# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c7a16ec-b2a7-53b2-8a8e-29b056967912
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 27.04.2015 HG110215
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG110215_2015-04-27.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 

Geschäfts-Nr.: HG110215-O U 

 

 

Mitwirkend: Die Oberrichter Peter Helm, Präsident, und Dr. George Daetwyler, 

Vizepräsident, die Handelsrichter Paul Josef Geisser, Hans Moser 

und Alexander Pfeifer sowie Gerichtsschreiber Dr. Benjamin Büchler 

 

Urteil vom 27. April 2015 

 

in Sachen 

 
A._____ AG,  

Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____ SA,  

Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 

betreffend Forderung 
 

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Inhaltsverzeichnis 
 
Sachverhalt und Verfahren................................................................................................ 4 
A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................................. 4 

a. Parteien und ihre Stellung............................................................................................. 4 
b. Prozessgegenstand ...................................................................................................... 4 

B. Prozessverlauf................................................................................................................ 6 
a. Klageeinleitung.............................................................................................................. 6 
b. Wesentliche Verfahrensschritte .................................................................................... 6 

 
Erwägungen ........................................................................................................................ 7 
1. Formelles ......................................................................................................................... 7 

1.1. Zuständigkeit .............................................................................................................. 7 
1.1.1. Örtliche Zuständigkeit ....................................................................................... 7 
1.1.2. Sachliche Zuständigkeit .................................................................................... 7 

1.2. Prozessführungsbefugnis .......................................................................................... 7 
1.3. Anwendbares Prozessrecht ..................................................................................... 11 

2. Namens der Klägerin geltend gemachter Anspruch der C._____ gegen die Be-
klagte auf Schadenersatz aus Auftrag ........................................................................... 11 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt ...................................................................................... 11 
2.2. Streitpunkte .............................................................................................................. 12 
2.3. Rechtliches ............................................................................................................... 14 

2.3.1. Beweislast und damit einhergehende Obliegenheiten im Allgemeinen......... 14 
2.3.2. Handeln für eine juristische Person durch formelle und faktische Organe.... 16 
2.3.3. Voraussetzungen für eine Haftung des Beauftragten im Überblick ............... 17 
2.3.4. Vertragsverletzung .......................................................................................... 17 
2.3.5. Schaden .......................................................................................................... 18 
2.3.6. Kausalzusammenhang zwischen Vertragsverletzung und Schaden ............. 20 
2.3.7. Verschulden .................................................................................................... 22 

2.4. Subsumtion .............................................................................................................. 23 
2.4.1. Vorgehensweise.............................................................................................. 23 
2.4.2. Kein Kausalzusammenhang zwischen einer allfälligen Vertragsverletzung der 
Beklagten und einem möglichen Schaden der C._____ .......................................... 24 

2.4.2.1. Parteistandpunkte............................................................................... 24 
2.4.2.2. Kausalzusammenhang im vorliegenden Fall ..................................... 25 
2.4.2.3. Grobes Drittverschulden der D._____ bzw. der für sie handelnden 
Personen als Unterbrechungsgrund des Kausalzusammenhangs ................ 28 
2.4.2.4. Grobes Selbstverschulden der C._____ bzw. der für sie handelnden 
Personen als Unterbrechungsgrund des Kausalzusammenhangs ................ 29 
2.4.2.5. Zwischenfazit ...................................................................................... 32 

2.4.3. Kein Schaden der C._____............................................................................. 32 
2.4.3.1. Parteistandpunkte............................................................................... 32 
2.4.3.2. Würdigung .......................................................................................... 37 
2.4.3.3. Zwischenfazit ...................................................................................... 42 

2.5. Fazit zum namens der Klägerin geltend gemachten Anspruch der C._____ gegen 
die Beklagte aus Auftrag ................................................................................................. 42 

3. Namens der Klägerin geltend gemachter Anspruch der C._____ gegen die Be-
klagte auf Schadenersatz aus Organhaftung................................................................ 42 

3.1. Sachverhalt und Streitpunkte................................................................................... 42 
3.2. Rechtliches ............................................................................................................... 45 
3.3. Subsumtion .............................................................................................................. 46 

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3.4. Fazit zum namens der Klägerin geltend gemachten Anspruch der C._____ gegen 
die Beklagte auf Schadenersatz aus Organhaftung....................................................... 48 

4. Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte auf Schadenersatz aus Vertrauens-
haftung ............................................................................................................................... 48 

4.1. Sachverhalt und Streitpunkte................................................................................... 48 
4.2. Rechtliches ............................................................................................................... 49 

4.2.1. Abtretung von Forderungen ............................................................................ 49 
4.2.2.. Begriff der Vertrauenshaftung........................................................................ 50 
4.2.3. Voraussetzungen der Vertrauenshaftung....................................................... 50 

4.3. Subsumtion .............................................................................................................. 52 
4.3.1. Vorgehensweise.............................................................................................. 52 
4.3.2. Keine rechtliche Sonderverbindung und Enttäuschung von schutzwürdigem 
Vertrauen in treuwidriger Weise ............................................................................... 52 

4.3.2.1. Parteistandpunkte............................................................................... 52 
4.3.2.2. Würdigung .......................................................................................... 56 

4.3.3. Kein Kausalzusammenhang zwischen einem allfälligen Verstoss gegen Treu 
und Glauben durch die Beklagte und einem Schaden der Klägerin ........................ 60 
4.3.4. Kein Schaden der Klägerin ............................................................................. 61 

4.3.4.1. Parteistandpunkte............................................................................... 61 
4.3.4.2. Würdigung .......................................................................................... 63 

4.4. Fazit zum geltend gemachten Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte auf 
Schadenersatz aus Vertrauenshaftung .......................................................................... 65 

5. Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte auf Schadenersatz aus Dienstleis-
tungshaftpflicht................................................................................................................. 65 
6. Zins ................................................................................................................................. 66 
7. Zusammenfassung ....................................................................................................... 66 
8. Prozesskosten .............................................................................................................. 66 
 
Urteils-Dispositiv .............................................................................................................. 67 
 
 

- 4 - 

Rechtsbegehren: 
(act. 1 S. 2) 

" Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 15'704'398.– zuzüg-
lich Zins zu 5 % mittlerer Verfall von 5. Dezember 2000 bis 28. Oktober 
2005 sowie 5 % seit 29. Oktober 2005 zu bezahlen; unter Kosten- und 
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten." 

Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in …, Kanton Schwyz, welche 

gemäss dem eingereichten Handelsregisterauszug in der Maschinenindustrie in 

den Bereichen Handel und Produktion tätig ist (act. 3/2). Bei der Beklagten han-

delt es sich ebenfalls um eine Aktiengesellschaft. Sie hat ihren Sitz in Genf sowie 

eine Zweigniederlassung in Zürich und bezweckt gemäss dem eingereichten 

Handelsregisterauszug u.a. die Ausübung von Überwachungstätigkeiten und die 

Erbringung von Dienstleistungen im Zusammenhang mit Zertifizierungen 

(act. 3/9/1-2). Sie bezeichnet sich als die operative Einheit der B._____ SA, der 

weltweit führenden Inspektions- und Zertifizierungsgesellschaft (act. 9 Rz. 3). 

b. Prozessgegenstand 

Die seit 1. Februar 1996 im Handelsregister eingetragene C._____ Investment 

AG in Liquidation (fortan C._____) hatte vor ihrer Auflösung damit geworben, im 

internationalen Devisenhandel als Vermittlerin tätig zu sein (act. 1 Rz. 18; act. 3/3; 

vgl. auch act. 3/17). In dieser Funktion leitete sie entgegengenommene Gelder ih-

rer Kunden, unter welchen sich auch die Klägerin befand, nach Abzug einer Ver-

waltungsgebühr an eine spanische Brokergesellschaft, die D.____ (fortan 

D._____), in Madrid, weiter. Mit den Kundengeldern führte die D._____ in Spani-

en jedoch keine Devisengeschäfte durch, sondern spiegelte solche auf fingierten 

Abrechnungen lediglich vor. Über die C._____ erfolgten dann teilweise Rückzah-

lungen von Kundengeldern und angeblichen Gewinnen an die Kunden 

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(vgl. act. 25/4 S. 3). Es handelte sich mithin um ein Schneeballsystem (act. 1 

Rz. 17 ff.; act. 9 Rz. 21 f.). 

Nach einer Selbstanzeige der C._____ beim Verhöramt des Kantons Schwyz am 

1. März 2004 machte letzteres die damalige Eidgenössische Bankenkommission 

(fortan EBK) mit Schreiben vom 12. Juli 2005 darauf aufmerksam, dass die 

C._____ möglicherweise eine unterstellungspflichtige Geschäftstätigkeit (ge-

werbsmässige Entgegennahme von Publikumseinlagen) ausübe. Daraufhin liess 

die EBK die Geschäftstätigkeit und finanzielle Situation der C._____ abklären und 

eröffnete mit Wirkung ab dem 28. Oktober 2005, 08.00 Uhr, den Konkurs über 

diese (act. 1 Rz. 16; act. 3/3; act. 25/4). Gemäss Kollokationsplan vom 

6. Dezember 2007 wurden 3. Klasse-Forderungen in der Höhe von 

CHF 67'769'561.37 kolloziert (act. 3/4 S. 88). Die Klägerin meldete zwei Forde-

rungen in der Höhe von insgesamt CHF 5'549'458.82 an, welche vollständig zu-

gelassen wurden (act. 3/4 S. 77). 

Die Klägerin macht gestützt auf eine Abtretung gemäss Art. 260 SchKG einerseits 

Ansprüche der C._____ gegen die Beklagte aus Auftragsrecht und aktienrechtli-

cher Verantwortlichkeit geltend. Andererseits klagt sie aus eigenem Recht und be-

ruft sich dabei auf eine Vertrauenshaftung sowie eine Dienstleistungshaftpflicht 

der Beklagten. Klagefundament bildet der Umstand, dass der C._____ am 

5. Dezember 2000 (nach klägerischer Auffassung zu Unrecht) ein bis 

4. Dezember 2003 gültiges Zertifikat (Zertifikats-Nr. ...) betreffend die Einführung 

und Anwendung eines Qualitäts-Managementsystems ausgestellt wurde. Gemäss 

Zertifikat wurde anlässlich eines Zertifizierungsaudits der Nachweis erbracht, dass 

dieses (die Durchführung und Vermittlung von Handels- und Finanzgeschäften 

umfassende) Qualitäts-Managementsystem die Anforderungen der Normen 

SN EN ISO 9001:2000 erfüllt (act. 3/14). Am 12. Februar 2002 erfolgte im Zu-

sammenhang mit dem erwähnten Zertifikat ein Überwachungsaudit, worüber in 

der Folge am 30. März 2002 ein Bericht verfasst wurde (act. 3/16).  

Die Beklagte bestreitet das Bestehen von Ansprüchen gegen sie. 

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B. Prozessverlauf  

a. Klageeinleitung 

Mit Eingabe vom 11. Oktober 2011 (Datum Poststempel) machte die Klägerin die 

Klage anhängig (act. 1). 

b. Wesentliche Verfahrensschritte 

Fristgemäss leistete die Klägerin den ihr mit Verfügung vom 12. Oktober 2011 

auferlegten Gerichtskostenvorschuss (Prot. S. 2 f.) und reichte die mit derselben 

Verfügung verlangten Doppel der Klagebeilagen sowie ein Verzeichnis der Be-

weismittel nach (act. 5-6). Mit der ebenfalls innert Frist (vgl. Prot. S. 4) eingereich-

ten Klageantwort vom 26. Januar 2012 erhob die Beklagte die Unzuständigkeits-

einrede (act. 9), welche nach Anhörung der Klägerin (Prot. S. 6; act. 13) mit Be-

schluss vom 7. Mai 2012 unter separater Regelung der Kostenfolgen abgewiesen 

wurde (Prot. S. 8; act. 16). Nach Eingang des der Klägerin in diesem Kontext zu-

sätzlich auferlegten Vorschusses (Prot. S. 9; act. 19) wurde mit Verfügung vom 

24. September 2012 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Innert der ange-

setzten Fristen (Prot. S. 10 f.; act. 21; act. 26) reichten die Klägerin am 

26. November 2012 die Replik (act. 23) und in der Folge die Beklagte am 

20. Februar 2013 die Duplik (act. 28) ein. Letztere wurde der Klägerin mit Verfü-

gung vom 27. Februar 2013 zugestellt (Prot. S. 12; act. 30).  

Im Folgenden gingen mehrere unaufgeforderte Eingaben der Parteien zur Medi-

enberichterstattung (in Zeitungsartikeln und der Fernsehsendung Rundschau) 

über den erwähnten Betrugsfall ein (act. 34-35; act. 37-38/1). An einer Ver-

gleichsverhandlung vom 13. Dezember 2013, zu welcher die Parteien am 6. Mai 

2013 vorgeladen worden waren, unterbreitete die Beklagte der Klägerin ein zeit-

lich bis Ende Januar 2014 befristetes Vergleichsangebot (Prot. S. 15 f.), welches 

die Klägerin mit Eingabe vom 31. Januar 2014 ablehnte (act. 39).  

Mit Verfügung vom 19. Februar 2014 wurde der Klägerin Frist angesetzt, um dem 

Gericht die sieben weiteren Original-Abtretungserklärungen (analog der Abtre-

tungserklärung vom 7. Mai 2010 betreffend die Klägerin; act. 3/5) inkl. Fristerstre-

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ckungen im Zusammenhang mit Art. 260 SchKG einzureichen (Prot. S. 18 f.; 

act. 40). Daraufhin reichte die Klägerin am 20. März 2014 eine Eingabe mit ver-

schiedenen prozessualen Anträgen ein, worauf der Beklagten die Möglichkeit ge-

geben wurde, sich dazu zu äussern (Prot. S. 20; act. 45). Die entsprechende be-

klagtische Stellungnahme vom 1. Mai 2014 (act. 47) wurde der Klägerin mit Ver-

fügung vom 7. Mai 2014 zugestellt (Prot. S. 21; act. 48). Die Hauptverhandlung 

fand am 27. April 2015 statt (Prot. S. 23 f.). 

Beide Parteien reichten Beweismittelverzeichnisse ein (act. 6; act. 9 S. 25; 

act. 24; act. 28 S. 26 f. = act. 29; act. 43 S. 15 ff.). 

Das Verfahren ist spruchreif. 

Erwägungen 

1. Formelles 

1.1. Zuständigkeit 

1.1.1. Örtliche Zuständigkeit 

Mit Beschluss vom 7. Mai 2002 (rechtskräftig) wurde die örtliche Zuständigkeit 

des hiesigen Gerichts bejaht (Prot. S. 8; act. 16). 

1.1.2. Sachliche Zuständigkeit 

Das Handelsgericht ist gemäss Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. Art. 44 lit. b GOG auch 

sachlich zuständig. 

1.2. Prozessführungsbefugnis 

Soweit die Klägerin eigene Ansprüche behauptet (aus Vertrauenshaftung und 

Dienstleistungshaftpflicht; vgl. Ziff. 4-5 hiernach), ist ihre Prozessführungsbefugnis 

ohne Weiteres gegeben.  

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Hinsichtlich der weiteren geltend gemachten Ansprüche – jene der C._____ aus 

Auftragsrecht und aktienrechtlicher Verantwortlichkeit – leitet die Klägerin ihre 

Prozessführungsbefugnis aus Art. 260 Abs. 1 SchKG ab.  

Gemäss dieser Bestimmung ist jeder (kollozierte) Gläubiger berechtigt, die Abtre-

tung derjenigen Rechtsansprüche der Masse zu verlangen, auf deren Geltendma-

chung die Gesamtheit der Gläubiger verzichtet (betreibungs- und prozessrechtli-

ches Institut sui generis; BGE 121 III 488 E. 2b). Mit einer Abtretung von Rechts-

ansprüchen im Sinne dieser Bestimmung erfolgt keine Abtretung im zivilrechtli-

chen Sinn der Art. 164 ff. OR, sondern es wird lediglich ein Prozessführungsrecht 

mit Anspruch auf Vorausbefriedigung aus dem erzielten Erlös verliehen (BERTI, in: 

BSK SchKG II, Art. 260 N 4 mit Verweis auf BGE 122 III 176 E. 6f; vgl. Art. 260 

Abs. 2 SchKG). In diesem Sinne verliert die Konkursverwaltung zwar (zumindest 

vorübergehend) die Verfügungsmacht über die abgetretenen Rechte, sobald die 

Abtretung nach Art. 260 SchKG vollzogen ist. Sie bleibt aber weiterhin Trägerin 

des der Abtretung zugrunde liegenden Anspruchs. Dieser wird durch den Abtre-

tungsgläubiger in eigenem Namen geltend gemacht (BERTI, a.a.O., Art. 260 N 32, 

56), wobei die beklagte Partei dem Abtretungsgläubiger aber alle Einreden und 

Einwendungen entgegenhalten kann, die ihr gegenüber der Konkursmasse zu-

stünden (BERTI, a.a.O., Art. 260 N 62; vgl. in diesem Zusammenhang aber 

BGE 117 II 432 betreffend die auf Art. 753/754 OR gestützte Verantwortlichkeits-

klage, welcher Einreden, die den verantwortlichen Organen gegen die Gesell-

schaft oder gegen einzelne Gläubiger zustünden, nicht entgegen gehalten werden 

können).  

Das Prozessergebnis dient nach Abzug der Kosten zur Deckung der Forderungen 

desjenigen Gläubigers, an welchen die Abtretung stattgefunden hat, wobei ein all-

fälliger Überschuss an die Masse abzuliefern ist (Art. 260 Abs. 2 SchKG). Dabei 

ist es dem Abtretungsgläubiger anheimgestellt, wie viel er von der abgetretenen 

Forderung einklagen will. Er kann sich auf die Höhe der eigenen Konkursforde-

rung beschränken oder aber – im altruistischen Interesse der verzichtenden 

Gläubigermehrheit – einen höheren Betrag der abgetretenen Forderung (unter 

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entsprechendem Prozesskostenrisiko) geltend machen (BERTI, a.a.O., Art. 260 

N 55). 

In Bezug auf die Ansprüche der C._____ aus Auftragsrecht und aktienrechtlicher 

Verantwortlichkeit macht die Klägerin mithin ein fremdes Recht in eigenem Na-

men geltend, weshalb von einer Prozessstandschaft auszugehen ist. Entgegen 

der klägerischen Ansicht (act. 43 Rz. 9 f.) ist die Prozessführungsbefugnis (ge-

mäss Art. 260 SchKG) demnach eine von Amtes wegen zu prüfende Prozessvo-

raussetzung, deren Fehlen zu einem Nichteintretensentscheid (und keiner Klage-

abweisung) führen würde (vgl. BGE 121 III 488 E. 2; DOMEJ, in: KUKO ZPO, 

Art. 59 N 21 f.; ZÜRCHER, in: ZK ZPO, Art. 59 N 69).  

Die Klägerin hat eine ihr vom Konkursliquidator der C._____ ausgestellte Be-

scheinigung eingereicht, wonach ihr gestützt auf Art. 31 der (am 1. November 

2012 aufgehobenen) Bankenkonkursverordnung i.V.m. Art. 260 SchKG Ansprü-

che gegen die Zertifizierungsstelle B1._____ Switzerland SA, … [Adresse] abge-

treten wurden (act. 3/5). Die B1._____ Switzerland SA bestand im Abtretungs-

zeitpunkt nicht mehr, weil ihre Aktiven und Passiven am 21. Mai 2003 von der Be-

klagten übernommen worden waren (act. 3/9/1 S. 1 und 3). Auch hatte sie ihren 

Sitz nicht in Zürich, sondern in Basel (act. 3/10).  

Eine Abtretungserklärung gemäss Art. 260 SchKG ist im Zusammenhang mit der 

gerichtlichen Überprüfung der Prozessführungsbefugnis indessen sinngemäss 

nach den Regeln über die Auslegung von Willenserklärungen auszulegen. Dabei 

ist zu beachten, dass die gemäss Art. 260 SchKG abgetretenen Ansprüche in al-

ler Regel auf einer unklaren oder zumindest zweifelhaften Rechts(grund)lage be-

ruhen und definitionsgemäss strittig sind. Deshalb ist der Umfang der konkurs-

rechtlichen Abtretung in einem weiten Sinn zu verstehen, so dass all Dasjenige 

darunter zu subsumieren ist, was direkt oder sinngemäss dem der Masse mög-

licherweise zustehenden Aktivum als Vermögenswert entspricht (Urteil des Bun-

desgerichts 4A_381/2012 vom 8. November 2012 E. 3.2).  

Vorliegend wussten der Konkursliquidator und die weiteren beteiligten Personen 

bei der Ausstellung der Bescheinigung (act. 3/5) offenbar nichts von der Über-

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nahme bzw. dem Untergang der B1._____ Switzerland SA. Zudem hat die Be-

klagte als Rechtsnachfolgerin allfällige Verbindlichkeiten der B1._____ Switzer-

land SA ohnehin übernommen. Nach dem soeben erwähnten weiten Verständnis 

sind somit auch Ansprüche der C._____ gegenüber der Beklagten als Rechts-

nachfolgerin der B1._____ Switzerland SA von der Prozessführungsbefugnis er-

fasst. 

Durch die Bescheinigung vom 7. Mai 2010 (act. 3/5) und die gewährte Fristerstre-

ckung (act. 3/6) ist die Prozessführungsbefugnis der Klägerin genügend dargetan 

(BGE 111 II 81 E. 3c). Die Klägerin weist zutreffend darauf hin, dass dieser Be-

scheinigung auch entnommen werden kann, welchen weiteren Personen eine 

Prozessführungsermächtigung erteilt wurde (act. 43 Rz. 3; act. 3/5 S. 2). Lassen 

sich mehrere Gläubiger im Konkurs Ansprüche nach Art. 260 SchKG abtreten, 

bilden sie in dem Sinn eine notwendige Streitgenossenschaft, als der Richter die 

Klage eines einzelnen Gläubigers nicht beurteilen darf, solange nicht feststeht, 

dass kein anderer mehr klagen kann (BGE 121 III 488 E. 2d). Letzteres ist na-

mentlich der Fall, wenn sämtliche anderen Abtretungsgläubiger auf ihr Prozess-

führungsrecht verzichtet oder dieses auf die Klägerin übertragen haben (ZR 98 

[1999] Nr. 24). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass bei einer gültigen 

Abtretung der Konkursforderung das Prozessführungsrecht als Nebenrecht 

i.S.v. Art. 170 OR auf den Erwerber übergeht (BERTI, a.a.O., Art. 260 N 33, 40 mit 

Verweisungen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).  

Grundsätzlich kann das Gericht eine Abtretung befristen, wobei das Verpassen 

der Frist aber nicht den Wegfall des Prozessführungsrechts bewirkt, sondern hier-

für eine ausdrückliche Widerrufserklärung durch die Konkursverwaltung erforder-

lich ist. Auch ist normalerweise eine bedingte Annullierung der Abtretung für den 

Fall des unbenutzten Ablaufs der Frist unzulässig (BERTI, a.a.O., Art. 260 N 50 ff. 

mit weiteren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Weil vorlie-

gend kein solcher ausdrücklicher Widerruf der Prozessführungsbefugnis der wei-

teren Abtretungsgläubiger erfolgte und sich gewisse Fragen hinsichtlich der Zes-

sionen (act. 3/7/1-7) bzw. der Erklärung von E._____ aufdrängten (act. 3/8), hielt 

es das Gericht zunächst für erforderlich, genauere Abklärungen in Bezug auf die 

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klägerische Prozessführungsbefugnis zu treffen (vgl. Prot. S. 18 f.; act. 40). Zu 

beachten ist indessen, dass die vorliegende Abtretung erwähntermassen in An-

wendung von Art. 31 Abs. 1 der mittlerweile aufgehobenen Bankenkonkursver-

ordnung erfolgte. Im Unterschied zum soeben erläuterten Normalfall (ausserhalb 

des Anwendungsbereichs der Bankenkonkursverordnung) bestimmt der Kon-

kursliquidator gemäss dieser Bestimmung zwingend die Frist, innert welcher der 

Abtretungsgläubiger den Rechtsanspruch gerichtlich geltend machen muss, wo-

bei die Abtretung bei unbenutztem Fristablauf dahinfällt. Nachdem vorliegend un-

bestritten ist, dass lediglich die Klägerin eine Fristerstreckung beantragt und be-

willigt erhalten hatte (act. 44/1 S. 2), verfügen die weiteren Abtretungsgläubiger 

nach dem Gesagten über kein Prozessführungsrecht mehr; daran vermögen auch 

"Abtretungen" nichts zu ändern. Somit ist die Klägerin alleine zur Prozessführung 

berechtigt. Weiterungen erübrigen sich vor diesem Hintergrund. 

1.3. Anwendbares Prozessrecht 

Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) in Kraft ge-

treten. Da die Klage mit Eingabe vom 11. Oktober 2011 (Datum Poststempel) 

eingereicht worden ist (act. 1), ist das neue Prozessrecht anwendbar (vgl. Art. 404 

ZPO e contrario). 

2. Namens der Klägerin geltend gemachter Anspruch der C._____ gegen die 
Beklagte auf Schadenersatz aus Auftrag 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Der C._____ Investment AG wurde am 5. Dezember 2000 das erwähnte Zertifikat 

(act. 3/14) ausgestellt (act. 1 Rz. 13; act. 9 Rz. 19). Ferner erfolgte am 

12. Februar 2002 ein Überwachungsaudit, worüber die am 24. Juni 2003 von der 

Beklagten übernommene B1._____ Switzerland SA am 30. März 2002 einen (Au-

dit-)Bericht verfasste (act. 3/16). Aus diesem Bericht zitiert die Klägerin folgende 

Schlussbemerkung: "Die C._____ Investment AG setzt ihr QM-System den Vor-

gaben entsprechend um und erfüllt alle Anforderungen zur Aufrechterhaltung des 

Zertifikats" (act. 1 Rz. 14). Weitere Überwachungsaudits fanden nicht statt (act. 1 

Rz. 15; act. 9 Rz. 19 f.). 

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Das Zustandekommen eines Auftrags im Zusammenhang mit der Zertifizierung 

der C._____ (vgl. zum Zertifikat die Ausführungen im Abschnitt Sachverhaltsüber-

sicht hiervor; act. 3/14) ist zwischen den Parteien unbestritten (act. 1 Rz. 12 ff.; 

act. 9 Rz. 19). Sodann waren jährliche Überwachungsaudits vorgesehen, um die 

Aufrechterhaltung des Managementsystems zu kontrollieren (act. 9 Rz. 10.2).  

Die Parteien sind sich weiter darin einig, dass die Anleger der C._____ durch das 

erwähnte Schneeballsystem um ihr Geld betrogen wurden und dass dieser Betrug 

teilweise in die Zeitspanne fiel, während welcher die C._____ zertifiziert war. In 

die betrügerischen Machenschaften verwickelt waren neben der spanischen 

D._____ auch der Hauptaktionär der C._____, F._____, sowie G._____ als ein-

zelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der C._____ und die ebenfalls mit 

Einzelprokura für die C._____ ausgestattete Mitarbeiterin H._____ (vgl. act. 3/3). 

F._____, welcher durch H._____ über sämtliche Angelegenheiten der C._____ in-

formiert wurde, hatte die Fäden der Gesellschaft in der Hand, während G._____ 

und H._____ als seine internen Handlanger fungierten, indem sie seine Weisun-

gen entgegen nahmen und auch solche nach Spanien weiterleiteten (act. 1 

Rz. 19, 23; act. 23 Rz. 31). 

