# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e6e68c3-7bf1-5c77-b511-2c80fbe17191
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.05.2020 F-3473/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3473-2019_2020-05-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3473/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richter William Waeber,  

Richterin Susanne Genner,    

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), Irak, 

Beschwerdeführer,  

vertreten durch MLaw Anja Freienstein, 

 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 27. Juni 2019. 

 

 

 

F-3473/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 17. Juni 2019 in der Schweiz um Asyl 

(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1). 

B.  

Am 20. Juni 2019 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwerde-

führers auf und am 26. Juni 2019 gewährte sie ihm rechtliches Gehör, unter 

anderem zur Zuständigkeit Bulgariens für die Durchführung des Asyl- und 

Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid 

sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-act. 11 und 

17). 

C.  

Mit Verfügung vom 27. Juni 2019 – eröffnet am 1. Juli 2019 – trat die Vor-

instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach 

Bulgarien an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätes-

tens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig 

wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und be-

auftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-

act. 21). 

D.  

Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit ei-

ner Eingabe vom 8. Juli 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-

richt. Er beantragte, die verweigernde Verfügung sei aufzuheben und die 

Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei 

die Sache zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwer-

deführer die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie der unentgelt-

lichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Zudem seien die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden im 

Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis 

zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugs-

handlungen abzusehen (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-

act.] 1). 

E.  

Am 9. Juli 2019 lagen die vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers 

in elektronischer Form vor und setzte das Bundesverwaltungsgericht den 

F-3473/2019 

Seite 3 

Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus 

(BVGer-act. 2).  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2019 wies der Instruktionsrichter den 

Beschwerdeführer darauf hin, dass das Bundesverwaltungsgericht in meh-

reren bereits seit längerem hängigen Verfahren über die Frage allfälliger 

systemischer Mängel im Asylsystem Bulgariens zu urteilen habe, weshalb 

der Ausgang eines dieser Verfahren abgewartet werde. Des Weiteren er-

kannte er der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu (BVGer-act. 3). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet das Bundesverwaltungsgericht 

– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen 

Verfügungen (Art. 5 VwVG) der Vorinstanz (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒

33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG).  

1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel verzichtet. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

F-3473/2019 

Seite 4 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen  

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wird jeder Asylan-

trag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des 

Kapitels III der Dublin-III-VO als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

3.2. Seinen eigenen Angaben zufolge reiste der Beschwerdeführer Mitte 

April 2019 von der Türkei herkommend in Bulgarien in den Dublin-Raum 

ein. Dort stellte er am 9. Mai 2019 ein Asylgesuch, bevor er am 24. Mai 

2019 in Rumänien und anschliessend am 17. Juni 2019 in der Schweiz 

weitere Asylgesuche einreichte (SEM-act. 6 f.). Die Vorinstanz ersuchte die 

bulgarischen Behörden am 19. Juni 2019 um Wiederaufnahme des Be-

schwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Letztere 

stimmten dem Wiederaufnahmegesuch gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d 

Dublin-III-VO am 21. Juni 2019 zu (SEM-act. 8 und act. 14). Die grundsätz-

liche Zuständigkeit Bulgariens ist somit gegeben.  

3.3. An der Zuständigkeit der bulgarischen Behörden für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ändert sich selbst dann nichts, 

wenn der Beschwerdeführer – wie er behauptet – in Bulgarien tatsächlich 

dazu gezwungen worden wäre, Asyl zu beantragen. Hat nämlich ein An-

tragssteller aus einem Drittstaat herkommend die Land-, See- oder Luft-

grenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten, ist dieser Mitgliedstaat ge-

mäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des Antrags auf interna-

tionalen Schutz zuständig. Der Eintrag in der "Eurodac"-Datenbank bestä-

tigt, dass der Beschwerdeführer am 20. April 2019 aus einem Drittstaat 

kommend die Grenze Bulgariens überschritten hat (vgl. SEM-act. 6 f.). Da 

er seine Asylanträge allesamt noch im Zeitraum von zwölf Monaten nach 

diesem Grenzübertritt gestellt hat (vgl. Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO), be-

steht die grundsätzliche Zuständigkeit der bulgarischen Behörden zur 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens unabhängig des Vor-

liegens eines Asylantrages in Bulgarien. 

F-3473/2019 

Seite 5 

4.  

4.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.2. Sodann kann jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-

III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder 

Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch 

wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die 

Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Die Vorinstanz kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung 

"aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür ein anderer 

Staat zuständig wäre. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden 

Person in einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK 

oder einer anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, 

muss die Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylge-

such in der Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2). 

5.  

5.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, in Bulgarien 25 - 30 Tage inhaftiert 

und davon sieben bis acht Tage in Einzelhaft versetzt worden zu sein. Zu-

dem sei er in Bulgarien geschlagen, beleidigt, bedroht und gezwungen wor-

den, Asyl zu beantragen. Im Asylverfahren sei er von den bulgarischen Be-

hörden nur einmal kurz gefragt worden, was er in Bulgarien suche. Zu sei-

nen Asylgründen sei er nicht angehört worden. Beim Interview sei kein Dol-

metscher anwesend gewesen, der in seine Sprache habe übersetzen kön-

nen. Es habe eine Person aus Syrien übersetzt, die seinen kurdischen Di-

alekt nicht gesprochen habe, weshalb er nichts verstanden habe. Es sei 

erstellt, dass Bulgarien nicht in der Lage sei, in Asylverfahren für eine aus-

reichende sprachliche Verständigung gegenüber asylsuchenden Personen 

zu sorgen. Angesichts der Zustimmung zur Rückübernahme gestützt auf 

Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO habe Bulgarien zu erkennen gegeben, 

F-3473/2019 

Seite 6 

ihn ohne Prüfung seiner Fluchtgründe aus Bulgarien ausweisen zu wollen. 

Mit einer Ablehnungsquote von 88 % gehörten Asylsuchende aus dem Irak 

zu jenen Staatsangehörigen, die in Bulgarien kaum Schutzaussicht hätten. 

Im Übrigen sei seine Rückführung nach Bulgarien selbst dann unzulässig, 

wenn er Zugang zum bulgarischen Asylverfahren erhalten würde, was zu 

bezweifeln sei. Aufgrund einer Vielzahl unabhängiger Berichte sei noto-

risch, dass asylsuchende Personen in Bulgarien massiven Repressalien 

ausgesetzt seien und dass das bulgarische Asylverfahren gravierende 

Mängel aufweise. Die Vorinstanz habe sich deshalb in einer vertieften Ein-

zelfallprüfung zu vergewissern, dass ihm in Bulgarien keine grausame und 

erniedrigende Behandlung drohe. Unabhängige Berichte bestätigten, dass 

Bulgarien nicht in der Lage sei, asylsuchenden Personen ausreichend 

Schutz zu gewähren. Die bulgarischen Flüchtlingsunterkünfte seien nicht 

hinreichend vor unbefugtem Zutritt geschützt, wobei es regelmässig zu 

Straftaten durch Personen komme, die ohne Erlaubnis in Flüchtlingsunter-

künfte eindringen.  

Zudem würden asylsuchende Personen in Bulgarien systematisch inhaf-

tiert, wobei sich die Situation 2018 weiter verschärft habe. Dublin-Rückkeh-

rende würden nach ihrer Rücküberstellung in Administrativhaft versetzt. 

Die Bedingungen in den Asyl- und Haftzentren in Bulgarien seien proble-

matisch.  

5.2.  

5.2.1. In seinem Referenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 hat sich 

das Bundesverwaltungsgericht ausführlich und eingehend mit dem bulga-

rischen Asylsystem und der Situation asylsuchender Personen in Bulgarien 

auseinandergesetzt. Dabei hat es unter anderem festgehalten, dass das 

Asylverfahren (v.a. Übersetzung, Rechtsverbeiständung, diskriminierende 

Asylpraxis gegenüber Angehörigen bestimmter Staaten) sowie die Auf-

nahme- und Haftbedingungen in Bulgarien zwar gewisse Mängel aufwie-

sen. Es gelangte jedoch zum Schluss, dass diese Mängel nicht systemi-

scher Natur sind, weshalb von Überstellungen nach Bulgarien grundsätz-

lich nicht abzusehen sei. Insbesondere seien korrekte Asylverfahren in Bul-

garien nicht systembedingt unmöglich. Die tiefen Asyl-Gutheissungsquoten 

gegenüber Staatsangehörigen gewisser Länder rechtfertige es für sich al-

leine genommen nicht, keine Überstellungen nach Bulgarien mehr vorzu-

nehmen. Betroffene Personen könnten gegen einen negativen Asylent-

scheid ein wirksames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien die Bedingun-

gen in den Aufnahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten jedoch nicht 

als unmenschlich oder entwürdigend qualifiziert werden (E. 6.6.1 und 

F-3473/2019 

Seite 7 

E. 6.6.7; vgl. auch Urteile des BVGer F-1738/2020 vom 3. April 2020 E. 6.2, 

E. 7.4.1 und E. 8.3; E-569/2020 vom 4. März 2020).  

5.2.2. Bulgarien kommt somit seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus 

der EMRK, dem Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung  

oder Strafe (FoK, SR 0.105) und dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie dem Zusatz-

protokoll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) grundsätzlich nach. 

Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, Bulgarien anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben 

(Urteile des BVGer F-7195/2018 E. 6.1; F-1738/2020 E. 6; E-569/2020). 

Mit seinen pauschalen und durchwegs allgemein gehaltenen Einwänden 

ist es dem Beschwerdeführer vorliegend nicht gelungen, diese Vermutung 

der Einhaltung der völkerrechtlichen Pflichten durch Bulgarien umzustos-

sen. Ernsthafte Hinweise für systemische Schwachstellen betreffend Asyl-

verfahren und Aufnahmebedingungen in Bulgarien hat der Beschwerde-

führer nicht dargetan (vgl. BVGE 2012/27 E. 6.4; Urteile des BVGer  

F-1738/2020 E. 6; F-7195/2018 E. 6.1; F-658/2020 vom 14. Februar 2020 

E. 5.3). 

5.2.3. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. Aufgrund der unsubstantiierten und nicht näher 

belegten Ausführungen des Beschwerdeführers war die Vorinstanz nicht 

gehalten, nähere Abklärungen zum bulgarischen Asyl- und Aufnahmever-

fahren zu tätigen (vgl. Urteile des BVGer F-1738/2020 E. 3.1; F-658/2019 

E. 5.6).  

5.3. Der Beschwerdeführer fordert die Anwendung der Ermessensklauseln 

von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1. Es ist 

daher zu prüfen, ob im Falle des Beschwerdeführers aufgrund seiner per-

sönlichen Situation von seiner Überstellung nach Bulgarien abzusehen ist, 

weil sie für ihn das reelle und naheliegende Risiko einer unmenschlichen 

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-Grund-

rechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würde (BVGE 2012/27 

E. 6.4; 2010/45 E. 7.4; Urteile des BVGer F-7195/2018 E. 6.6.9;  

E-3356/2018 vom 27. Juni 2018 E. 4.2; Urteil des EGMR Tarakhel gegen 

F-3473/2019 

Seite 8 

Schweiz vom 4. November 2014, Grosse Kammer 29217/12, § 104; Urteil 

des EuGH vom 19. März 2019 C-163/17 Jawo Rn. 76 ff.). 

5.3.1. Die bulgarischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des Be-

schwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO zu, was 

darauf schliessen lässt, dass sein Antrag auf internationalen Schutz bereits 

abgewiesen wurde (Urteile F-1738/2020 E. 7.4; E-569/2020). Näheres 

dazu ist vorliegend aber nicht bekannt. Wurde das Verfahren des Be-

schwerdeführers in Bulgarien eingestellt, ohne dass seine Asylgründe ma-

teriell geprüft wurden, wird es grundsätzlich wieder aufgenommen. Gegen 

einen negativen Asylentscheid kann der Beschwerdeführer den Rechtsweg 

beschreiten. Für den Fall, dass sein Gesuch bereits Gegenstand einer ma-

teriellen Überprüfung durch die bulgarischen Behörden gebildet hat, steht 

es ihm frei, nach seiner Überstellung ein Mehrfach- oder ein Wiedererwä-

gungsgesuch zu stellen. So oder anders hat der Beschwerdeführer jedoch 

nicht hinreichend dargetan, dass der Entscheid in Bulgarien in Verletzung 

internationaler Verfahrensbestimmungen ergangen sein könnte (Urteile 

des BVGer F-1738/2020 E. 7.4.2; F-7195/2018 E. 6.6.1, E. 6.6.4 und 

E. 6.6.7). 

5.3.2. Aus der tiefen Gutheissungsquote von 12 % im Jahr 2018 für Asyl-

gesuchstellende aus dem Irak lässt sich nicht ableiten, das Asylverfahren 

sei nicht korrekt durchgeführt worden oder die bulgarischen Behörden wür-

den im Fall des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoulement 

missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, 

sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 

gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-

ches Land gezwungen zu werden (Urteile des BVGer F-7195/2018 E. 6.6.7 

und E. 7.2.2; E-569/2020). Der vertretene Beschwerdeführer legt keine Be-

weise dafür ins Recht und vermag überdies auch nicht substantiiert darzu-

legen, dass und inwiefern die Behandlung seines Asylgesuchs mangelhaft 

gewesen sein könnte. Ausserdem zeigt er nicht näher auf, weshalb er nach 

einer Rücküberstellung in seinem Heimatstaat einer Gefährdung ausge-

setzt sein sollte. Ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die 

Wegweisung in das Heimatland stellen für sich genommen noch keine Ver-

letzung des Non-Refoulement-Prinzips dar (BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3; 

Urteil E-569/2020). Vorliegend führt die Überstellung des Beschwerdefüh-

rers nach Bulgarien auch nicht zu einer Kettenabschiebung. Die Überstel-

lung verletzt Art. 33 FK, Art. 4 EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder 

Art. 3 FoK demnach nicht. 

F-3473/2019 

Seite 9 

5.3.3. Wurde einer antragsstellenden Person der negative Entscheid noch 

nicht eröffnet, wird sie nach einer Rücküberstellung gestützt auf die Dublin-

III-VO in der Regel einem Empfangszentrum zugewiesen (Urteil  

F-7195/2018 E. 6.6.4). Anlässlich des persönlichen Gesprächs vom 

26. Juni 2019 hat der Beschwerdeführer angegeben, von den bulgarischen 

Behörden noch keinen Entscheid erhalten zu haben (SEM-act. 17). Es ist 

vorliegend daher weder zu erwarten, dass der Beschwerdeführer nach sei-

ner Rückkehr in Bulgarien in Administrativhaft versetzt wird, noch dass die 

ihn bei einer Rückführung zu erwartenden Bedingungen in Bulgarien derart 

schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (Urteil  

F-7195/2018 E. 6.6.4 und E. 6.6.7).  

5.3.4. Der Beschwerdeführer kann sich nicht auf den pauschalen Vorwurf 

beschränken, die Vorinstanz hätte ihm Fragen zu seinem Asylantrag und 

seinem Asylverfahren sowie zu der von ihm geltend gemachten Haft und 

Gewaltanwendung in Bulgarien stellen müssen. Fehlen systematische 

Mängel im Asylverfahren Bulgariens und unterlässt der Beschwerdeführer 

nähere Ausführungen dazu, trifft die Vorinstanz keine weitergehende Un-

tersuchungspflicht (Urteile des BVGer F-1738/2020 E. 3.1 und E. 7.4.2;  

F-658/2019 E. 5.6). Da der Beschwerdeführer ohne erhebliche gesundheit-

liche Beeinträchtigungen nicht als vulnerable Person gelten kann, war die 

Vorinstanz auch nicht gehalten, eine vertiefte Einzelfallprüfung vorzuneh-

men (Urteile des BVGer F-1738/2020 E. 7.3.2; F-7195/2018 E. 7.4.1 und 

E. 7.4.2). Die Rüge einer Verletzung der Pflichten zur Sachverhaltsabklä-

rung und zur Begründung der angefochtenen Verfügung durch die Vor-

instanz gehen daher fehl. Ferner ist der vertretene Beschwerdeführer da-

rauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz ohne jegliche Hinweise auf relevante 

gesundheitliche Beeinträchtigungen – gemäss ärztlichen Kurzberichten 

vom 21. Juni 2019 und vom 3. Juli 2019 wird dem Beschwerdeführer eine 

akute Belastungsreaktion bei Negativentscheid, Schlafstörungen, chroni-

scher Husten (differentialdiagnostisch Raucherhusten) sowie ein sehr ag-

gressives und angespanntes Verhalten attestiert (BVGer-act. 1); gemäss 

medizinischer Pflegedokumentation per 5. September 2019 besteht zudem 

ein Verdacht auf Asthma (SEM-act. 26) – nicht gehalten war, weiterge-

hende medizinische Abklärungen zu treffen (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 

I 229 E. 5.3).  

5.3.5. Die Überstellung des Beschwerdeführers nach Bulgarien erweist 

sich nach dem Gesagten nicht als völkerrechtlich unzulässig. Im Übrigen 

kommt der Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Er-

messen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Den Sachverhalt hat die Vorinstanz 

F-3473/2019 

Seite 10 

wie erwähnt hinreichend abgeklärt (vgl. oben E. 5.2.3 und E. 5.3.4). Zu 

einer Rückweisung der Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung 

besteht deshalb kein Anlass. Den Akten sind keine Hinweise auf eine ge-

setzeswidrige Ermessensausübung (Art. 106 Abs. 1 Bst. a und Bst. b 

AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen. Es besteht daher kein Grund 

für eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO und 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1.  

5.4. Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-

sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen dem aktuellen Kennt-

nisstand zufolge lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-

gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil 

des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2 m.w.H.).  

5.5. Somit bleibt Bulgarien der für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss 

Dublin-III-VO. Bulgarien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 

24, 25 und 29 wiederaufzunehmen.  

6.  

Zusammenfassend ist die Vorinstanz zu Recht in Anwendung von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat – weil der 

Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung war – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstel-

lung nach Bulgarien angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die Beschwerde 

ist abzuweisen.  

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Allerdings ersucht 

er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Art. 65 Abs. 1 

VwVG). Das Gesuch ist gutzuheissen, da aufgrund der Aktenlage von der 

Bedürftigkeit auszugehen ist und die gestellten Begehren überdies nicht 

als aussichtslos anzusehen waren (BGE 142 III 138 E. 5.1; 138 III 217 

E. 2.2.4). Folglich sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-3473/2019 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Andreas Trommer Mathias Lanz 

 

 

Versand: