# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be5d6540-b2a2-5b3d-9f62-71521bda54d3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-11-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.11.2025 D-4170/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4170-2023_2025-11-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4170/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  N o v e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Nina Spälti Giannakitsas   

Gerichtsschreiberin Linda Marti. 

   

Parteien 

 
A_______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Dominik Züsli, Rechtsanwalt, 

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 30. Juni 2023 / (…). 

 

 

 

D-4170/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 14. Februar 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 17. Februar 2023 fand die Personalienaufnahme statt. 

A.b Mit Schreiben vom 12. Mai 2023 ersuchte er um Aufgleisung einer psy-

chotherapeutischen Behandlung und um Erstellung eines psychotherapeu-

tischen Gutachtens im Sinne des Istanbul-Protokolls.  

A.c Am 16. Mai 2023 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen 

angehört. 

Dabei brachte er vor, er gehöre dem Minderheitsclan (…) an und stamme 

aus (…) (Distrikt (…), Region (…)), wo er bis zu seiner Ausreise mit seiner 

Mutter und seinen Geschwistern gelebt und 14 Jahre die Schule besucht 

habe. Einen Beruf habe er nie erlernt, er habe im Laden seiner Mutter ge-

arbeitet. Sein Vater sei seit 2008 verschollen. 

Er sei wegen der islamistisch terroristischen Bewegung Al-Shabaab aus 

Somalia ausgereist. Er habe um sein Leben gefürchtet. Die Al-Shabaab 

hätten ihn zwingen wollen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, da er jung und 

tüchtig gewesen sei. Sie seien mehrmals, das erste Mal am (…), bei ihm 

auf dem Markt, wo er gearbeitet habe, vorbeigekommen. Er habe sich je-

weils zur Zusammenarbeit geweigert. In der Folge, im (…), hätten die Al-

Shabaab ihn mitgenommen, einen Monat lang festgehalten und gefoltert, 

um ihn zu einer Zusammenarbeit zu bewegen, was er stets verweigert 

habe. In dieser Zeit hätten sie auch seine Mutter angerufen und ihr gesagt, 

dass er lange bestraft worden sei, er sich aber immer noch zur Zusammen-

arbeit weigere. Sie hätten seiner Mutter so viel Geld angeboten, wie sie 

wolle, damit sie ihn überzeuge. Seine Mutter habe geantwortet, dass sie 

ihn lieber töten sollten, als dass er mit ihnen zusammenarbeite. Er habe 

schliesslich, nachdem er den ganzen September 2022 bei der Al-Shabaab 

gewesen sei, um eine Bedenkfrist von einem Monat gebeten, um über die 

geforderte Zusammenarbeit nachzudenken. Daraufhin sei er von den Al-

Shabaab freigelassen worden. Er habe diesen Monat genutzt, um die Rei-

seunterlagen zu organisieren und sei – auf Rat seiner Mutter – am (…) 

ausgereist. Die Al-Shabaab hätten nach seiner Ausreise seine Mutter be-

helligt, weil sie ihm zur Flucht verholfen habe, und seine Schwester getötet.  

A.d Mit Verfügung vom 19. Mai 2023 wurde die Behandlung des Asylgesu-

ches des Beschwerdeführers dem erweiterten Verfahren zugewiesen.  

D-4170/2023 

Seite 3 

A.e Mit Schreiben vom 5. Juni 2023 ersuchte der Beschwerdeführer das 

SEM erneut um Erstellen eines medizinischen Gutachtens gemäss Istan-

bul-Protokoll. 

A.f Am 9. Juni 2023 wurde eine Lingua-Analyse durchgeführt, mit dem Er-

gebnis, dass der Beschwerdeführer höchstwahrscheinlich – wie von ihm 

angegeben – aus (…) stamme. 

B.  

Mit Verfügung vom 30. Juni 2023, eröffnet am 3. Juli 2023, stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und 

lehnte sein Asylgesuch ab. Es wies ihn aus der Schweiz weg, nahm ihn 

aber infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der 

Schweiz auf. Es beauftragte den Kanton Zürich mit der Umsetzung der vor-

läufigen Aufnahme und händigte dem Beschwerdeführer die editionspflich-

tigen Akten aus. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Eingabe vom 28. Juli 

2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte unter Aufhebung 

der Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung die Feststellung 

seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die 

Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das SEM. In prozessualer 

Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiord-

nung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand. 

Der Beschwerde waren die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht vom 

6. Juni 2023 und eine Fürsorgebestätigung vom 18. Juli 2023 beigelegt. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. August 2023 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um 

Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand 

gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzei-

tig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

E.  

Mit Vernehmlassung vom 21. August 2023 nahm die Vorinstanz Stellung 

zur Beschwerde.  

 

D-4170/2023 

Seite 4 

F.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 6. September 2023 un-

ter Beilage einer Kostennote gleichen Datums. 

G.  

Mit Eingabe vom 4. Oktober 2023 verwies er auf das zwischenzeitlich er-

gangene Urteil des BVGer D-5468/2021 vom 12. Juli 2023, welches er in 

seiner Sache als einschlägig erachte. 

H.  

Mit Eingabe vom 9. Juli 2024 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbe-

richt vom 21. Juni 2024 (Sprechstunde für posttraumatische Belastungs-

störungen [PTBS]) zu den Akten. 

I.  

Die Instruktionsrichterin beantwortete am 25. März 2025 eine Verfahrens-

standsanfrage des Beschwerdeführers vom 24. März 2025. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch hier – end-

gültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren richtet sich 

nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts ande-

res bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als 

Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). 

Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten  

(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Der Prozessgegenstand beschränkt sich auf die Dispositivziffern 1 bis 3 

der angefochtenen Verfügung (Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegwei-

sung). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

D-4170/2023 

Seite 5 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt Verletzungen seines rechtlichen Gehörs. 

Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen (vgl. BVGE 2013/34 

E. 4.2). 

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Dieses dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein 

persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entschei-

des dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört 

insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen 

Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Ein-

sicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu 

werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken 

oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeig-

net ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör 

umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzu-

räumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 

mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behör-

den, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss 

so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

4.3  

4.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe sich nicht mit dem Um-

stand auseinandergesetzt, dass er einer Minderheit, dem (…)-Clan, ange-

höre. 

4.3.2 Diese Rüge schlägt fehl. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM 

nicht berücksichtigt haben sollte, dass der Beschwerdeführer dem (…)-

Clan angehört, zumal es dies in seinem Entscheid auch ausgeführt hat (vgl. 

angefochtene Verfügung Ziff. I/2). Das SEM hat sodann nachvollziehbar 

und differenziert aufgezeigt, weshalb der Beschwerdeführer, der dem (…)-

Clan angehöre, die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Soweit der Be-

schwerdeführer mit dieser Einschätzung des SEM nicht einverstanden ist, 

ist die Rüge materiell-rechtlicher Natur (vgl. diesbezüglich unten E. 7). 

 

D-4170/2023 

Seite 6 

4.4  

4.4.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, das SEM habe sich mit keinem 

Wort zur geltend gemachten Folter geäussert. Weder habe es die diesbe-

züglichen Aussagen in der Glaubhaftigkeitsprüfung gewürdigt, noch deren 

Auswirkungen im Entscheid beachtet. Sodann habe das SEM das Asylge-

such abgelehnt, ohne die Gesuche vom 12. Mai 2023 und 5. Juni 2023 um 

Erstellung eines Gutachtens gemäss Istanbul-Protokoll abzuweisen oder 

diese in irgendeiner Form im Entscheid zu behandeln oder gar zu erwäh-

nen, obwohl ein solches entscheidrelevant gewesen wäre. 

4.4.2 Der Beschwerdeführer hat anlässlich der Anhörung vom 16. Mai 

2023 angegeben, es gehe ihm, abgesehen von physischen Problemen, 

wegen welchen er aber noch nicht beim Arzt gewesen sei, gesundheitlich 

gut (vgl. act. SEM (...)). Sodann hat der rechtlich vertretene Beschwerde-

führer im vorinstanzlichen Verfahren keine medizinischen Unterlagen zu 

den Akten gereicht, obwohl er vom SEM auf die Möglichkeit und Pflicht 

hingewiesen wurde, und soweit ersichtlich diesbezüglich keinen Arzt kon-

sultiert (vgl. Arztbericht vom 21. Juni 2024, wonach das Erstgespräch am 

29. November 2023 und damit nach der angefochtenen Verfügung datiert). 

Vor diesem Hintergrund und auch, weil das SEM die vom Beschwerdefüh-

rer vor seiner Ausreise angeblich erlebten Vorfälle, unter anderem auch 

anlässlich der Mitnahme durch die Al-Shabaab, mangels erkannter Asylre-

levanz nicht in Frage stellte, ist nicht zu beanstanden, dass das SEM den 

unsubstantiierten Gesuchen vom 12. Mai 2023 und 5. Juni 2023 zur Erstel-

lung eines Gutachtens nicht gefolgt ist (vgl. auch Urteil des BVGer 

D-5466/2024 vom 19. Oktober 2024 E. 6.4). Daran vermag auch der auf 

Beschwerdeebene eingereichte Arztbericht vom 21. Juni 2024 nichts zu 

ändern (vgl. unten E. 8.4). Der Umstand, dass das SEM die Gesuche gar 

nicht behandelt hat, ist zwar – wie das SEM anlässlich der Vernehmlassung 

selbst eingestand – als Verletzung der Begründungspflicht zu werten, dies 

vermag aber eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz nicht zu recht-

fertigen, zumal auch eine Heilung auf Beschwerdeebene stattgefunden 

hat. 

4.4.3 Sodann hat das SEM hinreichend aufgezeigt, weshalb es die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Vorkommnisse nach seiner Aus-

reise als nicht glaubhaft qualifiziert. Soweit er mit dieser Auffassung nicht 

einverstanden ist, ist die Rüge ebenfalls materiell-rechtlicher Natur (vgl. 

unten E. 8.3 f.). 

D-4170/2023 

Seite 7 

4.5 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet und der 

Sachverhalt ist spruchreif, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache 

aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Das entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das SEM gelangte im Asylpunkt zum Ergebnis, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers würden weder den Anforderungen an die Flüchtlingsei-

genschaft noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit standhalten. So hätten 

die geltend gemachten Rekrutierungsversuche samt Nachteilen durch die 

Al-Shabaab nicht auf der Absicht beruht, den Beschwerdeführer aufgrund 

einer missliebigen politischen Einstellung zu verfolgen. Vielmehr habe die 

Al-Shabaab Interesse an ihm gehabt, weil sie ihn als tüchtigen jungen 

Mann und somit als potenziell wertvolles Mitglied erachtet hätten. Somit 

beruhe die geltend gemachte Verfolgung nicht auf einem flüchtlingsrecht-

lich relevanten Motiv. Hinsichtlich der angeblichen Tötung seiner Schwes-

ter nach seiner Ausreise sei auf die vorhandenen Unglaubhaftigkeitsele-

mente in seinen Aussagen hinzuweisen (sofern davon ausgegangen 

werde, diese angebliche Massnahme einer Reflexverfolgung wäre, nach-

dem der Beschwerdeführer die Zusammenarbeit mit der Al-Shabaab ver-

weigert habe und geflohen sei, neu politisch motiviert gewesen). So wür-

den seine diesbezüglichen Vorbringen (insbesondere die Freilassung nach 

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Seite 8 

der Entführung, die angeblichen Aussagen seiner Mutter gegenüber der Al-

Shabaab wie auch der Zeitpunkt der erneuten Suche der Al-Shabaab nach 

ihm nach der Bedenkfrist) in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfah-

rung oder der Logik des Handelns widersprechen. Weiter habe sich der 

Beschwerdeführer hinsichtlich der Hausdurchsuchung und der Tötung sei-

ner Schwester durch die Al-Shabaab, insbesondere hinsichtlich der Anwe-

senheit seiner Mutter, widersprochen, ohne dass er die Widersprüche trotz 

Nachfrage hätte auflösen können. 

6.2 In der Beschwerde wird entgegnet, dass vorab auf die erhöhte Glaub-

würdigkeit des Beschwerdeführers zu verweisen sei, nachdem das Lingua 

Gutachten seine Angaben zur Herkunft bestätigt habe. Weiter habe die An-

hörung insgesamt gerade einmal 2 Stunden und 45 Minuten gedauert, so 

dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen sei, so detailliert 

auszusagen, wie dies bei einer ganztägigen Anhörung der Fall sei. Zudem 

dürfe ihm nicht angelastet werden, dass keine weiteren Fragen gestellt 

worden seien. Nichtsdestotrotz habe der Beschwerdeführer glaubhaft aus-

gesagt. Seine Aussagen seien insgesamt schlüssig sowie konsistent und 

würden mit den Länderhintergrundinformationen zu Somalia und der Al-

Shabaab übereinstimmen. Er habe diverse Elemente immer wieder wie-

derholt und ein zusammenhängendes Bild gezeichnet. Er habe klar ge-

nannt, was ihn zur Flucht bewegt habe, wieso er Ziel des Übergriffs gewor-

den sei und habe auch die Folter genau beschrieben. Insbesondere in die-

sem Punkt seien die Aussagen sehr präzise. Er habe immer wieder die 

direkte Rede und Emotionen benutzt, um Situationen zu beschreiben so-

wie Details genannt, ohne zu übertreiben. Ferner habe er bei belastenden 

Vorfällen starke nonverbale Äusserungen (Weinen, Zittern) gezeigt. Ver-

meintliche Widersprüche, wobei es der Vorinstanz kaum gelinge, solche 

aufzuzählen, würden sich auf Nebensächlichkeiten beziehen und könnten 

aufgelöst werden. Wären diesbezüglich Rückfragen gestellt worden, hätten 

diese bereits im vorinstanzlichen Verfahren geklärt werden können. Dem 

SEM gelinge es daher auch nicht, Widersprüche in den Kernelementen zu 

finden. Insgesamt seien die Aussagen des Beschwerdeführers nach dem 

Gesagten glaubhaft. Im Weiteren erweise sich die Verfolgung auch als 

asylrechtlich relevant. Der Beschwerdeführer gehöre als Mitglied des (…)-

Clans zu den am meisten gefährdeten und marginalisierten Gruppen in 

Mogadischu. Er habe bereits im vorinstanzlichen Verfahren klar zu Proto-

koll gegeben, dass die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe zentral für die Ver-

folgung gewesen sei, was auch mit den Länderinformationen überein-

stimme. Somit liege ein flüchtlingsrechtliches Motiv gemäss Art. 3 AsylG 

vor. Im Übrigen sei auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer ein 

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Seite 9 

junger Mann sei, ein Merkmal, das untrennbar mit ihm verbunden sei und 

damit ein relevantes Verfolgungsmotiv. Die Al-Shabaab sei sodann religiö-

ser Natur, weswegen auch religiöse beziehungsweise politische Motive 

eine Rolle spielen würden. Die Asylrelevanz könne auch nicht damit ver-

neint werden, dass die Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure erfolgt sei. 

Somalia sei nicht als schutzfähig anzusehen und gegenüber dem Clan des 

Beschwerdeführers bestehe auch kein Schutzwille. Dies anerkenne das 

SEM mit der vorläufigen Aufnahme. Weiter sei eine innerstaatliche Schutz-

alternative gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung zu 

verneinen. Ferner würden Zwangsrekrutierungen durch nichtstaatliche Ak-

teure keine militärische Dienstleistung und damit flüchtlingsrechtlich rele-

vante Nachteile darstellen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer durch 

seine Weigerung, sich der Al-Shabaab anzuschliessen eine religiöse und 

politische Haltung gezeigt, wegen der seine Schwester getötet worden sei. 

Insgesamt sei die Verfolgung klar asylrelevant. 

6.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an seiner bisherigen Ein-

schätzung fest und führte an, in der Beschwerde werde über mehrere Sei-

ten die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers betont. 

Diese sei aber – wie im Asylentscheid dargelegt, allein für den Rekrutie-

rungsversuch und somit für die Entführung nicht relevant, da diesbezüglich 

bereits das flüchtlingsrechtliche Motiv fehle. Den Aussagen des Beschwer-

deführers sei klar zu entnehmen, dass er nicht wegen seiner Clanzugehö-

rigkeit respektive weil die (…) für die Al-Shabaab ein grundsätzlich zu ver-

folgender Gegner ihrer Ideologie sei, sondern wegen seinem Alter, Ge-

schlecht und seiner Tüchtigkeit ausgesucht worden sei. Bezüglich der gel-

tend gemachten Verfolgung, nachdem sich der Beschwerdeführer nach 

einmonatiger Bedenkfrist der Al-Shabaab nicht zur Verfügung gestellt 

habe, könne grundsätzlich auf die Erwägungen zur Unglaubhaftigkeit im 

Asylentscheid verwiesen werden. Zu beachten sei allerdings, dass in der 

Beschwerde Falschbehauptungen zum zeitlichen Ablauf der Bedenkfrist 

nach der Entführung und damit ein weiterer Widerspruch aufgestellt wor-

den seien. Sodann sei paradox, dass der Beschwerdeführer ein Gutachten 

wegen der angeblich erlebten Folter verlange, das allfällige Unglaubhaftig-

keiten in seinen Aussagen erklären könne, nachdem in der Beschwerde 

gleichzeitig über mehrere Seiten hinweg die Glaubhaftigkeit der Aussagen 

betont werde. Mit keinem Wort werde angegeben, dass der Beschwerde-

führer anlässlich seines Gesprächs mit der Rechtsvertretung in irgendeiner 

Weise verwirrt oder sonst wie nicht aussagefähig gewesen wäre, was sich 

mit den Erfahrungen anlässlich der Anhörung beim SEM decke. 

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Seite 10 

6.4 In der Replik wird entgegnet, es sei nicht Aufgabe des Beschwerdefüh-

rers, ein bestimmtes Verfolgungsmotiv zu nennen und dieses unter das 

Asylgesetz zu subsumieren. Er habe klar geltend gemacht, dass er zu ei-

nem Minderheitsclan gehöre und deswegen rekrutiert worden sei. Natürlich 

würden hier auch andere Faktoren, wie sein Alter oder sein Geschlecht 

eine Rolle spielen. Entscheidend sei jedoch, dass er insgesamt geltend 

gemacht habe, dass er nicht rekrutiert und gefoltert worden wäre, wenn er 

nicht einem Minderheitsclan angehört hätte. Zudem könne analog auf die 

Praxis zu alleinstehenden Frauen in Somalia verwiesen werden, die nicht 

unter dem Schutz eines männlichen Familienmitglieds stehen und einem 

Minderheiten-Clan angehören. Auch in diesen Fällen liege eine private Ver-

folgung wegen dem Geschlecht und dem Alter vor. Dennoch werde zurecht 

anerkannt, dass diese Verfolgung auf einem asylrelevanten Verfolgungs-

motiv beruhe. Sodann sei es auch am SEM gewesen, zu prüfen, ob die 

(…) durch die Al-Shabaab verfolgt würden, und nicht am Beschwerdefüh-

rer. In der Beschwerde sei mittels Verweises auf die vorhandenen Länder-

informationen dargelegt worden, dass die (…) einer der am stärksten ver-

folgten und marginalisierten Minderheitsclans seien. Der Beschwerdefüh-

rer sei wegen dieser Zugehörigkeit inhaftiert und gefoltert worden und hätte 

sich einer Terrororganisation anschliessen sollen. Ebenfalls sei aufgezeigt 

worden, dass der Staat gegenüber den (…) weder schutzwillig noch 

schutzfähig sei. Damit seien alle Elemente des Asylbegriffs erfüllt. Weiter 

halte die Vorinstanz die zeitliche Abfolge weiterhin für widersprüchlich, was 

sich nicht erschliesse. Falls dieser Sachverhalt weiterer Klärung bedürfe, 

werde eine Befragung des Beschwerdeführers beantragt. Schliesslich sei 

nicht widersprüchlich, dass in der Beschwerde gleichzeitig die Glaubhaf-

tigkeit aufgezeigt werde und – eventualiter – ein Gutachten zur Klärung des 

Sachverhalts verlangt werde. 

7.  

7.1 Verfolgungsmassnahmen sind nur dann asylrechtlich relevant, wenn 

sie sich auf einen der in Art. 3 AsylG genannten Gründe (Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische 

Anschauung) zurückführen lassen. Allein massgebend für die Beurteilung, 

ob die Verfolgung auf einem der genannten Motive beruht, ist die Perspek-

tive des Verfolgers. So ist für die Bejahung einer Verfolgung im Sinne der 

Flüchtlingskonvention allein ausschlaggebend, dass die Verfolgung wegen 

äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder der 

Persönlichkeit des Opfers verbunden sind (u.a. Geschlecht, Abstammung, 

Herkunft, Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, Sprache, Veranlagung, 

Hautfarbe, Gebrechen, Glauben, Denken, politische Meinung, 

D-4170/2023 

Seite 11 

Überzeugung, Lebenseinstellung), erfolgt, nicht wegen des Tuns. Die 

Handlung kann wohl vom Verfolger gleichfalls oder sogar vordergründig 

hauptsächlich anvisiert sein; bedeutsam für die Flüchtlingseigenschaft wird 

der Eingriff des Verfolgers aber nur, wenn dieser die hinter der Handlung 

steckende Gesinnung, Persönlichkeit oder Eigenart der betreffenden Per-

son treffen will (vgl. dazu WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 

Yar/Geiser/Vetterli [Hrsg.], Ausländerrecht, 3. Aufl. 2022, Rz. 14.16 ff.). 

7.2 Zwar kann im Zusammenhang mit der Al-Shabaab nicht grundsätzlich 

ausgeschlossen werden, dass eine Rekrutierung mit Zwangsmassnahmen 

an flüchtlingsrechtliche Motive geknüpft ist (vgl. Urteil des BVGer 

D-96/2024 vom 5. Februar 2025 E. 5, insbesondere mit Hinweisen zur Rek-

rutierung Minderjähriger, wobei der Beschwerdeführer bereits bei Beginn 

der Rekrutierungsmassnahmen volljährig gewesen ist). Im vorliegenden 

Fall liegen den angeblichen Rekrutierungsversuchen der Al-Shabaab samt 

angeblicher Entführung (wobei die vorgebrachte Mitnahme und Folter der 

Rekrutierung dienten und nicht der Bestrafung) aber kein solchermassen 

flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv zugrunde. So bestätigte der Be-

schwerdeführer anlässlich der Anhörung vom 16. Mai 2023 selbst, dass die 

Al-Shabaab ihn hätten rekrutieren wollen, weil er jung und tüchtig gewesen 

sei (vgl. act. SEM (…)). Seinen Aussagen ist zu entnehmen, dass er von 

den Al-Shabaab ausgewählt worden ist, weil er ein gutes Mitglied abgege-

ben hätte, unabhängig von darüber hinaus gehenden äusseren oder inne-

ren Merkmalen im obgenannten Sinn. Soweit er auf Beschwerdeebene neu 

geltend macht, er sei auch Ziel der Al-Shabaab geworden, weil er dem Min-

derheitsclan (…) angehöre, ist dieses Vorbringen als nachgeschoben zu 

qualifizieren. Anlässlich der Anhörung brachte der Beschwerdeführer zwar 

auch vor, er gehöre dem Minderheitsclan (…) an und die Al-Shabaab hät-

ten dies ihm gegenüber erwähnt. Seinen diesbezüglichen Aussagen ist 

aber zu entnehmen, dass die Al-Shabaab ihn diesbezüglich überzeugen 

wollten, dass sie ihm ein besseres Leben bieten könnten als innerhalb ei-

nes schutzlosen Clans (vgl. act. (…)). Dass die Al-Shabaab den Beschwer-

deführer deshalb rekrutieren wollten, weil er als Mitglied des (…)-Clans ein 

Gegner ihrer Ideologie oder sonst wie eine zu verfolgende Person sei, ist 

angesichts des Gesagten als konstruiert zu erachten. Auf Entsprechendes 

ist im Übrigen auch nicht aus den vom Beschwerdeführer zitierten Länder-

hintergrundinformationen zu schliessen (vgl. auch Urteil des BVGer  

E-4431/2016 vom 6. Juni 2018 E. 5.4). Nach dem Gesagten wurde der Be-

schwerdeführer entgegen der auf Beschwerdeebene neu geäusserten Auf-

fassung nicht aufgrund seiner politischen Anschauungen, seiner Zugehö-

rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, oder anderen asylrelevanten 

D-4170/2023 

Seite 12 

Motiven verfolgt, sondern er litt – wie viele andere Personen auch – unter 

der Herrschaft der Al-Shabaab-Milizen, welche ihn – im Falle der Wahrun-

terstellung seiner Angaben – aus einem nicht asylrelevanten Motiv (seinem 

Potenzial als gutes Mitglied) rekrutieren wollte.  

