# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c3f58829-fbfd-525e-ab7d-34e4732ff580
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 11.01.2024 SST.2023.33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-33_2024-01-11.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.33 
(ST.2022.95; StA.2019.2458) 

 

 

Urteil vom 11. Januar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin Albert 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Borer,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Irak, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Marcel Buttliger,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Nötigung, Schändung, Inzest usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 25. April 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit 

einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 1 StGB, mehrfacher, 

teilweiser sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfacher 

Schändung gemäss Art. 191 StGB, mehrfacher Vergewaltigung gemäss 

Art. 190 StGB, mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 StGB, 

mehrfacher versuchter Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB, mehrfacher versuchter Nötigung gemäss Art. 181 i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie mehrfacher Beschimpfung gemäss Art. 177 

Abs. 1 StGB. Sie beantragte, der Beschuldigte sei dafür zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren sowie einer Geldstrafe von 

30 Tagessätzen à Fr. 30.00 zu verurteilen. Darüber hinaus sei der 

Beschuldigte für die Dauer von zehn Jahren des Landes zu verweisen, 

wobei die Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) 

einzutragen sei. 

 

2. 

Mit Urteil vom 1. November 2022 befand das Bezirksgericht Aarau den 

Beschuldigten für schuldig im Sinne der Anklage und verurteilte ihn zu einer 

Freiheitsstrafe von 8 Jahren – unter Anrechnung der ausgestandenen 

Untersuchungshaft von 32 Tagen, sowie der ausgestandenen 

Ersatzmassnahmen von 276 Tagen im Umfang von 92 Tagen – sowie einer 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 30.00. Darüber hinaus verwies es den 

Beschuldigten für 10 Jahre des Landes, wobei es auf eine Ausschreibung 

im SIS verzichtete. Schliesslich verpflichtete es den Beschuldigten, der 

Privatklägerin A._____ Schadenersatz in Höhe von Fr. 4'193.00 sowie 

Fr. 17'000.00 als Genugtuung zu bezahlen und stellte fest, dass der 

Beschuldigte für künftig anfallende Kosten aus und im Zusammenhang mit 

den verurteilten Straftaten grundsätzlich im Umfang von 100 % haftbar sei. 

 

3. 

3.1. 

Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil melde der Beschuldigte 

am 5. November 2022 die Berufung an. Das begründete Urteil wurde ihm 

am 28. Januar 2023 zugestellt.  

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 7. Februar 2023 beantragte der Beschuldigte, 

das erstinstanzliche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben und er sei von 

Schuld und Strafe freizusprechen.  

 

 - 3 - 

 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 9. Februar 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf 

die Erhebung der Anschlussberufung oder die Stellung eines 

Nichteintretensantrags.  

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 1. März 2023 teilte A._____ mit, sie werde sich insofern 

am Berufungsverfahren beteiligen, als dass sie die Bestätigung des 

erstinstanzlichen Urteils verlange. Am 25. Mai 2023 reichte sie darüber 

hinaus ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für 

das Berufungsverfahren ein.  

 

3.5. 

Mit Verfügung vom 1. Juli 2023 wurde A._____ für das Berufungsverfahren 

die unentgeltliche Rechtspflege in Bezug auf die Verfahrenskosten 

gewährt. 

 

3.6. 

Der Beschuldigte reichte am 9. Januar 2024 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Begründung ein. 

 

3.7. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten, von A._____ 

als Auskunftsperson sowie von C._____ als Zeuge fand am 11. Januar 

2024 statt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch A._____ beantragten 

die Abweisung der Berufung und die vollumfängliche Bestätigung des 

erstinstanzlichen Urteils. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen Freispruch von Schuld und 

Strafe. Das erstinstanzliche Urteil ist deshalb – mit Ausnahme der nicht 

angefochtenen Rückgabe der beschlagnahmten Gegenstände – 

vollumfänglich angefochten und deshalb vollständig zu überprüfen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

  

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2. 

2.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in Anklageziffer I.A. 

zusammenfassend vor, spätestens seit Anfang des Jahres 2009 in der 

Wohnung der Familie regelmässig sexuelle Handlungen an seiner damals 

12- bis 13-jährigen Tochter A._____ vorgenommen zu haben. Anfänglich 

habe er sie näher zu sich herangezogen, umarmt, berührt und am Hals, 

Nacken und auf den Mund geküsst, wobei er ihr auch Zungenküsse 

gegeben habe. Mit der Zeit habe er seine nach wie vor 13-jährige Tochter 

auch an den Brüsten und der Vulva gestreichelt. Spätestens als sie 14 

Jahre alt gewesen sei, habe er sie an den nackten Brüsten gestreichelt und 

ihre nackte Vulva stimuliert und sei regelmässig mit den Fingern in ihre 

Vagina eingedrungen. Der Beschuldigte habe sie ausserdem regelmässig 

dazu aufgefordert, ihn ebenfalls an seinen erogenen Zonen zu berühren 

und zu streicheln, namentlich seinen Penis mit der Hand und dem Mund 

bis zum Samenerguss zu stimulieren. In der Folge habe er sie regelmässig 

verbal zum Oralverkehr bis hin zum Samenerguss gedrängt und diesen 

regelmässig auch an ihr vollzogen, indem er mit seinem Mund ihre Vulva 

und ihre Vagina stimuliert habe. Spätestens als A._____ volljährig war, 

habe er auch regelmässig den Geschlechtsverkehr bis hin zum 

Samenerguss mit ihr vollzogen, indem er mit seinem Glied vaginal in sie 

eingedrungen sei. Dabei habe er nur teilweise ein Kondom verwendet. 

Schliesslich habe der Beschuldigte mindestens einmal versucht, anal in 

A._____ einzudringen, davon jedoch abgelassen, als sie zu grosse 

Schmerzen verspürt habe.  

 

Die geschilderten sexuellen Handlungen hätten sich wöchentlich, zeitweilig 

monatlich in der jeweiligen Familienwohnung in Q._____ bzw. R._____ 

oder in den Ferien in Wohnungen oder Hotelzimmern zugetragen. Dabei 

habe der Beschuldigte wissentlich und willentlich seine Überlegenheit 

gegenüber seiner heranwachsenden Tochter, ihre emotionale und soziale 

Abhängigkeit von ihm als Vater, teilweise aber auch ihre Widerstands-

unfähigkeit im Schlaf ausgenutzt, indem er sich nachts zu ihr ins Bett gelegt 

habe. Als A._____ sich mit zunehmendem Alter vermehrt gegen die 

sexuellen Handlungen zur Wehr gesetzt habe, sei er zudem handgreiflich 

geworden, namentlich indem er sie geohrfeigt, geschubst, festgehalten 

sowie insbesondere während des Geschlechtsverkehrs mit seinem 

Gewicht fixiert habe. Ausserdem habe er sie mit Drohungen psychisch 

unter Druck gesetzt, insbesondere damit, ihren jüngeren Bruder, für den 

A._____ sich verantwortlich fühlte, zurück ins Kinderheim zu bringen, sie 

wegen angeblicher Schwarzarbeit anzuschwärzen, oder ihr 

Freizeitaktivitäten zu verbieten (vgl. Anklageziffer I.A.). 

 

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2.2. 

Die Vorinstanz hat den in Anklageziffer I.A. zur Anklage erhobenen 

Sachverhalt gestützt auf die Aussagen von A._____ im Wesentlichen als 

erstellt erachtet und den Beschuldigten gestützt darauf der mehrfachen 

sexuellen Handlung mit einem Kind, der mehrfachen, teilweise versuchten 

sexuellen Nötigung, der mehrfachen Schändung, der mehrfachen 

Vergewaltigung sowie des mehrfachen Inzests schuldig gesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen Freispruch von 

sämtlichen Tatvorwürfen (vgl. Berufungserklärung S. 1; Berufungs-

begründung S. 2 f.). Er bestreitet, dass es zu sexuellen Handlungen mit 

seiner Tochter gekommen sei und rügt, dass die Vorinstanz zu Unrecht auf 

deren Aussagen abgestellt habe (vgl. GA act. 1147 ff.). 

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

2.4. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt sowie im Berufungsverfahren 

unbestritten geblieben, dass A._____ und ihr Bruder C._____ nach dem 

Tod ihrer vom Beschuldigten geschiedenen Mutter in Syrien am 26. Juli 

2007 zunächst bei einer Pflegefamilie, dann in einem Kinderheim 

untergebracht worden sind und eine Vormundschaft errichtet worden ist 

(UA act. 704 ff.). Auf Beschwerde des Beschuldigten hin hat das 

Bezirksamt Baden am 27. Dezember 2008 dem Beschuldigten die ihm 

zuvor mit Beschluss des Gemeinderats Koblenz verweigerte elterliche 

Sorge und Obhut über A._____ und C._____ übertragen, weshalb die 

damals zwölf- und siebenjährigen Kinder Anfang des Jahres 2009 zum 

Beschuldigten nach Q._____, später dann mit ihm nach R._____ gezogen 

sind. Im Jahr 2017 zog A._____ erstmals aus dem gemeinsamen Haushalt 

aus, am 1. April 2019 erstattete sie Anzeige gegen den Beschuldigten 

wegen der im vorliegenden Verfahren angeklagten Delikte (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 2.16.1).  

 

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2.5. 

Mit der Vorinstanz bestehen für das Obergericht keine mehr als nur 

theoretischen Zweifel daran, dass sich die sexuellen Handlungen zwischen 

dem Beschuldigten und seiner Tochter A._____ wie angeklagt zugetragen 

haben. Auf die konstanten, schlüssigen sowie glaubhaften Aussagen von 

A._____ ist aus nachfolgenden Gründen abzustellen:  

 

A._____ wurde erstmals am 1. April 2019, als sie auf dem Polizeistützpunkt 

Aarau gegen den Beschuldigten Anzeige erstattete, polizeilich befragt. 

Während sie zunächst zu den Vorkommnissen desselben Tages befragt 

wurde (vgl. dazu die Tatvorwürfe in Anklageziffer I.B. sowie die 

Ausführungen in Ziff. 3 hernach), erwähnte sie beinahe beiläufig, dass der 

Beschuldigte sie auch schon sexuell belästigt habe. Auf konkrete 

Nachfrage führte sie dann aus, dass der Beschuldigte sie seit ihrer Pubertät 

mehr als Frau, denn als Tochter wahrgenommen habe. Im Alter von 

ungefähr 13 Jahren habe er damit begonnen, sie an intimen Stellen zu 

berühren, auch an der Brust und zwischen den Beinen. Als sie volljährig 

gewesen sei, sei er dann auch mit seinem Penis in ihre Vagina 

eingedrungen. Dabei sei er jeweils zum Samenerguss gekommen, wobei 

er nur manchmal ein Kondom benutzt habe. Die Übergriffe hätten ungefähr 

wöchentlich, teilweise im Schlafzimmer oder im Badezimmer, in den Ferien 

auch in Hotelzimmern oder Ferienwohnungen stattgefunden. Für sie sei 

das die Normalität gewesen, sie habe dem Beschuldigten aber gesagt, 

dass sie das nicht wollte (UA act. 775).  

 

In der Folge wurde A._____ mehrfach, d.h. am 2. April 2019, am 23. April 

2019, am 18. September 2020, am 1. November 2022 anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung sowie am 11. Januar 2024 anlässlich 

der Berufungsverhandlung erneut zu den angeklagten sexuellen 

Handlungen befragt, wobei sich das Obergericht dadurch einen 

persönlichen Eindruck ihres Aussageverhaltens und ihrer Persönlichkeit 

gewinnen und Unklarheiten klären konnte. Ihre Aussagen sind bezüglich 

des Kerngeschehens, namentlich der sexuellen Übergriffe ihres Vaters, 

denen sie seit Beginn ihrer Pubertät ausgesetzt war und die sich mit 

zunehmendem Alter aggraviert haben, während des gesamten 

Strafverfahrens konstant, schlüssig und nachvollziehbar und somit 

glaubhaft ausgefallen. Sowohl am 2. April 2019, am 23. April 2019 sowie 

an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung schilderte sie zunächst in freier 

Erzählung, wie es zu den Übergriffen gekommen sei. Dabei führte sie 

jeweils aus, dass die Übergriffe begonnen hätten, als sie und ihr Bruder 

nach dem Tod der Mutter vom Kinderheim zum Beschuldigten nach 

Q._____ gezogen seien. Sie sei damals etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt 

gewesen. Ihr sei damals aufgefallen, dass der Beschuldigte sie anders 

angesehen habe, dass es ihn gereizt habe, wenn er sie nur in Unterwäsche 

oder leicht bekleidet gesehen habe. Es habe dann damit begonnen, dass 

er sie näher zu sich herangezogen und sie auf den Mund geküsst habe. Er 

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habe sie an intimen Stellen, an den Brüsten sowie zwischen den Beinen 

berührt, zunächst noch oberflächlich über den Kleidern, später auch ohne 

Kleidung. Es sei dann auch oft vorgekommen, dass er sie nachts 

aufgeweckt habe, weil er sie geküsst und im Vaginalbereich gestreichelt 

habe oder dass er zu ihr ins Badezimmer gekommen sei, wenn sie 

geduscht habe, um ihr beim Haarewaschen zu helfen, wobei er sie 

wiederum am ganzen Körper, an den Brüsten und im Intimbereich 

gestreichelt und seine Finger in ihre Vagina eingeführt habe. Irgendwann 

habe der Beschuldigte sie dann aufgefordert, ihn ebenfalls am Penis zu 

berühren und ihn oral zu befriedigen. Es sei zu gegenseitigem Oralverkehr 

und schliesslich, als sie volljährig gewesen sei, zum Geschlechtsverkehr 

gekommen, wobei der Beschuldigte jeweils zum Samenerguss gekommen 

sei. Mit zunehmendem Alter habe sie realisiert, dass die Übergriffe nicht 

normal seien und sich den Avancen des Beschuldigten vermehrt 

widersetzt, was zu Streitigkeiten, teilweise verbunden mit Tätlichkeiten 

geführt habe. Im Jahr 2017 oder 2018 sei sie dann schliesslich 

vorübergehend zu ihren Halbbrüdern gezogen. Nach ihrer Rückkehr in die 

Wohnung des Beschuldigten habe sie dann keine weiteren Übergriffe mehr 

zugelassen (UA act. 781 f.; 864; GA act. 1040 und 1052). 

 

Wenngleich die in freier Erzählung erfolgten Aussagen von A._____ nicht 

immer gleich detailliert und teilweise sprunghaft ausfallen, stimmen sie im 

Kerngeschehen, namentlich dem Beginn der Übergriffe in der frühen 

Pubertät durch intime Berührungen und Küsse durch den Beschuldigten, 

das Einführen seiner Finger in ihre Scheide, dem erst ein-, dann 

gegenseitigen Oralverkehr und schliesslich dem Übergang zum 

Geschlechtsverkehr bis hin zur Beendigung der Übergriffe durch den 

erstmaligen Auszug überein. Darüber hinaus weisen ihre Aussagen, sofern 

sie bestimmte Ereignisse betreffen, einen hohen Detailgrad auf. Zum 

Beispiel führte A._____ wiederholt aus, wie es im Computerzimmer in 

Q._____ zum ersten Zungenkuss gekommen sei. Der Beschuldigte habe 

sie und ihren Bruder aufgefordert, ihm einen Kuss zu geben. Sie habe ihn 

zunächst auf die Wange geküsst, er habe jedoch einen Kuss auf den Mund 

verlangt. Sie habe diesen Kuss als sehr unangenehm empfunden (UA 

act. 919; GA act. 1040). Oder die Situation, in der es zum ersten 

Geschlechtsverkehr im Bett des Beschuldigten gekommen sei, dass er 

aufgrund ihrer Schmerzen nicht habe in sie eindringen können und ihr 

daher gesagt habe, dass das normal sei und sie das durchstehen werde 

(UA act. 781). Die räumliche Verknüpfung dieser Situationen, die 

Wiedergabe von Gesprächsinhalten sowie ihre eigenen damit 

zusammenhängenden Gefühle und Gedankengänge sprechen für den 

Erlebnisbezug ihrer Aussagen. Darüber hinaus verzichtete sie auf 

naheliegende Mehrbelastungen des Beschuldigten, indem sie 

beispielsweise aussagte, dass er bei den Übergriffen keine körperliche 

Gewalt angewendet habe und dass sie dabei teilweise auch schöne 

Gefühle verspürt habe (UA act. 781; GA act. 1044). 

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Dass es bei ihren Schilderungen, insbesondere hinsichtlich ihrer Antworten 

zu vereinzelten Fragen im Verlauf der Befragungen zu gewissen 

Abweichungen gekommen ist (etwa hinsichtlich der Frage, ob es auch 

während ihrer Periode zu sexuellen Übergriffen gekommen sei und ob der 

Beschuldigte beim Geschlechtsverkehr immer mit Kondom verhütet habe 

vgl. UA act. 782; 927; GA act. 1043 sowie UA act. 785,929; GA act. 1049), 

oder dass sie sich an gewisse Details wie etwa die zeitliche oder räumliche 

Einordnung einer gewissen Handlung, die Kleidung, die sie oder der 

Beschuldigte getragen hatten oder die Stellung, in welcher der 

Geschlechtsverkehr vollzogen wurde, nicht erinnern kann, vermag 

indessen keine mehr als theoretischen Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen zu erwecken. Vielmehr steht beides in Einklang mit ihrer 

Persönlichkeit bzw. mit der als Folge der Übergriffe diagnostizierten 

posttraumatischen Belastungsstörung (vgl. GA act. 1127), wonach sie 

auch im Alltag unter starken Dissoziationssymptomen, beschrieben als 

Blackouts, leidet und die Übergriffe jahrelang verdrängt habe (UA act. 918). 

Darüber hinaus erscheint es nachvollziehbar, dass bei einer Vielzahl von 

Handlungen über einen vergleichsweise langen und teilweise schon weit 

zurückliegenden Zeitraum die Detailgetreue wesentlichen geringer ausfällt 

als hinsichtlich einzelner, herausstechender Ereignisse. Es erscheint damit 

nachvollziehbar, wenn A._____ selbst ausführt, die entsprechenden 

Handlungen seien für sie normal, gewissermassen Alltag gewesen, 

weshalb sie hinsichtlich der Details Erinnerungslücken habe (UA act. 918; 

GA act. 1043).  

 

Entgegen der Ansicht des Beschuldigten sind auch keine Motive ersichtlich, 

dass A._____ ihn zu Unrecht belasten würde. Jedenfalls vermag der 

pauschale Hinweis darauf, dass A._____ verschuldet sei, angesichts der 

mit dem Strafverfahren verbundenen psychischen Belastung kein solches 

Motiv zu begründen. Darüber hinaus spricht auch der Zeitpunkt der 

Anzeigeerstattung gegen ein finanzielles Motiv, zumal A._____ bereits rund 

zwei Jahre zuvor aus der Familienwohnung ausgezogen und trotz 

mehrmonatiger Arbeitslosigkeit finanziell nicht mehr vom Beschuldigten 

unterstützt worden ist. Auch das Argument, A._____ habe sich durch die 

Anzeige mehr Freiraum verschaffen wollen, habe deshalb die Vorwürfe 

geäussert und dann realisiert, dass sie die entsprechenden Aussagen nicht 

ohne strafrechtliche Konsequenzen wieder zurücknehmen könne (vgl. 

Berufungsbegründung S. 17), verfängt vor diesem Hintergrund nicht. Es 

erscheint vielmehr naheliegend, dass die Ereignisse vom 31. März 2019 

bzw. 1. April 2019 (vgl. dazu nachfolgend Ziff. 3), A._____ dazu bewogen 

haben, sich gegen den Beschuldigten zur Wehr zu setzen. 

 

2.6. 

Zusammenfassend erweisen sich die Aussagen von A._____ hinsichtlich 

der angeklagten sexuellen Handlungen als glaubhaft, weshalb darauf 

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abzustellen ist. Kleinere Ungereimtheiten in den Aussagen sind in 

Anbetracht des Zeitablaufs, der Vielzahl der angeklagten Handlungen 

sowie der Persönlichkeit von A._____ erklärbar und sind nicht geeignet, die 

im Kerngehalt konstanten, schlüssigen und nachvollziehbaren Aussagen 

von A._____ als unglaubhaft erscheinen zu lassen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_228/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). 

 

2.7. 

Der Beschuldigte hat die rechtliche Würdigung der Vorinstanz im 

Berufungsverfahren nicht beanstandet. Nachdem auch das Obergericht die 

angeklagten sexuellen Handlungen zum Nachteil von A._____ als erstellt 

erachtet, kann hinsichtlich der rechtlichen Würdigung vollumfänglich auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 2.17-2.21; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

Im Ergebnis erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt 

als unbegründet. Er hat sich wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit 

einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, mehrfacher, teilweise versuchter 

sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfacher Schändung 

gemäss Art. 191 StGB, mehrfacher Vergewaltigung gemäss Art. 190 

Abs. 1 StGB sowie wegen mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 

StGB schuldig gemacht. 

 

3. 

3.1. 

Dem Beschuldigten wird sodann in Anklageziffer I.B. zusammenfassend 

vorgeworfen, dass er A._____ im Zeitraum von Anfang Oktober 2018 bis 

zum 1. April 2019 mehrfach durch Tätlichkeiten und Drohungen dazu habe 

bewegen wollen, ihm Geld für seine Wohnungsmiete sowie für seine 

Lebenshaltungskosten und diejenigen seines Sohnes C._____ zu geben, 

obwohl A._____ zu diesem Zeitpunkt bereits aus der Familienwohnung 

ausgezogen war. Zudem habe er sie eine Schuldanerkennung 

unterzeichnen lassen, wonach sie ihm einen Betrag von Fr. 15'097.00 

schulde. 

 

3.2. 

Die Vorinstanz hat den in Anklageziffer I.B. festgehaltenen Sachverhalt im 

Wesentlichen als erstellt erachtet und ihn gestützt darauf der mehrfachen 

versuchten Erpressung, der mehrfachen versuchten Nötigung sowie der 

mehrfachen Beschimpfung schuldig gesprochen (vgl. vorinstanzliches 

Urteil E. 3).  

 

Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen Freispruch (vgl. 

Berufungserklärung S. 1). Er bestreitet, A._____ erpresst, bedroht oder 

beschimpft zu haben (vgl. Berufungsbegründung S. 38).  

 

 - 10 - 

 

 

3.3. 

Der Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer in 

der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, 

jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile zu einem 

Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selber oder einen andern am 

Vermögen schädigt. Wendet der Täter gegen eine Person Gewalt an oder 

bedroht er sie mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben, findet 

Art. 156 Ziff. 3 StGB Anwendung. In subjektiver Hinsicht ist erforderlich, 

dass der Täter im Bewusstsein und mit dem Willen handelt, einen anderen 

durch Gewalt oder Drohung zu einem vermögensschädigenden Verhalten 

zu nötigen (Nötigungs- und Schädigungsvorsatz), wodurch er oder ein 

anderer unrechtmässig bereichert wird. Dabei genügt Eventualvorsatz (vgl. 

Art. 12 Abs. 2 StGB). Als unrechtmässig hat die Bereicherung zu gelten, 

wenn sie in Widerspruch zu einer oder mehreren Rechtsnormen steht. Die 

Absicht unrechtmässiger Bereicherung fehlt unter anderem dann, wenn der 

Täter der Auffassung ist, einen entsprechenden Anspruch zu haben. Geht 

der Täter irrigerweise davon aus, es bestehe ein solcher Anspruch, liegt ein 

Sachverhaltsirrtum i.S.v. Art. 13 StGB vor. Entsprechend entfällt der 

Bereicherungsvorsatz selbst dann, wenn der Irrtum vermeidbar gewesen 

wäre, zumal die fahrlässige Erpressung nicht strafbar ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_803/2015 vom 26. April 2017 E. 2.3). 

 

Art. 156 StGB ist als Erfolgsdelikt ausgestaltet. Die Erpressung ist 

vollendet, wenn der Erpresste einen Vermögensschaden erleidet. Bleibt 

dieser indessen aus, weil der Erpresste der Forderung des Täters nicht 

nachkommt, obwohl der Täter dafür alles nach seiner Vorstellung 

Erforderliche getan hat, ist er wegen versuchter Erpressung zu bestrafen 

(vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). 

 

3.4. 

In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten bzw. gestützt auf die Aussagen des 

Beschuldigten selbst sowie die edierten WhatsApp-Nachrichten erstellt (UA 

act. 521), dass der Beschuldigte A._____ zumindest am 1. April 2019 

mehrfach dazu aufgefordert hat, ihm einen nicht näher bestimmten 

Geldbetrag zu übergeben. Dabei hat er ihr angedroht, sie wegen ihrer 

angeblichen Schwarzarbeit anzuschwärzen und/oder ihren Bruder 

C._____ in ein Kinderheim zu geben (vgl. UA act. 798 f.; GA act. 1076). 

Darüber hinaus ist er am fraglichen Tag zum damaligen Wohnort von 

A._____ gefahren, hat dort ein Foto vom Hauseingang gemacht, dieses 

A._____ geschickt und ihr mehrfach geschrieben, dass er auf sie warten 

werde und das Geld haben wolle. Andernfalls werde er mit C._____ und 

D._____ vorbeikommen (UA act. 800; 847, 898 sowie GA act. 1976). 

Sodann schickte er ihr eine Nachricht, in der er ihr androhte, dass er «ihre 

Welt auf den Kopf stellen» werde (UA act. 521; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 23). A._____ ist den Forderungen des 

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Beschuldigten indessen nicht nachgekommen und hat ihm kein Geld 

übergeben. 

  

 - 12 - 

 

 

3.5. 

