Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wusolvv/__67.html
Legislation: wusolvv

Title: § 67 Ermittlung und Anrechnung der anderen Marktrisikopositionen

Description:
Verordnung über die angemessene Eigenkapitalausstattung von Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung (WuSolvV)
Teil 4 - Marktrisiken
Kapitel 3 - Andere Marktrisikopositionen
§ 67 Ermittlung und Anrechnung der anderen Marktrisikopositionen

Paragraph: 67

Full Text:
Verordnung über die angemessene Eigenkapitalausstattung von Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung (WuSolvV)
Teil 4 - Marktrisiken
Kapitel 3 - Andere Marktrisikopositionen
§ 67 Ermittlung und Anrechnung der anderen Marktrisikopositionen

(1) Für die Ermittlung der Anrechnungsbeträge aus anderen
Marktrisikopositionen sind alle zum Geschäftsschluss des aktuellen
Handelstags im Bestand des Wohnungsunternehmens mit Spareinrichtung
befindlichen Kontrakte, die sich auf gleichartige Basiswerte beziehen,
jeweils zu einem Marktrisikoportfolio (aktuelles Marktrisikoportfolio)
zusammenzufassen. In ein Marktrisikoportfolio dürfen nach
einheitlicher und dauerhafter Wahl eines Wohnungsunternehmens mit
Spareinrichtung und mit vorheriger Zustimmung der Bundesanstalt
einzelne Kontrakte eines anderen Marktrisikoportfolios verschoben
werden, wenn ein nachweisbarer Sicherungszusammenhang mit Kontrakten
in diesem Marktrisikoportfolio in Bezug auf die für dieses
Marktrisikoportfolio relevanten Marktrisiken besteht. Die Zustimmung
gilt als erteilt, wenn das Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung die
Zusammenführung formlos beantragt und die Bundesanstalt nicht
innerhalb von drei Monaten nach Eingang des Antrags widerspricht. Der
Antrag muss Geschäftsart und -umfang in den betroffenen
Marktrisikopositionen sowie Nachweise zum Sicherungszusammenhang
enthalten. Der Antrag ist jährlich per Meldestichtag 31. Dezember für
das folgende Jahr und bei geplanten oder tatsächlichen Abweichungen
bei der Bundesanstalt einzureichen.

(2) Zur Ermittlung des Marktwertes des aktuellen Marktrisikoportfolios
sind die Basiswerte aller Kontrakte eines aktuellen
Marktrisikoportfolios, bei Optionen das Deltaäquivalent nach den
Regeln entsprechend § 64, so zu zerlegen, dass keiner der dabei
entstehenden Basiswerte echter Teil eines der anderen entstehenden
Basiswerte ist. Für jeden Einzelbasiswert ist der vorzeichenbehaftete
Unterschiedsbetrag aus Ansprüchen und Verpflichtungen (Nettoposition)
zu bestimmen. Für jeden Handelstag des basiswertspezifischen
Beobachtungszeitraums ist der für diesen Tag ermittelte
durchschnittliche Marktpreis einer Einheit des Einzelbasiswertes mit
dem Absolutbetrag der Nettoposition dieses Einzelbasiswertes zu
multiplizieren (Tagesmarktwert der Nettoposition). Der Marktwert des
aktuellen Marktrisikoportfolios an einem Handelstag ist die Summe der
Absolutbeträge der Marktwerte der Nettopositionen. Die
Marktwertänderung des aktuellen Marktrisikoportfolios für einen
Handelstag ist der Unterschiedsbetrag zwischen den Marktwerten dieses
Marktrisikoportfolios an diesem und am vorhergehenden Handelstag. Die
kumulierte Marktwertänderung für einen Handelstag ist der
Absolutbetrag der Summe der Marktwertänderungen für diesen und die
vorhergehenden neun Handelstage, wenn jeder dieser Handelstage im
Beobachtungszeitraum liegt, anderenfalls Null. Für auf fremde Währung
lautende Kontrakte gilt § 4 entsprechend.

(3) Die Bundesanstalt gibt die anzuwendenden basiswertspezifischen
Beobachtungszeiträume laufend bekannt. Steht für eine Position keine
ausreichende Preishistorie zur Verfügung, sind die theoretischen
Preise des Instruments zu bestimmen.

(4) Der Anrechnungsbetrag für jedes aktuelle Marktrisikoportfolio
ergibt sich als Summe aus der mit dem Faktor 7,5 multiplizierten
Standardabweichung der Marktwertänderungen dieses
Marktrisikoportfolios über alle Handelstage des basiswertspezifischen
Beobachtungszeitraums einschließlich des aktuellen Handelstags und der
größten kumulierten Marktwertänderung für einen Handelstag im
Beobachtungszeitraum. Zur Schätzung der Standardabweichung ist die
Momenten-Methode zu verwenden. Der Gesamtanrechnungsbetrag für andere
Marktrisikopositionen ist die Summe der Anrechnungsbeträge der
aktuellen Marktrisikoportfolien.

(5) Die Angemessenheit der Bestimmung der theoretischen Marktwerte von
Positionen nach Absatz 3 Satz 2 ist durch täglichen Rückvergleich der
geschätzten mit den tatsächlichen Wertveränderungen nachweislich zu
überprüfen. Der Marktwert jedes Marktrisikoportfolios ist für die zum
Geschäftsschluss des Vortags im Bestand des Wohnungsunternehmens mit
Spareinrichtung befindlichen Kontrakte anhand der zum Geschäftsschluss
des aktuellen Handelstags ermittelten Marktpreise für eine Einheit des
jeweiligen Basiswertes nach dem Verfahren nach Absatz 2 zu bestimmen
und die Differenz zu dem am Vortag ermittelten Marktwert dieses
Marktrisikoportfolios (Wertänderung) festzustellen. Ist diese
Wertänderung negativ und übersteigt der Absolutbetrag dieser
Wertänderung den durch Quadratwurzel aus Zehn dividierten
Anrechnungsbetrag des Vortags, sind die Bundesanstalt und die Deutsche
Bundesbank über diese Ausnahme, ihre Größe und den Grund ihres
Entstehens unverzüglich zu unterrichten.

(6) Portfolioadäquate Krisenszenarien sind regelmäßig, mindestens
monatlich, durchzuführen. Das Wohnungsunternehmen mit Spareinrichtung
hat nachweislich und in angemessener Weise die Ergebnisse der
Krisenszenarien in das System der risikobegrenzenden Limite
einzubeziehen.

Collections: bundestag_gesetze
WuSolvV
Level: 4.0