# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6c015650-f1ee-579b-ad12-5569ee507f1f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-08-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 30.08.2006 SB 2006 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2006-22_2006-08-30.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 30. August 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 06 22 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
Richter Vital und Möhr
Aktuar ad hoc Hitz

——————

In der strafrechtlichen Berufung

des X., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. An-
ton Hidber, Postfach 459, Tittwiesenstrasse 29, 7001 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 23. März 2006, 
mitgeteilt am 2. Mai 2006, in Sachen des Angeklagten und Berufungsklägers,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. X. wuchs zusammen mit einem Bruder bei seinen Eltern in Davos auf. 
Dort besuchte er sechs Jahre die Primar- und sieben Jahre die Mittelschule B.. Da-
nach war er in D. und lernte bei der ESIG Ingenieur in der Sparte Verpackung und 
Logistik. Danach machte er sich selbständig; er ist bis heute als Polygraph tätig. 
Sein durchschnittliches Jahreseinkommen beträgt gemäss eigenen Angaben zwi-
schen Fr. 30'000.00 und Fr. 70'000.00 netto. Zusätzlich zur 15-jährigen Einzelfirma 
ist X. zusammen mit seinem Partner C. aus A. verantwortlich für eine GmbH in der 
Sparte Produktion und Druck. X. versteuerte im Jahre 2003 (provisorisch) ein Rein-
vermögen von Fr. 10'700.00.

X. ist weder im schweizerischen Zentralstrafregister noch im ADMAS-Regis-
ter verzeichnet. Mit Strafmandat vom 11. Mai 1993 wurde er durch das Kreispräsi-
dium Schiers wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 
SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziffer 2 SVG mit Fr. 
1'000.00 bestraft.

B. Mit gleichentags mitgeteiltem Strafmandat vom 25. Februar 2005 er-
kannte das Kreispräsidium Schiers:

 „1. X. ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbin-
dung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.

2. Dafür wird er bestraft mit Fr. 600.00 Busse.
3. Vorzeitige Löschung der Busse nach einer Probezeit von einem 

Jahr.
(Kosten).“

C. Mit Eingabe vom 4. März 2005 erhob X. beim Kreispräsidium Schiers 
Einsprache gegen das Strafmandat vom 25. Februar 2005. In der Folge ergänzte 
der Untersuchungsrichter die Strafuntersuchung und verfügte am 22. März 2005 
den Schluss der Untersuchung. X. wurde mit Verfügung des Staatsanwaltes vom 
14. September 2005 wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 
Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziffer 2 SVG in An-
klagezustand versetzt. Dieser Anklage lag gemäss Anklageschrift der Staatsanwalt-
schaft Graubünden folgender Sachverhalt zu Grunde:

„Recht Andreas wird angeklagt
der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG 
und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG. 

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Am 20. September 2003 schloss X. um 17.00 Uhr mit dem Mini Cooper 
S, Kennzeichen F., und einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h auf der 
H.-Strasse bei der Örtlichkeit I. in O. zum von E. mit 70 – 80 km/h ge-
lenkten Mitsubishi Spacewagon, G., auf. Während ca. 300 m betrug der 
Abstand zwischen den beiden in Richtung J. gelenkten Fahrzeugen ma-
ximal zwei Wagenlängen. E. sah im Innenspiegel seines Fahrzeuges 
die Lichter des nachfolgenden Mini Cooper S nicht mehr. E. fühlte sich 
dadurch bedrängt und nahm deshalb vor dem J. den Fuss vom Gaspe-
dal, wodurch sich die Geschwindigkeit auf ca. 60 km/h und der Abstand 
des nachfolgenden Fahrzeuges auf ca. 1 m reduzierten. Danach er-
höhte E. die Geschwindigkeit wieder auf 70 bis 75 km/h. In der Folge 
fühlte er sich jedoch weiter von X. bedrängt, weshalb er in und nach 
dem Tunnel mehrere Male bis auf eine Geschwindigkeit von ca. 40 km/h 
abbremste.
Vor E. fuhr seine damalige Freundin K. in ihrem roten Opel. Als sie E. 
nach dem J. nicht mehr nachfahren sah, hielt sie bei der Ausfahrt L. an. 
Als sie E. nahen sah, setzte sie ihre Fahrt vor E. fahrend wieder fort. 
Nach der ARA überholte X. E. und schloss zu K. auf. Auch zu ihr hielt 
er einen geringen Abstand inne. Nach Einschätzung von K. wäre es im 
Falle einer brüsken Bremsung ihrerseits zu einer Auffahrkollision ge-
kommen.
Zwischen M. und N. überholten sowohl X. als auch E. K.. In der Folge 
touchierte E. nach N. auf der Umfahrungsstrasse von N. mehrere Male 
mit seinem Fahrzeug die hintere Stossstange des Mini Coopers.“

