Source: https://www.gesetze-im-internet.de/_appro_2002/__2.html
Legislation: aeappro_2002

Title: § 2 Unterrichtsveranstaltungen

Description:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Erster Abschnitt - Die ärztliche Ausbildung
§ 2 Unterrichtsveranstaltungen

Paragraph: 2

Full Text:
Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002)
Erster Abschnitt - Die ärztliche Ausbildung
§ 2 Unterrichtsveranstaltungen

(1) Die Universität vermittelt eine Ausbildung, die den in § 1 Abs. 1
genannten Zielen entspricht und die es den Studierenden ermöglicht,
die dazu erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu
erwerben, die in den in dieser Verordnung vorgesehenen Prüfungen
gefordert werden. Zu diesem Zweck werden unter Berücksichtigung der
Vorgaben der Anlage 1 zu dieser Verordnung neben Vorlesungen
insbesondere praktische Übungen und Seminare durchgeführt. Darüber
hinaus kann die Universität weitere Unterrichtsformen, z. B.
gegenstandsbezogene Studiengruppen, vorsehen. Praktische Übungen
umfassen den Unterricht am Krankenbett, Praktika und Blockpraktika.

(2) Der Unterricht im Studium soll fächerübergreifendes Denken fördern
und soweit zweckmäßig problemorientiert am Lehrgegenstand ausgerichtet
sein. Die Universitäten haben im erforderlichen Umfang
fächerübergreifenden Unterricht und Unterricht in
Querschnittsbereichen anzubieten. Die Vermittlung der
naturwissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen ist auf die
medizinisch relevanten Ausbildungsinhalte zu konzentrieren. Die
Vermittlung des theoretischen und klinischen Wissens soll während der
gesamten Ausbildung so weitgehend wie möglich miteinander verknüpft
werden. Neben den Veranstaltungen nach Anlage 1 zu dieser Verordnung
sind Seminare im Umfang von mindestens 98 Stunden als integrierte
Veranstaltungen, in die geeignete klinische Fächer einbezogen werden,
vorzusehen; darüber hinaus sind weitere Seminare mit klinischem Bezug
im Umfang von mindestens 56 Stunden vorzusehen.

(3) Die praktischen Übungen umfassen die eigenständige Bearbeitung von
praktischen Aufgaben durch die Studierenden unter Anleitung, Aufsicht
und Verantwortung der ausbildenden Lehrkraft. Bei den praktischen
Übungen ist die praktische Anschauung zu gewährleisten. Soweit der
Lehrstoff dies erfordert, ist in kleinen Gruppen zu unterrichten.
Praktische Übungen können durch digitale Lehrformate begleitet werden.
Der Lehrstoff der praktischen Übungen soll sich an den Anforderungen
der ärztlichen Praxis ausrichten. Dabei steht zunächst die
Unterweisung am Gesunden und entsprechend dem Stand der Fähigkeiten
und Fertigkeiten insbesondere nach dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen
Prüfung die Unterweisung am Patienten im Vordergrund. Die
Praktikumszeit ist nach dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung in
einem Anteil von mindestens 20 Prozent durch theoretische
Unterweisungen in Seminaren oder gegenstandsbezogenen Studiengruppen
zu begleiten. Den Studierenden ist ausreichend Gelegenheit zu geben,
unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes am
Patienten tätig zu werden, soweit dies zum Erwerb von Fähigkeiten und
Fertigkeiten erforderlich ist. Unzumutbare Belastungen des Patienten
durch den Unterricht sind zu vermeiden. Beim Unterricht am Krankenbett
darf jeweils nur eine kleine Gruppe von Studierenden gleichzeitig
unmittelbar am Patienten unterwiesen werden, und zwar

-   beim Unterricht in Form der Patientendemonstration eine Gruppe von
    höchstens sechs,

-   bei der Untersuchung eines Patienten durch Studierende eine Gruppe von
    höchstens drei.

Bei der praktischen Unterweisung am Patienten entfällt je die Hälfte
der Unterrichtszeit auf den Unterricht in Form der
Patientendemonstration und auf den Unterricht mit
Patientenuntersuchung. Die Gesamtstundenzahl für den Unterricht am
Krankenbett beträgt 476. Blockpraktika sind Veranstaltungen von ein-
bis sechswöchiger Dauer zur Differentialdiagnostik und -therapie der
wichtigsten Krankheitsbilder unter Bedingungen des klinischen und
ambulanten medizinischen Alltags. In der Allgemeinmedizin dauert das
Blockpraktikum nach § 27 Absatz 4 Nummer 5 mindestens zwei Wochen.
Mindestens 20 Prozent der Praktika nach dem Ersten Abschnitt der
Ärztlichen Prüfung sind in Form von Blockpraktika zu unterrichten.

