Source: https://www.gesetze-im-internet.de/min_tafelwv/__4.html
Legislation: min_tafelwv

Title: Anlage 2 (zu § 4 Abs. 3)

Description:
Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser (Min/TafelWV)
5. Abschnitt - Schlußbestimmungen
Anlage 2 (zu § 4 Abs. 3)

Paragraph: 4

Full Text:
Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser (Min/TafelWV)
5. Abschnitt - Schlußbestimmungen
Anlage 2 (zu § 4 Abs. 3)

Fundstelle des Originaltextes: BGBl. I 1984, 1043 - 1044;
bzgl. der einzelnen Änderungen vgl. Fußnote

**Mikrobiologische Untersuchungsverfahren**

1   Escherichia coli und coliformen Keimen gemeinsam ist die Fähigkeit,
    bei einer Temperatur von 37
    Grad +- 1 Grad C Laktose innerhalb von 20
    +- 4 Stunden unter Gas- und Säurebildung abzubauen.

1.1 Die Untersuchung auf Escherichia coli in mindestens 250 Milliliter
    Wasser kann durch:

    a)  Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Laktosebouillon,
        Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C oder
        42 Grad +- 0,5 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44
        +- 4 Stunden), oder

    b)  Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters auf Laktose-
        Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar), Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C oder
        42 Grad +- 0,5 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden,

    erfolgen.

    Eine endgültige Diagnose ist durch das Stoffwechselmerkmal "Gas- und
    Säurebildung aus Laktose", bzw. Bildung von fuchsinroten Kolonien auf
    dem bebrüteten Membranfilter allein nicht möglich, so daß zusätzlich
    nach Sub- bzw. Reinkultur auf Endoagar mindestens folgende
    Stoffwechselmerkmale geprüft werden müssen:

    Cytochromoxydasereaktion: negativ

    Laktosevergärung: Gas- und Säurebildung bei
    37 Grad +- 1 Grad C innerhalb 20
    +- 4 Stunden

    Indolbildung aus tryptophanhaltiger Bouillon: positiv

    Spaltung von Laktose, Dextrose oder Mannit bei
    44 Grad +- 0,5 Grad C innerhalb von 20
    +- 4 Stunden zu Gas und Säure: positiv.

    Ausnutzung von Citrat als einziger Kohlenstoffquelle: negativ.

1.2 Die Untersuchung auf coliforme Keime in mindestens 250 Milliliter
    Wasser kann durch:

    a)  Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Laktosebouillon,
        Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Bebrütung und Beobachtungszeit bis 44
        +- 4 Stunden), oder

    b)  Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters auf Laktose-
        Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar), Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden,

    erfolgen.

    Eine endgültige Diagnose ist durch das Stoffwechselmerkmal "Gas- und
    Säurebildung aus Laktose" bzw. durch die Bildung von fuchsinroten
    Kolonien auf dem bebrüteten Membranfilter nicht möglich, so daß
    zusätzlich nach Sub- bzw. Reinkultur auf Endoagar mindestens folgende
    Stoffwechselmerkmale geprüft werden müssen:

    Cytochromoxydasereaktion: negativ

    Laktosevergärung: Gas- und Säurebildung bei 37
    Grad +- 1 Grad C nach 44
    +- 4 Stunden

    Indolbildung aus tryptophanhaltiger Bouillon:

    in der Regel negativ (positive Reaktion möglich)

    Spaltung von Dextrose, Laktose oder Mannit zu Gas und Säure bei
    44 Grad +- 0,05 Grad C innerhalb von 20
    +- 4 Stunden: in der Regel negativ (positive Reaktion möglich)

    Ausnutzung von Citrat als einziger Kohlenstoffquelle: positiv oder
    negativ

    Coliforme Keime spalten also in jedem Falle Laktose bei
    37 Grad +- 1 Grad C unter Gas- und Säurebildung, weichen aber in der
    Indolbildung und/oder im Zuckerabbau bei einer Bebrütungstemperatur
    von
    44 Grad +- 0,5 Grad C und/oder im Citratabbau von den für Escherichia
    coli genannten Merkmalen ab.

2   Die Untersuchung auf Faekalstreptokokken kann durch:

    a)  Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Azid-Dextrose-Bouillon,
        Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44
        +- 4 Stunden), oder

    b)  Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters entweder auf
        Tetrazolium-Natriumazid-Agar, Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden oder in einfach konzentrierter Azid-Dextrose-Bouillon,
        Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütung bis 44
        +- 4 Stunden)

    erfolgen.

    Die endgültige Diagnose ist durch Wachstum in Azid-Dextrose-Bouillon
    oder auf Tetrazolium-Natriumazid-Agar nicht möglich, so daß zusätzlich
    nach Sub- und Reinkultur auf Blutagar mindestens folgende Merkmale
    geprüft werden müssen:

    Aesculinabbau:

    positiv nach Verimpfen in Aesculinbouillon, Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit mindestens 40
    +- 4 Stunden, Farbreaktion mit frischer 7%iger wäßriger Lösung von
    Eisen-II-Chlorid

    Wachstum bei pH 9,6:

    positiv nach Verimpfen in Nährbouillon pH 9,6, Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
    +- 4 Stunden

    Wachstum bei 6,5%igem Kochsalzzusatz:

    positiv nach Verimpfen in Nährbouillon mit 6,5% Kochsalzzusatz,
    Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
    +- 4 Stunden.

3   Die Untersuchung auf Pseudomonas aeruginosa kann durch

    a)  Flüssiganreicherung in doppelt konzentrierter Malachitgrünbouillon,
        Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütungszeit bis 44
        +- 4 Stunden), oder

    b)  Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters in einfach
        konzentrierter Malachitgrünbouillon, Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden (Beobachtungszeit und Bebrütungszeit bis 44
        +- 4 Stunden),

    erfolgen.

    Die endgültige Diagnose ist durch Wachstum in Malachitgrünbouillon
    nicht möglich, so daß zusätzlich nach Sub- und Reinkultur auf Laktose-
    Fuchsin-Sulfitagar (Endoagar) oder einen anderen geeigneten
    Selektivagar mindestens folgende Stoffwechselmerkmale geprüft werden
    müssen:

    Bildung von Fluorescein:

    positiv nach Verimpfen auf das Medium nach King (B) F,
    Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 44
    +- 4 Stunden

    und Bildung von Pyocyanin:

    positiv nach Verimpfen auf das Medium nach King (A) P,
    Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 44
    +- 4 Stunden

    oder Bildung von Ammoniak aus Acetamid:

    positiv nach Verimpfen auf (ammoniumfreie) Acetamid-Standard-
    Mineralsalzlösung, Bebrütungstemperatur
    37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
    +- 4 Stunden, positive Reaktion mit Nessler's Reagenz.

4   Die Untersuchung auf sulfitreduzierende, sporenbildende Anaerobier
    kann durch

    a)  Membranfiltration und Bebrütung des Membranfilters unter einer Schicht
        von Dextrose-Eisensulfat-Natriumsulfitagar, Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden, Beobachtung für weitere 20
        +- 4 Stunden, Auszählung der schwarzen Kolonien, oder

    b)  Flüssiganreicherung in 50 ml doppelt konzentrierter Dextrose-
        Eisencitrat-Natriumsulfit-Bouillon, Bebrütungstemperatur
        37 Grad +- 1 Grad C, Bebrütungszeit 20
        +- 4 Stunden, Beobachtung für weitere 20
        +- 4 Stunden, positiv bei Schwärzung des Flüssignährbodens,

    erfolgen.

5   Bestimmung der Koloniezahl

    Als Koloniezahl wird die Zahl der mit 6- bis 8facher Lupenvergrößerung
    sichtbaren Kolonien bezeichnet, die sich aus den in 1 ml des zu
    untersuchenden Wassers befindlichen Bakterien in Plattengußkulturen
    mit nährstoffreichen, peptonhaltigen Nährböden (1% Fleischextrakt, 1%
    Pepton) bei einer Bebrütungstemperatur von
    20 Grad +- 2 Grad C nach 44
    +- 4 Stunden oder bei einer Bebrütungstemperatur von
    37 Grad +- 1 Grad C nach 20
    +- 4 Stunden Bebrütungszeit bilden.

    Die verschiedenen bei der Bestimmung verwendeten Nährböden
    unterscheiden sich hauptsächlich durch das Verfestigungsmittel, so daß
    folgende Methoden möglich sind:

5.1 Gelatinenährboden, Bebrütungstemperatur
    20 Grad +- 2 Grad C,

5.2 Agarnährboden, Bebrütungstemperatur
    20 Grad +- 2 Grad C, oder
    37 Grad +- 1 Grad C,

5.3 Kieselsäure-Phosphatbouillon-Nährboden, Bebrütungstemperatur
    20 Grad +- 2 Grad C oder
    37 Grad +- 1 Grad C.

6   Werden bei den Untersuchungen nach Nummer 1.2 und 2 bis 5 Ergebnisse
    erzielt, die auf eine Überschreitung der festgelegten Grenzwerte
    hindeuten, so ist an mindestens 4 weiteren Proben festzustellen, daß
    die Grenzwerte im Wasser nicht überschritten werden.

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