# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5217f298-52f7-5a6c-8aa3-6832f8596c58
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 04.01.2022 SBK.2021.366
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2021-366_2022-01-04.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2021.366 / va
(HA.2021.564; STA.2021.4691)
Art. 6

Entscheid vom 4. Januar 2022

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichter Lienhard
Oberrichterin Massari
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer

A._____,
[…]
z.Zt.: Zentralgefängnis Lenzburg, Wilstrasse 51, 5600 Lenzburg
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Luc Humbel,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten,
Kloster-Südflügel, Seetalstrasse 8, 5630 Muri AG

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom
3. Dezember 2021 betreffend Antrag auf Anordnung von Untersuchungs-
haft

in der Strafsache gegen A._____

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Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
Gegen den Beschwerdeführer läuft ein Strafverfahren wegen verschie-
denster Delikte (teilweise mehrfach: falsche Anschuldigung; Irreführung der
Rechtspflege; Verleumdung, ev. üble Nachrede; Verletzung des Fabrikati-
ons- oder Geschäftsgeheimnisses; Falschbeurkundung; Erschleichen ei-
ner Falschbeurkundung; Hausfriedensbruch; Beschimpfung; Drohung). Zu-
letzt erstattete die vom Familiengericht am Standort des Bezirksgerichts
Muri mit Entscheid vom 2. Juni 2021 eingesetzte Beiständin des Beschwer-
deführers (B.) am 29. November 2021 wegen ausgestossener Drohungen
Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer. Der Beschwerdeführer wurde
am 2. Dezember 2021 festgenommen.

2.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten beantragte am 2. Dezember 2021
beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau die Versetzung des
Beschwerdeführers in Untersuchungshaft einstweilen bis zum 1. März
2022. Der Beschwerdeführer beantragte am 3. Dezember 2021 die Abwei-
sung dieses Haftantrags und seine unverzügliche Haftentlassung.

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau versetzte den Be-
schwerdeführer mit Verfügung vom 3. Dezember 2021 einstweilen bis zum
1. März 2022 in Untersuchungshaft.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer persönlich erhob gegen diese ihm am 3. Dezember
2021 ausgehändigte Verfügung mit Eingabe datiert vom 7. Dezember 2021
(Postaufgabe am 8. Dezember 2021) Beschwerde mit dem Antrag, er sei
sofort aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

3.2.
Der amtliche Verteidiger liess sich innert laufender Beschwerdefrist nicht
zur Beschwerde vernehmen.

3.3.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten beantragte mit Beschwerdeant-
wort vom 22. Dezember 2021 die vollumfängliche Abweisung der Be-
schwerde unter Kostenfolgen.

3.4.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau teilte mit Eingabe
vom 3. Januar 2022 mit, unter Hinweis auf die Begründung des angefoch-
tenen Entscheids auf eine Vernehmlassung zu verzichten.

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
Als inhaftierte Person ist der Beschwerdeführer berechtigt, die Verfügung
des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 3. Dezember
2021 mit Beschwerde anzufechten (Art. 222 Satz 1 StPO; Art. 393 Abs. 1
lit. c StPO). Auf seine frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist ein-
zutreten.

2.
Untersuchungshaft nach Art. 221 Abs. 1 StPO setzt einen dringenden Tat-
verdacht auf ein Vergehen oder Verbrechen sowie einen besonderen Haft-
grund in Form von Flucht-, Kollusions- oder Wiederholungsgefahr voraus.
Der weitere Haftgrund der Ausführungsgefahr ist in Art. 221 Abs. 2 StPO
geregelt. Als strafprozessuale Zwangsmassnahme hat Untersuchungshaft
zudem verhältnismässig zu sein (Art. 197 Abs. 1 StPO).

3.
3.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau legte in E. 3.2.1 sei-
ner Verfügung vom 3. Dezember 2021 die theoretischen Grundlagen, nach
denen das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts zu beurteilen ist, zu-
treffend dar. Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

3.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau bejahte in E. 3.2.2
seiner Verfügung vom 3. Dezember 2021 aufgrund folgender (von der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten geltend gemachter) Vorwürfe einen
dringenden Tatverdacht auf Beschimpfungen, Nötigung sowie Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte:

- Vorwurf, sich am 11. August 2021 mit nacktem Oberkörper vor C. auf-
gebaut, diesen beschimpft und ihm gesagt zu haben, dass er schon
sehen werde, was nun mit ihm passieren werde.

- Vorwurf, am 18. November 2021 Wm MbA D. als "Sautubel" und
"Schafseckel" beschimpft zu haben.

- Vorwurf, am 29. November 2021 seine Berufsbeiständin B. bedroht und
in Angst und Schrecken versetzt zu haben.

- Vorwurf, am 1. Dezember 2021 gegenüber einer Mitarbeiterin der
SUVA sich dahingehend geäussert zu haben, dass er am liebsten alle
im Bezirksgericht Muri erschiessen würde und für nichts garantieren
könne, wenn er B. begegne.

Der Beschwerdeführer beanstandete die (überzeugenden) Ausführungen
des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau zum dringenden

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Tatverdacht mit Beschwerde nicht in erkennbarer oder gar substantiierter
Weise, weshalb ohne Weiteres darauf abzustellen und ein dringender Tat-
verdacht i.S.v. Art. 221 Abs. 1 StPO zu bejahen ist.

4.
4.1.
Was die besonderen Haftgründe anbelangt, bejahte das Zwangsmassnah-
mengericht des Kantons Aargau sowohl Fortsetzungs- (bzw. Wiederho-
lungs-) als auch Ausführungsgefahr. Die theoretischen Grundlagen hierzu
legte es in E. 3.4.1 und E. 3.5.1 seiner Verfügung vom 3. Dezember 2021
zutreffend dar.

4.2.
4.2.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau beurteilte die Ge-
fahr, dass der Beschwerdeführer seinen Todesdrohungen Gewalttaten fol-
gen lassen könnte, gestützt auf das forensisch-psychiatrische Gutachten
von Dr. med. E. (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH;
Schwerpunkt Forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH) vom 31.
März 2020 (Haftantragsbeilage 9). Dies ist im Rahmen dieses Beschwer-
deverfahrens nicht zu beanstanden. Zwar führte der Beschwerdeführer mit
Beschwerde aus, dass er dieses Gutachten (sowie zwei weitere psychiat-
rische Gutachten) fundiert mit Fakten und Beweisen angefochten habe,
nannte aber keine konkreten Gründe, weshalb auf das Gutachten von Dr.
med. E. nicht abzustellen wäre.

Im Übrigen findet sich in den Akten (Haftantragsbeilage 10) auch ein von
Dr. med. F. (Oberärztin G., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, Schwerpunkt Forensische Psychiatrie) zuhanden des Familienge-
richts am Standort des Bezirksgerichts Muri am 17. Dezember 2020 erstat-
tetes (zivilrechtliches) Gutachten, welches – wie auch von Dr. med. F. an-
lässlich ihrer Befragung vom 19. Mai 2021 vor dem Familiengericht am
Standort des Bezirksgericht Muri bestätigt (vgl. hierzu die Haftantragsbei-
lagen) – im Wesentlichen zu den gleichen Schlüssen kam wie dasjenige
(hervorragend und lege artis konzipierte) von  Dr. med. E. (Protokoll S. 12).

4.2.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau entnahm dem psy-
chiatrischen Gutachten von Dr. med. E., dass Drohungen bei Menschen in
wahnhaften Psychosen immer ernst zu nehmen seien, dass wahnhafte
Menschen nur schwer berechenbar seien und dass beim Beschwerdefüh-
rer bei Perspektivlosigkeit (wenn er nichts mehr weiter zu verlieren habe;
wenn seine rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft seien; wenn bei Be-
gegnungen emotionale Wellen hochschlügen; wenn er keine Handlungsal-
ternativen mehr sehe; wenn er finanziell immer mehr in Bedrängnis gerate)

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von einer moderaten bis hohen Ausführungsgefahr hinsichtlich seiner Dro-
hungen auszugehen sei (Verfügung vom 3. Dezember 2021 E. 3.5.2).

Bezogen auf den Beschwerdeführer stellte es fest, dass dieser von der
wahnhaften Vorstellung ausgehe, Opfer eines 2014 stattgefundenen Mord-
versuchs gewesen zu sein, und seitdem erfolglos versuche, die hierfür Ver-
antwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Seine diesbezüglichen Möglich-
keiten habe der Beschwerdeführer zusehends ausgeschöpft. Nunmehr
sehe er sich in der Gestalt familienrechtlicher Massnahmen mit zunehmen-
dem Druck konfrontiert. Sozial sei er noch stärker isoliert als zum Zeitpunkt
der Erstattung des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. E. am 31.
März 2020. Dass er den Adressatenkreis seiner Drohungen von Personen
aus seinem nahen Umfeld auf teilweise unbeteiligte Dritte erweitert habe,
stelle eine neue Eskalationsstufe dar. Aufgrund der zunehmenden Per-
spektivlosigkeit bei Wegfall stabilisierender Faktoren sei die ihm im März
2020 attestierte hohe Ausführungsgefahr (nunmehr) als sehr hoch zu er-
achten (Verfügung vom 3. Dezember 2021 E. 3.5.2).

4.2.3.
Dr. med. E. legte in ihrem Gutachten u.a. dar, dass der Beschwerdeführer
heute "verloren in seiner Wahnwelt" sei, er seine Umgebung im Licht des
Wahns sehe und vermeintlich als Einziger gegen eine zeitlich weit zurück-
reichende, weltumspannende kriminelle Organisation kämpfe. Dass der
Beschwerdeführer "innerhalb seines Wahnerlebens" geplant und bis zu ei-
nem gewissen Grad strukturiert vorgehe, dürfe nicht darüber hinwegtäu-
schen, wie krank er sei (act. 742). Ein Perspektivenwechsel sei ihm nicht
möglich. Trotz kognitiver Fähigkeiten bestehe keine Einsicht, weil seine
kognitiven "Werkzeuge" im Dienste des Wahnerlebens stünden. Ebenso
wie Einsicht habe auch fehlende Einsicht Verhaltens- und Handlungswirk-
samkeit (act. 743).

Legalprognostisch sei zwischen den Drohungen und der Ausführungsge-
fahr derselben zu unterscheiden (act. 744). Es sei mit hoher Wahrschein-
lichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine problemati-
schen Verhaltensweisen auch weiterhin zeigen werde. Darauf angespro-
chen habe der Beschwerdeführer wiederholt verneint, körperliche Gewalt
anwenden zu wollen (act. 749). Als protektive Aspekte liessen sich beim
Beschwerdeführer die fehlenden Vorstrafen und die nichtgewalttätigen
Handlungsalternativen ausmachen. Alle anderen Aspekte (Aktualität des
Konflikts; gewaltpräventive soziale Bindungen; Rückgang psychischer
Symptome; Einsicht; Kontrollfähigkeit) seien ungünstig (act. 752). Die Aus-
führungsgefahr von Drohungen sei gegenüber Drittpersonen gegenwärtig
eher gering, gegenüber Familienangehörigen (namentlich dem Bruder) je-
doch moderat und bei Perspektivlosigkeit moderat bis hoch. Wenngleich
der Beschwerdeführer nicht ein Mensch sei, der von Grund auf erhöht ag-
gressions- und gewaltbereit sei, sondern körperliche Gewalt ablehne und

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nicht waffenaffin sei, könne es ihn in seiner Wahnwelt plötzlich überkom-
men. Drohungen seien bei Menschen in einer wahnhaften Psychose immer
ernst zu nehmen. Letztlich seien wahnhafte Menschen nur schwer bere-
chenbar. Die beim Beschwerdeführer stark ausgeprägte Anosognosie
(hirnorganisch bedingte fehlende Krankheitseinsicht, vgl. hierzu act. 739)
könne dazu führen, dass er gar nicht merke, welche Gefahr von ihm aus-
gehe, und dass eine Gewalthandlung durchbreche, ohne dass er es merke
(act. 753). Aufgrund fehlender Krankheitseinsicht und Behandlungsbereit-
schaft müsse eine stationäre Therapie (nach Art. 59 StGB) in einer ge-
schlossenen forensisch-psychiatrischen Station oder als Alternative eine
mildere Massnahme nach Art. 63 StGB mit stationärem Beginn empfohlen
werden. Ein mehrmonatiger medikamentöser Behandlungsversuch sei an-
gezeigt (act. 754 f.). Zu berücksichtigen sei auch die Not der Angehörigen,
die seit langer Zeit enorm unter Druck stünden und auch Angst vor körper-
lichen Übergriffen aushalten müssten (act. 755).

Dr. med. F. stellte in ihrem Gutachten ähnlich fest, dass der Beschwerde-
führer weitgehend isoliert bzw. allein in seiner Wohnung lebe und die Tage
mit dem Verfassen von Beschwerdeschriften verbringe, sich aber auch
zweckmässig ernähre, körperliche Aktivitäten betreibe und nach eigenen
Angaben seine beiden Töchter regelmässig sehe (act. 239). Unter Bezug-
nahme auf die von Dr. med. E. als "gering bis moderat" beurteilte Ausfüh-
rungsgefahr von Drohungen machte Dr. med. F. darauf aufmerksam, dass
diese Gefahr in hohem Masse ansteigen könne, wenn der Beschwerdefüh-
rer stärker unter Druck komme und seine Möglichkeiten, auf dem Rechts-
weg zu seinem vermeintlichen (wahnhaften) Recht zu kommen, ausge-
schöpft seien. Dr. med. F. wies auch "eindringlich" darauf hin, dass der Be-
schwerdeführer seine Mutter als Mittelpunkt und eigentliche Ursache seiner
Verschwörungstheorie identifiziert zu haben meine und dass in der foren-
sischen Psychiatrie allgemein bekannt sei, dass bei Angehörigen, insbe-
sondere aber bei Müttern, wenn sie in das Wahnsystem von an Psychosen
Erkrankten miteinbezogen seien, das Risiko, Opfer von schweren Gewalt-
straftaten zu werden, stark erhöht sei (act. 244; vgl. auch act. 247). Auch
sie empfahl, eine Behandlung initial im stationären Rahmen einer psychiat-
rischen Klinik durchzuführen (act. 245). Anlässlich ihrer Befragung vor dem
Familiengericht am Standort des Bezirksgerichts Muri vom 19. Mai 2021
äusserte sie sich ähnlich dahingehend, dass es insbesondere für die Mutter
des Beschwerdeführers sehr gefährlich werden könne, wenn sich (was sich
nicht nach Aussen zeigen müsse) die Krankheit akzentuieren würde (Pro-
tokoll S. 3).

4.2.4.
Das Ausmass des vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau
festgestellten Risikos, dass der Beschwerdeführer seinen Drohungen ent-
sprechende Gewalttaten folgen lassen könnte, beruht auf der (von Dr. med.
F. weitgehend bestätigten) fachärztlichen Beurteilung von Dr. med. E. und

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einer zutreffenden Beschreibung des für den Beschwerdeführer zuneh-
mend perspektivlos wirkenden Verlaufs durch das Zwangsmassnahmen-
gericht des Kantons Aargau. Letzterer kommt konkret auch in den Aussa-
gen von B. vom 29. November 2021 (Haftantragsbeilage 4) zum Ausdruck,
wonach der Beschwerdeführer sie dafür verantwortlich gemacht habe, dass
er nunmehr auch gegen seine Ex-Frau Strafanzeige gemacht habe, wo-
nach sie schuld sei, wenn er seine Kinder nicht mehr sehe, und wonach sie
gerade für diesen Fall eine Eskalation befürchte (Fragen 21, 26, 29, 35; vgl.
auch Protokoll vor dem Familiengericht am Standort des Bezirksgerichts
Muri vom 19. Februar 2020, wonach er [der Beschwerdeführer] seiner Ex-
Frau und seinen Kindern vertraue [S. 4], er es "gut" mit der Ex-Frau und
den Kindern habe [S. 5] und er einzig, wenn man seinen Kindern etwas
machen würde, nicht wüsste, zu was er dann fähig wäre [S. 6]).

Dieses vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau festgestellte
Ausführungsrisiko widerspiegelt letztlich die Unberechenbarkeit des von
seinem Wahn (in welchem konkret auch frühere [familiäre] Bezugsperso-
nen und mit seinem Fall betraute Fachpersonen feindlich eingebunden zu
sein scheinen) offenbar weitgehend beherrschten, sozial nunmehr nahezu
gänzlich isolierten und zunehmend verzweifelt agierenden Beschwerdefüh-
rers. In seiner Konkretheit liegt dieses Risiko nunmehr (zumindest summa-
risch betrachtet) deutlich über dem, was als sogenanntes vertretbares
Restrisiko noch ohne Weiteres hinzunehmen wäre, weshalb es nicht zu be-
anstanden ist, dass das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau
gestützt darauf Ausführungsgefahr i.S.v. Art. 221 Abs. 2 StPO bejahte.

4.3.
In Bezug auf die Wiederholungsgefahr stellt sich bei dem soweit ersichtlich
nicht vorbestraften Beschwerdeführer unter dem Aspekt des sog. Vortaten-
erfordernisses vorab die Frage, ob mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit feststeht, dass der Beschwerdeführer die ihm im laufenden
Strafverfahren zur Last gelegten Straftaten begangen hat.

Der Beschwerdeführer beantwortete anlässlich der Eröffnung seiner Fest-
nahme am 2. Dezember 2021 (Haftantragsbeilage 7.1) die Frage, weshalb
er B. mit dem Tod gedroht habe, dahingehend, dass er gewollt habe, dass
etwas passiere (Frage 7). Auch anlässlich der (wegen eines Haftentlas-
sungsgesuchs geführten) Haftverhandlung vor dem Zwangsmassnahmen-
gericht des Kantons Aargau am 15. Dezember 2021 bestätigte er, gegen-
über B. eine Drohung ausgestossen zu haben (Haftakten HA.2021.575,
act. 50). Zwar geht der Beschwerdeführer offenbar dennoch nicht davon
aus, sich deswegen (oder wegen der anderen Vorwürfe) strafbar gemacht
zu haben, und bejahte er auch anlässlich der Haftverhandlung vor dem
Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau am 3. Dezember 2021
die Frage, ob er die ihm vorgehaltenen Vorwürfe anerkenne bzw. anerkannt
habe, nicht (Protokoll S. 2). Ob dennoch von einem glaubhaften Geständnis

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auszugehen ist, kann offen bleiben. Angesichts der Vielzahl der ähnlich ge-
lagerten, unabhängig voneinander erhobenen und (vor dem Hintergrund
der dem Beschwerdeführer wiederholt fachärztlich attestierten Wahnkrank-
heit) auch glaubhaft wirkenden Meldungen und Anzeigen, denen der Be-
schwerdeführer nie etwas Überzeugendes entgegenzusetzen vermochte,
ist mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszu-
gehen, dass der Beschwerdeführer wiederholt Todesdrohungen beinhal-
tende Gewaltandrohungen ausgesprochen hat. Dem Protokoll des
Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom 15. Dezember
2021 (HA.2021.575) ist denn auch geradezu als Bestätigung hierfür zu ent-
nehmen, dass der Beschwerdeführer die Präsidentin des Zwangsmass-
nahmengerichts des Kantons Aargau anlässlich der Haftverhandlung übel
beschimpfte und ihr erklärte, dass sie Krieg hätten, dass sie mit dem Feuer
spiele und dass er nicht in ihrer Haut stecken möchte. Von daher ist das
Vortatenerfordernis als erfüllt zu betrachten.

Die übrigen Ausführungen, mit denen das Zwangsmassnahmengericht des
Kantons Aargau (namentlich unter zutreffender Bezugnahme auf das Gut-
achten von Dr. med. E.) in E. 3.4.2 seiner Verfügung vom 3. Dezember
2021 den besonderen Haftgrund der Wiederholungsgefahr bejahte, sind in
keiner Weise zu beanstanden.

5.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau äusserte sich mit
Verfügung vom 3. Dezember 2021 in E. 3.7 zur Verhältnismässigkeit der
von ihm angeordneten Untersuchungshaft und legte insbesondere gestützt
auf das Gutachten von Dr. med. E. überzeugend dar, dass der Wiederho-
lungs- und Ausführungsgefahr mit Ersatzmassnahmen nichts ausreichend
Rechnung getragen werden könne. Darauf kann verwiesen werden, zumal
auch der Beschwerdeführer mit Beschwerde hiergegen nichts Substanziel-
les vorbrachte. Angesichts der von einem dringenden Tatverdacht getrage-
nen Vorwürfe besteht bei der erstmaligen Anordnung von Untersuchungs-
haft für drei Monate im Übrigen auch nicht die Gefahr von Überhaft (Art.
212 Abs. 3 StPO). Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und
ist abzuweisen.

6.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO), weshalb
sie vorliegend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind. Über eine allfäl-
lige Entschädigung des amtlichen Verteidigers für dieses Beschwerdever-
fahren ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen
Instanz zu befinden (Art. 135 Abs. 2 StPO).

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Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 76.00, zusammen
Fr. 1'076.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 4. Januar 2022

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard