Source: https://www.gesetze-im-internet.de/rechtsfachwprv/__4.html
Legislation: rechtsfachwprv

Title: § 4 Prüfungsinhalte

Description:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Rechtsfachwirt/Geprüfte Rechtsfachwirtin (RechtsfachwPrV)
§ 4 Prüfungsinhalte

Paragraph: 4

Full Text:
Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Rechtsfachwirt/Geprüfte Rechtsfachwirtin (RechtsfachwPrV)
§ 4 Prüfungsinhalte

(1) Im Handlungsbereich "Büroorganisation und Verwaltung" soll die zu
prüfende Person nachweisen, dass sie in der Lage ist, ein Anwaltsbüro
im nichtanwaltlichen Bereich eigenverantwortlich, systematisch und
betriebswirtschaftlich orientiert zu führen. In diesem Rahmen können
geprüft werden:

1.  Organisationsmittel, Büroablauforganisation,

2.  Bearbeitung und Kontrolle der Fristen und Termine,

3.  Post- und Dokumentenmanagement,

4.  Planung, Organisation und Einsatz der Datenverarbeitungs- und
    Telekommunikationssysteme,

5.  Rechtsdatenbanken, Datenschutz,

6.  betriebliches Rechnungswesen einschließlich Aufzeichnungspflichten,
    betriebliche Steuerung, Kosten-Nutzen-Analyse,

7.  Materialverwaltung,

8.  Verkehr mit Gerichten, Behörden und Dritten.

(2) Im Handlungsbereich "Personalwirtschaft und Mandantenbetreuung"
soll die zu prüfende Person nachweisen, dass sie Vorgänge auf der
Basis betriebswirtschaftlicher und arbeitsrechtlicher Grundlagen
interpretieren, analysieren und bearbeiten kann. Sie soll in der Lage
sein, Praxisziele, Organisations- und Kooperationsformen im
Zusammenspiel von Mitarbeitern, Mandanten und anderer Beteiligter
einzuschätzen und zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang können
geprüft werden:

1.  Personalwirtschaft

    a)  Arbeitsvertragsgestaltung und versicherungstechnische Absicherung von
        Risiken unter Berücksichtigung internationaler Vorschriften,

    b)  Berufsbildungs- und Jugendschutzrecht,

    c)  Arbeitsschutzvorschriften,

    d)  praxisbezogene Schwerpunkte des Sozialversicherungsrechts,

    e)  Arbeitsrecht,

    f)  Personalführung und -entwicklung.

2.  Mandantenbetreuung

    a)  Sachstandsaufnahme, Kollisionskontrolle,

    b)  mündliche und schriftliche Terminsberichte,

    c)  Verkehr mit dem anwaltlich nicht vertretenen Beteiligten, insbesondere
        Schuldnern,

    d)  Schwerpunkte des Berufsrechts der Rechtsanwälte.

(3) Im Handlungsbereich "Mandatsbetreuung im Kosten, Gebühren- und
Prozessrecht" soll die zu prüfende Person nachweisen, dass sie
Vorgänge des Gebührenrechts, der Festsetzung und Erstattung der
Gebühren bearbeiten kann sowie die dazugehörigen Regelungen des
Prozessrechts interpretieren und anwenden kann. Dabei können geprüft
werden:

1.  Kosten und Gebührenrecht

    Das Recht

    a)  des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes,

    b)  des Gerichtskostengesetzes,

    c)  des Gesetzes über Gerichtskosten in Familiensachen,

    d)  des Gerichts- und Notarkostengesetzes,

    e)  der Verfahrensgesetze zur Berechnung der Vergütung, der Gebühren und
        der Auslagen sowie der Gegenstandswerte, für Anträge auf Festsetzung,
        Erstattung und Ausgleich, für die Leistung von
        Prozesskostensicherheiten und -vorschüssen, Beratungs- und
        Prozesskostenhilfe.

2.  Prozessrecht

    a)  Das gesamte gerichtliche Mahnverfahren und seine Überleitung in das
        Streitverfahren;

    b)  in praxisbezogenen Schwerpunkten die Regelungen

        aa) der Zivilprozessordnung über die Zuständigkeit und die Vorbereitung
            der Klage, über Verfahrensanträge, Rechtsmittel und Rechtsbehelfe,
            über besondere Verfahrensarten und den vorläufigen Rechtsschutz und
            der entsprechenden Landesgesetze bezüglich der außergerichtlichen
            Streitbeilegung, Mediation,

        bb) des Gerichtsverfassungsgesetzes;

    c)  Grundzüge des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den
        Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit in Nachlass-,
        Kindschaftssachen;

    d)  Grundzüge des Gesetzes über das Wohnungseigentum und das
        Dauerwohnrecht (Wohnungseigentumsgesetz);

    e)  Grundzüge des Betreuungsrechts;

    f)  Besonderheiten der fachgerichtlichen Verfahren;

    g)  praxisbezogene Schwerpunkte der Regelungen der Strafprozessordnung und
        des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten über Verfahrensanträge,
        Rechtsmittel und Rechtsbehelfe, insbesondere über das
        Strafbefehlsverfahren.

(4) Im Handlungsbereich "Mandatsbetreuung in der Zwangsvollstreckung
und im materiellen Recht" soll die zu prüfende Person nachweisen, dass
sie in der Lage ist, titulierte Forderungen in jeglicher Hinsicht
durchzusetzen, die entsprechenden Anträge zu stellen sowie die
zugrunde liegenden Rechtsverhältnisse einzuordnen und dazugehörige
einfache Rechtsfragen richtig beurteilen zu können. In diesem Rahmen
können geprüft werden:

1.  Zwangsvollstreckung

    a)  Das Recht der Zwangsvollstreckung wegen Geldforderungen in das
        bewegliche Vermögen, zur Erwirkung der Herausgabe von Sachen und zur
        Erwirkung von Handlungen oder Unterlassungen, einschließlich der
        Grundsätze und von Strategien sowie des Vollstreckungsschutzes und der
        Vollstreckungsabwehr aus der Sicht des Gläubigers, Schuldners, des
        Drittschuldners und Dritter zur Vorbereitung von Anträgen und
        Aufträgen;

    b)  das Recht der Sicherungsvollstreckung und der eidesstattlichen
        Versicherung und der Haft; die Vorbereitung von Anträgen, Aufträgen
        und Gesuchen;

    c)  das Recht der Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen,
        insbesondere Zwangsversteigerung, praxisbezogene Schwerpunkte des
        Insolvenzverfahrens.

2.  Materielles Recht

    a)  Umfassender Überblick über die Systematik des öffentlichen und des
        privaten Rechts, über seine Fundstellen und deren Erreichbarkeit sowie
        über die Fundstellen von Rechtsprechung;

    b)  umfassende Kenntnisse des bürgerlichen Rechts über die Personen, die
        Rechtsgeschäfte, die Verjährung, die Schuldverhältnisse, insbesondere
        über Leistungsstörungen, über Besitz und Eigentum und über unerlaubte
        Handlungen;

    c)  praxisbezogene Schwerpunktkenntnisse des Sachen-, Familien- und
        Erbrechts, des Handels- und Gesellschaftsrechts, des Rechts an
        Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten, des Strafrechts, des
        Straßenverkehrsrechts sowie der Verkehrsunfallregulierung.

Collections: bundestag_gesetze
RechtsfachwPrV
Level: 2.0