Source: https://www.gesetze-im-internet.de/ogewv_2016/__16.html
Legislation: ogewv_2016

Title: Anlage 1 Lage, Grenzen und Zuordnung der Oberflächenwasserkörper; typspezifische Referenzbedingungen

Description:
Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV 2016)
Anlage 1 Lage, Grenzen und Zuordnung der Oberflächenwasserkörper; typspezifische Referenzbedingungen

Paragraph: 16

Full Text:
Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV 2016)
Anlage 1 Lage, Grenzen und Zuordnung der Oberflächenwasserkörper; typspezifische Referenzbedingungen

(Fundstelle: BGBl. I 2016,1379 - 1381)

Die Oberflächenwasserkörper innerhalb einer Flussgebietseinheit sind
nach Maßgabe der Nummer 1 in Kategorien einzuteilen und ihre Lage und
Grenzen sind festzulegen. Sie sind in jeder Kategorie nach Maßgabe der
Nummer 2 nach Typen zu unterscheiden. Die Oberflächenwasserkörper, die
für eine Einstufung als künstlich oder erheblich verändert in Betracht
kommen, sind den Typen jener Gewässerkategorie zuzuordnen, der sie am
ähnlichsten sind. Für jeden Gewässertyp sind nach Maßgabe der Nummer 3
die typspezifischen Referenzbedingungen festzulegen, die dem sehr
guten ökologischen Zustand entsprechen. Das höchste ökologische
Potenzial ist aus den Referenzbedingungen des Gewässertyps abzuleiten,
dem der künstliche oder erheblich veränderte Oberflächenwasserkörper
am ähnlichsten ist.

1.  **Kategorien von Oberflächengewässern**

    Die Oberflächengewässer sind in folgende Kategorien einzuteilen:

    **1.1** Flüsse

    **1.2** Seen

    **1.3** Übergangsgewässer

    **1.4** Küstengewässer

        a)  nach § 7 Absatz 5 Satz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes, soweit der
            ökologische Zustand einzustufen ist

        b)  nach § 3 Nummer 2 des Wasserhaushaltsgesetzes, soweit der chemische
            Zustand einzustufen ist

2.  Typen von Oberflächengewässern

    **2.1** **Fließgewässer**                          (mit einem Einzugsgebiet
        von 10 Quadratkilometern oder größer)

        Die nachfolgenden Größenangaben werden als Größen der Einzugsgebiete
        der jeweiligen Gewässer angegeben. Die Angaben dienen der
        Orientierung:

        a)  klein (10 bis 100 Quadratkilometer)

        b)  mittelgroß (größer als 100 bis 1 000 Quadratkilometer)

        c)  groß (größer als 1 000 bis 10 000 Quadratkilometer)

        d)  sehr groß (größer als 10 000 Quadratkilometer)

        *            *   **Ökoregion 4: Alpen, Höhe über 800 Meter**

        *            *   **Typ 1**

            *   Fließgewässer der Alpen

        *            *   Subtyp 1.1

            *   Bäche der Kalkalpen

        *            *   Subtyp 1.2

            *   Kleine Flüsse der Kalkalpen

        *            *   **Ökoregionen 8 und 9: Mittelgebirge und Alpenvorland, Höhe 200 bis
                800 Meter**

        *            *   **Typ 2**

            *   Fließgewässer des Alpenvorlandes

        *            *   Subtyp 2.1

            *   Bäche des Alpenvorlandes

        *            *   Subtyp 2.2

            *   Kleine Flüsse des Alpenvorlandes

        *            *   **Typ 3**

            *   Fließgewässer der Jungmoräne des Alpenvorlandes

        *            *   Subtyp 3.1

            *   Bäche der Jungmoräne des Alpenvorlandes

        *            *   Subtyp 3.2

            *   Kleine Flüsse der Jungmoräne des Alpenvorlandes

        *            *   **Typ 4**

            *   Große Flüsse des Alpenvorlandes

        *            *   **Typ 5**

            *   Grobmaterialreiche silikatische Mittelgebirgsbäche

        *            *   **Typ 5.1**

            *   Feinmaterialreiche silikatische Mittelgebirgsbäche

        *            *   Subtyp 5.2

            *   **(PHYLIB)**                                    Feinmaterialreiche
                silikatische Mittelgebirgsbäche in Vulkangebieten

        *            *   **Typ 6**

            *   Feinmaterialreiche karbonatische Mittelgebirgsbäche

        *            *   Subtyp 6 K

            *   Feinmaterialreiche karbonatische Mittelgebirgsbäche (Keuper)

