# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78ba430f-07aa-52fb-9152-e53e5aa34864
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240374-O1
**Docket/Reference:** SB240374-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240374-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240374-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. C. Maira und lic. iur. 

B. Amacker sowie die Gerichtsschreiberin MLaw A. Blaser

Urteil vom 14. April 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X1._____,

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 26. Oktober 2023 

(DG230008)

-   2   -

Anklage:

Die Anklage der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. April 2023 (Urk. 19) ist 

diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 125 S. 125 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren betreffend Betrugsvorwurf zum Nachteil von B._____, Inserat für 

iPhone XS vom 5. Dezember 2021, wird eingestellt.

2.

Der Beschuldigte ist schuldig

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der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 
Ziff. 1 StGB,

der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt im Sinne von 
Art. 196 StGB,

des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,

des mehrfachen, teilweise geringfügigen, Betrugs im Sinne von Art. 146 
Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB,

der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB,

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in 
Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten (wovon bis 

und mit heute 603 Tage durch Haft erstanden sind) und mit einer Geldstrafe von 

40 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 1'200.–) sowie mit einer Busse von 

Fr. 850.–.

4.

Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB 

(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. 

5.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten der stationären Massnahme aufge-

schoben. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.

-   3   -

6.

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 28 Tagen.

7.

Es wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot (Verbot jeder beruflichen und organi-

sierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minder-

jährigen umfasst) im Sinne von Art. 67 Abs. 3 StGB angeordnet.

8.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 2023 

beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerte Damenunterwäsche 

(BH) (A016'017'564) wird nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen an die 

Privatklägerin 1 (C._____) herausgegeben. Wird dieser Gegenstand nicht innert ei-

ner Frist von drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft beansprucht, wird er ohne 

weitere Mitteilung der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 2023 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerten Gegenstände



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Mobiltelefon Samsung (A016'056'034) mit SIM-Karte (A016'212'809)

externe Harddisk (A016'056'147)

USB-Stick (A016'056'250)

USB-Stick (A016'056'318)

USB-Stick (A016'056'363)

USB-Stick (A016'056'476)

USB-Stick (A016'056'487)

Brief (A016'056'534)

Brief (A016'056'556)

Replikapistole (A015'529'472)

Mobiltelefon Samsung (A015'529'483)

Mobiltelefon Samsung (A015'529'494)

9 Golfschläger (A015'531'085)

Koffer mit Schneeketten (A015'531'096)

Werkzeugkoffer (A015'531'109)

3 Kompletträder (A015'531'165)

2 Autoreifen (A015'531'176)

Autoreifen (A015'531'187)

Machete (A015'895'791)

Fingerring (A015'895'815)

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2 Ohrringe (A015'895'826)

1 Brosche und 2 Ohrstecker (A015'895'837)

Armreif (A015'895'848)

Schmuckschatulle mit Armband und Brosche (A015'895'860)

Tresor samt Inhalt (A015'895'871)

Mobiltelefon Samsung (A015'895'882) mit SIM-Karte (A016'494'852)

Mobiltelefon Samsung (A015'895'893 mit SIM-Karte (A016'494'829)

Werkzeuge (A016'064'258)

2 Lernfahrschilder magnetisch (A016'064'269)

werden nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen an den Beschuldigten her-

ausgegeben. Werden diese Gegenstände nicht innert einer Frist von drei Monaten 

nach  Eintritt  der  Rechtskraft  beansprucht,  werden  sie  ohne  weitere  Mitteilung  der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung überlassen.

10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 2023 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerten Gegenstände 



Mobiltelefon Samsung (A016'055'917) mit SIM-Karte (A016'212'774)

werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides der Lager-

behörde zur Vernichtung überlassen.

11. Die sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerten Gegenstände





Seitenschneider mit roten Griffen (A015'895'780)

diverse abgeschnittene Kabel (A015'895'804)

werden beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides der 

Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung überlassen.

12. Die unter den Referenznummern 0459-2022 und 0214-2022 bei der Kantonspolizei 

Zürich, CC-DF, gespeicherten Datensicherungen sind – soweit noch vorhanden – 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides durch diese zu löschen.

13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (C._____) Fr. 10'000.– als 

Genugtuung zu bezahlen.

14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 4 (D._____) Fr. 406.–, zuzüg-

lich 5 % Zins ab 29. November 2021, als Schadenersatz zu bezahlen.

-   5   -

15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 7 (E._____) Fr. 300.–, 

zuzüglich 5 % Zins ab 26. November 2021, als Schadenersatz zu bezahlen.

16. Die übrigen Privatkläger werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

17. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

10'000.– ;  die weiteren Auslagen betragen:

6'000.–

Gebühr Strafuntersuchung

1'023.–

Auslagen Untersuchung

180.–

Kosten ausserkantonale Untersuchung

2'920.–

Kosten Kantonspolizei Zürich 

17'663.60

Gutachten Dr. med. F._____

39'005.20

Kosten amtliche Verteidigung Rechtsanwalt MLaw
X2._____ (inkl. Barauslagen und MwSt, bereits entschä-
digt) 

Fr.

14'087.–

Kosten amtliche Verteidigung Rechtsanwalt lic. iur. 
X3._____ (inkl. Barauslagen und MwSt, bereits entschä-
digt)

Fr.

Fr.

33'000.–

Kosten amtliche Verteidigung Rechtsanwältin lic. iur. 
X4._____ (inkl. Barauslagen und MwSt)

9'400.–

Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin 
1, RAin MLaw Y._____ (inkl. Barauslagen und MwSt) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung 

der Privatklägerin 1, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtli-

chen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

19.

(Mitteilungen)

20.

(Rechtsmittel)

21.

(Rechtsmittel)"

-   6   -

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 207 S. 2 f.)

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Mein Mandant sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen.

Es sei keine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen.

Es sei kein Tätigkeitsverbot auszusprechen.

Meinem Mandanten sei in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO für die zu Un-

recht erstandene Haft eine angemessene Entschädigung zuzusprechen.

Die Zivilforderungen seien abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

Das Mobiltelefon Samsung, die Seitenschneider mit roten Griffen sowie diverse 

abgeschnittene Kabel seien dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf 

erstes Verlangen herauszugeben.

7.

Jegliche erkennungsdienstlichen Daten und das erstellte DNA-Profil seien mit 

Eintritt der Rechtskraft zu löschen.

8.

Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens seien auf die 

Staatskasse zu nehmen.

9.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss dem Ausgang des Verfahrens, 

wobei die Kosten der amtlichen Verteidigung gemäss eingereichter Honorarnote 

auf die Staatskasse zu nehmen seien. 

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 153)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

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c)

Der Vertretung der Privatklägerschaft C._____:

(Urk. 208 S. 1)

1.

Die Berufungsanträge des Beschuldigten bezüglich Dossier 1 der Anklage der 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. April 2023 (Berufungsanträge 

Ziff. 1., 2. und 4. der Berufung vom 14. August 2024) seien abzuweisen. 

2.

Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin C.______ gem. Art. 433 

StPO eine angemessene Entschädigung für ihre notwendigen Aufwendungen in 

diesem Verfahren zu bezahlen. 

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte / Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Berufungsanmeldung und -erklärung / unentgeltliche Rechtspflege

Noch vor Schranken und damit fristgerecht meldete der Beschuldigte gegen das 

eingangs  wiedergegebene  Urteil  des  Bezirksgerichts  Hinwil 

(nachfolgend 

Vorinstanz)  vom  26. Oktober  2023  an  und  beantragte  einen  Verteidigerwechsel 

(Prot. I S. 63). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 125 = Urk. 133) am 

25. Juli  2024  (Urk. 141/4-5),  reichte  der  Beschuldigte  mit  Eingabe  vom  29. Juli 

2024 eine Berufungserklärung ein, weil er sich nicht sicher war, ob seine neue amt-

liche  Verteidigung  dieser  Pflicht  in  seinem  Sinne  nachkommen  würde  (Urk. 135) 

und  reichte  eine  Kopie  des  begründeten  vorinstanzlichen  Urteils  zu  den  Akten 

(Urk. 136). Mit Eingabe vom 14. August 2024 reichte sodann die amtliche Verteidi-

gung  des  Beschuldigten  fristgerecht  eine  Berufungserklärung  ein  (Urk. 140).  Mit 

Präsidialverfügung vom 27. August 2024 wurde den Privatklägern und der Staats-

anwaltschaft eine Kopie der Berufungserklärung der Beschuldigten zugestellt und 

Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die 

Berufung zu beantragen (Urk. 145). Mit Eingabe vom 30. August 2024 erklärte die 

Staatsanwaltschaft  Verzicht  auf  Anschlussberufung  und  beantragte  die  Bestäti-

gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 153). Mit Eingabe vom 19. September 2024 

liess die Privatklägerin C._____ erklären, auf eine Anschlussberufung zu verzichten 

-   8   -

und ersuchte darum, auf eine erneute Befragung ihrerseits zu verzichten. Eventu-

aliter  beantragte  sie,  sie  im  Falle  einer  allfälligen  Befragung  von  einer  Person 

gleichen  Geschlechts  einzuvernehmen.  Weiter  ersuchte  sie  um  Bewilligung  der 

unentgeltlichen Rechtspflege und Einsetzung von Rechtsanwältin MLaw Y._____ 

als  unentgeltliche  Rechtsbeiständin  (Urk. 172).  Die  weiteren  Privatkläger  liessen 

sich  nicht  vernehmen.  Mit  Präsidialverfügung  vom  1. Oktober  2024  wurde  der 

Privatklägerin C._____ die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und Rechtsanwäl-

tin MLaw Y._____ als deren unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (Urk. 173). 

1.2. Eingaben des Beschuldigten

Mit  Schreiben  vom  29. Juli  2024  reichte  der  Beschuldigte  diverse  Unterlagen 

zuhanden  der  Akten  ein  und  machte  diverse  Ausführungen  zu  –  aus  Sicht  des 

Beschuldigten – gefälschten Urkunden. Diese wurden als Urk. 134 zu den Akten 

genommen. Der Beschuldigte reichte sodann diverse weitere Eingaben mit unver-

ständlichem und/oder nichts zur Sache beitragendem Inhalt ein, welche allesamt 

zu den Akten genommen wurden (Urk. 162, 182, 185-187, 191/1-3). 

1.3. Haftverfahren

1.3.1. Mit Beschluss der Vorinstanz vom 26. Oktober 2023 wurde die Sicherheits-

haft  bis  zur  Rechtskraft  des  vorinstanzlichen  Urteils  bzw.  bis  zum  Entscheid  der 

Verfahrensleitung des Berufungsgerichts, längstens bis zum 26. April 2024 verlän-

gert (Urk. 69). Mit Beschluss vom 30. April 2024 wurde diese sodann längstens bis 

zum 24. Juli 2024 verlängert (Urk. 100 = Urk. 113). Mit Eingabe vom 8. Mai 2024 

stellte  der  Beschuldigte  ein  Haftentlassungsgesuch  (Urk. 104),  welches  mit 

Beschluss vom 17. Mai 2024 abgewiesen wurde (Urk. 110). Hiergegen erhob der 

Beschuldigte Beschwerde, welche mit Beschluss vom 10. Juni 2024 abgewiesen 

wurde (Urk. 118). Am 17. Juli 2024 wurde verfügt, dass die Sicherheitshaft bis zum 

Entscheid über deren Verlängerung fortdauert (Urk. 122), worauf der Beschuldigte 

ein Haftentlassungsgesuch an die III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons 

Zürich  richtete,  welche  dieses  zuständigkeitshalber  der  Vorinstanz  weiterleitete 

(Urk. 128). Mit Beschluss vom 31. Juli 2024 wurde die Sicherheitshaft sodann bis 

-   9   -

zur  Rechtskraft  des  Urteils  bzw.  bis  zum  Entscheid  der  Verfahrensleitung  der 

Berufungsinstanz, längstens jedoch bis 24. Oktober 2024 verlängert (Urk. 129). 

1.3.2. Mit  Schreiben  vom  28. August  2024  richtete  sich  der  Beschuldigte  an  das 

Obergericht (Urk. 150). Mit Präsidialverfügung vom 30. August 2024 wurde hierauf 

der  Verteidigung  Frist  angesetzt,  um  zu  erklären,  was  für  Anträge  mit  diesem 

Schreiben gestellt werden (Urk. 151). Mit Eingabe vom 6. September 2024 erklärte 

diese,  es  handle  sich  um  ein  Haftentlassungsgesuch  an  welchem  festgehalten 

werde  und  ersuchte  um  antragsgemässe  Entscheidung  (Urk. 154).  Daher  wurde 

der Staatsanwaltschaft mit Präsidialverfügung vom 6. September 2024 Frist ange-

setzt, um hierzu Stellung zu nehmen (Urk. 156). Diese erklärte sodann mit Schrei-

ben vom 11. September 2024 Verzicht auf Stellungnahme (Urk. 163). Mit Präsidia-

lverfügung vom 16. September 2024 wurde das Gesuch des Beschuldigten abge-

wiesen  und  festgehalten,  dass  die  Sicherheitshaft  demnach  einstweilen  bis  zum 

24. Oktober  2024  fortdauert  (Urk. 169).  Mit  Präsidialverfügung  vom  8. Oktober 

2024  wurde  dem  Beschuldigten  und  der  Staatsanwaltschaft  Frist  angesetzt,  um 

sich zur Verlängerung der Sicherheitshaft zu äussern und verfügt, dass die Sicher-

heitshaft  bis  zum  definitiven  Entscheid  über  deren  Verlängerung  fortdauert 

(Urk. 175). Mit Eingabe vom 10. Oktober 2024 beantragte die Staatsanwaltschaft 

die Verlängerung der Sicherheitshaft  (Urk. 177). Die Verteidigung liess hingegen 

mitteilen,  auf  eine  Stellungnahme  zu  verzichten  (Urk. 178),  worauf  mit  Präsidial-

verfügung  vom  17. Oktober  2024  die  Sicherheitshaft  bis  zum  Endentscheid  der 

Berufungsinstanz in der Hauptsache verlängert wurde (Urk. 180). 

1.4. Amtliche Verteidigung

Im Nachgang an die Urteilseröffnung wurde der amtlichen Verteidigung, Rechtsan-

wältin lic. iur. X4._____, mit vorinstanzlicher Präsidialverfügung vom 27. Oktober 

2023 Frist angesetzt, um zum mündlich anlässlich der Urteilseröffnung gestellten 

Gesuch  des  Beschuldigten  auf  Wechsel  der  amtlichen  Verteidigung  Stellung  zu 

nehmen (Urk. 71). Mit Eingabe vom 7. November 2023 ersuchte diese um Entlas-

sung als amtliche Verteidigung mit sofortiger Wirkung (Urk. 74). Mit Beschluss der 

Vorinstanz vom 20. Dezember 2023 wurde das Gesuch des Beschuldigten gutge-

-   10   -

heissen,  dessen  amtliche  Verteidigerin  als  solche  entlassen  und  Rechtsanwalt 

MLaw X1._____ per sofort als neuer amtlicher Verteidiger einsetzt (Urk. 82). 

1.5. Berufungsverhandlung

1.5.1. Am 10. Februar 2025 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 

14. April 2025, 10.00 Uhr, vorgeladen, wobei die Staatsanwaltschaft nur fakultativ 

vorgeladen  wurde  und  die  Privatklägerin  C._____  nicht  zum  persönlichen 

Erscheinen verpflichtet wurde (Urk. 192).

1.5.2. Zur  heutigen  Berufungsverhandlung  erschienen  die  amtliche  Verteidigung 

des Beschuldigten, Rechtsanwalt MLaw X1._____ und die Vertreterin der Privat-

klägerin C._____, Rechtsanwältin MLaw Y._____. Der Beschuldigte weigerte sich 

vorgeführt zu werden, womit er unentschuldigt nicht erschienen ist (Prot. II S. 13 f. 

i.V.m. Urk. 203). Es war weder über Vorfragen noch Beweisanträge zu entscheiden 

(Prot. II S. 13 ff.). In der Sache selbst stellten die Parteien die eingangs wiederge-

gebenen Anträge (Urk. 153 i.V.m. Urk. 207 S. 2 f., Urk. 208 S. 1 und Prot. II S. 13 

f.). Das Verfahren ist spruchreif. 

2.

Umfang der Berufung

2.1. Die Berufungserklärung richtet sich gegen sämtliche Schuldsprüche (Dispo-

sitivziffer 2), die Sanktionen (Dispositivziffern 3-4), den Vollzug und die Ersatzfrei-

heitsstrafe (Dispositivziffer 7), die Einziehung und Vernichtung des Mobiltelefons 

mit SIM-Karte, des Seitenschneiders mit roten Griffen sowie diverser abgeschnitte-

ner  Kabel  (Dispositivziffer  10-11),  die  Verpflichtung  zu  Bezahlung  von  Schaden-

ersatz und Genugtuung (Dispositivziffer 13-15), die Kostenfestsetzung (Dispositiv-

ziffer  17)  sowie  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  und  den  Vorbehalt  einer 

Nachforderung  (Dispositivziffer  18).  Die  amtliche  Verteidigung  beantragte,  der 

Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Es sei keine therapeutische 

Massnahme und kein Tätigkeitsverbot anzuordnen. Das Mobiltelefon Samsung, die 

Seitenschneider mit roten Griffen sowie diverse abgeschnittene Kabel seien dem 

Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben. 

Sämtliche Zivilforderungen der Privatkläger seien abzuweisen, eventualiter auf den 

-   11   -

Zivilweg zu verweisen. Die Gerichtsgebühren seien die weiteren Auslagen betref-

fend in angemessener Höhe festzusetzen. Die Verfahrenskosten seien vollumfäng-

lich  auf  die  Staatskasse  zu  nehmen.  Unter  ausgangsgemässen  Kosten-  und 

Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.; Urk. 140 S. 3). Hierbei blieb es auch anlässlich 

der  Berufungsbegründung  (Urk. 207  S.  2  f.),  wobei  zusätzlich  die  Zusprechung 

einer angemessenen Entschädigung für die zu Unrecht erstandene Haft beantragt 

wurde.

2.2. Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich 

anzugeben, auf welche der folgenden Teile sich die Berufung beschränkt, nämlich 

den Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen sowie die Bemes-

sung der Strafe und weitere Punkte (Art. 399 Abs. 3 und Abs. 4 StPO). Da mit der 

Berufungserklärung Dispositivziffer 16 – im Gegensatz zu den Dispositivziffern 13 

bis 15 – nicht angefochten wurde, ist diese trotz Antrag anlässlich der Berufungs-

begründung, es seien sämtliche Zivilforderungen abzuweisen, eventualiter auf den 

Zivilweg  zu  verweisen,  in  Rechtskraft  erwachsen.  Da  für  die  adhäsionsweise 

Beurteilung  von  Zivilforderungen  im  Strafprozess  die  zivilprozessuale  Verhand-

lungsmaxime gilt (BGE 127 IV 215 E. 2d), wäre der Entscheid der Vorinstanz im 

Übrigen mangels substantiierter Begründung (vgl. Urk. 207) ohnehin zu bestätigen 

gewesen. 

2.3. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind somit Dispositivziffer 1 

(Einstellung des Verfahrens betreffend Betrugsvorwurf zum Nachteil von B._____), 

Dispositivziffer 8 (Entscheid über beschlagnahmte Damenunterwäsche), Disposi-

tivziffer 9 (Entscheid über diverse beschlagnahmte Gegenstände), Dispositivziffer 

12 (Entscheid über Datensicherungen) und Dispositivziffer 16 (Verweis div. Scha-

denersatzbegehren auf den Zivilweg). Dies ist vorab mittels Beschluss festzustel-

len. 

3.

Formelles

3.1. Die urteilende Instanz muss sich nicht mit allen Parteistandpunkten einläss-

lich  auseinandersetzen  und  jedes  einzelne  Vorbringen  ausdrücklich  widerlegen 

(vgl.  BGE  136  I  229  E. 5.2;  BGer  6B_1130/2014  vom  8.  Juni  2015  E. 4).  Die 

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Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte 

beschränken.

3.2. Soweit  nachfolgend  auf  Erwägungen  der  Vorinstanz  im  angefochtenen 

Entscheid  verwiesen  wird,  erfolgt  dies  in  Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO 

(vgl. dazu etwa BGer 6B_570/2019 vom 23. September 2019 E. 4.2 m.w.H., sowie 

NYDEGGER,  Der  Verweis  auf  die  Entscheidbegründung  der  Vorinstanz  gemäss 

Art. 82  Abs. 4  StPO,  recht  2021,  S. 15 ff.),  auch  ohne  dass  dies  jeweils  explizit 

Erwähnung findet.

3.3. Nachdem einzig der Beschuldigte Berufung führt, steht die Überprüfung des 

vorinstanzlichen  Urteils  unter  dem  Vorbehalt  des  Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Schuldpunkt

A.

Sachverhalt

1.

Vorbemerkungen

1.1. Auf  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zu  den  Beweisregeln  (Urk. 133 

E. III.1.1.-1.7. S. 7-10), den vorhandenen Beweismitteln und deren Verwertbarkeit 

(Urk. 133 E. III.2. S. 10 f.) sowie zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten (Urk. 133 

E. III.3.1.-3.6. S. 11-13) kann verwiesen werden. Auch auf die Zusammenfassung 

des Anklagevorwurfs kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vollumfäng-

lich verwiesen werden (Urk. 133 E. III.4.2. S. 13-15). Diese sind zutreffend. 

1.2. Die Verteidigung beantragte einen vollumfänglichen Freispruch. Sie setzte 

sich mit den Anklagevorwürfen sowie den Erwägungen der Vorinstanz zur Sach-

verhaltserstellung  jedoch  –  mit  Ausnahme  der  die  Privatklägerin  C._____  betref-

fenden Punkte – nicht auseinander (vgl. Urk. 207). 

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2. Mehrfache Sexuelle Nötigungen / mehrfache sexuelle Handlungen mit 

Kindern (teilweise gegen Entgelt) (Dossier 1)

2.1. Vorbringen der Verteidigung

2.1.1. Beweiswert der Chatprotokolle

2.1.1.1. Die  Verteidigung  machte  geltend,  die  vorhandenen  Chatverläufe  würden 

entgegen der Vorinstanz kein objektives Beweismittel darstellen, welches sowohl 

den Sachverhalt hinsichtlich des Vorfalles vom 27. März 2022 als auch hinsichtlich 

der früheren Vorfälle stütze. Die Vorinstanz erwecke den Eindruck, dass die Chat-

protokolle gegenüber den Aussagen der Privatklägerin einen erhöhten Beweiswert 

hätten, was nicht zutreffe. Die Chats seien maximal objektive Beweismittel für deren 

Inhalt, nicht aber in Bezug auf die dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen. 

Aus den Chats gehe sodann entgegen der Vorinstanz auch nicht hervor, dass es 

zu irgendwelchen Handlungen gekommen sei (Urk. 207 S. 6 f. Rz. 5-8). 

2.1.1.2. Die  vorhandenen  Chatprotokolle  bzw.  deren  Inhalt  stellen  zwar  keine 

direkten Beweismittel dar. Es handelt sich bei den Chatinhalten jedoch um Indizien, 

wobei der Indizienbeweis der Regelfall darstellt und es genau genommen gar keine 

Abgrenzung zwischen Indizienbeweis und direktem Beweis gibt. Diese Indizien gilt 

es nachfolgend kritisch zu würdigen, was die Klärung der Frage beinhaltet, ob aus 

diesen hervorgeht, dass es zu Handlungen der angeklagten Art gekommen ist.  

2.1.2. Beweiswert des Gutachtens

2.1.2.1. Die  Verteidigung  führte  weiter  aus,  die  Vorinstanz  stütze  sich  bei  der 

Erstellung des Sachverhalts auf das forensisch-psychiatrische Gutachten und halte 

u.a. fest, das Verhalten des Beschuldigten passe zu den Untersuchungsergebnis-

sen, insbesondere den gutachterlichen Feststellungen. Das Gutachten habe jedoch 

nicht  zum  Zweck,  den  Sachverhalt  zu  erstellen.  Dieses  basiere  auf  der  Delikts-

hypothese und könne nicht im Rahmen der Beweiswürdigung zur Grundlage für die 

Begehung der Delikte herbeigezogen werden (Urk. 207 S. 7 f. Rz. 9-11).  

2.1.2.2. Das vorhandene Gutachten stellt, wie dies die Verteidigung korrekt festhält, 

keinen Beweis zur Erstellung des Sachverhaltes dar. Immerhin ist jedoch auffällig, 

-   14   -

dass  die  Feststellungen  der  Gutachterin  mit  dem  Eindruck  des  Gerichts  vom 

Beschuldigten  bzw.  von  dessen  Aussageverhalten  korreliert.  Der  Beschuldigte 

brachte  immer  wieder  ganz  merkwürdige  Erklärungsversuche  vor,  die  nicht 

untypisch sind für eine Person mit einer Diagnose, wie sie die Gutachterin stellt. 

Diese Feststellung spielt aber für die Erstellung des Sachverhaltes keine entschei-

dende Rolle. 

2.1.3. Allgemeine Glaubwürdigkeit der Parteien

2.1.3.1. Die  Verteidigung  rügte  weiter,  die  Vorinstanz  verkenne,  dass  die  Glaub-

würdigkeit der Parteien gegenüber der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen eine deutlich 

untergeordnete Rolle spiele (Urk. 207 S. 9 Rz. 14 f.). Indem die Vorinstanz in erster 

Linie  auf  die  Glaubwürdigkeit  der  Beteiligten  abstelle,  anstatt  eine  methodische 

Analyse  des  Inhalts  vorzunehmen,  verstosse  sie  gegen  die  bundesgerichtliche 

Rechtsprechung. 

2.1.3.2. Zudem  nehme  sie  die  Glaubwürdigkeitsanalyse  voreingenommen  vor, 

indem sie die gutachterlich festgestellte psychische Störung des Beschuldigten zu 

dessen  Lasten  auslege  und  eindeutige  Warnsignale  bei  der  Privatklägerin  unter 

den Teppich kehre (Urk. 207 S. 9 f. Rz. 16). Dem Beschuldigten werde – sich auf 

das Gutachten berufend – vorgeworfen, lebensfremde Aussagen zu machen und 

sich in Fantasieerzählungen zu verlieren. Die Vorinstanz gehe wegen der ASS-Er-

krankung des Beschuldigten davon aus, dass dieser grundsätzlich unglaubwürdig 

sei (Urk. 207 S. 10 f. Rz. 17 f.). Sodann wende sie beim Beschuldigten denselben 

Massstab an, wie bei gesunden bzw. nicht ASS-betroffenen Personen und werte 

sein abweichendes Verhalten gegen ihn (Urk. 207 S. 11 Rz. 19). 

2.1.3.3. Obwohl sowohl die Privatklägerin als auch die Zeugin G._____ offensicht-

lich  gelogen  hätten,  die  Motive  für  die  Falschaussagen  aber  ausserhalb  des 

Verfahrens hätten verortet werden können, tue dies aus Sicht der Vorinstanz deren 

Glaubwürdigkeit keinen Abbruch (Urk. 207 S. 12 Rz. 22). Auf die erlebten Trauma-

tisierungen und den allgemeinen Zustand der Privatklägerin sei die Vorinstanz nicht 

näher eingegangen (Urk. 207 S. 12 Rz. 23). Die Privatklägerin habe auf Chatseiten 

Treffen mit Männern für ihre Mutter organisiert, sei fremdplatziert worden, habe seit 

-   15   -

längerem psychische Probleme, sei gemäss ihren Aussagen seit ein paar Monaten 

clean  –  wobei  unklar  sei,  worauf  sich  diese  Aussage  beziehe  –  und  sei  gefragt 

worden, ob sie schon einmal etwas von der Borderline-Störung gehört habe, was 

die Privatklägerin verneint habe, obwohl Selbstverletzungen ein häufiges Symptom 

einer Borderline-Störung seien. Eine solche Störung sei geeignet, sich negativ auf 

die Zuverlässigkeit der Aussagen der Privatklägerin auszuwirken (Urk. 207 S. 13 

Rz. 24 f.). Bei Anzeichen einer Traumatisierung, wie sie bei der Privatklägerin vor-

lägen, sei auf jeden Fall ein aussagepsychologisches Gutachten einer Fachperson 

einzuholen,  wolle  man  auf  die  fraglichen  Aussagen  abstellen  (Urk. 207  S. 14  f. 

Rz. 27 f.). 

2.1.3.4. Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  kommt  der  Glaubhaftigkeit 

der konkreten Aussagen mehr Bedeutung zu als der Glaubwürdigkeit einer Person 

im  Sinne  einer  dauerhaften  personalen  Eigenschaft  (BGE  133  I  33  E. 4.3.).  Es 

besteht jedoch kein genereller Massstab, wie viel Bedeutung der Glaubwürdigkeit 

und wie viel Bedeutung der Glaubhaftigkeit konkret zukommt. Dies ist jeweils im 

Rahmen der Einzelfallbetrachtung zu eruieren. Wenn eine Person etwa bezüglich 

etlicher  Delikte  immer  unglaubhaft  aussagt,  erscheint  sie  hinsichtlich  ihrer  Aus-

sagen bezüglich weiterer Delikte eher unglaubwürdig. In solchen Konstellationen 

kann die Glaubwürdigkeit durchaus eine Rolle spielen. Der Beschuldigte bestreitet 

vorliegend  sämtliche  Tatvorwürfe  und  bringt  hierfür  –  wie  noch  aufzuzeigen  sein 

wird – absolut unglaubhafte Erklärungen vor, was seine generelle Glaubwürdigkeit 

beeinträchtigt. Ausschlaggebend ist vorliegend jedoch die Glaubhaftigkeit der Aus-

sagen. 

2.1.3.5. Die  Aussagen  des  Beschuldigten  sind  im  Rahmen  der  Glaubhaftigkeits-

prüfung regelkonform zu würdigen, bestehen doch keinerlei Anhaltspunkte dafür, 

dass  dieser  –  allenfalls  bedingt  durch  seine  Erkrankung  –  während  den  Einver-

nahmen nicht einvernahmefähig gewesen wäre. Die Erkrankung des Beschuldigten 

an sich ist nicht im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen, sondern im 

Rahmen der Schuldfähigkeit. 

2.1.3.6. Die Privatklägerin wurde im Rahmen ihrer Einvernahme zwar tatsächlich 

danach gefragt, ob sie schon einmal etwas von der Borderline-Störung gehört habe, 

-   16   -

konkrete Anhaltspunkte, welche dafür sprechen würden, dass eine solche bei ihr 

gegeben ist, liegen jedoch nicht vor. Die Privatklägerin selbst verneinte denn auch, 

je von der Störung gehört zu haben (Urk. D1/4/7 F/A 454-456). Weiter erklärte sie, 

man habe ihr keine psychische Krankheit diagnostiziert (Urk. D1/4/7 F/A 452). Nur 

weil die Privatklägerin eine schwierige Jugend durchlebt und gewisse psychische 

Probleme hat, muss dies noch lange nicht bedeuten, dass sie an einer Borderline-

Störung leidet und/oder falsche Aussagen tätigt. Das Gericht muss ohne konkrete 

Anhaltspunkte auch nicht davon ausgehen, dass eine solche Störung vorliegt, nur 

weil diese nicht ausgeschlossen wurde. Auch die einzelne Lüge der Privatklägerin 

stellt  im  Übrigen  keinen  solchen  Anhaltspunkt  dar,  lässt  sich  diese  doch  ohne 

weiteres  auf  andere  Umstände  zurückführen,  worauf  im  Rahmen  der  konkreten 

Aussagewürdigung einzugehen sein wird. 

2.1.3.7. Eine  Glaubwürdigkeitsbegutachtung  durch  eine  sachverständige  Person 

drängt sich sodann nur bei besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der Fall, wenn 

bruchstückhafte  oder  schwer  interpretierbare  Äusserungen  eines  Kleinkinds  zu 

beurteilen  sind,  bei  ernsthaften  Anzeichen  geistiger  Störungen,  welche  die  Aus-

sageehrlichkeit beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, 

dass eine Person unter dem Einfluss von Drittpersonen steht (BGer 6B_1176/2021 

vom 26. April 2023 E. 2.2.). Solche besonderen Umstände liegen vorliegend nicht 

vor. Insbesondere würde auch das Vorliegen einer Borderline-Störung hieran nichts 

zu  ändern  vermögen  (BGer  6B_1176/2021  E. 2.5.1.  und  E. 2.5.2.).  Mithin  ist 

gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  nicht  davon  auszugehen,  dass 

Personen  mit  einer  Borderline-Störung  per  se  lügen  bzw.  unglaubwürdig  sind. 

Davon geht im Übrigen auch die Fachliteratur aus. Bei Personen mit einer Border-

line-Persönlichkeitsstörung  besteht  im  Regelfall  keine  gravierende  Beeinträch-

tigung der einzelnen Dimensionen der Aussagetüchtigkeit, sofern nicht für den Zeit-

punkt des in Frage stehenden Ereignisses oder der Aussage selbst eine psychoti-

sche oder schwere dissoziative Episode festzustellen ist (LAU, Gang und Gesichts-

punkte  der  psychiatrischen  Beurteilung  der  Aussagetüchtigkeit  bei  erwachsenen 

Zeugen,  in:  Swiss  Archives  of  Neurology,  Psychiatry  und  Psychotherapy,  S. 30; 

BÖHM/LAU, Borderline-Persönlichkeitsstörung und Aussagetüchtigkeit, in: Forensi-

sche  Psychiatrie,  Psychologie,  Kriminologie  1,  S. 50 ff.).  Sodann  ergibt  sich  aus 

-   17   -

dem Kontext ihrer Aussage klar, dass die Privatklägerin mit dem Ausdruck, sie sei 

seit ein paar Monaten clean, meinte, dass sie sich seit einigen Monaten nicht mehr 

ritze (Urk. D1/4/7 F/A 449), womit auch kein Hinweis auf eine allfällige Drogensucht 

besteht. 

2.1.4. Notwendigkeit eines aussagepsychologischen Gutachtens

2.1.4.1. Die Verteidigung führt weiter aus, das Gericht könne aus fachlichen Über-

legungen  nicht  immer  selbst  die  Aussagewürdigung  vornehmen.  In  Deutschland 

würden aussagepsychologische Gutachten, v.a. wenn Kinder involviert seien, zum 

Standard gehören (Urk. 207 S. 15 f. Rz. 30). Auch das Bundesgericht anerkenne, 

dass Personen am sog. false memory syndrome leiden könnten. In diesem Zusam-

menhang  sei  es  wichtig,  die  sog.  Geburtsstunde  der  Vorwürfe  genauer  anzu-

schauen. Vorliegend habe eine Sozialpädagogin des Heims, in welchem die Privat-

klägerin untergebracht gewesen sei, auf eine Anzeige bestanden. Hierbei sei ein 

suggestiver  Einfluss  der  Sozialpädagogin  nicht  auszuschliessen.  Die  therapeu-

tischen  Absichten,  eine  allenfalls  erfolgte  Traumatisierung  aufzudecken,  könnten 

ursächlich  für  falsche  Erinnerungen  an  Traumata  sein  (Urk. 207  S. 16  Rz. 31  f.). 

Anstatt  davon  auszugehen,  dass  die  Schilderungen  der  Privatklägerin  nicht  zu-

treffen  könnten  und  die  Aussagen  auf  Fehlerquellen  hin  zu  überprüfen,  sei  die 

Vorinstanz davon ausgegangen,  dass  die Aussagen  zutreffen und keine Gründe 

erkennbar seien, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten fälschlicherweise 

bezichtigen sollte (Urk. 207 S. 18 Rz. 34). Bei Auffälligkeiten in der Person, welche 

hier  vorlägen,  sei  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ein  Glaubhaftig-

keits-  bzw.  Glaubwürdigkeitsgutachten  sachlich  geboten  (Urk. 207  S. 18  Rz. 36). 

Auf die Aussagen der Privatklägerin könne ohne diese weiteren Abklärungen nicht 

abgestellt werden. Deren Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte bzw. die un-

zähligen Elemente, die auf eine mögliche verzerrende Wirkung hinwiesen, müssten 

deutliche, unüberwindbare Zweifel daran wecken, dass die Privatklägerin in ihren 

Einvernahmen tatsächlich Erlebtes geschildert habe (Urk. 207 S. 19 Rz. 38). 

2.1.4.2. Die  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  von  Aussagen  ist  primär  Sache  der 

Gerichte  (BGer  6B_1176/2021  vom  26. April  2023  E. 2.2.).  Nach  der  Recht-

sprechung  drängt  sich  der  Beizug  eines  Sachverständigen  für  die  Prüfung  der 

-   18   -

Glaubhaftigkeit  von  Beweisaussagen  in  der  Regel  erst  auf,  wenn  das  Gericht 

aufgrund besonderer Umstände auf zusätzliches medizinisches oder psychologi-

sches  Fachwissen  angewiesen  ist.  Dies  gilt  namentlich,  wenn  Anzeichen  dafür 

bestehen, die betreffende Person könnte wegen einer ersthaften geistigen Störung, 

Drogensucht oder sonstiger Umstände in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder 

Wiedergabefähigkeit  beeinträchtigt  und  zur  wahrheitsgemässen  Aussage  nicht 

fähig oder nicht willens sein (BGer 6B_653/2016 vom 19. Januar 2017 E. 3.2. mit 

Verweisen). Solche besonderen Umstände liegen auch dann vor, wenn bruchstück-

hafte oder schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind 

(BGer 6B_1176/2021 vom 26. April 2023 E. 2.2.). 

2.1.4.3. Angesichts der zweimalig fachgerecht, auf Video aufgezeichneten Befra-

gungen der Privatklägerin bestehen vorliegend keine besonderen Umstände, die 

ein  aussagepsychologisches  Gutachten  rechtfertigen  würden.  Die  Privatklägerin 

war bei der Befragung bereits 14 Jahre alt und damit kein Kleinkind mehr. Sie war 

für  ihr  Alter  normal  entwickelt  und  intelligent.  Wie  noch  aufzuzeigen  sein  wird, 

konnte sie das Geschehen differenziert beschreiben, wobei sie sich einer alters-

gerechten  Sprache  bediente  und  klar  äussern  konnte,  was  passiert  ist  und  was 

nicht. Es kam weder zu Suggestionen noch Verwechslungen mit allfälligen früheren 

Vorfällen, für welche im Übrigen keine Anhaltspunkte bestehen. Ihre Aussagen sind 

daher  ohne  kinderspezifische  Fachkenntnisse  zu  verstehen.  Damit  erübrigt  sich 

das Einholen eines Glaubhaftigkeitsgutachtens. 

2.1.4.4. Auch die Tatsache, dass es eine Betreuerin der Privatklägerin war, welche 

die  Polizei  informierte,  vermag  hieran  nichts  zu  ändern.  Bei  dieser  Betreuerin 

handelte es sich nicht um die Therapeutin der Privatklägerin. Die Privatklägerin ver-

traute sich ihr im Alltag an, mithin wurden die Geschehnisse nicht im Rahmen einer 

Therapie  aufgearbeitet  bzw.  traten  hierbei  zu  Tage.  Hinweise  auf  das  Vorliegen 

eines false memory syndrom liegen nicht vor. Gegen das Vorliegen eines solchen 

sprechen im Übrigen auch die Aussagen der Zeugin G._____. Diese führte aus, die 

Privatklägerin habe sich ihr bereits früher – und damit noch vor dem Gespräch mit 

der Betreuerin – einmal anvertraut (Urk. D1/5/1 F/A 50 i.V.m. F/A 97-105). Weiter 

sprechen  aber  auch  deren  Beobachtungen  vom  Verhalten  der  Privatklägerin  am 

-   19   -

27. März  2022  sowie  die  Tatsache,  dass  sich  diese  ihr  bezüglich  diesem  Vorfall 

direkt im Anschluss anvertraute, gegen das Vorliegen eines false memory syndrom 

(vgl. Urk. D1/5/1 F/A 79-80 i.V.m. F/A 91 und Urk. D1/5/1 F/A 87-90). 

2.2. Grundsätzliches zum Aussageverhalten

2.2.1. Wie  noch  aufzuzeigen  sein  wird,  schilderte  die  Privatklägerin  altersent-

sprechend,  zurückhaltend,  lebensnah,  detailliert  und  im  Wesentlichen  wider-

spruchsfrei  die  verschiedenen  Vorfälle  zwischen  ihr  und  dem  Beschuldigten 

während der Beschuldigte sämtliche Vorfälle eher pauschal abstritt bzw. für jenen 

vom  27. März  2022  ein  zwar  detailliertes  jedoch  eher  abwegig  wirkendes  Alter-

nativszenario schilderte. 

2.2.2. Bei den Aussagen der Privatklägerin fällt insgesamt auf, dass diese zurück-

haltend sind und den Beschuldigten zwar schwer aber nicht mehr als nötig belas-

ten. So gab sie etwa an, der Beschuldigte habe sie nie mit Zunge geküsst. Er habe 

dies nur am 27. März 2022 versucht (Urk. D1/4/1 F/A 268-273). 

2.2.3. Die Privatklägerin stellte den Beschuldigten auch nicht unnötig schlecht dar. 

Ganz im Gegenteil machte sie geltend, mit dem Beschuldigten auch wieder Kontakt 

aufgenommen zu haben, weil sie habe wissen wollen, wie es ihm gehe. Sie hätten 

sehr guten Kontakt gehabt, trotz allem. Als sie online gesehen habe, dass er eine 

Freundin habe, habe sie nämlich gedacht, endlich habe er eine, vielleicht gehe es 

ihm besser (Urk. D1/4/1 F/A 277-279). Sie meinte auch, er sei lustig, nett und gross-

zügig gewesen, wenngleich sie einschränkte, dass er auch gewollt habe, dass sie 

Sachen mache, so als wäre er der Chef, wobei sie zögerte das Wort Druck zu ver-

wenden (Urk. D1/4/7 F/A 38-40). 

2.2.4. Einen authentischen und nicht etwa auswendiggelernten oder einstudierten 

Eindruck machen die Aussagen der Privatklägerin auch deshalb, weil ihr aufgrund 

ihres kindlichen Alters gewisse Kenntnisse fehlen, was im Rahmen der Befragung 

wiederholt zum Ausdruck kam. So reagierte sie etwa auf die Frage, ob der Beschul-

digte  zum  Samenerguss  gekommen  sei,  mit  einer  nachvollziehbaren  Rückfrage 

danach, ob das dann sei, wenn Sperma komme (Urk. D1/4/7 F/A 303). Ausserdem 

-   20   -

schilderte sie etwa, dass sie sich gefragt habe, was komme als der Beschuldigte 

ihr eröffnet habe, er komme bald. Sie habe das zuerst nicht verstanden (Urk. D1/4/7 

F/A 306). 

2.2.5. Zum  Aussageverhalten  des  Beschuldigten  fällt  in  erster  Linie  auf,  dass  er 

diverse  äusserst  seltsam  wirkende  Abläufe  schilderte.  So  erklärte  er  etwa,  bei 

seiner Verhaftung am 8. April 2022 als die Polizei bei ihm geklopft habe, zunächst 

gefragt zu haben, ob es um seinen Notruf vom Vorabend gehe, den er wegen des 

Verdachts auf eine versuchte Tötung gewählt habe (Urk. D1/3/1 F/A 9). Dass dies 

just am Vorabend der Fall gewesen sein soll, erscheint äusserst unwahrscheinlich. 

Sodann führte er an, die Privatklägerin habe ihm erzählt, dass deren Mutter diese 

an  80-jährige  und  andere  Klienten  verkaufe.  Diese  sei  mehrfach  missbraucht 

worden (Urk. D1/3/1 F/A 10). Anzeige habe er deshalb nicht erstattet, schliesslich 

passiere es nur sehr selten, dass man gegen die eigene Familie aussage und er 

habe  verhindern  wollen,  dass  er  schlecht  dastehe,  wenn  sie  alles  abstreite 

(Urk. D1/3/1 F/A 27). Auch diese Schilderung erscheint äusserst unwahrscheinlich 

und wird so auch von niemand anderem – insbesondere auch nicht von der Privat-

klägerin – bestätigt. 

2.2.6. Der Beschuldigte schmückte die Erzählung der Prostitution der Privatklägerin 

denn auch mit unzähligen Details aus, etwa zu einem ca. 20 cm grossen Postauto-

horn  an  einer  Tür,  einem  ca.  40  cm  langen  Messer,  welches  eine  blonde  Frau 

jeweils in der Hand habe, wenn die Privatklägerin in einem Zimmer am Arbeiten sei 

(Urk. D1/3/2 F/A 6). Damit sagte er nicht nur deutlich detaillierter aus als noch an 

der ersten Einvernahme, was ein Lügensignal darstellt, zumal er Zeit hatte, sich die 

Geschichte genauer zurecht zu legen. Es handelt sich auch um äusserst seltsam 

anmutende  Details,  –  insbesondere  hinsichtlich  der  Grössenangaben  –  welche 

nicht von einer natürlichen Erzählung der Privatklägerin oder Beobachtungen des 

Beschuldigten vor Ort zu erwarten wären. Die Aussagen des Beschuldigten sind 

von einer derartigen Detailverliebtheit (Glatze des Barinhabers, blonde Frau mit ca. 

40 cm langem Messer in der Hand, 20 Treppenstufen zur Prostituierten hoch), dass 

sie  nicht  einem  natürlichen  Erinnerungsvermögen  zu  entspringen  scheinen, 

sondern vielmehr ausgedacht wirken.

-   21   -

2.2.7. Auch die Aussagen darüber, wie die Mutter der Privatklägerin diese in einem 

anderen Verfahren instruiert habe, wie man glaubhafte Aussagen mache, nämlich 

möglichst detailliert (Urk. D1/3/2 F/A 11), erscheinen in einem seltsamen Licht. Es 

erscheint äusserst unwahrscheinlich, dass die Mutter der Privatklägerin ihr dies bei-

gebracht und ihm anschliessend darüber berichtet haben soll. Sodann fällt gerade 

der Beschuldigte damit auf, äusserst – deutlich mehr als üblich – detailliert auszu-

sagen. Die Details, welche er in seinen Ausführungen vorbringt, erscheinen denn 

auch  keineswegs  einer  authentischen  Schilderung  seiner  Erinnerungen  zu  ent-

springen sondern vermitteln vielmehr, wie bereits ausgeführt, einen einstudierten 

Eindruck. 

2.2.8. Der Beschuldigte schweifte sodann teilweise auch vom eigentlichen Thema 

ab, indem er etwa, danach gefragt, ob er aufgrund des geschilderten Missbrauchs 

an der Privatklägerin Anzeige erstattet habe, zusammenhanglos ausführte, er habe 

bis zum 15. März 2022 über 10 Monate lang eine Freundin gehabt, mit der er in 

einer Beziehung gewesen sei. Auch diesbezüglich sagte er ungewöhnlich detailliert 

aus, etwa dazu wie lange sie zusammen gewesen seien, wer die Beziehung been-

det  habe  und  wie  alt  seine  Freundin  gewesen  sei  (Urk. D1/3/1  F/A 27).  Sodann 

erklärte er im Zusammenhang mit der Schilderung des Vorfalls vom 27. März 2022 

zusammenhangslos aus, die Privatklägerin habe ihn gefragt, ob "wir jemanden um-

bringen wollen" (Urk. D1/3/1 F/A 10), was in Anbetracht der weiteren Umstände ab-

solut unglaubhaft erscheint und womit er auch versuchte, sie schlecht darzustellen. 

So  führte  er  im  Anschluss  auch  aus,  man  unterschätze  sie  mit  ihren  14  Jahren 

(Urk. D1/3/1 F/A 10). Der Beschuldigte meinte zwar, er könne dies beweisen, da 

sie  ihm  dies  geschrieben  habe  (Urk. D1/3/1  F/A 32),  legte  den  entsprechenden 

Chatauszug jedoch nie vor, was in einer derartigen Situation zu erwarten wäre. Aus 

den  in  den  Akten  liegenden  Unterlagen  hierzu,  ist  eine  derartige  Nachricht  der 

Privatklägerin jedenfalls nicht ersichtlich. 

2.3. Erstellter Sachverhalt

Der Beschuldigte gab zu, die Privatklägerin zu kennen, sich ihres Alters bewusst 

gewesen zu sein und sich mit ihr am 27. März 2022 am Bahnhof H._____ verab-

redet zu haben (Urk. D1/3/1 F/A 9 i.V.m. Prot. I S. 23). Diese Sachverhaltselemente 

-   22   -

sind damit als erstellt zu betrachten, zumal sie sich auch mit dem weiteren Bewei-

sergebnis decken. 

2.4. Motivlage für mögliche Falschbeschuldigung

2.4.1. Schulden der Mutter der Privatklägerin

2.4.1.1. Der Beschuldigte machte zunächst geltend, die Mutter der Privatklägerin 

schulde ihm noch Fr. 400.–. Das sei der einzige Grund, den er sich für das Erheben 

derartiger  Vorwürfe  vorstellen  könne.  Er  habe  mit  dieser  Kontakt  aufgenommen 

und  gesagt,  dass  er  das  Geld  nun  zurückhaben  müsse.  Er  habe  damit  gedroht, 

diese zu betreiben, wenn sie dem nicht nachkomme (Urk. D1/3/1 F/A 13). Es seien 

auch schon für Fr. 400.– Leute umgebracht worden. Er machte sodann einerseits 

geltend, seiner Meinung nach habe die Privatklägerin am Anfang gar nicht gewusst, 

was sie damit anrichte. Sie habe sich wohl einfach gedacht, sie werde eine Anzeige 

bei  der  Polizei  machen  und  er  würde  dann  10  Tage  später  für  eineinhalb  Jahre 

verurteil werden. Es habe ja niemand gewusst, dass er für so lange ins Gefängnis 

komme (Prot. I S. 31). Andererseits machte er aber auch geltend, die Privatklägerin 

habe den Vorfall bei ihr zu Hause erfunden, weil sie gewusst habe, dass er länger 

in Haft komme, wenn sie geltend mache, dass sie als Kind missbraucht worden sei 

(Prot. I S. 33). 

2.4.1.2. Die Privatklägerin bestätigte, dass ihre Mutter dem Beschuldigten Geld ge-

schuldet habe. Sie machte geltend, er habe ihr viel Geld geliehen. Sie habe nämlich 

viel  Tabak  und  Bier  damit  gekauft  (Urk. D1/4/7  F/A  117-120).  Inwiefern  ihr  oder 

ihrer Mutter durch eine Falschanschuldigung diesbezüglich ein Vorteil erwachsen 

würde, erhellt nicht, zumal es dem Beschuldigten auch aus der Haft möglich wäre, 

ein Betreibungsverfahren einzuleiten. Sodann werden die Schulden an und für sich 

offensichtlich  auch  gar  nicht  bestritten.  Dass  der  Beschuldigte  sich  in  seinen 

Mutmassungen  zum  Motiv  sodann  teilweise  widerspricht,  lässt  diese  auch  nicht 

glaubhafter erscheinen. 

-   23   -

2.4.2. Anstiftung durch I._____

2.4.2.1. Der  Beschuldigte  machte  ausserdem  geltend,  I._____  habe  die  Privat-

klägerin  zu  den  falschen  Anschuldigungen  angestiftet.  Dieser  habe  ihn  aus  dem 

Weg räumen wollen (Prot. I S. 32). Sie müsse massiv unter Druck gesetzt worden 

sein (Urk. D1/3/2 F/A 11). 

2.4.2.2. Wie noch aufzuzeigen sein wird, sind die Aussagen des Beschuldigten zu 

I._____  unglaubhaft.  In  den  Akten  sind  auch  keinerlei  Anhaltspunkte  für  dessen 

Existenz vorhanden. 

2.4.3. Motivation der Privatklägerin

2.4.3.1. Die vom Beschuldigten geltend gemachten Motive für eine Falschbeschul-

digung durch die Privatklägerin erscheinen äusserst unwahrscheinlich, wenn nicht 

geradezu  abwegig.  Die  Privatklägerin  erstattete  denn  auch  nicht  von  sich  aus 

Anzeige.  Es  war  vielmehr  deren  Betreuerin,  welche  meinte,  sie  wolle  die  Polizei 

involvieren  und  schliesslich  einen  Termin  mit  dieser  vereinbarte  (Urk. D1/4/1 

F/A 22).  

2.4.3.2. Als Wunsch danach, was nun geschehen solle, schilderte die Privatklägerin 

sodann  nachvollziehbar,  dass  sie  nicht  wolle,  dass  er  dies  auch  anderen  antue 

(Urk. D1/4/1 F/A 276). 

2.4.4. Fazit

Damit ist aus den Akten kein Motiv für eine allfällige Falschbeschuldigung seitens 

der Privatklägerin ersichtlich. 

2.5.

Zum Kennenlernen

2.5.1. Die  Privatklägerin  schilderte  detailliert,  in  sich  schlüssig,  widerspruchsfrei 

und  lebensnah,  wie  sie  den  Beschuldigten  im  Alter  von  zehn  oder  elf  Jahren  im 

Qualipet kennengelernt habe. Er habe sie angesprochen und sie um ihre Handy-

nummer gebeten, wobei sie nicht habe nein sagen können, worauf er angefangen 

habe,  ihr  zu  schreiben  (Urk. D1/4/1  F/A 30-40  i.V.m.  Urk. D1/4/7  F/A 62  f.).  Sie 

-   24   -

schilderte hierbei auch, dass sie Angst gehabt habe, als der Beschuldigte ihr dort 

begegnet sei, weil er sie zunächst die ganze Zeit angeschaut habe. Sie habe ihm 

ihre Nummer dennoch gegeben. Sie habe nicht nein sagen können und Angst vor 

ihm gehabt, weshalb sie danach auch weggerannt sei (Urk. D1/4/1 F/A 32 i.V.m. 

Urk. D1/4/7 F/A 65). Auch das weitere Kennenlernen bei einem ersten Treffen in 

einem Restaurant in der Anwesenheit ihrer Mutter schilderte sie widerspruchsfrei 

und nachvollziehbar (Urk. D1/4/1 F/A 45-52 i.V.m. Urk. D1/4/7 F/A 72).

2.5.2. Im Gegensatz dazu machte der Beschuldigte konstant und widerspruchsfrei 

geltend,  er  kenne  die  Privatklägerin  über  deren  Mutter.  Diese  habe  im  gleichen 

Reitstall wie er gearbeitet. Er habe versucht, dieser dabei zu helfen, ihr Alkohol-

problem zu lösen. Von ihr habe er ab und zu den Auftrag erhalten, auf freiwilliger 

Basis die Privatklägerin nach Hause zu begleiten. Er habe daher auch ihre Nummer 

gehabt. Das sei höchstens drei Mal vorgekommen. Es sei dabei nie etwas in die 

behauptete Richtung vorgefallen (Urk. D1/3/1 F/A 9 i.V.m. Prot. I S. 30). 

2.5.3. Die  Privatklägerin  brachte  darauf  angesprochen,  dass  der  Beschuldigte 

gemeint  habe,  er  habe  sie  im  Auftrag  ihrer  Mutter  jeweils  von  der  Schule  nach 

Hause begleitet, weshalb er auch ihre Telefonnummer gehabt habe, ihr authentisch 

wirkendes Erstaunen zum Ausdruck und erklärte, dies sei seltsam. Ihre Mutter habe 

ihr nie von ihm erzählt. Sie stelle ihr sonst alle Kollegen vor. Das könne nicht sein. 

Ihre Mutter habe ihn nicht gekannt (Urk. D1/4/7 F/A 75). 

2.5.4. Damit ist davon auszugehen, dass die beiden sich, wie von der Privatklägerin 

geschildert,  im  Qualipet  zum  ersten  Mal  begegneten,  wobei  es  der  Beschuldigte 

war, welcher den Kontakt aufnahm. 

2.5.5. Die  Privatklägerin  schilderte  ausserdem  auch  lebensnah,  in  sich  schlüssig 

und nachvollziehbar, wie der Beschuldigte ihr früher Sachen gekauft habe, wofür 

sie jeweils etwas für ihn habe machen müssen. Es sei anfangs nicht so schlimm 

gewesen. Es seien Umarmungen und ähnliches gewesen. Später seien es Küsse 

und  dann  immer  mehr  gewesen  (Urk. D1/4/1  F/A 22  i.V.m.  F/A 127-141  und 

Urk. D1/4/7 F/A 115). Er habe ihr auch Geld gegeben, ihr ein Pferd versprochen 

und gar einmal einen Hund gekauft. Er habe insgesamt viel Geld für sie ausgege-

-   25   -

ben (Urk. D1/4/7 F/A 101-110). Nachvollziehbar führte sie hierzu sodann aus, sie 

habe  das  zwar  einerseits  komisch  aber  auch  sehr  cool  gefunden.  Sie  sei  arm 

gewesen und habe es krass gefunden, dass das jemand für sie mache (Urk. D1/4/7 

F/A 112).

2.5.6. Der Beschuldigte meinte zwar, es stimme, dass er ihr Geschenke gemacht 

habe.  Ihre  Mutter  habe  ihm  das  aber  zumindest  teilweise  zurückbezahlt 

(Urk. D1/3/1 F/A 11). Er machte zunächst geltend, er könne sich konkret nur daran 

erinnern, dass er ihr Essen bezahlt habe (Urk. D1/3/1 F/A 12), wofür sie im Gegen-

zug  nichts  habe  machen  müssen  (Urk. D1/3/1  F/A 13).  Anlässlich  der  Hauptver-

handlung machte er dann aber geltend, er habe sie nicht nur ab und zu zum Essen 

eingeladen sondern auch, dass die Mutter der Privatklägerin ihn auch darum gebe-

ten habe, ihr Dinge zu kaufen (Prot. I S. 31). Damit konnte er sich plötzlich an mehr 

erinnern, was ein Lügensignal darstellen kann. Anlässlich der Hauptverhandlung 

machte er sodann seiner bisherigen Aussage widersprechend geltend, die Mutter 

der Privatklägerin habe ihm alles zurückbezahlt (Prot. I S. 31). Die Privatklägerin 

meinte hierzu sodann, ihre Mutter habe ihm die Geschenke nicht zurückbezahlt. Es 

sei  umgekehrt  gewesen.  Er  habe  ihr  viel  Geld  geliehen.  Sie  habe  nämlich  viel 

Tabak und Bier damit gekauft (Urk. D1/4/7 F/A 117-120). Dies deckt sich sodann 

im  Kern  auch  mit  der  Aussage  des  Beschuldigten  zum  möglichen  Motiv  für  eine 

Falschbeschuldigung der Privatklägerin. In diesem Zusammenhang macht er näm-

lich wiederum geltend, die Mutter der Privatklägerin habe noch immer Schulden bei 

ihm, mithin eben nicht alles zurückbezahlt (Urk. D1/3/1 F/A 13). Der Beschuldigte 

widersprach sich also diesbezüglich. 

2.5.7. Die Ausführungen der Privatklägerin sind damit detailliert, nachvollziehbar, 

wirken authentisch und sind widerspruchsfrei, während der Beschuldigte mit seinen 

Ausführungen  nicht  überzeugt.  Es  erscheint  denn  auch  eher  unwahrscheinlich, 

dass die Mutter der Privatklägerin ihn damit beauftragt haben soll, diese zum Essen 

einzuladen und ihr Dinge zu kaufen, wenn sie ihm danach alles zurück bezahlte. 

Diesfalls hätte sie ihrer Tochter auch direkt selbst Geschenke machen können. 

2.5.8. Damit ist erstellt, dass sich das Kennenlernen und die weitere Entwicklung 

der  "Beziehungsdynamik"  so  abspielte,  wie  die  Privatklägerin  es  schilderte.  Der 

-   26   -

Beschuldigte baute ein Vertrauensverhältnis zur Privatklägerin auf, band sie mittels 

Geschenken, welche sie sich sonst nie hätte leisten können, an sich und verlangte 

hierfür  nach  und  nach  Gegenleistungen.  Die  Gegenleistungen  fielen  sodann 

zunächst noch in die Kategorie gesellschaftlich noch toleriert, steigerten sich dann 

aber in den Bereich von sexuellen Handlungen. 

2.6. Vorfall beim Beschuldigten zu Hause

2.6.1. Die Privatklägerin schilderte, dass sie beim Beschuldigten zu Hause gewe-

sen sei als dieser noch bei seinen Eltern in K._____ [Ortschaft] gelebt habe. Sie sei 

11 Jahre alt gewesen und er habe sie geküsst (Urk. D1/4/1 F/A 287-289). Er habe 

sie eingeladen, um einen Film zu schauen (Urk. D1/4/7 F/A 256). Vor Ort habe er 

ihr dann gesagt, wenn sie wirklich zu einem Pferd kommen wolle, müsse sie mit 

ihm viel rummachen, worauf sie "okay" gesagt habe. Sie hätten dann rumgemacht. 

Er habe sie geküsst und sie an sich gedrückt (Urk. D1/4/7 F/A 260 i.V.m. F/A 264). 

2.6.2. Die Privatklägerin blieb zurückhaltend, und meinte etwa, sie habe zwar runter 

gehen müssen, weil der Beschuldigte ihr gesagt habe, dass die Putzfrau komme. 

Dort hätten sie aber nicht mehr rumgemacht (Urk. D1/4/7 F/A 261 i.V.m. F/A 263). 

Sodann gab sie zu, aufgrund des versprochenen Pferds in die Handlungen einge-

willigt zu haben (Urk. D1/4/7 F/A 260). 

2.6.3. Sie  gab  auch  zu,  wenn  sie  etwas  nicht  wusste  bzw.  sich  nicht  sicher  war, 

indem sie etwa ausführte, sie glaube nicht, dass sie seinen Penis gespürt habe. Sie 

wisse es nicht (Urk. D1/4/7 F/A 265). Auch gab sie zu, nicht mehr zu wissen, was 

für Filme sie sich angeschaut hätten. Sie konnte sich lediglich daran erinnern, dass 

es sich um Kinderfilme gehandelt habe (Urk. D1/4/7 F/A 261). 

2.6.4. Der Beschuldigte meinte hierzu, der Vorwurf stimme nicht. Sie sei nie bei ihm 

zu Hause gewesen. Er könne sodann beweisen, dass seine Eltern und er nie eine 

Putzfrau  gehabt  hätten  (Urk. D1/3/2  F/A 8  i.V.m.  Prot.  I  S. 32).  Der  Beschuldigte 

meinte  sodann,  der  Privatklägerin  nie  ein  Pferd  versprochen  zu  haben  (Prot.  I 

S. 32). 

-   27   -

2.6.5. Die Ausführungen der Privatklägerin sind widerspruchsfrei, in sich stimmig, 

nachvollziehbar,  zurückhaltend  mithin  glaubhaft,  während  der  Beschuldigte  das 

Geschehene  lediglich  pauschal  bestritt.  Hinsichtlich  der  Schilderung  des  Auftau-

chens der Putzfrau ist sodann festzuhalten, dass die Privatklägerin ausführte, der 

Beschuldigte  habe  ihr  gesagt,  die  Putzfrau  komme,  weshalb  sie  runter  gehen 

müsse. Damit ist es möglich, dass die Eltern des Beschuldigten nie eine Putzfrau 

hatten,  er ihr dies aber so  erzählt  hat, es  sich  bei  der  sich annähernden Person 

aber um die Mutter des Beschuldigten oder eine Drittperson gehandelt hat. Damit 

würde auch die Feststellung, dass nie eine Putzfrau bei den Eltern des Beschuldig-

ten gearbeitet hat, keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privat-

klägerin wecken. 

2.6.6. Entgegen  der  Anklageschrift  äusserte  die  Privatklägerin  jedoch  nie,  der 

Beschuldigte habe sie bei diesem Vorfall hochgehoben und ihr Gesäss geknetet. 

Sie machte, wie soeben ausgeführt, lediglich geltend, der Beschuldigte habe mit ihr 

rumgemacht – sie geküsst und an sich gedrückt. Mit dieser Einschränkung ist der 

Sachverhalt aufgrund ihrer glaubhaften Aussagen und in Anbetracht des generellen 

Aussageverhaltens des Beschuldigten sowie seiner wenig ergiebigen Ausführun-

gen zum konkreten Vorwurf anklagegemäss erstellt. 

2.7. Vorfall bei der Privatklägerin zu Hause

2.7.1. Die  Privatklägerin  schilderte,  wie  der  Beschuldigte  eines  Tages  bei  ihr  zu 

Hause gewesen sei, wobei er sie bei der Kellertüre hochgehoben und angefangen 

habe,  sie  zu  küssen.  Er  habe  dabei  ihren  Arsch  und  ihre  Brust  gedrückt  bzw. 

geknetet (Urk. D1/4/1 F/A 141 i.V.m. Urk. D1/4/7 F/A 267). Er habe sie mit dem Rü-

cken  gegen  die  Türe  gedrückt  und  an  den  Beinen  sowie  am  Po  gehalten 

(Urk. D1/4/7 F/A 267-269). 

2.7.2. Hierbei  schilderte  sie  eindrucksvoll,  dass  sie  das  nicht  gewollt  habe,  sich 

deswegen danach den Mund geputzt habe, weil sie es so "grusig" gefunden habe 

und  machte  bei  der  Schilderung  Würgegeräusche  (Urk. D1/4/1  F/A 143).  Die 

Schilderungen waren denn auch offensichtlich schambehaftet für die Privatklägerin. 

-   28   -

So fiel es ihr etwa schwer, ihren Intimbereich zu benennen (Urk. D1/4/1 F/A 152-

156).

2.7.3. Sie belastete den Beschuldigten jedoch nicht unnötig. So gab sie etwa an, er 

habe sie zwar an Po und Brust angefasst aber nur über den Kleidern (Urk. D1/4/1 

F/A 151-152). Auch gab sie an, dem Beschuldigten mit einem "Okay" ihr Einver-

ständnis vermittelt zu haben, da er ihr gesagt habe, dass sie mit ihm für das Pferd 

rummachen solle. Hierzu erklärte sie, sie habe schon immer ein Pferd haben wollen 

(Urk. D1/4/7 F/A 267 i.V.m. F/A 270). 

2.7.4. Schliesslich  schilderte  sie  in  diesem  Zusammenhang  zunächst  weiter,  er 

habe auch ihre Vagina anfassen wollen, was sie nicht gewollt habe. Dies habe sie 

ihm auch gesagt, worauf er gemeint habe, sie habe so mehr Chancen, ein Pferd zu 

bekommen.  Er  habe  sie  dann  ganz  kurz  angefasst.  Es  sei  ihr  so  unangenehm 

gewesen (Urk. D1/4/1 F/A 158-160). Anlässlich ihrer zweiten Einvernahme erklärte 

sie hingegen, er habe gewollt, dass sie ihm ihre Vagina zeige. Er habe gesagt, sie 

habe so mehr Chancen ein Pferd zu bekommen. Sie habe aber gesagt, sie wolle 

es lieber nicht machen. Sie habe "es" dann aber doch runtergezogen. Sie habe es 

dann zeigen müssen und habe "es" nach oben gezogen (Urk. D1/4/7 F/A 251-253). 

Sie wisse und glaube nicht, ob bzw. dass er etwas gemacht habe, als sie die Vagina 

gezeigt habe. Er habe nur geschaut (Urk. D1/4/7 F/A 254). Damit sagte sie bezüg-

lich einer allfälligen Berührung der Vagina widersprüchlich aus. Dieser Widerspruch 

lässt sich so nicht erklären, vermag die Glaubhaftigkeit ihrer übrigen Aussagen zum 

Sachverhalt  jedoch  nicht  zu  schmälern.  Zugunsten  des  Beschuldigten  ist  jedoch 

davon auszugehen, dass er ihre Vagina nicht berührt hat, wovon im Übrigen auch 

die Anklageschrift nicht ausgeht. 

2.7.5. Der Beschuldigte bestritt den Vorfall gänzlich. Er habe sie im Frühling oder 

Sommer 2019 nie bei ihr zu Hause getroffen. Das sei alles erfunden, weil es die 

ganze Sache noch viel schlimmer mache, wenn man sage, dass sie bereits als Kind 

missbraucht worden sei. Sie habe gewusst, dass er länger in Haft komme, wenn 

sie so einen Scheiss erzähle. Er habe das nie gemacht (Prot. I S. 33). 

-   29   -

2.7.6. Aufgrund  des  generellen  Aussageverhaltens  des  Beschuldigten,  seiner 

wenig  ergiebigen  Ausführungen  zum  konkreten  Vorwurf  und  der  glaubhaften 

Aussagen der Privatklägerin ist der Sachverhalt anklagegemäss erstellt, zumal sich 

in  den  Akten,  wie  bereits  ausgeführt,  auch  keinerlei  Anhaltspunkte  dafür  finden, 

dass  die  Privatklägerin  den  Beschuldigten  falsch  beschuldigt,  um  ihn  möglichst 

lange  in  Haft  zu  bekommen,  wie  es  der  Beschuldigte  diesen  konkreten  Vorwurf 

betreffend erneut vorbrachte. 

2.8. Vorfall beim Schulhaus L._____

2.8.1. Weiter schilderte die Privatklägerin, es sei auch zu einem Vorfall beim Schul-

haus L._____ gekommen als sie 11 Jahre alt gewesen sei, wobei sie insbesondere 

die  Örtlichkeit  genau  beschreiben  konnte  (Urk. D1/4/1  F/A 170-178 

i.V.m. 

Urk. D1/4/7 F/A 277-282). 

2.8.2. Sie  schilderte  eindrucksvoll  und  authentisch,  dass  es  ihr  peinlich  sei,  über 

diese Dinge zu sprechen. Sie rede nicht gerne darüber und habe Mühe dies zu tun. 

Es sei komisch darüber zu sprechen. Es sei so peinlich für sie und schwer darüber 

zu reden (Urk. D1/4/1 F/A 167 i.V.m. F/A 180-181). Auf die Frage, wie ihre Position 

beim Eindringen gewesen sei, meinte sie "Das ist so hässlich… Das ist so… Wäh… 

Sie, es ist so grusig." (Urk. D1/4/1 F/A 206). Die Schilderungen fielen ihr damit alles 

andere  als  leicht,  was  eine  Falschbeschuldigung  unwahrscheinlich  erscheinen 

lässt.

2.8.3. Trotz  offenbarer  Scham  schilderte  sie  detailliert,  in  sich  schlüssig,  wider-

spruchsfrei, den Beschuldigten nicht unnötig stark belastend und nachvollziehbar, 

dass  und  wie  es  zu  analem  Geschlechtsverkehr  gekommen  sei  (Urk. D1/4/1 

F/A 188-189). Sie äusserte, er habe vaginalen Geschlechtsverkehr mit ihr haben 

wollen. Sie habe aber gesagt, dass sie dies nicht wolle, da sie Jungfrau bleiben 

wolle,  worauf  er  gemeint  habe,  dann  könne  er  es  halt  von  hinten  machen 

(Urk. D1/4/1 F/A 192-194 i.V.m. Urk. D1/4/7 F/A 291-293). Sie habe auf seine Auf-

forderung hin ihre Hose selbst ausgezogen (Urk. D1/4/1 F/A 203-205) und sei dann 

mit dem Rücken zur Wand gewesen. Er habe sie an den Beinen gehalten und hoch-

gehoben  und  sei  in  dieser  Position  in  ihren  Anus  eingedrungen  (Urk. D1/4/1 

-   30   -

F/A 207 i.V.m. F/A 209-214 und F/A 217). Er habe sie an die Wand gedrückt und 

sie  an  den  Beinen  gehalten  (Urk. D1/4/1  F/A 225).  Sie  habe  gespürt,  wie  er  mit 

seinem  Penis  rein  und  wieder  raus  sei  (Urk. D1/4/1  F/A 226).  Sie  habe  Angst 

gehabt und geweint, weil es weh getan habe. Sie glaube, er habe es gesehen und 

ihre Tränen weggeputzt (Urk. D1/4/1 F/A 218-220 i.V.m. Urk. D1/4/7 F/A 298). Er 

habe dann aber nicht in sie reingespritzt, sondern in ihr Gesicht ejakuliert. Er habe 

ihr  danach  ein  Taschentuch  gegeben,  damit  sie  es  habe  wegputzen  können 

(Urk. D1/4/1 F/A 229 i.V.m. F/A 238-240 und Urk. D1/4/7 F/A 305-306, Urk. D1/4/7 

F/A 306  und  F/A 314-315).  Er  habe  sie  dazu  zunächst  runtergelassen  und  dann 

gewichst.  Sie  habe  dabei  auf  dem  Boden  gekniet  (Urk. D1/4/1  F/A 231  i.V.m. 

F/A 232, F/A 237 und Urk. D1/4/7 F/A 307). 

2.8.4. Nachvollziehbar schilderte sie, es seither zu hassen mit Männern alleine zu 

sein. Sie habe immer noch Probleme mit Männern Kontakt zu haben oder ihnen zu 

vertrauen (Urk. D1/4/1 F/A 191). 

2.8.5. Auch ihre Empfindungen konnte sie altersgerecht in Worte fassen, indem sie 

ausführte, es habe sich so unangenehm angefühlt, so eng. Es gebe zwar Schlim-

meres aber es habe schon weh gemacht. Es sei so wie ein Zäpfli in gross bzw. 

dicker und länger gewesen, was auch weh tue (Urk. D1/4/1 F/A 255 i.V.m. F/A 256-

257  und  Urk. D1/4/7  F/A 296-297).  Die  Privatklägerin  schilderte  damit  eindeutig 

selbst Erlebtes. Anders sind derartig konkrete und nachvollziehbare Schilderungen 

in Anbetracht ihrer sonstigen Unerfahrenheit in diesem Lebensbereich nicht erklär-

bar.

2.8.6. Sie gab bei der Schilderung auch zu, gewisse Dinge nicht mehr zu wissen, 

wie etwa, was er genau zu ihr gesagt habe und meinte, nur noch zu wissen, was 

passiert sei (Urk. D1/4/1 F/A 186). Auch erklärte sie, nicht mehr zu wissen, was sie 

genau angehabt habe (Urk. D1/4/1 F/A 201). Sie gab auch zu, nicht richtig gesehen 

zu  haben,  ob  er  ein  Kondom  benutzt  habe.  Sie  habe  nur  gesehen,  dass  er  steif 

gewesen sei (Urk. D1/4/1 F/A 241-242 i.V.m. Urk. D1/4/7 F/A 300-302). 

2.8.7. Die Privatklägerin schilderte ausserdem, es habe nicht nur weh getan, son-

dern auch angefangen zu bluten (Urk. D1/4/7 F/A 297), was soweit in Anbetracht 

-   31   -

der  geltend  gemachten  Geschehnisse  nachvollziehbar  ist.  Anlässlich  der  ersten 

Einvernahme, gab sie – vom konkreten Vorwurf unabhängig befragt – zwar an, der 

Beschuldigte habe sie nie verletzt, äusserte diesbezüglich allerdings eine gewisse 

Unsicherheit, indem sie angab "Ich glaube nicht, nein." (Urk. D1/4/1 F/A 258). Die 

Angabe zur Verletzung stellt damit eine leichte Aggravation in ihrer Schilderung dar. 

Zu beachten gilt es allerdings, dass sie den Kern der Vorwürfe betreffend konstant 

blieb und den Beschuldigten ansonsten nicht unnötig belastete, weshalb dies nicht 

als Lügensignal zu werten ist. Zugunsten des Beschuldigten ist jedoch davon aus-

zugehen, dass die Privatklägerin nicht geblutet hat. 

2.8.8. Nachvollziehbar  schilderte  sie  auch,  dass  sie  den  Vorfall  für  sich  behalten 

habe, weil sie Angst gehabt habe, dass er auf sie wütend werde. Das sei schon ab 

und  zu  vorgekommen  (Urk. D1/4/1  F/A 260-262).  Er  habe  ihr  gesagt,  sie  solle 

nichts sagen. Es sei ein Geheimnis zwischen ihnen beiden (Urk. D1/4/7 F/A 320). 

Mit Konsequenzen habe er ihr aber nicht gedroht (Urk. D1/4/7 F/A 322). Damit blieb 

sie weiter zurückhaltend, was die Belastungen des Beschuldigten betrifft. 

2.8.9. Der Mensch ist ein schlechter Zeitmesser. Vor allem bei dramatischen Ereig-

nissen können Sekunden manchmal als Ewigkeit erscheinen. In der empirischen 

Aussagenanalyse  ist  deshalb  anerkannt,  dass  unrealistische,  weil  überhöhte 

Zeitangaben von Opfern meist kein taugliches Kriterium für die Beantwortung der 

Frage,  ob  das  Ereignis  stattgefunden  hat  oder  nicht,  sind.  Die  Privatklägerin 

äusserte zunächst einerseits, der Analverkehr habe nicht so lange gedauert und 

machte  andererseits  eine  Zeitangabe  von  15  Minuten  (Urk. D1/4/1  F/A 224). 

Anlässlich ihrer zweiten Einvernahme gab sie sodann zu Protokoll, nicht mehr zu 

wissen, wie lange er in ihr gewesen sei (Urk. D1/4/7 F/A 294). 15 Minuten scheinen 

in  Anbetracht  der  Tatsache,  dass  der  Beschuldigte  sie  währenddessen  hochge-

hoben haben soll, sehr lange. Zu beachten gilt es allerdings, dass es sich bei der 

Privatklägerin damals um ein 11 Jahre altes Mädchen gehandelt hat. Sie war mithin 

nicht so schwer, wie eine erwachsene Frau es gewesen wäre und damit deutlich 

leichter hochzuheben. Der Ablauf an und für sich erscheint daher durchaus – auch 

für ein paar Minuten – umsetzbar. Die Privatklägerin meinte sodann auch selbst, 

es  habe  nicht  so  lange  gedauert.  Daher  scheint  die  Zeitangabe  von  15  Minuten 

-   32   -

eher dem nicht besonders guten Zeitgefühl der Privatklägerin geschuldet. Sie führte 

jedoch aus, "so 15 Minuten" mithin ca. 15 Minuten, wobei in Zusammenhang mit 

der Angabe "nicht so lange" davon auszugehen ist, dass der Akt kürzer war und es 

der Privatklägerin schlicht schwer viel, die Zeit genau einzuschätzen, was in Anbe-

tracht der inzwischen vergangenen Zeit, des Vorfalls an und für sich und ihrem Alter 

zum  Tatzeitpunkt  nachvollziehbar  ist.  Dies  ist  daher  nicht  als  Lügensignal  zu 

werten, zumal sie den Beschuldigten ansonsten auch in keiner Form unnötig stark 

zu belasten versuchte. Damit ist davon auszugehen, dass der Analverkehr an sich 

nicht 15 Minuten gedauert hat. 

2.8.10. Der Beschuldigte bestritt den Vorfall hingegen zwar pauschal aber konstant 

und  widerspruchsfrei.  Er  meinte,  er  habe  noch  nie  Analverkehr  ausprobiert.  Das 

gehöre  für  ihn  ins  WC.  Er  könne  rein  moralisch  niemanden  vergewaltigen 

(Urk. D1/3/2 F/A 8). Er könne sich auch nicht an ein Treffen mit der Privatklägerin 

beim Schulhaus L._____ erinnern. Er habe sie nie zum Geschlechtsverkehr aufge-

fordert.  Die  restlichen  Vorwürfe  diesen  Vorfall  betreffend  würden  ebenfalls  nicht 

stimmen. Sie behaupte das, um ihn aus dem Weg zu räumen. Bei seinen bisherigen 

Verfehlungen  habe  nie  jemand  von  Analsex  berichtet.  Er  stehe  nicht  darauf  und 

habe nie Nastücher dabei. Das habe nie stattgefunden. Er würde es auch niemals 

schaffen, sie rund zehn Minuten lang hochzuheben (Prot. I S. 34). 

2.8.11. Aufgrund  der  äusserst  authentisch  wirkenden,  detaillierten,  nachvollzieh-

baren,  den  Beschuldigten  nicht  unnötig  stark  belastenden  und  im  Wesentlichen 

widerspruchsfreien  Aussagen  der  Privatklägerin  ist  der  Sachverhalt  anklage-

gemäss erstellt. Die Ausführungen des Beschuldigten sowie das übrige Beweiser-

gebnis vermögen dies nicht zu entkräften.

2.9. Vorfall vom 27. März 2022

2.9.1. Die Verteidigung machte hinsichtlich den Vorfall vom 27. März 2022 geltend, 

es sei bewusst auf die Erstellung einer DNA-Analyse vom sichergestellten BH der 

Privatklägerin verzichtet worden. Auch sei auf eine Spurensicherung ab der Privat-

klägerin verzichtet worden, da diese bereits geduscht gehabt habe. Es sei jedoch 

üblich, dass bei einem Vorwurf sexueller Handlungen auch dann eine Spurensiche-

-   33   -

rung  durchgeführt  werde,  wenn  die  Person  bereits  geduscht  habe.  Die  Absenz 

gewisser  Spuren  könne  ebenfalls  ein  Ermittlungsergebnis  darstellen,  welches 

insbesondere für den Beschuldigten hätte entlastend sein können. Auch die Unter-

hosen der Privatklägerin seien nicht untersucht worden. Die Tatsache dieser unter-

bliebenen  und  womöglich  für  den  Beschuldigten  entlastenden  Untersuchungen 

würden  gegen  einen  Schuldspruch  sprechen.  Eine  Verurteilung  dürfe  nicht  auf 

Mutmassungen  basieren.  Wenn  relevante  Untersuchungen  unterlassen  würden, 

könnten relevante Zweifel nicht ausgeschlossen werden (Urk. 207 S. 5 f. Rz. 4). 

2.9.2. Während  das  Vorhandensein  von  Spuren  ein  Indiz  für  die  Schuld  einer 

Person darstellen kann, stellt das Nichtvorhandensein solcher Spuren kein Beweis 

für die Unschuld einer Person dar. Schliesslich kann es gute Gründe dafür geben, 

dass keine DNA-Spuren vorhanden sind, so etwa, dass sich eine Person bereits 

geduscht  hat.  Gerade  wenn  Übergriffe  bereits  länger  zurückliegen,  unterbleiben 

derartige Untersuchungen regelmässig. Der Beschuldigte hat vorliegend zugege-

ben, den BH der Privatklägerin angefasst zu haben, womit sich die Notwendigkeit 

des  Einholens  eines  DNA-Gutachtens  hierzu  erübrigt  hat.  Die  Privatklägerin  hat 

sodann nie geltend gemacht, der Beschuldigte habe ihr in die Hosen gefasst bzw. 

sei  sonst  irgendwie  mit  ihren  Unterhosen  in  Berührung  gekommen.  Auch  in  der 

Anklage  ist  hiervon  nicht  die  Rede.  Damit  erübrigt  sich  auch  eine  Untersuchung 

ihrer Unterhosen. Von den unterlassenen Untersuchungen wäre nichts zu erwarten 

gewesen, was zur Klärung des Sachverhalts beigetragen hätte. Damit führt dieser 

Umstand auch nicht zu Zweifeln. 

2.9.3. Den Vorfall vom 27. März 2022 schilderte die Privatklägerin ebenfalls detail-

liert, lebensnah und im Kern widerspruchsfrei. So führte sie aus, dass und wie der 

Beschuldigte ihr zunächst während dem Gespräch immer nähergekommen sei und 

begonnen  habe  sie  zu  umarmen  (Urk. D1/4/1  F/A 22  i.V.m.  F/A 70-75  und 

Urk. D1/4/7  F/A 124).  Sie  hätten  sehr  lange  geredet.  Irgendwann  habe  er  ihre 

Kollegin  weggeschickt,  weil  er  mit  ihr  über  die  Vergangenheit  habe  sprechen 

wollen, worauf diese etwas weg gegangen sei (Urk. D1/4/1 F/A 22 i.V.m. F/A 75). 

Er habe ihr dann gesagt, dass sie ihm noch "Rummachen" schulde von früher. Sie 

habe  ihm  daraufhin  erklärt,  dass  sie  das  nicht  wolle.  Sie  habe  ihm  auch  extra 

-   34   -

gesagt, sie sei lesbisch und dass sie nichts mit Jungs oder Männern anfange. Er 

habe aber gemeint, es sei egal. Schliesslich habe er sie aufgefordert mitzukommen. 

Sie seien dann runtergegangen und er habe sie gegen eine Gitterwand gedrückt 

und angefangen sie zu küssen. Er habe sie überall angefasst, auch an der Brust 

unter dem BH aber nicht am Intimbereich. Er habe es zwar gewollt aber sie habe 

seine Hand weggenommen. Das sei wirklich privat, da gehe es nicht mehr weiter 

für  sie.  Sie  habe  seinen  Penis  gespürt.  Er  habe  einen  Steifen  gehabt.  Sie  habe 

beinahe weinen müssen, es aber nicht getan, da er sich ansonsten gefragt hätte, 

weshalb sie weine. Sie habe dann gesagt, sie wolle nicht mehr, worauf sie wieder 

hochgegangen  seien  (Urk. D1/4/1  F/A 22  i.V.m.  F/A 78-110  und  Urk. D1/4/7 

F/A 124). 

2.9.4. Bei den Schilderungen der Privatklägerin fällt auf, dass das Thema für die 

Privatklägerin offensichtlich schambehaftet war, so fiel es ihr schwer, ihren Intim-

bereich und seinen Penis zu benennen aber auch die Küsse zwischen ihr und dem 

Beschuldigten  zu  beschreiben  (Urk. D1/4/1  F/A 22  i.V.m.  F/A 82-85  und  F/A 88-

93). Ihre Ausführungen dazu wirken dadurch umso authentischer, fielen ihr diese 

doch alles andere als leicht.

2.9.5. Sie  belastete  den  Beschuldigten  auch  nicht  unnötig  stark,  indem  sie  etwa 

ausführte, am Po habe er sie nur über den Kleidern berührt (Urk. D1/4/1 F/A 103). 

Ausserdem habe er es akzeptiert, dass sie die Arme schützend vor ihren Intimbe-

reich gehalten habe (Urk. D1/4/1 F/A 107 i.V.m. F/A 108). Er habe auch aufgehört, 

als sie ihn schliesslich weggedrückt und gesagt habe, dass sie nicht mehr wolle 

(Urk. D1/4/1 F/A 110). Sie meinte auch, sie sei freiwillig mitgegangen. Er habe sie 

nicht gehalten oder gezogen (Urk. D1/4/7 F/A 166-167). 

2.9.6. Nachvollziehbar schilderte sie, sie habe sich unwohl gefühlt. Sie hasse es, 

wenn jemand sie anfasse. Sie habe sich aber gesagt, lieber da – an Brüsten und 

Po – als "da unten". "Da unten" sei ein No-go. Also eigentlich sei alles für sie ein 

No-go aber sie habe sich nicht wehren können. Sie habe zunächst nichts sagen 

können, weil er sie die ganze Zeit geküsst habe. Ihre Hände habe sie die ganze 

Zeit schützend vor ihren Intimbereich gehalten, da sie nicht gewollt habe, dass sie 

jemand  dort  anfasse  (Urk. D1/4/7  F/A 329-330).  Sie  gab  auch  Auskunft  zu  ihren 

-   35   -

Empfindungen als der Beschuldigte ihr bereits zu Beginn des Treffens immer näher 

gekommen sei, indem sie etwa ausführte, dies sei ihr sehr unangenehm gewesen 

(Urk. D1/4/1 F/A 22).

2.9.7. Die Privatklägerin äusserte sich in diesem Zusammenhang auch selbstkri-

tisch, indem sie erklärte, sie könne nicht nein sagen. Das sei ihr Problem. Sie habe 

Angst, dass sie damit Personen verletze (Urk. D1/4/1 F/A 22). 

2.9.8. Sie  machte  sodann  auf  entsprechende  Nachfragen  nachvollziehbare  und 

stimmige  ergänzende  Angaben,  so  etwa  zu  den  von  ihr  getragenen  Kleidern 

(Urk. D1/4/7  F/A 203),  zum  konsumierten  alkoholischen  Getränk  (Urk. D1/4/7 

F/A 156-157  i.V.m.  F/A 160-161)  oder  der  genauen  Örtlichkeit  des  eigentlichen 

Übergriffs (Urk. D1/4/7 F/A 164-165). 

2.9.9. Die Privatklägerin schilderte zwar, den Beschuldigten am 27. März 2022 per 

Zufall  getroffen  zu  haben  (Urk. D1/4/1  F/A 29  i.V.m.  Urk. D1/4/7  F/A 126),  was 

durch den Chatverlauf zwischen den beiden widerlegt ist (Urk. D1/2/9/1 "Extrakti-

onsbericht Bericht Chat Edelmetal Händler" S. 1 ff. i.V.m. D1/2/9/4 "Extraktionsbe-

richt  Zeitachse"  S. 4).  Damit  hat  die  Privatklägerin  diesen  Punkt  betreffend  nicht 

wahrheitsgemäss ausgesagt. Dies ist ihren ansonsten sehr glaubhaften Aussagen 

jedoch  nicht  abträglich,  zumal  sie  nicht  den  Kerngehalt  betreffend  gelogen  hat, 

daraus nicht das Geringste zu ihren Gunsten bzw. ihren Standpunkt ableiten könnte 

und sich diese Diskrepanz nachvollziehbar erklären lässt. So schilderte die Privat-

klägerin etwa, dass sie von ihrem Vater aus, eigentlich keinen Kontakt mit Jungs 

haben dürfe. Sie dürfe noch nicht einmal einen anschauen. Er werde dann schon 

wütend (Urk. D1/4/7 F/A 36). Weiter gab sie zu, auch Angst gehabt zu haben, dass 

ihre Betreuerin sie "zusammenscheisst oder so", weil sie mit älteren Leuten raus-

gehe (Urk. D1/4/1 F/A 22). 

