# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5cb2bb72-fc6c-5d66-9f03-14cf476abd8f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-24
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 24.08.2015 HG130109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG130109_2015-08-24.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 

Geschäfts-Nr.: HG130109-O U 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. George Daetwyler, Vizepräsident, und Oberrichterin 

Dr. Claudia Bühler, die Handelsrichter Ulrich Ritter, Thomas Huon-

der und Diego Brüesch sowie der Gerichtsschreiber Adrian Joss 

 

Urteil vom 24. August 2015 

 

in Sachen 

 
A._____ AG …,  

Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt M.A. HSG et dipl. Ing. ETH X1._____,  

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw X2._____,  

 

gegen 

 
B._____ AG,  

Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Y._____,  

 
betreffend Forderung 
 
 
 
 
 

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Inhaltsübersicht 
Sachverhalt und Verfahren ............................................................................................... 5 
A. Sachverhaltsübersicht ............................................................................................... 5 

a. Parteien und ihre Stellung .................................................................................... 5 
b. Prozessgegenstand ............................................................................................... 5 

B. Prozessverlauf ............................................................................................................ 5 
Erwägungen ........................................................................................................................ 7 
1. Formelles ..................................................................................................................... 7 

1.1. Örtliche Zuständigkeit........................................................................................ 7 
1.2. Sachliche Zuständigkeit .................................................................................... 7 
1.3. Übrige Prozessvoraussetzungen..................................................................... 8 

2. Vertraglicher Anspruch auf Mehrvergütung ........................................................... 8 
2.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................................... 8 
2.2. Wesentliche Parteistandpunkte ....................................................................... 8 
2.3. Rechtliches........................................................................................................10 

2.3.1. Pauschalpreis ................................................................................................10 
2.3.2. Einheitspreis ..................................................................................................11 
2.3.3. Tatsächlicher Konsens und Auslegung eines Vertrags nach dem 
Vertrauensprinzip .....................................................................................................11 
2.3.4. Beweislastverteilung .....................................................................................14 
2.3.5. Behauptungs- und Substantiierungslast sowie Verknüpfung von 
Behauptungen und Beweismitteln.........................................................................14 

2.4. Auslegung nach dem Vertrauensprinzip (normativer Konsens) ...............15 
2.4.1. Ausgangslage ................................................................................................15 
2.4.2. Vertragliche Grundlagen ..............................................................................16 
2.4.3. Allgemeine Einkaufsbedingungen der Beklagten als 
Vertragsbestandteil ..................................................................................................17 
2.4.4. Grammatikalische Auslegung .....................................................................18 

2.4.4.1. Streitpunkte.............................................................................................18 
2.4.4.2. Auslegung der Ziff. 1.5 Spezifikation Stahlbau .................................19 
2.4.4.3. Systematisches Element ......................................................................21 
2.4.4.4. Fazit .........................................................................................................22 

2.4.5. Zeitpunkt des Zustandekommens des Vertrags ......................................23 
2.4.6. Ausschreibung ...............................................................................................24 

2.4.6.1. Streitpunkte zur Ausschreibung ..........................................................25 
2.4.6.2. Ausschreibungsunterlagen...................................................................26 
2.4.6.3. Spezifikation Stahlbau vom 20. August 2010 ...................................27 
2.4.6.4. Dokumente I._____ zum Stahlbauprojekt Los 2 ..............................28 
2.4.6.5. Dokument Preisstruktur, Angebot Stahlbau Los 2 ...........................29 
2.4.6.6. Ausführungsvorschrift Stahlbau vom 4. September 2009 ..............30 
2.4.6.7. Informationsblatt Angebot Stahlbau Los 2 vom 28. Mai 2010........31 
2.4.6.8. Fazit .........................................................................................................31 

2.4.7. Angemessenheit bzw. Sachgerechtigkeit der Regelung ........................31 
2.4.8. Fazit.................................................................................................................32 

2.5. Tatsächlicher Konsens ....................................................................................32 
2.5.1. Ausgangslage ................................................................................................32 
2.5.2. E-Mails vom 14. und 23. Dezember 2010.................................................33 
2.5.3. Sitzung vom 24. Januar 2011 .....................................................................34 

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2.5.4. E-Mails vom 27. Januar 2011 und vom 31. Januar 2011.......................35 
2.5.5. Abrechnung vom 14. Mai 2012...................................................................36 
2.5.6. Fazit.................................................................................................................36 

2.6. Keine richterliche Vertragsanpassung ..........................................................36 
2.7. Keine Genehmigung des Nachtrags S-07 ...................................................36 
2.8. Quantitativ .........................................................................................................39 
2.9. Fazit....................................................................................................................41 

3. Haftung aus culpa in contrahendo.........................................................................41 
3.1. Parteistandpunkte ............................................................................................41 
3.2. Rechtliches........................................................................................................41 
3.3. Kein Verschulden .............................................................................................42 
3.4. Verjährung .........................................................................................................43 
3.5. Fazit....................................................................................................................44 

4. Einrede des nicht erfüllten Vertrages gemäss Art. 82 OR.................................44 
5. Ergebnis.....................................................................................................................45 
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................................46 
 

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Rechtsbegehren der Klage: 
(act. 1 S. 2) 

" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 489'133.00 
zzgl. Zins zu 5% seit 19. März 2012 auf CHF 278'328.90 und seit 
25. Februar 2013 auf CHF 210'804.10 zu bezahlen. 

 2. Es seien die Wirkungen des Rechtsvorschlages in der Betreibung 
Nr. 1 (Zahlungsbefehl vom 14. Januar 2013) sowie in der Betrei-
bung Nr. 2 (Zahlungsbefehl vom 26. Februar 2013) des Betrei-
bungsamtes D._____-... aufzuheben. 

 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWST) zu 
Lasten der Beklagten." 

 

Rechtsbegehren der Widerklage: 
(act. 9 sinngemäss) 

 1. Die Klägerin und Widerbeklagte sei zu verpflichten, der Beklagten 
und Widerklägerin CHF 284'909.35 nebst Zins zu 5% seit 14. Juni 
2013 zu bezahlen, und es sei der Rechtsvorschlag in der Betrei-
bung Nr. 3 des Betreibungsamtes C._____ (Zahlungsbefehl vom 
3. Juli 2013 in diesem Umfang definitiv und vollumfänglich zu be-
seitigen. 

 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWST) zu 
Lasten der Klägerin und Widerbeklagten. 

 

Geändertes Rechtsbegehren: 
(act. 30 S. 2) 

"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 235'181.50 
zzgl. Zins zu 5 % seit 19. März 2012 zu bezahlen. 

 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten 
der Beklagten." 

 
 

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Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in C._____, welche in der Planung 

und Ausführung von Hallen, Stahl- und Metallbauten sowie im Handel mit Stahl 

und Metallprodukten tätig ist (act. 3/5).  

Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._____. Sie erbringt Dienst-

leistungen wie Beratung, Prozess und Verfahrenstechnik, Engineering sowie Pro-

jekt- und Qualitätsmanagement mit Eigen- oder Dritt-Know-How im Bereich der 

Umwelt- und Energietechnik für den öffentlichen Sektor, Industrien und gewerbli-

chen Bedarf, insbesondere mit Problemstellungen bezüglich Rauchgasreinigung, 

thermische Entsorgung von Müll und Sondermüll sowie der Herstellung von Ener-

gie aus Biomasse (act. 3/3).  

b. Prozessgegenstand 

Die Klägerin wurde von der Beklagten mit der Planung und Konstruktion einer 

Stahlbaukonstruktion im Zusammenhang mit der Erstellung einer Rauchgasreini-

gungsanlage beauftragt. Sie macht in diesem Verfahren Mehrkosten für zusätzli-

che Stahlmassen geltend und verlangt deren Vergütung.  

B. Prozessverlauf  

Am 27. Juni 2013 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin hierorts Klage mit 

oberwähntem Rechtsbegehren ein (act. 1). Sie leistete den ihr auferlegten Ge-

richtskostenvorschuss fristgerecht (act. 4; act. 6). Mit ihrer Klageantwort vom 

16. Oktober 2013 erhob die Beklagte Widerklage (act. 9). Den ihr hierauf auferleg-

ten Gerichtskostenvorschuss leistete die Beklagte ebenfalls fristgerecht (act. 12; 

act. 14). Die Widerklageantwort datiert vom 28. Februar 2014 (act. 19). Am 4. Juni 

2014 fand eine Vergleichsverhandlung statt, anlässlich welcher die Parteien – un-

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ter Mitwirkung der Gerichtsdelegation – folgenden Teil-Vergleich schlossen 

(Prot. S. 9 f., act. 25): 

" 1. Die Parteien vereinbaren, das Verfahren auf die klägerische Forderung aus "Nachtrag 
Mehrtonnage Stahl S-07" von CHF 217'760.65 zzgl. 8% MwSt zu beschränken und im 

Übrigen mit diesem Vergleich zu erledigen. 

 2.  Im darüber hinausgehenden Betrag reduziert die Klägerin die Klage auf CHF 55'000.– 

zzgl. 8% MwSt und die Beklagte anerkennt sie in diesem Umfang.  

 3.  Gestützt auf diese Vereinbarung zieht die Beklagte ihre Widerklage vollumfänglich zu-

rück. 

 4.  Die Klägerin zieht die Betreibungen Nr. 1 (Zahlungsbefehl vom 14. Januar 2013) und Nr. 

2 (Zahlungsbefehl vom 26. Februar 2013) des Betreibungsamtes D._____-... innert 30 
Tagen nach Eingang der Zahlung gemäss Ziffer 2 zurück. 

 5.  Die Beklagte zieht die Betreibung Nr. 3 des Betreibungsamtes C._____ (Zahlungsbefehl 
vom 3. Juli 2013) zurück. 

 6.  Die Parteien übernehmen die Gerichtskosten (mit Ausnahme derjenigen betreffend die 

klägerische Forderung aus "Nachtrag Mehrtonnage Stahl S-07" von CHF 217'760.65 
zzgl. 8% MwSt) je zur Hälfte und verzichten gegenseitig auf eine Parteientschädigung 

für den Aufwand bis und mit heute (mit Ausnahme des bisherigen und künftigen Auf-
wandes im Zusammenhang mit der noch offenen klägerischen Forderung aus "Nachtrag 

Mehrtonnage Stahl S-07" von CHF 217'760.65 zzgl. 8% MwSt). 

 7.  Mit Erfüllung dieses Vergleichs erklären sich die Parteien per Saldo aller gegenseitigen 

Ansprüche, mit Ausnahme der noch offenen klägerischen Forderung aus "Nachtrag 
Mehrtonnage Stahl S-07" von CHF 217'760.65 zzgl. 8% MwSt, auseinandergesetzt." 

Das Verfahren wurde, soweit es nicht die klägerische Forderung aus dem "Nach-

trag Mehrtonnage Stahl S-07" von CHF 217'760.65 zzgl. 8% MwSt. betrifft, in der 

Folge mit Verfügung vom 6. Juni 2014 zufolge Vergleichs als erledigt abgeschrie-

ben (act. 26).  

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Betreffend den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch aus dem "Nachtrag 

Mehrtonnage Stahl S-07" im Umfang von CHF 217'760.65 zzgl. 8% MwSt. wurde 

das Verfahren fortgesetzt. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 16. Juni 2014 

der Klägerin Frist zur Replik angesetzt (act. 28). Nach Eingang der Replik vom 

18. September 2014 (act. 30), in welcher die Klägerin ihre Forderung aus dem 

"Nachtrag Mehrtonnage Stahl S-07" im Rechtsbegehren inklusive Mehrwertsteuer 

aufführt, wurde der Beklagten mit Verfügung vom 22. September 2014 Frist zur 

Duplik angesetzt (act. 32). Diese wurde mit Eingabe vom 17. Dezember 2014 er-

stattet (act. 35) und in der Folge der Klägerin zugestellt (act. 36). Auf die Durch-

führung einer Hauptverhandlung haben die Parteien verzichtet (act. 40; act. 41).  

Erwägungen: 

1. Formelles 

1.1. Örtliche Zuständigkeit 

Im vorliegenden Fall geht es um eine Forderung im Zusammenhang mit einem 

Werkvertrag. Die örtliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ergibt sich aus einer 

zwischen den Parteien in den Allgemeinen Einkaufsbestimmungen der Beklagten 

geschlossenen Gerichtsstandsvereinbarung (act. 3/4 Ziff. 11.4; Art. 17 ZPO). 

Selbst wenn man der klägerischen Auffassung folgen würde, wonach die 

Allgemeinen Einkaufsbestimmungen der Beklagten vertraglich nicht übernommen 

wurden (act. 1 Rz. 3; vgl. Ziff. 2.4.3 hernach), besteht aufgrund von Art. 31 ZPO 

eine Zuständigkeit für Klagen aus Vertrag am Sitz der Beklagten. Im Ergebnis ist 

die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Handelsgerichts unstrittig (act. 1 Rz. 2 

f.; act. 9 Rz. 2 f.). 

1.2. Sachliche Zuständigkeit 

Das Handelsgericht Zürich ist unbestrittenermassen auch sachlich zuständig 

(Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG). 

 

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1.3. Übrige Prozessvoraussetzungen 

Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Klage 

einzutreten ist (vgl. Art. 59 Abs. 1 und 2 ZPO).  

2. Vertraglicher Anspruch auf Mehrvergütung 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Die Beklagte ist im April 2009 von E._____ (E._____) beauftragt worden, im 

Rahmen eines Projektes zur Erstellung einer Anlage zur thermischen Verwertung 

von Siedlungsabfällen auf dem Gelände F._____ die komplette Rauchgasreini-

gungsanlage zu planen und zu erstellen. Die einzelnen Arbeiten sind von der 

E._____ als Lose vergeben worden, wobei die an die Beklagte vergebene 

Rauchgasreinigungsanlage das Los 2 bildete. Die Arbeiten für die Erstellung und 

Planung der Stahlbaukonstruktion für die Rauchgasreinigungsanlage mit Tankla-

ger schrieb die Beklagte ihrerseits aus. Die Stahlbaukonstruktion sollte als Ab-

stellbasis für die Anlageteile der Rauchgasreinigungsanlage dienen und bezweck-

te, einen sicheren Zugang zu allen Eingriffspunkten der Rauchgasreinigungsanla-

ge zu den benachbarten Anlagezonen zu schaffen. Mit E-Mail vom 2. Juni 2010 

lud die Beklagte die Klägerin zur Offertstellung für die ausgeschriebenen Arbeiten 

ein. Im Anschluss fanden zwischen den Parteien Offertverhandlungen statt, wel-

che schliesslich zum Abschluss eines Werkvertrags führten (act. 1 Rz. 9 ff.; act. 9 

Rz. 8 ff.).  

2.2. Wesentliche Parteistandpunkte 

Die Klägerin macht geltend, ihr seien Kosten für zusätzlich benötigte Stahlmassen 

entstanden. Nach vereinbarungsgemässem Beginn der Planung bzw. dem Engi-

neering habe sich herausgestellt, dass das Vorausmass gemäss Ausschreibung 

der Beklagten viel zu klein gewesen sei. Gemäss Vorausmass seien 156 Tonnen 

Stahl für die Stahlkonstruktion nötig gewesen, die Statik der Klägerin habe aber 

ergeben, dass 97,15 Tonnen mehr nötig seien, was einer Mehrung von über 60% 

gegenüber den beklagtischen Angaben in der Ausschreibung entspreche. Trotz 

der Vereinbarung eines Pauschalpreises sei gemäss vertraglicher Vereinbarung 

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das Risiko dieser Mehrmassen Stahl der Beklagten übertragen worden. So sei in 

Ziff. 1.5 Abs. 2 der den Ausschreibungsunterlagen beigelegenen Spezifikation 

Stahlbau festgelegt worden, dass eine Abweichung von mehr als 10 % von den 

Projektplänen zu einer Preisanpassung für die entsprechende Vertragsposition 

führe. Der Beklagten seien die Stücklisten und Stahlbaupläne zur Genehmigung 

unterbreitet worden, welche sie im Nachgang zur Besprechung vom 24. Novem-

ber 2010 und 2. Dezember 2010 vorbehaltlos angenommen und zudem bestätigt 

habe, die Mehrkosten zu übernehmen. In der Folge sei nur so viel Stahl wie nötig 

verbaut worden, der Vorwurf der Beklagten, die Klägerin habe absichtlich grösse-

re Profile zwecks effizienterer Montage verwendet, gehe ins Leere. Zudem habe 

die Klägerin davon ausgehen dürfen, dass die als Basis für die Preisbildung ge-

nutzten Ausschreibungsunterlagen der Beklagten zumindest annähernd genau 

und korrekt seien. Es habe mithin bereits ein Vorausmass bzw. eine Vorstatik be-

standen, auf welche sie sich habe verlassen dürfen (act. 1 Rz. 10 ff; act. 30 

Rz. 8 ff.).  

Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, dass grundsätzlich ein Pauschalpreis 

vereinbart worden sei. Abweichungen vom Pauschalpreis seien nur für den Fall 

vereinbart worden, dass die Beklagte eine Änderung der Projektpläne vornehme, 

welche eine Abweichung von 10 % oder mehr pro Vertragsposition zur Folge ha-

be. Die Beklagte habe hinsichtlich der streitgegenständlichen Stahlkonstruktion 

keine von den Projektplänen abweichenden Vorgaben gemacht, weshalb folglich 

nur der Pauschalpreis für die in den Submissionsplänen dargestellte Stablage 

(Planung und Erstellung der Basiskonstruktion) geschuldet sei. Überdies bestrei-

tet die Beklagte die von der Klägerin behaupteten Mehrmassen. Die Klägerin ha-

be im Interesse einer rationellen und kostengünstigen Montage über weite Stre-

cken überdimensionierte Profile verwendet, weshalb höchstens ein Mehrgewicht 

von ca. vier bis fünf Prozent für Erdbebenlasten gerechtfertigt werden könnte. 

Schliesslich sei es unzutreffend, dass die Beklagte die Mehrmassen genehmigt 

habe. Die Beklagte habe mit der Freigabe der Konstruktionspläne lediglich aus 

technischer Sicht bestätigt, dass die Stahlkonstruktion wie von der Klägerin ge-

plant mit Bezug auf die vorgegebene Stablage in Ordnung sei und so produziert 

werden könne. Da die Parteien einen Pauschalpreis vereinbart hätten, trage die 

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Preisgefahr allein der Unternehmer bzw. die Klägerin. Die Ausschreibung sei so 

aufgebaut gewesen, dass eine komplette Leistung (Engineering und Arbeitsaus-

führung) zu einem Pauschalpreis gefragt gewesen sei. Der Beklagten sei zur Zeit 

der Ausschreibung auch keine Vorstatik vorgelegen, womit sie auch keine Vor-

stellung gehabt habe, welche Profilgrössen zu verwenden seien. Vielmehr sei die 

Klägerin in der Wahl der Profilgrössen frei gewesen. Die Beklagte weise auch 

keinerlei Engineeringkenntnisse im Bereich Stahlbau auf (act. 9 Rz. 18 ff.; act. 35 

Rz. 11 ff.). 

2.3. Rechtliches  

2.3.1. Pauschalpreis 

Wurde die Vergütung zum Voraus genau bestimmt, so ist der Unternehmer ge-

mäss Art. 373 Abs. 1 OR verpflichtet, das Werk für diese Summe fertigzustellen. 

Er darf keine Erhöhung fordern, selbst wenn er mehr Arbeit oder grössere Ausla-

gen gehabt hat, als vorgesehen war. Nur im Falle ausserordentlicher Umstände 

kann der Richter gemäss Art. 373 Abs. 2 OR nach seinem Ermessen eine Erhö-

hung des Preises oder die Auflösung des Vertrages bewilligen. Ausserordentliche 

Umstände nach Art. 373 Abs. 2 OR sind entweder Umstände, die nicht vorausge-

sehen werden konnten, oder Umstände, die nach den von beiden Beteiligten an-

genommenen Voraussetzungen ausgeschlossen waren (GAUCH, Der Werkver-

trag, 5. Aufl. 2011, Rz. 1074). Gemäss Art. 373 Abs. 3 OR hat der Besteller auch 

dann den vollen Preis zu bezahlen, wenn die Fertigstellung des Werkes weniger 

Arbeit als vorgesehen verursacht hat. 

Unter Art. 373 OR fällt der Tatbestand des Pauschalpreises. Ein solcher liegt 

dann vor, wenn sich die Parteien darauf geeinigt haben, dass der Unternehmer 

das von ihm geschuldete Werk als Ganzes zu einer vertraglich fixierten Geld-

summe herzustellen (und abzuliefern) hat. Die zwischen den Parteien getroffene 

pauschale Preisabrede ist verbindlich. Und sie ist grundsätzlich auch dann unab-

änderlich, wenn die Erstellungskosten (Arbeits-, Material- und andere Kosten) hö-

her oder geringer sind, als bei Vertragsabschluss vorgesehen war (Art. 373 Abs. 1 

und 3 OR). Dabei macht es keinen Unterschied, worin der Grund für die Mehr- 

https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/f00fc08f-a93b-4ea5-a101-ce5968be2a4d/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=7|bonfe2

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oder Minderkosten besteht. Nicht entscheidend ist mithin, ob die ursprüngliche 

Kostenvorstellung des Unternehmers auf grober Schätzung oder auf genauer 

Kostenanalyse beruht. Was die Mehrkosten im Besonderen angeht, so befreien 

sie den Unternehmer selbst dann nicht von der eingegangenen Preisbindung, 

wenn sie bewirken, dass er ohne Gewinn, gegebenenfalls sogar mit Verlust, ar-

beiten muss. Ein zu grosser Aufwand geht ohne weiteres zu seinen Lasten, wäh-

rend er umgekehrt auch von allfälligen Einsparungen profitiert. Der Pauschalpreis 

hat mithin ein spekulatives Element. Der umschriebene Festpreischarakter des 

Pauschalpreises ist allerdings kein absoluter. So ist es insbesondere möglich, 

dass sich die Parteien ein Recht auf Preiserhöhung oder -minderung für bestimm-

te Fälle vertraglich vorbehalten haben (Urteil des Bundesgerichts 4C.385/2005 

vom 31. Januar 2006 E. 5; GAUCH, a.a.O., Rz. 900 ff.). 

2.3.2. Einheitspreis 

Unter den Tatbestand von Art. 373 OR fällt weiter der Einheitspreis. Der Einheits-

preis bestimmt die Vergütung für eine bestimmte (Einzel-)Leistung, die der Unter-

nehmer zur Ausführung des Werkes aufbringen muss. Sein Merkmal besteht da-

rin, dass er je Einheit dieser Leistung (z.B. Tonne) festgesetzt wird. In der Ver-

handlungspraxis kommt es nicht selten vor, dass der Unternehmer für die Ausfüh-

rung des Werkes zunächst Einheitspreise offeriert, der Vertrag dann aber doch zu 

einem Pauschalpreis abgeschlossen wird, mithin eine Pauschalierung stattfindet. 

Davon zu unterscheiden ist der Fall, bei dem Unternehmer die Ausführung des 

Werkes von vornherein pauschal offeriert hat, obwohl vom Besteller eine Offerte 

mit Einheitspreisen verlangt wurde. Wird der Vertrag mit dem offerierten Pau-

schalpreis abgeschlossen, so kommt er mit diesem Preis zustande (GAUCH, 

a.a.O., Rz. 915 ff. und 932 f.).  

2.3.3. Tatsächlicher Konsens und Auslegung eines Vertrags nach dem Vertrau-

ensprinzip 

Im schweizerischen Vertragsrecht gilt bei Fragen des Konsenses oder der Ausle-

gung von Verträgen der Grundsatz der subjektiven Auslegung, das heisst, der In-

halt einer vertraglichen Vereinbarung bestimmt sich in erster Linie nach dem Sinn, 

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den ihr die Parteien übereinstimmend beigemessen haben und nicht etwa nach 

einer unrichtigen Bezeichnung oder Ausdrucksweise. Um darüber befinden zu 

können, ob tatsächlich eine Vereinbarung zwischen Parteien zustande gekommen 

ist, muss demnach zunächst nach ihrem übereinstimmenden wirklichen Willen 

gesucht werden (Art. 18 Abs. 1 OR). Es obliegt folglich dem Gericht, zunächst 

den wirklichen Willen der Parteien festzustellen, gegebenenfalls empirisch auf 

Grund von Indizien (z.B. Parteiverhalten nach Vertragsschluss). Dabei handelt es 

sich um eine Tatfrage. Wenn es dem Gericht nicht gelingt, diesen wirklichen Wil-

len zu ermitteln, oder wenn es feststellt, dass eine Partei den von der andern ge-

äusserten wirklichen Willen nicht verstanden hat, muss das Gericht eruieren, wel-

che Bedeutung die Parteien nach den Regeln von Treu und Glauben ihren ge-

genseitigen Willenserklärungen geben konnten und mussten. Nur wenn ein natür-

licher Konsens fehlt oder unbewiesen bleibt, gelangt somit das Vertrauensprinzip 

zur Anwendung, wobei die Ermittlung der Bedeutung, die den Willenserklärungen 

der Parteien beim Abschluss eines Vertrags nach Treu und Glauben zukommt, 

eine Rechtsfrage ist (Urteil des Bundesgerichts 4C.374/2001 vom 6. September 

2002 E. 2.1). 

Bei der Vertrauensauslegung hat das Gericht das als Vertragswille anzusehen, 

was vernünftig und redlich handelnde Parteien unter den gegebenen (auch per-

sönlichen) Umständen durch die Verwendung der auszulegenden Worte und ih-

rem sonstigen Verhalten ausgedrückt und folglich gewollt haben. Umstände, die 

den Parteien bei Vertragsschluss bekannt oder erkennbar waren, sind dabei mit 

zu berücksichtigen. Es ist somit der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses massge-

bend, weshalb nachträgliches Parteiverhalten bei der Auslegung nach dem Ver-

trauensprinzip – im Gegensatz zur Situation bei der Ermittlung des natürlichen 

Konsenses – nicht von Bedeutung ist.  

Im Zusammenhang mit der Vertragsauslegung nach dem Vertrauensprinzip hat 

das Bundesgericht in seiner neueren Rechtsprechung den Grundsatz differen-

ziert, wonach nur auf Interpretationsmethoden zurückgegriffen werden sollte, 

wenn der Wortlaut des zwischen den Parteien geschlossenen Vertrages Zweifel 

aufkommen lässt oder unklar ist. Es kann demnach nicht (mehr) zum Grundsatz 

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erhoben werden, dass andere Auslegungsmethoden bei klarem Wortlaut zum 

Vornherein auszuschliessen sind. Vielmehr geht aus Art. 18 Abs. 1 OR hervor, 

dass selbst der Sinn eines klaren Wortlautes nicht zwangsläufig massgebend sein 

muss und die reine Auslegung nach dem Wortlaut im Gegenteil gesetzeswidrig 

ist. Selbst wenn der Wortlaut einer Vertragsklausel auf den ersten Blick klar er-

scheint, kann sich aus anderen Vertragsbedingungen, aus dem von den Parteien 

verfolgten Zweck bzw. der Interessenlage oder anderen Umständen ergeben, 

dass der Wortlaut der genannten Klausel den Sinn des geschlossenen Vertrages 

nicht genau wiedergibt. Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was sachge-

recht ist, weil nicht anzunehmen ist, dass die Parteien eine unangemessene Lö-

sung gewollt haben. Das Gericht orientiert sich dabei am dispositiven Recht, weil 

derjenige Vertragspartner, der dieses verdrängen will, das mit hinreichender Deut-

lichkeit zum Ausdruck bringen muss.  

Auch wenn der Wortlaut nach dem soeben Gesagten für sich allein nicht als ent-

scheidend anzusehen ist, kommt ihm doch im Verhältnis zu den ergänzenden Mit-

teln der Vorrang zu: Immer dann, wenn die übrigen Auslegungsmittel, insbeson-

dere der Vertragszweck, nicht sicher einen anderen Schluss erlauben, hat es 

beim Wortlaut sein Bewenden. Bei der Auslegung nach dem Wortlaut kommt dem 

Sinngehalt des Wortes, den ihm der allgemeine Sprachgebrauch zumisst, ent-

scheidende Bedeutung zu. Denn mangels anderer Anhaltspunkte ist anzuneh-

men, dass die Parteien ein von ihnen verwendetes Wort gemäss dem allgemei-

nen Sprachgebrauch zur Zeit des Vertragsabschlusses, somit im Sinne der dama-

ligen Alltags- oder Umgangssprache, verwendet haben. Abzustellen ist demnach 

auf den gebräuchlichen Wortsinn, der sich auch aus üblichen Wörterbüchern und 

Lexika ergeben kann. Im Rahmen der grammatikalischen Auslegung ist aber auch 

das systematische Element zu berücksichtigen. Ein einzelner Ausdruck ist im Zu-

sammenhang, in dem er steht, als Teil eines Ganzen aufzufassen; sein Sinnge-

halt wird häufig bestimmt durch die Stellung, die er in diesem Ganzen einnimmt 

(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5C.87/2002 vom 24. Oktober 2002 E. 2.2 ff.; 

BGE 132 III 24 E. 4; BGE 131 III 606 E. 4.2 = Pra. 2006 Nr. 80; BGE 122 III 420 

E. 3a; BGE 127 III 444 ff. = Pra 2002 Nr. 22 E. 1.b; BGE 131 III 469 E. 1.1; Urteil 

des Bundesgerichts 5C.87/2002 vom 24. Oktober 2002 E. 2.2-4). 

- 14 - 

2.3.4. Beweislastverteilung 

Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei das 

Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte ab-

leitet. Grundsätzlich ist das Verhältnis der anwendbaren materiellen Normen für 

die Beweislastverteilung massgebend. Dieses bestimmt im Einzelfall, ob eine 

rechtsbegründende, rechtsaufhebende bzw. rechtsvernichtende oder rechtshin-

dernde Tatsache zu beweisen ist. Wer einen Anspruch geltend macht, hat die 

rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen. Demgegenüber liegt die Beweislast 

für die rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei, wel-

che den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder 

Durchsetzbarkeit bestreitet (BGE 128 III 271 E. 2aa). 

Behaupten die Parteien einen voneinander abweichenden tatsächlichen Konsens, 

ist zunächst zu prüfen, ob ein normativer Konsens besteht, da die Beweislast für 

den Bestand und Inhalt eines vom normativen Auslegungsergebnis abweichen-

den subjektiven Vertragswillens jene Partei trägt, welche aus diesem Willen zu ih-

ren Gunsten eine Rechtsfolge ableitet (BGE 121 III 118 E. 4.b.aa). 

2.3.5. Behauptungs- und Substantiierungslast sowie Verknüpfung von Behaup-

tungen und Beweismitteln 

Die beweisbelastete Partei hat die zu beweisenden Tatsachen zu behaupten, 

weshalb mit der Beweislast die Behauptungslast einhergeht. Die beweisfreie Par-

tei trifft hingegen die Bestreitungslast. Ein Aspekt der Behauptungs- ist die Sub-

stantiierungslast: Tatsachenbehauptungen sind so konkret zu formulieren, dass 

substantiiertes Bestreiten möglich ist oder der Gegenbeweis angetreten werden 

kann (SCHMID, in: BSK ZGB I, Art. 8 N. 29 und 33).  

Gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO enthält die Klage die Bezeichnung der einzel-

nen Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen (Prinzip der Beweisverbindung). 

Dabei ist ein Beweismittel nur dann als formgerecht angeboten zu betrachten, 

wenn sich die Beweisofferte eindeutig der damit zu beweisenden Tatsachenbe-

hauptung zuordnen lässt und umgekehrt. In der Regel sind die einzelnen Beweis-

- 15 - 

offerten unmittelbar im Anschluss an die Tatsachenbehauptungen aufzuführen, 

die damit bewiesen werden sollen. Mangels solcher Beweisofferten der beweisbe-

lasteten Partei unterbleibt eine Beweisabnahme (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

4A_56/2013 vom 4. Juni 2013, E. 4.4). Die Beweismittel sind vor Aktenschluss zu 

nennen, und ein späteres Nachreichen ist nur möglich, soweit noch neue Tatsa-

chen und Beweismittel in den Prozess eingeführt werden können (LEUENBERGER, 

in: SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, 

Art. 221 N. 51 f.).  

2.4. Auslegung nach dem Vertrauensprinzip (normativer Konsens) 

2.4.1. Ausgangslage 

Trotz des Vorrangs eines übereinstimmenden, tatsächlichen Vertragswillens ist 

zunächst eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip vorzunehmen. Je nach 

dem Vertragsinhalt gemäss Vertrauensprinzip trägt nämlich die Klägerin oder die 

Beklagte die Behauptungs- und Beweislast für einen von diesem Auslegungser-

gebnis abweichend behaupteten tatsächlichen Konsens und es bleibt für den Fall 

des Misslingens des Beweises beim Auslegungsergebnis (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 4A_683/2011 vom 6. März 2012 E. 5.1 f.). 

Das Bundesgericht hat diese Art der Vorgehensweise geschützt. Es führte dazu 

aus: "E. 5.1: […] Ziel der Vertragsauslegung ist es demnach, in erster Linie den 

übereinstimmenden wirklichen Parteiwillen festzustellen (Art. 18 Abs. 1 OR). Erst 

wenn eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbewiesen bleibt, sind zur Er-

mittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der Parteien aufgrund 

des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusam-

menhang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und muss-

ten. E. 5.2: Die Vorinstanz ging umgekehrt vor, indem sie zuerst eine normative 

Auslegung vornahm und hernach prüfte, ob die Beschwerdeführerin ihre davon 

abweichende Behauptung eines übereinstimmenden Parteiwillens bewiesen ha-

be. Im Ergebnis schadet dieses Vorgehen nicht, da die Vorinstanz so oder anders 

prüfte, ob ein tatsächlich übereinstimmender Parteiwille, wie ihn die Beschwerde-

- 16 - 

führerin behauptete, bewiesen sei. […]" (Urteil des Bundesgerichts 4A_683/2011 

vom 6. März 2012). 

2.4.2. Vertragliche Grundlagen 

Unstrittig bildete zwischen den Parteien die Bestellung H-10-1025 vom 13. Sep-

tember 2010 vertragliche Grundlage (act. 1 Rz. 15; act. 30 Rz. 9 und 41; act. 9 

Rz. 12/13; act. 3/15).  

Grundlage der Bestellung bildeten die nachfolgenden Dokumente, welche in ihrer 

aufgeführten Reihenfolge integrierender Bestandteil waren (act. 3/15 S. 2): 

- Unsere [der Beklagten] Bestellung H-10-1025 mit den Allgemei-
nen Einkaufsbedingungen D0062, 27.05.2010 B._____ 

- Technische Spezifikation Stahlbau Nr. […] vom 20.08.2010 mit al-
len darin erwähnten mitgeltenden Beilagen 

- Telefonische Vereinbarung Zahlungsbedingungen zwischen den 
HH. G._____/H._____ vom 10.09.10 

- Besprechung vom 08.07.2010 bei B._____ in D._____ 
- E-Mails Firma A._____ AG vom 27.08.2010/08:24 h und 

03.09.2010/10:08 h 

- Offerte Nr. 106 451S vom 29.06.2010 

Auf der Bestellung ist auf Seite 1 unter anderem der von den Parteien im Grund-

satz nach vereinbarte Pauschalpreis von CHF 1'372'230.– ersichtlich. Auf Seite 3 

der Bestellung findet sich hinsichtlich der Vergütung folgender Hinweis: "PREIS: 

Festpreis, gültig bis Vollendung des Bauwerkes." 

Die allgemeinen Einkaufsbedingungen der Beklagten statuieren in Ziff. 2.1 hin-

sichtlich der Preise Folgendes (act. 3/4): "Die vereinbarten Preise sind Festpreise 

und schliessen Nachforderungen aller Art aus. Sind keine Preise in der Bestellung 

angegeben, gelten allenfalls ihre derzeitigen Listenpreise mit den handelsüblichen 

Abzügen. Durch die Art der Preisstellung wird die Vereinbarung über den Erfül-

lungsort nicht berührt."  

- 17 - 

In der Technischen Spezifikation Stahlbau vom 20. August 2010 [Spezifikation 

Stahlbau] wurde in Ziff. 1.5 hinsichtlich der Vergütung folgende Regelung getrof-

fen, über deren Auslegung sich die Parteien hauptsächlich uneinig sind (act. 3/7): 

Trotz fixierter Einheitspreise erfolgen Bestellung und Abrechnung des Basisauftrages 
zum Pauschalpreis. 
Bis zur Fabrikationsfreigabe sind Abweichungen von den Projektplänen im Detail mög-
lich, da vieles mit den Konstruktionen der Komponentenlieferanten zu koordinieren ist. 
Solche, während der Ausführungsplanung festgestellten Anpassungen, berechtigen 
nur zu Preisanpassungen, wenn ihre Summe 10 % der entsprechenden Vertragsposi-
tion übersteigen.  
[…] 
Nach der Freigabe angeordnete Änderungen werden nur nach vom AG unterschriebe-
nen / akzeptierten Regierapporten bzw. Änderungsbestellungen des AN abgegolten. 
Basis dazu ist die vollständige Regieansatzliste des ANs. 
Nachträge (in Anfrage und Bestellung nicht enthaltene Leistungen und Lieferungen) 
bedürfen vor der Ausführung in jedem Fall der schriftlichen Bestellung seitens des 
AGs. 
Für die Abrechnung von Nachträgen und Regiearbeiten gelten die gleichen Konditio-
nen wie für den Hauptauftrag. 
Die Schlusszahlung wird von der Vollständigkeit der Enddokumentation abhängig ge-
macht. 

Mit der bei der Beklagten am 28. Oktober 2010 eingegangen Auftragsbestätigung 

gab die Klägerin an, die Bestellung H-10-125 vollumfänglich zu akzeptieren 

(act. 11/7). 

2.4.3. Allgemeine Einkaufsbedingungen der Beklagten als Vertragsbestandteil 

Strittig ist, ob die Allgemeinen Einkaufsbedingungen der Beklagten (act. 3/4) Ver-

tragsbestandteil wurden. Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, die Allge-

meinen Einkaufsbedingungen der Beklagten vom 27. Mai 2010 seien nicht über-

nommen worden und auch nicht Bestandteil der Ausschreibungsunterlagen ge-

wesen; die Klägerin habe ihnen somit auch nie zugestimmt (act. 1 Rz. 3, 10, 17 

und 70; act. 30 Rz. 35). Demgegenüber macht die Beklagte geltend, die Allge-

meinen Einkaufsbedingungen seien der Klägerin schon mit E-Mail vom 2. Juni 

2010 zusammen mit den übrigen Ausschreibungsunterlagen zugestellt und über-

dies in der Bestellung vom 13. September 2010 auch ausdrücklich als integrie-

render Vertragsbestandteil genannt worden (act. 9 Rz. 10; act. 35 Rz. 47).   

- 18 - 

Wie aus den von der Beklagten eingereichten E-Mails hervorgeht, wurden die 

Ausschreibungsunterlagen in verschiedenen Sendungen an die Klägerin ver-

schickt. In der E-Mail vom 2. Juni 2010, 10:25 Uhr, sind die Allgemeinen Ein-

kaufsbedingungen im Anhang ersichtlich (act. 11/2; act. 11/10). Ebenso wurden 

sie in der Bestellung H-10-125 zum integrierenden Vertragsbestandteil erklärt. 

Weshalb die Klägerin angesichts dessen den Allgemeinen Einkaufsbedingungen 

nicht zugestimmt haben soll, führt sie nicht näher aus. Sie bestreitet den Erhalt 

des E-Mails vom 2. Juni 2010 mit den Allgemeinen Einkaufsbedingungen auch 

nicht. In der bei der Beklagten am 28. Oktober 2010 eingegangen Auftragsbestä-

tigung (act. 11/7) brachte sie keine Vorbehalte an, sondern bestätigte, die Bestel-

lung mit den darin erwähnten Allgemeinen Einkaufsbedingungen vollumfänglich 

zu akzeptieren. Infolgedessen gelten die Allgemeinen Einkaufsbedingungen 

ebenfalls als vertraglich vereinbart.  

2.4.4. Grammatikalische Auslegung 

2.4.4.1. Streitpunkte 

Die Bestellung H-10-1025 vom 13. September 2010 (act. 3/15) und die Allgemei-

nen Einkaufsbedingungen der Beklagten statuieren dem Grundsatz nach einen 

Pauschalpreis. In Abweichung vom vereinbarten Pauschalpreis sieht Ziff. 1.5 der 

Spezifikation Stahlbau allerdings für bestimmte Fälle ein Recht auf Preiserhöhung 

oder Preisminderung vor, was unstrittig ist. Uneinig sind sich die Parteien über die 

Auslegung der Preisanpassungsklauseln von Ziff. 1.5 der Spezifikation Stahlbau 

(act. 3/7).  

Die Klägerin versteht Ziff. 1.5 Abs. 2 der Spezifikation Stahlbau dahingehend, 

dass eine Abweichung von den Projektplänen bzw. von den Ausschreibungsplä-

nen von mehr als 10 % zu einer Preisanpassung für die entsprechende Vertrags-

position führe. Als Regelungsgegenstand betreffe Ziff. 1.5 Abs. 2 nicht Änderun-

gen der Ausschreibungspläne, sondern nur Abweichungen bzw. während der 

Ausführungsplanung festgestellte Anpassungen. Bei der Auslegung sei zu be-

rücksichtigen, dass bei der Festlegung des Pauschalpreises die verschiedenen 

Komponenten der Kehrichtverbrennungsanlage in ihrem Ausmass noch nicht de-

- 19 - 

finitiv festgestanden seien und die definitive Statik noch nicht vorgelegen habe. 

Der vertragliche Leistungsumfang sei indes unverändert geblieben (act. 1 

Rz. 78 f.; act. 30 Rz. 10, 16, 31, 43 ff. und 51). 

Die Beklagte macht dagegen geltend, der Pauschalpreis für die in den Stahlbau-

plänen der Beklagten gezeigte Stablage sei bis zur Bauvollendung fest. Vom 

Pauschalpreis werde nur dann abgewichen, wenn die Beklagte der Klägerin ande-

re planerische Vorgaben mache; das heisst, es seien Abweichungen der von der 

Beklagten vorgegebenen Stablage (Funktionsskizze der Stahlbaukonstruktion) er-

forderlich, welche in ihrer Summe 10 % oder mehr ausmachen würden. Eine Ab-

weichung von den Projektplänen liege demnach nur dann vor, wenn die Beklagte 

der Klägerin andere planerische Vorgaben mache. Die Stablage der Stahlkon-

struktion sei jedoch seit der Ausschreibung unverändert geblieben, Gegenteiliges 

behaupte auch die Klägerin nicht. Nur im Falle einer von der Beklagten veranlass-

ten Planänderung und der Überschreitung der 10 % - Schwelle hätte in einem von 

der Beklagten schriftlich zu akzeptierenden Nachtragsangebot der Klägerin ein 

neuer Preis vereinbart werden müssen (act. 9 Rz. 11 ff. und 78 ff.; act. 35 Rz. 8 f., 

25, 31, 45 und 53 ff.). 

2.4.4.2. Auslegung der Ziff. 1.5 Spezifikation Stahlbau (act. 3/7) 

Im ersten Absatz von Ziff. 1.5 wird festgehalten, dass Bestellung und Abrechnung 

des Basisauftrags zum Pauschalpreis erfolgen. Fraglich ist, welche Leistungen 

unter dem Begriff Basisauftrag zu verstehen sind. Gemäss allgemeinem Sprach-

gebrauch wird erwartet, dass bei der Verwendung des Begriffs Basisauftrag eine 

Abgrenzung zwischen dem bereits vertraglich Vereinbarten und dem nachträglich 

Vereinbarten beabsichtigt wird. Diese Unterscheidung geht auch aus Ziff. 1.5 

Abs. 5 hervor, worin abgrenzend festgehalten wird, dass Nachträge in Anfrage 

und Bestellung nicht enthaltene Leistungen und Lieferungen beinhalten würden. 

Zu beachten ist, dass Basis für den Vertragsschluss die Projektpläne in den Aus-

schreibungsunterlagen der Beklagten bildeten. Dass in Ziff. 1.5 Abs. 2 Bezug auf 

diese genommen wird, ist zwischen den Parteien auch unbestritten (act. 30 

Rz. 10; act. 35 Rz. 8). Zu folgern ist daraus, dass unter dem Begriff Basisauftrag 

die zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses bestehenden Vorgaben (unter Bezug-

- 20 - 

nahme auf die Ausschreibungsunterlagen) zu verstehen sind, wozu die von der 

Beklagten definierte Stablage (act. 11/17-19) gehört. Dafür sollte ein Pauschal-

preis gelten. Zur Bedeutung des Zusatzes "Trotz fixierter Einheitspreise" vgl. Ziff. 

2.4.6.5 hernach.  

Der zweite Absatz hat Abweichungen bzw. Anpassungen der Projektpläne zum 

Regelungsgegenstand. Die im zweiten Absatz verwendeten Begriffe Abweichun-

gen und Anpassungen meinen offensichtlich dasselbe, da der zweite Satz klar 

Bezug auf den ersten Satz nimmt, zumal sich aus dem übrigen Vertragsgefüge 

auch keine Hinweise ergeben, dass die Parteien den Begrifflichkeiten unter-

schiedliche Bedeutung zugemessen hätten. Vielmehr zeigt sich daraus, dass die 

Parteien keine präzisen Begrifflichkeiten verwendet haben, weshalb auch die von 

der Klägerin behauptete Differenzierung zwischen Abweichung im Absatz zwei 

und Änderung im Absatz vier fraglich erscheint. Naheliegender ist es, eine Ab-

grenzung der Absätze untereinander auf der zeitlichen Ebene anstatt anhand der 

Begrifflichkeiten vorzunehmen. So bezog sich der zweite Absatz auf die Phase 

während der Ausführungsplanung "Bis zur Fabrikationsfreigabe", wovon auch die 

Klägerin ausgeht (act. 30 Rz. 43). Entscheidend ist jedoch, ob sich der zweite Ab-

satz nur auf abweichende Planvorgaben seitens der Beklagten bezieht oder auch 

auf Abweichungen der Ausführungsplanung zur Projektplanung, welche sich 

durch das Engineering der Klägerin ergeben haben. Der Teilsatz, "da vieles mit 

den Konstruktionen der Komponentenlieferanten zu koordinieren ist", gibt dazu 

Aufschluss. Er bringt zum Ausdruck, dass sich der zweite Absatz von Ziff. 1.5 auf 

Abweichungen bezieht, welche durch die Koordination mit den Konstruktionen der 

Komponentenlieferanten bedingt sind. Mit anderen Worten erfolgt die Preisanpas-

sung aufgrund von abweichenden Vorgaben seitens der Komponentenlieferanten, 

was mithin der Risikosphäre der Beklagten zuzuschreiben ist. Damit liegt es nahe, 

den Wortlaut so wie die Beklagte zu verstehen, nämlich, dass eine Preisanpas-

sung nur dann erfolgt, wenn die Beklagte der Klägerin andere planerische Vorga-

ben macht, die pro Vertragsposition eine Abweichung von 10 % oder mehr zur 

Folge hat. Dies steht auch in Einklang mit der Auslegung des ersten Absatzes der 

Ziff. 1.5, wonach zum Basisauftrag die von der Beklagten vordefinierte Stablage 

zählte, was es in systematischer Hinsicht ebenfalls zu berücksichtigen gilt. Die 

- 21 - 

Auslegungsvariante der Klägerin findet überdies keinen direkten Niederschlag im 

Wortlaut. Hätten die Parteien nämlich die Unrichtigkeit bzw. grundsätzlich eine 

Diskrepanz zwischen den Projektplänen und der Ausführungsplanung regeln wol-

len, wäre der Teilsatz "da vieles mit den Konstruktionen der Komponentenliefe-

ranten zu koordinieren ist" kaum (einschränkend) eingefügt worden, sondern es 

wäre eine Formulierung gewählt worden, welche deutlich auf die Richtigkeit der 

Angaben in den Projektplänen bzw. in den Ausschreibungsunterlagen Bezug ge-

nommen hätte. Zudem ist die Klausel im Hinblick auf eine noch zu erfolgende Ko-

ordination mit den Konstruktionen der Komponentenlieferanten zukunftsgerichtet 

formuliert, was ebenfalls nahelegt, dass nicht unzutreffende Angaben in den Aus-

schreibungsunterlagen Gegenstand der Regelung waren. Anzumerken bleibt, 

dass sich die einzelnen Vertragspositionen aus der Gliederung ergeben, gemäss 

welcher die Offerte durch die Klägerin zu erstellen war (act. 3/11; vgl. dazu Ziff. 

2.4.6.5 hernach). 

Der dritte Absatz von Ziff. 1.5 ist für die Auslegung nicht einschlägig. Der vierte 

Absatz bezieht sich auf nach der Fabrikationsfreigabe angeordnete Änderungen 

und hält dazu fest, dass solche nur aufgrund von der Beklagten unterschriebenen 

bzw. akzeptierten Regierapporten bzw. Änderungsbestellungen abgegolten wür-

den. Der fünfte Absatz betrifft Nachträge, welche zusätzliche vertraglich verein-

barte Leistungen umfassen und hält diesbezüglich fest, dass es vor der Ausfüh-

rung in jedem Fall der schriftlichen Bestellung durch die Beklagte als Auftraggebe-

rin bedürfe. Sowohl der vierte als auch der fünfte Absatz treffen eine Regelung für 

den Zeitpunkt nach der Fabrikationsfreigabe. Wie die Klägerin zu Recht annimmt, 

sind sie damit für die vorliegende Konstellation nicht einschlägig (act. 30 

Rz. 51 f.).  

2.4.4.3. Systematisches Element 

Bei der grammatikalischen Auslegung gilt es ebenfalls das systematische Ele-

ment zu berücksichtigen, vor allem auch im Kontext zum übrigen Vertragsgefüge. 

Von Relevanz ist dabei insbesondere der Hinweis auf Seite 3 der Bestellung H-

10-1025 vom 13. September 2010 (act. 3/15), wonach ein "Festpreis, gültig bis 

Vollendung des Bauwerkes" gelten sollte. Ein Anspruch auf Preiserhöhung für 

- 22 - 

bestimmte Fälle ist nicht vorgesehen, ebenso wenig wie in Ziff. 2.1. der Allgemei-

nen Einkaufsbedingungen der Beklagten, welche lediglich festhält, dass die ver-

einbarten Preise Festpreise darstellen würden und Nachforderungen aller Art 

ausgeschlossen seien. Unklar ist, ob die Preisanpassungsbestimmungen in 

Ziff. 1.5 der Spezifikation Stahlbau aufgrund der in der Bestellung H-10-1025 ge-

troffenen Prioritätenregelung, wonach den Allgemeinen Einkaufsbedingungen und 

der Bestellung gemäss vertraglicher Abrede Vorrang zukommen sollte (act. 3/15 

S. 2), verdrängt werden, so dass für eine vertragliche Preisanpassung gar kein 

Raum mehr bliebe. Dass die Regelung in Ziff. 1.5 der Spezifikation Stahlbau 

durch die erwähnten Bestimmungen abgeändert wurde, behauptet jedoch zu 

Recht keine der Parteien. Vielmehr lässt sich Ziff. 1.5 der Spezifikation Stahlbau 

als ergänzende Regelung in Einklang mit den erwähnten Bestimmungen bringen. 

Indessen spricht das Fehlen von Preisanpassungsklauseln im übrigen Vertrags-

gefüge und die getroffene Prioritätenregelung unter systematischen Gesichts-

punkten für die restriktivere beklagtische Auslegungsvariante, wonach eine An-

passung des Pauschalpreises nur bei einer Änderung der Planvorgaben bzw. der 

Stablage durch die Beklagte erfolgen sollte. Hätten die Parteien gemäss klägeri-

scher Interpretation das Risiko unrichtiger Pläne regeln wollen, wäre es nahelie-

gender gewesen, einen Vorbehalt beim Pauschalpreis auf der Bestellung anzu-

bringen.  

2.4.4.4. Fazit 

Die grammatikalische Auslegung ergibt somit, dass Ziff. 1.5 Abs. 2 entsprechend 

der beklagtischen Auslegung nicht als Regelung des Risikos von unzutreffenden 

Angaben in den Ausschreibungsplänen zu verstehen ist, sondern nur dann zur 

Anwendung gelangen sollte, falls die Beklagte der Klägerin bis zur Fabrikations-

freigabe andere planerische Vorgaben gemacht hätte. Eine in diesem Sinne ver-

standene Abweichung von den Projektplänen bzw. eine Abweichung von der vor-

gegebenen Stablage behauptet die Klägerin jedoch nicht (act. 30 Rz. 51 ff. und 

57; act. 35 Rz. 9). Damit besteht auch keine Grundlage für einen Anspruch auf 

Mehrvergütung der Stahlmassen.  

 

- 23 - 

2.4.5. Zeitpunkt des Zustandekommens des Vertrags 

Weiter sind sich die Parteien darüber uneinig, ob der Werkvertrag bereits an der 

"Startsitzung" vom 13. September 2010 oder aber erst mit der Auftragsbestäti-

gung, welche bei der Beklagten am 28. Oktober 2010 eingegangen ist, zustande 

gekommen ist. Die Klägerin macht geltend, dass sich die Parteien über die we-

sentlichen Vertragspunkte bereits an der "Startsitzung" vom 13. September 2010 

geeinigt hätten. Die Parteien hätten im Sitzungsprotokoll festgehalten, dass die 

Klägerin umgehend mit dem Engineering zu beginnen habe (act. 30 Rz. 75). Die 

Beklagte bringt dagegen vor, dass hinsichtlich des Oberflächenschutzes gerade 

noch keine Einigung erzielt worden sei. Dies sei erst der Fall gewesen, als bei der 

Beklagten die Auftragsbestätigung der Klägerin am 28. Oktober 2010 eingegan-

gen sei (act. 35 Rz. 92).  

Falls die Erklärungen der Parteien zum Vertragsschluss zeitlich auseinanderfal-

len, wird gemäss Art. 3 OR ein Antrag (bzw. eine Offerte) vorausgesetzt, dessen 

Annahme die Gegenpartei zu erklären hat. Die Erklärung der Annahme muss ein-

deutig und vorbehaltlos den Vertragswillen zum Ausdruck bringen, dies in Kennt-

nis und unter Bezugnahme auf den unterbreiteten Antrag. Werden dem Antrag 

Änderungen materieller Art beigefügt, ist darin die Ablehnung des Antrags zu se-

hen und es wird zum Ausdruck gebracht, dass der Antrag in gestellter Form nicht 

akzeptiert wird (BUCHER, in: BSK OR I, Art. 3 N 4 und 19 ff.). 

Aus dem Protokoll vom 13. September 2010 geht hervor, dass die Parteien hin-

sichtlich der Übernahme der Ausbesserungskosten des Oberflächenschutzes kei-

ne Einigung erzielen konnten (act. 20/2; Nr. 08 des Protokolls, insbesondere der 

Vermerk "konnte noch nicht abgeschlossen werden") und auch den Pauschalpreis 

noch nicht festgelegt hatten. In der von der Beklagten an die Klägerin versandten 

Bestellung vom 13. September 2010 schlug die Beklagte schliesslich nach der 

Sitzung einen Minderpreis von pauschal CHF 10'000.– vor, falls sie, die Beklagte, 

den Oberflächenschutz ausbessern sollte (act. 3/15 S. 1) und gab als Betrag für 

den Pauschalpreis CHF 1'372'230.– an. Somit fanden nach der "Startsitzung" 

noch Vertragsverhandlungen statt, welche nicht nur unwesentliche Nebenpunkte 

betrafen. Die vorbehaltlose Annahmeerklärung seitens der Klägerin erfolgte erst 

- 24 - 

mit der Auftragsbestätigung, welche am 28. Oktober 2010 bei der Beklagten ein-

gegangen war (act. 11/7). Damit kam es erst zu diesem Zeitpunkt zum Vertrags-

schluss. Dass die Klägerin bereits früher mit dem Engineering begonnen hatte, 

steht dem nicht entgegen, zumal es den Parteien unbenommen ist, bereits vorver-

traglich gewisse Leistungen zu erbringen.  

Die Frage des Zeitpunkt des Zustandekommens des Vertrages ist für die streitge-

genständliche Auslegungsfrage von folgender Relevanz: Die Klägerin führt selbst 

aus, dass sie Ende Oktober 2010 die Beklagte telefonisch darauf aufmerksam 

gemacht habe, dass die in den Ausschreibungsunterlagen angegebenen Stahl-

massen zu gering dimensioniert seien (act. 1 Rz. 18; act. 30 Rz. 48). Als sie ihre 

vorbehaltlose Annahmeerklärung der Beklagten zukommen liess, wusste die Klä-

gerin somit bereits über die zu niedrige Tonnenangabe in den Ausschreibungsun-

terlagen Bescheid. Trotzdem brachte sie in der Auftragsbestätigung (act. 11/7), 

welche sie zu diesem Zeitpunkt an die Beklagte versandte, diesbezüglich keine 

Vorbehalte an und akzeptierte den von der Beklagten in der Bestellung H-10-125 

offerierten Pauschalpreis von CHF 1'372'230.–. Dieses Verhalten ist im Rahmen 

der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip zugunsten der beklagtischen Interpre-

tation zu würdigen, weil die Beklagte davon ausgehen durfte, dass die Klägerin 

den ihr offerierten Pauschalpreis ablehnen oder einen Vorbehalt anbringen würde, 

wenn sie diesen in Anbetracht der ihr zu diesem Zeitpunkt bekannten zu geringen 

Dimensionierung der Stahlmassen als zu niedrig erachten würde. Der Vollstän-

digkeit halber ist zu erwähnen, dass bei der Auslegung nach dem Vertrauensprin-

zip nicht zu berücksichtigen ist, dass die Klägerin nach Vertragsschluss ihre di-

vergierende Auffassung hinsichtlich der Vergütung der Mehrmassen zum Aus-

druck gebracht hat. 

2.4.6. Ausschreibung 

Bei der Auslegung nach Vertrauensprinzip sind die Umstände, die den Parteien 

bei Vertragsschluss bekannt oder erkennbar waren, mit zu berücksichtigen, wozu 

auch die Angaben in den Ausschreibungsunterlagen gehören, welche nachfol-

gend genauer zu erörtern sind. Für die strittige Auslegungsfrage ist insbesondere 

- 25 - 

von Relevanz, inwiefern die Klägerin auf die in den Ausschreibungsunterlagen 

hinsichtlich der Stahlmassen gemachten Angaben abstellen durfte.  

2.4.6.1. Streitpunkte zur Ausschreibung 

Die Beklagte macht geltend, es habe sich um eine funktionale Ausschreibung ge-

handelt, mithin habe die Beklagte der Klägerin in den Ausschreibungsunterlagen 

nur die Funktion vorgegeben und habe nicht mehr geliefert als eine ungefähre 

Mengenangabe als Anhaltspunkt für das von der Klägerin zu erbringende Engine-

ering. Es sei an der Klägerin gewesen, die Statik auszuarbeiten. Eine Vorstatik 

seitens der Beklagten habe es nie gegeben, zumal ihr dazu die nötige Fachkunde 

gefehlt hätte. Die Ausarbeitung der definitiven Statik habe zu den Aufgaben der 

Klägerin als planender Stahlbauer gehört. Die Ausschreibung sei so aufgebaut 

gewesen, dass eine komplette Leistung (Engineering und Arbeitsausführung) zu 

einem Pauschalpreis gefragt gewesen sei. Es sei undenkbar, dass die Klägerin 

als Fachbetrieb derart krasse Abweichungen in den Ausschreibungsunterlagen 

nicht sofort bemerkt habe. So habe auch der Vermerk "Nur als Mengengerüst für 

das Angebot" in einigen Ausschreibungsunterlagen einzig der Klarstellung ge-

dient, dass die nur indikativen Angaben der Beklagten als "Mengengerüst" oder 

als Ausgangspunkt für das Engineering des Angebots gedient hätten und nicht 

eins zu eins ohne eigene Plausibilisierung und Berechnung im Sinne einer Devi-

sierung herangezogen werden könnten (act. 9 Rz. 11 und 18; act. 35 Rz. 2 ff., 23, 

34 ff., 42 ff., 56 und 94 ff.).  

Die Klägerin bestreitet nicht, dass die geschuldeten Werkleistungen neben den 

Stahlbauarbeiten auch das Engineering beinhaltet haben. Nach Auffassung der 

Klägerin war mit dem Engineering indes lediglich die Überprüfung der Statik auf-

grund der von der Beklagten zur Verfügung gestellten Unterlagen gemeint. 

Schliesslich habe die Beklagte mit einem detaillierten Leistungsbeschrieb und ei-

nem konkreten Leistungsverzeichnis ausgeschrieben. Die Beklagte habe eine ge-

naue Vorstellung der Konstruktion des Stahlbaus und der Verwendung der Profile 

gehabt, entsprechend habe auch bereits eine Vorstatik bestanden. Auf diese An-

gaben habe die Klägerin auch vertrauen dürfen. Sie habe keinesfalls voraussehen 

können, dass die finale Statik zu über 60 % Mehrmassen Stahl führen würde. 

- 26 - 

Auch hätte es nicht ihr oblegen, die Angaben der Beklagten zu plausibilisieren, 

sondern sie habe lediglich eine summarische Prüfung der Ausschreibungsunter-

lagen hinsichtlich Widersprüchen oder Unklarheiten vornehmen müssen. Der 

Vermerk "Nur als Mengengerüst für das Angebot" bedeute gerade, dass die Aus-

schreibungsunterlagen als Grundlage für das auszuarbeitende Angebot zu ver-

wenden seien, nicht jedoch direkt für die Ausführung (act. 1 Rz. 18; act. 30 Rz. 20 

ff. und 32 f.). 

2.4.6.2. Ausschreibungsunterlagen 

Zu den Ausschreibungsunterlagen gehören unbestrittenermassen die folgenden 

Dokumente (act. 1 Rz. 10; act. 9 Rz. 10; act. 30 Rz. 7; act. 35 Rz. 22): E-Mails 

vom 2. Juni 2010 (act. 3/6; act. 11/10); Spezifikation Stahlbau vom 20. August 

2010 (act. 3/7); Stahlkonstruktion Tanklager vom 28. Mai 2010 (I._____ TL; 

act. 3/8; act. 11/11); Stahlkonstruktion Rauchgasreinigung vom 28. Mai 2010 

(I._____ RGR; act. 3/9); Ablauf Schwermontage vom 28. Mai 2010 (act. 3/10); 

Dokument Preisstruktur, Angebot Stahlbau Los 2 vom 28. Mai 2010 (act. 3/11); 

Dokument Angebot Stahlbau Los 2 vom 28. Mai 2010 (act. 3/12); Ausführungs-

vorschrift Korrosionsschutz vom 18. August 2009 (act. 11/12); Ausführungsvor-

schrift Stahlbau vom 4. September 2009 (act. 11/13); Ausführungsvorschrift Farb-

konzept vom 15. März 2010 (act. 11/14); Einwirkungen auf Stahlbau (Lasttabelle 

Beklagte) vom 31. Mai 2010 (act. 11/15); Detailskizzen Beklagte Verankerung Los 

2 vom 28. Juli 2009 (act. 11/16); Stahlbauprojekt Grundrisse vom 4. Mai 2010 

(act. 11/17); Stahlbauprojekt Längsschnitte vom 4. Mai 2010 (act. 11/18) sowie 

Stahlbauprojekt Querschnitte vom 4. Mai 2010 (act. 11/19). 

Entgegen der klägerischen Ansicht (act. 1 Rz. 10) waren auch die Allgemeinen 

Einkaufsbedingungen der Beklagten (act. 3/4) Bestandteil der Ausschreibungsun-

terlagen, was sich aus der von der Beklagten an die Klägerin gesandten E-Mail 

vom 2. Juni 2010, 10:25 Uhr, ergibt (act. 11/2; act. 11/10; vgl. Ziff. 2.4.3 hiervor). 

 

 

- 27 - 

2.4.6.3. Spezifikation Stahlbau vom 20. August 2010  

Aufschlussreich sind zunächst die weiteren Vertragsziffern in der Spezifikation 

Stahlbau (act. 3/7). In Ziff. 2.6 wird unter dem Titel "Engineering und Design" fest-

gehalten, dass Leistungsgegenstand dieser Vertragsziffer das Basic Engineering, 

das Detail Engineering und die Enddokumentation sei. Schliesslich ist der Hinweis 

zu finden, dass Statik und Detailplanung der Konstruktion in Etappen zu erfolgen 

hätten. Dem klaren Wortlaut nach gehörte die Planung der Statik demnach zum 

durch die Klägerin zu erbringenden vertraglichen Leistungsumfang. Mithin war 

nicht nur das "Detail Engineering" Vertragsbestandteil, sondern auch das "Basic 

Engineering", welches gemeinhin als Grundlage für die anschliessend zu erstel-

lende Detailplanung bildet. Die Klägerin durfte damit nicht ohne eine eigene Plau-

sibilisierung der Angaben durchzuführen auf die beklagtischen Angaben vertrau-

en, wenn sie als vertragliche Leistung die Ausarbeitung des "Basic Engineering" 

und damit die Berechnung der statischen Grundlagen vorzunehmen hatte. Mit der 

Ausschreibung des "Basic Engineering" gab die Beklagte nämlich implizit kund, 

dass sie noch nicht über die grundlegenden statischen Daten verfügte. Daraus 

erhellt, dass die von der Klägerin vertraglich geschuldete Leistung hinsichtlich des 

Engineerings nicht nur in der Überprüfung bereits bestehender Pläne bestehen 

konnte, auf die sie sich hätte verlassen dürfen, da diesfalls die von den Parteien 

getroffene Unterscheidung zwischen "Basic Engineering" und "Detail Engineering" 

keinen Sinn ergeben würde. Die klägerische Behauptung, dass nur eine Überprü-

fung der bereits bestehenden Statik geschuldet war, steht damit in Widerspruch 

zu Ziff. 2.6 der Spezifikation Stahlbau.  

Das Ausgeführte gilt selbst dann, wenn man, wie die Klägerin annimmt, nur von 

einer summarischen Prüfungsobliegenheit der Ausschreibungsunterlagen hin-

sichtlich Unklarheiten und Widersprüchen ausgeht. Denn auch in diesem Fall hät-

te die Klägerin erkennen müssen, dass die statischen Berechnungen durch sie 

selbst noch zu erbringen waren und die Angaben der Beklagten keine verlässliche 

Grundlage bildeten.  

Von Bedeutung sind auch die nachfolgenden weiteren Angaben in der Spezifika-

tion Stahlbau. So wird unter Ziff. 4.3 festgehalten, dass die Funktionalität der 

- 28 - 

Konstruktion allgemein durch den Auftraggeber (die Beklagte) vorgegeben und 

durch das Design des Auftragnehmers (der Klägerin) nicht beeinträchtigt werde. 

Sodann statuiert Ziff. 2.7, dass die Klägerin grundsätzlich frei ist bei der Spezifi-

zierung und Auswahl der Produkte. Auch diese Punkte untermauern die Ausle-

gungsvariante der Beklagten, wonach sie eine Funktion vorgegeben hat, welche 

von der Klägerin mit ihrem konkreten Design umzusetzen war. Schliesslich war 

die Klägerin gemäss Ziff. 2.10 gehalten, die Ausschreibungsunterlagen hinsicht-

lich Widersprüchen oder Unklarheiten zu prüfen, womit die Beklagte ebenfalls 

zum Ausdruck brachte, dass auf die Angaben nicht im Sinne einer Vorstatik ab-

gestellt werden konnte. Mit Ziff. 2.5.1 bestätigte der Auftragnehmer bzw. die Klä-

gerin, dass ihr die Auftragsgrundlagen klar seien und dass die Preise für kom-

plette und fachgerechte Leistungen und Lieferungen zu verstehen seien. Auch 

dies lässt darauf schliessen, dass entsprechend dem Vertragsverständnis der Be-

klagten das Engineering und die Arbeitsausführung als komplette Leistung zu ei-

nem Pauschalpreis gefragt gewesen waren. Dazu kommt, dass der Spezifikation 

Stahlbau keine Vorgaben hinsichtlich der zu verwendenden Stahlmassen ent-

nommen werden können und die Klägerin bei der Wahl der Profilgrössen frei war, 

wie aus der E-Mail vom 31. Januar 2011 erhellt (act. 3/30). 

2.4.6.4. Dokumente I._____ zum Stahlbauprojekt Los 2  

Die Klägerin bringt vor, dass gemäss den Ausschreibungsunterlagen 156 Tonnen 

Stahl nötig gewesen wären (act. 30 Rz. 16). Angaben dazu sind unter anderem 

den in der Spezifikation Stahlbau (act. 3/7) unter Ziff. 1.3.3 aufgeführten und mit 

"**" gekennzeichneten Dokumenten I._____ zum Stahlbauprojekt Los 2, nämlich 

dem Dokument Stahlkonstruktion Tanklager vom 28. Mai 2010 (I._____ TL; 

act. 3/8; act. 11/11) und dem Dokument Stahlkonstruktion Rauchgasreinigung 

vom 28. Mai 2010 (I._____ RGR; act. 3/9) zu entnehmen. Konkret ergeben sich 

die (gerundet) 156 Tonnen Stahl aus dem Dokument Stahlkonstruktion Tanklager 

(act. 11/11 S. 4). Die Parteien hielten dazu in der Spezifikation Stahlbau Ziff. 1.3.3 

fest, dass die mit "**" gekennzeichneten Unterlagen (Stahlbauprojekt, Grundrisse 

und Schnitte [act. 11/17; act. 11/18; act. 11/19]; Verankerungen Los 2 [act. 11/16]; 

I._____ zum Stahlbauprojekt Los 2 [act. 3/9; act. 11/11]) der Darstellung des 

- 29 - 

Stahlbauprojekts dienen und nicht direkt für die Ausführung verwendet werden 

dürfen, da sich diese nach dem Engineering des Auftragnehmers [der Klägerin] 

richte. Damit gab die Beklagte klar zum Ausdruck, dass sie über keine verlässli-

chen Angaben zu den erforderlichen Stahlmengen verfügte. 

Entsprechend war auch der Vermerk "Nur als Mengengerüst für das Angebot" auf 

den Dokumenten I._____ TL und I._____ RGR zu verstehen, nämlich als Klarstel-

lung, dass die Angaben der Beklagten lediglich Ausgangspunkt für das Enginee-

ring bildeten und damit nicht ohne eigene Plausibilisierung übernommen werden 

konnten.  

2.4.6.5. Dokument Preisstruktur, Angebot Stahlbau Los 2 

Das Dokument Informationsblatt Preisstruktur, Angebot Stahlbau Los 2 vom 

28. Mai 2010 (act. 3/11) hält die Gliederung fest, entsprechend welcher der Preis 

zu offerieren war und richtet sich im Aufbau nach Ziff. 1.3.2 der Spezifikation 

Stahlbau (act. 3/7 Ziff. 1.3.2; vgl. auch act. 3/12 Ziff. 2.1). Die Leistungen wurden 

dabei differenziert nach Engineering, Herstellung & Lieferung ohne OFS, Oberflä-

chenschutz, Montage ohne Belegung und Belegung. In der Spalte "approx Quant" 

ist die von der Beklagten gemachte Angabe von 156 Tonnen ersichtlich.  

Dem Dokument ist zu entnehmen, dass der Preis einer entsprechend den einzel-

nen Leistungen vorgegebenen Gliederung zu offerieren war. Mithin waren durch 

die Klägerin Einheitspreise für bestimmte Leistungen anzugeben, was die bessere 

Vergleichbarkeit der verschiedenen Offerten bezweckt haben dürfte (vgl. die klä-

gerische Offerte vom 29. Juni 2010; act. 3/13). Gemäss vertraglicher Vereinba-

rung erfolgte allerdings eine Pauschalierung der offerierten Einheitspreise, was 

aus Ziff. 1.5 Abs. 2 der Spezifikation Stahlbau hervorgeht, wonach "Trotz fixierter 

Einheitspreise" die Bestellung und Abrechnung des Basisauftrages zum Pau-

schalpreis zu erfolgen hatte.  

Die klägerische Auslegungsvariante, wonach bei Überschreitung der 10 % -

Schwelle eine Preisanpassung erfolgen und die benötigte Stahlmenge pro Einheit 

abgerechnet würde, entspricht dem Wesen nach einem Einheitspreis. Demge-

- 30 - 

genüber kommt die restriktivere beklagtische Auslegungsvariante der Idee eines 

Pauschalpreises näher. 

Im Gegensatz zum Einheitspreis ist die Klägerin beim Pauschalpreis jedoch nicht 

davon befreit, eine Plausibilisierung der angegebenen Stahlmassen vorzuneh-

men, da wie ausgeführt (vgl. Ziff. 2.3.1) nicht entscheidend ist, ob sich die ur-

sprüngliche Kostenvorstellung des Unternehmers bewahrheitet, unabhängig da-

von, ob sie auf grober Schätzung oder auf genauer Kostenanalyse beruht. Dies 

gilt vorliegend umso mehr, als die Beklagte mit dem Vermerk "approx Quant" 

deutlich zum Ausdruck brachte, dass ihre angegebenen Tonnenwerte approxima-

tiv bzw. als Schätzung zu betrachten sind. Verlässt sich die Unternehmerin auf die 

von der Bestellerin abgegebene Schätzung, ohne eine eigene Plausibilisierung 

der Angaben in den Ausschreibungsunterlagen durchzuführen, liegt dies in ihrem 

Verantwortungsbereich, da es keinen Unterschied macht, ob sich die Schätzung 

der Unternehmerin oder der Bestellerin nachträglich als unzutreffend erweist. Un-

terlässt die Klägerin als Unternehmerin trotz Vereinbarung eines Pauschalpreises 

eine sorgfältige und genaue Prüfung der Angebotsunterlagen, nimmt sie damit 

das Risiko von zu ihren Lasten anfallenden Mehrkosten ohne Weiteres in Kauf. 

Der Umstand, dass die Klägerin ihre Offerte nach einer bestimmten Gliederung 

bzw. in der Form von Einheitspreisen abzugeben hatte, ändert daran nichts. 

2.4.6.6. Ausführungsvorschrift Stahlbau vom 4. September 2009 

Weitere Hinweise liefert schliesslich das Dokument Ausführungsvorschrift Stahl-

bau vom 4. September 2009 (act. 11/13). Darin wird in Ziff. 1.1 unter der Über-

schrift "Ausführungsunterlagen mit Beispielen" Folgendes festgehalten: "Die in der 

Beilage dargestellten Ausführungskonstruktionen sind beispielhaft und entbinden 

den Unternehmer nicht von seiner Verantwortung hinsichtlich statischer und kon-

struktiver Sicherheit." Auch damit brachte die Beklagte zum Ausdruck, dass ihre 

beispielhaften Angaben nicht als Grundlage dienen konnten bzw. schon eine Vor-

statik bestanden hätte. Zudem sind auch in diesem Dokument keine Vorgaben 

hinsichtlich der Stahlmassen oder Profilgrössen ersichtlich. 

 

- 31 - 

2.4.6.7. Informationsblatt Angebot Stahlbau Los 2 vom 28. Mai 2010  

Auf dem Informationsblatt Stahlkonstruktion Los 2 (act. 3/12) wird unter Ziff. 1.1 

ausgeführt, dass die Offerte der Auftragnehmerin bzw. der Klägerin eine verbale 

Beschreibung der von ihr zu erbringenden Lieferung und Leistung enthalten müs-

se. Dies spricht für das Vertragsverständnis der Beklagten. Einer verbalen Be-

schreibung hätte es kaum bedurft, wenn einzig auf die Angaben der Beklagten 

abzustellen gewesen wäre.  

2.4.6.8. Fazit 

Die Ausschreibungsunterlagen lassen auf das Vertragsverständnis der Beklagten 

schliessen. Die Klägerin durfte bei der Abgabe ihres Pauschalpreisangebots unter 

den erwähnten Umständen nicht ohne eigene Plausibilisierung auf die beklagti-

schen Angaben betreffend die Stahlmassen abstellen. 

2.4.7. Angemessenheit bzw. Sachgerechtigkeit der Regelung 

Würde man dem Vertragsverständnis der Klägerin folgen und eine Anpassung 

des Pauschalpreises vornehmen, sobald eine Diskrepanz von über 10 % von der 

Projektplanung zur Ausführungsplanung entstünde, hätte die Klägerin einen tiefe-

ren Pauschalpreis offerieren können, im Wissen darum, dass die Überschreitung 

der 10 % - Schwelle gemäss Ziff. 1.5 Abs. 2 Spezifikation Stahlbau ohne Weiteres 

eine Preisanpassung zur Folge hätte und letztlich nach Aufwand entschädigt wür-

de. Das dem Pauschalpreis inhärente Risiko eines Verlustes bzw. das spekulative 

Element wäre in diesem Fall einseitig auf die Beklagte übertragen worden. Je tie-

fer die Klägerin den Pauschalpreis offeriert hätte, desto wahrscheinlicher wäre ei-

ne Anpassung des Preises und damit die Vergütung nach Aufwand geworden. 

Die Klägerin hätte dadurch keinen Anreiz zu einer rationellen Montage gehabt. 

Dass diese Auslegungsvariante angesichts des vereinbarten Pauschalpreises 

weniger sachgerecht ist, liegt auf der Hand, vor allem unter Berücksichtigung des 

durchgeführten Ausschreibungsverfahrens. Die offerierten Pauschalpreise wären 

kaum untereinander vergleichbar gewesen, wenn die Beklagte bei den ihr unter-

- 32 - 

breiteten Angeboten noch zusätzlich die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung 

der 10 % Schwelle hätte berücksichtigen müssen.  

Dagegen erscheint sachgerecht, dass nur bei einer von der Beklagten veranlass-

ten Planänderung ein Anspruch auf Mehrvergütung entsteht, was mit dem dispo-

sitiven Recht übereinstimmt (GAUCH, a.a.O., Rz. 905 ff.). Durch die Beklagte vor-

gegebene Planänderungen, die nicht zur Überschreitung von 10 % pro Vertrags-

position führten, sollten dabei unberücksichtigt bleiben, weil nicht bereits bei ge-

ringfügigen Abweichungen vom Pauschalpreis abgerückt werden sollte.  

2.4.8. Fazit 

Die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip ergibt, dass der Klägerin ein An-

spruch auf Vergütung der Mehrmassen nur bei einer (nicht behaupteten) Ände-

rung der Projektpläne durch die Beklagte zusteht, was – im Ergebnis – dem be-

klagtischen Vertragsverständnis entspricht.  

2.5. Tatsächlicher Konsens 

2.5.1. Ausgangslage 

Ein übereinstimmender wirklicher Wille wurde von keiner Partei ausdrücklich be-

hauptet. Entsprechend fehlt hier ein zum Beweis zu verstellendes Fundament. Die 

Klägerin bringt einzig vor, dass die Beklagte die Stücklisten und Konstruktionsplä-

ne vorbehaltlos genehmigt und dadurch auch der von der Klägerin errechneten 

Statik sowie den daraus entstehenden Mehrmassen Stahl zugestimmt habe, wo-

mit sie eigentlich sinngemäss einen tatsächlichen Konsens behauptet (act. 1 

Rz. 18 ff.; act. 30 Rz. 11 ff. und 48 f.). Dem entgegnet die Beklagte, sie habe mit 

der Freigabe der Konstruktionspläne lediglich aus technischer Sicht bestätigt, 

dass die Stahlkonstruktion wie von der Klägerin geplant produziert werden könne, 

wobei sich am vertraglich vereinbarten Pauschalpreis jedoch nichts ändere 

(act. 35 Rz. 11 f. und 61 ff.).  

Die Klägerin trägt die Beweislast für ihre Sachverhaltsdarstellung betreffend den 

tatsächlichen Konsens. Im Folgenden ist aufzuzeigen, dass sich aus den von der 

- 33 - 

Klägerin angeführten Beweisofferten, soweit diese den Substantiierungsanforde-

rungen überhaupt genügen, kein tatsächlicher Konsens ableiten lässt, insbeson-

dere auch nicht aus dem Parteiverhalten nach Vertragsschluss. 

Den genehmigten Plänen (act. 20/4-11; act. 3/19; act. 3/31) und den Stücklisten 

(act. 3/18) sind keine Hinweise auf eine Vergütung der Mehrmassen zu entneh-

men; ebenso fehlen etwaige Preisangaben. Somit lässt sich ein tatsächlicher 

Konsens hinsichtlich der Vertragsauslegung bzw. der Mehrvergütung der Mehr-

massen Stahl aus dem Umstand der Genehmigung der Pläne und den Stücklisten 

nicht ableiten. Überdies ist auf den am 24. November 2010 genehmigten Plänen 

(act. 3/19) jeweils der Vermerk "mit Korrekturen" ersichtlich und auf den am 

10. Februar 2011 genehmigten Plänen der Hinweis "Kommentare" zu finden. Die 

Planfreigabe ist somit nicht vorbehaltlos erfolgt, was ebenfalls auf eine bestehen-

de Uneinigkeit zwischen den Parteien schliessen lässt. Ob sich diese Vorbehalte 

auf die Mehrmassen bezogen oder auf den Planungsrückstand, wie die Klägerin 

behauptet (act. 30 Rz. 50), lässt sich indes nicht genauer eruieren, ist aber auch 

nicht weiter von Relevanz, da auf den Plänen und Stücklisten wie erwähnt kein 

Hinweis auf eine von der Beklagten zu leistende Mehrvergütung zu finden ist.  

2.5.2. E-Mails vom 14. und 23. Dezember 2010 

Auch die von der Beklagten an die Klägerin versandten E-Mails vom 14. und 

23. Dezember 2010 lassen nicht auf einen tatsächlichen Konsens zwischen den 

Parteien hinsichtlich der Übernahme der Mehrkosten schliessen, wie die Klägerin 

behauptet (act 1. Rz. 21 f; act. 30 Rz. 16).  

Zwar wird im E-Mail vom 14. Dezember 2010 (act. 3/22) von J._____ (der Beklag-

ten) gegenüber K._____ (der Klägerin) unter dem Titel "Genehmigung / Abrech-

nung der Mehrmassen Stahl" eingeräumt, "nachweislich statisch bedingte Mehr-

gewichte vollumfänglich zu übernehmen, wie es der Vertrag vorsieht". Die Beklag-

te weist damit aber nur daraufhin, dass eine Mehrvergütung nach der bereits be-

stehenden vertraglichen Vereinbarung geschuldet ist, über deren Interpretation 

sich die Parteien gerade nicht einig sind. Auch der einschränkende Hinweis auf 

"statisch bedingte Mehrgewichte" lässt nicht auf das Vorhandensein eines tat-

- 34 - 

sächlichen Konsenses schliessen, zumal keine der Parteien die im E-Mail geäus-

serte Auslegungsvariante vertritt, wonach nur statisch bedingte Mehrmassen zu 

vergüten wären (act. 30 Rz. 16, 46, 55 und 64; act. 35 Rz. 32). Zudem wird im E-

Mail weiter unter Buchstabe c) ausgeführt, dass Mehrgewichte, die zur schnelle-

ren Montage oder aus rationellen Gründen gewählt wurden, nicht übernommen 

würden. Unter Buchstabe d) erfolgt der Hinweis, dass sich die Beklagte über eine 

Abrechnung der Mehrmassen derzeit nicht äussern könne. Diese Hinweise wären 

nicht erfolgt, wenn sich die Parteien bereits auf eine Übernahme der Mehrmassen 

geeinigt hätten. Überdies ist kein Widerspruch seitens der Klägerin auf das E-Mail 

von J._____ erfolgt, welcher zu einer Klärung der strittigen Auslegungsfrage ge-

führt hätte. Damit ist entgegen der Ansicht der Klägerin (act. 1 Rz 21; act. 30 

Rz. 12) auch nicht davon auszugehen, dass die Parteien anlässlich der zuvor 

durchgeführten Besprechung vom 7. Dezember 2010 einen Konsens erzielt ha-

ben könnten, weshalb auf eine Einvernahme der angeführten Zeugen verzichtet 

werden kann, zumal sich diese als Angestellte der Parteien auch in einem Ab-

hängigkeitsverhältnis zu diesen befinden.  

In der E-Mail vom 23. Dezember 2010 (act. 3/23) teilte die Beklagte mit, dass die 

Stücklistengewichte der 1. Etappe freigegeben werden, um Terminverzögerungen 

zu vermeiden. Die Freigabe für die weiteren Teillieferungen des Stahlbaus werde 

erst nach der Festlegung des Einheitspreises für die Zusatzmassen erteilt. Aus 

der von der Beklagten erteilten Freigabe lässt sich indes nicht ableiten, dass die 

Parteien eine finanzielle Regelung der Mehrmassen getroffen hätten. Das E-Mail 

enthält keine entsprechenden Hinweise. Auch eine konkludente Einigung ist aus-

zuschliessen, insbesondere im Hinblick auf die von der Beklagten in ihrem E-Mail 

vom 14. Dezember 2010 angebrachten Vorbehalte. 

2.5.3. Sitzung vom 24. Januar 2011 

Zwischen den Parteien wurden die Mehrmassen an der Sitzung vom 24. Januar 

2011 thematisiert (act. 1 Rz. 23 f.; act. 9 Rz. 23/24; act. 30 Rz. 30). Wie aus dem 

Sitzungsprotokoll hervorgeht, wurde indes keine Einigung erzielt. Vielmehr unter-

breitete die Beklagte der Klägerin einen Vorschlag zur gütlichen Einigung. Sie 

zeigte sich bereit, Mehrkosten von CHF 31'100.– zu übernehmen (act. 11/26).  

- 35 - 

Dieser Vorschlag wurde von der Klägerin allerdings abgelehnt, wobei im Protokoll 

ausdrücklich festgehalten wurde, dass sie, die Klägerin, einen Gegenvorschlag 

unterbreiten werde (act. 3/26 S. 2; Abschnitt "Abgeltung der Mehrlieferungen"), 

was in der Folge jedoch nicht geschehen ist (act. 9 Rz. 23/24). Auch dies deutet 

darauf hin, dass zwischen den Parteien nicht schon vorher etwa durch die Ge-

nehmigung der Konstruktionspläne und Stücklisten ein tatsächlicher Konsens be-

standen hat, andernfalls hätte die Klägerin keinen Gegenvorschlag mehr unter-

breiten müssen. Davon scheint auch die Klägerin auszugehen, wenn sie ausführt, 

dass sich die Parteien nicht über eine Vergütung für die Mehrmassen Stahl eini-

gen konnten (act. 30 Rz. 71). Zudem verwies die Beklagte in ihrem Vorschlag 

(act. 11/26) nochmals auf die vertraglichen Bestimmungen hinsichtlich der Pau-

schalpreisvereinbarung und erinnerte daran, dass Mehrmassen infolge geänder-

ter Profilgrössen nicht zu akzeptieren seien. Auch dies lässt auf eine fehlende Ei-

nigkeit der Parteien schliessen.  

2.5.4. E-Mails vom 27. Januar 2011 und vom 31. Januar 2011 

Die Klägerin sandte der Beklagten am 27. Januar 2011 eine E-Mail, in welcher sie 

mitteilte, dass ein Grossteil der Sekundärträger aus statischen bzw. konstruktiven 

Vorgaben nicht geringer dimensioniert werden könne. Sie erwarte deshalb eine 

Anerkennung des Gewichts [bzw. der Mehrmassen] durch die Beklagte von 95 % 

(act. 3/28). Darauf antwortete die Beklagte mit E-Mail vom 31. Januar 2011, dass 

95 % zu hoch gegriffen seien, und führte aus, dass der Vertrag eine Festpreislie-

ferung betreffe, die nur eine finanzielle Mehrung erfahre, wenn die Aufgabenstel-

lung ändere, weshalb keine Veranlassung bestehe, die Mehrkosten resultierend 

aus der Verwendung von grösseren Profilen, zu übernehmen (act. 3/30).  

Auch daraus folgt, dass sich die Parteien hinsichtlich dem vertraglich Vereinbar-

ten gerade nicht einig waren und kein tatsächlicher Konsens darüber bestand, 

welche Mehrmassen zu übernehmen wären bzw. wie die streitgegenständliche 

Vertragsziffer auszulegen wäre.   

 

- 36 - 

2.5.5. Abrechnung vom 14. Mai 2012  

Die Klägerin führt selbst aus, dass sie betragsmässig erstmals am 14. Mai 2012 

bei der Erstellung der Abrechnung des Nachtrags S-07 (act. 3/78) Kenntnis über 

den Umfang der Mehrvergütung hatte (act. 30 Rz. 111; act. 35 Rz. 14 und 32). 

Auch daraus erhellt, dass hinsichtlich einer betragsmässig zu leistenden Mehr-

vergütung vorgängig kein Konsens bestehen konnte. 

2.5.6. Fazit 

Es lässt sich – soweit überhaupt rechtsgenügend substantiiert und behauptet – 

kein vom Auslegungsergebnis abweichender tatsächlicher Konsens der Parteien 

feststellen.  

2.6. Keine richterliche Vertragsanpassung 

Die Parteien machen zu Recht nicht geltend, dass die Voraussetzungen einer 

richterlichen Vertragsanpassung nach Art. 373 Abs. 2 OR vorlägen, die eine Auf-

lösung des Vertrages oder eine Preiserhöhung zu begründen vermöchten. Der 

Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass die Klägerin bereits zum Zeitpunkt 

des Vertragsschlusses über mögliche Mehrmassen Bescheid wusste, weshalb 

ohnehin keine nicht voraussehbaren Umstände vorlägen. Auch von ausseror-

dentlichen Umständen ist nicht auszugehen, zumal zwischen dem vereinbarten 

Pauschalpreis von CHF 1'372'230.– und der eingeklagten Mehrvergütung von 

CHF 235'181.50 kein krasses Missverhältnis besteht, so dass die Leistung für die 

Klägerin unzumutbar oder unerschwinglich erschiene (GAUCH, a.a.O., Rz. 1044 

ff.).  

2.7. Keine Genehmigung des Nachtrags S-07 

Mit E-Mail vom 25. Februar 2011 unterbreitete die Klägerin der Beklagten ein An-

gebot zur Vergütung der Mehrmassen und bat um Bestätigung und Bestellung 

des beigefügten Nachtrags S-07. Sie schlug einen Preis von CHF 1'981.– pro 

Tonne vor, ohne aber die Anzahl Mehrtonnen zu quantifizieren. Erst in der finalen 

Abrechnung des Nachtrages S-07 vom 14. Mai 2012 (act. 3/78) spezifizierte die 

- 37 - 

Klägerin die Anzahl Mehrtonnen und gab den Tonnenpreis schliesslich mit 

CHF 1'563.– an (act. 30 Rz. 14; act. 35 Rz. 29 f.).  

Entgegen der klägerischen Ansicht (act. 1 Rz. 73 ff.; act. 30 Rz. 52 ff.) kann in der 

Genehmigung der Konstruktionspläne und Stücklisten keine Genehmigung des 

Nachtrags S-07 (act. 3/33) erblickt werden. Der Nachtrag S-07 wurde der Beklag-

ten nämlich erst mit E-Mail vom 25. Februar 2011 (act. 3/32) nach der bereits er-

folgten Genehmigung der Konstruktionspläne (act. 3/19; act. 3/31) und Stücklisten 

(act. 3/18), welche am 24. November 2010, 2. Dezember 2010 sowie am 10. Feb-

ruar 2011 erfolgte (act. 1 Rz. 20 und 27; act. 9 Rz. 20), zur Kenntnis gebracht. 

Auch die Klägerin schien davon auszugehen, dass der Nachtrag S-07 noch nicht 

genehmigt war; ansonsten hätte sie die Beklagte im E-Mail vom 25. Februar 2011 

nicht um "Bestätigung" und "Bestellung" des Nachtrags S-07 aufgefordert. Ohne-

hin enthalten die Konstruktionspläne und Stücklisten, wie bereits ausgeführt, kei-

ne Hinweise zu den Mehrmassen.  

Eine Genehmigung des Nachtrags S-07 würde sodann am Erfordernis der Schrift-

lichkeit scheitern. Zwar ist mit der Klägerin davon auszugehen, dass kein Anwen-

dungsfall von Ziff. 1.5 Abs. 5 der Spezifikation Stahlbau vorliegt (vgl. Ziff. 2.4.4.2 

hiervor). Das Schriftlichkeitserfordernis ergibt sich indessen nicht aus Ziff. 1.5 der 

Spezifikation Stahlbau, sondern aus Ziff. 1.9.3 der Allgemeinen Einkaufsbedin-

gungen der Beklagten (act. 3/4), worin Folgendes festgehalten wird: 

"Der Lieferant ist verpflichtet, uns Änderungen, die er im Hinblick auf eine erfolg-

reiche Vertragserfüllung für notwendig oder zweckmässig hält, vorzuschlagen. 

Nach schriftlicher Zustimmung durch uns, sind diese Änderungen seitens Liefe-

ranten auszuführen. Soweit eine Änderung eine Kostenmehrung oder - minderung 

und/oder Terminüberschreitung nach sich zieht, ist der Lieferant verpflichtet, hie-

rauf gleichzeitig mit dem Änderungsvorschlag oder unverzüglich nach Eingang 

des Änderungsverlangens hinzuweisen und ein entsprechendes Nachtragsange-

bot vorzulegen. Die Änderung gilt in diesem Fall erst dann als verbindlich verein-

bart, wenn über die Vergütung der Mehrkosten oder die Berücksichtigung der 

Minderkosten sowie über den Terminplan eine ergänzende schriftliche Vereinba-

rung zwischen den Parteien getroffen ist." 

- 38 - 

Die Klausel erfasst nicht nur Bestellungsänderungen im Sinne von Ziff. 1.5 der 

Spezifikation Stahlbau, sondern generell etwaige Änderungen, die zu Mehrkosten 

führen. Da die Allgemeinen Einkaufsbedingungen gegenüber der Spezifikation 

Stahlbau vorgehen (vgl. Ziff. 2.4.4.3 hiervor), lässt sich aus Ziff. 1.5 der Spezifika-

tion Stahlbau auch keine Ausnahme von diesem generellen Erfordernis der 

Schriftlichkeit für Änderungen, die zu Mehrkosten führen, ableiten.   

Vereinbaren die Parteien gemäss Art. 16 Abs. 1 OR einen Formvorbehalt, so wird 

vermutet, dass die Parteien vor Erfüllung der Form nicht verpflichtet sein wollen. 

Art. 16 Abs. 2 OR stellt eine Vermutung zugunsten der einfachen Schriftlichkeit 

auf, welche eine eigenhändige Unterschrift erfordert. Im Zweifel ist davon auszu-

gehen, dass die Einhaltung der Form als Gültigkeitserfordernis und nicht lediglich 

zu Beweiszwecken gewollt war. Die Vermutung kann einerseits durch den Nach-

weis widerlegt werden, dass die Parteien eine blosse Beweisform vereinbart ha-

ben, und andererseits, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Vertrag durch 

übereinstimmenden Abschlusswillen trotz Nichteinhaltung der vereinbarten Form 

zustande gekommen ist (SCHWENZER, in: BSK OR I, Art. 16 N. 6 ff.).  

Unbestritten ist, dass die geltend gemachten Nachträge nie unterschriftlich ge-

nehmigt wurden, mithin dem Erfordernis der Schriftlichkeit nicht entsprochen wur-

de. Ziff. 1.9.3 der Allgemeinen Einkaufsbedingungen ist dem klaren Wortlaut nach 

als Gültigkeitsvorschrift formuliert. Aus dem E-Mailverkehr (act. 3/22; act. 3/32; 

act. 3/56) geht weder hervor, dass sich die Parteien über eine Abweichung vom 

Erfordernis der Schriftlichkeit geeinigt haben, noch entsprechen die E-Mail selbst 

dem Erfordernis der Schriftlichkeit. Im Übrigen wurden die Nachträge S-20 bis S-

29 (act. 11/51) unbestrittenermassen jeweils unterschrieben, das heisst, die Par-

teien lebten der vereinbarten Form nach. Es ergeben sich somit keine Hinweise, 

welche auf ein Abweichen vom Gültigkeitserfordernis schliessen lassen würden; 

die Klägerin nennt im Übrigen auch keine Beweismittel dafür (act. 1 Rz. 76). 

Der Klägerin gelingt es damit nicht, eine Genehmigung des Nachtrags S-07 zu 

beweisen, was ihr als beweispflichtige Partei (vgl. Ziff. 2.3.4 hiervor) zum Nachteil 

gereicht.  

- 39 - 

2.8. Quantitativ 

Die Klägerin verlangt für die von ihr geltend gemachten Mehrkosten 

CHF 235'181.50 (inkl. MwSt.). Sie bringt vor, dass gemäss den Ausschreibungs-

unterlagen für den Rauchgasreiniger und das Tanklager insgesamt 156 Tonnen 

Stahl nötig gewesen wären. Verbaut worden seien indes 253,15 Tonnen Stahl, 

was im Vergleich zu den beklagtischen Angaben einer Mehrung von 97,15 Ton-

nen bzw. von über 60 % entspreche. Die Klägerin geht bei ihrer Berechnung von 

einem Tonnenpreis von CHF 1'563.– aus. Sie macht überdies geltend, dass für 

den Oberflächenschutz der Tragkonstruktion zusätzliche 1'610 Quadratmeter nö-

tig geworden seien und rechnet dabei mit einem Quadratmeterpreis von 

CHF 41.80, was CHF 67'298.30 entspricht. Schliesslich macht die Klägerin (ohne 

Begründung) einen Abzug für die Treppenwange in der Höhe von CHF 1'375.– 

(act. 1 Rz. 18 ff.; act. 30 Rz. 68 ff.). 

Die Beklagte bestreitet sowohl die Mehrmassen Stahl von 97,15 Tonnen als auch 

das Ausmass der zusätzlichen 1'610 Quadratmeter für den Oberflächenschutz 

(act. 35 Rz. 80 ff.). 

Die Klägerin trägt für die bestrittenen Stahlmassen und den Oberflächenschutz 

die Beweislast (vgl. Ziff. 2.3.4 f. hiervor), weshalb nachfolgend auf die von ihr 

diesbezüglich angeführten Beweismittel einzugehen ist.  

Die von der Klägerin behaupteten 97,15 Tonnen Mehrmassen Stahl sind der De-

tailabrechnung über den Nachtrag Nr. S-07 vom 14. Mai 2012 zu entnehmen 

(act. 3/78; vgl. die Version mit handschriftlichen Ergänzungen act. 31/2). Der 

Nachtrag selber vom 25. Februar 2011 enthält noch keine Tonnenangaben 

(act. 3/33). Die Detailabrechnung über den Nachtrag Nr. S-07 gibt indes lediglich 

die von der Klägerin dargelegte Berechnung wieder. Weiterführende Hinweise auf 

die verbaute Stahlmenge oder den zusätzlichen Oberflächenschutz fehlen. Die 

Detailabrechnung über den Nachtrag Nr. S-07 stellt denn auch nicht mehr als eine 

Parteibehauptung der Klägerin dar und ist damit nicht geeignet, die von ihr be-

haupteten quantitativen Angaben zu beweisen.  

- 40 - 

Die provisorische Material- und Stücklisten vom 9. November 2010 (act. 3/18) 

enthalten zwar diverse Gewichtsangaben. Ein Gesamttotal der zu verbauenden 

Stahlmassen fehlt indessen. Überdies betreffen sie die erste Etappe des Stahl-

baus, wie aus dem E-Mail vom 23. Dezember 2010 hervorgeht und wie die Kläge-

rin selber ausführt (act. 1 Rz. 22; act. 35 Rz. 26; act. 3/23). Die Material- und 

Stücklisten vom 7. Dezember 2010 (act. 3/21) und die Pläne (act. 20/4-11; act. 

3/19; act. 3/31) führt die Klägerin nicht als Beweismittel im Zusammenhang mit ih-

ren Behauptungen zur Menge an (act. 30 Rz. 68 ff.). Aber auch aus den Material- 

und Stücklisten vom 7. Dezember 2010 geht das Gesamttotal der verbauten 

Stahlmasse von 253,15 Tonnen nicht hervor und die Pläne enthalten keine direkt 

zu erschliessenden Gewichtsangaben. Zudem lagen zu diesem Zeitpunkt noch 

keine abschliessenden Stücklisten vor, wie den E-Mails vom 14. Dezember 2010 

(act. 3/22) und vom 23. Dezember 2010 (act. 3/23) zu entnehmen ist. Ohnehin 

sind die Pläne sowie die Material- und Stücklisten allesamt vor Freigabe der ers-

ten Bauetappe des Stahlbaus am 23. Dezember 2010 (act. 1 Rz. 22; act. 30 

Rz. 12; act. 3/23) entstanden und wären nur schon deshalb ungeeignet, die tat-

sächlich verbauten Stahlmassen zu beweisen.  

Schliesslich offeriert die Klägerin K._____ und L._____ als Zeugen für die verbau-

ten Stahlmassen und den zusätzlich nötig gewordenen Oberflächenschutz. Wie 

dem Handelsregisterauszug entnommen werden kann, ist L._____ Geschäftsfüh-

rer der Klägerin (act. 3/5). K._____ ist Angestellter der Klägerin, was aus dem 

eingereichten E-Mail Verkehr hervorgeht (vgl. beispielhaft act. 3/22). Beide Zeu-

gen stehen somit in einem Angestellten-/ bzw. Subordinationsverhältnis zur Klä-

gerin. Es kann vorweggenommen werden, dass die beiden Zeugen nicht gegen 

den Parteistandpunkt der Klägerin aussagen werden. Ausserdem ist nicht ersicht-

lich, dass die Zeugen eigene sachdienliche und präzise Wahrnehmungen ge-

macht haben könnten, die geeignet wären, die tatsächlich verbauten Stahlmassen 

zu beweisen. Vielmehr ergeben sich die verbauten Tonnen regelmässig aus Lie-

ferscheinen, Rapporten oder Rechnungen von Drittlieferanten. Solche Urkunden 

wurden von der Klägerin allerdings keine offeriert.  

- 41 - 

Die von der Klägerin angeführten Beweismittel sind damit nicht geeignet, die be-

strittenen Stahlmassen und den Oberflächenschutz zu beweisen. Dies gereicht 

der Klägerin als beweisbelastete Partei zum Nachteil. Selbst wenn ein Anspruch 

der Klägerin aus dem "Nachtrag Mehrtonnage Stahl S-07" bejaht würde, müsste 

die Klage somit aus den dargelegten Gründen abgewiesen werden. 

2.9. Fazit 

Es besteht kein vertraglicher Anspruch auf Mehrvergütung. Der Klägerin gelingt 

aber auch der Beweis der von ihr behaupteten Mehrmassen Stahl auch in quanti-

tativer Hinsicht nicht.  

3. Haftung aus culpa in contrahendo 

3.1. Parteistandpunkte 

Die Klägerin stützt ihren Anspruch auf Mehrvergütung eventualiter auf die culpa in 

contrahendo Haftung und macht geltend, die Unrichtigkeit der Ausschreibungs-

grundlagen betreffend die Dimensionierung der Stahlträger sei von der Beklagten 

zumindest fahrlässig herbeigeführt worden. Wäre das Vorausmass korrekt gewe-

sen, hätten sich die Parteien auf einen angemessenen Pauschalpreis einigen 

können. Der Anspruch sei auch noch nicht verjährt, da die Klägerin erstmals am 

14. Mai 2012 bei der Erstellung des Nachtrags S-07 genaue Kenntnis des Scha-

dens gehabt habe. Die erste Betreibung datiere vom 11. Januar 2013 und die 

Klage vom 26. Juni 2013, weshalb die Verjährung stets rechtzeitig unterbrochen 

worden sei (act. 30 Rz. 108 ff.).  

Die Beklagte bestreitet das Vorliegen eines Schadens und Verschuldens. Über-

dies erhebt sie die Verjährungseinrede und führt aus, dass die Klägerin selbst 

schon lange vor dem 14. Mai 2012 in der Lage gewesen sei, ihre Forderung ge-

nau zu beziffern (act. 35 Rz. 114). 

3.2. Rechtliches 

Dem Abschluss des Werkvertrages gehen wie im vorliegenden Fall Vertragsver-

handlungen voraus. Schon durch die Aufnahme von Verhandlungen entsteht zwi-

- 42 - 

schen den Beteiligten ein Treueverhältnis. Dieses verpflichtet die Verhandlungs-

partner zu einem Verhalten nach Treu und Glauben, da jeder, der mit einem an-

dern in Verhandlungen tritt, erwarten darf, es mit einem redlich denkenden, sich 

loyal verhaltenden Partner zu tun zu haben. Verstösst ein Verhandlungspartner 

gegen die erwähnte Pflicht, sich nach Treu und Glauben zu verhalten, so kann er 

dem andern für den dadurch entstehenden Schaden aus culpa in contrahendo 

haftbar werden. Als Beispiel wird etwa der Besteller angeführt, der dem Unter-

nehmer mit Absicht oder aus Unsorgfalt unrichtige sachverständige Angaben über 

kostenbildende Faktoren liefert (GAUCH, a.a.O., Rz. 434 f., 440 und 1103). Die 

culpa in contrahendo Haftung setzt grundsätzlich ein Verschulden des Haftpflich-

tigen voraus. Derjenige, der aus der culpa in contrahendo Haftung in Anspruch 

genommen wird, hat zu beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft. Insbesondere 

derjenige, der zum Mittel der Ausschreibung greift, untersteht der culpa in contra-

hendo Haftung. Ob Fahrlässigkeit für die culpa in contrahendo genügt, hat das 

Bundesgericht in einem jüngeren Entscheid offen gelassen (BGE 130 III 345 E. 1; 

GAUCH/SCHLUEP/SCHMID, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 

Bd. I, 10. Aufl. 2014, Rz. 963 ff. und 1062). Es geht dabei in ständiger Rechtspre-

chung davon aus, dass sich die Verjährung von Ansprüchen aus culpa in contra-

hendo nach Art. 60 ff. OR richtet (BGE 134 III 390 E. 4.3.2). Die relative Verjäh-

rungsfrist beträgt nach Art. 67 Abs. 1 OR ein Jahr. Der Anspruch verjährt mit Ab-

lauf eines Jahres, nachdem der Verletzte von seinem Anspruch Kenntnis erhalten 

hat. Kenntnis des Anspruchs ist dann gegeben, wenn der Verletzte keinen Anlass 

und keine Möglichkeit zu weiterer Abklärung sowie genügend Unterlagen zur Kla-

geerhebung hat. Das trifft zu, wenn das ungefähre Ausmass des Anspruchs be-

kannt ist, sodass eine Klageeinleitung vernünftigerweise zugemutet werden kann 

(GAUCH/SCHLUEP/SCHMID, a.a.O., Rz. 1558 f. m.w.H.). 

3.3. Kein Verschulden 

Dass die Beklagte in den Ausschreibungsunterlagen vorsätzlich falsche Angaben 

gemacht hätte, behauptet die Klägerin nicht. Ob bereits Fahrlässigkeit für die Be-

jahung einer culpa in contrahendo Haftung genügt, hat das Bundesgericht, wie 

erwähnt, jüngst offen gelassen. Die Frage braucht vorliegend auch nicht ent-

https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocView/1c566b2c-3244-4d1c-89b3-44b24a2f07c8?SP=12%7Cbonfe2&source=book-toc-document-link&edocTitleGuid=ee2ad7d6-5d89-4933-936f-5372a4cf9f06#fn_fn152

- 43 - 

schieden zu werden, da der Beklagten kein Fahrlässigkeitsvorwurf gemacht wer-

den kann. Sie hat in ihren Ausschreibungsunterlagen mehrfach und eindeutig zum 

Ausdruck gebracht hat, dass ihre quantitativen Angaben nur eine Schätzung dar-

stellen würden (vgl. Ziff. 2.4.5 hiervor). Die Klägerin kann ihr die Unrichtigkeit folg-

lich nicht vorwerfen. Dies gilt vorliegend um so mehr, als es gemäss vertraglicher 

Vereinbarung Aufgabe der Klägerin war, mit dem durchzuführenden Basic Engi-

neering die statischen Grundlagen zu erarbeiten. Ein fahrlässiges Verhalten wäre 

höchstens dann in Betracht zu ziehen, wenn es die Beklagte unterlassen hätte, 

entsprechende Vorbehalte anzubringen. Angesichts der angebrachten Vorbehalte 

und den weiteren Umständen kann ihr jedenfalls kein unsorgfältiges bzw. gar 

treuwidriges Verhalten vorgeworfen werden. 

3.4. Verjährung 

Die Klägerin führte in ihrem Schreiben vom 21. September 2012 aus, dass die 

Stahlbauarbeiten vor dem 25. Februar 2011 fertiggestellt wurden (act. 3/58). Die 

Klägerin hätte damit nach Abschluss der entsprechenden Stahlbauarbeiten in der 

Lage sein müssen, die verbauten Stahlmassen zu quantifizieren. Bereits im De-

zember 2010 und im Januar 2011 verhandelten die Parteien über die Übernahme 

der Mehrkosten für die Mehrmassen Stahl (vgl. Ziff. 2.4 hiervor). Aufgrund der ge-

scheiterten Verhandlungen musste die Klägerin schliesslich damit rechnen, dass 

die Beklagte die Übernahme der Mehrkosten ablehnen würde. Damit war ihr das 

ungefähre Ausmass ihres Anspruchs spätestens im Februar 2011 bekannt. Dass 

sie ihre Forderung betragsmässig erstmals am 14. Mai 2012 in der Detailabrech-

nung zum Nachtrag S-07 ausgewiesen hatte (act. 3/78), gereicht ihr zum Nachteil, 

zumal sie keine Gründe nennt, weshalb mit der Quantifizierung der Mehrtonnen 

bis zu diesem Zeitpunkt zugewartet hätte werden müssen. Mit der erstmaligen 

Betreibung am 11. Januar 2013 erfolgte die Unterbrechung der einjährigen Ver-

jährungsfrist offensichtlich zu spät, weshalb ihr die Beklagte zudem zu Recht die 

Verjährungseinrede entgegenhalten kann / konnte. 

 

 

- 44 - 

3.5. Fazit 

Da der Beklagten kein Verschulden vorzuwerfen ist und da überdies die Verjäh-

rung eingetreten wäre, kann die Klägerin ihre Forderung für die Mehrkosten auch 

nicht auf die culpa in contrahendo als Haftungsgrundlage stützen. 

4. Einrede des nicht erfüllten Vertrages gemäss Art. 82 OR 

4.1. Die Beklagte bringt weiter vor, dass die Klägerin entgegen Ziff. 4.4 der All-

gemeinen Einkaufsbedingungen noch keine auf erste Aufforderung unwiderruflich 

zahlbare Bankgarantie für Werkmängel beigebracht habe. Die von der Klägerin 

gestellten Garantiescheine würden die vertraglichen Voraussetzungen nicht erfül-

len. Gemäss der Bestellung vom 13. September 2010 sei die Schlusszahlung ge-

gen die von der Klägerin zu stellende Bankgarantie zu leisten. Da ein Austausch-

verhältnis bestehe, erhebe die Beklagte die Einrede des nicht erfüllten Vertrages 

nach Art. 82 OR (act. 9 Rz. 59 und 91 ff.; act. 35 Rz. 18).  

4.2. Die Klägerin stellt nicht in Abrede, dass die Bezahlung der Schlussrate und 

die Übergabe der Garantie Zug um Zug auszutauschen seien. Sie bestreitet in-

des, dass die Allgemeinen Einkaufsbedingungen Vertragsbestandteil bildeten, 

weshalb Ziff. 4.4 auch nicht angewendet werden könne. Überdies sei die Bestim-

mung als ungewöhnlich zu qualifizieren (act. 1 Rz. 91 ff.).  

4.3. Gemäss Art. 82 OR muss derjenige, der bei einem zweiseitigen Vertrag 

den anderen zur Erfüllung anhalten will, entweder bereits erfüllt haben oder die 

Erfüllung anbieten, sofern keine Vorleistungspflicht besteht. Die gegenseitigen 

Pflichten müssen in einem Austauschverhältnis (Synallagma) zueinander stehen, 

wobei sich dies aufgrund ausdrücklicher oder stillschweigender Parteivereinba-

rung ergibt. Die Einrede des Art. 82 OR steht nicht nur bei Nichterfüllung, sondern 

auch bei nicht gehöriger Erfüllung zur Verfügung (LEU, in: BSK OR I, Art. 82 N. 1 

ff.). 

4.4. Wie bereits aufgezeigt, wurden die Allgemeinen Einkaufsbedingungen der 

Beklagten Vertragsbestandteil (vgl. Ziff. 2.4.3 hiervor). Unter Ziff. 4.4 der Allge-

meinen Einkaufsbedingungen (act. 3/4 S. 2) wird festgehalten, dass eine auf erste 

- 45 - 

Anforderung unwiderruflich zahlbare direkte Bankgarantie von erstklassigen Ban-

kinstituten, ausgestellt gemäss den einheitlichen Richtlinien für auf Anforderung 

zahlbare Garantien (ICC/Paris; Publikation Nr. 458), abzugeben sei. Auf diese 

Ziff. 4.4 wurde in der Bestellung H-10-1025, welche ebenfalls Vertragsbestandteil 

war (vgl. Ziff. 2.4.3 hiervor), explizit hingewiesen (act. 3/15 S. 3), wobei festgehal-

ten wurde, dass die Bankgarantie mit der Schlussrate zu leisten sei, sich die Form 

gemäss den Allgemeinen Einkaufsbedingungen richte und als Gerichtsstand 

D._____ zu bestimmen sei. Aufgrund dieses Verweises wurde die Klägerin ge-

sondert auf die Voraussetzungen der zu leistenden Bankgarantie aufmerksam 

gemacht, weshalb die Ungewöhnlichkeitsregel ausser Betracht fällt (BGE 138 III 

411 E. 3). Mit Schreiben vom 3. Juni 2013 hat die Beklagte die von der Klägerin 

beigebrachten Garantien bemängelt und sie aufgefordert, bis 14. Juni 2013 eine 

vertragskonforme Gewährleistungsgarantie zu übergeben (act. 3/86). 

4.5. Die von der Klägerin beigebrachten Garantiescheine erfüllen die Voraus-

setzungen gemäss Ziff. 4.4 der Allgemeinen Einkaufsbedingungen nicht 

(act. 3/83; act. 3/85). Zunächst wurden sie entgegen vertraglicher Vereinbarung 

nicht von erstklassigen Bankinstituten, sondern von einer Versicherungsgesell-

schaft abgegeben. Darüber hinaus handelt es sich nicht um eine auf erste Anfor-

derung hin zu leistende Garantie, da die Versicherungsgesellschaft nur als Soli-

darbürge einzustehen hat.  

4.6. Die Klägerin hat damit die fällig gewordene Bankgarantie, welche im Aus-

tausch zur Schlusszahlung erfolgen sollte, zum Zeitpunkt der Rechtshängigkeit 

bzw. der Klageeinleitung (Art. 62 ZPO) noch nicht gehörig beigebracht. Selbst 

wenn man entgegen den bereits ausgeführten Gründen, welche zur Klageabwei-

sung führen, von einer Forderung zugunsten der Klägerin ausginge, müsste die 

Klage zurzeit abgewiesen werden, da der Beklagten das Leistungsverweigerungs-

recht nach Art. 82 OR zustünde.  

5. Ergebnis 

Es besteht weder ein vertraglicher Anspruch noch ein Anspruch gestützt auf die 

culpa in contrahendo Haftung auf Vergütung der Mehrmassen. Auch in quantitati-

- 46 - 

ver Hinsicht gelingt der Beweis der behaupteten Mehrmassen nicht. Die Klage ist 

demzufolge abzuweisen.  

6. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

6.1. Die Prozesskosten, bestehend aus Gerichtskosten und Parteient