Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
Legislation: schsv_1998

Title: Bauweise und Unterteilung

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Bauweise und Unterteilung

Paragraph: 9

Full Text:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
Bauweise und Unterteilung

**1.** Allgemeines ****

    Traditionsschiffe müssen in ihrer Bauart und Festigkeit, sowie der
    Konstruktion der Maschinen und elektrischen Anlagen so beschaffen und
    ausgestattet sein und sich in einem solchen Erhaltungszustand
    befinden, dass sie den Beanspruchungen genügen, die der beabsichtigte
    Verwendungszweck erfordert.

**2.** Freibord ****

    Traditionsschiffe erhalten eine Freibordmarke nach Festsetzung des
    Mindestfreibords. Die Freibordmarke besteht aus dem Deckstrich und
    einem waagerechten Strich für den Freibord mit folgenden Maßen:
    ![bgbl1_2018_j0237-1_0010.jpg](bgbl1_2018_j0237-1_0010.jpg)
    Diese Freibordmarke ist mittschiffs an beiden Schiffsseiten
    anzubringen. Der Freibord ist anhand der Stabilitätsunterlagen zu
    bestimmen. Er darf jedoch nicht weniger als 5 v. H. der Schiffsbreite,
    und nicht weniger als 0,20 m betragen. Der Freibord wird in das
    Sicherheitszeugnis eingetragen.

**3.** Verschlusszustand ****

    Der Rumpf einschließlich Deck und Aufbau sowie alle anderen Teile
    müssen eine wasserdichte Einheit bilden. Alle Öffnungen innerhalb
    dieser Einheit müssen sofort verschließbar sein. Schwert- und
    Kielkästen dürfen nicht nach innen hin offen sein.

**4.** Süllhöhen ****

    Hauptniedergänge in Cockpits müssen, wenn sie unter die
    Hauptdecksebene reichen, bis zur Hauptdecksebene abgedichtet werden
    können. Deckshäuser und sonstige Einstiege oder Niedergänge sowie
    Luken auf der Hauptdecksebene müssen eine ausreichende Süllhöhe haben;
    dabei können auch Steckschotte zum Einsatz kommen.

**5.** Rumpfdurchbrüche ****

    Rumpfdurchbrüche unterhalb der Wasserlinie sind mit Seeverschlüssen
    oder Ventilen zu versehen. Dies gilt nicht für aus technischen oder
    nautischen Gründen erforderliche Durchbrüche, insbesondere für
    Loggewellen, Fahrtmessanlagen und Echolote; in diesen Fällen sind
    Vorrichtungen zum Schließen dieser Öffnungen vorzuhalten.
    Decksspeigatte müssen, wenn sie unter die Hauptdecksebene führen, mit
    Rückschlagventilen und sanitäre Ausgüsse darüber hinaus mit
    Absperrmöglichkeiten ausgestattet sein.

**6.** Wasserpforten ****

    Sofern das Traditionsschiff über ein geschlossenes Schanzkleid
    verfügt, sind Wasserpforten vorzusehen. Die Berechnung erfolgt nach
    den Vorschriften des Internationalen Freibord-Übereinkommens.

**7.** Reling oder Schanzkleid ****

    Die Reling oder das Schanzkleid müssen mindestens eine Höhe von 100 cm
    haben. Eine Reling muss mit mindestens zwei Durchzügen oder
    Längsträgern ausgestattet sein.

**8.** Wasserdichte Unterteilung ****

8.1 Traditionsschiffe müssen durch Schotten unterteilt werden, die bis zum
    Freiborddeck ausgeführt sein müssen.

8.2 Es soll mindestens ein Kollisionsschott zwischen 0,05 und 0,10 der
    Traditionsschiffslänge (Kapitel 1 Regel 2.1.5) gerechnet ab dem
    vorderen Lot vorhanden sein.

8.3 Für Traditionsschiffe ab einer Länge von 25 m ist außerdem ein
    Achterpiekschott erforderlich, welches sich in ausreichendem Abstand
    vor dem Ruderkoker befindet.

8.4 Neubauten müssen zusätzlich mit einem vorderen und achteren
    Maschinenraumschott ausgestattet sein. Bei Traditionsschiffen mit
    hinten liegender Maschine kann das Achterpiekschott das hintere
    Maschinenraumschott ersetzen.

8.5 Traditionsschiffe, die außerhalb küstennaher Seegewässer fahren,
    müssen durch wasserdichte Schotten so unterteilt sein, dass beim
    Volllaufen einer Abteilung das Freiborddeck nicht unter Wasser kommt.

8.6 Die Regel 8.3 gilt nicht für Traditionsschiffe, die ohne Schotten
    konstruiert worden sind, sofern keine wesentlichen Umbauten an ihnen
    vorgenommen wurden.

**9.** Schiffsverbände ****

9.1 Schiffsverbände müssen in Ausführung und Dimensionierung anerkanntem
    Schiffbaustandard unter Berücksichtigung der Historie entsprechen. Bei
    Reparaturen und Neubauten muss das verwendete Material dem allgemein
    anerkannten Stand der Technik entsprechen.

9.2 Dopplungen der Außenhaut sind nur nach dem anerkannten
    Schiffbaustandard zulässig.

**10.** Anker und Schleppleine ****

    Traditionsschiffe sind mit zwei Bugankern auszurüsten, wovon ein Anker
    als Reserveanker vorgesehen werden kann.

10.1 Für Traditionsschiffe bis 24 m ist das Mindestgewicht der Anker sowie
    Länge und Durchmesser der Ketten nach der folgenden Tabelle zu
    bestimmen:

    *        *   Länge (m)

        *   Stockloser Anker

        *   Steg-Ankerketten

    *        *   von

        *   bis

        *   Gewicht pro Anker (kg)

        *   Gesamtlänge (m)

        *   Durchmesser d
            1                              (mm)

    *        *   0

        *   *                              15

        *   50

        *   114

        *   13

    *        *   *                              15

        *   *                              20

        *   75

        *   136

        *   14

    *        *   *                              20

        *   *                              24

        *   100

        *   165

        *   16

    d
    1                    = Kettendurchmesser in Gütegrad K 1 (Normalgüte)

10.2 Für Traditionsschiffe ab 24 m ist das Gewicht der Anker sowie Länge
    und Durchmesser der Ketten nach der folgenden Tabelle anhand der
    Ausrüstungsleitzahl Z zu bestimmen, die wie folgt berechnet wird:

    Z = D
    2/3                    + 2hB + A
    Rigg                    + 0,1A

    *        *   D

        *   = Deplacement (t) bei Seewasser

    *        *   h

        *   = Höhe von der Wasserlinie bis zum obersten Deckshaus (Unterkante)

    *        *   B

        *   = Breite des Schiffes gemessen über die Außenspanten

    *        *   A
            Rigg

        *   = Windangriffsfläche des Riggs (m
            2                             )
            = durchschnittlicher Durchmesser x Länge der Masten + Durchmesser x
            totale Länge des stehenden Guts (gilt nur für Segelschiffe)

    *        *   A

        *   = Lateralfläche (seitliche Windangriffsfläche) des Traditionsschiffes
            über der Wasserlinie (m
            2                             )

    *        *   Ausrüstungsleitzahl Z

        *   Stockloser Anker

        *   Steg-Ankerketten

    *        *   von

        *   bis

        *   Gewicht pro
            Anker (kg)

        *   Gesamtlänge
            (m)

        *   Durchmesser (mm)

    *        *   d
            1

        *   d
            2

    *        *   0

        *   50

        *   100

        *   165

        *   12

        *   –

    *        *   50

        *   70

        *   120

        *   192,5

        *   12,5

        *   –

    *        *   70

        *   90

        *   180

        *   220

        *   14

        *   12,5

    *        *   90

        *   110

        *   240

        *   220

        *   16

        *   14

    *        *   110

        *   130

        *   300

        *   247,5

        *   17,5

        *   16

    *        *   130

        *   150

        *   360

        *   247,5

        *   19

        *   17,5

    *        *   150

        *   175

        *   420

        *   275

        *   20,5

        *   17,5

    *        *   175

        *   205

        *   480

        *   275

        *   22

        *   19

    *        *   205

        *   240

        *   570

        *   302,5

        *   24

        *   20,5

    *        *   240

        *   280

        *   660

        *   302,5

        *   26

        *   22

    *        *   280

        *   320

        *   780

        *   330

        *   28

        *   24

    *        *   320

        *   360

        *   900

        *   357,5

        *   30

        *   26

    *        *   360

        *   400

        *   1 020

        *   357,5

        *   32

        *   28

    *        *   400

        *   450

        *   1 140

        *   385

        *   34

        *   30

    d
    1                    = Kettendurchmesser in Gütegrad K 1 (Normalgüte)

    d
    2                    = Kettendurchmesser in Gütegrad K 2 (höherfeste
    Güte)

10.3 Bei folgenden Ankern kann das nach der Tabelle ermittelte Ankergewicht
    reduziert werden:

    *        *   Ankerbezeichnung

        *   Reduzierung

    *        *   Stockanker

        *   10 %

    *        *   Patent – Anker

        *   25 %

    *        *   Pflug (CQR) – Anker

        *   25 %

    Die in den Regeln 10.1 und 10.2 genannten Steg-Ankerketten können
    durch andere, hinsichtlich Masse und Mindestbruchkraft gleichwertige
    Ketten ersetzt werden. Traditionsschiffe bis 15 m können statt einer
    Kette eine Ankerleine mit der gleichen Bruchfestigkeit verwenden. Sie
    muss dann jedoch das 1,5-fache der angegebenen Kettenlänge betragen
    und einen ausreichenden Kettenvorlauf besitzen.

10.4 Traditionsschiffe sind mit einer Schleppleine auszurüsten.

**11.** Ruderanlage ****

    Traditionsschiffe, die mit einer kraftbetriebenen Hauptruderanlage
    ausgerüstet sind, müssen über eine Hilfsruderanlage verfügen. Die
    Hilfsruderanlage muss stark genug und in der Lage sein, das
    Traditionsschiff bei einer für die Steuerfähigkeit ausreichenden
    Geschwindigkeit steuern zu können; sie muss im Notfall schnell in
    Betrieb gesetzt werden können. Bei Rudern mit Kraftantrieb muss die
    Ruderlage am Hauptruderstand angezeigt werden. Bei Traditionsschiffen
    mit einer mechanischen Hauptruderanlage müssen eine Notpinne und die
    zu ihrer Bedienung erforderlichen Steuertaljen vorgehalten werden.

**12.** Takelage ****

    Das verwendete Material und die Materialstärken der Takelage (Masten,
    Spieren, stehendes und laufendes Gut) müssen anerkanntem
    Schiffbaustandard entsprechen. Wird die Takelage zu Umschlagzwecken
    genutzt, ist die maximal zulässige Tragfähigkeit zu ermitteln und zu
    berücksichtigen.

Abschnitt 2

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