# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8f927ac-9c19-5dda-a751-12ce4870bb33
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1999-02-17
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 17.02.1999 JAAC 64.14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-64-14--_1999-02-17.pdf

## Full Text

JAAC 64.14

Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom
17. Februar 1999, auch erschienen in Kranken-

und Unfallversicherung, Rechtsprechung und
Verwaltungspraxis [RKUV] 2/1999, S. 169 ff.

Art. 41 al. 1, art. 46 al. 2, art. 47 al. 1 LAMal. Fixation d’un tarif dans un
régime sans convention.

- L’art. 41 al. 1 LAMal présuppose que des tarifs existent entre tous les
fournisseur de prestations admis et toutes les institutions autorisées
à pratiquer l’assurance obligatoire des soins. Les partenaires
tarifaires sont dès lors pour le moins tenus de tendre à la réalisation
de conventions tarifaires avec tous les fournisseurs de prestations, ou
tous les assureurs-maladie admis au sens des dispositions de la LAMal
(consid. 3.2).

- Les assureurs ou les fournisseurs de prestations qui n’ont pas
adhéré aux conventions de leurs fédérations en se référant à l’art. 46
al. 2 LAMal doivent s’efforcer, suivant le mécanisme général de la
tarification, d’arriver à des conventions correspondantes avec la partie
adverse (consid. 3.3).

- Après l’échec des négociations, les tarifs sont fixés par l’autorité. Seul
le partenaire tarifaire qui présente des propositions constructives et
substantielles pour la tarification peut compter avec la fixation d’un
tarif plus avantageux pour lui (consid. 3.3).

- L’assureur ou le fournisseur de prestations qui n’adhère pas à
la convention de la fédération et qui n’a pas fait de propositions
constructives et substantielles doit accepter que le tarif conclu par la
fédération lui soit également appliqué (consid. 3.4).

- En principe l’assureur est libre de décider d’adhérer ou non à la
convention d’une fédération. Cependant, les conséquences d’une
non-adhésion ne peuvent pas être déduites des termes de l’art. 46 al. 2
LAMal lorsqu’il en résulte un régime sans convention (consid. 4.1).

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- La restriction de la liberté contractuelle qui résulte du fait que les
partenaires tarifaires sont obligés de négocier est proportionnée et elle
ne viole pas la liberté du commerce et de l’industrie (consid. 4.2).

Art. 41 Abs. 1, Art. 46 Abs. 2, Art. 47 Abs. 1 KVG. Tariffestsetzung im
vertragslosen Zustand.

- Art. 41 Abs. 1 KVG setzt voraus, dass zwischen allen zugelassenen
Leistungserbringern und allen zur Durchführung der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung befugten Einrichtungen Tarife vorhanden
sind. Die Tarifpartner sind somit verpflichtet, nach Kräften auf das
Zustandekommen von Tarifverträgen mit allen nach den Bestimmungen
des KVG zugelassenen Leistungserbringern bzw. Krankenversicherern
hinzuwirken (E. 3.2).

- Versicherer und Leistungserbringer, die den Verträgen ihrer Verbände
unter Berufung auf Art. 46 Abs. 2 KVG nicht beitreten, müssen darum
bemüht sein, dem Grundgedanken des Systems der Tarifgestaltung
folgend zu entsprechenden Vereinbarungen mit der Gegenseite zu
kommen (E. 3.3).

- Nach dem Scheitern der Vertragsverhandlungen werden die Tarife
hoheitlich festgesetzt. Mit dem Erlass eines für ihn günstigen Tarifs
kann aber nur derjenige Tarifpartner rechnen, der konstruktive und
substantiierte Vorschläge zur Tarifgestaltung vorlegt (E. 3.3).

- Ein Krankenversicherer oder Leistungserbringer, der dem
Verbandsvertrag nicht beigetreten ist und auch bei der Tarifgestaltung
keine eigenen konstruktiven und substantiierten Vorschläge gemacht
hat, muss es hinnehmen, dass der vom Verband abgeschlossene Tarif
auch für ihn festgesetzt wird (E 3.4).

- Grundsätzlich steht es dem Versicherer frei, ob er einem
Verbandsvertrag beitritt oder nicht. DemWortlaut des Art. 46 Abs. 2
KVG lässt sich jedoch nicht entnehmen, welches die Konsequenzen eines
Nichtbeitritts sind, wenn dadurch ein vertragsloser Zustand entsteht
(E 4.1).

- Die Beschränkung der Vertragsfreiheit, welche aus der den
Tarifpartnern auferlegten Verhandlungspflicht entsteht, ist
verhältnismässig und stellt keine Verletzung der Handels- und
Gewerbefreiheit dar (E. 4.2).

Art. 41 cpv. 1, art. 46 cpv. 2, art. 47 cpv. 1 LAMal. Fissazione di tariffe in
un regime senza convenzione.

- L’art. 41 cpv. 1 LAMal presuppone che esistano tariffe fra tutti i
fornitori di prestazioni autorizzati e tutte le istituzioni ammesse a
esercitare l’assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie.
Le parti alla convenzione sono quindi obbligate a tendere, per quanto

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possibile, alla stipulazione di convenzioni tariffali con tutti i fornitori
di prestazioni risp. assicuratori malattie autorizzati secondo le
disposizioni della LAMal (consid. 3.2).

- Gli assicuratori e i fornitori di prestazioni che in riferimento
all’art. 46 cpv. 2 LAMal non hanno aderito alle convenzioni delle loro
federazioni devono impegnarsi, seguendo il meccanismo generale
della formazione della tariffa, a concludere una convenzione con la
controparte (consid. 3.3).

- Dopo il fallimento delle trattative, le tariffe sono fissate dalle autorità.
Solamente quella parte alla convenzione che presenta proposte tariffali
costruttive e sostanziali può contare su una fissazione di una tariffa più
vantaggiosa per sé stessa (consid. 3.3).

- Un assicuratore o un fornitore di prestazioni che non aderisce
alla convenzione della federazione e non presenta proposte tariffali
costruttive e sostanziali deve accettare che gli venga parimenti
applicata la tariffa conclusa dalla federazione (consid. 3.4).

- Fondamentalmente l’assicuratore è libero di decidere se aderire o no
alla convenzione di una federazione. Tuttavia le conseguenze di una
non adesione non sono deducibili dal tenore dell’art. 46 cpv. 2 LAMal
qualora consegua un regime senza convenzioni (consid. 4.1).

- La restrizione della libertà contrattuale risultante dal fatto che le
parti alla convenzione siano obbligate a negoziare è proporzionata e
non viola la libertà di commercio e d’industria (consid. 4.2).

A. Der kneipp hof in Dussnang TG ist ein privat geführter Kurbetrieb und seit
Anfang 1996 zur Durchführung medizinischer Rehabilitationen als Spital
im Sinne von Art. 39 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
vom 18. März 1994 (KVG, SR 832.10) zu Lasten der obligatorischen
Krankenversicherung zugelassen. Einen ersten Tarifvertrag über
die stationäre Behandlung vom März 1997 lehnten die meisten
Krankenversicherer ab, da nur eine Teilpauschale exklusiv ärztliche
Versorgung vorgesehen war. Am 12. August 1997 wurde zwischen dem
Kantonalverband Thurgauischer Krankenversicherer (KTK; heute KST) und
dem kneipp hof ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Dieser sah per 1. Juli
1997 eine Vollpauschale von Fr. 280.- vor.

B. Verschiedene Krankenversicherer lehnten den Beitritt zu diesem Vertag ab:
Während der vereinbarte Tarif eine volle Deckung der anrechenbaren Kosten
vorsah, betrachteten diese Kassen den einschlägigen Bundesratsentscheid
betreffend die Aargauer Reha-Klinik (Entscheid Nr. KV 8 in Kranken- und
Unfallversicherung, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1997 S.
220) als verfehltes Präjudiz und bestanden auf einer Deckung von höchstens
50%. Einzelne Versicherer vertraten diesen Standpunkt auch im kantonalen
Festsetzungsverfahren, das auf Antrag des kneipp hofs eingeleitet worden

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war. Die einen beantragten einen Tarif von Fr. 140.-, andere lehnten eine
Tariffestsetzung überhaupt ab. Einen Versuch, mit dem kneipp hof selbst einen
separaten Tarif auszuhandeln, hat es nicht gegeben.

C. Der Regierungsrat setzte am 22. Dezember 1997 den Tarif, dem Antrag
des kneipp hofs folgend, auf Fr. 280.- fest (Vollpauschale). Verschiedene
Versicherer haben dagegen beim Bundesrat Beschwerde erhoben. Dieser
hat die Beschwerde abgewiesen.

Aus den Erwägungen:

1. Gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen über die Festsetzung von Tarifen
im vertragslosen Zustand gemäss Art. 47 Abs. 1 KVG kann nach Art. 53 Abs. 1
KVG Beschwerde an den Bundesrat erhoben werden.

1.1. (Rechtsweg[26])

1.2. Der angefochtene Beschluss des Regierungsrates stellt zwar kantonales
Recht dar. Diesem kommt jedoch keine selbständige Bedeutung zu, nachdem
er bloss Bundesrecht vollzieht (Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege,
2. Aufl., Bern 1983, S. 91; Peter Saladin, Das Verwaltungsverfahrensrecht
des Bundes, Basel 1979, S. 77 ff.; VPB 48.45; Zeitschrift des Bernischen
Juristenvereins [ZBJV] 1992, 640 ff.; BGE 105 Ib 107 E.1; 112 Ib 44 und 166;
112 V 108 ff. sowie 118 Ib 130).

1.3. Die beschwerdeführenden Versicherer werden durch die strittige
Tariffestsetzung verpflichtet, die entsprechenden Tagessätze zu entrichten,
wenn sich bei ihnen Versicherte in der allgemeinen Abteilung des kneipp
hofes Dussnang behandeln lassen. Sie sind daher durch den angefochtenen
Beschluss des Regierungsrates des Kantons Thurgau im Sinne des Art. 48 Bst. a
VwVG berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung.

1.4. (Form und Frist)

2. Der angefochtene Tarif ist von der Vorinstanz, dem Regierungsrat
des Kantons Thurgau, als erster Instanz erlassen worden. Der Bundesrat
überprüft ihn daher grundsätzlich in vollem Umfang einschliesslich seiner
Angemessenheit (Art. 49 VwVG). Dabei übt er Zurückhaltung, wenn nach Sinn
und Zweck der bundesrechtlichen Bestimmungen den kantonalen Behörden
ein weiter Ermessensspielraum eingeräumt wird (VPB 52.33, 41.28).

Einen weiten Ermessensspielraum der kantonalen Behörden hat der
Bundesrat zwar für die Entscheidung anerkannt, ob diese die Geltung
eines früher bestehenden Vertrages in Anwendung von Art. 47 Abs. 3
KVG verlängern wollen, anstatt selber einen Tarif festzusetzen (RKUV
1997, S. 371 ff., E. 3; 1997, S. 220 ff., E. 3). Setzt die Kantonsregierung aber
einen Tarif nach Art. 47 Abs. 1 KVG fest, so soll der Bundesrat bei Bedarf
dafür sorgen können, dass die tarifrechtlichen Ziele und Grundsätze des
Krankenversicherungsrechts eingehalten werden; namentlich, eine qualitativ
hochstehende und zweckmässige Versorgung zu möglichst günstigen Kosten
zu erreichen und die Übereinstimmung der Tarife mit dem Gesetz und mit
den Geboten der Wirtschaftlichkeit und Billigkeit (Botschaft zur Revision der

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_105_Ib_107&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000710.pdf?ID=150000710

Krankenversicherung, BBl 1992 I 188). Dass diesem Auftrag nur mit einer auch
die Angemessenheit des Tarifes umfassenden Prüfung nachgekommen werden
kann, versteht sich.

3. Der Bundesrat sieht sich aber dann veranlasst, auf die Überprüfung
eines Tarifs sowohl in Bezug auf seine Angemessenheit als auch auf seine
Gesetzmässigkeit hin zu verzichten, wenn dies zur Durchsetzung des vom
Gesetzgeber vorgesehenen Systems der Tarifgestaltung in der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung notwendig erscheint.

3.1. In diesem System kommt der autonomen Gestaltung der Tarife durch
die Tarifpartner mittels Verträgen zwischen Leistungserbringern und
Krankenversicherern gemäss Art. 43 Abs. 4 KVG die grundlegende Rolle zu
(Botschaft, a.a.O., S. 172). Bloss für den Fall, dass auf diese Weise kein Tarif
zustandekommt, hat der Gesetzgeber ein Tätigwerden der Kantonsregierung
vorgesehen (Art. 47 Abs. 1 KVG). Diese setzt nach Anhörung der Parteien
erst dann einen Tarif fest, wenn trotz darauf zielender Verhandlungen
oder Angebote kein Vertrag zustandegekommen ist, wenn für bestimmte
Einzelfälle kein anwendbarer Vertrag existiert oder wenn die Erneuerung
eines vorbestehenden, aber gekündigten Vertrages gescheitert ist (Botschaft,
BBl 1992 I 180 f.). Dabei kann die Kantonsregierung im letzten der erwähnten
Fälle auch den vorbestehenden Vertrag um ein Jahr verlängern (Art. 47 Abs. 3
KVG).

Dieses der vertraglichen Vereinbarung von Tarifen den klaren Vorrang
einräumende System würde ad absurdum geführt, wenn Tarifpartner, die sich
der konstruktiven Mitarbeit in Vertragsverhandlungen verweigern, dadurch
die ihnen zugedachte Rolle bei der Tariffindung beliebig auf die staatlichen
Behörden überwälzen könnten. Die Botschaft des Bundesrates, der in diesem
Punkt weder im Stände- noch im Nationalrat widersprochen worden ist, stellt
die Absicht des Gesetzgebers klar, dass Tarife nur in Ausnahmesituationen
hoheitlich festzulegen seien (Botschaft, BBl 1992 I 172).

3.2. Gemäss Art. 46 Abs. 2 KVG ist ein von einem Verband abgeschlossener
Tarifvertrag für dessen Mitglieder nur dann verbindlich, wenn sie diesem
Vertrag beigetreten sind. Abs. 3 desselben Artikels hält fest, dass folgende
Massnahmen der vertragschliessenden Verbände nicht zulässig und damit
ungültig sind: Konkurrenzverbote und Sondervertragsverbote zu Lasten
von Verbandsmitgliedern; die Verpflichtung von Verbandsmitgliedern auf
bestehende Verbandsverträge; Exklusivitäts- und Meistbegünstigungsklauseln
(Art. 46 Abs. 3 KVG).

Abs. 3 ist in seiner jetzigen Form noch während der parlamentarischen
Beratung auf Vorschlag des Bundesrates dem Entwurf zum KVG angefügt
worden (AB 1993 N 1860 f.). Damit wurde den Empfehlungen im Bericht der
Kartellkommission zu Krankenkassen und Tarifverträgen (Veröffentlichungen
der Schweizerischen Kartellkommission und des Preisüberwachers 2/1993,
S. 18) Rechnung getragen. Schon die bundesrätliche Botschaft unterstreicht
jedoch die Bedeutung des Prinzips der Vertragsfreiheit im Hinblick auf den
Abschluss von Tarifverträgen als Hauptinstrument für die Festlegung der in
der obligatorischen Krankenversicherung geltenden Tarife (Botschaft, BBl 1992
I 178 f.). «Die Vertragsfreiheit soll den Tarifpartnern die Möglichkeit eröffnen,
wo dies angezeigt und wirksam ist, mit dem Mittel der Harmonisierung
und der Koordination zur Kosteneindämmung beizutragen; dort, wo sich

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Differenzierungen und Wettbewerb als geeigneter hierfür erweisen, sollen
sie diesen Weg wählen und beide Vorgehensweisen optimal miteinander
kombinieren können» (Botschaft, BBl 1992 I 179).

Ersichtlich ist bei der Abfassung dieser Vorschrift auf die Fähigkeit und vor
allem auch die Bereitschaft der Tarifpartner gesetzt worden, in freiheitlicher
und verantwortungsbewusster Tarifgestaltung zur Eindämmung der Kosten
in der Krankenpflegeversicherung beizutragen (Botschaft BBl 1992 I 179).
Nicht in Rechnung gestellt hat die bundesrätliche Botschaft aber den Fall,
dass Tarifpartner zwar dem vom entsprechenden Verband abgeschlossenen
Tarifvertrag nicht beitreten, aber auch nicht fähig oder willens sind, einen
separaten Vertrag abzuschliessen. Tatsächlich stellt sich hier die Frage, ob es
nicht missbräuchlich ist, dem von einem Verband abgeschlossenen Vertrag im
vollen Wissen darum nicht beizutreten, dass damit ein vertragsloser Zustand
geschaffen wird, der dann um des Schutzes der Versicherten willen ein
Eingreifen der Kantonsregierung erfordert. Nach Auffassung des Bundesrates
geht die Vertragsfreiheit im Rahmen des Systems der Tarifgestaltung in
der obligatorischen Krankenversicherung jedenfalls nicht so weit, dass es
den Tarifpartnern freisteht, ob sie überhaupt, und mit wem sie Verträge
schliessen wollen. Vielmehr setzt Art. 41 Abs. 1 KVG voraus, dass zwischen
allen zugelassenen Leistungserbringern und allen zur Durchführung der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung befugten Einrichtungen Tarife
vorhanden sind. Die Tarifpartner sind folglich zumindest dazu verpflichtet,
nach Kräften auf das Zustandekommen von Tarifverträgen mit allen
nach den Bestimmungen des KVG zugelassenen Leistungserbringern bzw.
Krankenversicherern hinzuwirken.

3.3. Folgerichtig ist der Bundesrat der Ansicht, dass Versicherer oder
Leistungserbringer, die den Verträgen ihrer Verbände unter Berufung
auf Art. 46 Abs. 2 KVG nicht beitreten, darum bemüht sein müssen, dem
Grundgedanken des Systems der Tarifgestaltung folgend zu entsprechenden
Vereinbarungen mit der Gegenseite zu kommen (so der Entscheid des
Bundesrates vom 1. Juli 1998 in Sachen Spitaltarife im Kanton Jura, RKUV 1998,
S. 410 ff, E. 3). Er ist sich bewusst, dass diese Aufgabe schwierig sein kann,
bedeutet es doch in der Regel, denselben Tarifpartner zum Abschluss eines
anderen Vertrages als dem mit dem Verband geschlossenen zu bewegen. Dazu
wird es regelmässig besonderer Argumente bedürfen: Ein Leistungserbringer
wird am ehesten dann zum Abschluss günstigerer Separatverträge bereit
sein, wenn er im Gegenzug vom Versicherer für die Behandlung von in
der besonderen Formen nach Art. 61 Abs. 1 KVG Versicherten vorgesehen
wird; für Versicherte also, die gegen eine ermässigte Prämie die Wahl der
Leistungserbringer weitgehend dem Versicherer überlassen.

Da selbst ein überzeugend berechneter alternativer Tarifvorschlag ohne
derartige Argumente nicht unbedingt zum Ziel führen wird, steht als letzter
Ausweg nach dem Scheitern der Verhandlungen der Weg zur hoheitlichen
Tariffestsetzung offen. Auch hier aber kann nur derjenige Tarifpartner mit
dem Erlass eines für ihn günstigeren Tarifs rechnen, der sich nicht bloss
darauf beschränkt darzulegen, was gegen den vom Verband abgeschlossenen
Vertrag einzuwenden sei, sondern konstruktive und substantiierte Vorschläge
zur Tarifgestaltung vorlegt. Es anders zu halten, hiesse, gerade jenen

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Tarifpartnern, die sich entgegen den Intentionen des KVG intransigent zeigen,
zu Wettbewerbsvorteilen zu verhelfen. Dass dies im Ergebnis stossend wäre,
muss nicht weiter erläutert werden.

3.4. Nach der Rechtsprechung des Bundesrates wird daher ein
Krankenversicherer oder Leistungserbringer, der dem Verbandsvertrag nicht
beigetreten ist, aber auch gegenüber dem Tarifpartner oder danach der zur
Tariffestsetzung zuständigen Kantonsregierung keine eigenen konstruktiven
und substantiierten Vorschläge zur Tarifgestaltung gemacht hat, es hinnehmen
müssen, dass der vom Verband abgeschlossene Tarif auch für ihn festgesetzt
wird.

Auf seine Rügen, dieser Vertragstarif sei unangemessen oder widerspräche
dem Gesetz, kann im Übrigen schon deswegen nicht materiell eingetreten
werden, weil diese Rügen von der Sache her die Richtigkeit der regelmässig
unangefochten gebliebenen und daher rechtskräftigen Genehmigung des
Vertragstarifs in Frage stellen. Waren die Beschwerdeführer legitimiert,
diese Rügen im Genehmigungsverfahren vorzubringen, so sind sie nach
dessen Abschluss auf jeden Fall verspä-tet. Offen kann bleiben, unter welchen
Umständen der Bundesrat gegebenenfalls auf entsprechend begründete
Anträge der Parteien hin zugleich mit der Beschwerde gegen den festgesetzten
Tarif hin einen rechtskräftigen Genehmigungsbeschluss in Revision ziehen
kann. Das setzt natürlich zumindest voraus, dass diese Revision bei der
Vorinstanz anbegehrt worden ist und deren Entscheid dazu angefochten
wird.

4. Gegen diese Rechtsprechung erheben die Rechtsvertreter der
beschwerdeführenden Krankenversicherungen eine Reihe von Einwänden.

4.1. Zum Vorbringen, nach dem klaren Wortlaut von Art. 46 Abs. 2 KVG
stehe es im alleinigen Ermessen des Versicherers, ob er den vertragslosen
Zustand hinnehme, kann vorab auf das oben Gesagte verwiesen werden.
Zwar ist richtig, dass dem Versicherer die Entscheidung freisteht, ob
er einem Verbandsvertrag kraft eigenen Willens beitritt oder nicht.
DemWortlaut des Art. 46 Abs. 2 KVG lässt sich jedoch nicht entnehmen,
welches die Konsequenzen eines Nichtbeitritts sind, wenn dadurch
ein vertragsloser Zustand entsteht. Daher ist auf die voranstehend
erläuterten Grundgedanken der Tarifgestaltung in der obligatorischen
Krankenversicherung zurückzugreifen, dem auch die jeweils auf Teilaspekte
beschränkten Überlegungen der Beschwerdeführerinnen zur systematischen,
teleologischen und historischen Auslegung von Art. 46 Abs. 2 KVG keinen
Abbruch tun können.

4.2. Nach Ansicht der Beschwerdeführerinnen wäre die Annahme
einer Verhandlungspflicht der Krankenversicherer eine unzulässige
Beschränkung der durch das verfassungsmässige Grundrecht der Handels-
und Gewerbefreiheit (Art. 31 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 [BV], RS 101) geschützten Vertragsfreiheit.
Dem kann der Bundesrat nicht folgen. Es ist nicht einzusehen, inwiefern
eine sich aus dem KVG ergebende blosse Verpflichtung zu ernsthaften
Verhandlungen, deren Missachtung dazu noch ohne direkte Sanktionen
bleibt, eine Verletzung dieses Grundrechts darstellen sollte, während der
viel weiter gehende Eingriff einer hoheitlichen Tariffestsetzung mit ihm
anerkanntermassen in Einklang steht (vgl. VPB 52.33 E. 10; VPB 48.46 E. 9).

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000710.pdf?ID=150000710

Richtig ist, dass es sich um eine Beschränkung der Vertragsfreiheit und
damit eines Schutzgutes der Handels- und Gewerbefreiheit handelt. Diese
Beschränkung beruht jedoch auf der gesetzlichen Grundlage des KVG; die
nach Art. 31 Abs. 1 BV notwendige Verfassungsgrundlage dazu findet sich in
Art. 34bis Abs. 1 BV. Es liegt im öffentlichen Interesse, den Krankenversicherten
flächendeckenden Versicherungsschutz zu gewährleisten, und eine Pflicht
der Tarifpartner, über Tarife zu verhandeln, ist offensichtlich auch geeignet,
dieses Ziel zu fördern. Indem sie dafür sorgt, dass Tarife eher das Ergebnis von
eigenverantwortlichen vertraglichen Vereinbarungen als von hoheitlichen
Festsetzungen sind, ist diese Pflicht eine Vorkehr, den Wettbewerbs- und
Marktgedanken zu fördern und staatliche Eingriffe zurückzudrängen. Unter
den Gesichtspunkten sowohl der Verhältnismässigkeit des notwendigen
Eingriffs wie auch der verfassungskonformen Auslegung des Gesetzes ist
diese Pflicht daher nicht nur zulässig, sondern geradezu angezeigt.

4.3. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, die dargestellte
Rechtsprechung stelle eine Praxisänderung dar, die aus Gründen des
Vertrauensschutzes zunächst angekündigt werden müsste.

Nach der Rechtsprechung sind sachlich begründete Praxisänderungen
grundsätzlich jederzeit zulässig; gegen Änderungen der Praxis zum
materiellen Recht kann auch kein Vertrauensschutz geltend gemacht werden
(BGE 103 Ib 197, 201 f). Der Vorankündigung zum Schutze des Vertrauens
der Rechtssuchenden in die vorbestehende Praxis bedürfen allerdings
solche Änderungen der Rechtsprechung, die die Voraussetzungen der
Zulässigkeit eines Rechtsmittels beschlagen; beispielsweise durch eine neue
Berechnungsweise der Fristen (vgl. BGE 122 I 57 mit weiteren Beispielen).
Ob dies hier zuträfe, kann jedoch offen bleiben, weil überhaupt keine
Praxisänderung vorliegt. Eine Praxisänderung wäre dann anzunehmen, wenn
ein bestimmter Sachverhalt andere rechtliche Konsequenzen zeitigen würde
als in vergleichbaren, von derselben Instanz früher beurteilten Fällen. In
RKUV 1998 S. 410 ff. sah sich der Bundesrat jedoch zum ersten Male mit der
Lage konfrontiert, dass Krankenversicherer einem Verbandsvertrag nicht
beigetreten waren. Es handelt sich um die Begründung einer neuen, nicht um
die Änderung einer bestehenden Rechtsprechung.

4.4. Die Beschwerdeführerinnen finden, diese Rechtsprechung sei
nicht praxistauglich. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass
Vertragsverhandlungen zwischen dem Kantonalverband und den Spitälern
zu einem Interessenausgleich führen, verfügten die Spitäler doch über
einen Informationsvorsprung, der erst mittels Nachprüfung durch die
Spezialisten der einzelnen Versicherer ausgeglichen werden könnten. Die
Beschwerdeführerinnen müssen sich in diesem Fall jedoch fragen lassen,
wieso sie jenes know-how ihrer Spezialisten, das sie in ihren Rechtsschriften
gerne anführen, nicht in die Verbandsverhandlungen haben einfliessen lassen
und sich statt dessen darauf beschränken, die Verbandsorgane nachträglich
der Inkompetenz zu bezichtigen.

4.5. Auch eine unzulässige Einschränkung des Rechtsschutzes kann der
Bundesrat in der hier diskutierten Praxis nicht erblicken. Denjenigen
Krankenversicherungen, die den von ihrem Verband ausgehandelten
Vertrag als gesetzeswidrig oder unangemessen ablehnen, steht es frei, im
Genehmigungsverfahren entsprechende Anträge zu stellen und allenfalls

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_103_Ib_197&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_122_I_57&resolve=1

gegen den Genehmigungsentscheid Be-schwerde zu erheben. Lehnen sie ihn
aus anderen Gründen ab, beispielsweise weil sie sich durch niedrigere Tarife
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrentinnen erhoffen, so ist
es nicht die Aufgabe des Bundesrates oder anderer staatlicher Behörden,
ihnen das unternehmerische Risiko abzunehmen und ihnen auf dem
Festsetzungswege vorteilhaftere als die ausgehandelten Tarife zu bescheren.

5. Der Bundesrat sieht, wie dargelegt, keinen Grund dafür, von der in RKUV
1998 S. 410 ff. begründeten Rechtsprechung abzurücken. Zu prüfen ist nun, ob
sie auf den vorliegenden Fall anzuwenden ist.

5.1. Die Einladung des KTK vom 12. August 1997, dem gleichentags
unterzeichneten Tarifvertrag mit dem kneipp hof beizutreten, haben die
vier Beschwerdeführerinnen abschlägig beschieden. Sie alle bringen dabei
gegenüber dem Verband als Begründung vor, dass sie nicht bereit seien,
Verträge mit Privatspitälern zu akzeptieren, die eine volle Deckung der
anrechenbaren Kosten vorsehen. Während eine der Beschwerdeführerinnen.
noch auf einige nach ihrer Ansicht mangelhaft vereinbarte Nebenpunkte
des Vertrags hinweist, findet sich in keinem der Schreiben Kritik an der
Tarifberechnung als solcher.

Richtig ist, dass der Antrag auf Festsetzung eines Tarifs am 17. September
1997 vom kneipp hof ausging, ohne dass dieser davor an die nachher
beschwerdeführenden Krankenversicherungen herangetreten wäre. Verfehlt
wäre es jedoch, mit den Beschwerdeführerinnen davon auszugehen, dass
es darum der kneipp hof sei, der die Verhandlungspflicht nicht erfüllt
habe. Der kneipp hof hat vielmehr das Zumutbare getan, um zu einem
Vertrag mit allen Krankenversicherungen zu kommen, indem er mit deren
Verband einen Tarifvertrag ausgehandelt und abgeschlossen hat. Schlagen
einige Krankenversicherungen das damit vorliegende, das Spital bindende
Angebot aus, dann liegt es an ihnen, unverzüglich die Initiative zu weiteren
Verhandlungen zu ergreifen und ihre eigenen Vorstellungen über einen
abweichenden Tarif darzulegen und zu begründen.

5.2. Auch im Tariffestsetzungsverfahren selbst haben einzelne
Beschwerdeführerinnen ausschliesslich die Nichtanwendung der
50%-Regel kritisiert. Angesichts der Tatsache, dass ihnen der einschlägige,
eingehend begründete Grundsatzentscheid des Bundesrates RKUV
1997 S. 220 ff. wohlbekannt war, kann dies nicht als substantiierte
Darlegung von alternativen Vorstellungen angesehen werden. Eine der
Beschwerdeführerinnen kritisiert zwar mangelnde Transparenz und
Aussagekraft der vom kneipp hof vorgelegten Unterlagen. Sie stellt jedoch
keine eigenen, diese Mängel berücksichtigenden Berechnungen an, sondern
kommt zu dem Schluss, aufgrund der unzureichenden Beweislage sei der
Antrag auf Tariffestsetzung überhaupt abzulehnen.

Weder für den Zeitraum vor noch für jenen während des Verfahrens auf
Tariffestsetzung findet sich in den Akten ein Hinweis auf einen begründeten
Vorschlag zur Tarifgestaltung von seiten der Beschwerdeführerinnen. Der
Bundesrat verzichtet daher auf die materielle Überprüfung des zwischen KTK

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und kneipp hof vereinbarten und am 30. September 1997 vom Regierungsrat
genehmigten Tarifs, dessen Geltung durch den angefochtenen Beschluss auf
die Beschwerdeführerinnen ausgedehnt worden ist.

5.3. Die Voraussetzungen zur Festsetzung lagen für den Regierungsrat im
Übrigen vor; unzutreffend ist die Ansicht der Beschwerdeführer, er hätte
sie vorerst zu weiteren Verhandlungen auffordern müssen. Vorrangiges
Ziel der hoheitlichen Tariffestsetzung ist es, die infolge des vertragslosen
Zustandes drohende Rechtsunsicherheit zu beheben. Haben die Versicherer
nicht rechtzeitig das ihre getan, um zu einem Vertrag zu kommen, können
sie nicht eine Verlängerung eines ihnen - nach den von zweien unter
ihnen im vorinstanzlichen Verfahren gestellten Begehren zu urteilen -
entgegenkommenden tariflosen Zustands zu Lasten der Rechtssicherheit
für die Versicherten erwarten.

Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

6. Der kneipp hof bringt den Wunsch vor, der Entscheid solle klarstellen, dass
der festgesetzte Tarif genausolange gälte wie der Tarifvertrag vom 12. August
1997, dem die Beschwerdeführerinnen nicht beigetreten waren.

Im Entscheid über die Berner Spitex-Tarife (RKUV 1998 S. 322 ff., 334) hat
der Bundesrat bereits festgehalten, dass es mit dem KVG nicht vereinbar ist,
einen nach Art. 47 Abs. 1 KVG festgesetzten Tarif im vertragslosen Zustand
für eine Mindestgeltungsdauer oder eine feste Dauer vorzusehen. Ein solcher
Tarif gilt vielmehr solange, als nicht eine Übereinkunft zwischen den Parteien
den vertragslosen Zustand beendet oder die zuständige Behörde aufgrund
veränderter Umstände einen neuen Tarif festsetzt. Denkbar ist allenfalls eine
Befristung des Tarifs in dem Sinne, dass er längstens bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt gilt, wenn nicht vorher schon ein Vertrag zwischen den betroffenen
Parteien zustande kommt. Eine an die Fortgeltung des Tarifvertrags vom
12. August 1998 gekoppelte Mindestgeltungsdauer, wie sie dem kneipp hof
vorschwebt, kann dagegen nicht angeordnet werden.

(...)

[26] Vgl. VPB 64.13 E. 1.1.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004586.pdf?ID=150004586

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 64.14 - Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom 17. Februar 1999, auch

erschienen in Kranken- und Unfallversicherung, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis

[RKUV] 2/1999, S. 169 ff.

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2000
Année

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Band 64
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Ref. No 150 004 619

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	Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom 17. Februar 1999, auch erschienen in Kranken- und Unfallversicherung, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 2/1999, S. 169 ff.