Source: https://www.gesetze-im-internet.de//__2.html
Legislation: binschuo2018anh_iii

Title: **Haltevorrichtungen und Kompensiermittel**

Description:
(Anhang III der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh III)
**Haltevorrichtungen und Kompensiermittel**

Paragraph: 2

Full Text:
(Anhang III der Binnenschiffsuntersuchungsordnung BGBl I 2018, 1398) (BinSchUO2018Anh III)
**Haltevorrichtungen und Kompensiermittel**

1.  Ein kardanisch aufgehängter Magnetkompass muss in einer zugehörigen
    Haltevorrichtung mit Kardanlagern fest montiert werden.

2.  Die Haltevorrichtung des Magnetkompasses einschließlich Schutzhaube,
    Steuerlinse und Übertragungseinrichtung muss so weitgehend eisenfrei
    sein, dass die Ablenkung der Kompassrose durch evtl. vorhandenes
    magnetisierbares Material auf keinem Kurs ± 1° überschreitet.

3.  Bei Reflexions- oder Projektionskompassen, die über eine optische
    Einrichtung abgelesen werden, muss an der Ablesevorrichtung (Schirm,
    Spiegel) zu beiden Seiten des Steuerstrichs ein Sektor der Rose von
    mindestens 15° sichtbar sein. Dies gilt auch, wenn eine Steuerlupe
    verwendet wird. Der durch die optische Übertragungseinrichtung
    abgelesene Magnetkompasskurs muss mit dem direkt am Hauptsteuerstrich
    abgelesenen innerhalb von ± 1° übereinstimmen.

4.  Die Haltevorrichtung muss zur Ausrichtung nach der Montage eine
    Drehung um die Hochachse von ± 2° ermöglichen.

5.  Die Neigungsfreiheit eines kardanisch aufgehängten Magnetkompasses
    innerhalb der Haltevorrichtung muss mindestens 40° betragen. Diese
    darf nicht durch zusätzliche Einrichtungen wie z. B. Kursdetektoren,
    Abtastsonden und ähnliche Installationen für Selbststeueranlagen
    beeinträchtigt werden.

6.  Der Magnetkompass muss so beleuchtet werden können, dass er für eine
    normalsichtige Person jederzeit aus einer Entfernung von mindestens 1
    m blendfrei ablesbar ist. Ist eine elektrische Beleuchtung vorhanden,
    so muss diese regelbar sein. Bei Ausfall der Hauptstromquelle muss die
    Beleuchtung über eine Notstromquelle oder anderweitig sichergestellt
    sein. Die Glühlampe der elektrischen Beleuchtung muss jederzeit leicht
    und sicher ausgewechselt werden können. Elektrische Zuleitungen für
    Gleichstrom müssen in unmittelbarer Nähe des Magnetkompasses verdrillt
    sein.

7.  Bei Magnetkompassen, die außerhalb des Ruderhauses, z. B. auf dem Dach
    des Ruderhauses, aufgestellt werden, muss die Haltevorrichtung mit
    einer abnehmbaren Schutzhaube versehen sein. In diesen Fällen muss
    dafür gesorgt sein, dass eine ausreichende Belüftung des Raumes
    innerhalb der Haltevorrichtung gewährleistet ist.

8.  Kompensiermittel

    Zur Kompensierung der vom festen Schiffsmagnetismus herrührenden
    Koeffizienten B und C sowie des vom induzierten Schiffsmagnetismus
    herrührenden Koeffizienten D sind zweckdienliche Vorrichtungen
    vorzusehen. Geeignet sind z. B. Steckvorrichtungen für die Magnete in
    Längs- und Querschiffsrichtung. Zur Kompensierung des Koeffizienten D
    können D-Kugeln, D-Rohre sowie auf oder unter dem Magnetkompass
    befestigte D-Streifen verwendet werden.

    a)  Diese Kompensiereinrichtungen müssen dauerhaft und sicher angebracht
        und für den Kompassregulierer leicht zugänglich und bequem zu
        handhaben sein.

        Unbeabsichtigte Änderungen der kompensierten Werte müssen
        ausgeschlossen sein.

    b)  Die Kompensiermagnete für die Koeffizienten B und C sind möglichst
        unterhalb des Magnetkompasses anzubringen. Ist aus Platzgründen eine
        Anbringung vor oder hinter dem Magnetkompass oder backbord- oder
        steuerbordseitig notwendig, so sind die Magnete symmetrisch zum
        Magnetkompass anzubringen.

    c)  Die Kompensiermagnete für B sind so anzubringen, dass die
        Querschiffsebene durch den Rosenmittelpunkt genau die
        Kompensiermagnete halbiert.

        Die Kompensiermagnete für C sind so anzubringen, dass die
        Längsschiffsebene durch den Rosenmittelpunkt genau die
        Kompensiermagnete halbiert.

    d)  Das Material für die Kompensiermittel der vom festen
        Schiffsmagnetismus herrührenden Koeffizienten B und C muss eine
        Koerzitivfeldstärke von mindestens 11,2 kA/m aufweisen.

    e)  Das Material für die Kompensiermittel des vom flüchtigen Magnetismus
        herrührenden Koeffizienten D darf eine Koerzitivfeldstärke von
        höchstens 120 kA/m aufweisen.

    f)  Es wird empfohlen, das magnetische Moment für Magnete zur
        Kompensierung der festen Längs- und Querfeldstärken zwischen 1,5 Am
        2                          und 3,0 Am
        2                          oder 4,0 Am
        2                          und 5,0 Am
        2                          zu wählen.

    g)  Es wird empfohlen, als D-Streifen die so genannten Mu-Metall-
        Weicheisenstreifen zu verwenden.

        Bei Kugelkompassen werden diese zweckmäßigerweise als Bügel, bei
        Flachglaskompassen als kleine D-Streifen ausgeführt.

    h)  Mechanische Kompensiereinrichtungen, bei denen die
        Ablenkungskoeffizienten B und C durch stetiges Verdrehen oder
        Verschieben von Kompensiermagneten einstellbar sind, dürfen nur
        eingebaut werden, wenn sie von der zuständigen Behörde für den
        Gebrauch an Bord als geeignet und sicher befunden worden sind.

9.  Ausführungsmöglichkeiten für Haltevorrichtungen

    a)  Beim Einbau von Magnet-Steuerkompassen werden unterschieden:

        aa) Einbau im Fahrpult, auf einem Tisch oder einer Konsole im Ruderhaus,

        bb) Einbau im Ruderhaus unter der Ruderhausdecke (Deckenkompass),

        cc) Einbau auf dem Ruderhausdach.

    b)  Beim Einbau nach Buchstabe a Doppelbuchstabe aa ist Folgendes zu
        beachten:

        Die Anbringung der Kompensiermittel für die Koeffizienten B und C hat
        nach Möglichkeit unter dem Magnetkompass zu erfolgen. In
        Ausnahmefällen, in denen dies nicht möglich ist, kann die Anbringung
        auf beiden Seiten oder vor oder hinter dem Magnetkompass auf dem
        Tisch, der Konsole oder auf dem Fahrpult erfolgen. Voraussetzung dafür
        ist jedoch, dass beidseitig sowie vor und hinter dem Magnetkompass
        genügend Raum für die Anbringung der Kompensiermittel zur Verfügung
        steht, d. h. im Abstand von etwa 600 mm vom Rosenmittelpunkt in
        Voraus- und Achterausrichtung sowie beiderseits in Querschiffsrichtung
        dürfen keine Geräte eingebaut werden. Der Raum unter dem
        Magnetkompass, in dem die Kompensiereinrichtung untergebracht ist,
        muss abgegrenzt und verschließbar sein. Geräte aus magnetisierbarem
        Material dürfen in diesem Raum nicht gelagert werden.

    c)  Bei Einbau des Magnetkompasses nach Buchstabe a Doppelbuchstabe bb
        wird Folgendes empfohlen:

        Die Haltevorrichtung der unter der Decke des Ruderhauses angebrachten
        Magnetkompasse (Deckenkompasse) besteht in der Regel aus zwei
        Haltearmen mit Kardanlagern zur Aufnahme der Kardanzapfen des
        Magnetkompasses. Die Ausrichtung des Magnetkompasses nach § 2.3 Nummer
        4 kann z. B. erreicht werden, indem die beiden Haltearme im Abstand
        der Kardanachsen fest mit einer Traverse aus nichtmagnetisierbarem
        Material und von genügender Stärke verbunden werden. Die Traverse wird
        in ihrer Mitte in der Mittschiffsebene unter der Decke mit einem
        starken, nichtmagnetisierbaren Schraubbolzen drehbar befestigt.
        Langlöcher in den überstehenden Enden der Traverse ermöglichen die
        Ausrichtung und danach die endgültige Befestigung. Die
        Deckenverkleidung im Bereich der Traverse und der
        Kompensierungseinrichtungen muss, soweit dies erforderlich ist,
        verstärkt sein. Da die Verwendung von D-Rohren und D-Kugeln wegen der
        erschwerten Anbringung unter der Decke des Ruderhauses in der Regel
        nicht erfolgt, sollten Deckenkompasse mit einer Einrichtung zur
        Anbringung von D-Streifen versehen sein.

    d)  Beim Einbau des Magnetkompasses nach Buchstabe a Doppelbuchstabe cc
        ist Folgendes zu beachten:

        Da der Magnetkompass auf dem Dach des Ruderhauses den
        Witterungsbedingungen und Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, ist
        dieser in der Haltevorrichtung mit einer Schutzhaube zu versehen.
        Diese muss spritzwasserdicht, abnehmbar und arretierbar sein. Um nach
        der Montage eine Ausrichtung der Haltevorrichtung nach § 2.3 Nummer 4
        zu ermöglichen, darf die Dichtung zwischen Ruderhausdach und
        Haltevorrichtung nicht durch Vergussmasse oder ähnliches Material
        erfolgen. Ist der Abstand der Rosenmagnete bis zur Unterkante der
        Deckenverschalung des Ruderhauses 600 mm und kleiner, so werden die B-
        und C-Magnete in Steckvorrichtungen unter der Ruderhausdecke
        angebracht. Wird dieser Abstand jedoch überschritten, wie es bei so
        genannten verkürzten Kompassständen der Fall ist, so müssen die
        Steckvorrichtungen in dieser Haltevorrichtung eingebaut sein. Da ein
        Betreten des Ruderhausdaches zum Auswechseln der Beleuchtungslampe
        nicht immer möglich ist, muss diese vom Ruderhaus aus ausgewechselt
        werden können.

Collections: bundestag_gesetze
Level: 2.0