Da A._____ sich von den Forderungen des Beschuldigten nicht hat 

beeindrucken lassen, ist der in objektiver Hinsicht für die Vollendung des 

Delikts erforderliche Nötigungserfolg ausgeblieben. Nichtsdestotrotz hat 

der Beschuldigte alles nach seiner Vorstellung Erforderliche getan, um die 

beabsichtige Vermögensverschiebung zu erreichen, weshalb ein 

vollendeter Versuch vorliegt: 

 

Der Beschuldigte hat seiner Geldforderung vorliegend dadurch Nachdruck 

verliehen, dass er A._____ damit gedroht hat, sie wegen ihrer 

Schwarzarbeit anzuschwärzen und/oder ihren Bruder C._____ im Heim 

unterzubringen. Beides ist objektiv bereits geeignet, auch eine 

durchschnittlich besonnene Person in der Lage von A._____ in ihrer freien 

Willensbildung zu beeinträchtigen (vgl. BGE 122 IV 322 E. 1a). Auf jeden 

Fall einen ernstlichen Nachteil in Aussicht gestellt hat der Beschuldigte 

damit, dass er im Anschluss an das Treffen in Aarau zum Wohnort von 

A._____ gefahren ist, ihr ein Foto des Hauseingangs geschickt und ihr 

damit gedroht hat, ihre Welt auf den Kopf zu stellen bzw. mit D._____ und 

C._____ vorbeizukommen. Aus der Tonalität der Nachrichten bzw. dem 

Umstand, dass er sie zuhause abpassen wollte, hätte ein Dritter in der Lage 

von A._____ ohne Weiteres geschlossen, dass der Beschuldigte damit 

drohte, sich das Geld nötigenfalls auch gegen den Willen von A._____ zu 

beschaffen, bzw. Gewalt anzuwenden. Darin ist nicht nur das 

Inaussichtstellen eines ernstlichen Nachteils zu erkennen, vielmehr würde 

das Verhalten des Beschuldigten auch den Tatbestand der qualifizierten 

Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB erfüllen. Da im vorliegenden 

Berufungsverfahren indessen das Verschlechterungsverbot gilt, fällt ein 

Schuldspruch wegen versuchter qualifizierter Erpressung ausser Betracht 

(vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO).  

 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er A._____ durch seine Drohungen 

zur Geldübergabe hat bewegen wollen (vgl. vgl. UA act. 798 f.; 898). Damit 

ist sein Tatvorsatz erstellt. Darüber hinaus ist für das Obergericht ebenfalls 

erstellt, dass er zumindest teilweise in Kauf genommen hat, sich 

unrechtmässig zu bereichern. Es ist zwar zutreffend, dass A._____ eine 

Schuldanerkennung unterzeichnet hat, in welcher sie erklärt, dem 

Beschuldigten die Wohnungsmiete für 5 Monate à Fr. 1'500.00, insgesamt 

Fr. 7'500.00, Krankenkassenrechnungen, Betreibungen der SBB, die 

Ferien in Bulgarien im Juli 2019 sowie die zweite Mahnung für eine 

Handyrechnung zu schulden (GA act. 1084). Indessen hat der 

Beschuldigte seine Forderung gegenüber A._____ nur insofern spezifiziert, 

er wolle das Geld für die Wohnungsmiete und seine Lebenshaltungskosten 

haben (vgl. insb. UA act. 521). Auf die Frage, weshalb er dieses Geld von 

A._____ auch nach ihrem Auszug verlangt habe, antwortete er wiederholt, 

wie er denn sonst seine Rechnungen hätte bezahlen sollen (UA act. 1053). 

Unabhängig davon, ob dem Beschuldigen im Tatzeitpunkt eine Forderung 

 - 13 - 

 

 

gegen A._____ zustand, ist gestützt darauf erstellt, dass es dem 

Beschuldigten gleichgültig war, ob ihm das Geld rechtmässig zustand. Im 

Ergebnis hat er damit zumindest in Kauf genommen, sich unrechtmässig 

zu bereichern, womit der subjektive Tatbestand von Art. 156 Ziff. 1 StGB 

erfüllt ist. 

 

3.6. 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte der versuchten Erpressung 

gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz erlaubt der zur Anklage 

erhobene Sachverhalt indessen keine zusätzliche Verurteilung des 

Beschuldigten wegen versuchter Nötigung. Angesichts der 

unterzeichneten Schuldanerkennung ist zwar nicht auszuschliessen, dass 

der Beschuldigte zumindest teilweise die Zahlung eines ihm tatsächlich 

zustehenden Betrages einverlangt hat. Indessen hat er seine Forderung 

gegenüber A._____ nicht weiter spezifiziert. Da die Tathandlung somit mit 

jener der versuchten Erpressung identisch ist und sich der 

Anklagesachverhalt einzig in subjektiver Hinsicht unterscheidet, wobei der 

Beschuldigte selbst nicht weiter differenziert hat, ist das Tatunrecht der 

versuchten Nötigung in dieser Konstellation bereits mit dem Schuldspruch 

wegen versuchter Erpressung als abgegolten zu erachten. 

 

4. 

4.1. 

Dem Beschuldigten wird in Anklageziffer I.B. vorgeworfen, A._____ 

anlässlich des Treffens am 1. April 2019 in Aarau als «Nutte» bzw. 

«Hundetochter» beschimpft zu haben (vgl. Anklageziffer I.B).  

 

Die Vorinstanz hat den entsprechenden Sachverhalt als erstellt erachtet 

und den Beschuldigten gestützt darauf der mehrfachen Beschimpfung 

gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (vgl. vorinstanzliches 

Urteil E. 3.14.2 und 3.17).  

 

Der Beschuldigte bestreitet, A._____ beschimpft zu haben und beantragt 

im Berufungsverfahren einen Freispruch vom entsprechenden Tatvorwurf 

(vgl. Berufungsbegründung S. 45 ff.).  

 

4.2. 

Gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB macht sich – auf Antrag – der Beschimpfung 

schuldig, wer jemanden in anderer Weise als durch üble Nachrede oder 

Verleumdung durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner 

Ehre angreift. Subjektiv muss der Täter mit Wissen und Willen sowie im 

Bewusstsein handeln, dass seine Äusserung mindestens möglicherweise 

ehrenrührig ist. 

 

 - 14 - 

 

 

4.3. 

Mit der Vorinstanz bestehen für das Obergericht keinerlei Zweifel daran, 

dass der Beschuldigte A._____ am 1. April 2019 beschimpft hat. 

 

Der Beschuldigte führte anlässlich der delegierten Einvernahme vom 

15. April 2019 auf die konkrete Frage, ob er A._____ am 1. April 2019 

beschimpft habe, selbst aus, als Vater dürfe er mit seiner Tochter 

schimpfen. Es sei möglich, dass sie bestimmte arabische Begriffe als 

Beleidigung aufgefasst habe. Auf die Nachfrage, was für Wörter er damit 

meine, nannte er auf Arabisch einen Begriff, der in Deutsche mit 

«Hundetochter» übersetzt wird (UA act. 848). Gestützt darauf ist deshalb 

erstellt, dass er A._____ als eine solche bezeichnet hat. Anlässlich der 

Befragung an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung räumte er sodann 

ein, dass er A._____ gesagt habe, sie verhalte sich wie eine Schlampe (GA 

act. 1077). 

 

In islamischen Kulturkreisen wird der Hund als unreines Tier angesehen, 

das nicht mit dem Menschen unter einem Dach zu leben hat. Die 

Bezeichnung als «Hund» wird daher im Arabischen als Beleidigung bzw. 

Beschimpfung aufgefasst. Vor diesem Hintergrund kann auch der vom 

Beschuldigten auf Arabisch geäusserte und ins Deutsche mit 

«Hundetochter» übersetzte Begriff nur als Herabsetzung bzw. Beleidigung 

verstanden werden, weshalb er den Tatbestand von Art. 177 Abs. 1 StGB 

ohne Weiteres erfüllt. Ebenfalls um eine tatbestandsmässige 

Beschimpfung handelt es sich bei der Aussage, A._____ verhalte sich wie 

eine Schlampe. Der Begriff Schlampe oder Nutte ist – sowohl im Deutschen 

als auch Arabischen – eine gebräuchliche Beschimpfung. Dabei macht es 

keinen Unterschied, ob man jemanden direkt als solche bezeichnet oder 

ihr lediglich ein entsprechendes Verhalten unterstellt, zumal beides 

denselben Vorwurf eines unehrbaren Verhaltens umfasst. 

 

Der Beschuldigte hat sich der Beschimpfung schuldig gemacht, indem er 

die genannten Äusserungen mit dem Wissen von sich gab, dass diese 

ehrenrührig sind und er A._____ damit in ihrer Ehre angreift, was auch 

seine direkte Absicht war. Der Beschuldigte hat damit den objektiven und 

subjektiven Tatbestand der Beschimpfung nach Art. 177 Abs. 1 StGB 

erfüllt. 

 

4.4. 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet und er ist wegen mehrfacher Beschimpfung 

schuldig zu sprechen. 

 

 - 15 - 

 

 

5. 

5.1. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit einem Kind, der mehrfachen, teilweise versuchten 

sexuellen Nötigung, der mehrfachen Schändung, der mehrfachen 

Vergewaltigung, des mehrfachen Inzests, der mehrfachen versuchten 

Erpressung sowie der mehrfachen Beschimpfung schuldig gemacht und ist 

dafür angemessen zu bestrafen.  

 

5.2. 

Der Beschuldigte beantragt im Eventualstandpunkt, dass er lediglich zu 

einer bedingten Strafe zu verurteilen sei (vgl. Berufungsbegründung 

S. 48 f.).  

 

5.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.4. 

5.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die qua Strafrahmen schwerste Straftat, die 

Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB (Freiheitsstrafe von einem 

bis zu zehn Jahren) festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes:  

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der Vergewaltigung 

schützt das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Bei einer 

Vergewaltigung geht es im vergleichsweise grossen Spektrum möglicher 

Sexualstraftaten um einen sehr schwerwiegenden Eingriff in die sexuelle 

Integrität. Die Rechtsgutsverletzung als solche ist jedoch unergiebig, denn 

der erzwungene Beischlaf begründet den Tatbestand des Art. 190 Abs. 1 

StGB. Die objektive Tatschwere bestimmt sich somit in erster Linie anhand 

des Tathergangs und der Tatumstände.  

 

Der Beschuldigte hat seine Tochter A._____ zum Geschlechtsverkehr 

genötigt, als diese gerade einmal volljährig war. Dabei hat er zwar keine 

physische Gewalt angewendet, sie jedoch psychisch massiv unter Druck 

gesetzt, auf sie eingeredet und auch als sie Schmerzen bekundete nicht 

von seinem Vorhaben abgelassen, sondern stattdessen versucht, anal in 

sie einzudringen, was allerdings mit noch mehr Schmerzen verbunden war. 

Der Beschuldigte hat die sexuelle Integrität von A._____ durch den 

erzwungenen Beischlaf in schwerem Masse verletzt, was dem Tatbestand 

jedoch immanent ist. Die Nötigung des Beschuldigten ist nicht über das 

 - 16 - 

 

 

zum Vollzug des Beischlafs gegen den Willen von A._____ notwendige 

Mass hinausgegangen, womit es sich innerhalb des weiten Spektrums der 

vom Tatbestand der Vergewaltigung erfassten Fälle nicht um eine 

schwerste Form der Vergewaltigung handelt und das Verschulden im 

unteren bis mittelschweren Bereich anzusiedeln ist. 

 

In Bezug auf die Verwerflichkeit des Handelns ist zu berücksichtigen, dass 

sich der Beschuldigte mit seiner Tochter ein besonders vulnerables Opfer 

ausgesucht und dieses ganz gezielt, namentlich mit ihren Erfahrungen aus 

der Kindheit sowie ihrem Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Bruder, 

unter Druck gesetzt hat. Aufgrund ihrer zumindest anfänglichen verbalen 

sowie körperlichen Gegenwehr konnte er sodann eindeutig erkennen, dass 

sie den Geschlechtsverkehr nicht wollte. Daran vermag auch der Umstand 

nichts zu ändern, dass sie schliesslich aufgab und es über sich ergehen 

liess (vgl. GA act. 1044; Urteil des Bundesgerichts 6B_494/2008 vom 

12. September 2008 E. 2.1.3). Hinzukommt, dass der Beschuldigte 

während des Geschlechtsverkehrs nur teilweise mit einem Kondom 

verhütete und damit eine ungewollte Schwangerschaft seiner Tochter 

zumindest in Kauf nahm. 

 

Der Beschuldigte hat in subjektiver Hinsicht aus rein egoistischen Motiven, 

nämlich der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse gehandelt. Dieser 

Umstand ist jedoch jedem Sexualdelikt immanent und entsprechend nicht 

verschuldenserhöhend zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 E. 7.4.2). Verschuldenserhöhend ist 

indessen das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit, über das der 

Beschuldigte verfügte, zu gewichten, zumal es für ihn ein Leichtes gewesen 

wäre, die sexuelle Integrität von A._____ zu respektieren (vgl. BGE 117 IV 

112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 

vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Mit Blick auf den Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren 

Freiheitsstrafe erscheint insgesamt eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren als 

dem Verschulden des Beschuldigten angemessen.  

 

5.4.2. 

Die so bestimmte Einsatzstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB 

nun aufgrund der weiteren Vergewaltigungen – wobei gestützt auf die 

Aussagen von A._____ von mindestens zehn weiteren Vorfällen 

auszugehen ist (vgl. UA act. 929) – angemessen zu erhöhen. Dabei haben 

sich das Tatvorgehen, insbesondere die angewendete Nötigungshandlung, 

sowie die Tatumstände bei den weiteren Vergewaltigungen nicht 

massgeblich von der ersten unterschieden, weshalb auch hinsichtlich 

dieser weiteren Vergewaltigungen bei einer konkreten Betrachtungsweise 

von einer angemessenen Einzelstrafe von jeweils 3 Jahren auszugehen ist.  

 

 - 17 - 

 

 

In Anbetracht der Tatsache, dass im vorliegenden Berufungsverfahren das 

Verschlechterungsverbot gilt (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO), ist es dem 

Obergericht vorliegend verwehrt, die Einsatzstrafe auf mehr als die 

vorinstanzlich ausgesprochene Strafe von acht Jahren zu erhöhen. Diese 

Strafe kann jedoch unter keinem Titel herabgesetzt werden. Einerseits, weil 

der Gesamtschuldbeitrag trotz des im Rahmen der Asperation zu 

berücksichtigenden räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs der 

Vergewaltigungen hoch und damit mit mehr als fünf Jahren zu 

veranschlagen ist. Denn es ist nicht einerlei, ob der Beschuldigte A._____ 

einmal oder zehnmal vergewaltigt hat. Andererseits wäre die Einsatzstrafe 

weiter aufgrund der weiteren Straftaten (sexuelle Handlungen mit einem 

Kind, sexuelle Nötigungen, Schändungen, Inzest, versuchte 

Erpressungen), für die aufgrund des jeweiligen Tatverschuldens einzeln 

betrachtet ebenfalls nur eine Freiheitsstrafe in Betracht käme, zu erhöhen 

(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 

E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte 

nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des 

Verschlechterungsverbots nicht zulasten der beschuldigten Person 

abgeändert werden darf). Schliesslich rechtfertigen weder die von der 

Vorinstanz zu Recht neutral gewichtete Täterkomponente (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 4.4.4), noch eine im Umfang von 3 Monaten zu 

berücksichtigende Strafreduktion aufgrund des im Untersuchungs-

verfahren als verletzt anzusehenden Beschleunigungsgebots keine 

Herabsetzung der vorinstanzlich ausgesprochenen Strafe, so dass es bei 

acht Jahren Freiheitsstrafe sein Bewenden haben muss. 

 

5.5. 

5.5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Beschimpfung gemäss 

Art. 177 Abs. 1 StGB mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen bestraft (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 4.4.4), was sich auch nach Auffassung des 

Obergerichts als schuldangemessen erweist und vom Beschuldigten im 

Übrigen im Berufungsverfahren auch nicht beanstandet worden ist.  

 

Hinsichtlich der Ermittlung der Tagessatzhöhe kann auf die zutreffenden 

und im Berufungsverfahren unbestritten gebliebenen Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden, zumal sich die finanziellen Verhältnisse des 

Beschuldigten zwischenzeitlich nur marginal verändert haben (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. 6.2.2 sowie Beilage 3 ff. zur 

Berufungsbegründung). Entsprechend ist der Tagessatz auf Fr. 30.00 

festzusetzen. Die Geldstrafe beträgt somit Fr. 900.00. 

 

Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz ist für eine Geldstrafe für den 

Fall, dass diese schuldhaft nicht bezahlt wird – anders als bei einer Busse 

(siehe Art. 106 Abs. 2 StGB) – keine Ersatzfreiheitsstrafe im Urteil 

auszusprechen. Vielmehr richtet sich bei einer unbedingten Geldstrafe der 

 - 18 - 

 

 

Vollzug (Art. 35 StGB) und die Ersatzfreiheitsstrafe (Art. 36 StGB) nach den 

gesetzlichen Bestimmungen. 

 

5.5.2. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn 

eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 

StGB). 

 

Entgegen der Vorinstanz kann dem Beschuldigten vorliegend keine 

eigentliche Schlechtprognose attestiert werden (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. 7). Es ist zwar zutreffend, dass der Beschuldigte das Wort Nutte eigenen 

Aussagen zufolge inflationär verwendet und deshalb mit Bezug auf weitere 

Ehrverletzungsdelikte von einem hohen Rückfallrisiko auszugehen ist. 

Indessen ist die Frage nach der künftigen Legalbewährung im Rahmen von 

Art. 42 Abs. 1 StGB nicht isoliert mit Bezug auf bestimmte 

Deliktskategorien, sondern gesamtheitlich zu betrachten (vgl. 

SCHNEIDER/GARRÉ, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 42 

zu Art. 42 StGB). Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und wird vorliegend 

zu einer mehrjährigen, unbedingt zu vollziehenden Freiheitsstrafe 

verurteilt. Es ist davon auszugehen, dass der Vollzug dieser Strafe 

Warnwirkung genug zur Prävention weiterer Straftaten ist. Da ihm folglich 

keine eigentliche Schlechtprognose zu stellen ist, welcher eine Abweichung 

vom Regelfall des Strafaufschubs rechtfertigen würde, ist ihm deshalb für 

die Geldstrafe der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Den noch 

bestehenden Bedenken an seiner Legalbewährung kann mit einer leicht 

erhöhten Probezeit von drei Jahren angemessen Rechnung getragen 

werden (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

5.6. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 8 Jahren sowie einer bedingten Geldstrafe von 

30 Tagessätzen à Fr. 30, d.h. Fr. 900.00, Probezeit 3 Jahre, zu verurteilen.  

 

5.7. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 32 Tagen (2. April 2019 bis 

3. Mai 2019) ist auf Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB). 

 

Die Vorinstanz hat sodann die vom 4. Mai 2019 bis 3. Februar 2020 

angeordneten Ersatzmassnahmen im Umfang von 1/3 mit 92 Tagen an die 

Freiheitsstrafe angerechnet. Entgegen dem Beschuldigten rechtfertigt sich 

eine weitergehende Anrechnung nicht. Gegen den Beschuldigten wurde im 

Anschluss an seine Entlassung aus der Untersuchungshaft als 

Ersatzmassnahme ein Annäherungsverbot, ein Kontaktverbot, eine 

Meldepflicht sowie die Fortführung seiner bisherigen psychiatrisch-

psychotherapeutischen Behandlung angeordnet (UA act. 324). Allein aus 

 - 19 - 

 

 

dem Umstand, dass er sich seiner Tochter nur bis auf 100 Meter annähern 

und diese nicht kontaktieren durfte, ergibt sich grundsätzlich noch keine 

wesentliche Beschränkung in der Handlungs- und Bewegungsfreiheit des 

Beschuldigten oder seines Tagesablaufs. Gleiches gilt mit Bezug auf die 

Fortführung der Therapie, zumal der Beschuldigte bereits vor Eröffnung 

des Strafverfahrens bei Dr. E._____ in Behandlung war. Eine mehr als 

marginale Beschränkung erscheint unter diesen Umständen weder 

naheliegend, noch hat der Beschuldigte im Rahmen seiner ihm 

diesbezüglich obliegenden Mitwirkungspflicht (vgl. dazu Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1416/2017 vom 29. November 2018 E. 2.3 mit 

weiteren Hinweisen) Angaben gemacht, woraus sich darauf schliessen 

liesse. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten unter Verzicht auf eine 

Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) für die Dauer von 

10 Jahren des Landes verwiesen.  

 

Der Beschuldigten beantragt, es sei von einer Landesverweisung 

abzusehen.  

  

 - 20 - 

 

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332). Darauf kann verwiesen werden.  

 

6.3. 

Der Beschuldigte verfügt über die irakische Staatsangehörigkeit. Er hat mit 

der mehrfachen Vergewaltigung, den mehrfachen sexuellen Handlungen 

mit Kindern, der mehrfachen sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen 

Schändung gleich mehrere Katalogtagen im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h 

StGB begangen und ist somit grundsätzlich für bis zu 15 Jahre aus der 

Schweiz wegzuweisen.  

 

Von der Anordnung einer Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleiben in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist 

der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Art. 66a 

StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu 

orientieren. 

 

6.4. 

Der heute 58-jährige, zweifach geschiedene Beschuldigte ist irakischer 

Staatsangehöriger. Er wurde in Bagdad geboren, wo er die Primarschule, 

die Oberstufe und zwei Jahre Sekundarschule absolvierte. Anschliessend 

ist er eigenen Angaben zufolge ins Militär eingetreten, habe dort eine 

zweijährige Lehre als Elektroinstallateur bzw. Koch absolviert und von 1982 

bis 1987 im Irak-Iran-Krieg gedient. Während des zweiten Golfkrieges sei 

er desertiert und nach Syrien geflohen, wo er verhaftet und gefoltert worden 

sei. In die Schweiz ist er im Jahr 1999, d.h. im Alter von ungefähr 33 Jahren 

illegal eingereist, weshalb er die prägende Jugend- und Adoleszenzphase 

im Ausland verbracht hat und als im Irak aufgewachsen gilt (vgl. UA act. 4, 

Mika-Akten S. 8 ff.).  

 

Der Beschuldigte hat seit seiner Einreise zunächst in Q._____ gelebt, bevor 

er am 1. Juli 2010 mit seinen beiden Kindern in eine 5.5-Zimmerwohnung 

in R._____ gezogen ist, welche er bis heute gemeinsam mit seinem Sohn 

bewohnt (vgl. UA act. 1060 und 1096). Von seinen Kindern als seine 

nächsten Verwandten abgesehen, lebt ausserdem ein Bruder des 

Beschuldigten in X. Er verfügt über eine Niederlassungsbewilligung C und 

sein Lebensmittelpunkt liegt in der Schweiz, auch wenn sich seine 

 - 21 - 

 

 

persönliche und gesellschaftliche Integration in der Schweiz in Anbetracht 

seiner vergleichsweisen langen Aufenthaltsdauer als sehr schwach 

erweist. Er spricht nur sehr gebrochen Deutsch und war während 

sämtlicher Befragungen durchgehend auf einen Übersetzer angewiesen. 

Während zu seiner Tochter aufgrund des vorliegenden Strafverfahrens seit 

Jahren kein Kontakt mehr besteht, beschränkt sich das soziale Umfeld des 

Beschuldigten auf seinen Sohn. Er war zweimal verheiratet, wobei seine 

erste Ehefrau verstorben ist und die zweite die Schweiz nach der 

Scheidung wieder verlassen hat. Enge, echte und gelebte Freund- oder 

Bekanntschaften oder eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen 

Strukturen oder Vereinen, kirchlichen oder kulturellen Institutionen pflegt 

der Beschuldigte nicht. Er verfügt damit weder über einen Freundeskreis in 

der Schweiz, noch bekundet er am gesellschaftlichen Leben Interesse. Als 

ungenügend erscheint seine wirtschaftliche und berufliche Integration: Der 

Beschuldigte verfügt gemäss eigenen Angaben zwar über eine Lehre als 

Elektroinstallateur bzw. Koch, hat aber seit seiner Einreise in die Schweiz 

nur einmal wenige Monate auf Probe gearbeitet. Ansonsten hat er von den 

hiesigen Sozialsystemen gelebt (UA act. 5; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 20). Die übrige finanzielle Situation des 

Beschuldigten erweist sich als desolat. Er erhält Ergänzungsleistungen in 

Höhe von rund Fr. 2'520.00 monatlich, daneben beteiligt sich sein Sohn an 

der Miete bzw. den Lebenshaltungskosten. Der Beschuldigte vermag damit 

gerade einmal seinen Lebensunterhalt zu decken, verfügt gleichzeitig 

jedoch eigenen Angaben zufolge über Schulden in Höhe von 

Fr. 100'000.00 (UA act. 1088), wobei gegen den Beschuldigten keine 

Betreibungen registriert sind (UA act. 1096).  

 

Insgesamt ist der Beschuldigte im Alter von 33 Jahren in die Schweiz 

eingereist und damit weder in der Schweiz geboren noch aufgewachsen 

und ist trotz einer vergleichsweise langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz 

weder gesellschaftlich, sozial oder wirtschaftlich verwurzelt. Sein 

Lebensmittelpunkt ist zwar in der Schweiz auszumachen, indessen erweist 

sich seine Integration in jeglicher Hinsicht als gescheitert. 

 

6.5. 

Hinsichtlich der Auswirkungen eines Landesverweises auf das Leben des 

Beschuldigten ist die Beziehung zu seinem heute 21-jährigen Sohn zu 

berücksichtigen, welcher seit seiner Rückkehr aus dem Kinderheim im Jahr 

2009 ununterbrochen mit dem Beschuldigten zusammengelebt hat. 