2.2. Streitpunkte 

Unter den Parteien ist strittig, welche Anforderungen das zu überprüfende Mana-

gementsystem für eine ISO-Zertifizierung erfüllen musste und wie weit die ent-

sprechenden Prüfungspflichten der Zertifizierungsstelle gingen. Die Klägerin führt 

im Wesentlichen aus, der Verwaltungsrat der C._____ habe die eigentliche opera-

tionelle Tätigkeit an die D._____ übertragen, ohne deren Tätigkeit je wirklich 

überprüft zu haben. Ein Verwaltungsrat der C._____, I._____, sei zwar bei der 

D._____ in Spanien zu Besuch gewesen. Abgesehen von der Übergabe der Fir-

menbroschüre der D._____ sei der Besuch aber mehr sozialer als geschäftlicher 

Natur gewesen und eine richtige Überprüfung der D._____ habe nie stattgefun-

den. Mangels Vorgaben der Beklagten für ein angemessenes Qualitätsmanage-

mentsystem sowie mangels Richtlinien oder Reglemente hinsichtlich Risikoein-

schätzung bzw. Risikobeseitigung hätten weder die Verwaltungsräte noch der 

Geschäftsführer einen Anlass erkannt zu überprüfen, ob mit dem Geld, welches 

- 13 - 

sie an die spanische D._____ überwiesen hätten, überhaupt Devisengeschäfte 

getätigt worden seien. Sie hätten entsprechend nicht wie erforderlich stichpro-

benweise Unterlagen, Bankauszüge, tagesaktuelle Belege oder dergleichen ein-

gefordert. Die Beklagte habe diesen Mangel weder festgestellt noch gerügt. Um 

den Anforderungen an ein zu zertifizierendes Qualitätsmanagementsystem zu 

genügen, hätte die Beklagte sicherstellen müssen, dass die C._____ die D._____ 

regelmässig und wirksam überwache. Dazu hätte ganz besonders gehört, nach 

Zufallsprinzip immer wieder sehr kurzfristige Anfragen über die Anlagetätigkeit 

und die bei der D._____ geführten Konten zu stellen, und sich nur mit belegten 

Antworten zufrieden zu geben. Nur so könne Gewähr dafür geboten werden, dass 

die Einlagen auch nicht kurzfristig sachenentfremdet verwendet würden, dass al-

so nicht einmal veruntreuungsähnliche Handlungen stattfinden würden (act. 1 

Rz. 44 ff.; act. 23 Rz. 126).  

Nach Ansicht der Klägerin wäre bei richtiger Auftragserfüllung die Betrügerei be-

reits vor Dezember 2000 aufgeflogen. Damit hätten die wirtschaftlich Berechtigten 

und die Mitarbeiter der C._____ nicht noch weitere drei Jahre bis zur Selbstanzei-

ge unzählige Anleger gewinnen und deren Geld in Spanien verlieren und damit 

eine Schadenersatzpflicht von rund CHF 47 Mio. generieren können (act. 1 

Rz. 81). Die Beklagte hätte den Vertrag korrekt erfüllt, wenn die C._____ nicht 

zertifiziert worden wäre bzw. das zu Unrecht erteilte Zertifikat rechtzeitig entzogen 

worden wäre (act. 23 Rz. 153). Ohne das vertrauensbildende quasi staatliche Gü-

tesiegel der Beklagten hätten die meisten Anleger gar keine oder geringere Anla-

gen gemacht; das aufgrund der Zertifizierung höhere Anlagevolumen habe zu ei-

ner grösseren Veruntreuung und damit einem grösseren Schaden geführt 

(vgl. u.a. act. 1 Rz. 27; act. 23 Rz. 45 ff., 54 f., 64 ff., 89 f., 110 f.). 

Die Beklagte verneint ihre Passivlegitimation bzw. bestreitet, in einer Vertragsbe-

ziehung mit der C._____ gestanden zu haben. Sie macht geltend, Vertragspartner 

der C._____ seien die B2._____ Services SA (betreffend die Ausstellung des Zer-

tifikats) und die B1._____ Switzerland SA (betreffend den Überwachungsaudit) 

gewesen. Ferner verneint die Beklagte das Vorliegen einer Vertragsverletzung, 

eines Schadens, eines adäquaten Kausalzusammenhangs sowie eines Verschul-

- 14 - 

dens. Betreffend die Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs führt die 

Beklagte namentlich aus, die C._____ Investment AG sei zu Schaden gekommen, 

weil sie betrogen und ihre Gelder veruntreut worden seien. Eventualiter sei davon 

auszugehen, dass die Kausalität durch das pflichtwidrige Verhalten der Organe 

der C._____ unterbrochen worden sei (act. 9 Rz. 70). Hinsichtlich des Schadens 

erklärt die Beklagte insbesondere, dieser werde von der Klägerin ungenügend 

behauptet und nachgewiesen (vgl. u.a. act. 9 Rz. 10.3). Schliesslich stellt sich die 

Beklagte auf den Standpunkt, allfällige Ansprüche wären ohnehin verjährt.  

Auf die Ausführungen der Parteien ist im Rahmen der Subsumtion näher einzu-

gehen, soweit es sich als erforderlich erweist. 

2.3. Rechtliches 

2.3.1. Beweislast und damit einhergehende Obliegenheiten im Allgemeinen 

Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei das 

Vorhandensein einer Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte ableitet. Grund-

sätzlich ist das Verhältnis der anwendbaren materiellen Normen für die Beweis-

lastverteilung massgebend. Dieses bestimmt im Einzelfall, ob eine rechtsbegrün-

dende, rechtsaufhebende bzw. rechtsvernichtende oder rechtshindernde Tatsa-

che zu beweisen ist. Wer einen Anspruch geltend macht, hat die rechtsbegrün-

denden Tatsachen zu beweisen. Demgegenüber liegt die Beweislast für rechts-

vernichtende oder rechtshindernde Tatsachen bei der Partei, welche den Unter-

gang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit 

bestreitet (BGE 128 III 271 E. 2aa). 

Die beweisbelastete Partei hat die zu beweisenden Tatsachen zu behaupten, 

weshalb mit der Beweislast die Behauptungslast einhergeht. Die beweisfreie Par-

tei trifft hingegen die Bestreitungslast. Ein Aspekt der Behauptungs- ist die Sub-

stanzierungslast. Die Anforderungen an eine rechtsgenügende Substanzierung 

ergeben sich sowohl aus den Tatbestandsmerkmalen der angerufenen Norm als 

auch aus dem prozessualen Verhalten der Gegenpartei. Bestreitet der Prozess-

gegner das an sich schlüssige Vorbringen der behauptungsbelasteten Partei, 

- 15 - 

kann diese gezwungen sein, die rechtserheblichen Tatsachen nicht nur in den 

Grundzügen, sondern umfassend darzulegen. Tatsachenbehauptungen sind da-

bei immer so konkret zu formulieren, dass sie einerseits ohne Weiteres als Be-

weissatz formuliert und in eine allfällige Beweisverfügung aufgenommen werden 

können, und andererseits substanziertes Bestreiten möglich ist bzw. der Gegen-

beweis angetreten werden kann. 

Wird dem Gebot der Substanzierung ungenügend nachgelebt, ergeht ein Sach-

entscheid ohne Beweisabnahme, weil die behauptete Tatsache von Anfang an so 

behandelt wird, wie wenn sie beweislos wäre. Das Gericht kann einen Sachver-

halt nur erfragen, wenn dieser zumindest andeutungsweise behauptet worden ist. 

Zudem entfällt die richterliche Fragepflicht zum Vornherein, wenn die Gegenpartei 

auf eine ungenügende Substanzierung hinweist (HEIERLI/SCHNYDER, in: BSK OR I, 

Art. 42 N 3; Urteil des Bundesgerichts 4C.225/2006 vom 20. September 2006 

E. 2.4; SCHMID/LARDELLI, in: BSK ZGB I, Art. 8 N 29 u. 33; WILLISEGGER, 

BSK ZPO, Art. 221 N 29 f.; BGE 127 III 365 E. 2b und 2c; BGE 108 II 337 E. 3; 

Urteil des Bundesgerichts A_144/2009 vom 6. Oktober 2009 E. 3). 

Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO statuiert sodann das Prinzip der Beweisverbindung, wo-

nach die Klage die Bezeichnung der einzelnen Beweismittel zu den behaupteten 

Tatsachen zu enthalten hat. Dabei ist ein Beweismittel nur dann als formgerecht 

angeboten zu betrachten, wenn sich die Beweisofferte eindeutig der damit zu be-

weisenden Tatsachenbehauptung zuordnen lässt und umgekehrt. In der Regel 

sind die einzelnen Beweisofferten unmittelbar im Anschluss an die Tatsachenbe-

hauptungen aufzuführen, die damit bewiesen werden sollen. Mangels solcher 

Beweisofferten der beweisbelasteten Partei unterbleibt eine Beweisabnahme 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013 E. 4.4). Die Be-

weismittel sind vor Aktenschluss zu nennen, und ein späteres Nachreichen ist nur 

möglich, soweit noch neue Tatsachen und Beweismittel in den Prozess eingeführt 

werden können (LEUENBERGER, in: ZK ZPO, Art. 221 N 51 f.). 

- 16 - 

2.3.2. Handeln für eine juristische Person durch formelle und faktische Organe 

Juristische Personen handeln gemäss Art. 55 ZGB durch ihre Organe. Nach der 

Realitätstheorie beschränkt sich die Zurechnung des Organhandelns nicht auf 

den rechtsgeschäftlichen Bereich, sondern auch das ausserrechtsgeschäftliche 

Verhalten der Organe gilt als Handeln der juristischen Person, soweit es um 

Handlungen geht, welche bei objektiver Würdigung in den Rahmen der jeweiligen 

Organbefugnisse fallen bzw. mit diesen in einem funktionellen Zusammenhang 

stehen (HUEGENIN/REITZE, in: BSK ZGB I, Art. 54/55 N 7 und 28). 

Formelle Organe sind Personen, die de forma zur Erfüllung gesellschaftlicher 

Aufgaben berufen werden (HUEGENIN/REITZE, a.a.O., Art. 54/55 N 13). Dabei han-

delt es sich namentlich um die Mitglieder des Verwaltungsrats und Personen, die 

im Sinne von Art. 716b OR formell mit der Geschäftsführung betraut und in dieser 

Funktion im Handelsregister eingetragen sind (VON DER CRONE, Aktienrecht, Bern 

2014, 726). Im Hinblick auf das Verbot des venire contra factum proprium (in 

Art. 2 Abs. 2 ZGB enthaltenes Verbot widersprüchlichen Verhaltens) muss sich 

die juristische Person diese Personen auch dann als "Organe" anrechnen lassen, 

wenn ihnen faktisch keine (Exekutiv-)Organfunktionen zukommen (vgl. RIEMER, in: 

BK ZGB Art. 54/55 N 27).  

Nach Massgabe des funktionellen Organbegriffs, welcher von Lehre und Recht-

sprechung vorwiegend im Zusammenhang mit Art. 754 aOR entwickelt worden 

war, sind als Organe auch Personen anzusehen, die de facto Leitungsfunktionen 

wahrnehmen bzw. effektiv und in entscheidender Weise an der Willensbildung 

teilhaben, indem sie Organen vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentli-

che Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft  

massgebend mitbestimmen. Schliesslich kann eine Organstellung auch auf einer 

Mitteilung oder konkludenten Handlung beruhen (Organstellung infolge Kundga-

be).  

Eine vereinzelte Vornahme von Handlungen, welche der Geschäftsleitung vorbe-

halten sind, begründet noch keine faktische Organstellung. Vielmehr muss eine 

dauernde Zuständigkeit für gewisse, das Alltagsgeschäft generell übersteigende 

- 17 - 

Entscheide in eigener Verantwortung gegeben sein, die sich spürbar auf das Ge-

schäftsergebnis auswirken (HUEGENIN/REITZE, a.a.O., Art. 54/55 N 13 mit Verweis 

auf BGE 128 III 29). Es bedarf mithin eines konkreten, eine gewisse Zeit andau-

ernden und nachhaltigen Einflusses der betreffenden Person auf die Geschäfts-

führung. Ein bloss geringer Einfluss, z.B. derjenige eines Beraters auf einen ein-

zelnen Entscheid, oder die Mitwirkung in untergeordneter Rolle begründen keine 

faktische Organstellung (VON DER CRONE, a.a.O., 726). Damit sind Personen, die 

blosse Mithilfe bei der Entscheidung leisten bzw. technische, kaufmännische oder 

juristische Grundlagen für Beschlüsse beisteuern, nicht als faktische Organe zu 

qualifizieren; sie beeinflussen die Willensbildung der Gesellschaft nicht in "organ-

typischer" Weise (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich 

vom 13. September 2013, AK.2012.0001, E. 5.3.1). 

2.3.3. Voraussetzungen für eine Haftung des Beauftragten im Überblick 

Durch die Annahme eines Auftrags verpflichtet sich der Beauftragte, die ihm über-

tragenen Geschäfte oder Dienste vertragsgemäss zu besorgen (Art. 394 Abs. 1 

OR). Gemäss Art. 97 Abs. 1 OR i.V.m. Art. 398 Abs. 2 OR haftet der Beauftragte 

dem Auftraggeber für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen 

Geschäfts. Für einen Schadenersatzanspruch ergeben sich somit kumulativ fol-

gende Voraussetzungen: Vertragsverletzung, Schaden, natürlicher und adäquater 

Kausalzusammenhang sowie Verschulden (HUEGENIN, Obligationenrecht Allge-

meiner und Besonderer Teil, Zürich/Basel/Genf 2012, N 3264). 

2.3.4. Vertragsverletzung 

Der Nachweis der (quantitativ und qualitativ) richtigen Erfüllung des Vertrags ob-

liegt zwar grundsätzlich dem Schuldner, wobei bei vorbehaltloser Annahme der 

Leistung durch den Gläubiger aber eine Beweislastumkehr erfolgt (Urteil des 

Bundesgerichts 4C.131/2000 vom 24. April 2001 E. 4b; WEBER, in: BK OR I 

Art. 97 N 317; derselbe, in: BSK OR I, Art. 394 N 41 mit Verweis auf SJZ 1996, 

441; SCHWENZER, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 6. Aufl., 

Bern 2012, N 76.01 f.). Bei Vertragsverletzungen gelten indessen – abgesehen 

vom Exkulpationsbeweis des Schuldners (Art. 97 Abs. 1 OR) – die Beweislastre-

- 18 - 

geln des Deliktsrechts (Art. 99 Abs. 3 OR), weshalb das Vorliegen einer Vertrags-

verletzung bzw. einer Sorgfaltswidrigkeit durch den Gläubiger zu behaupten und 

zu belegen ist (WEBER, in: BSK OR I, Art. 398 N 32; derselbe, in: BK OR I Art. 97 

N 316 f.). 

2.3.5. Schaden 

Der Schaden wird allgemein definiert als eine unfreiwillige Vermögensminderung, 

die in der Verminderung der Aktiven, der Vermehrung der Passiven oder im ent-

gangenen Gewinn bestehen kann. Diese unfreiwillige Vermögensminderung ent-

spricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem hy-

pothetischen Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte 

(OFTINGER/STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, Zürich 

1995, § 2 N 9).  

Nach der erwähnten allgemeinen Beweislastverteilungsregel sind sowohl die Ent-

stehung als auch die Höhe des Schadens vom ersatzberechtigten Gläubiger zu 

beweisen (WEBER, in: BK OR I, Art. 97 N 323) und damit (vorab) auch zu behaup-

ten. Wenn die Gegenpartei einen pauschal behaupteten Totalschaden bestreitet, 

muss die Klägerin nach dem Gesagten diese pauschale Behauptung in Einzeltat-

sachen zergliedern und konkrete Umstände darlegen, aus welchen Schadenspo-

sitionen sich der Totalschaden ergibt (BGE 127 III 365 E. 2.b; vgl. auch GLASL, in: 

DIKE-Komm-ZPO, Art. 55 N 22). Dabei gehört nur zum Behauptungsfundament, 

was die Parteien in ihren Parteivorträgen ausführen; blosse Verweise auf Beila-

gen sind ungenügend (GLASL, a.a.O., Art. 55 N 26). 

Ein Kollokationsplan gibt lediglich darüber Auskunft, wie die von den Gläubigern 

geltend gemachten Forderungen bestandes-, betrags- und rangmässig im Kon-

kurs der Gemeinschuldnerin zu behandeln sind. Eine über das konkrete Konkurs-

verfahren hinausgehende materiellrechtliche Bedeutung kommt der Kollokation 

indessen nicht zu. So ist eine (definitive) Kollokation einer Gläubigerforderung 

nicht geeignet, in einem aktienrechtlichen Verantwortlichkeitsprozess einen Ge-

sellschaftsschaden zu substanzieren (Urteil des Bundesgerichts 4C.275/2000 

vom 24. April 2001 E. 3a). Besteht der geltend gemachte Gesellschaftsschaden in 

- 19 - 

der Vergrösserung der Verschuldung der Konkursitin, welche durch eine verspä-

tete Konkurserklärung entstanden sein soll, so ist die tatsächlich eingetretene 

Überschuldung der Konkursitin mit jener zu vergleichen, die bei einem Konkurs 

zum früheren Zeitpunkt bestanden hätte. Die Gesamtheit der rechtskräftig kollo-

zierten Forderungen bildet aber keine bundesrechtlich verbindliche Grundlage, die 

der Schadensberechnung zugrunde zu legen wäre (vgl. BGE 132 III 342 E. 2.3.3 

im Rahmen der Prüfung einer Verantwortlichkeitsklage). Dies muss nicht nur für 

einen aktienrechtlichen Verantwortlichkeitsprozess gelten, sondern allgemein für 

einen Forderungsprozess. 

Art. 42 Abs. 2 OR enthält eine bundesrechtliche Beweisvorschrift, die dem Ge-

schädigten den Schadensnachweis erleichtern soll. Sie räumt dem Sachgericht 

für Fälle, in denen der strikte Nachweis des Schadens ausgeschlossen ist, einen 

erweiterten Ermessensspielraum ein, indem sie ihm gestattet, den Schaden auf-

grund einer blossen Schätzung als ausgewiesen zu erachten. Diese Schadens-

bestimmung nach richterlichem Ermessen bildet indessen die Ausnahme gegen-

über einer genauen Berechnung und ist daher nur zulässig, sofern eine zahlen-

mässige, auf reale Daten gestützte Berechnung für den Geschädigten tatsächlich 

nicht möglich oder unzumutbar ist.  

Entsprechend setzt das Bundesgericht die Hürden zur Anwendung der richterli-

chen Schadensschätzung hoch an (HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 42 N 10 und 

10b) und hat mit Entscheid vom 4. Juni 1996 zum wiederholten Mal festgehalten, 

dass Art. 42 Abs. 2 OR nicht etwa darauf abzielt, dem Geschädigten die Beweis-

last generell abzunehmen. Vielmehr hat der Geschädigte alle Umstände, die für 

den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder er-

leichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten – Art. 42 Abs. 2 OR enthebt 

den Geschädigten auch nicht seiner Substanzierungsobliegenheit – und zu be-

weisen. Demnach müssen die vom Geschädigten vorgebrachten Umstände ge-

eignet sein, den Bestand des Schadens hinreichend zu belegen und seine Grös-

senordnung fassbar werden zu lassen. In diesem Sinne muss sich der Schluss, 

dass tatsächlich ein Schaden vom behaupteten ungefähren Umfang eingetreten 

ist, dem Gericht mit einer gewissen Überzeugungskraft aufdrängen. Die Zuspre-

- 20 - 

chung von Schadenersatz setzt voraus, dass der Eintritt des geltend gemachten 

Schadens nicht bloss im Bereich des Möglichen liegt, sondern als annähernd si-

cher erscheint (vgl. BGE 122 III 219 E. 3a).  

Keine Berufung auf Art. 42 Abs. 2 OR ist möglich, wenn der konkrete Schadens-

nachweis zwar unmöglich ist, diese Unmöglichkeit aber in den Verantwortungsbe-

reich des Beweispflichtigen fällt. Schliesslich hat die beweisbelastete Partei taug-

liche Beweisanträge zur bestmöglichen Feststellung des Schadens zu stellen 

(HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 42 Rz. 10b). 

2.3.6. Kausalzusammenhang zwischen Vertragsverletzung und Schaden 

Zwischen Vertragsverletzung und Schadenseintritt muss ein besonderer Kausal-

nexus bestehen, wobei zwischen natürlichem und adäquatem Kausalzusammen-

hang zu unterscheiden ist. Mit dem Kriterium der Adäquanz wird eine Ausuferung 

des Verantwortlichkeitsbereichs des Schuldners verhindert (WEBER, in: BK OR I, 

Art. 97 N 217, 219 und 225; kritisch zur Adäquanztheorie REY, Ausservertragli-

ches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, N 545 ff., nach welchem 

neben dem Kriterium der Adäquanz auch jenes des Normzwecks anzuwenden ist; 

vgl. auch SCHWENZER, a.a.O., N 19.07 ff.).  

Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn das schädigende Ver-

halten eine notwendige Bedingung bildet (condicio-sine-qua-non) bzw. nicht weg-

gedacht werden könnte, ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele. Adäquat 

ist der Kausalzusammenhang dann, wenn das betreffende Ereignis nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich ge-

eignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt 

des Erfolgs also durch das Ereignis als allgemein begünstigt erscheint. Bei Unter-

lassungen ist zu prüfen, ob der Schaden nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und der allgemeinen Lebenserfahrung nicht eingetreten wäre, hätte die Schädige-

rin die rechtlich gebotene Handlung vorgenommen (condicio-cum-qua-non-

Formel; HUEGENIN, a.a.O., N 119 ff.). Die Wertung hinter der Adäquanzformel 

fragt danach, ob es aufgrund der Umstände des Einzelfalls und mit Blick auf den 

Zweck der anwendbaren Haftungsnorm recht und billig ist, dass die Schädigung 

- 21 - 

dem Haftpflichtigen zugerechnet wird (GAUCH/SCHLUEP et al., OR AT Band II, 

10. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, N 2949). 

Mit der Einwendung des rechtmässigen Alternativverhaltens kann der Schädiger 

geltend machen, der Schaden wäre auch dann entstanden, wenn er sich recht-

mässig verhalten hätte. Damit wird das Bestehen des natürlichen Kausalzusam-

menhangs bestritten (HUEGENIN, a.a.O., N 1937). Nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts ist der entsprechende Beweis strikt zu erbringen (BGE 131 III 115 

E. 3.3; a.A. BREHM, BK OR I, Art. 41 N 149i). Oft steht besagter Einwand im Zu-

sammenhang mit einer pflichtwidrigen Unterlassung. In solchen Fällen ist zweifel-

haft, ob der natürliche Kausalzusammenhang i.S. des condicio-cum-qua-non-

Konzepts gegeben ist (REY, a.a.O., N 645). 

Ausnahmsweise vermag das Verhalten des Geschädigten oder eines Dritten den 

adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Verhalten des Schädi-

gers zu beseitigen. Eine solche Unterbrechung des Kausalzusammenhangs ist 

aber erst dann anzunehmen, wenn eine weitere kausale Ursache bei wertender 

Betrachtung als derart intensiv erscheint, dass sie die andere gleichsam verdrängt 

und als unbedeutend erscheinen lässt. Normalerweise wird der Kausalzusam-

menhang selbst dann nicht unterbrochen, wenn das Verschulden des Geschädig-

ten grösser ist als dasjenige des Schädigers. Das Verschulden muss demnach 

grob sein und derart ausserhalb des normalen Geschehens liegen, dass damit 

nicht zu rechnen war. Ein gewöhnliches Selbstverschulden des Geschädigten, 

das ebenfalls adäquate Ursache des Schadens bildet, ist nur als Ermässigungs-

grund hinsichtlich des Schadenersatzes gemäss Art. 99 Abs. 3 i.V.m. Art. 44 

Abs. 1 OR zu berücksichtigen, während ein gewöhnliches Drittverschulden in der 

Regel nicht einmal als Reduktionsgrund bei der Schadenersatzbemessung in Be-

tracht gezogen werden kann. Eine grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die ele-

mentarsten Vorsichtsgebote ausser Acht gelassen werden bzw. Massnahmen 

nicht ergriffen werden, die jedem verständigen Menschen in der gleichen Lage 

und unter den gleichen Umständen hätten einleuchten müssen (vgl. zudem die 

Ausführungen unter Ziff. 2.3.7. hiernach betreffend die Haftungsvoraussetzung 

des Verschuldens). Neben grobem Selbst- und Drittverschulden kommt auch hö-

- 22 - 

here Gewalt als Unterbrechungsgrund in Frage. Darunter ist ein unvorhersehba-

res, aussergewöhnliches Ereignis zu verstehen, das mit unwiderstehlicher Kraft 

von aussen hereinbricht (GAUCH/SCHLUEP et al., a.a.O., N 2949 f.; HEIER-

LI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 41 N 21 und 49; WEBER, in: BK OR I, Art. 97 N 248 f.; 

REY, a.a.O., N 560 ff.; BGE 116 II 519 E. 4b).  

Nach der erwähnten allgemeinen Beweislastverteilungsregel trägt der Gläubiger 

die Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang, wobei an den Beweis 

keine allzu strengen Anforderungen gestellt werden dürfen; der Nachweis über-

wiegender Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Kausalverlaufs genügt, wenn ein 

direkter Beweis nach der Natur der Sache nicht geführt werden kann. Die Beurtei-

lung des adäquaten Kausalzusammenhangs unterliegt hingegen als Rechtsfrage 

nicht dem Beweis durch die Parteien, wobei i.d.R. aber Indizien zur Adäquanz 

vorzubringen sind (GAUCH/SCHLUEP et al., a.a.O., N 2959; WEBER, in: BK OR I, 

Art. 97 N 326 f). Das Vorliegen von Unterbrechungsgründen ist indessen vom 

Schuldner zu beweisen (REY, a.a.O., N 558). 

Grundsätzlich erfolgt die Prüfung der Kausalität erst nach Prüfung und Bejahung 

einer Vertragsverletzung (und eines Schadens), damit ein Vergleich der als adä-

quat befundenen Ursache(n) mit derjenigen Ursache erfolgen kann, die einen Un-

terbrechungsgrund darstellen könnte, wobei die Ursachen hinsichtlich Intensität 

und Wesentlichkeit gegeneinander abzuwägen sind (vgl. REY, a.a.O., N 557). Ei-

ne direkte Bejahung eines Unterbrechungsgrunds – ohne die vorgängige Prüfung 

der Vertragsverletzung und der grundsätzlichen Adäquanz – kann aber aus-

nahmsweise (aus prozessökonomischen Gründen) erfolgen, wenn das grobe 

Selbst- bzw. Drittverschulden besonders gross ist, so, dass die Unterbrechung 

des Kausalzusammenhangs unabhängig von der Intensität und Wesentlichkeit 

der Vertragsverletzung gegeben ist. In diesem Fall kann auf die genannte Abwä-

gung verzichtet werden, und es erübrigen sich Weiterungen. 

2.3.7. Verschulden 

Ein Verschulden (vgl. für den Auftrag Art. 398 Abs. 1 OR) liegt vor, wenn die Ver-

tragsverletzung der Schuldnerin vorwerfbar ist. Das Verschulden wird vermutet, 

- 23 - 

weshalb sich die Schuldnerin von der Haftung nur befreien kann, wenn ihr der Ex-

kulpationsbeweis gelingt. Verschulden setzt einerseits Urteilsfähigkeit und ande-

rerseits Vorsatz (direkten Vorsatz oder Eventualvorsatz) oder Fahrlässigkeit vo-

raus. Es wird zwischen grober ("Wie konnte sie nur!"), leichter ("Sie hätte schon 

sollen" oder "Das kann passieren") und mittlerer Fahrlässigkeit unterschieden. Im 

Gegensatz zum Strafrecht gilt ein objektivierter Fahrlässigkeitsbegriff: Das Mass 

der erforderlichen Sorgfalt ergibt sich aus dem Verhalten, das ein vernünftiger 

Mensch in der jeweiligen Situation (unter Berücksichtigung des fachspezifischen 

Durchschnittsverhaltens) an den Tag legen würde. Ein Übernahmeverschulden 

liegt vor, wenn jemand eine Tätigkeit ausübt, von der er weiss oder wissen müss-

te, dass er den damit verbundenen Anforderungen nicht gewachsen ist 

(HUEGENIN, a.a.O., N 892 ff. und 3266). 

2.4. Subsumtion 

2.4.1. Vorgehensweise 

Unter den Parteien ist erwähntermassen strittig, welche Anforderungen das zu 

überprüfende Managementsystem für eine ISO-Zertifizierung erfüllen musste und 

wie weit die entsprechenden Prüfungspflichten der Zertifizierungsstelle gingen. 

Mit der Beklagten ist davon auszugehen, dass die Prüfung dieser Frage nicht aus 

heutiger Sicht erfolgen darf, sondern auf die Verhältnisse bzw. geltenden Normen 

zum Zeitpunkt der Zertifizierung der C._____ abzustellen ist (vgl. act. 28 S. 2). 

Der genaue Inhalt des Vertrags (namentlich die konkreten Prüfungspflichten), in 

dessen Rahmen die Zertifizierung der C._____ stattfand, ist nach der allgemeinen 

Beweislastverteilungsregel von der Klägerin zu behaupten und zu beweisen. 

Nach dem Gesagten ist die Klägerin auch betreffend die (erst Jahre später gel-

tend gemachte) Vertragsverletzung, den Schaden und den Kausalzusammen-

hang behauptungs- und beweispflichtig, während der Beklagten in erster Linie der 

Exkulpationsbeweis obliegt.  

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit sämtlichen Parteibehauptungen bzw. ge-

gebenenfalls ein in zeitlicher und finanzieller Hinsicht aufwändiges Beweisverfah-

ren betreffend den Vertragsinhalt und die Vertragsverletzung hat mit Blick auf die 

- 24 - 

Prozessökonomie indessen zu unterbleiben, wenn die Klage aus anderen Grün-

den abzuweisen ist. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, scheitert die Klage 

unabhängig von der Frage, ob die Beklagte die Klägerin richtig zertifiziert hat, be-

reits daran, dass die Voraussetzungen eines Kausalzusammenhangs und eines 

Schadens zu verneinen sind. 

2.4.2. Kein Kausalzusammenhang zwischen einer allfälligen Vertragsverletzung 

der Beklagten und einem möglichen Schaden der C._____ 

2.4.2.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass bereits vor Dezember 2000 die 

ungenügende Kompetenz des Managements, die fehlenden internen Überwa-

chungsmechanismen sowie die Unterstellungspflicht gemäss Bankengesetz – und 

damit auch die Betrügerei – aufgeflogen wären, wenn die Beklagte ihren Sorg-

faltspflichten nachgekommen wäre (act. 1 Rz. 81). Betreffend die Höhe bzw. Ver-

grösserung des Schadens macht die Klägerin geltend, es sei sehr wahrscheinlich, 

dass ohne die ISO-Zertifizierung die Investitionen in die C._____ geringer gewe-

sen wären (act. 23 Rz. 47, 54). 

Die Beklagte wirft die Frage auf, wie die Zertifizierungsgesellschaft einen Betrug 

hätte erkennen sollen, der nach klägerischer Darstellung selbst für den Verwal-

tungsrat und die Geschäftsführung nicht erkennbar gewesen sei. Die ISO-

Zertifizierung könne kriminelle Machenschaften, welche nicht zu den üblichen Ri-

siken gehören würden, nicht verhindern (act. 28 Rz. 9, 26). Die Beklagte verweist 

ferner u.a. auf Art. 4.6 sowie 12.3 ihrer AGB (act. 9 Rz. 40 f.). Die grundsätzliche 

Geltung dieser AGB (Stand: Juni 2010; act. 3/11) bzw. das Bestehen der darin 

enthaltenen Mitwirkungspflichten der zu zertifizierenden Gesellschaft wird von der 

Klägerin nicht bestritten (act. 23 Rz. 107). 

Art. 4.6 AGB hat folgenden Wortlaut:  

"Der Kunde informiert B._____ unverzüglich über alle Änderungen betrieblicher 

Gegebenheiten, die sich auf das Managementsystem, die Dienstleistungen, die 

Produkte, die Prozesse oder Art und Umfang der Geschäftstätigkeit des Kunden 

- 25 - 

auswirken können. Verstösse gegen diese Informationspflicht können den Entzug 

des Zertifikats nach sich ziehen. Darüber hinaus ist der Kunde verpflichtet, 

B._____ über Abweichungen zu informieren, die im Rahmen von internen Audits 

durch den Kunden, seine Geschäftspartner oder öffentliche Behörden festgestellt 

werden." (act. 3/11 S. 1)  

Art. 12.3 AGB lautet sodann wie folgt: 

"Die Berichte und Zertifikate werden auf Grundlage der vom Kunden oder in sei-

nem Auftrag überlassenen Informationen und Dokumente erstellt und dienen aus-

schliesslich dem Nutzen des Kunden. Weder B._____ noch ihre leitenden Ange-

stellten, Mitarbeiter oder Unterauftragnehmer sind gegenüber dem Kunden oder 

Dritten verantwortlich für: [1] jede Art von Handlungen, welche auf Grundlage von 

Berichten und/oder Zertifikaten getroffen oder unterlassen worden sind, [2] fälsch-

licherweise ausgestellte Zertifikate, die auf vom Kunden übermittelten unklaren, 

falschen, unvollständigen oder irreführenden Informationen beruhen." (act. 3/11 

S. 3) 

2.4.2.2. Kausalzusammenhang im vorliegenden Fall 

Der klägerische Schluss, wonach der Betrug bei Anwendung der erforderlichen 

Sorgfalt durch die Beklagte bereits vor der Zertifizierung entdeckt worden wäre, 

drängt sich nicht auf. So ist zum Beispiel nicht davon auszugehen, dass allfällige 

durch die Zertifizierungsstelle festgestellten Mängel ohne Weiteres eine Anzeige 

bei der EBK zur Folge gehabt hätten. Eine entsprechende Anzeigepflicht der Zer-

tifizierungsstelle ist jedenfalls nicht ersichtlich und wird auch nicht behauptet. 

Vielmehr erklärt die Klägerin, die Beklagte hätte den Vertrag korrekt erfüllt, wenn 

die C._____ nicht zertifiziert worden bzw. das zu Unrecht erteilte Zertifikat recht-

zeitig entzogen worden wäre (act. 23 Rz. 153). Von einer Handlungs- bzw. einer 

Anzeigepflicht der Zertifizierungsstelle beim Entdecken von Unzulänglichkeiten 

scheint die Klägerin somit nicht auszugehen. Weiter ist unklar, welche Folgen ei-

ne solche Anzeige gehabt hätte, hatte sich die EBK zum damaligen Zeitpunkt 

doch bereits mit der C._____ befasst und namentlich eine Unterstellungspflicht 

unter das Bankengesetz noch verneint gehabt (act. 25/4 S. 2).  

- 26 - 

Vor dem Hintergrund der erwähnten Mitwirkungspflichten der zu zertifizierenden 

Gesellschaft ist insbesondere zu beachten, dass der die C._____ beherrschende 

Hauptaktionär F._____ nach klägerischer Darstellung bei der Zertifizierung noch 

als offizieller Geschäftsführer dabei gewesen war (vgl. act. 23 Rz. 62, 112). 

Nachdem die Klägerin die Verwaltungsräte der C._____ als dessen Marionetten 

bezeichnet (act. 1 Rz. 37) und ausführt, sie seien von diesem bewusst ausge-

wählt worden, um hinters Licht geführt zu werden (act. 1 Rz. 50), erscheint nicht 

naheliegend, dass eine Anzeige an den Verwaltungsrat die Machenschaften – 

beispielsweise im Rahmen einer internen Untersuchung – aufgedeckt hätte. Viel-

mehr hätte F._____ die Verwaltungsräte vermutlich einfach durch neue "Marionet-

ten" ersetzt. Zu bedenken ist zwar die Gefahr einer aktienrechtlichen Verantwort-

lichkeit (vgl. Art. 754 OR), welche einzelne Verwaltungsräte bei Kenntnisnahme 

von Unstimmigkeiten zu einem Handeln hätte veranlassen können. Andererseits 

war der Verwaltungsrat nach klägerischer Darstellung schwach und inkompetent 

(act. 1 Rz. 50) und damit der Gefahr aktienrechtlicher Verantwortlichkeit (durch 

Übernahmeverschulden) ohnehin ausgesetzt. Zudem ist fraglich, ob überhaupt 

eine Anzeige an den Verwaltungsrat erfolgt wäre. Wiederum ist keine entspre-

chende Pflicht der Zertifizierungsstelle ersichtlich bzw. behauptet worden. Als Ge-

schäftsführer der C._____ waren F._____ bei der Zertifizierung bzw. G._____ im 

Rahmen des Überwachungsaudits wohl die primären Ansprechpartner der Zertifi-

zierungsstelle. Ihnen hätte somit auch in erster Linie die Erfüllung der erwähnten 

Mitwirkungspflichten (vgl. Art. 4.6 und 12.3 AGB) oblegen. Es kann indessen 

selbstredend davon ausgegangen werden, dass sie als Hintermänner des Betrugs 

nichts zu dessen Aufdeckung beigetragen bzw. das Qualitätsmanagementsystem 

auch auf Input der Zertifizierungsstelle hin nicht angepasst hätten. Wahrscheinli-

cher ist deshalb, dass sie bei entsprechenden Beanstandungen seitens der Zerti-

fizierungsstelle die Nichtzertifizierung (bzw. den Entzug des Zertifikats) akzeptiert, 

falsche Angaben gemacht oder aber Verschleierungsmassnahmen ergriffen hät-

ten. 

Es ist deshalb entgegen der klägerischen Ansicht durchaus vorstellbar, dass die 

wirtschaftlich Berechtigten, namentlich F._____, und die Mitarbeiter der C._____, 

namentlich G._____ und H._____, auch bei einer Auftragserfüllung im Sinne des 

- 27 - 

klägerischen Verständnisses – umfassendere Prüfung der C._____ und Nichter-

teilung oder Entzug des Zertifikats – noch weitere Jahre Anleger gewinnen und 

deren Geld in Spanien hätten "verlieren" können (vgl. act. 1 Rz. 81). Jedenfalls 

erscheint es insbesondere unter dem Titel des rechtmässigen Alternativverhaltens 

(vgl. Ziff. 2.3.6. hiervor) nicht als überwiegend wahrscheinlich, dass bei einer Auf-

tragserfüllung im Sinne des klägerischen Verständnisses kein Schaden entstan-

den wäre. Insofern ist bereits der natürliche Kausalzusammenhang zu verneinen 

(und zwar wie gesagt auch dann, wenn das klägerische Vertragsverständnis mit 

sehr umfassenden Prüfungspflichten der Zertifizierungsgesellschaft zutreffen 

würde). Der Schaden ist mit anderen Worten darauf zurückzuführen, dass die 

C._____ das ihr anvertraute Geld weiterleitete und nicht mehr zurückerhielt. Das 

hat aber nichts mit der Zertifizierung zu tun, sondern damit, dass sie betrogen 

wurde bzw. Teil eines Betrugssystems war. 

Die C._____ bezog eine Verwaltungsgebühr bei der Entgegennahme der Kun-

dengelder (act. 1 Rz. 17). Sollten ihr aufgrund des Vertrauens in das Zertifikat hö-

here Beträge anvertraut worden sein, würde dies deshalb neben dem werbetech-

nischen Vorteil (vgl. act. 9 Rz. 68) zuerst einmal zu einem finanziellen Vorteil (und 

nicht automatisch zu einer grösseren Veruntreuung) führen. Die Kunden der 

C._____ wussten zudem, dass letztere nicht selbst mit Devisen handelte, sondern 

als Vermittlerin tätig war und die eigentliche Handelstätigkeit von externen Devi-

senhändlern/Brokern ausgeführt wurde bzw. hätte ausgeführt werden sollen 

(act. 1 Rz. 18; act. 9 Rz. 21 ff.). Kunden, für welche die Zertifizierung der C._____ 

(als blosse Vermittlerin) eine Voraussetzung für eine (weitere) Investition gebildet 

hätte, hätten deshalb wohl auch die Zertifizierung der D._____ (als eigentliche 

Händlerin) verlangt. Sämtliche Anleger der C._____ investierten jedoch in die 

C._____, ohne dass die D._____ zertifiziert gewesen wäre. Der klägerische 

Standpunkt einer Vergrösserung des Schadens aufgrund des erhöhten Vertrau-

ens der Anleger durch das Zertifikat (in dem Sinne, dass das höhere Anlagevolu-

men zu einer grösseren Veruntreuung geführt habe; vgl. u.a. act. 1 Rz. 27, 81; 

act. 23 Rz. 45 ff., 54 f., 64 ff. 89 f.; 110 f.) erscheint deshalb auf den ersten Blick 

nicht überzeugend. Die Frage wäre – gegebenenfalls im Rahmen eines Beweis-

verfahrens – näher zu prüfen. Ebenfalls abgeklärt werden müsste in diesem Zu-

- 28 - 

sammenhang die Frage der Adäquanz, was grundsätzlich die genaue Kenntnis 

des vertraglichen Prüfungsprogramms bzw. der (allfälligen) Vertragsverletzung 

durch die Zertifizierungsstelle erfordern würde. Weiterungen erübrigen sich indes-

sen vor dem Hintergrund, dass ein allfälliger Kausalzusammenhang ohnehin 

durch grobes Dritt- und Selbstverschulden unterbrochen ist, wie im Folgenden zu 

zeigen ist. 

2.4.2.3. Grobes Drittverschulden der D._____ bzw. der für sie handelnden Perso-

nen als Unterbrechungsgrund des Kausalzusammenhangs 

Erwähntermassen führte die D._____ in Spanien mit den Kundengeldern der 

C._____ keine Devisengeschäfte durch, wie es vertraglich vorgesehen gewesen 

wäre, sondern spiegelte solche auf fingierten Abrechnungen lediglich vor. Insbe-

sondere wurde nur ein Teil der Kundengelder (mit einem angeblichen Gewinn) zu-

rückbezahlt. In diesem Zusammenhang wird in der Verfügung der EBK vom 

26. Oktober 2005 betreffend unerlaubte Entgegennahmen von Publikumseinla-

gen/Konkurs-eröffnung (über die C._____) festgehalten, dass rund CHF 106 Milli-

onen nach Spanien und lediglich rund CHF 50 Millionen wieder in die Schweiz ge-

flossen seien (act. 25/4 S. 3). 

Selbst wenn mit der Klägerin davon auszugehen wäre, dass das zu zertifizierende 

Qualitätsmanagementsystem eine umfassende und kontinuierliche Überwachung 

der D._____ durch die C._____ hätte vorsehen müssen (act. 1 Rz. 44 ff.; act. 23 

Rz. 126), ist mit der Beklagten festzuhalten, dass die Zahlungsunfähigkeit bzw. 

der Schaden der C._____ primär eine Folge des Betrugs (bzw. der Veruntreuung 

der anvertrauten Gelder) war (act. 28 Rz. 8). Hiervon scheint auch die Klägerin 

auszugehen, welche nicht bestreitet, dass auch andere Mithaftende oder Mit-

schuldige zum Gesamtschaden beigetragen hätten. Dies sei jedoch bei der Scha-

densberechnung und der Klagesumme bereits berücksichtigt, indem die Klägerin 

von der Beklagten nicht den ganzen Schaden der Gesellschaft, sondern lediglich 

23 % fordere (act. 23 Rz. 31). Entgegen der klägerischen Ansicht stellt das 

schwere Drittverschulden der D._____ – direkter Vorsatz hinsichtlich der Verun-

treuung von Kundengeldern der C._____ sowie weitere kriminelle Machenschaf-

ten wie Urkundenfälschungen etc. – aber einen Umstand dar, der einen allfälligen 

- 29 - 

Kausalzusammenhang zwischen einer Vertragsverletzung durch die Zertifizie-

rungsstelle und einem Schaden der C._____ unterbricht. Die Klägerin führt selbst 

aus, ein Managementsystem könne nicht verhindern, dass eine Gesellschaft von 

einem Dritten betrogen werde (act. 23 Rz. 129). In diesem Sinne wird eine in der 

unsorgfältigen Überprüfung der C._____ bestehende Vertragsverletzung der Zer-

tifizierungsstelle – soweit eine solche denn überhaupt als selbständige kausale 

Ursache für den Schaden qualifiziert werden könnte – durch das sehr grosse 

Drittverschulden der D._____ als unbedeutend in den Hintergrund verdrängt.  

Somit wird der allfällige Kausalzusammenhang zwischen einer möglichen Ver-

tragsverletzung durch die Zertifizierungsstelle und einem theoretischen Schaden 

der C._____ ohnehin durch das schwere Drittverschulden der D._____ unterbro-

chen. 

2.4.2.4. Grobes Selbstverschulden der C._____ bzw. der für sie handelnden Per-

sonen als Unterbrechungsgrund des Kausalzusammenhangs 

Bereits in der von der Klägerin eingereichten Verfügung der EBK vom 26. Oktober 

2005 betreffend unerlaubte Entgegennahmen von Publikumseinlagen/Konkurs-

eröffnung (über die C._____) wird Folgendes festgehalten: "[…] Inwiefern die 

C._____ bzw. Mitarbeiter der C._____ in das betrügerische Verhalten des spani-

schen Brokers involviert waren, ist Sache der Strafbehörden abzuklären. Ohne 

das Urteil der Strafbehörden vorwegzunehmen, kann man jedoch schon zum jet-

zigen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, dass die C._____ bei der Verwaltung der 

Kundengelder zumindest grobfahrlässig gehandelt hat. Sie hat die Kundengelder 

einer Gesellschaft übertragen, ohne deren Geschäftsgebaren bzw. Seriosität 

ernsthaft überprüft zu haben. Ihr ist insbesondere anzurechnen, dass sie über 

mehrere Jahre zumindest nicht bemerkte, dass der spanische Broker gar keine 

Devisengeschäfte getätigt und lediglich fingierte Abrechnungen erstellt hatte […] 

(act. 25/4 S. 6). Die Klägerin beschränkt sich in ihren Rechtsschriften indessen 

nicht darauf, in diesem Sinne an zahlreichen Stellen auf die Inkompetenz des 

Verwaltungsrates der C._____ hinzuweisen (vgl. u.a. act. 1 Rz. 37, 50; act. 23 

Rz. 119 f.), sondern spricht auch von der systematischen, sehr simplen (Betrugs-

)Masche der C._____ (act. 23 Rz. 45, 127 f.). Dabei scheint sie zu übersehen, 

- 30 - 

dass die Normen des Vertragsrechts sicherlich keine Vertragspartei schützen wol-

len, die sich absichtlich selber schädigt (vgl. SCHWENZER, a.a.O., N 20.05 im 

Rahmen ihrer Kritik an der Lehre von der Unterbrechung des Kausalzusammen-

hangs zum analogen Fall, dass die Normen des SVG selbstverständlich nicht den 

Selbstmörder schützen wollen).  

Nach den Ausführungen der Klägerin hatte der Haupteigentümer F._____ die Fä-

den bei der C._____ in der Hand (vgl. u.a. act. 1 Rz. 54). Mit anderen Worten war 

er mit ihrer Leitung betraut und nahm in entscheidender Weise (mittels Weisun-

gen an einzelzeichnungsberechtigte Personen) an ihrer Willensbildung teil. Er ist 

deshalb ohne Weiteres und im Übrigen auch nach klägerischer Auffassung 

(vgl. act. 1 Rz. 23) als faktisches Organ der C._____ zu qualifizieren. Gleichzeitig 

(und weiterhin nach klägerischer Darstellung) war er in die betrügerischen Ma-

chenschaften involviert bzw. erteilte über seine Handlanger innerhalb der C._____ 

sogar Weisungen nach Spanien (vgl. act. 1 Rz. 19; act. 23 Rz. 31). Damit ist er di-

rekt mitverantwortlich dafür, dass die D._____ in Spanien mit den Kundengeldern 

der C._____ nicht – wie vertraglich vorgesehen – Devisengeschäfte durchführte, 

sondern solche auf fingierten Abrechnungen lediglich vorspiegelte und insbeson-

dere lediglich einen Teil der Kundengelder mit einem angeblichen Gewinn zu-

rückbezahlte. Ein funktioneller Zusammenhang zwischen den Handlungen von 

F._____ und seinen Befugnissen als faktisches Organ ist klarerweise zu bejahen. 

Damit muss sich die C._____ dieses – sie selbst schädigende und gegenüber ih-

ren Anlegern krass vertragswidrige – Verhalten als Organhandeln anrechnen las-

sen. Ein allfälliger Kausalzusammenhang zwischen einer möglichen Vertragsver-

letzung der Zertifizierungsstelle und einem theoretischen Schaden der C._____ 

wird durch dieses Selbstverschulden (im Sinne einer vorsätzlichen Selbstschädi-

gung) der C._____ unterbrochen; die Vertragsverletzung wird angesichts des sehr 

grossen Selbstverschuldens als unbedeutend in den Hintergrund verdrängt. 

Weiter waren erwähntermassen neben der spanischen D._____ bzw. dem Haupt-

aktionär der C._____, F._____, auch G._____ als einzelzeichnungsberechtigter 

Geschäftsführer und die ebenfalls mit Einzelprokura ausgestattete Mitarbeiterin 

H._____ (vgl. act. 3/3) in die betrügerischen Machenschaften bei der C._____ und 

- 31 - 

der D._____ verwickelt. Die Klägerin lässt offen, inwiefern und inwieweit G._____ 

und H._____ über die Machenschaften als Ganzes im Bild und beteiligt waren 

(act. 23 Rz. 31). Dies impliziert, dass sie nach Auffassung der Klägerin zumindest 

teilweise beteiligt bzw. – mit den Worten der Klägerin – die internen Handlanger 

von F._____ waren, den sie mit Informationen versorgten bzw. von dem sie Wei-

sungen entgegen nahmen und nach Spanien weiterleiteten (act. 23 Rz. 31). Zu-

mindest das Verhalten von G._____, welcher offiziell als Geschäftsführer der 

C._____ auftrat, muss sich diese wiederum als Organhandeln anrechnen lassen, 

welches als grobes Selbstverschulden (ebenfalls im Sinne einer vorsätzlichen 

Selbstschädigung) einen allfälligen Kausalzusammenhang unterbricht bzw. eine 

allfällige Vertragsverletzung der Zertifizierungsstelle als unbedeutend in den Hin-

tergrund treten lässt. Ob H._____ ebenfalls als Organ zu qualifizieren wäre bzw. 

die C._____ sich auch deren Verhalten als Organhandeln anrechnen lassen 

müsste, kann vor diesem Hintergrund offen gelassen werden. 

Unabhängig davon, ob eine Zertifizierungsstelle das Managementsystem einer 

Gesellschaft geprüft hat, obliegt dem Verwaltungsrat im Rahmen seiner unüber-

tragbaren Aufgaben (vgl. Art. 716a OR) die Pflicht, sich periodisch über den Ge-

schäftsgang zu informieren und Auskünfte einzuholen sowie gegebenenfalls bei 

Unregelmässigkeiten einzuschreiten. Er muss namentlich die Finanzen der Ge-

sellschaft regelmässig kontrollieren (VON DER CRONE, a.a.O., 732 mit Verweisun-

gen auf Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR sowie auf das Urteil des Bundesgerichts 

9C_289/2011 vom 8. Juli 2011 E. 4.2 und BGE 132 III 572). Nach den Ausführun-

gen der Klägerin ist der Verwaltungsrat der C._____ diesen Pflichten nicht nach-

gekommen (vgl. u.a. act. 1 Rz. 44 ff.). In diesem Sinne ist – wie erwähnt – auch in 

der besagten Verfügung der EBK vom 26. Oktober 2005 betreffend unerlaubte 

Entgegennahmen von Publikumseinlagen/Konkurseröffnung (über die C._____) 

von zumindest grobfahrlässigem Verhalten der C._____ die Rede (act. 25/4 S. 6). 

Es wäre deshalb zu prüfen, ob ein allfälliger Kausalzusammenhang auch dadurch 

unterbrochen würde. Nachdem indessen neben dem Drittverschulden der 

D._____ bereits die erwähnte vorsätzliche Selbstschädigung bzw. das Organhan-

deln von F._____ und G._____ Umstände darstellen, die einen Kausalzusam-

- 32 - 

menhang zwischen einer Vertragsverletzung der Zertifizierungsstelle und einem 

Schaden der C._____ unterbrechen, erübrigen sich Weiterungen hierzu. 

2.4.2.5. Zwischenfazit 

Die Voraussetzung eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs 

zwischen einer Vertragsverletzung und einem Schaden ist nicht erfüllt. 

2.4.3. Kein Schaden der C._____ 

2.4.3.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin führt mit der Klage aus, der Kollokationsplan der C._____ weise kol-

lozierte Forderungen der 3. Klasse in der Höhe von CHF 67'769'561.37 für 505 

Gläubiger aus. Der Gesamtschaden aus dem Konkurs der C._____ betrage somit 

rund CHF 67 Mio. und sei mit dem Kollokationsplan ausreichend belegt. Von die-

sem Gesamtschaden werde ein Drittel des während der Zertifizierungsphase ent-

standenen Schadens eingefordert, was im Lichte der Bedeutung und der Folgen, 

welche die Zertifizierung für die Anleger gehabt habe, mehr als gerechtfertigt sei. 

Aus den polizeilichen Ermittlungsunterlagen (act. 3/26) ergebe sich, dass in der 

Zeit der Nutzung des Zertifizierungszeichens, d.h. zwischen dem 5. Dezember 

2000 und dem 29. April 2004 (letzter Zahlungseingang eines Kunden), ein Total 

von CHF 91'083'394.22 an Kundengeldern bei der C._____ eingegangen seien. 

Im gleichen Zeitraum seien CHF 43'970'200.13 zurück an Kunden geflossen. Mit-

hin sei während der Zertifizierungsphase bzw. der Nutzung des Zertifikats ein 

Schaden von CHF 47'113'194.09 entstanden. Ein Drittel davon entspreche dem 

eingeklagten Betrag von CHF 15'704'398.– (act. 1 Rz. 21, 28, 79). 

Die Beklagte entgegnet dazu in der Klageantwort, der Kollokationsplan gebe ei-

nen Hinweis auf den von den geprellten Anlegern und von Drittgläubigern erlitte-

nen indirekten bzw. mittelbaren Schaden. Der von der C._____ direkt bzw. unmit-

telbar erlittene Schaden könne hingegen durch die Verweisung auf den Kollokati-

onsplan nicht nachgewiesen werden. Es werde bestritten, dass sich die Klägerin 

bei der Berechnung des Schadens auf den während der Zertifizierungsphase ent-

standenen Schaden abstütze. Die klägerischen Ausführungen zum Schaden wür-

- 33 - 

den bestritten. Der vermeintliche direkte Schaden der C._____ lasse sich aus der 

Zusammenstellung der Kantonspolizei Schwyz betreffend Ein- und Auszahlungen 

zwischen dem 29. November 2000 und dem 8. Juli 2004 (act. 3/26) nicht ableiten. 

Die von der Klägerin genannten Zahlen seien der Liste nicht zu entnehmen, und 

die Liste erstrecke sich zeitlich über ein allfälliges vom 5. Dezember 2000 bis 

4. Dezember 2003 andauerndes Mandatsverhältnis hinaus. Der Schaden, welcher 

der C._____ aus der vermeintlichen Schlechterfüllung des Vertrags entstanden 

sei, werde von der Klägerin nicht nachgewiesen und werde bestritten. Wäre mit 

der Klägerin davon auszugehen, dass der Vertrag schlecht erfüllt worden sei, wä-

re davon auszugehen, dass die C._____ zu Unrecht zertifiziert worden wäre bzw. 

dass das Zertifikat zu Unrecht nicht entzogen worden wäre. In beiden Fällen wäre 

der C._____ kein Schaden entstanden, sondern diese hätte im Gegenteil einen 

unrechtmässigen werbetechnischen Vorteil erlangt (act. 9 Rz. 24, 31, 67 f.).  

Mit der Replik erklärt die Klägerin, der Schaden von CHF 15'704'398.– bestehe in 

der Differenz zwischen dem tatsächlichen Vermögensstand der C._____ und je-

nem ohne die Vertragsverletzung der Beklagten. Weil eine genauere Berechnung 

nicht möglich oder zumutbar sei, sei gegebenenfalls gestützt auf Art. 42 Abs. 2 

OR eine Schätzung durch das Gericht vorzunehmen (act. 23 Rz. 6). Bezüglich der 

Schadenshöhe habe sie, die Klägerin, nachzuweisen, inwieweit die pflichtwidrige 

Prüfung bzw. das pflichtwidrig ausgestellte Zertifikat (inkl. Aufrechterhaltung) 

durch die Beklagte bei der C._____ zu Verlusten geführt habe. Mithin sei die Dif-

ferenz zwischen dem tatsächlichen Vermögensstand der C._____ im Zeitpunkt 

der Konkurseröffnung (Vermögensstand mit schädigendem Ereignis) und dem 

hypothetischen Vermögensstand der C._____ zu errechnen, welchen die C._____ 

gehabt hätte, wäre sie nicht zertifiziert gewesen (Vermögensstand ohne schädi-

gendes Ereignis). Der tatsächliche Vermögensstand der C._____ im Zeitpunkt der 

Konkurseröffnung ergebe sich aus dem Kollokationsplan. Dieser geniesse als öf-

fentliche Urkunde öffentlichen Glauben. Die Unrichtigkeit des Kollokationsplanes 

wäre von der Beklagten zu behaupten und zu beweisen. Einen effektiven ziffern-

mässigen Nachweis des hypothetischen Vermögensstandes der C._____, falls 

die Beklagte kein Zertifikat ausgestellt hätte, beibringen zu müssen, sei vorliegend 

unmöglich bzw. unrealistisch und ihr, der Klägerin, nicht zumutbar. Es könnte 

- 34 - 

zwar theoretisch jeder einzelne Gläubiger befragt werden, ob und wieviel er/sie – 

ohne das ISO-Zertifikat – investiert hätte. 8 bzw. 12 Jahre später würden sich je-

doch viele der geprellten Gläubiger nicht mehr erinnern und würden auch gar 

nicht daran erinnert werden wollen. Ausserdem könnten auch die geprellten Ge-

schädigten keinen Beweis erbringen, da es sich um eine hypothetische Schät-

zung handeln würde. Ein strikter Beweis über ein hypothetisches Element sei so-

mit schon von vorneherein gar nicht möglich. Die Festlegung der Schadenshöhe 

sei daher gemäss Art. 42 Abs. 2 OR nach richterlichem Ermessen mit Rücksicht 

auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge, aus welchem sich eine gewisse Wahr-

scheinlichkeit einer bestimmten Schadenshöhe ergebe, festzulegen. Sollte diesen 

Ausführungen keine Folge geleistet werden können, würde man nicht umhin-

kommen, alle rund 500 Geschädigten einzeln mündlich oder allenfalls schriftlich 

zu befragen, ob und wieviel sie ohne ISO-Zertifizierung investiert hätten (act. 23 

Rz. 39 ff.).  

Ohne das zu Unrecht erteilte Gütesiegel der Zertifizierung durch die Beklagte wä-

re der Schaden im Konkurs der C._____ jedenfalls massiv geringer gewesen. Die 

Masche der C._____ habe System gehabt. Die Kunden seien von den Verkäu-

fern/Kundenberatern kontaktiert und das Interesse mit grossen Renditen zu Inves-

titionen in den Devisenhandel geködert worden. Dabei seien die Anleger anfäng-

lich dazu aufgemuntert worden, nur kleine Beträge zu investieren und den Verlauf 

der Investition zu beobachten. Dabei sei die – angebliche – Performance auf den 

Konten allesamt anfänglich sehr positiv gewesen. Auf schriftliches Gesuch hin 

habe das Geld auch zurückgefordert werden können. Nach der ISO- Zertifizierung 

habe die C._____ sämtliche Kunden mit Schreiben vom 12. Dezember 2000 an-

geschrieben und habe darin erwähnt, dass sie das ISO-Zertifikat 9001 erhalten 

und ein Qualitäts-Management eingeführt hätte. Zudem seien der ISO-Kleber der 

Beklagten auf die Broschüren der C._____ geklebt worden, welche an die beste-

henden und potentiellen neuen Kunden herausgegeben worden seien. Auch jede 

Monatsabrechnung und jedes andere Schreiben der C._____ habe fortan das 

ISO-Logo der Beklagten enthalten. Von den Kundenberatern seien die Anleger 

regelmässig kontaktiert und angefragt worden, ob sie weiteres Geld investieren 

wollten. Dabei hätten sich die Kundenberater jeweils auf die gute Performance, 

- 35 - 

die jederzeitige Rückzugsmöglichkeit und die Seriosität berufen. Jedenfalls im 

Gespräch mit Herrn J._____, Verwaltungsrat der Klägerin, sei schon Monate im 

Voraus mit der Zertifizierung geprahlt worden. Es könne davon ausgegangen 

werden, dass auch gegenüber den anderen Anlegern mit der Zertifizierung ange-

geben und damit die Seriosität versichert worden sei (act. 23 Rz. 45).  

Aufgrund der ISO-Zertifizierung hätten die Anleger auch an die Seriosität geglaubt 

und hätten auch darauf vertrauen dürfen. Besage doch das Zertifizierungslogo der 

Beklagten: "Quality Assured Firm" by B._____. Ohne das vertrauensbildende 

quasi staatliche Gütesiegel der Beklagten hätten die meisten Anleger gar keine 

oder nur geringere Anlagen gemacht (act. 23 Rz. 46 f.). Aus den Befragungen 

durch den Untersuchungsrichter bzw. den entsprechenden Antworten der Ge-

schädigten ergebe sich u.a., dass für 8 von 12 Geschädigten die ISO-

Zertifizierung der C._____ bedeutend gewesen sei (act. 23 Rz. 48 ff.). Gehe man 

davon aus, dass die 12 Befragten für die rund 500 Geschädigten repräsentativ 

seien, so lasse sich ableiten, dass für 8 von 12 Geschädigten die ISO-

Zertifizierung der C._____ vertrauensbildend, positiv und bedeutend gewesen sei. 

Übertrage man diese Verhältniszahl von 8:12 auf die Schadenshöhe, so hiesse 

das, dass die ISO-Zertifizierung durch die Beklagte für zwei Drittel des während 

der Zertifizierungszeit entstandenen Schadens von CHF 47'113'194.09 kausal 

gewesen sei. Das heisse, dass der eigentliche Schaden CHF 31'408'796.06 be-

tragen würde (act. 23 Rz. 51). Davon mache sie, die Klägerin, lediglich die Hälfte 

bzw. einen Drittel des während der Zertifizierungsphase entstandenen Gesamt-

schadens geltend (act. 23 Rz. 53). Mit anderen Worten erachte sie, die Klägerin, 

es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge als sehr wahrscheinlich, dass 4 von 12 

Anlegern ohne die ISO-Zertifizierung der Beklagten keine weiteren oder gar keine 

Investitionen getätigt hätten oder 8 von 12 Anlegern nur die Hälfte investiert und 

verloren hätten bzw. dass eine Mischvariante davon vorliege (act. 23 Rz. 54). 

Dies erscheine im Lichte sämtlicher Umstände durchaus realistisch und ange-

messen (act. 23 Rz. 55). Die Errechnung des Schadens während der Zertifizie-

rungsphase ergebe sich aus den vom Verhörrichteramt erstellten Listen. Weil be-

stritten, und der Vollständigkeit halber, würden die Listen mit allen Seiten zur 

Nachrechnung nochmals eingereicht (act. 25/18/1-2; act. 23 Rz. 56). 

- 36 - 

Wäre die C._____ nicht zu Unrecht zertifiziert worden und wäre das Zertifikat 

nicht zu Unrecht nicht entzogen worden, wäre der Schaden der C._____ massiv 

geringer gewesen. Es hätten weniger Anleger weniger Geld angelegt und die 

C._____ hätte einen geringeren Verlust erlitten, weil ohne das ISO-

Zertifizierungszeichen die Anleger der C._____ ihr Vertrauen nicht geschenkt hät-

ten und nicht oder in geringerem Umfang Geld investiert hätten. Man stelle sich 

die Wirkung vor, wenn die Beklagte die Zertifizierung, wenn schon zu Unrecht er-

teilt, wenigstens frühzeitig und publikumswirksam wieder entzogen hätte; es hätte 

wohl kein einziger Anleger mehr Geld an die C._____ gegeben (act. 23 

Rz. 149 f.). Sie, die Klägerin, mache vorliegend das positive Interesse (Erfüllungs-

interesse) geltend. Der für die Schadensberechnung massgebliche hypothetische 

Vermögensstand sei derjenige, der bestünde, wenn der Vertrag korrekt erfüllt 

worden wäre. Die Beklagte hätte den Vertrag korrekt erfüllt, wenn sie die C._____ 

gar nicht zertifiziert bzw. das zu Unrecht erteilte Zertifikat rechtzeitig entzogen hät-

te (act. 23 Rz. 153). 

Mit der Duplik erklärt die Beklagte, die C._____ habe als Folge der Zahlungsunfä-

higkeit ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen und den Anlegern ihr 

Geld nicht mehr zurückzahlen können. Dadurch hätten die Anleger einen Scha-

den erlitten. Die Zahlungsunfähigkeit der C._____ sei nicht Folge der Zertifizie-

rung, sondern des Betruges gewesen. Die Anlastung von 23 % des Gesamtscha-

dens sei willkürlich. Der Schadensnachweis der Klägerin sei völlig ungenügend 

(act. 28 Rz. 8). Die klägerischen Ausführungen zum Kollokationsplan und Scha-

den würden bestritten. Die Klägerin trage für den geltend gemachten Schaden die 

Beweislast. Der gesamte Schaden der Gläubiger bestehe in der unfreiwilligen 

Vermögenseinbusse, welche die C._____ durch pflichtwidrige Handlungen erlitten 

habe. Vorliegend habe die C._____ durch die vermeintlich pflichtwidrigen Hand-

lungen der Beklagten keine Vermögenseinbusse erlitten: Die vermeintlich pflicht-

widrige Zertifizierung bzw. die vermeintlich pflichtwidrige Durchführung des Über-

wachungsaudits habe bei der C._____ zu keinem Verlust geführt. Diese sei zu 

Schaden gekommen, weil sie betrogen worden sei. Die Behauptung, der Schaden 

der C._____ wäre ohne die Zertifizierung geringer gewesen, werde bestritten 

(act. 28 Rz. 11).  

- 37 - 

Die Behauptung, dass gemäss den Strafuntersuchungsakten die Zertifizierung für 

8 von 12 Geschädigten wesentlich gewesen sei, werde bestritten. Gemäss den 

aufgelegten Akten seien es lediglich 6 von 12 gewesen und es sei davon auszu-

gehen, dass die Geschädigten primär auf eine hohe Rendite gehofft hätten. Die 

Befragung einzelner von insgesamt rund 650 Geschädigten sowie die selektive, 

auszugsweise Auflage von Untersuchungsakten, würden keine Rückschlüsse auf 

den Schaden zulassen. Dass die Zertifizierung für das Investment der Abtre-

tungsgläubiger, geschweige denn für die restlichen rund 644 Investoren, wesent-

lich gewesen sei, werde bestritten. Die Zertifizierung entbinde den Investor nicht 

von der Pflicht, seinen Investitionsentscheid sorgfältig zu prüfen. Tue er es nicht, 

trage er hierfür die Verantwortung. Die diesbezüglichen Ausführungen und Be-

rechnungen der Klägerin, namentlich die Hochrechnung ohne Berücksichtigung 

der zu erwartenden Konkursdividende, würden bestritten. Die Klägerin könne 

nicht ohne nähere Anhaltspunkte gestützt auf Art. 42 Abs. 2 OR Ersatzforderun-

gen in irgendwelcher Höhe stellen. Der Schadensnachweis der Klägerin sei völlig 

ungenügend (act. 28 Rz. 12).  

In der Klageantwort habe sie, die Beklagte, die Ausführungen der Klägerin zum 

Schaden bestritten und darauf hingewiesen, dass sich ein allfälliger direkter 

Schaden der Gesellschaft aus der Zusammenstellung der Kantonspolizei Schwyz 

betreffend Ein- und Auszahlungen zwischen dem 29. November 2000 und dem 

8. Juli 2004 nicht ableiten lasse. ln der Replik verweise die Klägerin pauschal auf 

die Ausführungen zum Schaden in den vorangehenden 14 Seiten. Diese Bestrei-

tung sei allgemeiner Art und mangels Substanzierung unbeachtlich. Die Beklagte 

halte an ihren Ausführungen in der Klageantwort fest (act. 28 Rz. 19). Gemäss 

den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hafte sie, die Beklagte, nicht für indirekte 

oder Folgeschäden und die Haftung sei in allen Fällen auf den vorhersehbaren 

Schaden und die Höhe der Vergütung beschränkt. Maximal betrage die Haftung 

CHF 20'000.– (act. 28 Rz. 43). 

2.4.3.2. Würdigung 

Wie im Rahmen der Ausführungen zum Kausalzusammenhang gezeigt wurde, 

kann der klägerischen Ansicht, dass pflichtgemässes Handeln der Zertifizierungs-

- 38 - 

stelle (nach dem klägerischen Vertragsverständnis) den (gesamten) Schaden 

verhindert hätte (vgl. act. 1 Rz. 81), nicht gefolgt werden. Auch die Klägerin räumt 

andernorts erwähntermassen ein, dass die Beklagte den Vertrag (bereits) korrekt 

erfüllt hätte, wenn die C._____ nicht zertifiziert bzw. das zu Unrecht erteilte Zerti-

fikat rechtzeitig entzogen worden wäre (vgl. act. 23 Rz. 153). In diesem Sinne 

macht sie denn auch nicht den gesamten Schaden, sondern lediglich dessen 

Vergrösserung geltend, indem sie sich auf den Standpunkt stellt, die Erteilung 

bzw. der Nichtentzug des Zertifikats habe zu einem höheren Anlagevolumen und 

damit schlussendlich auch zu einer grösseren Veruntreuung geführt.  

Nach dem Gesagten besteht der – von der Klägerin zu behauptende und (vorbe-

hältlich Art. 42 Abs. 2 OR) auch zu beweisende – Schaden bzw. die unfreiwillige 

Vermögensverminderung in der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermö-

gensstand und dem hypothetischen Stand, den das Vermögen ohne das schädi-

gende Ereignis hätte. Die Klägerin geht bei ihren Ausführungen zum Schaden 

somit bereits von einem falschen Ausgangspunkt aus, wenn sie sich auf das Total 

der zugelassenen Forderungen der 3. Klasse (bzw. das Total der ungesicherten 

Forderungen) im Umfang von CHF 67'769'561.37 bzw. auf den Kollokationsplan 

bezieht (act. 3/4). Entgegen der klägerischen Ansicht (vgl. act. 23 Rz. 40) ergibt 

sich der tatsächliche Vermögensstand der C._____ zum Zeitpunkt der Konkurser-

öffnung nämlich nicht aus dem Kollokationsplan, weil in diesem lediglich die Pas-

siven erfasst werden. Dieser "Gesamtschaden aus dem Konkurs der C._____" 

(vgl. act. 1 Rz. 21) wird mit dem Kollokationsplan im Übrigen auch nicht belegt, 

kommt doch letzterem nach dem Gesagten keine über das Kollokationsverfahren 

hinausreichende Wirkung zu.  

Letztlich stützt sich die Klägerin aber gar nicht auf den Kollokationsplan, sondern 

auf den (behaupteten) Saldo der Ein- und Auszahlungen von bzw. an Kunden der 

C._____ während der Zertifizierungsphase bzw. während der Nutzung des Zertifi-

kats, von welchem sie einen Drittel als Schaden geltend macht. Den erwähnten 

Saldo beziffert die Klägerin auf CHF 47'113'194.09. Dieser Betrag lässt sich der 

Klagebeilage, welche die Klägerin dazu einreicht (act. 1 Rz. 28; act. 3/26), nicht 

entnehmen, worauf die Beklagte zurecht hinweist (act. 9 Rz. 31). Die erwähnte 

- 39 - 

Klagebeilage enthält lediglich Auszüge von verschiedenen Listen mit unterschied-

lichen Seitenzahlen und Bearbeitungsdaten. Sie vermag nichts zu beweisen. Be-

reits eine summarische Prüfung führt zudem zum Ergebnis, dass die Addition der 

aufgeführten Ein- bzw. Auszahlungen nicht einmal ansatzweise zu den behaupte-

ten Beträgen von CHF 91'083'394.22 bzw. CHF 43'970'200.13 führt, deren Saldo 

den geltend gemachten Schaden während der Zertifizierungsphase bzw. während 

der Nutzung des Zertifikats ergeben würde.  

Beilagen im Sinne von Urkunden stellen in erster Linie Beweismittel zur Belegung 

der aufgestellten Behauptungen dar. Blosse Verweisungen auf sie vermögen in 

der Regel erwähntermassen keine Erweiterung des Behauptungsfundaments zu 

bewirken, weshalb nach der beklagtischen Bestreitung des behaupteten Total-

schadens mit der Klageantwort eine Zergliederung in Einzeltatsachen hätte erfol-

gen bzw. Berechnungen etc. in der Replik selbst hätten vorgenommen werden 

müssen. Der lapidare Hinweis, die Errechnung des Schadens während der Zertifi-

zierungsphase ergebe sich aus den vom Verhörrichteramt erstellten Listen sowie 

die Einreichung dieser Listen mit allen Seiten zur Nachrechnung (vgl. act. 23 

Rz. 56; act. 25/18/1-2) genügt den dargelegten Anforderungen an eine genügen-

de Substanzierung somit nicht. Selbst wenn Verweisungen auf Beilagen in die-

sem Zusammenhang als genügend erachtet würden, wäre zumindest (und insbe-

sondere bei der vorliegenden Urkunde mit 151 Seiten und dokumentierten Ein- 

und Auszahlungen ab dem Jahr 1997; vgl. act. 25/18/1-2) zu fordern, dass diese 

unter Angabe der massgebenden Seitenzahlen und entsprechenden Erläuterun-

gen erfolgten. Die Klägerin beschränkt sich indessen darauf, auf jene Seiten hin-

zuweisen, auf welchen ihre Investitionen ersichtlich seien (act. 23 Rz. 56).  

Ohnehin wäre mit substanzierten Angaben zu den Ein- und Auszahlungen bei der 

C._____ noch kein Schaden während der Zertifizierungsphase bzw. während der 

Nutzung des Zertifikats aufgrund der Zertifizierung bzw. der Nichtentziehung des 

Zertifikats dargetan. Einerseits berücksichtigt die Klägerin Zahlungen bis zum Da-

tum des letzten Zahlungseingangs eines Kunden, dem 29. April 2004, obwohl die 

Zertifizierungsphase lediglich bis zum 3. Dezember 2003 dauerte. Die Klägerin 

begründet dies im Wesentlichen damit, die C._____ habe das Zertifikat auch nach 

- 40 - 

dessen Ablauf verwendet bzw. die Beklagte habe dies nicht unterbunden. Ange-

sichts des Umstands, dass die Gültigkeitsdauer des Zertifikats auf diesem selbst 

vermerkt ist (act. 3/14) und das Zertifikat nach Ablauf der Gültigkeitsdauer im öf-

fentlich zugänglichen Register der zertifizierten Firmen unbestrittenermassen au-

tomatisch gelöscht wird (act. 9 Rz. 30; act. 23 Rz. 68), ist dieser Ansicht nicht zu 

folgen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Anleger, für die eine ISO-

Zertifizierung eine Voraussetzung für eine Investition bei der C._____ gebildet 

hätte, sich auch ein Bild darüber gemacht hätten, wann die letzte Überprüfung 

stattgefunden hat bzw. ob das Zertifikat überhaupt noch gültig ist. Weiterungen 

erübrigen sich indessen angesichts des Umstands, dass sich andererseits der 

Schaden der C._____ während der Zertifizierungsphase bzw. während der Nut-

zung des Zertifikats ohnehin nicht durch eine blosse Gegenüberstellung der Ein- 

und Auszahlungen ermitteln lässt, weil damit weder ein tatsächlicher noch ein hy-

pothetischer Vermögensstand der C._____ dargetan ist, dessen Differenz einen 

Schaden im Sinne einer unfreiwilligen Vermögensverminderung bilden würde.  

So wäre es an der Klägerin gewesen, in einem ersten Schritt die einzelnen Inves-

titionen in die C._____ zu behaupten, welche aufgrund des Zertifikats erfolgt sein 

sollen. In einem zweiten Schritt wäre aufzuzeigen gewesen, in welchem Umfang 

diese Gelder an die D._____ weitergeleitet wurden. Dies hätte eine Auseinander-

setzung mit der Verwaltungsgebühr der C._____ bedurft, welche als Aktivum zu 

berücksichtigen gewesen wäre. Gemäss der Verfügung der EBK vom 26. Oktober 

2005 betreffend unerlaubte Entgegennahmen von Publikumseinlagen/Konkurs-

eröffnung (über die C._____) betrug diese 10-15 % der investierten Beträge 

(act. 25/4 S. 3). Die Klägerin äussert sich indessen nicht zur genauen Höhe dieser 

Gebühr (vgl. act. 1 Rz. 17). Schliesslich wäre drittens zu behaupten gewesen, 

welche dieser Gelder und in welchem Umfang nicht zurückerstattet bzw. verun-

treut worden sein sollen. Dabei stellt sich in Bezug auf die Schritte zwei und drei 

erwähntermassen als weiteres Problem die Frage, inwiefern die Erteilung bzw. 

der Nichtentzug des Zertifikats überhaupt eine (adäquate) Schadensursache hätte 

bilden können (vgl. Ziff. 2.4.2. hiervor).  

- 41 - 

Es trifft zwar zu, dass vorliegend die Erbringung eines strikten Schadennachwei-

ses durch die Klägerin ausgeschlossen erscheint, weshalb die Beweisvorschrift 

von Art. 42 Abs. 2 OR grundsätzlich Anwendung finden könnte. Nach dem Ge-

sagten müssten hierfür aber alle Umstände, die für den Eintritt des Schadens 

sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich und 

zumutbar behauptet werden. Dieser Obliegenheit ist die Klägerin – wie gezeigt – 

nicht nachgekommen. Auch mit ihren allgemeinen Ausführungen, wonach die 

C._____ nach (oder schon vor) der ISO-Zertifizierung mit dieser geworben habe 

und die Anleger deshalb (berechtigterweise) an die Seriosität der C._____ ge-

glaubt und investiert hätten (vgl. u.a. act. 23 Rz. 45 ff.), werden keine Umstände 

dargetan, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung 

erlauben oder erleichtern. Dasselbe gilt für die Auseinandersetzung mit den in der 

Replik wiedergegebenen Befragungen durch den Untersuchungsrichter (vgl. 

act. 23 Rz. 48 ff.). Soweit die entsprechenden Aussagen überhaupt im klägeri-

schen Sinn dahingehend zu verstehen wären, dass ohne das Zertifikat teilweise 

nicht (weiter) in die C._____ investiert worden wäre, stellt sich die Frage, weshalb 

die Befragungen von 12 Personen durch den Untersuchungsrichter für sämtliche 

rund 500 Geschädigte repräsentativ sein sollten. Die Klägerin begründet ihre 

diesbezügliche Annahme nicht (act. 23 Rz. 51). Wie bereits erwähnt, ist wahr-

scheinlich, dass Kunden, für welche die Zertifizierung der C._____ (als blosse 

Vermittlerin) eine Voraussetzung für eine (weitere) Investition gebildet hätte, auch 

die Zertifizierung der D._____ (als eigentliche Händlerin) verlangt hätten. Nach-

dem sämtliche Anleger in die C._____ investierten, ohne dass die D._____ zertifi-

ziert gewesen wäre, erscheint somit nicht naheliegend, dass sich der Schaden 

aufgrund des erhöhten Vertrauens der Anleger durch das Zertifikat (in dem Sinne, 

dass das höheres Anlagevolumen zu einer grösseren Veruntreuung geführt hätte; 

vgl. u.a. act. 1 Rz. 27, 81; act. 23 Rz. 45 ff., 54 f., 64 ff. 89 f.; 110 f.) erhöht hat. 

Auch das Erfordernis, wonach der Eintritt des geltend gemachten Schadens als 

annähernd sicher erscheinen muss, ist mithin nicht erfüllt. 

Das von der Klägerin im Eventualstandpunkt verlangte Beweisverfahren bzw. die 

Befragung aller rund 500 Geschädigten, ob und wieviel sie ohne die ISO-

Zertifizierung investiert hätten (act. 23 Rz. 44), kommt bei der vorliegenden unge-

- 42 - 

nügenden Behauptungslage ebenfalls nicht in Betracht, weil ein Beweisverfahren 

nach dem Gesagten nicht den Zweck hat, das massgebliche Behauptungsfunda-

ment aufzuzeigen, sondern die (genügend schlüssig) aufgestellten Behauptungen 

zu belegen. 

Mangels substanzierter Behauptungen kommt weder eine Schadensschätzung 

gemäss Art. 42 Abs. 2 OR noch ein Beweisverfahren zum eingetretenen Schaden 

in Betracht. 

2.4.3.3. Zwischenfazit 

Die Voraussetzung eines (substanziert geltend gemachten) Schadens der 

C._____ ist nicht erfüllt. 

2.5. Fazit zum namens der Klägerin geltend gemachten Anspruch der C._____ 

gegen die Beklagte aus Auftrag 

Ein Anspruch auf Schadenersatz aus dem Zertifizierungs- bzw. Überwachungs-

auftrag zwischen der C._____ und der Zertifizierungsstelle ist bereits deshalb zu 

verneinen, weil die Voraussetzung eines Kausalzusammenhangs zwischen einer 

allfälligen Vertragsverletzung durch die Zertifizierungsgesellschaft und einem 

Schaden der C._____ nicht erfüllt ist. Das Vorliegen eines Schadens wurde so-

dann nicht substanziert behauptet. Ausführungen zu den weiteren beklagtischen 

Einwänden (namentlich die Bestreitung einer Vertragsverletzung und der Passiv-

legitimation, die Verjährungseinrede, die geltend gemachte Verwirkung und die 

Berufung auf Haftungsbeschränkungsklauseln) erübrigen sich vor diesem Hinter-

grund. 

3. Namens der Klägerin geltend gemachter Anspruch der C._____ gegen die 
Beklagte auf Schadenersatz aus Organhaftung 

3.1. Sachverhalt und Streitpunkte 

Hinsichtlich des unbestrittenen Sachverhalts kann im Wesentlichen auf die Aus-

führungen verwiesen werden, welche im Zusammenhang mit dem Anspruch der 

- 43 - 

C._____ gegen die Beklagte aus Auftrag gemacht worden sind (vgl. Ziff. 2.1. hier-

vor). 

In der Klage führt die Klägerin aus, bekanntlich habe der Verwaltungsrat diverse 

unübertragbare und unentziehbare Aufgaben (Art. 716a OR). Der Verwaltungsrat 

solle sich (zwar) seinen Pflichten nicht dadurch entledigen können, dass er sich 

nach der Norm ISO 9001:2000 zertifizieren lasse und damit die Verantwortung an 

die Zertifizierungsstelle abschiebe. Dies sei aber mittlerweile weitläufig der Fall, 

insbesondere bei schwachen Verwaltungsräten. Auch im vorliegenden Fall habe 

der Verwaltungsrat der C._____ darauf vertraut, dass durch die Zertifizierung und 

die jährlichen Audits für ihn weder Risiken noch Handlungsbedarf bestanden hät-

ten (act. 1 Rz. 100). Durch die Zertifizierung bzw. die jährlichen Audits gebe die 

Zertifizierungsstelle dem Verwaltungsrat den Freipass, sich nicht mehr um Mana-

gementsysteme und interne Abläufe bzw. Kontrollmechanismen kümmern zu 

müssen. Diese würden von der Zertifizierungsstelle kontrolliert und gegebenen-

falls moniert. Damit übernehme die Zertifizierungsstelle aber unübertragbare 

Funktionen des Verwaltungsrates und werde damit selbst zu einem faktischen 

Organ (act. 1 Rz. 101). 

Die Beklagte bestreitet mit der Klageantwort, dass ihr hinsichtlich der C._____ ei-

ne faktische Organstellung zugekommen sei. Die Voraussetzungen für die An-

nahme einer solchen seien vorliegend nicht erfüllt. Der Auditor der B2._____ Ser-

vices AG bzw. der B1._____ Switzerland SA habe weder Entscheide getroffen, 

welche den Organen der Gesellschaft vorbehalten gewesen seien noch habe er in 

die eigentliche Geschäftsführung eingegriffen oder die Willensbildung der 

C._____ massgebend mitbestimmt. Der Auditor habe lediglich den Auftrag ge-

habt, das Managementsystem zu prüfen, zu zertifizieren und so