# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75980f26-45b5-5472-8281-631c74b40ed0
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-01-23
**Language:** de
**Title:** Bei Versicherten, die nach Eintritt eines Gesundheitsschadens lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten können, ist vom Durchschnittsverdienst gemäss der LSE im Anforderungsniveau 4 und nicht von Lohnansätzen aus einem bestimmten Niedriglohnsektor auszugehen.  (BGE 9C_190/2014)
**Docket/Reference:** IV.2012.01229
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.01229.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.01229
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Locher
Urteil
vom
23. Januar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Bernhard
Isenring
Isenring
Kessler Rechtsanwälte
General Wille-Strasse 201, Postfach 572, 8706 Meilen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1953
geborene
X.___
meldete
sich am 1
5.
Dezember 2011
unter Hinweis auf eine Asthmaproblematik sowie Knieschmerzen nach Unfall
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/5). Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle
die Akten des
Unfallversiche
rer
s
(
Urk.
8/13) sowie einen
Auszug aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
8/4 und
Urk.
8/15) und holte einen Arbe
itgeberbericht (
Urk.
8/19) wie auch
Berichte der
behandelnden Ärzte ein (Urk. 8/10-11, 8/14, 8/17, 8/22 und 8/25-26).
Mit Vorbe
scheid vom 1
3.
September 2012 stellte sie die Abweisung des
Leistungs
be
geh
rens
in Aussicht (
Urk.
8/30). Daran hielt sie mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012
fest (
Urk.
8/31 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom 2
3.
November 2012 Be
schwer
de und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab 1
9.
Dezember 2011 eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen; eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neuentscheidung an die Verwaltung
zurückzuweisen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Januar 2013 schloss die
IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Am 21. Januar 2013 wurde dem Beschwerdeführer das Doppel der
Beschwerdeant
wort
zugestellt (
Urk.
9).
Er na
hm dazu am 28.
Januar 2013
Stellung (
Urk.
10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desge
set
zes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2
ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG
) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf
eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf ein
e
halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
ne
n (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenablehnung
damit, aus medizini
scher Sicht sei dem Beschwerdeführer die Ausübung einer leichten bis mittel
schweren, sitzenden Arbeit uneingeschränkt zumutbar. Mit einer solchen Tätig
keit könnte er unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
ein Invalideneinkommen von
Fr.
56‘154.50
erzielen. Bei einem
Valideneinkom
men
von
Fr.
89‘700.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von 37
%
, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, der im
Ar
beitgeberfragebogen
angegebene „Autoanteil“ in Höhe von
Fr.
1‘800.-- stelle ei
nen Lohnbestandteil dar, weshalb das
Valideneinkommen
Fr.
91‘500.-- be
trage.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens
sei nicht der
Durchschnitts
ver
dienst
für männliche Arbeitskräfte an Arbeitsplätzen des niedrigsten
Anfor
derungs
nive
aus
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstruktur
er
hebung
(LSE) heranzuziehen. Angesichts seiner gesundheitlichen Probleme sei ihm
die Ausübung zahlreicher sitzender Tätigkeit
en
nicht möglich, weshalb auf ein Invalideneinkommen von höchstens
Fr.
3‘672.
--
(Tabelle TA1 der LSE 2008
Ziff.
95 – Reparatur von Gebrauchsgütern)
abzustellen sei
.
Unter Beachtung eines leidensbedingten Abzugs von 25
%
betrage der
Invaliditäts
grad
61.68
%
, was Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
gebe (
Urk.
1).
3.
3.1
Am 1
6.
Januar 2010 rutschte der Beschwerdeführer beim Hinaufsteigen auf ei
ner
vereisten Treppe aus und prallte mit seinem rechten Knie auf
die
Treppen
kante
(
Urk.
8/13
/2
und
Urk.
8/13
/1
3). In der Folge wurde
durch Dr. med.
Y.___
, Fach
arzt
FMH für
O
rthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungs
appa
rates,
rechtsseitig eine Kniegelenksarthroskopie mit
Teilmeniskekto
mie
medial
durchgeführt (
Urk.
8/13
/
28
-29
).
Am
7.
Februar 2011 fand durch die Ärzte der
Z
.___
eine hohe mediale open
wedge
Valgisati
ons
osteo
to
mie
des
Tibiakopfes
rechts statt (
Urk.
8/13
/56-57
)
. Eine erneute Ope
ration des
rechten Knies war am
4.
Januar 2012 nötig (Kniearthroskopie sowie mediale und
laterale
Teilmeniskektomie
,
Urk.
8/22).
Zwischenzeitlich klagte der Beschwerde
führer auch über Bewegungs-, Anlauf- und Aufstehschmerzen am linken Knie,
so
dass am
2.
Mai 2012
durch die Ärzte
der
Z.___
eine linksseitige
Knie
gelenksarthroskopie
und eine Resektion des
Hinterhorns
medial
durchge
führ
t wurde (
Urk.
8/26/5-6).
Die Ärzte
der
Z.___
attestierten
am 2
7.
März 2012 eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit (
Urk.
8/25).
3.2
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Pneumolo
gie,
stellte am 2
0.
Oktober 2011 (
Urk.
8/10/7-10) folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
Isozyanatinduziertes
Asthma bronchiale (nachgewiesen mit Expositions
versuchen)
-
leichte unspezifische bronchiale Hyperreagibilität August 2002
-
aktuell: subjektiv und lungenfunktionell partiell kontrolliertes Asthma,
erschweren
d
nun
Dekonditionierung
nach Knieverletzung mit Zu
stand
nach Operationen 2009 und im Februar 2011
-
Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
-
CPAP-Mas
k
en- und
Ki
e
ferorthesenunverträglichkeit
-
Besserung des Schnarchens und der Tagesmüdigkeit nach operativer Ver
besserung der Nasenatmung am 1
3.
April 2002
-
Adipositas (BMI 30kg/m
2
)
-
Pruritus unklarer
Aetiologie
, D
ifferentialdiagnose: im Rahmen einer
Neu
r
o
dermitis
Die Belastungsdyspnoe sei nicht nur durch das Asthma, sondern auch durch die
Dekonditionierung
nach einer Knieverletzung und durch
eine
Gewichtszunahme erklärt (S. 2).
Zwei Monate später führte der betreffende Arzt zur Arbeitsfähigkeit aus, eine
körperlich leichte und wahrscheinlich auch mittelschwere Arbeit
in einem für Asth
matiker geeigneten Arbeitsmilieu, d.h.
ohne Belastung
der Atemwege
mit Rauch, Staub, Hitze oder
Kälte,
sei dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar. Auf
grund des  Schlafapnoe-Syndroms
bestehe eine Einschränkung für Tätig
kei
ten als Chauffeur
oder
bei der Bedienung von gefährlichen Maschinen (Be
richt vom 23. Dezember 2011 [
Urk.
8/10
/
6
]
).
3.3
In seiner aufgrund der Akten verfassten Stellungnahmen vom 1
2.
März, 10. April
und 11. September 2012 gelangte
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Anästhesio
logie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle
(RAD)
zum Schluss, in einer leidensangepassten, sitzenden Tätigkeit
in einem für Asthmati
ker geeig
ne
ten
Arbeitsmilieu
bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
. Einschrän
kung
en bestünden für Arbeiten als Chauffeur und bei der Bedienung von ge
fähr
lichen Maschinen
(Urk.
8/28 S. 4
f
f
.).
4.
4.1
Die Parteien sind sich in Übereinstimmung mit der Aktenlage einig, dass
der
Be
schwerdeführer in
seiner bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiter eines Imbiss-Res
taurants zu 100
%
arbeitsunfähig, in einer behinderungsangepassten Tätigkeit in
des ganztags arbeitsfähig
ist
(
Urk.
1 S. 4 ff. und
Urk.
2)
.
Diese Einschätzung wird auch vom RAD geteilt (
Urk. 8/28 S. 4 ff.).