        *            *   **Typ 7**

            *   Grobmaterialreiche karbonatische Mittelgebirgsbäche

        *            *   **Typ 9**

            *   Silikatische fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse

        *            *   **Typ 9.1**

            *   Karbonatische fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse

        *            *   Subtyp 9.1 K

            *   Karbonatische fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse
                (Keuper)

        *            *   **Typ 9.2**

            *   Große Flüsse des Mittelgebirges

        *            *   **Typ 10**

            *   Kiesgeprägte Ströme

        *            *   **Ökoregionen 13 und 14: Norddeutsches Tiefland, Höhe unter 200
                Meter**

        *            *   **Typ 14**

            *   Sandgeprägte Tieflandbäche

        *            *   **Typ 15**

            *   Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse

        *            *   **Typ 15 g**

            *   Große sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse

        *            *   **Typ 16**

            *   Kiesgeprägte Tieflandbäche

        *            *   **Typ 17**

            *   Kiesgeprägte Tieflandflüsse

        *            *   **Typ 18**

            *   Lösslehmgeprägte Tieflandbäche

        *            *   **Typ 20**

            *   Sandgeprägte Ströme

        *            *   **Typ 22**

            *   Marschengewässer

        *            *   Subtyp 22.1

            *   Kleine und mittelgroße Gewässer der Marschen

        *            *   Subtyp 22.2

            *   Große Gewässer der Marschen (meist mit Einzugsgebieten innerhalb der
                Geestgebiete des Norddeutschen Tieflandes)

        *            *   Subtyp 22.3

            *   Ströme der Marschen (Unterläufe von Elbe und Weser oberhalb der
                Übergangsgewässer)

        *            *   **Typ 23**

            *   Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse

        *            *   **Ökoregionunabhängige Typen**

        *            *   **Typ 11**

            *   Organisch geprägte Bäche

        *            *   **Typ 12**

            *   Organisch geprägte Flüsse

        *            *   **Typ 19**

            *   Kleine Niederungsfließgewässer in Fluss- und Stromtälern

        *            *   **Typ 21**

            *   Seeausflussgeprägte Fließgewässer

        *            *   Subtyp 21 N

            *   Seeausflussgeprägte Fließgewässer des Norddeutschen Tieflandes (Nord)

        *            *   Subtyp 21 S

            *   Seeausflussgeprägte Fließgewässer des Alpenvorlandes (Süd)

    **2.2** **Seen**                          (mit einer Oberfläche von 0,5
        Quadratkilometern oder größer)

        **Ökoregionen 4 und 9: Alpen und Alpenvorland**

        Typ 1: Polymiktischer Alpenvorlandsee

[^f793919_02_BJNR137310016BJNE001800000]
        Typ 2: Geschichteter Alpenvorlandsee mit relativ großem Einzugsgebiet

        Typ 3: Geschichteter Alpenvorlandsee mit relativ kleinem Einzugsgebiet

        Typ 4: Geschichteter Alpensee

        **Ökoregionen 8 und 9: Mittelgebirge**

        Typ 5: Geschichteter kalziumreicher Mittelgebirgssee mit relativ
        großem Einzugsgebiet

        Typ 6: Polymiktischer kalziumreicher Mittelgebirgssee

        Typ 7: Geschichteter kalziumreicher Mittelgebirgssee mit relativ
        kleinem Einzugsgebiet

        Typ 8: Geschichteter kalziumarmer Mittelgebirgssee mit relativ großem
        Einzugsgebiet

        Typ 9: Geschichteter kalziumarmer Mittelgebirgssee mit relativ kleinem
        Einzugsgebiet

        **Ökoregionen 13 und 14: Norddeutsches Tiefland**

        Typ 10: Geschichteter Tieflandsee mit relativ großem Einzugsgebiet

        Typ 11: Polymiktischer Tieflandsee mit relativ großem Einzugsgebiet

        Typ 12: Flusssee im Tiefland

        Typ 13: Geschichteter Tieflandsee mit relativ kleinem Einzugsgebiet

        Typ 14: Polymiktischer Tieflandsee mit relativ kleinem Einzugsgebiet

        **Sondertypen (alle Ökoregionen)**

        Typ 88: Sondertyp natürlicher See (
        z. B.                          Moorsee, Strandsee, Altarm oder
        Altwasser)

        Typ 99: Sondertyp künstlicher See (z. B. Abgrabungssee)

    **2.3** **Übergangsgewässer (Ästuare mit einem Einzugsgebiet von 10
        Quadratkilometern oder größer)**

        Typ T1: Übergangsgewässer Elbe-Weser-Ems

        Typ T2: Übergangsgewässer Eider

    **2.4** **Küstengewässer**

        **Typen der Küstengewässer der Nordsee**

        Typ N1: euhalines offenes Küstengewässer

        Typ N2: euhalines Wattenmeer

        Typ N3: polyhalines offenes Küstengewässer

        Typ N4: polyhalines Wattenmeer

        Typ N5: euhalines felsgeprägtes Küstengewässer um Helgoland

        **Typen der Küstengewässer der Ostsee**

        **Typ B1**                         : oligohalines inneres
        Küstengewässer

[^f793919_03_BJNR137310016BJNE001800000]
        Subtyp B1a: Salzgehalt 0,5 – 3 PSU

        Subtyp B1b: Salzgehalt 3 – 5 PSU

        **Typ B2**                         : mesohalines inneres
        Küstengewässer

        Subtyp B2a: Salzgehalt 5 – 10 PSU

        Subtyp B2b: Salzgehalt 10 – 18 PSU

        **Typ B3**                         : mesohalines offenes
        Küstengewässer

        Subtyp B3a: Salzgehalt 5 – 10 PSU

        Subtyp B3b: Salzgehalt 10 – 18 PSU

        **Typ B4**                         : meso-polyhalines offenes
        Küstengewässer, saisonal geschichtet (Salzgehalt 10 – 30 PSU)

3.  Festlegung von Referenzbedingungen für Typen von
    Oberflächenwasserkörpern

    3.1 Für jeden Typ von Oberflächenwasserkörpern nach Nummer 2 sind
        typspezifische hydromorphologische und physikalisch-chemische
        Bedingungen festzulegen, die denjenigen hydromorphologischen und
        physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten entsprechen, die in
        Anlage 3 Nummer 2 und 3 für diesen Typ von Oberflächenwasserkörper für
        den sehr guten ökologischen Zustand gemäß der entsprechenden Tabelle
        in Anlage 4 angegeben sind. Außerdem sind typspezifische biologische
        Referenzbedingungen festzulegen, die die biologischen
        Qualitätskomponenten abbilden, die in Anlage 3 Nummer 1 für diesen Typ
        von Oberflächenwasserkörper bei sehr gutem ökologischen Zustand gemäß
        der entsprechenden Tabelle in Anlage 4 angegeben sind.

    3.2 Werden die in diesem Abschnitt beschriebenen Verfahren auf künstliche
        oder erheblich veränderte Oberflächenwasserkörper angewendet, sind
        Bezugnahmen auf den sehr guten ökologischen Zustand als Bezugnahmen
        auf das höchste ökologische Potenzial gemäß Anlage 4 Tabelle 6 zu
        verstehen. Die Werte für das höchste ökologische Potenzial eines
        Oberflächenwasserkörpers sind alle sechs Jahre zu überprüfen.

    3.3 Die typspezifischen Referenzbedingungen nach den Nummern 3.1 und 3.2
        sollen entweder raumbezogen oder modellbasiert sein oder durch
        Kombination beider Verfahren abgeleitet werden. Bei der Definition des
        sehr guten ökologischen Zustands im Hinblick auf die Konzentration
        bestimmter synthetischer Schadstoffe gelten als Nachweisgrenze die
        Werte, die mit den besten Techniken ermittelt werden können, die zum
        Zeitpunkt der Festlegung der Referenzbedingungen verfügbar sind.

    3.4 Für raumbezogene typspezifische biologische Referenzbedingungen ist
        ein Bezugsnetz für jeden Typ von Oberflächenwasserkörper zu
        entwickeln. Das Netz muss eine ausreichende Anzahl von Stellen mit
        sehr gutem Zustand umfassen.

    3.5 Modellbasierte typspezifische biologische Referenzbedingungen können
        entweder aus Vorhersagemodellen oder durch Rückberechnungsverfahren
        abgeleitet werden. Für die Verfahren sind historische, paläologische
        und andere verfügbare Daten zu verwenden. Die Werte für die
        Referenzbedingungen müssen hinreichend zuverlässig sein.

    3.6 Ist es auf Grund eines hohen Maßes an natürlicher Veränderlichkeit
        einer Qualitätskomponente nicht möglich, zuverlässige typspezifische
        Referenzbedingungen für diese Komponente eines
        Oberflächenwasserkörpers festzulegen, kann diese Komponente von der
        Beurteilung des ökologischen Zustands dieses Typs von
        Oberflächengewässer ausgenommen werden. In diesem Fall sind die Gründe
        hierfür im Bewirtschaftungsplan für die Einzugsgebiete anzugeben.

    Ein See wird als geschichtet eingeordnet, wenn die thermische
    Schichtung an der tiefsten Stelle des Sees über mindestens drei Monate
    stabil bleibt.
[^f793919_02_BJNR137310016BJNE001800000]:     PSU (Practical Salinity Units) ist die Maßeinheit für die Salinität.
[^f793919_03_BJNR137310016BJNE001800000]: 
(zu § 4 Absatz 1)

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