Indessen ist der Beziehung zu seinem volljährigen, arbeitstätigen Sohn 

nicht die Qualität einer Kernfamilie im Sinne von Art. 8 EMRK 

beizumessen. Unabhängig davon, dass ein Zusammenleben bereits 

aufgrund der auf den Beschuldigten zukommenden Freiheitstrafe nicht 

weiter möglich ist, hat C._____ an der Berufungsverhandlung selbst 

ausgeführt, gegenüber seinem Vater bereits mehrfach den Wunsch 

geäussert zu haben, eine eigene Wohnung zu beziehen und auf eigenen 

 - 22 - 

 

 

Füssen zu stehen. Der Beschuldigte sei diesem Vorhaben gegenüber 

positiv gesinnt (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14). 

Entsprechend diesem Wunsch erreicht das Zusammenleben von Vater und 

Sohn bereits heute nicht mehr die erforderliche Qualität, dass von einer 

eigentlichen Kernfamilie auszugehen wäre. Dass der Beschuldigte die 

Finanzen seines Sohnes verwaltet, vermag an diesem Umstand nichts zu 

ändern. Zusätzlich ist aufgrund der langen Freiheitsstrafe eine weitere 

Entfremdung unumgänglich, zumal C._____ auch im Falle einer vorzeitigen 

Entlassung seines Vaters aus dem Strafvollzug ein neues Umfeld 

aufgebaut, wenn nicht gar eine eigene Familie gegründet haben wird. 

 

6.6. 

Die Chancen auf eine Reintegration des Beschuldigten in seinem 

Heimatstaat sind nach wie vor intakt. Der Beschuldigte beherrscht die 

arabische Sprache in Schrift und Sprache. Drei Schwestern und fünf Brüder 

leben nach wie vor in seiner Geburtsstadt Bagdad (UA act. 3). Anlässlich 

seiner Befragung vom 15. April 2019 hat er zudem angegeben, dass seine 

Schwester im Irak ihm ab und zu aushelfe, wenn er oder seine Kinder in 

Not seien (UA act. 5). Das familiäre Beziehungsnetz in seinem Heimatland 

erscheint unter diesen Umständen nach wie vor intakt, was ihm für einen 

Neuanfang behilflich sein kann. Der Beschuldigte hat sodann in seinem 

Heimatland die prägenden Kindheits- und Jugendjahr verbracht, weshalb 

ihm die Gebräuche und Gepflogenheiten zumindest nicht völlig fremd sind. 

Auch in beruflicher Hinsicht sind die Chancen auf eine erfolgreiche 

Reintegration besser einzustufen als hierzulande, zumal er in der Schweiz 

weder die Sprache beherrscht noch über Arbeitserfahrung verfügt.  

 

Einer Landesverweisung steht entgegen den Vorbringen des 

Beschuldigten auch das Non-Refoulement-Gebot im Sinne von Art. 66d 

StGB nicht entgegen. Obwohl dem Beschuldigten mit Entscheid der 

Schweizerischen Asylrekurskommission vom 4. Juli 2001 die Flüchtlings-

eigenschaft zuerkannt worden ist (vgl. Mika-Akten S. 63 ff.), ergeben sich 

heute weder aus der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage, 

noch aus den Vorbringen des Beschuldigten ein Vollzugshindernis. Der 

Beschuldigte macht zwar geltend, dass ihm als Deserteur im 2. Golfkrieg 

die Todesstrafe drohe. Indessen ist sein diesbezügliches Vorbringen weder 

substanziiert vorgetragen noch ansatzweise belegt (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1367/2022 vom 7. August 2023 E. 1.4.3, wonach die 

Flüchtlingseigenschaft einer Landesverweisung nicht per se entgegensteht 

und den Beschuldigten hinsichtlich der Feststellung von Umständen, die 

seine individuell-persönliche Gefährdung im Heimatland begründen, eine 

Mitwirkungspflicht trifft).Ohnehin geht dem Vollzug der Landesverweisung 

zunächst derjenige einer achtjährigen Freiheitsstrafe voran, weshalb eine 

Änderung der massgeblichen Verhältnisse nicht ausgeschlossen erscheint, 

weshalb die Vollzugsbehörden sich zu gegebener Zeit erneut damit zu 

befassen haben werden. 

 - 23 - 

 

 

 

6.7. 

Der Beschuldigte wird vorliegend u.a. wegen mehrfacher Vergewaltigung, 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller 

Nötigung, mehrfacher Schändung, mehrfachen Inzests und mehrfacher 

versuchter Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren sowie einer 

Geldstrafe verurteilt. Bei den vom Beschuldigten verübten Straftaten 

handelt es sich mithin unter anderem um schwerste Verbrechen, welche 

sich gegen hochstehende Rechtsgüter richten. Darüber hinaus fällt 

besonders die Häufigkeit sowie der über mehrere Jahre hinweg 

andauernde Zeitraum seiner Delinquenz erheblich ins Gewicht. 

Wenngleich sich die Straftaten des Beschuldigten ausschliesslich gegen 

seine eigene Tochter gerichtet haben und darüber hinaus keine weiteren, 

über das Mass einer Übertretung hinausgehenden Regelverstösse des 

Beschuldigten bekannt sind, ist angesichts der Schwere der Schuldsprüche 

im vorliegenden Verfahren sowie der dafür ausgefällten Freiheitsstrafe von 

einem erheblichen öffentlichen Interesse an seiner Wegweisung 

auszugehen. 

 

6.8. 

Zusammenfassend ergibt sich in Würdigung der Gesamtumstände, dass 

ein Landesverweis im Falle des Beschuldigten bereits keinen schweren 

persönlichen Härtefall begründet, zumal dieser trotz vergleichsweise langer 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz weder sprachlich, sozial noch 

wirtschaftlich verwurzelt ist. Demgegenüber besteht angesichts der 

Schwere der von ihm begangenen Verbrechen ein erhebliches öffentliches 

Interesse an seiner Wegweisung, welches seine privaten Interessen an 

einem Verbleib deutlich überwiegen. Damit sind die Voraussetzungen für 

eine Landesverweisung erfüllt. Diese erweist sich sowohl unter dem 

Blickwinkel von Art. 66a Abs. 2 StGB als auch – soweit überhaupt tangiert 

– unter demjenigen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als verhältnismässig und 

rechtskonform. 

 

Die von der Vorinstanz auf 10 Jahre festgesetzte Dauer der 

Landesverweisung erweist sich unter den konkreten Umständen als 

angemessen und wurde vom Beschuldigten im Übrigen im Berufungs-

verfahren nicht beanstandet, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist.  

 

6.9. 

Die Vorinstanz hat auf eine Ausschreibung der Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem (SIS) verzichtet. Nachdem das Absehen 

der Ausschreibung im SIS von der Staatsanwaltschaft nicht beanstandet 

worden ist und die Rechtsprechung des Bundesgerichts nur dann keine 

Verletzung des Verschlechterungsverbots annimmt, wenn das erst-

instanzliche Gericht über die Ausschreibung im SIS überhaupt nicht 

 - 24 - 

 

 

entschieden hat (vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.3.5), ist darauf nicht 

zurückzukommen. 

 

7. 

7.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, A._____ Fr. 4'193.00 

zzgl. Verzugszins von 5 % seit dem 8. April 2022 als Schadenersatz zu 

bezahlen.  

 

Der vorinstanzlich zugesprochene Schadenersatz beschlägt die von der 

Opferhilfe übernommenen Therapiekosten für Behandlungen, welche 

A._____ zur Verarbeitung einer im Zusammenhang mit den sexuellen 

Übergriffen erlitten posttraumatischen Belastungsstörung in Anspruch 

genommen hat. Der Kanton Aargau (und nicht die Opferhilfestelle oder der 

Kantonale Sozialdienst) ist zwar gestützt auf Art. 121 Abs. 2 StPO i.V.m. 

Art. 7 Abs. 1 OHG hinsichtlich staatlicher Regressansprüche gegen einen 

Beschuldigten zufolge gesetzlicher Subrogation zur adhäsionsweisen 

Zivilklage zugelassen (vgl. BGE 140 IV 162 E. 4.9.4). Dazu muss er sich 

aber selber konstituieren bzw. in den Strafprozess eintreten. Mithin ist es 

ausgeschlossen, dass die Privatklägerin im Strafverfahren als Privatperson 

adhäsionsweise Regressansprüche für den Kanton geltend macht. 

Vielmehr ist die Privatklägerin A._____ hinsichtlich von Kosten, die im 

Rahmen der Opferhilfe vom Kanton übernommen worden sind, nicht 

legitimiert. A._____ ist denn auch gar kein Schaden für Kosten, die von der 

Opferhilfe übernommen worden sind, entstanden. Nach dem Gesagten ist 

auf die Zivilklage der Privatklägerin hinsichtlich dieses Betrags nicht 

einzutreten. 

 

7.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten darüber hinaus verpflichtet, A._____ 

künftige, im Zusammenhang mit den verurteilten Straftaten anfallende 

Kosten zu 100 % zu ersetzen. 

 

In Bezug auf seine grundsätzliche Haftung hat sich der Beschuldigte im 

Berufungsverfahren weder im vorinstanzlichen noch im Berufungs-

verfahren zum Tatsachenfundament und zur rechtlichen Würdigung 

geäussert, sondern beanstandet die vorinstanzlichen Erwägungen einzig 

als Konsequenz des beantragten Freispruches. Entsprechend ist darauf 

nicht zurückzukommen, sondern kann auf die zutreffenden 

vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (vgl. vorinstanzliches 

Urteil E. 11.4; Art. 84 Abs. 2 StPO).  

 

7.3. 

Schliesslich hat die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung einer 

Genugtuung in Höhe von Fr. 17'000.00 nebst 5 % Zins seit dem 1. Juli 2013 

verurteilt. 

 - 25 - 

 

 

 

Gemäss Art. 49 Abs. 1 OR hat derjenige, der in seiner Persönlichkeit wider-

rechtlich verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer Geldsumme, sofern die 

Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wiedergut-

gemacht worden ist. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene 

Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträch-

tigung erträglicher gemacht wird. Bemessungskriterien sind vor allem die 

Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkun-

gen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der Grad des Verschuldens des 

Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie 

die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geld-

betrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung erlittener Unbill in Frage 

kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen 

(BGE 132 II 117 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Die Festsetzung der Höhe der 

Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit. Das Bundesgericht hat 

es daher abgelehnt, dass sich die Bemessung der Genugtuung nach sche-

matischen Massstäben richten soll. Die Genugtuungssumme darf nicht 

nach festen Tarifen festgesetzt, sondern muss dem Einzelfall angepasst 

werden (BGE 132 II 117 E. 2.2.3 mit Hinweisen). Ist eine Genugtuung zu-

zusprechen, ist diese ab dem schädigenden Ereignis zu verzinsen. Bei 

mehreren Verletzungen über einen längeren Zeitraum ist hinsichtlich des 

Zinsenlaufs von einem mittleren Zeitpunkt für die gesamte Verletzung als 

massgebend auszugehen (BGE 129 IV 149 E. 4.3.; Urteil des Bundesge-

richts 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 2.2). 

 

Vorliegend ist erstellt, dass der Beschuldigte über Jahre hinweg sexuelle 

Handlungen an seiner zeitweise noch minderjährigen Tochter A._____ 

vorgenommen hat, indem er sie gezielt unter Druck gesetzt und seine 

Stellung als Familienoberhaupt ausgenutzt hat. Dabei ist es von 

Streicheleinheiten, über gegenseitigen Oralverkehr bis hin zum 

Geschlechtsverkehr gekommen. A._____ leidet seit den Übergriffen an 

einer posttraumatischen Belastungsstörung als komplexe 

Traumafolgestörung. Gemäss dem Kurzbericht ihrer Therapeutin F._____ 

leide sie dabei vor allem unter diversen körperlichen Schmerzen, 

Kraftlosigkeit, Konzentrationsproblemen, Ängsten bis Todesängsten, 

Alpträumen sowie starken Blackouts (UA act. 1127). Anlässlich der 

Berufungsverhandlung führte A._____ aus, das Verfahren stelle eine 

grosse Belastung für sie da und sie beabsichtige auch nach Abschluss des 

Verfahrens zur Verarbeitung weitere Therapiesitzungen in Anspruch zu 

nehmen (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3). In Bezug auf 

therapeutische Berichte ist zwar allgemein festzuhalten, dass solche mit 

Zurückhaltung zu würdigen sind, da es sich dabei gerade nicht um objektive 

Gutachten handelt. Es liegen keine neutralen Gutachten dazu vor, 

inwiefern und in welchem Umfang die erfolgten sexuellen Handlungen 

durch den Beschuldigten für die Diagnosen ursächlich sind bzw. waren. 

Dennoch erweist sich die vorinstanzlich ausgesprochene Genugtuung 

 - 26 - 

 

 

angesichts der langen Dauer, denen A._____ den Übergriffen des 

Beschuldigten ausgesetzt war, sowie deren Häufigkeit und Intensität in 

Würdigung der gesamten Umstände als angemessen und ist daher 

entgegen den Vorbringen des Beschuldigten nicht zu reduzieren. Der 

Beschuldigte ist folglich zur Zahlung einer Genugtuung an A._____ in Höhe 

von Fr. 17'000.00 nebst 5 % Zins seit dem 1. Juli 2013 zu verpflichten. 

  

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 10. 

November 2017 E. 4.3). 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seinen im Berufungsverfahren gestellten 

Rechtsbegehren beinahe vollumfänglich. Der Umstand, dass er vorliegend 

lediglich wegen mehrfacher versuchter Erpressung, für denselben 

Sachverhalt indessen nicht auch wegen mehrfacher versuchter Nötigung 

schuldig zu sprechen ist, hat weder einen Freispruch von letzterem 

Tatvorwurf oder eine diesbezügliche Einstellung zur Folge, noch wirkt sich 

dieser Umstand auf die Strafzumessung aus. Einzig in Bezug auf den 

Vollzug der Geldstrafe sowie die Zivilforderung erwirkt er insofern einen für 

ihn günstigeren Entscheid, als dass diese Geldstrafe bedingt 

aufgeschoben und auf die Schadenersatzforderung zum Teil nicht 

eingetreten wird. Da dadurch das vorinstanzliche Urteil jedoch nur 

unwesentlich abgeändert wird, rechtfertigt es sich, ihm die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten vollumfänglich, d.h. mit Fr. 6'000.00 

aufzuerlegen (§ 18 VKD; Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO).  

 

8.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote mit Fr. 6'822.15 (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

9. 

9.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird.  

 - 27 - 

 

 

 

Nachdem der Beschuldigte für sämtliche der angeklagten Delikte verurteilt 

wird, sind ihm auch die vorinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich 

mit Fr. 6'941.00 aufzuerlegen. 

 

9.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 10'442.05 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten gestützt auf Art. 135 Abs. 4 

StPO zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben. 

 

9.3. 

Die der unentgeltlichen Rechtsbeiständin für das erstinstanzliche 

Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 9'652.80 ist mit Berufung 

nicht angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht 

mehr zurückzukommen ist, zumal der Beschuldigte diesbezüglich nicht 

beschwert ist. 

 

Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen wirtschaftlichen Verhält-

nissen, weshalb er die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der 

Privatklägerin nicht zu tragen hat (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

10. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 

1 StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB; 

- der mehrfachen, teilweisen versuchten sexuellen Nötigung gemäss 

Art. 189 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB; 

- der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB; 

 - 28 - 

 

 

- des mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen versuchten Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 2 hiervor genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Jahren 

 

und einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 30, d.h. 

Fr. 900.00, Probezeit 3 Jahre, 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 32 Tagen (2. April 2019 bis 

3. Mai 2019) sowie die Ersatzmassnahmen im Umfang von 92 Tagen 

werden auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes 

verwiesen. 

 

Auf eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem (SIS) wird verzichtet. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

Folgende beschlagnahmten Gegenstände sind dem Beschuldigten 

herauszugeben: 

 

- div. Büroakten;  

- Mobiltelefon «Apple iPhone 6S A1688», B, inkl. Ladekabel. 

 

Werden diese Gegenstände nicht innerhalb von 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft abgeholt, trifft die Staatsanwaltschaft die sachgemässen 

Verfügungen. 

 

6. 

6.1. 

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte für den A._____ verursachten 

Schaden, der natürlich und adäquat kausal auf die Straftaten, für welche 

 - 29 - 

 

 

der Beschuldigte verurteilt wird, zurückzuführen ist, dem Grundsatze nach 

bei einer Haftungsquote von 100 % schadenersatzpflichtig ist. 

 

Im Übrigen wird die Schadenersatzklage von A._____ auf den Zivilweg 

verwiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 

 

6.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____ Fr. 17'000.00 

zzgl. Zins zu 5 % seit 1. Juli 2013 als Genugtuung zu bezahlen. 

 

7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt.  

 

7.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 6'822.15 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8. 

8.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'941.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 3'350.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

8.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 10'442.05 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der 

Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 9'652.80 auszurichten. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 - 30 - 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 
   

Aarau, 11. Januar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Albert