2.9.10. Weiter ist auffällig, dass ihre Aussagen zu diesem Vorfall im Rahmen der 

zweiten Einvernahme detaillierter waren als noch bei der ersten. So schilderte sie 

etwa, der Beschuldigte habe ihnen Vapes gekauft. Dies merkte sie jedoch gleich 

zu Beginn der Befragung als Ergänzung an, womit sich auch die entsprechenden 

Ergänzungen  bei  ihren  Ausführungen  zum  Vorwurf  selbst  erklären  lassen 

-   36   -

(Urk. D1/4/7  F/A 8-9  i.V.m.  Urk. D1/4/7  F/A 124).  Es  erscheint  nachvollziehbar, 

dass sie dies zunächst verschwieg, war sie zum Konsum solcher Vapes aufgrund 

ihres Alters doch nicht berechtigt. Weiter sprach sie neu von einem vorgetäuschten 

Telefongespräch  ihrerseits  (Urk. D1/4/7  F/A 124).  Diese  Ergänzung  lässt  sich  so 

nicht  erklären,  betrifft  allerdings  nicht  den  Kerngehalt  der  Vorwürfe,  hinsichtlich 

welcher sie konstant und widerspruchsfrei blieb. Sodann lässt sich nicht aussch-

liessen, dass sie dies bei ihrer ersten Schilderung unerwähnt liess, da sie aufgrund 

der Tatsache, dass sie bewusst die Vapes nicht erwähnte, nicht den gesamten Ab-

lauf schildern konnte. 

2.9.11. Sodann enthält ihre Schilderung anlässlich der zweiten Einvernahme einen 

kleinen Widerspruch. So machte sie zunächst geltend, der Beschuldigte habe ihnen 

die Vapes nach dem Kauf und noch vor dem Übergriff übergeben und führte kurz 

später aus, er habe ihr das Vape davor noch nicht gegeben, sie sei auch nur mit 

ihm mitgegangen, weil sie dieses von ihm habe haben wollen (Urk. D1/4/7 F/A 124 

i.V.m.  F/A 169-171).  Dieser  Widerspruch  betrifft  nicht  den  Kerngehalt  ihrer  Aus-

sagen und lässt ihre sonstigen Ausführungen nicht als unglaubhaft erscheinen. Die 

Zeugin G._____ führte im Übrigen aus, der Beschuldigte habe die Vapes erst nach 

dem Übergriff gekauft (Urk. D1/5/1 F/A 82 i.V.m. F/A 83). Es ist damit davon aus-

zugehen, dass er ihnen die Vapes erst nach dem Vorfall übergeben hat, erscheint 

es doch auch nachvollziehbar, dass die Privatklägerin solange motiviert war zu blei-

ben, bis sie diese schliesslich hatte. 

2.9.12. Die  Aussagen  der  Privatklägerin  wirken  trotz  kleinem  Widerspruch  und 

einigen Ergänzungen authentisch. Ihre Schilderungen sind lebensnahe, nachvoll-

ziehbar und im Kerngehalt widerspruchsfrei mithin glaubhaft, wenngleich sie sich 

an gewisse Dinge nicht mehr gut erinnern konnte, so etwa an den genauen Ablauf 

bezüglich des Fake-Anrufs und den damit verbundenen Behauptungen gegenüber 

dem Beschuldigten (Urk. D1/4/7 F/A 124). 

2.9.13. Die Ausführungen der Zeugin G._____ stimmen sodann, was den groben 

Ablauf betrifft mit jenen der Privatklägerin überein und stützen deren Aussagen da-

mit.  Die  Zeugin  G._____  führte  nachvollziehbar,  detailliert  und  widerspruchsfrei 

aus, sie seien zu zweit zum Bahnhof H._____ gegangen und hätten sich dort ein 

-   37   -

Getränk gekauft (Urk. D1/5/1 F/A 25 i.V.m. F/A 39-41 und F/A 44). Später sei der 

Beschuldigte dazu gekommen und habe sich – nachdem er Getränke geholt habe 

–  neben  die  Privatklägerin  gesetzt  (Urk. D1/5/1  F/A 27  i.V.m.  F/A 44-46  und 

F/A 54). Ein I._____ sei nicht dabei gewesen (Urk. D1/5/1 F/A 108). Etwas später 

habe der Beschuldigte sie gebeten, wegzugehen, worauf die beiden beim Coop um 

die  Ecke  eine  Treppe  runtergegangen  seien,  wo  es  eine  Art  Keller  habe 

(Urk. D1/5/1  F/A  28  i.V.m.  F/A 79  und  F/A 134).  Nachvollziehbar  schilderte  sie 

sodann, wie sie die Privatklägerin wahrgenommen habe, nachdem diese und der 

Beschuldigte zurückgekommen seien. Sie führte hierzu aus, diese habe komisch 

geschaut  und  etwas  gezittert.  Sie  habe  dieses  Verhalten  bisher  von  ihr  nicht 

gekannt.  Es  sei  eine  seltsame  Stimmung  gewesen.  Die  Privatklägerin  sei  mega 

anders  gewesen,  auch  so  ruhig  (Urk. D1/5/1  F/A 79-80  i.V.m.  F/A 91).  Deshalb 

hätten  sie  –  während  der  Beschuldigte  nach  dem  Übergriff  die  Vapes  kaufen 

gegangen sei – Frau M._____ angerufen und diese gebeten, ihnen in fünf Minuten 

nochmals anzurufen und sie aufzufordern zu gehen. Das habe diese in der Folge 

getan,  wobei  sie  auf  Lautsprecher  gestellt  hätten,  so  dass  der  Beschuldigte  es 

gehört habe. Dann seien sie gegangen (Urk. D1/5/1 F/A 82). Weiter schilderte sie, 

die Privatklägerin habe ihr anschliessend erzählt, der Beschuldigte habe sie an den 

Brüsten angefasst und sie habe ihn küssen müssen (Urk. D1/5/1 F/A 87-90). 

2.9.14. Die Ausführungen der Zeugin G._____ stimmen zwar grundsätzlich mit je-

nen der Privatklägerin überein, wirken jedoch eigenständig formuliert und nicht ab-

gesprochen. So gibt es auch gewisse Unterschiede. So machte die Zeugin G._____ 

geltend,  es  stimme  zwar,  dass  der  Beschuldigte  insgesamt  vier  Vapes  gekauft 

habe. Zwei davon seien für die Privatklägerin gewesen. Zwei davon habe sodann 

zwar sie erhalten, diese seien jedoch für ihre grosse Schwester gewesen. Sie selbst 

rauche nämlich nicht (Urk. D1/5/1 F/A 116 i.V.m. 117-118 und F/A 120). 

2.9.15. Die Zeugin G._____ war sodann in der Lage ihre eigenen Beobachtungen 

von  den  Schilderungen  der  Privatklägerin  zu  unterscheiden.  So  gab  sie  an,  die 

Privatklägerin habe ihr bereits früher einmal erzählt, dass der Beschuldigte sie ver-

gewaltigt habe als sie jünger gewesen sei. Sie wisse das aber selbst nicht, sondern 

habe es nur von dieser gehört. Sie selbst habe es für sehr glaubwürdig gehalten, 

-   38   -

wolle aber nicht sagen, dass es stimme, da sie es ja nicht wisse (Urk. D1/5/1 F/A 50 

i.V.m.  F/A 100-105).  Sie  wollte  den  Beschuldigten  damit  also  nicht  zusätzlich 

belasten, sondern gab schlicht wieder, was ihr berichtet worden war. Sodann schil-

derte  sie  nachvollziehbar,  sie  habe  erst  nachdem  die  Privatklägerin  ihr  von  den 

Geschehnissen vom 27. März 2022 erzählt habe gemerkt, dass es mit dem ande-

ren Thema einen Zusammenhang gebe (Urk. D1/5/1 F/A 85). Hätte sie das vorher 

gewusst, hätte sie auch nicht dankend ein Getränk vom Beschuldigten angenom-

men (Urk. D1/5/1 F/A 61). 

2.9.16. Die Ausführungen der Zeugin G._____ sind damit insgesamt nachvollzieh-

bar, in sich schlüssig, detailliert, widerspruchsfrei, belasten den Beschuldigten nicht 

unnötig stark und stellen auch die Privatklägerin nicht in einem speziell guten Licht 

dar. Sie wirken eigenständig und nicht etwa abgesprochen. Damit sind diese glaub-

haft. 

2.9.17. Der  Beschuldigte  schilderte  hingegen  zunächst,  sie  hätten  gemeinsam 

Smirnoff getrunken. Die Privatklägerin habe auch etwas Alkohol konsumiert sowie 

LSD  und  Kokain.  Sie  seien  nur  zu  Beginn  zu  Dritt  gewesen,  danach  sei  ein 

27-Jähriger  namens  I._____  dazu  gestossen,  welcher  mit  der  Privatklägerin 

rumgemacht  habe.  Dieser  habe  ebenfalls  etwas  konsumiert  und  ihm  gesagt,  er 

solle den Vorfall auf keinen Fall melden, weil es verboten sei. Danach sei er gegan-

gen (Urk. D1/3/1 F/A 10). 

2.9.18. Anlässlich  seiner  zweiten  Einvernahme  schilderte  der  Beschuldigte  neu, 

von I._____ massiv unter Druck gesetzt worden zu sein. Er habe ihm damit gedroht, 

seine Schwester umzubringen, wenn er diesen verpetze (Urk. D1/3/2 F/A 6). Am 

27. März 2022 sei dieser nach nicht einmal zwei Minuten zum Treffen erschienen. 

Die Schilderungen hierzu verknüpfte der Beschuldigte mit unzähligen nicht authen-

tisch wirkenden Details – so etwa, dass I._____ ein silbriges Fahrzeug mit grünem 

Adler auf der Kühlerhaube gefahren sei, dass er Hochdeutsch mit Akzent gespro-

chen habe, Leute im Imbiss gegessen hätten, dass I._____ die Privatklägerin auf 

der rechten Seite am T-Shirt gepackt haben soll, dass der BH in einer Dosenbach-

Plastiktasche gewesen sei, dass er I._____ zögerlich gesagt habe, ob er nicht finde, 

eine ehrliche Arbeit wäre besser, dass I._____ die Waffe mit der rechten Hand raus-

-   39   -

geholt  habe,  dass  I._____  ein  braunes  Portemonnaie  gehabt  habe  und  einen 

schwarzen Rucksack (Urk. D1/3/2 F/A 6). 

2.9.19. Zusammengefasst machte er sinngemäss geltend, I._____ sei der Zuhälter 

der Privatklägerin, habe ihn mit einer geladenen und gespannten Waffe dazu auf-

gefordert, den BH der Privatklägerin anzufassen, was er dann getan habe, worauf 

I._____ ihn aufgefordert habe, er solle sich nie wieder einmischen. Unter anderem 

habe dieser ihm auch damit gedroht, seine Schwester zu töten, da er ihm davor 

erzählt habe, dass das seine liebste Person sei. Anschliessend hätten sie Alkohol 

getrunken.  I._____  habe  ein  Minigrip  mit  weisser  Substanz  hervorgeholt  und  die 

Privatklägerin  sowie  G._____  dazu  aufgefordert,  eine  Nase  davon  zu  nehmen. 

Sodann habe er sie angewiesen je eine blaue Pille zu schlucken. Schliesslich habe 

I._____  ihn  aufgefordert  mit  ihm  in  den  Zug  Richtung  Zürich  zu  steigen.  I._____ 

habe ihm gesagt, wenn er etwas von dem Treffen erzählen würde, würde er – nebst 

der  Tatsache,  dass  er  seiner  Schwester  etwas  antun  würde  –  die  Privatklägerin 

dazu anweisen, zur Polizei zu gehen und zu behaupten, er habe sie vergewaltigt, 

missbraucht und ihren BH angefasst. Sie seien dann gemeinsam mit dem Zug in 

die Stadt gefahren. Während der Fahrt habe er auf Geheiss von I._____ mit der 

Privatklägerin telefonieren und schreiben müssen, so dass ihm ein Fake-Geständ-

nis habe entlockt werden können (Urk. D1/3/2 F/A 6). 

2.9.20. Das vom Beschuldigten geschilderte Szenario wirkt als solches erst einmal 

äusserst unwahrscheinlich. Auch im Detail wirft dieses Fragen auf. So soll I._____ 

der  Privatklägerin  im  Zug  geschrieben  haben,  was  diese  dem  Beschuldigten  am 

Telefon sagen solle, wobei das Telefonat parallel dazu stattgefunden habe. Gleich-

zeitig  habe  I._____  in  seinen  Notizen  auf  dem  Handy  geschrieben,  was  der 

Beschuldigte der Privatklägerin jeweils antworten solle. Dies wirkt kaum umsetzbar. 

Dass auf diese Art ein flüssiges Gespräch zustande gekommen sein soll, erscheint 

schier unmöglich. Ebenso abwegig erscheint es, dass I._____ zum Zeitpunkt als 

der Zug am Bahnhof Stadelhofen eingetroffen sei, wo dieser ausgestiegen sei, über 

das Telefon des Beschuldigten mit der Privatklägerin – in seinem eigenen Namen 

und  nicht  etwa  vorgetäuscht  als  Beschuldigter  –  geschrieben  haben  soll.  Dies 

macht schlicht keinen Sinn, hatte er doch sein eigenes Handy offenbar dabei und 

-   40   -

wäre  es  ihm  wohl  kaum  möglich  gewesen  beim  Aussteigen  mit  dem  Handy  des 

Beschuldigten zu schreiben ohne dieses auch mitzunehmen. Schliesslich machte 

der Beschuldigte geltend, selbst im Zug verblieben zu sein und der Privatklägerin 

anschliessend wieder selbst geschrieben zu haben (Urk. D1/3/2 F/A 6). 

2.9.21. Aus dem bei den Akten liegenden Chatverlauf geht sodann hervor, dass die 

beiden  sich  nach  dem  Treffen  schriftliche  Nachrichten  sowie  Sprachnachrichten 

über Whatsapp schrieben, während der Beschuldigte offenbar im Zug sass, was 

sich ohne weiteres aus den Hintergrundgeräuschen seiner Sprachnachrichten er-

gibt. Die Privatklägerin fragte den Beschuldigten im Verlauf der Unterhaltung via 

Sprachnachricht, wer das von vorhin alles wissen dürfe, worauf der Beschuldigte 

schriftlich  antwortete  "Niemert  das  bliebt  unter  eus  2  wie  gseit  blieb  jz  starch" 

(Urk. D1/2/9  "Extraktionsbericht  Edelmetal  Händler"  S. 74  i.V.m.  PTT-20220327-

WA0123.opus  abrufbar  unter:  Urk. D1/2/10-16    Chat  Edelmetal  Handel  und 

GES html  Chat Edelmetal Handel und GES html  files  Audio). Im weiteren 

Verlauf fragte die Privatklägerin den Beschuldigten sodann schriftlich "Aber wieso 

hesh mini titte ahgfasst?", worauf der Beschuldigte mittels Sprachnachricht antwor-

tete und darin ausführte, sie würden über das von vorher nicht im Chat diskutieren. 

Darüber  werde  persönlich  gesprochen  aber  nicht  im  Chat.  Es  gebe  Dinge,  die 

müssten nicht alle wissen. Fragend stellte er darin ausserdem in den Raum: "Wer 

weiss, wär das alles gseht? Checksch?" (Urk. D1/2/9 "Extraktionsbericht Edelmetal 

Händler" S. 77 i.V.m. PTT-20220327-WA0128.opus abrufbar unter: Urk. D1/2/10-

16    Chat  Edelmetal  Handel  und  GES  html    Chat  Edelmetal  Handel  und 

GES html  files  Audio). Mithin wollte er also verhindern, dass die Privatklägerin 

über die Vorkommnisse spricht, sowohl mit Drittpersonen als auch im Chat, was 

Sinn ergeben würde, wenn der Nachmittag so verlaufen wäre, wie die Privatklägerin 

schilderte. Es erhellt hingegen nicht, weshalb der Beschuldigte so reagieren sollte, 

wenn seine Schilderung zutreffen würde. Dass I._____ ihm diese Nachrichten dik-

tiert hat, macht keinen Sinn, wäre diesfalls doch eher zu erwarten gewesen, dass 

ihm dieser diktiert, die Vorwürfe zu gestehen. Sodann meinte der Beschuldigte un-

ter anderem auch zur Privatklägerin, sie solle es nicht übertreiben. Das meine er 

voll ernst. Sonst hätten sie beide ein riesen Problem. Er könne schon auch anders. 

Auch wenn er das eigentlich nicht wolle. Abmachungen seien gegenseitig einzu-

-   41   -

halten. Unter Alkoholeinfluss übertreibe man manchmal etwas und bilde sich Dinge 

ein  (Urk. D1/2/9  S. 86 

i.V.m.  PTT-20220327-WA0140.opus  abrufbar  unter: 

Urk. D1/2/10-16    Chat  Edelmetal  Handel  und  GES  html    Chat  Edelmetal 

Handel und GES html  files  Audio). Mithin versuchte er der Privatklägerin ein-

zureden, es sei eigentlich gar nichts passiert und drohte ihr damit, dass er auch 

anders könne, wenn nötig. Diese Reaktion macht ebenfalls nur dann Sinn, wenn 

sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie die Privatklägerin sie schilderte und 

nicht, wenn I._____ neben ihm gesessen hätte. Auch nachdem I._____ aus dem 

Zug ausgestiegen war, würde eine derartige Reaktion keinen Sinn ergeben, fürch-

tete  sich  der  Beschuldigte  doch  gemäss  seinen  eigenen  Aussagen  vor  diesem, 

weshalb er diesfalls der Privatklägerin keinesfalls gedroht hätte sondern dieser zur 

Besänftigung wohl eher recht gegeben hätte oder der Frage ausgewichen wäre. 

2.9.22. Der Beschuldigte machte auch während seiner Einvernahme zwar geltend, 

von I._____ massiv unter Druck gesetzt worden zu sein, weshalb er anlässlich der 

zweiten Einvernahme angab, deshalb erst jetzt alles zu erzählen. Er brachte diesen 

aber bereits während der ersten Einvernahme ins Spiel. Wäre er tatsächlich derar-

tig  unter  Druck  gestanden,  wäre  vielmehr  zu  erwarten  gewesen,  dass  er  diesen 

verschweigt. Sodann soll I._____ ihm unter anderem mit dem Tod seiner Schwester 

gedroht haben und ihm eine geladene Waffe vorgehalten haben, dennoch will er 

der Privatklägerin via Textnachricht noch am gleichen Abend Hilfe angeboten ha-

ben (Urk. D1/3/2 F/A 6), ist jedoch nicht zur Polizei gegangen und versandte statt-

dessen oben aufgeführte (Sprach-)Nachrichten. Das Verhalten des Beschuldigten 

ergibt in Anbetracht der von ihm geschilderten Vorkommnisse schlicht keinen Sinn. 

2.9.23. Auf den vom Beschuldigten geltend gemachten Drogenkonsum angespro-

chen äusserte die Privatklägerin im Übrigen authentisch, keine Drogen zu nehmen 

sondern nur zu rauchen (Urk. D1/4/7 F/A 147). Sie gab sodann zu, schon einmal 

gekifft zu haben (Urk. D1/4/7 F/A 148), versuchte sich also nicht per se in einem 

besonders guten Licht darzustellen. Sie kennt sich mit Drogen denn auch nicht aus, 

musste sie doch nachfragen, was LSD sei und versicherte sich bei der Befragen-

den, ob es sich bei Kokain, um "das Weisse" handle (Urk. D1/4/7 F/A 152 f.). Auch 

gab  sie  offen  zu,  Alkohol  konsumiert  zu  haben,  wobei  sie  nachvollziehbar 

-   42   -

schilderte, nicht regelmässig Alkohol zu konsumieren, weil sie nicht wie ihre Mutter 

werden wolle (Urk. D1/4/7 F/A 156-161). Die Zeugin G._____ meinte ebenfalls, sie 

denke, die Privatklägerin nehme keine Drogen. Am 27. März 2022 hätten sie jeden-

falls keine Drogen konsumiert. Sie führte weiter aus, sie wisse, dass diese Alkohol 

ausprobiert  habe  und  auch  ab  und  zu  rauche  (Urk. D1/5/1  F/A 123-129).  Weiter 

gab sie an, dass diese auch beim Treffen mit dem Beschuldigten Alkohol in Form 

eines Mischgetränks konsumiert habe (Urk. D1/5/1 F/A 130-132). Auch hierbei ver-

suchte sie also nicht die Privatklägerin besonders gut darzustellen.

2.9.24. Die Schilderungen der Privatklägerin sind damit trotz einiger Ergänzungen 

in der zweiten Befragung sowie einem kleinen Widerspruch insgesamt detailliert, in 

sich schlüssig, nachvollziehbar und wirken authentisch. Damit sind diese glaubhaft. 

Ihre  Ausführungen  werden  sodann  durch  die  Ausführungen  der  Zeugin  G._____ 

gestützt, welche detailliert, nachvollziehbar und widerspruchsfrei mithin glaubhaft 

aussagte. Auch die Nachfragen der Privatklägerin im unmittelbar nach dem Treffen 

mit dem Beschuldigten geführten Chat, wer alles vom Geschehenen wissen dürfe 

und  weshalb  er  ihre  Brüste  angefasst  habe  sind  ein  Indiz  dafür,  dass  sich  die 

Geschehnisse so zugetragen haben, wie sie es ausführte. Auch die Reaktion des 

Beschuldigten auf diese Fragen lassen darauf schliessen. Er bestritt die Vorwürfe 

nämlich nicht, sondern versuchte stattdessen, die Privatklägerin dazu zu bringen, 

dass diese weder mit Dritten noch mit ihm – sofern für Dritte nachverfolgbar – über 

das  Geschehene  spricht.  Das  vom  Beschuldigten  geltend  gemachte  Alternativs-

zenario  erscheint  sodann  äusserst  abwegig,  ist  mit  unzähligen  nicht  authentisch 

wirkenden Details versehen und ergibt im Wesentlichen schlicht keinen Sinn. Hätte 

sich der Nachmittag so abgespielt, wie er es geltend machte, wären – unabhängig 

davon, ob I._____ ihm diese diktiert hätte oder nicht – andere (Sprach-)Nachrichten 

von ihm zu erwarten gewesen. Seine Aussagen sind mithin unglaubhaft. Damit ist 

der Sachverhalt anklagegemäss erstellt. 

3.

Pornografie (Dossier 1)

3.1. Der Beschuldigte anerkannte, die in der Anklage umschriebenen pornogra-

fischen Bilder in der dort aufgeführten Anzahl am 8. April 2022 auf seinem Mobilte-

lefon gespeichert gehabt zu haben. Er machte jedoch geltend, die Bilder von einem 

-   43   -

betrunkenen  deutschen  Staatsbürger  erhalten  und  diese  gelöscht  zu  haben.  Er 

habe  sein  Handy  jedoch  so  eingestellt,  dass  Bilder  doppelt  gespeichert  werden. 

Daran habe er nicht mehr gedacht. Immer wenn ein Backup gemacht werde, würde 

sich  der  Speichervorgang  sodann  wiederholen  (Prot. I  S. 35 f.).  Damit  anerkennt 

der Beschuldigte den objektiven Tatbestand. Dieser lässt sich auch ohne weiteres 

aus den in den Akten liegenden Beweismitteln erstellen (Urk. D1/2/4 S. 1 f. i.V.m. 

Urk. D1/2/5),  welche  hinsichtlich  den  objektiven  Sachverhalt  keinen  Anlass  zu 

weiteren Ausführungen geben. Damit ist der objektive Sachverhalt erstellt.

3.2. Mit seinen Ausführungen bestreitet der Beschuldigte indirekt den subjektiven 

Sachverhalt, indem er sinngemäss geltend macht, er habe die Bilder nicht vorsätz-

lich besessen, sondern sei der Meinung gewesen, diese gelöscht zu haben. 

3.3. Aus  den  weiteren  Beweismitteln  ergibt  sich,  dass  die  Bilder  1  (zwei  Mal), 

2 (zwei Mal), 4 (zwei Mal) und 6 (vier Mal) als Sticker auf dem Handy des Beschul-

digten gespeichert waren. Bild 5 war vier Mal von den insgesamt vierzehn Mal als 

Sticker  auf  dem  Handy  des  Beschuldigten  gespeichert.  Bei  den  zehn  weiteren 

Abspeicherungen von Bild 5 handelt es sich um Thumbnails, was auch auf die zehn 

Abspeicherungen von Bild 3 zutrifft (Urk. D1/2/5 S. 3 i.V.m. S. 5-7). 

3.4. Anders als bei empfangenen Bildern werden Whatsapp-Sticker nur auf dem 

eigenen  Handy  abgespeichert,  wenn  dies  aktiv  selbst  vorgenommen  wird.  Der 

Beschuldigte muss daher sämtliche Exemplare der Bilder 1, 2, 4 und 6 sowie vier 

Exemplare von Bild 5 aktiv auf seinem Handy gespeichert haben. Damit sind seine 

Aussagen zum Grund für das Vorfinden der Dateien auf seinem Handy widerlegt 

und der subjektive Sachverhalt diesbezüglich ohne weiteres erstellt. 

3.5. Die zehn Exemplare von Bild 3 sowie zehn der vierzehn Exemplare von Bild 

5 waren hingegen als Foto bzw. sog. Thumbnail auf dem Mobiltelefon des Beschul-

digten gespeichert. Damit ist ein automatisches Abspeichern auf dem Handy grund-

sätzlich möglich. Der Beschuldigte macht jedoch geltend, die Bilder jeweils gelöscht 

zu haben, woraus sich lediglich je eine automatisch abgespeicherte Kopie erklären 

lassen würde. Bild 3 und 5 befanden sich jedoch je ganze 10 Mal als Thumbnail 

auf  seinem  Handy.  Auch  beim  Erstellen  eines  Backups  wird  grundsätzlich  eine 

-   44   -

Kopie von Dateien erstellt. Diese Kopie wird jedoch ausserhalb des Handys gespei-

chert. Schliesslich soll diese ja als Sicherheit etwa für den Fall des Verlustes des 

Handys oder des sonstigen Datenverlusts dienen. Zu einer Mehrfach-Abspeiche-

rung auf einem Mobiltelefon kommt es bei der Erstellung von Backups hingegen 

nicht. Damit ist seine Aussage hierzu widerlegt. Die Beweislage lässt damit keinen 

anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte auch diese Bilder mit Wissen und 

Willen auf seinem Handy selbst abgespeichert hatte. Damit ist auch diesbezüglich 

der subjektive Sachverhalt erfüllt. 

4. Mehrfacher Diebstahl (Dossier 2)

4.1. Vorbemerkungen

Auf  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  Anklagevorwurf  (Urk. 133  E. III.6.1. 

S. 54),  zum  Standpunkt  des  Beschuldigten  bzw.  der  Verteidigung  (Urk. 133 

E. III.6.2. S. 54 f.), zu den vorhandenen Beweismitteln (Urk. 133 E. III. 6.3. S. 55) 

und zur Beweiswürdigung (Urk. 133 E. III.6.4. S. 55-69) kann grundsätzlich vollum-

fänglich verwiesen werden. Diese sind korrekt. 

-   45   -

4.2.

Zugang zum Tatort

Der Beschuldigte erklärte, er habe mittels Schlüssel Zutritt zur Tiefgarage an der 

N._____-strasse (Urk. D2/3/1 F/A 8). 

4.3. Miete Lagerraum Nr. 079

Der Beschuldigte gab zu, den Lagerraum Nr. 079, im O._____, an der P._____-str. 

1, in Q._____ [Ortschaft], seit ca. September/ Oktober 2021 zu mieten (Urk. D2/3/1 

F/A 49 f. i.V.m. Prot. I S. 37). Er benutze diesen, um Sachen einzulagern. Es seien 

alles  Dinge,  die  zum  verkaufen  seien  oder  die  er  nicht  zu  Hause  haben  wolle 

(Urk. D2/3/1 F/A 51).

4.4.

(Aufgefundenes) Deliktsgut

4.4.1. Aus dem Polizeirapport vom 2. November 2021 und dem dazugehörenden 

Anhang ergibt sich, dass die in der Anklage aufgeführten Gegenstände, mit den in 

der Anklage angegebenen Sachwerten, den in der Anklage aufgeführten Personen 

in der Sammelgarage an der N._____-strasse in K._____ zwischen dem 23. Okto-

ber 2021 und 28. Oktober 2021 abhanden gekommen sind (Urk. D2/1/1 S. 1 ff.). 

4.4.2. Auf den Überwachungsvideos des Lagerraums ist sodann zu sehen bzw. zu 

hören, wie der Beschuldigte zusammen mit zwei Mitarbeitern der R._____ Trans-

port GmbH diverse Pneus, einen Veloträger, drei Paar Skis und diverse Golfschlä-

ger in seinen Lagerraum in Q._____ verbrachte, wobei das Ganze ruhig ablief und 

die  Beteiligten  freundlich  miteinander  umgingen  (Urk. D2/2/6  i.V.m.  Urk. D2/2/7, 

Urk. D2/2/8 und Urk. D2/2/9). 

4.4.3. Auf einem der Überwachungsvideos des Lagerraums ist sodann zu sehen 

und  zu  hören,  wie  der  Beschuldigte  Nissan-  und  Kia-Räder  verkauft,  was  der 

Beschuldigte als richtig bestätigte (Urk. D2/3/2 F/A 11 f. i.V.m. Urk. D2/2/11), wobei 

von  der  Geschädigten  S._____  Nissan-Räder  als  gestohlen  gemeldet  wurden. 

Gegenüber dem Käufer erklärte der Beschuldigte sodann, die Räder von einer alten 

Garage  teilweise  gekauft  und  teilweise  bekommen  zu  haben  (Urk. D2/2/10). 

Sodann ist zu hören, dass der Käufer eigentlich nebst den Rädern von Nissan auf 

-   46   -

der Suche nach Rädern von Hyundai war, welche er dem Beschuldigten sodann 

auf seinem Handy zeigte. Der Käufer meinte, der Beschuldigte habe ihm gesagt, 

dass er diese Räder hier habe, worauf der Beschuldigte meinte, es seien erst 25 

von 50 Rädern geliefert worden, er könne die Räder jedoch bis Mittwoch besorgen 

(Urk. D2/2/11). 

4.4.4. Aus  dem  Durchsuchungsprotokoll  vom  2. November  2021  ergibt  sich 

sodann, dass sämtliche der in der Anklage aufgeführten Gegenstände der Geschä-

digten T._____, U._____, V._____ und W._____ im vom Beschuldigten angemie-

teten Lagerraum Nr. 079, im O._____, an der P._____-str. 1, in Q._____, aufge-

funden werden konnten (Urk. D2/8/2/3). Diese wurden ihnen in der Folge zurück-

gegeben (Urk. D2/8/2/4). Sodann konnten sämtliche Skis sowie der Veloträger des 

Geschädigten AA._____ ebenfalls im Lagerraum des Beschuldigten aufgefunden 

werden 

(Urk. D2/8/2/3)  und  diesem  anschliessend 

retourniert  werden 

(Urk. D2/8/2/4). Der Beschuldigte gab sodann an, den Veloträger zwischenzeitlich 

zum  Verkauf  ausgeschrieben  zu  haben  (Urk.  D2/3/3  F/A  37).  Er  anerkannte  im 

Übrigen  auch,  dass  es  Fakt  sei,  dass  ein  erheblicher  Teil  der  aus  der  Garage 

weggekommenen Sachen, bei ihm im Lagerraum aufgefunden worden sei (Prot. I 

S. 37). 

4.4.5. In den Akten liegt sodann ein Verkaufsinserat über die anklagegegenständ-

lichen  Angelruten  (Urk. D2/2/5).  Der  Beschuldigte  gab  denn  auch  zu,  die  Angel-

ruten des Geschädigten AB._____ im Oktober 2021 auf Ricardo ausgeschrieben 

zu haben. Er meinte jedoch, dies getan zu haben, um über die Fragen-und-Antwort-

Funktion  herauszufinden,  was  für  einen  Wert  diese  haben  (Urk.  D2/3/2  F/A  16 

i.V.m. F/A 35). Er habe gewusst, wenn die erste Person eine Frage stelle, könne er 

diese  Fragen  (Urk. D2/3/2  F/A  20).  Er  habe  dann  auch  nach  dem  Wert  fragen 

können (Urk. D2/3/2 F/A 23). Die Ruten habe er dann aber nicht verkauft, sondern 

sie zurück getan (Urk. D2/3/2 F/A 35 f.). Eine Frage des Beschuldigten nach dem 

Wert der Ruten ist aus dem in den Akten vorhandenen Frage-Antwort-Katalog zu 

den inserierten Angelruten nicht ersichtlich. Jedoch ergibt sich aus diesem sein Ver-

kaufswille. So führte er u.a. aus "Welche den ??? verzell 1 wird am 20:15 Hüt ver-

kauft voraussichtlich öpert chunt vo AC._____ [Ortschaft] a was hetsch intresse??? 

-   47   -

[…]" (Urk. D2/2/5 S. 16). Sodann gab er einem der Interessenten den Zuschlag für 

eine der Rollen (Urk. D2/2/5 S. 18). Damit ist klar, dass der Beschuldigte die An-

gelruten des Geschädigten AC._____ nicht nur aus Interesse zum Verkauf inse-

rierte und danach zurückgab, sondern sehr wohl ein Verkaufsinteresse hatte und 

diese zumindest teilweise auch verkaufte. 

4.5. Erlangen des Deliktsguts

4.5.1. Der Beschuldigte machte zusammengefasst einerseits geltend, er habe die 

Gegenstände nicht entwendet, sondern vom Chef bzw. von einem Mitarbeiter des 

Transportunternehmens  für  Fr. 3'000.–  gekauft.  Dieser  habe  ihm  die  Sachen  an 

einem  Freitag  vor  dem  Coop  angeboten  (Urk. D2/3/1  F/A 5  i.V.m.  F/A 8,  F/A 13, 

F/A 16, F/A 36, Prot. I S. 36) und ihm gesagt, er solle dem Transportunternehmen 

eine E-Mail schreiben, damit es wie ein Auftrag aussehe. Sie hätten die Sachen 

gemeinsam in AD._____ [Ortschaft] bei einem Tor mit einem Metallgriff abgeholt 

(Urk. D2/3/1 F/A 12 i.V.m. F/A 36, Prot. I S. 37). Andererseits machte er geltend, er 

sei lediglich Mittäter gewesen. Er habe Wache gestanden, während die beiden Mit-

arbeiter der Transportfirma mit einer Sturmhaube in die Tiefgarage gefahren seien 

und diese ausgeräumt hätten (Urk. D2/3/2 F/A 4 i.V.m. Urk. D2/3/3 F/A 180). Sein 

Anteil seien 20 oder 25 Autoreifen gewesen (Urk. D2/3/2 F/A 5 i.V.m. Urk. D2/3/3 

F/A 180). Anlässlich der Hauptverhandlung machte er schliesslich geltend, das mit 

der Sturmhaube stimme nicht. Der Polizist habe ihn enorm unter Druck gesetzt und 

gesagt, er werde dem Staatsanwalt auf den Bauch knien, damit dieser die falsche 

Anschuldigung in die Anklage nehme. Die Geschichte mit der Sturmhaube habe er 

erzählt, weil man ihn zu fest unter Druck gesetzt habe und er in Not gewesen sei 

(Prot. I S. 45 f.). 

4.5.2. Aus den Akten ist eine derartige Aussage des befragenden Polizeibeamten, 

wie  sie  vom  Beschuldigten  geltend  gemacht  wurde,  nicht  ersichtlich.  Das  wäre 

zwar,  wäre  denn  diese  zweifelhafte  Aussage  des  Polizeibeamten  gefallen,  auch 

nicht weiter erstaunlich. Allerdings ist es lebensfremd, dass der Polizist ihn zu einer 

solchen  Aussage,  wonach  er  eine  Sturmhaube  getragen  habe,  mit  derartiger 

Inbrunst  gedrängt  haben  soll.  Weshalb  er  dies  hätte  tun  sollen,  ist  schlicht  nicht 

ersichtlich. An diesem Detail hängt weder der Ermittlungserfolg noch ist irgendein 

-   48   -

Motiv oder Vorteil des Polizisten ersichtlich. Es ist davon auszugehen, dass es sich 

hierbei um eine reine Schutzbehauptung des Beschuldigten handelt, zumal er die 

"Version  Sturmhaube"  auch  ein  zweites  Mal  in  Gegenwart  seines  Verteidigers 

vorbrachte.  Unmittelbar  davor  war  ihm  ein  Unterbruch  zur  Besprechung  seiner 

weiteren Aussagen mit seinem Verteidiger gewährt worden  (Urk. D2/3/3 F/A 179 

f.). Er brachte sie in diesem Zusammenhang sodann vor, nachdem er wieder von 

seiner ersten Version berichtet hatte (Urk. D2/3/3 F/A 60 i.V.m. F/A 79 und F/A 95) 

und bezüglich diverser Detailfragen hierzu ins Stocken geraten war, so etwa zur 

Verpackung  der  Skis  (Urk. D2/3/3  F/A 100),  zu  den  inserierten  Autoreifen 

(Urk. D2/3/3  FA 150-151  i.V.m.  F/A 160-163)  und  zum  Verkauf  der  Autoreifen, 

welcher  auf  der  Überwachungskamera  des  Lagers  ersichtlich  ist  (Urk. D2/3/3 

F/A 109-148,  F/A 170-177).  Damit  widersprach  sich  der  Beschuldigte  im  Kern-

punkt. 

4.5.3. Der Beschuldigte widersprach sich, wie bereits angedeutet, auch in weiteren 

Dingen. Sodann weisen seine weiteren Ausführungen auch diverse Inkonsistenzen 

auf.  So  gab  er  etwa  an,  die  Golfschläger  seien  von  ihm  und  schon  lange  beim 

Lagerraum gewesen (Urk. D2/3/1 F/A 13). Aus der Videoüberwachung des Lager-

raums ergibt sich jedoch, dass er die Golfschläger im Rahmen des R._____-Trans-

ports in den Lagerraum gebracht hat (Urk. D2/2/8). Hierauf angesprochen, meinte 

er, das nicht mehr gewusst zu haben, gab dann aber an, sich nun doch erinnern zu 

können, dass das stimme. Er habe die Golfschläger aber nicht von diesem Herrn 

gekauft, sondern diese bei sich zu Hause gehabt. Er habe diese schon einmal im 

Lagerraum gehabt, dann aber wieder geholt (Urk. D2/3/3 F/A 58). Erklären wofür 

er  diese  gebraucht  habe,  konnte  er  hingegen  nicht  (Urk. D2/3/3  F/A 59).  Weiter 

meinte  er  zunächst,  die  Skis  seien  in  einem  Skisack  eingepackt  gewesen 

(Urk. D2/3/1 F/A 39), wobei aus der Videoaufzeichnung hervorgeht, dass er diese 

ohne Skisäcke ins Lager transportierte (Urk. D2/2/9). Auf die Frage, was mit den 

Skisäcken passiert sei, meinte er, sich an die Skis nicht mehr detailliert erinnern zu 

können, wobei er zunächst abschweifte und davon berichtete, dass die Reifen in 

weissen oder weissgrauen Säcken gewesen seien (Urk. D2/3/3 F/A 100). 

-   49   -

4.5.4. Ebenfalls  widersprach  er  sich  bezüglich  der  Frage,  wie  er  wissen  konnte, 

dass die Gegenstände, die er kaufen würde in einem guten Zustand sein würden 

bzw. wann er die Gegenstände das erste Mal gesehen habe. So gab er zunächst 

an, er habe die Sachen, an dem Tag, an dem er sie gekauft habe, das erste Mal 

gesehen. Er habe sie ihm davor einfach beschrieben. Er habe gewusst, dass er 

nicht  persönlich  zum  Begutachten  vorbeigehen  müsse  und  habe  einfach  den 

Transportauftrag  geben  können.  Er  habe  ihm  Fotos  davon  gezeigt  (Urk. D2/3/1 

F/A 39). Schliesslich meinte er jedoch, er habe die Sachen erstmals angeschaut, 

als er den Auftrag gegeben habe. Er sei mit dem Verkäufer dort hin gegangen und 

habe die Sachen gut angeschaut, ca. 20 Minuten lang (Urk. D2/3/3 F/A 76). 

4.5.5. Bei  den  Aussagen  des  Beschuldigten  fällt  ausserdem  auf,  dass  er  immer 

wieder  in  Nebensächliches  abschweifte,  so  etwa  bei  der  Frage,  wie  er  beim 

Einstellen der Angelruten vorgegangen sei, um herauszufinden, wie viel diese Wert 

seien.  Hierzu  meinte  er,  die  Fragen  und  Antworten  würden  von  Ricardo  immer 

wieder  gelöscht,  da  diese  Angst  hätten,  man  würde  ausserhalb  ihrer  Plattform 

Verkaufsabschlüsse  tätigen.  Sodann  schilderte  er,  der  Geschädigte  AB._____, 

habe seinen Eltern angeboten, seine Anzeige zurückzuziehen, sofern er (der Be-

schuldigte)  ihm  den  Wert  der  Angelruten  von  Fr. 5'000.–  ersetze  (Urk. D2/3/2 

F/A 16). 

4.5.6. Die Ausführungen des Beschuldigten sind sodann teilweise schlicht lebens-

fremd. So machte er etwa geltend, die Fotos der zu verkaufenden Gegenstände 

seien  ihm  vor  dem  Coop,  an  diesem  Donnerstag  oder  Freitag  gezeigt  worden, 

allerdings  ausgedruckt.  Der  Verkäufer  habe  sie  ihm  nicht  auf  seinem  Handy 

gezeigt,  da  er  dessen  Nummer  nicht  gehabt  habe  (Urk. D2/3/3  F/A 138  f.).  Es 

erscheint äusserst abwegig, dass der Verkäufer, den er per Zufall vor dem Coop 

getroffen haben will, ausgedruckte Fotos von Waren, die er ihm verkaufen wollte 

bei sich gehabt hat. Sodann ist auch absolut nicht nachvollziehbar, weshalb ihm 

dieser  die  Fotos  ausgedruckt  vorgelegt  haben  soll  und  nicht  auf  seinem  Handy. 

Schliesslich  spielt  es  zum  Vorzeigen  des  eigenen  Handys  keine  Rolle,  ob  das 

Gegenüber über die zugehörige Telefonnummer verfügt. 

-   50   -

4.5.7. Der Beschuldigte machte im Übrigen zwar geltend, er habe den Verkäufer 

der Gegenstände am Donnerstag oder Freitag vor dem Kauf am Dienstag, mithin 

am  21. Oktober  2021  oder  22. Oktober  2021  zufällig  angetroffen.  Bei  dieser 

Gelegenheit sei ihm der Kauf angeboten worden (Urk. D2/3/1 F/A 36). Die Offerte 

zum Transport durch die R._____ Transport GmbH datiert jedoch vom 20. Oktober 

2021, mithin wurde diese erstellt bevor er gemäss seinen Ausführungen von der 

Kaufmöglichkeit wissen konnte (Urk. D2/2/3). Hiermit konfrontiert, meinte er ledig-

lich, er könne hierzu nichts sagen (Urk. D2/3/3 F/A 199). Die vom Beschuldigten 

mit der R._____ Transport GmbH geführte E-Mail-Konversation ergibt sodann im 

Rahmen beider vom Beschuldigten aufgeführten Ablaufversionen keinen Sinn. Es 

wäre  schlicht  nicht  notwendig  gewesen  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Reifen  auf 

öffentlichem  Grund  stehen  würden,  was  mit  der  Gemeinde  abgesprochen  sei 

(Urk. D2/2/3 S. 3). Auch die Kritik hinsichtlich des Klingelns bei seinen Eltern hätte 

sich diesfalls wohl erübrigt, insbesondere für den Fall, dass er von den Mitarbeitern 

quasi zur Mittäterschaft genötigt worden wäre, wäre dies keinesfalls zu erwarten 

gewesen (Urk. D2/2/3 S. 3). Vielmehr entsteht hierdurch der Eindruck, dass der Be-

schuldigte verhindern wollte, dass seine Eltern vom Transport mitbekommen, hät-

ten  diese  doch  höchstwahrscheinlich  sofort  erkannt,  dass  es  sich  bei  den  vielen 

Gegenstände, um solche der von ihnen mitbenutzten Sammeltiefgarage handelt. 

4.5.8. Damit  sind  die  Ausführungen  des  Beschuldigten  zwar  teilweise  detailliert 

jedoch  nicht  konstant  und  voller  Widersprüche.  Teilweise  sind  sie  sodann  durch 

objektive Beweismittel widerlegt. Sie sind zum Teil auch schlicht lebensfremd und 

nicht nachvollziehbar mithin unglaubhaft. 

4.6.

Fazit

4.6.1. Damit  ist  ohne  weiteres  erstellt,  dass  der  Beschuldigte  zum  Tatzeitpunkt 

freien Zugang zum Tatort hatte und den Lagerraum Nr. 079 im O._____ mietete, 

wobei ein Grossteil des in der Anklage umschriebenen Deliktsguts dort aufgefun-

den werden konnte. Dieses verbrachte er mit zwei Mitarbeitern der R._____ Trans-

port GmbH persönlich in den Lagerraum. Er hatte sodann vor, das dort aufgefun-

dene  Deliktsgut  zu  veräussern,  was  er  selbst  ausführte  und  sich  auch  durch  die 

diversen vorhandenen Verkaufsinserate aufdrängt, wobei er die nicht mehr aufge-

-   51   -

fundenen  Nissan-Räder  und  diversen  Angelruten  und  Rollen  bereits  veräussern 

konnte. 

4.6.2. Beim  Versuch  zu  erklären,  wie  genau  er  in  den  Besitz  der  als  gestohlen 

gemeldeten  Gegenstände  kam,  verstrickte  sich  der  Beschuldigte  in  zahlreiche 

Widersprüche und machte teilweise schlicht lebensfremde und nicht nachvollzieh-

bare Ausführungen. Diesen kann daher kein Glauben geschenkt werden. 

4.6.3. Angesichts der zahlreichen belastenden Beweise und Indizien – insbeson-

dere angesichts des teilweise beim Beschuldigten aufgefundenen Deliktsguts, des 

freien Zugangs des Beschuldigten zum Tatort und der vorhandenen Verkaufsinse-

rate – ist der Sachverhalt anklagegemäss erstellt.

5.

Diebstahl / Sachbeschädigung / Hausfriedensbruch (Dossier 3)

5.1. Auf die Ausführungen der Vorinstanz zum Anklagevorwurf, zu den vorhan-

denen Beweismitteln und zur Beweiswürdigung kann verwiesen werden (Urk. 133 

E. III.7.1.1.  S. 71  i.V.m.  E. III.7.3.1.  S. 72  und  E. III.7.4.-7  S. 72-79).  Diese  sind 

zutreffend. 

5.2.

5.2.1. Der  Beschuldigte  stellte  nicht  in  Abrede,  dass  sich  die  von  der  Anklage 

umfassten Gegenstände in seiner Wohnung befanden. Er machte lediglich geltend, 

von  der  Vertreterin  der  Privatklägerin  beauftragt  worden  zu  sein,  diese  Gegen-

stände (samt bereits defekter Kabel) zu sich zu nehmen, damit diese in ihrem Lokal 

putzen  könne,  wobei  er  die  Kabel  hätte  behalten  dürfen.  Hierfür  habe  er  von  ihr 

auch den Schlüssel zum Lokal erhalten. Es sei abgemacht gewesen, dass er die 

Gegenstände  am  Sonntagabend  um  17.00 Uhr  wieder  zurückgebe  (Urk. D3/3/1 

F/A 2 i.V.m. F/A 17 f., F/A 44, Urk. D3/3/2 F/A 4 und Urk. D3/3/3 F/A 12).

5.2.2. Wenngleich  die  Schilderung  des  Beschuldigten  ungewöhnlich  erscheinen 

mag, so wäre ein derartiger Ablauf grundsätzlich denkbar. Die Tatsache, dass die 

Vertreterin der Privatklägerin AE._____ GmbH (AF._____) am Sonntagmorgen bei 

der Polizei einen Diebstahl meldete, worauf diese vor Ort kam (Urk. D3/1/1 S. 2), 

-   52   -

wirft  jedoch  Fragen  auf.  Hätte  sie  dem  Beschuldigten  die  Gegenstände  am  Vor-

abend  anvertraut,  hätte  hierzu  kein  Grund  bestanden.  Der  Beschuldigte  machte 

diesbezüglich geltend, es sei möglich, dass AF._____ ihm eins habe auswischen 

wollen,  weil  sie  gedacht  habe,  er  habe  ihr  Portemonnaie  gestohlen.  Sie  habe  ja 

auch gesagt, dass sie bei ihm sowie allen anderen Kursteilnehmern nach dem im 

Kurs gestohlenen Portemonnaie gefragt habe und niemanden konkret verdächtigt 

habe (Urk. D3/3/3 F/A 26). Der Beschuldigte meinte ausserdem, er nehme an, dass 

AF._____  einen  Versicherungsbetrug  habe  begehen  wollen  (Urk.  D3/3/1  F/A  4 

i.V.m. Urk. D3/3/2 F/A 5 und Urk. D3/3/3 F/A 26). 

5.2.3. Für einen versuchten Versicherungsbetrug sind keinerlei Anhaltspunkte vor-

handen. In Anbetracht des Deliktsguts – insbesondere der Schokoeier – erscheint 

dies  wenig  wahrscheinlich.  Die  im  Lokal  stehenden  Computer  und  Lautsprecher 

wären wohl mehr wert gewesen als die Schokoeier sowie die Kaffeemaschine und 

daher im Hinblick auf einen Versicherungsbetrug einträglicher. Es war denn aber 

auch AF._____, welche die Polizei darauf aufmerksam machte, dass in der Küche 

des  Beschuldigten  die  abhanden  gekommenen  Schokoeier  und  ihre  Kaffeema-

schine  stehen  (Urk. D3/1/1  S.  2).  Hätte  sie  einen  Versicherungsbetrug  begehen 

wollen, wäre zu erwarten gewesen, dass sie die Polizeibeamten zumindest nicht 

von sich aus darauf aufmerksam macht sondern darauf hofft, dass ihnen dies nicht 

auffällt. Mit dem Anvertrauen der Gegenstände an einen direkten Nachbarn wäre 

sie aber auch ein unverhältnismässig hohes Risiko eingegangen, dass die ganze 

Aktion auffliegt. Gerade aufgrund der bestehenden Verbindungstür zwischen dem 

Theorielokal und der Wohnung des Beschuldigten war zu erwarten, dass die Polizei 

– in Ermangelung von Einbruchsspuren – diesen früher oder später mit dem Sach-

verhalt konfrontiert und so die Gegenstände wieder auftauchen. Diesfalls hätte die 

Versicherung  nichts  übernommen.  Ein  versuchter  Versicherungsbetrug  erscheint 

daher äusserst unwahrscheinlich. 

5.2.4. Wie  bereits  der  Beschuldigte  selbst  festhielt,  führte  AF._____  nie  aus,  sie 

habe konkret den Beschuldigten verdächtigt, ihr Portemonnaie gestohlen zu haben 

(vgl.  Urk. D3/4/1  F/A 8).  In  den  Akten  befindet  sich  die  Korrespondenz  zwischen 

dem Beschuldigten und AF._____ betreffend den Portemonnaiediebstahl. Aus die-

-   53   -

ser geht zwar hervor, dass sich die beiden schriftlich über das gestohlene Porte-

monnaie austauschten, wobei jedoch kein Verdacht seitens AF._____ geäussert 

wurde,  der  Beschuldigte  habe  den  Diebstahl  begangen.  Ganz  im  Gegenteil:  Sie 

bedankte sich bei ihm, weil er bei ihr nachfragte, ob sie die Geldbörse doch noch 

gefunden habe (Urk. D3/3/3 Beilage 16 S. 1 f.) und für die Mitarbeit im Kurs, worauf 

der  Beschuldigte  ihr  antwortete,  es  habe  mega  Spass  gemacht,  wofür  sich 

AF._____ wiederum beim Beschuldigten bedankte (Urk. D3/3/3 Beilage 16 S. 10 

f.). Aus der Korrespondenz geht sodann hervor, dass der Beschuldigte ihr mitteilte, 

dass zum mutmasslichen Tatzeitpunkt nie jemand alleine im Zimmer gewesen sei. 

Es könne daher jeder gewesen sein. Er wolle niemanden beschuldigen, da man 

das nicht machen solle, wenn man es nicht wisse. AF._____ stimmte ihm diesbe-

züglich zu und bedankte sich erneut beim Beschuldigten (Urk. D3/3/3 Beilage 16 

S. 12 ff.). Sie blieb also für alle Möglichkeiten offen und war ebenfalls der Ansicht, 

dass es nicht in Ordnung sei, jemanden ohne konkrete Hinweise zu beschuldigten. 

Auch aus den restlichen Nachrichten sind keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, wel-

che darauf schliessen lassen würden, dass AF._____ den Beschuldigten verdäch-

tigte und ihm daher eins hätte auswischen wollen, wie es der Beschuldigte geltend 

macht.

5.2.5. Wenngleich  mit  einer  Inspektion  der  Verbindungstür  durch  die  Polizei  zu 

gegebener Zeit zu rechnen war, konnte AF._____ im Übrigen nicht damit rechnen, 

dass die Polizei noch gleichentags die Wohnung des Beschuldigten betreten würde 

und damit die Gegenstände bei ihm gefunden würden, so dass sie ihm damit eins 

hätte auswischen können. Schliesslich war das Betreten der Wohnung durch die 

Polizei dem Umstand geschuldet, dass der Beschuldigte genau in dem Moment als 

AF._____  mit  dieser  im  Gang  stand,  die  Wohnung  verliess  und  der  Polizei  auf 

Nachfrage  Zutritt  zu  seiner  Wohnung  gewährte  (Urk. D3/1/1  S. 2).  Wäre  der  Be-

schuldigte nicht vor Ort gewesen, wäre es hierzu nicht gekommen. Sodann hätte 

ohne  sein  Einverständnis  zunächst  ein  Durchsuchungsbefehl  eingeholt  werden 

müssen. Bereits nach 17.00 Uhr am Abend wären die Gegenstände jedoch – den 

Schilderungen  des  Beschuldigten  folgend  –  gar  nicht  mehr  bei  ihm  auffindbar 

gewesen sondern von ihm wieder an AF._____ übergeben worden. Damit erscheint 

es  äusserst  unwahrscheinlich,  dass  AF._____  dem  Beschuldigten  mit  der  Dieb-

-   54   -

stahlsanzeige eins auswischen wollte, zumal auch nicht ersichtlich ist, was sie da-

von  gehabt  hätte.  Schliesslich  hätte  sie  ihr  Portemonnaie  hierdurch  nicht  zurück 

erlangt bzw. wäre ihr der diesbezüglich entstandene Schaden dadurch nicht ersetzt 

worden. 

5.2.6. Es  erscheint  sodann  eher  abwegig,  dass  dem  Beschuldigten  zwecks 

Reinigung  des  Lokals  einige  wenige  nicht  besonders  grosse  Gegenstände  zur 

Aufbewahrung anvertraut wurden, während in den Räumlichkeiten diverse weitere 

Gegenstände  herumstanden,  die  eine  gründliche  Reinigung  –  insbesondere  des 

Bodens  –  deutlich  mehr  erschwert  hätten  (Urk. D3/2/1  Foto  2-8  S. 2-5).  Hinzu 

kommt, dass die Schilderungen des Beschuldigten schlicht nicht schlüssig sind. Er 

machte  einerseits  geltend,  ihm  seien  die  Gegenstände  anvertraut  worden,  weil 

AF._____ keinen Platz für diese mehr auf den Möbeln gefunden habe, da sie be-

reits viel anderes hochgestellt habe, um zu reinigen (Urk. D3/3/3 F/A 12). Anderer-

seits führte er aus, er sei angewiesen worden, mit dem Behändigen der Gegen-

stände zuzuwarten bis der Boden trocken gewesen sei. Hierfür habe er extra den 

Schlüssel  erhalten  (Urk. D3/3/3  F/A 16  f.).  Dies  hätte  aber  das  Anvertrauen  der 

Gegenstände völlig dem vom Beschuldigten geltend gemachten Sinn und Zweck 

entleert. 

5.2.7. Unglaubhaft erscheint die Schilderung des Beschuldigten auch deshalb, weil 

dieser auf Ricardo bereits die Kaffeemaschine des Theorielokals zum Verkauf ein-

gestellt hatte. Das entsprechende Inserat liegt bei den Akten. Der Hintergrund der 

Fotos im Inserat stimmt eindeutig mit dem Lokal überein, so dass ausgeschlossen 

werden  kann,  dass  es  sich  dabei  um  eine  andere  Kaffeemaschine  handelt.  Die 

Fotos wurden sodann offensichtlich im Dunkeln und damit wohl heimlich aufgenom-

men (Urk. D3/2/4 i.V.m. Urk. D3/2/11). Er konnte denn auch nicht erklären, um was 

für eine Kaffeemaschine es sich denn sonst handle. Er gab lediglich an, die habe 

er mal bekommen, wisse aber nicht mehr, woher er sie gehabt habe (Urk. D3/3/4 

F/A 9 f.). Damit konfrontiert, dass die Aufnahmen der von ihm inserierten Kaffee-

maschine eindeutig im Theorielokal aufgenommen worden seien, gab er an, dass 

dies so aussehe und erklärte zur Entstehung der Bilder keine weitere Auskunft er-

teilen zu wollen (Urk. D3/3/4 F/A 12 f.). Damit ist die Aussage des Beschuldigten 

-   55   -

hierzu, es handle sich nicht um die Kaffeemaschine aus dem Theorielokal, wider-

legt  (Urk. D3/3/4  F/A 8).  Aus  diesen  Umständen  lässt  sich  auch  ohne  weiteres 

schliessen, dass der Beschuldigte nicht vor hatte, die Kaffeemaschine zurückzuge-

ben sondern vor hatte, diese zu verkaufen. 

5.2.8. Die  durchtrennten  Kabel  diverser  Elektrogeräte  im  Theorielokal  wurden 

sodann fotografisch festgehalten und konnten in der Wohnung des Beschuldigten 

durch  die  Polizei  aufgefunden  werden,  was  ebenfalls  fotografisch  festgehalten 

wurde (Urk. D3/2/1 Foto 8-15 S. 5-8 i.V.m. Urk. D3/2/2 Foto 2-4 S. 2 f., Foto 7 S. 4, 

Foto 14 S. 8 und Foto 18 S. 10). In der Wohnung des Beschuldigten wurde ausser-

dem  ein  Seitenschneider  sichergestellt  (Urk. D3/2/2  Foto  11  S. 6  i.V.m.  Foto  17 

S. 9), welcher gemäss seinen eigenen Angaben ihm gehört (Urk. D3/3/1 F/A 32).

5.2.9. Es mag zwar noch Sinn ergeben, dass AF._____ dem Beschuldigten defekte 

Kabel  schenken  wollte,  zumal  dieser  mit  Altmetall  handelte.  Es  erscheint  jedoch 

ausgeschlossen, dass sie die defekten Kabel derart von den Elektrogeräten ent-

fernt  hätte.  Schliesslich  hätte  sie  diese  einfach  ausstecken  können.  Durch  das 

Durchtrennen  der  Kabel  hätte  sie  sich  noch  um  die  Entsorgung  des  restlichen 

Abfalls – der in den Geräten verbliebenen Stecker – kümmern müssen. Es ist aber 

auch äusserst unwahrscheinlich, dass auf einen Schlag derart viele Kabel im Lokal 

der Privatklägerin defekt gewesen sein sollen.

5.2.10. Aus  einem  Kurzbericht  des  FOR  vom  18. März  2022  ergibt  sich  sodann, 

dass die Art und Form der Schnitte auf den diversen sichergestellten Elektrokabeln 

für das Zerschneiden mit einem zweischenkligen Werkzeug sprechen. Die Gegen-

überstellung der einzelnen Schnitte, der Elektrokabel ergab sodann einen Hinweis 

auf  einen  Seitenschneider  mit  gefrästen  Backen  als  Tatwerkzeug.  Aus  diesem 

Grund  wurden  Vergleichsschnitte  an  einzelnen  Elektrokabeln  mit  dem  beim 

Beschuldigten sichergestellten Seitenschneider vorgenommen und diese mit den 

Spuren  auf  dem  beim  Beschuldigten  sichergestellten  schwarzen  Kabel 

(A015'903'658)  verglichen.  Der  Vergleich  sprach  für  den  Seitenschneider  als 

Tatwerkzeug (Urk. D3/6/2 S. 4). Damit stellt der Bericht des FOR ein gewichtiges 

Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte die Kabel im Theorielokal mit seinem Sei-

tenschneider durchtrennte und die abgetrennten Stücke anschliessend behändigte.

-   56   -

5.2.11. Der  Beschuldigte  lieferte  damit  keine  plausible  Erklärung  für  die  bei  ihm 

aufgefundenen  aber  eingestandenermassen  der  Privatklägerin  gehörenden 

Gegenstände  sowie  die  abgeschnittenen  Kabel,  sondern  machte  unglaubhafte 

Ausführungen, wobei er etwa zum Grund, weshalb sein Inserat auf Ricardo Fotos 

der  Kaffeemaschine  im  Theorielokal  der  Privatklägerin  enthielt,  überhaupt  nichts 

ausführen wollte. Insbesondere zu letzterem wäre eine Erklärung angesichts der 

belastenden  Beweiselemente  vernünftigerweise  zu  erwarten  gewesen.  Das 

Schweigen der beschuldigten Person darf in derartigen Situationen, die nach einer 

Erklärung  rufen,  bei  der  Gewichtung  belastender  Elemente  mitberücksichtigt 

werden (statt vieler BGer 6B_1018/2021 vom 24. August 2022 E. 1.3.1. mit Verwei-

sen).  Gleiches  gilt  für  seine  weiteren  Ausführungen  zur  Sache.  Diese  enthalten 

keine  plausible  Schilderung,  obwohl  es  möglich  gewesen  wäre,  dass  die  Grund-

pfeiler seiner "Geschichte", nämlich das vorübergehende Anvertrauen der Gegen-

stände durch AF._____ zwecks Reinigung des Theorielokals zutreffend wären. Ins-

besondere  aufgrund  der  Tatsache,  dass  der  Beschuldigte  die  Gegenstände 

gemäss seinen eigenen Ausführungen erst nach der Reinigung behändigt haben 

will,  ist  seine  Schilderung  schlicht  lebensfremd  und  nicht  nachvollziehbar.  In 

Ermangelung  einer  einleuchtenden  Begründung  ist  somit  im  Einklang  mit  der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf die belastenden Indizien abzustellen. 

5.2.12. Damit ist auch klar, dass der Beschuldigte ohne den Willen der Berechtigten 

ins  Theorielokal  der  Privatklägerin  eingedrungen  sein  muss.  Der  Sachverhalt  ist 

damit anklagegemäss erstellt.

6.

Diebstahl (Dossier 4)

6.1.

Im Rahmen der Untersuchung zu Dossier 3 konnte von der Polizei das Mofa 

von  AG._____ 

in  der  Wohnung  des  Beschuldigten  sichergestellt  werden 

(Urk. D4/1/2 S. 3 i.V.m. Urk. D4/2/1 Foto 1-2 S. 1 f.), welches diesem in der Folge 

von der Polizei formlos wieder ausgehändigt wurde (Urk. D4/1/2 S. 3). 

6.2. Der Beschuldigte machte hierzu geltend, das Mofa von AF._____ habe unter 

seinem Fenster gestanden und die Durchfahrt für andere Fahrzeuge versperrt. Sie 

habe ihm gesagt, sie habe ihren Fahrschülern etwas an diesem Mofa gezeigt. Da 

-   57   -

die Pause gleich vorbei gewesen sei und sie wieder in die Fahrschule habe gehen 

müssen, habe sie ihn darum gebeten, das "Töffli" reinzunehmen. Es sei abgemacht 

gewesen,  dass  er  ihr  dieses  am  Sonntag  gegen  17.00 Uhr  wieder  zurückgibt 

(Urk. D4/3/1 F/A 2 i.V.m. Urk. D/3/3 F/A 19 f.). 

6.3. Wenngleich  ein  zur  Seite  schieben  des  Mofas  vor  der  Liegenschaft  ohne 

weiteres möglich gewesen wäre, da hierfür grundsätzlich genügend Platz vorhan-

den gewesen wäre, ohne den Verkehr zu behindern (Urk. D3/2/1 Foto 1 S. 1), ist 

es grundsätzlich nicht völlig abwegig, dass der Beschuldigte von AF._____ gebeten 

wurde, das Mofa "reinzustellen". Nahliegender wäre sicherlich gewesen, das Mofa 

nicht in die Wohnung zu nehmen, sondern allenfalls im Gang abzustellen oder an 

seinen üblichen Platz zu verbringen. Hätte das Mofa tatsächlich AF._____ gehört 

und sie dieses jeweils genutzt, um ihren Schülern etwas zu zeigen, wäre hierfür 

schliesslich wohl ein fester Platz vorgesehen gewesen. Auch das vorübergehende 

Einstellen in der eigenen Wohnung ist zwar nicht völlig undenkbar jedoch eher ab-

wegig. Das Mofa gehörte jedoch nachweislich gar nicht AF._____ sondern gemäss 

polizeilicher Ermittlungen AG._____ (Urk. D4/1/1 S. 2). Damit hätte sie auch nicht 

über dieses verfügen können bzw. sicherlich nicht veranlasst, dass die Rückgabe 

erst am nächsten Abend stattfindet, wie es der Beschuldigte geltend machte. Dies-

falls wäre er gebeten worden, das Mofa spätestens nach Kursschluss wieder dem 

Besitzer auszuhändigen. 

6.4. Es 

ist  kein  Grund  ersichtlich,  weshalb  AF._____  gegenüber  dem 

Beschuldigten  über  die  Eigentümerschaft  des  Mofas  hätte  Lügen  sollen.  Sie 

machte gegenüber der Polizei nicht geltend, dass ihr Mofa gestohlen worden sei, 

weshalb  diesbezüglich  von  vornherein  ein  –  vom  Beschuldigten  vermuteter  – 

versuchter Versicherungsbetrug ausgeschlossen werden kann. Es wäre denn wohl 

auch schnell ermittelt gewesen, dass gar kein solches Mofa auf AF._____ eingelöst 

war. Sodann kann bezüglich eines allfälligen Motivs für eine Falschbeschuldigung 

seitens  AF._____  aufgrund  des  Portemonnaiediebstahls  auf  die  diesbezüglichen 

Ausführungen zu Dossier 3 verwiesen werden (E. II.A.5.2.4. f.). Ein solches ist nicht 

ersichtlich. Die Version des Beschuldigten erscheint daher unglaubhaft. 

-   58   -

6.5. Damit  vermag  der  Beschuldigte  keine  plausible  Erklärung  für  das  bei  ihm 

aufgefundene fremde Mofa abzuliefern, was von ihm in einer derartigen Konstella-

tion zu erwarten gewesen wäre. Dies gilt es zu berücksichtigen. Auf den belasten-

den Beweis (Auffinden des nicht AF._____ gehörenden Mofas in der Wohnung des 

Beschuldigten) kann trotz der Behauptungen des Beschuldigten abgestellt werden 

(siehe  hierzu  BGer  6B_1302/2020  vom  3. Februar  2021  E. 1.4.4.).  Die  äusseren 

Umstände lassen in Anbetracht der weiteren beim Beschuldigten aufgefundenen 

Gegenstände keinen anderen Schluss zu als dass der Beschuldigte das Motofahr-

rad von AG._____ zu sich in die Wohnung verbrachte, um dieses für sich zu behal-

ten oder zu verkaufen. 

7. Mehrfacher Betrug (Dossier 5)

7.1. Vorbemerkungen

7.1.1. Der Beschuldigte führte aus, es sei  richtig, dass er die in der Anklage ge-

nannten Gegenstände auf Ricardo und Anibis zum Verkauf inseriert und an die in 

der Anklageschrift als Geschädigte aufgeführten Personen verkauft habe. Es treffe 

auch zu, dass ihm sämtliche Käufer die vereinbarten Kaufpreissummen vorschüs-

sig überwiesen hätten (Prot. I S. 40 f.). Dies ergibt sich auch ohne weiteres aus den 

Akten (Urk. D5/3/2/1 S. 1 i.V.m. S. 7 f., Urk. D5/4/2/2, Urk. D5/5/2/2/Urk. D5/5/2/3 

S. 2-5,  Urk. D5/6/1/2  S. 15-20,  Urk. D5/7/2/3,  Urk. D5/8/2/1,  Urk. D5/8/2/2  S. 1, 

Urk. D5/9/2/1,  Urk. D5/9/2/3,  Urk. D5/10/2/1  und  Urk. D5/10/2/2).  Damit  ist  der 

Sachverhalt diesbezüglich erstellt. Der Beschuldigte machte jedoch geltend, die an-

gebotenen Mobiltelefone sowie die Halskette auch an die Käufer geliefert zu haben. 

Er habe diese jeweils ins Paket getan, dieses verschlossen und dann von der Post 

AR._____ aus verschickt (Prot. I S. 41). 

7.1.2. Aus den Akten ergibt sich sodann ohne weiteres, dass die von der Anklage 

umfassten Mobiltelefone von den jeweiligen Geschädigten bezahlt wurden, bevor 

sich  die  negativen  Bewertungen  über  den  Beschuldigten  auf  den  verschiedenen 

Verkaufsplattformen  häuften  (Urk. D5/3/2/1  S. 7 

i.V.m.  Urk. D5/3/4/2  S. 2, 

Urk. D5/4/2/2, Urk. D5/4/3/1 Anhang 1 S. 1 ff., Urk. D5/5/2/2, Urk. D5/6/1/2 S. 15 f., 

-   59   -

Urk. D5/7/2/2,  Urk. D5/7/2/3,  Urk.   Urk. D5/8/2/1,  Urk. D5/9/2/1,  Urk. D5/9/2/5 

S. 5 ff. und Urk. D5/102/1). 

7.2. Privatkläger D._____

7.2.1. Die Aussagen des Beschuldigten zum Fall D._____ sind sehr unspezifisch 

und wenig detailliert. So führte er zunächst aus, er könne sich an dieses Inserat 

nicht  erinnern.  Aber  wenn  er  ihm  etwas  verkauft  habe,  habe  er  das  Handy  in 

Zeitung  eingepackt,  je  nach  dem  noch  Polstermaterial  hinzugefügt  und  in  einer 

Schachtel  zur  Post  gebracht  (Urk. D5/2/1  F/A 79).  Anlässlich  der  Hauptverhand-

lung gestand er dann aber ein, dem Privatkläger das in der Anklage aufgeführte 

Mobiltelefon verkauft und geschickt zu haben (Prot. I S. 40 f.). Nicht nur seltsam 

sondern auch nicht besonders lebensnah mutet sodann seine Aussage an, er habe 

das Paket in AR._____ oder AS._____ zur Post gebracht, falls es dort eine Post-

stelle habe (Urk. D5/2/1 F/A 82). 

7.2.2. 

7.2.2.1. Der  Privatkläger  D._____  führte  hingegen  lebensnah  aus,  wie  er  das 

Telefon  vom  Beschuldigten  gekauft  und  bezahlt  habe  (Urk. D5/3/3/1  F/A 7). 

Sodann machte er schlüssige und im Wesentlichen durch den in den Akten liegen-

den  Chatauszug  belegbare  Ausführungen  zu  der  weiteren  Kommunikation 

zwischen ihm und dem Beschuldigten (Urk. D5/3/3/1 F/A 9 i.V.m. f. Urk. D5/3/2/1 

S. 4 ff.). Er schilderte detailliert, nachvollziehbar und widerspruchsfrei, wie er das 

mit  Zeitungspapier  gefüllte  und  noch  verschlossene  Paket  erhalten  habe,  wobei 

das  Mobiltelefon  nicht  enthalten  gewesen  sei  (Urk. D5/3/3/1  F/A 9).  Das  mit 

Zeitungspapier gefüllte Paket hielt er fotografisch fest. Diese Bilder sind aktenkun-

dig (Urk. D5/3/2/1 S. 9 f.). Der Ablauf an und für sich ergibt sich sodann aus dem 

Chatverlauf,  woraus  insbesondere  ersichtlich  ist,  dass  er  dem  Beschuldigten  am 

Tag des Paketerhalts mitteilte, dass dieses das Mobiltelefon nicht enthalten habe 

(Urk. D5/3/2/1  S. 4).  Schliesslich  schilderte  er,  wie  der  Beschuldigte  ihm  nach 

Hinhalte-Versuchen  erklärt  habe,  er  (der  Privatkläger)  habe  das  Paket  mit  dem 

Handy erhalten (Urk. D5/3/3/1 F/A 10), was sich auch aus dem in den Akten liegen-

den Chatverlauf ergibt (Urk. D5/3/2/1 S. 4 ff.). 

-   60   -

7.2.2.2. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme bestätigte der Privatkläger die 

bislang erhobenen Vorwurfe grundsätzlich, wobei er einige Ausführungen präziser 

gestaltete  und  teilweise  Ergänzungen  anbrachte,  so  beispielsweise  wie  er  das 

Paket  geöffnet  habe  oder  zu  seiner  Kommunikation  mit  dem  Beschuldigten 

(Urk. D5/3/3/2 F/A 11). Dies stellt grundsätzlich ein Lügensignal dar, jedoch lassen 

sich die Ergänzungen grösstenteils durch den Chat belegen (Urk. D5/3/2/1 S. 3-7).

7.2.3. 

7.2.3.1. Auf  die  Aussagen  des  Privatklägers  angesprochen,  meinte  der  Beschul-

digte  lediglich,  er  könne  sich  diese  nur  so  erklären,  dass  entweder  jemand  das 

Telefon aus dem Paket genommen habe oder der Privatkläger AH'._____ (gemeint 

Privatkläger AH._____) diesen zu den Behauptungen angestiftet habe (Urk. D5/2/2 

F/A 6). 

7.2.3.2. Abgesehen von der Kommunikation bezüglich Handykauf, kennen sich der 

Beschuldigte  und  der  Privatkläger  nicht  (Urk. D5/3/3/2  F/A 6).  Der  Privatkläger 

D._____  gab  sodann  an,  von  niemandem  dazu  angestiftet  worden  zu  sein,  die 

Strafanzeige gegen den Beschuldigten einzureichen (Urk. D5/3/3/2 F/A 8). Hierzu 

finden  sich  auch  keinerlei  Hinweise  in  den  Akten.  Damit  ist  kein  Motiv  für  eine 

mögliche Falschaussage des Privatklägers ersichtlich. 

7.2.3.3. Dass jemand das Telefon nach dem Verpacken aus dem Paket genommen 

hat, ist zwar grundsätzlich möglich. Jedoch ergibt sich aus den Fotos des Pakets, 

dass dieses mit einem Klebeband verschlossen und über dieses Klebeband das 

handschriftlich  vom  Beschuldigten  angeschriebene  Adressetikett  geklebt  wurde. 

Wäre das Paket danach – beispielsweise von einem Postangestellten – geöffnet 

worden, um das Mobiltelefon zu entfernen, hätte dieses wieder verschlossen wer-

den müssen. Die einzige Möglichkeit hätte darin bestanden ein Klebeband über das 

durchschnittene Adressetikett zu kleben. Ein solches ist auf den Fotos des Pakets 

jedoch  nicht  ersichtlich.  Es  sind  auch  keine  Spuren  ersichtlich,  dass  ein  solches 

zuvor  entfernt  worden  wäre.  Es  erscheint  denn  auch  äusserst  unwahrscheinlich, 

dass der Privatkläger ein solches Klebeband entfernt und nicht erwähnt hätte, dass 

das Paket bereits beschädigt bzw. offenbar vorab geöffnet bei ihm eingetroffen sei. 

-   61   -

Schliesslich  hätte  er  damit  ein  starkes  Indiz  dafür  gehabt,  dass  das  Mobiltelefon 

gestohlen wurde. Er machte jedoch explizit geltend, dass das Paket bei Erhalt noch 

verschlossen gewesen sei (Urk. D5/3/2/1 S. 9 f. i.V.m. Urk. D5/3/3/1 F/A 9). 

7.2.3.4. Das  Paket  wurde  sodann  bei  der  Polizei  gewogen.  Dort  brachte  es  ein 

Gewicht von 270.8 Gramm auf die Waage. Gemäss Einschreibe-Etikett der Post, 

wog dieses bei Aufgabe 328 Gramm. Hierbei kann offenbleiben, wie diese Differenz 

zu Stande gekommen ist. Aus dem Foto des geöffneten Pakets ist ersichtlich, dass 

dieses in etwa mit soviel Polstermaterial gefüllt war, wie im Falle des Transports 

eines Mobiltelefons darin zu erwarten wäre, um dieses vor Transportschäden zu 

schützen (Urk. D5/3/2/1 S. 10). Mit diesem Polstermaterial gefüllt, wog das Paket 

nachweislich bereits 270.8 Gramm. Damit ist ausgeschlossen, dass dieses – auch 

für den Fall, dass es ursprünglich 328 Gramm wog – ein Mobiltelefon enthielt. Die 

Differenz von 57.2 Gramm ist hierfür auf jeden Fall viel zu gering und nicht durch 

ein abhanden gekommenes Mobiltelefon zu erklären. Das iPhone 11 pro wiegt ge-

mäss Herstellerangaben 188 Gramm ohne Verpackung (Urk. D5/3/2/1 S. 11; siehe 

hierzu  auch:  https://support.apple.com/de-ch/111879;  zuletzt  abgerufen  am 

6. März 2025). Hinzugekommen wäre gemäss Verkaufsinserat des Beschuldigten 

aber  auch  noch  das  Zubehör  (Urk. D5/3/2/1  S. 1),  was  in  der  Regel  Kopfhörer, 

Netzteil, Ladekabel sowie eine Dokumentation zum Gerät umfasst und damit auch 

noch einmal etwas Gewicht auf die Waage bringen würde. Damit ist klar, dass das 

Paket deutlich schwerer hätte sein müssen, wenn es bei der Grösse von 30cm x 

22cm x 14.5cm nebst Mobiltelefon und Zubehör auch noch genügend Polsterma-

terial enthalten hätte. 

7.2.4. 

7.2.4.1. Die Ausführungen des Privatklägers sind damit insgesamt detailliert, wider-

spruchsfrei  und  lebensnah.  Seine  Aussagen  werden  sodann  grösstenteils  vom 

Chat und den in den Akten liegenden Fotos gestützt. Damit sind die Aussagen des 

Privatklägers grundsätzlich glaubhaft und grösstenteils objektiv belegt. 

7.2.4.2. Die  Aussagen  des  Beschuldigten  zum  konkreten  Fall  sind  sehr  unspezi-

fisch,  wenig  detailliert  und  nicht  besonders  lebensnah,  insbesondere  im  Hinblick 

-   62   -

auf die Tatsache, dass er das Paket an einem Ort zur Post gebracht haben will, von 

dem er sich noch nicht einmal sicher ist, ob dieser über eine Poststelle verfügt. Sie 

erscheinen damit nicht glaubhaft.

7.2.4.3. Das Gewicht des Pakets spricht sodann dafür, dass dieses nie ein Mobil-

telefon samt Zubehör enthielt. Ein weiteres Indiz dafür, dass der in der Anklage-

schrift  geschilderte  Ablauf  zutrifft,  stellen  sodann  die  weiteren  von  der  Anklage 

umfassten  Delikte  von  Dossier  5  dar,  bei  welchen  ähnliche  Abläufe  mithin  ein 

modus  operandi  des  Beschuldigten  erkennbar  wird  (siehe  hierzu  E. II.A.7.1.  und 

E. II.A.7.3.-7.9.).  Dies  macht  insbesondere  die  abstrakte  Möglichkeit  eines 

Diebstahls  der  Gegenstände  aus  den  Paketen  –  in  Anbetracht  der  Vielzahl  an 

unterschiedliche Adressen versandten Paketen – umso unwahrscheinlicher. 

7.2.4.4. Damit ist der Sachverhalt anklagegemäss erstellt. 

7.3. Geschädigter AH._____

7.3.1. 

7.3.1.1. Zum Fall AH._____ befragt führte der Beschuldigte wenig detailliert aus, 

dem Privatkläger die Goldkette geschickt zu haben und deren Erhalt von diesem 

auch  bestätigt  erhalten  zu  haben  (Urk. D5/2/1  F/A 36  i.V.m.  F/A 51,  Urk. D5/2/2 

F/A 10). 

7.3.1.2. Bei den Aussagen des Beschuldigten fällt zunächst auf, dass er versuchte 

den Privatkläger AH._____ in einem schlechten Licht darzustellen, indem er sinn-

gemäss suggerierte, dieser hätte die Goldkette überhaupt nicht kaufen dürfen, da 

es sich bei ihm um einen IV-Bezüger handle, weshalb dieser den Kauf auch habe 

verschleiern wollen (Urk. D5/2/1 F/A 39 f.). Sodann führte er aus, dieser habe ihm 

gesagt, dass er die Kette und das Geld wolle. Er habe ihm auch gesagt, dass er 

andere Leute anstiften werde, zu sagen, sie hätten ihre Sachen nicht erhalten. Das 

stehe alles im Chatverlauf, den er extern noch habe (Urk. D5/2/1 F/A 36-38). Aus 

dem  zwischen  den  Parteien  geführten  Chatverlauf,  welcher  sich  bei  den  Akten 

befindet,  sind  solche  Nachrichten  des  Geschädigten  jedoch  nicht  ersichtlich 

(vgl. Urk. D5/4/2/1). Wie bereits ausgeführt, reichte der Beschuldigte den angeblich 

-   63   -

bei ihm extern vorhandene Chatverlauf nie zu den Akten, weshalb davon auszuge-

hen  ist,  dass  es  sich  bei  seinen  Ausführungen  um  reine  Schutzbehauptungen 

handelt. Seine Aussagen hierzu sind somit unglaubhaft. 

7.3.1.3. Der  Beschuldigte  äusserte,  weil  der  Geschädigte  behauptet  habe,  das 

Paket nicht erhalten zu haben, unter Druck geraten zu sein und diesem gegenüber 

deshalb behauptet zu haben, Fotos und Zeugen über den Versand zu haben, was 

etwas aufgebauscht gewesen sei. Er gab zu, keinen Zeugen zu haben, der dies 

belegen könne und auch von Fotos war anlässlich seiner Befragung nicht mehr die 

Rede (Urk. D5/2/1 F/A 47). Damit ist belegt, dass der Beschuldigte gegenüber dem 

Privatkläger log. Die Tatsache, dass er aufgrund der Aussage des Privatklägers, er 

habe die Goldkette nicht erhalten, derart unter Druck geriet, lässt seine Aussage, 

dieser  habe  ihm  gegenüber  bestätigt,  dass  er  die  Goldkette  erhalten  habe 

(Urk. D5/2/1 F/A 36 i.V.m. F/A 51), unglaubhaft erscheinen. Würde er tatsächlich, 

wie geltend gemacht, über einen derartigen Chatauszug verfügen, hätte es keinen 

Grund  für  ihn  gegeben  deswegen  nervös  zu  werden  und  wäre  im  Übrigen  zu 

erwarten  gewesen,  dass  der  Beschuldigte  diesen  zu  den  Akten  reicht,  was  er 

jedoch  nicht  tat.  Der  in  den  Akten  liegende  Chatauszug  zwischen  den  beiden 

beinhaltet jedenfalls keine Mitteilung seitens des Privatklägers das Paket bzw. die 

Goldkette  erhalten  zu  haben.  Vielmehr  geht  daraus  das  Gegenteil  hervor 

(Urk. D5/4/2/1). Der Geschädigte bestreitet denn auch, dem Beschuldigten je den 

Erhalt der Kette bestätigt zu haben (Urk. D5/4/3/1 F/A 19). 

7.3.1.4. Auffällig ist auch, dass der Beschuldigte geltend machte, er habe die Gold-

kette  nebst  Ricardo  auch  noch  auf  Anibis  oder  Tutti  zum  Verkauf  angeboten.  Er 

habe die Kette dort jedoch nicht verkaufen können, weshalb er sie dann auf Ricardo 

inseriert habe (Urk. D5/2/1 F/A 46). Aus dem Chatauszug zwischen dem Beschul-

digten  und  dem  Geschädigten  geht  hingegen  hervor,  dass  er  die  Kette  offenbar 

nach  dem  Verkauf  an  letzteren  immer  noch  auf  Anibis  eingestellt  hatte 

(Urk. D5/4/2/1 S. 2), was zeigt, dass der Beschuldigte diesbezüglich unwahr aus-

sagte und die Kette parallel zum Verkauf anbot und diese nicht erst auf Ricardo 

stellte, als er sie über Anibis nicht verkaufen konnte. 

-   64   -

7.3.1.5. Der  Beschuldigte  macht  sodann  eine  seltsam  anmutende  Erinnerungs-

lücke geltend. Während er sich an die Auktion der Goldkette noch erinnern will, als 

wäre es gestern gewesen (Urk. D5/2/1 F/A 36), kann er sich angeblich nicht mehr 

daran erinnern, woher er die Goldkette hatte (Urk. D5/2/1 F/A 43), was – in Anbe-

tracht der Tatsache, dass der Beschuldigte ansonsten keine weiteren Goldketten 

verkaufte  und  diese  einen  relativ  hohen  Wert  hatte  –  äusserst  unwahrscheinlich 

erscheint. 

7.3.2. 

7.3.2.1. Der  Geschädigte  führte  hingegen  zusammengefasst  aus,  er  habe  beim 

Beschuldigten via Sofortkauf eine Kette gekauft und ihm zusätzlich Fr. 10.– für das 

Paket gezahlt. Das Paket sei jedoch nie gekommen (Urk. D5/4/3/1 F/A 11). Er schil-

derte, dass der Beschuldigte das Ganze immer wieder mittels Sprachnachrichten 

hinausgezögert  und  ihm  auf  seine  Fragen  nach  dem  Paket  ausgewichen  sei 

(Urk. D5/4/3/1 F/A 12). Aus dem Chatverlauf der beiden geht sodann hervor, dass 

der Geschädigte monierte das Paket nicht erhalten zu haben und diesem für eine 

eingeschriebene  Postsendung  extra  Fr. 10.–  überwiesen  zu  haben,  damit  dieser 

danach über eine Versandquittung verfüge (Urk. D5/4/2/1 S. 1 f.).

7.3.2.2. Die  Aussagen  des  Geschädigten  sind  nachvollziehbar,  widerspruchsfrei 

und im Wesentlichen durch den Chatauszug belegt. Damit sind sie als glaubhaft zu 

werten. 

7.3.3. Der Geschädigte erklärte denn auch, den Beschuldigten nur durch Ricardo 

aufgrund des Kaufs zu kennen. Er habe ihn vorher noch nie gesehen (Urk. D5/4/3/1 

F/A 7).  Er  gab  sodann  an,  von  niemandem  dazu  angestiftet  worden  zu  sein,  die 

Strafanzeige gegen den Beschuldigten einzureichen (Urk. D5/4/3/1 F/A 9). Er habe 

auch nie mit den anderen Kunden des Beschuldigten Kontakt aufgenommen und 

sei  auch  nicht 

in  einer  entsprechenden  Whatsapp-Chatgruppe 

involviert 

(Urk. D5/4/3/1 F/A 22 i.V.m. F/A 25). Hierzu finden sich auch keinerlei Hinweise in 

den  Akten.  Damit  sind  weder  ein  Motiv  noch  entsprechende  Indizien  für  eine 

mögliche Falschaussage des Geschädigten ersichtlich.

-   65   -

7.3.4. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Ganze wie in der Anklage umschrie-

ben abgespielt hat, stellen sodann die weiteren von der Anklage umfassten Delikte 

von Dossier 5 dar, bei welchen ähnliche Abläufe mithin ein modus operandi des 

Beschuldigten erkennbar wird (siehe hierzu E. II.A.7.1.-7.2. und E. II.A.7.4.-7.9.).

7.3.5. Damit sind die Aussagen des Beschuldigten insgesamt unglaubhaft, da sie 

unerklärliche Erinnerungslücken aufweisen, nicht lebensnah sind, Schutzbehaup-

tungen beinhalten und sich teilweise widersprechen. Aufgrund der glaubhaften und 

teilweise  durch  den  Chatauszug  belegten  Aussagen  des  Geschädigten  und  in 

Anbetracht  der  Umstände  der  weiteren  in  Dossier  5  zur  Anklage  gebrachten 

Deliktsvorwürfe ist der Sachverhalt gemäss Anklage erstellt.

7.4. Privatklägerin AI._____

7.4.1. Zum Fall AI._____ befragt, machte der Beschuldigte wenig detailliert geltend, 

er  erinnere  sich  an  das  grüne  iPhone,  jedoch  nicht  an  die  Person  (Urk. D5/2/1 

F/A 60).  Er  sei  sich  aber  ganz  sicher,  dass  er  alles  richtig  gemacht  habe 

(Urk. D5/2/1 F/A 61). 

7.4.2. Die Privatklägerin führte hingegen nachvollziehbar und widerspruchsfrei aus, 

sie habe beim Beschuldigten ein iPhone 11 gekauft, ihm das Geld überwiesen, das 

Telefon aber nicht erhalten. Sie habe deshalb eine Quittung bzw. die Sendungs-

nummer  vom  Beschuldigten  verlangt,  welche  er  ihr  jedoch  nicht  habe  geben 

können (Urk. D5/5/3/1 F/A 12). Aus dem Chatverlauf zwischen den beiden erhellt 

weiter, dass die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten geltend machte, das 

Paket  nicht  erhalten  zu  haben  und  dies  bei  der  Polizei  zur  Anzeige  bringen  zu 

wollen (Urk. D5/5/2/3 F/A 11-14). 

7.4.3. Aus dem in den Akten liegenden Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten 

und  der  Privatklägerin  geht  weiter  hervor,  dass  die  Privatklägerin  diesen  am 

8. Dezember 2021 darüber informierte, dass sie bei der Polizei Anzeige erstatten 

werde,  worauf  der  Beschuldigte  meinte,  sie  solle  dies  tun,  die  Polizei  könne 

sowieso nichts machen. Er habe das Paket auf die Post gebracht, wofür er Beweise 

habe (Urk. D5/5/2/3 S. 11 f.). Die genannten Beweise liess er ihr in der Folge nicht 

-   66   -

zukommen und führte stattdessen aus, wenn sie ihm sage, es sei angekommen, 

werfe er die Quittung weg, was hier der Fall gewesen sei (Urk. D5/5/2/3 S. 14). Aus 

dem Chatverlauf ergibt sich eine derartige Bestätigung seitens der Privatklägerin 

jedoch nicht. Damit widersprach er sich denn auch, was das Vorhandensein von 

Beweisen für den Versand des Pakets betrifft, was die Vermutung nahelegt, dass 

er gar nie über eine derartige Versandquittung verfügt hat. 

7.4.4. 

7.4.4.1. Der Beschuldigte machte keinerlei Ausführungen zum Versand des Pakets 

an und für sich. Er erklärte leidglich wenig detailliert, er wisse nicht, weshalb die 

Privatklägerin  behaupte,  das  Telefon  nie  erhalten  zu  haben.  So  wie  sie  ihm 

geschrieben  habe,  sei  es  bei  ihm  so  rübergekommen,  als  habe  Herr  AH'._____ 

(gemeint Privatkläger AH._____) sie angestiftet (Urk. D5/2/1 F/A 61). 

7.4.4.2. Der Beschuldigte liess offen, woraus er den Schluss zog, der Privatkläger 

AH._____  könne  die  Privatklägerin  dazu  angestiftet  haben,  ihn  fälschlicherweise 

zu beschuldigen. Damit ist seine diesbezügliche Behauptung unsubstantiiert. Aus 

dem Chatverlauf zwischen den beiden, welcher sich bei den Akten befindet, ergibt 

sich denn auch nichts, was seine Vermutung nahelegen würde. Die Privatklägerin 

erklärte denn auch, den Beschuldigten – abgesehen vom Kontakt bezüglich dem 

Onlinekauf – nicht zu kennen (Urk. D5/5/3/1 F/A 7). Sie sei von niemandem dazu 

angestiftet worden, die Strafanzeige gegen den Beschuldigten einzureichen. Einen 

Herrn AH'._____ (gemeint Privatkläger AH._____) kenne sie nicht (Urk. D5/5/3/1 

F/A 9 f.). Diese Aussagen wirken glaubhaft, zumal aus den Akten nichts anderwei-

tiges ersichtlich ist und der Beschuldigte seine Vermutung nicht weiter substantiie-

ren konnte. 

7.4.5. 

7.4.5.1. Die Aussagen der Privatklägerin korrespondieren mit ihren Nachrichten im 

Chatverlauf  mit  dem  Beschuldigten.  Sie  machte  widerspruchsfreie,  nachvollzieh-

bare und nicht unnötig belastende Aussagen. Diese sind als glaubhaft zu werten. 

Der Beschuldigte bestritt hingegen pauschal, etwas falsch gemacht zu haben, was 

-   67   -

wenig glaubhaft scheint. Dies insbesondere auch deshalb, weil er gegenüber der 

Privatklägerin  geltend  machte,  Beweise  für  den  Versand  des  Mobiltelefons  zu 

haben, diese jedoch weder ihr sandte noch zu den Akten reichte, was in einer der-

artigen Situation von ihm zu erwarten gewesen wäre, würde er denn über solche 

verfügen. 

7.4.5.2. Ein weiteres Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten stellen sodann die 

weiteren von der Anklage umfassten Delikte von Dossier 5 dar, bei welchen ähnli-

che Abläufe mithin ein modus operandi des Beschuldigten erkennbar wird (siehe 

hierzu E. II.A.7.1.-7.3. und E. II.A.7.5.-7.9.).

7.4.5.3. Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin sowie der weiteren 

Umstände bestehen keine Zweifel, dass sich der Sachverhalt wie in der Anklage 

umschrieben zugetragen hat. Dieser ist damit erstellt. 

7.5. Privatkläger AJ._____

7.5.1. Zum  Fall  AJ._____  befragt,  erklärte  der  Beschuldigte  wenig  detailliert,  er 

könne nicht sagen, ob der Postbeamte das Paket in Anbetracht der Gewichtsan-

gabe von 194 Gramm falsch gewogen habe. Es sei aber schon vorgekommen, dass 

Postbeamte Pakete im Wert von Fr. 3'000.– entwendet hätten (Urk. D5/2/2 F/A 11). 

7.5.2. Der Privatkläger führte zusammengefasst zur Sache aus, er habe für seine 

Tochter ein iPhone 11 vom Beschuldigten gekauft. Irgendwann habe er dann das 

Paket  erhalten,  welches  jedoch  lediglich  mit  Zeitungspapier  gefüllt  gewesen  sei. 

Hierbei schilderte er detailliert, die vor und nach dem Kauf geführte Kommunikation 

mit dem Beschuldigten, wie er sich etwa vorab nach der Möglichkeit einer schnellen 

Lieferung  erkundigt  habe.  Nachvollziehbar  und  ebenfalls  detailliert  schilderte  er 

sodann den Erhalt des schön verpackten Pakets und machte geltend, dieses noch 

vor dem Pöstler aufgemacht zu haben, da es so leicht gewesen sei. Er schilderte 

hierbei insbesondere auch seine Gefühlslage und meinte, ihm sei beim Öffnen des 

Pakets  schlecht  geworden,  als  er  gesehen  habe,  dass  nur  Zeitungspapier  drin 

gewesen sei. Schlüssig und nachvollziehbar schilderte er sodann, dass er deshalb 

daraufhin eine Fotodokumentation erstellt und versucht habe den Beschuldigten zu 

-   68   -

kontaktieren (Urk. D5/6/2/1 F/A 10 f. i.V.m. F/A 18). Die vom Privatkläger erstellten 

Fotos des Pakets liegen sodann bei den Akten und liefern keine Hinweise darauf, 

dass dieses bereits vorab – allenfalls von einem Postboten, wie dies der Beschul-

digten anklingen liess – geöffnet worden war (Urk. D5/6/1/2 S. 11-14). 

7.5.3. Der Privatkläger führte ausserdem aus, den Beschuldigten nicht zu kennen 

und lediglich aufgrund des Handys mit ihm zu tun gehabt zu haben (Urk. D5/6/2/2/1 

F/A 7). Er sei von niemandem dazu angestiftet worden, die Strafanzeige einzurei-

chen  oder  in  einem  bestimmten  Sinne  auszusagen  (Urk. D5/6/2/1  F/A 9).  Hierzu 

finden  sich  auch  keinerlei  Hinweise  in  den  Akten.  Damit  ist  kein  Motiv  für  eine 

mögliche Falschaussage des Privatklägers ersichtlich.

7.5.4. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Ganze wie in der Anklageschrift um-

schrieben abgespielt hat, stellen sodann die weiteren von der Anklage umfassten 

Delikte von Dossier 5 dar, bei welchen ähnliche Abläufe mithin ein modus operandi 

des  Beschuldigten  erkennbar  wird  (siehe  hierzu  E. II.A.7.1.-7.4.  und  E. II.A.7.6.-

7.9.).

7.5.5. Aufgrund  der  detaillierten,  nachvollziehbaren  und  widerspruchsfreien  Aus-

sagen des Privatklägers, welche grösstenteils durch den vorhandenen Chatverlauf 

gestützt werden und in Anbetracht der weiteren Umstände hinsichtlich Dossier 5 

sowie der wenig ergiebigen Aussagen des Beschuldigten hierzu, ist der Sachver-

halt anklagegemäss erstellt. 

7.6. Geschädigte AK._____

7.6.1. Der Beschuldigte schilderte wenig detailliert, das Handy müsse im Paket drin 

gewesen  sein.  Nur  mit  Zeitungspapier  werde  nichts  verschickt  (Urk. D5/2/1 

F/A 100).  Sodann  behauptete  er  pauschal,  Frau  AK._____  lüge  (Urk. D5/2/1 

F/A 101). 

7.6.2. Die  Geschädigte  schilderte  hingegen  detailliert,  lebensnah  und  wider-

spruchsfrei, wie sie längere Zeit auf der Suche nach einem neuen Handy für ihren 

Sohn gewesen sei und schliesslich vom Beschuldigten das Mobiltelefon Samsung 

Galaxy  S20  für  diesen  gekauft  habe  (Urk. D5/7/3/1  F/A 1  i.V.m.  Urk. D5/7/3/2). 

-   69   -

Ebenso schilderte sie detailliert, nachvollziehbar und lebensnah, dass sie vor der 

Ersteigerung das Bewertungsprofil des Verkäufers angeschaut habe, welches gut 

ausgesehen habe. Sodann habe sie den Beschuldigten bereits vorab kontaktiert, 

um sich über die verbleibende Garantiezeit zu erkundigen, wobei dieser ihr sofort 

geantwortet habe (Urk. D5/7/3/1 F/A 8 i.V.m. Urk. D5/7/3/2 F/A 10 f.). Schliesslich 

erklärte  sie,  sie  habe  am  16. Dezember  2021  vor  dem  Mittag  das  Paket  vom 

Beschuldigten erhalten. Dieses sei unbeschädigt gewesen und per B-Post versandt 

worden. Es habe jedoch nur Zeitungen und Papier enthalten (Urk. D5/7/3/1 F/A 16 

i.V.m. F/A 17-19 und Urk. D5/7/3/2 F/A 11 sowie F/A 18). 

7.6.3. Bei den Akten liegen Fotos des vom Beschuldigten versandten Pakets, aus 

welchen  ersichtlich  wird,  dass  dieses  mit  Papier  gefüllt  war  und  offensichtlich 

unbeschädigt bei der Geschädigten ankam. Das Paket wurde mit einem Klebeband 

verschlossen und über dieses Klebeband wurde das handschriftlich vom Beschul-

digten  angeschriebene  Adressetikett  geklebt.  Es  sind  keinerlei  Zeichen  dafür 

ersichtlich, dass das Paket bereits zuvor geöffnet und wieder verschlossen wurde 

(Urk. D5/7/2/1). Dies stützt somit die Aussagen der Geschädigten. Ebenfalls für den 

Wahrheitsgehalt  der  Aussagen  der  Geschädigten  spricht,  dass  diese  direkt  zur 

Polizei ging. Schliesslich begann ihre polizeiliche Einvernahme noch am Tag des 

Paketerhalts  (Urk. D5/7/3/1  S. 1).  Den  direkten  Gang  zur  Polizei  begründete  sie 

denn  auch  nachvollziehbar  damit,  dass  sie  den  Beschuldigten  nach  Erhalt  des 

Pakets nicht habe erreichen können (Urk. D5/7/3/1 F/A 20). 

7.6.4. Die Geschädigte führte im Übrigen aus, den Beschuldigten nicht persönlich 

zu  kennen.  Der  Kontakt  sei  lediglich  über  Ricardo  zustande  gekommen 

(Urk. D5/7/3/2 F/A 7). Sie sei von niemandem angestiftet worden, die Strafanzeige 

gegen  diesen  einzureichen  (Urk. D5/7/3/2  F/A 9).  Damit  sind  keinerlei  Gründe 

ersichtlich,  weshalb  die  Geschädigte  den  Beschuldigten  fälschlicherweise  einer 

Straftat bezichtigen sollte. Ihre Aussagen sind denn auch insgesamt als glaubhaft 

zu werten.

7.6.5. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Ganze wie in der Anklage umschrie-

ben abgespielt hat, stellt denn auch die Tatsache dar, dass aus den weiteren von 

der Anklage umfassten Delikten von Dossier 5 ähnliche Abläufe mithin ein modus 

-   70   -

operandi  des  Beschuldigten  erkennbar  wird  (siehe  hierzu  E. II.A.7.1.-7.5.  und 

E. II.A.7.7.-7.9.).

7.6.6. Der  Sachverhalt  ist  aufgrund  der  detaillierten,  lebensnahen  und  wider-

spruchsfreien  Aussagen  der  Geschädigten  sowie  der  weiteren  Umstände  und  in 

Anbetracht  der  wenig  ergiebigen  Bestreitung  des  Beschuldigten  anklagegemäss 

erstellt. 

7.7. Privatklägerin AL._____

7.7.1. Der Beschuldigte erklärte zusammengefasst, nicht zu wissen, weshalb das 

Paket  nicht  angekommen  sei  (Urk. D5/2/1  F/A 93).  Sofern  sie  ihm  die  Adresse 

bestätigt habe, habe er das Paket sicher zur Post gebracht (Urk. D5/2/1 F/A 91). 

Damit machte der Beschuldigte keine detaillierten Angaben zum Sachverhalt. 

7.7.2. Teilweise widersprach der Beschuldigte sich sodann. So gab er etwa an, es 

könne einerseits sein, dass er ihr ein Bild des Adressetiketts geschickt habe, um 

ihr zu zeigen, dass das Paket abgeschickt werde. Andererseits sei es auch möglich, 

dass er ihr das Foto geschickt habe, um herauszufinden, ob die Adresse korrekt 

sei (Urk. D5/2/1 F/A 90). Dies erscheint soweit beides möglich und ist nachvollzieh-

bar. Bereits bei der übernächsten Frage erklärte er jedoch, die Adresse jeweils nicht 

zu  schicken,  wenn  er  damit  nicht  nach  dieser  Frage  (Urk. D5/2/1  F/A 92).  Damit 

schloss  er  schlussendlich  doch  aus,  ihr  das  Foto  geschickt  zu  haben,  um  sie 

darüber  zu  informieren,  dass  das  Paket  verschickt  werde.  Damit  widersprach  er 

sich.  Aus  dem  bei  den  Akten  liegenden  Chatverlauf  zwischen  den  beiden  geht 

sodann hervor, dass er ihr das Foto des Adressetiketts schickte, ohne hierzu eine 

Frage  nach  der  Korrektheit  der  Angaben  zu  formulieren.  Sodann  hatte  ihm  die 

Geschädigte  bereits  zwei  Tage  zuvor  schriftlich  ihre  Adressangaben  übermittelt 

(Urk. D5/8/2/2  S. 1  i.V.m.  S. 3).  Damit  sind  die  diesbezüglichen  Angaben  des 

Beschuldigten unglaubhaft. 

7.7.3. Weiter  geht  aus  dem  Chatverlauf  zwischen  den  beiden  hervor,  dass  die 

Geschädigte  dem  Beschuldigten  am  4. Dezember  2021  mitteilte,  dass  sie  das 

Paket noch immer nicht erhalten habe (Urk. D5/8/2/2 S. 3). Schliesslich stellte die 

-   71   -

Geschädigte  am  14. Dezember  2021  einen  Strafantrag  (Urk. D5/8/4/1  S. 4),  was 

ein Indiz dafür darstellt, dass sie das Paket nicht erhalten hat, zumal aus den Akten 

keinerlei Gründe ersichtlich sind, weshalb sie den Beschuldigten fälschlicherweise 

einer Straftat bezichtigen sollte. 

7.7.4. Ein weiteres Indiz, dafür, dass der in der Anklage umschriebene Ablauf zu-

trifft, stellen sodann die weiteren von der Anklage umfassten Delikte von Dossier 5 

dar, bei welchen ähnliche Abläufe mithin ein modus operandi des Beschuldigten 

erkennbar wird (siehe hierzu E. II.A.7.1.-7.6. und E. II.A.7.8.-7.9.).

7.7.5. Aufgrund  der  wenig  detaillierten,  sich  teilweise  widersprechenden  und 

teilweise  widerlegten  Angaben  des  Beschuldigten  sind  seine  Aussagen  als 

unglaubhaft zu werten, wobei aus dem Chatverlauf hervorgeht, dass die Geschä-

digte beim Beschuldigten monierte das Paket nicht erhalten zu haben, was nebst 

der  Strafanzeige  ein  gewichtiges  Indiz  dafür  darstellt,  dass  er  dieses  –  auch  in 

Anbetracht  der  weiteren  im  Rahmen  dieses  Dossiers  zur  Anklage  gebrachten 

Sachverhalte – nie versandt hat. Der Sachverhalt ist damit anklagegemäss erstellt.

7.8. Privatkläger E._____

7.8.1.  

7.8.1.1. Zum Fall E._____ befragt führte der Beschuldigte wenig detailliert aus, er 

wisse,  dass  er  auch  sein  Paket  zur  Post  gebracht  habe.  Sonst  hätte  er  ihm  das 

Geld zurück überwiesen (Urk. D5/2/1 F/A 94). Er stellte sodann auch hier in den 

Raum, es habe schon Fälle gegeben, bei denen ein Postbote ein Paket entwendet 

habe. Sodann könne es auch sein, dass der Privatkläger E._____ von AH'._____ 

(gemeint Privatkläger AH._____) angestiftet worden sei (Urk. D5/2/1 F/A 97). 

7.8.1.2. Mit der Frage konfrontiert, ob er den Beleg der Postsendung bei der Post 

geholt habe, so wie er es dem Privatkläger in Aussicht gestellt habe, antwortete 

dieser, er habe ihm das vielleicht einfach so geschrieben. Es sei im Nachhinein gar 

nicht möglich eine Quittung zu holen, ausser man habe das Paket eingeschrieben 

verschickt (Urk. D5/2/1 F/A 98). Dies zeigt exemplarisch, dass es der Beschuldigte 

mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm, sondern gegenüber den Geschädig-

-   72   -

ten jederzeit eine Ausrede parat hatte bzw. sich die Abläufe jeweils so zurecht bog, 

dass sie ihm bestmöglich dienten. 

7.8.2. Der Privatkläger gab hingegen detailliert, in sich schlüssig und nachvollzieh-

bar an, wie er die Verkaufsanzeige entdeckt, mit dem Beschuldigten Kontakt auf-

genommen, sich mit diesem auf einen Kaufpreis geeinigt und diesem nebenbei eine 

Zinnkanne für Fr. 50.– verkauft habe, wobei dieser Verkauf samt Zahlung einwand-

frei funktioniert habe, weshalb er ihm das Geld für das Mobiltelefon vorab überwie-

sen habe. Sodann schilderte er ebenfalls detailliert, nachvollziehbar und schlüssig 

die weitere Kommunikation zwischen ihnen, wobei er insbesondere auch ausführte, 

wie  der  Beschuldigte  ihm  zum  Beweis  des  Paketversands  ein  Foto  von  diesem 

habe zukommen lassen und ihn hinsichtlich des Besorgens eines Postbelegs zu 

dessen Versand immer wieder hingehalten habe. Von der Post habe er jedoch die 

Auskunft erhalten, dass kein Paket auf seinen Namen unterwegs sei. Dieses habe 

er dann auch nie erhalten (Urk. D5/9/3/1 F/A 9 f.). Die Ausführungen des Privatklä-

gers decken sich sodann mit dem in den Akten liegenden Chatauszug zwischen 

diesem und dem Beschuldigten (Urk. D5/9/2/4). 

7.8.3. Der Privatkläger stand im Übrigen in keinerlei Beziehung zum Beschuldigten 

und gab an, von niemandem zur Anzeige gegen den Beschuldigten oder zur Aus-

sage in einer bestimmten Art und Weise angestiftet worden zu sein (Urk. D5/9/3/1 

F/A 6  i.V.m.  F/A 8).  Damit  sind  keinerlei  Gründe  ersichtlich,  weshalb  dieser  den 

Beschuldigten fälschlicherweise einer Straftat bezichtigen sollte.

7.8.4. Ein weiteres Indiz dafür, dass der in der Anklage umschriebene Ablauf zutrifft, 

stellen sodann die weiteren von der Anklage umfassten Delikte von Dossier 5 dar, 

bei  welchen  ähnliche  Abläufe  mithin  ein  modus  operandi  des  Beschuldigten  er-

kennbar wird (siehe hierzu E. II.A.7.1.-7.7. und E. II.A.7.9.).

7.8.5. In Anbetracht der wenig aussagekräftigen Aussagen des Beschuldigten, der 

hingegen  sehr  detaillierten,  nachvollziehbaren,  widerspruchsfreien  und  damit 

glaubhaften Aussagen des Privatklägers sowie der weiteren Umstände hinsichtlich 

Dossier 5 ist der Sachverhalt anklagegemäss erstellt. 

-   73   -

7.9. Geschädigter B._____

7.9.1. Zum  Fall  B._____  meinte  der  Beschuldigte  wenig  detailliert,  er  könne  sich 

nicht erklären, weshalb Frau B._____ (die Frau des Geschädigten) ein Paket gefüllt 

mit Zeitungspapier von ihm erhalten habe (Urk. D5/2/1 F/A 102). Er habe ihr das 

Paket geschickt. Entweder sie lüge oder jemand habe die Sachen rausgenommen 

(Urk. D5/2/1  F/A 103).  Damit  bestritt  er  den  Vorwurf  pauschal  und  substantiierte 

seine Behauptungen nicht. 

7.9.2. In  den  Akten  ist  ein  Foto  des  vom  Beschuldigten  an  den  Geschädigten 

versandten  Pakets  enthalten,  worauf  ersichtlich  ist,  dass  dieses  bei  Versand 

193 Gramm wog (Urk. D5/10/2/3). Eingestandenermassen kaufte der Geschädigte 

beim Beschuldigten sowohl ein iPhone 11 sowie ein iPhone xs und bezahlte diese 

gemeinsam (Urk. D5/10/2/1 i.V.m. Urk. D5/10/2/2 und Prot. I S. 40 f.). Das Paket 

hätte  damit  beide  Mobiltelefone  enthalten  müssen.  Schliesslich  äusserte  der 

Beschuldigte ja auch, es sei möglich, dass jemand die Sachen – Mehrzahl – raus-

genommen habe. Es ist jedoch ausgeschlossen, dass in dem lediglich 193 Gramm 

schweren Paket 2 Mobiltelefone sowie Zeitungspapier enthalten waren. Gemäss 

Herstellerangaben  wiegt  ein  iPhone  11  alleine  (ohne  Paket  und  Zeitungspapier) 

bereits 194 Gramm (https://support.apple.com/de-ch/111865; zuletzt abgerufen am 

13. März 2025). Das iPhone XS wiegt demgemäss weitere 177 Gramm (https://sup-

port.apple.com/de-ch/111881;  zuletzt  abgerufen  am  13. März  2025).  Damit  ist 

belegt, dass das Paket des Beschuldigten die beiden Mobiltelefone bei Abgabe auf 

der Post nicht enthielt. Aus dem Schreiben von Herrn AN._____ von Ricardo geht 

sodann hervor, dass der Geschädigte der Plattform gegenüber mitteilte, ein leeres 

Paket  vom  Beschuldigten  erhalten  zu  haben  (Urk. D5/10/2/4),  was  ein  weiteres 

Indiz  dafür  darstellt,  dass  der  Geschädigte  die  Mobiltelefone  vom  Beschuldigten 

nicht erhalten hat. 

7.9.3. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Ganze wie in der Anklage umschrie-

ben zugetragen hat, stellen sodann die weiteren von der Anklage umfassten Delikte 

von Dossier 5 dar, bei welchen ähnliche Abläufe mithin ein modus operandi des 

Beschuldigten erkennbar wird (siehe hierzu E. II.A.7.1.-7.8.).

-   74   -

7.9.4. Aufgrund  der  lediglich  pauschalen  Bestreitung  des  Beschuldigten,  den 

Gewichtsangaben auf dem vom Beschuldigten versandten Paket, welche aussch-

liessen,  dass  dieses  bei  Aufgabe  auf  der  Post  die  beiden  Mobiltelefone  enthielt, 

sowie den weiteren Umständen hinsichtlich Dossier 5 ist der Sachverhalt anklage-

gemäss erstellt. 

B. Rechtliche Würdigung

1.

Vorbemerkung

Die Verteidigung hat zwar im Rahmen des Berufungsverfahrens einen vollumfäng-

lichen Freispruch beantragt und eventualiter keine Einwendungen gegen die recht-

liche Würdigung der Vorinstanz gemacht (Urk. 207). 

2.

Sexualdelikte (Dossier 1)

2.1. Sexuelle Handlungen mit Kindern 

2.1.1. Gemäss Art. 187 Ziff. 1 aStGB macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 

16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verlei-

tet,  oder  es  in  eine  solche  Handlung  einbezieht,  sofern  der  Altersunterschied 

zwischen den Beteiligten mehr als drei Jahre beträgt (Art. 187 Ziff. 2 aStGB). 

2.1.2. Die Privatklägerin war gemäss erstelltem Sachverhalt zu den jeweiligen Tat-

zeitpunkten 11 bzw. 14 und damit weniger als 16 Jahre alt. Der Beschuldigte ist 

sodann mehr als drei, nämlich ganze 7 Jahre älter als die Privatklägerin. Er wusste 

sodann jeweils um das Alter der Privatklägerin.

2.1.3. Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  küsste  der  Beschuldigte  die  Privatklägerin 

beim  Vorfall  bei  sich  zu  Hause  und  drückte  sie  an  sich.  Sodann  küsste  er  die 

Privatklägerin beim Vorfall bei ihr zu Hause, knetete ihr Gesäss und verleitete sie 

dazu, ihre Vagina vor ihm zu entblössen. Weiter hatte er beim Vorfall beim Schul-

haus  L._____  Analverkehr  mit  der  Privatklägerin  und  ejakulierte  in  ihr  Gesicht. 

Schliesslich küsste er sie am 27. März 2022, knetete ihr Gesäss sowie ihre Brüste 

und drückte seinen erigierten Penis an sie. Alle diese Handlungen stellen sexuelle 

Handlungen i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 aStGB dar. 

-   75   -

2.1.4. Die äusseren Umstände lassen sodann keinen anderen Schluss zu als dass 

der  Beschuldigte  direktvorsätzlich  handelte.  Rechtfertigungsgründe  sind  nicht 

ersichtlich. Damit hat der Beschuldigte den Tatbestand der sexuellen Handlungen 

mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB mehrfach erfüllt. 

2.2. Sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt

2.2.1. Wer  mit  einer  minderjährigen  Person  sexuelle  Handlungen  vornimmt  oder 

solche  von  ihr  vornehmen  lässt  und  ihr  dafür  ein  Entgelt  leistet  oder  verspricht, 

macht  sich  der  sexuellen  Handlungen  mit  Minderjährigen  gegen  Entgelt  i.S.v. 

Art. 196 StGB strafbar. Die Gegenleistung i.S.v. Art. 196 StGB kann zwar nicht nur 

in Geld sondern auch in anderen materiellen Werten bestehen. Entscheidend ist 

hierbei  jedoch,  dass  die  zumindest  versprochene  Gegenleistung  in  einem 

wirtschaftlich  messbaren  Vorteil  besteht  (BSK  StGB-ISENRING/KESSLER,  Art. 196 

N. 13). Das versprochene Entgelt muss hierbei Grund für das Einverständnis des 

Opfers in die sexuellen Handlungen sein (BSK StGB-ISENRING/KESSLER, Art. 196 

N. 16).

2.2.2. Wie bereits ausgeführt, war die Privatklägerin zu den Tatzeitpunkten jeweils 

11 Jahre bzw. 14 Jahre alt, mithin minderjährig, wovon der Beschuldigte wusste. 

Sodann  kann  hinsichtlich  das  Vorliegen  von  sexuellen  Handlungen  auf  obenste-

hende Ausführungen zu den sexuellen Handlungen mit Kindern verwiesen werden 

(E. II.B.2.1.3.). Diese liegen eindeutig vor. 

2.2.3. Beim Vorfall vom 27. März 2022 versprach der Beschuldigte der Privatkläge-

rin  Vapes.  Hierbei  handelt  es  sich  um  ein  Entgelt.  Aus  den  Ausführungen  der 

Privatklägerin geht hervor, dass sie nur mit dem Beschuldigten mitging, weil sie die 

Vapes von ihm haben wollte mithin liess sie sich auf die sexuellen Handlungen nur 

deshalb ein, was der Beschuldigte mit den versprochenen Vapes auch beabsich-

tigte. Damit hat sich der Beschuldigte der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen 

gegen Entgelt schuldig gemacht.

2.2.4. Gemäss erstelltem Sachverhalt versprach der Beschuldigte der Privatkläge-

rin bei den Vorfällen bei ihm und ihr zu Hause sowie beim Schulhaus L._____ je-

-   76   -

weils ein Pferd. Hierbei handelt es sich zweifellos um ein versprochenes Entgelt, 

wobei aus den Ausführungen der Privatklägerin hervorgeht, dass sie in die Hand-

lungen nur einwilligte, weil sie das Pferd unbedingt haben wollte. Sie wollte diese 

aber ansonsten eigentlich gar nicht. Da die Vorinstanz den Beschuldigten diesbe-

züglich jedoch nicht für schuldig befand, kann aufgrund des Verschlechterungsver-

bots diesbezüglich kein Schuldspruch ergehen (vgl. Urk. 133 E. III.4.6.3.3. S. 49).

2.3. Sexuelle Nötigung

2.3.1. Auf  die  theoretischen  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  Tatbestand  der 

sexuellen Nötigung kann grundsätzlich verwiesen werden (Urk. 133 E. III.4.6.2.1. 

S. 45 f.). Diese sind korrekt (zur Anwendbarkeit von Art. 189 Abs. 1 a StGB siehe 

sodann nachfolgend E. III.A.2.1.). 

2.3.2. Es gilt zu betonen, dass psychischer Druck für ein Kind nicht nur dann ent-

steht, wenn ihm der Täter ausdrücklich einen Nachteil androht. Vielmehr kann das 

Verhalten einer Bezugsperson im Kind eine ausweglose Zwangssituation bewirken, 

auch  wenn  es  in  oberflächlicher,  kontextloser  Betrachtungsweise  nicht  als  direkt 

bösartig  oder  objektiv  schwerwiegend  erscheint.  Der  Täter,  der  dem  Kind  etwa 

vorspiegelt,  die  sexuellen  Handlungen  seien  normal,  bewirkt  einen  erheblichen 

psychischen Druck für das Kind, das die Frage der Normalität allein nicht absch-

liessend beurteilen kann und sich nicht abnormal verhalten möchte. Der Täter, der 

sich  vom  Kind  einen  nur  kleinen,  normalen  Gefallen  erbittet,  oder  der  Täter,  der 

dem Kind weismacht, es handle sich um eine schöne Sache, die man zusammen 

erleben könnte, erzeugt einen enormen psychischen Druck für das Kind, das ihm 

einen solchen Gefallen nicht abschlagen möchte, und das nicht daran schuld sein 

möchte,  wenn  der  Täter  diese  angeblich  schöne  Sache  nicht  erleben  darf.  Der 

Täter,  der  die  Willensbildung  des  Kindes  in  dieser  Art  steuert  und  manipuliert, 

schafft eine für das Kind dermassen ausweglose Situation, wie sie von den sexuel-

len Nötigungstatbeständen erfasst ist. Je näher die Bezugsperson dem Kind und je 

grösser das Vertrauen des Kindes in diese Bezugsperson ist, desto grösser ist die 

psychische Zwangssituation für das betroffene Kind und desto auswegloser dessen 

Situation.  Dem  Kind  ist  ein  Widersetzen  gegen  die  sexuellen  Handlungen  unter 

diesen Umständen nicht zuzumuten. Es handelt sich nicht um ein reines Ausnutzen 

-   77   -

einer Machtposition, sondern um instrumentalisierte, strukturelle Gewalt. Ein Kind, 

dessen Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung betreffend Sexualität noch 

nicht abgeschlossen ist, ist dem Täter aufgrund dessen kognitiver und körperlicher 

Überlegenheit und seinem Einfluss auf die Willensbildung des Opfers bei dieser Tat 

vollkommen ausgeliefert. Der Einfluss auf die Willensbildung des Opfers ist dabei 

umso grösser, je jünger das Opfer ist und je näher der Täter dem Opfer steht. In 

einem Fall von Kindesmissbrauch im sozialen Nahraum ist entscheidend, ob von 

einem Kind angesichts seines Alters, seiner familiären und sozialen Situation, der 

Nähe des Täters und Funktion des Täters in seinem Leben, seines Vertrauens in 

den Täter und der Art und Weise der Vornahme der sexuellen Handlungen durch 

den  Täter  (als  Normalität,  als  Selbstverständlichkeit,  als  etwas  Schönes,  als  ein 

Spiel),  erwartet  werden  kann,  dass  es  sich  diesem  eigenständig  entgegensetzt 

(BGE 146 IV 153 E. 3.5.5.). 

2.3.3. Sichert  der  Täter  den  Zustand  dieser  Zwangssituation  durch  das  Schaffen 

einer Geheimnissituation, ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Ausweg-

losigkeit für das Kind weiterhin andauert. Der Täter stellt so sicher, dass das Kind 

nicht  auf  anderem  Weg  erfährt,  dass  solche  Handlungen  keineswegs  selbstver-

ständlich oder normal sind. Dies gilt unabhängig davon, wie ein solches Schweige-

gebot  begründet  wird:  Ob  als  Spiel,  ob  als  (vielleicht  sogar  schön  dargestelltes) 

Geheimnis zwischen dem Täter und dem Kind, ob mit dem in Aussicht stellen von 

direkten Nachteilen für das Kind wie etwa Sanktionen, Liebesentzug oder Geschen-

kentzug, von Nachteilen, die dem Täter zuteilwerden könnten, oder von Nachteilen 

für andere nahestehende Personen. Wenn der Täter in einer solchen Konstellation 

eine Geheimnissituation schafft oder eine bestehende Geheimnissituation zu sei-

nen Zwecken ausnutzt, ist dies unabhängig von der Begründung des Geheimnisses 

oder der allfälligen Verknüpfung des Geheimnisses mit Nachteilsandrohungen als 

Nötigungsmittel zu werten, das eine Ausweglosigkeit der Situation für das Kind zur 

Folge hat (BGE 146 IV 153 E. 3.5.8.).

2.3.4. Hinsichtlich den Vorfall vom 27. März 2022 stellte die Vorinstanz fest, dass 

der  Tatbestand  der  sexuellen  Nötigung  nicht  erfüllt  sei  (Urk. 133  E. III.4.6.2.2. 

-   78   -

S. 46 f.).  Bereits  aufgrund  des  Verschlechterungsverbots  hat  es  hierbei  sein 

Bewenden, weshalb hierauf nicht näher einzugehen ist. 

2.3.5. Hinsichtlich der drei Vorfälle im Jahr 2019 kann sodann bezüglich Vorliegen 

von  sexuellen  Handlungen  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  zum  Tatbestand 

der sexuellen Handlungen mit Kindern verwiesen werden (E. II.B.2.1.3.). Sämtliche 

dort  festgehaltenen  Handlungen  des  Beschuldigten  stellen  sexuelle  Handlungen 

dar  bzw.  stellt  der  Analverkehr  eine  beischlafsähnliche  Handlung  i.S.v.  Art. 189 

Abs. 1 aStGB dar.

2.3.6. Der Beschuldigte baute ein Vertrauensverhältnis zur Privatklägerin auf und 

wurde  zu  einer  ihrer  Bezugspersonen.  Er  machte  der  sich  in  ökonomisch  sowie 

sozial  schwachen  Verhältnissen  aufwachsenden  Privatklägerin  immer  wieder 

Geschenke und verbrachte Zeit mit ihr. Diese befand sich in einer familiär schwie-

rigen  Situation  ohne  dass  ihr  ein  zuverlässiges  Beziehungsnetz  zur  Verfügung 

gestanden hätte, um dies auszugleichen. Sie wohnte damals zwar noch bei ihrer 

Mutter,  die  jedoch  alkoholabhängig  war/ist  und  sie  schlug.  Inzwischen  lebt  die 

Privatklägerin deshalb gar in einem Heim (Urk. D1/4/7 F/A 428). 

2.3.7. Der Beschuldigte begann sodann damit seine Geschenke zunächst an sozial 

durchaus  tolerierte  Gegenleistungen  wie  Umarmungen  zu  knüpfen  und  steigerte 

die  erwarteten  Gegenleistungen  allmählich  über  Küsse  und  Berührungen  an 

Gesäss und Brüsten, sowie der Entblössung ihrer Vagina bis hin zu Analverkehr 

und dem Erdulden der Ejakulation des Beschuldigten in ihr Gesicht. Hierbei nutzte 

der  Beschuldigte  das  Kindesalter  der  damals  gerade  einmal  11-Jährigen,  ihr 

schwaches Beziehungsnetz und ihre Unerfahrenheit im sexuellen Bereich aus. 

2.3.8. Die von der Privatklägerin geschilderte Verhaltensweise zeugt davon, dass 

ihre Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung betreffend Sexualität 2019 erst 

beginnend im Gang war. So wusste sie zwar, dass sie ihre Jungfräulichkeit erhalten 

wollte, konnte aber zu Analverkehr, den sie aufgrund der hierbei erhalten bleiben-

den Jungfräulichkeit wohl als weniger schlimm einstufte, dennoch nicht nein sagen. 

Dies obwohl bereits die Küsse des Beschuldigten Ekel in ihr auslösten. Daraus geht 

auch  eindeutig  hervor,  dass  sie  mit  den  Handlungen  keineswegs  wirklich  ein-

-   79   -

verstanden  war,  wenngleich  sie  ihn  gewähren  liess.  Damit  war  zwar  bereits  ein 

gewisses Bewusstsein in diese Richtung vorhanden. Deren Entwicklung war aber 

offensichtlich bei weitem noch nicht abgeschlossen, was in Anbetracht ihres Alters 

nachvollziehbar  ist.  Sie  war  damit  nicht  in  der  Lage  Widerstand  zu  leisten.  Sie 

erklärte gar, sie könne nicht nein sagen. Sie habe Angst, dass sie damit Personen 

verletze (Urk. D1/4/1 F/A 22). Dieses Gefühl, welches wohl den Verhältnissen, in 

denen  sie  aufwuchs,  und  ihrem  Alter  zuzuschreiben  ist,  muss  gegenüber  dem 

Beschuldigten in Anbetracht ihres Näheverhältnisses zu ihm umso stärker gewesen 

sein. Offensichtlich war sie auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung noch nicht so 

weit, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse über diejenigen des Beschuldigten stellen 

konnte. Widerstand war ihr in Anbetracht der Umstände – Kindesalter mit noch nicht 

abgeschlossener Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung betreffend Sexu-

alität, Nähe- und in gewissem Masse Abhängigkeitsverhältnis zum Beschuldigten – 

nicht zuzumuten. 

2.3.9. Zumindest  bezüglich  den  Vorfall  beim  Schulhaus  L._____  erklärte  der 

Beschuldigte  denn  auch  gegenüber  der  Privatklägerin,  es  handle  sich  um  ein 

Geheimnis zwischen ihnen beiden. Damit begründete er ein Schweigegebot, was 

in einem derartigen Fall als Nötigungsmittel zu werten ist. Ausserdem schilderte die 

Privatklägerin glaubhaft, sie habe Angst gehabt, dass er wütend werde, wenn sie 

etwas sage. Das sei schon öfters vorgekommen. Damit zeigte er sich gegenüber 

der Privatklägerin offenbar auch durchaus autoritär. Dieses von der Privatklägerin 

glaubhaft gemachte Verhalten des Beschuldigten, bestätigt sich denn auch durch 

eine  Sprachnachricht  des  Beschuldigten  an  die  Privatklägerin,  in  welcher  er 

ausführte,  er  könne  schon  auch  anders.  Abmachungen  seien  gegenseitig  einzu-

halten  (Urk. D1/2/9  S. 86  i.V.m.  PTT-20220327-QA0140.opus  abrufbar  unter: 

Urk. D1/2/10-16    Chat  Edelmetal  Handel  und  GES  html    Chat  Edelmetal 

Handel und GES html  files  Audio). 

2.3.10. Rechtfertigungsgründe  sind  nicht  ersichtlich.  Damit  hat  der  Beschuldigte 

den  Tatbestand  der  sexuellen  Nötigung  i.S.v.  Art. 189  Abs.  1  aStGB  mehrfach 

erfüllt. 

-   80   -

2.4. Konkurrenzen

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zur Konkurrenzfrage kann ohne weiteres ver-

wiesen  werden  (Urk. 133  E. III.4.6.4.  S. 49  f.).  Diese  sind  korrekt.  Mithin  besteht 

echte Konkurrenz zwischen Art. 196 StGB und Art. 187 StGB. 

3.

Pornografie (Dossier 1)

3.1. Der Pornografie nach Art. 197 Abs. 5 StGB macht sich unter anderem straf-

bar,  wer  Bildaufnahmen  oder  Abbildungen,  die  sexuelle  Handlungen  mit  Tieren 

bzw. nicht tatsächliche oder tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen 

zum Inhalt haben konsumiert oder zum eigenen Konsum lagert bzw. besitzt. Die 

rein  statischen  Nacktfotos  von  Kindern  und  Minderjährigen  sind  dann  pornogra-

phisch, wenn sie durch eine übermässige Betonung des Genitalbereichs darauf an-

gelegt  sind,  den  Betrachter  sexuell  aufzureizen  (BSK  StGB-ISENRING/KESSLER, 

Art. 197 N 22d). Seit dem 1. Januar 2024 sind Bildaufnahmen oder Abbildungen, 

die  sexuelle  Handlungen  mit  Gewalttätigkeiten  unter  Erwachsenen  zeigen  nicht 

mehr strafbar. 

3.2. Bild 1 (zwei Mal gespeichert) zeigt ein ca. 5 Jahre altes Mädchen, welches 

den  Penis  eines  mutmasslich  gleichaltrigen  Knaben  in  den  Mund  nimmt.  Bild  2 

(zwei Mal gespeichert) zeigt den Penis eines ca. 5 Jahre alten Knaben. Bild 3 (zehn 

Mal gespeichert) zeigt ein deutlich minderjähriges Mädchen, dessen Mund einen 

erigierten  Penis  berührt.  Diese  Bilder  enthalten  zweifelsfrei  tatsächliche  sexuelle 

Handlungen mit Minderjährigen im Sinne von Art. 197 Abs. 5 StGB. 

3.3. Bild 4 zeigt einen blutigen, mit unzähligen Kanülen durchstochenen Penis. 

Der  Fokus  der  Aufnahme  liegt  dabei  voll  und  ganz  auf  dem  Geschlechtsteil, 

weshalb  diese  als  pornografisch  einzustufen  ist.  Die  Darstellung  degradiert  das 

Opfer als ohne Weiteres verfügbares Sexualobjekt und deutet an, die Anwendung 

von derartiger Gewalt steigere das Lustempfinden. Damit lag zum Urteilszeitpunkt 

ein Objekt im Sinne von Art. 197 Abs. 5 StGB vor. Da solche Darstellungen nicht 

mehr vom Tatbestand umfasst werden, ist das neuere Recht für den Beschuldigten 

das mildere, weshalb dieses auf ihn Anwendung findet (Art. 2 Abs. 2 StGB). Damit 

-   81   -

ist er vom Tatbestand der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 StGB in Hinblick 

auf  dieses  Bild  freizusprechen.  Aufgrund  des  Verschlechterungsverbots  erübrigt 

sich sodann die Prüfung, ob der Besitz dieses Bildes allenfalls den Tatbestand der 

Gewaltdarstellungen i.S.v. Art. 135 StGB erfüllen würde, da dies zu einer zusätz-

lichen Verurteilung des Beschuldigten führen würde. 

3.4. Bild 5 (vierzehn Mal gespeichert) zeigt eine Frau auf den Knien, die von hin-

ten von einem Pferd penetriert wird. Bild 6 (vier Mal gespeichert) zeigt ein Huhn, 

welches  von  einem  Penis  penetriert  wird.  Diese  zeigen  damit  eindeutig  sexuelle 

Handlungen  mit  Tieren,  womit  es  sich  um  Objekte  im  Sinne  von  Art. 197  Abs. 5 

StGB handelt. 

3.5. Wie  im  Rahmen  der  Sachverhaltserstellung  näher  ausgeführt,  speicherte 

und besass der Beschuldigte die vorgenannten Bilder vorsätzlich (vgl. E. II.A.3.4.-

3.5.). Mit der Vorinstanz ist zu Gunsten des Beschuldigten sodann davon auszuge-

hen, dass er diese nur zum eigenen Konsum und nicht etwa zur Weiterverbreitung 

besass. 

3.6. Die Bilder 5 und 6 erfüllen damit Art. 197 Abs. 5 Satz 1 StGB. Die Bilder 1, 

2  und  3  erfüllen  hingegen  Art. 197  Abs. 5  Satz  2  StGB.  Bereits  aufgrund  des 

geltenden Verschlechterungsverbots ist auf eine mögliche Tatmehrheit vorliegend 

nicht einzugehen. Aus demselben Grund hat es auch beim Schuldspruch wegen 

Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB sein Bewenden. Die Tatsache, dass die Bilder 5 und 

6  unter  Satz  1  zu  subsumieren  sind  –  was  einen  tieferen  Strafrahmen  mit  sich 

bringt – wird jedoch im Rahmen der Strafzumessung zugunsten des Beschuldigten 

zu berücksichtigen sein.

3.7. Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich. Damit hat der Beschuldigte den 

Tatbestand der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB erfüllt. 

-   82   -

4.

Diebstahl (Dossiers 2, 3 und 4)

4.1.

Theorie

4.1.1. Wer  jemandem  eine  fremde  bewegliche  Sache  zur  Aneignung  wegnimmt, 

um  sich  oder  einen  andern  damit  unrechtmässig  zu  bereichern,  macht  sich  des 

Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig. Wegnehmen ist Bruch fremden und 

Begründung  neuen  (meist  eigenen)  Gewahrsams.  Dieser  besteht  in  der  tatsäch-

lichen  Sachherrschaft,  verbunden  mit  dem  Willen,  sie  auszuüben.  Bruch  des 

Gewahrsams ist die Aufhebung des fremden Gewahrsams gegen den Willen des 

bisherigen Inhabers. Ob der neue Gewahrsam begründet worden ist, bestimmt sich 

nach  den  allgemeinen  Anschauungen  und  den  Regeln  des  sozialen  Lebens 

(BGer 6B_100/2012  vom  5. Juni  2012  E. 3  mit  Verweis  auf  BGE  132  IV  108 

E. 2.1.).  Zu  unterscheiden  ist  sodann  zwischen  Beendung  und  Vollendung  des 

Diebstahls.  Beendet  ist  der  Diebstahl  erst,  wenn  das  Diebesgut  in  Sicherheit 

gebracht wurde. Vollendet ist er, wenn der Täter in Diebstahlsabsicht den Gewahr-

sam an der fremden beweglichen Sache bricht (BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 139 

N 77).

4.1.2.  Subjektiv  erfordert  der  Tatbestand  des  Diebstahls  Vorsatz.  Vorsätzlich 

handelt gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. 

Der  Vorsatz  beim  Diebstahl  nach  Art. 139  Ziff. 1  StGB  bezieht  sich  darauf,  eine 

fremde bewegliche Sachen zur Aneignung wegzunehmen, um sich damit unrecht-

mässig zu bereichern. Unter Bereicherung versteht man irgendeine dauernde oder 

auch  bloss  vorübergehende  wirtschaftliche  Besserstellung  im  Sinne  des  Vermö-

gensbegriffs. Ein ausschliesslich ideeller Nutzen genügt nicht. Die wirtschaftliche 

Besserstellung kann im Wert des Deliktsobjekts oder in den Möglichkeiten seines 

regulären Gebrauchs unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestehen (OFK StGB-

DONATSCH, Art. 137 N 11 mit Verweisen). 

4.2. Dossier 2

4.2.1. Gemäss  erstelltem  Sachverhalt  behändigte  der  Beschuldigte  das  in  der 

Anklage aufgeführte Deliktsgut in der Sammelgarage und verbrachte dieses zumin-

dest teilweise in seinen Lagerraum in Q._____. Hierbei handelte es sich aus Sicht 

-   83   -

des Beschuldigten um fremde bewegliche Sachen. Durch das Behändigen und Ver-

bringen dieser in seinen Lagerraum bzw. zumindest in seinen Verfügungsbereich 

brach der Beschuldigte den Gewahrsam der Geschädigten an den Gegenständen, 

begründete eigenen Gewahrsam an diesen und eignete sie sich an.

4.2.2. Der Beschuldigte wusste hierbei, dass das Deliktsgut nicht in seinem Eigen-

tum stand. Die äusseren Umstände lassen ausserdem keinen anderen Schluss zu 

als dass er sich die Gegenstände aneignete, um sich damit zu bereichern. Schliess-

lich führte er an, er habe vor gehabt, die Gegenstände in seinem Lager zu veräus-

sern, stellte auch einige der tatgegenständlichen Dinge online zum Verkauf ein und 

hatte sodann beispielsweise die Nissanräder bereits veräussert. 

4.2.3. Die äusseren Umstände zeigen auf, dass der Beschuldigte einen einzigen 

Tatentschluss  hinsichtlich  sämtlicher  anklagegegenständlichen  Gegenstände 

fasste.  Der  Beschuldigte  erkundete  offenbar  die  Sammelgarage,  erfasste  das 

mögliche  Deliktsgut,  erstellte  Fotos  davon  und  annoncierte  entsprechende 

Verkaufsanzeigen im Internet. Sodann liess er die Gegenstände auch grossmehr-

heitlich in einem Transport in sein Lager in Q._____ schaffen. Dass er nicht das 

gesamte  Deliktsgut  auf  einmal  in  dieses  abtransportieren  liess,  vermag  daran 

nichts zu ändern, zumal Indizien dafür bestehen, dass er das Deliktsgut – so ins-

besondere  die  Angelruten,  welche  im  Übrigen  auch  nicht  viel  Platz  in  Anspruch 

nehmen, welche eine externe Lagerung erfordert hätten – veräussern konnte, ohne 

dass eine vorgängige Einlagerung notwendig wurde. Damit ist mit der Vorinstanz 

nicht von Tatmehrheit auszugehen (Urk. 133 E. III.6.5.4.-6.5.5 S. 70). 

4.2.4. Damit  hat  der  Beschuldigte  den  Tatbestand  des  Diebstahls  i.S.v.  Art. 139 

Ziff. 1 StGB erfüllt. Rechtfertigungsgründe sind sodann nicht ersichtlich.

4.3. Dossier 3

4.3.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt behändigte der Beschuldigte im Theorielokal 

der  Privatklägerin  AE._____  GmbH  einen  Laptop  der  Marke  Acer,  eine  Kaffee-

maschine,  zwei  Boxen  Kinderschokolade-Eier  sowie  einen  Schlüssel.  Diese 

Gegenstände  verbrachte  er  sodann  in  seine  Wohnung.  Hierbei  handelte  es  sich 

-   84   -

aus Sicht des Beschuldigten um fremde bewegliche Sachen. Durch das Behändi-

gen und Verbringen dieser in seine Wohnung brach der Beschuldigte den Gewahr-

sam der Privatklägerin an den Gegenständen, begründete eigenen Gewahrsam an 

diesen und eignete sich diese an. 

4.3.2. Der Beschuldigte wusste hierbei, dass das Deliktsgut nicht in seinem Eigen-

tum stand. Die äusseren Umstände lassen ausserdem keinen anderen Schluss zu 

als dass er sich die Gegenstände aneignete, um sich damit zu bereichern. So war 

etwa die von ihm gestohlene Kaffeemaschine bereits auf einer Verkaufsplattform 

zum Verkauf von ihm inseriert. Es ist davon auszugehen, dass er mit dem Laptop 

das gleiche vor hatte, wobei auch für den Fall, dass er diesen hätte behalten wollen, 

eine Bereicherungsabsicht zu bejahen wäre. Das gleiche gilt für die Schokoeier und 

den  Schlüssel.  Bei  letzterem  bestand  die  Bereicherung  in  einer  wirtschaftlichen 

Besserstellung durch die Möglichkeit diesen künftig zu gebrauchen. Dies zeigt sich 

insbesondere  darin,  dass  in  den  Akten  ein  Verkaufsinserat  des  Beschuldigten 

vorhanden ist, welches einen im Theorielokal stehenden – offensichtlich ebenfalls 

nachts  im  dunkeln  fotografierten  –  Gefrierschrank  zeigt  (Urk. D3/2/5  i.V.m. 

Urk. D3/2/1 S. 2 Foto 3, S. 3 Foto 4 und Urk. D3/2/4 S. 3 f.). 

4.3.3. Damit  hat  der  Beschuldigte  den  Tatbestand  des  Diebstahls  i.S.v.  Art. 139 

Ziff. 1 StGB erfüllt. Rechtfertigungsgründe sind sodann nicht ersichtlich.

4.4. Dossier 4

4.4.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt behändigte der Beschuldigte das im Eigen-

tum von AG._____ stehende Motorfahrrad und verbrachte es in seine Wohnung. 

Hierbei handelte es sich aus Sicht des Beschuldigten um eine fremde bewegliche 

Sache. Durch das Behändigen des Mofas und dessen Verbringen in seine Woh-

nung brach der Beschuldigte den Gewahrsam von AG._____, begründete eigenen 

und eignete er sich das Mofa sodann an. 

4.4.2. Der  Beschuldigte  wusste,  dass  das  Deliktsgut  nicht  in  seinem  Eigentum 

stand. Die äusseren Umstände lassen ausserdem keinen anderen Schluss zu als 

dass er sich das Motorfahrrad aneignete, um sich damit zu bereichern. Aufgrund 

-   85   -

der vom Beschuldigten auf einer Verkaufsplattform ausgeschriebenen und von ihm 

gestohlenen  Kaffeemaschine  (Dossier  3)  ist  davon  auszugehen,  dass  er  das 

Motorfahrrad, wie weitere Gegenstände auf ebendieser oder einer ähnlichen Platt-

form verkaufen und sich somit unrechtmässig daran bereichern wollte. Selbst bei 

Annahme, dass er dieses für sich behalten wollte, wäre die Bereicherungsabsicht 

sodann ohne weiteres zu bejahen. 

4.4.3. Damit  hat  der  Beschuldigte  den  Tatbestand  des  Diebstahls  i.S.v.  Art. 139 

Ziff. 1 StGB erfüllt. Rechtfertigungsgründe sind sodann nicht ersichtlich.

5.

Sachbeschädigung (Dossier 3)

5.1. Eine Sachbeschädigung begeht, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigen-

tums-,  Gebrauchs-  oder  Nutzniessungsrecht  besteht,  beschädigt,  zerstört  oder 

unbrauchbar macht (Art. 144 Abs. 1 StGB). 

5.2. Der Beschuldigte zerschnitt vorliegend diverse im Eigentum der Privatkläge-

rin  AE._____  GmbH  stehende  elektronische  Kabel  mit  seinem  Seitenschneider. 

Dies führte dazu, dass diese nicht mehr funktionierten mithin unbrauchbar wurden. 

Der objektive Tatbestand der Sachbeschädigung ist damit erfüllt. 

5.3. Die  äusseren  Umstände  lassen  keinen  anderen  Schluss  zu  als  dass  der 

Beschuldigte  die  Kabel  mit  Wissen  und  Willen  durch  schnitt  mithin  unbrauchbar 

machte. Er wusste hierbei, dass diese nicht in seinem Eigentum standen. 

5.4. Mit der Vorinstanz ist aufgrund des in den Akten liegenden Belegs über den 

Versicherungswert der Kabel in der Höhe von Fr. 80.– (Urk. D3/7/3 S. 2) von einem 

Schaden  von  unter  Fr. 300.–  auszugehen,  womit  Art. 172ter  StGB  Anwendung 

findet. Der vorausgesetzte Strafantrag liegt sodann bei den Akten (Urk. D3/7/1). 

5.5. Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich. Damit hat der Beschuldigte den 

Tatbestand der geringfügigen Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB erfüllt. 

-   86   -

6.

Hausfriedensbruch (Dossier 3)

6.1. Wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in 

einen abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem 

Hause  gehörenden  umfriedeten  Platz,  Hof  oder  Garten  oder  in  einen  Werkplatz 

unrechtmässig  eindringt  oder,  trotz  der  Aufforderung  eines  Berechtigten,  sich  zu 

entfernen, darin verweilt, erfüllt den Tatbestand des Hausfriedensbruchs (Art. 186 

StGB). 

6.2. Gemäss erstelltem Sachverhalt verschaffte sich der Beschuldigte gegen den 

Willen  der  Berechtigten  Zugang  zum  Theorielokal  der  Privatklägerin  AE._____ 

GmbH. Hierzu war er nicht berechtigt. Damit hat er den objektiven Tatbestand von 

Art. 186 StGB erfüllt. 

6.3. Die äusseren Umstände – so etwa, dass der Beschuldigte im Rahmen des 

Hausfriedensbruchs  diverse  Diebstähle  beging,  dieser  mithin  Mittel  zum  Zweck 

war – lassen keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte mit Wissen und 

Willen handelte.  

6.4. Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich. Damit hat der Beschuldigte den 

Tatbestand des Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB erfüllt. 

7.

Betrug (Dossier 5)

7.1.

7.1.1. Auf  die  theoretischen  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  Tatbestand  des 

Betrugs kann verwiesen werden (Urk. 133 E. III.8.5.1. S. 92). Diese sind korrekt. 

Zu  ergänzen  ist  sodann,  dass  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  die 

Vorspiegelung des Leistungswillens  grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 

StGB  ist,  weil  hierbei  innere  Tatsachen  betroffen  sind,  die  vom  Vertragspartner 

ihrem Wesen nach nicht direkt überprüft werden können. Arglist scheidet hierbei 

lediglich  dann  aus,  wenn  die  Behauptung  des  Erfüllungswillens  mittels  Nachfor-

schungen über die Erfüllungsfähigkeit des Täuschenden überprüfbar ist und sich 

aus  einer  möglichen  und  zumutbaren  Prüfung  ergeben  hätte,  dass  jener  zur 

-   87   -

Erfüllung gar nicht in der Lage war (BGE 147 IV 73 E. 3.3. u.a. bestätigt in BGer 

6B_12/2022 vom 22. März 2023 E. 4.3.2.). 

7.1.2. In  subjektiver  Hinsicht  verlangt  der  Tatbestand  des  Betruges  zum  einen 

Bereicherungsabsicht.  Der  Täter  muss  sich  bereichern  wollen  und  die  Bereiche-

rung  muss  ein  zumindest  mitbestimmendes  Motiv  des  Handelns  sein  (BGE 105 

IV 330 E. 2c). Zusätzlich muss der Täter den objektiven Tatbestand, inklusive der 

dazugehörenden  Zusammenhänge,  den  Zügen  nach  im  Sinne  eines  Vorsatzes 

gewollt haben, wobei Eventualvorsatz genügt (BSK StGB-MAEDER/NIGGLI, Art. 146 

N 273).

7.2. Aufgrund der diversen erfüllten Sachverhaltskomplexe in Dossier 5 lassen 

die äusseren Umstände keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte nie 

einen  Erfüllungswillen  hatte.  Er  spiegelte  diesen  den  Geschädigten lediglich vor, 

indem er die diversen Mobiltelefone sowie die Goldkette zum Verkauf inserierte und 

teilweise  vorgängig  Fragen  zu  den  Versandmöglichkeiten  positiv  beantwortete. 

Damit  handelte  er  gemäss  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  arglistig.  Er 

liess die Geschädigten im Übrigen gar nach Kauf der Gegenstände zunächst im 

Glauben,  er  habe  vor  zu  erfüllen,  indem  er  sie  mehrfach  hinhielt  und  Fotos 

verschickte, die belegen sollten, dass er die Ware versandt habe. Dies führte dazu, 

dass die Geschädigten die vom Beschuldigten zum Verkauf angebotenen Mobilte-

lefone und die Goldkette ersteigerten bzw. kauften und auch bezahlten, wodurch 

sie sich selbst am Vermögen schädigten, da sie im Gegenzug die gekaufte Ware 

nicht wie vereinbart erhielten. 

7.3.

Zu  beachten  gilt  es  sodann,  dass  auf  Internetauktionsplattformen  wie 

Ricardo oder Anibis Vorauszahlungen üblich sind. Ohne grossen Aufwand ist es 

potentiellen Käufern in der Regel zwar möglich, allfällige Bewertungen des Verkäu-

fers auf seinem Profil auf der Internetplattform einzusehen. Vorliegend häuften sich 

die  negativen  Kommentare 

jedoch  gemäss  erstelltem  Sachverhalt  (siehe 

E. II.A.7.1.2.)  erst  nachdem  die  Geschädigten  die  Mobiltelefone  ersteigert  und 

bezahlt  hatten.  Ein  Blick  in  das  Profil  des  Beschuldigten,  welchen  einzelne  der 

Geschädigten auch vornahmen, hätte diese aufgrund diverser positiver Bewertun-

gen  zu  den  jeweiligen  Kaufzeitpunkten  nicht  misstrauisch  stimmen  müssen.  Der 

-   88   -

Beschuldigte beantwortete, wie bereits ausgeführt, sowohl vor als auch nach dem 

Kauf  Fragen  der  Geschädigten  zum  Kauf  und  spiegelte  ihnen  bis  zuletzt  seinen 

Erfüllungswillen vor. Die Geschädigten durften damit allesamt vom Leistungswillen 

des  Beschuldigten  ausgehen.  Weitergehende  Abklärungen  hierzu  waren  ihnen 

nicht  zuzumuten.  Die  Geschädigten  handelten  also  nicht  leichtfertig,  womit  das 

betrügerische  Handeln  des  Beschuldigten  nicht  in  den  Hintergrund  tritt.  Die 

Geschädigten trifft vorliegend keine Opfermitverantwortung. 

7.4. Die äusseren Umstände lassen sodann keinen anderen Schluss zu als dass 

der Beschuldigte hierbei in der Absicht handelte, sich unrechtmässig zu bereichern. 

Schliesslich liess er sich bezahlen ohne eine Gegenleistung zu erbringen. 

7.5. Mit  der  Vorinstanz  ist  sodann  aufgrund  des  separaten  Erstellens  diverser 

Verkaufsinserate für unterschiedliche Gegenstände und die zu unterschiedlichen 

Zeitpunkten mit den Kaufinteressenten geführten Gespräche sodann von Tatmehr-

heit auszugehen. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass er nicht bei allen Geschä-

digten  genau  gleich  vorging.  So  schickte  er  einigen  leere  Pakete  zu,  während 

andere überhaupt nie ein solches erhielten. 

7.6. Mit  der  Vorinstanz  ist  sodann  festzuhalten,  dass  es  sich  bei  den  Delikten 

zulasten der Geschädigten AI._____, AL._____ und E._____ aufgrund des jeweili-

gen Deliktsbetrags um geringfügige Vermögensdelikte handelt. Auf die Ausführun-

gen  der  Vorinstanz  hierzu  kann  ohne  weiteres  verwiesen  werden  (Urk. 133 

E. III.8.5.4. S. 93 f.). Die diesbezüglich notwendigen Strafanträge liegen sodann bei 

den Akten (Urk. D5/5/4/1, Urk. D5/8/4/1 und Urk. D5/9/5/1). In Bezug auf den Ge-

schädigten AJ._____ liegt hingegen kein geringfügiges Vermögensdelikt vor. Die-

ser kaufte das Mobiltelefon zwar für "nur" Fr. 299.–, mithin handelt es sich diesbe-

züglich um einen geringen Vermögenswert. Er bezahlte jedoch zusätzlich Fr. 7.– 

für die Zustellung des Kaufs via Post. Wenngleich er ein Paket vom Beschuldigten 

erhielt, hatte dieses keineswegs einen Wert von Fr. 7.– für ihn, da es lediglich Zei-

tungspapier  enthielt.  Wenngleich  der  Beschuldigte  sich  nur  im  Umfang  von 

Fr. 299.–  bereicherte  entstand  dem  Geschädigten  ein  Schaden  von  mehr  als 

Fr. 300.–, weswegen Art. 172ter StGB nicht zur Anwendung gelangt. Der Beschul-

digte wusste denn auch, dass er beim Geschädigten einen Schaden von mehr als 

-   89   -

Fr. 300.–  verursachen  würde.  Aufgrund  des  Verschlechterungsverbots  hat  es  je-

doch  beim  geringfügigen  Betrug  sein  Bewenden.  Auch  hier  liegt  der  notwendige 

Strafantrag bei den Akten (Urk. D5/6/1/1). 

7.7. Rechtfertigungsgründe  sind  nicht  ersichtlich.  Es  ist  festzuhalten,  dass  der 

Beschuldigte den Tatbestand von Art. 146 Abs. 1 StGB mehrfach erfüllt und damit 

einen mehrfachen (teilweise geringfügigen) Betrug begangen hat. 

C.

Schuldfähigkeit

1. Gesetzliche Grundlage 

Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist nicht strafbar, wer zur Zeit der Tat nicht fähig war, 

das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss seiner Einsicht in das Unrecht der 

Tat zu handeln. War der Täter nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-

hen  oder  gemäss  dieser  Einsicht  zu  handeln,  so  mildert  das  Gericht  die  Strafe 

(Art. 19 Abs. 2 StGB). Diesfalls ist der Täter also grundsätzlich strafbar.

2.

Diagnose

2.1. Das  Gutachten  hält  fest,  dass  der  Beschuldigte  an  einer  Autismus-Spek-

trum-Störung (nachfolgend ASS) nach DSM-5 leidet, wobei es sich um eine tief-

greifende  Entwicklungsstörung  mithin  eine  schwere  psychische  Störung  handle. 

Sodann seien bei ihm narzisstische und dissoziale Persönlichkeitszüge feststellbar 

(Urk. D1/7/1/2 S. 87). Bei ersterem handle es sich um eine überdauernde Störung, 

welche 

in  direktem  Zusammenhang  mit  den  vorgeworfenen  Taten  stehe 

(Urk. D1/7/1/2 S. 89). 

2.2. Die Gutachterin schloss den im Gutachten 2021 diagnostizierten atypischen 

Autismus  beim  Beschuldigten  aus  und  führte  nachvollziehbar  aus,  dass  diesem 

dort ein unterdurchschnittlicher Wert im IQ-Test zugeordnet worden sei, wobei es 

sich  um  einen  erklärbaren  Ausreisswert  bei  der  Verarbeitungsgeschwindigkeit 

gehandelt habe. Es sei ASS-typisch, wenn Betroffene gedanklich an einem Thema 

haften blieben und dann für andere Themen wenig Kapazitäten aufbieten könnten. 

Ein derartiger einzelner erklärbarer Ausreisswert rechtfertige nicht, dem Beschul-

-   90   -

digten  eine  unterdurchschnittliche  Intelligenz  zuzuschreiben  (Urk. D1/7/1/2  S. 65 

f.). Sie führte sodann die diagnostischen Kriterien der ASS auf und erklärte detail-

liert  und  nachvollziehbar,  inwiefern  diese  vom  Beschuldigten  erfüllt  werden 

(Urk. D1/7/1/2  S. 69-72).  Sodann  führte  sie  aus,  die  früher  diagnostizierte  ADHS 

gehe ohne Zweifel in der ASS auf. Die beim Beschuldigten auffälligen Denk- und 

Verhaltensweisen würden sodann der zugrunde liegenden Störung zugeschrieben, 

weshalb keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werde. Es bestünden jedoch 

auffällige Persönlichkeitsmerkmale, die in dieser Form nicht typisch seien für eine 

ASS.  Beim  Beschuldigten  liessen  sich  nämlich  narzisstische  und  dissoziale 

Persönlichkeitszüge nachweisen (u.a. Grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit; 

Versagen, sich gesellschaftlichen Normen und Gesetzen anzupassen, Impulsivität, 

Versagen vorausschauend zu planen und fehlende Reue bzw. Rationalisierungen 

bei  Regelverstössen).  Die  Persönlichkeitsreifung  sei  erst  um  das  25. Lebensjahr 

abgeschlossen,  weshalb  auch  bezüglich  der  nicht  ASS-typischen  auffälligen 

persönlichkeitsmerkmale  keine  Persönlichkeitsstörung  diagnostiziert  werde.  Es 

könne  jedoch  zur  Ausbildung  einer  solchen  kommen,  wenn  therapeutisch  nicht 

gegengesteuert  werde  (Urk. D1/7/1/2  S. 74  f.).  Das  Vorliegen  einer  Pädophilie 

wurde sodann ebenfalls nachvollziehbar begründet ausgeschlossen (Urk. D1/7/1/2 

S. 76). 

2.3. Aufgrund  des  detailliert  und  nachvollziehbar  begründeten  Gutachtens  ist 

damit diesem folgend beim Beschuldigten vom Vorliegen einer ASS nach DSM-5 

sowie narzisstischer und dissozialer Persönlichkeitszüge auszugehen. 

3.

Dossier 1

3.1. Sexualdelikte zulasten Privatklägerin C._____

3.1.1. Hinsichtlich  der  Schuldfähigkeit  des  Beschuldigten  führte  die  Gutachterin 

allgemein aus, dass der Beschuldigte mangels einer Störung der Realitätskontrolle 

bzw. -wahrnehmung zu den vorgeworfenen Deliktszeitpunkten grundsätzlich in der 

Lage gewesen sei, das Unrecht der ihm vorgeworfenen Taten zu erkennen. Ihm sei 

grundsätzlich bewusst gewesen, dass er weder Kinder/Jugendliche im Schutzalter 

sexuell nötigen bzw. zu sexuellen Handlungen drängen noch solche an ihnen voll-

-   91   -

ziehen dürfe. Es sei von einer erhaltenen Einsichtsfähigkeit für alle vorgeworfenen 

Delikte auszugehen (Urk. D1/7/1/2 S. 87). 

3.1.2. Aufgrund der ASS-bedingten Beeinträchtigungen (erhebliche Probleme der 

sozialen  emotionalen  Reziprozität,  Störung  der  Impulskontrolle,  reduzierte  Kritik- 

und  Urteilsfähigkeit,  Empathiemangel,  dysfunktionale  Emotionsregulationsstrate-

gien,  rigide  Denkmuster)  und  der  zu  einer  affektiven  Destabilisierung  führenden 

Überforderung im ambulanten Setting werde aus forensisch-psychiatrischer Sicht 

eine forensisch relevante Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit für alle vorge-

worfenen Delikte festgestellt. Die Verminderung der Schuldfähigkeit werde daher 

als leicht- bis mittelgradig eingeschätzt (Urk. D1/7/1/2 S. 76-81 i.V.m. S. 88). 

3.1.3. Dem  überzeugenden  Gutachten  folgend  ist  damit  zugunsten  des  Beschul-

digten – mit der Verteidigung (Urk. 207 S. 21 Rz. 43 i.V.m. Prot. II S. 15) – von einer 

mittelgradigen  Verminderung  der  Schuldfähigkeit  hinsichtlich  der  Sexualdelikte 

zulasten der Privatklägerin C._____ in Dossier 1 auszugehen. 

3.2. Pornografie 

3.2.1. Die Gutachterin wurde nicht damit beauftragt, die Schuldfähigkeit hinsichtlich 

des  Besitzes  des  pornografischen  Bildmaterials  zu  beurteilen.  Mangels  einer 

Störung der Realitätskontrolle bzw.  -wahrnehmung ist jedoch grundsätzlich auch 

diesbezüglich  davon  auszugehen,  dass  der  Beschuldigte  in  der  Lage  war,  das 

Unrecht  der  ihm  vorgeworfenen  Tat  zu  erkennen.  Schliesslich  machte  er  selbst 

geltend, die Fotos gelöscht zu haben und diese für "absolut abscheulich" zu halten. 

Er habe auf eine Anzeige verzichtet, da ihm durch das Zusenden der Bilder kein 

Schaden  entstanden  sei  (Prot. I  S. 35  f.).  Ihm  war  und  ist  damit  offensichtlich 

bewusst, dass der Besitz derartiger Fotos strafbar ist.

3.2.2. Die Ausführungen zur Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten haben sodann 

auch hinsichtlich dieses Delikts ihre Gültigkeit. Die ASS-bedingten Beeinträchtigun-

gen  bestanden  auch  im  Zeitpunkt  des  Besitzes  der  tatbeständlichen  Bilder. 

Schliesslich schilderte die Gutachterin nachvollziehbar, wie der Beschuldigte schon 

sehr  früh  die  sexuelle  Befriedigung  als  Instrument  zur  Stressregulation  benutzt 

-   92   -

habe,  was  als  tiefliegende  dysfunktionale  Handlungsstrategie  begriffen  werden 

könne. Aufgrund der erneut aufgetretenen Probleme (Probleme mit der Selbstän-

digkeit  in  Hinblick  auf  Arbeit  und  Wohnen  sowie  Rückzug  vom  Helfernetz  samt 

Therapie)  dürfte  sich  der  Beschuldigte  in  erheblichem  Stress  befunden  haben, 

weshalb zu vermuten sei, dass er den Zugriff auf seine erlernten Kompensations-

strategien  verloren  und  alte  dysfunktionale  Copingstrategien  wieder  aufgetreten 

seien (Urk. D1/7/1/2 S. 78). Dies würde auch den vorliegenden Gesetzesverstoss 

erklären. 

3.2.3. Damit  ist  auch  hier  –  mit  der  Verteidigung  (Urk. 207  S. 21  Rz. 43  i.V.m. 

Prot. II S. 15) – zugunsten des Beschuldigten von einer mittelgradig verminderten 

Schuldfähigkeit auszugehen. 

4.

Dossiers 2-5

4.1. Die Gutachterin wurde nicht damit beauftragt, die Schuldfähigkeit hinsicht-

lich der in den Dossiers 2-5 verübten Delikte zu beurteilen. Dennoch lassen sich 

aus dem Gutachten auch Schlüsse in Bezug hierauf ziehen.

4.2. Die Erkrankung des Beschuldigten bringt gemäss Gutachterin keine Störung 

der Realitätskontrolle bzw. -wahrnehmung mit sich. Da der Beschuldigte auch hin-

sichtlich der Dossiers 2-5 sämtliche Tatvorwürfe bestreitet, wäre es der Gutachterin 

sodann  –  wie  bei  den  Hands-on-Sexualdelikten  aus  Dossier  1  –  ohnehin  nicht 

möglich gewesen den psychopathologischen Befund zum Tatzeitpunkt zu erfassen 

(vgl. Urk. D1/7/1/2 S. 79). Irgendwelche Anhaltspunkte in diese Richtung sind aus 

den Akten denn auch nicht ersichtlich. Es ist damit davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte grundsätzlich in der Lage war, das Unrecht der ihm vorgeworfenen 

Taten zu erkennen. Er war zum Tatzeitpunkt 20 bzw. 21 Jahre alt und ist gemäss 

Gutachten durchschnittlich intelligent. Damit ist davon auszugehen, dass er wusste, 

dass man keine Diebstähle begehen, nicht ohne Einwilligung in fremde Räume ein-

dringen,  einem  fremde  Gegenstände  nicht  beschädigen  und  Leute  nicht  um  ihr 

Geld betrügen darf. 

-   93   -

4.3. Gemäss Gutachten reduzieren die mit der ASS einhergehende Verminde-

rung der Kritik- und Urteilsfähigkeit und die Störung der Impulskontrolle die Frei-

heitsgrade  des  Handelns  des  Beschuldigten  in  forensisch  relevantem  Ausmass. 

Der  erlebte  Stress  bzw.  die  Überforderung  des  selbständigen  Lebens  hätten  zu 

einer affektiven Destabilisierung/emotionalen Labilisierung (Wegfallen einer Tages-

struktur, der Therapie, des Beistands, einer gesicherten Finanzierung etc.) geführt, 

was zu einem Zusammenbruch seiner Kompensationsstrategien und einer Rück-

besinnung  auf  altbewährte,  ungünstige  Bewältigungsstrategien  geführt  habe.  Mit 

den Defiziten der ASS, der affektiven Destabilisierung und dem Zusammenbruch 

erlernter Kompensationsstrategien hätten dem Beschuldigten wenig Hemmmecha-

nismen zur Verfügung gestanden und es sei ihm nicht mehr ausreichend gelungen, 

sein  Handeln  an  geltenden  Normen  und  Gesetzen  auszurichten.  Damit  sei  aus 

forensisch-psychiatrischer  Sicht  aufgrund  der  ASS  (Empathiemangel,  reduzierte 

Kritik- und Urteilsfähigkeit, Störung der Impulskontrolle, dysfunktionale Emotions-

regulationsstrategien  und  affektive  Destabilisierung)  und  der  deliktsrelevanten 

Persönlichkeitszüge (Impulsivität, Dissozialität, Selbstzentriertheit) eine forensisch 

relevante Einschränkung der Freiheitsgrade des Beschuldigten festzustellen, was 

zu einer leicht- bis mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit des Beschul-

digten geführt habe (Urk. D1/7/1/2 S. 80). 

4.4. Sämtliche  Delikte  der  Dossiers  2-5  verübte  der  Beschuldigte  nach  der 

Entlassung aus dem AO._____ im Juli 2021. Diese fallen zeitlich in den Bereich, in 

welchem  der  Beschuldigte  sich  sowohl  beruflich  selbständig  machte,  erstmals 

alleine  lebte  und  sich  aus  seinem  Helfernetz  zurückzog  (samt  Beendigung  der 

Beistandschaft und Aufgabe der Therapie). Sämtliche Delikte hängen denn auch 

zumindest indirekt mit dem Versuch des Beschuldigten zusammen, sich erfolgreich 

beruflich im Onlinehandel selbständig zu machen. Sie fallen damit in den Bereich, 

in  dem  der  erlebte  Stress  bzw.  die  Überforderung  des  selbständigen  Lebens 

gemäss Gutachten zu einer affektiven Destabilisierung/emotionalen Labilisierung 

geführt  haben,  was  zu  einem  Zusammenbruch  seiner  Kompensationsstrategien 

und einer Rückbesinnung auf altbewährte, ungünstige Bewältigungsstrategien hat.

-   94   -

4.5. Damit ist – mit der Verteidigung (Urk. 207 S. 21 Rz. 43 i.V.m. Prot. II S. 15) – 

zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass auch hinsichtlich sämtlicher 

Delikte der Dossiers 2-5 eine mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit vor-

lag. 

A.

Strafzumessung

1.

Vorbemerkung

III. Strafe

1.1. Seitens  der  Verteidigung  wurde  die  Strafzumessung  der  Vorinstanz  nicht 

substantiiert beanstandet (Urk. 207). Unter dem Titel der Schuldunfähigkeit führte 

sie einzig an, es sei mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht vereinbar, 

dass die Vorinstanz die Strafen um jeweils nur einen Drittel reduziert habe. Auf-

grund der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit hätte die Vorinstanz die Strafe 

um mindestens 50% reduzieren müssen (Urk. 207 S. 21 Rz. 43). 

1.2. Gemäss mehrfach bestätigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das 

Gericht – entgegen der Ausführungen der Verteidigung – nicht gehalten, die Strafe 

linear  nach  einem  bestimmten  Tarif  herabzusetzen.  Es  muss  mithin  nicht  nach 

starren mathematischen Regeln vorgegangen werden, womit eine leichte, mittel-

gradige oder schwere Verminderung der Schuldfähigkeit nicht zwingend zu einer 

schematischen  Reduktion  der  Strafe  um  25%,  50%  bzw.  75%  führt  (BGE  134 

IV 132 E. 6.2. mit Verweisen). 

2.

Anwendbares Recht 

2.1. Sexuelle Nötigung

Da sich der am 1. Juli 2024 mit der Revision des Sexualstrafrechts (Bundesgesetz 

vom 16. Juni 2023 über eine Revision des Sexualstrafrechts; AS 2024 27, BBl 2023 

1521) neu eingeführte Art. 189 Abs. 2 StGB nicht milder als Art. 189 Abs. 1 aStGB 

auf den Beschuldigten auswirkt, gelangt im vorliegenden Fall noch das alte Recht 

zur Anwendung. 

-   95   -

2.2. Sexuelle Handlungen mit Kindern

Da  der  neu  eingeführt  Art. 187  Ziff. 1bis  StGB  eine  Mindeststrafe  von  einem  Jahr 

Freiheitsstrafe vorsieht, wenn das Kind das 12. Altersjahr zum Tatzeitpunkt noch 

nicht vollendet hat, ist das alte Recht mit einer Strafandrohung von Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe (Art. 187 Ziff. 1 aStGB) milder, weshalb dieses 

zur Anwendung gelangt. 

3. Mehrfache sexuelle Nötigung (Dossier 1)

3.1. Strafrahmen und Strafart

3.1.1. Wer sich der sexuellen Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 aStGB schuldig macht, 

wird  mit  einer  Freiheitsstrafe  bis  zu  zehn  Jahren  oder  Geldstrafe  bestraft.  Damit 

beträgt der Strafrahmen drei Tagessätze bis zu 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. 

drei  Tage  bis  zu  zehn  Jahre  Freiheitsstrafe  (Art. 34  Abs. 1  StGB  i.V.m.  Art. 40 

Abs. 1 StGB und Art. 189 Abs. 1 aStGB).

3.1.2. Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutreffende Erwägung hierzu 

ist für sämtliche sexuellen Nötigungen eine Freiheitsstrafe zu verhängen (Urk. 133 

E. IV.2.1. S. 98).

3.2. Vorfall beim Schulhaus L._____

3.2.1. Der  Beschuldigte  penetrierte  die  11-jährige  Privatklägerin  anal.  Anschlies-

send masturbierte er vor ihr und ejakulierte in ihr Gesicht. Bei der Analpenetration 

handelt es sich um eine der schwersten denkbaren Handlungen im Rahmen des 

Tatbestands der sexuellen Nötigung. Die Masturbation vor der Privatklägerin sowie 

Ejakulation in ihr Gesicht sind hingegen weniger eingriffsintensiv. Zu beachten gilt 

es sodann, dass der Vorfall lediglich einige Minuten gedauert hat. Der Beschuldigte 

versetze die Privatklägerin in eine Lage, in welche sie sich nicht gegen ihn zur Wehr 

setzen  konnte  und  ihr  Widerstand  nicht  zuzumuten  war.  Im  Rahmen  des  Tatbe-

stands sind jedoch eingriffsintensivere Nötigungshandlungen denkbar. Die objek-

tive Tatschwere ist damit als noch leicht einzustufen und die Strafe auf 30 Monate 

Freiheitsstrafe festzusetzen.

-   96   -

3.2.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der  Beschuldigte  gemäss  Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als  insgesamt  leicht  einzustufen  und  die  Strafe  auf  15  Monate  Freiheitsstrafe  zu 

reduzieren. 

3.2.3. Damit rechtfertigt sich die Festsetzung einer Einsatzstrafe von 15 Monaten 

Freiheitsstrafe.

3.3. Vorfall bei der Privatklägerin zu Hause

3.3.1. Der  Beschuldigte  küsste  die  11-jährige  Privatklägerin,  knetete  ihr  Gesäss 

und liess sich von ihr ihren Intimbereich zeigen. Die sexuellen Handlungen liegen 

hinsichtlich  ihrer  Eingriffstiefe  in  das  Recht  auf  sexuelle  Selbstbestimmung  im 

Rahmen  denkbarer  Varianten  innerhalb  des  Tatbestandes  im  untersten  Bereich. 

Der Beschuldigte versetze die Privatklägerin sodann in eine Lage, in welcher sie 

sich nicht gegen ihn zur Wehr setzen konnte und ihr Widerstand nicht zuzumuten 

war.  Im  Rahmen  des  Tatbestands  sind  jedoch  weitaus  eingriffsintensivere 

Nötigungshandlungen denkbar. Die objektive Tatschwere ist damit als sehr leicht 

einzustufen und die Strafe auf 4 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

3.3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der  Beschuldigte  gemäss  Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

-   97   -

als insgesamt sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 2 Monate Freiheitsstrafe 

zu reduzieren.

3.3.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 2 Monaten 

Freiheitsstrafe. Die Einsatzstrafe ist um 40 Tage auf 16 Monate und 10 Tage zu 

asperieren. 

3.4. Vorfall beim Beschuldigten zu Hause

3.4.1. Der Beschuldigte küsste die 11-jährige Privatklägerin im Rahmen eines ein-

geforderten  "Rummachens"  mithin  nicht  einmal  kurz  sondern  mehrfach  und  im 

Sinne eines "Rumknutschens". Sodann drückte er hierbei ihren Körper an seinen. 

Die  sexuellen  Handlungen  liegen  hinsichtlich  ihrer  Eingriffstiefe  in  das  Recht  auf 

sexuelle Selbstbestimmung im Rahmen denkbarer Varianten innerhalb des Tatbe-

standes im untersten Bereich. Der Beschuldigte versetzte die Privatklägerin in eine 

Lage, in welche sie sich nicht gegen ihn zur Wehr setzen konnte und ihr Widerstand 

nicht zuzumuten war. Im Rahmen des Tatbestands sind jedoch weitaus eingriffsin-

tensivere  Nötigungshandlungen  denkbar.  Die  objektive  Tatschwere  ist  damit  als 

sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 2 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

3.4.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der  Beschuldigte  gemäss  Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 1 Monat Freiheitsstrafe zu reduzieren.

3.4.3. Es  rechtfertigt  sich  daher  die  Festsetzung  einer  Einzelstrafe  von  1  Monat 

Freiheitsstrafe. Die Strafe ist um 20 Tage auf 17 Monate Freiheitsstrafe zu asperie-

ren.

-   98   -

4. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern (Dossier 1)

4.1. Strafrahmen und Strafart

4.1.1. Wer sich der sexuellen Handlungen mit Kindern i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 aStGB 

schuldig macht, wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft 

(Art. 187  Ziff.  1  aStGB).  Damit  beträgt  der  Strafrahmen  drei  Tagessätze  bis  zu 

180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe (Art. 34 

Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und Art. 187 Ziff. 1 aStGB).

4.1.2. Mit  der  Vorinstanz  und  unter  Verweis  auf  deren  zutreffende  Erwägungen 

hierzu ist für sämtliche sexuellen Handlungen mit Kindern je eine Freiheitsstrafe zu 

verhängen (Urk. 133 E. IV.3.1. S. 99 i.V.m. E. IV.2.1. S. 98)

4.2. Vorfall beim Schulhaus L._____

4.2.1. Der  Beschuldigte  penetrierte  die  Privatklägerin,  welche  damals  gerade 

einmal 11 Jahre alt war, anal. Anschliessend onanierte er vor ihr und ejakulierte 

schliesslich  in  ihr  Gesicht.  Bei  der  Analpenetration  handelt  es  sich  um  eine  der 

schwersten denkbaren Handlungen im Rahmen des Tatbestands. Die Masturbation 

vor  der  Privatklägerin  sowie  Ejakulation  in  ihr  Gesicht  sind  hingegen  weniger 

eingriffsintensiv, wenngleich auch  diese im  Rahmen des Tatbestands keinesfalls 

Bagatellen darstellen. Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass diese Handlungen 

eine  erhebliche  Störung  der  sexuellen  Entwicklung  eines  Kindes  darstellen.  Die 

Privatklägerin  verfügte  denn  auch  im  Tatzeitpunkt  –  altersentsprechend  –  über 

keine  sexuellen  Erfahrungen  über  Kindergartenküsse  hinausgehend 

(vgl. 

Urk. D1/4/7  F/A 349)  und  äusserte  nunmehr  Vertrauensprobleme  zu  haben 

(Urk. D1/4/7  F/A 444)  und  zur  Psychologin  zu  gehen,  welche  mit  ihr  alles  verar-

beite, was passiert sei (Urk. D1/4/7 F/A 449-450). Zu beachten gilt es auch hier, 

dass der Beschuldigte keine physische Gewalt anwendete und die Tat "nur" einige 

Minuten dauerte. Die objektive Tatschwere ist damit als eher schwer einzustufen 

und die Strafe auf 42 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

4.2.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

-   99   -

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der  Beschuldigte  gemäss  Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als  insgesamt  leicht  einzustufen  und  die  Strafe  auf  21  Monate  Freiheitsstrafe  zu 

reduzieren. 

4.2.3. Damit  rechtfertigt  sich  die  Festsetzung  einer  Einzelstrafe  von  21  Monaten 

Freiheitsstrafe. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich inhaltlich um die gleiche 

Handlung  wie  bei  der  sexuellen  Nötigung  handelt  rechtfertigt  es  sich  die  Strafe 

lediglich um 10.5 Monate auf 27 Monate und 15 Tage zu erhöhen.

4.3. Vorfall bei der Privatklägerin zu Hause

4.3.1. Der  Beschuldigte  küsste  die  damals  11-jährige  Privatklägerin,  knetete  ihr 

Gesäss und liess sich von ihr ihren Intimbereich zeigen. Die sexuellen Handlungen 

liegen hinsichtlich ihrer Eingriffstiefe in das Recht auf ungestörte sexuelle Entwick-

lung  im  Rahmen  denkbarer  Varianten  innerhalb  des  Tatbestandes  im  untersten 

Bereich.  Die  objektive  Tatschwere  ist  damit  als  sehr  leicht  einzustufen  und  die 

Strafe auf 6 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

4.3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der  Beschuldigte  gemäss  Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als insgesamt sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 3 Monate Freiheitsstrafe 

zu reduzieren.

-   100   -

4.3.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 3 Monaten 

Freiheitsstrafe. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich inhaltlich um die gleiche 

Handlung  wie  bei  der  sexuellen  Nötigung  handelt  rechtfertigt  es  sich  die  Strafe 

lediglich um 1.5 Monate zu asperieren auf 29 Monate zu erhöhen.

4.4. Vorfall beim Beschuldigten zu Hause

4.4.1. Der Beschuldigte küsste die Privatklägerin im Rahmen eines eingeforderten 

"Rummachens"  mithin  nicht  einmal  kurz  sondern  mehrfach  und  im  Sinne  eines 

"Rumknutschens". Sodann drückte er hierbei ihren Körper an seinen. Die sexuellen 

Handlungen liegen hinsichtlich ihrer Eingriffstiefe in das Recht auf eine ungestörte 

sexuelle Entwicklung im Rahmen denkbarer Varianten innerhalb des Tatbestandes 

im untersten Bereich. Er wandte hierbei sodann keine physische Gewalt an. Die 

objektive  Tatschwere  ist  damit  als  sehr  leicht  einzustufen  und  die  Strafe  auf 

3 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

4.4.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Die äusseren Umstände lassen sodann darauf schliessen, dass der 

Beschuldigte die konkrete Tat nicht von langer Hand geplant hat, wenngleich er das 

Vertrauensverhältnis  zur  Privatklägerin,  welche  die  Tat  als  solche  ermöglichte, 

bereits über einige Zeit zielgerichtet aufgebaut hatte. Zu beachten ist sodann, dass 

der Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner psychischen Erkrankung mit-

telgradig vermindert schuldfähig war. Das subjektive Tatverschulden ist damit als 

sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 1.5 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren.

4.4.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 1.5 Monaten 

Freiheitsstrafe. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich inhaltlich um die gleiche 

Handlung  wie  bei  der  sexuellen  Nötigung  handelt  rechtfertigt  es  sich  die  Strafe 

lediglich um 0.75 Monate zu asperieren auf 29 Monate und 22 Tage (zu Gunsten 

des Beschuldigten abgerundet) zu erhöhen.

-   101   -

4.5. Vorfall vom 27. März 2022

4.5.1. Der  Beschuldigte  küsste  die  14-jährige  Privatklägerin  auf  den  Mund,  um-

fasste oberhalb der Kleider ihr Gesäss, knetete unter ihren Kleidern ihre Brüste und 

presste seinen erigierten Penis an sie. Er akzeptierte hierbei, dass sie ihre Hände 

schützend vor ihre Intimzone hielt und hörte nach ca. zwei Minuten auf Bitten der 

Privatklägerin  auf.  Dies  stellt  zwar  klar  einen  Eingriff  in  die  ungestörte  sexuelle 

Entwicklung der Privatklägerin dar. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass dieser 

Eingriff von den Handlungen her zwar grösser als jene anlässlich der Vorfälle bei 

ihr und ihm zu Hause war, die Privatklägerin jedoch schon etwas älter und erfahre-

ner  mithin  in  ihrer  Entwicklung  bereits  weiter  fortgeschritten  war.  Die  objektive 

Tatschwere ist damit als leicht einzustufen und die Strafe auf 5 Monate Freiheits-

strafe festzusetzen.

4.5.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven 

zu seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relati-

vieren vermag. Der Beschuldigte vereinbarte das Treffen mit der Privatkägerin im 

Voraus, wollte nicht, dass sie ihre Kollegin mitbringt und führte an, sie schulde ihm 

Rummachen. Aus diesen Umständen lässt sich auf eine gewisse Planung der Tat 

schliessen. Zu beachten ist sodann, dass der Beschuldigte gemäss Gutachten auf-

grund seiner psychischen Erkrankung mittelgradig vermindert schuldfähig war. Das 

subjektive Tatverschulden ist damit als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 

2.5 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren.

4.5.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 2.5 Monaten 

Freiheitsstrafe. Die Strafe ist damit um 1 Monat und 20 Tage zu asperieren, woraus 

eine Strafe von 31 Monaten und 12 Tagen resultiert.

5.

Sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt (Dossier 1)

5.1. Strafrahmen und Strafart

Wer  sich  der  sexuellen  Handlungen  mit  Minderjährigen  gegen  Entgelt  schuldig 

macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 196 

StGB).  Damit  beträgt  der  Strafrahmen  drei  Tagessätze  bis  zu  180  Tagessätze 

-   102   -

Geldstrafe bzw. drei Tage bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 StGB 

i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und Art. 196 StGB). 

5.2. Objektives Tatverschulden

In  Bezug  auf  das  objektive  Tatverschulden  kann  vollumfänglich  auf  die  oben-

stehenden  Ausführungen  zu  den  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  verwiesen 

werden. Das objektive Tatverschulden ist als leicht einzustufen und die Strafe auf 

5 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

5.3. Subjektives Tatverschulden

In  Bezug  auf  das  subjektive  Tatverschulden  kann  vollumfänglich  auf  die  oben-

stehenden  Ausführungen  zu  den  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  verwiesen 

werden. Das subjektive Tatverschulden ist als sehr leicht einzustufen und die Strafe 

auf 2.5 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren.

5.4.

Fazit

Es  echtfertigt  sich  daher  die  Festsetzung  einer  Einzelstrafe  von  2.5  Monaten 

Freiheitsstrafe. Die Strafe ist in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um die selbe 

Tat, wie die voranstehend behandelte handelt, lediglich um 1 Monat zu asperieren, 

woraus eine Strafe von 32 Monaten und 12 Tagen resultiert. 

6. Mehrfacher Diebstahl (Dossiers 2, 3 und 4)

6.1. Strafrahmen und Strafart

6.1.1. Wer sich des Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig macht, wird mit 

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Damit beträgt der Straf-

rahmen drei Tagessätze bis zu 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis zu 

fünf  Jahre  Freiheitsstrafe  (Art. 34  Abs. 1  StGB  i.V.m.  Art. 40  Abs. 1  StGB  und 

Art. 139 Ziff. 1 StGB). 

6.1.2. Wie noch aufzuzeigen sein wird, ist bereits in Anbetracht der Strafhöhe für 

den Diebstahl aus Dossier 2 eine Freiheitsstrafe zu verhängen. Mit der Vorinstanz 

und unter Verweis auf deren zutreffende Erwägung hierzu ist für die Diebstähle aus 

-   103   -

Dossier 3 und 4 ebenfalls je eine Freiheitsstrafe zu verhängen (Urk. 133 E. IV.11.1. 

S. 105 und E. III.12.1. S. 106).

6.2. Dossier 2

6.2.1. Der Beschuldigte stahl unzählige Gegenstände aus der Sammeltiefgarage, 

zu welcher er mittels Schlüssel seiner Eltern Zugang hatte. Der Diebstahl erweckt 

den Eindruck als habe der Beschuldigte alles mitgenommen, was nicht niet- und 

nagelfest war sowie sich aus seiner Sicht zu Geld machen liess. Ersichtlich wird 

– nicht nur in Anbetracht der Menge der gestohlenen Gegenstände sondern auch 

in Anbetracht der Tatsache, dass er diese teilweise noch vor Ort fotografierte und 

teilweise vor deren Wegschaffung bereits zum Verkauf im Internet inserierte – auch 

eine nicht unerhebliche kriminelle Energie. Dieses Vorgehen zeugt auch von einer 

gewissen Dreistigkeit. Der Wert des Deliktsguts von rund Fr. 13'000.– ist sodann 

ebenfalls nicht mehr unerheblich. Die objektive Tatschwere ist damit als (gerade 

noch) noch leicht einzustufen und die Strafe auf 16 Monate Freiheitsstrafe festzu-

setzen.

6.2.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven, 

um sein Geschäft in Gang zu bringen und sich zu bereichern, was das objektive 

Tatverschulden nicht zu relativieren vermag. Die Tat war geplant, fotografierte er 

das Deliktsgut doch teilweise vorab und stellte dieses teilweise auch bereits zum 

Verkauf im Internet ein. Ausserdem organisierte er einen Transport in sein Lager. 

Zu beachten ist weiter, dass der Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner 

psychischen  Erkrankung  mittelgradig  vermindert  schuldfähig  war.  Das  subjektive 

Tatverschulden ist damit als eher leicht einzustufen und die Strafe auf 8 Monate 

Freiheitsstrafe zu reduzieren.

6.2.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 8 Monate 

Freiheitsstrafe. Damit ist die Strafe um 5.3 Monate auf 37 Monate und 22 Tage zu 

erhöhen. 

-   104   -

6.3. Dossier 3

6.3.1. Der  Beschuldigte  stahl  diverse  Gegenstände  aus  der  an  seine  Wohnung 

angrenzenden  Fahrschule,  zu  welcher  er  sich  unberechtigt  Zugang  verschafft 

hatte.  Der  Wert  des  Deliktsguts  von  insgesamt  rund  Fr. 3'000.–  ist  sodann  nicht 

mehr im Bagatellbereich anzusiedeln. Die objektive Tatschwere ist damit als eher 

leicht einzustufen und die Strafe auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

6.3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven, 

um sein Geschäft in Gang zu bringen und sich zu bereichern, was das objektive 

Tatverschulden  nicht  zu  relativieren  vermag.  Der  Beschuldigte  plante  die  Tat 

sodann  vorab,  was  sich  daraus  ergibt,  dass  er  etwa  die  entwendete  Kaffee-

maschine  bereits  vorab  in  der  Fahrschule  nachts  fotografiert  und  schliesslich 

bereits im Dezember 2021 auf Ricardo zum Verkauf inseriert hatte (Urk. D3/2/4). 

Dieses Vorgehen zeugt von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie und einer 

gewissen  Dreistigkeit.  Zu  beachten  ist  weiter,  dass  der  Beschuldigte  gemäss 

Gutachten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung  mittelgradig  vermindert 

schuldfähig war. Das subjektive Tatverschulden ist damit als leicht einzustufen und 

die Strafe auf 6 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren.

6.3.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 6 Monaten 

Freiheitsstrafe. Damit ist die Strafe um 4 Monate auf 41 Monate und 22 Tage zu 

asperieren. 

6.4. Dossier 4

6.4.1. Der  Beschuldigte  stahl  ein  Motorfahrrad  mit  einem  Marktwert  von  über 

Fr. 500.–. Der Deliktsbetrag liegt nicht mehr im Bagatellbereich. Von einer beson-

ders  hohen  kriminellen  Energie  zeugt  das  Vorgehen  des  Beschuldigten  jedoch 

nicht. Er nutze vielmehr die Gunst der Stunde, indem er das nicht abgeschlossene 

Mofa, welches unbeaufsichtigt vor seinem Haus stand, behändigte. Die objektive 

Tatschwere  ist  damit  als  sehr  leicht  einzustufen  und  die  Strafe  auf  5  Monate 

Freiheitsstrafe festzusetzen.

-   105   -

6.4.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven, 

um sein Geschäft in Gang zu bringen und sich zu bereichern, was das objektive 

Tatverschulden  nicht  zu  relativieren  vermag.  In  den  Akten  finden  sich  keinerlei 

Anhaltspunkte, dass er die Tat geplant hat. Vielmehr scheint der Beschuldigte die 

Gunst der Stunde genutzt zu haben als er feststellte, dass der Klient der Fahrschule 

das Mofa vor dem Haus unabgeschlossen abgestellt hatte. Zu beachten ist weiter, 

dass der Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner psychischen Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 2.5 Monate Freiheitsstrafe zu reduzie-

ren.

6.4.3. Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 2.5 Monaten 

Freiheitsstrafe.  Damit  ist  die  Strafe  um  50  Tage  auf  43  Monate  und  12  Tage  zu 

asperieren.

7.

Hausfriedensbruch (Dossier 3)

7.1. Strafrahmen und Strafart

7.1.1. Wer sich des Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB schuldig macht, wird 

mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  oder  Geldstrafe  bestraft.  Damit  beträgt  der 

Strafrahmen drei Tagessätze bis zu 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis 

zu drei Jahre Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und 

Art. 186 StGB).

7.1.2. Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutreffende Erwägung hierzu 

ist  für  den  Hausfriedensbruch  eine  Freiheitsstrafe  zu  verhängen  (Urk. 133 

E. IV.11.1. S. 105).

7.2. Objektive Tatschwere

Der  Hausfriedensbruch  steht  in  einem  sehr  engen  Zusammenhang  zum  in 

Dossier 3  behandelten  Diebstahl  und  der  Sachbeschädigung.  Dieser  war  reines 

Mittel  zum  Zweck.  Der  Beschuldigte  begab  sich  hierbei  sodann  lediglich  in  eine 

Fahrschule  und  damit  nicht  in  die  innerste  Privatsphäre  einer  Privatperson.  Er 

-   106   -

drang sodann nicht gewaltvoll ein. Die objektive Tatkomponente ist damit als sehr 

leicht zu qualifizieren, was eine Strafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe rechtfertigt.

7.3. Subjektive Tatschwere

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte auch hier direktvorsätzlich, was 

die  objektive  Komponente  nicht  zu  relativieren  vermag.  Zu  beachten  ist  jedoch, 

dass der Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner psychischen Erkrankung 

mittelgradig vermindert schuldfähig  war.  Das subjektive Tatverschulden ist  damit 

als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 1 Monat Freiheitsstrafe zu reduzieren.

7.4.

Fazit

Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 1 Monat Freiheits-

strafe. Damit ist die Strafe um 20 Tage auf 44 Monate und 2 Tage zu asperieren.

8. Mehrfacher Betrug (Dossier 5)

8.1. Strafrahmen und Strafart

8.1.1. Wer sich des Betrugs i.S.v. Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig macht, wird mit 

einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Damit beträgt der 

Strafrahmen drei Tagessätze bis zu 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis 

zu fünf Jahre Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und 

Art. 146 Abs. 1 StGB).

8.1.2. Mit  Verweis  auf  die  korrekten  vorinstanzlichen  Erwägungen  hierzu  ist  für 

sämtliche  Betrugsdelikte  je  eine  Freiheitsstrafe  auszufällen  (Urk. 133  E. IV.16.1. 

S. 108). 

8.2. Objektive Tatschwere

Der  Beschuldigte  bereicherte  sich  in  Bezug  auf  den  Geschädigten  D._____  um 

Fr. 399.–,  wobei  diesem  ein  Schaden  von  Fr. 406.–  entstand,  weil  er  zusätzlich 

Fr. 7.– für die Paketzustellung bezahlte, wobei ihm zwar ein Paket vom Beschul-

digten zugestellt wurde, dieses aber leer und für ihn somit wertlos war. Gleiches gilt 

hinsichtlich  die  Geschädigte  Graf,  bei  welcher  er  sich  im  Umfang  von  Fr. 403.– 

-   107   -

(Fr. 399.– Kaufpreis zzgl. Fr. 4.– von Fr. 11.–, welche ihm für den Versand bezahlt 

wurden,  da  er  lediglich  Fr. 7.–  für  das  Paket  bezahlte)  bereicherte,  wobei  er  ihr 

einen Schaden von Fr. 410.– verursachte. Weiter bereicherte er sich am Geschä-

digten B._____ im Umfang von Fr. 499.–, wobei dieser im Umfang von Fr. 506.– 

geschädigt wurde, da er zusätzliche Fr. 7.– für den Versand entrichtete, aber ledig-

lich ein leeres Paket zugestellt erhielt (Urk. D5/10/2/2 S. 2 i.V.m. Urk. D5/10/2/3). 

Vorgenannte  Deliktsbeträge  bewegen  sich  damit  im  unteren  Rahmen.  Weiter 

bereicherte er sich im Umfang von Fr. 2'310.– beim Geschädigten AH._____. Dies-

bezüglich liegt der Deliktsbetrag nicht mehr im unerheblichen Bereich. Das Handeln 

des Beschuldigten zeugt hierbei von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie. 

So  verleitete  der  Beschuldigte  die  Geschädigten  zum  Teil  vorab  über  Chatnach-

richten zum Kauf, hielt sie über längere Zeit hin und versandte teilweise gar leere 

Pakete. Er übte die Delikte sodann serienmässig aus. Die objektive Tatkomponente 

ist damit Ausnahme des Geschädigten AH._____ als leicht zu qualifizieren. In Be-

zug auf den Geschädigten AH._____ ist diese in Anbetracht des Deliktsbetrags als 

eher  leicht  einzustufen.  In  Bezug  auf  die  Geschädigten  D._____,  AK._____  und 

B._____ rechtfertigt dies je eine Freiheitsstrafe von 5 Monaten und in Bezug auf 

den Geschädigten AH._____ eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten Freiheitsstrafe.

8.3. Subjektive Tatschwere

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte auch hier in Bezug auf sämtliche 

Geschädigte  direktvorsätzlich,  aus  rein  finanziellen  Motiven,  was  die  objektive 

Komponente  nicht  zu  relativieren  vermag.  Zu  beachten  ist  jedoch,  dass  der 

Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner psychischen Erkrankung mittel-

gradig vermindert schuldfähig war. Das subjektive Tatverschulden ist damit als sehr 

leicht einzustufen. Die Strafe ist in Bezug auf die Geschädigten D._____, AK._____ 

und B._____ auf 2.5 Monate und in Bezug auf den Geschädigten AH._____ auf 5 

Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren. 

8.4.

Fazit

Es rechtfertigt sich daher in Bezug auf die Geschädigten D._____, AK._____ und 

B._____ die Festsetzung einer Einzelstrafe von je 2.5 Monaten und in Bezug auf 

-   108   -

den Geschädigten AH._____ die Festsetzung einer solchen von 5 Monaten Frei-

heitsstrafe. Damit ist die Strafe um insgesamt 8 Monate und 10 Tage auf 52 Monate 

und 12 Tage zu asperieren. 

9.

Pornografie (Dossier 1)

9.1. Strafrahmen und Strafart

9.1.1. Wer sich der Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB schuldig macht, 

wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. Damit beträgt 

der  Strafrahmen  hinsichtlich  der  Bilder  1,  2  und  3  drei  Tagessätze  bis  zu 

180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe (Art. 34 

Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB). 

9.1.2. Wer sich hingegen der Pornografie i.S.v. Art. 197 Abs. 5 Satz 1 StGB schul-

dig macht, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft. 

Damit beträgt der Strafrahmen hinsichtlich der Bilder 5 und 6 drei Tagessätze bis 

zu 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. drei Tage bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe (Art. 34 

Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 40 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 1 StGB).

9.1.3. Der  Beschuldigte  wurde  vorinstanzlich  lediglich  wegen  einfacher  Tatbe-

gehung  i.S.v.  Art. 197  Abs. 5  Satz  2  StGB  bestraft.  Aufgrund  des  geltenden 

Verschlechterungsverbots  ist  eine  Verurteilung  wegen  beider  Absätze  nicht 

möglich, da dies zu einer zusätzlichen Verurteilung führen würde. Daher ist lediglich 

im Rahmen der konkreten Strafzumessung hinsichtlich der Bilder 5 und 6 der tiefere 

Strafrahmen zu berücksichtigen.

9.1.4. Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutreffende Begründung ist 

eine Geldstrafe zu verhängen (Urk. 133 E. IV.8.1. S. 102 f.). 

9.2. Objektiver Tatbestand

9.2.1. Der Beschuldigte besass Bild 1 zwei Mal, Bild 2 ebenfalls zwei Mal, Bild 3 

zehn Mal, Bild 5 vierzehn Mal und Bild 6 vier Mal. Es handelt sich mithin um insge-

samt nur einige wenige unterschiedliche Bilder, wobei diese zwar mehrfach aber 

-   109   -

noch  in  einer  übersichtlichen  Anzahl  gespeichert  waren.  Es  handelt  sich  sodann 

um reine Standbilder und nicht etwa Filmaufnahmen.

9.2.2. Das objektive Tatverschulden erweist sich als sehr leicht, was in Berücksich-

tigung der Tatsache, dass für die Bilder 5 und 6 ein tieferer Strafrahmen gegeben 

ist, eine Strafe von 80 Tagessätzen Geldstrafe rechtfertigt.

9.3. Subjektiver Tatbestand

Der  Beschuldigte  handelte  direktvorsätzlich,  aus  rein  egoistischen  Motiven  zu 

seiner Bedürfnisbefriedigung, was das objektive Tatverschulden nicht zu relativie-

ren vermag. Die Tatsache, dass der Beschuldigte zugab, dass sich die Bilder auf 

seinem Handy befanden, ist aufgrund der erdrückenden Beweislage und in Berück-

sichtigung seiner weiteren Ausführungen zum Sachverhalt nicht zu seinen Gunsten 

zu berücksichtigen. Zu beachten ist jedoch, dass der Beschuldigte gemäss Gutach-

ten  aufgrund  seiner  psychischen  Erkrankung  mittelgradig  vermindert  schuldfähig 

war.  Das  subjektive  Tatverschulden  ist  damit  als  sehr  leicht  einzustufen  und  die 

Strafe auf 40 Tagessätze Geldstrafe zu reduzieren.

9.4.

Fazit

Es rechtfertigt sich daher die Festsetzung einer Einzelstrafe von 40 Tagessätzen 

Geldstrafe. 

10. Mehrfacher geringfügiger Betrug (Dossier 5)

10.1. Strafrahmen und Strafart

10.1.1. Richtet  sich  die  Tat  –  vorliegend  der  Betrug  –  nur  auf  einen  geringen 

Vermögenswert  oder  auf  einen  geringen  Schaden,  so  wird  der  Täter  mit  Busse 

bestraft  (Art. 146  Abs. 1  StGB  i.V.m.  Art. 172ter  Abs. 1  StGB).  Somit  beträgt  der 

Strafrahmen  vorliegend  Busse  von  Fr. 1.–  bis  zu  Fr. 10'000.–  (Art. 106  Abs. 1 

StGB). 

10.1.2. Damit kommt vorliegend lediglich eine Busse in Betracht.

-   110   -

10.2. Objektive Tatschwere

Der Beschuldigte ertrog von der Geschädigten AL._____ Fr. 80.–, vom Geschädig-

ten E._____ Fr. 300.–, von der Geschädigten AI._____ Fr. 290.– und vom Geschä-

digten  AJ._____  Fr. 299.–.  Mit  Ausnahme  der  Geschädigten  AL._____  belaufen 

sich  die  Beträge  im  obersten  Bereich  des  Anwendungsbereichs  von  Art. 172ter 

StGB. Der Beschuldigte liess die Geschädigten hierbei über längere Zeit im Glau-

ben, er werde die vereinbarte Gegenleistung erbringen, stellte teilweise gar ein lee-

res Paket zu. Die objektive Tatschwere ist damit in Bezug auf die Geschädigten 

AI._____,  E._____  und  AJ._____  als  schwer  einzustufen.  In  Bezug  auf  den  Ge-

schädigten AL._____ ist diese hingegen als leicht einzuordnen. Dies rechtfertigt in 

Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten eine Busse von 

je Fr. 1'000.– in Bezug auf die Geschädigten AI._____, E._____ und AJ._____, in 

Bezug auf den Geschädigten AL._____ hingegen eine solche von Fr. 250.–.

10.3. Subjektive Tatschwere

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte auch hier in Bezug auf sämtliche 

Geschädigte  direktvorsätzlich,  aus  rein  finanziellen  Motiven,  was  die  objektive 

Komponente  nicht  zu  relativieren  vermag.  Zu  beachten  ist  jedoch,  dass  der 

Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund seiner psychischen Erkrankung mittel-

gradig  vermindert  schuldfähig  war.  Das  subjektive  Tatverschulden  ist  damit  als 

noch  leicht  einzustufen  und  die  Strafe  auf  je  Fr. 500.–  Busse  in  Bezug  auf  die 

geschädigten AI._____, E._____ und AJ._____ sowie Fr. 125.– in Bezug auf den 

Geschädigten AL._____ zu reduzieren.

10.4. Fazit

Es rechtfertigt sich daher in Bezug auf die Geschädigten AI._____, E._____ und 

AJ._____ die Festsetzung einer Einzelstrafe von je Fr. 500.– Busse und in Bezug 

auf den Geschädigten AL._____ eine solche von Fr. 125.–. Der geringfügige Betrug 

zulasten  des  Geschädigten  E._____  ist  aufgrund  seines  Deliktsbetrags  von 

Fr. 300.–  das  schwerste  Delikt.  Die  diesbezüglich  auszufällende  Busse  von 

Fr. 500.– ist damit als Einsatzstrafe festzulegen, wobei es sich rechtfertigt die Stra-

-   111   -

fen  in  Zusammenhang  mit  den  Delikten  gegen  die  Geschädigten  AJ._____  und 

AI._____ um je Fr. 340.– zu asperieren. Sodann ist die Strafe in Zusammenhang 

mit dem Geschädigten AL._____ um Fr. 85.– zu asperieren, was eine Busse von 

insgesamt Fr. 1'265.– ergibt. 

11. Geringfügige Sachbeschädigung (Dossier 3)

11.1. Strafrahmen und Strafart

11.1.1. Richtet  sich  die  Tat  –  vorliegend  die  Sachbeschädigung  –  nur  auf  einen 

geringen Vermögenswert oder auf einen geringen Schaden, so wird der Täter mit 

Busse bestraft (Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB). Somit beträgt 

der Strafrahmen vorliegend Busse von Fr. 1.– bis zu Fr. 10'0000.– (Art. 106 Abs. 1 

StGB). 

11.1.2. Damit ist vorliegend eine Busse auszufällen. 

11.2. Objektive Tatschwere

Der  Beschuldigte  beschädigte  diverse  Kabel  im  Gesamtwert  von  rund  Fr. 80.–. 

Diese waren für die Geschädigte problemlos zu ersetzen. Die objektive Tatschwere 

ist damit als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf Fr. 300.– Busse festzusetzen.

11.3. Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus rein egoistischen Motiven, um sein 

Geschäft  im  Metallhandel  in  Gang  zu  bringen  und  sich  zu  bereichern,  was  das 

objektive  Tatverschulden  nicht  zu  relativieren  vermag.  In  den  Akten  finden  sich 

keinerlei Anhaltspunkte, dass der Beschuldigte die Sachbeschädigung geplant hat. 

Vielmehr scheint der Beschuldigte sich hierzu spontan und ohne sich gross Gedan-

ken zu machen – schliesslich wäre die Entfernung der Kabel als Ganzes einträg-

licher  gewesen  –  im  Rahmen  des  geplanten  Diebstahls  dazu  entschieden  zu 

haben. Zu beachten ist weiter, dass der Beschuldigte gemäss Gutachten aufgrund 

seiner  psychischen  Erkrankung  mittelgradig  vermindert  schuldfähig  war.  Das 

subjektive Tatverschulden ist damit als sehr leicht einzustufen und die Strafe auf 

Fr. 150.– Busse zu reduzieren.

-   112   -

11.4. Fazit

Es  rechtfertigt  sich  daher  –  auch  in  Anbetracht  der  finanziellen  Verhältnisse  des 

Beschuldigten – die Festsetzung einer Einzelstrafe von Fr. 150.– Busse, wobei die 

Gesamtstrafe um Fr. 100.– auf Fr. 1'365.– zu asperieren ist.

12. Zwischenfazit

Damit  wäre  der  Beschuldigte  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  52  Monaten  und 

12 Tagen, einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen sowie einer Busse von 1'365.– zu 

bestrafen.

13. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsfaktoren

13.1. Vorleben

Grundsätzlich  kann  auf  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  Aufwachsen  des 

Beschuldigten  verwiesen  werden  (Urk. 133  E. IV.18.1.  S. 109).  Zu  ergänzen  ist, 

dass der Beschuldigte während seiner Kindheit/Jugend bereits über mehrere Jahre 

untergebracht war. Ab März 2015 war er in der AP._____-Stiftung untergebracht, 

wobei er im Januar 2019 in die Institution AO._____ übertreten konnte, aus welcher 

er  im  Sommer  2021  entlassen  wurde  (Urk. D1/7/1/2  S. 49).  Seine  Kindheit  und 

Jugend  waren  mithin  aufgrund  seiner  Krankheit  und  der  deshalb  notwendigen 

Unterbringungen  sicherlich  alles  andere  als  leicht,  was  zu  seinen  Gunsten  zu 

werten ist. 

13.2. Vorstrafen und weitere Strafzumessungsfaktoren

Hinsichtlich  der  Vorstrafen  und  weiteren  Strafzumessungsfaktoren  kann  auf  die 

Ausführungen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk. 133  E. IV.18.2.-18.4. 

S. 110). Sowohl die Vorstrafen als auch die Delinquenz während laufender Stra-

funtersuchung wirken sich straferhöhend aus. 

13.3. Fazit

Zusammen  betrachtet  rechtfertigt  dies  eine  Erhöhung  der  Strafen  um  insgesamt 

5 Monate Freiheitsstrafe, 2 Tagessätze Geldstrafe und Fr. 65.– Busse.

-   113   -

14. Fazit

Damit wäre eine Freiheitsstrafe von 57 Monaten und 12 Tagen, eine Geldstrafe von 

42 Tagessätzen sowie eine Busse von Fr. 1'430.– zu verhängen. Aufgrund des Ver-

schlechterungsverbots  hat  es 

jedoch  bei  den  vorinstanzlich  ausgefällten 

48 Monaten  Freiheitsstrafe,  40  Tagessätzen  Geldstrafe  sowie  der  Busse  von 

Fr. 850.–  sein  Bewenden.  Bezüglich  der  Tagessatzhöhe  kann  sodann  auf  die 

zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk. 133  E. IV.8.4. 

S. 103). Diese ist auf Fr. 30.– festzulegen. 

B.

Vollzug

Mit Verweis auf die Vorinstanzlichen Erwägungen hierzu, sind sowohl die Freiheits-

strafe  als  auch  die  Busse  unbedingt  auszusprechen  und  für  die  Geldstrafe  der 

bedingte  Vollzug  zu  gewähren  (Urk. 133  E. IV.19.2.-19.4.  S. 110  f.),  wobei  es 

aufgrund  des  Verschlechterungsverbots  bei  einer  Probezeit  von  2  Jahren  sein 

Bewenden hat. Für den Fall der Nichtbezahlung der Busse ist sodann eine Ersatz-

freiheitsstrafe von 28 Tagen festzulegen, wobei zur Begründung auf die korrekten 

vorinstanzlichen Erwägungen hierzu verwiesen werden kann (Urk. 133 E. IV.19.3. 

S. 110 f.). 

C. Haftanrechnung

Das Gericht rechnet die Haft auf die auszufällende Strafe an (Art. 51 StGB). Der 

Beschuldigte wurde in Zusammenhang mit Dossier 2 am 1. November 2021, um 

19.15 Uhr, verhaftet und schliesslich am 3. November 2021, um 12.00 Uhr, wieder 

entlassen (Urk. 9/2/2 S. 1 i.V.m. Urk. 9/2/5 S. 2). Im Zusammenhang mit Dossier 3 

wurde der Beschuldigte sodann am 20. Februar 2022, um 21.00 Uhr, erneut ver-

haftet  und  am  24. März  2022,  um  10.45  Uhr,  erneut  aus  der  Haft  entlassen 

(Urk. 9/3/1 S. 1 i.V.m. Urk. 9/3/6 S. 2). Damit befand er sich in Zusammenhang mit 

Dossier 2 während 3 Tagen und mit Dossier 3 während 33 Tagen in Haft. Schliess-

lich  wurde  er  in  Zusammenhang  mit  Dossier  1  am  8. April  2022,  um  12.50  Uhr, 

erneut in Haft genommen (Urk. 9/1/2 S. 1), wo er sich seither – mithin seit 1'103 

Tagen – befindet. Bis und mit heute hat der Beschuldigte damit in Zusammenhang 

-   114   -

mit dem vorliegenden Verfahren 1'139 Tage in Haft verbracht, welche ihm an die 

Freiheitsstrafe anzurechnen sind. 

IV. Massnahme

1.

Vorbemerkungen

1.1.

In Fachfragen darf das Gericht nicht ohne triftige Gründe von einem Gutach-

ten  abweichen.  Es  darf  lediglich  dann  seine  eigene  Meinung  anstelle  derjenigen 

des Gutachtens setzen, wenn gewichtige zuverlässig begründete Tatsachen oder 

Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern, da ansonsten 

gegen Art. 9 BV verstossen würde (BGE 129 I 49 E. 4).

1.2. Die Vorinstanz ordnete für den Beschuldigten eine stationäre Massnahme 

gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB an (Behandlung psychischer Störungen) und schob 

den Vollzug der Freiheitsstrafe zu deren Gunsten auf (Urk. 133 S. 125 f.). Auf deren 

Begründung  kann  zunächst  vollumfänglich  verwiesen  werden  (Urk. 133  E. V. 

S. 111-115). 

2.

Vorbringen der Verteidigung

2.1. Die Verteidigung führte anlässlich der Berufungsverhandlung zusammenge-

fasst aus, das Gutachten beruhe auf einer Deliktshypothese, welche sich jedoch 

nicht bestätigt habe (Urk. 207 S. 21 f. Rz. 44). Die Gutachterin habe lediglich allge-

mein  die  Autismus-Spektrum-Störung  als  tiefgreifende  Entwicklungsstörung  und 

damit als schwere persönliche Störung bezeichnet. Damit fehle der Orientierungs-

rahmen, welcher dem Gericht erlauben würde, den Schweregrad im konkreten Fall 

abzuschätzen. Somit bestünden keine Anhaltspunkte für das Vorliegen der erfor-

derlichen  Schwere  der  psychischen  Störung  (Urk. 207  S. 23  Rz. 47).  Sodann 

werde der Zusammenhang zwischen der diagnostizierten schweren Störung und 

dem  Delikt  von  der  Gutachterin  lediglich  behauptet,  jedoch  nicht  hergeleitet 

(Urk. 207  S. 23  Rz. 48).  Aus  dem  Gutachten  gehe  im  Übrigen  hervor,  dass  die 

angeblich  narzisstischen  und  dissozialen  Persönlichkeitszüge  und  nicht  die  ASS 

als ursächlich für die Delikte erachtet würden. Bezüglich dieser Persönlichkeitszüge 

werde  aber  gerade  keine  schwere  psychische  Störung  festgestellt,  womit  keine 

-   115   -

Massnahme  angeordnet  werden  könne  (Urk. 207  S. 24  Rz. 51).  Sodann  sei  zu 

wenig  klar,  inwiefern  die  Gefahr  neuerlicher  Straftaten  reduziert  werden  könne 

(Urk. 207 S. 25 Rz. 53). Auch hinsichtlich geeigneter Institutionen zur Behandlung 

der ASS finde sich nichts im Gutachten (Urk. 207 S. 25 Rz. 54). Die Legalprognose 

des  Gutachtens  stütze  sich  sodann  auf  eine  falsche  Grundlage.  Seit  dem 

29. Dezember 2022 seien deutlich mehr als zwei Jahre vergangen, mithin sei der 

Stand nicht mehr aktuell (Urk. 207 S. 26 Rz. 56). 

2.2. Die Gutachterin hätte sodann verschiedene Szenarien – etwa die Rückfall-

gefahr bei Anordnung einer ambulanten Therapie – prüfen müssen, was sie unter-

lassen habe, womit auf die Prognose nicht abgestellt werden könne (Urk. 207 S. 26 

Rz. 56). Die Gutachterin gebe denn auch gar keine eigentliche Legalprognose ab 

und äussere sich nicht konkret zum Rückfallrisiko. Sie verwende u.a. das aktuari-

sche Prognoseinstrument Static-99, was per se nicht aussagekräftig sei, da sich 

aufgrund von Vorstrafe immer ein hoher Wert ergebe (Urk. 207 S. 27 Rz. 57 f.). Die 

Gutachterin  lasse  dann  auch  gestützt  auf  die  Dittmann-Liste  das  Ergebnis  mit 

welcher Wahrscheinlichkeit welche Delikte unter welchen Bedingungen in Bezug 

auf die Vergleichspopulation zu erwarten seien, vermissen. Sie komme vielmehr in 

Abweichung früherer Gutachten zum Schluss, die Gefahr für weitere Sexualdelikte 

sei hoch (Urk. 207 S. 27 Rz. 59). 

3.

Aktualität des Gutachtens

Das Gutachten datiert vom 29. Dezember 2022 und ist damit etwas über 2 Jahre 

alt. Gemäss Gutachten handelt es sich bei der ASS um eine Störung, die ein Leben 

lang persistiert. Mit anderen Worten kann eine ASS nicht geheilt werden, sondern 

können lediglich mit Hilfe von Therapie Symptome abgeschwächt und Fähigkeiten 

ausgebaut werde, um Betroffene zu einer möglichst selbständigen Lebensführung 

zu  befähigen  (Urk. D1/7/1/2  S. 73).  Damit  sind  die  Ausführungen  zur  Diagnose 

nach  wie  vor  aktuell.  Das  Gleiche  hat  für  die  Erwägungen  der  Gutachterin  zur 

Massnahme und – entgegen der Verteidigung – auch zur Legalprognose zu gelten, 

zumal  sich  an  der  Ausgangslage  seit  Gutachtenserstellung  nichts  verändert  hat. 

Der Beschuldigte hat seither keine Therapie aufgenommen. Gemäss Gutachten ist 

krankheitsbedingt  aber  ohnehin  eine  Langzeittherapie  erforderlich,  wobei  der 

-   116   -

Beschuldigte  störungsbedingt  viel  länger  für  Veränderungen  benötige  als  nicht 

ASS-Betroffene (Urk. D1/7/1/2 S. 73 i.V.m. S. 74 und S. 86). Im Übrigen hat sich 

– entgegen der Verteidigung – auch die dem Gutachten zugrunde liegende Delikts-

hypothese  bestätigt.  Damit  hat  das  Gutachten  nichts  an  seiner  Aktualität  einge-

büsst und kann zur Klärung der Frage, ob und falls ja, welche Massnahme anzu-

ordnen ist, ohne weiteres herangezogen werden. 

4.

Stationäre Massnahme

4.1. Schwere psychische Störung

4.1.1. Gemäss Gutachten von Dr. med. F._____ vom 29. Dezember 2022 leidet der 

Beschuldigte  seit  Geburt/Kleinkindalter  an  einer  Autismus-Spektrum-Störung 

(ASS) nach DSM-5, wobei es sich um eine schwere psychische Störung handle. 

Diese  beeinflusse  sämtliche  Lebensbereiche  und  das  Funktionsniveau  des  Be-

schuldigten  negativ.  Sodann  seien  narzisstische  und  dissoziale  Persönlichkeits-

züge  feststellbar  (Urk. D1/7/1/2  S. 85  i.V.m.  S. 87).  Diese  könnten  sich  in  den 

nächsten Jahren zu einer dementsprechenden Persönlichkeitsstörung entwickeln, 

falls nicht therapeutisch gegengesteuert werde (Urk. D1/7/1/2 S. 75). Entgegen der 

Verteidigung  setzte  sich  die  Gutachterin  mit  den  verschiedenen  Schweregraden 

einer ASS auseinander und stufte die Störung des Beschuldigten aufgrund seiner 

Schwierigkeiten im sozialen Kontext und seiner bestehenden (Kompensations-)Fä-

higkeiten als dem Schweregrad 1 zugehörig ein (Urk. D1/7/1/2 S. 72 f.). Im Rahmen 

der  Ausführungen  zu  den  diagnostischen  Kriterien  einer  ASS  führte  sie  sodann 

detailliert und nachvollziehbar an, welche Defizite beim Beschuldigten konkret vor-

handen sind (Urk. D1/7/1/2 S. 69-72), was es dem Gericht ohne Weiteres erlaubt 

die Schwere bzw. Auswirkungen der Störung einzuschätzen. 

4.1.2. Die Diagnose der ASS wird vom Beschuldigten grundsätzlich nicht in Abrede 

gestellt. Sowohl die Diagnose der ASS als auch die festgestellten narzisstischen 

und dissozialen Persönlichkeitszüge sind sodann ausführlich und schlüssig begrün-

det (Urk. D1/7/1/2 S. 62-75). Eine Diagnose der Pädophilie sowie andere sexuelle 

Devianz wurde sodann nachvollziehbar ausgeschlossen (Urk. D1/7/1/2 S. 76). Im 

-   117   -

Übrigen  kann  zur  Diagnosestellung  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  unter 

E. II.C.2. verwiesen werden.

4.1.3. Die  schlüssigen  und  nachvollziehbaren  Ausführungen  der  Gutachterin  zur 

Diagnose der schweren psychischen Störung decken sich mit dem aus den Akten 

gewonnenen  Eindruck  des  Beschuldigten  durch  das  Gericht.  Insbesondere  die 

unrealistische Selbsteinschätzung bzw. erhebliche Überschätzung seiner eigenen 

Fähigkeiten wird im Aussageverhalten des Beschuldigten mehr als deutlich. Auch 

eine gewisse Empathielosigkeit bzw. Gleichgültigkeit seinen Opfern/Geschädigten 

gegenüber und ein Hang zum Verlust des Realitätsbezugs sind deutlich erkennbar. 

Zweifel daran, dass es sich im konkreten Fall um eine schwere psychische Störung 

handelt,  bestehen  nicht.  Gewichtige  zuverlässig  begründete  Tatsachen  oder 

Indizien, die die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern würden, 

sind nicht ersichtlich. Damit ist das Vorliegen einer schweren psychischen Störung 

in Form einer ASS zu bejahen. 

4.2.

Tatzusammenhang

Die beim Beschuldigten diagnostizierte Störung steht gemäss Gutachten in direk-

tem Zusammenhang mit den Tatvorwürfen hinsichtlich der Hands-on-Sexualdelikte 

aus  Dossier  1  (Urk. D1/7/1/2  S. 89).  Dies  wurde  hinsichtlich  das  Delikt  vom 

27. März  2022  schlüssig  und  nachvollziehbar  damit  begründet,  dass  die  –  ASS 

bedingt – erneut aufgetretenen Probleme (durch die berufliche und wohnliche Selb-

ständigkeit des Beschuldigten sowie den Rückzug aus dem sozialen Umfeld) den 

Beschuldigten in erheblichen Stress versetzt haben dürften, wodurch er den Zugriff 

auf seine erlernten Kompensationsstrategien verloren habe und alte dysfunktionale 

Copingstrategien  wieder  aufgetreten  seien.  Gemäss  Gutachterin  sei  hierbei  vor 

allem  die  ASS-bedingt  eingeschränkte  Kritik-  und  Urteilsfähigkeit  (z.B.  völlige 

Selbstüberschätzung, unzureichende Einschätzung von Situationen oder Antizipa-

tion von Konsequenzen) von zentraler Bedeutung gewesen (Urk. D1/7/1/2 S. 78). 

Hinsichtlich der Delikte im Jahr 2019 führte sie sodann ebenso schlüssig und nach-

vollziehbar  aus,  es  sei  ASS-bedingt  in  deren  Zusammenhang  von  einer  Störung 

der Impulskontrolle, verminderter Kritik- und Urteilsfähigkeit sowie einem erschwer-

ten  Bedürfnisaufschub  bei  mangelnder  Empathie  auszugehen  (Urk. D1/7/1/2 

-   118   -

S. 81). Im Sinne einer Komorbidität mögen auch die narzisstischen und dissozialen 

Persönlichkeitszüge  des  Beschuldigten  eine  Rolle  gespielt  haben,  wobei  deren 

Vorliegen aufgrund des jungen Alters des Beschuldigten noch nicht zur Diagnose 

einer  Persönlichkeitsstörung  führten  (vgl.  Urk. D1/7/1/2  S. 75).  Die  Gutachterin 

erachtete aber – entgegen der Verteidigung – die ASS bedingten Defizite als aus-

schlaggebend  und  nicht  die  narzisstischen  und  dissozialen  Persönlichkeitszüge 

des Beschuldigten, was sie, wie soeben aufgezeigt, nachvollziehbar begründete. 

Damit  ist  der  Zusammenhang  zwischen  seiner  schweren  psychischen  Störung 

(ASS) und den Delikten zu bejahen. 

4.3.

Legalprognose

4.3.1. Hinsichtlich der Legalprognose führte die Gutachterin zunächst aus, dass der 

Beschuldigte beim Prognoseinstrument Static-99 einen Punktewert von 7 erreicht 

habe, womit er der Kategorie hohes Rückfallrisiko zuzuordnen sei. Damit weise er 

eine  7.7  Mal  höhere  Rückfallrate  auf  als  ein  typischer  Sexualstraftäter.  In  der 

Gesamtschau  weise  die  Einschätzung  dieses  aktuarischen  Prognoseinstruments 

auf eine hohe Rückfallgefahr für zukünftige Sexual- und Gewaltdelikte hin. Kritisch 

ergänzte  sie  sodann,  der  Beschuldigte  werde  aufgrund  der  deliktischen  Vorge-

schichte immer einen hohen Wert in aktuarischen Instrumenten erzielen, unabhän-

gig  von  Therapieeffekten,  erlernten  Kompensationsstrategien  und  Alterungs-

prozessen (Urk. D1/7/1/2 S. 57 f. i.V.m. S. 82). Sodann kritisierte die Gutachterin, 

dass in den letzten von Kinder- und Jugendpsychiatern verfassten Gutachten keine 

etablierten Prognoseinstrumente eingesetzt worden seien, die zu einer deutlich an-

deren Einschätzung der Legalprognose geführt hätten. Für die hiesige Beurteilung 

sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  auf  ein  sehr  geringes  Risiko  für  Sexualstraftaten 

geschlossen worden sei (Urk. D1/7/1/2 S. 66 i.V.m. S. 82). Nachfolgend ergänzte 

sie  das  aktuarische  Instrument  durch  ein  kriteriengeleitetes,  die  sog.  Dittmann-

Liste,  welches  eine 

individuelle  Einschätzung  der  Legalprognose  erlaube 

(Urk. D1/7/1/2 S. 58-62 i.V.m. S. 82) und hielt Nachfolgendes fest.

4.3.2. Der  Beschuldigte  habe  durch  sein  unbedingtes  Autonomiebestreben  mit 

bewusstem Abschütteln aller Unterstützungsangebote (Wohnen, Arbeit, Therapie, 

Beistand,  IV)  im  Rahmen  seiner  verminderten  Kritik-  und  Urteilsfähigkeit  und 

-   119   -

fehlenden  Problemeinsicht  sein  Scheitern  geradezu  heraufbeschworen.  Bis  zur 

offiziellen  Entlassung  aus  der  stationären  Jugendmassnahme  könne  jedoch  ein 

positiver Therapieverlauf festgestellt werden. Um an diesen positiven Therapiever-

lauf anzuknüpfen müsse zunächst die Therapie- und Kooperationsbereitschaft des 

Beschuldigten wieder hergestellt werden und der Übergang von der stationären zur 

ambulanten  Behandlung  viel  kleinschrittiger  und  über  einen  wesentlich  längeren 

Zeitraum veranschlagt werden. Dass der eine Versuch, ihn ambulant anzubinden 

bzw. zu entlassen, gescheitert sei, bedeute nicht, dass er damit auch in Zukunft 

scheitern müsse (Urk. D1/7/1/2 S. 82 f.). 

4.3.3. Legalprognostisch positiv sei aufzuführen, dass bislang kein Substanzmittel-

missbrauch betrieben worden sei, der Beschuldigte auf eine strukturierende Umge-

bung gut anspreche und bislang keine direkte körperliche Gewalt angewandt habe. 

Die vorhandenen Gewaltfantasien, die er benutze, um seine Frustration oder Wut 

abzubauen,  seien  hingegen  kritisch  einzuschätzen.  Aufgrund  seiner  beliebigen 

Sexualpartnerwahl  bestünden  sodann  Zweifel  an  einer  echten  Beziehungsfähig-

keit, was als ungünstig zu werten sei. Die Dekompensationen in sozialen Stress-

situationen  schienen  derzeit  noch  mit  problematischen  Denk-  und  Verhaltens-

weisen  einherzugehen,  was  legalprognostisch  relevant  sei  (Urk. D1/7/1/2  S. 83). 

Nebst  der  ASS  liessen  sich  beim  Beschuldigten  sodann  auch  deliktsrelevante 

narzisstische  und  dissoziale  Persönlichkeitszüge  feststellen,  die  geeignet  seien, 

weiteren  deliktischen  Verhaltensweisen  Vorschub  zu 

leisten  (Urk. D1/7/1/2 

S. 83 f.). Dass die Delinquenz des Beschuldigten nicht auf eine Sexualdelinquenz 

begrenzt sei, zeige seine Bereitschaft, geltende Normen und Regeln zu verletzen, 

da sie wahrscheinlich noch nicht ausreichend verinnerlicht worden seien. Sodann 

dürften  diverse  dokumentierte  Vorfälle  im  Rahmen  der  Jugendmassnahme  nicht 

ausser Acht gelassen werden. Diese seien als Bewährungsversagen aufzufassen 

(Urk. D1/7/1/2 S. 84). 

4.3.4. Zusammenfassend stellte sie sodann diverse gravierende Risikofaktoren für 

die erneute Begehung von Straftaten dar, welche beim Beschuldigten bestünden 

und kam zum Schluss, dass gesamthaft aus forensisch-psychiatrischer Sicht die 

Rückfallwahrscheinlichkeit für weitere Sexualdelikte als hoch zu bewerten sei. Die 

-   120   -

Auftretenswahrscheinlichkeit  für  Delikte  der  allgemeinen  Kriminalität  hielt  sie 

sodann für mittelgradig (Urk. D1/7/1/2 S. 84). 

4.3.5. Das verwendete aktuarische Prognoseinstrument ist im Übrigen – entgegen 

der Verteidigung – nicht als per se untauglich anzusehen. Das Resultat wurde von 

der  Gutachterin  denn  auch  nicht  einfach  übernommen,  vielmehr  setzte  sie  sich 

kritisch damit auseinander und stützte ihre eigenständige Einschätzung nicht ein-

fach darauf ab, sondern verwendete auch ein weiteres Prognoseinstrument. 

4.3.6. Damit äusserte sich die Gutachterin konkret zum Rückfallrisiko. Sie setzt sich 

dabei einlässlich, schlüssig und nachvollziehbar mit den beim Beschuldigten beste-

henden Risikofaktoren aber auch positiven Aspekten auseinander, verwendete ver-

schiedene  Prognoseinstrumente  und  setzte  sich  mit  der  abweichenden  Meinung 

der bestehenden Gutachten auseinander. Damit ist mit der Gutachterin davon aus-

zugehen, dass die Rückfallwahrscheinlichkeit für die Begehung weiterer Sexualde-

likte als hoch und jene für die Begehung von Delikten der allgemeinen Kriminalität 

als mittelgradig einzustufen ist. 

4.4. Verhältnismässigkeit

4.4.1. Entgegen der Verteidigung setzte sich die Gutachterin sehr wohl mit den Aus-

wirkungen unterschiedlicher Massnahmen auf die Legalprognose auseinander. Die 

Gutachterin  führte  zunächst  nachvollziehbar  aus,  eine  ambulante  Therapie  nach 

Art. 63 StGB werde nicht im Ansatz für ausreichend gehalten, da der Beschuldigte 

sich in einer ambulanten Massnahme befunden habe, als er beschlossen habe, alle 

weiteren Unterstützungsangebote abzulehnen. Daher wäre es initial nicht möglich, 

mit  ihm  eine  tragfähige  Therapie-  und  Kooperationsbereitschaft  aufzubauen 

(Urk. D1/7/1/2 S. 86). Er verfüge zwar durchaus über eine gute Anzahl an Hilfsstra-

tegien, doch sei ihm der Transfer dieser Strategien aufgrund seines unbedingten 

Autonomiewillens  vom  stationären  in  den  ambulanten  Rahmen  nicht  gelungen. 

Beim Übergang sei denn auch seine verminderte Kritik- und Urteilsfähigkeit unter-

schätzt  worden  (Urk. D1/7/1/2  S. 85).  Mithin  wäre  von  einer  ambulanten  Mass-

nahme also keine Verbesserung seiner Legalprognose zu erwarten. 

-   121   -

4.4.2. Ebenso schlüssig und nachvollziehbar schloss die Gutachterin die Notwen-

digkeit einer Massnahme für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB aus. Die ASS 

stelle zwar eine tiefgreifende Entwicklungsstörung dar. Diese sei jedoch nicht mit 

einer  Störung  der  Persönlichkeitsentwicklung  gleichzusetzen.  Mangels  einer 

solchen  seien  die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  einer  Massnahme  nach 

Art. 61  StGB  nicht  gegeben.  Die  noch  verbleibenden  Aufgaben  im  Rahmen  der 

Therapierung des Beschuldigten seien denn auch sehr spezifisch und erschienen 

eher in einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB als in einer solchen nach 

Art. 61 StGB durchführbar (Urk. D1/7/1/2 S. 86). Da die Voraussetzungen für die 

Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene nicht erfüllt sind, konnte die 

Gutachterin  es  im  Übrigen  unterlassen,  sich  zum  Einfluss  einer  solchen  auf  die 

Legalprognose des Beschuldigten zu äussern. 

4.4.3. Gemäss  Gutachten  könne  im  Falle  des  Beschuldigten  nur  eine  stationäre 

Massnahme  nach  Art. 59  StGB  empfohlen  werden.  Zunächst  einmal  müsse  die 

Therapie-  und  Kooperationsbereitschaft  wieder  hergestellt  werden.  Die  bisherige 

Behandlung  könne  bis  zum  Zeitpunkt  des  Austritts  aus  der  Institution  AO._____ 

durchaus als Erfolg gewertet werden. Der Wechsel vom stationären in den ambu-

lanten Rahmen habe sich für den Beschuldigten aber zu schnell, zu grossschrittig 

und  überfordernd  gestaltet.  In  der  stationären  Therapie  müsse  es  daher  darum 

gehen, die affektive Stabilität wieder aufzubauen, bestehende Kompensationsstra-

tegien zu vertiefen, ggf. neue zu erlernen und diese einzuüben. So sei es möglich, 

die  deliktische  Rückfallwahrscheinlichkeit  zu  senken.  Der  Beschuldigte  benötige 

störungsbedingt viel Zeit und Ruhe für Veränderungen. Damit die erlernten Strate-

gien dieses Mal nachhaltig sein könnten, werde der Übergang vom stationären in 

das ambulante Setting wesentlich langsamer, kleinschrittiger sowie enger begleitet 

vollzogen werden müssen. Für die ambulante Nachbehandlung werde ein Wohn-

heim oder ein eng betreutes Wohnen empfohlen, sonst laufe man Gefahr, dass der 

Beschuldigte  sich  wieder  allen  Strukturen  entziehe.  Die  IV-Rente  müsse  wieder 

beantragt werden, um eine finanzielle Sicherheit zu schaffen. Ein Arbeitsplatz auf 

dem zweiten Arbeitsmarkt, der den Beschuldigten weder über- noch unterfordere, 

müsse gesucht werden und eine fachgerechte Therapie sollte fortgeführt werden. 

Aufgrund  der  störungsbedingt  reduzierten  Urteilsfähigkeit  werde  es  sodann  für 

-   122   -

notwendig  erachtet  eine  Vertretungsbeistandschaft  anzuordnen  (Urk. D1/7/1/2 

S. 85 f. i.V.m. S. 89). 

4.4.4. Die  Anordnung  einer  stationären  Massnahme  ist  denn  auch  im  engeren 

Sinne verhältnismässig. Bei den vom Beschuldigten begangenen Taten handelt es 

sich keinesfalls um Bagatelldelikte. Die sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 

aStGB sieht einen Strafrahmen von Geldstrafe bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe 

vor.  Der  Tatbestand  der  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  sieht  sodann  einen 

Strafrahmen  von  einem  Jahr  bis  zu  fünf  Jahren  Freiheitsstrafe  oder  Geldstrafe 

(Art. 187  Ziff. 1  aStGB)  vor.  Damit  beging  der  Beschuldigte  gleich  mehrere  den 

Erwägungen  des  Gutachtens  zugrunde  liegende  schwerwiegende  Verbrechen. 

Wenngleich die weiteren Taten nicht Gegenstand des Gutachtens waren ist sodann 

zu  konstatieren,  dass  es  sich  auch  bei  diesen  keineswegs  nur  um  Bagatellen 

handelt. Auch diesbezüglich beging der Beschuldigte gleich mehrere Verbrechen. 

So sehen beispielsweise die Tatbestände des Diebstahls sowie des Betrugs einen 

Strafrahmen  von  bis  zu  fünf  Jahren  Freiheitsstrafe  oder  Geldstrafe  vor  (Art.  139 

Ziff. 1 StGB; Art. 146 Abs. 1 StGB).

4.4.5. Gemäss Gutachten ist sodann mit der Begehung weiterer Sexualdelikte zu 

rechnen. Die Gefahr hierfür sei gar hoch, wobei auch die Auftretenswahrscheinlich-

keit  für  Delikte  der  allgemeinen  Kriminalität  (wie  etwa  Sachbeschädigungen  und 

Vermögensdelikte) als mittelgradig eingestuft wurde (Urk. D1/7/1/2 S. 84). 

4.5. Vorhandene Institutionen

Entgegen der Verteidigung (Urk. 207 S. 25 Rz. 54) äusserte sich die Gutachterin 

auch  zum  Vorhandensein  geeigneter  Institutionen  zur  Behandlung  der  ASS  des 

Beschuldigten.  So  führte  sie  aus,  praktische  Möglichkeiten  der  Durchführbarkeit 

gebe es in Form von spezialisierten forensisch-psychiatrischen Fachkliniken, wie 

z.B. die PDAG Aargau oder PDGR Graubünden (Urk. D1/7/1/2 S. 90). 

4.6. Massnahmewilligkeit

Die Gutachterin führte aus, der Beschuldigte habe sich zwar nicht bereit gezeigt, 

nochmals  an  einer  stationären  Therapie  teilzunehmen,  jedoch  bestehe  bei  ihm 

-   123   -

störungsbedingt  eine  eingeschränkte  Urteilsfähigkeit.  Eine  entsprechende 

Massnahme  könne  wahrscheinlich  auch  gegen  den  Willen  des  Beschuldigten 

erfolgsversprechend umgesetzt werden. Zunächst müsse daher die Therapie- und 

Kooperationsbereitschaft bei ihm wiederhergestellt werden, wobei er diesbezüglich 

für motivierbar gehalten werde (Urk. D1/7/1/2 S. 85). Damit ist davon auszugehen, 

dass  sich  trotz  der  Äusserung  des  Beschuldigten,  er  werde  an  einer  stationären 

Massnahme  nicht  mitwirken,  eine  genügende  Wahrscheinlichkeit  dafür  besteht, 

dass in der Therapie eine Massnahmewilligkeit hergestellt werden kann und deren 

Durchführung gegen seinen initialen Willen erfolgsversprechend ist. 

4.7. Vollzug

Der Art der Behandlung kann gemäss Gutachten nicht bei gleichzeitigem Strafvoll-

zug Rechnung getragen werden, da es sich um eine sehr spezifische und komplexe 

Therapie handelt. Ein vorheriger Strafvollzug könne zwar theoretisch durchgeführt 

werden, jedoch dürften sich die dysfunktionalen Denk- und Verhaltensmuster des 

Beschuldigten dadurch eher festigen (Urk. D1/7/1/2 S. 90). Mit der Vorinstanz ist 

daher die Strafe zugunsten der Massnahme aufzuschieben. 

5.

Fazit

Für  den  Beschuldigten  ist  somit  eine  stationäre  Massnahme  nach  Art. 59  StGB 

(Behandlung psychischer Störungen) anzuordnen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe 

ist sodann zugunsten der stationären Massnahme aufzuschieben. 

V. Tätigkeitsverbot

1.

Zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  kann  auf  die  Ausführungen  der 

Vorinstanz  zum  Tätigkeitsverbot  verwiesen  werden  (Urk. 133  E. VI.  S. 115  f.). 

Diese sind korrekt. Die Verteidigung hat sich im Übrigen in keiner Weise mit der 

vorinstanzlichen Begründung des Tätigkeitsverbots auseinandergesetzt (Urk. 207). 

2.

Der  Beschuldigte  ist  sowohl  wegen  mehrfacher  sexueller  Handlungen  mit 

Kindern (Art. 187 StGB), mehrfacher sexueller Nötigung (Art. 189 StGB), sexueller 

Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt (Art. 196 StGB) sowie Pornografie 

-   124   -

i.S.v.  Art. 197  Abs.  5  Satz  2  StGB  zu  bestrafen.  Mit  Ausnahme  von  letzterem 

Tatbestand  ist  deswegen  auch  eine  Massnahme  zu  verhängen.  Es  handelt  sich 

hierbei keineswegs um besonders leichte Fälle. Daher ist ihm ein lebenslängliches 

Tätigkeitsverbot i.S.v. Art. 67 Abs. 3 lit. b, lit. c und lit. d Ziff. 2 StGB aufzuerlegen. 

VI. Einziehungen / Beschlagnahmungen

1.

Standpunkt der Verteidigung

Die Verteidigung beantragte, dem Beschuldigten seien das Mobiltelefon Samsung 

(A016'055'917), – sinngemäss – die SIM-Karte (A016'212'774), der Seitenschnei-

der  (A015'895'780)  sowie  die  diversen  abgeschnittenen  Kabel  (A015'895'804) 

herauszugeben. Begründet wurde der Antrag nicht (Urk. 207). 

2. Mobiltelefon Samsung (A016'055'917) und SIM-Karte (A016'212'774)

2.1. Bei  Straftaten  nach  Art. 197  Abs. 4  und  Abs. 5  werden  die  Gegenstände 

eingezogen (Art. 197 Abs. 6 StGB).

2.2. Aus den Akten ist ersichtlich, dass vom fraglichen Mobiltelefon eine Daten-

sicherung  erstellt  wurde.  Diese  wurde  mit  der  Ref.-Nr.  04592201N01  versehen 

(Urk. D1/2/4 S. 1 f.). Aus der Auswertung der Film- und Bilddateien ab Datenträger 

der  Kantonspolizei  Zürich  ergibt  sich  sodann,  dass  sich  die  inkriminierten  Bild-

dateien aus Dossier 1 darauf befanden (Urk. D1/2/5). Damit ist erstellt, dass sich 

diese auf dem Mobiltelefon Samsung (A016'055'917) befinden. 

2.3. Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  gebietet  es  das  Prinzip  der 

Subsidiarität, einzig die deliktischen Daten unwiederherstellbar zu löschen und dem 

Beschwerdeführer  anschliessend  die  Datenträger  samt  den  darauf  enthaltenen 

legalen  Daten  wieder  zurückzugeben.  Dabei  kann  die  Vollzugsbehörde  die 

Löschung – allenfalls unter Beizug externer Experten – selber vornehmen und die 

damit verbundenen Aufwendungen auf den Beschuldigten überwälzen. Als (in der 

Regel  kostengünstigere)  Alternative  kann  dem  Beschuldigten  auch  angeboten 

werden, zunächst die nicht zu löschenden legalen Dateien zu bezeichnen. Nach 

deren  Überprüfung  hat  die  Vollzugsbehörde  eine  Kopie  davon  anzufertigen,  die 

-   125   -

Festplatte  komplett  neu  zu  formatieren  (mit  der  Folge  der  Löschung  sämtlicher 

Dateien) und diese zusammen mit den kopierten Daten dem Beschuldigten auszu-

händigen (BGer 6B_748/2008 vom 16. Februar 2009 E. 4.5.3.; BGer 6B_348/2021 

vom 3. Mai 2021 E. 7).

2.4. Das Mobiltelefon ist dem Beschuldigten daher nach unwiederherstellbarer 

Löschung  der  deliktischen  Daten  herauszugeben.  Dem  Beschuldigten  ist  die 

Möglichkeit  einzuräumen,  die  von  ihm  gewünschten  nicht-deliktischen  Datenbe-

stände auszusondern und sich auf einem separaten Datenträger aushändigen zu 

lassen. Die Kosten für die Aussonderung und Aushändigung auf einem separaten 

Datenträger  hat  der  Beschuldigte  jedoch  selbst  zu  tragen.  Geschieht  dies  nicht 

innert  drei  Monaten  nach  Eintritt  der  Rechtskraft,  wird  das  Mobiltelefon  ohne 

weitere Mitteilung der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

2.5. Aus den Akten ist ersichtlich, dass von der fraglichen SIM-Karte eine Daten-

sicherung erstellt wurde. Diese wurde mit der Ref.-Nr. 0459.22.01.S01 versehen 

(Urk. D1/2/4 S. 2). Aus der Auswertung der Film- und Bilddateien ab Datenträger 

der  Kantonspolizei  Zürich  ergibt  sich  sodann,  dass  sich  die  inkriminierten  Bild-

dateien aus Dossier 1 auf dem Mobiltelefon Samsung (A016'055'917) und damit 

nicht auf der fraglichen SIM-Karte befinden (Urk. D1/2/5). Folglich ist dem Beschul-

digten die SIM-Karte herauszugeben. Verlangt der Beschuldigte dies nicht innert 

drei  Monaten  nach  Eintritt  der  Rechtskraft,  wird  die  SIM-Karte  ohne  weitere  Mit-

teilung der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.

3.

Seitenschneider (A015'895'780) und abgeschnittene Kabel (A015'895'804)

3.1. Das  Gericht  verfügt  ohne  Rücksicht  auf  die  Strafbarkeit  einer  bestimmten 

Person die Einziehung von Gegenständen, die zur Begehung einer Straftat gedient 

haben  oder  bestimmt  waren  oder  die  durch  eine  Straftat  hervorgebracht  worden 

sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder 

die öffentliche Ordnung gefährden (Art. 69 Abs. 1 StGB). 

3.2. Der  fragliche  Seitenschneider  hat  vorliegend  zur  Begehung  einer  Straftat 

(geringfügige  Sachbeschädigung)  gedient.  Dieser  gefährdet  jedoch  weder  die 

-   126   -

Sicherheit  von  Menschen  noch  die  Sittlichkeit  oder  die  öffentliche  Ordnung, 

weshalb er dem Beschuldigten auf erstes Verlangen nach Eintritt der Rechtskraft 

des  Entscheides  wieder  herauszugeben  ist.  Geschieht  dies  nicht  innert  dreier 

Monate nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheides ist dieser der Lagerbehörde 

jedoch zur gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung zu überlassen. 

3.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt stehen die diversen abgeschnittenen Kabel 

nicht  im  Eigentum  des  Beschuldigten,  weshalb  er  keinen  Anspruch  auf  deren 

Herausgabe  hat.  Die  Privatklägerin  AE._____  GmbH  hätte  zwar  einen  Anspruch 

auf diese. Den vorinstanzliche Entscheid hat sie jedoch nicht angefochten, womit 

davon auszugehen ist, dass sie an den unbrauchbaren Kabeln kein Interesse hat. 

Daher ist der vorinstanzliche Entscheid hierzu zu bestätigen. 

VII. Zivilansprüche

1.

Vorbemerkungen

1.1. Auf  die  theoretischen  Ausführungen  der  Vorinstanz  zur  Geltendmachung 

von  Zivilansprüche  im  Strafverfahren  und  die  theoretischen  Ausführungen  zum 

Genugtuungs- sowie Schadenersatzanspruch kann vollumfänglich verwiesen wer-

den (Urk. 133 E. VIII.1., E. VIII.2.1. und E. VIII.3.1. S. 117-120). Diese sind korrekt. 

1.2. Die Verteidigung beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung, die Zivil-

forderungen  seien  abzuweisen,  eventualiter  auf  den  Zivilweg  zu  verweisen 

(Urk. 207 S. 2). Inhaltliche Ausführungen erfolgten keine. 

1.3. Die Vertretung der Privatklägerin C._____ beantragte hingegen die Abwei-

sung des Antrags der Verteidigung und hielt an ihrer Genugtuungsforderung von 

Fr. 10'000.–  fest  (Urk. 208  S. 4  Rz. 15).  Sie  führte  hierzu  u.a.  aus,  das  Thema 

Männer sei für die Privatklägerin auch heute noch sehr schwierig. Sie habe Angst, 

sich auf eine Beziehung einzulassen. Sie beschreibe Gefühle von Wut und Trauer 

hinsichtlich der Geschehnisse, was zeige, dass sie immer noch damit hadere, was 

ihr passiert sei und dass es ihr die Freiheit genommen habe, ein unbeschwertes 

Teenagerleben zu geniessen (Urk. 208 S. 5 f. Rz. 18 f.). 

-   127   -

1.4. Da – wie bereits ausgeführt – für die adhäsionsweise Beurteilung von Zivil-

forderungen  im  Strafprozess  die  zivilprozessuale  Verhandlungsmaxime  Anwen-

dung findet (BGE 127 IV 215 E. 2d), hat der Beschuldigte substantiiert darzulegen, 

welche  Tatsachenbehauptungen  der  klagenden  Partei  im  Einzelnen  anerkannt 

oder  bestritten  werden  (siehe  hierzu  ausführlicher  OGer  ZH  SB230338-O  vom 

8. Januar  2024  E. 3.2.  f.  S. 41  f.),  womit  der  vorinstanzliche  Entscheid  über  die 

Genugtuung für die Privatklägerin C._____ sowie über den jeweiligen Schadener-

satz  für  die  Privatkläger  D._____  und  E._____  bereits  mangels  Substantiierung 

durch die Verteidigung zu bestätigen ist.  

2. Genugtuung zugunsten Privatklägerin C._____

Auf die Ausführungen der Vorinstanz zur Genugtuung zugunsten der Privatklägerin 

C._____  kann  damit  zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  vollumfänglich 

verwiesen werden (Urk. 133 E. VIII.2. S. 118-120). Die vom Beschuldigten verüb-

ten Übergriffe stellen objektiv eine erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte 

sowie  der  physischen  und  psychischen  Integrität  der  Privatklägerin  dar.  Dass 

solche Ereignisse – insbesondere auch in Anbetracht des sehr jungen Alters der 

Privatklägerin – deutliche Spuren hinterlassen ist nachvollziehbar. In Berücksichti-

gung  sämtlicher  Umstände  erscheint  eine  Genugtuung  von  Fr. 10'000.–  als  der 

Intensität der erlittenen Unbill und dem Verschulden des Beschuldigten angemes-

sen.

3.

Schadenersatz zugunsten Privatkläger D._____ und E._____

Zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  kann  auch  auf  die  vorinstanzlichen 

Ausführungen  zum  Schadenersatz  bezüglich  die  Privatkläger  D._____  und 

E._____ vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 133 E. VIII.3.4. S. 121 f.). Der Be-

schuldigte betrog die beiden Geschädigten gemäss erstelltem Sachverhalt um ihr 

Geld,  womit  er  diesen  widerrechtlich  einen  finanziellen  Schaden  im  Umfang  der 

jeweils geleisteten Zahlungen zufügte. Dieser wäre den beiden sodann nicht ent-

standen, hätte er diese nicht betrogen und ihnen stattdessen die Kaufgegenstände 

geliefert bzw. das Geld zurückerstattet. Damit ist der Schaden natürlich wie auch 

adäquat  kausal  durch  die  Betrugshandlungen  des  Beschuldigten  verursacht.  Er 

-   128   -

handelte  hierbei  sodann  vorsätzlich  und  schuldhaft.  Mit  der  Vorinstanz  ist  daher 

festzuhalten, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger D._____ im Um-

fang von Fr. 406.– zuzüglich 5% Zins ab 29. November 2021 sowie gegenüber dem 

Privatkläger E._____ im Umfang von Fr. 300.– zuzüglich 5% Zins ab 26. November 

2021 schadenersatzpflichtig ist. 

VIII. Haftentschädigung

1.

Die Verteidigung beantragte, dem Beschuldigten sei für die zu Unrecht erstan-

dene Haft eine angemessene Entschädigung zuzusprechen (Urk. 207 S. 2). Dem 

Grundsatz  nach  belaufe  sich  der  Tagessatz  gemäss  bundesgerichtlicher  Recht-

sprechung auf Fr. 200.–, womit aufgrund der langen Inhaftierung eine Genugtuung 

von Fr. 200'600.– zuzüglich Zins ab mittlerem Verfalltag resultiere (Urk. 207 S. 28 f. 

Rz. 63 f.).

2.

Angesichts  der  Verurteilung  des  Beschuldigten  zu  u.a.  einer  Freiheitsstrafe 

von  48  Monaten,  wovon  bisher  lediglich  1'139  Tage  durch  Untersuchungs-  und 

Sicherheitshaft erstanden sind, fehlt es an einer Rechtsgrundlage für die Zuspre-

chung einer Genugtuung an den Beschuldigten (vgl. Art. 429 Abs. 1 StPO). 

IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Erstinstanzliches Verfahren

1.1. Kostenfestsetzung

1.1.1. Nach Art. 422 StPO setzen sich die Verfahrenskosten aus den Gebühren zur 

Deckung  des  Aufwands  und  den  Auslagen  im  konkreten  Straffall  zusammen. 

Darunter  fallen  auch  die  Kosten  für  die  amtliche  Verteidigung  und  Gutachten 

(Art. 422 Abs. 2 lit. a und lit. c StPO). 

1.1.2. Die Vorinstanz setzte die Kosten für die Gerichtsgebühr auf Fr. 10'000.– fest 

(Urk. 133 S. 128). Gemäss § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG beträgt die Gebühr vor den 

Bezirksgerichten Fr. 750.– bis Fr. 45'000.–, wenn das Gericht materiell über die An-

klage  entscheidet.  In  Ausnahmefällen  kann  die  Gebühr  sodann  um  bis  zu  einen 

-   129   -

Drittel  erhöht  oder  ermässigt  werden  (§ 14  Abs. 2  GebV  OG).  Grundlage  für  die 

Festsetzung der Gebühren bildet im Strafprozess sodann die Bedeutung des Falls 

(§ 2 Abs. 1 lit. b GebV OG). Die durch die Vorinstanz festgesetzte Gerichtsgebühr 

von Fr. 10'000.– liegt im nach § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG zulässigen Rahmen und 

erscheint in Anbetracht der Bedeutung des vorliegenden Falles – in welchem sich 

diverse äusserst wichtige und komplexe Fragen, so z.B. zur Schuldfähigkeit und 

Massnahmebedürftigkeit stellen – als angemessen. Die weiteren Kosten ergeben 

sich sodann aus den Akten und erscheinen ebenfalls als angemessen. 

1.2. Kosten- und Entschädigungsauflage

1.2.1. Die  beschuldigte  Person  trägt  die  Verfahrenskosten  im  erstinstanzlichen 

Verfahren, – ausgenommen die Kosten für die amtliche Verteidigung – wenn sie 

verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Wird die beschuldigte Person freigesprochen, 

so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie 

rechtswidrig  und  schuldhaft  die  Einleitung  des  Verfahrens  bewirkt  oder  dessen 

Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).

1.2.2. Ausgangsgemäss ist die Kosten- und Entschädigungsauflage der Vorinstanz 

zu bestätigen (Dispositiv-Ziffer 18). 

2.

Zweitinstanzliches Verfahren

2.1. Kostenfolgen

2.1.1. Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  auf  Fr. 4'500.–  zu 

veranschlagen  (§ 16  Abs. 1  i.V.m.  § 14  Abs. 1  lit. b  GebV  OG).  Die  Kosten  des 

Berufungsverfahrens  tragen  die  Parteien  grundsätzlich  nach  Massgabe  ihres 

Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

2.1.2. Der Beschuldigte obsiegt vorliegend lediglich in geringfügigem Umfang. Dies 

fällt nicht weiter ins Gewicht, weshalb ihm die Kosten, mit Ausnahme der Kosten 

der  amtlichen  Verteidigung  und  der  Kosten  für  die  unentgeltliche  Vertretung  der 

Privatklägerin C._____, vollumfänglich aufzuerlegen sind. 

-   130   -

2.2. Entschädigungsfolgen

2.2.1. Die  Entschädigung  der  amtlichen  Verteidigung  sowie  der  unentgeltlichen 

Rechtsbeistände  richtet  sich  nach  der  Verordnung  über  die  Anwaltsgebühren 

(AnwGebV)  vom  8. September  2010  (§ 23  AnwGebV).  Die  Entschädigung  wird 

festgesetzt, nachdem die Anwältin oder der Anwalt dem Gericht oder der Strafver-

folgungsbehörde eine Aufstellung über den Zeitaufwand und die Auslagen vorge-

legt hat (§ 23 Abs. 2 AnwGebV). Mit dieser Aufstellung kann ein Antrag zur Höhe 

der  beanspruchten  Vergütung  verbunden  werden.  Einen  solchen  haben  sowohl 

Rechtsanwalt  MLaw  X1._____  als  auch  Rechtsanwältin  MLaw  Y._____  gestellt 

(vgl. Urk. 205 und Urk. 206). 

2.2.2. Die  konkrete  Bemessung  der  Entschädigung  richtet  sich  nach  § 16  ff. 

AnwGebV. Demnach ist lediglich das Honorar für das Vorverfahren ein Aufwand-

honorar (§ 16 AnwGebV). Für den eigentlichen Strafprozess ist eine Pauschalge-

bühr  vorgesehen,  welche  für  einen  Prozess  vor  Bezirksgerichten  Fr. 1'000.–  bis 

Fr. 28'000.– beträgt (§ 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). Im Berufungsverfahren wird die 

Gebühr  grundsätzlich  nach  den  für  die  Vorinstanz  geltenden  Regeln  bemessen. 

Dabei  wird  auch  berücksichtigt,  ob  das  Urteil  vollumfänglich  oder  nur  teilweise 

angefochten worden ist (§ 18 AnwGebV). Die Grundlage für die Festsetzung der 

Gebühr  bilden  im  Strafprozess  die  Bedeutung  des  Falls,  die  Verantwortung  der 

Anwältin  oder  des  Anwalts,  der  notwendige  Zeitaufwand  der  Anwältin  oder  des 

Anwalts sowie die Schwierigkeit des Falls (§ 2 AnwGebV). 

2.2.3. Der vorliegende Fall ist für den Beschuldigten von grosser Bedeutung, geht 

es hierbei doch insbesondere um eine mehrjährige Freiheitsstrafe sowie die Anord-

nung einer stationären Massnahme. Dieser Aspekt und die damit einhergehende 

Verantwortung der amtlichen Verteidigung ist stark zu gewichten und damit ist die 

Entschädigung von vornherein in der oberen Hälfte anzusiedeln. Weiter zu berück-

sichtigen ist die Tatsache, dass die amtliche Verteidigung nach Durchführung der 

erstinstanzlichen  Hauptverhandlung  gewechselt  wurde  mithin  eine  umfassende 

Einarbeitung  in  die  eher  umfangreichen  Akten  notwendig  war  und  es  der  Vertei-

digung nicht möglich war, beim Beschuldigten Instruktionen einzuholen. Die sich 

stellenden  Rechtsfragen  des  Falles  waren  hingegen  überschaubar.  Zu  vielen 

-   131   -

Aspekten – etwa zum Sachverhalt (mit Ausnahme der eingeklagten Sexualdelikte 

gegenüber der Privatkägerin C._____), zur rechtlichen Würdigung, zur Strafzumes-

sung  (mit  Ausnahme  der  eingeforderten  Berücksichtigung  der  verminderten 

Schuldfähigkeit), zum Tätigkeitsverbot, zu den Einziehungen/Beschlagnahmungen 

und zu den Zivilansprüchen – äusserte sich die Verteidigung gar nicht bzw. setzte 

sich  mit  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  hierzu  in  keiner  Weise  auseinander. 

Damit  rechtfertigt  sich  vorliegend  Rechtsanwalt  MLaw  X1._____  pauschal  mit 

Fr. 17'000.– zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer zu entschädigen. Damit ist 

Rechtsanwalt  MLaw  X1._____  mit  Fr. 18'746.60  (inkl.  Barauslagen  à  Fr. 341.90 

und  8.1%  MwSt.)  zu  entschädigen.  Die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigung  sind 

hierbei – unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO 

– einstweilen vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

2.2.4. Die  Vertretung  der  Privatklägerin,  Rechtsanwältin  MLaw  Y._____,  reichte 

anlässlich der Berufungsverhandlung eine Honorarnote ins Recht, in welcher sie 

ihre Aufwände und Auslagen im Gesamtumfang von Fr. 3'416.80 (inkl. MwSt. und 

Barauslagen)  ausweist  (Urk. 206).  Dies  erscheint  angemessen,  weshalb  sie  in 

diesem  Umfang  zu  entschädigen  ist.  Hinsichtlich  die  Punkte,  welche  die  Privat-

klägerin C._____ betreffen, unterliegt der Beschuldigte vollumfänglich. Damit sind 

die  Kosten  der  unentgeltlichen  Vertretung  der  Privatklägerin  einstweilen 

vollumfänglich  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen,  unter  Vorbehalt  der 

Rückzahlungsfplicht  des  Beschuldigten  gestützt  auf  Art. 138  Abs. 1  StPO  i.V.m. 

Art. 135 Abs. 4 StPO. 

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 26. Okto-

ber 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren betreffend Betrugsvorwurf zum Nachteil von B._____, Inserat 

für iPhone XS vom 5. Dezember 2021, wird eingestellt.

2.-7.

[…]

-   132   -

8.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 

2023 beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerte Damenun-

terwäsche (BH) (A016'017'564) wird nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes 

Verlangen an die Privatklägerin 1 (C._____) herausgegeben. Wird dieser Ge-

genstand nicht innert einer Frist von drei Monaten nach Eintritt der Rechts-

kraft beansprucht, wird er ohne weitere Mitteilung der Lagerbehörde zur Ver-

nichtung überlassen.

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 

2023 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerten Gegen-

stände



















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





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

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



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

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

Mobiltelefon Samsung (A016'056'034) mit SIM-Karte (A016'212'809)

externe Harddisk (A016'056'147)

USB-Stick (A016'056'250)

USB-Stick (A016'056'318)

USB-Stick (A016'056'363)

USB-Stick (A016'056'476)

USB-Stick (A016'056'487)

Brief (A016'056'534)

Brief (A016'056'556)

Replikapistole (A015'529'472)

Mobiltelefon Samsung (A015'529'483)

Mobiltelefon Samsung (A015'529'494)

9 Golfschläger (A015'531'085)

Koffer mit Schneeketten (A015'531'096)

Werkzeugkoffer (A015'531'109)

3 Kompletträder (A015'531'165)

2 Autoreifen (A015'531'176)

Autoreifen (A015'531'187)

Machete (A015'895'791)

Fingerring (A015'895'815)

2 Ohrringe (A015'895'826)

1 Brosche und 2 Ohrstecker (A015'895'837)

Armreif (A015'895'848)

Schmuckschatulle mit Armband und Brosche (A015'895'860)

Tresor samt Inhalt (A015'895'871)

-   133   -









Mobiltelefon Samsung (A015'895'882) mit SIM-Karte (A016'494'852)

Mobiltelefon Samsung (A015'895'893 mit SIM-Karte (A016'494'829)

Werkzeuge (A016'064'258)

2 Lernfahrschilder magnetisch (A016'064'269)

werden nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen an den Beschuldig-

ten  herausgegeben.  Werden  diese  Gegenstände  nicht  innert  einer  Frist  von 

drei  Monaten  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  beansprucht,  werden  sie  ohne 

weitere  Mitteilung  der  Lagerbehörde  zur  gutscheinenden  Verwendung  oder 

Vernichtung überlassen.

10.

[…]

11.

[…]

12. Die unter den Referenznummern 0459-2022 und 0214-2022 bei der Kantons-

polizei Zürich, CC-DF, gespeicherten Datensicherungen sind – soweit noch 

vorhanden – nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides durch diese zu 

löschen.

13.

[…]

14.

[…]

15.

[…]

16. Die übrigen Privatkläger werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

17.
18.

19.

20.

21.

[…]
[…]

[Mitteilungen]

[Rechtsmittel]

[Rechtsmittel]"

2.

Schriftliche Mitteilung im Dispositivauszug an







die Vertreterin der Privatklägerin AE._____ GmbH, AQ._____ 
(versandt) 

den Privatkläger AJ._____ (versandt)

den Privatkläger AB._____ (versandt)

-   134   -

und schriftliche Mitteilung an die weiteren Verfahrensbeteiligten mit nach-

folgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

















der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 
aStGB,

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 aStGB,

der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt im Sinne 
von Art. 196 StGB,

des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,

des mehrfachen, teilweise geringfügigen, Betrugs im Sinne von 
Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 
StGB,

der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB,

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie

der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 
StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte A._____ ist vom Vorwurf der Pornografie im Sinne von 

Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB hinsichtlich Bild 4 freizusprechen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1'139 

Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind. 

4.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 850.–. 

5.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 28 Tagen.

6.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

-   135   -

7.

Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 

StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.

8.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten der Massnahme aufgescho-

ben.

9.

Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b, lit. c und lit. d 

Ziff. 2 StGB jede berufliche sowie jede organisierte ausserberufliche Tätig-

keit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, lebens-

länglich verboten.

10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. April 

2023 beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerte SIM-

Karte (A016'212'774; Geschäfts-Nr. 82401987) wird dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen her-

ausgegeben. Wird sie nicht innert einer Frist von drei Monaten nach Eintritt 

der Rechtskraft dieses Entscheids herausverlangt, wird sie der Lagerbe-

hörde zur gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung überlassen. 

11. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

10. April 2023 beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung (A016'055'917; Ge-

schäfts-Nr. 82401987) wird dem Beschuldigte nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Entscheids und nach unwiederherstellbarer Löschung der delikti-

schen Daten auf erstes Verlangen herausgegeben. Die Lagerbehörde hat 

das Mobiltelefon auf entsprechendes Begehren des Beschuldigten komplett 

neu zu formatieren (mit der Folge der Löschung sämtlicher Dateien) und die-

ses mit den kopierten legalen Daten dem Beschuldigten herauszugeben. 

Der Beschuldigte hat die damit verbundenen Kosten zu tragen. Wird das 

Mobiltelefon nicht innert einer Frist von drei Monaten nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Entscheids herausverlangt, wird es der Lagerbehörde zur 

gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung überlassen. 

12. Die sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerten diversen 

abgeschnittenen Kabel (A015'895'804; Geschäfts-Nr. 82153604) werden be-

-   136   -

schlagnahmt und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-

scheides zur gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung überlassen. 

13. Der sichergestellte und bei der Kantonspolizei Zürich gelagerte Seiten-

schneider mit roten Griffen (A015'895'780; Geschäfts-Nr. 82153604) wird 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen an 

den Beschuldigten herausgegeben. Wird er nicht innert einer Frist von drei 

Monaten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids herausverlangt, 

wird er der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung bzw. Vernich-

tung überlassen. 

14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ Fr. 10'000.– 

als Genugtuung zu bezahlen. 

15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._____ Schadenersatz 

von Fr. 406.– zuzüglich 5% Zins seit 29. November 2021 zu bezahlen.

16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger E._____ Schadenersatz 

von Fr. 300.– zuzüglich 5% Zins seit 26. November 2021 zu bezahlen. 

17. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 17 und 18) 

wird bestätigt.

18. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:

18'746.60

amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und 8,1% 
MWSt)

3'416.80

  unentgeltliche Verbeiständung (inkl. Barauslagen und 

8,1% MWSt)

82.15   diverse Kosten

19. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, 

werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin C._____ werden einst-

-   137   -

weilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten bleibt gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 

StPO vorbehalten. 

20. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an













die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin C._____ im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (versandt)

den Privatkläger E._____ (versandt)

den Privatkläger D._____ (versandt)

(Eine begründete Urteilsausfertigung in den sie betreffenden Punkten 
gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird den Privatklägern E._____ und 
D._____ nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des 
Dispositivs verlangen.) 

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste (versandt unter Beilage einer Kopie der Haftverfügung)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

die Vertretung der Privatklägerin C._____ im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft 

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten gemäss Dispositivziffern 10, 11, 13 und Dispositivziffer 
1.9. des Vorabbeschlusses betreffend Herausgabefrist

die Vertretung der Privatklägerin C._____ im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft gemäss Dispositivziffer 1.8. des Vorabbeschlusses 
betreffend Herausgabefrist

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

-   138   -





die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Kantonspolizei Zürich, KDM-FS-A betr. Dispositivziffern 10-13 des 
Urteils sowie Dispositivziffern 1.8-9 und 1.12 des Vorabbeschlusses 
(betr. Geschäfts-Nr. 82153604 und 82401987).

21. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

-   139   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 14. April 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. B. Gut

MLaw A. Blaser

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe de-

finitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 

bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.