Source: https://www.gesetze-im-internet.de/wphg/__82.html
Legislation: wphg

Title: § 82 Bestmögliche Ausführung von Kundenaufträgen

Description:
Gesetz über den Wertpapierhandel (WpHG)
Abschnitt 11 - Verhaltenspflichten, Organisationspflichten, Transparenzpflichten
§ 82 Bestmögliche Ausführung von Kundenaufträgen

Paragraph: 82

Full Text:
Gesetz über den Wertpapierhandel (WpHG)
Abschnitt 11 - Verhaltenspflichten, Organisationspflichten, Transparenzpflichten
§ 82 Bestmögliche Ausführung von Kundenaufträgen

(1) Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das Aufträge seiner
Kunden für den Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten im Sinne des §
2 Absatz 8 Satz 1 Nummer 1 bis 3 ausführt, muss

1.  alle hinreichenden Vorkehrungen treffen, insbesondere Grundsätze zur
    Auftragsausführung festlegen und regelmäßig überprüfen, um das
    bestmögliche Ergebnis für seine Kunden zu erreichen und

2.  sicherstellen, dass die Ausführung jedes einzelnen Kundenauftrags nach
    Maßgabe dieser Grundsätze vorgenommen wird.

(2) Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss bei der Aufstellung
der Ausführungsgrundsätze alle relevanten Kriterien zur Erzielung des
bestmöglichen Ergebnisses, insbesondere die Preise der
Finanzinstrumente, die mit der Auftragsausführung verbundenen Kosten,
die Geschwindigkeit, die Wahrscheinlichkeit der Ausführung und die
Abwicklung des Auftrags sowie den Umfang und die Art des Auftrags
berücksichtigen und die Kriterien unter Berücksichtigung der Merkmale
des Kunden, des Kundenauftrags, des Finanzinstrumentes und des
Ausführungsplatzes gewichten.

(3) Führt das Wertpapierdienstleistungsunternehmen Aufträge von
Privatkunden aus, müssen die Ausführungsgrundsätze Vorkehrungen dafür
enthalten, dass sich das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt
orientiert. Das Gesamtentgelt ergibt sich aus dem Preis für das
Finanzinstrument und sämtlichen mit der Auftragsausführung verbundenen
Kosten. Kann ein Auftrag über ein Finanzinstrument nach Maßgabe der
Ausführungsgrundsätze des Wertpapierdienstleistungsunternehmens an
mehreren konkurrierenden Plätzen ausgeführt werden, zählen zu den
Kosten auch die eigenen Provisionen oder Gebühren, die das
Wertpapierdienstleistungsunternehmen dem Kunden für eine
Wertpapierdienstleistung in Rechnung stellt. Zu den bei der Berechnung
des Gesamtentgelts zu berücksichtigenden Kosten zählen Gebühren und
Entgelte des Ausführungsplatzes, an dem das Geschäft ausgeführt wird,
Kosten für Clearing und Abwicklung und alle sonstigen Entgelte, die an
Dritte gezahlt werden, die an der Auftragsausführung beteiligt sind.

(4) Führt das Wertpapierdienstleistungsunternehmen einen Auftrag gemäß
einer ausdrücklichen Kundenweisung aus, gilt die Pflicht zur Erzielung
des bestmöglichen Ergebnisses entsprechend dem Umfang der Weisung als
erfüllt.

(5) Die Grundsätze zur Auftragsausführung müssen

1.  Angaben zu den verschiedenen Ausführungsplätzen in Bezug auf jede
    Gattung von Finanzinstrumenten und die ausschlaggebenden Faktoren für
    die Auswahl eines Ausführungsplatzes,

2.  mindestens die Ausführungsplätze, an denen das
    Wertpapierdienstleistungsunternehmen gleichbleibend die bestmöglichen
    Ergebnisse bei der Ausführung von Kundenaufträgen erzielen kann,

enthalten. Lassen die Ausführungsgrundsätze im Sinne des Absatzes 1
Nummer 1 auch eine Auftragsausführung außerhalb von Handelsplätzen im
Sinne von § 2 Absatz 22 zu, muss das
Wertpapierdienstleistungsunternehmen seine Kunden auf diesen Umstand
gesondert hinweisen und deren ausdrückliche Einwilligung generell oder
in Bezug auf jedes Geschäft einholen, bevor die Kundenaufträge an
diesen Ausführungsplätzen ausgeführt werden.

(6) Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss

1.  seine Kunden vor der erstmaligen Erbringung von
    Wertpapierdienstleistungen über seine Ausführungsgrundsätze
    informieren und ihre Zustimmung zu diesen Grundsätzen einholen, und

2.  seinen Kunden wesentliche Änderungen der Vorkehrungen nach Absatz 1
    Nummer 1 unverzüglich mitteilen.

Die Informationen über die Ausführungsgrundsätze müssen klar,
ausführlich und auf eine für den Kunden verständliche Weise erläutern,
wie das Wertpapierdienstleistungsunternehmen die Kundenaufträge
ausführt.

(7) Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss in der Lage sein,
einem Kunden auf Anfrage darzulegen, dass sein Auftrag entsprechend
den Ausführungsgrundsätzen ausgeführt wurde.

(8) Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen darf sowohl für die
Ausführung von Kundenaufträgen an einem bestimmten Handelsplatz oder
Ausführungsplatz als auch für die Weiterleitung von Kundenaufträgen an
einen bestimmten Handelsplatz oder Ausführungsplatz weder eine
Vergütung noch einen Rabatt oder einen nichtmonetären Vorteil
annehmen, wenn dies einen Verstoß gegen die Anforderungen nach § 63
Absatz 1 bis 7 und 9, § 64 Absatz 1 und 5, den §§ 70, 80 Absatz 1 Satz
2 Nummer 2, Absatz 9 bis 11 oder die Absätze 1 bis 4 dieses Gesetzes
oder Artikel 39a der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 darstellen würde.

(9) Nähere Bestimmungen ergeben sich aus den nach Artikel 27 Absatz 10
der Richtlinie 2014/65/EU erlassenen technischen Regulierungsstandards
sowie aus der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565, insbesondere zu

1.  der Aufstellung der Ausführungsgrundsätze nach den Absätzen 1 bis 5
    aus Artikel 64,

2.  der Überprüfung der Vorkehrungen nach Absatz 1 aus Artikel 66,

3.  Art, Umfang und Datenträger der Informationen über die
    Ausführungsgrundsätze nach Absatz 6 aus Artikel 66 und

4.  den Pflichten von Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die Aufträge
    ihrer Kunden an Dritte zur Ausführung weiterleiten oder die
    Finanzportfolioverwaltung betreiben, ohne die Aufträge oder
    Entscheidungen selbst auszuführen, im bestmöglichen Interesse ihrer
    Kunden zu handeln, aus Artikel 65.

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