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Legislation: schsv_1998

Title: die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrgastschiffen

Description:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrgastschiffen

Paragraph: 17

Full Text:
Schiffssicherheitsverordnung (SchSV 1998)
die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrgastschiffen

**1** Anwendungsbereich ****

1.1 Dieser Teil gilt für Fahrgastschiffe in der Inlandfahrt, die die
    Bundesflagge führen und die nicht der Richtlinie 2009/45/EG
    unterliegen, einschließlich der Bäderboote und Sportanglerfahrzeuge.
    Weiterhin gilt dieser Teil insbesondere auch für vor 1965 entworfene
    und hauptsächlich mit den Originalwerkstoffen gebaute historische
    Fahrgastschiffe im Original oder als Einzelnachbildung, soweit sie
    nicht den Anforderungen für Traditionsschiffe nach Teil 3 unterliegen.

1.2 Soweit nicht die Bestimmungen des Anhangs der Richtlinie 2009/45/EG
    anzuwenden sind, gilt dieser Teil ferner für vorhandene Schiffe der
    Klassen C und D nach Artikel 6 Absatz 3 Buchstabe c der Richtlinie
    2009/45/EG.

1.3 Dieser Teil gilt nicht für

    a)  Schiffe der Bundeswehr und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung
        Schiffbrüchiger;

    b)  Binnenschiffe, mit einer technischen Zulassung für Wasserstraßen der
        Zonen 1 und 2 nach Anhang 1 der Binnenschiffsuntersuchungsordnung vom
        6\. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2450) in der jeweils geltenden Fassung im
        Verkehr auf diesen Wasserstraßen;

    c)  Sportboote, sofern sie

        aa) nicht über eine Besatzung verfügen oder verfügen sollen und

        bb) zu gewerbsmäßigen Zwecken mehr als zwölf Fahrgäste befördern.

**2** Begriffsbestimmungen ****

    Im Sinne dieses Teils ist

2.1 **Fahrgastschiff:**                    ein Schiff, das mehr als 12
    Fahrgäste befördert oder das für die Beförderung von mehr als 12
    Fahrgästen zugelassen ist;

2.2 **Neues Fahrgastschiff:**                    ein Schiff, dessen Kiel
    am oder nach dem 1. Juli 1998 gelegt worden ist oder das sich zu dem
    genannten Zeitpunkt in einem entsprechenden Bauzustand befand; der
    Ausdruck „entsprechender Bauzustand“ bezeichnet den Zustand, der den
    Baubeginn eines bestimmten Schiffes oder Fahrzeuges erkennen lässt und
    in dem die Montage des Schiffes unter Verwendung von mindestens 50 t
    oder von 1 % des geschätzten Gesamtbedarfs an Baumaterial begonnen
    hat, je nachdem, welcher Wert kleiner ist;

2.3 **Vorhandenes Fahrgastschiff:**                    ein Schiff, das
    kein neues Schiff ist;

2.4 **Fahrgast:**                    jede Person mit Ausnahme

    a)  des Kapitäns und der Mitglieder der Schiffsbesatzung oder anderer
        Personen, die in irgendeiner Eigenschaft an Bord eines Schiffes für
        dessen Belange angestellt, beschäftigt oder sonst tätig sind, und

    b)  von Kindern unter einem Jahr;

2.5 **Inlandfahrt:**                    eine Fahrt in Seegebieten von
    einem deutschen Hafen zu demselben oder einem anderen deutschen Hafen;

2.6 **Richtlinie 2009/45/EG:**                    Richtlinie 2009/45/EG
    des Rates vom 6. Mai 2009 über Sicherheitsvorschriften und -normen für
    Fahrgastschiffe (Neufassung) (ABl. L 163 vom 25.6.2009, S. 1) in der
    jeweils geltenden Fassung;

2.7 **Schiffssicherheitsgesetz:**
    Schiffssicherheitsgesetz vom 9. September 1998 (BGBl. I S. 2860) in
    der jeweils geltenden Fassung;

2.8 **SOLAS-Übereinkommen:**                    Internationales
    Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See mit
    Protokollen von 1978 und 1988 (BGBl. 1979 II S. 141; 1980 II S. 525;
    1983 II S. 784; 1994 II S. 2458, Anlageband) in der jeweils geltenden
    Fassung;

2.9 **Freibord-Übereinkommen:**                    Internationales
    Freibord-Übereinkommen von 1966 mit Anlage und Protokoll von 1988 (LL
    66, BGBl. 1969 II S. 249; 1977 II S. 164; 1994 II S. 2457, Anlageband)
    in der jeweils geltenden Fassung;

2.10 **Code über Intaktstabilität:**                    Entschließung
    MSC.267(85) über den Internationalen Code über Intaktstabilität von
    2008 (VkBl. 2009, S. 724) in der jeweils geltenden Fassung;

2.11 **Bäderboot:**                    ein Fahrgastschiff, das vor dem 1.
    Januar 2000 als Bäderboot zugelassen war, das mehr als 12, aber nicht
    mehr als 50 Fahrgäste befördert oder für nicht mehr als 50 Fahrgäste
    zugelassen ist und im Bäderverkehr eingesetzt wird;

2.12 **Sportanglerfahrzeug:**                    ein Fahrgastschiff, das
    vor dem 1. Januar 2000 als Sportanglerfahrzeug zugelassen war, das
    mehr als 12, aber nicht mehr als 50 Fahrgäste befördert oder für nicht
    mehr als 50 Fahrgäste zugelassen ist und auf dem Angelsport gegen
    Entgelt ausgeübt wird;

2.13 **Sommermonate:**                    die Zeit vom 1. April bis 31.
    Oktober;

2.14 **Wattfahrt:**                    die Inlandfahrt auf den Watten der
    Nordsee, auf denen hoher Seegang ausgeschlossen ist; sie umfasst
    folgende Gebiete:

    a)  die Ems bis Borkum,

    b)  das Wattenmeer zwischen dem ostfriesischen Festland von Knock bis
        Schillighörn und den ostfriesischen Inseln,

    c)  die Jade bis zur Verbindungslinie Minsener Oog–Langwarden,

    d)  die Meldorfer Bucht und das Gebiet zwischen Büsum, Blauortsand,
        Tertiussand, Trischen und dem Hohen Ufer von Dieksand,

    e)  das Wattenmeer von St. Peter-Ording nach Friedrichskoog mit der
        Verbindungslinie Leuchtfeuer St. Peter-Ording und dem Blauortsand als
        seewärtige Begrenzung,

    f)  das Wattenmeer zwischen der Westküste Schleswig-Holsteins von
        Westerhever Sand bis zum Hindenburgdamm und den vorgelagerten Inseln,

    g)  das Wattenmeer zwischen dem Festland vom Hindenburgdamm bis zur
        dänischen Grenze;

2.15 **Berufsgenossenschaft:**                    die Dienststelle
    Schiffssicherheit bei der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft
    Post-Logistik Telekommunikation.

**3** Grundsätzliche Sicherheitsanforderungen ****

3.1 Die Richtlinie 2009/45/EG gilt für Fahrgastschiffe nach Regel 1.1
    dieses Teils entsprechend, soweit nicht in den folgenden Vorschriften
    etwas anderes bestimmt ist. Für Fahrgastschiffe mit einer Länge von
    weniger als 24 m gelten die Regeln 2 bis 8 des Kapitels II-1, Teil B-2
    sowie die Regel 13 des Kapitels II-2, Teil B des Abschnitt 1 des
    Anhangs I der Richtlinie
    2009/45/EG                    entsprechend, auch wenn deren Kiel am
    oder nach dem 19. September 2021 gelegt wurde oder sie sich vor diesem
    Zeitpunkt in einem entsprechenden Bauzustand befanden.

3.2 Vorbehaltlich der nachfolgenden Vorschriften müssen vorhandene
    Fahrgastschiffe der Klassen C und D mit Ausnahme von
    Sportanglerfahrzeugen und Bäderbooten in allem, was nicht unter die
    besonderen Anforderungen für die Klassen C und D nach der Richtlinie
    2009/45/EG fällt, die Anforderungen der Kapitel II-1 und II-2 der
    Anlage zum SOLAS-Übereinkommen erfüllen. Soweit darin ausdrücklich
    Regelungen für den Umbau vorhandener Schiffe vorgesehen sind, müssen
    abweichend von Satz 1 mindestens die Anforderungen der Kapitel II-1und
    II-2 der Anlage zum SOLAS-Übereinkommen in der in der nach Maßgabe der
    6\. SOLAS-Änderungsverordnung vom 20. September 1994 (BGBl. II S. 2458)
    geänderten Fassung eingehalten werden.

3.3 Dem Verantwortlichen im Sinne des § 2 Absatz 2 ist bei der Anwendung
    der in Betracht kommenden Bestimmungen dieses Teils freigestellt, im
    Rahmen seiner Verpflichtungen nach § 3 des Schiffssicherheitsgesetzes
    nachzuweisen, dass er den sicheren Betrieb des Schiffes hinsichtlich
    der dem Flaggenstaat überlassenen Anforderungen auch abweichend von
    diesem Teil in gleichwertiger Weise sicherstellt.

**4** Besichtigung und Zeugniserteilung ****

4.1 Die Berufsgenossenschaft erteilt ein Sicherheitszeugnis für
    Fahrgastschiffe, wenn eine Besichtigung die Übereinstimmung mit den
    anwendbaren Vorschriften dieses Teils ergeben hat. Das Zeugnis muss an
    Bord der Schiffe mitgeführt werden.

4.2 Für die zu erteilenden Schiffssicherheitszeugnisse gelten folgende
    Anforderungen:

    a)  das Fahrgastschiff muss nach Maßgabe des Artikels 12 der Richtlinie
        2009/45/EG besichtigt werden;

    b)  das Zeugnis trägt die Bezeichnung „Sicherheitszeugnis für
        Fahrgastschiffe“;

    c)  das Zeugnis muss den Anforderungen nach Artikel 13 der Richtlinie
        2009/45/EG entsprechen;

    d)  im Falle eines Bäderbootes wird das Zeugnis nur für die Sommermonate
        ausgestellt;

    e)  im Falle eines Bäderbootes oder eines Sportanglerfahrzeuges kann das
        Zeugnis nicht erneuert werden, wenn seit dem Ablauf der Gültigkeit des
        letzten Zeugnisses mehr als ein Jahr vergangen ist.

**5** Fahrterlaubnis in besonderen Fällen ****

5.1 Die Berufsgenossenschaft kann auf Antrag im Einzelfall für ein Schiff,
    für das ein Schiffssicherheitszeugnis für einen anderen Zweck als die
    Fahrgastschifffahrt ausgestellt ist, für eine Reise oder mehrere
    Reisen aus besonderem Anlass eine Fahrterlaubnis als Fahrgastschiff
    erteilen, soweit sichergestellt ist, dass die Sicherheit der Fahrgäste
    jederzeit gewährleistet ist. Es obliegt dem Antragsteller
    nachzuweisen, dass der sichere Betrieb des Schiffes auch abweichend
    von den Anforderungen dieses Teils in anderer Weise sichergestellt
    wird und das Sicherheitsniveau dieses Teils insgesamt nicht gesenkt
    wird.

5.2 In der Fahrterlaubnis sind unter Angabe des Zeitpunktes und der Dauer
    jeder einzelnen Reise mindestens die erforderliche zusätzliche
    Ausrüstung, insbesondere mit Rettungsmitteln, und die höchstzulässige
    Anzahl der Fahrgäste vorzuschreiben. Ferner kann die Fahrterlaubnis
    mit den für die Gewährleistung eines sicheren Schiffsbetriebes
    erforderlichen Nebenbestimmungen, im Falle von Auflagen auch
    nachträglich, verbunden werden.

**6** Fahrtbeschränkungen ****

6.1 Bäderboote dürfen nur während der Sommermonate fahren. Die Fahrt darf
    nicht länger als 2 Stunden dauern und der Abstand von der Küstenlinie
    bei mittlerem Hochwasser nicht mehr als 4 Seemeilen betragen. Die
    Berufsgenossenschaft kann für einzelne Schiffe in sinngemäßer
    Anwendung der Richtlinie 2009/45/EG andere Abstände von der
    Küstenlinie festlegen.

6.2 Sportanglerfahrzeuge dürfen einen Abstand von 10 Seemeilen von der
    Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser nicht überschreiten.

6.3 Bäderboote und Sportanglerfahrzeuge dürfen nur zwischen Sonnenaufgang
    und Sonnenuntergang, in jedem Fall aber zwischen 8 und 17 Uhr, fahren.

6.4 Bäderboote und Sportanglerfahrzeuge dürfen die Fahrt nicht antreten

    a)  bei Sturm (8 Beaufort oder mehr) oder Sturmwarnung,

    b)  bei auflandigem Starkwind (6 und 7 Beaufort) oder

    c)  bei Nebel mit einer Sichtweite

        aa) von weniger als 500 m oder

        bb) zwischen 500 und 1 000 m, wenn kein auf der Grundlage der Richtlinie
            2014/90/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Juli 2014
            über Schiffsausrüstung und zur Aufhebung der Richtlinie 96/98/EG des
            Rates (ABl. L 257 vom 28.8.2014, S. 146) in der jeweils geltenden
            Fassung, zugelassenes und einwandfrei arbeitendes Radargerät vorhanden
            oder außer dem Schiffsführer keine weitere fachkundige Person zur
            Bedienung des Radargerätes an Bord ist.

    Bei ablandigem Starkwind darf der Bereich der windgeschützten Küste
    nicht verlassen werden. Bäderboote und Sportanglerfahrzeuge, die sich
    außerhalb der windgeschützten Küste aufhalten, müssen bei aufkommendem
    Starkwind oder bei Sturm- oder Starkwindwarnungen unverzüglich
    Landschutz aufsuchen, bei aufkommendem Sturm muss unverzüglich der
    nächste Hafen angelaufen werden.

6.5 Maßgeblich für die Entscheidung des Schiffsführers eines Bäderbootes
    oder eines Sportanglerfahrzeuges, eine geplante Fahrt zu unterlassen
    oder eine schon begonnene Fahrt entsprechend den Vorschriften dieses
    Teils zu ändern, sind die von einem amtlichen Wetterdienst
    herausgegebenen Starkwind- und Sturmwarnungen.

**7** Zulässige Fahrgastzahl ****

7.1 Die Berufsgenossenschaft setzt die höchstzulässige Anzahl der
    Fahrgäste fest, dabei sind insbesondere die nachgewiesenen
    Stabilitätswerte, Flucht- und Rettungswege und die Decksflächen der
    seefest eingedeckten Räume auf und unter Deck, die für die
    Unterbringung von Fahrgästen geeignet sind, zu berücksichtigen.

7.2 Bei Fahrzeugen in der Wattfahrt müssen für die Sommermonate auch die
    zur Unterbringung von Fahrgästen geeigneten freien Decksflächen
    berücksichtigt werden.

**8** Freibord ****

8.1 Für alle Fahrgastschiffe ist ein wirksamer wetterdichter
    Verschlusszustand Voraussetzung für die Erteilung des Freibordes.

8.2 Für vorhandene Fahrgastschiffe gilt Artikel 6 Absatz 2 Buchstabe b der
    Richtlinie 2009/45/EG entsprechend, soweit nicht nachfolgend geringere
    Anforderungen geregelt sind.

8.3 Für vorhandene Fahrgastschiffe der Klassen C und D und neue
    Fahrgastschiffe der Klassen C und D unter 24 m Länge gilt:

8.3.1 Mindestfreibord

    Die Mindestbughöhe kann um höchstens 50 % vermindert werden, wenn die
    Anforderungen der Intakt- und Leckstabilität eingehalten werden.

8.3.2 Lüfter

    Die Süllhöhe von Lüftern kann im Bereich 1 auf 760 mm und im Bereich 2
    auf 450 mm reduziert werden. Auf wetterdichte Verschlüsse für Lüfter
    kann verzichtet werden, wenn die nachfolgenden Anforderungen erfüllt
    werden und sich diese Lüfter nicht in einem Frontschott oder an der
    Seite von Aufbauten befinden. Die Mindest-Süllhöhen für Lüfter ohne
    Verschluss-Einrichtungen wie Maschinenraumzu- und Ablüfter sowie Zu-
    und Ablüfter für Notdieselräume können auf 2500 mm im Bereich 1 und
    900 mm im Bereich 2 reduziert werden.

8.3.3 Türen

    Die Süllhöhe von Türen, die zu Räumen mit zu schützenden Öffnungen in
    den Schiffskörper führen, kann im Bereich 1 auf 380 mm und im Bereich
    2 auf 100 mm reduziert werden.

8.3.4 Fenster

    Im Bereich des ersten Aufbaudecks können anstelle von Bullaugen im
    Sinne der Regel 23 Absatz 2 der Anlage 1 zum Freibord-Übereinkommen
    Fenster nach Maßgabe der Regel 23 Absatz 3 der Anlage 1 zum Freibord-
    Übereinkommen zugelassen werden, wenn für jedes dieser Fenster jeweils
    eine Seeschlagblende mit Befestigungsmaterial in der direkten Umgebung
    der Fenster vorgesehen ist. Sofern die Fenster aus
    Sicherheitsverbundglas bestehen, dessen Festigkeitswert der umgebenden
    Schiffsstruktur entspricht, kann auf Seeschlagblenden verzichtet
    werden. Fahrzeuge, deren Aufbauten oder Deckshäuser in die
    Pantokarenen eingerechnet sind, müssen auch in diesem Bereich wirksam
    wetterdicht verschlossen sein.

8.3.5 Fahrzeuge mit virtuellem Schottendeck und versenktem Salon dürfen
    ausschließlich in der Wattfahrt eingesetzt werden. Ein virtuelles
    Schottendeck ist ein gedachtes, aber nicht vorhandenes Deck, welches
    bei der Leckrechnung an Stelle eines tatsächlich vorhandenen
    Schottendecks angenommen und berücksichtigt wird. Ein versenkter Salon
    ist ein Fahrgastraum, der bei Fahrgastschiffen mit virtuellem
    Schottendeck im Bereich des tatsächlich fehlenden wasserdichten Decks
    angeordnet ist und bei dem sich die Begrenzung (Boden) des
    Fahrgastraums unterhalb sowie die obere Begrenzung (Decke) des
    Fahrgastraums oberhalb des virtuellen Schottendecks befindet.

8.3.6 Wasserpforten

    Der Wasserpfortenquerschnitt nach Regel 24 der Anlage 1 zum Freibord-
    Übereinkommen kann um höchstens 50 % vermindert werden.

8.4 Für Sportanglerfahrzeuge und Bäderboote kann die Berufsgenossenschaft
    weitergehende Ausnahmen zulassen.

**9** Unterteilung und Stabilität ****

9.1 Vorhandene Fahrgastschiffe der Klassen C und D und alle
    Fahrgastschiffe mit einer Länge von weniger als 24 m müssen
    vorbehaltlich der nachfolgenden Vorschriften hinsichtlich der
    Stabilität des unbeschädigten Schiffes die Anforderungen des Codes
    über die Intaktstabilität erfüllen.

9.2 Vorhandene genehmigte Stabilitätsunterlagen bleiben weiter gültig,
    soweit sich an den Voraussetzungen für ihre Genehmigung nichts
    geändert hat.

9.2.1 Wird eine Änderung des Leerschiffsgewichtes, des Längenschwerpunktes,
    oder des Höhenschwerpunktes festgestellt, müssen weiterhin mindestens
    die bis dahin für dieses Schiff geltenden Intakt- und
    Leckstabilitätskriterien eingehalten werden.

9.2.2 Werden Reparaturen, Änderungen oder Umbauten größerer Art vorgenommen,
    ist Artikel 6 Absatz 2 Buchstabe e der Richtlinie 2009/45/EG
    anzuwenden. Als solche gilt im Zusammenhang mit der Unterteilung und
    Stabilität jegliche Veränderung in der Bauart, die das Ausmaß der
    Unterteilung des Schiffes berührt oder die Hydrostatik des Schiffes
    beeinflusst.

9.3 Für vorhandene Fahrgastschiffe in der Wattfahrt gilt:

9.3.1 Bei flachgehenden, breiten Schiffen kann die Berufsgenossenschaft
    abweichend von Kapitel 2 Regel 2.2.3 des Codes über die
    Intaktstabilität eine Verminderung des Neigungswinkels, bei dem der
    größte aufrichtende Hebelarm auftritt, zulassen.

9.3.2 Die Nachrüstung eines Doppelbodens ist nicht erforderlich.

9.4 Für Fahrgastschiffe der Klassen C und D, die unter herabgesetzten
    Einsatz- und Wetterbedingungen fahren, kann die Berufsgenossenschaft
    beim Nachweis des Wetterkriteriums reduzierte Windlasten zulassen. Das
    Wetterkriterium muss nicht erfüllt werden, wenn

9.4.1 der Umfang der Hebelarmkurve mindestens 60° beträgt oder

9.4.2 der Stabilitätsumfang zwischen 50 und 60° liegt und der bei 30°
    Neigung erforderliche aufrichtende Hebelarm so vergrößert ist, dass
    für je 1° Stabilitätsumfang unter 60° zusätzlich 0,01 m zu dem
    erforderlichen Mindesthebelarm vorhanden ist.

9.5 Für vorhandene Ro-Ro-Fahrgastschiffe der Klassen C und D gelten die
    Bestimmungen der Regel 8 des Kapitels II-1 der Anlage zum SOLAS-
    Übereinkommen in der durch Entschließung MSC.12(56) geänderten Fassung
    nicht. Regel 8-2 des Kapitels II-1 der Anlage zum SOLAS-Übereinkommen
    in der durch Konferenzdokument vom 29. November 1995 (BGBl. 1995 II S.
    934) eingefügten Fassung ist nicht anzuwenden.

9.6 Bei Fahrzeugen mit hinten liegender Maschine kann ein bis zum
    Freiborddeck oder bis zu einer oberhalb der Tiefladelinie gelegenen
    wasserdichten Plattform reichendes Hinterpiekschott
    (Stopfbuchsenschott) das hintere Maschinenraumschott ersetzen.

9.7 Bei Bäderbooten und Sportanglerfahrzeugen sind der
    Berufsgenossenschaft die Stabilitätsunterlagen zur Prüfung vorzulegen.
    Hierzu gehören die Hebelarmkurven der statischen Stabilität für die
    wichtigsten Betriebszustände sowie die Auswertungsunterlagen des
    Krängungsversuches. Ein Nachweis der Schwimmfähigkeit im Leckfall ist
    nicht erforderlich.

**10** Maschinen und elektrische Anlagen ****

10.1 Verbindung zwischen Kommandobrücke und Maschinenraum

    Für die Übermittlung von Maschinenkommandos von der Brücke zu der
    Stelle im Maschinenraum, von der aus die Drehzahl und die
    Schubrichtung der Propeller gesteuert werden, muss mindestens ein
    Telegraph oder eine Kommunikationsanlage vorhanden sein. Die
    Kommunikationsanlage kann aus einem gespeisten Telefon oder einem
    Drahtlos-Telefon mit fest montierter Ladestation bestehen.

10.2 Ruderanlage

    Fahrgastschiffe müssen mit einer Hauptruderanlage und einer
    Hilfsruderanlage ausgerüstet sein, wobei die Hilfsruderanlage
    unabhängig vom Ruderschaftdurchmesser einen handhydraulischen Antrieb
    haben kann.

10.3 Hauptstromquellen

    Auf jedem Fahrgastschiff müssen zur Aufrechterhaltung der elektrischen
    Energieversorgung des Antriebes und der notwendigen Hilfseinrichtungen
    mindestens zwei Hauptgeneratoren vorhanden sein, wobei einer der
    Generatoren auch ein Wellengenerator oder eine am Antriebsmotor
    angehängte Lichtmaschine sein kann.

10.4 Notstromquellen

    Sofern die Notstromquelle eine Akkumulatorenbatterie ist, muss ein
    Betrieb aller Notverbraucher einschließlich der Notbeleuchtung von
    mindestens 6 Stunden sichergestellt sein.

**11** Brandschutz ****

    Für vorhandene Fahrgastschiffe der Klassen C und D, die ausschließlich
    Tagesfahrten durchführen, kann die Nachrüstung einer Feuerlöschanlage
    für Unterkunfts- und Wirtschaftsräume, Treppenschächte und Gänge in
    erleichterter Form durch eine nicht selbsttätig auslösende Anlage oder
    mobile Brandbekämpfungseinheiten, die strategisch günstig in
    Brandabschnitten platziert werden und aktiv durch die Besatzungen zum
    Einsatz kommen können, vorgenommen werden. Feuerlöschanlagen sind so
    auszulegen, dass eine gleichwertige Sicherheit gegenüber dem festen
    Einbau einer Sprinkleranlage erfüllt wird.

**12** Zeugnismuster ****

    Die Muster des Sicherheitszeugnisses für Fahrgastschiffe und der
    Fahrterlaubnis in besonderen Fällen werden nach dieser Verordnung im
    Verkehrsblatt bekannt gemacht.

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