D. Am 23. März 2006 fand im „Sprützenhüschi“ am Kirchplatz in Klosters 
Platz die Gerichtsverhandlung statt. X. war persönlich zur Verhandlung erschienen. 
Ebenfalls zugegen waren sein privater Verteidiger sowie der Untersuchungsrichter. 

Im Rahmen seines Plädoyers legte der Untersuchungsrichter dar, inwiefern 
sich X. verkehrsrechtswidrig verhalten habe. K. habe wohl den Abstand zwischen 
den Fahrzeugen von E. (vorausfahrend) und X. (hinterherfahrend) nicht beurteilen 
können. Indes sei ihr X. selber derart nahe aufgefahren, dass es bei einem brüsken 
Bremsmanöver ihrerseits zu einer Kollision gekommen wäre. Demnach müsse den 
Aussagen E.s Glauben geschenkt werden, wonach ihm X. mit viel zu geringem Ab-
stand gefolgt sei. Somit müsse sich der Sachverhalt so abgespielt haben, wie er in 
der Anklageschrift releviert worden sei. Der Untersuchungsrichter schloss sein Plä-
doyer mit folgenden Anträgen:

 „1. X. sei der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 
Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit einer Busse von Fr. 800.-- zu bestrafen.
3. Die Busse sei nach Ablauf einer Probezeit von einem Jahr im 

Strafregister zu löschen

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4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

Im Rahmen seines Plädoyers stellte der private Verteidiger einleitend den 
Antrag, X. von der Anklage der groben Verletzung von Verkehrsregeln freizuspre-
chen, unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. Indem 
X. auf die unverhofften Bremsmanöver von E. jeweils zu reagieren vermocht habe, 
ohne dass es zu einer Kollision oder einem Unfall gekommen wäre, habe X. den 
Tatbeweis dafür erbracht, zu E. einen ausreichenden Abstand gewahrt zu haben. 
X. sei sodann von E., der ihn von hinten mehrmals touchiert habe und von K., die 
ihre Fahrt verlangsamt habe, geradezu ins Sandwich genommen worden. Vor die-
sem Hintergrund sei es widersinnig von X. zu verlangen, er habe einen Zwei-Se-
kundenabstand einzuhalten. Jeder durchschnittliche Verkehrsteilnehmer hätte in 
dieser Situation gleich reagiert wie X.. In keiner Phase dieser Situation habe X. die 
Beherrschung über sein Fahrzeug verloren.

Replizierend führte der Untersuchungsrichter aus, X. lägen Verfehlungen zu-
grunde, die sich dieser vor der O., das heisst vor dem J., habe zu Schulden kommen 
lassen. Die Frage, ob und wie X. auf die Schikanestopps von E., die danach vorge-
fallen seien, reagiert habe, sei vorliegend nicht relevant. Selbst wenn E. krank sei, 
sei er kein „Phantast“, denn er sei fähig gewesen, den Abstand objektiv nachvoll-
ziehbar zu schildern. Der automobilistische Leumund komme sodann bei der Straf-
zumessung zum Zuge, nicht aber bei der Frage, ob ein strafbares Verhalten vor-
liege.

Duplizierend hielt der private Verteidiger an dem von ihm zuvor eingenom-
menen Standpunkt unverändert fest. 

Im Einverständnis mit dem Angeklagten, dessen Verteidiger sowie dem Un-
tersuchungsrichter wurde das Urteil den Parteien anderntags, das heisst am 24. 
März 2006, fernmündlich eröffnet. 

E. Mit Urteil vom 23. März 2006, beziehungsweise fernmündlicher Eröff-
nung vom 24. März 2006 und schriftlicher Mitteilung am 2. Mai 2006, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos wie folgt:

 „1. X. ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 
90 Ziff. 2 SVG.

2. Dafür wird X. mit einer Busse in Höhe von Fr. 800.00 bestraft.

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3. Nach Ablauf einer Probezeit von einem Jahr wird der Strafregister-
eintrag bei Wohlverhalten vorzeitig gelöscht.

