# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 47223794-7a93-59b1-928d-a863ba960492
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2020 D-2482/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2482-2020_2020-06-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2482/2020  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihre Kinder 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Syrien,   

alle vertreten durch lic. iur. Othman Bouslimi,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 9. April 2020 / N (…). 

 

 

 

D-2482/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) verliess zusammen 

mit ihren Kindern ihr Heimatland im (…) 2016 und gelangte zunächst über 

den Irak in die Türkei. Nachdem ihrem Ehemann E._______ (N […]) mit 

Verfügung des SEM vom 5. Mai 2017 wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der Schweiz gewährt worden 

war, wurden den Beschwerdeführerinnen humanitäre Visa für die Einreise 

in die Schweiz ausgestellt. Daraufhin reisten sie am 25. Juni 2017 in die 

Schweiz ein und stellten am 29. Juni 2017 ein Asylgesuch. Am 7. Juli 2017 

wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie sum-

marisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). 

Am 3. Februar 2020 wurde sie eingehend zu den Asylgründen angehört. 

A.b Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei als syrische Staats-

angehörige kurdischer Ethnie in F._______ geboren und habe wegen der 

Arbeit ihres Vaters abwechselnd in F._______ und in G._______ gelebt. 

Die Schule habe sie bis zur (…) Klasse besucht. In F._______ habe sie 

einen (…)jährigen (…)-Kurs besucht, aber nie auf dem Beruf gearbeitet. Im 

Jahre (…) habe sie geheiratet und anschliessend mit ihrem Ehemann in 

H._______ gelebt, wo dieser als (…) gearbeitet habe. In H._______ sei die 

Lage sehr schlecht geworden, weshalb sie mit ihrer Familie im Jahre 2012 

nach F._______ zurückgekehrt sei. Im Jahre 2013 habe sie zwei Mal an 

Demonstrationen für die YPG (Yekîneyên Parastina Gel) teilgenommen, 

deswegen jedoch keine Probleme gehabt. Ungefähr im (…) 2013 sei ihr 

Vater, ein langjähriger (…), von Unbekannten entführt worden, wobei ihm 

die (…) und der (…) entwendet worden seien. Er sei daraufhin wegen des 

Verschwindens des (…) von der Behörde gerügt worden. Ungefähr im (…) 

2013 sei ihr Bruder I._______ aus dem Militärdienst desertiert. Die Behör-

den hätten daraufhin das Haus durchsucht und sie, ihren Vater und ihre 

beiden Brüder nach I._______ Verbleib gefragt. Dabei sei sie gegenüber 

den Behörden wütend und laut gewesen. Ihr sei verboten worden, das 

Haus zu verlassen, und man habe ihr mitgeteilt, dass alle Informationen 

über sie geprüft würden. In der Folge seien sie alle befragt worden. Sie 

selber sei zwei Mal vorgeladen und zum Verbleib von I._______ verhört 

worden. Dabei habe man ihr unter anderem mit Haft und Vergewaltigung 

gedroht, wenn sie nicht die Wahrheit sage. Auch sei sie geohrfeigt worden. 

Ihr sei gesagt worden, dass sie nicht in Ruhe gelassen würde, wenn sie 

ihnen keine Informationen gebe. Jeden zweiten Tag seien Mitarbeiter des 

Sicherheitsdienstes zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach 

D-2482/2020 

Seite 3 

I._______ gefragt. (…) Tage nach seiner Desertion sei I._______ nach 

Hause gekommen, wo er sich drei Tage versteckt habe und anschliessend 

mit dem Ausweis seines Bruders J._______ in den Irak ausgereist sei. 

Auch danach sei sie weiterhin unter dem Druck der Behörden gestanden. 

Im Jahre 2015 habe ihr Ehemann ein Aufgebot in den militärischen Reser-

vedienst erhalten und sei in die Türkei ausgereist. Daraufhin sei sie zum 

Bruder ihres Ehemannes nach K._______ gegangen, wo sie sich bis zu 

ihrer Ausreise im (…) 2016 aufgehalten habe. Zu Hause sei es für sie zu 

gefährlich gewesen, weil die Behörden immer noch nach ihr gefragt hätten. 

Die Behörden würden bis heute nach ihr suchen. Im Familienbüchlein sei 

im Rahmen einer Volkszählung ihr Name rot unterstrichen und daneben 

vermerkt worden, dass sie gesucht werde. 

A.c Die Beschwerdeführerin reichte als Beweismittel ihre syrische Identi-

tätskarte, das Familienbüchlein, den Berufsausweis ihres Vaters (in Kopie), 

den (…) Ausweis ihres Bruders I._______ (in Kopie), eine Urlaubsverfü-

gung sowie ein Arztattest ihren Bruder I._______ betreffend (je in Kopie) 

und ein Dokument betreffend Volkszählung vom (…) 2020 zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 9. April 2020 – eröffnet am 14. April 2020 – stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte ihr Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung der Beschwerde-

führerin und ihrer Kinder aus der Schweiz. Den Vollzug schob es hingegen 

infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

C.  

Die Beschwerdeführerin erhob durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe 

vom 12. Mai 2020 (Postaufgabe: 13. Mai 2020) gegen diesen Entscheid 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, auf die Be-

schwerde sei einzutreten, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben 

und es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen sowie Asyl zu gewäh-

ren. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche 

Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren. 

Der Beschwerde lag – unter anderem – eine Fürsorgebestätigung der (…), 

L._______, vom (…) 2020 bei. 

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 14. Mai 2020 

den Eingang der vorliegenden Beschwerde.  

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Seite 4 

E.  

Der Instruktionsrichter wies mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2020 die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts-

verbeiständung ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 

19. Juni 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzuzahlen, ansons-

ten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.  

F.  

Die Beschwerdeführerin leistete den Kostenvorschuss am 11. Juni 2020. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kosten-

vorschuss geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

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Seite 5 

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem 

Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-

ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe 

oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausge-

setzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von 

Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

4.  

4.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die von der Beschwerdefüh-

rerin geschilderten Hausdurchsuchungen, Befragungen, mündlichen Be-

drohungen und die einmalige Ohrfeige würden nicht die für eine Asylge-

währung erforderliche Intensität erfüllen. Zudem habe der Schwerpunkt der 

behördlichen Massnahmen in den (…) Tagen unmittelbar nach der Deser-

tion des Bruders im Jahre 2013 gelegen. In dieser Zeit hätten sich die bei-

den Verhöre und die regelmässigen Hausdurchsuchungen ereignet. Die 

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Beschwerdeführerin sei jedoch erst ungefähr drei Jahre nach diesen Vor-

fällen ausgereist. Zu etwaigen Vorfällen in der Zeit seit 2013 bis zu ihrer 

Ausreise gefragt, habe sie lediglich vage angegeben, dass sie weiterhin 

bedroht und ihr vorgeworfen worden sei, dass sie den Behörden nicht ge-

holfen habe. Auch habe sie nicht plausibel erklären können, weshalb sie – 

obwohl ihr Leben in Gefahr gewesen sei – erst mehrere Jahre später ge-

flohen sei. Auf die Frage, weshalb sie nicht früher, beispielsweise mit ihren 

Brüdern, ausgereist sei, habe sie lediglich erklärt, sie sei damals schwan-

ger und die illegale Ausreise zu schwierig gewesen. Ein hinreichend enger 

sachlicher und zeitlicher Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und 

Ausreise sei daher zu verneinen. Die vorgebrachte Reflexverfolgung im 

Zusammenhang mit der Desertion ihres Bruders sei folglich nicht asylrele-

vant. Es würden sich den Akten auch keine hinreichenden Anhaltspunkte 

entnehmen lassen, dass der Beschwerdeführerin im Fall einer Rückkehr 

eine asylrelevante behördliche Verfolgung drohen könnte. Neben dem lan-

gen Zeitablauf spreche gegen eine begründete Gefahr künftiger Verfolgung 

aufgrund der Desertion des Bruders, dass ihre Eltern und Geschwister – 

insbesondere ihr Bruder M._______, welcher seinem Bruder bei der De-

sertion geholfen habe – unbehelligt in F._______ leben könnten. Eine plau-

sible Erklärung, weshalb ausgerechnet sie von den Behörden nach wie vor 

gesucht werde, während ihre Familienmitglieder in Ruhe gelassen würden, 

habe die Beschwerdeführerin nicht geben können. Aus dem eingereichten 

Dokument zur Volkszählung ergebe sich nur, dass sie und ihr in (…) leben-

der Bruder I._______ sich zum Zeitpunkt der Volkszählung nicht mehr im 

kurdischen Gebiet von Syrien aufgehalten hätten. Hinweise, dass sie von 

den Behörden gesucht werde, würden sich daraus nicht ergeben. Es gebe 

auch keine anderen Hinweise, dass sie in den Fokus der Behörden geraten 

könnte. Sie sei in Syrien nicht politisch aktiv gewesen. Einzig im Jahre 2013 

habe sie zwei Mal an Demonstrationen für die YPG teilgenommen, wes-

wegen sie jedoch keine Probleme gehabt habe. Sie sei auch nie im Zu-

sammenhang mit dem Militärdienst ihres Ehemannes aufgesucht worden. 

Schliesslich engagiere sie sich nicht exilpolitisch. Ihr Vorbringen, sie werde 

nach wie vor von den Behörden gesucht, erfülle folglich nicht die Anforde-

rungen von Art. 3 AsylG. Sodann habe der Vorfall die Entführung ihres Va-

ters betreffend nicht sie persönlich betroffen. Zudem sei unklar, ob ihr Vater 

aus einem asylrelevanten Motiv verfolgt worden sei. Da (…) und (…) ent-

wendet worden seien, sei ein rein krimineller Hintergrund naheliegend. Zu-

dem habe die Entführung keine negativen Konsequenzen für sie gehabt. 

Soweit sie auf die allgemein unsichere Lage sowie die Versorgungseng-

pässe mit Wasser und Strom verweise, so handle es sich um Nachteile, 

welche auf die allgemeine Lage in ihrem Heimatstaat zurückzuführen 

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seien, von welcher die Mehrheit der Bevölkerung gleichermassen betroffen 

sei. Diese Vorbringen seien demnach nicht asylrelevant. 

4.2 In der Beschwerde wurde dagegen mit Verweis auf verschiedene Quel-

len eingewandt, die Beschwerdeführerin sehe sich als Schwester eines De-

serteurs und Ehefrau eines Wehrdienstverweigerers im Falle einer Rück-

kehr in ihr Heimatland einer grossen Gefahr gegenüber. Familienangehö-

rige von Deserteuren hätten damit zu rechnen, anstelle des desertierten 

Familienmitglieds von den syrischen Behörden belangt zu werden. Re-

flexverfolgung sei in Syrien ein vertrautes politisches Instrument. Dies sei 

seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges verstärkt der Fall. Mit dem Überfall 

auf den Vater sei die Familie erstmals ins Visier der Behörden gelangt, da 

der (…) und die (…) entwendet worden seien. Auch wenn die Täterschaft 

nicht klar sei, sei davon auszugehen, dass dieser Vorfall dem Ansehen der 

Familie stark geschadet habe. Als (…) hätten der Vater und die gesamte 

Familie ein gewisses Vertrauen der syrischen Behörden genossen. Mit der 

Desertion von I._______, welche als Verrat eingestuft werde, sei dieses 

gebrochen worden. Die erlebten Drohungen und Tätlichkeiten würden zei-

gen, dass sie (die Beschwerdeführerin) im Visier der Behörden sei, und es 

könne davon ausgegangen werden, dass diese mit grosser Wahrschein-

lichkeit nicht davor zurückschrecken würden, ihr nochmals mit Gewalt zu 

drohen oder diese Drohungen tatsächlich umzusetzen. Was die grosse 

Zeitspanne zwischen der Desertion des Bruders und ihrer Flucht anbe-

lange, hätte es keinen Sinn gemacht, wenn sie mit ihrem Ehemann ge-

flüchtet wäre, zumal dieser ursprünglich geplant habe, nach Syrien zurück-

zukehren. Er habe auch sehr schnell flüchten müssen, weshalb keine Zeit 

geblieben sei, um auch für sie einen Fluchtplan zu erstellen. Es sei sodann 

nachvollziehbar, dass sie nicht mit ihren Brüdern M._______ und 

J._______ ausgereist sei, zumal sie als schwangere Frau die Strapazen 

und Gefahren einer Flucht nicht habe auf sich nehmen wollen respektive 

können. Eine Flucht müsse zudem immer geplant werden und man brau-

che dafür viel Geld. Wenn die Ressourcen knapp seien, müssten die am 

direktesten und stärksten bedrohten Familienmitglieder zuerst gerettet 

werden und fliehen. Nur weil sie das Glück gehabt habe, dass ihr nichts 

Schwerwiegendes passiert sei, dürfe sie keinen Nachteil erleiden. Zwar 

seien die Drohungen und Hausdurchsuchungen (…) Tage nach der Deser-

tion von I._______ zurückgegangen, jedoch sei sie auch danach immer 

wieder von den Behörden aufgesucht worden. Sie werde bis heute ge-

sucht. Der Auslöser, weshalb sie schliesslich aus ihrem Heimatland geflo-

hen sei, sei eine weitere Kontaktaufnahme durch die syrischen Behörden 

gewesen. Es habe sich bei ihrer Flucht um eine Ultima Ratio gehandelt. 

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Der Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht sei daher ein-

deutig gegeben. Ihr Vater sei aufgrund seiner (…) nicht in der Lage gewe-

sen zu flüchten. Die Brüder M._______ und J._______ hätten lediglich zu-

rückkehren können, indem sie sich bei der YPG gemeldet und deren 

Schutz vor der syrischen Regierung genossen hätten. Dies bedeute aber 

nicht, dass sie nicht konstant in Angst vor einer asylrelevanten Behandlung 

durch die syrischen Behörden leben würden. Im Gegensatz zu ihrer 

Schwester, welche jünger sei und damals den Behörden keine Antwort ge-

geben habe, sei sie (die Beschwerdeführerin) der Sündenbock die Deser-

tion ihres Bruders betreffend, weil sie sich damals in den Augen der Behör-

den frech verhalten habe, als sie wütend und laut gewesen sei. Es sei mit 

hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die syrischen Behör-

den ihre Flucht als Ausdruck feindlicher Ansichten betrachten würden. Sie 

werde mit grosser Wahrscheinlichkeit als Oppositionelle eingestuft und 

hätte als solche mit schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen. Das sy-

rische Regime sei im Zuge der jüngsten Geschehnisse in Nordsyrien da-

ran, auch die kurdischen Gebiete in Rojava wieder unter seine Kontrolle zu 

bringen. Es stehe ausser Frage, dass das syrische Regime nach wie vor 

sehr präsent sei. Aufgrund der neuen Situation sei eine Verfolgung ihrer-

seits erheblich wahrscheinlicher. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin in der ange-

fochtenen Verfügung mit ausführlicher und überzeugender Begründung als 

nicht asylrelevant qualifiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die zutreffende 

Argumentation in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die 

Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen 

Beurteilung zu gelangen. 

5.2 Die Beschwerdeführerin reiste erst rund drei Jahre nach den beiden 

Verhören und den regelmässigen Hausdurchsuchungen aus Syrien aus. 

Ihren Ausführungen lässt sich nicht entnehmen, dass die Behörden ein 

ernsthaftes und dauerhaftes Interesse an ihr gehabt hätten. So brachte die 

Beschwerdeführerin zum Ausdruck, dass die behördlichen Behelligungen 

schwergewichtig in den ersten (…) Tagen nach der Desertion des Bruders 

I._______ stattgefunden hätten: "Während diesen (…) Tagen waren wir 

alle zu Hause unter Angst, Stress und Untersuchung der Behörde. Die Be-

hörde hat uns alle befragt. […]" (vgl. Akten SEM B22/27 F81, vgl. auch 

F80 ff.). Die Schilderungen der weiteren Vorfälle seit 2013 wurden vom 

SEM zu Recht als vage bezeichnet (vgl. Akten SEM B22/27 F97 ff.). Auch 

antwortete sie wenig überzeugend auf die Frage nach dem Auslöser für die 

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Seite 9 

Ausreise: "Mein Vater hat mich angerufen und mir gesagt, dass ich aus-

reise. Er sagte zu mir: «Man fragt nach dir. Geh mit deinen Kindern ins 

Ausland. Sie wollen dich, sie fragen nach dir und sagen: 'Wo ist sie? Wa-

rum finden wir sie nicht mehr hier?'»" (vgl. Akten SEM B22/27 F131). Des 

Weiteren ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei erster 

Gelegenheit und trotz Schwangerschaft respektive Strapazen und Gefah-

ren ausgereist wäre, wenn sie ihr Leben – und damit das ihres ungebore-

nen Kindes –tatsächlich in Gefahr gesehen hätte (vgl. Akten SEM B22/27 

F97 f.). Mit dem Einwand, es hätte keinen Sinn gemacht, mit ihrem Ehe-

mann auszureisen, da dieser ursprünglich gar nicht geplant habe, langfris-

tig aus Syrien zu flüchten, zeigt die Beschwerdeführerin, dass sie sich zum 

damaligen Zeitpunkt offensichtlich nicht akut bedroht fühlte. Dasselbe wird 

mit ihrem Verweis auf die Verwendung von knappen Ressourcen für die 

Rettung der am direktesten und stärksten bedrohten Familienmitglieder 

zum Ausdruck gebracht. Auch der Umstand, dass eine Flucht eine gewisse 

Planung und die Beschaffung von Geldmitteln voraussetzt, vermag nach 

dem Gesagten nicht zu erklären, weshalb die Beschwerdeführerin mit ihrer 

Ausreise so lange zuwartete, wenn die Situation für sie tatsächlich prekär 

gewesen wäre. Unbehilflich sind sodann die Verweise auf das beschädigte 

Ansehen der Familie durch den Überfall auf den Vater und das durch die 

Desertion des Bruders zerstörte Vertrauen der Behörden. Ein hinreichend 

enger sachlicher und zeitlicher Kausalzusammenhang zwischen Verfol-

gung und Ausreise ist nicht ersichtlich.  

5.3 Sodann gelingt es der Beschwerdeführerin auch mit dem Verweis auf 

die gesundheitlichen Schwierigkeiten des Vaters, die Meldung der beiden 

Brüder bei der YPG und ihr eigenes Verhalten den Behörden gegenüber 

nicht, plausibel zu erklären, weshalb ausgerechnet sie nach wie vor für die 

Behörden von Interesse sei, während ihre Eltern, ihre beiden Brüder und 

ihre Schwester offenbar unbehelligt in Syrien leben. Ihre angebliche Sün-

denbockstellung vermag auch vor dem Hintergrund, dass die Behörden 

damals mit ihrem Bruder J._______ "sehr, sehr streng" gewesen seien und 

ihn auch geschlagen hätten und der Bruder M._______ bei der Desertion 

des Bruders I._______ geholfen habe (vgl. Akten SEM B22/27 F86 und 

130), nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin verneinte sodann, we-

gen der angeblichen Wehrdienstverweigerung ihres Ehemannes Probleme 

gehabt zu haben (vgl. Akten SEM B22/27 F115). Insgesamt ist den Akten 

nichts zu entnehmen, was darauf schliessen liesse, die syrischen Behör-

den würden die Beschwerdeführerin als Oppositionelle einstufen. 

D-2482/2020 

Seite 10 

5.4 Auch die Ausführungen zur allgemeinen Lage in Syrien ändern an die-

sem Ergebnis nichts. Der unbestrittenermassen schwierigen Situation in 

der Heimat der Beschwerdeführerinnen wurde mit der Anordnung der vor-

läufigen Aufnahme Rechnung getragen. 

5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführe-

rin abgelehnt hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der 

Beschwerde einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sach-

verhalts nichts zu ändern vermögen. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss ist zu de-

ren Bezahlung zu verwenden. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zu deren Bezahlung verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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