# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77d89def-3fee-53ea-b456-0b231f4bd4dc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 23.07.2019 LB180010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LB180010_2019-07-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Zivilkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: LB180010-O/U-An-1 
damit vereinigt Geschäfts-Nr. LB180053 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Diggelmann, Vorsitzender, Oberrichterin 

lic. iur. A. Katzenstein und Oberrichter lic. iur. Dr. P. Higi sowie Ge-

richtsschreiberin MLaw M. Schnarwiler 

Urteil vom 23. Juli 2019 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Klägerin 

 

vertreten durch Dipl. Ing. ETH B._____,  

 

gegen 

 

1. C._____,  
2. D._____,  
Beklagte 

 

2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

betreffend güterrechtliche Auseinandersetzung / Erbteilung 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen vom 7. Dezember 
2017; Proz. CP070001 
 
 

- 2 - 

Rechtsbegehren (vgl. act. 3 S. 2): 

1. Es sei festzustellen, dass die Beklagte 2 über ihre Vorbezüge 
und "Schenkungen" des Erblassers bisher falsche Angaben ge-
macht und deren Überprüfung erschwert hat, wodurch sie die 
Teilung des Nachlasses widerrechtlich verzögert und damit den 
Miterben erheblichen Schaden zugefügt hat, zu dessen Ersatz 
sie zu verpflichten ist. 

2.  Der Nachlass des Erblassers sei per Urteilstag festzustellen. 

3. Die Beklagte sei zu verpflichten, sämtliche Vermögenswerte, die 
sie sich aus dem Nachlass des Erblassers angeeignet oder die 
sie erhalten hat, wegen Erbunwürdigkeit herauszugeben. 

4. Der Nachlass des Erblassers sei zu teilen. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklag-
ten. 

 
 

Anträge der Beklagten 2 an das Bezirksgericht (vgl. act. 36 S. 2): 

1. Es seien Aktiven und Passiven im Nachlass E._____, geb. 
tt. Juni 1901, verstorben am tt.mm.1984, festzustellen. 

2.  Eventualiter seien ausgleichungspflichtige lebzeitige Zuwendun-
gen an die Parteien sowie Bezüge der Parteien nach dem Able-
ben des Erblassers festzustellen und zu den Nachlässen hinzu-
zurechnen. 

3. Es seien die Erbquoten der Parteien festzustellen und diese 
Quoten den Erben zuzuweisen. 

4. Es seien die Rechtsbegehren der Klägerin insoweit vollumfäng-
lich abzuweisen, als sie den Rechtsbegehren der Beklagten 2 
widersprechen. 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin. 
 

Keine Anträge zur Sache hat der Beklagte 1 gestellt. 

- 3 - 

Urteil des Bezirksgerichtes 
(vgl. act. 496 S.155 ff. ): 

1. Es wird festgestellt, dass die Beklagte 2 erbunwürdig ist. 

2. Es wird festgestellt, dass der Nachlass des am tt.mm.1984 verstorbenen 
E._____ per November 2001 CHF 1'066'323.19 zuzüglich zwei Drittel der Zin-
sen auf den Betrag von CHF 45'000 ab dem 20. August 1982 bis und mit 
6. September 1982, auf den Betrag von CHF 74'000 für den 7. September 
1982, auf den Betrag von CHF 82'000 für den 8.-9. September 1982, auf den 
Betrag von CHF 123'000 ab dem 10. September 1982 bis und mit 14. Sep-
tember 1982, auf den Betrag von CHF 115'000 für den 15. September 1982, 
auf den Betrag von CHF 107'000 ab dem 16. September 1982 bis und mit 
13. Mai 1986 sowie auf den Betrag von CHF 102'000 ab dem 14. Mai 1986, 
jeweils berechnet jährlich auf den 15. August, erstmals auf den 15. August 
1983, zum jeweiligen Zinsfuss der Zürcher Kantonalbank für Anlagehefte, so-
wie abzüglich der am 7. Juli 1986 geleisteten Zinszahlung von CHF 300, be-
trug. 

3. Die Beklagte 2 wird verpflichtet, dem Erbenvertreter des Nachlasses des am 
tt.mm.1984 verstorbenen E._____, das Notariat Thalwil, die ausstehende Dar-
lehensvaluta von CHF 102'000 zuzüglich Zins auf den Betrag von CHF 45'000 
ab dem 20. August 1982 bis und mit 6. September 1982, auf den Betrag von 
CHF 74'000 für den 7. September 1982, auf den Betrag von CHF 82'000 für 
den 8.-9. September 1982, auf den Betrag von CHF 123'000 ab dem 
10. September 1982 bis und mit 14. September 1982, auf den Betrag von 
CHF 115'000 für den 15. September 1982, auf den Betrag von CHF 107'000 
ab dem 16. September 1982 bis und mit 13. Mai 1986 sowie auf den Betrag 
von CHF 102'000 ab dem 14. Mai 1986, jeweils berechnet jährlich auf den 
15. August, erstmals auf den 15. August 1983, zum jeweiligen Zinsfuss der 
Zürcher Kantonalbank für Anlagehefte, sowie abzüglich der am 7. Juli 1986 
geleisteten Zinszahlung von CHF 300 zu bezahlen. 

4. Der Erbenvertreter wird angewiesen, den Nachlass des am tt.mm.1984 ver-
storbenen E._____ im Umfang von 9/32 an die Klägerin, im Umfang von 9/32 
an die Erbengemeinschaft des am tt.mm.2011 verstorbenen Beklagten 1 und 
im Umfang von 7/16 an die Erbengemeinschaft der am tt.mm.1988 verstorbe-
nen F._____ auszubezahlen. 

5. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 

- 4 - 

6. Die Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) wird angesetzt auf: 

CHF 40'000.00; die Barauslagen betragen: 
CHF      328.00 Zeugengelder 

7. Die Gerichtskosten werden im Umfang von 4/5 der Beklagten 2 und im Um-
fang von 1/5 der Klägerin auferlegt. Der der Klägerin auferlegte Teil der Ge-
richtskosten wird mit den von ihr geleisteten Vorschüssen verrechnet. 

8. Die Beklagte 2 wird verpflichtet, Rechtsanwalt C._____ als Prozessstand-
schafter der Erben des Beklagten 1 eine reduzierte Prozessentschädigung 
von CHF 8'000 zuzüglich 8 % MWST zu bezahlen. 

9. Die Beklagte 2 wird verpflichtet, der Klägerin eine auf 3/5 reduzierte Prozess-
entschädigung von CHF 27'120 zuzüglich 8 % MWST für die anwaltliche Ver-
tretung zu bezahlen. 

(10. / 11. Mitteilung und Rechtsmittelbelehrung.) 
 

Berufungsanträge 

zur Erstberufung: 
 
der Klägerin und Erstberufungsklägerin (sinngemäss; vgl. act. 495): 
 

1. Das Urteil vom 7. Dezember 2017 sei bezüglich Ziffer 1 der Klage vom 
29. Mai 2007 aufzuheben, die Sache sei zur Behebung des gerügten Mangels 
an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. act. 495 S. 4). 

2. Die güterrechtliche Teilung sei aufzuheben und neu durchzuführen; dabei sei 
das Grundstück der Ehefrau zu einem Anrechnungswert von Fr. 1'320'000.- 
zuzuweisen; 
andernfalls müssten entweder beide Nachlässe gemeinsam geteilt oder die 
Akten nach Rückweisung an die Vorinstanz durch diese ergänzt werden (vgl. 
act. 495 S. 6 f.). 

3. Die Beklagte habe Fr. 9'634.20 ab April 1990 bis zum Urteilstag mit 5 % zu 
verzinsen und Fr. 77'000.- zu 5 % ab dem tt.mm.1984 bis zum Urteilstag (vgl. 
act. 495 S. 8). 

4. Die von der Vorinstanz vorgenommene erbrechtliche Teilung des väterlichen 
Nachlasses sei aufzuheben und es sei die Sache zur Ergänzung des Verfah-
ren und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. act. 495 
S.  9). 

- 5 - 

5. Die Kosten des (bisherigen) erstinstanzlichen Verfahrens seien vollumfänglich 
der Beklagten 2 aufzuerlegen (vgl. act. 495 S. 10). 

6. Dem Nachlass von G._____ sei keine Entschädigung zuzusprechen (vgl. 
a.a.O.). 

7. Der Klägerin sei für das (bisherige) erstinstanzliche Verfahren eine Parteient-
schädigung von Fr. 200'000.- zuzusprechen (vgl. a.a.O.).  

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten 2. 

 
des Beklagten 1 und Erstberufugsbeklagten 1 (vgl. act. 512): 
 
Es wurden keine Anträge gestellt. 
 
der Beklagten 2 und Erstberufungsbeklagten 2 (vgl. act. 511 S. 2): 
 

1. Die Berufungsanträge der Klägerin vom 5. März 2018 seien abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten ist. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin. 

 
 
zur Zweitberufung: 
 
der Beklagten 2 und Zweitberufungsklägerin (vgl. act. 516/497 S. 2 f.): 
 

1. Ziffer 1 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 7. Dezember 2017 
(CP070001/U/MR) sei aufzuheben und es sei auf das Begehren betreffend 
Feststellung der Erbunwürdigkeit der Beklagten 2 nicht einzutreten, eventuali-
ter sei dieses Begehren abzuweisen. 

2.  Ziffer 2 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 7. Dezember 2017 
(CP070001/U/MR) sei aufzuheben und es sei stattdessen festzustellen, dass 
der Nachlass des am tt.mm.1984 verstorbenen E._____ per November 2001 
CHF 1'014'989.86 zuzüglich zwei Drittel des Zinses (zum jeweiligen Zinsfuss 
der Zürcher Kantonalbank für Anlagehefte) auf CHF 25'000.00 vom 20. Au-
gust 1982 bis tt.mm.1984 betrug. 

3. Ziffer 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 7. Dezember 2017 
(CP070001/U/MR) sei aufzuheben. 

4. Ziffer 4 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 7. Dezember 2017 
(CP070001/U/MR) sei aufzuheben und es sei der Erbenvertreter stattdessen 
anzuweisen, den Nachlass des am tt.mm.1984 verstorbenen E._____ im Um-
fang von 3/16 an die Klägerin, im Umfang von 3/16 an die Erbengemeinschaft 
des am tt.mm.2011 verstorbenen Beklagten 1 und im Umfang von 3/16 abzüg-
lich Darlehensschuld von 25'000.00 und Zins auf ebendiesen Betrag vom 20. 

- 6 - 

August 1982 bis tt.mm.1984 zum jeweiligen Zinsfuss der Zürcher Kantonal-
bank für Anlagehefte an die Beklagte 2 auszubezahlen. 

5. Ziffer 6, 7, 8 und 9 des Entscheids des Bezirksgerichts Horgen vom 7. De-
zember 2017 (CP070001/U/MR) seien aufzuheben und es seien stattdessen 
die Gerichtskosten des erstinstanzlichen Verfahrens der Klägerin aufzuerle-
gen und es sei die Klägerin zu verpflichten, der Beklagten 2 eine Prozessent-
schädigung von mindestens CHF 45'200.00 zuzüglich MwSt und dem Pro-
zessstandschafter des Beklagten 1 eine Entschädigung nach freiem Ermes-
sen des Gerichts zu bezahlen. 

6. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens seien der Klägerin aufzuerlegen und 
es sei diese zu verpflichten, der Beklagten 2 eine angemessene Prozessent-
schädigung zu bezahlen. 

 
des Beklagten 1 und Zweitberufungsbeklagten 1 (vgl. act. 516/533): 
 
Es wurden keine Anträge gestellt. 
 
 
 
der Klägerin und Zweitberufungsbeklagten 2 (sinngemäss; vgl. act. 516/534) 
 
Die Zweitberufung sei abzuweisen, unter Prozesskostenfolge zu Lasten der Beklagten 2. 
 
 

Erwägungen: 

I. 
(Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte) 

1. Das Ehepaar E._____ und F._____ hatte drei Kinder, nämlich den im Jahr 
1936 geborenen G._____, die 1943 geborene A._____ sowie die 1945 geborene 

D'._____ bzw. D._____. A._____ führt seit ihrer Verheiratung den Familiennamen 

ihres Ehemannes. Die ebenfalls verheiratete D._____ hat ihren Ledigennamen 

behalten und führt als Familiennamen den ihres Ehemannes. 

1.1 - 1.1.1 E._____ verstarb anfangs mm.1984, F._____ im mm.1988; für ihren 
Nachlass besteht eine Erbenvertretung (vgl. etwa act. 448 und 450). Die Ehegat-

ten hatten zu Lebzeiten mehrere letztwillige Verfügungen errichtet, so am 5. bzw. 

- 7 - 

6. November 1981 je ein Testament, in dem sie die drei Kinder zu Gunsten des 

jeweils überlebenden Ehegatten auf den Pflichtteil setzten. Am 14. November 

1983 errichteten die Ehegatten je eine öffentliche letztwillige Verfügungen, mit 

welcher der jeweils überlebende Ehegatte – abweichend von früheren Verfügun-

gen – die gesamte verfügbare Quote D._____ vermachte. Zuvor, nämlich am 

4. November 1983, hatten die Ehegatten auch einen Ehevertrag geschlossen. 

Dieser war jedoch unbestrittenermassen gemäss einem Urteil des Obergerichtes 

des Kantons Zürich vom 20. Oktober 1995 nichtig (vgl. act. 3 S. 12 [Ziff. 35] und 

S. 16 [Ziff. 45.1 - 45.2] sowie act. 36 S. 2 f. sowie S. 18 und S. 20). 

1.1.2 Die Ziffer II der letztwilligen Verfügung von E._____ hatte folgenden Wort-
laut (vgl. act. 37/1 S. 2 - 4, act. 56 S. 28 - 30): 

Auf mein Ableben hin verfüge ich als meinen letzten Willen was folgt: 

A) Falls ich vor meiner Ehefrau F._____ sterbe, gilt: 

Ich vermache meiner Ehefrau die lebenslange Nutzniessung an meinem Nachlass im gesetzlich höchstzu-
lässigen Umfang. 
Zusätzlich erhält sie die ganze frei verfügbare Quote meiner Erbschaft zu Eigentum; und zwar auch 
dann, wenn sie auf die Nutzniessung verzichtet und ihr gesetzliches Erbrecht wählt. 
Im Sinne einer Teilungsvorschrift ist meine Ehefrau berechtigt, im Erbteilungsverfahren nach freier 
Wahl Vermögenswerte zu Alleineigentum (insbesondere auch meine Liegenschaft H._____-str. …, 
I._____, Kat. Nr. 1, Grundbuchblatt 2) auf Anrechnung an ihre güter- und erbrechtlichen Ansprüche zu 
übernehmen. Die Anrechnungswerte sind durch den Willensvollstrecker verbindlich festzusetzen. 

B) Falls ich gleichzeitig mit oder nach meiner Ehefrau F._____ sterbe, gilt: 

1. Jedes meiner drei Kinder erhält einen Vierteil meiner Erbschaft zu Eigentum. 
An die Stelle vorverstorbener Kinder treten ihre Nachkommen, und zwar in allen Graden nach 
Stämmen. 

2. Erbeinsetzung 
Bezüglich des letzten Vierteils meiner Erbschaft, d.h. der frei verfügbaren Quote meines Nachlasses, 
setze ich meine Tochter D._____, geb. tt.6.1945, als Erbin ein. 
Meine Tochter D._____ soll von meiner Erbschaft soviel an Eigentum erhalten, als das Gesetz mir er-
laubt, ihr maximal zuzuwenden. 
Diese Erbeinsetzung zu .Gunsten meiner Tochter D._____ bezüglich der gesamten frei verfügbaren 
Quote meiner Erbschaft treffe ich wegen ihrer Krankheit (MS) und der damit verbundenen zu erwar-
tenden hohen Kosten (Krankheits-, Invaliditäts- und Lebenskosten usw. – auch Lebensunterhaltskos-
ten bei Arbeitsunfähigkeit usw. –). 
Ich hoffe, dass G._____ und A._____ geb. … [Ledigname] diese Fürsorge für meine Tochter 
D._____ verstehen. 

- 8 - 

3. Falls bei meinem Ableben noch bewegliche Sachen vorhanden sein sollten, sind sie vom Willensvoll-
strecker meinen drei Kindern nach ihren Wünschen auf Anrechnung an ihre unter Ziffer 1 vorn, fest-
gesetzten Vierteile zuzuteilen; wobei die Anrechnungswerte und auch die Zuteilung selber bei Diffe-
renzen unter den Kindern vom Willensvollstrecker verbindlich festzusetzen sind. 

C) Ich befreie meine Nachkommen ausdrücklich von jeder gegenseitigen Ausgleichungspflicht gemäss 
Art. 626 Abs. 2 ZGB. Auch die von mir aufgewendeten Erziehungs- und Ausbildungskosten, die das üb-
liche Mass überstiegen haben, sind von meinen Nachkommen ausdrücklich nicht auszugleichen, vgl. 
Art. 631 Abs. 1 ZGB. 
Ich mache in diesem Zusammenhang folgende Feststellungen: 

a) Mein Sohn G._____, geb. tt.1.1936, hat bis zu seinem 25. Altersjahr bei den Eltern im Hause gelebt 
und es wurde bis dahin alles für ihn durch mich bezahlt. Vom 25. bis zum 31. Altersjahr hat er mo-
natlich ca. Fr. 200.-- bis Fr. 300.-- von mir erhalten. 

b) Meine Tochter A._____ geb. … [Ledigname], geb. tt.7. 1943, hat bis zu ihrem 26. Altersjahr bei den 
Eltern im Hause gelebt. Ich bezahlte ihr das ganze Studium inkl. das Reiten und das Auto und über-
dies die Hochzeitskosten sowie einen Anteil der Aussteuer. 

c) Meine Tochter D._____, geb. tt.6. 1945, hat bis zu ihrem 25. Altersjahr bei den Eltern zu hause ge-
lebt. Ich bezahlte ihr nur ein Jahr ihres Studiums. Nach dem 25. Altersjahr lebte sie weiterhin im 
Hause der Eltern und erhielt ein Zimmer und das Frühstück als Kompensation für ihre Mitarbeit in 
Haus und Garten. D._____ hat uns immer wieder wertvolle Geschenke gemacht. 

D) Zu meinem Willensvollstrecker ernenne ich Herrn J._____, … [Adresse]. 
Als Ersatzwillensvollstrecker (bei Verhinderung oder Ablehnung des Mandats) bezeichne ich die Zür-
cher Kantonalbank in Zürich. 

E) Alle meine früheren letztwilligen Verfügungen sind hiermit aufgehoben. 

1.1.3 Wegen der Umstände, unter denen es zu den zwei letztwilligen Verfügun-
gen und zum Ehevertrag im November 1983 gekommen war, gab es nach dem 

Tod der Eltern Zwistigkeiten unter den Geschwistern und eine Vielzahl von Ver-

fahren, welche die Gerichte und Behörden beschäftigten. So wurden u.a. im Rah-

men von Strafverfahren bei D._____ Hausdurchsuchungen durchgeführt. So wur-

de etwa auf Klage von G._____ und A._____, die geltend gemacht hatten, 

F._____ sei nicht mehr urteilsfähig gewesen, die im November 1983 errichtete öf-

fentliche letztwillige Verfügung von F._____ von der I. Zivilkammer des Oberge-

richts des Kantons Zürich mit Urteil vom 20. Oktober 1995 aufgehoben (vgl. act. 3 

S. 8 [Ziff. 21], S. 11 [Ziff. 33] und act. 36 S. 15 f. und S. 18). Ein von den Ge-

schwistern am 9. April 1990 über den Nachlass des Vaters geschlossener Erbtei-

lungsvertrag ist unbestrittenermassen – gemäss einem Beschluss des Oberge-

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richtes des Kantons Zürich vom 26. Juni 1996 – wegen Grundlagenirrtums unver-

bindlich (vgl. act. 3 S. 11 [Ziff. 34] und dazu act. 36 S. 3 und S. 18). 

1.2 Gegen Ende Mai 2007 gelangte A._____ mit einer gegen ihren Bruder und ih-
re Schwester gerichteten Klage an das Bezirksgericht Horgen (vgl. act. 3), ver-

langte die Teilung des väterlichen Nachlasses und stellte dabei das Rechtsbegeh-

ren, das diesen Erwägungen vorangestellt ist. 

2. - 2.1 Mit ihrer Klage stellte sich A._____ (fortan nur: die Klägerin) im Wesentli-
chen auf den Standpunkt, ihre Schwester D._____ sei erbunwürdig im Sinn des 

Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB (vgl. act. 3 S. 18). So habe sie den Eltern zu deren 

Lebzeiten vorgespiegelt, sie leide an Multipler Sklerose (vgl. a.a.O.) und dabei 

von den Eltern im Jahr 1982 zwecks Finanzierung einer Eigentumswohnung rund 

Fr. 107'000.- bezogen, was sie im Nachhinein verschleiert habe (vgl. a.a.O., S. 4 

f.). Ferner habe D._____ im Herbst 1983 die nicht mehr urteilsfähige Mutter und 

den bereits vom Tod gezeichneten Vater mit Hilfe eines Freundes bedrängt, sie – 

D._____ – wegen ihres angeblichen Leidens im Umfang der verfügbaren Quote 

zu begünstigen und dann den Notar zum Erstellen entsprechender öffentlicher 

letztwilliger Verfügungen veranlasst (vgl. a.a.O., S. 18). 

 D._____ (fortan nur: die Beklagte 2) beantragte in ihrer Klageantwort im Ok-

tober 2007 unter Hinweis auf eine von ihr eingeleitete Klage auf Teilung des müt-

terlichen Nachlasses, zu deren Behandlung das Bezirksgericht ein Verfahren un-

ter der Prozessnummer CP070002 anlegte, im Wesentlichen die Teilung der 

Nachlässe beider Eltern sowie die Abweisung der Klage, soweit sie den von ihr – 

der Beklagten 2 – gestellten Rechtsbegehren widerspreche (vgl. act. 18 S. 2). 

 Das Bezirksgericht erachtete eine Vereinigung der zwei Verfahren, die zwei 

verschiedene Nachlässe zum Gegenstand hatten, nicht für opportun. Es hielt das 

mit Beschluss vom 18. Februar 2008 fest und gab der Beklagten 2 Gelegenheit, 

ihre Klageantwort (act. 18) zu verbessern bzw. auf die von ihr gestellten Rechts-

begehren bezüglich des väterlichen Nachlasses zu beschränken. Dem kam die 

Beklagte 2 mit Schriftsatz vom 7. April 2008 nach (vgl. act. 36). 

 G._____ enthielt sich einer Klageantwort und eigener Anträge. 

- 10 - 

2.2 Das Bezirksgericht führte in der Folge ein umfangreiches Verfahren durch. Es 
beschränkte dabei zeitweilig die Thematik auf die Frage der Erbunwürdigkeit und 

prüfte danach die weiteren sich stellenden Fragen. Im (schriftlich durchgeführten) 

Hauptverfahren konnten die Parteien deswegen je zwei Mal replizieren und dupli-

zieren (vgl. act. 55 und act. 63 [zur Frage der Erbunwürdigkeit] sowie act. 102 f. 

und act. 168 [zu den übrigen Fragen]) und Stellungnahmen zu Noven abgeben 

(vgl. etwa act. 75 oder act. 232). Während des Hauptverfahrens kam es zu vorge-

zogenen Beweisabnahmen, nach Abschluss des Hauptverfahrens zu weiteren 

Beweiserhebungen, die sich in einem ersten Schritt auf die Thematik der Erbun-

würdigkeit beschränkten und im zweiten Schritt die Klärung der weiteren strittigen 

Fragen bezweckten (vgl. zum Ganzen etwa act. 28, 86A, 122, 255, 284 oder 307 

und 366). Ferner kam es im Verlauf des Verfahrens etwa zu Wechseln in den Ver-

tretungen, zu vielen Fristerstreckungsgesuchen (beispielhaft etwa act. 73 f, 79 f., 

90 - 96, 261, 264 f. oder 315 und 317) und zu prozessualen Anträgen, zu Einspra-

chen gegen Präsidialverfügungen (vgl. etwa act. 165) sowie zu Nebenverfahren 

vor dem Bezirksgericht (wie z.B. über Protokollberichtigungs- und Ausstandsbe-

gehren) oder vor Rechtsmittelinstanzen (zu letzteren siehe etwa act. 64A, 66A, 

72/1 - 2, 235D, 263, 329, 346, 357 - 360). Erfolglos wurden auch Vergleichsge-

spräche geführt. 

 Um Wiederholungen zu vermeiden, ist für Einzelheiten auf die ausführliche 

Prozessgeschichte im angefochtenen Urteil zu verweisen (vgl. act. 496 [= 

act. 484], S. 3 - 24). 

2.3 Eine Erkrankung machte im Herbst 2010 einen Klinikaufenthalt von G._____ 
erforderlich, später die Anordnung einer erwachsenenschutzrechtlichen Mass-

nahme für ihn (vgl. act. 190 f.) und eine Vertretung im Prozess (vgl. dazu etwa 

act. 211). Am tt.mm.2011 verstarb G._____ in K._____ SZ (vgl. act. 238). Über 

seinen Nachlass ordnete das Bezirksgericht Höfe ein öffentliches Inventar an (vgl. 

etwa act. 279) und setzte am 24. Mai 2013 Rechtsanwalt C._____ als Erbenver-

treter ein (vgl. act. 325). Rechtsanwalt C._____ nahm in der Folge an der Stelle 

der Erben von G._____ neu als Beklagter 1 am erstinstanzlichen Prozess teil (vgl. 

auch act. 340). 

- 11 - 

2.4 Am 7. Dezember 2017 fällte das Bezirksgericht sein Urteil (vgl. act. 496 [= act. 
484]), dessen Dispositiv diesen Erwägungen vorangestellt ist. Das Urteil wurde 

den Parteien anfangs Februar 2018 schriftlich eröffnet (vgl. act. 485/1 - 3). 

3. - 3.1 Mit Eingabe vom 5. März 2018 führte die Klägerin Berufung gegen dieses 
Urteil, und es wurde zu deren Behandlung das Verfahren mit der Geschäfts-Nr. 

LB180010 angelegt sowie ein moderater Kostenvorschuss eingeholt, unter dem 

Vorbehalt späterer Erhöhung. Eine Woche nach dem Eingang der Berufung der 

Klägerin ging bei der Kammer eine Berufung der Beklagten 2 gegen das Urteil 

vom 7. Dezember 2017 ein. Zu deren Behandlung wurde das Verfahren unter der 

Geschäfts-Nr. LB180013 angelegt. Es wurde ebenfalls ein moderater Kostenvor-

schuss eingeholt, ebenfalls unter dem Vorbehalt späterer Erhöhung. 

 Die Frage, ob die Berufung der Beklagten 2 rechtzeitig erfolgt war, wurde mit 

einem Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2018 bejahend geklärt. Die 

Behandlung der Berufung der Beklagten 2 durch die Kammer erfolgte danach un-

ter der Geschäfts-Nr. LB180053. 

3.2 Während des bundesgerichtlichen Verfahrens wurde das Verfahren LB180010 
im Einverständnis der Parteien nicht gefördert – auf eine formelle Sistierung des 

Verfahrens wurde verzichtet (vgl. act. 508). In beiden Verfahren wurden danach 

die Berufungsantworten eingeholt und später den jeweiligen Gegenparteien zuge-

stellt, verbunden mit dem Hinweis, der gesetzlich vorgesehene Schriftenwechsel 

sei damit abgeschlossen. 

 Im Verfahren LB180053 wurde der Klägerin zudem Gelegenheit gegeben, 

sich zu einer Noveneingabe der Beklagten 2 zu äussern (vgl. act. 516/531). Die 

Klägerin nahm diese Gelegenheit im Rahmen ihrer Berufungsantwort wahr und 

erhob zugleich Anschlussberufung. Zur Behandlung der Anschlussberufung wur-

de von der Klägerin ein Kostenvorschuss eingeholt. Mit Beschluss vom 22. Janu-

ar 2019 wurde auf die Anschlussberufung nicht eingetreten; die Gerichtskosten 

wurden – unter Inanspruchnahme des von der Klägerin geleisteten Vorschusses – 

der Klägerin auferlegt (vgl. act. 516/538). Parteientschädigungen wurden keine 

zugesprochen. Die Frist für eine Beschwerde gegen diesen Beschluss verstrich 

unbenutzt. 

- 12 - 

3.3 Am 28. März 2019 wurde das Verfahren LB180053 mit dem vorliegenden Ver-
fahren vereinigt (vgl. act. 515 und 516 [Akten des Verfahrens LB180053]), in dem 

die Berufung der Klägerin (act. 495) als Erstberufung behandelt wird, die Beru-

fung der Beklagten 2 (act. 516/497) als Zweitberufung. Für beide Berufungen 

wurde mit Verfügung vom 1. April 2019 der Kostenvorschuss erhöht (vgl. 

act. 517). Die Beklagte 2 leistete den ihr auferlegten Kostenvorschuss von 

Fr. 7'000.- am 10. April 2019 (vgl. act. 519). Die Klägerin leistete ebenfalls einen 

Kostenvorschuss von Fr. 7'000.- (vgl. act. 526). 

 Am. 17. April 2019 wurde der Beizug des Urteils bzw. Beschlusses der I. Zi-

vilkammer des Obergerichts im Verfahren LB170026 i.S. der Parteien veranlasst. 

Die Parteien wurden mit einlässlich begründeter Verfügung vom 18. April 2019, 

auf die zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann, darüber in 

Kenntnis gesetzt; zugleich wurde ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. 

Die Stellungnahme der Beklagte 2 (act. 527) datiert vom 16. Mai 2019, die Stel-

lungnahme der Klägerin (act. 528) vom 20. Mai 2019; der Beklagte 1 hat auf Stel-

lungnahme verzichtet (vgl. act. 525).  

 In ihrer Stellungnahme beschwerte sich die Klägerin über Trölerei u.a. des 

Bundesgerichts und beantragte die Fällung eines Teilurteils zur Frage der Erbun-

würdigkeit (das dann von der unterliegenden Partei an das Bundesgericht weiter 

gezogen werde) sowie die Sistierung des Verfahrens im Übrigen (vgl. act. 528). 

Unter Hinweis u.a. auf Grundsätze zur Wahrung des rechtlichen Gehörs wurden 

die Doppel der Stellungnahmen den jeweiligen Gegenparteien zugestellt (vgl. 

act. 530) und den Beklagten Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Anträgen der 

Klägerin gegeben. Diese verzichteten darauf ausdrücklich. Mit Verfügung vom 

4. Juni 2019 wurde der Antrag der Klägerin auf Fällung eines Teilurteils und an-

schliessende Sistierung des Verfahrens abgewiesen (vgl. act. 534). Zugleich 

wurde den Parteien mitgeteilt, die Sache befinde sich nunmehr in Beratung.      

II. 
(Zur Berufung im Einzelnen) 

1. - 1.1 Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Zivilprozessordnung in Kraft ge-
treten. Für Verfahren, die vor diesem Tag rechtshängig waren, gilt gemäss 

- 13 - 

Art. 404 Abs. 1 ZPO das bisherige Verfahrensrecht bis zum Abschluss vor der be-

troffenen Instanz. Die Klägerin machte ihre Klage gegen Ende Mai 2007 beim Be-

zirksgericht anhängig, weshalb die Klage nach der damals geltenden kantonalen 

Zivilprozessordnung (ZPO/ZH) und den damit verbundenen weiteren Erlassen 

(namentlich das GVG/ZH) zu behandeln war, was bei der allfälligen Beurteilung 

prozessualer Rügen zu beachten sein wird. 

 Für Rechtsmittel gilt das Verfahrensrecht, das bei der Eröffnung des ange-

fochtenen Entscheids in Kraft stand (vgl. Art. 405 Abs. 1 ZPO). Das angefochtene 

Urteil wurde am 7. Dezember 2017 gefällt und den Parteien anfangs Febru-

ar 2018 schriftlich eröffnet, also lange nach dem Inkrafttreten der ZPO. Für die 

von der Klägerin und der Beklagten 2 erhobenen Rechtsmittel und deren Behand-

lung gelten daher die Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung. 

 Beim angefochtenen Urteil handelt es sich um einen erstinstanzlichen End-

entscheid in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit, deren Streitwert nach 

den zuletzt aufrecht gehaltenen Rechtsbegehren Fr. 10'000.- offensichtlich über-

steigt. Das zutreffende Rechtsmittel gegen das Urteil vom 7. Dezember 2017 ist 

daher gemäss Art. 308 ZPO die Berufung. Für das Berufungsverfahren gelten die 

Art. 310 ff. ZPO. 

1.2 - 1.2.1 Mit der Berufung können eine unrichtige Feststellung des Sachverhal-
tes und eine unrichtige Rechtsanwendung der Vorinstanz geltend gemacht wer-

den (Art. 310 ZPO); zu letzterer zählt auch die unrichtige Anwendung des pflicht-

gemässen Ermessens, weshalb das Gesetz dies nicht eigens erwähnt. Gemäss 

Art. 311 Abs. 1 ZPO sind die entsprechenden Beanstandungen von der Berufung 

führenden Partei in der Berufungsschrift einzeln vorzutragen und zu begründen 

(Begründungslast; vgl. dazu BGE 138 III 375 oder OGer ZH, Urteil LB110049 vom 

5. März 2012, E. 1.1 und E. 1.2, je mit Verweisen). Neue Tatsachen und Beweis-

mittel können von ihr dabei nur noch in den Schranken von Art. 317 ZPO vorge-

tragen werden, und zwar auch in Verfahren, die erstinstanzlich noch der Untersu-

chungsmaxime sowie der Offizialmaxime unterstehen (vgl. dazu auch BGE 138 III 

625). 

 An die Begründung der Berufung werden bei Laien keine hohen Anforderun-

gen gestellt. Immerhin muss die Begründung so beschaffen sein, dass der loyale 

- 14 - 

und verständige Leser unschwer und eindeutig verstehen kann, was nach Auffas-

sung der Berufung führenden Partei am angefochtenen Entscheid falsch sein soll. 

Wiederholungen des bereits vor der ersten Instanz Vorgetragenen genügen den 

Anforderungen an eine Begründung daher ebenso wenig wie allgemeine Kritik am 

angefochtenen Entscheid bzw. an den erstinstanzlichen Erwägungen (vgl. auch 

BGE 138 III 375). Auf Berufungen, denen es an einer hinreichenden Begründung 

fehlt, ist nicht einzutreten. 

 Analoges gilt für unbegründete Standpunkte in den Rechtsschriften der Ge-

genpartei – auf diese ist nicht näher einzugehen. Denn wegen der Obliegenheit 

zur Begründung hat das, was nicht oder nicht hinreichend beanstandet wurde, im 

Berufungsverfahren grundsätzlich Bestand. 

1.2.2 Die Berufung ist ein reformatorisches Rechtsmittel. Sie muss daher nicht nur 
begründet werden, sondern ebenfalls einen materiellen Antrag (Antrag zur Sache) 

enthalten. Das gilt grundsätzlich ebenso für die Beschwerden gemäss ZPO und 

BGG (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichtes 4A_24/2016 vom 7. März 2016, dort 

E. 3). Der Antrag hat dabei so bestimmt zu sein, dass er im Falle der Gutheissung 

grundsätzlich unverändert zum Dispositiv erhoben werden kann; er muss hinge-

gen nicht formell bzw. ausdrücklich gestellt werden, jedenfalls nicht bei Laien als 

Rechtsmittelklägern; es genügt dann, dass wenigstens aus der Begründung des 

Rechtsmittels bzw. der Berufung klar hervorgeht, in welchem Sinn der angefoch-

tene Entscheid nach Auffassung des Rechtsmittel- bzw. Berufungsklägers genau 

abgeändert werden soll. Fehlt es einem Rechtsmittel, namentlich einer Berufung, 

an einem solchen Antrag zur Sache, ist darauf nicht einzutreten (vgl. BGE 137 III 

617, ferner etwa OGer ZH, LE110051 vom 10. November 2011, BGer Urteil 

4D_61/2011 vom 26. Oktober 2011 [Bezifferung geldwerter Ansprüche; kein über-

spitzter Formalismus, an dieser Voraussetzung festzuhalten], endlich BGer Urteile 

5A_94/2013 vom 6. März 2013 [E. 3.3.2 mit Verweisen auf BGE 137 III 617, 619 

f.] und 5A_25/2008 vom 14. November 2008 [E. 3.2]; siehe überdies etwa JEAN-

DIN, in: CR CPC, 2e éd., Bâle 2019, Art. 311 N 4, HUNGERBÜHLER/BUCHER, in: Dik-

e-Komm-ZPO, 2. A., Zürich/St. Gallen, 2016, Art. 311 N 20, REETZ/THEILER, in: 

Kommentar zur Schweizerischen ZPO, 3. A., Basel 2016, Art. 311 N 34 [mit un-

zähligen Verweisen] und Art. 321 N 14, oder SPÜHLER, in: BSK-ZPO, 3. A., Basel 

- 15 - 

2017, Art. 311 N 12). Das Erfordernis, Rechtsmittel müssten einen materiellen An-

trag enthalten, gilt übrigens selbst dann, wenn die Rechtsmittelinstanz ohne Bin-

dung an Anträge zu entscheiden hat (vgl. etwa BGer Urteil 5A_855/2012 vom 

13. Februar 2013). 

 Rechtsmittelanträge, mit denen lediglich die Aufhebung des angefochtenen 

Entscheides und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz verlangt wird, ge-

nügen den Anforderungen an einen Antrag zur Sache daher grundsätzlich nicht. 

Eine Ausnahme vom Grundsatz, es sei im Rechtsmittelverfahren auch ein materi-

eller Antrag zu stellen, ist lediglich dann gegeben, wenn die Rechtsmittelinstanz in 

der Sache selbst nicht entscheiden kann (vgl. BGer Urteil 4A_24/2016 vom 

7. März 2016, dort E. 3). Das ist im Berufungsverfahren nach den Art. 308 ff. ZPO 

– anders als u.U. im Beschwerdeverfahren nach der ZPO (vgl. dazu etwa HUN-

GERBÜHLER/BUCHER, a.a.O., Art. 321 N 19) und nach dem BGG – grundsätzlich 

nicht der Fall (siehe Art. 316 und Art. 318 ZPO). 

1.2.3 Soweit die Berufung führende Partei hinreichende Beanstandungen vor-
bringt, wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 

ZPO) und prüft sämtliche Mängel frei und uneingeschränkt – sie ist weder an die 

Argumente der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzlichen Entschei-

des gebunden (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.1 m.w.H. sowie ZR 110/2011 Nr. 80). 

Bei der Begründung ihrer Entscheidung darf sie sich auf die wesentlichen Überle-

gungen konzentrieren, von welchen sie sich hat leiten lassen. 

2. Die Klägerin wirft in ihrer Antwort auf die Zweitberufung die Frage nach der 
Parteistellung des Beklagten 1 als Erbenvertreter bzw. als Prozessstandschafter 

auf und hält dafür, diese sei zu verneinen (vgl. act. 516/534 S. 1). Denn dem Er-

benvertreter komme gemäss dem "Urteil BGE 5A_416/2013 E. 3" sowie der 

E. 4.1 dieses Urteils keine Parteistellung zu; der Erbenvertreter könne daher auch 

keine Parteirechte ausüben (vgl. act. 516/534 S. 1 f.). 

2.1 Das von der Klägerin genannte Urteil des Bundesgerichts 5A_416/2013 wurde 
nicht in der amtlichen Sammlung (BGE) veröffentlicht, ist insoweit unpubliziert und 

stellt daher keinen sog. höchstrichterlichen Leitentscheid dar. Im Urteil 

5A_416/2013 verweist das Bundesgericht denn auch auf seine Rechtsprechung, 

- 16 - 

wie es sie jeweils in der amtlichen Sammlung veröffentlicht. Es umreisst dabei in 

E. 3.1 - 3.3 die Aufgaben und die Stellung des Erbenvertreters gemäss der in der 

amtlichen Sammlung veröffentlichten Rechtsprechung und hält fest, in dem ihm 

bei der Ernennung übertragenen Aufgabenbereich handle der Erbenvertreter u.a. 

als Prozessstandschafter. In E. 4.2 vermerkt das Bundesgericht der Sache nach 

weiter, im Einklang mit seiner in der amtlichen Sammlung publizierten ("ständi-

gen") Rechtsprechung bedürfe es dann, wenn während eines Prozesses eine 

Partei versterbe und die übrigen schon am Prozess beteiligten Erben auch deren 

Erben seien, so dass im Prozess alle Erben auf der einen oder anderen Seite be-

teiligt seien, keines Erbenvertreters. Die Bestellung eines Erbenvertreters bedürfe 

in solchen Fällen stets einer besonderen Rechtfertigung, wie sie z.B. in "eine[r] 

besondere[n] Zerstrittenheit" zu sehen sei. 

 In E. 5.1 hält das Bundesgericht unter Hinweis auf die bewährte Lehre fest, 

der Erbenvertreter, der in Wahrung der ihm mit der Ernennung übertragenen Auf-

gabe in einen Prozess eintrete, bedürfe keiner weiteren Legitimation. Und in 

E. 5.2 hält das Bundesgericht schliesslich fest, der behördliche Ernennungsakt ei-

nes Erbenvertreters sei als Amtshandlung der freiwilligen Gerichtsbarkeit für das 

Sachgericht bindend, ausser dieser Akt wäre absolut nichtig. Verwiesen wird zu-

dem auf den Fall, in dem eine ausdrückliche Anordnung im Gesetz die gerichtli-

che Überprüfung (des Ernennungsaktes) auf dem Rechtsweg vorsieht. Das ist  

– nicht zuletzt prozessrechtlich – überzeugend. 

 Von dieser Rechtsprechung, die es im Urteil 5A_416/2013 unter Verweis auf 

publizierte Entscheide skizziert und präzisiert hat, ist das Bundesgericht im Übri-

gen – soweit ersichtlich – nicht abgewichen, und das doch wohl mit Fug.  

2.2 Wie vorhin vermerkt, wurde der Beklagte 1 vom Bezirksgericht Höfe am 
24. Mai 2013 als Erbenvertreter eingesetzt. Dass das ohne Antrag eines der Er-

ben erfolgte, macht die Klägerin nicht geltend (vgl. act. 516/534, insbes. S. 1 f.). 

Sie macht auch sonst nichts geltend, was eine Nichtigkeit des Ernennungsaktes 

nahelegen könnte bzw. gar müsste, und es ist dergleichen auch nicht ersichtlich. 

Aus den Akten ergibt sich zudem, dass die Bestellung des Erbenvertreters bereits 

Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens im Kanton Schwyz war (vgl. act. 338) 

und die Klägerin davon Kenntnis hatte (vgl. act. 335 S. 3: Begründung eines Frist-

- 17 - 

abnahmegesuchs mit dem Eintritt des Beklagten 1 in den Prozess als Prozess-

standschafter und Aufforderung an das Gericht, das Rubrum anzupassen). Die 

Klägerin machte in der Folge ebenso wenig geltend, die Rechtsmittelinstanz im 

Kanton Schwyz habe den Entscheid, mit dem der Beklagte 1 zum Erbenvertreter 

bestellt worden war, später aufgehoben. 

 Eine Überprüfung der Bestellung des Beklagten 1 zum Erbenvertreter durch 

das Bezirksgericht Höfe war im Verfahren vor dem Bezirksgericht Horgen als 

Sachgericht daher nicht angezeigt. Namentlich war nicht zu prüfen, ob für die Be-

stellung des Beklagten 1 die erforderlichen besonderen Rechtfertigungsgründe 

gegeben waren. Gleiches gilt für das Berufungsverfahren, in dem der bezirksge-

richtliche Sachentscheid zu überprüfen ist, zumal die Klägerin auch heute nicht 

geltend macht, im Rechtsmittelverfahren sei die Ernennung des Beklagten 1 zum 

Erbenvertreter vom Kantonsgericht Schwyz aufgehoben worden, was das Be-

zirksgericht übersehen habe (vgl. act. 516/534). Daher ist auf den Antrag der Klä-

gerin nicht einzutreten. 

 Der Vollständigkeit halber darf immerhin angemerkt werden, dass der Grund 

der besonderen Zerstrittenheit angesichts der Vielzahl von Verfahren zwischen 

den Parteien (vgl. vorn Erw. I/1.1 [u.a. mit Hausdurchsuchung] und Erw. I/2.2 

[auch Nebenverfahren]) sehr wohl gegeben wäre. Und der Beklagte 1 wäre daher 

richtigerweise ebenfalls aus diesem Grund als Prozessstandschafter ins Verfah-

ren einbezogen worden. 

2.3 Die Klägerin macht geltend, der Beklagte 1 könne keine Parteirechte ausüben 
(vgl. act. 516/534 S. 2). Was sie daraus genau ableiten will, lässt sie unerörtert, 

und es ist dergleichen – soweit es darauf ankäme – mit Blick auf das eben in 

Erw. II/2.2 Dargelegte auch nicht ersichtlich. Weiteres zu den Ausführungen der 

Klägerin bzw. deren Antrag im Zusammenhang mit dem Einbezug des Beklagten 

1 in das Verfahren erübrigt sich daher, zumal die Klägerin in act. 516/534 S. 1 f. 

nicht behauptet, der Beklagte 1 habe mit Prozesshandlungen im bezirksgerichtli-

chen Verfahren den Aufgabenbereich überschritten, in dem er gemäss Ernen-

nungsakt tätig zu sein hat – wie gesehen hat der Beklagte 1 gegen das bezirksge-

richtliche Urteil kein Rechtsmittel ergriffen und sich im Berufungsverfahren Anträ-

- 18 - 

gen enthalten. Es ist daher ebenfalls insoweit auf den Antrag der Klägerin nicht 

einzugehen. 

 Ein Überschreiten des Aufgabenbereichs durch prozessuale Handlungen 

führte übrigens, um selbst das noch zu erwähnen, nicht zum Dahinfallen der Er-

benvertretung, sondern lediglich zur Unbeachtlichkeit der Handlung, mit der der 

Aufgabenbereich überschritten wurde. Das scheint die Klägerin zu verkennen. In 

act. 516/534 vermag sie denn auch nirgends anzugeben, welche prozessuale(n) 

Handlung(en) des Beklagten 1 im bezirksgerichtlichen Verfahren genau als unbe-

achtlich zu gelten hätte(n). Insofern wäre ihr Standpunkt auch offensichtlich unbe-

gründet, was ebenfalls zu einem entsprechenden Nichteintreten führte (vgl. vorn 

Erw. II/1.2.1). 

3. Die Beklagte 2 hat im bezirksgerichtlichen Verfahren die sog. Einrede der ab-
geurteilten Sache erhoben. Sie machte geltend, mit dem Urteil vom 20. Novem-

ber 1996 im Verfahren FO960116 habe das Bezirksgericht Zürich, Einzelgericht 

für Zivil- und Strafsachen, eine Klage der Klägerin mit dem identischen Rechtsbe-

gehren wie nun abgewiesen. Dieses Urteil sei in Rechtskraft erwachsen, und es 

sei damit über die Frage der Erbunwürdigkeit bereits entschieden worden (vgl. 

act. 36 S. 21 und act. 63 S. 3). Das Rechtsbegehren Ziffer 3 der Klägerin sei da-

her "infolge res iudicata abzuweisen" (act. 36 S. 21). 

3.1 - 3.1.1 Das Bezirksgericht hat diesen Standpunkt im angefochtenen Urteil ver-
worfen (vgl. act. 496 S. 30 f.). Es erwog im Wesentlichen, die Parteien im damali-

gen Verfahren seien die Klägerin und die Beklagte 2 gewesen, nicht hingegen der 

Beklagte 1 und daher mit den Parteien in diesem Verfahren nicht identisch. Die 

Frage der Erbunwürdigkeit sei im damaligen Verfahren zudem nur im Rahmen ei-

ner Vorfrage behandelt worden und die Erbunwürdigkeit stelle ohnehin zwingen-

des Recht dar. Hinzu komme, dass die Beklagte 2 zwar das Urteil vom 20. No-

vember 1996 als act. 37/8 ins Recht gelegt, aber nicht konkret als Beweismittel 

angeboten habe; deshalb könne es auch nicht als Beweismittel verwendet wer-

den, z.B. für den Beweis der Erkrankung der Beklagten 2 an Multipler Sklerose 

(MS). 

- 19 - 

3.1.2 Die Beklagte 2 beanstandet das mit ihrer Berufungsschrift breit (vgl. 
act. 516/497 S. 4 ff., ferner S. 82). Im Wesentlichen macht sie geltend, das Be-

zirksgericht verkenne die besondere Rechtsnatur der Erbunwürdigkeit; diese gelte 

gegenüber dem jeweiligen Erblasser und wirke daher insofern für und gegen alle 

Erben des Erblassers, als der Erbunwürdige nicht erben könne. Darin liege das 

zwingende Recht, das einem Urteil keineswegs die res iudicata-Wirkung entziehe. 

Es komme daher nicht darauf an, ob alle Erben im Erbunwürdigkeitsprozess Par-

teistellung hatten oder nicht (vgl. a.a.O., S. 4, S. 5 f.). Die einzigen Erben des 

G._____, vertreten durch den Beklagten 1, seien die Klägerin und die Beklagte 2, 

und diese beiden seien Parteien des einzelrichterlichen Verfahrens gewesen und 

die Klägerin habe sich das damalige Urteil entgegenhalten zu lassen (vgl. a.a.O., 

S. 4 f.). Die Erbunwürdigkeit sei nicht Vorfrage gewesen, sondern Teil des kläge-

rischen Rechtsbegehrens und daher von der Klageabweisung im Dispositiv er-

fasst worden (vgl. a.a.O., S. 5); die Begründung der Erbunwürdigkeit sei damals 

wie heute die selbe, der einst geltend gemachte Lebenssachverhalt mit dem heu-

te geltend gemachten identisch (vgl. a.a.O., S. 7). Nach unbestrittener Auffassung 

sei schliesslich die materielle Rechtskraft eines Urteils von Amtes wegen zu be-

rücksichtigen. 

3.1.3 Die Klägerin stellt sich in ihrer Berufungsantwort (act. 516/534 S. 2) im We-
sentlichen auf den Standpunkt, das einzelrichterliche Urteil könne keine res iudi-

cata-Wirkung entfalten, weil sich aus dem Urteilsdispositiv keine Feststellung der 

Erbwürdigkeit herleiten lasse. Hinzu komme, dass der im Jahr 1990 geschlossene 

Teilungsvertrag unbestrittenermassen gemäss obergerichtlichem Beschluss vom 

20. Juni 1996 wegen Grundlagenirrtums unverbindlich und damit die Rückabwick-

lung der Teilung notwendig sei; die Beklagte 2 habe daher den Nachlassgegen-

stand, um den es im einzelgerichtlichen Verfahren gegangen sei, selbst wenn sie 

erbwürdig wäre, nicht der Klägerin herauszugeben, sondern an die Teilungsmas-

se (vgl. a.a.O., S. 2). 

3.2 Eine abgeurteilte Sache (sog. res iudicata) ist ein Prozesshindernis (Art. 59 
Abs. 2 lit. e ZPO), dessen Fehlen als Prozessvoraussetzung von Amtes wegen zu 

prüfen ist (vgl. Art. 60 ZPO). Das galt in den vom Bundesrecht geregelten Zivilsa-

- 20 - 

chen schon vor dem Inkrafttreten der ZPO von Bundesrechts wegen (vgl. z.B. 

BGE 121 III 474 E. 2). 

 Eine abgeurteilte Sache liegt dann vor, wenn der streitige Anspruch mit ei-

nem rechtskräftig schon beurteilten Anspruch inhaltlich identisch ist, er also auf 

denselben Tatsachen und denselben rechtlichen Umständen beruht wie der be-

reits beurteilte (vgl. BGE 139 III 126 E. 3.2.3; 141 III 257 E. 3.2; 142 III 210 

E. 2.1). Die mit der Rechtskraft einhergehende Bindungswirkung tritt allerdings 

nur soweit ein, wie bereits über den geltend gemachten Anspruch entschieden 

worden ist. Keine Rolle spielt es hingegen, ob die tatsächlichen Feststellungen im 

früheren Urteil falsch bzw. irrig waren oder ob die rechtlichen Umstände falsch 

beurteilt wurden (vgl. etwa: BOHNET, in: CR CPC, 2e éd., Bâle 2019, Art. 59 N 

123). Anders wäre es nur bei (sog. absolut) nichtigen Urteilen. 

 Ob und wie weit die mit der Rechtskraft einhergehende Bindungswirkung im 

konkreten Einzelfall besteht, hat die Auslegung des früheren Urteils zu ergeben. 

Dessen Inhalt ist heranzuziehen, wobei zu beachten bleibt, dass der Entscheid 

nur in jener Form in Rechtskraft erwachsen kann, wie er im Urteilsdispositiv zum 

Ausdruck kommt (vgl. BGE 141 III 257 E. 3.2; siehe ferner etwa GULDENER, 

Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. A., Zürich 1979, S. 365 f. und S. 367, ZÜR-

CHER, in: Kommentar zur ZPO, 3. A. Zürich 2016, Art. 59 N 42, BOHNET, a.a.O.). 

Die Bindungswirkung der Rechtskraft erstreckt sich deshalb im Falle einer Leis-

tungsklage nur auf das zu- oder aberkannte subjektive Recht. Im Übrigen haben 

die tatsächlichen Feststellungen und die rechtlichen Erwägungen eines Ent-

scheids in einer späteren Streitsache keine bindenden Wirkungen (BGE 141 III 

257 E. 3.2 mit Verweis auf BGE 123 III 16 E. 2a). Wird z.B. eine Klage auf Ver-

tragserfüllung wegen absichtlicher Täuschung abgewiesen, so ist nur das Nicht-

bestehen des Erfüllungsanspruchs bindend festgestellt, nicht aber die absichtliche 

Täuschung (vgl. GULDENER, a.a.O., S. 367, Fn. 32). 

3.3 - 3.3.1 Die Beklagte 2 beruft sich mit ihrer Einrede der abgeurteilten Sache auf 
das einzelgerichtliche Urteil vom 20. November 1996 im Prozess Nr. FO940429, 

das sie als act. 37/8 zu den Akten gegeben hat. Dieses Urteil ist zu berücksichti-

gen, weil es wie eben erläutert um eine Prüfung von Amtes wegen geht. Gegen-

stand des einzelgerichtlichen Urteils war eine 1994 erhobene Klage der Klägerin, 

- 21 - 

mit der diese von der Beklagten 2 die Hälfte des Erbanteils von Fr. 9'634.20 for-

derte, also den Betrag von Fr. 4'817.10. Der Erbanteil war unbestrittenermassen 

gestützt auf den Erbteilungsvertrag aus dem Jahre 1990 der Beklagten 2 wie 

auch der Klägerin und G._____ ausbezahlt worden (vgl. act. 37/8 S. 2, S. 11 [Erw. 

3]). 

 Zur Begründung ihrer Klage führte die Klägerin gemäss Urteil vom 20. No-

vember 1996 im Wesentlichen an, die Beklagte 2 sei erbunwürdig, weil sie den 

Vater bei Errichtung seines Testamentes durch Arglist, Zwang und Drohung bzw. 

Vortäuschung einer MS-Erkrankung beeinflusst habe, wovon sie – die Klägerin – 

beim Abschluss des Erbteilungsvertrages 1990 noch nichts gewusst habe (vgl. 

a.a.O., S. 10). 

3.3.2 Das Einzelgericht erwog dazu, die Klägerin stütze ihre Klage nicht unmittel-
bar auf das Testament ab, sondern bezwecke mit ihr primär die Anfechtung des 

Erbteilungsvertrages, die gemäss Art. 638 ZGB nach den allgemeinen Vorschrif-

ten über die Anfechtung von Verträgen, namentlich nach den Art. 23 ff. OR erfol-

ge. Im Vordergrund stehe dabei ein wesentlicher Irrtum i.S. des Art. 23 OR (vgl. 

a.a.O. S. 10 f. und S. 12). Die Beweislast für die strittigen Sachumstände einer 

Anfechtung wegen Willensmangels trage die Partei, welche die Gültigkeit des 

Vertrages bestreite, also die Klägerin (vgl. a.a.O., S. 13). Dieser sei der entspre-

chende Beweis nicht geglückt; sie habe nicht vermocht darzutun, dass sie sich 

beim Abschluss des Teilungsvertrages in einem wesentlichen Irrtum befunden 

habe. Ihre Klage scheitere damit schon an der bestehenden Verbindlichkeit des 

Erbteilungsvertrages, weshalb ein allfälliger Rückforderungsanspruch zu vernei-

nen sei und sich Weiteres erübrige. 

3.3.3 Befunden hat das Einzelgericht am 20. November 1996 demnach über eine 
Leistungsklage. Diese hat es abgewiesen; aberkannt hat es damit das subjektive 

Recht der Klägerin gegenüber der Beklagten 2 auf Leistung bzw. (Rück-)Zahlung 

von Fr. 4'817.10 wegen Unverbindlichkeit des Erbteilungsvertrages aus dem Jahr 

1990, entsprechend der Hälfte der Fr. 9'634.20, die der Beklagten 2 zuvor aus der 

Erbschaft ausbezahlt wurden. In dem Umfang ist die Sache zwischen der Klägerin 

und der Beklagten 2 abgeurteilt, nachdem das Einzelgericht den Erbteilungsver-

- 22 - 

trag für die Klägerin und die Beklagte 2 als verbindlich erachtet hat, weil der Klä-

gerin der Beweis für ihre Sachdarstellung misslang, sich im Zeitpunkt des Ab-

schlusses des Erbvertrages in einem Irrtum über die von ihr behauptete Erbun-

würdigkeit der Beklagten 2 befunden zu haben. Das scheint die Klägerin übrigens 

zu übersehen, wenn sie darauf verweist, der Rückforderungsanspruch bestünde 

auch dann, wenn die Beklagte 2 erbwürdig wäre (vgl. act. 516/534 S. 2 [unten]). 

 Vorfrage des einzelgerichtlichen Urteils war sodann der von der Klägerin be-

hauptete Irrtum, nicht hingegen die Frage, ob die Erbunwürdigkeit bestanden hat 

oder nicht. Über diese Frage hat das Einzelgericht nicht befunden und daher auch 

nicht bindend entschieden – die Beklagte 2 kann sich daher insoweit nicht auf die 

res iudicata berufen. Und im Ergebnis hat das Bezirksgericht die von der Beklag-

ten 2 erhobene Einrede der abgeurteilten Sache zu Recht abgewiesen. 

3.4 In Erw. I/3.3 wurde auf den Beizug des Entscheids der I. Zivilkammer des 
Obergerichtes im Verfahren LB170026 (act. 524) hingewiesen. In Bezug auf die 

hier zu beurteilende Sache folgt daraus nichts im Sinne einer res iudicata oder ei-

nes sonstigen Prozesshindernisses. Das wurde den Parteien bereits mit Verfü-

gung vom 22. Mai 2019 mitgeteilt (vgl. act. 530). Weiteres dazu erübrigt sich hier 

daher. 

4. Die Klägerin machte mit ihrer Klage beim Bezirksgericht eine Erbunwürdigkeit 
der Beklagten 2 i.S. des Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB geltend, und zwar bezogen 

(auch) auf den Vater. 

4.1 Die Erbunwürdigkeit begründete die Klägerin im Wesentlichen damit, dass die 
Beklagte 2 ihren Eltern eine Erkrankung an Multipler Sklerose vorgegaukelt habe 

(vgl. auch z.B. act. 3 S. 7 [Ziff. 16]: simuliert). Die wesentlichen Elemente dieser 

Auffassung der Klägerin hat schon das Bezirksgericht in seinem Urteil dargelegt 

(vgl. act. 496 S. 28) und es sind die entsprechenden Erwägungen von den Partei-

en im Berufungsverfahren unbeanstandet geblieben ist (vgl. act. 516/497 S. 3 f. 

und 516/534 S. 1 f.), weshalb darauf zu verweisen ist. 

 Die Klägerin machte mit ihren Behauptungen geltend, die Beklagte 2 habe 
mit dem Vorgaukeln (Simulieren) der Multiplen Sklerose (MS) den Vater dazu ge-

bracht, seine letztwillige Verfügung vom November 1981 durch die öffentlichen 

- 23 - 

letztwilligen Verfügungen vom 14. November 1983 zu ersetzen; die behauptete 

Erkrankung an MS sei der einzige Grund für die Testamentsänderung gewesen. 

Die Beklagte 2 habe dabei zum einen dem Vater die Beratung ihres Freundes 

L._____ sowie zum anderen die Beratung der Schweizerischen Treuhandgesell-

schaft aufgedrängt und den Vater zur Vorbereitung des Testamentes instruiert 

bzw. angeleitet. Weiter habe die Beklagte 2 mehrere für sie günstigere Abände-

rungen des Entwurfs für die öffentliche letztwillige Verfügung vornehmen und den 

Notar glauben lassen, diese Abänderungen stammten vom Vater; die Änderungs-

vorschläge seien endlich zum Teil falsch gewesen. 

 Die Beklagte 2 hat das im bezirksgerichtlichen Verfahren bestritten, weshalb 

über diese und weitere damit zusammenhängende Behauptungen ein thematisch 

beschränktes Beweisverfahren durchgeführt wurde (vgl. auch vorn. Erw. I/2.2). 

Die Beweisauflage erfolgte mit Beschluss vom 13. April 2010 (vgl. act. 86-A) und 

thematisierte die Erkrankung der Beklagten 2 an MS in den Beweissätzen 1 - 3 

sowie 23 und 24; der Beschluss zur Beweisabnahme, mit dem alle offerierten 

Beweismittel abgenommen wurden, erging am 17. Juli 2010 (act. 112). 

4.2 - 4.2.1 Nach Abnahme der Beweise kam das Bezirksgericht zum Ergebnis, 
der Klägerin sei der Beweis misslungen, die Beklagte 2 habe die Erkrankung an 

MS lediglich vorgetäuscht, die entsprechenden Symptome simuliert und entspre-

chende Arztbesuche erlogen (vgl. act. 496 S. 55 [Ziff 7.10.3], S. 117). Weiter hielt 

das Bezirksgericht – kurz zusammengefasst – fest, im Testament vom 5. Novem-

ber 1981 seien alle drei Kinder gleich behandelt worden. Für eine bevorzugte Be-

günstigung der Beklagten 2 im öffentlich beurkundeten Testament vom 14. No-

vember 1983 hätten aufgrund des zumindest ausserordentlich milden Verlaufs der 

MS-Erkrankung (sofern eine solche bestanden habe) keine Gründe vorgelegen, 

zumal die Beklagte 2 selbst eingeräumt habe, die Eltern hätten bereits 1962 von 

ihrer (angeblich bestehenden) Erkrankung an MS erfahren. 

 Gemäss Darstellung der Beklagte 2 sei diese Nichtbegünstigung im Testa-

ment vom 5. November 1981 aufgrund ihres Optimismus und ihrer Erfolge im 

Kampf gegen die Krankheit erfolgt, welcher eine sanfte Verlaufsform habe erhof-

fen lassen. Sie mache damit geltend, die Nichtbevorzugung habe auf einer fal-

schen Ausgangslage beruht, weil die Krankheit einen schwereren Verlauf genom-

- 24 - 

men habe als 1981 vom Vater angenommen (vgl. a.a.O., Ziff. 7.10.4). Der Beweis 

dafür sei der Beklagten 2 misslungen, weil das Beweisverfahren ergeben habe, 

dass – wenn überhaupt eine Erkrankung an MS vorgelegen habe – von einem 

ausserordentlich milden Verlauf der Krankheit auszugehen sei; zudem könne aus 

den Beweismitteln nicht abgeleitet werden, dass der Vater von einem milderen 

Verlauf der Erkrankung ausgegangen sei (vgl. a.a.O., S. 55/56 und S. 117). 

4.2.2 Weiter hielt das Bezirksgericht im Ergebnis des Beweisverfahrens im We-
sentlichen fest, der Gesundheitszustand des Vater im September bis Novem-

ber 1983 sei nicht derart schlecht gewesen, dass er das Testament ohne Betrei-

ben und Beeinflussung durch die Beklagte 2 nicht hätte abändern können; er sei 

aber gesundheitlich angeschlagen gewesen und zumindest teilweise pflegebe-

dürftig. Er habe die ihm vorgelegten Papiere und Urkunden nicht im Detail hinter-

fragt und sei deshalb zumindest zu einem gewissen Grad beeinflussbar gewesen 

(vgl. a.a.O., S. 117). Nicht erstellt sei, dass die Beklagte 2 L._____ aktiv veran-

lasst habe, den Vater zu beeinflussen. L._____ habe sich lediglich einspannen 

lassen, weil er davon ausging, die Beklagte 2 leide an MS. Die Behauptung der 

Klägerin, die Beklagte 2 habe den Vater zur Schweizerischen Treuhandgesell-

schaft gebracht, um diesen weiter zu beeinflussen, sei ebenso unbewiesen ge-

blieben wie die Behauptung der Klägerin, die Beklagte 2 habe J._____ anstelle 

der ZKB als Willensvollstrecker vorgeschlagen. Und unbewiesen seien zudem die 

Behauptungen der Klägerin, die Beklagte 2 habe die beiden Beurkundungszeu-

gen aufgeboten, um dadurch die Testamentsänderung zu beeinflussen, sowie 

diese Zeugen hätten der Beurkundung nicht folgen können und lediglich gefällig-

keitshalber die Verfügungsfähigkeit des Vater bestätigt (vgl. a.a.O., S. 118). 

 Erstellt sei hingegen, dass ein erster vom Notar M._____ erstellter Testa-

mentsentwurf am 4. November 1983, in dem die Beklagte 2 als Vorerbin der frei 

verfügbaren Quote von ¼ eingesetzt worden sei, nicht unterschrieben wurde, da-

nach die überarbeiteten Entwürfe des Testaments am 10. November 1983 ver-

schickt wurden und die Beklagte 2 daraufhin Änderungen wegen angeblich ge-

machter Geschenke geschrieben habe (wobei nicht erstellt sei, wie die Redaktion 

vorgenommen worden sei). Fest stehe, dass der Notar M._____ mit den Eltern 

verschiedene Gespräche geführt habe, der Vater zwei Mal mit dem Notar gespro-

- 25 - 

chen habe und dabei wohl auch beraten worden sei (vgl. a.a.O., S. 68 f. und S. 

117). Eine intensive Beratung durch den Notar, wie sie die Beklagten 2 behaupte, 

sei aber nicht nachgewiesen (vgl. a.a.O., S. 69). Unbewiesen geblieben sei 

schliesslich die Behauptung, dass die von der Beklagten 2 verfassten Angaben 

(Notizen), anhand derer das Testament verfasst worden sei, dem Notar als vom 

Erblasser verfasst unterschoben worden seien (vgl. a.a.O., S. 119). In wenigstens 

zwei Punkten seien diese Angaben aber falsch, und zwar hinsichtlich des der Be-

klagten 2 gewährten Darlehens (nicht Fr. 45'000., sondern Fr. 123'000.-) sowie in 

Bezug auf die Finanzierung des Studiums und die angeblich von der Beklagten 

immer wieder gemachten wertvollen Geschenke (vgl. a.a.O.). 

4.2.3 Das Bezirksgericht kam gestützt auf die Ergebnisse des Beweisverfahrens 
sowie des unstrittigen Sachverhaltes im Wesentlichen zur Auffassung (vgl. a.a.O., 

S. 120 ff.), die Beklagte 2 habe sich unredlich in die Erbschaftsangelegenheiten 

des Vaters eingemischt (vgl. a.a.O., S. 121). Die Regelungen in der letztwilligen 

öffentlichen Verfügung vom 14. November 1983 seien alle zu Gunsten der Be-

klagten 2 ausgefallen, nicht gerechtfertigt und nicht nachvollziehbar (vgl. a.a.O., 

S. 123), zumal sie z.T. sachlich auch noch falsch gewesen seien (wie etwa beim 

Darlehen) und zudem teilweise auch noch sachlich unnötig (wie z.B. bei den an-

geblichen Geschenken; vgl. a.a.O., S. 124). 

 Zu den die Beklagte 2 bevorzugenden Änderungen sei es gekommen, weil 

der Vater aufgrund des Gesprächs mit L._____ davon ausgegangen sei, er müs-

se die Beklagte 2 wegen der Erkrankung an MS gegenüber den Miterben bevor-

zugen (vgl. a.a.O., S. 122 und 124), obwohl es fraglich sei, dass die Beklagte 2 an 

MS leide und sich der Gesundheitszustand der Beklagten 2 in der Zeit zwischen 

dem Testament vom 5. November 1981 und November 1983 nicht geändert hätte 

(vgl. a.a.O., S. 121). Die Beklagte 2 habe gewusst, dass der Vater aufgrund fal-

scher Vorstellung über die Erkrankung an MS das Testament abänderte und habe 

es insbesondere unterlassen, dahingehend bei ihm zu intervenieren, dass eine 

erbrechtliche Bevorzugung aufgrund der Erkrankung nicht nötig war, da diese seit 

der ersten Diagnose einen sehr milden Verlauf genommen hatte, sofern sie tat-

sächlich bestand (vgl. a.a.O., S. 124). Sie habe die irrtümlichen Vorstellungen des 

Vaters vielmehr erfolgreich ausgenützt, indem sie die mehrmalige Abänderung 

- 26 - 

des Testamentes vom 5. November 1981 zu ihren Gunsten zugelassen und be-

einflusst habe (vgl. a.a.O., S. 125). Darin liege ein arglistiges Ausnützen eines 

bestehenden Irrtums, über den sie den Vater hätte aufklären können und auf-

grund der gegebenen Umstände sowie nach Treu und Glauben auch müssen. 

Das Verhalten der Beklagten 2 sei als unredlich und unmoralisch zu werten, da 

sie als Tochter eine Vertrauensstellung inne gehabt habe (vgl. a.a.O.). Zudem sei 

sie heimtückisch vorgegangen, weil sie in den als Basis der öffentlich beurkunde-

ten letztwilligen Verfügung dienenden Notizen eine falsche Darlehenssumme und 

falsche Angaben bezüglich der Finanzierung ihres Studiums festgehalten habe; 

die mehrmalige Abänderung der Entwürfe zur letztwilligen Verfügung zeige zu-

dem eine gewisse Hartnäckigkeit. Und es sei ihr Verhalten als schwere Verfeh-

lung gegenüber dem Vater zu qualifizieren, das nach allgemeinem Empfinden un-

erträglich und nicht zu billigen sei. Es liege somit ein schwerer Fall der Erbschlei-

cherei im Sinne des Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB vor (dazu vgl. a.a.O., S. 120 f.), 

weshalb die Erbunwürdigkeit der Beklagten 2 zu bejahen sei (vgl. a.a.O.). 

4.3 Die Beklagte 2 wehrt sich mit ihrer Berufung einlässlich gegen diese Auffas-
sung (vgl. act. 516/497 S. 10 ff.). So wirft sie dem Bezirksgericht u.a. unrichtige 

Sachverhaltsfeststellungen vor bzw. einseitige oder willkürliche Würdigung von 

Beweismitteln (vgl. etwa a.a.O., S. 32, S. 68), macht geltend, das Bezirksgericht 

habe sich angemasst, über medizinische Kenntnisse bzw. Erkenntnisse zu verfü-

gen (vgl. etwa a.a.O., S. 10 f.), wirft dem Bezirksgericht ein Abweichen von den 

Sachvorbringen der Parteien, namentlich der Klägerin (Verletzung der Verhand-

lungsmaxime; vgl. etwa a.a.O., S. 36) vor sowie das Missachten gescheiterter 

Beweise für die massgeblichen Behauptungen der Klägerin (vgl. etwa a.a.O., S. 

69 f.). Zudem macht sie eine unrichtige Rechtsauffassung des Bezirksgerichts 

geltend und dabei u.a. eine unvollständige bzw. sinnentstellte Wiedergabe mass-

geblicher bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. etwa a.a.O., S. 74). 

 Die Klägerin verschliesst sich in der Antwort auf die Berufung der Beklag-

ten 2 dem Ergebnis, zu dem das Bezirksgericht gelangte, nicht (vgl. act. 516/534 

S. 16 ff.). Sie übt indes Kritik an der Kritik der Beklagten 2 in der Berufungsschrift 

und trägt zudem einlässlich ihre Sicht der Dinge bzw. die Würdigung der Dinge 

- 27 - 

vor (vgl. etwa a.a.O., S. 8 f. [Gefälligkeitszeuge; arglistig ins väterliche Testament 

manipuliert]). 

 Es versteht sich von selbst, dass im Rahmen einer – wie hier – sehr ver-

knappten Übersicht zu den Parteivorbringen im Berufungsverfahren diese Vor-

bringen nicht im Einzelnen dargestellt werden können. Im Folgenden werden je-

doch alle Vorbringen in den act. 516/497 und act. 516/534 berücksichtigt, auch 

dann und dort, wenn und wo das nicht ausdrücklich vermerkt ist. 

5. Wie vorhin gesehen (Erw. II/4.1), erachtete die Klägerin mit ihrer Klage die Be-
klagte 2 als erbunwürdig i.S. des Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB, weil sie zum einen 

dem Vater eine Erkrankung an MS vorgespielt (simuliert) habe. Zum anderen ha-

be sie u.a. bewirkt, dass der Vater (objektiv) falsche Tatsachen in seine letztwilli-

ge Verfügung aufgenommen habe. Das Bezirksgericht kam ebenfalls zum Ergeb-

nis, die Beklagte 2 sei erbunwürdig i.S. des Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB, und zwar 

gestützt vor allem auf den zweiten von der Klägerin behaupteten Gesichtspunkt 

sowie das Ausnützen einer irrigen Vorstellung des Vaters über die Schwere ihrer 

Erkrankung. 

5.1 Unwürdig, Erbe zu sein oder aus einer Verfügung von Todes wegen irgendet-
was zu erwerben, ist gemäss Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB, wer den Erblasser durch 

Arglist, Zwang oder Drohung dazu gebracht oder daran verhindert hat, eine Ver-

fügung von Todes wegen zu errichten oder zu widerrufen. 

5.1.1 Die Erbunwürdigkeit bezweckt, den Willen und Willensausdruck eines Erb-
lassers gegen jeden "Angriff" von aussen zu sichern (vgl. BGE 132 III 305 E.3.3; 

ferner BGer Urteil 5A_795/2013 E. 8.1). An der Erbunwürdigkeit besteht insofern 

ein allgemeines Interesse und die Erbunwürdigkeit tritt daher – anders als die 

Enterbung i.S. des Art. 477 ZGB oder die Ungültigerklärung einer letztwilligen 

Verfügung gemäss Art. 519 Abs. 1 ZGB i.v.m. Art. 469 Abs. 1 ZGB – von Geset-

zes wegen ein, weshalb Behörden und Gerichte sie von Amtes wegen zu berück-

sichtigen haben, wenn ein entsprechender Sachverhalt aktenkundig bzw. erstellt 

ist (vgl. BGE 132 III 305 E.3.3; siehe ebenfalls SCHWANDER, in: BSK-ZGB II, 5. A., 

Basel 2015, Art. 540 N 22 [4. Absatz]). 

- 28 - 

 In einem Zivilprozess über Erbschaftsangelegenheiten führt das allerdings 

nicht zur Anwendung des sog. Offizialgrundsatzes i.S. des Art. 58 Abs. 2 ZPO, 

weil dieser vom Handeln des Gerichts von Amtes wegen (ex officio; vgl. auch Art. 

57 ZPO) zu unterscheiden ist (vgl. GEHRI, in: BSK-ZPO, 3.A. Basel 2017, Art. 58 

N 11, m.H.); dass dem Offizialgrundsatz als Ausfluss öffentlicher Interessen (vgl. 

dazu etwa SUTTER-SOMM/SEILER, in: Kommentar zur ZPO, 3. A., Zürich 2016, 

Art. 58 N 25) eine ähnliche Rolle zukommt, ändert daran nichts. Nicht zum Zuge 

kommt in einem Zivilprozess über Erbschaftsangelegenheiten ebenfalls der Un-

tersuchungsgrundsatz i.S. des Art. 55 Abs. 2 ZPO, wie die Beklagte 2 in anderem 

Zusammenhang moniert (vgl. act. 516 S. 82). Vielmehr trägt die Partei, welche die 

Erbunwürdigkeit geltend macht, die Beweislast für die entsprechenden Sachum-

stände (vgl. BGer, Urteil 5A_748/2008, E. 7.3 - 7.4 m.w.H.; gl.M. ferner z.B. JUN-

GO, in: Zürcher Kommentar, 3. A., Zürich 2018, Art. 8 ZGB N 584). Das setzt wie-

derum entsprechende Tatsachenbehauptungen der beweisbelasteten Partei vor-

aus, über die dann, wenn sie bestritten sind, ein Beweisverfahren durchzuführen 

ist; im Übrigen haben diese Tatsachenbehauptungen ebenso als erstellt zu gelten 

wie die unbestritten gebliebenen Tatsachenbehauptungen der nicht beweisbelas-

teten Partei. 

 Aus allen diesen Gründen kann einzig der Umstand, dass das Bezirksgericht 

gestützt auf unbestritten gebliebene Tatsachenbehauptungen der Parteien und 

die Ergebnisse des Beweisverfahrens über die bestrittenen Behauptungen der 

Klägerin zu den Sachumständen, aus denen sich die Erbunwürdigkeit der Beklag-

ten 2 ergeben soll, einen Sachverhalt als erstellt betrachtete, der eine Erbunwür-

digkeit offenlegt, entgegen der Beklagten 2 (vgl. etwa act. 516/497 S. 36) nicht 

beanstandet werden. Eine andere Frage ist hingegen, ob und inwieweit das Be-

zirksgericht zu Recht die entsprechenden Sachumstände als erstellt betrachtete. 

Und eine weitere, ebenfalls andere Frage ist die, ob die erstellten Sachumstände 

den Tatbestand der Erbunwürdigkeit i.S. des Art.. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB erfüllen. 

Auf diese anderen Fragen wird am gegebenen Ort einzugehen sein. 

5.1.2 Der Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB führt als Gründe, die zur Erbunwürdigkeit 
führen, Arglist, Zwang und Drohung gegenüber dem Erblasser auf. Der Art. 540 

Abs. 1 Ziff. 3 ZGB stimmt insofern fast wörtlich mit dem Ungültigkeitsgrund i.S.v. 

- 29 - 

Art. 519 Abs. 1 Ziff. 2 i.V.m. Art. 469 Abs. 1 ZGB überein. Anders als der Art. 469 

Abs. 1 ZGB listet er jedoch den Grund des Irrtums nicht auf (vgl. auch BGer, Urteil 

5A_692/2011, E. 7.2.1). Ein Irrtum – also eine falsche Vorstellung über einen 

Sachverhalt – des Erblassers vermag daher für sich allein genommen kein Grund 

für eine Erbunwürdigkeit sein; von Belang sein kann ein Irrtum des Erblassers ein-

zig im Zusammenhang mit einem der im Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB aufgeführten 

Gründe, insbesondere im Zusammenhang mit der Arglist, die mit dem Begriff 

"arglistiger Täuschung" in Art. 469 Abs. 1 ZGB übereinstimmt. Arglist kann des-

halb auch beim Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB im Bewirken einer falschen Vorstellung 

des Erblassers oder im Benutzung einer schon vorhandenen falschen Vorstellung 

beim Erblasser bestehen. Allerdings muss dieses Bewirken oder Benutzen eines 

Irrtums durch den angeblich Erbunwürdigen zusätzlich auf Grund sämtlicher Um-

stände des konkreten Einzelfalls eine schwere Verfehlung gegen den Erblasser 

bedeuten, die nach dem Empfinden der Allgemeinheit als unerträglich erscheint 

und zu missbilligen ist. Nicht notwendig ist es daher, dass das Verhalten des an-

geblich Erbunwürdigen einen Straftatbestand erfüllt; Letzteres kann aber einen 

Anhaltspunkt für die Schwere der Einflussnahme auf den Willen des Erblassers 

abgeben (vgl. BGE 132 III 305 E. 3.3 [S. 310, vor E. 3.4] mit Hinweisen, ferner et-

wa BGer Urteil 5A_692/2011, E. 7.2.2). 

 Abweichend von den übrigen Erbunwürdigkeitsgründen im Art. 540 Abs. 1 

ZGB werden in Ziff. 3 Vorsatz und Rechtswidrigkeit des Handelns bzw. Unterlas-

sens als weitere Voraussetzungen nicht ausdrücklich erwähnt. Die bundesgericht-

liche Rechtsprechung geht indessen zutreffend davon aus, dass die Vorausset-

zung des Vorsatzes erfüllt ist, wenn durch Zwang, Drohung oder Arglist die Errich-

tung oder der Widerruf einer letztwilligen Verfügung bewirkt oder verhindert wird, 

und es wird ebenso die Rechtswidrigkeit regelmässig als gegeben angenommen. 

Eine gesonderte Prüfung dieser Voraussetzungen, namentlich des Vorsatzes, 

entfällt daher (vgl. BGE 132 III 305 E. 3.4, m.H.).  

 Vorausgesetzt wird vom Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB hingegen, dass das 

Handeln des angeblich Erbunwürdigen (adäquat-)kausal dafür ist, dass der Erb-

lasser eine letztwillige Verfügung errichtet hat oder verhindert wurde, sie nicht zu 

errichten oder nicht zu widerrufen. Besteht das Verhindern in einer Unterlassung 

- 30 - 

(wie z.B. das Nichtbeachten einer Aufklärungspflicht), bestimmt sich der Kausal-

zusammenhang danach, ob der Erblasser eine Verfügung errichtet oder widerru-

fen hätte, wenn die unterlassene Handlung vorgenommen worden wäre (vgl. BGE 

132 III 305 E. 3.5, [hypothetischer Kausalverlauf; zu diesem ferner etwa BGE 124 

III 155 E. 3d, 141 V 93 E. 8.1]; vgl. ferner etwa SCHWANDER, a.a.O., Art. 540 N 12 

und 15, TUOR/SCHNYDER/JUNGO, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. A., Zü-

rich 2015, S. 888). 

5.1.3 Um auch das nicht zu vergessen: Die "Erbschleicherei", also das Bestreben, 
auf unredliche oder unmoralische Art zu einer Erbschaft zu kommen, ist kein juris-

tischer Begriff. Das Gesetz widmet sich der Erbschleicherei daher auch nicht ei-

gens. Die Erbschleicherei kann jedoch als arglistiges Verhalten – wie vorhin gese-

hen – in besonders schweren Fällen den Tatbestand von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 

ZGB erfüllen, was dann die Erbunwürdigkeit zur Folge hat (vgl. BGE 132 III 305 

E. 2, BGer Urteil 5A_748/2008 E. 9.1, sowie z.B. TUOR/SCHNYDER/JUNGO, a.a.O.). 

Darauf hat schon das Bezirksgericht der Sache nach zutreffend hingewiesen (vgl. 

act. 496 Ziff. 12.1 m.H. u.a. auf BGE 132 III 305 sowie weitere Literatur). 

5.2 Die Klägerin hat behauptet, die Beklagte habe im Zusammenhang mit der Än-
derung der letztwilligen Verfügung des Vaters im Jahr 1983 eine Erkrankung an 

MS simuliert, also vorgetäuscht. Das Bezirksgericht kam im Ergebnis seines Be-

weisverfahrens – wie erwähnt – zum Schluss, der Klägerin sei der Beweis miss-

lungen, die Beklagte 2 habe eine Erkrankung an MS vorgetäuscht, die entspre-

chenden Symptome simuliert und entsprechende Arztbesuche erlogen (vgl. 

act. 496 S. 55 [Ziff. 7.10.3]). 

5.2.1 Die Beklagte 2 beanstandet dieses Ergebnis nicht (vgl. act. 516/ 497 
S. 37 f.). Die Klägerin lässt das bezirksgerichtliche Ergebnis hingegen so nicht 

gelten. Sie kritisiert in ihrer Berufungsantwort im Wesentlichen die Standpunkte 

der Beklagten 2 in deren Berufungsschrift, wirft dem Bezirksgericht letztlich fal-

sche Beweiswürdigung vor (vgl. act. 516/534, dort insbes. S. 4 f. und S. 12 - 14) 

und hält vor allem fest, nicht einmal 1996 habe mit den neuesten bildgebenden 

Untersuchungsmethoden der sichere Nachweis einer Hirn-Schrankenstörung er-

- 31 - 

bracht werden können. Daher sei wohl erwiesen, dass die Beklagte 2 im Jahr 

1983 mit Sicherheit nicht an MS gelitten habe (vgl. a.a.O., S. 5). 

5.2.2 Die Klägerin konzediert in act. 516/534 immerhin, dass im Jahr 1962 ärztlich 
der Verdacht geäussert worden war, die Beklagten 2 leide an MS, und sie räumt 

ebenfalls ein, dass diese ärztliche Äusserung 1962 nicht gegenüber der Beklag-

ten 2 erfolgte war, sondern nur den Eltern gegenüber – der Beklagte 2 sei das 

erst im Verlauf des Jahres 1973 eröffnet worden (vgl. a.a.O., S. 13). Die Klägerin 

stellt in act. 516/534 auch nicht näher in Abrede, dass die Beklagte 2 aus ver-

schiedenen Gründen seit 1962 wiederholt bei mehreren Ärzten zur Untersuchung 

oder in Behandlungen war, wie das Bezirksgericht darlegte (vgl. act. 496, dort et-

wa S. 37 ff.), so z.B. nach einem Unfall in den späten 60er Jahren u.a. bei Prof. 

N._____, so bei Dr. O._____ (Facharzt für Neurologie FMH), der 1973 davon 

ausging, die anamnestischen Angaben liessen sich mit einer Erkrankung an MS 

erklären, und so auch bei Dr. P._____, der die Beklagte 2 ab Januar 1975 bis 

zum 19. März 1983 unter der Diagnose einer MS behandelte. Letzteres ergibt sich 

im Übrigen gerade auch aus dem von der Klägerin eingereichten Beweismittel 

act. 99/1 (vgl. dort insbes. S. 181). Es darf das alles daher als erstellt gelten. 

 Nicht näher in Abrede gestellt werden von der Klägerin in act. 516/534 zu-

dem die Feststellungen des Bezirksgerichtes (vgl. act. 496 S. 48 f.), dass eben-

falls Dr. Q._____, bei dem die Beklagte 2 seit Mitte 1984 in Behandlung steht, die 

Diagnose der Erkrankung an MS stellte und ebenso Dr. R._____ (Facharzt FMH 

für Neurologie) an dieser Diagnose keine Zweifel hegte (vgl. act. 64/7 S. 2; dieser 

Bericht von Dr. R._____ wurde übrigens von der Klägerin als Beweismittel ange-

rufen [vgl. act. 98 S. 3). Es darf daher auch das alles als erstellt gelten. 

5.2.3 Etwas vortäuschen (simulieren) kann man nur dann, wenn man weiss, dass 
es nicht besteht. Im hier massgeblichen Kontext heisst das, dass die Beklagte 2 

nach Darstellung der Klägerin bis 1983 dem Vater eine Erkrankung an MS vorge-

täuscht hat, also spätestens 1983 wusste, dass sie nicht an MS leidet und daher 

entsprechende Symptome vorgetäuscht und Arztbesuche erlogen hat. Die Be-

weislast dafür, und damit die Folgen der Beweislosigkeit, trägt die Klägerin. Das 

- 32 - 

wurde bereits vorhin vermerkt. Das Bezirksgericht hat der Klägerin daher zu 

Recht den entsprechenden Beweis auferlegt. 

 Ein Beweis ist grundsätzlich erst dann erbracht, wenn das Gericht – das die 

Beweismittel frei zu würdigen hat (vgl. Art. 157 ZPO) – nach objektiven Gesichts-

punkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute Ge-

wissheit kann dabei nicht verlangt werden. Es genügt, wenn das Gericht am Vor-

liegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allen-

falls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2). Aus-

nahmen vom Regelbeweismass, und zwar im Sinne einer Beweiserleichterung 

durch Herabsetzung des Beweismasses, bestehen nur dort, wo das Gesetz sie 

vorsieht oder gefestigte Rechtsprechung die Ausnahme aus dem Gesetz abgelei-

tet hat. Den Ausnahmen liegt jeweils die Überlegung zu Grunde, dass die Rechts-

durchsetzung nicht an den Beweisschwierigkeiten scheitern darf, die typischer-

weise bei bestimmten Sachverhalten auftreten, und setzen daher eine sog. Be-

weisnot voraus (vgl. etwa BGE 130 III 321 E.2.3, 137 III 255 E.4.1.2, 140 III 610 

E. 4.1, 144 III 264 E. 5.3). Diese ist dann gegeben, wenn nach der Natur der Sa-

che ein strikter Beweis nicht möglich oder nicht zumutbar ist (z.B. weil die von der 

beweisbelasteten Partei behaupteten Tatsachen nur mittelbar aufgrund von  Indi-

zien bewiesen werden können). Eine Beweisnot liegt hingegen nicht bereits dann 

vor, wenn eine Tatsache, die ihrer Natur nach ohne Weiteres dem unmittelbaren 

Beweis zugänglich ist, nicht bewiesen werden kann, weil der beweisbelasteten 

Partei die Beweismittel dafür fehlen. Blosse Beweisschwierigkeiten im konkreten 

Einzelfall können und dürfen deshalb nicht zu einer Beweiserleichterung führen 

(vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2, BGE 141 III 569 E. 2.2.1, BGE 144 III 264 E. 5.3). 

 Es geht bei den Behauptungen der Klägerin um Handeln wider besseres 

Wissen bzw. Lügen, also um Tatsachen, die alle grundsätzlich einem direkten 

Beweis zugänglich sind. Deshalb besteht kein Anlass, in Bezug darauf vom Re-

gelbeweismass abzuweichen (vgl. dazu ergänzend auch nachstehend Erw. 

II/5.4.1.1). 

5.2.4 Bereits der erstellte Sachverhalt (vgl. vorn Erw. II/5.2.2) bietet keine stich-
haltigen Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Behauptung der Klägerin. Der Be-

klagten 2 wurde die Diagnose einer Erkrankung an MS gestellt, sie wurde deswe-

- 33 - 

gen von Dr. P._____ behandelt. Ein im Ansatz stichhaltiger Anlass für die An-

nahme, die Beklagte 2 habe 1983 eine Erkrankung an MS vorgetäuscht, besteht 

von daher keiner. 

 Auch die von der Klägerin angerufenen Beweismittel (vgl. dazu act. 98 S. 2 

f.) zeitigen kein anderes Ergebnis. Das hat bereits das Bezirksgericht richtig dar-

gelegt, weshalb dessen Überlegungen hier nicht zu wiederholen sind. Ergänzend 

bzw. verdeutlichend ist hier anzufügen, dass die Beklagte 2 erstelltermassen erst 

1973 von der 1962 gestellten Diagnose bzw. dem ärztlichen Verdacht auf eine Er-

krankung an MS erfuhr, was dann offenbar Anlass zur Frage gab, ob sie Kinder 

haben könne (vgl. act. 5/3/P S. 1). Aus Untersuchungen vor 1973 – wie z.B. der 

Untersuchung durch Prof. N._____ im Jahr 1969 (vgl. act. 5/3/K) – lässt sich da-

her insbesondere nichts zum Vortäuschen von MS bzw. entsprechender Symp-

tome herleiten. Und es bleibt daher etwa als Tatsache, dass die Beklagte 2 Prof. 

N._____ 1969 von Schüben berichtete. Zu deren Ursachen äusserte sich Prof. 

N._____ im Gutachten nicht. Frühere Befunde, die es ihm allenfalls erlaubt hät-

ten, eine Diagnose zu formulieren, standen ihm ohnehin nicht zur Verfügung. Fest 

stellte Prof. N._____ 1969 hingegen, es bestünden aktuell keine Hinweise für eine 

unfallbedingte Schädigung des peripheren Nervensystems (vgl. a.a.O., S. 10). 

Das abzuklären war Gutachtensauftrag (vgl. a.a.O., S. 1) und nicht anderes. 

 Für Prof. N._____ schien, um auch das noch zu erwähnen, im Herbst 1969 

eine Diskrepanz zwischen subjektivem Beschwerdebild und objektiven Befunden 

zu bestehen (vgl. a.a.O. S. 10 f.). Aus dem, was Prof. N._____ schien, lässt sich 

allerdings – entgegen dem, was die Klägerin antönt (vgl. act. 516/534 S. 4) – nicht 

begründet oder gar stichhaltig und überzeugend herleiten, die Beklagte 2 habe 

Ärzten gegenüber nicht vorhandene Beschwerden vorgetäuscht und die Ärzte 

hätten das jeweils kritiklos übernommen. Prof. N._____s Bemerkung beweist ge-

rade das Gegenteil, und sie negiert Beschwerden nicht. Den gebotenen kritischen 

ärztlichen Umgang mit Patientenangaben und objektiven Befunden zeigt ebenso 

der von der Klägerin als Beweismittel offerierte Arztbericht von Dr. S._____ (act. 

5/3/N). Dieser Bericht war im Anschluss an eine aus wissenschaftlichen Gründen 

erfolgte Nachuntersuchung der Beklagten 2 im Frühling 1970 erstellt worden und 

wertet im Ergebnis die berichteten Beschwerden als glaubhaft (vgl. a.a.O., dort 

- 34 - 

S. 6). Den gebotenen kritischen Umgang mit Patientenangaben und objektiven 

Befunden belegt schliesslich etwa der Bericht von PD Dr. O._____ vom 4. Okto-

ber 1973 (vgl. act. 5/3/O S. 2), der vom damaligen Hausarzt der Beklagten 2 bei-

gezogen worden war. Dieser kritische Umgang schloss eine Erkrankung der Be-

klagten 2 an MS nicht aus, sondern erachtete lediglich das "Verbot" einer 

Schwangerschaft als "etwas hart" (vgl. a.a.O.). 

 Es besteht kein Grund für die Annahme, der Facharzt PD Dr. O._____ sei 

1973 nicht auf der Höhe des damaligen ärztlichen Wissens- bzw. Erkenntnistan-

des gewesen und sei ohne Beachtung der damals geltenden Standards zum Er-

gebnis gelangt, eine Erkrankung an MS lasse sich nicht ausschliessen. Mit Fug 

wurde sodann nie behauptet, der Beklagten 2 sei die Meinung des Facharztes PD 

Dr. O._____ nicht eröffnet worden (aus dem von der Klägerin offerierten Beweis-

mittel act. 5/3/O ergibt sich nämlich das Gegenteil [nochmaliges Besprechen und 

Darlegung der Risiken]). Wurde der Beklagten 2 aber die Meinung des Facharz-

tes PD Dr. O._____ im Herbst 1973 bekannt gemacht, so musste sie seit diesem 

Zeitpunkt – wie jeder andere in der gleichen Lage – damit rechnen, an MS zu lei-

den. Die Annahme des Gegenteils wäre schlicht lebensfremd. Bereits das 

schliesst ein Handeln wider besseres Wissen aus, zumal die Beklagte 2 – wie ge-

sehen – schon entsprechende Symptome benannt hatte, als ihr die Diagnose von 

MS bzw. die Möglichkeit an MS erkrankt zu sein, noch unbekannt war. Erstellt ist 

überdies, wie auch schon gesehen, dass die Beklagte 2 wegen diverser Be-

schwerden in Behandlung war, bevor sie den Bescheid von PD Dr. O._____ er-

halten hatte. Und die Beschwerden der Beklagten 2 wurden weiterhin behandelt, 

bei Dr. P._____ ab 1975 u.a. auch unter der Diagnose MS, zuletzt im März 1983 

(vgl. etwa act. 99/2 und act. 99/1 S. 178, S. 180 f.; es handelt sich bei diesen Ur-

kunden um Beweismittel der Klägerin). 

5.2.5 Die Auffassung des Bezirksgerichtes, es sei der Klägerin der Beweis für ihre 
Behauptungen misslungen, die Beklagte 2 habe 1983 eine Erkrankung an MS le-

diglich vorgetäuscht und entsprechende Symptome simuliert sowie entsprechen-

de Arztbesuche erlogen, erweist sich nach dem vorhin Dargelegten als richtig. Ein 

entsprechendes Handeln wider besseres Wissen, also ein Lügen der Beklagten 2 

im Jahre 1983 lässt sich gerade auch im Lichte der Beweismittel, die die Klägerin 

- 35 - 

angerufen hat, beweismässig nicht erstellen. Im Berufungsverfahren wurde von 

der Klägerin (vgl. act. 516/534) denn auch nichts vorgebracht, was zu einem an-

deren Ergebnis führen könnte oder gar müsste. 

5.3 - 5.3.1 Das Bezirksgericht hat es offen gelassen, ob die Beklagte 2 tatsächlich 
an MS erkrankt ist (vgl. act. 496 S. 54 f. [Ziff. 7.10.1 und 7.10.2]). Denn es hielt 

das für die Beurteilung der Frage der Erbunwürdigkeit letztlich für unerheblich. 

 Die Erbunwürdigkeit begründete das Bezirksgericht nämlich im Wesentli-

chen aus zwei anderen Gründen, und zwar zum einen damit, die Beklagte 2 habe 

es 1983 unterlassen, die von einem Dritten, L._____, verursachte irrige Vor-

stellung des Vaters, wegen der Erkrankung an MS sei eine erbrechtliche Bevorzu-

gung angezeigt, durch Aufklärung zu beseitigen (vgl. a.a.O., S. 124 f.). Und zum 

anderen begründete es die Erbunwürdigkeit damit, dass die Beklagte 2 den Irrtum 

des Vaters ausgenützt habe, indem sie die mehrmalige Abänderung des väterli-

chen Testaments vom 5. November 1981 im Herbst 1983 zuliess und so beein-

flusste, dass diese Änderungen stets zu ihren Gunsten ausfielen, auch in Bezug 

auf falsche Angaben zur Höhe ihrer Darlehensschuld gegenüber dem Vater und 

zur Finanzierung ihres Studiums durch die Eltern (vgl. a.a.O., S. 125 f.). 

5.3.2 Die Beklagte 2 kritisiert harsch, dass das Bezirksgericht es offen gelassen 
hatte, ob sie an MS erkrankt ist oder nicht (vgl. act. 516/497 S. 34 ff.). Sie wirft 

dem Bezirksgericht etwa vor, es habe die Beweismittel, darunter die Diagnose 

von MS ausschliesslich von Spezialärzten, nicht objektiv gewürdigt (vgl. a.a.O., 

S. 35), es habe mit dem Schluss, es liege – wenn überhaupt – eine milde Ver-

laufsform der MS vor, lediglich eine Vermutung geäussert, zu der es in Anwen-

dung eines erleichterten Beweismasses gekommen sei, was nicht angehe (vgl. 

a.a.O., S. 37). Und sie hält u.a. fest, keine der Parteien habe je eine milde Ver-

laufsform behauptet, weshalb das Bezirksgericht die Verhandlungsmaxime ver-

letzt habe (vgl. a.a.O.). 

 Die Klägerin beanstandet nicht direkt, dass es das Bezirksgericht offen ge-

lassen hatte, ob die Beklagte 2 an MS leidet oder nicht; sie hält das immerhin für 

die Folge mangelnden medizinischen Sachverstands (vgl. act. 516/534 S. 14). Sie 

macht hingegen geltend, selbst wenn nur eine milde Verlaufsform der MS vorläge, 

- 36 - 

wäre das ein hinreichender Beweis für die Arglist der Beklagten 2, die sich die 

freie Quote angeeignet habe, auf die sie bei einem milden Verlauf nicht angewie-

sen gewesen wäre (vgl. act. 516/534 S. 5). Und allein auf die Arglist komme es an 

(vgl. a.a.O., S. 14/15). 

5.3.3 Vor dem Hintergrund des gescheiterten Beweises der Klägerin, die Beklag-
te 2 habe 1983 eine Erkrankung an MS nur vorgetäuscht, sowie mit Blick auf die 

Begründung des Bezirksgerichtes, aufgrund welchen Verhaltens im Jahre 1983 

die Beklagte 2 erbunwürdig sei, ist es in der Tat unerheblich, ob die Beklagte 2 an 

MS litt bzw. leidet oder nicht. Denn massgeblich sind die Umstände, namentlich 

das Verhalten der Beklagten 2 und ihr Wissen im Jahr 1983. Darauf wurde schon 

in anderem Zusammenhang hingewiesen (vgl. vorn Erw. II/5.2.3). 

 Im Jahr 1983 hatte die Beklagte 2, wie vorhin gesehen, begründeten Anlass 

zu befürchten, sie leide an MS. Feststellungen dazu, dass die Beklagte 2 im Jahr 

1983 in der Lage war, den Verlauf der allfälligen Erkrankung vorherzusehen, hat 

das Bezirksgericht keine getroffen, und das wohl doch mit Fug. Das Bezirksge-

richt erkannte einen milden Verlauf der allfälligen Erkrankung mit leichten Be-

schwerden aus anderen Gründen: Es verwies im Wesentlichen einerseits auf den 

Verlauf seit 1962 sowie andrerseits auf Untersuchungen in den 1990er und 

2000er Jahren, gemäss denen die untersuchenden Ärzte zum Schluss gekom-

men seien, die Untersuchungsbefunde würden zu einer Erkrankung an MS pas-

sen (vgl. act. 496 S. 54 f.). Das beinhaltet allerdings teilweise nicht nur eine – 

grundsätzlich unzulässige – Betrachtung ex post, sondern ebenso eine fachun-

kundige Würdigung medizinischer Sachverhalte. Beides erlaubt keine irgendwie 

stichhaltigen Rückschlüsse auf ein Wissen der Beklagten 2 im Jahr 1983 zum 

künftigen Verlauf der Erkrankung. Und insoweit sind die entsprechenden Feststel-

lungen des Bezirksgerichts nicht haltbar. 

 Um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen, bleibt anzumerken, dass 

dem Bezirksgericht die fehlende Fachkunde für die Beurteilung medizinischer 

Sachverhalte nicht zum Vorwurf gereicht. Es hat über diese – entgegen der Klä-

gerin (vgl. act. 516/534 S. 14) – nicht zu verfügen, weshalb es Sache der beweis-

belasteten Klägerin gewesen wäre, mit entsprechenden Beweisanträgen dafür zu 

sorgen, wie z.B. dem Antrag auf ein Gutachten zur fachkundigen Auswertung 

- 37 - 

bzw. Bewertung der bei der Beklagten 2 erhobenen (Untersuchungs-)Befunde 

und den danach gestellten Diagnosen, die zu den Akten gegeben wurden. Die 

Klägerin hat das unterlassen und das fällt zu ihren Lasten aus. 

5.3.4 Bei diesem Ergebnis kann offen gelassen werden, ob die Kritik der Beklag-
ten 2 am angefochtenen Urteil sonst noch zutrifft oder nicht. Immerhin bleibt etwa 

anzumerken, dass aus dem 1991 erstellten Arztzeugnis von Dr. T._____, dem 

Praxiskollegen von Dr. Q._____, bei dem die Beklagte 2 seit Mitte 1984 in Be-

handlung stand (vgl. act. 64/10), u.a. hervorgeht, dass die Beklagte es sehr gut 

verstand, leichtere Schübe rechtzeitig zu erkennen und durch gewisse Verhal-

tensregeln zu coupieren, ferner dass sie deshalb täglich regelmässig Medikamen-

te einzunehmen hatte bzw. einnahm (vgl. act. 5/3/X). Und: "Was eine Prognose 

des weiteren Verlaufs der Krankheit anbelangt, können keine sicheren Aussagen 

gemacht werden" (a.a.O.). Der konsiliarisch beigezogene Neurologe Dr. R._____ 

stellte 1996 nach Untersuchungen u.a. auch mit MRI die Diagnose "Enzephalo-

myelitis disseminata" (vgl. act. 64/7), also MS. Diese manifestierte sich gemäss 

einem späteren Arztbericht vor allem in zunehmender Müdigkeit und führte zur 

Reduktion der Arbeitsfähigkeit (vgl. dazu act. 64/8). 

 Im Berufungsverfahren hat die Beklagte 2 mit einem als Noveneingabe be-

zeichneten Schriftsatz vom 18. Mai 2018 (act. 516/511 f.) einen Bericht des Neu-

rologen Dr. R._____ über eine neurologische Verlaufsuntersuchung vom 13. April 

und 3. Mai 2018 (act. 516/512) eingereicht. Es handelt sich dabei um ein Novum, 

das gemäss Art. 317 ZPO zulässig ist. Der Klägerin sowie dem Beklagten 1 wur-

de Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern (vgl. vorn Erw. I/3.2.). Die Noven-

eingabe bzw. der Bericht von Dr. R._____ kann daher berücksichtigt werden. Die-

ser Bericht hält an der Diagnose MS fest und verweist u.a. auf unveränderte MRI-

Befunde mit den bekannten Entmarkungsherden (vgl. act. 516/512 S. 2). Letzte-

res bestreitet die Klägerin ebenso wenig wie die Darstellung der Beklagten 2, die-

se Entmarkungsherde seien MS-typisch (vgl. act. 516/511 S. 1 und dazu act. 

516/534, dort insbes. S. 4 f.). Demnach bestünden – käme es hier darauf an – je-

denfalls keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass die Beklagte 2 an MS leidet. 

Allfällige Zweifel an der Behauptung der Beklagten 2, beim Schreiben des 

Dr. P._____ vom 21. September 1979 an das Strassenverkehrsamt (act. 5/3/R 

- 38 - 

[Rückseite]) habe es sich um eine Gefälligkeit gehandelt, wie sie auch das Be-

zirksgericht hegte (vgl. act. 496 S. 41), wären damit zugleich entkräftet. Und es 

wäre müssig anzumerken, dass sich die Behauptung einer solchen ärztlichen Ge-

fälligkeit, die darauf abzielt, dem Patienten gegenüber Behörden zu helfen, mit 

der allgemeinen Lebenserfahrung zu solchen Gefälligkeiten von Ärzten im Ver-

kehr der Patienten mit Behörden, Gerichten (etwa bei Verschiebungsgesuchen) 

und Arbeitgebern vor 25 bis 30 Jahren (und auch heute noch) ohnehin deckte. 

Diesen Gefälligkeiten ist übrigens eigen, dass sie nie ganz falsch sind (also nicht 

einfach unwahr), aber auch nie ganz richtig. 

 Zu vermerken bleibt noch, dass die von der Beklagten 2 zusammen mit der 

(Zweit-)Berufung vorgebrachten Tatsachen, die sich auf Arztberichte aus den Jah-

ren 2016 und 2017 abstützen (vgl. act. 516/498/2 - 3), keine zulässigen Noven 

i.S. des Art. 317 ZPO darstellen. Denn diese Berichte und die damit verbundenen 

Tatsachenbehauptungen hätten dem Bezirksgericht, das sein Urteil erst im Feb-

ruar 2018 eröffnete, ohne Weiteres noch gestützt auf § 115 Ziff. 3 ZPO/ZH vorge-

tragen bzw. eingereicht werden können. Gründe, welche die Beklagte 2 objektiv 

gesehen daran gehindert hätten, sind nicht ersichtlich (vgl. auch act. act. 516/497 

S. 13 f. und S. 37): Sie liess sich 2016 untersuchen und liess ebenso 2017 die 

Zweitmeinung einholen (dass ihre Hausärztin die Zweitmeinung ohne ihr Wissen 

einholte, wird nicht geltend gemacht). Es war der Beklagten 2 daher zuzumuten, 

sich um den (rechtzeitigen) Erhalt der Berichte zu kümmern. Gerade in Bezug auf 

die Zweitmeinung hatte sie auch allen Anlass dazu, denn diese Zweitmeinung 

dient ja dem Beleg ihres Standpunktes – einen einsichtigen anderen Grund für 

das Einholen der Zweitmeinung trägt die Beklagte 2 denn auch nicht vor (vgl. 

act. 516/497 S. 13 f.). Diese erst mit der Zweitberufung eingereichten Berichte 

und die damit verbundenen Tatsachenbehauptungen haben daher hier unberück-

sichtigt zu bleiben. 

5.4 Das Bezirksgericht hat – wie vorhin gesehen (vgl. Erw. II/5.3.1) – die Erbun-
würdigkeit im Wesentlichen zum einen damit begründet, dass die Beklagte 2 den 

Vater (Erblasser) nicht über einen Irrtum aufklärte, den L._____ bei ihm erweckt 

hatte. 

- 39 - 

5.4.1 Unstrittig war und ist in diesem Zusammenhang, dass L._____ mit der Be-
klagten 2 bekannt bzw. befreundet war und den Vater (Erblasser) kannte. Weiter 

war und ist unstrittig, dass L._____ – dessen Schwester an MS erkrankt war – mit 

dem Vater um den 20. September 1983 herum ein Gespräch führte, in dem er die 

erbrechtliche Besserstellung der Beklagten 2 empfahl (vgl. act. 3 S. 6, S. 18 sowie 

act. 55 S. 4 f., dazu act. 36 S. 14 sowie act. 63 S. 5 f.). 

 Bestritten waren hingegen im bezirksgerichtlichen Verfahren die Behauptun-

gen der Klägerin, L._____ habe diesen Besuch auf Veranlassung der Beklagten 2 

unternommen, und zwar um dem Vater eine Änderung der letztwilligen Verfügung 

aus dem Jahr 1981 zu Gunsten der Beklagten 2 aufzudrängen; L._____ habe da-

bei gewusst, dass sich der Gesundheitszustand des Vaters seit Mitte September 

1983 bedrohlich verschlechtert habe. Die Beklagte 2 habe dem Vater im Hinblick 

auf die Testamentsänderung zudem ein von L._____ verfasstes Papier überge-

ben und ein weiteres von L._____ verfasstes Papier untergeschoben. Über diese 

Behauptungen der Klägerin führte das Bezirksgericht ein Beweisverfahren durch 

und auferlegte der Klägerin den Hauptbeweis dafür (vgl. act. 68-A bzw. Vi-Prot. S. 

14 f. [Beweisauflage]). 

5.4.1.1 Die Beweislastverteilung des Bezirksgerichts ist im Berufungsverfahren 
unbeanstandet geblieben (und zwar mit Fug). Die Folgen der Beweislosigkeit tref-

fen daher die Klägerin. Bei allen zum Beweis verstellten Behauptungen der Kläge-

rin zur Rolle von L._____ handelt es sich – das ist noch anzumerken – um solche, 

die dem direkten Beweis zugänglich sind. Es gilt daher das Regelbeweismass 

(vgl. vorn Erw. II/5.2.3). 

 Das Bezirksgericht hat das übergangen und seine Beweismittelwürdigung 

unter Verweis auf Ziff. 5.5 seiner Erwägungen in "Berücksichtigung der Beweis-

schwierigkeiten der Parteien" vorgenommen (vgl. act. 496 S. 77/78). In Ziff. 5.5. 

ging das Bezirksgericht von einer generellen Beweiserleichterung aus, weil die 

streitgegenständlichen Vorgänge vor über 30 Jahren stattgefunden hätten, wes-

halb in den meisten Fällen nur Urkunden hätten vorgelegt werden können (vgl. 

a.a.O., S. 32). Darin liegt allerdings – wie vorhin dargelegt (Erw. II/5.2.3) – noch 

kein Grund zur Beweiserleichterung; die Beklagte kritisiert das Bezirksgericht des-

wegen wiederholt (vgl. etwa act. 516/497 S. 8 f., S. 54) mit Recht. Anzufügen 

- 40 - 

bleibt, dass Urkunden immerhin nur schon auf Grund der allgemeinen Lebenser-

fahrung geeigneter sind, vor 30 Jahren Geschehenes zu belegen als z.B. Aussa-

gen von Zeugen 30 Jahre nach dem Geschehenen. Denn bekanntlich nimmt das 

Erinnerungsvermögen im Lauf der Zeit ab, nicht hingegen zu, und es vermischen 

sich zudem bekanntlich auch Erinnerungen. Von daher sind Unschärfen, Unklar-

heiten und auch Widersprüche in Schilderungen von lange Zurückliegendem (wie 

z.B. auch hinsichtlich Jahreszahlen) nichts als natürlich. Sowohl nach der allge-

meinen Lebenserfahrung wie auch nach den Erkenntnissen der Aussagenpsycho-

logie läge daher in einer klaren, scharfen und widerspruchsfreien Schilderung ein 

nicht zu übersehender Anhaltspunkt für die Unzuverlässigkeit bzw. Unglaubhaf-

tigkeit einer Aussage (als sog. Bestimmtheits- bzw. Lügensignal). Das gilt es auch 

hier in Bezug auf alle Schilderungen der Parteien und von Zeugen zu beachten. 

5.4.1.2 Das Bezirksgericht kam zunächst zum Ergebnis, der Klägerin sei der Be-
weis für ihre Behauptung misslungen, L._____ habe von dem sich seit Mitte Sep-

tember 1983 bedrohlich verschlechternden Gesundheitszustand des Vaters ge-

wusst (vgl. act. 496 S. 73 f. [8.6.2]). Dieses Ergebnis wird im Berufungsverfahren 

nicht in Frage gestellt (vgl. act. 516/497 S. 42 f., act. 516/534 S. 5 f.). 

 Ergänzend bleibt festzuhalten, dass die Behauptung der Klägerin zwei Sach-

verhalte benennt, die sich nicht gegenseitig sozusagen bedingen oder irgendwie 

obligat zusammen gehören, nämlich zum einen die Tatsachenbehauptung einer 

bedrohlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Vaters Mitte Sep-

tember 1983 und anderseits die Tatsachenbehauptung des Wissens von L._____ 

dazu. Mit der ersten Tatsachenbehauptung, dem sich verschlechternden Ge-

sundheitszustand des Vaters, befasste sich das Bezirksgericht in seinen Überle-

gungen, die zum Ergebnis führten, der Klägerin sei der Beweis misslungen, nicht 

eigens. Es verwies auf das Ergebnis seiner Überlegungen zum klägerischen Vor-

wurf, ohne Betreiben und Beeinflussung der Beklagten 2 hätte der Vater das Tes-

tament vom November 1981 im Herbst 1983 gar nicht ändern können (vgl. act. 

496 S. 73 [8.6.2, vor 8.6.2.1]). Diesen Überlegungen hinwieder lassen sich keine 

Feststellungen des Bezirksgerichts zu einem sich Mitte September 1983 bedroh-

lich verschlechternden Gesundheitszustand entnehmen. Das Bezirksgericht kam 

zum Schluss, der Klägerin sei der Beweis dafür misslungen, der Vater sei ohne 

- 41 - 

Betreiben und Beeinflussung der Beklagten 2 1983 gar nicht mehr in der Lage 

gewesen, sein Testament aus dem Jahre 1981 abzuändern. Und es erachtete es 

als erstellt, dass der Vater 1983 gesundheitlich angeschlagen und ab November 

1983 pflegebedürftig war (vgl. a.a.O., S. 73; vgl. auch act. 99/24 und 99/25 [bei-

des Beweismittel der Klägerin]). Das wird im Berufungsverfahren nicht in Frage 

gestellt (vgl. etwa act. 516/497 S. 38 - 43 und S. 71 f., act. 516/534 S. 5 f., S. 14 

f.) und darf daher als erstellt gelten. 

 Nicht in Frage gestellt wird im Berufungsverfahren ebenso die weitere Fest-

stellung des Bezirksgerichtes, der Vater habe die ihm vorgelegten Papiere und 

Urkunden nicht im Detail hinterfragt und sei insoweit bzw. "zumindest" zu einem 

gewissen Grad beeinflussbar gewesen (vgl. a.a.O., S. 73 und S. 117). Mit dem 

Gesundheitszustand des Vaters hat Letzteres unmittelbar allerdings nichts zu tun. 

Das Bezirksgericht weist andernorts der Sache nach ebenfalls darauf hin (vgl. 

act. S. 73/74). 

5.4.1.3 Kritisiert werden sowohl von der Beklagten 2 als auch von der Klägerin 
hingegen die Beweiswürdigungen des Bezirksgerichtes zu den weiteren Behaup-

tungen der Klägerin, nämlich erstens der Besuch von L._____ sei auf Veranlas-

sung der Beklagten 2 unternommen worden, um dem Vater eine Änderung der 

letztwilligen Verfügung aus dem Jahr 1981 zu Gunsten der Beklagten 2 aufzu-

drängen, und zweitens habe die Beklagte 2 im Hinblick auf die Testamentsände-

rung dem Vater ein von L._____ verfasstes Papier übergeben bzw. dem Vater ein 

weiteres von L._____ verfasstes Papier untergeschoben. Dabei legen beide Par-

teien vor allem breit dar, wie die Beweismittel aus ihrer Sicht richtig hätten gewür-

digt werden sollen und stellen dann darauf ab (vgl. act. 516/497 S. 43 ff., S. 72 ff. 

sowie act. 516/534 S. 6 ff., S. 15). Damit allein ist allerdings regelmässig noch 

nicht dargetan, inwiefern die Würdigung der Beweismittel durch das Bezirksge-

richt falsch sein soll bzw. ist. 

 Das Bezirksgericht kam zum Ergebnis, der Klägerin sei der Beweis dafür 

misslungen, dass der Beklagten 2 eine aktive Rolle bei der Übermittlung der von 

L._____ verfassten Anleitung – die die Klägerin als Strategiepapier bezeichnet 

hatte – zugekommen sei bzw. dass sie Notizen dem Vater untergeschoben hätte 

(vgl. act. 496 S. 81 und S. 118). Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund der Be-

- 42 - 

weismittel, die die Klägerin offeriert hat (vgl. act. 98 S. 5 f., S. 7) und die abge-

nommen wurden bzw. werden konnten (vgl. dazu act. 496 S.77, dort Ziff. 8.6.3.9), 

durchaus richtig, gerade im Lichte des Regelbeweismasses. Richtig ist ebenfalls 

die Feststellung des Bezirksgerichtes, es sei der Nachweis (also der Beweis) 

nicht erbracht, dass die Initiative für das Handeln von L._____ von der Beklagten 

2 ausging (vgl. a.a.O., S. 79) bzw. dass die Beklagte L._____ im Sinne eines akti-

ven Tuns regelrecht dazu veranlasst habe, mit dem Vater zu sprechen, um einen 

für sie besseren erbrechtlichen Schutz zu erreichen (vgl. a.a.O., S. 118). Der Be-

weis der Klägerin für ihre Behauptung, die Beklagte 2 habe L._____ veranlasst, 

dem Vater eine Testamentsänderung aufzudrängen, ist bei diesen Ergebnissen 

gescheitert. 

5.4.1.4 Das Bezirksgericht zog diesen Schluss indessen nicht. Es vermerkte, die 
Beklagte 2 sei über die Handlungen von L._____ im Bilde gewesen und habe die-

se zumindest gebilligt (vgl. a.a.O.). Im Sinne einer – wie gesehen unzulässigen – 

Beweiserleichterung nahm es sodann an, L._____ habe in Absprache mit der Be-

klagten 2 gehandelt (vgl. a.a.O., S. 82), und erachtete es danach schliesslich als 

erstellt, L._____ sei von der Beklagten 2 eingespannt worden, weil er davon aus-

gegangen sei, die Beklagte 2 leide tatsächlich an MS (vgl. a.a.O., S. 118). Und 

selbst wenn die Beklagte 2 tatsächlich an MS leiden sollte, hätte sie im damaligen 

Zeitpunkt aufgrund des milden Verlaufs der Krankheit nicht davon ausgehen dür-

fen, ihre Situation rechtfertige eine erbrechtliche Bevorzugung und der Vater wolle 

das aus freien Stücken (a.a.O.). 

 Diese Argumentation ist – wie die Beklagte 2 richtig vorbringt (vgl. 

act. 516/497 S. 72) – logisch und sachlich nicht haltbar. Sie lässt die Folgen der 

Beweislosigkeit streckenweise unbeachtet und stützt sich zudem – namentlich in 

Bezug auf das Wissen der Beklagten 2 – nicht auf Tatsachenfeststellungen ab, 

die sich im Beweisverfahren gesichert ergeben hatten (vgl. auch vorn Erw. II/5.3.3 

und II/5.3.4). Was sich unter welchen Umständen rechtfertigt, beschlägt schliess-

lich keine Tatfrage, sondern beinhaltet eine Wertung und damit eine Rechtsfrage. 

Wie noch zu zeigen sein wird, kommt den Schlüssen des Bezirksgerichtes aller-

dings keine wesentliche Bedeutung zu, selbst wenn sie als zutreffend erachtet 

würden. 

- 43 - 

5.4.1.5 Als Fazit zum Besuch von L._____ kann somit Folgendes festzuhalten. 
 Unstrittig im Berufungsverfahren ist und daher als erstellt zu gelten hat, dass 

L._____ den Vater um den 20. September 1983 besuchte und ihm dabei die erb-

rechtliche Besserstellung der Beklagten 2 wegen der Erkrankung an MS empfahl. 

Dass anderes als die Empfehlung von L._____ unmittelbarer Anlass für die letzt-

willige Verfügung des Vaters im November 1983 war, hat keine Partei im bezirks-

gerichtlichen Verfahren behauptet. Es darf das daher als erstellt gelten. 

 Im Zusammenhang mit dem Besuch von L._____ beim Vater hat die Kläge-

rin die Behauptung aufgestellt, der Gesundheitszustand des Vaters habe sich vor 

dem Besuch, nämlich Mitte September 1983, bedrohlich verschlechtert; und sie 

hat ebenso behauptet, L._____ habe darum gewusst. Für beides ist ihr der Be-

weis misslungen. L._____ hatte daher keine Kenntnis von einer Verschlechterung 

und eine bedrohliche Verschlechterung ist damals auch nicht eingetreten. Miss-

lungen ist der Klägerin ebenso der Beweis für ihre Behauptung, L._____ habe 

den Besuch auf Veranlassung der Beklagten 2 unternommen, um dem Vater eine 

Änderung der letztwilligen Verfügung aus dem Jahr 1981 zu Gunsten der Beklag-

ten 2 aufzudrängen. Die Beklagten 2 veranlasste also L._____ nicht, den Vater 

aufzusuchen, und auch nicht, dem Vater eine Testamentsänderung aufzudrän-

gen. Dass die Beklagte 2 Kenntnis vom Besuch L._____s hatte (vgl. dazu vorn 

Erw. II/5.4.1.4), ändert daran nichts. 

 Misslungen ist der Klägerin schliesslich der Beweis für ihre Behauptungen, 

die Beklagte 2 habe dem Vater im Hinblick auf die Testamentsänderung ein von 

L._____ verfasstes Papier übergeben und ein weiteres von L._____ verfasstes 

Papier untergeschoben. Beides ist also so nicht geschehen. 

5.4.