Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bkrfqv_2020/__11.html
Legislation: bkrfqv_2020

Title: Anlage 1 Liste der Kenntnisbereiche

Description:
Verordnung zur Durchführung des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes (BKrFQV 2020)
Anlage 1 Liste der Kenntnisbereiche

Paragraph: 11

Full Text:
Verordnung zur Durchführung des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes (BKrFQV 2020)
Anlage 1 Liste der Kenntnisbereiche

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 2910 - 2913)

Die Kenntnisse müssen sich zumindest auf die in dieser Liste
angeführten Bereiche erstrecken. Anwärter für den Beruf des
Kraftfahrers müssen über das zum sicheren Führen eines Fahrzeugs der
betreffenden Fahrerlaubnisklasse erforderliche Niveau von Kenntnissen
und Fähigkeiten in diesen Bereichen verfügen.

Das Mindestqualifikationsniveau muss mit Niveau 2 des Europäischen
Qualifikationsrahmens gemäß Anhang II der Empfehlung des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 zur Einrichtung des
Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (ABl. C 111
vom 6.5.2008, S. 1) vergleichbar sein.

*    *   **1.**

    *   **Verbesserung des rationellen Fahrverhaltens auf der Grundlage der
        Sicherheitsregeln**

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D, DE

*    *
    *[^F814108_02_BJNR290510020BJNE001200000]
   1.1

    *   Ziel: Kenntnis der Eigenschaften der kinematischen Kette für eine
        optimierte Nutzung, insbesondere:

        –   Drehmomentkurven,

        –   Leistungskurven,

        –   spezifische Verbrauchskurven eines Motors,

        –   optimaler Nutzungsbereich des Drehzahlmessers und

        –   optimaler Drehzahlbereich beim Schalten.

*    *
    *   1.2

    *   Ziel: Kenntnis der technischen Merkmale und der Funktionsweise der
        Sicherheitsausstattung, um das Fahrzeug zu beherrschen, seinen
        Verschleiß möglichst gering zu halten und Fehlfunktionen vorzubeugen,
        insbesondere:

        –   Grenzen des Einsatzes der Bremsanlagen und der Dauerbremsanlage,

        –   kombinierter Einsatz von Brems- und Dauerbremsanlage,

        –   bestes Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Getriebeübersetzung,

        –   Einsatz der Trägheit des Fahrzeugs,

        –   Einsatz der Bremsanlagen im Gefälle,

        –   Verhalten bei Defekten,

        –   Verwendung von elektronischen und mechanischen Geräten wie
            elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP),

        –   vorausschauende Notbremssysteme (AEBS),

        –   Antiblockiersystem (ABS),

        –   Traktionskontrollsysteme (TCS) und Überwachungssysteme im Fahrzeug
            (IVMS) und

        –   andere zur Verwendung zugelassene Fahrerassistenz- oder
            Automatisierungssysteme.

*    *
    *   1.3

    *   Ziel: Fähigkeit zur Optimierung des Kraftstoffverbrauchs,
        insbesondere:

        –   Optimierung des Kraftstoffverbrauchs durch Anwendung der Kenntnisse
            gemäß den Nummern 1.1 und 1.2,

        –   Bedeutung der Antizipation des Verkehrsflusses,

        –   geeigneter Abstand zu anderen Fahrzeugen und Nutzung der
            Fahrzeugdynamik,

        –   konstante Geschwindigkeit,

        –   ausgeglichener Fahrstil und angemessener Reifendruck und

        –   Kenntnis intelligenter Verkehrssysteme, die ein effizienteres Fahren
            und eine bessere Routenplanung ermöglichen.

*    *
    *   1.3a

    *   Ziel: Fähigkeit, Risiken im Straßenverkehr vorherzusehen, zu bewerten
        und sich daran anzupassen, insbesondere:

        –   sich unterschiedlicher Straßen-, Verkehrs- und Witterungsbedingungen
            bewusst sein und sich daran anpassen,

        –   künftige Ereignisse vorhersehen,

        –   ermessen, welche Vorkehrungen für eine Fahrt bei außergewöhnlichen
            Witterungsbedingungen getroffen werden müssen,

        –   die Verwendung der damit verbundenen Sicherheitsausrüstung beherrschen
            und sich bewusst machen, wann eine Fahrt aufgrund extremer
            Witterungsbedingungen verschoben oder abgesagt werden muss,

        –   sich an Verkehrsrisiken anpassen, einschließlich gefährlicher
            Verhaltensweisen im Verkehr oder Ablenkung beim Fahren (durch die
            Nutzung elektronischer Geräte, Nahrungs- und Getränkeaufnahme usw.),

        –   Gefahrensituationen erkennen, sich daran anpassen und den damit
            verbundenen Stress bewältigen, vor allem in Bezug auf Größe und
            Gewicht des Fahrzeugs und auf schwächere Verkehrsteilnehmer,
            beispielsweise Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiräder, und

        –   mögliche Gefahrensituationen erkennen und korrekte Schlüsse ziehen,
            wie aus dieser potenziell gefährlichen Lage Situationen entstehen
            können, in denen Unfälle möglicherweise nicht mehr vermieden werden
            können, sowie Maßnahmen auswählen und durchführen, durch die die
            Sicherheitsabstände so erhöht werden, dass ein Unfall noch vermieden
            werden kann, falls die potenziellen Gefahren auftreten sollten.

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE

*    *
    *   1.4

    *   Ziel: Fähigkeit zur Sicherung der Ladung unter Anwendung der
        Sicherheitsvorschriften und durch richtige Benutzung des Fahrzeugs,
        insbesondere:

        –   bei der Fahrt auf das Fahrzeug wirkende Kräfte,

        –   Einsatz der Getriebeübersetzung entsprechend der Belastung des
            Fahrzeugs und dem Fahrbahnprofil,

        –   Nutzung von Automatikgetrieben,

        –   Berechnung der Nutzlast eines Fahrzeugs oder einer
            Fahrzeugkombination,

        –   Berechnung des Nutzvolumens,

        –   Verteilung der Ladung,

        –   Auswirkungen der Überladung auf die Achse,

        –   Fahrzeugstabilität und Schwerpunkt,

        –   Arten von Verpackungen und Lastträgern,

        –   wichtigste Kategorien von Gütern, bei denen eine Ladungssicherung
            erforderlich ist,

        –   Feststell- und Verzurrtechniken,

        –   Verwendung der Zurrgurte,

        –   Überprüfung der Haltevorrichtungen,

        –   Einsatz des Umschlaggeräts und

        –   Abdecken mit einer Plane und Entfernen der Plane.

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen D1, D1E, D, DE

*    *
    *   1.5

    *   Ziel: Fähigkeit zur Gewährleistung der Fahrgastsicherheit und des
        Fahrgastkomforts, insbesondere:

        –   richtige Einschätzung der Längs- und Seitwärtsbewegungen des
            Fahrzeugs,

        –   rücksichtsvolles Verkehrsverhalten,

        –   Positionierung auf der Fahrbahn,

        –   sanftes Abbremsen; Beachtung der Überhänge,

        –   Nutzung spezifischer Infrastrukturen (öffentliche Verkehrsflächen,
            bestimmten Verkehrsteilnehmern vorbehaltene Verkehrswege),

        –   angemessene Prioritätensetzung im Hinblick auf die sichere Steuerung
            des Fahrzeugs und die Erfüllung anderer dem Fahrer obliegenden
            Aufgaben,

        –   Umgang mit den Fahrgästen und

        –   besondere Merkmale der Beförderung bestimmter Fahrgastgruppen
            (Menschen mit Behinderungen, Kinder).

*    *
    *   1.6

    *   Ziel: Fähigkeit zur Sicherung der Ladung unter Anwendung der
        Sicherheitsvorschriften und durch richtige Benutzung des Fahrzeugs,
        insbesondere:

        –   bei der Fahrt auf das Fahrzeug wirkende Kräfte,

        –   Einsatz der Getriebeübersetzung entsprechend der Belastung des
            Fahrzeugs und dem Fahrbahnprofil,

        –   Nutzung von Automatikgetrieben,

        –   Berechnung der Nutzlast eines Fahrzeugs oder einer
            Fahrzeugkombination,

        –   Verteilung der Ladung,

        –   Auswirkungen der Überladung auf die Achse und

        –   Fahrzeugstabilität und Schwerpunkt.

*    *   **2.**

    *   **Anwendung der Vorschriften**

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D, DE

*    *
    *   2.1

    *   Ziel: Kenntnis der sozialrechtlichen Rahmenbedingungen und
        Vorschriften für den Kraftverkehr, insbesondere:

        –   höchstzulässige Arbeitszeiten in der Verkehrsbranche,

        –   Grundsätze, Anwendung und Auswirkungen der Verordnungen (EG) Nr.
            561/2006 und (EU)
            Nr. 165/2014                              des Europäischen Parlaments
            und des Rates,

        –   Sanktionen für den Fall, dass der Fahrtenschreiber nicht benutzt,
            falsch benutzt oder verfälscht wird und

        –   Kenntnis der sozialrechtlichen Rahmenbedingungen für den Güter- oder
            Personenkraftverkehr: Rechte und Pflichten der Kraftfahrer im Bereich
            der Grundqualifikation und der Weiterbildung.

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE

*    *
    *   2.2

    *   Ziel: Kenntnis der Vorschriften für den Güterkraftverkehr,
        insbesondere:

        –   Beförderungsgenehmigungen,

        –   im Fahrzeug mitzuführende Dokumente,

        –   Fahrverbote für bestimmte Straßen,

        –   Straßenbenutzungsgebühren,

        –   Verpflichtungen im Rahmen der Musterverträge für die Güterbeförderung,

        –   Erstellen von Beförderungsdokumenten,

        –   Genehmigungen im internationalen Verkehr,

        –   Verpflichtungen im Rahmen des CMR (Übereinkommen über den
            Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr),

        –   Erstellen des internationalen Frachtbriefs,

        –   Überschreiten der Grenzen,

        –   Verkehrskommissionäre und

        –   besondere Begleitdokumente für die Güter.

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen D1, D1E, D, DE

*    *
    *   2.3

    *   Ziel: Kenntnis der Vorschriften für den Personenkraftverkehr,
        insbesondere:

        –   Beförderung bestimmter Personengruppen,

        –   Sicherheitsausstattung in Bussen,

        –   Sicherheitsgurte und

        –   Beladen des Fahrzeugs.

*    *   **3.**

    *   **Gesundheit, Verkehrs- und Umweltsicherheit, Dienstleistung,
        Logistik**

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D, DE

*    *
    *   3.1

    *   Ziel: Sensibilisierung in Bezug auf Risiken des Straßenverkehrs und
        Arbeitsunfälle, insbesondere:

        –   Typologie der Arbeitsunfälle in der Verkehrsbranche,

        –   Verkehrsunfallstatistiken,

        –   Beteiligung von Lastkraftwagen/Bussen und

        –   menschliche, materielle und finanzielle Auswirkungen.

*    *
    *   3.2

    *   Ziel: Fähigkeit, der Kriminalität und der Schleusung illegaler
        Einwanderer vorzubeugen, insbesondere:

        –   allgemeine Informationen,

        –   Folgen für die Kraftfahrer,

        –   Vorbeugungsmaßnahmen,

        –   Checkliste für Überprüfungen und

        –   Rechtsvorschriften betreffend die Verantwortung der
            Kraftverkehrsunternehmer.

*    *
    *   3.3

    *   Ziel: Fähigkeit, Gesundheitsschäden vorzubeugen, insbesondere:

        –   Grundsätze der Ergonomie: gesundheitsbedenkliche Bewegungen und
            Haltungen,

        –   physische Kondition,

        –   Übungen für den Umgang mit Lasten und

        –   individueller Schutz.

*    *
    *   3.4

    *   Ziel: Sensibilisierung für die Bedeutung einer guten körperlichen und
        geistigen Verfassung, insbesondere:

        –   Grundsätze einer gesunden und ausgewogenen Ernährung,

        –   Auswirkungen von Alkohol, Arzneimitteln oder jedem Stoff, der eine
            Änderung des Verhaltens bewirken kann,

        –   Symptome, Ursachen, Auswirkungen von Müdigkeit und Stress und

        –   grundlegende Rolle des Zyklus von Aktivität/Ruhezeit.

*    *
    *   3.5

    *   Ziel: Fähigkeit zu richtiger Einschätzung der Lage bei Notfällen,
        insbesondere:

        –   Verhalten in Notfällen: Einschätzung der Lage,

        –   Vermeidung von Nachfolgeunfällen,

        –   Verständigung der Hilfskräfte,

        –   Bergung von Verletzten und Leistung erster Hilfe,

        –   Reaktion bei Brand,

        –   Evakuierung der Mitfahrer des LKW bzw. der Fahrgäste des Busses,

        –   Gewährleistung der Sicherheit aller Fahrgäste,

        –   Vorgehen bei Gewalttaten und

        –   Grundprinzipien für die Erstellung der einvernehmlichen Unfallmeldung.

*    *
    *   3.6

    *   Ziel: Fähigkeit zu einem Verhalten, das zu einem positiven Image des
        Unternehmens beiträgt, insbesondere:

        –   Verhalten des Kraftfahrers und Ansehen des Unternehmens: Bedeutung der
            Qualität der Leistung des Kraftfahrers für das Unternehmen,

        –   unterschiedliche Rollen des Kraftfahrers,

        –   unterschiedliche Gesprächspartner des Kraftfahrers,

        –   Wartung des Fahrzeugs,

        –   Arbeitsorganisation und

        –   kommerzielle und finanzielle Konsequenzen eines Rechtsstreits.

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen C1, C1E, C, CE

*    *
    *   3.7

    *   Ziel: Kenntnis des wirtschaftlichen Umfelds des Güterkraftverkehrs und
        der Marktordnung, insbesondere:

        –   Kraftverkehr im Verhältnis zu bestimmten Verkehrsmitteln (Wettbewerb,
            Verlader),

        –   unterschiedliche Tätigkeiten im Kraftverkehr (gewerblicher
            Güterverkehr, Werkverkehr, Transporthilfstätigkeiten),

        –   Organisation der wichtigsten Arten von Verkehrsunternehmen oder
            Transporthilfstätigkeiten,

        –   unterschiedliche Spezialisierungen (Tankwagen, temperaturgeführte
            Transporte, gefährliche Güter, Tiertransporte usw.) und

        –   Weiterentwicklung der Branche (Diversifizierung des Leistungsangebots,
            Huckepackverkehr, Subunternehmer usw.).

*    *
    *   Fahrerlaubnisklassen D1, D1E, D, DE

*    *
    *   3.8

    *   Ziel: Kenntnis des wirtschaftlichen Umfelds des Personenkraftverkehrs
        und der Marktordnung, insbesondere:

        –   Personenkraftverkehr im Verhältnis zu den verschiedenen
            Verkehrsmitteln zur Beförderung von Personen (Bahn,
            Personenkraftwagen),

        –   unterschiedliche Tätigkeiten im Personenkraftverkehr,

        –   Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen,

        –   Überschreiten der Grenzen (internationaler Personenkraftverkehr) und

        –   Organisation der wichtigsten Arten von Unternehmen im
            Personenkraftverkehr.

    Diese Unterkenntnisbereiche stehen nicht im Zusammenhang mit der
    Straßenverkehrssicherheit.
[^F814108_02_BJNR290510020BJNE001200000]: 
(zu § 1 Absatz 2 Satz 1)

Collections: bundestag_gesetze
BKrFQV-2020
Level: 2.0