# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 89591e95-3f01-5320-8fb5-8f6447c52f89
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.10.2023 D-5258/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5258-2023_2023-10-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5258/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Bolz-Reimann, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger;  

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Anja Kläusli,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 20. September 2023. 

 

 

 

D-5258/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen 

Angaben etwa im Mai 2022 und suchte am 28. Juni 2023 in der Schweiz 

um Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, am (…) geboren und 

somit minderjährig zu sein.  

A.b In einem Eintrag des Grenzwachcorps wegen rechtswidrigen Aufent-

halts ist das Geburtsdatum des Beschwerdeführers mit (…) erfasst.  

A.c Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-

dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 22. Juni 2023 in Kroatien auf-

gegriffen worden war und gleichentags ein Asylgesuch gestellt hatte.  

A.d Im Rahmen der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende (nachfolgend: EB UMA) vom 10. Juli 2023 gab der Beschwerde-

führer an, er sei – gemäss dem afghanischen Kalender – am (…) geboren, 

was im europäischen Kalender dem (…) entspreche. Auf den Vorhalt, dass 

das von ihm genannte Datum dem Dolmetscher zufolge dem (…) entspre-

che, erklärte der Beschwerdeführer, er habe die Umrechnung im Camp 

schnell gemacht und wisse nicht, ob sie es richtig gemacht hätten. Seine 

Mutter habe ihm das Geburtsdatum mitgeteilt, als er sich im Alter von 14 

Jahren eine Tazkira habe ausstellen lassen. Er reichte ein Foto seiner 

Tazkira zu den Akten, welche das Ausstellungsdatum (…) trägt und die Be-

merkung enthält, das Alter sei gemäss äusserlichem Aussehen im Jahr (…) 

auf 14 Jahre festgelegt worden. Auf die Frage des SEM, ob seine Mutter 

ihm das genaue Geburtsdatum gesagt oder einfach das Ausstellungsda-

tum der Tazkira genannt habe, gab der Beschwerdeführer an, er habe den 

Tag und den Monat, als sie die Tazkira hätten ausstellen lassen, als Ge-

burtsdatum genommen.  

B.  

Das Institut für Rechtsmedizin des (…) erstellte im Auftrag des SEM am 

25. Juli 2023 ein Gutachten zur Frage des Lebensalters des Beschwerde-

führers. Dieses kam zum Ergebnis, das durchschnittliche Lebensalter be-

trage (…) Jahre und das Mindestalter liege bei (…) Jahren, womit das an-

gegebene Alter von (…) nicht zutreffen könne.  

C.  

Das SEM ersuchte am 27. Juli 2023 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

D-5258/2023 

Seite 3 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. 

Es setzte sie dabei auch über die durchgeführte forensische Altersabklä-

rung und deren Ergebnis in Kenntnis.  

D.  

D.a Mit Schreiben vom 3. August 2023 gewährte das SEM dem Beschwer-

deführer das rechtliche Gehör zu einer beabsichtigen Anpassung seines 

Alters im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…).  

D.b Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seiner Rechtsvertretung 

vom 8. August 2023 eine entsprechende Stellungnahme ein. Dabei hielt er 

an seinem geltend gemachten Geburtsdatum vom (…) fest und beantragte, 

dieses nicht zu ändern und das Asylverfahren in der Schweiz durchzufüh-

ren.  

E.  

Die kroatischen Behörden teilten dem SEM mit einem auf den 7. Juli 2023 

datierten, aber am 10. August 2023 digital signierten Schreiben mit, das 

Wiederaufnahmeersuchen werde gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO 

gutgeheissen. Dabei gaben sie an, das Geburtsdatum des Beschwerde-

führers sei in Kroatien mit dem (…) erfasst.  

F.  

Mit Eingabe vom 10. August 2023 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie 

seiner Geburtsurkunde sowie seiner Impfkarte zu den Akten.  

G.  

