# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f4c263fa-4723-5810-be9a-f55f00e42be7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-29
**Language:** de
**Title:** zu Unrecht nicht auf das Revisionsgesuch eingetreten, Gutheissung
**Docket/Reference:** IV.2019.00152
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00152.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00152
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Bachmann
Urteil
vom
29. August 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1983 geborene
X.___
ist gelernte Pflegeassistentin. Als solche war
sie in
der
Y.___
ang
e
stellt
, als sie sich im März 2008 unter Hin
weis auf
eine
Anorexia
n
ervosa
sowie eine seit
dem 10.
März 2007 bestehende
50%ige
und ab
dem 7.
Mai 2007
bestehende
volls
t
ä
ndige
Arbeitsunfähigkeit bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbe
zug anmeldete (Urk.
7/2).
Nachdem die Versicherte
vom 11.
März
bis 18. April
2008
stationär behandelt
worden
war
(Urk. 7/23)
,
gewährte
ihr
die IV-Stelle ein
JobCoaching
und ermöglichte
zwecks Erhalts des Arbeitsplatzes
ein Arbeitstrai
ning in der
Y.___
,
welche
Massnahme
n
aus gesu
ndheitlichen Gründen abgeschlossen
wurde
n
(vgl. Verlaufsprotokoll
JobCoach
, Urk.
7/37)
.
D
as Arbeitsverhältnis
wurde
per
31.
März 2009
durch die Arbeitgeberin
aufgelöst
(Urk.
7/38)
.
Nach getätigten
weiteren
Abklärungen
gewährte die IV-Stelle
X.___
, welche im Jahr 2009
abermals
zur stationären psychiatrischen Behandlung hos
pitalisiert gewesen war (Urk. 7/61),
mit Mitteilung vom 5.
Mai 2010
Kostengut
sprache für eine Umschulung (Handelsschule
bis
zum Handelsdiplom VS
H
ab
1
0.
Mai 2010
mit begleitendem Praktikum
ab
5.
Juli 2010
; Urk.
7/82) und ent
sprechende Taggelder
(
vgl. etwa
Urk.
7/94
–
96
, Urk. 7/123
)
. Mit
Verfügungen vom
12.
August 2010
sprach sie
der
Versicherten mit Wirkung ab 1.
März 2008 bis
zum
30
.
April 2010 eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditäts
grades von 100
% sowie mit Wirkung ab 1. Mai 2010 bis
zum
31.
Juli 2010 eine halbe Inval
i
denrente nach Massgabe eines IV-
Grades von 55
% zu
(Urk.
7/105).
Die
Versicherte schloss die
Umschulung
per Februar 2012
erfolgreich ab (Urk.
7/145
)
. In der Folge
tätigte die IV-Stelle weitere Abklärunge
n
und setzte
die ab
1.
Februar 2012 wieder ausgerichtete halbe Rente (Urk. 7/164) nach Ermittlung eines neuen Invaliditätsgrades von 45 %
mit
Verfügung vom
16.
Oktober 2012
m
it Wirkung ab
1.
Dezember 2012 auf
eine Viertelsrente herab (vgl.
Urk.
7/149 ff. und Urk.
168 ff.)
.
1.2
Im Jahr 2013
leitete die IV-Stelle
ein Revision
s
verfahren
in die Wege
(Urk.
7/179)
, wobei sie
die Versicherte
im Rahmen der Abklärungen
durch den Regionalen Ärztlichen
Dienst
(RAD)
psychiatrisch
untersuchen
liess. N
achdem
die IV-Stelle
der
Versicherte
n
gestützt
auf die
entsprechende
Beurteilung des RAD
(vgl. Unter
suchungsbericht vom 2
8.
März 2014; Urk. 7/194)
die Einstellung der bisher
aus
g
e
richteten Rente
nach Massgabe eines neu errechneten IV-Grades von 35
%
in
Aussicht ge
stellt
(
Vorbescheid vom 27.
Juni 2014; Urk.
7/198) und die Versi
cherte dagegen
Einwand erhoben hatte (
Urk. 7/200 und Urk. 7/203
)
,
liess
die IV-Stelle
die Versicherte psychiatrisch
begutachten
(
Gutachten
von
Dr.
med.
Z.___
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychother
a
pie
,
vom
16. Februar 2015; Urk.
7/211)
.
Vom
29.
September
bis
zum
2
7
.
Oktober
2015
wurde
in der
A.___
eine Potenz
ialabklärung durchgeführt (
Schlussb
ericht vom 27.
Oktober 2015;
Urk.
7/230).
Mit Mitteilung vom
19.
Januar 2016 kam die IV
-
Stell
e auf ihren Vorbescheid vom 27.
Juni 2014 zurück und bestätigte den
u
nveränderte
n
Anspruch auf die bisherige (Viertels
-
)Rente
(Urk.
7/238).
Ein per 27.
November 201
7
von der Versicherten
bei der
A.___
aufgenommenes
A
ufb
a
utrainin
g (Urk.
7/260
)
schloss die IV-Stelle
angesichts
des gesundheitlich instabilen Zustandes der Versicherten
per 27.
Mai 2018
ab (Urk.
7/26
3
ff.).
1.3
Mit Sch
r
eiben vom
2.
Ju
l
i 2018 beantragte der b
ehandelnde Psychiater
Dr.
med.
B.___
, F
acharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
unter Hinweis
auf eine im Rahmen des Aufbautrainings (wieder) zutage getretene Schmerzproblematik sowie
darauf, dass die Versicherte
zu
nicht mehr als
50
% a
rbeitsfähig
bzw
.
min
destens 50 % arbeitsunfähig
sei
,
bei der IV-Stelle eine
«
ausserorden
tliche Renten
prüfung
»
(Urk.
7/267
), wozu die Versicherte am 18. Juli 2018 ihr Einverständnis erklärte (Urk. 7/269
-270
).
Mit Schreiben vom 9. August 2018 (Urk. 7/272) reichte d
ie V
ersicherte auf Verlangen der IV-
Stelle (Urk. 7/271)
als
Beleg für eine
wesentliche
Veränderung der
massgebenden
Verhältnisse
ver
schiedene
Arztbe
richte
ein
(Urk.
7/273).
Mit Vorbescheid vom 11.
September 2018 stellte die
IV-Stelle der Versicherten das Nichteintreten auf das Revisionsgesuch in Aussicht (Urk.
7/275)
. Daran hielt
sie – nach dagegen erhobenem
Einwand
vom
8.
Oktober bzw.
9. November 2018
(Urk.
7/
27
7
und Urk. 7/
284) - mit Verfügung vom
25.
Januar 2019
fest
(Urk.
2).
2.
Dagegen liess die
Versicherte mit Eingabe vom 26.
Februar 2019 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit den Anträgen, die Verfügung der IV-Stelle vom 25. Januar 2019 sei aufzuheben und es sei auf das Revisionsgesuch einzutreten
sowie di
e Sache sei zur inhaltlichen Prüfung des Rentenerhöhungsgesuches an die IV-Stelle zu
rückzuweisen (1.), unter Kosten-
und Entschädigungsfolge
n
zulast
en der Beschwerdegegnerin (2.;
Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantr
agte mit Vernehmlassung vom 28.
März 2019
die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwerdeführeri
n mit Gerichtsverfügung vom 29.
März 2019 zur Kenntnis
gebracht wurde (Urk. 8). Mit Gesuch vom 15.
April 2019 liess die Versicherte um
Gewährung der
unentgelt
l
ich
e
n
Prozessführung ersuchen (Urk.
9
-11);
bezüglich
des
Entscheides
darüber
wurde
mit Verfügung vom
25.
April 2019 auf einen spä
teren Zeitpunkt bzw. den Endentscheid verwiesen (Urk. 12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der
versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung
(
IVV
)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.3
Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, ist darin – wie im Falle einer Neuan
meldung
(vgl. BGE 133 V 108 E. 5.2) - glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 und 3
IVV).
Nach Eingang eines
Revisionsgesuches ist die Verwaltung
daher
zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Per
son überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungs
spielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat.
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung damit, dass den medizini
schen Unterlagen keine Ve
r
schlechterung des
Gesundheitszustandes entnommen werden könne.
Dr.
B.___
schätze die Versicherte weiterhin zu 50
% arbeitsfähig ein. Die höhere IV-Rente sei vor allem daher beantragt worden, da die Versicherte mit einer Viertelsrente keine Tagesstruktur absolvieren könne. Dabei handle es sich jedoch nicht um eine wesentliche Veränderung der beruflichen oder medizi
nischen Situation (
Urk.
2).
2.
2
Dagegen lässt die Beschwerdeführerin zur Hauptsache vorbringen,
dass die Anforderungen an die Glaubhaftmachung einer wesentl
ichen Veränderung erfüllt seien. Dies
einerseits durch die mittels Arztberichten belegte neu aufgetretene Schmerzproblematik
vor allem im
Vorf
uss
links, andererseits
aufgrund
eines ver
änderten Sachverhalts
, weil die Beschwerdeführerin inzwischen der ihr auferleg
ten Schadenminderungspflicht nachgekommen sei
. Schliesslich habe sich der Gesundheitszustand nach Abbruch der Eingliederungsmassnahme weiter ver
schlechtert, wie
aus dem
neueste
n
Bericht des behan
delnden Psychiaters ersicht
lich sei
(Urk.
1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das Rentenerhöhungsgesuch
eingetreten ist. Prozessthema bildet mithin die Frag
e nach der
Glaubhaftmachung der relevanten Ä
nderung.
Da das
Gericht seiner Überprüfung auf Beschwerde hin den Sachverhalt zugrunde
legt
, wie er sich der Verwaltung darbot (BGE 130 V 64 E. 5.2.5 mit weiteren Hinweisen)
,
ist der
erst
beschwerdeweise aufgelegte
und zeitlich nach der angefochtenen Verfügung datierende
neueste Bericht
von
Dr.
B.___
vom
1.
Februar 2019
für die vorlie
gend zu beurteilende
Eintretensfrage
nicht zu berücksichtigen.
3.
3.1
Vergleichsbasis
bildet vorliegend
die
den weiteren Anspruch auf eine Viertels
rente bestätigende
,
auf medizinischen Abklärungen sowie einem durchgeführten Einkommensvergleich beruhende (vgl. E. 1.2 hievor)
Mitteilung vom
19.
Januar 2016
(Urk.
7/238)
.
In medizinischer Hinsicht stü
t
zte sich diese auf das
psychiat
rische
Gutachten von
Dr.
Z.___
vom
16. Februar 2015 (Urk. 7/211
; vgl. auch Feststellungsblatt für den Beschluss vom 1
9.
Januar 2016,
Urk.
7/235 S. 2 f.
)
, worin
Dr.
Z.___
die Diagnosen Anorexia
nervosa
(
F50.0
), c
hronische Depression
, gegenwärtig mittleren Schweregrades (F3
2.11)
,
sowie Status nach
Cannabisa
bu
sus
in der Adoleszenz
(F12.1)
gestellt
(
Urk.
7/211
S. 13)
und der Versicherten
seit April 2013
eine generelle, psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50
% attes
tiert hatte
(
Urk.
7/211 S. 17)
.
Dr.
Z.___
hatte dabei
zur Hauptsache
ausgeführt
, die Arbeitsunfähigkeit sei durch die Komorbidität von psychischen Störungen mit Krankheitswert
- nämlich Anorexia
nervosa
und eine depressive Störung mittle
ren Schweregrades -
sowie
Chronifizierung
begründet. Die
Folgen
seien
eine kör
perliche und psychische Schwäche
, eine starke Ermüdung und Konzentrations
störungen
sowie
eine Inkonstanz
in der Wahrnehmung von Aktivitäten
(
Urk.
7/211 S. 17
).
3.
2
Zur Untermauerung des von
Dr.
B.___
am 2. Juli 2018
verfassten
Revisionsge
suches
reichte die Versicherte
mit
Schreiben vom
9.
August 2018
(
Urk.
7/272) im
W
esentlichen
d
ie
folgenden ärztlichen Berichte zu den
Akten:
3.2.1
Dr.
med.
C.___
, Spezialarzt für Neurologie, stellte in seinem Bericht vom 2
4.
Juni 201
6
die folgenden Diagnosen (
Urk.
7/273 S. 21):
Ü
berwiegend belastungsabhängige, plantar betont
e Schmerzen im
Vor
fuss
-
/Zehenbereich links
-
a
ssoziiert mit sensomotorischen Funktionseinschränkungen im
Vor
fuss
- und Zehenbereich fluktuierenden Ausmasses, ohne objektivier
bare
höhergradige
Ausfälle, ohne Hinweise für ein
Tarsaltunnel
-S
y
n
d
r
om, eine Mononeuropathie im
Tibialis
-
/
Peronaeus
-Hauptstamm, eine Polyneuropathie oder eine
r
lok
al
en
Dysautonom
i
e
-
a
m ehesten lokalen Ursprun
gs, mit neuropathischen Reizkom
ponenten
-
DD: Mort
on-Syndrom, sensomotorische Funktionseinbusse als funkti
onelles Epiphänomen der Schmerzen bei
somatofomer
Ü
berlagerung
Dr.
C.___
gab
im Wesentlichen an, bei der Patientin
sei
es
erstmalig im Spät
herbst 2015 aufgrund einer asymmetrischen Belastung (rechtes Bein kürzer) zu zunehmenden Fussschmerzen links und als Zeichen einer lokalen mechanischen Fehlbelastung zu
Schwielenbildung
sowohl im medialen als auch im lateralen plantaren
metatar
s
alen
Bereich gekommen. Nach Entfernung der Schwielen habe sich die Situation
deutlich
verstärkt
, der
Vorfuss
sei
im plantaren Bereich
an den Orten der entfernten Schwielen noch
empfindlicher geworden
. Dazu seien Schmerzen sämtlicher Zehen plantar betont aufgetreten
und es sei zu einer per
sistierenden Schmerz
s
ymptomatik im Vorfuss
-
und
im
Zehenbereich beidseits
gekommen
sowie zu
einer Empfindlichkeit auf Berührung und mechanische Reize, mit motorischen und sensiblen Ausfallerscheinungen.
Dr.
C.___
führte nach
durchgeführten neurologischen Abklärungen
im Wesentlichen an, in Anbe
tracht der Gesamtkonstellation denke er, dass es sich primär um Schmerzen
lokalen
(
Vorfuss
– und Zehenbereich) Ursprungs handle
,
wobei
der primäre Trig
ger ohne Weiteres mechanischer Natur
sei
. Im Verlauf sei es zu einer tendenziel
len
Chronifizierung
und zu einer lokalen Überempfindlichkeit gekommen, mit auch neuropathischen Reizkomponenten. Die beklagten sensomotorischen Funk
tionseinbussen und Ausfälle
, welche im Sinne eines klaren
läsionell
-bedingten Ausfallsmuster nicht deutlich
hätten
objektiviert
werden
können,
seien
somit
überwiegend als Korrelat schmerzassoziierter funktioneller Epiphänomene einzu
stufen. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Indikation zu einer weiteren Ver
tiefung in Richtung einer darunterliegenden neurologischen Erkrankung. Er emp
fehle eine fussortho
pädische Standortbestimmung (
Urk.
7/273 S. 20)
.
3.2.
2
Dr.
med. D.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, stellte in seinem Bericht vom
5.
Juli 2016 (
Urk.
7/273 S. 15) die folgenden Diag
n
o
sen:
Chronische unklare Schmerzen
Vorfuss
links mit Verdacht auf Pathologie PIP
Dig
II
und
Taubheitsgefühl
,
Spreizfuss
sowie
St. n. Anorexia
ne
r
vosa
ca. 201
0.
Er führte
in seiner Beurteilung
im Wesentlichen aus, die Patientin leide seit über einem halben Jahr an Taubheitsgefühl im Bereiche des Vorfusses sowie aus
geprägten passiven und aktiven Bewegungsschmerzen im PIP
Dig
.
II, ohne dass die klinische und radiologische Untersuchung ein
pathoanatomisches
K
orrelat d
efinieren könne. Die Ursache der Beschwerden sei auch aus orthopädischer Sicht nicht offensichtlich. Offenbar könne auch die
vor kurzem durchgeführte
neuro
logische Untersuchung keine Hinweise für eine neurogene Pathologie finden. Auf Grund des Leidensdruckes und der Chronizität werde ein ambulant
es MRI des Vorfusses veranlasst (
Urk.
7/273
S. 16
).
In seinem
Bericht vom
3.
August 2016
führte
Dr.
D.___
aus, MR-
tomographisch zeige sich das vermutete Morton Neurom II/I
I
I links, wobei die Gesamtklinik eher untypisch sei. Für die heftigen lokalen Schmerzen auf Höhe plantarer Mittelpha
lanx
Dig
.
II habe er keine wirkliche Erklärung, sehe jedoch im MRI eine
diskrete Flüssigkeitsansammlung/
Ganglion bei unauffälligem PIP-Gelenk, so dass die lokalen Schmerzen nicht wirklich erklärt
würden
.
Diagnostis
ch
und therapeutisch
erfolge eine
lokale Infiltration
Intermetatarsal
II/III links.
Über die Möglichkeit einer lokalen chir
ur
gischen Exzision des Interdigitalnerven sei bereits gesprochen worden (
Urk.
7/273 S. 13 f.)
.
3.2.
3
Dr.
med.
E.___
,
l
eitende Ärztin am
F.___
diagnostizie
r
te in ihrem Beri
cht vom
2.
Dezember 2016
Vorfussbeschwerden links unklarer Genese neuropathischen Charakters, DD:
Tarsaltunnelsyndrom
/Morton-Neuralgie 2/3 und
3/4
)
,
sowie eine Beinlän
gendifferenz von 1.4 cm.
I
n ihrer Beurteilung
führte sie
im Wesentlichen aus, die beschriebenen Beschwerden schienen neuropathischen Charakters zu sein und würden durch
längeres
Gehen und Stehen getriggert. Einige Symptome
würden für das Vorliegen einer Morton-Neural
g
i
e sprechen, dagegen
spreche
jedoch die Entwic
k
lung der F
l
exionsschwäche der Zehen un
d die
Druckdolenzen
in allen
Intermetatarsalräumen
. Auf eine weitere
Cortisoninfiltration
sollte verzichtet werden, da die einmalig durchgeführte eher zur Beschwerdezunahme geführt und Hauteinziehungen hinterlassen habe. Momentan sei es schwierig, weitere thera
peutische Vorschläge zu machen;
da die Patientin gut auf NSAR angesprochen habe, werde
sie
ein
en
weitere
n
Ther
apieversuch mit
Xefo
8mg machen
. D
ie Indi
kation zu einem operativen Vorgehen, d
.
h
.
einer Morton
-
Exzision, wie auswärts vorgeschlagen, könne nicht gestellt werden (
Urk.
7/273
S.
7 f
.
)
.
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt für Neurologie und l
eitender Arzt
an der
Neurologie am
F.___
schloss sich
nach Untersuchung der Versicherten am
2.
Februar 2017
in seinem Bericht vom
glei
chen Tag
im Wesentlichen dieser Beurteilung an
(
Urk.
7/272 S. 9 f.).
3.2.
4
Dr.
med.
G.___
, Facharzt
für
Anästiologie
und
Interventionelle
Schmerzmedi
zin an der
H.___
, diagnost
i
z
ierte in seinem Bericht vom 10
.
Juni 2018
einen neuropathischen Schmerz, zum Ausschluss: Symptomatisches Mor
ton
-Neurom
sowie Köhler-II,
eine
Schmerzausweitung sowie einen Zustand nach Anorexie sowie zerebralen Anfällen als Kind.
Er hielt im Wesentlichen fest, inzwischen bestünden kontinuierlich Schmerzen: einschiessend im Fussbereich und insbesondere beim Tragen von Schuhen. Zusätzlich
bestünden
Schmerzen im Bereich des gesamten linken Beines sowie
im
linken Schulter –
und Nackenbe
reich
, dort
in Form eines
Brennschmerz
es
. Langes Laufen und langes Sitzen führ
ten grundsätzlich zur Schmerzverstärkung
.
Dr.
G.___
führte - n
ach
Angabe
der Befu
nde der klinischen Untersuchung
-
aus, i
n
der
Fragebogen-unterstützten Selbstauskun
ft im HADS hätten sich erhöhte
Scores
sowohl für
Anx
i
ety
wie auch Depression ergeben:
eine eingeschränkte Schmerzmodulation
sei
anzunehmen. Auch seien die Fibro
myalgie-Kriterien des American C
ollege
of
Rheumatology
erfüllt.
Das
weitere
Vorgehen
sei
wie folgt besprochen
worden
:
konventionelles Röntgen,
Faszientherapie
/Lymphdrainage, s
chmerzp
s
ychologisches Assessment, Testinfiltrationen
(
Urk.
7/273 S. 3 ff)
.
4.
4.1
Während der
Mitteilung vom 19.
Januar 2016
allein die im Gutachten
von
Dr.
Z.___
beschriebenen psychischen Erkrankungen zugrunde lagen
(vgl. E.
3.1
hiev
o
r),
geht
aus den
im Rahmen der Neuanmeldung eingereichten
medizinische
n
Berichten
hervor
, dass
eine neue gesundheitliche Problematik
beziehungsweise
neue Diagnosen
hinzugetreten
sind
. So leidet
die Beschwerdeführerin
nun
zusätz
lich an einer Schmerzproblematik vor allem
am linken Fuss
bzw. der linken Köperhälfte
, welches Leiden
seit 2016
zu
diverse
n
ärztliche
n
K
onsul
t
ationen
,
Abklärungen
sowie
Behandlungen
führte
und
soweit ersichtlich
im Verlauf
chro
nifizierte
,
wobei
Dr.
G.___
in seinem Bericht vom 1
0.
Juni 2018
nun auch
eine
Schmerzausweitung
festgestellt hat
.
Auch wenn
- soweit ersichtlich - hin
sichtlich der
Beschwerdeu
rsache
bislang
keine Klarheit herrscht
und
die
Berichte
der konsultierten Ärzte
auch
keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit enthalten,
kann
jedenfalls
nicht ausg
e
schlossen
werden
, dass sich die
Problematik
im Sinne einer Verschlechterung zusätzlich
limitierend
au
f die Arbeitsfähigkeit
auswirkt. Dies gilt
um so
mehr,
als in
den
Berichten
eine Beschwerdezunahme
gerade
unter Belastung
-
etwa
bei längerem Stehen, Gehen und Sitzen
–
beschrieben wird
und
nicht zuletzt (auch)
die Schmerzproblematik
zur Beendigung der Eingliederungs
massnahmen
mit beigetragen
hat (vgl.
Schlu
ssbericht Aufbautraining vom 7.
Juni 2018,
Urk.
7/266)
.
Schon allein aufgrund
der vorgen
annten
Berichte
sind
daher
ohne W
eiteres
gewisse Anhaltspunkte für eine mögliche relevante
Veränderung (
Verschlec
hterung
)
des Gesundheitszustand
e
s
ersichtlich
, was
rechtsprechungs
gemäss
für eine
Glaubhaftmachung einer
rechtserheblichen
Veränderung
genügt
(vgl. E.
1.4
hievor
)
.
Dies gilt
um so
mehr, als vorliegend überdies z
u berücksich
tigen ist
,
dass seit der letzten Beurt
e
ilung des Invaliditätsgrades
zweieinhalb Jahre
vergangen sind
, weshalb an die Glaubhaftmachung nicht allzu hohe Anforderun
gen zu stellen sind
(vgl.
wiederum
E.
1.4
hievor)
.
4.2
Zusammenfassend
ist die
Beschwerdegegnerin
daher schon allein mit Blick auf die eingereichten Arztberichte
-
zu welchen sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid gar nicht geäussert hat, weshalb fraglich erscheint, ob sie diese überhaupt berücksichtigt hat -
zu Unrecht nicht auf das neue Leistungs
begehren eingetreten
.
D
ie Beschwerde
ist daher
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 25. Januar 2019 aufzuheben und die Sache zur materiellen Beurteilung des Leistungsanspruchs an die Besch
werdegegnerin zurückzuweisen
.
Bei diesem Verfahrensa
usgang ist nicht näher auf das weitere Vorbringen
der Beschwerdeführerin
einzugehen,
wonach
auch insofern
ein Revisionsgrund (im Sinne eines veränderten Sachverhalts)
gegeben sei, als d
ass
trotz E
rfüllen
der Schadenminderungspflicht
(in Form einer Psychotherapie
bzw. Psychopharma
kotherapie
, vgl. Urk. 7/197)
die
zuvor geschätzte
medizinisch-theoretische Rest
arbeitsfähigkeit nicht einmal im Rahmen des Aufbautrainings verwertbar gewe
sen sei (
Urk.
1 S. 7).
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch
vom
15.
April 2019
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung
(Urk. 9-11)
erweist sich unter diesen Umständen als gegenstandslos.
5.2
Ausgangsgemäss steht der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Prozessentschä
digung zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist. In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr.
2’000
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Bar
auslagen) festzusetzen
und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen
.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene
Verfügung
vom
2
5.
Januar 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen, damit sie auf das Revisionsgesuch vom
2.
Juli 2018 eintrete und diese
s
materiell prüfe und nach erfolgter Prüfung über den Leistungsanspruch neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
6
00
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
ei
ne Prozessent
schädigung von Fr. 2’000
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBachmann