# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** accb6d0e-c972-5876-bb18-05c116dd8c79
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-09-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 13.09.2006 SB 2006 25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2006-25_2006-09-13.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 13. September 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 06 25 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Möhr und Hubert 
Aktuarin ad hoc Vanoni

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In der strafrechtlichen Berufung

des A., Berufungskläger und des B., Berufungskläger,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/J. vom 20. April 2006, mitge-
teilt am 30. Mai 2006, in Sachen gegen die Berufungskläger,

betreffend Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung (Art. 292 StGB),

hat sich ergeben:

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A. A. wurde am 25. Mai 1981 in E. geboren. Er bezieht heute eine IV-
Rente und geht keiner geregelten Arbeit nach. Beim Steueramt F. ist er für das Jahr 
2003 mit einem Einkommen von Fr. 6'200.-- und ohne Vermögen verzeichnet. 
Gemäss Auszug des Betreibungsamtes F. liegen für die Zeit von April 2003 bis Juni 
2005 unzählige Betreibungen gegen A. vor, zudem wurden zwei Verlustscheine in 
der Höhe von insgesamt Fr. 1'610.90 ausgestellt. Die Polizei hatte sich schon ver-
schiedentlich mit A. zu befassen.

Im schweizerischen Strafregister ist A. einmal verzeichnet. Am 25. Juni 2004 
verurteilte ihn die Bezirksgerichtskommission Arbon wegen mehrfachen Betrugs-
versuchs und mehrfacher Urkundenfälschung zu zwei Wochen Gefängnis bedingt 
– bei einer Probezeit von zwei Jahren – und zu einer Busse von Fr. 300.--.

B. wurde am 31. Januar 1940 in G. geboren. Von 1977 an lebte er in F., wo 
er als Lehrer an der Kantonsschule tätig war. Im Jahr 2001 erlitt B. eine schwere 
traumatische Hirnverletzung, was unter anderem zu einer vollständigen bleibenden 
Arbeitsunfähigkeit führte. Am 18. Mai 2005 zog er nach H. bzw. I.. Beim Steueramt 
F. ist B. für das Jahr 2003 mit einem Einkommen von Fr. 126'600.-- und einem Ver-
mögen von Fr. 1'307'500.-- verzeichnet. Im schweizerischen Strafregister ist B. nicht 
verzeichnet.

B. Mit Statutendatum vom 30. Januar 2004 wurde die Gesellschaft C. in 
J. gegründet. Als Gesellschafter wurden A. und B. ins Handelsregister des Kantons 
K. eingetragen. Mit Schreiben vom 18. Februar 2004 gelangte die Gesellschaft D. 
an die Verantwortlichen der Gesellschaft C. und forderte sie dazu auf, die Bezeich-
nung „XY.“ aus ihrer Firma zu entfernen. Da dies von Seiten der Gesellschaft C. 
unterblieb, gelangte die Gesellschaft D. an das Handelsgericht Zürich.

C. Das Verfahren vor dem Handelsgericht des Kantons Zürich konnte mit 
Verfügung vom 12. Januar 2005 als durch Klageanerkennung zufolge Vergleichs 
erledigt abgeschrieben werden. Die Gesellschaft C. wurde verpflichtet, ihre Firma 
„Gesellschaft C.“ in der Weise abzuändern, dass die Bezeichnung „XY.“ daraus ent-
fernt werde, und demzufolge wurde die Beklagte verpflichtet, innert dreissig Tagen 
ab Rechtskraft der Verfügung das Handelsregisteramt des Kantons K. um Entfer-
nung des Bestandteils „XY.“ aus ihrer Firma zu ersuchen. Diese Anordnung erfolgte 
unter der Androhung der Überweisung/Bestrafung der verantwortlichen Organe der 
Beklagten mit Haft oder Busse nach Art. 292 StGB im Falle der Zuwiderhandlung.

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D. Am 18. März 2005 erstattete die Gesellschaft D. Strafanzeige gegen 
die Gesellschaft C., A. sowie B. wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfü-
gung gemäss Art. 292 StGB, da bis zu diesem Zeitpunkt keine Änderung der Firma 
Gesellschaft C. erfolgt war. In der Folge eröffnete der Kreispräsident J. ein Strafver-
fahren gegen A. und B..

E. Mit Strafmandat vom 17. Juni 2005, mitgeteilt am 23. Juni 2005, wur-
den A.und B. vom Kreispräsidenten J. des Ungehorsams gegen eine amtliche Ver-
fügung gemäss Art. 292 StGB schuldig gesprochen und mit einer Busse von je Fr. 
1'000.-- bestraft. Dagegen erhoben A. und B. fristgerecht am 1. Juli 2005 Einspra-
che, worauf der Bezirksgerichtspräsident Prättigau/J. die Untersuchung gemäss Art. 
175 Abs. 1 StPO ergänzte.

F. Mit Urteil vom 20. April 2006, mitgeteilt am 30. Mai 2006, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/J.:

„1. A. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 292 StGB.

2. Dr. B. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 292 StGB.

3. A. und Dr. B. werden je mit einer Busse von Fr. 200.00 bestraft. 

4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Kosten des Kreisamtes J. von Fr.    500.00

- der Gerichtsgebühr von Fr.  1'400.00

total somit von Fr.  1'900.00

gehen unter solidarischer Haftbarkeit zulasten des A. und des B.. 
Sie sind innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils, zusam-
men mit den Bussen - total also Fr. 2'300.00 (Fr. 1'900.00 + Fr. 
400.00) -, der Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, zu überwei-
sen.

5. (Rechtsmittelbelehrung).

6. (Mitteilung).“

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Änderung der 
Firma durch A.und B. zu spät erfolgt sei.

G. Gegen dieses Urteil erhoben A.und B. am 19. Juni 2006 Berufung an 
den Kantonsgerichtsausschuss von K. und verlangten sinngemäss Aufhebung des 
Urteils und Freispruch.

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Zur Begründung wurde im Wesentlichen dargelegt, dass die Änderung der 
Firma fristgerecht am 17. März 2005 erfolgt sei und das Urteil des Bezirksgerichts-
ausschusses Prättigau/J. von falschen Tatsachen ausgehe.

H. Der Kantonsgerichtsausschuss unternahm in der Folge Abklärungen 
betreffend des genauen Zeitpunktes der Kenntnisnahme von der Verfügung des 
Handelsgerichtes des Kantons Zürich durch die Berufungskläger und betreffend des 
Zeitpunktes ihres Tätigwerdens. In der Stellungnahme zu den Ergebnissen der Ab-
klärungen hielt B. sinngemäss an der Aussage fest, wonach die Änderung der Firma 
am 17. März 2005 stattgefunden habe.

Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie in der Be-
rufung und in der Stellungnahme wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsaus-
schuss Berufung erheben (Art. 141 Abs. 1 StPO). Diese ist innert zwanzig Tagen 
seit der schriftlichen Eröffnung des Entscheides in dreifacher Ausfertigung, unter 
Beilage des angefochtenen Entscheides einzureichen. Sie ist zu begründen und hat 
darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob 
das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 
StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung zu genügen, wes-
halb auf sie einzutreten ist.

2. Die Berufungskläger haben nicht die Durchführung einer mündlichen 
Berufungsverhandlung verlangt. Es besteht auch kein Grund, dass das urteilende 
Gericht von sich aus (vgl. hierzu Art. 144 Abs. 1 StPO) eine mündliche Berufungs-
verhandlung anordnet, nachdem die Vorinstanz öffentlich verhandelt hat, bezüglich 
des strittigen Sachverhalts keine zusätzlichen Aufschlüsse von einer mündlichen 
Verhandlung zu erwarten sind, eine reformatio in peius ausgeschlossen ist und sich 
zudem keine weiteren Fragen zur Person und zum Charakter der Berufungskläger 
stellen, welche sich nicht mit genügender Hinlänglichkeit aus den Akten beantwor-
ten liessen (BGE 119 Ia 316 E. 2b S. 318 f.).

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3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz eine umfassende, uneingeschränkte Kogni-
tion - auch mit Bezug auf Ermessensfehler, bei deren Prüfung er sich aber eine 
gewisse Zurückhaltung auferlegt - zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das 
vorinstanzliche Urteil grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung oder An-
schlussberufung gestellten Anträge überprüft. Eine Ausnahme bilden dabei nicht 
gerügte Gesetzesverletzungen, welche der Kantonsgerichtsausschuss von Amtes 
wegen zu korrigieren hat (Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kan-
tons K., 2. Auflage, Chur 1996, S. 375, mit Hinweisen).

4. a) Gemäss Art. 292 StGB wird mit Haft oder mit Busse bestraft, wer der 
von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf 
die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.

b) Eine Verfügung kann nur dann Rechtswirkungen entfalten, wenn sie 
eröffnet und dem Adressaten zugestellt (bzw. mitgeteilt) worden ist. Ausser Betracht 
fällt eine Bestrafung wegen Art. 292 StGB, wenn die Verfügung vom Täter nicht zur 
Kenntnis genommen worden ist (Riedo, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, 
2003, N 47 zu Art. 292 StGB). Die Verfügung muss dem Betroffenen, nicht nur sei-
nem Vertreter, eröffnet werden (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 2. Auf-
lage, Zürich 1997, N 5 zu Art. 292 StGB). Bei Zustellung an den Vertreter des Ver-
fügungsadressaten wird der Nachweis verlangt, dass der Verfügungsadressat 
tatsächlich Kenntnis erlangt hat (Riedo, a.a.O., N 47 zu Art. 292 StGB).

In der Praxis wird Art. 292 StGB auch auf juristische Personen angewendet. 
Die mit der Strafdrohung versehene Verfügung ist dabei an die zuständigen Organe 
bzw. Vertreter zu richten (Riedo, a.a.O., N 45 zu Art. 292 StGB).

5. a) Nach Auffassung der Vorinstanz haben A. und B. gegen Art. 292 StGB 
verstossen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Verfü-
gung des Handelsgerichts Zürich am 24. Februar 2005 in Rechtskraft erwachsen 
sei und auch am 16. Juni 2005 die notwendigen Urkunden für eine Löschung des 
Firmenzusatzes „XY.“ nach wie vor nicht beigebracht worden seien. Ob und wann 
den Berufungsklägern die Verfügung des Vizepräsidenten des Handelsgerichts 
Zürich vom 12. Januar 2005 tatsächlich zugegangen sei, sei aktenkundig nicht rest-
los geklärt. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die Verfügung für die Berufungs-
kläger tatsächlich deren Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. Marius Brem, zuge-
stellt worden sei; eine an den Rechtsvertreter einer Partei zugestellte Verfügung 

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gelte als an die von ihm vertretene Partei zugestellt. Demnach könnten die Beru-
fungskläger aus dem Umstand, dass ihnen Rechtsanwalt Brem die Verfügung nicht 
(rechtzeitig) weitergeleitet haben soll - sofern diese Behauptung überhaupt zutreffe 
- nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zudem hätte A. und B. bereits anlässlich der 
Verhandlung vor dem Handelsgericht Zürich, an der sie ohne ihren Rechtsvertreter 
teilnahmen, klar geworden sein müssen, dass sie die Firma unverzüglich zu ändern 
hätten. Dadurch hätten A. und B. in objektiver Hinsicht gegen Art. 292 StGB ver-
stossen. Sie hätten zudem mit Vorsatz gehandelt, da sie die Angelegenheit schlicht-
weg „verschlampt“ hätten und ihnen bekannt gewesen sei - oder unter Anbringung 
der notwendigen Aufmerksamkeit bekannt gewesen sein musste -, dass die Verfü-
gung des Vizepräsidenten des Handelsgerichts Zürich unter ausdrücklichem Hin-
weis auf die Strafdrohung von Art. 292 StGB ergangen war.

b) Diese Argumentation der Vorinstanz ist nicht haltbar. Der Bezirksge-
richtsausschuss Prättigau/J. hat bei seiner Verurteilung nämlich nicht berücksich-
tigt, dass eine Bestrafung nach Art. 292 StGB voraussetzt, dass die Verfügung dem 
Betroffenen, und nicht nur seinem Rechtsvertreter, eröffnet worden ist und der Be-
troffene tatsächlich davon Kenntnis genommen hat. Für die Auslösung der Frist für 
das Tätigwerden kann folglich nicht auf den Zeitpunkt der Zustellung der Verfügung 
an den Rechtsvertreter und erst recht nicht auf den Zeitpunkt der mündlichen Ver-
handlung vor dem Handelsgericht abgestellt werden, zumal nur der schriftliche Text 
der schliesslich mitgeteilten Verfügung vom 12. Januar 2005 massgebend sein 
kann. Dass die schriftlich mitgeteilte Verfügung den Berufungsklägern am 12. Ja-
nuar 2005 übergeben worden wäre, ergibt sich aus den Akten gerade nicht.

6. a) Fest steht, dass die Berufungskläger erst am 30. Mai 2005 beim Han-
delsregisteramt E. betreffend Sitzverlegung und Firmaänderung tätig geworden sind 
(act. 06/1) und die Firma am 28. Juni 2005 im Handelsregister des Kantons K. von 
Amtes wegen erloschen ist (act. 12 Kreisamt J.).

Die Behauptung der Berufungskläger, wonach sie die Änderung der Firma 
fristgerecht am 17. März 2005 beim Handelsregisteramt des Kantons E. beantragt 
hätten, lässt sich eindeutig widerlegen. Zwar weist die öffentliche Urkunde des Han-
delsregisteramtes E. betreffend Statutenänderung der Gesellschaft C. (act. 06/2) 
auf Seite 3 das Datum des 17. März 2005 auf, gemäss Auskunft des Handelsregis-
teramtes E. (act. 06) handelt es sich dabei jedoch offensichtlich um ein Versehen. 
Aus der Agenda der Registerführer-Stellvertreterin, dem Geschäftsverzeichnis des 
Handelsregisteramtes sowie dem Deckblatt der öffentlichen Urkunde ergibt sich un-

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zweifelhaft, dass die öffentliche Urkunde am 17. Juni 2005 unterzeichnet wurde (act. 
06, 06/1, 06/2).

b) Die Beantwortung der Frage, ob das Tätigwerden am 30. Mai 2005 
rechtzeitig oder verspätet war - und ob somit eine Strafbarkeit gemäss Art. 292 StGB 
vorliegt oder nicht - hängt also vom Zeitpunkt der Kenntnisnahme von der Verfügung 
des Handelsgerichtes des Kantons Zürich durch die Betroffenen ab. Dieser Zeit-
punkt ist umstritten.

Die Verfügung des Handelsgerichts Zürich vom 12. Januar 2005, welche ei-
nen Rechtskraftvermerk vom 24. Februar 2005 enthält, aber gemäss Auskunft des 
Handelsgerichts Zürich bereits am 31. Januar 2005 in Rechtskraft erwachsen sein 
soll (act. 8), wurde dem Rechtsvertreter von A. und B., Rechtsanwalt lic. iur. Marius 
Brem, zugestellt. Mit Begleitschreiben vom 4. Februar 2005 (act. 07/1) leitete dieser 
die Verfügung an die Gesellschaft C., c/o M. AG, weiter. Die M. AG nahm für die bei 
ihr domizilierte Gesellschaft C. jeweils die Post entgegen und leitete sie ungeöffnet 
an deren Verantwortlichen A. weiter. Die Weiterleitung sei jeweils - meist zusammen 
mit einem Begleitbrief - innert weniger Tage erfolgt (act. 09). Würde man - Belege 
dazu fehlen - davon ausgehen, so wäre die fragliche Verfügung A. noch im Verlauf 
des Monats Februar zugestellt worden. Diesfalls wäre die 30-tägige Frist zum Tätig-
werden, wann auch immer man den Beginn der Frist ansetzt, irgendwann im März 
2005 abgelaufen.

Anlässlich von Einvernahmen durch das Bezirksamt Arbon vom 19. Dezem-
ber 2005 führte A. demgegenüber aus, er hätte die Verfügung erst im April/Mai 2005 
persönlich erhalten (act. 5 Bezirksgericht Prättigau/J., Akten betreffend A.) und B. 
machte geltend, den Entscheid erst ca. im Mai 2005 erhalten zu haben (act. 5 Be-
zirksgericht Prättigau/J., Akten betreffend B.). Diese Aussagen lassen sich aufgrund 
der Akten nicht zweifelsfrei widerlegen.

c) Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss 
Art. 125 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 146 Abs. 1 StPO auch im Berufungs-
verfahren nach freier Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien Beweiswürdigung 
ergibt sich bereits aus Art. 249 BStP. Das Gericht hat von Bundesrechts wegen frei 
von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung auf-
grund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu entscheiden, 
ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (BGE 115 IV 267 E. 1 S. 269). Ist 
für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle Wahrheit wegleitend, 

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so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Gerichts massgebend sein 
(Hauser/Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, S. 
244). Die Beweislast für die dem Angeklagten vorgeworfene Tat liegt dabei 
grundsätzlich beim Staat (Padrutt, a.a.O., S. 306). Lehre und Rechtsprechung ge-
hen zutreffend davon aus, blosse Wahrscheinlichkeit dürfe für eine Verurteilung 
nicht genügen, absolute Sicherheit sei für eine solche aber nicht erforderlich und 
eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, 
rechtfertige keinen Freispruch (Hauser/Schweri, a.a.O., S. 247). Trotzdem sind an 
den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird 
mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täter-
schaft. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweis-
würdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Richter jedoch nicht von der Exis-
tenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, 
wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für 
ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 87 f.). Bloss theo-
retische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich 
vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst 
um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage aufdrängen (BGE 120 Ia 31 E. 
2c S. 37). Aufgabe des Gerichts ist es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich 
möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen bestimmten 
Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- und 
nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten muss sich auf vorgelegte 
Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu 
beseitigen vermögen (Padrutt, a.a.O., S. 307). Es ist anhand sämtlicher sich aus 
den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage 
oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeugen vermag. Erst wenn eine sol-
che Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen 
ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den Angeklagten güns-
tigere Sachverhalt angenommen werden und es hat ein Freispruch zu erfolgen 
(PKG 1978 N. 31; Padrutt, a.a.O. S. 307).

d) Im vorliegenden Fall lässt sich der genaue Zeitpunkt, an welchem die 
Berufungskläger von der Verfügung des Handelsgerichts Zürich Kenntnis erhalten 
haben, den Akten nicht entnehmen. Dieser Zeitpunkt wäre aber letztlich massge-
bend für die Frist des Tätigwerdens der Berufungskläger. Es bestehen vorliegend 
nur Vermutungen, wann die Berufungskläger Kenntnis von der Verfügung erhalten 
haben. Der Nachweis, wonach die Berufungskläger nicht fristgerecht tätig geworden 

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sind, gelingt somit nicht rechtsgenüglich. Es ist zwar möglich, dass die Frist nicht 
eingehalten wurde, doch bestehen bei objektiver Betrachtung durchaus Zweifel 
daran. So kann es eben so gut sein, dass A. und B. rechtzeitig tätig geworden sind, 
wenn sie denn die Verfügung des Handelsgerichts Zürich selbst erst im Mai 2005 
erhalten haben.

Anzumerken bleibt, dass die bestehenden Unklarheiten leicht hätten vermie-
den werden können. Einerseits hätte das Handelsgericht Zürich für das Tätigwerden 
einen klarer bestimmbaren Termin festsetzen können und andererseits hätte die 
Verfügung den für das Tätigwerden verantwortlichen Organen, nämlich den Beru-
fungsklägern, ebenfalls direkt gegen Empfangsbestätigung, zugestellt werden kön-
nen.

Die Vorinstanz hat die Berufungskläger folglich zu Unrecht der Widerhand-
lung gegen Art. 292 StGB schuldig erkannt. Die Berufung ist gutzuheissen, das vor-
instanzliche Urteil ist aufzuheben und die Berufungskläger sind freizusprechen.

7. Für das Berufungsverfahren werden keine Kosten erhoben.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird gutgeheissen.

2. A. und B. werden von der Anklage der Widerhandlung gegen Art. 292 StGB 
freigesprochen.

3. Die Kosten des Kreisamtes J. von Fr. 500.-- gehen zu Lasten des Kreises J..

4. Die Kosten des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/J. von Fr. 1'400.-- ge-
hen zu Lasten des Bezirkes Prättigau/J..

5. Für das Berufungsverfahren werden keine Kosten erhoben.

6. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

7. Mitteilung an:

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Für den Kantonsgerichtsausschuss von K. 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin ad hoc: