Source: https://www.gesetze-im-internet.de/versvermv_2018/__4.html
Legislation: versvermv_2018

Title: § 4 Prüfung, Verfahren

Description:
Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung (VersVermV 2018)
Abschnitt 1 - Erlaubnisverfahren, Sachkundenachweis, Weiterbildung
§ 4 Prüfung, Verfahren

Paragraph: 4

Full Text:
Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung (VersVermV 2018)
Abschnitt 1 - Erlaubnisverfahren, Sachkundenachweis, Weiterbildung
§ 4 Prüfung, Verfahren

(1) Die Sachkundeprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem
praktischen Teil. Die Teilnahme am praktischen Teil der Prüfung setzt
das Bestehen des schriftlichen Teils voraus.

(2) Der schriftliche Teil der Prüfung umfasst die in § 2 Absatz 1
Nummer 1 aufgeführten Sachgebiete. Sie sind anhand praxisbezogener
Aufgaben und in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander zu prüfen.
Der schriftliche Teil der Prüfung kann mit Hilfe unterschiedlicher
Medien durchgeführt werden.

(3) Die Auswahl der Prüfungsaufgaben für den schriftlichen Teil der
Prüfung trifft ein nach Maßgabe des § 32 Absatz 2 der Gewerbeordnung
eingerichteter bundesweit einheitlich tätiger
Aufgabenauswahlausschuss. Der Aufgabenauswahlausschuss ist mit acht
Mitgliedern und acht stellvertretenden Mitgliedern zu besetzen. Die
Berufung der Mitglieder und der Stellvertreter erfolgt nach Anhörung
von Vertretern der Versicherungsunternehmen, der Versicherungsmakler,
der Versicherungsberater, der Versicherungsvertreter und der
Außendienstführungskräfte. Es werden berufen:

1.  zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter aus den Reihen der
    Versicherungsunternehmen oder der Vertreter ihrer Interessen,

2.  zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter aus den Reihen der
    Versicherungsmakler oder der Versicherungsberater oder der Vertreter
    ihrer Interessen,

3.  zwei Mitglieder und zwei Stellvertreter aus den Reihen der
    Versicherungsvertreter oder der Vertreter ihrer Interessen,

4.  ein Mitglied und ein Stellvertreter aus den Reihen der
    Außendienstführungskräfte oder der Vertreter ihrer Interessen sowie

5.  ein Mitglied und ein Stellvertreter aus den Reihen der Industrie- und
    Handelskammern oder der Vertreter ihrer Interessen.

Die Mitglieder des Ausschusses sowie ihre Stellvertreter müssen in der
Lage sein, sachverständige Entscheidungen zur Aufgabenauswahl zu
treffen. Die Prüfungsaufgaben werden auch nach der Prüfung nicht
veröffentlicht, sondern stehen den Prüflingen nur während der Prüfung
zur Verfügung.

(4) Im praktischen Teil der Prüfung wird jeweils ein Prüfling geprüft.
Dieser Prüfungsteil umfasst die Kundenberatung nach § 2 Absatz 1
Nummer 2 und wird als Simulation eines Kundenberatungsgesprächs
durchgeführt. Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er über die
Fähigkeiten verfügt, kundengerechte Lösungen zu entwickeln und
anzubieten. Dabei kann der Prüfling wählen zwischen den Sachgebieten

1.  Vorsorge mit den Teilsachgebieten Lebensversicherung, private
    Rentenversicherung, Unfallversicherung,
    Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankenversicherung und
    Pflegeversicherung oder

2.  Sach- und Vermögensversicherung mit den Teilsachgebieten
    Haftpflichtversicherung, Kraftfahrtversicherung, Hausratversicherung,
    Gebäudeversicherung und Rechtsschutzversicherung.

Die Prüfung ist auf der Grundlage einer Fallvorgabe durchzuführen, die
eine Kundenberatungssituation entweder als Versicherungsvermittler
oder als Versicherungsberater vorsieht.

(5) Der praktische Teil der Prüfung entfällt, wenn der Prüfling

1.  eine Erlaubnis nach § 34f Absatz 1 Satz 1, § 34h Absatz 1 Satz 1 oder
    § 34i Absatz 1 Satz 1 der Gewerbeordnung hat, oder

2.  einen Sachkundenachweis erlangt hat nach

    a)  § 34f Absatz 2 Nummer 4 der Gewerbeordnung,

    b)  § 34h Absatz 1 Satz 4 in Verbindung mit § 34f Absatz 2 Nummer 4 der
        Gewerbeordnung oder

    c)  § 34i Absatz 2 Nummer 4.

(6) Die Prüfung ist nicht öffentlich. Es können jedoch folgende
Personen anwesend sein:

1.  Vertreter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht,

2.  Mitglieder eines anderen Prüfungsausschusses,

3.  Vertreter der Industrie- und Handelskammern,

4.  Personen, die beauftragt sind, die Qualität der Prüfungen zu
    kontrollieren, oder

5.  Personen, die dafür vorgesehen sind, in einen Prüfungsausschuss
    berufen zu werden.

Diese Personen dürfen nicht in die laufende Prüfung eingreifen oder in
die Beratung über das Prüfungsergebnis einbezogen werden.

(7) Die Leistung des Prüflings ist von dem Prüfungsausschuss mit
„bestanden“ oder „nicht bestanden“ zu bewerten. Die Prüfung ist
bestanden, wenn sowohl der schriftliche als auch der praktische Teil
der Prüfung jeweils mit „bestanden“ bewertet worden sind. Der
schriftliche Teil der Prüfung ist bestanden, wenn der Prüfling

1.  in vier der in § 2 Absatz 1 Nummer 1 genannten Bereiche jeweils
    mindestens 50 Prozent und

2.  in dem verbliebenen Bereich mindestens 30 Prozent

der erreichbaren Punkte erzielt. Der praktische Teil der Prüfung ist
bestanden, wenn der Prüfling mindestens 50 Prozent der erreichbaren
Punkte erzielt.

(8) Die Industrie- und Handelskammer stellt unverzüglich eine
Bescheinigung nach Anlage 2 aus, wenn der Prüfling die Prüfung
bestanden hat. Wurde die Prüfung nicht erfolgreich bestanden, erhält
der Prüfling darüber einen Bescheid, in dem er auf die Möglichkeit
einer Wiederholung der Prüfung hinzuweisen ist.

(9) Die Einzelheiten des Prüfungsverfahrens regeln die Industrie- und
Handelskammern nach Maßgabe des § 32 Absatz 1 Satz 2 der
Gewerbeordnung durch Satzung.

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