Source: https://www.gesetze-im-internet.de/logmstrv/__5.html
Legislation: logmstrv

Title: § 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Logistikmeister/Geprüfte Logistikmeisterin (LogMstrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

Paragraph: 5

Full Text:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Logistikmeister/Geprüfte Logistikmeisterin (LogMstrV)
§ 5 Handlungsspezifische Qualifikationen

(1) Der Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikationen“ umfasst
die Handlungsbereiche:

1.  Logistikprozesse,

2.  Betriebliche Organisation und Kostenwesen,

3.  Führung und Personal.

(2) Der Handlungsbereich „Logistikprozesse“ gliedert sich in folgende
Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Logistikkonzepte,

2.  Leistungserstellung,

3.  Prozesssteuerung und -optimierung.

(3) Im Qualifikationsschwerpunkt „Logistikkonzepte“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, an der Erarbeitung und Weiterentwicklung von
logistischen Konzepten unter Berücksichtigung der Unternehmensziele,
von Marktbedingungen und Kundenbedürfnissen, von rechtlichen
Rahmenbedingungen sowie von ökonomischen, ökologischen und sozialen
Aspekten der Nachhaltigkeit mitzuwirken. Dazu gehört die Fähigkeit,
Wertschöpfungsprozesse und Logistikkonzepte in Zusammenarbeit mit
Prozesspartnern zu prüfen und zu bewerten sowie die Umsetzung von
Logistikkonzepten zu planen. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Darstellen des Einflusses logistischer Abläufe auf die
    Wertschöpfungskette;

2.  Mitwirken bei der Entwicklung von logistischen Gesamtprozessen unter
    Einbeziehung von Teilprozessen sowie Erkennen von Zielkonflikten;

3.  Berücksichtigen von Unternehmenszielen, Marktbedingungen und
    Kundenbedürfnissen;

4.  Erarbeiten, Analysieren und Präsentieren von Ablaufkonzepten und des
    Informationsflusses für den eigenen Verantwortungsbereich;

5.  Mitwirken bei Kapazitätsplanungen;

6.  Mitwirken bei der Erarbeitung von Leistungsvorgaben für Geräte,
    Anlagen und Dienstleistungen und bei deren Auswahl.

(4) Im Qualifikationsschwerpunkt „Leistungserstellung“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, unter Berücksichtigung betrieblicher
und gesetzlicher Vorgaben den Materialfluss vom Wareneingang bis zum
Warenausgang einschließlich aller auftragsbezogenen Tätigkeiten zu
organisieren, die ordnungsgemäße Verpackung und Verladung
sicherzustellen, den weiteren Transport zu planen und Reklamationen zu
bearbeiten. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte
geprüft werden:

1.  Organisieren des Wareneingangs und Veranlassen der
    Reklamationsbearbeitung;

2.  Steuern und Überwachen der Einlagerung und der Warenpflege;

3.  Organisieren der Kommissionierung und auftragsbezogener Leistungen;

4.  Auswählen der Versandart und Festlegen der Verpackung;

5.  Organisieren des innerbetrieblichen und außerbetrieblichen Transports
    einschließlich der Dokumente;

6.  Organisieren des Güterumschlags;

7.  Berücksichtigen der rechtlichen Rahmenbedingungen.

(5) Im Qualifikationsschwerpunkt „Prozesssteuerung und -optimierung“
soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die logistische
Leistungserstellung zu steuern und zu verbessern und Maßnahmen zur
Behebung von Störungen einzuleiten. Dazu gehört die Fähigkeit, die
Verfügbarkeit der Betriebsmittel zu gewährleisten und deren
Funktionsfähigkeit sicherzustellen, die Erfassung von logistischen
Vorgängen insbesondere mit Hilfe von Informations- und
Kommunikationssystemen zu organisieren sowie Prozessdaten zu bewerten.
In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Umsetzen von geplanten logistischen Prozessen;

2.  Ermitteln und Überwachen von Prozessdaten und Ableiten von Maßnahmen;

3.  Sicherstellen der Verfügbarkeit von Anlagen, Betriebs- und
    Hilfsmitteln;

4.  Erhalten der Betriebsbereitschaft von Anlagen und Geräten und
    Überwachen von Wartungs- und Prüfintervallen;

5.  Sicherstellen von Kommunikations- und Abstimmungsprozessen;

6.  Nutzen von Informations- und Kommunikationssystemen.

(6) Der Handlungsbereich „Betriebliche Organisation und Kostenwesen“
gliedert sich in folgende Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Betriebliches Kostenwesen und Logistikcontrolling,

2.  Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz,

3.  Qualitätsmanagement.

(7) Im Qualifikationsschwerpunkt „Betriebliches Kostenwesen und
Logistikcontrolling“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und kostenrelevante
Einflussfaktoren zu erfassen und zu beurteilen sowie Möglichkeiten der
Kostenbeeinflussung aufzuzeigen und Maßnahmen zum kostenbewussten
Handeln zu planen, zu organisieren, einzuleiten und zu überwachen.
Dazu gehört die Fähigkeit, Kennzahlen zu nutzen, Kalkulationsverfahren
und Methoden der Zeitwirtschaft anzuwenden und organisatorische sowie
personelle Maßnahmen unter Ertrags- und Kostengesichtspunkten zu
beurteilen. In diesem Rahmen können folgende Qualifikationsinhalte
geprüft werden:

1.  Planen, Erfassen, Analysieren und Bewerten der
    arbeitsbereichsbezogenen Kosten;

2.  Überwachen und Einhalten zugeteilter Budgets;

3.  Beeinflussen der Kosten insbesondere unter Berücksichtigung der
    Prozessoptimierung;

4.  Hinwirken auf kostenbewusstes Handeln der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen;

5.  Mitarbeit bei der Erarbeitung relevanter Kennzahlen für das
    Logistikcontrolling und deren Nutzung zur Bewertung und Optimierung
    logistischer Prozesse unter Einbeziehung der Kosten- und
    Leistungsrechnung;

6.  Vorbereiten arbeitsbereichsbezogener kostenrelevanter Entscheidungen.

(8) Im Qualifikationsschwerpunkt „Arbeits-, Umwelt- und
Gesundheitsschutz“ soll die Fähigkeit nachgewiesen werden,
einschlägige Gesetze, Vorschriften und Bestimmungen in ihrer Bedeutung
zu erkennen und ihre Einhaltung sicherzustellen. Dazu gehört die
Fähigkeit, Gefahren vorzubeugen, Störungen zu erkennen und zu
analysieren sowie Maßnahmen zu ihrer Vermeidung oder Beseitigung
einzuleiten sowie sicherzustellen, dass sich die Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen arbeits-, umwelt- und gesundheitsschutzbewusst
verhalten und entsprechend handeln. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Überprüfen und Gewährleisten der Arbeitssicherheit, des Arbeits-,
    Gesundheits- und Umweltschutzes im Betrieb;

2.  Fördern des Bewusstseins der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
    bezüglich der Arbeitssicherheit und des betrieblichen Arbeits-,
    Umwelt- und Gesundheitsschutzes;

3.  Planen und Durchführen von Unterweisungen in der Arbeitssicherheit
    sowie im Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz;

4.  Überwachen der Lagerung von und des Umgangs mit umweltbelastenden und
    gesundheitsgefährdenden Stoffen;

5.  Planen, Vorschlagen, Einleiten und Überprüfen von Maßnahmen zur
    Verbesserung der Arbeitssicherheit sowie zur Reduzierung und
    Vermeidung von Unfällen und von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen.

(9) Im Qualifikationsschwerpunkt „Qualitätsmanagement“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, die Qualitätsziele durch Anwendung
entsprechender Methoden und Beeinflussung des Qualitätsbewusstseins
der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu sichern, bei der Realisierung
eines Qualitätsmanagementsystems mitzuwirken und zu dessen
Verbesserung und Weiterentwicklung beizutragen. In diesem Rahmen
können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Berücksichtigen des Einflusses des Qualitätsmanagementsystems auf das
    Unternehmen;

2.  Fördern des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter und
    Mitarbeiterinnen;

3.  Anwenden von Methoden zur Sicherung und Verbesserung der Qualität;

4.  kontinuierliches Umsetzen der Qualitätsmanagementziele durch Planen,
    Sichern und Lenken von qualitätswirksamen Maßnahmen.

(10) Der Handlungsbereich „Führung und Personal“ gliedert sich in
folgende Qualifikationsschwerpunkte:

1.  Personalführung,

2.  Personalentwicklung.

(11) Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalführung“ soll die Fähigkeit
nachgewiesen werden, den Personalbedarf zu ermitteln und den
Personaleinsatz entsprechend den Anforderungen sicherzustellen sowie
die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach betrieblichen Anforderungen
zu führen und ihre Eigenverantwortung zu fördern. In diesem Rahmen
können folgende Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Ermitteln und Bestimmen des qualitativen und quantitativen
    Personalbedarfs unter Berücksichtigung technischer und
    organisatorischer Veränderungen;

2.  Auswahl und Einsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter
    Berücksichtigung ihrer persönlichen und fachlichen Eignung sowie der
    betrieblichen Anforderungen;

3.  Erstellen von Anforderungsprofilen, Stellenplanungen und
    -beschreibungen sowie von Funktionsbeschreibungen;

4.  Delegieren von Aufgaben und der damit verbundenen Verantwortung;

5.  Fördern der Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft;

6.  Anwenden von Führungsmethoden und -mitteln zur Bewältigung
    betrieblicher Aufgaben und zum Lösen von Problemen und Konflikten;

7.  Beteiligen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am kontinuierlichen
    Verbesserungsprozess;

8.  Einrichten, Moderieren und Steuern von Arbeits- und Projektgruppen;

9.  Berücksichtigen der rechtlichen und organisatorischen
    Rahmenbedingungen beim Einsatz von Fremdpersonal und Fremdfirmen.

(12) Im Qualifikationsschwerpunkt „Personalentwicklung“ soll die
Fähigkeit nachgewiesen werden, eine systematische Personalentwicklung
durchzuführen. Dazu gehört die Fähigkeit,
Personalentwicklungspotenziale einzuschätzen und Personalentwicklungs-
und Qualifizierungsziele festzulegen. Es sollen entsprechende
Maßnahmen geplant, ihre Ergebnisse überprüft und deren Umsetzung
gefördert werden können. In diesem Rahmen können folgende
Qualifikationsinhalte geprüft werden:

1.  Festlegen von Personalentwicklungszielen;

2.  Durchführen von Potenzialeinschätzungen nach vorgegebenen Kriterien
    und unter Anwendung entsprechender Instrumente und Methoden;

3.  Ermitteln des Personalentwicklungsbedarfs und Veranlassen von
    Umsetzungsmaßnahmen;

4.  Überprüfen und Bewerten der Ergebnisse aus Maßnahmen der
    Personalentwicklung;

5.  Beraten, Fördern und Unterstützen von Mitarbeitern und
    Mitarbeiterinnen hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung.

(13) Zu jedem Handlungsbereich wird eine Situationsaufgabe gestellt,
in der mindestens einer seiner Qualifikationsschwerpunkte den Kern
bildet; darin sollen außerdem Qualifikationsinhalte aus
Qualifikationsschwerpunkten der beiden anderen Handlungsbereiche sowie
grundlegende Qualifikationen integrativ berücksichtigt werden. Die
Situationsaufgaben sind so zu gestalten, dass alle
Qualifikationsschwerpunkte der drei Handlungsbereiche mindestens
einmal thematisiert werden. Zwei der Situationsaufgaben sind
schriftlich zu lösen, eine Situationsaufgabe ist Gegenstand des
Fachgesprächs nach Absatz 16.

(14) Die Prüfungsdauer der schriftlichen Situationsaufgaben beträgt
jeweils mindestens drei Stunden, insgesamt nicht mehr als acht
Stunden.

(15) Wurde in nicht mehr als einer der beiden schriftlichen
Situationsaufgaben eine mangelhafte Prüfungsleistung erbracht, ist
eine mündliche Ergänzungsprüfung anzubieten. Bei einer ungenügenden
Prüfungsleistung besteht diese Möglichkeit nicht. Die
Ergänzungsprüfung soll in der Regel nicht länger als 20 Minuten
dauern. Die Bewertung der schriftlichen Prüfungsleistung und die der
mündlichen Ergänzungsprüfung werden zu einer Bewertung der
Prüfungsleistung zusammengefasst. Dabei wird die Bewertung der
schriftlichen Prüfungsleistung doppelt gewichtet.

(16) Im Fachgespräch soll die zu prüfende Person Lösungsansätze für
die Situationsaufgabe präsentieren und begründen und deren Grundlagen
mit dem Prüfungsausschuss erörtern. Dabei soll auch die Fähigkeit
nachgewiesen werden, berufliche Aufgabenstellungen und Sachverhalte zu
analysieren und zu strukturieren. Die Präsentation soll möglichst
unter Nutzung von Präsentationstechniken erfolgen. Der zu prüfenden
Personen sind 30 Minuten zur Bearbeitung der Situationsaufgabe und zur
Vorbereitung der Präsentation einzuräumen. Das Fachgespräch soll für
die zu prüfende Person höchstens 45 Minuten dauern, von denen
höchstens 15 Minuten auf die Präsentation entfallen.

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