermittlung, kann alternativ der Nominalwert oder der
börsentäglich ermittelte Terminpreis bei Finanzterminkontrakten
zugrunde gelegt werden.

(2) Zur Bestimmung des Anrechnungsbetrags für das Marktrisiko hat die
Kapitalverwaltungsgesellschaft die einzelnen Anrechnungsbeträge der
jeweiligen Derivate und derivativer Komponenten sowie die einzelnen
Anrechnungsbeträge für Wertpapier-Darlehen und Pensionsgeschäfte zu
ermitteln. Des Weiteren hat sie mögliche Absicherungsgeschäfte nach §
19 zu identifizieren. Hierzu werden zunächst die Anrechnungsbeträge
zwischen marktgegenläufigen Derivaten entsprechend den Vorgaben nach §
19 verrechnet. Der aus der Verrechnung resultierende Anrechnungsbetrag
der einzelnen Derivate kann des Weiteren entsprechend § 19 mit den
Marktwerten entsprechender nichtderivativer Vermögensgegenstände nach
den §§ 193 bis 196, 198 und 231 des Kapitalanlagegesetzbuches
verrechnet werden. Der aus der Verrechnung resultierende absolute Wert
ist der Anrechnungsbetrag des jeweiligen Derivates.

(3) Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko ist sodann zu ermitteln
als Summe der absoluten Werte

1.  der Anrechnungsbeträge der einzelnen Derivate und derivativen
    Komponenten nach den Absätzen 7 bis 9, die nicht in Verrechnungen nach
    § 19 einbezogen wurden,

2.  der Anrechnungsbeträge, die aus Verrechnungen nach § 19 resultieren,
    und

3.  der Anrechnungsbeträge aus der Wiederanlage von Sicherheiten nach §
    21\.

(4) Bei der Ermittlung des Anrechnungsbetrags ist die Basiswährung des
Investmentvermögens unter Nutzung der aktuellen Wechselkurse zugrunde
zu legen.

(5) Soweit ein Währungsderivat aus zwei Vertragsseiten besteht, die
nicht in der Basiswährung des Investmentvermögens zu erfüllen sind,
sind beide Vertragsseiten bei der Ermittlung des Anrechnungsbetrags
mit einzubeziehen.

(6) Stellt ein Vermögensgegenstand eine Kombination von Derivaten oder
eine Kombination von nach den §§ 193 bis 196 und 198 des
Kapitalanlagegesetzbuches zulässigen Vermögensgegenständen mit
Derivaten dar, ist sein Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko die
Summe der einzelnen Komponenten des Vermögensgegenstandes. Enthält ein
Index, in den das Investmentvermögen investiert, Derivate oder weist
der Index Leverage auf, so sind die Anrechnungsbeträge der
entsprechenden Vermögensgegenstände in dem Index zu ermitteln und in
die Berechnung nach Absatz 3 einzubeziehen.

(7) Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko für Grundformen von
Derivaten ist bei

1.  Finanzterminkontrakten die Anzahl der Kontrakte multipliziert mit dem
    Kontraktwert multipliziert mit dem Marktwert des Basiswertes, wobei
    der Marktwert des Basiswertes

    a)  dem Marktwert der günstigsten lieferbaren Referenzanleihe entspricht,
        sofern der Basiswert eine Anleihe ist, oder

    b)  dem aktuellen Stand des Basiswertes entspricht, sofern der Basiswert
        ein Finanzindex, Wechselkurs oder Zinssatz ist,

2.  Optionen die Anzahl der Kontrakte multipliziert mit dem Kontraktwert
    multipliziert mit dem Marktwert des zugrunde liegenden Basiswertes
    multipliziert mit dem zugehörigen Delta nach § 18 Absatz 1, wobei der
    Marktwert des Basiswertes dem aktuellen Stand des Basiswertes
    entspricht, sofern der Basiswert ein Finanzindex, Wechselkurs oder
    Zinssatz ist,

3.  Swaptions der Anrechnungsbetrag des Swaps multipliziert mit dem
    zugehörigen Delta,

4.  Zinsswaps und Inflationsswaps

    a)  der Marktwert des zugrunde liegenden Basiswertes oder

    b)  der Nominalwert der festen Vertragsseite,

5.  Währungsswaps, Zins-Währungsswaps und außerbörslichen
    Währungstermingeschäften der Nominalwert der Währungsseite oder
    -seiten,

6.  Total Return Swaps der Marktwert des zugrunde liegenden Basiswertes;
    bei komplexen Total Return Swaps sind die Marktwerte beider
    Vertragsseiten zu addieren,

7.  Credit Default Swaps, die sich auf einen einzelnen Basiswert beziehen
    (Single Name Credit Default Swaps),

    a)  bezüglich des Verkäufers oder Sicherungsgebers der höhere Betrag des
        Marktwertes des zugrunde liegenden Basiswertes und des Nominalwertes
        des Credit Default Swaps und

    b)  bezüglich des Käufers oder Sicherungsnehmers der Marktwert des
        zugrunde liegenden Basiswertes,

8.  finanziellen Differenzgeschäften der Marktwert des zugrunde liegenden
    Basiswertes.

(8) Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko für derivative
Komponenten ist bei

1.  Wandelanleihen die Anzahl der zugrunde liegenden Basiswerte
    multipliziert mit dem Marktwert der zugrunde liegenden Basiswerte
    multipliziert mit dem zugehörigen Delta,

2.  Credit Linked Notes der Marktwert des zugrunde liegenden Basiswertes
    und

3.  Optionsscheinen und Bezugsrechten die Anzahl multipliziert mit dem
    Kontraktwert multipliziert mit dem Marktwert des zugrunde liegenden
    Basiswertes multipliziert mit dem zugehörigen Delta.

(9) Der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko für komplexe Derivate
ist bei

1.  Finanzterminkontrakten, die sich auf die realisierte Varianz
    (realisierte Volatilität zum Quadrat eines Vermögensgegenstandes)
    beziehen (Varianz-Swaps), der Varianz-Nominalwert multipliziert mit
    der aktuellen Varianz zum Bestimmungszeitpunkt; ist eine Kappung der
    Volatilität vorgesehen, bestimmt sich der Anrechnungsbetrag als
    Varianz-Nominalwert multipliziert mit dem geringeren Betrag der
    aktuellen Varianz oder der Volatilitätskappungsgrenze zum Quadrat; die
    aktuelle Varianz bestimmt sich jeweils als Funktion der quadrierten
    realisierten und impliziten Volatilität; der Varianz-Nominalwert
    bestimmt sich als Nominalwert dividiert durch das Zweifache des
    vereinbarten Varianzpreises (Bezugspreis),

2.  Finanzterminkontrakten, die sich auf die realisierte Volatilität eines
    Vermögensgegenstandes beziehen (Volatilitäts-Swaps), der Nominalwert
    multipliziert mit der aktuellen Volatilität zum Bestimmungszeitpunkt;
    ist eine Kappung der Volatilität vorgesehen, bestimmt sich der
    Anrechnungsbetrag als Nominalwert multipliziert mit dem geringeren
    Betrag der aktuellen Volatilität oder der Volatilitätskappungsgrenze;
    die aktuelle Volatilität bestimmt sich jeweils als Funktion der
    realisierten und impliziten Volatilität,

3.  Schwellenoptionen die Anzahl der Kontrakte multipliziert mit dem
    Kontraktwert multipliziert mit dem Marktwert des zugrunde liegenden
    Basiswertes multipliziert mit dem maximalen Delta; das maximale Delta
    ist der höchste positive oder der niedrigste negative Wert, den das
    Delta unter Berücksichtigung aller potenziellen Marktszenarien
    erreichen kann.

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