Source: https://www.gesetze-im-internet.de/lmbestrv_2000/__1.html
Legislation: lmbestrv_2000

Title: Vorgaben für die Bestrahlung

Description:
Verordnung über die Behandlung von Lebensmitteln mit Elektronen-, Gamma- und Röntgenstrahlen, Neutronen oder ultravioletten Strahlen (LMBestrV 2000)
Vorgaben für die Bestrahlung

Paragraph: 1

Full Text:
Verordnung über die Behandlung von Lebensmitteln mit Elektronen-, Gamma- und Röntgenstrahlen, Neutronen oder ultravioletten Strahlen (LMBestrV 2000)
Vorgaben für die Bestrahlung

1.  Quellen ionisierender Strahlung

    Lebensmittel dürfen nur mit den nachstehenden Arten ionisierender
    Strahlung behandelt werden:

    a)  Gammastrahlen aus Radionukliden
        60                         Co oder
        137                         Cs.

    b)  Röntgenstrahlen, die von Geräten erzeugt werden, die mit einer
        Nennenergie (maximale Quantenenergie) von 5 Megaelektronvolt oder
        darunter betrieben werden.

    c)  Elektronen, die von Geräten erzeugt werden, die mit einer Nennenergie
        (maximale Quantenenergie) von 10 Megaelektronvolt oder darunter
        betrieben werden.

2.  Dosimetrie

    **Durchschnittlich absorbierte Gesamtdosis**

    Bei der Bestimmung der Bekömmlichkeit von Lebensmitteln, die mit einer
    durchschnittlichen Gesamtdosis von 10 Kilogray oder weniger behandelt
    worden sind, kann davon ausgegangen werden, dass alle chemischen
    Bestrahlungseffekte in diesem spezifischen Dosisbereich proportional
    zur Dosis sind.

    Die durchschnittliche Gesamtdosis D wird durch die nachstehende
    Integralgleichung für das behandelte Lebensmittel festgelegt:

    *        *
        *            ![bgbl1_2019_j0116-1_0010.jpg](bgbl1_2019_j0116-1_0010.jpg)

    *        *   Hierbei ist

        *   M =

        *   die Gesamtmasse der behandelten Probe

    *        *
        *   p =

        *   die lokale Dichte an dem betreffenden Punkt (x,y,z)

    *        *
        *   d =

        *   die an dem betreffenden Punkt (x,y,z) absorbierte lokale Dosis und

    *        *
        *   dV =

        *   infinitesimales Volumenelement dx dy dz

    Die durchschnittlich absorbierte Gesamtdosis kann für homogene
    Erzeugnisse oder Erzeugnisse in losem Zustand mit einer homogenen
    Fülldichte unmittelbar bestimmt werden, indem eine entsprechende
    Anzahl von Dosimetern gezielt und nach einer Zufallsverteilung über
    das gesamte Warenvolumen verteilt werden. Aus der so ermittelten
    Dosisaufteilung kann ein Durchschnittswert errechnet werden, der der
    durchschnittlich absorbierten Gesamtdosis entspricht.

    Ist der Verlauf der Dosisverteilungskurve durch das gesamte Erzeugnis
    klar erkennbar, kann auch ermittelt werden, wo Mindest- und
    Höchstdosis auftreten. Messungen der Dosisverteilung an diesen beiden
    Stellen bei einer Reihe von Probeexemplaren des Erzeugnisses
    ermöglichen eine Schätzung der durchschnittlichen Gesamtdosis.

    In einigen Fällen ist der Mittelwert des Durchschnittswertes der
    Mindest- (Dmin) und der Höchstdosis (Dmax) ein guter Schätzungswert
    der durchschnittlichen Gesamtdosis. In diesen Fällen entspricht

    *        *            ![bgbl1_2019_j0116-1_0020.jpg](bgbl1_2019_j0116-1_0020.jpg)

    *        *            ![bgbl1_2019_j0116-1_0030.jpg](bgbl1_2019_j0116-1_0030.jpg)

3.  Verfahren

    Vor der routinemäßigen Bestrahlung einer gegebenen Gruppe von
    Lebensmitteln in einer Bestrahlungsanlage wird mit Dosismessungen im
    gesamten Produktvolumen ermittelt, an welcher Stelle die Höchst- und
    die Mindestdosis auftritt. Eine ausreichende Zahl dieser
    Validierungsmessungen muss vorgenommen werden (z. B. 3 bis 5), um den
    Schwankungen der Dichte oder Geometrie der Erzeugnisse Rechnung zu
    tragen.

    Die Messungen müssen wiederholt werden, wenn das Erzeugnis, seine
    Geometrie oder die Bestrahlungsbedingungen geändert werden.

    Während der Behandlung werden routinemäßige Dosismessungen
    durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Dosisgrenzen nicht
    überschritten werden. Zur Durchführung der Messung werden Dosimeter
    beim voraussichtlichen Ort der Höchst- und Mindestdosis oder in einer
    Bezugsposition angeordnet.

    Die Dosis an dieser Bezugsposition muss mengenmäßig mit der Höchst-
    und der Mindestdosis verbunden sein. Die Bezugspunkte müssen an einem
    günstigen Punkt im oder auf dem Erzeugnis gewählt werden, an dem die
    Dosisschwankungen gering sind.

    Die routinemäßigen Dosismessungen sollten während der Produktion bei
    jedem Los und in geeigneten Abständen durchgeführt werden.

    Werden fließende, unverpackte Erzeugnisse bestrahlt, so können
    Mindest- und Höchstdosis nicht bestimmt werden. Das Ermitteln der
    Extremwerte sollte in diesen Fällen durch Stichproben erfolgen.

    Die Dosismessungen sollten mit anerkannten Dosimetern vorgenommen und
    auf Primärnormen bezogen werden.

    Während der Bestrahlung müssen einschlägige Parameter der Anlage
    ständig überwacht und aufgezeichnet werden. Bei Radionuklidanlagen
    umfassen die Parameter die Produkttransportgeschwindigkeit oder die
    Aufenthaltszeit in der Strahlungszone und die genaue Angabe der
    korrekten Stellung der Quelle. Für die Beschleunigungsanlagen umfassen
    die Parameter die Produkttransportgeschwindigkeit und das
    Energieniveau, den Elektronenfluss und die Scan-Breite der Anlage.

Collections: bundestag_gesetze
LMBestrV-2000
Level: 2.0