Source: https://www.gesetze-im-internet.de/tischlausbv_2006/__9.html
Legislation: tischlausbv_2006

Title: § 9 Gesellenprüfung

Description:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Tischler/zur Tischlerin (TischlAusbV 2006)
§ 9 Gesellenprüfung

Paragraph: 9

Full Text:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Tischler/zur Tischlerin (TischlAusbV 2006)
§ 9 Gesellenprüfung

(1) Die Gesellenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage
aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie auf den im
Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für die
Berufsausbildung wesentlich ist.

(2) Der Prüfling soll im praktischen Teil der Prüfung in insgesamt
höchstens sieben Stunden eine Arbeitsaufgabe I durchführen. Weiterhin
soll der Prüfling in insgesamt höchstens 100 Stunden eine
Arbeitsaufgabe II, die einem Kundenauftrag entspricht, durchführen und
mit betriebsüblichen Unterlagen dokumentieren sowie innerhalb dieser
Zeit in insgesamt höchstens 30 Minuten hierüber ein Fachgespräch
führen, das aus mehreren Gesprächsphasen bestehen kann. Für die
Arbeitsaufgabe I kommt insbesondere in Betracht:

1.  Herstellen eines Erzeugnisses aus unterschiedlichen Materialien unter
    Anwendung maschineller Bearbeitungs- und Verbindungstechniken
    einschließlich Verwendung eines Halbzeuges oder

2.  Einbauen und Montieren von Erzeugnissen.

Für die Arbeitsaufgabe II kommt insbesondere in Betracht:
Gestalten und Herstellen eines Erzeugnisses einschließlich des
Einrichtens und Bedienens von Maschinen und Vorrichtungen, Nutzung von
Anwenderprogrammen, Herstellen und Zusammenbauen von Teilen, Montieren
von Beschlägen sowie Oberflächenbehandlung. Dem Prüfungsausschuss ist
vor Durchführung der Arbeitsaufgabe II ein fertigungsreifer Entwurf
zur Genehmigung vorzulegen. Bei der Erstellung der Arbeitsaufgabe II
ist der betriebliche Bereich, in dem der Auszubildende überwiegend
ausgebildet wurde, zu berücksichtigen. Durch die Durchführung der
Arbeitsaufgaben, deren Dokumentation und das Fachgespräch soll der
Prüfling zeigen, dass er Arbeitsabläufe ziel- und kundenorientiert
unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer, organisatorischer und
zeitlicher Vorgaben selbstständig planen und durchführen,
Informations- und Kommunikationssysteme nutzen, Arbeitsergebnisse
kontrollieren sowie Maßnahmen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz
bei der Arbeit, zum Umweltschutz und zur Qualitätssicherung ergreifen
sowie seine Vorgehensweise begründen kann. Das Ergebnis der
Arbeitsaufgabe I und der Arbeitsaufgabe II ist jeweils mit 50 Prozent
zu gewichten.

(3) Der Prüfling soll im schriftlichen Teil der Prüfung in den
Prüfungsbereichen Gestaltung und Konstruktion, Planung und Fertigung,
Montage und Service auf der Grundlage eines Erzeugnisses sowie in
Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich geprüft werden. In den
Prüfungsbereichen Gestaltung und Konstruktion, Planung und Fertigung
sowie Montage und Service sind insbesondere praxisbezogene Aufgaben
mit verknüpften informationstechnischen, technologischen und
mathematischen Sachverhalten zu analysieren, zu bewerten und zu lösen.
Dabei soll der Prüfling zeigen, dass er die Arbeitssicherheits-,
Gesundheitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen berücksichtigen, die
Verwendung von Holz, Holzwerk-, Hilfs-, Beschichtungsstoffen und
Halbzeugen planen sowie Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen
zuordnen, Kundenanforderungen sowie Herstellerangaben beachten und
qualitätssichernde Maßnahmen einbeziehen kann. Hierfür kommen
insbesondere in Betracht:

1.  im Prüfungsbereich Gestaltung und Konstruktion:

    Beschreiben der Vorgehensweise bei der Gestaltung und Konstruktion von
    Erzeugnissen unter Berücksichtigung von Gestaltungsmerkmalen,
    Bauweisen, Funktion, Raumsituationen und -wirkungen sowie
    Konstruktionstechniken; Erstellen von Skizzen, Entwurfs- und
    Konstruktionszeichnungen;

2.  im Prüfungsbereich Planung und Fertigung:

    Beschreiben der Vorgehensweise bei der Planung und Fertigung von
    Erzeugnissen unter Berücksichtigung von Produktqualität,
    Werkstoffeigenschaften, Maschinen- und Anlagentechnologien,
    technischen Unterlagen sowie Fertigungs- und Verfahrensabläufen;
    Anwenden von Fertigungstechniken und rechnergestützten Techniken,
    Durchführen von Kostenberechnungen, Optimieren von Arbeitsabläufen und
    Fertigungsprozessen; Erstellen von Planungs- und Fertigungsunterlagen
    sowie Fertigungszeichnungen;

3.  im Prüfungsbereich Montage und Service:

    Beschreiben der Vorgehensweise bei der Montage von Erzeugnissen unter
    Berücksichtigung von örtlichen Gegebenheiten, Baustelleneinrichtungen,
    Montage-, Dicht-, Dämm- und Befestigungstechniken, Erstellen von
    Montageplänen und Abnahmeprotokollen; Beschreiben der Vorgehensweise
    bei der Erbringung von Serviceleistungen unter Berücksichtigung von
    Bedienungsanweisungen, Pflegehinweisen, Serviceverträgen,
    Gewährleistung und Garantiebestimmungen, Ausführen von Wartungs- und
    Reparaturarbeiten;

4.  im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde:

    allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der
    Berufs- und Arbeitswelt.

(4) Für den schriftlichen Teil der Prüfung ist von folgenden
zeitlichen Höchstwerten auszugehen:

*    *   1.

    *   Im Prüfungsbereich
        Gestaltung und Konstruktion

    *   120 Minuten,

*    *   2.

    *   im Prüfungsbereich
        Planung und Fertigung

    *   120 Minuten,

*    *   3.

    *   im Prüfungsbereich
        Montage und Service

    *   60 Minuten,

*    *   4.

    *   im Prüfungsbereich
        Wirtschafts- und Sozialkunde

    *   60 Minuten.

(5) Der schriftliche Teil der Prüfung ist auf Antrag des Prüflings
oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einzelnen
Prüfungsbereichen durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen, wenn diese
für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der
Ermittlung der Ergebnisse für die mündlich geprüften Prüfungsbereiche
sind die jeweiligen bisherigen Ergebnisse und die entsprechenden
Ergebnisse der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2 : 1 zu
gewichten.

(6) Innerhalb des schriftlichen Teils der Prüfung sind die
Prüfungsbereiche wie folgt zu gewichten:

*    *   1.

    *   Prüfungsbereich
        Gestaltung und Konstruktion

    *   30 Prozent,

*    *   2.

    *   Prüfungsbereich
        Planung und Fertigung

    *   30 Prozent,

*    *   3.

    *   Prüfungsbereich
        Montage und Service

    *   20 Prozent,

*    *   4.

    *   Prüfungsbereich
        Wirtschafts- und Sozialkunde

    *   20 Prozent.

(7) Die Prüfung ist bestanden, wenn im praktischen und schriftlichen
Teil der Prüfung jeweils mindestens ausreichende Leistungen erbracht
wurden. In drei Prüfungsbereichen des schriftlichen Teils der Prüfung
müssen mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sein. In
keiner der Arbeitsaufgaben des praktischen Teils sowie in dem weiteren
Prüfungsbereich des schriftlichen Teils dürfen ungenügende Leistungen
erbracht worden sein.

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TischlAusbV-2006
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