Source: https://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_39/__36.html
Legislation: bimschv_39

Title: Anlage 3 Beurteilung der Luftqualität und Lage der Probenahmestellen für Messungen von Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxiden, Partikeln (PM10 und PM2,5), Blei, Benzol und Kohlenmonoxid in der Luft

Description:
Neununddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV 39)
Teil 8 - Gemeinsame Vorschriften
Anlage 3 Beurteilung der Luftqualität und Lage der Probenahmestellen für Messungen von Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxiden, Partikeln (PM10 und PM2,5), Blei, Benzol und Kohlenmonoxid in der Luft

Paragraph: 36

Full Text:
Neununddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV 39)
Teil 8 - Gemeinsame Vorschriften
Anlage 3 Beurteilung der Luftqualität und Lage der Probenahmestellen für Messungen von Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxiden, Partikeln (PM10 und PM2,5), Blei, Benzol und Kohlenmonoxid in der Luft

(Fundstelle: BGBl. I 2010, 1081 - 1082)

**A.** **Allgemeines**

    Die Luftqualität wird in allen Gebieten und Ballungsräumen nach
    folgenden Kriterien beurteilt:

    1.  Die Luftqualität wird an allen Orten, mit Ausnahme der in Nummer 2
        genannten Orte, nach den Kriterien beurteilt, die in den Abschnitten B
        und C für die Lage der Probenahmestellen für ortsfeste Messungen
        festgelegt sind. Die in den Abschnitten B und C niedergelegten
        Grundsätze gelten auch insoweit, als sie für die Bestimmung der
        spezifischen Orte von Belang sind, an denen die Werte der
        einschlägigen Schadstoffe ermittelt werden, wenn die Luftqualität
        durch orientierende Messungen oder Modellrechnungen beurteilt wird.

    2.  Die Einhaltung der zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegten
        Immissionsgrenzwerte wird an folgenden Orten nicht beurteilt:

        a)  an Orten innerhalb von Bereichen, zu denen die Öffentlichkeit keinen
            Zugang hat und in denen es keine festen Wohnunterkünfte gibt;

        b)  nach Maßgabe von § 1 Nummer 20 auf dem Gelände von Arbeitsstätten, für
            die alle relevanten Bestimmungen über Gesundheit und Sicherheit am
            Arbeitsplatz gelten;

        c)  auf den Fahrbahnen der Straßen und, sofern Fußgänger und
            Fußgängerinnen für gewöhnlich dorthin keinen Zugang haben, auf dem
            Mittelstreifen der Straßen.

**B.** **Großräumige Ortsbestimmung der Probenahmestellen**

    1.  Schutz der menschlichen Gesundheit

        a)  Der Ort von Probenahmestellen, an denen Messungen zum Schutz der
            menschlichen Gesundheit vorgenommen werden, ist so zu wählen, dass
            folgende Daten gewonnen werden:

            –   Daten über Bereiche innerhalb von Gebieten und Ballungsräumen, in
                denen die höchsten Werte auftreten, denen die Bevölkerung
                wahrscheinlich direkt oder indirekt über einen Zeitraum ausgesetzt
                sein wird, der im Vergleich zum Mittelungszeitraum der betreffenden
                Immissionsgrenzwerte signifikant ist;

            –   Daten zu Werten in anderen Bereichen innerhalb von Gebieten und
                Ballungsräumen, die für die Exposition der Bevölkerung allgemein
                repräsentativ sind.

        b)  Der Ort von Probenahmestellen ist im Allgemeinen so zu wählen, dass
            die Messung von Umweltzuständen, die einen sehr kleinen Raum in ihrer
            unmittelbaren Nähe betreffen, vermieden wird. Dies bedeutet, dass der
            Ort der Probenahmestelle so zu wählen ist, dass die Luftproben –
            soweit möglich – für die Luftqualität eines Straßenabschnitts von
            nicht weniger als 100 Meter Länge bei Probenahmestellen für den
            Verkehr und nicht weniger als 250 Meter x 250 Meter bei
            Probenahmestellen für Industriegebiete repräsentativ sind.

        c)  Messstationen für den städtischen Hintergrund müssen so gelegen sein,
            dass die gemessene Verschmutzung den integrierten Beitrag sämtlicher
            Quellen im Luv der Hauptwindrichtung der Station erfasst. Für die
            gemessene Verschmutzung sollte nicht eine einzelne Quelle
            vorherrschend sein, es sei denn, dies ist für eine größere städtische
            Fläche typisch. Die Probenahmestellen müssen grundsätzlich für eine
            Fläche von mehreren Quadratkilometern repräsentativ sein.

        d)  Sollen die Werte für den ländlichen Hintergrund beurteilt werden, darf
            die Probenahmestelle nicht durch nahe, das heißt näher als 5
            Kilometer, liegende Ballungsräume oder Industriegebiete beeinflusst
            sein.

        e)  Soll der Beitrag industrieller Quellen beurteilt werden, ist
            mindestens eine Probenahmestelle im Lee der Hauptwindrichtung von der
            Quelle im nächstgelegenen Wohngebiet aufzustellen. Ist der
            Hintergrundwert nicht bekannt, so wird eine weitere Probenahmestelle
            im Luv der Hauptwindrichtung aufgestellt.

        f)  Probenahmestellen sollten möglichst auch für ähnliche Orte
            repräsentativ sein, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe gelegen
            sind.

        g)  Sofern dies aus Gründen des Gesundheitsschutzes erforderlich ist, sind
            Probenahmestellen auf Inseln einzurichten.

    2.  Schutz der Vegetation und der natürlichen Ökosysteme

    Die Probenahmestellen, an denen Messungen zum Schutz der Vegetation
    und der natürlichen Ökosysteme vorgenommen werden, sollten mehr als 20
    Kilometer von Ballungsräumen beziehungsweise mehr als 5 Kilometer von
    anderen bebauten Flächen, Industrieanlagen oder Autobahnen oder
    Hauptstraßen mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von mehr als 50 000
    Fahrzeugen entfernt gelegen sein. Dies bedeutet, dass der Ort der
    Probenahmestelle so zu wählen ist, dass die Luftproben für die
    Luftqualität einer Fläche von mindestens
    1 000 Quadratkilometer                    repräsentativ sind. Die
    zuständigen Behörden können auf Grund der geographischen Gegebenheiten
    oder im Interesse des Schutzes besonders schutzbedürftiger Bereiche
    vorsehen, dass eine Probenahmestelle in geringerer Entfernung gelegen
    oder für die Luftqualität einer kleineren Fläche repräsentativ ist.

    Es ist zu berücksichtigen, dass die Luftqualität auf Inseln beurteilt
    werden muss.

**C.** **Kleinräumige Ortsbestimmung der Probenahmestellen**

    Soweit möglich ist Folgendes zu berücksichtigen:

    Der Luftstrom um den Messeinlass darf nicht beeinträchtigt werden, das
    heißt, bei Probenahmestellen an der Baufluchtlinie soll die Luft in
    einem Bogen von mindestens 270° oder 180° frei strömen.

    Im Umfeld des Messeinlasses dürfen keine Hindernisse vorhanden sein,
    die den Luftstrom beeinflussen, das heißt, der Messeinlass soll einige
    Meter von Gebäuden, Balkonen, Bäumen und anderen Hindernissen entfernt
    sein und Probenahmestellen, die Werte liefern, die für die
    Luftqualität an der Baufluchtlinie repräsentativ sind, sollen
    mindestens 0,5 Meter vom nächsten Gebäude entfernt sein.

    Der Messeinlass muss sich grundsätzlich in einer Höhe zwischen 1,5
    Meter (Atemzone) und 4 Meter über dem Boden befinden. Ein höher
    gelegener Einlass kann angezeigt sein, wenn die Messstation Werte
    liefert, die für ein großes Gebiet repräsentativ sind. Abweichungen
    sollen umfassend dokumentiert werden.

    Der Messeinlass darf nicht in nächster Nähe von Emissionsquellen
    angebracht werden, um die unmittelbare Einleitung von Emissionen, die
    nicht mit der Umgebungsluft vermischt sind, zu vermeiden.

    Die Abluftleitung der Probenahmestelle ist so zu legen, dass ein
    Wiedereintritt der Abluft in den Messeinlass vermieden wird.

    Bei allen Schadstoffen dürfen verkehrsbezogene Probenahmestellen zur
    Messung höchstens 10 Meter vom Fahrbahnrand entfernt sein; vom
    Fahrbahnrand verkehrsreicher Kreuzungen müssen sie mindestens 25 Meter
    entfernt sein. Als verkehrsreiche Kreuzung gilt eine Kreuzung, die den
    Verkehrsstrom unterbricht und gegenüber den restlichen
    Straßenabschnitten Emissionsschwankungen (durch Stop-and-go-Verkehr)
    verursacht.

    Die folgenden Faktoren können ebenfalls berücksichtigt werden:
    Störquellen, Sicherheit, Zugänglichkeit, Stromversorgung und
    Telefonleitungen, Sichtbarkeit der Messstation in der Umgebung,
    Sicherheit der Öffentlichkeit und des Betriebspersonals, Vorteile
    einer Zusammenlegung der Probenahmestellen für verschiedene
    Schadstoffe, Anforderungen der Bauleitplanung.

    Jede Abweichung von den Kriterien dieses Abschnitts ist nach den
    Verfahrensvorschriften gemäß Abschnitt D umfassend zu dokumentieren.

**D.** **Dokumentation und Überprüfung der Ortswahl**

    Die für die Beurteilung der Luftqualität zuständigen Behörden
    dokumentieren für alle Gebiete und Ballungsräume umfassend die
    Verfahren für die Wahl der Standorte für Probenahmestellen. Sie
    zeichnen Grundlageninformationen für die Netzplanung und die Wahl der
    Standorte für Probenahmestellen auf. Die Dokumentation umfasst auch
    Fotografien der Umgebung in den Haupthimmelsrichtungen und
    detaillierte Karten. Die Dokumentation für Gebiete oder Ballungsräume,
    in denen die Informationen aus Probenahmestellen für ortsfeste
    Messungen durch solche aus Modellrechnungen oder orientierenden
    Messungen ergänzt werden, umfasst auch die Einzelheiten dieser
    zusätzlichen Methoden sowie Angaben über die Art und Weise der
    Erfüllung der Kriterien gemäß § 14 Absatz 3.

    Die Dokumentation wird erforderlichenfalls aktualisiert und mindestens
    alle fünf Jahre überprüft, um sicherzustellen, dass Auswahlkriterien,
    Netzplanung und Messstellenstandorte stets aktuell und dauerhaft
    optimal sind. Die Dokumentation wird der Kommission auf Anfrage
    innerhalb von drei Monaten übermittelt.

(zu § 13)

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