Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bbhv/__59.html
Legislation: bbhv

Title: Therapeutische Sehhilfen

Description:
Verordnung über Beihilfe in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen (BBhV)
****
Therapeutische Sehhilfen

Paragraph: 59

Full Text:
Verordnung über Beihilfe in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen (BBhV)
****
Therapeutische Sehhilfen

1.  Aufwendungen für folgende therapeutische Sehhilfen zur Behandlung
    einer Augenverletzung oder Augenerkrankung sind beihilfefähig, wenn
    die Sehhilfe von einer Fachärztin oder einem Facharzt für
    Augenheilkunde verordnet worden ist:

    a)  Glas mit Lichtschutz mit einer Transmission bis 75 Prozent bei

        aa) Substanzverlusten der Iris, die den Blendschutz herabsetzen
            (beispielsweise Iriskolobom, Aniridie, traumatische Mydriasis,
            Iridodialyse),

        bb) Albinismus;

    b)  Glas mit Ultraviolett-(UV-)Kantenfilter (400 Nanometer Wellenlänge)
        bei

        aa) Aphakie,

        bb) Photochemotherapie zur Absorption des langwelligen UV-Lichts,

        cc) UV-Schutz nach Pseudophakie, wenn keine Intraokularlinse mit UV-Schutz
            implantiert wurde,

        dd) Iriskolobom,

        ee) Albinismus;

    c)  Glas mit Kantenfilter als Bandpassfilter mit einem
        Transmissionsmaximum bei einer Wellenlänge von 450 Nanometer bei
        Blauzapfenmonochromasie;

    d)  Glas mit Kantenfilter (Wellenlänge größer als 500 Nanometer) als
        Langpassfilter zur Vermeidung der Stäbchenbleichung und zur
        Kontrastanhebung bei

        aa) angeborenem Fehlen von oder angeborenem Mangel an Zapfen in der
            Netzhaut (Achromatopsie, inkomplette Achromatopsie),

        bb) dystrophischen Netzhauterkrankungen (beispielsweise Zapfendystrophien,
            Zapfen-Stäbchen-Dystrophien, Stäbchen-Zapfen-Dystrophien, Retinopathia
            pigmentosa, Chorioidemie),

        cc) Albinismus.

        Das Ausmaß der Transmissionsminderung und die Lage der Kanten der
        Filter sind individuell zu erproben, die subjektive Akzeptanz ist zu
        überprüfen.

    e)  Horizontale Prismen in Gläsern

        aa) ab 3 Prismendioptrien und Folien mit prismatischer Wirkung,

        bb) ab 3 Prismendioptrien (Gesamtkorrektur auf beiden Augen) sowie
            vertikale Prismen und Folien,

        cc) ab 1 Prismendioptrie, bei

            aaa) krankhaften Störungen in der sensorischen und motorischen
                Zusammenarbeit der Augen mit dem Ziel, Binokularsehen zu ermöglichen
                und die sensorische Zusammenarbeit der Augen zu verbessern,

            bbb) Augenmuskelparesen, um Muskelkontrakturen zu beseitigen oder zu
                verringern.

        Voraussetzung für die Beihilfefähigkeit ist, dass die Verordnung auf
        Grund einer umfassenden augenärztlichen orthoptisch-pleoptischen
        Diagnostik ausgestellt ist. Verordnungen, die auf Grund isolierter
        Ergebnisse einer subjektiven Heterophie-Testmethode ausgestellt sind,
        werden nicht anerkannt.

        Bei wechselnder Prismenstärke oder temporärem Einsatz, beispielsweise
        prä- oder postoperativ, sind nur die Aufwendungen für Prismenfolien
        ohne Trägerglas beihilfefähig. Ausgleichsprismen bei übergroßen
        Brillendurchmessern sowie Höhenausgleichsprismen bei
        Mehrstärkengläsern sind nicht beihilfefähig.

    f)  Kunststoffgläser als Schutzgläser bei

        aa) erheblich sturzgefährdeten Personen, die an Epilepsie oder an
            Spastiken erkrankt sind,

        bb) funktionell Einäugigen (bestkorrigierter Visus mindestens eines Auges
            unter 0,2).

        Kontaktlinsen sind bei dieser Indikation nicht beihilfefähig.

    g)  Okklusionsschalen oder -linsen bei dauerhaft therapeutisch nicht
        anders beeinflussbarer Doppelwahrnehmung;

    h)  Kunststoff-Bifokalgläser mit besonders großem Nahteil zur Behebung des
        akkommodativen Schielens bei Personen, die das 18. Lebensjahr noch
        nicht vollendet haben;

    i)  Okklusionspflaster und -folien als Amblyopietherapeutika, nachrangig
        Okklusionskapseln;

    j)  Uhrglasverbände oder konfektionierter Seitenschutz bei unvollständigem
        Lidschluss (beispielsweise infolge einer Gesichtslähmung) oder bei
        Zustand nach Keratoplastik, um das Austrocknen der Hornhaut zu
        vermeiden;

    k)  Irislinsen mit durchsichtigem, optisch wirksamem Zentrum bei
        Substanzverlusten der Iris, die den Blendschutz herabsetzen
        (beispielsweise Iriskolobom, Aniridie, traumatische Mydriasis,
        Iridodialyse oder Albinismus);

    l)  Verbandlinsen oder -schalen bei oder nach

        aa) Hornhauterosionen oder -epitheldefekten,

        bb) Abrasio nach Operation,

        cc) Verätzung oder Verbrennung,

        dd) Hornhautverletzungen (perforierend oder lamellierend),

        ee) Keratoplastik,

        ff) Hornhautentzündungen und -ulzerationen (beispielsweise Keratitis
            bullosa, Keratitis neuroparalytica, Keratitis e lagophtalmo, Keratitis
            filiformis);

    m)  Kontaktlinsen als Medikamententräger zur kontinuierlichen
        Medikamentenzufuhr;

    n)  Kontaktlinsen

        aa) bei ausgeprägtem, fortgeschrittenem Keratokonus mit
            keratokonusbedingten pathologischen Hornhautveränderungen und
            Hornhautradius unter 7 Millimeter zentral oder im Apex,

        bb) nach Hornhauttransplantation oder Keratoplastik.

2.  Ist neben den Aufwendungen für Gläser nach Nummer 1 Buchstaben a bis f
    zusätzlich ein Refraktionsausgleich erforderlich, sind Aufwendungen
    für entsprechende Gläser zusätzlich bis zur Höhe der Pauschalen des
    Unterabschnitts 2 beihilfefähig. Aufwendungen für einen
    konfektionierten Seitenschutz für Gläser nach Nummer 1 Buchstaben a
    bis d sind beihilfefähig, wenn der Seitenschutz erfolgreich getestet
    wurde.

3.  Nicht beihilfefähig sind Aufwendungen für

    a)  Kantenfilter bei

        aa) altersbedingter Makuladegeneration,

        bb) diabetischer Retinopathie,

        cc) Opticusatrophie (außer im Zusammenhang mit einer dystrophischen
            Netzhauterkrankung),

        dd) Fundus myopicus,

    b)  Verbandlinsen oder -schalen nach nicht beihilfefähigen Eingriffen,

    c)  Okklusionslinsen und -schalen als Amblyopietherapeutikum.

(zu § 25 Absatz 1, 2 und 4)

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