Source: https://www.gesetze-im-internet.de/schsv_1998/__17.html
Legislation: schsv_1998

Title: **Börteboote**

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
**Börteboote**

Paragraph: 17

Full Text:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
**Börteboote**

**1** **Anwendung**

    Dieses Kapitel gilt für neue und vorhandene Börteboote, soweit nicht
    nachfolgend etwas anderes geregelt ist.

**2** **Bauart und Bauweise**

2.1 Börteboote sind als offene Fahrzeuge auszuführen, die im Bereich
    unterhalb der Wasserlinie in Karweel und oberhalb der Wasserlinie in
    Klinker beplankt sind. Die Klinker des Überwasserschiffs sollen in der
    Regel aus vier Plankengängen bestehen. Die Planken sollen eine Breite
    von 20 bis 30 cm aufweisen. Die Stärke der Planken soll nicht weniger
    als 24 mm betragen.

2.2 Als Bauwerkstoff sind die Holzarten Eiche, Kambala oder andere
    gleichwertige Holzarten zulässig.

2.3 Der Abstand der Spanten soll nicht mehr als 50 cm betragen.

2.4 Es sollen mindestens drei Querduchten als Aussteifungen in
    Querrichtung des Börtebootes vorhanden sein. Entlang der Dollborde
    sind Längsduchten vorzusehen, die sowohl zur Quer- als auch zur
    Längsfestigkeit des Börtebootes beitragen müssen. Die Breite der
    Längsduchten muss ausreichende Sitzflächen für die Fahrgäste bieten
    und beim Ein- und Ausbooten ausreichende Trittsicherheit für ein- und
    aussteigende Personen gewährleisten.

2.5 Bei neuen Schiffen ist unter der vorderen Querducht ein
    Kollisionsschott vorzusehen.

2.6 Außenhautdurchbrüche müssen auf das technisch Notwendige begrenzt
    werden. Für jede Lenzpumpe, den Kühlwasser-Ein- und -Austritt sowie
    die Abgasleitung des Motors sind Außenhautarmaturen aus zähen
    metallischen Werkstoffen vorzusehen. Die Außenhautdurchbrüche müssen
    nach dem Stand der Technik ausgelegt und ausreichend abgedichtet und
    konserviert werden.

2.7 Es ist eine angemessene Anzahl von ausreichend starken Klampen,
    mindestens jedoch vier Klampen pro Boot zum sicheren Festmachen des
    Börtebootes sowie zum Belegen der Ankerkleine vorzusehen. Für das
    Festmachen am Fahrgastschiff auf Reede ist im Bugbereich des
    Börtebootes ein Haken vorzusehen, der so am Vorsteven gehaltert und
    befestigt ist, dass die auftretenden statischen und dynamischen Lasten
    der Vorleine des voll besetzten Börtebootes gefahrlos in den
    Bootskörper eingeleitet werden.

2.8 Die Bughöhe muss so ausgelegt sein, dass dem Schiffsführer sowohl eine
    ausreichende Voraussicht und gleichzeitig auch ausreichend Schutz vor
    überkommendem Wasser gewährleistet wird.

2.9 Der Auftrieb muss abhängig von der Größe des Börtebootes für die
    Anzahl von Personen, die es transportieren soll, ausreichend sein.

**3** **Ruderanlage, Manövrierfähigkeit**

3.1 Als Ruderanlage ist ein angehängtes Ruder, bestehend aus Pinne,
    Ruderblatt und Ruderbeschlägen vorzusehen.

3.2 Die Dimensionierung der Ruderanlage muss dem Boot eine für den
    geplanten Einsatz ausreichende Manövrierfähigkeit gewährleisten.

**4** **Maschinenanlage**

4.1 Börteboote müssen über einen Antriebsmotor verfügen, der über
    Getriebe, Drucklager und Welle auf den Propeller wirkt. Bei
    Börtebooten mit Elektroantrieb kann das Getriebe entfallen.

4.2 Ist der Antriebsmotor ein Dieselmotor, so ist für eine ausreichende
    Tankkapazität für den geplanten Einsatz auch bei widrigen
    Umweltbedingungen auszulegen. Es muss mindestens eine Betriebsdauer
    von fünf Stunden gewährleistet sein. Dabei ist von einem Verbrauch von
    mindestens 10 l/h für einen Motor mit 50 kW Leistung auszugehen. Bei
    stärkerer Motorenleistung ist der Mehrverbrauch entsprechend zu
    berücksichtigen. Die Tanks sind gegen Auslaufen zu schützen und müssen
    in Bereichen gehaltert werden, die gegen Kraftstoffaustritt nach
    außenbords abgedichtet sind. Kraftstoffzufuhr, Abgasleitung sowie
    Kühlwasserversorgung sind so zu installieren und auszulegen, dass ein
    sicherer Betrieb auch unter widrigen Bedingungen aufrechterhalten
    werden kann und die anerkannten Regeln der Technik im Bootsbau
    eingehalten werden. Sie sind vor Kontakt zu schützen.

4.3 Die Abgasanlage soll grundsätzlich als Nass-Ausgasanlage ausgeführt
    sein.

4.4 Ist der Antriebsmotor ein elektrischer Motor, so ist dessen
    Energieversorgung so auszulegen, dass eine ausreichende Kapazität für
    den geplanten Einsatz auch bei widrigen Umweltbedingungen vorhanden
    ist. Es muss eine Mindestreichweite von sechs Seemeilen unter
    Regelgeschwindigkeit auch bei widrigen Umweltbedingungen gewährleistet
    werden. Die Akkumulatoren sind in vor eindringendem Wasser geschützten
    Bereichen fest zu installieren. Anschlüsse und Schalter sind
    wassergeschützt auszuführen und gegen versehentliches Beschädigen und
    Berühren zu schützen.

4.5 Die Leistung des Antriebsmotors soll auch bei widrigen
    Umweltbedingungen Rumpfgeschwindigkeit ermöglichen.

4.6 Auf neuen Schiffen sind Füllstandsanzeigen für die Kraftstofftanks
    oder Kapazitätsanzeigen für die Akkumulatoren vorzusehen.

4.7 Die Antriebswelle ist aus hochfestem Stahl auszuführen. Als Schmierung
    ist eine Wasser- oder Fettschmierung vorzusehen.

**5** **Lenzeinrichtungen**

5.1 Es sind mindestens zwei kraftbetriebene Bilgenpumpen zu installieren.
    Diese müssen jeweils durch einen Schwimmerschalter aktiviert werden
    können. Die Förderleistung jeder Pumpe muss mindestens 2,0 m³/Std.
    betragen. Die Energieversorgung der elektrischen Bilgenpumpen muss so
    ausgelegt sein, dass ein paralleler Betrieb der Pumpen für mindestens
    zwei Stunden gewährleistet ist. Die Anschlüsse und Schalter sind
    wassergeschützt auszuführen.

5.2 Eine der beiden kraftbetriebenen Pumpen kann durch eine manuelle
    Handlenzpumpe mit gleicher Förderleistung wie die die elektrische
    Lenzpumpe ersetzt werden.

**6** **Elektrische Anlagen**

6.1 Die elektrische Versorgung eines Börtebootes muss ausreichend gegen
    Überlastung abgesichert sein. Das Boot ist mit einer Erdungsplatte zu
    erden.

6.2 Die stromführenden Leitungen sowie Bauteile müssen so verlegt sein,
    dass sie nicht durch die Besatzung oder Fahrgäste beschädigt werden
    können. Sie müssen so installiert werden, dass sie vor
    Umwelteinflüssen geschützt sind und sollten grundsätzlich nicht in der
    Bilge verlegt sein.

**7** **Ausrüstung**

7.1 Folgende Mindestausrüstung muss an Bord vorhanden sein:

7.1.1 Sprechfunk:

    ein tragbares UKW-Sprechfunkgerät mit einer Sende- und Empfangseinheit
    für Überlebensfahrzeuge mit Reservebatterie für Notfälle, die über ein
    nicht ersetzbares Siegel verfügt.

7.1.2 Navigation:

    a)  ein fest mit dem Börteboot verbundener Magnet-Steuerkompass der Klasse
        IV für Rettungsboote, sowie

    b)  ein Mundhorn oder ein Schallsignal mit Druckluftbehälter, die nicht
        nach der Schiffsausrüstungsverordnung zugelassen sein müssen.

7.1.3 Rettungsmittel:

    a)  ein Rettungsring mit 30 m schwimmfähiger Leine und Nachtrettungslicht,
        sowie

    b)  Feststoff-Rettungswesten für jede an Bord befindliche Person.

7.1.4 Zubehör:

    a)  Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik ein Anker von
        ausreichender Größe und Haltekraft sowie passender Leine oder Kette,

    b)  vier Festmacherleinen in nach den allgemein anerkannten Regeln der
        Technik ausreichender Stärke und Qualität, um die sichere Durchführung
        sämtlicher dem normalen Schiffsbetrieb zuzuordnender Schlepp- und
        Festmacharbeiten zu ermöglichen,

    c)  vier Fender, sowie

    d)  zwei Bootshaken.

7.2 Anstelle der Ausrüstung mit Feststoffrettungswesten für jeden Fahrgast
    können die Duchten mit Auftriebskörpern versehen und frei
    aufschwimmend gelagert werden. Der Auftrieb der Duchten ist zu
    dokumentieren. Die Anzahl der als Schwimmkörper dienenden Duchten
    sowie deren gesamter Auftrieb muss ausreichend für die maximale Anzahl
    der an Bord befindlichen Personen ausgelegt und nachgewiesen werden.

7.3 Die alternative Ausrüstung nach Regel 7.2 setzt voraus, dass die
    Längsfestigkeit des Börtebootes durch andere Schiffsverbände
    gewährleistet wird und bedarf der Genehmigung durch die
    Berufsgenossenschaft.

**8** **Brandschutz**

    Auf jedem Börteboot ist ein 6 kg-ABC-Pulverfeuerlöscher vorzuhalten.

**9** **Wartung und Instandhaltung**

9.1 Der Zustand des Börtebootes und seiner Ausrüstung muss so erhalten
    werden, dass er den Bestimmungen dieser Verordnung entspricht. Es muss
    sichergestellt sein, dass das Börteboot in jeder Hinsicht stets ohne
    Gefahr für das Börteboot und die an Bord befindlichen Personen
    eingesetzt werden kann.

9.2 Die Erprobung und Wartung der nachfolgenden Anlagen und
    Ausrüstungsgegenstände ist in geeigneter Form aufzuzeichnen und zu
    belegen.

9.2.1 Die Ruderanlage ist in regelmäßigen Abständen auf ihren Zustand hin zu
    kontrollieren.

9.2.2 Seeventile, Schraubenwellendurchführungen und Lenzeinrichtungen müssen
    regelmäßig überprüft werden.

9.2.3 Hauptmaschinen, Lenzpumpen und Feuerlöscher sind nach
    Herstellerangaben zu warten und zu überholen

Teil 2
Sicherheitsanforderungen für Binnenschiffe,

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SchSV-1998
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