4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft von

Fr.  1'785.00
- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft von Fr.    103.25
- der Gebühr des Kreisamtes Schiers von Fr.    200.00
- der Gerichtsgebühr von Fr.  2'000.00
total somit von Fr.  4'088.25
gehen zulasten des X.. Sie sind, zusammen mit der Busse – total 
also Fr. 4888.25 (Fr. 4'088.25 + Fr. 800.00) –, innert 30Tagen nach 
Rechtskraft dieses Urteils der Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, 
zu überweisen.

5. (Rechtsmittelbelehrung).
6. (Mitteilung).“

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass E. vor dem Unter-
suchungsrichter ausgesagt habe, dass ihm zwischen der I. und dem J. ein Fahrzeug 
hinten aufgefahren beziehungsweise X. mit seinem Mini so nahe gefolgt sei, dass 
er dessen Lichter im Innenspiegel nicht mehr habe sehen können. X. habe demge-
genüber zu Protokoll gegeben, dass er zwar zu dem ihm vorausfahrenden E. auf-
geschlossen habe, er aber einen Abstand von ca. zwei Wagenlängen eingehalten 
habe. Auch habe K. sinngemäss ausgeführt, dass ihr X. offenbar in einem derart 
geringen Abstand gefolgt sei, dass auf ein starkes Bremsen ihrerseits eine Kollision 
erfolgt wäre und zwar allein deshalb, weil ihr X. mit zu geringem Abstand gefolgt 
sei. Aufgrund der übereinstimmenden Ausführungen von K. und E. vermöge der 
Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos den Behauptungen von X. nicht zu fol-
gen und im Ergebnis würden somit keine unüberwindbare Zweifel bestehen, dass 
sich der Sachverhalt so zugetragen habe, wie er in der Anklageschrift releviert wor-
den sei. Ein gegenteiliger resp. anderer Sachverhalt könne nach der im Rahmen 
der Gerichtsverhandlung gewonnenen Überzeugung mit grösster Wahrscheinlich-
keit ausgeschlossen werden. X. habe mit seinem Fahrverhalten aus objektiver Sicht 
eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziffer 2 SVG begangen. 
Des Weiteren sei der Tatbestand des Art. 90 Ziffer 2 SVG auch in subjektiver Hin-
sicht erfüllt, da X. als geübter Automobilist hätte wissen müssen, dass es bei seiner 
Fahrweise leichthin zu einer Auffahrkollision hätte kommen können. 

F. Gegen dieses Urteil liess X. mit Eingabe vom 23. Mai 2006 beim Kan-
tonsgerichtsausschuss von Graubünden strafrechtliche Berufung erheben. Dabei 
stellte er folgende Rechtsbegehren:

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 „1. Das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 
23.03.2006 sei vollumfänglich aufzuheben.

2. X. sei von der Anklage der groben Verletzung von Verkehrsre-
geln freizusprechen.

3. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des 
Staates.“

Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass an der Sach-
verhaltsfeststellung der Vorinstanz berechtigte Zweifel bestehen würden, sie von zu 
hohen Geschwindigkeiten ausgegangen sei und sie die Abstandsangaben von X. 
falsch ausgelegt habe. Das Abstellen auf die Aussage von X. bei der Polizei er-
scheine unzulässig, wenn dieser zuvor nicht über seine Rechte belehrt worden sei. 
Des Weiteren könne nicht einfach beim Unterschreiten eines Abstands von 0.6 Se-
kunden eine grobe Verkehrsregelverletzung angenommen werden. Auch habe ein 
genügender Abstand zwischen den Fahrzeugen bestanden und es sei trotz Schika-
nebremsungen durch E. zu keiner Kollision gekommen, womit keine abstrakte Ge-
fährdung bestanden habe.

G. Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragt in ihrer Vernehmlas-
sung vom 8. Juni 2006 die kostenfällige Abweisung der Berufung unter Hinweis auf 
die Akten und das angefochtene Urteil. Ergänzend führt die Staatsanwaltschaft 
Graubünden aus, dass bei einer Wagenlänge des Mitsubishi Spacewagon von 4.6 
m und des Mini Cooper S von 3.65 m feststehen würde, dass die Vorinstanz die 
Fahrzeuglänge mit der Annahme von 10 m für zwei Wagenlängen keinesfalls zu 
Ungunsten von X. bemessen habe. In Bezug auf die geltend gemachte Verletzung 
der Orientierungspflicht über das Aussageverweigerungsrecht führte die Staatsan-
waltschaft aus, dass die bündnerische Strafprozessordnung keine umfassende Ori-
entierungspflicht über das Aussageverweigerungsrecht für einen nicht Festgenom-
menen kenne. Unbestrittenermassen läge vorliegend weder eine polizeiliche Fest-
nahme noch eine Freiheitsbeschränkung ähnlich einer Festnahme vor. Infolgedes-
sen seien die polizeilichen Aussagen von X. durchaus verwertbar. 

H. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 6. Juni 2006 unter Hin-
weis auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil auf die Einreichung einer Ver-
nehmlassung.

Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil sowie in den Rechts-
schriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

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Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse können der 
Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erhe-
ben (vgl. Art. 141 Abs. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Graubünden (StPO; 
BR 350.000)). Dazu ist die Berufung innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen 
Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen. Sie ist zu begründen und 
hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und 
ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (vgl. Art. 142 
Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung vom 23. Mai 
2006 zu genügen. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher 
einzutreten. 

2. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz grundsätzlich eine umfassende, uneinge-
schränkte Kognition zukommt (auch mit Bezug auf Ermessensfehler, obschon er 
sich bei deren Überprüfung eine gewisse Zurückhaltung auferlegt). Der Kantonsge-
richtsausschuss überprüft das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich nur im Rahmen 
der in der Berufung oder Anschlussberufung gestellten Anträge. Wenn die Akten-
lage die Beurteilung zulässt und keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt, 
oder der Mangel geheilt ist, entscheidet der Kantonsgerichtsausschuss in der Sache 
selber (vgl. Art. 146 Abs. 2 StPO e contrario). Die Rückweisung an die Vorinstanz 
bildet die Ausnahme (vgl. Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des 
Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, S. 375 ff., mit Hinweisen). 

3. a) Gemäss Art. 9 der Verordnung über die schriftliche Mitteilung von Stra-
fentscheiden (BR 350.250) erfolgt die Mitteilung eines Entscheides bei Personen, 
die im Verfahren einen Verteidiger beziehungsweise Rechtsvertreter beigezogen 
haben, an den Vertreter im Doppel, auch zuhanden des Vertretenen (vgl. PKG 1986 
Nr. 34). Daraus ergibt sich, dass auch die vorzeitige Mitteilung des Dispositivs an 
den Rechtsvertreter grundsätzlich die formellen Anforderungen an eine Urteilseröff-
nung zu erfüllen hat. Weiter ergibt sich, dass auch die vorzeitige Mitteilung des Dis-
positivs an den Rechtsvertreter grundsätzlich ausreichend sein muss, um die darin 
angesetzte Probezeit auszulösen, zumal der Rechtsvertreter verpflichtet ist, den 
Entscheid an seinen Mandanten weiterzuleiten, soweit dies faktisch möglich ist.

b) Aus dem Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 
23. März 2006 geht hervor, dass der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos im 

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Einvernehmen mit den Parteien auf die mündliche Eröffnung des Urteils direkt im 
Anschluss an die Hauptverhandlung vom 23. März 2006 verzichtete. Das Urteilsdis-
positiv wurde jedoch am 24. März 2006 telefonisch mitgeteilt. 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung beginnt die Probezeit mit der 
Eröffnung des Urteils zu laufen, das vollstreckbar wird. Denn mit der Eröffnung 
spricht der Richter gegenüber dem Verurteilten die Erwartung aus, dass er sich 
schon durch eine bedingt aufgeschobene Strafe werde bessern lassen (vgl. BGE 
118 IV 102). Der Verurteilte ist zu diesem Zeitpunkt gewarnt, und von diesem Au-
genblick an wird von ihm ein dem Urteil gemässes Verhalten erwartet (vgl. Ent-
scheid des Bundesgerichts vom 25. Februar 2002 (6S.506/2001) = Pra 2002 Nr. 76 
mit Hinweisen). Art. 127 Abs. 1 StPO sieht vor, dass den Parteien das Urteil in öf-
fentlicher Sitzung im Dispositiv und unter Mitteilung der wesentlichen Erwägungen 
mündlich eröffnet wird. Von dieser Regel darf jedoch in Ausnahmefällen aufgrund 
eines Gerichtsbeschlusses abgewichen werden. Das Urteil muss in solchen Fällen 
in einer anderen von der bündnerischen Strafrechtspflege vorgesehenen Form mit-
geteilt werden. Vorliegend ist dies mittels vorzeitiger telefonischer Dispositivmittei-
lung erfolgt. Aus Art. 128a Abs. 1 StPO und aus Art. 1 der Verordnung über die 
schriftliche Mitteilung von Strafentscheiden geht jedoch hervor, dass die vorzeitige 
Dispositivmitteilung in schriftlicher Form zu erfolgen hat. 

Die Strafprozessordnung kennt neben der öffentlichen keine weitere Form 
der mündlichen Urteilseröffnung. 

Ein Grund für das Erfordernis der Schriftlichkeit ergibt sich aus der Bedeu-
tung einer vorzeitigen Dispositivmitteilung. Diese dient in erster Linie den Vollzugs-
behörden, welche umgehend darüber informiert werden müssen, ob der Verurteilte 
nach der Urteilsfällung in Sicherheitshaft genommen worden ist, Massnahmen im 
Sinne der Art. 42-44 und Art. 100bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; 
SR 311.0) oder der sofortige Strafantritt verfügt worden sind. In Bezug auf eine an-
gesetzte Probezeit (wie vorliegend der Fall) lässt sich mittels der vorzeitigen Dispo-
sitivmitteilung der exakte Beginn derselben ermitteln und auch nachweisen, welcher 
dann von Bedeutung ist, wenn der Verurteilte während der Probezeit erneut delin-
quiert. Das Erfordernis der Schriftlichkeit erfüllt damit einerseits eine Beweisfunk-
tion, andererseits wird damit das Risiko von Falschübermit-  tlungen minimiert. Eine 
telefonische Dispositivmitteilung kann diese Funktion nicht erfüllen, zumal der ge-
naue Inhalt und Zeitpunkt oft nicht bewiesen werden können. Dieser Nachweis lässt 
sich aber mit einer mündlichen Urteilseröffnung in Anwesenheit des Angeklagten 

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ebenso erbringen wie mit der schriftlichen autorisierten Dispositivmitteilung. Aus 
den genannten Gründen hat der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos künftig 
darauf zu verzichten, das Urteil telefonisch zu eröffnen. Wird demnach ein Urteil 
nicht im Anschluss an eine Hauptverhandlung öffentlich mitgeteilt, hat eine vorzei-
tige - schriftliche - Dispositivmitteilung zu erfolgen (vgl. auch PKG 2004 Nr. 15 E. 4). 

4. Der Betroffene kann auf die Durchführung einer mündlichen Beru-
fungsverhandlung von sich aus verzichten. Voraussetzung eines wirksamen Ver-
zichts ist, dass er ausdrücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des 
Betroffenen eindeutig ergibt. Vorliegend hat der Berufungskläger die Durchführung 
einer mündlichen Berufungsverhandlung nicht verlangt. Es besteht aber auch kein 
Grund, dass das urteilende Gericht von sich aus (vgl. Art. 144 Abs. 1 StPO) eine 
mündliche Berufungsverhandlung anordnet, nachdem die Vorinstanz öffentlich ver-
handelt hat, bezüglich des strittigen Sachverhaltes keine zusätzlichen Aufschlüsse 
von einer mündlichen Verhandlung zu erwarten sind, im vorliegenden Fall vorwie-
gend Rechtsfragen zur Diskussion stehen, sich zudem keine Fragen zur Person und 
zum Charakter des Berufungsklägers stellen, welche sich nicht mit genügender Hin-
länglichkeit aus den Akten ergeben, eine Abänderung des angefochtenen Urteils zu 
Ungunsten des Berufungsklägers ausgeschlossen ist (vgl. Art. 146 Abs. 1 StPO), 
und ferner die Sache von relativ geringer Tragweite ist. Zudem steht einem nichtöf-
fentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse entgegen (vgl. BGE 119 
Ia 318 f. E. 2b). Die streitige Strafsache kann somit gestützt auf die vorliegenden 
Akten sachgerecht entschieden werden. Ein persönliches Vortreten von X. vor dem 
Gericht ist daher nicht notwendig. 

5. a) Der Verteidiger des Berufungsklägers bringt vor, dass das Abstellen 
auf die Aussage von X. bei der Polizei als unzulässig erscheine, wenn dieser nicht 
zuvor über seine Rechte (insbesondere über das Aussageverweigerungsrecht) be-
lehrt worden sei. Er beruft sich dabei auf Art. 32 der Bundesverfassung der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101). Weiter wird vorgebracht, dass der Be-
rufungskläger anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme erregt und fassungs-
los gewesen sei und diese Umstände die Qualität der Angaben relativieren würden. 
Aufgrund der fehlenden Rechtsbelehrung sei seine Aussage als nicht verwertbar zu 
betrachten. Falls doch, sei aber die Erregung des Berufungsklägers bei der Befra-
gung mitzuberücksichtigen und allfällige Distanz- und Geschwindigkeitsangaben 
müssten zurückhaltend gewürdigt werden (vgl. act. 01, S. 7).

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Einleitend kann dazu festgehalten werden, dass die Rüge der angeblich feh-
lerhaften Einvernahme erstmals im vorliegenden Berufungsverfahren vorgebracht 
wurde. Von Bedeutung ist in erster Linie, ob die Untersuchungsbehörden von Ge-
setzes wegen gehalten waren, den Berufungskläger auf ein allfälliges Aussagever-
weigerungsrecht aufmerksam zu machen. Das Bundesgericht hat die Pflicht der 
Behörden, den Beschuldigten über sein Aussageverweigerungsrecht aufzuklären, 
direkt auf Art. 31 Abs. 2 BV gestützt. Gemäss dieser Bestimmung hat jede Person, 
der die Freiheit entzogen wird, unter anderem Anspruch darauf, unverzüglich in ei-
ner ihr verständlichen Sprache über ihre Rechte unterrichtet zu werden. Die Bestim-
mung gilt für alle Arten des Freiheitsentzuges (vgl. BGE 130 I 126 E. 2.3). Wie die 
Staatsanwaltschaft Graubünden in ihrer Vernehmlassung vom 8. Juni 2006 (vgl. 
act. 04) zu Recht ausführte, ergibt sich die Pflicht der Polizeiorgane zur Aufklärung 
über das Aussageverweigerungsrecht primär gegenüber denjenigen Personen, de-
nen die Freiheit entzogen wird. Eine gleichermassen umfassende Orientierungs-
pflicht für den nicht Festgenommenen kennt die bündnerische Strafprozessordnung 
nicht. Da vorliegend keine Freiheitsbeschränkung vorlag, musste der Berufungsklä-
ger schon daher nicht zwingend über sein Schweigerecht orientiert werden. Des 
Weiteren wurde der Berufungskläger in der polizeilichen Einvernahme vom 20. Sep-
tember 2003 (vgl. act. 4/4) als Auskunftsperson befragt. Der Mandatsantrag gegen 
den Berufungskläger wurde erst am 20. Dezember 2004 gestellt (vgl. act. 1/18), 
weshalb X. zum Zeitpunkt der Einvernahme vom 20. September 2003 nicht als mit 
Verteidigungsrechten ausgestatteter Angeschuldigter befragt werden konnte. Die 
Befragung einer Auskunftsperson bringt mit sich, dass diese zur Wahrheit zu er-
mahnen, nicht aber auf Art. 307 StGB hinzuweisen ist, da sie nicht Zeuge ist. Eine 
Auskunftsperson besitzt zudem grundsätzlich keine Verteidigungsrechte (vgl. Willy 
Padrutt, a.a.O., S. 193 f.). War der Berufungskläger zu diesem Zeitpunkt Auskunfts-
person, war der Polizeibeamte denn auch nicht verpflichtet, ihn auf sein Schweige-
recht hinzuweisen. Darüber hinaus ist an dieser Stelle zu bemerken, dass bei einer 
polizeilichen Einvernahme die Verfahrensrechte nicht voll ausgebaut sind. Auch 
muss im polizeilichen Ermittlungsverfahren, insbesondere in Verkehrsstrafsachen, 
rasch und entschlossen gehandelt werden. Daher ist das Verfahren einfach und nur 
durch wenige Formvorschriften beengt. In dieser ersten Verfahrensphase wird der 
Wahrheitsfindung mehr Gewicht beigemessen als dem Schutzbedürfnis des Ange-
schuldigten. Anders als in der Untersuchung sind daher die Verfahrensrechte nicht 
voll ausgebaut (vgl. zum Ganzen PKG 2002 Nr. 26). Die Aussagen des Berufungs-
klägers anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 20. September 2003 sind 
somit grundsätzlich verwertbar; die Würdigung derselben obliegt sodann dem Ge-
richt. 