(4) In den Seminaren wird der durch praktische Übungen und Vorlesungen
vermittelte Lehrstoff vertiefend, anwendungs- und gegenstandsbezogen
erörtert. Die Seminare sind darauf gerichtet, den Studierenden
wichtige medizinische Zusammenhänge zu vermitteln. Die Seminare
umfassen auch die Vorstellung von Patienten sowie die Präsentation und
Diskussion von bevölkerungsmedizinisch relevanten Themen und
Szenarien. Sie können durch digitale Lehrformate begleitet werden. Die
Studierenden haben durch eigene Beiträge vor allem fächerübergreifende
Probleme und Beziehungen zwischen medizinischen Grundlagen und
klinischen Anwendungen zu verdeutlichen. Die Zahl der jeweils an einem
Seminar teilnehmenden Studierenden darf 20 nicht überschreiten. Eine
Überschreitung ist zulässig, wenn andernfalls eine Gruppe gebildet
werden müsste, die weniger als zehn Studierende umfassen würde; in
diesem Fall sind die Studierenden, für die keine weitere Gruppe
gebildet wird, auf die übrigen Gruppen möglichst gleichmäßig zu
verteilen.

(5) Die gegenstandsbezogenen Studiengruppen haben die Aufgabe, den in
praktischen Übungen, Seminaren und Vorlesungen dargestellten Stoff zu
besprechen und das eigenständige, problemorientierte Arbeiten zu üben.
Gegenstandsbezogene Studiengruppen werden von den Lehrkräften der
Universität oder durch von der Universität beauftragte Lehrkräfte
geleitet. In den gegenstandsbezogenen Studiengruppen sollen vor allem
Fallbeispiele behandelt werden. Sie können durch digitale Lehrformate
begleitet werden. In Verbindung mit Seminaren und gegenstandsbezogenen
Studiengruppen sollen die Universitäten auch die Abhaltung von
Tutorien ermöglichen.

(6) Die in den Absätzen 3 bis 5 genannten Unterrichtsveranstaltungen
werden durch systematische Vorlesungen vorbereitet oder begleitet. Die
Vorlesung ist eine zusammenhängende Darstellung und Vermittlung von
wissenschaftlichen und methodischen Kenntnissen durch den Vortrag von
Lehrkräften. Sie kann auch in digitaler Form durchgeführt werden.

(7) Die Studierenden weisen durch Bescheinigungen nach dem Muster der
Anlage 2 oder durch eine zusammenfassende Bescheinigung nach dem
Muster der Anlage 2a oder 2b zu dieser Verordnung ihre regelmäßige und
erfolgreiche Teilnahme an den in Absatz 1 Satz 2 und 3 und Absatz 2
Satz 5 genannten praktischen Übungen, Seminaren und
gegenstandsbezogenen Studiengruppen sowie den regelmäßigen Besuch der
die praktischen Übungen vorbereitenden oder begleitenden Vorlesungen
nach, soweit deren Besuch von der Universität in einer Studienordnung
vorgeschrieben ist. In der Studienordnung werden auch die
Voraussetzungen für die Feststellung der regelmäßigen und
erfolgreichen Teilnahme an diesen Unterrichtsveranstaltungen geregelt.
Eine erfolgreiche Teilnahme an einer praktischen Übung nach Absatz 3
liegt vor, wenn die Studierenden in der praktischen Übung in einer dem
betreffenden Fachgebiet angemessenen Weise gezeigt haben, dass sie
sich die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten
angeeignet haben und sie in der Praxis anzuwenden wissen. Eine
erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar nach Absatz 4 liegt vor, wenn
die Studierenden gezeigt haben, dass sie den Lehrstoff in seinen
Zusammenhängen erfasst haben und in der Lage sind, dies darzustellen.
Eine erfolgreiche Teilnahme an einer gegenstandsbezogenen
Studiengruppe nach Absatz 5 liegt vor, wenn die Studierenden in der
gegenstandsbezogenen Studiengruppe gezeigt haben, dass sie vor allem
Fallbeispiele eigenständig und sachgerecht bearbeiten können.

(8) Bis zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und bis zum
Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist jeweils ein Wahlfach
abzuleisten. Für den Ersten Abschnitt kann aus den hierfür angebotenen
Wahlfächern der Universität frei gewählt, für den Zweiten Abschnitt
können ein in der Anlage 3 zu dieser Verordnung genanntes Stoffgebiet
oder Teile davon gewählt werden, soweit sie von der Universität
angeboten werden. Die Leistungen im Wahlfach werden benotet. Die Note
wird für das erste Wahlfach in das Zeugnis nach dem Muster der Anlagen
11 und 12 zu dieser Verordnung, für das zweite Wahlfach nach dem
Muster der Anlage 12 zu dieser Verordnung aufgenommen, ohne bei der
Gesamtnotenbildung berücksichtigt zu werden.

(9) Lehrveranstaltungen sind regelmäßig auf ihren Erfolg zu
evaluieren. Die Ergebnisse sind bekannt zu geben.

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ÄApprO-2002
Level: 3.0