Strittig sind hingegen die dem Einkommensvergleich zu Grunde gelegten Vali
den- und Invalideneinkommen.
4.2
4.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gege
n
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
täts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Angesichts der in
Art.
25
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV) vorgeschriebenen Parallelisierung der IV-rechtlich
massgebenden
hypo
the
tischen Vergleichseinkommen mit den AHV-rechtlich beitragspflichtigen Ein
kommen kann das
Valideneinkommen
Selbstständig- wie auch
Unselbstän
dig
er
werbender
grundsätzlich auf der Basis der Einträge im individuellen Konto be
stimmt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2009 vom 2
3.
Dezember 2009
E. 5.2.1).
4.2.2
Vor dem Hintergrund der in den Jahren vor dem Eintritt
des versicherten Ereig
nisses
gemäss den Einträgen im individuellen Konto jährlich abgerechneten
Ein
kommen
(
Urk.
8/4 und
Urk.
8/15) und der Erwerbsbiographie des Beschwer
de
führers erscheint die Annahme eines
Valideneinkommens
von Fr. 91‘500.
--
res
pek
tive
Fr.
89‘700.--
als
hoch. Ob
ein
Valideneinkommen
in dieser Höhe im vor
l
iegenden Fall gerechtfertigt ist, kann offen bleiben, falls sich
ohnehin
ein
ren
ten
ausschliessender
Invaliditätsgrad ergibt.
Hierzu ergibt sich Folgendes:
4.2.3
Hinsichtlich der Bemessung des Invalideneinkommens rügt d
er Beschwerdefüh
rer
,
das (praxisgemässe) Abstellen
auf den Durchschnittsverdienst
gemäss LSE
trage den Umständen keine Rechnung, dass er gesundheitlich stark einge
schränk
t sei und über keine Ausbildung verfüge.
Damit dringt er nicht durch und vermag insbesondere keine Gründe für eine Praxisänderung darzutun.
Bei versicherten Personen,
die nach Eintritt eines
Ge
sundheitsschadens
lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle
Arbeiten verrichten können, ist
p
raxisgemäss
vom Totalwert im niedrigsten (und
am schlechtesten bezahlten)
Anforde
rungsniveau
4 auszugehen. Davon abzu
wei
chen besteht beispielweise Anlass, wenn - was hier nicht zutrifft - der Ver
wert
barkeit der verbliebenen Arbeitsfä
higkeit enge Grenzen gesetzt sind, etwa wenn alle produktionsnahen Tätigkei
ten
ausser
Betracht fallen (RKUV 2001 Nr. U 439
S.
347,
Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 240/99
vom
7.
August 2001
E. 3c/cc). Auch in solchen Fällen kann die versicherte Per
son aber nicht auf der Anwen
dung von Lohnansätzen aus einem bestimmten Niedriglohnsektor (z.B.
Gastge
werbe
) bestehen, wenn ihr weiterhin normal
ent
löhnte
Hilfsarbeiten zumutbar sind
. Die Schadenminderungspflicht wirkt sich auch
in diesem Punkt aus
(
vgl. zum Ganzen: Meyer, Bundesgesetz über die In
vali
denversicherung [IVG], 2010, S.
313 f.).
Die geltend gemachten gesund
heit
lichen Einschränkungen und die fehlende Ausbildung sind kein Grund, von der Regel abzuweichen, zumal für Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4
definitions
gemäss
eine besondere Bildung ebenso wenig vorausgesetzt wird wie gute Kennt
nisse der deutschen Sprache (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E. 4.2 sowie E. 4.2.4 nachfolgend
).
Nicht zu bemängeln ist damit, dass die Beschwerdegegnerin für die Bestimmung des Invalideneinkommens vom nicht nach Branchen differenzierten standardi
sierten monatlichen Bruttolohn (inklusive 1
3.
Monatslohn, basierend auf einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) für männliche Arbeitskräfte an Ar
beitsplätzen des niedrigsten Anforderungsniveaus (Kategorie 4) von
Fr.
4‘901.--
ausging (Tabelle TA1 der LSE 2010, S. 26). Aufgerechnet auf die durchschnittli
che
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche im Jahr 2012 (Die
Volkswirtschaft 12-2013, S. 90, Tabelle 9.2) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne der männlichen Arbeitskräfte von 2‘150 Punkten im Jahr 2010
auf 2‘188 Punkte im Jahr 2012 (Die Volkswirtschaft 12-2013, S. 91, Ta
belle
10.3)
ergibt dies im für den Einkommensvergleich massgebenden Jahr 2012 ein Brutto
einkommen von
Fr.
62‘395.--.
4.2.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen
.
Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass ver
sicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit ver
r
ichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu
einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merk
male der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Na
tio
nalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen
auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre ge
su
ndheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimm
ung
der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale
auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge
samt
haft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass all
fällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwort
liche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Für einen
über 10
%
hinausgehenden leidensbedingten Abzug besteht – entge
gen
der Auffassung des Beschwerdeführers – kein Raum.
Vorwegzuschicken ist, dass eine Abweichung von dem von der Verwaltung vorgenommenen Abzug nur bei Ermessensüberschreitungen möglich ist (BGE 137 V 71 E. 5.1). Dies ist vor
lie
gend nicht der Fall:
So fällt das Alter des Beschwerdeführers nicht ins Gewicht,
da
Hilfsarbeiten auf dem hier massgeben
den hypothetischen (ausgeglichenen) Ar
beitsmarkt (
Art.
16 ATSG) grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt
werden und sich das Alter
in diesen Tätigkeiten auch nicht lohnsenkend auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts I 745/05 vom 1
4.
Februar 2006 E. 2.4.
5
). Dass das Alter die
Stellensuche faktisch negativ be
einflussen kann, muss als invaliditätsfremder Fak
tor unberücksichtigt bleiben. Im Hinblick auf die dem Beschwerdeführer zu
mutbare Erwerbstätigkeit im
An
forderungsniveau
4 lässt sich ein Abzug vom
Ta
bellenlohn
infolge sprachlicher Schwierigkeiten beziehungsweiser fehlender Au
s
bildung
ebenfalls nicht recht
fertigen (vgl. E. 4.2.3; BGE 107 V 17 E. 2c so
wie Urteile des Bundesgerichts I 745/05 vom 1
4.
Februar 2006 E. 2.4.
5
und 8C_328/2011 vom
7.
Dezember 2011 E. 10.2).
Die nach den Knieverletzungen ein
getretene
Dekonditionierung
lässt sich mittels Trainings und vermehrter Be
wegung – im Rahmen des ge
sundheitlich Möglichen – verbessern, zumal sich die
Beschwerden am rechten Knie nach der Operation vom
4.
Januar 2012 gebessert haben (
Urk.
8/26/5-6 S. 1) und nach dem Eingriff vom
2.
Mai 2012 linksseitig ein problemloser posto
perativer Verlauf bestand (
Urk.
8/26/3-4 S. 1 f.). Damit hat es mit ei
nem Wert von 10
%
sein Bewenden, was zu einem
Invali
den
ein
kommen
von
Fr.
56‘156.-- führt.
4.2.5
Bei
einem
Invalideneinkommen von
Fr.
56‘156.
--
resultiert im Vergleich zum
Valideneinkommen
von
Fr.
91‘500
.-- eine
Erwerbseinbusse  Fr.
35‘344.--, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
38.6 % beziehungsweise
ge
rundet 39
%
ent
spricht (zur Rundung: BGE 130 V 121 E. 3.2).
5.
Zusammenfassend besteht selbst bei Annahme eines
in dieser Höhe diskutablen
Valideneinkommens
von
Fr.
91‘500.-- kein Anspruch auf eine Invalidenrente, was
zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Die Ko
sten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzulegen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung
und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Bernhard
Isenring
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage des Doppels von
Urk.
10
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLocher