# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75f3b35b-944a-5341-85cf-9ab6fadd6501
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2022 D-5437/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5437-2022_2022-12-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5437/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richter William Waeber;  

Gerichtsschreiberin Bettina Hofmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,  

(…),   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 26. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5437/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 22. Juni 2022 – zusammen mit ihrem 

Partner B._______ (N […]) – in der Schweiz um Asyl nach und wurde in 

der Folge dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region C._______ zugewie-

sen, wo sie am 27. Juni 2022 die ihr zugewiesene Rechtsvertretung bevoll-

mächtigte und am 4. Juli 2022 die Personalienaufnahme (PA) stattfand.  

B.  

Im Zuge mehrerer Konsultationen des zuständigen Gesundheitsdienstes 

wurden bei der Beschwerdeführerin zwischen dem 5. Juli 2022 und 18. Juli 

2022 (…) diagnostiziert und (…) sowie (…) verordnet. Ausserdem erfolgte 

am 22. Juli 2022 eine (…).   

C.  

C.a Am 19. Oktober 2022 wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asyl-

gründen angehört. 

C.b In Bezug auf ihren persönlichen Hintergrund und zu ihren Gesuchs-

gründen brachte sie im Wesentlichen vor, sie sei kolumbianische Staats-

angehörige und habe zuletzt in D._______ (Departement E._______) ge-

lebt. Ihre Tochter (F._______) sei in der Schule Opfer von Mobbing gewor-

den, unter anderem seitens einer Mitschülerin (G._______), deren Familie 

den «Autodefensas Unidas de Colombia (AUC)» angehöre. Aufgrund einer 

in der Schule erlittenen Verletzung seitens G._______ seien deren Ange-

hörige (nachfolgend: Familie H._______) am 22. März 2022 bei ihrer Fa-

milie zu Hause erschienen, hätten sich nach F._______ erkundigt und letz-

tere für die mutmasslich zugefügten Verletzungen zur Rechenschaft ziehen 

wollen. Als F._______ nicht vor Ort gewesen sei, hätten sie andere Fami-

lienangehörige tätlich angegriffen und in Anwesenheit der aufgebotenen 

Polizei mit dem Tod bedroht. Daraufhin habe die Polizei betreffend 

F._______ eine psychologische Abklärung beim kolumbianischen Institut 

für Familienschutz eingeleitet, welches aufgrund des psychischen Leidens-

drucks des Mädchens zu einem Umzug innerhalb Kolumbiens oder gar zu 

einem Landeswechsel geraten habe. Noch bevor sie diesem Rat hätten 

folgen können, habe sie die Familie H._______ solchermassen behelligt 

und fortan mit dem Tod bedroht, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus 

getraut hätten. In diesem Zusammenhang hätten sie sich erfolglos an die 

örtliche Polizei gewandt, zumal Angehörige der Familie H._______ bei der-

selben tätig seien und es sich bei der AUC um eine kriminelle Organisation 

handle. Vor diesem Hintergrund hätten sie – die Beschwerdeführerin, ihre 

D-5437/2022 

Seite 3 

Tochter und ihr Partner – Kolumbien aus Angst um ihr Leben am 15. April 

2022 verlassen und ihre Tochter zunächst in die Obhut von (…) in 

I._______ übergeben, bevor sie in die Schweiz weitergereist seien. 

C.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte sie insbesondere fol-

gende Unterlagen ins Recht:  

- kolumbianischen Reisepass (gültig bis 5. Februar 2029 [im Original]); 

- Identitätskarte ihrer Tochter (in Kopie);   

- drei Fotografien (gemäss eigenen Angaben: Abbildungen der erlittenen 

Verletzungen ihrer Tochter infolge des Mobbings aus dem Jahr 2021 

sowie ihrer Familienangehöriger infolge des tätlichen Angriffs vom 

22. März 2022);  

- Bericht des kolumbianischen Instituts für Familienschutz betreffend ihre 

Tochter vom 28. März 2022 (in Kopie). 

D.  

D.a Die im Rahmen des beschleunigten Verfahrens zugewiesene Rechts-

vertretung nahm zum Entwurf des ablehnenden Asylentscheids des SEM 

vom 24. Oktober 2022 mit Schreiben vom 25. Oktober 2022 Stellung.  

D.b Darin führte sie im Wesentlichen aus, das SEM verkenne, dass der 

Konflikt mit der Familie H._______ auch einen Konflikt mit der AUC zur 

Folge habe und die angerufenen Medienberichte die Schutzunwilligkeit der 

kolumbianischen Behörden hinsichtlich des landesweiten Netzwerks der 

AUC aufzeigten. Vor diesem Hintergrund könne sich die Beschwerdefüh-

rerin der Bedrohungslage auch nicht durch einen Umzug in einen anderen 

Landesteil entziehen.  

Ferner sei darauf hinzuweisen, dass das SEM die ins Recht gelegten Be-

weismittel, insbesondere den Bericht des kolumbianischen Instituts für Fa-

milienschutz betreffend die Tochter der Beschwerdeführerin vom 28. März 

2022, worin die heimatlichen Behörden der Familie einen Umzug im eige-

nen Land respektive eine Flucht ins Ausland empfohlen hätten, nicht be-

rücksichtigt habe.  

Schliesslich sei das SEM zu Unrecht davon ausgegangen, dass die Be-

schwerdeführerin und ihre Tochter bis zur Ausreise im Haus ihrer Familie 

gelebt hätten. Diesbezüglich sei klarzustellen, dass die beiden vor der Aus-

reise zum Partner der Beschwerdeführerin gezogen seien, was auch keine 

Abhilfe geschaffen habe.  

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Seite 4 

E.  

Mit Verfügung vom 26. Oktober 2022 (gleichentags eröffnet) stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Vollzug an. 

F.  

Am 26. Oktober 2022 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM 

die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. 

G.  

Gegen den ablehnenden Asylentscheid erhob die Beschwerdeführerin mit 

Eingabe vom 25. November 2022 (Datum des Poststempels) beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Ver-

fügung sei aufzuheben und ihr unter Zuerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an 

das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie 

um Koordination des vorliegenden Verfahrens mit demjenigen ihres Part-

ners B._______ (N […]), um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie 

um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung.  

H.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

28. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

Gleichentags bestätigte es den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vor- 

liegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Be-

schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Covid-19-Ver-

ordnung Asyl vom 20. April 2020 [SR 142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 5 

 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht koordiniert das vorliegende Verfahren 

antragsgemäss mit der ebenfalls am Bundesverwaltungsgericht hängigen 

Beschwerde des Partners der Beschwerdeführerin (vgl. D-5435/2022). Die 

Akten beider Asylverfahren werden jeweils auch für das konnexe Verfahren 

berücksichtigt. Zudem werden beide Fälle durch denselben Spruchkörper 

beurteilt und gleichzeitig entschieden. 

 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt – 

als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), 

ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen (unrichtige und unvollstän-

dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Verletzung 

des Willkürverbots) erhoben. Sie sind vorab zu beurteilen, da sie gegebe-

nenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu 

bewirken. 

 

4.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dabei muss die 

Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen be-

schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ord-

nungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung 

dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter 

belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn 

die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes 

wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BIN-

DER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16). 

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Seite 6 

Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang rügt, das SEM 

verkenne sowohl das Vorliegen einer asylrelevanten Verfolgung im Heimat-

land als auch von Wegweisungsvollzugshindernissen, vermengt sie die 

sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Pflicht zur Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts mit der rechtlichen Würdigung der Sa-

che, welche die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl-

gründe und Wegweisungsvollzugshindernisse betrifft, weshalb diesbezüg-

lich auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist. Alleine der Um-

stand, dass die Beschwerdeführerin die Auffassung und Schlussfolgerun-

gen des SEM nicht teilt, stellt mithin keine unrichtige beziehungsweise un-

vollständige Sachverhaltsfeststellung dar.  

Eine weitere Verletzung der Untersuchungspflicht erblickt die Beschwerde-

führerin darin, dass das SEM den medizinischen Sachverhalt, insbeson-

dere betreffend ihre Tochter, nicht hinreichend abgeklärt habe. Diesbezüg-

lich ist vorab festzuhalten, dass die Tochter der Beschwerdeführerin nicht 

Partei des vorliegenden Asylverfahrens ist, weshalb die ihre Person betref-

fende unvollständige oder unrichtige Sachverhaltsabklärung nicht gerügt 

werden kann. Im Übrigen ergeben sich nach Prüfung der Akten keine An-

haltspunkte, welche den Schluss zulassen würden, die Vorinstanz habe 

den medizinischen Sachverhalt in Bezug auf die Beschwerdeführerin un-

vollständig oder unrichtig abgeklärt, zumal die Beschwerdeführerin – über 

die erfolgten medizinischen Behandlungen hinaus (vgl. Prozessge-

schichte, Bst. B.) – im vorinstanzlichen Verfahren keine gesundheitlichen 

Probleme geltend machte (SEM-Akten 1177507-19/17 [nachfolgend A19] 

F4-9) und die erstmals auf Beschwerdeebene vorgebrachten psychischen 

Probleme weder belegte noch ansatzweise substantiierte (vgl. Be-

schwerde, S. 9 f. Ziff. 24 und 28). 

4.3 Sodann liegt Willkür nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in 

Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre, sondern nur, wenn ein 

Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-

rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-

grundsatz klar verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-

danken zuwiderläuft (vgl. BGE 133 I 149 E. 3.1 m.w.H.). Auf Beschwerde-

ebene wird jedoch weder näher ausgeführt (vgl. Beschwerde, S. 3 Ziff. 2) 

noch ist – im Sinne einer Prüfung von Amtes wegen – ersichtlich, dass und 

inwiefern die Erwägungen des SEM darunter zu subsumieren wären. An-

gesichts der über eine blosse Willkürprüfung hinausgehenden Kognition 

des Gerichts kommt der Rüge der Willkür ohnehin keine selbständige Be-

deutung zu.  

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Seite 7 

4.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM 

zurückzuweisen. Der entsprechende Subeventualantrag ist abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Das SEM gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die 

Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.  

Im Wesentlichen hält es fest, dass es sich bei den von der Beschwerde-

führerin geltend gemachten Behelligungen seitens der Familie H._______ 

um eine Verfolgung durch private Drittpersonen handle, gegen die der ko-

lumbianische Staat grundsätzlich schutzfähig und schutzwillig sei. Vorlie-

gend gebe es keine konkreten Hinweise, wonach sie im obgenannten Zu-

sammenhang keinen Schutz erhalten hätte, wenn sie eine Anzeige bei der 

Polizei erstattet hätte, was sie versäumt habe. Die Behauptungen über die 

Schutzunfähigkeit der Behörden erschöpften sich in Vermutungen, wonach 

die Familie H._______ über Beziehungen zur Polizei verfüge, indem ein 

(…) und weitere Verwandte dort arbeiteten. Sodann liessen die geschilder-

ten Umstände darauf schliessen, dass es sich um einen Konflikt mit der 

Familie H._______ handle, welcher nicht auf eine paramilitärische Gruppe 

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Seite 8 

zurückzuführen sei. Entsprechend sei die geltend gemachte Verfolgung lo-

kal begrenzt, weshalb es ihr möglich sei, in einem anderen Landesteil 

Schutz zu suchen. Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz könne vorliegend 

auf eine Glaubhaftigkeitsprüfung verzichtet werden.  

 

Zur Stellungnahme zum Verfügungsentwurf erwägt es, dass damit keine 

Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt worden seien, welche eine Ände-

rung des dargelegten Standpunktes rechtfertigen könnten, weshalb auf die 

bisherigen Erwägungen verwiesen werden könne. Der Vollständigkeit hal-

ber sei dennoch anzumerken, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen 

der Anhörung den vollständigen Namen der AUC nicht habe nennen kön-

nen (vgl. A19 47-51), was Zweifel an der vorgebrachten Verfolgung auf-

kommen lasse. Ungeachtet der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens und der 

bereits erwähnten Schutzmassnahmen sei die AUC – entgegen den Vor-

bringen der Beschwerdeführerin – auch nicht auf dem gesamten Staatsge-

biet Kolumbiens aktiv. Der Vollständigkeit halber sei ebenfalls anzufügen, 

dass die Beschwerdeführerin den in der Stellungnahme vorgebrachten 

Wohnsitzwechsel in der Anhörung nicht erwähnt habe (vgl. A19 F40, F155). 

6.2 Die Beschwerdeführerin beschränkt sich in ihrer Rechtsmitteleingabe 

inhaltlich auf eine sinngemässe Wiederholung der bisherigen Aussagen.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass das SEM zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen der Be-

schwerdeführerin genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführungen 

in der angefochtenen Verfügung (vgl. die Zusammenfassung der entspre-

chenden Erwägungen in E. 6.1 des vorliegenden Urteils) kann mit den 

nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden. Mit dem Wiederholen der 

bisherigen Aussagen hält die Beschwerdeführerin der Argumentation des 

SEM nichts Konkretes entgegen.  

7.2 Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Per-

son in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz vor 

nichtstaatlicher Verfolgung finden kann. Der Schutz gilt als ausreichend, 

wenn eine funktionierende Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht und 

diese dem Betroffenen zugänglich ist, wobei von einem Staat nicht erwartet 

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werden kann, dass er jederzeit präventiv in alle Lebensbereiche seiner Bür-

ger eingreifen kann (vgl. zu dieser sogenannten Schutztheorie BVGE 

2011/51 E. 7.1-7.4, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2).  

Ohne die sowohl in der Stellungnahme als auch auf Beschwerdeebene 

geltend gemachte, in verschiedenen Gegenden Kolumbiens bisweilen pre-

käre Sicherheitslage in Abrede stellen zu wollen, geht auch das Bundes-

verwaltungsgericht in ständiger Praxis von der grundsätzlichen Schutzfä-

higkeit und Schutzwilligkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und 

Justizbehörden aus (vgl. etwa Urteile des BVGer D-4959/2022 und  

D-4941/2022 vom 29. November 2022 S. 8/9, D-1026/2022 und D-1023/ 

2022 vom 5. April 2022 E. 6.3.4 sowie D-1633/2021 vom 25. Mai 2021 

E. 7.1.3). Sodann ist dem SEM (im Ergebnis) darin zuzustimmen, dass die 

Beschwerdeführerin zwar geltend machte, sich erfolglos an die örtliche Po-

lizei gewandt zu haben (vgl. A19 F12), auf entsprechende Nachfrage aber 

explizit verneinte, jemals Anzeige bei der besagten oder Beschwerde bei 

der nächst höheren (gerichtlichen) Instanz erstattet zu haben (vgl. A19 

F55-58). Damit hat sie die Schutzsuche in Kolumbien offensichtlich nicht 

ausgeschöpft, wozu sie jedoch gehalten gewesen wäre. Auch die in der 

Stellungnahme zum Verfügungsentwurf angerufenen Medienberichte ver-

mögen die Vermutung der bestehenden Schutzfähigkeit und -willigkeit der 

kolumbianischen Behörden nicht umzustossen, zumal sie keinen konkre-

ten Bezug zur Person der Beschwerdeführerin und deren individuellen 

Asylvorbringen aufweisen. Etwas anderes ergibt sich im Übrigen auch nicht 

aus dem eingereichten Bericht des kolumbianischen Instituts für Familien-

schutz betreffend ihre Tochter vom 28. März 2022 (vgl. Prozessgeschichte, 

Bst. B.c), zumal sie auch hier auf die Möglichkeit hinzuweisen ist, sich – 

nötigenfalls mit Hilfe einer Anwältin oder eines Anwalts – an eine andere 

oder übergeordnete Stelle zu wenden. Den Akten lassen sich sodann keine 

konkreten Hinweise für die Annahme entnehmen, die heimatlichen Behör-

den würden der Beschwerdeführerin bei Bedarf den erforderlichen Schutz 

verweigern, zumal auch keine Hinweise vorliegen, dass ihr die Hilfe aus 

einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe verweigert würde. Der 

geltend gemachten Gefahr von Nachstellungen seitens privater Drittperso-

nen ist daher – in Übereinstimmung mit dem SEM – keine asylrechtliche 

Relevanz zuzuerkennen. In Anbetracht dessen erübrigt es sich, auf die ein-

gereichten Fotografien (vgl. Prozessgeschichte, Bst. C.c) und Ungereimt-

heiten im Sachverhaltsvortrag einzugehen.   

7.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat das SEM im Üb-

rigen zu Recht ergänzend darauf hingewiesen, dass sie sich alternativ 

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Seite 10 

auch in einer anderen Region Kolumbiens aufhalten könnte, falls sie sich 

an ihrem bisherigen Wohnsitz trotz der Schutzmassnahmen unsicher füh-

len sollte.  

7.4 Die Vorinstanz hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch folgerichtig abge-

lehnt.  

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die 

Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung 

wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.  

 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. 

9.2.1 Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist 

– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 

AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung be-

urteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtli-

chen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 

D-5437/2022 

Seite 11 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

9.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Solches wird von der Beschwerdeführerin indessen weder 

vorgebracht noch ergeben sich entsprechende konkrete Anhaltspunkte aus 

den Akten. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen.  

9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.1 In Kolumbien herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situ-

ation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-

bar wäre (vgl. hierzu Urteil des BVGer D-0908/2021 vom 11. Oktober 2021 

E. 7.4.2 m.w.H sowie jüngst D-4959/2022 vom 29. November 2022 S. 12 

und D-4941/2022 vom 29. November 2022 S. 11). 

9.3.2 Auch sprechen keine individuellen Gründe gegen einen Wegwei-

sungsvollzug. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine (…)-

jährige Frau, die in Kolumbien mit (…), (…), (…) und (…) auf ein tragfähi-

ges Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen 

kann (vgl. A19 F136, F139 f., F160-168). Weiter hat sie in ihrem Heimat-

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Seite 12 

land eine Ausbildung als (…) absolviert und mehrere Jahre Berufserfah-

rung gesammelt (vgl. A19 F126-136). Ausserdem leidet sie den Akten zu-

folge – abgesehen von (…) (vgl. A19 F4-9) – an keinen gesundheitlichen 

Problemen. Im Übrigen steht es der Beschwerdeführerin angesichts der in 

Kolumbien bestehenden medizinischen Infrastruktur offen, sich in ihrer Hei-

mat weiterbehandeln zu lassen. Dasselbe hat nach dem zuvor Dargelegten 

für die erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemachten, jedoch weder 

belegten noch substantiierten psychischen Probleme zu gelten. Ferner 

steht es der Beschwerdeführerin im Rahmen der Rückkehr offen, vor der 

Ausreise beim SEM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stel-

len, die unter anderem in der Mitgabe von Medikamenten bestehen kann 

(vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. Au-

gust 1999 [AsylV2, SR 142.312]). Entgegen der Auffassung der Beschwer-

deführerin kann sie schliesslich auch aus Art. 3 des Übereinkommens vom 

20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) kein Voll-

zugshindernis ableiten, zumal wiederum darauf hinzuweisen ist, dass ihre 

Tochter nicht Partei des vorliegenden Asylverfahrens ist und sich im Übri-

gen auch nicht in der Schweiz aufhält. 

9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung ins-

gesamt als zumutbar.  

9.4 Schliesslich verfügt die Beschwerdeführerin über einen gültigen Reise-

pass (vgl. Prozessgeschichte, Bst. B.c), weshalb der Vollzug der Wegwei-

sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 

VwVG und Art. 102m Abs. 1 Bst. a und Abs. 4 AsylG). Aufgrund der vorste-

henden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu 

gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen 

D-5437/2022 

Seite 13 

nicht gegeben, weshalb die Gesuche ungeachtet der geltend gemachten 

Mittellosigkeit abzuweisen sind.  

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–  

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vor-

liegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5437/2022 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Bettina Hofmann