7.3 Insgesamt sind die Vorbringen des Beschwerdeführers rund um die an-

geblich erlebten Rekrutierungsversuche und Nachteile, unabhängig von 

deren Wahrheitsgehalt, bereits mangels Motivs flüchtlingsrechtlich nicht re-

levant.  

8.   

8.1 Zu prüfen bleibt (bei Wahrunterstellung von Rekrutierungsmassnah-

men), ob dem Beschwerdeführer von der Al-Shabaab infolge der dargeleg-

ten Entführung mit Freilassung unter Bedenkfrist und (endgültigen) Weige-

rung, bei ihnen mitzumachen, eine ihnen gegenüber feindliche Gesinnung 

unterstellt wird, weshalb er bei einer (hypothetischen) Rückkehr eine poli-

tische Verfolgung zu befürchten hätte.  

8.2 Die Darstellung des Beschwerdeführers zu seiner rund einmonatigen 

Gefangenschaft bei den Al-Shabaab und der anschliessenden Freilassung 

unter Einräumung einer Bedenkzeit von einem Monat vermag nicht zu 

überzeugen. So führt der Beschwerdeführer aus, er habe sich während der 

gesamten Gefangenschaft konstant geweigert, sich den Al-Shabaab anzu-

schliessen, obwohl er einen Monat lang gefoltert worden sei. Auch eine 

telefonische Kontaktname seiner Mutter durch die Al-Shabaab, bei welcher 

diese der Mutter eine beliebig hohe Geldsumme angeboten hätten, wenn 

sie ihn umstimmen könne, sei erfolglos gewesen; seine Mutter habe den 

Al-Shabaab gar geantwortet, dass sie ihn lieber töten sollten, als dass sie 

Geld von ihnen annehmen würde. Dass die Al-Shabaab vor diesem Hinter-

grund auf den Vorschlag des Beschwerdeführers eingegangen wären, ihn 

freizulassen und ihm einen Monat Bedenkzeit einzuräumen, widerspricht 

jeglichem einigermassen vernünftigen und plausiblen Verhalten. Nachdem 

auch eine mehrwöchige Folter den Beschwerdeführer nicht umzustimmen 

vermochte und die Al-Shabaab aufgrund der kategorischen Ablehnung 

durch die Mutter auch von der Kernfamilie des Beschwerdeführers keiner-

lei Unterstützung erwarten durften, ist nicht einzusehen, was sie hätte dazu 

veranlassen sollen, den Beschwerdeführer dennoch freizulassen und 

gleichzeitig damit zu rechnen, er würde sich ihnen doch noch anschliessen. 

Auch die angeblich lange Bedenkzeit von einem Monat, die dem Be-

schwerdeführer von den Al-Shabaab angeblich eingeräumt worden war, ist 

D-4170/2023 

Seite 13 

nicht nachvollziehbar, musste sie doch aufgrund der langen Dauer gera-

dezu zur Flucht verleiten.  

8.3 Dem Beschwerdeführer ist dem Gesagten nach nicht gelungen, seine 

einmonatige Gefangenschaft bei den Al-Shabaab und die anschliessende 

Freilassung unter Einräumung einer einmonatigen Bedenkzeit glaubhaft zu 

machen. Selbst wenn die Al-Shabaab ihn gedrängt haben sollte, sich ihnen 

anzuschliessen und ihn allenfalls aus diesem Grund auch vorübergehend 

festgenommen haben sollten, so vermag er weder die Dauer, noch die Um-

stände der Gefangenschaft oder deren Freilassung glaubhaft darzulegen. 

Damit entfällt auch die Grundlage für einen Zusammenhang zwischen der 

dargelegten Tötung der Schwester durch die Al-Shabaab und dem Be-

schwerdeführer. Die weiteren Unstimmigkeiten, welche die Vorinstanz zu-

treffend ausgeführt hat (vgl. angefochtenen Verfügung S. 3 f. Ziffer II. 2.1 

bis 2.2) untermauern diese Schlussfolgerung. 

8.4 Dem Beschwerdeführer gelingt es auch auf Beschwerdeebene nicht, 

die Zweifel an seinen Angaben zu beseitigen. Insbesondere vermag auch 

seine angebliche Traumatisierung und sein damit verbundener psychischer 

Zustand – gemäss Arztbericht vom 21. Juni 2024 leidet er an einer PTBS 

und einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode – sein wider-

sprüchliches und unstimmiges Aussageverhalten nicht zu erklären. Zwar 

kann der (psychische) Gesundheitszustand (insbesondere bei einer PTBS) 

in gewissen Fällen einen Einfluss auf das Aussageverhalten haben, so 

dass dieser bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung berücksichtigt wer-

den müsste (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3.3.2), nach Einschätzung des Ge-

richts ist dies hier aber nicht der Fall (vgl. auch Urteil des BVGer 

D-5466/2024 vom 19. Oktober 2024 E. 6.4). Schliesslich ist festzuhalten, 

dass der Arztbericht vom 21. Juni 2024 für sich alleine kein Beweis für die 

vorgebrachten Erlebnisse ist (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2.1 und 7.2.2). 

8.5 Nach dem Gesagten erfüllen die Vorbringen des Beschwerdeführers 

die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. 

Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft daher im Ergebnis zutreffend 

verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 

9.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine 

D-4170/2023 

Seite 14 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeit-

punkt in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Das SEM hat der generellen 

Gefährdung aufgrund der in Mittel- und Südsomalia herrschenden Sicher-

heitslage Rechnung getragen und den Beschwerdeführer gestützt auf 

Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

vorläufig aufgenommen. Die Gründe für die Anordnung dieser vorläufigen 

Aufnahme sind vom Gericht allerdings nicht näher zu prüfen. Aufgrund der 

alternativen Natur der Vollzugshindernisse bei festgestellter Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs entfällt ein schützenswertes Interesse an 

der (weiteren) Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, 

etwa wie hier infolge einer angeblichen Betroffenheit von Übergriffen durch 

die Al-Shabaab, welche asylrechtlich nicht relevant sind. Es erübrigen sich 

deshalb zum aktuellen Zeitpunkt weitere Ausführungen zur vom Beschwer-

deführer dargelegten Gefährdungssituation durch die Al-Shabaab. Im Falle 

einer Aufhebung der vorläufigen Aufnahme stünde dem Beschwerdeführer 

indessen wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht of-

fen, wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshindernisse von Amtes 

wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von 

Neuem zu prüfen wären (BVGE 2009/51 E. 5.4 m.w.H.). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-

lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da je-

doch das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwischenverfü-

gung vom 10. August 2023 gutgeheissen worden ist, werden keine Verfah-

renskosten erhoben. 

12.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde auch das Gesuch um amtli-

che Verbeiständung gutgeheissen und Rechtsanwalt Dominik Züsli als 

D-4170/2023 

Seite 15 

amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Für die Aufwendungen des amtli-

chen Rechtsbeistands ist ein Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze 

der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reglements über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 

21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der eingereichten Kos-

tennote vom 6. September 2023 geltend gemachte Aufwand von 12.5 

Stunden erscheint für das gesamte Verfahren, inklusive der weiteren Ein-

gaben namentlich vom 4. Oktober 2023 und 9. Juli 2024, angemessen. Die 

pauschal geltend gemachten Fr. 40.– für "Portospesen", "Fotokopien" und 

"Telefonspesen" sind jedoch nicht zu entschädigen, zumal die Eingaben 

des Rechtsvertreters digital zu den Akten gereicht worden sind, womit we-

der Porti noch Kosten für Fotokopien angefallen sein dürften. Die durch die 

Gerichtskasse zu vergütende Entschädigung ist demnach (bei einem Stun-

denansatz von Fr. 220.–) auf insgesamt Fr. 2'750.– (inkl. Mehrwertsteuer-

zuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4170/2023 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht entrichtet Rechtsanwalt Dominik Züsli ein 

amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 2'750.–. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Linda Marti 

 

 

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