# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4701735f-d19a-5481-9104-d458a12384e7
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-22
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 22.03.2021 OG.2019.00068 (OGS.2021.131)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2019-00068_2021-03-22.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 22. März
  2021

  
	
  Verfahren OG.2019.00068

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
   

  
	
  Beschuldigter,
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
                                                                               und
  Anschlussberufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  verteidigt durch Rechtsanwalt B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
   

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  vertreten durch die Staatsanwältin

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. C.______

  
	
   

  
	
  Privatklägerin, Berufungsbeklagte

  
	
  und Anschlussberufungsklägerin

  
	
   

  
	
  vertreten durch Rechtsanwältin D.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
  Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern etc.

  
	
   

  
	
  Anträge
  des
  Beschuldigten, Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten (gemäss Berufungserklärung vom 26. August 2019
  [act. 36] und gestellt an der Berufungsverhandlung vom 2.
  Oktober 2020 [act. 59 S. 3, act. 62 S. 2]):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei festzustellen, dass das
    Urteil des Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 im Verfahren
    SG.2018.00091 nichtig ist, und die Sache sei zur Prüfung der Anklage vom
    16. Juni 2015 an die Vorinstanz zurückzuweisen.

    

  Eventualiter:

  
	
  	
    2.

    	
    Es sei festzustellen, dass das
    Urteil des Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 im Verfahren
    SG.2018.00091 in den nicht angefochtenen Dispositivziffern 3, 6, 9, 10
    und 14-18 in Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
    3.

    	
    Unter vollständiger Ersetzung der
    Dispositivziffern 1, 4, 5, 7, 8 sowie 11-13 des Urteils des
    Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 im Verfahren SG.2018.00091 und der
    zugehörigen Erwägungen

    

  

  
	
  	
    a)

    	
    sei A.______ vom Vorwurf der
    sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187
    Ziff. 1 StGB freizusprechen;

    
	
    b)

    	
    seien alle beschlagnahmten
    Gegenstände A.______ herauszugeben;

    
	
    c)

    	
    sei auf die Zivilansprüche der
    Privatklägerin C.______ nicht einzutreten bzw. seien diese auf den Zivilweg
    zu verweisen;

    
	
    d)

    	
    seien die Kosten des vorliegenden
    Verfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die
    Gerichtskasse zu nehmen;

    
	
    e)

    	
    sei A.______ eine Genugtuung von CHF 5'000.—,
    inklusive Zins seit 23. Januar 2012, zu bezahlen.

     

    

  

  
	
  Anträge
  der
  Privatklägerin, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägerin (gemäss Anschlussberufungserklärung
  vom 3. September 2019 [act. 41] sowie gestellt anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 2. Oktober 2020 [act. 59 S. 3
  und S. 7 Ziff. 1 i.V.m. act. 65 S. 1]):

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die Berufung von A.______ vollumfänglich
    abzuweisen.

    
	
    2.

    	
    Es sei die Dispositivziffer 8 des Urteils des
    Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 im Verfahren
    SG.2018.00091 abzuändern und es sei A.______ zu verpflichten, der
    Privatklägerin C.______ eine Genugtuung von CHF 20'000.— zuzüglich
    Zins von 5 % seit dem 1. Januar 2004 zu bezahlen.

    
	
    3.

    	
    Es sei A.______ zu verpflichten, der Privatklägerin
    C.______ für das obergerichtliche Verfahren eine angemessene
    Prozessentschädigung zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer
    zulasten von A.______.

     

    

  

  
	
  Anträge der Anklägerin und Berufungsbeklagten (gestellt anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 2. Oktober 2020 [act. 59 S. 3,
  act. 64 S. 1]):

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung von A.______ vollumfänglich abzuweisen und das Urteil des
    Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 im Verfahren SG.2018.00091
    sei zu bestätigen.

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1. Die Staats- und Jugendanwaltschaft
  des Kantons Glarus (nachfolgend «Staatsanwaltschaft») erhob am 16. Juni
  2015 Anklage gegen A.______ (nachfolgend «Beschuldigter») wegen mehrfacher
  sexueller Handlungen mit einem Kind und wegen Pornografie (SG.2015.00055 act. 2).

  
	
   

  
	
  2. Mit Verfügung vom 19. Juni
  2015 wies der Kantonsgerichtspräsident die Anklage an die Staatsanwaltschaft
  zurück, unter anderem zur Beweisergänzung, und übertrug die Rechtshängigkeit
  zurück an diese (SG.2015.00055 act. 3).

  
	
   

  
	
  3. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2018
  erhob die Staatsanwaltschaft (erneut) Anklage gegen den Beschuldigten wegen
  mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind i.S.v. Art. 187
  Ziff. 1 StGB und wegen Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 3bis
  aStGB (act. 1, act. 2). Am 7. November 2018 reichte sie
  sodann ein Rektifikat der Anklageschrift ein (act. 3), in welcher ein
  offensichtliches Versehen der ersten Anklageschrift (act. 1) korrigiert
  wurde (der Beschuldigte wurde in der ersten Anklage einmal fälschlicherweise
  als «[...]» bezeichnet [act. 1 S. 2 Ziff. 1.1]).

  
	
   

  
	
  4. Die Strafgerichtskommission des
  Kantonsgerichts Glarus fällte am 31. Juli 2019 nachstehendes Urteil
  (act. 30 S. 40 f.):

  
	
  	
    «1.

    	
    A.______ ist schuldig

    
	
     

    	
    der mehrfachen sexuellen
    Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB.

    
	
    2.

    	
    Das Strafverfahren gegen A.______
    wird bezüglich des Tatvorwurfs der Pornografie im Sinne von Art. 197
    Abs. 3bis aStGB infolge eingetretener Verjährung
    eingestellt.

    
	
    3.

    	
    Es wird festgestellt, dass die
    Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus das Beschleunigungsgebot verletzt
    hat.

    
	
    4.

    	
    A.______ wird zu einer bedingt
    vollziehbaren Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt. Die Probezeit
    beträgt zwei Jahre.

    
	
    5.

    	
    A.______ wird zu einer Busse von
    CHF 4'000.— verurteilt. Bei Nichtbezahlung wird die Busse in eine
    Ersatzfreiheitsstrafe von 40 Tagen umgewandelt.

    
	
    6.

    	
    Die folgenden bei A.______
    beschlagnahmten Gegenstände werden diesem herausgegeben:

    
	
     

    	
    - iPhone 3, 16 GB, schwarz, IMEI 012161005351396
    (act. 2/1/11, Pos. 1);

    
	
     

    	
    - externe Festplatte, iomega, grau,
    SN 97AV45B191, inkl. Kabel (act. 2/1/11, Pos. 2).

    
	
    7.

    	
    Die folgenden bei A.______
    beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und vernichtet:

    
	
     

    	
    - Computer, Dell Dimension 4550,
    grau (act. 2/1/11, Pos. 3).

    
	
    8. 

    	
    A.______ wird verpflichtet,
    C.______ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 7'000.— zuzüglich Zins
    von 5 % seit 1. Januar 2005 zu bezahlen.

    
	
    9.

    	
    Der Antrag von E.______
    betreffend Genugtuung wird abgewiesen.

    
	
    10.

    	
    Der Antrag von C.______
    betreffend Publikation des Urteils wird abgewiesen.

    
	
    11.

    	
    Die Gerichtsgebühr wird
    festgesetzt auf CHF 5'000.—. Sie wird dem Beschuldigten auferlegt und
    von ihm bezogen.

    
	
     

    	
    Die weiteren Verfahrenskosten
    betragen:

    

  

  
	
  	
     

    	
    CHF 

    	
    20'329.40

    	
    Kosten der amtlichen Verteidigung

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    5'226.90

    	
    Unentgeltliche Prozessführung (D.______/F.______)

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    7'908.50

    	
    Unentgeltliche Prozessführung (D.______)

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    7'555.15

    	
    Unentgeltliche Prozessführung (G.______)

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    300.—

    	
    Schulpsychologischer Dienst (27. Februar 2012)

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    162.—

    	
    Bericht Dr. med. H.______

    
	
     

    	
    CHF 

    	
    4'000.—

    	
    Untersuchungsgebühr / Anklage

    

  

  
	
  	
    12.

    	
    Die Kosten werden A.______
    vollumfänglich auferlegt und von ihm bezogen.

    
	
    13.

    	
    Der Antrag der Verteidigung
    betreffend Genugtuung wird abgewiesen.

    
	
    14.

    	
    E.______ wird keine
    Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
    15.

    	
    Auf den Antrag von C.______
    betreffend Parteientschädigung wird nicht eingetreten.

    
	
    16.

    	
    Rechtsanwalt B.______ wird als
    amtliche Verteidigung im Verfahren vor Kantonsgericht mit
    CHF 20'329.40 (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse
    entschädigt, wobei Vormerk genommen wird, dass die Staats- und
    Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus Rechtsanwalt B.______ bereits eine
    Akontozahlung von CHF 11'898.95 überwiesen hat. Die Gerichtskasse wird
    angewiesen, Rechtsanwalt B.______ den Differenzbetrag von CHF 8'430.45
    auszubezahlen.

    
	
    17.

    	
    Rechtsanwältin G.______ wird als
    unentgeltliche Rechtsvertretung mit CHF 7'555.15 (inkl. Auslagen und
    MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.»

    

  

  
	
  5. Gegen dieses Urteil erhob der
  Beschuldigte mit Eingabe vom 26. August 2019 Berufung beim Obergericht
  des Kantons Glarus mit den eingangs wiedergegeben Anträgen (act. 36).
  Mit Schreiben vom 3. September 2019 erhob C.______ (nachfolgend auch
  «Privatklägerin») Anschlussberufung (act. 41). Die Staatsanwaltschaft
  erhob weder eine Berufung noch eine Anschlussberufung. 

  
	
   

  
	
  6. Die auf den 8. Mai 2020
  angesetzte Berufungsverhandlung (act. 43) wurde aufgrund der
  COVID-19-Pandemie am 2. Oktober 2020 durchgeführt (act. 48,
  act. 49, act. 59-66/2). 

  
	
   

  
	
  7. Am 22. März 2021 fällte das
  Obergericht seinen Entscheid (act. 75). Der Entscheid wird schriftlich
  eröffnet, nachdem die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung
  ausdrücklich verzichtet haben (Art. 84 Abs. 3 StPO, act. 59
  S. 8 f.).

  
	
   

  
	
  II. Prozessuale Erwägungen

  
	
  1. Das Urteil der
  Strafgerichtskommission vom 31. Juli 2019 stellt ein taugliches
  Anfechtungsobjekt dar (Art. 398 Abs. 1 StPO). Sowohl der
  Beschuldigte als auch C.______ sind zur Berufung bzw. Anschlussberufung
  legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO und Art. 401 StPO), haben
  die Rechtsmittelfrist gewahrt und erheben zulässige Rügen (Art. 399 StPO,
  Art. 398 Abs. 3 StPO, Art. 401 Abs. 1 StPO; act. 32
  i.V.m. act. 36 und act. 38 i.V.m. act. 41). Das Obergericht
  ist Rechtsmittelinstanz in Strafsachen für die Behandlung von Berufungen
  (Art. 16 Abs. 1 lit. a GOG/GL [GS III A/2]). Auf die Berufung
  ist einzutreten (Art. 398 ff. StPO). 

  
	
   

  
	
  2. Nach Art. 398 Abs. 3 StPO
  können mit der Berufung Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung
  und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerungen und Rechtsverzögerungen
  (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des
  Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c) gerügt
  werden.

  
	
   

  
	
  3. Die Berufung hat im Umfang der
  Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids aufschiebende Wirkung
  (Art. 402 StPO). Die Berufungsinstanz überprüft das
  erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 398
  Abs. 2 und Art. 404 Abs. 1 StPO). Wird gegen einzelne Punkte
  eines erstinstanzlichen Urteils kein Rechtsmittel ergriffen, erwachsen die
  unangefochtenen Urteilspunkte rückwirkend auf den Tag der Entscheidung in
  Rechtskraft (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO). Diese rechtskräftigen Punkte sind
  im Dispositiv des Berufungsentscheids vorab aufzuführen (Schmid/Jositsch, Schweizerische
  Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl.,
  Zürich/St. Gallen 2018, N 1 f. zu Art. 408 StPO
  [nachfolgend zit.: Schmid/Jositsch,
  Praxiskommentar]). Gemäss
  Art. 408 StPO hat das Berufungsgericht (wenn es auf die Berufung
  eintritt) in jedem Fall ein neues Urteil zu fällen, welches das
  erstinstanzliche Urteil ersetzt. 

  
	
   

  
	
  4. Es wird vorgemerkt, dass die im
  vorinstanzlichen Verfahren SG.2018.00091 als Privatklägerin 2
  involvierte E.______ das Urteil der Strafgerichtskommission des
  Kantonsgerichts Glarus vom 31. Juli 2019 nicht angefochten hat
  (act. 39, act. 44). Somit sind die Urteilspunkte des
  vorinstanzlichen Urteils, welche diese Partei betreffen, unangefochten in
  Rechtskraft erwachsen (vgl. E. II.5 nachstehend). 

  
	
   

  
	
  5. Die nachstehenden Ziffern des
  vorinstanzlichen Urteils (act. 30 S. 40 ff.) wurden nicht
  angefochten, weshalb diese Urteilspunkte demnach rechtskräftig sind, was
  vorzumerken ist:

  
	
  	
    –   Disp. Ziff. 2:

    	
    Einstellung des Strafverfahrens
    gegen den Beschuldigten wegen Pornografie (i.S.v. Art. 197 Abs. 3bis
    aStGB);

    
	
    –   Disp. Ziff. 3:

    	
    Feststellung Verletzung des
    Beschleunigungsgebotes;

    
	
    –   Disp. Ziff. 6:

    	
    Herausgabe Mobiltelefon und
    externe Festplatte an Beschuldigten;

    
	
    –   Disp. Ziff. 9:

    	
    Abweisung Antrag von E.______ auf
    Genugtuung;

    
	
    –   Disp. Ziff. 10:

    	
    Abweisung Antrag von C.______ auf
    Urteilspublikation;

    
	
    –   Disp. Ziff. 14:

    	
    Nichtzusprechung einer
    Parteientschädigung an E.______;

    
	
    –   Disp. Ziff. 15:

    	
    Nichteintreten auf Antrag von
    C.______ betreffend Parteientschädigung;

    
	
    –   Disp. Ziff. 16:

    	
    Festsetzung und Entschädigung der
    amtlichen Verteidigung;

    
	
    –   Disp. Ziff. 17:

    	
    Festsetzung und Entschädigung von
    Rechtsanwältin G.______.

    

  

  
	
  6. Die Anklageschrift bestimmt den
  Gegenstand des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wie auch des
  Berufungsverfahrens. Das Gericht ist an den in der Anklageschrift
  wiedergegebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche
  Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Die rechtliche Würdigung
  des durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist
  ausschliesslich Aufgabe des Gerichts. Es kann daher von den Anträgen der
  Parteien abweichen. Eine allfällige abweichende Beurteilung durch das Gericht
  zieht dabei keinen Freispruch oder Teilfreispruch hinsichtlich des
  angeklagten Tatbestandes nach sich, sondern es hat lediglich eine
  Verurteilung wegen des vom Gericht bejahten Tatbestandes zu ergehen
  (BGer 6B_254/2015 Urteil vom 27. August 2015, E. 3.1 f.
  m.w.H.).

  
	
   

  
	
  7. Die Akten des vorinstanzlichen
  Verfahrens SG.2018.00091 (act. 1-35) und des Verfahrens betreffend die
  zurückgewiesene (erste) Anklage vom 16. Juni 2015 (SG.2015.00055
  act. 1-5) wurden beigezogen. Die Strafuntersuchungsakten (Verfahren
  SA.2012.00075) bilden integrierender Bestandteil der vorinstanzlichen Akten
  (vgl. act. 2). Die Aktenzitate des vorinstanzlichen Verfahrens erfolgen
  unter der Verfahrensnummer des Berufungsverfahrens.

  
	
   

  
	
  III. Parteivorbringen im
  Berufungsverfahren

  
	
  1. Standpunkt des Beschuldigten im
  Berufungsverfahren

  
	
  1.1. Der Verteidiger des Beschuldigten
  bringt vor Obergericht zunächst vor, die ursprünglich bereits am
  16. Juni 2015 von der Staatsanwaltschaft gegen ihn erhobene Anklage sei
  von einer sachlich unzuständigen Behörde (Einzel- statt Kollegialgericht) an
  die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen worden. Dabei handle es sich entgegen
  der Vorinstanz um einen offensichtlichen und schweren Mangel. Eine Verfügung
  einer offensichtlich unzuständigen Behörde vermittle keine Rechtssicherheit.
  All dies führe zur Nichtigkeit des Rückweisungsentscheids vom 19. Juni
  2015. Infolge dessen sei die (erste) Anklage vom 16. Juni 2015 nach wie
  vor bei der Vorinstanz hängig, weshalb die Vorinstanz auf die (zweite)
  Anklage vom 30. Oktober bzw. 7. November 2018 (Rektifikat) nicht
  hätte eintreten dürfen. Zudem sei die Staatsanwaltschaft mangels gültiger
  Rückweisung gar nicht befugt gewesen, weitere Beweiserhebungen vorzunehmen.
  Folglich seien sowohl die weitere Beweiserhebung als auch die zweite Anklage
  nichtig. Da die Vorinstanz ihr Urteil auf Basis einer nichtigen Anklage
  gefällt habe, sei auch dieser Entscheid nichtig. Die Sache sei zur Prüfung
  der (ersten) Anklage vom 16. Juni 2015 an die Vorinstanz zurückzuweisen
  (act. 62 S. 3 f. Rz. 1-9).

  
	
   

  
	
  1.2.  

  
	
  1.2.1.
  Im Sinne einer
  Eventualbegründung führt der Verteidiger das Nachfolgende aus: Es lägen keine
  verwertbaren Beweismittel vor für einen Schuldspruch betreffend sexuelle
  Handlungen des Beschuldigten mit Kindern. Zunächst einmal seien die vom
  Beschuldigten anlässlich dreier Einvernahmen (10. Februar, 4. Mai
  und 20. Juni 2012) gemachten Aussagen nicht verwertbar, da diese
  ohne Beizug einer notwendigen Verteidigung erfolgt seien, obschon eine solche
  erkennbar gewesen sei. Zudem sei, entgegen der Vorinstanz, zum Zeitpunkt der
  polizeilichen Einvernahmen (10. Februar und 4. Mai 2012)
  aufgrund des am 10. Februar 2012 erlassenen Hausdurchsuchungs- und
  Beschlagnahmebefehls die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten bereits
  materiell eröffnet gewesen (Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO).
  Somit seien die zwischen der materiellen Untersuchungseröffnung
  (10. Februar 2012) und der Bestellung der notwendigen Verteidigung
  (20. März 2013 [recte: 5. April 2013, act. 2/5/6]) in Abwesenheit einer
  Verteidigung erfolgten Beweiserhebungen nicht verwertbar (Einvernahmen des
  Beschuldigten vom 10. Februar, 4. Mai und 20. Juni 2012); auf
  eine Wiederholung habe der Beschuldigte bis heute nicht verzichtet (i.S.v.
  Art. 131 Abs. 3 StPO). Daran ändere, entgegen der Vorinstanz,
  nichts, dass sich der Beschuldigte mit der Durchführung der beiden
  polizeilichen Einvernahmen, trotz Abwesenheit eines Verteidigers,
  einverstanden erklärt habe (act. 62 S. 5 ff. Rz. 11-21).

  
	
   

  
	
  1.2.2.
  Zudem sei auch die
  Videobefragung von C.______ vom 9. Februar 2012 nicht verwertbar. Es
  sei fraglich, ob die Teilnahmerechte des Beschuldigten an dieser Einvernahme
  verletzt worden seien; was der Fall wäre, wenn eine delegierte Einvernahme
  (i.S.v. Art. 312 StPO) vorgelegen hätte. Diese Frage könne aber
  vorliegend nicht beantwortet werden, da sich den Akten nicht entnehmen lasse,
  in welchem Umfang die Opferberatung die Kantonspolizei am
  23. Januar 2012 über die von C.______ gegen den Beschuldigten
  erhobenen Vorwürfe informierte. Die Kantonspolizei sei mit der
  Staatsanwaltschaft bereits zu diesem Zeitpunkt nachweislich in Kontakt
  gestanden und es sei zudem davon auszugehen, dass die Opferberatungsstelle
  umfassend über die Vorwürfe gegen den Beschuldigten informiert gewesen sei;
  so habe C.______ angegeben, mehrmals bei der Opferberatung gewesen zu sein.
  Hätte die Staatsanwaltschaft bereits am 9. Februar 2012 einen
  hinreichenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten gehabt, wäre gemäss
  Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eine Untersuchung zu eröffnen
  gewesen und wäre die Videobefragung demnach als delegierte Einvernahme im
  Sinne von Art. 312 StPO zu werten und hätte dem Beschuldigten das
  Teilnahmerecht (i.S.v. Art. 312 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 147
  Abs. 1 StPO) gewährt werden müssen. Unabhängig davon sei die besagte Videobefragung aber
  ohnehin nicht verwertbar, da C.______ bei ihrer Befragung nicht auf die
  Straffolgen einer falschen Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege
  und einer Begünstigung hingewiesen worden sei (Art. 177 Abs. 1 StPO
  analog i.V.m. Art. 141 Abs. 1 StPO). Daran ändere die nachträglich
  gewährte Möglichkeit zur Stellung von Ergänzungsfragen, entgegen der
  Vorinstanz, nichts (act. 62 S. 8 f. Rz. 22-28).

  
	
   

  
	
  1.2.3.
  Weiter seien auch
  die Videoeinvernahmen der beiden Privatklägerinnen vom
  21. Februar 2018 nicht verwertbar. So seien von den Aussagen
  lediglich im Nachhinein sogenannte «Videobefragungsprotokolle» erstellt
  worden, welche den Einvernommenen nicht im Sinne von Art. 78 Abs. 5
  StPO vorgelesen und von diesen auch nicht unterzeichnet worden seien. Die
  Bestimmungen über die Protokollierung von Einvernahmen, insbesondere auch die
  Unterschrift, seien zwingender Natur und ihre Einhaltung Voraussetzung für
  die Gültigkeit bzw. Verwertbarkeit der Aussagen. Eine audiovisuelle
  Dokumentation vermöge ein schriftliches Protokoll zwar zu ergänzen, nicht aber
  zu ersetzen. Folglich seien nicht nur die besagten Videobefragungen, sondern
  auch die darin gemachten Aussagen unverwertbar (act. 62 S. 10 f.
  Rz. 29-35).

  
	
   

  
	
  1.2.4.
  Schliesslich sei
  auch die Einvernahme der Ex-Frau des Beschuldigten, I.______, vom
  14. Mai 2012 nicht verwertbar. Zu diesem Zeitpunkt habe das
  Straferfahren längst als eröffnet gelten müssen, weshalb eine delegierte
  Einvernahme vorgelegen habe und der Beschuldigte teilnahmeberechtigt (i.S.v.
  Art. 312 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 147 Abs. 1 StPO) gewesen
  wäre. Jedoch seien ihm keine Teilnahmerechte gewährt worden und sei er auch
  zu keinem anderen Zeitpunkt im Verfahren mit den Aussagen von I.______
  konfrontiert worden (act. 62 S. 11 Rz. 36).

  
	
   

  
	
  1.3. Weiter führt der Verteidiger aus,
  selbst wenn man von der Verwertbarkeit der Aussagen der beiden
  Privatklägerinnen ausgehen würde, dürfe aufgrund gravierender Hinweise auf
  suggestive Einflüsse Dritter keine Verurteilung erfolgen. So habe C.______
  zum ersten Mal Vorwürfe gegen den Beschuldigten erhoben, als E.______ im
  Jahr 2006 von einem Vorfall (Griff zwischen die Beine) berichtete,
  woraufhin C.______ gesagt habe, dass der Beschuldigte dies bei ihr auch schon
  gemacht habe. Erst fünf Jahre später habe C.______ ihrer Mutter erzählt, dass
  mehr passiert sei. Dies nachdem die Mutter immer wieder versucht habe, ihr
  etwas zu entlocken. C.______ habe zudem gemäss eigenen Aussagen häufig und
  mit unterschiedlichen Personen über die angeblichen Vorfälle gesprochen. Sie
  habe schliesslich selber ausgesagt, dass sie bestimmte Dinge nicht mehr aus
  eigener Erinnerung, sondern aus den Erzählungen ihrer Mutter wisse. Es dränge
  sich der Eindruck auf, dass die Mutter von C.______ regelmässig und
  (unbewusst) suggestiv nachfragte, um den «wirklichen» Sachverhalt zu
  ermitteln. Daher sei erstellt, dass fremdsuggestive Einflüsse Auswirkungen
  auf die Erinnerungen und Aussagen von C.______ gehabt hätten. All dies habe
  die Vorinstanz nicht berücksichtigt. Das Gleiche gelte mit Bezug auf E.______. Auch sie habe
  die ersten Vorwürfe gegen den Beschuldigten erhoben, als sie noch ein Kind
  gewesen sei. Auch sie habe sich jahrelang nicht vertieft dazu äussern wollen
  und habe zu Beginn nur vage Äusserungen gemacht. Erst anlässlich ihrer
  Einvernahme im Jahr 2018 habe E.______ zu Protokoll gegeben, dass der
  Beschuldigte es nicht nur versucht, sondern sie tatsächlich seine Hand an
  ihrer Vulva gespürt habe (act. 62 S. 13 ff. Rz. 38-52).

  
	
   

  
	
  1.4. Betreffend Strafzumessung führt der
  Verteidiger aus, entgegen der Vorinstanz, sei strafmindernd zu
  berücksichtigen, dass der Beschuldigte über ein Jahr an einer Therapie
  teilgenommen habe. Dabei sei irrelevant, dass diese auf Anraten seines
  Umfeldes erfolgt sei. Zudem sei von höchstens fünf – und nicht von gemäss
  Vor-instanz 15 – sexuellen Übergriffen des Beschuldigten gegenüber C.______
  auszugehen, da sich diese auch nur an mindestens fünf Übergriffe erinnern
  könne. Zudem habe das Gericht die Strafe zu mildern, wenn 2/3 der Verjährungsfrist
  verstrichen sei; was hinsichtlich E.______ zutreffe (act. 62
  S. 17 f. Rz. 54-57).

  
	
   

  
	
  2. Standpunkt von C.______ im
  Berufungsverfahren

  
	
  2.1. Die Rechtsvertreterin von C.______
  führt im Berufungsverfahren aus, die Vorinstanz habe zu Recht festgehalten,
  dass das Geständnis des Beschuldigten verwertbar sei. Die vom Beschuldigten
  damals gemachten Ausführungen stimmten mit denjenigen von C.______
  dahingehend überein, dass sexuelle Handlungen stattgefunden hätten.
  Betreffend die Details stelle die Vorinstanz zu Recht auf die Ausführungen
  von C.______ ab, da diese im Gegensatz zum Beschuldigten klar, schlüssig, mit
  grosser Konstanz, vielen Einzelheiten und somit überzeugend und glaubhaft
  ausgesagt habe. Sie habe Nichtwissen oder fehlende Erinnerungen stets offengelegt.
  Daran vermöge auch die vom Beschuldigten vorgebrachte angebliche suggestive
  Beeinflussung nichts zu ändern. Entgegen den Vorbringen des Beschuldigten
  würden sich ihre bruchstückhaften Erinnerungen nicht auf die Übergriffe,
  sondern auf den langen Weg der Verarbeitung beziehen (act. 65 S. 2
  Rz. 3 i.V.m. act. 59 S. 7 f. Rz. 3). Die sich bei
  den Akten befindenden Beweise seien eindeutig und liessen keinen Spielraum
  für einen Freispruch des Beschuldigten. Sein Verschulden wiege schwer. Er
  habe die Abhängigkeit seiner Nichte über mehrere Jahre hinweg schamlos
  ausgenutzt; was ihm sogar einen gewissen Kick gegeben habe. Für sie sei jeder
  einzelne Übergriff schwer traumatisierend und belastend gewesen, so dass sie
  jahrelang nicht über das Geschehene habe sprechen können (act. 65
  S. 2 Rz. 4).

  
	
   

  
	
  2.2. Aufgrund alldem beantragt C.______
  vor Obergericht eine Genugtuung von CHF 20'000.— (zzgl. Zins zu 5 %
  seit 1. Januar 2004). Die von der Vorinstanz zugesprochene
  Genugtuung von CHF 7'000.— (zzgl. Zins zu 5 % seit 1. Januar 2005)
  trage ihrer Persönlichkeitsverletzung sowie dem schweren Verschulden des
  Beschuldigten nicht angemessen Rechnung. Die vom Beschuldigten an ihr
  vorgenommenen sexuellen Handlungen stellten einen schweren Fall von sexuellem
  Missbrauch dar. So sei sie ihrem Onkel einerseits körperlich und andererseits
  aufgrund der familiären Situation machtlos ausgeliefert gewesen. Zudem handle
  es sich um zahlreiche Übergriffe in einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren
  (act. 65 S. 3 f. Rz. 5-10). Zudem hätten die Übergriffe
  bei ihr zu massiven Schuldgefühlen und Gewissensbissen geführt. Sie habe zwar
  realisiert, dass die Handlungen des Beschuldigten nicht richtig waren, sei
  aber sowohl zu ihm als auch zu seiner Frau, die gleichzeitig ihre Patentante
  sei, in einem starken Abhängigkeitsverhältnis gestanden. Sie habe auch Angst
  gehabt, sich jemandem anzuvertrauen, weil sie es ihrer Patentante nicht habe
  antun wollen, dass der Beschuldigte ins Gefängnis gehen müsse. Der
  Beschuldigte habe seine Vertrauensstellung und seine Position innerhalb ihrer
  Familie in berechnender Weise ausgenutzt und aus niederen Beweggründen, d.h.
  zur Befriedigung seiner Triebe, gehandelt (act. 65 S. 4 f.
  Rz. 11-13). Entgegen der Vorinstanz sei ihre Genugtuungsforderung sodann
  bereits ab 1. Januar 2004 und nicht erst ab
  1. Januar 2005 zu verzinsen. So sei der Sachverhalt dahingehend
  erstellt, dass es bereits im Jahr 2004 zu mehrfachen Übergriffen
  gekommen sei (act. 65 S. 5 Rz. 14-17). 

  
	
   

  
	
  3. Standpunkt der Staatsanwaltschaft
  im Berufungsverfahren

  
	
  3.1. Die Staatsanwaltschaft führt im
  Berufungsverfahren zunächst aus, weder der durch den unzuständigen
  Kantonsgerichtspräsidenten gefällte Rückweisungsentscheid noch die hernach
  durch die Staatsanwaltschaft vorgenommene Beweiserhebung und Anklage vom
  7. November 2018 seien nichtig. Es gelte letztlich der Grundsatz
  der Gültigkeit von Verfahrenshandlungen. Nichtig seien nur krass fehlerhafte
  Verfahrenshandlungen, d.h. wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer
  wiege, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar sei und wenn
  zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft
  gefährdet werde. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Im Gegenteil sei die
  Rückweisung zu Gunsten des Beschuldigten und seiner Rechte erfolgt
  (insbesondere notwendige Verteidigung und Teilnahmerechte). Somit habe der
  Beschuldigte durch die mögliche sachliche Unzuständigkeit keine schwere
  Verletzung seiner Rechte erlitten, weshalb auch keine Nichtigkeit vorliege.
  Schliesslich sei die sachliche Unzuständigkeit weder vom Kantonsgericht noch
  von der Staatsanwaltschaft entdeckt worden. Die Verteidigung, welcher die
  sachliche Unzuständigkeit aufgefallen sei, habe dies erst an der
  vorin-stanzlichen Hauptverhandlung gerügt. Sie habe aber währenddessen die
  Rechte des Beschuldigten (inkl. Teilnahmerechte und Stellung von
  Honorarforderungen) wahrgenommen. Dies sei widersprüchlich und gar
  missbräuchlich (act. 64 S. 2-4).

  
	
   

  
	
  3.2. Die Vorinstanz habe zutreffend
  festgehalten, dass die Einvernahme des Beschuldigten vom 10. Februar 2012
  verwertbar sei. Es dürfe hier nicht vergessen werden, dass sich der
  Beschuldigte selber bei der Polizei angezeigt habe. Zudem gebe es vorliegend
  sodann nicht nur dieses Geständnis, sondern auch ein Entschuldigungsschreiben
  des Beschuldigten an C.______ und er habe freiwillig eine Therapie gemacht.
  Auch die polizeiliche Einvernahme von C.______ am 9. Februar 2012 sei
  verwertbar, da zu diesem Zeitpunkt noch längst kein Strafverfahren gegen den
  Beschuldigten eröffnet gewesen sei. Zudem habe die Verteidigung sowohl zum
  damaligen als auch zu späteren Zeitpunkten darauf verzichtet,
  Ergänzungsfragen zu stellen. Auch mit Bezug auf die Einvernahmen der beiden
  Opfer aus dem Jahr 2018 habe die Vorinstanz zu Recht deren
  Verwertbarkeit festgestellt. Diese Video-Befragungen seien in allen Punkten
  ordnungsgemäss erfolgt, inkl. korrekter Belehrung und Erstellung einer
  schriftlichen Dokumentation (act. 64 S. 5 f. i.V.m.
  act. 59 S. 4 f.).

  
	
   

  
	
  3.3.  Entgegen den Ausführungen der
  Verteidigung sei vorliegend keine Beeinflussung von C.______ durch deren
  Mutter ersichtlich. Ihre Aussagen seien stets klar und verständlich gewesen.
  Insbesondere schildere sie auch sehr detailliert ihr Innenleben, ihre
  Gefühle, ihre Angst vor dem Zerbrechen der Familie und der Freundschaft zwischen
  den Familien. Sie schildere erschreckend konkret, warum es ihr erst im
  Jahr 2012 möglich gewesen sei, sich zu offenbaren. Sie habe ihre
  Erlebnisse, welche viele Jahre zurücklägen, bei beiden Befragungen spontan
  vorgetragen. Sie habe weder übertrieben noch etwas kleingeredet; sie habe
  erzählt, was war. Ihre Körpersprache und ihr ganzes nonverbales Verhalten
  seien den eigenen Äusserungen stets angepasst gewesen. Die Schilderungen von
  C.______ enthielten Aussagen zum Kerngeschehen und zu Nebensächlichkeiten und
  würden eine hohe Qualität aufweisen und seien somit erlebnisbasiert und keine
  Suggestion (act. 59 S. 5-7).

  
	
   

  
	
  3.4. Gestützt auf die glaubhaften
  Aussagen der beiden Opfer sowie aufgrund der Selbstanzeige des Beschuldigten,
  der Aussagen der geschiedenen Ehefrau des Beschuldigten, der nach
  August 2006 durchgeführten Therapie und des Entschuldigungsbriefs
  desselben an C.______ sei der in der Anklageschrift vorgehaltene Sachverhalt
  erstellt (act. 65 S. 6 i.V.m. act. 59 S. 6 f.). Die
  Verteidigung mache, wie bereits vor Vorinstanz, keine Aussagen zum
  eigentlichen Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind oder
  zu den vorgeworfenen Sachverhalten und mache auch keine einzige Darlegung zum
  materiellen Strafrecht. Es würden lediglich formelle Mängel angeprangert.
  Vorliegend lägen aber keine Mängel vor, welche zu einem Freispruch des
  Beschuldigten führen würden. Schliesslich bringt die Staatsanwaltschaft noch
  vor, der Computer des Beschuldigten sei – unabhängig von einer Verurteilung
  desselben – einzuziehen und zu vernichten, da sich darauf Nacktbilder von
  Kindern befunden hätten (act. 65 S. 6 f. i.V.m. act. 59
  S. 7). 

  
	
   

  
	
  IV. Geltend gemachte formelle Mängel

  
	
  1. Nichtigkeit des vorinstanzlichen
  Entscheids

  
	
  1.1. Der Beschuldigte bringt zunächst
  vor, die Vorinstanz habe den vorliegend angefochtenen Entscheid auf Basis
  einer nichtigen Anklage gefällt, weshalb dieser ebenfalls nichtig sei (vgl.
  dazu oben E. III.1.1). 

  
	
   

  
	
  1.2. Fehlerhafte amtliche
  Verfahrenshandlungen sind in der Regel nicht nichtig, sondern anfechtbar und
  werden durch Nichtanfechtung rechtsgültig. Fehlerhafte Entscheide sind nach
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel
  besonders schwer wiegt, wenn er sich als offensichtlich oder zumindest leicht
  erkennbar erweist und die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit
  nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 144 IV 362, E. 1.4.3 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.3.  

  
	
  1.3.1. Der Kantonsgerichtspräsident hat
  mit Verfügung vom 19. Juni 2015 die (damalige) Anklage an die
  Staatsanwaltschaft insbesondere zur Wahrung der Teilnahme- und
  Verteidigungsrechte des Beschuldigten zurückgewiesen; die in Abwesenheit des
  Beschuldigten bzw. eines Verteidigers erfolgte Beweiserhebung könne nicht
  Grundlage für eine Verurteilung bilden, weshalb die Beweise zu ergänzen seien
  (vgl. SG.2015.00055 act. 3, insbesondere S. 3 oben). Die Vorinstanz
  hielt zutreffend fest, dass diese Rückweisung in falscher sachlicher Zuständigkeit
  ergangen ist (i.S.v. Art. 329 Abs. 2 StPO), da die besagte
  Rückweisungsverfügung durch die Verfahrensleitung anstelle des
  Kollegialgerichts erlassen wurde (act. 30 S. 13 E. IV.3). 

  
	
   

  
	
  1.3.2. Gemäss soeben zitierter
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind fehlerhafte Verfügungen unter anderem
  nur dann nichtig, wenn ihnen ein besonders schwerer Mangel anhaftet (vgl.
  E. IV.1.2); dies ist vorliegend nicht der
  Fall. So ist zum einen anzunehmen, dass aufgrund der damaligen Aktenlage auch
  das (eigentlich) sachlich zuständige Kollegialgericht eine Rückweisung
  verfügt hätte; zumal die Verfahrensleitung das Kollegialgericht – nach der
  von ihr durchgeführten Prüfung der Anklageschrift (i.S.v. Art. 329
  Abs. 1 StPO) – über die ihrer Meinung nach vorliegenden
  Rückweisungsgründe informiert hätte. Weiter erging die Rückweisung insbesondere
  mit Hinblick auf die Wahrung der Interessen des Beschuldigten (SG.2015.00055
  act. 3 S. 3 oben). Aufgrund dessen erwuchs dem Beschuldigten aus
  der Rückweisung und der damit zusammenhängenden Beweiserhebung unter Wahrung
  seiner Teilnahmerechte kein Nachteil. Zudem hat er die Rückweisung nicht
  angefochten, obschon seiner Meinung nach ein offensichtlicher,
  schwerwiegender Mangel vorliegt (act. 62 S. 3 f.
  Rz. 1-9). Es stellt ein widersprüchliches Verhalten dar, wenn der
  Beschuldigte in der Rückweisungsverfügung einen derart offensichtlichen und
  schwerwiegenden Mangel sehen will und diesen dann nicht zeitnah geltend
  macht. Unter all diesen Umständen ist vorliegend kein besonders schwerer
  Mangel ersichtlich. Zudem wäre es stossend, der Rechtssicherheit unzuträglich
  sowie mit dem Beschleunigungsgebot (Art. 5 Abs. 1 StPO) nicht
  vereinbar, den Rückweisungsentscheid vom 19. Juni 2015 als nichtig zu
  qualifizieren; zumal mit der Rückweisung dem Untersuchungsgrundsatz
  (Art. 6 StPO) entsprochen wurde. Entsprechend sind weder die nach
  Rückweisung erfolgte Beweiserhebung noch die zweite Anklage nichtig. Somit
  hat die Vorinstanz ihren Entscheid auch nicht auf eine nichtige Anklage
  gestützt und ist aufgrund dessen dieses Urteil auch nicht als nichtig zu
  qualifizieren. Die Berufung des Beschuldigten ist in diesem Punkt abzuweisen.

  
	
   

  
	
  2. Verwertbarkeit der Aussagen des
  Beschuldigten

  
	
  2.1. Der Beschuldigte bringt im
  Berufungsverfahren vor, seine im Vorverfahren gemachten Aussagen seien
  unverwertbar, da diese ohne Beizug eines Verteidigers erfolgt seien (vgl.
  E. III.1.2.1 vorstehend).

  
	
   

  
	
  2.2.  

  
	
  2.2.1. Liegt ein Fall notwendiger
  Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung darauf, dass eine solche
  unverzüglich bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Die Verteidigung ist
  insbesondere notwendig, wenn der beschuldigten Person eine Freiheitsstrafe
  von mehr als einem Jahr droht (Art. 130 lit. b StPO). Ab
  welchem Zeitpunkt die notwendige Verteidigung im Vorverfahren sichergestellt
  sein muss, ist in der Lehre umstritten (siehe etwa Ruckstuhl, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler
  Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 1-195 StPO,
  2. Aufl., Basel 2014, N 5 f. zu Art. 131 StPO
  m.w.H.).
  Einhellig wird verlangt, dass dem Beschuldigten die notwendige Verteidigung
  spätestens im Zeitpunkt der Untersuchungseröffnung beigegeben wird (Art. 131
  Abs. 2 StPO;
  BGer 6B_178/2017, 6B_191/2017 Urteil vom 25. Oktober 2017,
  E. 2.2.1 m.w.H.). Entscheidend ist dabei nicht
  die formelle Eröffnung der Strafuntersuchung, sondern wann diese hätte
  eröffnet werden müssen. Wird die Untersuchung verspätet eröffnet und die
  erkennbar notwendige Verteidigung zu spät sichergestellt, unterliegen die
  nach dem für die Untersuchungseröffnung relevanten Zeitpunkt erhobenen
  Beweise der Beweisverwertungseinschränkung von Art. 131 Abs. 3
  StPO (BGer 6B_990/2017 Urteil vom 18. April 2018, E. 2.3.2).

  
	
   

  
	
  2.2.2.
  Die
  Staatsanwaltschaft eröffnet eine Untersuchung u.a. dann, wenn sich aus den
  Informationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren
  eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309
  Abs. 1 lit. a StPO). Die zur Eröffnung einer Strafuntersuchung erforderlichen
  tatsächlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung müssen erheblich und
  konkreter Natur sein. Blosse Gerüchte oder Vermutungen genügen nicht (BGer
  6B_178/2017, 6B_191/2017 Urteil vom 25. Oktober 2017, E. 2.2.2
  m.w.H.). Weiter gilt
  eine Strafuntersuchung als eröffnet, sobald sich die Staatsanwaltschaft mit
  dem Straffall zu befassen beginnt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
  sie gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO Zwangsmassnahmen
  anordnet (vgl. BGer 1B_407/2018 Urteil vom 13. Dezember 2018, E. 3.1).
  Zur Anordnung von Zwangsmassnahmen bedarf es des hinreichenden, teilweise
  sogar des dringenden Tatverdachts. Ist ein solcher gegeben, muss ein
  Strafverfahren gegen eine konkrete Person notwendigerweise schon gemäss
  Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eröffnet werden. Nach einem grossen
  Teil der Lehre und dem Bundesgericht hat die Staatsanwaltschaft immer eine
  Strafuntersuchung zu eröffnen, wenn bzw. bevor sie Grundrechtseingriffe
  vornehmen will; d.h., wenn sie Zwangsmassnahmen anordnen will. Gemäss einer
  Mindermeinung kann aus Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO in
  zeitlicher Hinsicht nichts Zwingendes abgeleitet werden. Sicherzustellen sei
  lediglich, dass ein Verfahren eröffnet werde, wenn die Staatsanwaltschaft
  Zwangsmassnahmen anordne, wobei dies zeitlich auch nach dem Erlass einer
  Zwangsmassnahme und einer allenfalls notwendigen Einvernahme des
  Beschuldigten erfolgen könne (Schmid/Jositsch,
  Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St.
  Gallen 2017, N 1227 f. und FN 59 und 61).

  
	
   

  
	
  2.3. Aus den Akten gehen folgende
  chronologische Abläufe hervor: 

  
	
  2.3.1.
  Am
  23. Januar 2012 meldete die Opferberatungsstelle des Kantons Glarus
  der Kantonspolizei Glarus, dass C.______ eine Anzeige gegen den Beschuldigten
  wegen sexueller Handlungen mit Kindern machen wolle (act. 2/1/1 S.
  4). Die Kantonspolizei informierte die Staatsanwaltschaft über die
  Anzeigeerstattung und besprach mit ihr das weitere Vorgehen (act. 2/1/1
  S. 10 Mitte). Sodann wurde in Absprache mit der Staatsanwaltschaft am
  9. Februar 2012 eine polizeiliche Videobefragung von
  C.______ durchgeführt (act. 2/1/1 S. 4). Basierend auf deren Aussagen
  wurden sodann die Ermittlungen gegen den Beschuldigten aufgenommen. Am
  10. Februar 2012, nachmittags, erschien dieser ohne Voranmeldung im
  Polizeikommando Glarus, um eine Selbstanzeige zu machen. Er wurde daraufhin
  gleichentags, um 14.10 Uhr, von der Polizei zur Sache befragt und machte
  ein Geständnis betreffend sexuelle Handlungen zum Nachteil der beiden
  Privatklägerinnen (act. 2/1/1 S. 4 und act. 2/1/2). Er wurde
  zu Beginn der Einvernahme auf Art. 158 Abs. 1 lit. c StPO
  (Recht auf Beizug eines Verteidigers) hingewiesen und gab daraufhin an, er
  wolle im Moment keinen Anwalt bei der Befragung dabeihaben (act. 2/1/2
  S. 2 oben); die Einvernahme erfolgte sodann in Abwesenheit eines
  Verteidigers.

  
	
   

  
	
  2.3.2.
  Ebenfalls am
  10. Februar 2012, morgens (vgl. act. 2/1/8 Kopfzeile,
  Faxversand um 8.15 Uhr), hat die Staatsanwaltschaft Glarus einen
  Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl gegen den Beschuldigten erlassen, in
  welchem der Beschuldigte dringend verdächtigt wird, sich sexueller Handlungen
  mit Kindern schuldig gemacht zu haben (act. 2/1/7 S. 2). Die
  Polizei hatte bei der ersten Einvernahme des Beschuldigten (10. Februar
  2012, nachmittags) Kenntnis vom Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl, verwies
  sie doch darauf (act. 2/1/2 S. 3 Frage 9; vgl. auch
  act. 2/1/8 [Fax der Staatsanwaltschaft betreffend Hausdurchsuchung,
  welcher vermutlich an die Polizei ging; ein Empfänger fehlt]). Die
  Hausdurchsuchung fand gleichentags um 16.50 Uhr im Anschluss an die
  polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten statt (vgl. act. 2/1/10
  S. 1 und act. 2/1/2 S. 15 [Schluss der Einvernahme um
  16.22 Uhr]). Der Beschuldigte wurde sodann am 4. Mai 2012 ein
  weiteres Mal polizeilich einvernommen und äusserte sich inhaltlich zur Sache.
  Auch hier gab er nach Hinweis auf Art. 158 Abs. 1 lit. c StPO
  an, er wolle im Moment keinen Anwalt bei der Befragung dabeihaben
  (act. 2/1/3 S. 2 oben). Am 20. Juni 2012 wurde der
  Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft einvernommen. Zu Beginn dieser
  Einvernahme beantragte er die Bestellung einer amtlichen Verteidigung («Eigentlich
  möchte ich dies [Bestellung einer amtlichen Verteidigung] tun»,
  act. 2/3/2 S. 2); er wurde danach von der Staatsanwaltschaft – ohne
  Beisein eines Verteidigers – befragt (act. 2/3/2). Schliesslich wurde
  der Beschuldigte noch zweimal in Anwesenheit seines Verteidigers
  einvernommen, nämlich am 17. Dezember 2014 (act. 2/3/5) und am
  20. März 2018 (act. 2/3/7), verweigerte aber Aussagen zur Sache.

  
	
   

  
	
  2.4.  

  
	
  2.4.1.
  Vorliegend hat die
  Staatsanwaltschaft am 10. Februar 2012, morgens, einen
  Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl gegen den Beschuldigten erlassen, da
  dieser dringend verdächtigt wurde, sich sexueller Handlungen mit Kindern
  schuldig gemacht zu haben (act. 2/1/7-8). Somit war zu diesem Zeitpunkt
  die Strafuntersuchung gegen denselben entgegen der Ansicht der Vorinstanz
  faktisch (bzw. materiell) bereits eröffnet gewesen; so lag gemäss
  Durchsuchungsbefehle ein dringender und nicht nur hinreichender Tatverdacht
  im Sinne von Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO vor und wurde eine
  Zwangsmassnahme (Hausdurchsuchung) im Sinne von Art. 309 Abs. 1
  lit. b StPO erlassen (auf dem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl ist
  zudem bereits eine Verfahrensnummer vermerkt [act. 2/1/7 S. 1
  oben]). Der dringende Tatverdacht muss die Staatsanwaltschaft auf die
  Vorwürfe von C.______ anlässlich ihrer ersten Einvernahme vom
  9. Februar 2012 (act. 2/1/4) gestützt haben; diese Einvernahme
  fand dann auch in Absprache mit der Staatsanwaltschaft statt (vgl.
  act. 2/1/1 S. 4 Mitte, S. 10 Mitte, S. 13 Mitte).
  Aufgrund der von C.______ am 9. Februar 2012 gegen den
  Beschuldigten erhobenen Vorwürfe (act. 2/1/4) musste die Polizei bzw.
  die Staatsanwaltschaft erkennen, dass ein Fall einer notwendigen Verteidigung
  im Sinne von Art. 130 lit. b StPO vorlag; zumal die
  Staatsanwaltschaft in ihrer ersten Anklage auch eine bedingte Freiheitsstrafe
  von 20 Monaten beantragte (SG.2015.00055 act. 2 S. 5
  Ziff. 4). Entsprechend hätte dem Beschuldigte grundsätzlich bereits an
  seiner ersten Einvernahme vom 10. Februar 2012, zu welchem
  Zeitpunkt die Strafuntersuchung faktisch bereits eröffnet war, ein
  notwendiger Verteidiger bestellt werden müssen (Art. 131 StPO).

  
	
   

  
	
  2.4.2.
  Aufgrund der
  vorliegenden Umstände drängt sich jedoch eine differenziertere
  Betrachtungsweise auf: Der Beschuldigte begab sich am
  10. Februar 2012, nachmittags, freiwillig zur Polizei, um
  eine Selbstanzeige wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu machen
  (act. 2/1/1 S. 4 und act. 2/1/2). Es liegt vorliegend also
  kein Fall vor, in welchem ein Beschuldigter aufgrund einer staatlichen
  Anordnung (wie bspw. Vorladung, Vorführung, Verhaftung etc.) zu einer
  Einvernahme zu erscheinen hat und somit keine Wahl hat, ob er sich der
  Befragungssituation stellen will. Vorliegend entschied sich der Beschuldigte
  vielmehr selber dazu, sich in eine solche Befragungssituation zu begeben und
  hat dabei explizit auf einen Strafverteidiger verzichtet (act. 2/1/2
  S. 2 oben). Die Befragung des Beschuldigten wurde daher nicht vom Staat
  initiiert, sondern der Beschuldigte folgte seinem eigenen inneren Antrieb,
  ein Geständnis ablegen zu wollen. Es kann nicht der Zweck von Art. 131
  Abs. 3 StPO sein, ein unter diesen Umständen erfolgtes Geständnis
  unverwertbar zu machen. So ergibt sich der Zwang zur Verteidigung gerade auch
  aus der Fürsorgepflicht des Staates gegenüber jenen Personen, die er in die
  Pflicht nimmt, was für eine beschuldigte Person im Strafverfahren in
  besonderem Masse gilt, insbesondere auch mit Bezug auf die möglichen,
  teilweise stark in die Rechte einer beschuldigten Person eingreifenden
  Zwangsmassnahmen (Ruckstuhl,
  a.a.O., N 1 zu Art. 130 StPO). Vorliegend hat der Staat zum
  Zeitpunkt der Selbstanzeige des Beschuldigten diesen jedoch noch gar nicht
  «in die Pflicht genommen»; so wurde dieser nicht etwa zur Befragung
  vorgeladen o.ä., sondern begab sich dieser freiwillig zur Polizei, um ein
  Geständnis abzulegen, und fand dann auch die besagte Hausdurchsuchung vom
  10. Februar 2012 erst nach der Selbstanzeige des Beschuldigten
  statt (vgl. dazu oben E. IV.2.3.2). Somit sind im Zeitpunkt der
  Selbstanzeige des Beschuldigten noch keine Zwangsmassnahmen gegen denselben
  ergangen. Der Umstand, dass der Beschuldigte am selben Tag eine Selbstanzeige
  machte, an welchem die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbefehl erliess
  und dadurch die Untersuchung eröffnete, ist eine zeitlich zufällige
  Koinzidenz. Würde man in Konstellationen wie der vorliegenden von der
  Unverwertbarkeit des Geständnisses ausgehen, würde dies der Findung der
  materiellen Wahrheit zuwiderlaufen. Zudem ist zu beachten, je schwerer die zu
  beurteilende Straftat wiegt, umso eher überwiegt das öffentliche Interesse an
  der Wahrheitsfindung das private Interesse des Beschuldigten an der Unverwertbarkeit
  des fraglichen Beweises (BGE 131 I 272, E. 4.1.2 m.w.H.; hier mit Bezug auf
  ein heimlich aufgenommenes Telefongespräch). Aufgrund alldem ist die
  Einvernahme des Beschuldigten vom 10. Februar 2012
  (act. 2/1/2) entgegen dessen Ausführungen nicht im Sinne von
  Art. 131 Abs. 3 StPO unverwertbar.

  
	
   

  
	
  2.5. Anders sieht es hingegen betreffend
  die weiteren Einvernahmen des Beschuldigten aus (Einvernahmen vom 4. Mai
  und 20. Juni 2012, act. 2/1/3, act. 2/3/2). Wie soeben
  aufgezeigt (vgl. E. IV.2.4.1), wurde die Untersuchung gegen den
  Beschuldigten – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz – am
  10. Februar 2012 faktisch eröffnet (i.S.v. Art. 309
  Abs. 1 lit. a und b StPO). Im Gegensatz zu seiner an diesem Tag
  freiwillig erfolgten Selbstanzeige (vgl. soeben E. IV.2.4.2), wurde der Beschuldigte zu den beiden weiteren Einvernahmen
  schriftlich vorgeladen (act. 2/1/3 S. 1 und act. 2/3/2
  S. 1). Der Beschuldigte war an den besagten Einvernahmen nicht
  verteidigt (vgl. E. IV.2.3.1 f.), obschon zu diesem Zeitpunkt
  eine erkennbare notwendige Verteidigung (i.S.v. Art. 130 lit. b
  StPO) vorlag (vgl. oben E. IV.2.4.1). Werden in Fällen, in denen die
  Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine
  Verteidigung bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig, wenn
  die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131
  Abs. 3 StPO;
  BGer 6B_75/2019 Urteil vom 15. März 2019, E. 1.3.1, mit Hinweisen).
  Der Beschuldigte hat vorliegend nicht im Sinne von Art. 131 Abs. 3
  StPO auf eine Wiederholung verzichtete; vielmehr hat der Beschuldigte im
  Untersuchungsverfahren mehrmals moniert, dass drei seiner Einvernahmen zu Unrecht
  ohne Anwesenheit der Verteidigung durchgeführt worden seien (vgl.
  act. 2/5/13 und act. 2/5/21). Entsprechend sind die beiden
  Einvernahmen des Beschuldigten vom 4. Mai 2012 und 20. Juni 2012
  (act. 2/1/3 und act. 2/3/2) vorliegend nicht verwertbar (Art. 131
  Abs. 3 StPO; vgl. zur Problematik, ob Art. 131 Abs. 3 StPO die
  Gültigkeit oder Verwertbarkeit beschlägt: BGE 141 IV 289, E. 2 m.w.H.,
  wobei diese Frage jedoch offengelassen wurde).

  
	
   

  
	
  3. Verwertbarkeit der Einvernahme von
  C.______ vom 9. Februar 2012

  
	
  3.1. Auch die Videoeinvernahme von
  C.______ vom 9. Februar 2012 sei gemäss der Ansicht des
  Beschuldigten nicht verwertbar (vgl. oben E. III.1.2.2).

  
	
   

  
	
  3.2.  

  
	
  3.2.1.
  Gemäss
  Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK hat der
  Beschuldigte Anspruch darauf, dem Belastungszeugen Fragen zu stellen (vgl.
  auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV). Eine
  belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn der
  Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens eine angemessene und
  hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen
  an den Belastungszeugen zu stellen. Um sein Fragerecht wirksam ausüben zu
  können, muss der Beschuldigte in die Lage versetzt werden, die persönliche
  Glaubwürdigkeit des Zeugen zu prüfen und den Beweiswert seiner Aussagen zu
  hinterfragen (BGE 133 I 33, E. 2.2; BGer 6B_1178/2016 Urteil vom 21. April 2017,
  E. 4.3, je mit Hinweisen). Das kann entweder zum Zeitpunkt erfolgen, zu
  dem der Belastungszeuge seine Aussage macht, oder auch in einem späteren
  Verfahrensstadium (BGE 131 I 476, E. 2.2; BGE 125 I 127, E. 6.b;
  BGer 6B_611/2015 Urteil vom 17. Dezember 2015, E. 1.3.2, je
  m.w.H.). Konnte der Beschuldigte bei einer Zeugeneinvernahme nicht anwesend
  sein, hat er das Recht das Einvernahmeprotokoll einzusehen und schriftlich
  Ergänzungsfragen zu stellen (BGer 6P.46/2000 Urteil vom 10. April 2001,
  E. 1.c.bb). Auf das Konfrontationsrecht kann verzichtet werden. Der
  Beschuldigte kann den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen
  zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu haben, wenn er es unterlässt,
  rechtzeitig und formgerecht entsprechende Anträge zu stellen (BGer
  6B_187/2020 Urteil vom 21. Oktober 2020, E. 4.2 m.w.H.). Das
  Konfrontationsrecht gemäss EMRK stellt eine absolute Mindestgarantie dar,
  über welche die Vorschriften der StPO weit hinausgehen (vgl. nachfolgend
  E. IV.3.2.2).

  
	
   

  
	
  3.2.2.
  Im
  Untersuchungs- und Hauptverfahren gilt gemäss Art. 147
  Abs. 1 StPO der Grundsatz der Parteiöffentlichkeit der
  Beweiserhebungen. Danach haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen
  durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte – hingegen nicht im polizeilichen
  Ermittlungsverfahren (vgl. BGer 6B_128/2018 Urteil vom
  8. Februar 2019, E. 2.2.2) – anwesend zu sein und
  einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Auf die Teilnahme kann vorgängig oder auch im
  Nachhinein ausdrücklich oder stillschweigend verzichtet werden, wobei der
  Verzicht des Beschuldigten auch von seinem Verteidiger ausgehen kann (BGE 143
  IV 397, E. 3.3.1). Ein Verzicht ist auch anzunehmen, wenn die
  beschuldigte Person es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht entsprechende
  Anträge zu stellen (zum Konfrontationsanspruch BGer 6B_522/2016 Urteil vom
  30. August 2016, E. 1.3 mit Hinweisen). Der Verzicht auf das
  Anwesenheitsrecht schliesst eine Wiederholung der Beweiserhebung aus (BGer
  6B_1178/2016 Urteil vom 21. April 2017, E. 4.3 mit Hinweisen). Beweise, die in Verletzung dieser Bestimmung erhoben
  worden sind, dürfen gemäss Art. 147
  Abs. 4 StPO nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht
  anwesend war. 

  
	
   

  
	
  3.2.3. Die Staatsanwaltschaft eröffnet
  gemäss Art. 309 Abs. 1 StPO, wie bereits erwähnt (vgl. oben
  E. IV.2.2.2 f.), eine Untersuchung unter den
  in lit. a-c genannten Voraussetzungen; mithin unter anderem dann, wenn
  ein hinreichender Tatverdacht vorliegt (lit. a). Ab der Eröffnung der
  Untersuchung darf die Polizei keine selbstständigen Ermittlungen mehr
  vornehmen. Die Staatsanwaltschaft kann die Polizei aber auch nach Eröffnung
  der Untersuchung mit ergänzenden Ermittlungen beauftragen. Bei Einvernahmen,
  welche die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchführt (sog.
  delegierte Einvernahmen), haben die Verfahrensbeteiligten die
  Verfahrensrechte, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft
  zukommen (Art. 312 Abs. 2 StPO). Daraus folgt, dass die Parteien
  das Recht haben, bei Einvernahmen, welche die Polizei nach Eröffnung der
  Untersuchung im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchführt, anwesend zu sein
  und Fragen zu stellen (zum Ganzen: BGer 6B_800/2016 Urteil vom 25. Oktober 2017,
  E. 3.3.2 m.w.H.). 

  
	
   

  
	
  3.3.  

  
	
  3.3.1. Es stellt sich vorliegend die
  Frage, ob zum Zeitpunkt der besagten Einvernahme von C.______ am
  9. Februar 2012 bereits eine Untersuchung durch die
  Staatsanwaltschaft aufgrund eines hinreichenden Tatverdachts (i.S.v.
  Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO) materiell eröffnet worden war.
  Wäre dies der Fall, hätten dem Beschuldigten nämlich Teilnahmerechte an
  derselben zugestanden (Art. 147 Abs. 1 StPO). Wie bereits erwähnt
  (vgl. oben E. IV.2.3.1), meldete die Opferberatungsstelle
  des Kantons Glarus der Kantonspolizei Glarus am 23. Januar 2012,
  dass C.______ eine Anzeige wegen sexueller Handlungen machen wolle. Nach dem
  Eingang der Anzeige bei der Polizei informierte diese die Staatsanwaltschaft
  darüber. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft führte die Polizei sodann am
  9. Februar 2012 eine Einvernahme von C.______ durch. Nachdem durch
  diese Befragung «der Sachverhalt der Anzeige bekannt war», stellte die
  Staatsanwaltschaft am 10. Februar 2012 einen Durchsuchungs- und
  Beschlagnahmebefehl gegen den Beschuldigten aus (act. 2/1/1 S. 4
  Mitte und S. 10 Mitte, act. 2/1/7). 

  
	
   

  
	
  3.3.2. Entgegen der Ansicht des
  Beschuldigten lässt sich somit den Akten entnehmen, dass der Sachverhalt,
  welcher der Anzeige zugrunde liegt, erst nach der Einvernahme von C.______
  vom 9. Februar 2012 bekannt war. Somit muss davon ausgegangen
  werden, dass die Opferberatungsstelle die Polizei nicht schon bei ihrer
  Meldung vom 23. Januar 2012 inhaltlich vollumfänglich über die von
  C.______ gegen den Beschuldigten erhobenen Vorwürfe informierte. So lässt
  sich denn auch den Akten entnehmen, die Opferberatungsstelle habe die Polizei
  lediglich über das Anliegen von C.______, «eine Anzeige wegen sexuellen
  Handlungen machen zu wollen», informiert (act. 2/1/1
  S. 4 Mitte). Unter diesen Umständen muss davon ausgegangen werden, dass
  der gemäss Durchsuchungsbefehl vom 10. Februar 2012 dringende
  Tatverdacht gegen den Beschuldigten (vgl. act. 2/1/7 S. 2) erst
  aufgrund der tags zuvor von C.______ gemachten Aussagen vorgelegen hat. Es
  ist nicht ersichtlich, inwiefern ein hinreichender Tatverdacht, welcher zur
  Eröffnung einer 

  Straf­untersuchung durch die Staatsanwaltschaft geführt hätte (Art. 309
  Abs. 1 lit. a StPO), bereits vor der Einvernahme von C.______ vom
  9. Februar 2012 vorgelegen haben könnte. Entsprechend fand die
  besagte polizeiliche Einvernahme von C.______ noch im polizeilichen
  Ermittlungsverfahren statt und handelte sich damit nicht um eine delegierte
  Einvernahme im Sinne von Art. 312 StPO (so auch die Vorinstanz,
  act. 30 S. 10 f. E. III.2.3). Demnach standen dem
  Beschuldigten keine Teilnahmerechte zu (Umkehrschluss aus Art. 147
  Abs. 1 StPO; BGer 6B_128/2018 Urteil vom 8. Februar 2019,
  E. 2.2.2).
  Folglich kann aus einer «Verletzung» von – dem Beschuldigten gar nicht
  zustehender – Teilnahmerechte auch nicht die Unverwertbarkeit der besagten
  Einvernahme resultieren; zumal der Verteidiger der zweiten Einvernahme von
  C.______ (21. Februar 2018) via Monitor beiwohnen und
  Ergänzungsfragen stellen konnte (act. 2/14/1), wodurch das
  Konfrontationsrecht gewahrt wurde. Anzumerken bleibt, dass dem Beschuldigten
  auch betreffend die erste Einvernahme von C.______ (vom 9. Februar 2012)
  mehrfach die Möglichkeit zur Stellung von Ergänzungsfragen gewährt wurde,
  wobei dieser davon aber keinen Gebrauch machen wollte (z.B. act. 2/5/12,
  2/5/13, 2/5/21, 2/5/25 f.).

  
	
   

  
	
  3.4. Der Beschuldigte bringt betreffend
  die Einvernahme von C.______ vom 9. Februar 2012 weiter vor, dass
  diese auch deshalb nicht verwertbar sei, weil C.______ bei ihrer Befragung
  als Auskunftsperson nicht auf die Straffolgen von Art. 303-305 StGB
  hingewiesen worden sei (vgl. zum Ganzen E. III.1.2.2).

  
	
  C.______
  wurde am 9. Februar 2012 als Auskunftsperson befragt (i.S.v.
  Art. 179 Abs. 1 StPO). Nach Art. 181 Abs. 2 StPO weisen
  die Strafbehörden die Auskunftsperson zu Beginn der Einvernahme auf die
  Strafdrohungen einer falschen Anschuldigung (Art. 303 StGB), einer
  Irreführung der Rechtspflege (Art. 304 StGB) und einer Begünstigung
  (Art. 305 StGB) hin (vgl. auch Art. 143 StPO). Eine Rechtsfolge für
  das Unterbleiben dieser Belehrung findet sich im Gesetzestext nicht. Die
  Lehre ist in diesem Punkt nicht einheitlich und das Bundesgericht hat sich zu
  dieser Frage, soweit ersichtlich, noch nicht geäussert (vgl. BGE 141 IV 20,
  E. 1.2.3 f. m.w.H.). Vorliegend ist davon auszugehen, dass der
  Hinweis auf die Strafandrohungen der besagten Strafbestimmungen kein
  Gültigkeitserfordernis der Einvernahme einer Auskunftsperson ist. So erklärt Art. 181
  Abs. 2 StPO die Einvernahme einer Auskunftsperson nicht als ungültig,
  wenn der Hinweis auf die Strafdrohungen der Art. 303 – 305
  StGB unterbleibt; anders als die analoge Bestimmung im Rahmen der
  Zeugenbelehrung (vgl. Art. 177 Abs. 1 StPO). Entsprechend ist der
  Hinweis auf die genannten Strafbestimmungen keine unverzichtbare Essentiale
  der Aussage und folglich auch kein Gültigkeitserfordernis der
  Einvernahme. Es handelt sich somit um eine Ordnungsvorschrift, deren
  Verletzung die Verwertbarkeit der Aussage nicht berührt (Art. 141
  Abs. 3 StPO; so auch Kerner,
  in: Niggli/Heer/Wiprächtiger
  [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,
  Art. 1-195 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 4 zu
  Art. 181 StPO und Donatsch,
  in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zu Schweizerischen
  Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, N 22 zu
  Art. 181 StPO, je m.w.H.). Entsprechend ist die Einvernahme von C.______ vom 9.
  Februar 2012 auch in dieser Hinsicht verwertbar.

  
	
   

  
	
  4. Verwertbarkeit
  der Einvernahmen der Privatklägerinnen vom 21. Februar 2018

  
	
  4.1. Der Beschuldigte bringt weiter vor,
  die Videoeinvernahmen der Privatklägerinnen vom 21. Februar 2018
  seien nicht verwertbar, da keine den StPO-Vorschriften genügenden
  Einvernahmeprotokolle vorliegen würden (vgl. dazu oben E. III.1.2.3).

  
	
   

  
	
  4.2. Im Strafverfahren gilt eine
  Dokumentationspflicht. Die Bestimmungen über die Protokollierung von
  Einvernahmen sind zwingender Natur. Ihre Beachtung ist Voraussetzung für die
  Gültigkeit des Protokolls und damit gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO
  Voraussetzung für die Verwertbarkeit der Aussagen. Art. 76 Abs. 4
  StPO erlaubt zwar, dass Verfahrenshandlungen ganz oder teilweise auch in Ton
  oder Bild festgehalten werden können. Dies kann indes nur zusätzlich zur
  schriftlichen Protokollierung erfolgen. Die Aufnahme mit technischen
  Hilfsmitteln vermag das schriftliche Protokoll somit zwar zu ergänzen, nicht
  aber zu ersetzen. Auf die Schriftform kann daher grundsätzlich nicht verzichtet
  werden. Das Festhalten am Erfordernis des Schriftprotokolls bezweckt, die
  Strafbehörden und die Verfahrensbeteiligten davon zu entbinden, stundenlang
  Aufzeichnungen abzuhören. Das schriftliche Protokoll erlaubt, sich rasch
  einen Überblick über die durchgeführte Beweiserhebung zu verschaffen. Die
  Bestimmung von Art. 76 Abs. 4 StPO schliesst – jedenfalls für
  Einvernahmen im Vorverfahren – nicht aus, dass das schriftliche Protokoll
  erst nachträglich auf der Grundlage akustischer oder audiovisueller Aufzeichnungen
  erstellt wird. Die Beweiserhebung wird dadurch nicht nur umfassender, sondern
  auch authentischer protokolliert, als dies bei einer parallelen
  Protokollierung der Fall wäre (BGE 143 IV 408, E. 8.2 f.). 

  
	
   

  
	
  4.3. Vorliegend wurden gestützt auf die
  Videoeinvernahmen vom 21. Februar 2018 (act. 2/14/2 und
  act. 2/14/4) im Nachhinein schriftliche Wortprotokolle erstellt
  (act. 2/14/1 und act. 2/14/3). Dies ist gemäss soeben zitierten
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig. Es ist der Vorinstanz darin
  beizupflichten, dass vorliegend nicht ersichtlich ist, weshalb eine
  Unterzeichnung dieser Protokolle durch die beiden Opfer notwendig gewesen
  wäre. So dient die Unterzeichnung eines Protokolls grundsätzlich der Gewähr
  der Richtigkeit, d.h. der Übereinstimmung desselben mit den tatsächlich von
  der einvernommenen Person gemachten Aussagen. Dies ist bei einem aufgrund
  einer Videoaufnahmen erstellten Wortprotokoll stets der Fall. Würde man hier
  aufgrund einer fehlenden Unterschrift bzw. Visierung jeder Seite (vgl. Art. 78
  Abs. 5 StPO) von einer Unverwertbarkeit ausgehen, käme dies einem
  überspitzten Formalismus gleich. Entsprechend sind die beiden
  Videobefragungen vom 21. Februar 2018 bzw. die anhand dieser
  erstellten Protokolle verwertbar.

  
	
   

  
	
  5. Verwertbarkeit der Einvernahme von
  I.______ vom 14. Mai 2012

  
	
  5.1. Schliesslich bringt der
  Beschuldigte vor, dass auch die polizeiliche Einvernahme von I.______
  (act. 2/1/5) nicht verwertbar sei, da ihm keine Teilnahmerechte gewährt
  worden seien und er auch in keinem anderen Zeitpunkt im Verfahren mit den
  Aussagen von I.______ konfrontiert worden sei (vgl. dazu auch oben E. III.1.2.4).

  
	
   

  
	
  5.2. Gemäss Art. 147 Abs. 1
  StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen durch die
  Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen
  Personen Fragen zu stellen (vgl. zum Ganzen: oben E. IV.3.2.1 f.).

  
	
   

  
	
  5.3. Gemäss den obigen Ausführungen
  (vgl. oben E. IV.2.4.1) fand die Einvernahme von I.______
  vom 14. Mai 2012 zu einem Zeitpunkt statt, in welchem die
  Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten bereits (materiell) eröffnet war.
  Der Beschuldigte wäre somit teilnahmeberechtigt gewesen (Art. 147
  Abs. 1 StPO). Aus den Akten ist ersichtlich, dass weder der Beschuldigte
  noch sein (damals noch gar nicht eingesetzter) Verteidiger (vgl.
  act. 2/5/6; Bestellung amtlicher Verteidiger am 5. April 2013) bei
  der besagten Einvernahme von I.______ anwesend waren (act. 2/1/5).
  Überdies geht aus den Akten nicht hervor, dass der Beschuldigte bzw. sein
  Verteidiger überhaupt vorgeladen wurden. Es ist nicht ersichtlich, dass der
  Beschuldigte im vorliegenden Verfahren auf sein Teilnahme- oder
  Konfrontationsrecht verzichtet hätte, vielmehr verlangte er bereits im
  Vorverfahren die Wiederholung sämtlicher Beweiserhebungen unter Wahrung der
  Teilnahmerechte (act. 2/5/13 und act. 2/5/21). I.______ wurde am
  2. Oktober 2018 von der Staatsanwaltschaft erneut als Zeugin unter
  Gewährung der Teilnahmerechte befragt (act. 2/14/5). Damit wurde dem
  Teilnahme- und Konfrontationsrecht in formeller Hinsicht Rechnung getragen.
  Die Frage, ob vorliegend auch die frühere Befragung vom
  14. Mai 2012 uneingeschränkt verwertet werden kann (vgl. dazu BGer
  6B_369/2013 Urteil vom 31. Oktober 2013, E. 2.3.3 m.w.H.),
  kann vorliegend offengelassen werden, da im Rahmen der Sachverhaltserstellung
  einzig auf die Einvernahme von I.______ vom 2. Oktober 2018
  abzustellen sein wird und die Aussagen von I.______ im Rahmen einer
  Gesamtbetrachtung der vorliegenden Beweismittel für die Sachverhaltserstellung
  sowieso nur von untergeordneter Bedeutung sind (vgl. dazu unten E. V.5.4).

  
	
   

  
	
  V. Sachverhalt der sexuellen
  Handlungen mit Kindern

  
	
  1. Anklagevorwurf

  
	
  1.1.  

  
	
  1.1.1. Laut Anklage hat der Beschuldigte,
  als damaliger Ehemann der Tante von C.______, im Zeitraum von 2004 bis in die
  Sommerferien 2006 (3. Juli bis 12. August 2006) mehrfach
  sexuelle Handlungen an C.______ (geboren am 31. Januar 1995)
  vorgenommen. Diese Handlungen hätten an unterschiedlichen Orten
  stattgefunden, so in der Familienwohnung von C.______ im ersten Stock (die
  Eltern von C.______ führten im Tatzeitraum das Restaurant [...] und der
  Beschuldigte half aufgrund seines Berufes als Metzger oft in der Küche aus),
  am Wohnort des Beschuldigten und seiner damaligen Ehefrau I.______
  (Wohnzimmer, Kinderschlafzimmer) an der [...]-strasse in [...] und – so im
  Frühling 2005 geschehen – am Wohnort der Mutter des Beschuldigten an der
  [...]-strasse in [...]. Der Beschuldigte griff C.______ laut Anklage
  mehrfach, mindestens bei 20 Gelegenheiten, unter ihr T-Shirt. Er fasste
  mehrfach die Brüste von C.______ an, öffnete ihr die Hose und langte ihr
  unter der Unterhose zwischen die Beine an die Vulva. Er zog ihr mehrfach die
  Hosen und das Oberteil aus, berührte das Mädchen überall – auch an den
  Brüsten und Genitalien – mit Mund, Zunge und Händen und führte seinen Finger
  in ihre Scheide ein (act. 1 und act. 3 je S. 2 Ziff. 1.1
  und 1.1.1).

  
	
   

  
	
  1.1.2. Diese Vorfälle spielten sich, laut Anklage,
  immer in ähnlicher Weise ab, indem der Beschuldigte zuerst unter das T-Shirt
  des minderjährigen Mädchens griff, die Brüste austastete, die Hose öffnete,
  um das Mädchen unter den Kleidern zwischen den Beinen auszugreifen, und
  danach C.______ entkleidete, um sie mit Finger, Zunge und Mund am ganzen
  Körper zu berühren und ihr den Finger in die Scheide einzuführen, teilweise
  mit dem Kopf zwischen ihren Beinen, um mit der Zunge die Vulva des Mädchens
  zu lecken. Bei diesen mehrfachen Vorfällen musste die minderjährige C.______
  ruhig liegen; einzig der Beschuldigte übernahm die aktive Rolle. Nach dem
  jeweiligen «Ereignis» zog der Beschuldigte C.______ stets wieder vollständig
  an und knöpfte ihr die Hose zu. Der Beschuldigte sprach vor, während und nach
  dem «Ereignis», welches ca. 10 bis 15 Minuten dauerte, kein Wort mit
  C.______. Die Übergriffe fanden – mit Ausnahme eines einzigen Males, als der
  ältere Sohn des Beschuldigten [...] im Wohnzimmer an der [...]-strasse in
  [...] anwesend war, weshalb C.______ erfolglos versuchte, sich dem Übergriff
  zu entziehen – ohne die Anwesenheit Dritter statt, wobei es auch zu sexuellen
  Handlungen kam, wenn sich die damalige Ehefrau des Beschuldigten, neben dem
  Wohnzimmer in der Küche am Kochen befand. Einzig in [...], im Frühling 2005
  kam der Beschuldigte von seinem üblichen «Programm» ab, indem er die damals
  zehnjährige C.______ in der Küche seiner Mutter lediglich küsste und sie
  unter ihrer Oberbekleidung berührte und ihr in der Grotte des «[...]»
  zwischen die Beine griff und seine Finger in ihre Scheide einführte
  (act. 1 und act. 3 je S. 2 f. Ziff. 1.1.1).

  
	
   

  
	
  1.2. Während den Sommerferien 2006
  (3. Juli bis 12. August 2006) half E.______, geb. […], laut Anklage für zwei Wochen im
  [...], im Rahmen eines Ferienjobs aus. An einem Sonntagnachmittag während
  dieser Aushilfswochen, mutmasslich am 31. Juli 2006, befand sich
  auch der Beschuldigte in der [...], um in der Küche zu helfen. An diesem
  Sonntagnachmittag setzte sich E.______ auf eine Bank an einen Tisch, um ein
  Eis zu essen. Der Beschuldigte setzte sich neben E.______ auf die Bank und
  fasste der Minderjährigen unter die Kleider (kurze Hose und Unterhose)
  zwischen die Beine an ihre Vulva. E.______ erschrak und fragte den
  Beschuldigten, was er da mache, worauf dieser die Hand unverzüglich zurückzog
  (act. 1 und act. 3 je S. 3 Ziff. 1.1.2).

  
	
   

  
	
  2. Standpunkt des Beschuldigten im Berufungsverfahren

  
	
  Der Beschuldigte stellt sich zusammenfassend auf den
  Standpunkt, die äusserst vagen und unbestimmten Beschuldigungen würden
  vorliegend bei Weitem nicht für einen Schuldspruch ausreichen; zumal
  erhebliche Hinweise auf fremdsuggestive Prozesse und gar Scheinerinnerungen
  bestünden (vgl. zum Ganzen: oben E. III.1.3).

  
	
   

  
	
  3. Beweisgrundsätze 

  
	
  3.1. Jede Person gilt bis zu ihrer
  rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Art. 10 Abs. 1 StPO).
  Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach
  seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Bestehen unüber­windliche
  Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklag­ten
  Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sach­lage
  aus (in dubio pro reo; Art. 10 Abs. 3 StPO).

  
	
   

  
	
  3.2. Die Feststellung des
  tatbestandserheblichen Sachverhalts verläuft in mehreren Schritten (siehe zum
  Ganzen sinngemäss: BGE 144 IV 345, E. 2.2.3.1 – E. 2.2.3.3 mit
  zahlreichen Hinweisen). In einem ersten Schritt sind sämtliche prozessual
  zulässigen Beweismittel zu erfas­sen und ist das so erlangte Beweismaterial
  auf seine grundsätzliche Eignung und Qualität hin zu beurteilen: Einerseits
  müssen die einzelnen Beweismittel ihrer Natur und ihrer Aussage nach
  tatsächlich zur Klärung der konkreten Tatfragen beitragen können
  (Beweiseignung). Andererseits muss ihr grundsätzlicher Beweiswert fest­stehen
  (z.B. anhand von Glaubhaftigkeitskriterien für Zeugenaussagen oder von
  methodischen Anforderungen an forensische Gutachten). Sodann hat das Gericht
  in einem nächsten Schritt die als relevant erkannten Bewei­se frei zu
  würdigen. Dabei sind einzelne Beweismittel nicht isoliert zu beurteilen und
  können daher einzelne Beweismittel auch nicht quasi in dubio pro reo
  ausgeblendet werden. Ergibt sich dem Gericht im Rahmen dieser Beweis­würdigung
  ein zwiespältiges, widersprüchliches, unkla­res und/oder höchst diffuses und
  nebu­löses Gesamtbild, so ist ein Freispruch unumgänglich. Erscheint jedoch
  das Beweisergebnis (Gesamtbild) in Hinsicht auf den Anklage­sachverhalt
  einschlägig, so ist dieses Resultat der Beweisauswertung dahinge­hend
  zu beurteilen, ob sich auf dessen Grund­lage diejenigen Tatsachen erstellen
  lassen, aus denen sich das Tatsachenfunda­ment eines Schuldspruchs zusammen­setzt.
  Erst jetzt, in diesem letzten Stadium der Sachverhaltsfeststellung, gelangt
  die Regel in dubio pro reo zur Anwendung. Der In-dubio-Grundsatz
  betrifft dabei kon­kret die Frage des erforderlichen Beweismasses, indem
  nämlich der Grundsatz ver­langt, dass ein Sachverhalt nach Überzeugung des
  Gerichts mit an Sicherheit gren­zender Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss,
  damit er dem Beschuldigten zur Last gelegt werden kann. Eine entsprechende
  Wahr­scheinlichkeit liegt vor, wenn die rich­terliche Überzeugung, dass sich
  ein Sach­verhalt in bestimmter Weise verwirk­licht hat, auf einem jeden
  vernünftigen Zweifel ausschliessenden Urteil eines besonne­nen und
  lebenserfahrenen Beobachters beruht. Bloss abstrakte und theore­tische
  Zweifel sind hingegen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und
  abso­lute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGE
  144 IV 345, E. 2.2.1).

  
	
   

  
	
  4. Im Recht liegende, verwertbare
  Beweismittel
  

  
	
  4.1. Selbstanzeige des Beschuldigten vom
  10. Februar 2012 

  
	
  4.1.1. Der Beschuldigte begab sich am
  10. Februar 2012, nachmittags, freiwillig zur Polizei, um eine
  Selbstanzeige wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu machen; er wurde
  gleichentags um 14.10 Uhr von der Polizei einvernommen (act. 2/1/2;
  vgl. dazu auch E. IV.2.3.1 f. vorstehend). Es gehe bei
  der Selbstanzeige laut dem Beschuldigten darum, dass er seine Nichte C.______
  mehrfach angefasst und seine andere Nichte E.______ auch einmal; er habe die
  Brüste und die Genitalien angefasst, beim zweiten Kind (gemeint E.______)
  habe er nur zwischen die Beine gegriffen. Dies sei in den Jahren 2005
  und 2006 gewesen. Das Ganze sei dann herausgekommen; 2006 sei er in Therapie
  gewesen. Er mache die Selbstanzeige, weil er davon ausgehe, «dass das
  ältere Kind eine Anzeige macht». Indem er eine Selbstanzeige mache, werde
  er nicht von der Polizei bei der Arbeit abgeholt; er habe einen neuen Job,
  welchen er nicht verlieren wolle (S. 2 f. Fragen 2-7).

  
	
   

  
	
  4.1.2.
  C.______ sei die
  Tochter von X.______ (Ehemann der Schwester der Ehefrau des Beschuldigten),
  des früheren Wirts des Restaurants [...], wo er zwischendurch gekocht habe.
  Im Tatzeitpunkt sei C.______ ca. 12-13 Jahre alt gewesen (S. 3
  Fragen 10 f. und S. 5 Frage 25). Sie seien sich
  nähergekommen; sie habe bei ihnen übernachtet «und so». Sie habe sich jeweils
  zu ihm auf das Sofa gelegt und habe auf ihm gelegen «und so»; dann habe eines
  das andere ergeben (S. 3 Frage 13 und S. 4 Frage 18). Es
  sei während etwa eineinhalb Jahren (beginnend ab 2005) so ungefähr acht- bis
  zehn Mal passiert (S. 4 Fragen 14-16). Das erste Mal habe er ihr
  über dem T-Shirt die Brüste angefasst, später dann unter dem T-Shirt; danach
  habe er ihren Genitalbereich angefasst, zuerst aber auch wieder über der Hose
  und danach auch unter der Hose. C.______ habe die Kleider immer angehabt; er
  habe sie nie geküsst. Sie habe an ihm keine «Handlungen» vornehmen müssen
  (S. 4 f. Fragen 17, 20, 22 f.).

  
	
   

  
	
  4.1.3. Die Vorfälle seien jeweils bei ihm
  zu Hause oder im Restaurant [...], wenn er nichts zu tun gehabt habe und er
  in der Wohnung der Familie XX.______ fernsehen konnte, geschehen. Es sei
  jeweils im Wohnzimmer geschehen (mit Bezug auf die Wohnung der Familie XX.______
  und seine eigene). Die Handlungen hätten in etwa 4-5 Minuten gedauert.
  Niemand hätte davon etwas mitbekommen, obschon grösstenteils jemand zu Hause
  gewesen sei; die anderen Personen seien einfach immer in anderen Räumen
  gewesen und es sei nie jemand dazu gekommen (S. 5 Fragen 24-30).

  
	
   

  
	
  4.1.4. Betreffend die von C.______ Vortags
  gemachte Aussage, er habe ihr teilweise auch die Kleider ausgezogen, sagte
  der Beschuldigte: «Nein, das eigentlich nicht». Auf Nachfragen gab er
  dann aber an, er habe ihr «vielleicht» das Shirt hochgezogen; aber die Hose
  «eigentlich» nicht; vielleicht habe er die Hose aufgemacht, aber mehr nicht
  (S. 5 f. Fragen 31-33). Er könne sich nicht mehr daran erinnern, ob
  er C.______ – wie von dieser ausgesagt – geküsst habe; «vielleicht rumgeschmust,
  aber nein …» (S. 6 Frage 34). Entgegen den Aussagen von
  C.______ sei er nicht mit dem Mund zwischen ihren Beinen gewesen; «angefasst
  schon, aber sonst nichts». Er habe sie mit den Händen am Schambereich
  angefasst; den Finger habe er ihr nicht vaginal eingeführt, er habe nur
  darüber gestreichelt. Auf Vorhalten der Aussage von C.______, wonach er ihr
  den Finger vaginal eingeführt hätte, meinte der Beschuldigte: «Ich meinte
  nicht. Ich bin der Meinung, ich habe nur darüber gestreichelt. Vielleicht ein
  Bisschen, aber nein …» (S. 6 Fragen 35-38). Er habe nie
  versucht mit seinem Penis in C.______ einzudringen. Auch habe er sich nie
  ausgezogen oder sich dabei selber befriedigt (S. 6 f. Fragen 39 und
  43-44).

  
	
   

  
	
  4.1.5. Auf die Frage, was bei einem
  Familienfest im Restaurant [...] vorgefallen sei, gab der Beschuldigte
  zunächst an, nichts zu wissen. Nachdem der Beschuldigte über die Aussage von
  C.______, wonach er sich bei besagtem Familienfest in ihr Zimmer begeben und
  dort sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen habe, informiert wurde, sagte
  dieser, das da mal etwas gewesen sei; er habe sie damals auch angefasst. Er
  wisse nicht mehr, welches Fest es gewesen sei, aber er sei bei ihr im Zimmer
  gewesen. Als er wahrscheinlich wieder eine Arbeitspause gehabt habe, habe er
  sich zu ihr begeben und sie wahrscheinlich wieder berührt. Zu ihr ins Bett
  habe er sich aber nicht gelegt. Wahrscheinlich habe er damals wieder zuerst
  versucht, die Brust und vielleicht auch den Schambereich zu berühren, er
  wisse es nicht. Es habe sich nur um einen kurzen Augenblick gehandelt; er
  habe damit rechnen müssen, dass jederzeit jemand kommen könnte. Nach dem
  Vorfall habe er das Zimmer verlassen und sei wieder an die Arbeit oder
  fernsehen gegangen (S. 9 f. Fragen 66-74).

  
	
   

  
	
  4.1.6. Auf die Frage des Einvernehmenden,
  was in Deutschland vorgefallen sei, antwortete der Beschuldigte, dass dies
  wahrscheinlich im öffentlichen Schwimmbad in seiner Heimat in [...] im
  Jahr 2006 oder so geschehen sei. Wir (gemeint C.______ und der
  Beschuldigte) seien zuerst geschwommen und dann sei sie zu ihm gekommen; er
  habe sie dann auch wieder berührt wahrscheinlich. Er denke mal an den
  Brüsten, sie habe einen Badeanzug oder so angehabt. Ob er sie zwischen den
  Beinen berührt habe, wisse er nicht mehr; es wäre möglich. Es seien etliche
  Leute und seine ganze Familie dort gewesen, es habe aber niemand mitbekommen;
  es sei mitten im Wasser passiert und anscheinend habe sich niemand geachtet
  oder gedacht, sie würden miteinander spielen. Weiter gab er an, nichts zu
  einem Vorfall in der Küche seiner Mutter in [...] sagen zu können; er denke
  nicht, dass dort einmal etwas gewesen sei. Die Familie von C.______ hätte
  eine eigene Ferienwohnung in [...] gehabt; er und seine Frau wohnten jeweils
  bei seiner Mutter (S. 10 f. Fragen 75-84).

  
	
   

  
	
  4.1.7. C.______ habe ab und zu
  zurückhaltend reagiert; sie habe sich aber irgendwie nie dagegen gewehrt. Sie
  habe auch nie versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Er habe nie Gewalt
  angewendet oder ihr spezielle Geschenke gemacht; er habe auch nie gesagt,
  dass sie ihren Eltern nichts sagen dürfe (S. 7 Fragen 49, 51-52).
  Alles sei ausgekommen als er im Sommer «versucht» habe, E.______ zwischen die
  Beine zu greifen. Diese habe dann mit C.______ gesprochen und die Kinder
  hätten es ihren Eltern erzählt. Er habe keine Ahnung, wieso C.______ nicht
  schon früher etwas gesagt habe; vielleicht habe sie sich geschämt. Nachdem
  die Eltern der Kinder zu ihm gekommen seien und ihn auf die Vorwürfe
  angesprochen hätten, habe er dann alles zugegeben und sich entschuldigt. Sie
  hätten ihm dann eine Adresse eines Psychiaters in Zürich gegeben (Dr. med.
  H.______) und er habe sich dort in Therapie begeben. Hätte er dies nicht
  getan, hätten ihn die Eltern wohl damals schon angezeigt. Er sei sofort auf
  ihre Idee (die der Eltern) mit dem Psychiater eingegangen. Er sei vom
  11. September 2006 bis 6. Dezember 2007 in Therapie
  gewesen; aufgrund dieser habe sich seine Einstellung zu Kinder geändert und
  er wisse wieder, «wo die Grenzen liegen». Nachdem alles ausgekommen
  sei habe er sich C.______ gegenüber normal verhalten; er habe dem Kind ja
  nicht böse sein können; er sei froh gewesen, dass es ausgekommen und er nicht
  noch tiefer «hineingerutscht» sei (S. 8 f.
  Fragen 54-64).

  
	
   

  
	
  4.1.8.
  Mit Bezug auf
  E.______ gab der Beschuldigte an, dass es nur einen einzigen Vorfall gegeben
  habe. Es sei beim Mittagessen im Restaurant [...], an einem heissen Sommertag
  im Jahr 2006 geschehen. E.______ sei bereits mit ihrem Teller im
  Restaurant am Familientisch gesessen und er hätte sich mit seinem Teller zu
  ihr gesetzt. Sie hätte kurze Hosen und ein T-Shirt angehabt. Zuerst hätten
  sie nur nebeneinander gegessen. Er habe dann auf einmal «probiert», ihr
  zwischen die Beine zu greifen; er habe versucht, mit seiner Hand von ihren
  Beinen her in die Hose zu gelangen und ihr an den Schambereich zu greifen. Es
  sei auf einmal über ihn gekommen; «wahrscheinlich der Kick wieder».
  E.______ sei erschrocken, aufgestanden und rausgegangen; er wisse nicht, ob
  sie danach zu C.______ gegangen sei. Nach diesem Vorfall sei es gegenüber
  E.______ nicht zu weiteren sexuellen Handlungen gekommen, da das Ganze ja
  ausgekommen sei. E.______ habe ihn nie berühren müssen (S. 11 f.
  Fragen 85-94).

  
	
   

  
	
  4.1.9.
  Es sei für ihn
  nicht erklärbar, warum er mit den sexuellen Handlungen überhaupt angefangen
  habe. Er habe während der Handlungen «zuerst ein erfreuliches Gefühl»
  gehabt; wenn es dann vorbei gewesen sei, habe er sich jeweils selber gefragt,
  was der da gemacht habe; dann sei das schlechte Gewissen gekommen. Irgendwie
  sei es während der Handlungen ein Lustgefühl gewesen. Er hätte Stress bei der
  Arbeit gehabt und sei in der Zeit mit seiner Frau nicht mehr «zurechtgekommen».
  Es sei dann «eine Art Ablenkung» für ihn gewesen. Später sei es «beinahe
  wie eine Droge» gewesen, «wegen der Handlung selber»; Es sei
  einfach «der Kick und das Feeling gewesen». Die Handlungen habe er zu
  seiner sexuellen Befriedigung vorgenommen (S. 6 ff.
  Fragen 40-42, 45-48 und 53).

  
	
   

  
	
  4.1.10. Zum Schluss gab der Beschuldigte
  an, er hätte an keinen weiteren Kindern sexuelle Handlungen vorgenommen.
  Vielleicht habe er sich gegenüber E.______ und C.______ aufgrund der engen
  Bekanntschaft nicht zurückhalten können; er wisse es nicht (S. 12
  Fragen 95 f.). Er fühle sich zu Kindern nicht hingezogen, darum habe er
  auch keine Ahnung, warum dies passiert sei (S. 13 Fragen 102 f.).
  Er wolle das Ganze abschliessen und sagen können, dass es «ein gemeiner
  Fehltritt» gewesen sei; er müsse einfach sein Leben neu orientieren und
  in den Griff bekommen (S. 14 Frage 111). Er lebe zurzeit in
  Scheidung und sei am Ausziehen; ansonsten sei das Verhältnis aber kollegial
  (S. 13 Frage 105). Das Verhältnis zur Familie XX.______ sei normal; man sei freundlich
  miteinander. Man habe sich aber in letzter Zeit nicht mehr so viel gesehen.
  Zur Familie Y.______ habe er beinahe keinen Kontakt mehr; man sehe sich hin
  und wieder auf der Strasse, man grüsse sich immer normal. Auch das Verhältnis
  zu C.______ beschrieb er als «normal»; man grüsse sich und gehe sich nicht
  aus dem Weg, aber man rede auch nicht unbedingt miteinander; C.______ lasse
  ihn nicht links liegen und frage ihn manchmal auch etwas. E.______ habe er
  seit dem Vorfall fast nie mehr gesehen (S. 14 Frage 106-110).

  
	
   

  
	
  4.2. Weitere Einvernahmen des
  Beschuldigten 

  
	
  Anlässlich
  seiner Einvernahme vom 17. Dezember 2014 (act. 2/3/5)
  verweigerte der Beschuldigte in Anwesenheit seines Verteidigers mehrheitlich
  Aussagen zur Sache. Er gab einzig erneut an, er habe im Februar 2012
  eine Selbstanzeige gemacht, da ansonsten die Eltern von C.______ eventuell
  eine Anzeige gemacht hätten (S. 3 Frage 5). Er habe das Opfer
  (gemeint C.______) in den Jahren 2005-2006 häufig gesehen (S. 3
  Frage 9). Auch anlässlich der Einvernahme vom 20. März 2018
  verweigerte der Beschuldigte in Anwesenheit seines Verteidigers Angaben zur
  Sache (act. 2/3/7); ebenso bei seiner Befragung vor Vorinstanz am
  6. März 2019 und vor Obergericht am 2. Oktober 2020
  (act. 17 S. 3 ff. Fragen 9-14; act. 16;
  act. 60 f.).

  
	
   

  
	
  4.3. Einvernahme von C.______ vom
  9. Februar 2012 

  
	
  4.3.1.
  C.______ gab
  anlässlich ihrer polizeilichen Videoeinvernahme vom 9. Februar 2012
  als Auskunftsperson in freier Rede an, sie sei hier, weil sie durch ihren
  Onkel sexuell missbraucht worden sei, als sie etwa 10-11-jährig gewesen sei,
  in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren. Sie könne sich erinnern, dass es im
  Sommer 2006 aufgeflogen sei. Aber bereits im Frühling 2005, als sie
  in Deutschland gewesen seien, seien die Übergriffe passiert; und zwar sei
  dies alles damals schon eine ziemliche Weile lang passiert. Von dem her
  hätten die Übergriffe etwa zwei Jahre gedauert. Er hiesse A.______ und sei
  der Mann ihrer Patentante (act. 2/1/4, CD, 9:42:19-9:43:14 und
  9:48:08-9:48:41; act. 2/1/1 S. 7). 

  
	
   

  
	
  4.3.2.
  Sie (C.______) sei
  viel bei ihm (dem Beschuldigten) zu Hause gewesen, da seine Frau ihre
  Patentante sei. Sie wisse noch, dass sie sich früher immer zu ihm auf das
  Sofa gelegt habe; er sei ja ihr Onkel und sie habe es gut mit ihm gehabt. So
  habe es dann angefangen (act. 2/1/4, CD, 9:43:14-9:44:10;
  act. 2/1/1 S. 7). Am Anfang sei es nur «betatschen» unter dem
  Leibchen gewesen. Es sei dann immer weitergegangen, er sei mit seiner Hand in
  ihrer Hose gewesen, dann habe er ihr die Hose ausgezogen. Es sei «Schritt für
  Schritt» weitergegangen und immer etwas mehr geworden. Der Beschuldigte habe
  ihr in die Hose gegriffen, er sei auch mit seiner Zunge an ihrem Geschlechtsteil
  gewesen, er habe sie überall angefasst, ihr die Hose ausgezogen. Er habe
  eigentlich ein «komplettes Vorspiel» mit ihr gemacht; er sei mit seiner Zunge
  bei ihrem Geschlechtsteil gewesen und hätte «herumgeschleckt», mit seinen
  Händen sei er nicht nur aussen, sondern auch innen gewesen (er sei mit seinem
  Finger «hineingegangen») und er habe ihr die Hose und das T-Shirt ausgezogen;
  den BH habe er ihr aber nie ausgezogen, er habe ihr einfach unter diesem an
  die Brüste gegriffen. Die Unterhose habe er ihr bis zu den Knien
  heruntergezogen und die Hose ganz oder auch nur bis zu den Knien. Der
  Beschuldigte habe sich nie ausgezogen und sie habe bei ihm auch nie «etwas»
  berühren müssen. Sie habe auch nicht mitbekommen, dass er an sich selber
  etwas «gemacht» hätte. Er habe sie nicht nur mit seinen Fingern betatscht,
  sondern sei damit auch in ihr Geschlechtsteil eingedrungen; auch mit der
  Zunge. Dies sei mehrere Male so gewesen; sie könne aber nicht genau sagen
  wieviel Male, sie habe nicht wirklich mitgezählt (act. 2/1/4, CD,
  9:47:11-9:48:02, 9:48:49-9:50:03, 9:53:00-9:54:52 und 10:04:35-10:06:13;
  act. 2/1/1 S. 7 f.). Während den Übergriffen habe der
  Beschuldigte zu ihr nie etwas gesagt (act. 2/1/4, CD, 10:02:10-10:02:30;
  act. 2/1/1 S. 8). 

  
	
   

  
	
  4.3.3. Es sei zu solchen Handlungen
  seitens des Beschuldigten gekommen, wenn sie alleine gewesen seien. Sie könne
  sich noch erinnern, dass die Übergriffe teilweise aber auch passiert seien,
  als sie mit ihm im Wohnzimmer und ihre Patentante gleich nebenan in der Küche
  gewesen sei. Auch sei es zu solchen Vorfällen gekommen, wenn sie (C.______)
  alleine mit dem Beschuldigten im Wohnzimmer und ihre Patentante im oberen
  Stock am Bügeln gewesen sei. Sie (Patentante) habe es nicht gemerkt; es habe
  nie jemand mitbekommen und da sie nicht geredet habe, hätte es auch niemand
  vermuten können (act. 2/1/4, CD, 9:48:49-9:50:03 und 9:54:57-9:57:42).
  Sie könne sich noch an einen Vorfall erinnern, der sich an irgendeinem
  Familienfest abgespielt hätte. Sie sei in ihrem Zimmer gewesen, sie wisse
  nicht mehr warum, und plötzlich sei er im Zimmer gestanden. Er sei dann bei
  ihr gewesen und habe «das» auch wieder gemacht und niemand habe es
  mitbekommen. Sie sei zunächst von ihm weggelaufen, er sei ihr dann
  nachgegangen. Sie habe nicht reden können; sie sei wie in sich selber
  gefangen gewesen; sie habe sagen wollen, er solle sie in Ruhe lassen, aber
  sie habe Angst gehabt und hätte gar nicht gewusst, was er da genau mache und
  auch nicht, dass er dies gar nicht machen dürfe (act. 2/1/4, CD,
  9:54:57-9:57:42; act. 2/1/1 S. 8).

  
	
  Als
  weiteres Beispiel nannte C.______, dass sie bei ihm zuhause gewesen sei und
  auf dem Sofa liegend ferngesehen habe. Er sei gekommen und habe sich neben
  sie gesetzt. Irgendwann sei er dann zu ihr rübergekommen. Danach habe er
  angefangen sie zu betatschen; das T-Shirt ausgezogen, die Hose ausgezogen.
  Sie sei dann irgendwann aufgestanden und zu einem Sofahocker gelaufen und
  habe sich dort hingesetzt, weil sie das nicht wollte. Er sei dann zu ihr
  gekommen und habe sie hochgehoben und anders hingesetzt bzw. positioniert, so
  dass sie zum Fernseher hin mit dem Rücken zu ihm auf seinen Knien gesessen
  habe. Er habe ihr dann das T-Shirt ausgezogen, sie aber nicht geschlagen oder
  festgehalten. Sie sei dann wieder weggelaufen und er sei ihr abermals gefolgt.
  Sie sei dann immer von Ort zu Ort weggelaufen und er sei ihr immer gefolgt.
  Die Vorfälle seien immer etwa gleich abgelaufen; betatschen, T-Shirt und Hose
  ausziehen, mit seiner Zunge… Am Anfang sei sie nicht weggelaufen, weil sie
  nicht gewusst habe, was sie machen sollte, erst mit der Zeit habe sie dies
  getan (act. 2/1/4, CD, 10:02:50-10:04:34 und 10:20:27-10:22:00;
  act. 2/1/1 S. 8).

  
	
   

  
	
  4.3.4.
  Die Vorfälle
  hätten sich an verschiedenen Orten ereignet; oft im Wohnzimmer des
  Beschuldigten. Als weiteres Beispiel gab C.______ an, sie (Familie von
  C.______ und die Familie des Beschuldigten) seien im Frühling 2005 zwei
  Wochen lang in [...] in den Ferien gewesen und hätten dort die Mutter des
  Beschuldigten besucht. Ihre Familie hätte in einer Ferienwohnung gewohnt. Der
  Vorfall habe sich in der Küche der Mutter des Beschuldigten ereignet, als die
  anderen im Wohnzimmer gesessen hätten und sie in der Küche etwas Süsses habe
  holen wollen. Er sei dann auch in die Küche gekommen und habe sie auf den
  Mund, den Bauch, eigentlich überall dort, wo es gegangen sei, geküsst und
  unter dem T-Shirt «betatscht». Dies habe er mehrere Male gemacht. Er habe sie
  ohne Zunge geküsst; so wie man einem Kind zum Abschied einen Kuss gibt,
  einfach länger. Er habe sie von hinten gehalten und sich über sie gebeugt und
  sie geküsst. Erneut gab sie an, dass es mindestens einmal in ihrem Zimmer zu
  einem Vorfall gekommen sei (act. 2/1/4, CD, 10:06:18-10:07:53 und
  10:26:02-10:30:00; act. 2/1/1 S. 8). 

  
	
  Einmal sei
  sein Sohn hereingekommen, der habe das aber nicht verstanden, da dieser
  damals noch sehr jung gewesen sei. Ob sonst noch jemand einmal hereingekommen
  sei, wisse sie nicht genau. Sie wisse nicht mehr, wie lange diese Vorfälle
  jeweils gedauert hätten, sie habe während der Vorfälle auch kein Zeitgefühl
  gehabt und das alles sei schon sehr lange her. Er habe jeweils von sich aus
  wieder aufgehört. Er habe sie dann wieder angezogen; ihr die Hose hochgezogen
  und zugemacht; das T-Shirt habe sie meistens selber wieder angezogen. Er habe
  danach nichts mehr gesagt, sondern habe den Raum verlassen und sich so
  verhalten als sei nichts gewesen (act. 2/1/4, CD, 10:23:03-10:26:02).

  
	
   

  
	
  4.3.5. Sie (C.______) habe nicht gewusst,
  ob er dies dürfe oder nicht. Sie hätte irgendwie auch keinen Mut gehabt, es
  der Mutter zu erzählen. Sie sei wie «gefangen in sich selber» gewesen;
  irgendwie möchte man reden, aber man könne nicht; man wisse ja auch nicht, ob
  er dies dürfe. Sie sei mit dieser Situation völlig überfordert gewesen. Am
  Anfang habe sie eigentlich nichts gefühlt, da sie nicht gewusst habe, ob er
  dies dürfe. Als sie begonnen habe, von ihm wegzulaufen, habe sie gedacht,
  dass es sie störe und dass sie das gar nicht wolle. Aber sie hätte nicht den
  Mut gehabt, etwas zu sagen. Sie habe sich auch gefragt, was wäre, wenn sie es
  erzähle und sie nachher alle auslachen und sagen würden, dass er dies ja
  dürfe. Sie habe sich auch geschämt, dass sie nicht gewusst habe, ob er dies
  machen dürfe (act. 2/1/4, CD, 9:50:07-9:53:00 und 9:54:57-9:57:42). Auf
  der anderen Seite sei da ihre Patentante gewesen; was würde mit ihr und ihren
  Kindern passieren, wenn sie (C.______) es sagen würde. Das alles habe sie
  eingeengt und sie sei in sich gefangen gewesen, so dass sie nichts gesagt
  habe; sie habe versucht, alles zu verdrängen. Sie habe mehr Angst davor
  gehabt, etwas zu sagen als nichts zu sagen; wenn sie nichts sagen würde,
  hätte ihre Patentante noch ihr Leben mit Mann und Kindern und sie (C.______)
  würde nicht ausgelacht werden oder man würde ihr nicht «nicht glauben». Das
  Verhältnis zum Beschuldigten sei eigentlich sehr gut gewesen, da er der Mann
  ihrer Patentante gewesen sei; auch ihre Eltern hätten sich sehr gut mit ihm
  verstanden und die beiden Familien hätten oft etwas zusammen unternommen;
  eigentlich sei es wirklich gut gewesen, familiär (act. 2/1/4, CD,
  10:30:00-10:33:04).

  
	
   

  
	
  4.3.6. Irgendwann 2006, im Sommer, sei
  ihre Cousine E.______ völlig aufgelöst zu ihr gekommen und habe ihr erzählt,
  er (der Beschuldigte) habe ihr (E.______) in die Hose greifen wollen. Sie
  (C.______) wisse nicht mehr, was sie E.______ alles erzählt habe, sie wisse
  aber, dass sie ihr nicht alles erzählt habe. Dann habe E.______ gesagt, dass
  sie es den Eltern sagen sollen (act. 2/1/4, CD, 9:44:25-9:45:20 und
  9:57:42-10:00:05; act. 2/1/1 S. 7). In diesem Moment sei ihr zum
  ersten Mal bewusst geworden, dass er etwas gemacht habe, was er nicht hätte
  tun dürfen und sie sich eigentlich schon viel früher hätte wehren dürfen.
  Danach seien sie zu ihren Eltern gegangen und E.______ habe diesen erzählt,
  dass er (der Beschuldigte) sie betatscht habe. Aber bei ihr (C.______) sei ja
  noch viel mehr passiert; sie habe aber nicht reden können oder wollen, sie
  sei wie in ihrer eigenen Welt gewesen, wenn es um «das» gegangen sei. Darum
  seien die Eltern immer davon ausgegangen, dass es nur um das «Betatschen»
  gegangen sei. Dort habe es angefangen, dass sie (C.______) mit gar niemandem
  mehr darüber geredet habe. Ihre Eltern hätten den Beschuldigten dann
  angesprochen und ihm gesagt, sie wüssten, was er mit den Mädchen gemacht
  habe. Er habe dann gesagt, er wisse, dass er dies nicht hätte tun dürfen. Sie
  (C.______) sei bei diesem Gespräch aber nicht dabei gewesen, ihre Eltern
  hätten ihr das erzählt. Der Beschuldigte habe dann eine Therapie gemacht; sie
  habe seit damals keinen Kontakt mehr zu ihm; es sei nichts mehr vorgefallen.
  Der Beschuldigte habe ihr auch einmal einen Brief geschrieben, wahrscheinlich
  aus der Therapie, sie habe keine Ahnung. Sie wisse aber nicht, was
  darinstehe, da sie den Brief nie geöffnet habe (act. 2/1/4, CD,
  9:45:23-9:46:48, 9:57:42-10:00:05 und 10:00:53-10:02:04; act. 2/1/1
  S. 7 f.).

  
	
   

  
	
  4.3.7.
  Sie habe während
  der Übergriffe gar nichts gefühlt. Man sei – zumindest sie – wie in sich
  selber gefangen und wisse nicht, was machen. Sie sei völlig überfordert
  gewesen. Gefühlt habe sie erst vor einem Jahr etwas, als alles wieder
  hochgekommen sei im Zusammenhang mit ihrem damaligen Freund. Zuvor habe sie
  nichts gefühlt; sie sei wie leblos gewesen (act. 2/1/4, CD,
  10:04:35-10:06:13). Als sie letztes Jahr mit ihrem Freund das «erste Mal»
  gehabt habe, sei das Ganze wieder hochgekommen; sie habe Angst gehabt, dieser
  könnte wieder etwas machen, was sie nicht wolle und sie könnte dann erneut
  nicht reden. Da habe sie gemerkt, dass ihr das Ganze mit ihrem Onkel mehr
  ausgemacht habe, als sie früher gedacht habe (act. 2/1/4, CD,
  9:50:07-9:53:00; act. 2/1/1 S. 7). Im Herbst (des letzten Jahres)
  habe sie alles zuhause erzählt. Sie hätte Hemmungen gehabt, zu ihrer Mutter
  zu gehen. Für sie sei es damals fast so gewesen, als ob sie (Eltern) alles
  vergessen hätten. Er (Beschuldigter) sei damals «immer mehr» bei ihnen
  gewesen, um seine Kinder abzuholen, welche manchmal bei ihnen gewesen seien.
  Sie hätte jeweils nicht gewusst, dass er komme, und sei ihm dann jedes Mal im
  Restaurant «in die Arme gelaufen». Dies habe ihr das Gefühl gegeben, als ob
  alles wieder gut und vergessen wäre für ihre Eltern, darum habe sie sich gar
  nicht getraut, ihren Eltern etwas zu sagen, insbesondere, dass es sie störe,
  wenn er immer bei ihnen im Restaurant sei. Sie habe dann mit einem Kollegen darüber
  gesprochen und dieser habe ihr gesagt, sie solle ihrer Mutter sagen, dass es
  sie störe, wenn der Beschuldigte immer bei ihnen zuhause sei. Irgendwann habe
  sie dann mit ihrer Mutter darüber geredet und sie habe ihr dann alles
  erzählen können (act. 2/1/4, CD, 10:34:50-10:37:14; act. 2/1/1
  S. 8 f.).

  
	
   

  
	
  4.3.8. Sie habe eine Anzeige gemacht, weil
  sie sich schuldig fühlen würde, wenn er dies wieder einmal tun würde. Wenn
  sie ihn anzeige, sei das alles schon bekannt, wenn wieder einmal etwas wäre.
  Es sei langsam Zeit, dass er dafür Verantwortung übernehmen müsse; gegenüber
  ihr habe er ja nie Verantwortung übernommen. Sie fühle sich nicht so gut,
  wenn sie an all dies zurückdenke; es belaste sie auch ziemlich; bei jedem
  Kuss mit ihrem Freund denke sie an das, was mit dem Beschuldigten gewesen
  sei. Sie wolle damit abschliessen; dass sie heute hier sei, sei wie der erste
  Schritt, um dies alles verarbeiten zu können (act. 2/1/4, CD,
  10:37:20-10:38:50; act. 2/1/1 S. 9). Sie wünsche sich, dass er zur
  Verantwortung gezogen werde und dass sie sagen könne, sie habe alles getan,
  falls es nochmals passieren würde. Sie wünsche sich zudem, dass ihre
  Patentante und die Kinder möglichst wenig vom Ganzen mitbekommen würden. Es
  sei nicht nötig, dass seine Kinder das alles jetzt schon erfahren würden, da
  sie noch relativ klein seien. Sie (Kinder) hätten ein gutes Bild von ihrem
  Vater und sie wolle dies nicht zerstören. Sie sei aber erleichtert, dass sie
  heute alles erzählt habe (act. 2/1/4, CD, 10:40:48-10:42:35;
  act. 2/1/1 S. 9).

  
	
   

  
	
  4.4. Einvernahme von C.______ vom
  21. Februar 2018 

  
	
  4.4.1. C.______ wurde am
  21. Februar 2018 von der Staatsanwaltschaft als Auskunftsperson
  einvernommen; von dieser Einvernahme existiert auch eine Aufzeichnung auf DVD
  (act. 2/14/1-2; der Verteidiger konnte der Befragung via Monitor
  beiwohnen). Die Aussagen von C.______ anlässlich der Einvernahme vom
  21. Februar 2018 entsprechen weitestgehend jenen in der
  polizeilichen Befragung vom 9. Februar 2012. Auch anlässlich ihrer
  Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft gab sie an, sie könne sich nicht mehr
  genau erinnern, wann die sexuellen Übergriffe des Beschuldigten angefangen
  hätten, irgendwann zwischen 2004 und 2006 (act. 2/14/2, CD,
  09:43:25-09:43:54; act. 2/14/1 S. 2). Sie wisse nicht, wann genau
  im Jahr 2004 es angefangen habe. Erneut gab sie an, das Einzige, was sie noch
  wisse, sei, dass sie im Frühling 2005 in [...] in den Ferien gewesen seien;
  dort hätten sie die Familie des Beschuldigten besucht. Zu diesem Zeitpunkt
  sei es schon seit einer gewissen Zeit zu den sexuellen Übergriffen gekommen;
  sie konkretisierte gegenüber ihrer ersten Einvernahme, dass es vor den Ferien
  in [...] nicht einfach 1-3 Mal zu Übergriffen gekommen sei, sondern es sei
  schon eine Zeit gelaufen. Erneut gab sie an, das Ganze habe in den Sommerferien 2006
  aufgehört, als ihre Cousine (E.______) das angesprochen habe
  (act. 2/14/2, CD, 09:47:46-09:49:06; act. 2/14/1 S. 3).

  
	
   

  
	
  4.4.2.  Auch zum Ablauf der jeweiligen
  sexuellen Handlungen und wie es zu diesen gekommen sei, äusserte sich
  C.______ im Wesentlichen wie bei der Polizei: Angefangen habe alles, mit so
  «chräbbelen» und kitzeln seitens des Beschuldigten. Irgendwann sei dann
  wirklich mehr gewesen, dann habe er unter ihr T-Shirt gegriffen, ihre Brüste
  angefasst; dann habe er angefangen Küsse zu geben, sei es auf den Mund, auf
  die Brüste, auf den Bauch. Irgendwann habe er ihr dann auch wirklich zwischen
  die Beine gefasst und mit den Händen … Irgendwann sei es weitergegangen und
  er habe ihr die Hose ausgezogen; also zum Teil einfach nur die Knöpfe
  aufgemacht und dann halt mit den Händen dazwischen runtergefasst, teilweise
  habe er die Hose aber wirklich ausgezogen. Irgendwann sei es dann wirklich
  sogar noch weitergegangen und er habe ihr wirklich alles ausgezogen und habe
  sie überall mit seinem Mund und seiner Zunge berührt, halt auch zwischen den
  Beinen. Er habe auch