# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42da00ed-442c-5495-9a7b-8709eabc4974
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-18
**Language:** de
**Title:** Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich das Suchtleiden auf die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. Kein invalidisierendes Leiden ausgewiesen. Abstellen auf RAD-Aktenbeurteilung.
**Docket/Reference:** IV.2020.00280
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00280.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00280
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Kübler
Urteil
vom
1
8.
März 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Y.___
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene
X.___
meldete sich am 4. September 2019 unter Hinweis auf «Suchterkrankung Methadon und Heroin» bei der
Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 11/13).
Nachdem die IV-Stelle
beim
Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
Z.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, einen
Bericht
eingeholt (Urk. 11/19) und
das Dossier
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorgelegt hatte (RAD-Stellungnahme Dr. med.
A.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. November 2019 [Urk. 11/20/2-3]), stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 26. November 2019 die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 11/21).
Dagegen erhob die Versicherte am
3. Februar
2020 Einwand
(Urk. 11/32), begründete diesen mit Eingabe vom 5. März 2020
(Urk. 11/42) und reichte in diesem Zusammenhang
weitere
medizinische
Unterlagen
zu den Akten (Urk. 11/35-41).
Nach erneuter Vorlage an den RAD (RAD-Stellungnahme vom 15. April 2020 [Urk. 11/44/3]) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Ver
sicherten mit Verfügung vom 16. April 2020 ab (
Urk. 2 =
Urk. 11/45).
2.
Gegen die
Verfügung vom 16. April 2020
erhob die Versicherte am 5. Mai 2020 Beschwerde und beantragte,
diese
sei aufzuheben und es seien weitere medizini
sche Abklärungen in die Wege zu leiten. In prozessualer Hinsicht beantragte
sie
die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 20. Mai 2020 (Eingangsdatum; Urk. 7) reichte die
Beschwerdeführerin
– auf
forderungsgemäss (Urk. 5) – eine eigenhändig unterzeichnete Beschwerdeschrift nach.
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10).
Mit Verfügung vom 2. Juli 2020 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 12), woraufhin die
Beschwerdeführe
rin
mit Replik vom 16. Juli 2020 an ihren bisherigen Anträgen festhielt (Urk. 14). Mit Verfügung vom 3. August 2020 wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Proze
ssführung bewilligt (Urk. 16).
Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete m
it Eingabe vom 9. September 2020 auf die Erstattung einer Duplik (Urk. 18, der
Beschwerdeführerin
zugestellt am
28. Sep
tember 2020 [Urk. 19]).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Mit BGE 145 V 215
liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsumstö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist
–
gleich wie bei allen an
deren psychischen Erkrankungen
–
nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostizier
tes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit de
r versicherten Person auswirkt.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn f
ür eine
–
länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit.
b IVG)
–
Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenla
ge keine Hin
weise bestehen oder e
ine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E.
7).
1.3
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2 IVG).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste
(RAD)
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung
des angefochtenen Entscheides aus
, gemäss den eingeholten medizinischen Unterlagen und
der
Stellungnahme des RAD liege keine gesundheitliche Einschränkung vor, welche die
Beschwerde
führerin
in der Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit oder in der Haushaltsführung beeinträchtigen würde.
Eine Veranlassung für eine psychiatrische Behandlung habe bisher nicht bestanden.
Somit sei
der
Beschwerdeführerin
ihre Tätigkeit als Hausfrau sowie eine allfällige Erwerbst
ätigkeit vollumfänglich
möglich
und stehe ihr kein
Anspruch auf Leistunge
n der Invalidenversicherung zu (Urk. 2).
2.2
Dagegen
brachte
die
Beschwerdeführerin
im Wesentlichen vor,
die
Beschwerde
gegnerin
sei ihrer Untersuchungspflicht
un
genügend nachgekommen
. Gemäss den medizinischen Berichten sei durchaus von einer invaliditätsrelevanten Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. So würden die Einschätzung
en
des Hausarztes, Dr.
Z.___
, sowie diejenige des früheren Hausarztes, Dr. med.
B.___
,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vorliegen, wel
che ihr klar eine gesundheitliche Einschränkung attestierten. Es sei die Pflicht der
Beschwerdegegnerin
, das Ausmass
dieser
Einschränkung und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festzulegen und abzuklären.
D
ie RAD-Ärztin
habe
nicht begründet, weshalb eine
andere
medizinisch
e
Einschätzung
als von hausärztlicher Seite
vorgenommen werde.
Ihre
Einschätzung vermöge auch aufgrund einer feh
lenden persönlichen Un
tersuchung nicht zu überzeugen
(Urk. 7
S. 4 f.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort hielt die
Beschwerdegegnerin
fest, nach Rücksprache mit der RAD-Ärztin bestünden keine Zweifel daran, dass die
Beschwerdeführerin
in der heutigen Situation auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten könne, wobei es sich um eine angepasste einfache Tätigkeit in einer ruhigen Umgebung handeln sollte. So sei der
Beschwerdeführerin
–
auch gemäss dem Bericht von Dr.
Z.___
vom 1. Oktober 2019 –
die Tätigkeit als Hausfrau neben der Durchfüh
rung der Methadontherapie zumutbar.
Ein invalidisierender Gesundheitsschaden sei a
uch unter Berücksichtigung der im Rahmen des strukturierten Beweisverfah
rens
massgeblichen Indikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen (Urk. 10).
2.4
Replicando
führte die
Beschwerdeführerin
aus, es liege ein
B
ericht des behan
delnden Arzte
s vor, welcher besage, dass sie
in der Vergangenheit keine Erwerbs
tätigkeit habe ausüben können
, weshalb nur eine bedingte Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt gegeben sei. Unter der aktuellen medizinischen Berichterstat
tung sei es nicht möglich, über einen Leistungsanspruch zu entscheiden oder eine Indikatorenprüfung vorzunehmen. Jedoch würden diverse medizinische Unterla
gen vorliegen, welche belegten, dass sie seit längerer Zeit gesundheitlich beein
trächtigt sei und diverse medizinische Behandlungen in Anspruch genommen habe (Urk. 14).
2.5
Streitig ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin
auf Leistungen der Invaliden
versicherung und in diesem Zusammenhang die Frage, ob die
Beschwerdegegne
rin
den
entscheidrelevanten
Sachverhalt in Nachachtung des Untersuchungs
grundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG)
hinreichend abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr.
Z.___
stellte in seinem Bericht vom 1
. Oktober 2019
(Datum der letzten Kontrolle)
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 11/19/2):
-
Langjährige Opiatabhängigkeit, aktuell unter Methadon
Daneben stellte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 11/19/2):
-
Herzrhythmusstörungen
-
Rezidivierende Pneumonien
Die Beschwerdeführerin sei gegenwärtig alle drei Monate
bei ihm
in Behandlung
. Sie habe 1993 mit einem intravenösen Heroinkonsum begonnen, habe verschie
dene Entzugsprogramme durchlaufen und sei auch im Heroinprogramm gewesen. Seit circa 20 Jahren
nehme
sie
a
m Methadonprogramm
teil
. Die aktuelle
Metha
don-
Medikation belaufe sich auf 320 mg (4 x 80 mg) pro Tag
. Es bestehe nur eine bedingte Arbeitsfähigkeit. Nach 20 Jahren ohne Arbeit sei die Beschwerdeführe
rin beim Sozialamt und habe dort an verschiedenen Programmen teilgenommen. Das Methadonprogramm sei fortzuführen.
Aktuell sei
sie
als Hausfrau und Mutter tätig.
Es
läg
en keine Informationen zur
beruflichen Situation vor
, das Sozialamt habe mit der Beschwerdeführerin
aber
verschiedene Integrationsprogramme ver
sucht. Als Funktionseinschränkungen würden
eine
verminderte Konzentrations
fähigkeit,
eine
leichte Ermüdbarkeit sowie leichte depressive Zustände bestehen. Die Beschwerdeführerin verfüge über keine Berufsausbildung
und über keinen Führerschein
. Als Freizeitaktivität gehe sie (selten) mit Freunden im Sommer baden oder ins Kino.
Es könne nicht beantwortet werden, wie viele Stunden pro Tag die bisherige Tätigkeit zumutbar sei. Regelmässige Arbeiten würden nach bisherigen Erfahrungen nicht funktionieren.
Eine
Prognose zur Eingliederung sei bei momentan bestehendem Zustand
schwierig
. Das Methadonprogramm und die unstrukturierte Persönlichkeit würden einer Eingliederung im Wege stehen. In welchem Ausmass die Beschwerdeführerin bei Aufgaben im Haushalt einge
schränkt sei, könne nicht beantwortet werden. Eventuell sollte eine psychiatrische Begutachtung stattfinden (Urk.
11/19).
3.2
RAD-Ärztin
A.___
hielt in ihrer Stellungnahme vom 18. November 2019 fest, bei der 46-jährigen
Beschwerdeführerin
bestehe eine langjährige Opiatab
hängigkeit und
eine
Substitution mit Methadon. Sie habe an verschiedenen Ent
zugsprogrammen teilgenommen und sei im Heroinprogramm gewesen, seit 20 Jahren sei sie im Methadonprogramm. Die
Beschwerdeführerin
sei bis zur Geburt ihres ersten Kindes (31. Januar 1992) erwerbstätig gewesen. Sie habe vier
Kinder, welche 27, 19, 13 und 12 Jahre alt seien. Laut ihrer IV-Anmeldung sei sie zunächst wegen des Drogenkonsums, dann aufgrund der Haushaltsführung und der Kinderbetreuung nicht erwerbstätig gewesen. Es bestünden keine Zweifel an ihrer funktionellen Leistungsfähigkeit als Hausfrau und Mutter. Laut Angaben des Hausarztes habe die
Beschwerdeführerin
eine unstrukturierte Persönlichkeit. Eine Veranlassung für eine psychiatrische Begutachtung habe bisher nicht bestanden. Die hausärztliche Betreuung erfolge einmal im Quartal. Es bestünden psychoso
ziale Belastungsfaktoren (Hilfe
vom Sozialamt, keine Berufsausbildung, familiäre Belastungen). Die medizinischen Angaben seien konsistent, es bestehe keine Notwendigkeit für ein psychiatrisches Gutachten. Ein Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau und Mutter ein
schränke, sei nicht ausgewiesen (Urk. 11/20/3).
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich in medizinischer Hinsicht auf die RAD-Stellungnahme
von Dr.
A.___
, welche als Fachärztin für Psychiatrie über die notwendige fachliche Qualifikation verfügt und am
18. November 2019 Stellung bezog.
Dr.
A.___
nahm aufgrund der vorliegenden Akten eine Beurteilung vor,
ob
bei der
Beschwerdeführerin
aufgrund
de
r
langjährige
n
Opiat
-
abhängigkeit mit Methadon-Substitution
ein
ihre
Leistungsfähigke
it längerfristig einschrän
kender
Gesundheitsschaden
vorliegt
(Urk. 11/20/3)
.
Bei feststehendem medizini
schen Sachverhalt rückte die
direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Per
son
vorliegend
in den Hintergrund
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2
mit Hinweisen)
,
weshalb
der Verzicht auf eine persönliche Untersuchung
den Beweiswert der
Beurteilung von Dr.
A.___
–
entgegen dem Dafürhalten der
Beschwerdeführerin
(E. 2.2) –
nicht zu schmälern vermag.
Dr.
A.___
bestätigte sodann a
m 15. April 2020, dass ihre
r
Beurtei
lung auch nach
Vorlage der im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereichten
medizinischen
Unterlagen (Urk. 11/35-41)
nach wie vor
Geltung
zukomme
(Urk. 11/44/3).
4.2
4.2.1
Näher zu prüfen bleibt, ob
die Stellungnahme des RAD auch hinsichtlich
der Beurteilung
der medizinischen Situation und
insbesondere
der Arbeitsfähigkeit überzeugt. Dr.
A.___
verneinte
das Vorliegen eines
Gesundheitsschaden
s
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (E. 3.2).
Die
Beschwerdeführerin
erachtet die RAD-Stellungnahme vom 18. November 2019 nicht als beweiskräftig.
Gestützt auf den
Bericht von Dr.
Z.___
vom 1
. Oktober 2019 bestehe im ersten
Arbeitsmarkt nur eine bedingte Arbeitsfähigkeit. Ferner sei a
nhand der eingereichten Dokumente belegt, dass sie seit längerer Zeit gesundheitlich beein
trächtigt sei und diverse medizinische Behandlungen in Anspruch genommen habe
(E.
2.2, E.
2.4).
4.
2.2
Was Dr.
Z.___
zur Begründung s
eine
r
Einschätzung
einer
bloss
bedingten Arbeitsfähigkeit
anführt,
erweist sich nicht als schlüssig:
Soweit
er
festhält, dass regelmässige Tätigkeiten n
icht funktionieren würden (
E. 3.1), ist unklar, auf wel
che «bisherigen Erfahrungen» er sich dabei stützt. Seine diesbezügliche Einschät
zung ist
auch
deswegen
nicht nachzuvollziehen, weil die
Beschwerdeführerin
mit der Übernahme von
Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben für
vier Kinder
mit den Jahrgängen
1992, 2000, 2005 und 2007
(
Urk. 11/7-11,
Urk.
11/13/3)
sowie der gleichzeitigen Besorgung des Haushaltes
(vgl. Urk. 11/13/6)
über Jahre hinweg regelmässigen Tätigkeiten
nachgekommen ist und weder den Akten noch den Vorbringen der Beschwerdeführerin Hinweise auf eine fehlende Funktionsfähig
keit in denselben zu entnehmen sind.
Vor
diesem
Hintergrund
sowie auch
unter Berücksichtigung, dass der Abbruch
der
Berufsausbildung
zeitlich mit der Geburt i
hres ersten Kindes zusammenfiel
(
E. 3.2,
Urk. 11/16,
Urk.
11/37/1)
, vermag auch die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin
seit
über
20 Jahren keiner Erwerbstä
tigkeit mehr nachgegangen ist
(vgl. Urk. 11/16)
,
keinen
hinreichenden
Anhalts
punkt für eine Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit
infolge des Suchtleidens
zu bilden.
Gegen
eine funktionell einschränkende
Pathologie spricht
vorliegend
auch, dass Dr.
Z.___
mit
einer
verminderte
n
Konzentrationsfähigkeit, eine
r
leichte
n
Ermüdbarkeit sowie leichte
n
depressive
n
Zustände
n
ausschliesslich
gering ausge
p
rägte Befunde erhoben und er keine Einschränkungen bei Aufgaben im Haushalt festgehalten hat (Urk. 11/19/3
-4
). Ferner
fällt auf
, dass die
Beschwer
deführerin
– soweit ersichtlich –
keine psychiatrische
Behandlung
in Anspruch nimmt
und auch ihren Hausarzt lediglich alle drei Monate aufsucht (Urk. 11/19/1)
, was auf einen nicht allzu grossen
Leidensdruck
schliessen lässt
.
Die
von der
Beschwerdeführerin
im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereich
t
en Berichte
(Urk. 11/35-41)
sind
vorliegend nur schon deswegen
von
unterge
ordnete
r
Bedeutung, weil sie
über
die medizinische
n Gegebenheiten
in einem weit zurückliegenden Zeitraum
orientieren
und ein Rentenanspruch der
Beschwerde
führerin
– bei erfülltem Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG – frühestens ab dem 1. März 2020 entstehen konnte (
Art.
29 Abs. 1 IVG [Anmeldung vom 4. September 2019, Urk. 11/13]). Aus medizinischer
Sicht
lässt sich den betref
fenden
Unterlagen
ein
e langjährige Opiatabhängigkeit und
Methadon-Substitu
tion
sowie die Teilnahme an Entzugsprogrammen
entnehmen
,
was
Dr.
A.___
in ihrer Stellungnahme vom 18. November 2019 bereits berücksichtigt
hatte
(
Urk. 11/20/3,
vgl.
Urk. 11/44/3).
Soweit
der bis ins Jahr 2014 behandelnde Haus
arzt
,
Dr.
B.___
,
die Beschwerdeführerin
in seinem Schreiben vom 3. März 2020 retrospektiv
als stabile Methadonpat
ientin
ohne gewichtige
Beikonsum
probleme
beschreibt
,
deren Drogensituation
mit einer individuellen, dem Meta
bolismus angepassten Methadondosierung habe stabilisiert werden können (Urk. 11/39)
,
bekräftigt dies die Annahme von Dr.
A.___
, wonach das Sucht
leiden
keine
erhebliche
n
Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
zeitigt
.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder
die Vorbringen
de
r Beschwerde
führerin
noch die
weiteren ärztlichen Berichte
eine
uneingeschränkte Leistungs
fähigkeit sowohl im Haushalt als auch in einer angepassten leichten Tätigkeit in ruhiger Umgebung (vgl.
Urk.
10 S. 1)
in Frage
st
ellen. Damit ergeben sich keine Zweifel an der
Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit der
Beurteilung der RAD-Ärztin
und es
kann
darauf
abgestellt werden
.
Auch durfte die Beschwerdegegnerin ohne Verletzung ihrer Untersuchungspflicht auf weitere Abklärungen, wie das Einho
len eines psychiatrischen Gutachtens, verzichten, nachdem die Aktenlage und dabei insbesondere die von
Dr.
Z.___
erhobenen nur gering ausgeprägten Befunde und die Tatsache der jahrelang offensichtlich uneingeschränkt ausgeüb
ten Haushaltstätigkeit mit Betreuung von insgesamt vier Kindern keinen hinrei
chenden Anlass hierfür boten. Entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin führt weder die Diagnose einer Suchterkrankung alleine noch der Umstand, dass sie Jahre zuvor Entzugsprogramme durchlaufen und Bemühungen zur Behand
lung des Suchtgeschehens unternommen hat (
Urk.
1 S. 3), automatisch zur Annahme, es liege eine abklärungsbedürftige psychische Erkrankung vor. Hieran ändert auch nichts, dass
Dr.
Z.___
in seinem der Beschwerdegegnerin ein
gereichten Bericht die Einholung eines psychiatrischen Gutachten
s – wenn auch nur eventuell –
empfahl (E. 3.1), nachdem er eine psychiatrische Behandlung offensichtlich während seiner über fünfjährigen Behandlung als nicht notwendig erachtet hatte.
Folglich ist nicht zu beanstanden, da
ss die
Beschwerdegegnerin
davon
ausging, ein Gesundheitsschaden mit anhaltender Beeinträchtigung der
Leistungsfähigkeit im Erwerbs- oder Haushaltsbereich
sei nicht mit dem massge
benden Beweisgrad der überwiegenden Wahrs
cheinlichkeit (BGE 126 V 353 E.
5b) ausgewiesen. Diese Beweislosigkeit wirkt sich zu Lasten der Beschwerdeführerin aus, welche die (materielle) Beweislast trägt (BGE 144
V 427
E.
3.2, 138 V 218 E. 6).
Nichts
daran
zu ändern vermag die Rechtsprechungsänderung des Bundes
gerichts zu den Suchtleiden
(vgl. E. 1.2.2
; vgl. Urk. 11/13/6
, Urk. 14 S. 2 Ziff. II.2
)
, zumal
ein
solches
invalidenversicherungsrechtlich
nach wie vor
nur dann von
Belang
sein kann
,
falls
es sich
auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
der versicherten Person
überwiegend wahrscheinlich
auswirkt
,
wofür nach dem Gesagten keine
hinreichenden
Anhaltspunkte bestehen
.
Von der
Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens
kann
demgemäss
abgesehen werden
(E. 1.2.3).
Nach dem
Dargelegten
ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden
unabhängig von der Qualifikation der Beschwerdeführerin
nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen, weshalb sich die
angefochtene
Verfügung vom
16. April 2020
(Urk. 2) als rechtens erweist. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 700.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und
mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
VogelKübler