Source: https://www.gesetze-im-internet.de/karbv/__30.html
Legislation: karbv

Title: § 30 Besonderheiten bei Anlagen in Immobilien

Description:
Verordnung über Inhalt, Umfang und Darstellung der Rechnungslegung von Sondervermögen, Investmentaktiengesellschaften und Investmentkommanditgesellschaften sowie über die Bewertung der zu dem Investmentvermögen gehörenden Vermögensgegenstände (KARBV)
Abschnitt 3 - Bewertung
§ 30 Besonderheiten bei Anlagen in Immobilien

Paragraph: 30

Full Text:
Verordnung über Inhalt, Umfang und Darstellung der Rechnungslegung von Sondervermögen, Investmentaktiengesellschaften und Investmentkommanditgesellschaften sowie über die Bewertung der zu dem Investmentvermögen gehörenden Vermögensgegenstände (KARBV)
Abschnitt 3 - Bewertung
§ 30 Besonderheiten bei Anlagen in Immobilien

(1) Zur Ermittlung des Verkehrswertes einer Immobilie ist in der Regel
der Ertragswert der Immobilie anhand eines Verfahrens zu ermitteln,
das am jeweiligen Immobilienmarkt anerkannt ist. Zur Plausibilisierung
können auch andere am jeweiligen Immobilienmarkt anerkannte
Bewertungsverfahren herangezogen werden, wenn dies für eine
sachgerechte Bewertung der Immobilie nach Auffassung des Bewerters
erforderlich oder zweckmäßig erscheint. In diesem Fall sind die
Ergebnisse des anderen Bewertungsverfahrens und die Gründe für seine
Anwendung in nachvollziehbarer Form dem Gutachten als Anlage
beizufügen.

(2) Für die Ermittlung des Nettoinventarwertes je Anteil oder Aktie
von Immobilien-Sondervermögen und offenen inländischen Spezial-AIF mit
Anlagen in Immobilien oder Immobilien-Gesellschaften sowie von
geschlossenen inländischen Publikums-AIF oder Spezial-AIF mit Anlagen
in entsprechenden Vermögensgegenständen gelten folgende
Besonderheiten:

1.  Für die Bestimmung der Anschaffungsnebenkosten im Sinne des § 248
    Absatz 3 Satz 1 und 2 und des § 271 Absatz 1 Nummer 2 Satz 1 und 2 des
    Kapitalanlagegesetzbuches gilt § 255 Absatz 1 des Handelsgesetzbuches
    unter Berücksichtigung der investmentrechtlichen Besonderheiten
    entsprechend. Zu den investmentrechtlichen Besonderheiten zählt
    insbesondere, dass bereits im Vorfeld entstehende Kosten angesetzt
    werden können, solange ein Erwerb des Vermögensgegenstandes
    aussichtsreich erscheint; außerplanmäßige Abschreibungen dürfen nicht
    vorgenommen werden. Die Abschreibungsdauer für Anschaffungsnebenkosten
    im Sinne des § 248 Absatz 3 Satz 1 und des § 271 Absatz 1 Nummer 2
    Satz 1 des Kapitalanlagegesetzbuches muss durch die
    Kapitalverwaltungsgesellschaft während der Dauer der Abschreibung
    geändert werden, wenn die Haltedauer der Immobilie oder der
    Beteiligung kürzer als ursprünglich geplant eingeschätzt wird.

2.  Bei der Ermittlung des Nettoinventarwertes je Anteil oder Aktie einer
    im Ausland gelegenen Immobilie sind Rückstellungen, die für Zwecke der
    Steuern zu bilden sind, für die Steuern zu berücksichtigen, die der
    Staat, in dem die Immobilie liegt, bei einem Veräußerungsgewinn
    voraussichtlich erhebt. Bei im Ausland gelegenen Immobilien, die über
    Immobilien-Gesellschaften gehalten werden, sind Rückstellungen, die
    für Zwecke der Steuern zu bilden sind, zu berücksichtigen, wenn die
    drohenden Steuerlasten von der Immobilien-Gesellschaft zu tragen sind
    und nicht bereits bei der Ermittlung des Wertes der Beteiligung an der
    Immobilien-Gesellschaft berücksichtigt werden. Die Höhe der
    Rückstellungen entspricht der Steuerbelastung, die nach den
    steuerlichen Vorschriften des Staates, in dem die Immobilie liegt, bei
    einer Veräußerung der Immobilie am Bewertungstag zum Verkehrswert der
    Immobilie als Gewinnsteuer zu entrichten wäre. Unberücksichtigt
    bleiben Möglichkeiten, den zu zahlenden Betrag nach dem Steuerrecht
    des Staates, in dem die Immobilie liegt, auf Grund der Bildung von
    Reinvestitionsrücklagen zu mindern. Bestehen nach dem Steuerrecht des
    Staates, in dem die Immobilie liegt, Minderungsmöglichkeiten auf Grund
    vorliegender, steuerlich verrechenbarer Verluste, sind diese Verluste
    bis zur Höhe der Steuerbelastung auf den Veräußerungsgewinn zu
    berücksichtigen. Die Bildung und Auflösung der Rückstellung ist
    erfolgsneutral vorzunehmen. Wenn die Veräußerung der Anteile an einer
    Immobilien-Gesellschaft wesentlich wahrscheinlicher ist als die
    Veräußerung der Immobilie, ist bei der Bewertung von Beteiligungen ein
    Abschlag in Höhe des Betrages vorzunehmen, der bei einem Verkauf der
    Beteiligung infolge latenter Steuerlasten als Minderung des
    Kaufpreises für die Beteiligung erwartet wird.

3.  Bei Grundstücken, die zum Zwecke der Bebauung erworben werden, sind §
    248 Absatz 3 Satz 1 und 2 und § 271 Absatz 1 Nummer 2 Satz 1 und 2 des
    Kapitalanlagegesetzbuches nicht anzuwenden.

Collections: bundestag_gesetze
KARBV
Level: 3.0