Source: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html
Legislation: sgb_11

Title: § 14 Begriff der Pflegebedürftigkeit

Description:
Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014) (SGB 11)
Zweites Kapitel - Leistungsberechtigter Personenkreis, Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Berichtspflichten, Begriff der Pflegeperson
§ 14 Begriff der Pflegebedürftigkeit

Paragraph: 14

Full Text:
Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014) (SGB 11)
Zweites Kapitel - Leistungsberechtigter Personenkreis, Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Berichtspflichten, Begriff der Pflegeperson
§ 14 Begriff der Pflegebedürftigkeit

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die
gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder
der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.
Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder
psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen
oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen
können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für
mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten
Schwere bestehen.

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten
Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die
in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten
Kriterien:

1.  Mobilität: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen
    Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs,
    Treppensteigen;

2.  kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen aus dem
    näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung,
    Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von
    mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im
    Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen
    von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen,
    Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch;

3.  Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: motorisch geprägte
    Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und
    autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch
    aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression,
    andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer
    und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste,
    Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate
    Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen;

4.  Selbstversorgung: Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im
    Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden
    einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers,
    An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der
    Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer
    Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer
    Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen
    der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung
    parenteral oder über Sonde, Bestehen gravierender Probleme bei der
    Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen
    außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen;

5.  Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder
    therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:

    a)  in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge,
        Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und
        Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe
        Hilfsmittel,

    b)  in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma,
        regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden,
        Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,

    c)  in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher
        Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder
        therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche
        medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von
        Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie

    d)  in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder
        therapiebedingter Verhaltensvorschriften;

6.  Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Gestaltung des
    Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen,
    Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen,
    Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu
    Personen außerhalb des direkten Umfelds.

(3) Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die
dazu führen, dass die Haushaltsführung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt
werden kann, werden bei den Kriterien der in Absatz 2 genannten
Bereiche berücksichtigt.

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