Source: https://www.gesetze-im-internet.de/tpg/__8.html
Legislation: tpg

Title: § 8 Entnahme von Organen und Geweben

Description:
Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben (TPG)
Abschnitt 3 - Entnahme von Organen und Geweben bei lebenden  Spendern
§ 8 Entnahme von Organen und Geweben

Paragraph: 8

Full Text:
Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben (TPG)
Abschnitt 3 - Entnahme von Organen und Geweben bei lebenden  Spendern
§ 8 Entnahme von Organen und Geweben

(1) Die Entnahme von Organen oder Geweben zum Zwecke der Übertragung
auf andere ist bei einer lebenden Person, soweit in § 8a nichts
Abweichendes bestimmt ist, nur zulässig, wenn

1.  die Person

    a)  volljährig und einwilligungsfähig ist,

    b)  nach Absatz 2 Satz 1 und 2 aufgeklärt worden ist und in die Entnahme
        eingewilligt hat,

    c)  nach ärztlicher Beurteilung als Spender geeignet ist und
        voraussichtlich nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet oder
        über die unmittelbaren Folgen der Entnahme hinaus gesundheitlich
        schwer beeinträchtigt wird,

2.  die Übertragung des Organs oder Gewebes auf den vorgesehenen Empfänger
    nach ärztlicher Beurteilung geeignet ist, das Leben dieses Menschen zu
    erhalten oder bei ihm eine schwerwiegende Krankheit zu heilen, ihre
    Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Beschwerden zu lindern,

3.  im Fall der Organentnahme ein geeignetes Organ eines Spenders nach § 3
    oder § 4 im Zeitpunkt der Organentnahme nicht zur Verfügung steht und

4.  der Eingriff durch einen Arzt vorgenommen wird.

Die Entnahme einer Niere, des Teils einer Leber oder anderer nicht
regenerierungsfähiger Organe ist darüber hinaus nur zulässig zum
Zwecke der Übertragung auf Verwandte ersten oder zweiten Grades,
Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen,
die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig
nahestehen.

(2) Der Spender ist durch einen Arzt in verständlicher Form
aufzuklären über

1.  den Zweck und die Art des Eingriffs,

2.  die Untersuchungen sowie das Recht, über die Ergebnisse der
    Untersuchungen unterrichtet zu werden,

3.  die Maßnahmen, die dem Schutz des Spenders dienen, sowie den Umfang
    und mögliche, auch mittelbare Folgen und Spätfolgen der beabsichtigten
    Organ- oder Gewebeentnahme für seine Gesundheit,

4.  die ärztliche Schweigepflicht,

5.  die zu erwartende Erfolgsaussicht der Organ- oder Gewebeübertragung
    und die Folgen für den Empfänger sowie sonstige Umstände, denen er
    erkennbar eine Bedeutung für die Spende beimisst, sowie über

6.  die Verarbeitung personenbezogener Daten.

Der Spender ist darüber zu informieren, dass seine Einwilligung
Voraussetzung für die Organ- oder Gewebeentnahme ist. Die Aufklärung
hat in Anwesenheit eines weiteren Arztes, für den § 5 Abs. 2 Satz 1
und 2 entsprechend gilt, und, soweit erforderlich, anderer
sachverständiger Personen zu erfolgen. Der Inhalt der Aufklärung und
die Einwilligungserklärung des Spenders sind in einer Niederschrift
aufzuzeichnen, die von den aufklärenden Personen, dem weiteren Arzt
und dem Spender zu unterschreiben ist. Die Niederschrift muss auch
eine Angabe über die versicherungsrechtliche Absicherung der
gesundheitlichen Risiken nach Satz 1 enthalten. Die Einwilligung kann
schriftlich, elektronisch oder mündlich widerrufen werden. Satz 3 gilt
nicht im Fall der beabsichtigten Entnahme von Knochenmark.

(3) Bei einem Lebenden darf die Entnahme von Organen erst durchgeführt
werden, nachdem sich der Spender und der Empfänger, die Entnahme von
Geweben erst, nachdem sich der Spender zur Teilnahme an einer ärztlich
empfohlenen Nachbetreuung bereit erklärt hat. Weitere Voraussetzung
für die Entnahme von Organen bei einem Lebenden ist, dass die nach
Landesrecht zuständige Kommission gutachtlich dazu Stellung genommen
hat, ob begründete tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass
die Einwilligung in die Organspende nicht freiwillig erfolgt oder das
Organ Gegenstand verbotenen Handeltreibens nach § 17 ist. Der
Kommission muss ein Arzt, der weder an der Entnahme noch an der
Übertragung von Organen beteiligt ist, noch Weisungen eines Arztes
untersteht, der an solchen Maßnahmen beteiligt ist, eine Person mit
der Befähigung zum Richteramt und eine in psychologischen Fragen
erfahrene Person angehören. Das Nähere, insbesondere zur
Zusammensetzung der Kommission, zum Verfahren und zur Finanzierung,
wird durch Landesrecht bestimmt.

Collections: bundestag_gesetze
TPG
Level: 3.0