G.a Das SEM wies den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. August 

2023 darauf hin, dass er in Kroatien als Volljähriger erfasst sei. Es gab ihm 

die Gelegenheit, sich im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu diesem Um-

stand sowie zu einer allfälligen Zuständigkeit Kroatiens für sein Asylverfah-

ren und einer Wegweisung dorthin zu äussern.  

G.b Mit Schreiben vom 25. August 2023 reichte der Beschwerdeführer eine 

Stellungnahme ein.  

H.  

Auf entsprechende Anfrage liess das Pflegefachpersonal des zuständigen 

D-5258/2023 

Seite 4 

Asylzentrums dem SEM am 12. September 2023 das Verlaufsblatt der me-

dizinischen Betreuung sowie ärztliche Berichte zukommen.  

I.  

Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 20. September 2023 trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung 

nach Kroatien. Es forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der 

Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte es den zuständigen 

Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, ordnete die Aushändigung der 

editionspflichtigen Akten an und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde 

komme keine aufschiebende Wirkung zu. Weiter hielt das SEM fest, das 

Geburtsdatum im ZEMIS laute auf den (…).  

J.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 

28. September 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 

diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei 

vollumfänglich aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylge-

such einzutreten. Zudem sei das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum 

auf den (…) abzuändern. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei die Sache zur Einho-

lung einer individuellen schriftlichen Zusicherung der kroatischen Behör-

den betreffend angemessene Unterbringung, Ernährung, Zugang zu einem 

diskriminierungsfreien und fairen Asylverfahren sowie zur medizinischen 

Grundversorgung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter sei der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehör-

den seien im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme 

unverzüglich anzuweisen, von einer Wegweisung nach Kroatien abzuse-

hen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschieben-

den Wirkung entschieden habe. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozess-

führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 

verzichten. 

K.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 29. September 2023 setzte die 

Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen 

aus. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht glei-

chentags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).  

 

D-5258/2023 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Der Beschwerdeführer beantragte explizit, dass das im ZEMIS eingetra-

gene Geburtsdatum auf den (…) abzuändern sei (Rechtsbegehren 2). Die 

vorliegende Beschwerde richtet sich demnach sowohl gegen den Nichtein-

tretensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen den ZEMIS-

Eintrag. Über das Begehren auf Änderung des im ZEMIS vermerkten Ge-

burtsdatums ist vorliegend nicht im Rahmen des Dublin-Verfahrens zu ent-

scheiden, weshalb im Nachgang ein separates Verfahren unter der Ge-

schäftsnummer D-5367/2023 bezüglich der beantragten Datenänderung 

im ZEMIS zu führen ist (vgl. hierzu statt vieler: Urteil des BVGer 

D-2765/2021 vom 21. Juni 2021 E. 2).  

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

D-5258/2023 

Seite 6 

4.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht eine unvollständige und 

unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt. Das 

SEM habe die kroatischen Behörden am 27. Juli 2023 um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers ersucht. Deren Antwortschreiben erwähne 

indessen ein Übernahmeersuchen vom 23. Juni 2023, was im Widerspruch 

dazu stehe, dass das Asylgesuch in der Schweiz erst am 28. Juni 2023 

gestellt worden sei. Zudem halte die angefochtene Verfügung fest, die kro-

atischen Behörden hätten dem Wiederaufnahmeersuchen am 10. August 

2023 zugestimmt, während deren Antwortschreiben auf den 7. Juli 2023 

datiert sei. Ein weiterer Widerspruch ergebe sich daraus, dass in der Ver-

fügung vom 20. September 2023 ausgeführt werde, das Asylgesuch in der 

Schweiz sei am 28. Juni 2023 gestellt worden, während im Wiederaufnah-

meersuchen vom 26. Juni 2023 gesprochen werde. Somit fänden sich so-

wohl im Wiederaufnahmeersuchen des SEM als auch im Antwortschreiben 

der kroatischen Behörden mehrfach unterschiedliche Datumsangaben. Es 

sei daher fraglich, ob die Zustimmung korrekt erfolgt sei und sich diese 

tatsächlich auf den vorliegenden Sachverhalt beziehe. Weiter wurde in der 

Beschwerde geltend gemacht, das SEM habe sich in der angefochtenen 

Verfügung nicht mit der vorgelegten Geburtsurkunde auseinandergesetzt, 

womit sie den Sachverhalt nicht ausreichend festgestellt habe.  

5.2 Gemäss Art. 6 AsylG in Verbindung mit Art. 12 VwVG stellen die 

Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungs-

grundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen 

Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände ab-

klären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. dazu auch 

Art. 30-33 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn 

der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer 

Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest-

stellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt 

nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entschei-

dung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BEN-

JAMIN SCHINDLER, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum 

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Seite 7 

Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. Zürich/St. 

Gallen 2019, Rz. 29 zu Art. 49).  

5.3 Es trifft zu, dass es bei der Korrespondenz zwischen dem SEM und 

den kroatischen Behörden mehrfach zu unrichtigen Datumsangaben ge-

kommen ist. So enthält das Übernahmeersuchen auf Seite 3 die Angabe, 

dass der Beschwerdeführer am 26. Juni 2023 in der Schweiz um Asyl er-

sucht habe. Tatsächlich erfolgte der Asylantrag am 28. Juni 2023, was auf 

Seite 2 (Ziffer 11) desselben Schreibens korrekt erwähnt wird (vgl. SEM-

Akte […]-18/5). Bei der erstgenannten Angabe handelt es sich offensicht-

lich um ein Versehen. Dasselbe gilt für zwei unzutreffende Daten im Ant-

wortschreiben der kroatischen Behörden. Dessen Datierung auf den 7. Juli 

2023 kann bereits deshalb nicht richtig sein, weil das Übernahmeersuchen 

des SEM erst am 27. Juli 2023 gestellt wurde. Die digitale Signatur des 

Schreibens trägt das Datum vom 10. August 2023 (vgl. SEM-Akte […]-

24/2), was vom SEM denn auch korrekterweise als Datum des Antwort-

schreibens in der angefochtenen Verfügung aufgeführt wurde. Schliesslich 

lässt sich auch aus dem Umstand, dass die kroatischen Behörden von ei-

nem Übernahmeersuchen vom 23. Juni 2023 – statt 27. Juli 2023 – spre-

chen, nicht ableiten, dass sich ihr Schreiben möglicherweise auf einen an-

deren Sachverhalt bezieht. Der Name des Beschwerdeführers wird richtig 

angegeben und das Ersuchen des SEM basierte auf einem Eurodac-Tref-

fer. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei den fehlerhaften 

Datumsangaben um mehr als blosse Kanzleifehler handeln könnte und es 

zu einer Verwechslung in Bezug auf den Sachverhalt an sich gekommen 

wäre. Diesbezüglich ist auch darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde-

führer nicht bestreitet, sich in Kroatien aufgehalten und dort seine Finger-

abdrücke abgegeben zu haben. Insgesamt kann aufgrund der unrichtigen 

Datumsangaben nicht von einem unvollständig oder unrichtig festgestell-

ten Sachverhalt ausgegangen werden.  

5.4 In Bezug auf die vom Beschwerdeführer in Kopie eingereichte Geburts-

urkunde ist festzuhalten, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung 

erwähnt, er habe diese mit Eingabe vom 10. August 2023 zusammen mit 

seiner Impfkarte eingereicht. In der Folge geht die Vorinstanz zwar lediglich 

näher auf die Impfkarte sowie die ebenfalls in Kopie eingereichte Tazkira 

ein (vgl. S. 6 der angefochtenen Verfügung). Der Sachverhalt erweist sich 

aber dennoch nicht als unvollständig festgestellt, zumal die vom SEM auf-

geführten Argumente hinsichtlich der anderen beiden Dokumente, etwa 

dass diese nur in Kopie eingereicht worden seien und keine Sicherheits-

merkmale aufwiesen, weshalb ihnen nur ein geringer Beweiswert 

D-5258/2023 

Seite 8 

zukomme, auch für die Geburtsurkunde gelten. Es rechtfertigt sich daher 

nicht, die Sache aufgrund einer unzureichenden Berücksichtigung der Ko-

pie der Geburtsurkunde an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

5.5 Nach dem Gesagten ist der rechtserhebliche Sachverhalt als richtig 

und vollständig festgestellt zu erachten und es besteht keine Veranlassung 

für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung.  

6.  

6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dabei 

findet im Rahmen eines sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: 

take back) grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-

tel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

6.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz 

gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-

titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen 

Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten 

Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zurückgezogen hat, wieder aufzunehmen, um das Verfahren 

zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen 

(Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO).  

6.4 Im Fall einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An-

knüpfungspunkte zu einem anderen Mitgliedstaat ist gemäss Art. 8 Abs. 4 

Dublin-III-VO stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in welchem diese ih-

ren aktuellen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat. Unbegleitete 

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Seite 9 

Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen 

(vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, Das 

europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K15 f. zu Art. 8 Dublin-III-

VO, m.w.H.). Bei einer Minderjährigkeit des Beschwerdeführers bestünde 

folglich eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vieler: Urteil 

des BVGer F-6213/2020 vom 5. Januar 2021 E. 3.4). 

7.  

7.1 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich 

die asylsuchende Person (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und E. 4.2.3). Dabei 

ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwägung sämtlicher Anhalts-

punkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben 

sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei für echt befundene Identi-

tätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. Urteil des 

BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1, m. H.). Das Resultat 

des Altersgutachtens stellt zwar nur ein Element bei der Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit dar; bei eindeu-

tigen Ergebnissen bleibt aber nur wenig Raum für die Beweiswürdigung 

(vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.).  

7.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, dem Altersgutachten werde 

vorliegend ein zu hoher Beweiswert zugerechnet. Demgegenüber seien 

die eingereichten Kopien der Tazkira, der Geburtsurkunde sowie des Impf-

ausweises, welche alle das Geburtsdatum (…) ([…] gemäss afghanischem 

Kalender) bestätigten, nur unzureichend gewürdigt worden. Durch die Vor-

lage dieser Dokumente sei der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht 

nachgekommen, was für seine subjektive Glaubwürdigkeit spreche. Es sei 

zudem äusserst unwahrscheinlich, dass er über drei «verfälschte» Doku-

mente verfüge, die alle auf seinen Namen ausgestellt seien und dasselbe 

Geburtsdatum aufwiesen. Diesen komme daher ein erheblicher Beweis-

wert für seine Minderjährigkeit zu.  

7.3 Hinsichtlich der drei vom Beschwerdeführer vorgelegten Beweismittel 

– Tazkira, Geburtsurkunde und Impfausweis – ist festzuhalten, dass diese 

allesamt als Kopie respektive als Fotografie eingereicht wurden. Solchen 

nicht im Original eingereichten Beweismitteln kommt nur ein geringer Be-

weiswert zu, da es nicht möglich ist, die Echtheit dieser Unterlagen zu über-

prüfen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass afghanischen Dokumenten, 

selbst wenn sie im Original vorliegen, oftmals kein erheblicher Beweiswert 

zugemessen werden kann, weil sie nicht über Sicherheitsmerkmale verfü-

gen und entsprechend leicht gefälscht werden können. Bei dieser 

D-5258/2023 

Seite 10 

Sachlage kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass er über 

mehrere Kopien von Dokumenten verfügt, welche sein angebliches Ge-

burtsdatum belegen sollen, nichts zu seinen Gunsten ableiten.  

7.4 Auf dem Personalienblatt gab der Beschwerdeführer an, er sei am (…) 

geboren (vgl. SEM-Akte […]-1/2). In den Akten des Grenzwachtcorps ist 

sein Geburtsdatum indessen mit dem (…) erfasst (vgl. SEM-Akte […]-6/2). 

Im Rahmen der EB UMA erklärte er, dass er sein Geburtsdatum gemäss 

dem afghanischen Kalender von seiner Mutter erfahren habe, welche ihm 

dieses anlässlich der Ausstellung seiner Tazkira genannt habe (vgl. SEM-

Akte […]-12/10 [nachfolgend Akte 12], S. 3). Die Umrechnung des betref-

fenden Datums ([…]) in den europäischen Kalender entspricht indessen 

dem (…), wobei der Beschwerdeführer angab, er habe diese beim Ausfül-

len des Personalienblattes selbst umgerechnet und sei nicht sicher, ob er 

es richtig gemacht habe (vgl. Akte 12, S. 3). Dem SEM fiel weiter auf, dass 

das Ausstellungsdatum der Tazkira ([…]) hinsichtlich des Monats und des 

Tages genau mit seinem angeblichen Geburtsdatum übereinstimmt. Auf 

entsprechenden Vorhalt führte der Beschwerdeführer aus, sie hätten den 

Tag und den Monat, als sie die Tazkira hätten ausstellen lassen, als Ge-

burtsdatum genommen (vgl. Akte 12, S. 3). Vor diesem Hintergrund setzte 

ihn das SEM zum Ende der EB UMA hin darüber in Kenntnis, dass mög-

licherweise eine medizinische Altersabklärung durchgeführt werde. Der 

Beschwerdeführer erklärte sich damit einverstanden (vgl. Akte 12, 

Ziff. 8.01).  

7.5 Gemäss dem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts 

BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der 

medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettal-

tersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Hand-

knochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum 

Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet 

(vgl. ebenda E. 4.2.1). Das vorliegende Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin des (…) vom 25. Juli 2023 hält fest, die Röntgenuntersuchung der 

Hand des Beschwerdeführers habe ein abgeschlossenes Skelettwachstum 

ergeben. Dies entspreche einem mittleren skelettalen Alter von 18 Jahren 

(nach Thiemann, Nitz und Schmeling) respektive 19 Jahren (nach Greulich 

und Pyle) und es sei von einem Mindestalter von 16.1 Jahren (nach Tisè) 

auszugehen. Bei der computertomographischen Untersuchung der 

Wachstumsfugen der inneren Schlüsselbeinanteile hätten diese beidseits 

ein Stadium (…) (nach Kellinghaus und Schmeling) aufgewiesen. Dieses 

Stadium entspreche einem durchschnittlichen Lebensalter von (…) Jahren 

D-5258/2023 

Seite 11 

sowie einem Mindestalter von (…) Jahren. Die Ergebnisse der zahnärztli-

chen Untersuchung hätten auf ein Durchschnittsalter von (…) Jahren (nach 

Olze) schliessen lassen, wobei für das vorliegende Mineralisationsstadium 

(…) der Weisheitszähne kein Mindestalter angegeben sei. Zusammenfas-

send kam das Gutachten zum Schluss, es sei beim Beschwerdeführer von 

einem durchschnittlichen Lebensalter vom (…) Jahren und von einem Min-

destalter von (…) Jahren auszugehen, womit das angegebene Geburtsda-

tum (Alter von […]) nicht zutreffen könne.  

7.6 In der angefochtenen Verfügung hielt das SEM zutreffend fest, dass 

das rechtsmedizinische Gutachten als starkes Indiz für die Volljährigkeit zu 

werten sei. Dieses ist nachvollziehbar und kommt zum klaren Ergebnis, 

dass das vom Beschwerdeführer angegebene Alter nicht zutreffen könne. 

Zudem wurde das Mindestalter basierend auf der Untersuchung der 

Schlüsselbeinknochen auf (…) Jahre festgelegt. Diesem Altersgutachten 

steht die Aussage des Beschwerdeführers gegenüber, der sich seinerseits 

auf Angaben seiner Mutter sowie in Kopie eingereichte Beweismittel beruft. 

Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass eindeutige Ergebnisse von me-

dizinischen Altersabklärungen durch die Vorlage von Unterlagen mit redu-

ziertem Beweiswert, wie etwa einer afghanischen Tazkira, nicht in Frage 

gestellt werden können (vgl. dazu BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). Zudem hält 

die Vorinstanz zu Recht fest, es sei auffällig, dass das Geburtsdatum (Tag 

und Monat) genau dem Ausstellungsdatum der Tazkira entsprechen soll. 

Unklar ist auch, wie die Aussage des Beschwerdeführers, der Tag der Aus-

stellung sei als Geburtsdatum genommen worden (vgl. Akte 12, S. 3), ein-

zuordnen ist. Der später eingereichte Impfausweis sowie die Geburtsur-

kunde würden vielmehr darauf schliessen lassen, dass es sich beim (…) 

um sein tatsächliches Geburtsdatum handelt. In diesem Fall wäre die 

Tazkira genau an seinem 14. Geburtstag ausgestellt worden, was als selt-

samer Zufall erscheint. Ferner wies das SEM zutreffend darauf hin, dass 

sowohl das schweizerische Grenzwachtcorps als auch die kroatischen Be-

hörden jeweils andere Geburtsdaten des Beschwerdeführers registriert ha-

ben. Dieser behauptete in beiden Fällen, die Behörden hätten von sich aus 

einfach etwas geschrieben (vgl. Akte 12, Ziff. 8.01 und SEM-Akte […]-28/2 

[nachfolgend Akte 28]). Es ist indessen nicht nachvollziehbar, weshalb die 

betreffenden Behörden dies hätten tun sollen.  

7.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Geburtsdatum des Be-

schwerdeführers bei verschiedenen Behörden unterschiedlich registriert 

worden ist. Zwar halten drei in Kopie eingereichten Dokumente ein Ge-

burtsdatum vom (…) ([…] im afghanischen Kalender) fest. Diesen 

D-5258/2023 

Seite 12 

Unterlagen kann aber nur ein geringer Beweiswert beigemessen werden. 

Demgegenüber kam ein vom Institut für Rechtsmedizin des (…) erstelltes 

Gutachten zum Schluss, das angegebene Geburtsdatum könne nicht zu-

treffen und es sei von einem Mindestalter von (…) Jahren auszugehen. 

Dies ist als starkes Indiz für die Volljährigkeit zu werten. Im Rahmen einer 

Gesamtwürdigung aller Indizien ist somit davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer zum Zeitpunkt der Stellung seines Asylgesuchs in der 

Schweiz nicht mehr minderjährig war.  

8.  

8.1 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er sich vor der Einreise in 

die Schweiz in Kroatien aufgehalten habe. Er machte jedoch geltend, dass 

er dort von Polizisten festgenommen und in ein geschlossenes Auto ge-

steckt worden sei, wo er mehrere Stunden in der Sonne ohne Nahrung, 

Wasser und frische Luft habe bleiben müssen. Zudem sei er sechs Tage 

auf einer Polizeistation gewesen. Dort sei er geschlagen worden und habe 

kein richtiges Essen sowie keinen Zugang zur medizinischen Versorgung 

erhalten. Die Polizei habe ihm überdies das Mobiltelefon abgenommen und 

ihn damit erpresst, dass er dieses nicht zurückerhalte, wenn er seine Fin-

gerabdrücke nicht abgebe. Er sei nie über sein Recht, ein Asylgesuch zu 

stellen, informiert worden. Es habe auch keine Rechtsvertreter oder Dol-

metscher gegeben und seine Fingerabdrücke seien unter Zwang abge-

nommen worden. Er habe sich in Kroatien diskriminiert und wie ein Tier 

behandelt gefühlt und wolle nie wieder dorthin zurückkehren (vgl. Akte 28).  

8.2 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Euro-

dac-Datenbank ergab, dass dieser am 22. Juni 2023 in Kroatien ein Asyl-

gesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die kroatischen Be-

hörden am 27. Juli 2023 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. 

Diese stimmten dem Übernahmeersuchen am 10. August 2023 gestützt 

auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO ausdrücklich zu. Es ist somit als erstellt zu 

erachten, dass er in Kroatien um Asyl nachgesucht hat. Das dortige Ver-

fahren zur Bestimmung des für sein Asylgesuch zuständigen Mitgliedstaats 

gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO wurde noch nicht abgeschlossen mit 

der Folge, dass dieses nach seiner Rücküberstellung fortgesetzt wird. Dem 

Einwand des Beschwerdeführers, er sei in Kroatien zur Abgabe seiner Fin-

gerabdrücke gezwungen worden, ist entgegenzuhalten, dass sich die Ab-

nahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden ausländischen Perso-

nen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EU) 

Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Zudem hat er sich durch seine 

D-5258/2023 

Seite 13 

Weiterreise in die Schweiz wenige Tage nach seiner Registrierung in Kro-

atien einem dortigen Asylverfahren entzogen.  

Nach dem Gesagten ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens gege-

ben. 

8.3  

8.3.1 Besteht aufgrund systemischer Schwachstellen im Asylwesen des ur-

sprünglich als zuständig erkannten Mitgliedstaates die erhebliche Gefahr, 

der Antragsteller werde bei einer Überstellung einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der EU-Grund-

rechtecharta ausgesetzt, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat 

zuständig, soweit nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zustän-

diger Mitgliedstaat bestimmt werden kann (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

8.3.2 Im als Referenzurteil publizierten Entscheid E-1488/2020 vom 

22. März 2023 hat sich das Bundesverwaltungsgericht einlässlich mit der 

Situation von Dublin-Rückkehrern in Kroatien befasst. Dabei hat es festge-

halten, dass im heutigen Zeitpunkt keine Hinweise für die Annahme vorlie-

gen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen von Antragstellen-

den in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf, die eine Überstellung ge-

nerell als unzulässig erscheinen liessen. Dies gelte sowohl für das Aufnah-

meverfahren (take charge) als auch für das Wiederaufnahmeverfahren 

(take back, vgl. a.a.O. E. 9.5). Diese Einschätzung wurde seither in zahl-

reichen Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt (vgl. etwa Ur-

teile des BVGer E-4075/2023 vom 2. August 2023 E. 5, E-521/2023 vom 

21. Juli 2023 E. 8, D-761/2023 vom 10. Juli 2023 E. 5.2).  

8.3.3 Gemäss dieser Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen, dass 

das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien systemische 

Schwachstellen aufweisen. Daran vermögen auch die Ausführungen in der 

Beschwerde, insbesondere unter Hinweis auf die deutsche Rechtspre-

chung, nichts zu ändern. Demnach ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

8.4  

8.4.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

D-5258/2023 

Seite 14 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintritts-

recht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Be-

stimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» 

auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat 

zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshinder-

nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1).  

8.4.2 Bei der Beurteilung eines Selbsteintritts gilt es zu beachten, dass Kro-

atien Signatarstaat der EMRK, der FoK und des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des 

Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und sei-

nen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Im 

Weiteren darf davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richtlinie des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der Richtlinie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. Die Vermutung, Kroatien halte seine völkerrechtli-

chen Verpflichtungen ein, kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Dafür 

müssen indessen konkrete Indizien vorliegen, die gegebenenfalls von der 

gesuchstellenden Person glaubhaft darzutun sind (vgl. etwa Urteil des 

BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1 m.H.). 

8.4.3 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt zwar, dass das Verhalten 

der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden 

im Rahmen der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung problematisch sein 

können. Es ist indessen nicht mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit 

davon auszugehen, dass dies auch bei einer Rückkehr im Rahmen des 

Dublin-Verfahrens der Fall ist. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes 

und ernsthaftes Risiko dargetan, die kroatischen Behörden würden in sei-

nem Fall ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen. Er 

wird sich nach der Dublin-Überstellung in einer anderen Situation befinden 

als bei seiner ersten (illegalen) Einreisen nach Kroatien. Zudem bestehen 

keine Gründe für die Annahme, Kroatien werde den Grundsatz des Non-

Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem 

sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 

1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in 

ein solches Land gezwungen zu werden. Bei einer allfälligen 

D-5258/2023 

Seite 15 

vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedin-

gungen hätte er sich sodann an die kroatischen Behörden zu wenden und 

seine Rechte auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmericht-

linie). Dies gilt auch in Bezug auf ein allfälliges Fehlverhalten der kroati-

schen Polizei. Dabei steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen 

karitativen Organisationen zu kontaktieren.  

8.5  

8.5.1 Hinsichtlich bestehender medizinischer Probleme ist vorab festzuhal-

ten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-

chen Beschwerden nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darzustellen vermag. Eine vom EGMR definierte Konstellation be-

trifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener 

medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfron-

tiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichem Verschlech-

terung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensi-

vem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung füh-

ren würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. De-

zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 

8.5.2 Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer in der 

Schweiz insbesondere wegen starken (…) behandelt worden ist. Diese ge-

hen offenbar auf einen Unfall auf der Flucht zurück, bei welchem er von 

einem fahrenden Auto gefallen und auf den (…) geprallt sei. Ferner leide 

er unter Zahnschmerzen. Eine MRI-Untersuchung des (…) ergab keinen 

Nachweis einer Traumafolge (vgl. SEM-Akte […]-29/2). Dem ambulanten 

Bericht des Spitals B._______ vom 31. August 2023 lässt sich entnehmen, 

dass beim Beschwerdeführer ein (…) diagnostiziert worden ist. Als vorge-

sehene Behandlung wurde Physiotherapie, eine Bedarfstherapie mit Ba-

sisanalgetika sowie eine Therapie der (…) aufgeführt (vgl. SEM-Akte […]-

30/3). Ohne die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdefüh-

rers verharmlosen zu wollen, erreichen diese die oben dargelegte hohe 

Schwelle einer schweren Erkrankung nicht, um einer Wegweisung nach 

Kroatien entgegenzustehen. Des Weiteren wies das SEM zu Recht darauf 

hin, dass medizinische Beeinträchtigungen bei Bedarf auch in Kroatien be-

handelt werden können. Kroatien verfügt über eine ausreichende medizi-

nische Infrastruktur und ist verpflichtet, den Antragstellenden die erforder-

liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die 

unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-

chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-

nahmerichtlinie).  

D-5258/2023 

Seite 16 

8.6 Nach dem Gesagten ist die Überstellung nach Kroatien unter Beach-

tung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu 

erachten, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt in An-

wendung der Ermessensklausel gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO er-

sichtlich sind.  

8.7 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, bei den kroatischen 

Behörden individuelle schriftliche Zusicherungen hinsichtlich einer ange-

messenen Unterbringung und Ernährung sowie des Zugangs zu einem dis-

kriminierungsfreien und fairen Asylverfahren und zur medizinischen Grund-

versorgung einzuholen.  

8.8 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel-

raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter die-

sem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine 

Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Un-

terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des-

halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

9.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 

Da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungs-

bewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von 

Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Das 

Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides, weshalb allfällige Vollzugshindernisse ge-

mäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht 

mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).  

10.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung – hinsichtlich des Nichteintretens auf das Asylgesuch und der 

Überstellung nach Kroatien (Dublin-Verfahren) – Bundesrecht nicht verletzt 

und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen. 

11.  

Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren in Bezug auf das 

Dublin-Verfahren abgeschlossen, weshalb der Antrag auf Erteilung der 

D-5258/2023 

Seite 17 

aufschiebenden Wirkung gegenstandslos wird und der mit superprovisori-

scher Massnahme vom 29. September 2023 angeordnete Vollzugsstopp 

dahinfällt. 

12.  

12.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, womit die Vo-

raussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorlie-

genden Entscheid in der Sache gegenstandslos. 

12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5258/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Über das Begehren hinsichtlich der Datenänderung im Zentralen Migrati-

onsinformationssystem (ZEMIS) wird im separaten Verfahren D-5367/2023 

entschieden. 

2.  

Die Beschwerde wird hinsichtlich des Nichteintretens auf das Asylgesuch 

und der Überstellung in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Dublin-Ver-

fahren) abgewiesen. 

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

4.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

Versand: