Source: https://www.gesetze-im-internet.de/standag_2017/__38.html
Legislation: standag_2017

Title: Anlage 6 Kriterium zur Bewertung der Neigung zur Bildung von Fluidwegsamkeiten

Description:
Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle (StandAG 2017)
Teil 7 - Ermächtigungsvorschrift
Anlage 6 Kriterium zur Bewertung der Neigung zur Bildung von Fluidwegsamkeiten

Paragraph: 38

Full Text:
Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle (StandAG 2017)
Teil 7 - Ermächtigungsvorschrift
Anlage 6 Kriterium zur Bewertung der Neigung zur Bildung von Fluidwegsamkeiten

(Fundstelle: BGBl. I 2017, 1093 - 1094)

Die Neigung des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs zur Ausbildung von
Wegsamkeiten soll möglichst gering sein. Bewertungsrelevante
Eigenschaften hierfür sind die Veränderbarkeit der
Gebirgsdurchlässigkeit, Erfahrungen über die Barrierewirksamkeit der
Gebirgsformationen, die Rückbildbarkeit von Rissen und für den
Vergleich von Gebieten die Duktilität des Gesteins nach der unten
stehenden Tabelle.

*    *   Bewertungsrelevante
        Eigenschaft des Kriteriums

    *   Bewertungsgröße beziehungsweise
        Indikator des Kriteriums

    *   Wertungsgruppe

*    *   günstig

    *   bedingt günstig

    *   weniger günstig

*    *   Veränderbarkeit der
        vorhandenen
        Gebirgsdurchlässigkeit

    *   Verhältnis repräsentative Gebirgsdurchlässigkeit/repräsentative
        Gesteinsdurchlässigkeit

    *   < 10

    *   10 – 100

    *   > 100

*    *   Erfahrungen über die Barrierewirksamkeit der Gebirgsformationen in
        folgenden Erfahrungsbereichen

        –   rezente Existenz als
            wasserlösliches Gestein

        –   fossile Fluideinschlüsse

        –   unterlagernde wasserlösliche
            Gesteine

        –   unterlagernde Vorkommen
            flüssiger oder gasförmiger
            Kohlenwasserstoffe

        –   Heranziehung als hydro-
            geologische Schutzschicht
            bei Gewinnungsbergwerken

        –   Aufrechterhaltung der
            Abdichtungsfunktion auch
            bei dynamischer Bean-
            spruchung

        –   Nutzung von Hohlräumen zur
            behälterlosen Speicherung
            von gasförmigen und
            flüssigen Medien

    *   Die Gebirgsformation/der Gesteinstyp wird unmittelbar oder mittelbar
        anhand eines oder mehrerer Erfahrungsbereiche als
        gering durchlässig bis geologisch dicht identifiziert, auch unter
        geogener oder technogener Beanspruchung.

    *   Die Gebirgsformation/der Gesteinstyp
        ist mangels
        Erfahrung nicht unmittelbar/
        mittelbar als gering durchlässig bis geologisch dicht zu
        charakterisieren.

    *   Die Gebirgsformation/der
        Gesteinstyp
        wird unmittelbar
        oder mittelbar anhand eines Erfahrungsbereichs als nicht
        hinreichend gering durchlässig identifiziert.

*    *   Duktilität des Gesteins
        (da es keine festgelegten
        Grenzen gibt, ab welcher
        Bruchverformung ein Gestein duktil oder spröde ist, soll
        dieses Kriterium nur bei einem Vergleich von Standorten
        angewandt werden)

    *   Duktil/plastisch-viskos ausgeprägt

    *   Spröde-duktil
        bis elastoviskoplastisch wenig ausgeprägt

    *   Spröde,
        linear-elastisch

*    *   Rückbildbarkeit von
        Rissen

    *   Rückbildung der Sekundärpermeabilität durch
        Rissschließung

    *   Die Rissschließung erfolgt aufgrund duktilen Materialverhaltens unter
        Ausgleich von Oberflächenrauhigkeiten im
        Grundsatz vollständig.

    *   Die Rissschließung erfolgt durch mechanische Rissweitenverringerung in
        Verbindung mit sekundären Mechanismen, zum Beispiel
        Quelldeformationen.

    *   Die Rissschließung erfolgt nur in beschränktem Maße
        (zum Beispiel bei sprödem Materialverhalten, Oberflächenrauhigkeiten,
        Brückenbildung).

*    *
    *   Rückbildung der mechanischen Eigenschaften durch
        Rissverheilung

    *   Rissverheilung durch geochemisch geprägte Prozesse mit erneuter
        Aktivierung
        atomarer Bindungskräfte im Rissflächenbereich

    *
    *   Rissverheilung nur durch geogene Zuführung und Auskristallisation von
        Sekundärmineralen
        (mineralisierte Poren- und Kluftwässer, Sekundärmineralisation)

*    *   Zusammenfassende Beurteilung der Neigung zur Bildung von
        Fluidwegsamkeiten aufgrund der Bewertung der einzelnen Indikatoren

    *   Bewertung überwiegend „günstig“: Keine bis marginale Neigung zur
        Bildung von Fluidwegsamkeiten

    *   Bewertung überwiegend „bedingt
        günstig“: Geringe Neigung zur Bildung von dauerhaften
        Fluidwegsamkeiten

    *   Bewertung überwiegend „weniger
        günstig“:
        Bildung von dauerhaften
        sekundären Fluidwegsamkeiten zu erwarten

(zu § 24 Absatz 5)

Collections: bundestag_gesetze
StandAG-2017
Level: 3.0