Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__9.html
Legislation: schsv_1998

Title: **Kleinfahrzeuge**

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
**Kleinfahrzeuge**

Paragraph: 9

Full Text:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
**Kleinfahrzeuge**

**1** **Anwendungsbereich**

1.1 Dieses Kapitel gilt für vorhandene und neue Kleinfahrzeuge, die den
    Sicherheitsanforderungen an Frachtschiffe unterliegen.

1.2 Dieses Kapitel gilt nicht für:

    a)  Offshore-Versorger;

    b)  Offshore-Servicefahrzeuge.

**2** **Grundsätzliche Sicherheitsanforderungen**

2.1 Vorbehaltlich der nachfolgenden Vorschriften müssen Kleinfahrzeuge in
    ihrer Gesamtheit

    a)  den für den Verwendungszweck maßgeblichen Klassifikationsregeln einer
        anerkannten Organisation oder

    b)  den Anforderungen des Anhangs I der Richtlinie 2013/53/EU nach der für
        das beantragte Fahrtgebiet maßgeblichen Entwurfskategorie

    entsprechen. Im Fall der Regel 2.1 Buchstabe b findet Artikel 14 der
    Richtlinie 2013/53/EU entsprechende Anwendung.

2.2 Kleinfahrzeuge, die zur gewerbsmäßigen Fahrgastbeförderung eingesetzt
    werden, müssen für das Vorliegen der Regel 2.1 Buchstabe b den
    Anforderungen mindestens der Entwurfskategorie „B“ nach Anhang I der
    Richtlinie 2013/53/EU entsprechen.

**3** **Bauart und Bauweise**

3.1 Die Festigkeit des Schiffskörpers sowie der Schiffsverbände müssen dem
    vorhandenen Tiefgang, dem beantragten Fahrtbereich und dem
    beabsichtigten Verwendungszweck entsprechen.

3.2 Regel 3.1 gilt als erfüllt bei Vorliegen der Regeln 2.1 und 2.2,
    soweit nicht in den nachfolgenden Regeln etwas anderes bestimmt ist.

3.3 Regel 2.1 Buchstabe b gilt nicht für Kleinfahrzeuge, die
    Sonderfahrzeuge sind oder die besonderen Sicherheitsanforderungen
    unterliegen aufgrund ihres Einsatzes

    a)  für den Transport von gefährlicher Ladung oder

    b)  als Spezialschiff.

3.4 Kleinfahrzeuge, die zur gewerbsmäßigen Fahrgastbeförderung eingesetzt
    werden, dürfen keine offenen Schiffe sein. Für alle Fahrgäste müssen
    geschützte Sitzplätze vorhanden sein. Ein freier Zugang zum
    ungehinderten Besetzen und Verlassen der Sitzplätze muss gewährleistet
    sein.

**4** **Unterteilung, Stabilität**

4.1 Kleinfahrzeuge müssen in allen für das jeweilige Schiff vorgesehenen
    Beladungszuständen unter Berücksichtigung von Bauart, Größe,
    Verwendungszweck und Fahrtgebiet unter Einfluss von Wind, Wellengang
    und aller Personen an Bord über ausreichende Stabilität verfügen. Sie
    müssen entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik durch
    Schotte unterteilt werden, die bis zum freiliegenden Deck wasserdicht
    sein müssen.

4.2 Alle Schiffe mit einer Rumpflänge über 15 m müssen mindestens die
    folgenden wasserdichten Querschotte haben:

    a)  ein Kollisionsschott, in einem Abstand von mindestens 0,02 LH,
        höchstens jedoch 0,05 LH hinter dem Vorsteven;

    b)  ein Achterpiekschott, wenn praktikabel;

    c)  zwei Schotte, die den Maschinenraum begrenzen.

4.3 Die Anzahl der Öffnungen in wasserdichten Unterteilungen ist auf ein
    bauartgerechtes und sachgerechtes Minimum zu beschränken unter
    Berücksichtigung der Nutzungsart des Schiffes. Im Falle einer
    Durchdringung von wasserdichten Schotten und Innendecks für Zugang,
    Verrohrung, Belüftung, Elektrokabel oder ähnliches sind Vorkehrungen
    zu treffen, um die Wasserdichtigkeit aufrechtzuerhalten.

4.4 Die Stabilitätsanforderungen des Teil A des Code über Intaktstabilität
    sind einzuhalten, soweit in diesem Kapitel nichts anderes bestimmt
    ist.

4.5 Die Anfangsstabilität (GMo), korrigiert um den Effekt der freien
    Oberfläche von Flüssigkeit enthaltenden Tanks, darf nicht weniger als
    0,35 m betragen.

**5** **Freibord**

5.1 Kleinfahrzeuge müssen mit wasser- und wetterdichten
    Verschlussvorrichtungen ausgerüstet sein, so dass unter keinen
    Seeverhältnissen Wasser in das Fahrzeug eindringen kann und eine
    ausreichende Luftzufuhr gewährleistet ist. Maschinenraumlüfter müssen
    mit geeigneten Vorrichtungen ausgestattet sein, die ein ungehindertes
    Eindringen von Wasser verhindern. Ungedeckte Bereiche müssen
    selbstlenzend sein oder über eine vergleichbare Lenzmöglichkeit
    verfügen. Teil 7 ist auf diese Fahrzeuge nicht anzuwenden.

5.2 Regel 5.1 gilt bei Vorliegen der Regeln 2.1 und 2.2 als erfüllt,
    soweit nicht in den nachfolgenden Regeln etwas anderes bestimmt ist

5.3 Im Fall der Regel 2.1 Buchstabe b müssen Seeventile und
    Außenhautdurchbrüche mindestens die Anforderungen nach DIN EN ISO
    9093:2021-05 erfüllen, die je nach Fahrgebiet und Einsatzart mit
    Bedingungen oder Auflagen verbunden werden können. Kugelhähne, die im
    Rahmen einer Besichtigung nach Kapitel 1 Regel 4.2 nicht überprüft
    werden können, dürfen hierbei nicht älter als fünf Jahre sein.
    Grundsätzlich sind Seeventile und Außenhautdurchbrüche aus
    nichtmetallischen Werkstoffen so weit wie baulich möglich zu
    vermeiden. Nicht am Rumpf verschließbare Außenhautdurchbrüche sind
    unzulässig.

5.4 Bullaugen und Fenster auf Kleinfahrzeugen müssen mit einer
    Mindestsüllhöhe von 610 mm über der Entwurfswasserlinie angeordnet
    werden. Alle Fenster und Bullaugen müssen den höchsten zu erwartenden
    Wellen- und Windbedingungen im geplanten Einsatzgebiet des Fahrzeugs
    widerstehen können.

5.5 Für Luken, die nicht aus Metall gefertigt sind und die vom Wetterdeck
    zu Räumen unterhalb führen, müssen tragbare Blenden vorgesehen werden,
    die im Fall des Bruchs schnell installiert werden können und das
    Eindringen von nicht unerheblichen Wassermengen verhindern.

5.6 Im Fall der Regel 2.1 Buchstabe a muss die Reling mindestens 100 cm
    hoch sein, bei Segelfahrzeugen mindestens 60 cm. Durchzüge sollten 30
    cm voneinander entfernt sein. Losnehmbare Durchzüge sollten aus
    nichtrostendem Drahtseil sein.

**6** **Brandschutz**

    Abweichend von Kapitel 2 Regel 3 gelten nachfolgende Regeln:

6.1 Wenn bei Unterkunftsräumen, die unter Deck liegen und die keinen
    direkten Zugang vom freien Deck haben, die Gefahr besteht, dass bei
    einem Brand der Fluchtweg durch die benachbarten Räume abgeschnitten
    wird, so muss ein Notausstieg vorgesehen werden unter Beachtung der
    Regel 2.1.

6.2 Lüfter mit Kraftantrieb müssen von außen abstellbar sein und Öffnungen
    der Lüftungseinrichtungen für Unterkunfts- und Maschinenräume müssen
    von außen verschließbar sein unter Beachtung der Regel 2.1.

6.3 Flüssiggasanlagen müssen die Vorgaben der DIN EN ISO 10239:2015-05 in
    Verbindung mit dem Arbeitsblatt G 608, Ausgabe März 2012, des
    Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) erfüllen, das beim
    DVGW e. V., 53123 Bonn, zu beziehen ist. Der Betrieb und die
    wiederkehrenden Prüfungen der Anlage müssen gemäß dem vorgenannten
    DVGW Arbeitsblatt G 608 erfolgen. Die wiederkehrenden Prüfungen sollen
    im Abstand von nicht mehr als 2 Jahren erfolgen.

6.4 Öl-Heizungsanlagen, Maschinenraumlüfter und Brennstoff-Förderpumpen
    müssen über Notstoppeinrichtungen außerhalb der Räume, in denen sich
    diese Anlagen befinden, verfügen.

6.5 Benzin darf ausschließlich zum Betrieb von Außenbordmotoren eingesetzt
    werden. Andere Einsatzzwecke, insbesondere in Kochgeräten oder
    Heizungsanlagen, sind unzulässig.

6.6 Kraftstoffleitungen sollen, soweit dies baulich möglich ist, aus
    Metall gefertigt sein. Schläuche sind in begrenzten Längen zulässig,
    sofern sie mindestens den Anforderungen nach DIN EN ISO 7840:2021-05
    entsprechen. Nicht feuerwiderstandsfähige Kraftstoffschläuche dürfen
    nicht verwendet werden.

6.7 Maschinenräume müssen mit nicht brennbarem Material isoliert sein,
    welches gegen Ölnebel dicht ist. Hinsichtlich des Materials ist Regel
    2\.1 zu beachten.

6.8 Einrichtungsmaterialien müssen schwer entflammbar sein unter Beachtung
    der Regel 2.1.

6.9 Die einzelne Schlauchlänge von Feuerlöschschläuchen darf 15 m, in
    Maschinenräumen 10 m nicht überschreiten. Es müssen mindestens so
    viele Feuerlöschschläuche vorhanden sein, dass mit einem von einer
    einzigen Schlauchlänge gespeisten Wasserstrahl jede Stelle des
    Schiffes erreicht werden kann. Fahrzeuge mit einer Länge von weniger
    als 12 m benötigen keine Feuerlöschpumpe und keine
    Feuerlöschschläuche.

6.10 Eine persönliche Brandschutzausrüstung muss nicht mitgeführt werden.

6.11 Feuerlöscher- und Feuerlöscheinrichtungen müssen der nachfolgenden
    Tabelle entsprechen:

    *        *
        *   ABC
            6 kg

        *   CO
            2
            5 kg

        *   Löschdecke

        *   Feuerlöschanlage
            (Co
            2                             /Aerosol)

    *        *   Aufbauten
            L*                              12 m

        *   3
            (1 je 20 m
            2                             )

        *
        *
        *

    *        *   Aufbauten
            L*                              12 m

        *   1

        *
        *
        *

    *        *   Ruderhaus

        *   1

        *   1

        *
        *

    *        *   Kochstelle

        *   1

        *
        *   1

        *

    *        *   Maschinenraum kleiner
            120 kW installierte Leistung

        *
        *   1

        *
        *

    *        *   Maschinenraum größer
            120 kW installierte Leistung

        *
        *   2

        *
        *   1 (alternativ zu
            CO
            2                             -Löschern)

    *        *   Batterieraum

        *
        *   1

        *
        *

    *        *   Raum mit brennbaren Flüssigkeiten

        *   1

        *
        *
        *

    *        *   Schalttafel

        *
        *   1

        *
        *

6.12 Kleinfahrzeuge, die mit elektrischen Antriebssystemen ausgerüstet
    sind, müssen über eine für das spezifische Batteriesystem geeignete
    Löschmöglichkeit verfügen.

**7** **Maschinenbauliche Einrichtungen**

7.1 Hinsichtlich der einzelnen Komponenten der maschinenbaulichen
    Einrichtungen ist die Regel 2.1 zu beachten. Dies gilt insbesondere
    für

    a)  Hauptantriebs- und Hilfsmotoren einschließlich ihrer
        Starteinrichtungen, Verschlussvorrichtungen sowie für Öffnung,
        Anordnung und Querschnitt der Zuluftleitung und Fortluftöffnung,

    b)  Lenzsysteme und kombinierten Lenz-/Seewassersysteme einschließlich
        Alarmeinrichtungen in geschlossenen Maschineräumen,

    c)  Brennstoffsysteme und Brennstofftanks, Brennstoffleitungen aus
        Stahlrohren und in begrenztem Umfang eingesetzte Schläuche,

    d)  Steuerung und Antriebsanlagen,

    e)  Propellerwellen und Getriebe,

7.2 Hauptantriebsmotoren müssen Dieselmotoren oder Elektromotoren sein.
    Benzinmotoren sind nur als Außenbordmotoren zulässig.

7.3 Hauptantriebsmotoren müssen mit einem Typenschild ausgerüstet sein.
    Auf dem Typenschild der Hauptantriebsmotoren sind nachstehende Angaben
    vorzusehen: Nennleistung als Dauerleistung und zugehörige
    Nenndrehzahl, Motornummer, Baujahr, Typenbezeichnung des Motors,
    Hersteller.

7.4 Die in Kleinfahrzeugen verbauten Akkumulatoren müssen wartungsfrei
    sein.

7.5 Anzahl und Kapazität von Lenzpumpen müssen der nachfolgenden Tabelle
    entsprechen, unbeschadet der Regel 9.7:

    *        *
        *   3,60 m*                              L*                              8
            m

        *   8 m*                              L*                              12 m

        *   12 m*                              L*                              24
            m

    *        *   Kraftgetriebene Lenzpumpe

        *   –

        *   1

        *   1

    *        *   Handlenzpumpe

        *   1

        *   1

        *   1

    *        *   Kapazität

        *   5 m
            3                             /h

        *   8 m
            3                             /h

        *   12 m
            3                             /h

    Zum Abpumpen von ölhaltigen Rückständen in der Bilge ist eine
    Handlenzpumpe vorzusehen.

    Sofern der Hauptantrieb über einen Elektromotor und Akkumulatoren
    erfolgt, sind gesonderte Bauvorschriften zu beachten, welche mit der
    Berufsgenossenschaft abzustimmen sind.

7.6 Für alle Kleinfahrzeuge ist eine Notsteuermöglichkeit vorzusehen, die
    im Bedarfsfall schnell in Betrieb genommen werden kann.
    Kleinfahrzeuge, die mit einer kraftbetriebenen Hauptruderanlage
    ausgerüstet sind, müssen über eine Hilfsruderanlage verfügen. Die
    Hilfsruderanlage muss stark genug und in der Lage sein, das
    Kleinfahrzeug bei einer für die Steuerfähigkeit ausreichenden
    Geschwindigkeit steuern zu können. Bei Rudern mit Kraftantrieb muss
    die Ruderlage am Hauptruderstand angezeigt werden. Bei Kleinfahrzeugen
    mit einer mechanischen Hauptruderanlage ist eine Notpinne ausreichend.
    Bei Kleinfahrzeugen mit einer Länge unter 5 m ist ein Satz Paddel
    ausreichend.

**8** **Rettungsmittel**

8.1 Abweichend von Kapitel 2 Regel 4 muss nachfolgende Ausrüstung
    mitgeführt werden:

    *        *   Länge
            Ausrüstung

        *   3,60 m*                              L*                              8
            m

        *   8 m*                              L*                              12 m

        *   12 m*                              L*                              24
            m

    *        *   Rettungsfloß mit Kapazität für alle an Bord befindlichen Personen

        *   –

        *   X

        *   X

    *        *   Eintauchanzug für jedes Besatzungsmitglied

        *   –

        *   X

        *   X

    *        *   Rettungsweste für jede an Bord befindliche Person

        *   X

        *   X

        *   X

    *        *   Arbeitssicherheitsweste für jedes Besatzungsmitglied

        *   X

        *   X

        *   X

    *        *   Wärmeschutzhilfsmittel bei Fahrten
            von November bis März

        *   2

        *   4

        *   8

    *        *   Rettungsring

        *   1

        *   2

        *   4

    *        *   a) davon Rettungsring mit selbstzündendem Nachtlicht

        *   1

        *   1

        *   1

    *        *   b) davon mit 30 m schwimmfähiger Leine

        *   –

        *   1

        *   1

    *        *   Fallschirmsignale rot

        *   4

        *   8

        *   12

    *        *   Handfackeln rot

        *   2

        *   4

        *   8

    *        *   Rauchtöpfe orange

        *   2

        *   2

        *   2

    Legende: X = Ja

8.2 Rettungsflöße sind grundsätzlich auf dem Wetter- oder Freiborddeck
    anzuordnen. Dabei sind äußere Einwirkungen wie etwa Seeschlag zu
    berücksichtigen. Eine Lagerung in wasserdichten oder selbstlenzenden
    Abteilungen ist ebenfalls zulässig, sofern die Abdeckung auch unter
    Wasserdruck von einer Person leicht zu öffnen ist. Das Aussetzen von
    Rettungsflößen darf nicht durch die Anordnung oder Lagerung in
    geschlossenen Abteilungen behindert werden.

8.3 Bei Sportausbildungsfahrzeugen muss für jede an Bord befindliche
    Person die Arbeitssicherheitsweste mit Sicherheitsgurt und Gurtleine
    sowie Karabinerhaken nach DIN EN ISO 12402-2:2021-04 mit einem
    Mindestauftrieb von 150N mitgeführt werden.

8.4 Eine sicher an Deck befestigte Leiter mit festen Holmen und festen
    Sprossen muss vorhanden sein, die beim Einsatz heruntergeklappt von
    Deck bis mindestens 50 cm unter die Wasseroberfläche reicht. Die
    Leiter muss für eine im Wasser befindliche Person ohne fremde Hilfe
    zugänglich sein oder von ihr ohne fremde Hilfe entfaltet werden
    können.

8.5 Pläne und Verfahren zur Bergung von Personen aus dem Wasser müssen
    vorhanden sein.

8.6 Die für Kleinfahrzeuge vorgeschriebenen Rettungsmittel müssen nach der
    Richtlinie 2014/90/EU, die nach Abschnitt D Nummer 10 der Anlage zum
    Schiffssicherheitsgesetz anzuwenden ist, zugelassen sein.

**9** **Sonstige Ausrüstung**

9.1 Funk

    1.  Die Funkausrüstung muss den Anforderungen des Kapitels IV SOLAS für
        das Fahrtgebiet entsprechen.

    2.  Die Ausrüstung mit einem NAVTEX-Empfänger ist nur erforderlich, wenn
        der UKW-Bedeckungsbereich deutscher Küstenfunkstellen verlassen wird.

    3.  Abweichend von Regel 9.1.1 muss bei Fahrzeugen mit einer Länge von
        weniger als 6 m

        a)  ein tragbares UKW-Sprechfunkgerät mit einer Sende- und Empfangseinheit
            für Überlebensfahrzeuge mit Reservebatterie für Notfälle, die über ein
            nicht ersetzbares Siegel verfügt, an Bord vorhanden sein und

        b)  eine Satelliten-Notfunkbake (EPIRB) mit integralem globalen
            Navigationssatellitensystem (GNSS) installiert sein.

    4.  Abweichend von Regel 9.1.1 können bei Sportausbildungsfahrzeugen für
        die Fahrtgebiete A2 und A3 auch andere Satellitenkommunikationsanlagen
        verwendet werden, sofern diese vom Bundesamt für Seeschifffahrt und
        Hydrographie als gleichwertig anerkannt sind, eine
        Dopplungsanforderung kann entfallen.

    5.  Bei Segelfahrzeugen, bei denen die Funkantenne am Mast angebracht ist,
        ist eine Notantenne vorzusehen.

9.2 Die Anbringung der Positionslaternen und die erforderliche
    Schallsignalanlage müssen den Internationalen Regeln von 1972 zur
    Verhütung von Zusammenstößen auf See (Kollisionsverhütungsregeln)
    entsprechen.

9.3 Das Fahrzeug muss mit AIS-SART oder Radar-SART und GPS-Empfänger
    ausgerüstet sein sowie mit automatischem Schiffsidentifizierungssystem
    (AIS) der Klasse A oder B, im Fall der gewerbsmäßigen
    Fahrgastbeförderung der Klasse A.

9.4 Die Navigationsausrüstung muss den Anforderungen des Abschnitt C.I.4
    der Anlage 1 entsprechen:

    a)  Bei Fahrzeugen ab einer Länge von 15 m muss die Ausrüstung den
        Anforderungen des Abschnitt C.I.4 Nummer 1.1 und Nummer 3 der Anlage 1
        entsprechen.

    b)  Bei Fahrzeugen mit einer Länge kleiner 15 m muss die Ausrüstung den
        Anforderungen des Abschnitt C.I.4 Nummer 1.2 und Nummer 2 der Anlage 1
        entsprechen.

    c)  Bei Fahrzeugen mit einer Länge unter 6 m kann die Berufsgenossenschaft
        in Abhängigkeit ihrer Größe und baulichen Möglichkeiten von Teilen der
        Ausrüstungspflicht Abweichungen zulassen.

9.5 Segelfahrzeuge der Entwurfskategorie „A“ oder „B“ nach Anhang I der
    Richtlinie 2013/53/EU müssen eine ausreichend dimensionierte
    Sturmbesegelung, insbesondere eine Sturmfock sowie ein Großsegel mit
    mindestens 2 Reffreihen, mitführen. Wenn das Großsegel mit einer
    Rollanlage ausgerüstet ist, muss ein unabhängig von der Rollanlage
    setzbares Try-Segel mitgeführt werden.

9.6 Auf Segelfahrzeugen muss ein Schneideapparat für stehendes Gut
    vorhanden sein.

9.7 Zusätzlich zu den nach Regel 7.5 geforderten (Hand-)Lenzpumpen müssen
    mindestens zwei Schlagpützen sowie geeignetes Material zur
    Leckbekämpfung an Bord vorhanden sein.

9.8 Eine Sicherheitseinweisung für Fahrgäste und
    Sportbootführerscheinanwärter sowie eine Einführung in die
    Sicherheitsrolle hat vor jedem Fahrtantritt zu erfolgen und ist zu
    dokumentieren.

**10** **Fahrtbereich und Fahrtbeschränkungen**

10.1 Die Berufsgenossenschaft kann den Fahrtbereich entsprechend dem
    vorgesehenen Einsatz örtlich begrenzt erteilen und mit einer
    Wetterklausel versehen soweit dies wegen der Besonderheiten des
    Fahrzeugs erforderlich ist. Dabei können neben dem vorgesehenen
    Einsatzzweck insbesondere Alter und Erhaltungszustand, verwendetes
    Rumpfmaterial und Ermüdungserscheinungen sowie die im vorgesehenen
    Fahrtgebiet zu erwartenden Wetterbedingungen berücksichtig werden.

10.2 Im Fall der Regel 2.1 Buchstabe a darf der Fahrtbereich die von der
    jeweiligen Klassifikationsgesellschaft bescheinigte Auslegung des
    Fahrzeuges nicht überschreiten.

10.3 Im Fall der Regel 2.1 Buchstabe b gilt ein maximaler Fahrtbereich
    entsprechend nachfolgender Tabelle:

    *        *   Entwurfskategorie
            Bootsart

        *   C
            max. Windstärke
            6 Bft.
            max. Wellenhöhe
            2 m

        *   B
            max. Windstärke 8 Bft.
            max. Wellenhöhe
            4 m

        *   A
            max. Windstärke
            *                              8 Bft.
            max. Wellenhöhe
            *                              4 m

    *        *   Offen

        *   5 sm

        *   –

        *   –

    *        *   Teilgedeckt

        *   10 sm

        *   20 sm

        *   –

    *        *   Gedeckt

        *   35 sm

        *   150 sm

        *   unbeschränkt

    *        *   Kleinfahrzeug zur Fahrgastbeförderung mit einer Länge von weniger als
            8 m

        *   –

        *   6 sm

        *   6 sm

    *        *   Kleinfahrzeug zur Fahrgastbeförderung mit einer Länge von 8 m und mehr

        *   –

        *   20 sm

        *   20 sm

10.4 Die Berufsgenossenschaft legt die höchstzulässige Anzahl der Personen
    an Bord fest.

10.5 Kleinfahrzeuge, die gewerbsmäßig Fahrgäste befördern, dürfen eine
    Fahrt nicht antreten

    a)  wenn Eisbildung oder bestehendes Eis im Fahrtgebiet vorhergesagt ist,

    b)  bei stürmischen Winden (ab einer Windstärke von 8 Beaufort) oder
        Sturmwarnung,

    c)  bei auflandigem Starkwind mit einer Windstärke von 6 oder 7 Beaufort
        oder

    d)  bei einer Sichtweite von weniger als 500 m.

10.6 Regel 10.5 Buchstabe d gilt nicht, wenn ein auf der Grundlage der
    Richtlinie 2014/90/EU zugelassenes und einwandfrei arbeitendes
    Radargerät vorhanden und außer dem Schiffsführer eine weitere
    fachkundige Person zur Bedienung des Radargerätes an Bord ist.

10.7 Bei ablandigem Starkwind darf der Bereich der windgeschützten Küste
    nicht verlassen werden. Außerhalb der windgeschützten Küste müssen
    Kleinfahrzeuge bei aufkommendem Starkwind oder bei Sturm- oder
    Starkwindwarnungen unverzüglich Landschutz aufsuchen, bei aufkommendem
    Sturm muss unverzüglich der nächste Hafen angelaufen werden.

10.8 Maßgeblich für die Entscheidung des Schiffsführers, eine geplante
    Fahrt zu unterlassen oder eine schon begonnene Fahrt zu ändern oder
    abzubrechen, sind die vom Deutschen Wetterdienst herausgegebenen
    Starkwind- und Sturmwarnungen sowie die Eisberichte und Eiskarten des
    Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie.

**11** **Abweichende Regelung und Ausnahmen**

    Die Berufsgenossenschaft kann Ausnahmen zulassen, soweit eine
    vergleichbare Sicherheit des Fahrzeugs auf andere Weise gewährleistet
    ist. Insbesondere kann für ein Kleinfahrzeug, für das aufgrund seiner
    geringen Größe oder besonderen Bauart die Anforderungen dieses
    Kapitels nicht erfüllbar sind, im Einzelfall bestimmt werden, welche
    Anforderungen erfüllt werden müssen, damit die an Bord befindlichen
    Personen und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden.

**12** **Übergangsregelungen**

12.1 Für Kleinfahrzeuge mit einer Länge von weniger als 8 m, die vor dem
    30\. November 2024 erstmalig in Betrieb genommen worden sind, gilt die
    Zeugnispflicht und die Pflicht zur Vorführung nach § 9 Absatz 4 ab dem
    1\. Juni 2025, wenn das Fahrzeug zur gewerbsmäßigen Fahrgastbeförderung
    verwendet wird, für alle anderen Fahrzeuge ab dem 1. Juni 2026. Die
    Regeln 10.5, 10.6, 10.7 und 10.8 bleiben unberührt.

12.2 Die Gültigkeit von Zeugnissen, die vor dem 30. November 2024 nach § 14
    der See-Sportbootverordnung ausgestellt worden sind, bleibt unberührt.
    Die Erneuerung eines Zeugnisses nach Satz 1 ist zulässig, längstens
    jedoch bis zum 31. Dezember 2033. Bis dahin bestimmen sich die
    Sicherheitsanforderungen nach der Richtlinie über
    Sicherheitsvorschriften für gewerbsmäßig zu Ausbildungszwecken
    genutzte Sportfahrzeuge nach § 52a der Schiffssicherheitsverordnung
    1997 (Richtlinie für Ausbildungsfahrzeuge) vom 25. August 1997 (VkBl.
    S. 572).

**Kapitel 4**

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SchSV-1998
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