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b) Der Berufungskläger bringt weiter vor, dass die Aussagen von der als 
Zeugin einvernommenen K. nur insoweit sachdienlich sein könnten, als dass diese 
sich allgemein geäussert habe, da vorliegend allein der Sachverhalt vor dem J. 
massgebend sei. Gemäss Art. 76 Abs. 1 StPO kann der Untersuchungsrichter zur 
Durchführung der Untersuchung unter anderem auch Zeugen einvernehmen. K. 
wurde am 1. Dezember 2004 untersuchungsrichterlich einvernommen (vgl. act. 4/7). 
Auch wenn die Einvernahme beinahe 15 Monate nach der angeblichen Verkehrsre-
gelverletzung stattfand, so sind die Aussagen von K. durchaus verwertbar, auch 
wenn sie keine Angaben zu Distanzen zwischen der vorliegend zu beurteilenden 
Fahrt von X. und E. zwischen der I. und dem J. machen kann. Die Würdigung ihrer 
Aussagen obliegt auch hier wiederum dem Gericht. 

6. a) Gemäss dem in Art. 98 Abs. 2 lit. b StPO verankerten Anklageprinzip 
hat die Anklageschrift des Staatsanwaltes die Darstellung und die rechtliche Quali-
fikation des Sachverhaltes zu enthalten. Dadurch wird das urteilende Gericht in 
tatsächlicher Hinsicht an den Gegenstand des Anklage bildenden Sachverhaltes 
gebunden. Der Richter hat sich folglich bei seiner Kognitionstätigkeit auf den unter 
die Anklage gestellten historischen Vorgang zu beschränken, wie er sich ihm nach 
der Gesamtheit der in der Untersuchung und in der Hauptverhandlung ermittelten 
Tatsachen darstellt. Aus diesem Akkusationsprinzip wird der Immutabilitätsgrund-
satz abgeleitet, der besagt, dass die Anklage das Prozess- und das Urteilsthema 
für alle Instanzen fixiert. Der Angeklagte soll aus der Anklageschrift ersehen, wes-
sen er angeklagt ist und wie sein Verhalten strafrechtlich qualifiziert wird. Das be-
dingt eine zureichende Umschreibung der Tat, um dem Angeklagten die Vorberei-
tung seiner Verteidigung zu ermöglichen; er soll nicht der Gefahr von Überraschun-
gen ausgesetzt sein (vgl. PKG 1992 Nr. 58 und PKG 1996 Nr. 34). 

Die Umschreibung des Sachverhaltes beziehungsweise des vorgeworfenen 
historischen Ereignisses hat so präzise zu erfolgen, dass die Vorwürfe im objektiven 
und subjektiven Bereich in einem Masse konkretisiert sind, dass der Angeklagte 
genau erkennen kann, welches konkrete Verhalten ihm durch die Anklage vorge-
worfen wird. Das Akkusationsprinzip bezweckt somit zugleich den Schutz der Ver-
teidigungsrechte des Angeklagten wie auch den Anspruch auf rechtliches Gehör 
nach Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101; vgl. dazu auch PKG 1996 Nr. 34 mit Hin-
weisen). Der Anklagegrundsatz wird zur Hauptsache durch die Anforderungen kon-
kretisiert, welche an die Anklageschrift gestellt werden. Diese hat somit eine dop-
pelte Bedeutung, indem sie einerseits der Bestimmung des Prozessgegenstandes 

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dient (Umgrenzungsfunktion) und andererseits dem Angeschuldigten die für die 
Durchführung des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen ver-
mittelt (Informationsfunktion), wobei die beiden Funktionen von gleichwertiger Be-
deutung sind. Entscheidend ist somit, dass das als strafwürdig erachtete Verhalten 
derart dargestellt wird, dass das Gericht weiss, worüber es zu urteilen hat, und der 
Angeklagte ersieht, wogegen er sich zu verteidigen hat. Die zur Last gelegten Hand-
lungen müssen unter Angabe aller Umstände, die zum gesetzlichen Tatbestand 
gehören und somit zur Beurteilung einer Tat nach ihren tatsächlichen und rechtli-
chen Merkmalen notwendig sind, in der Anklageschrift aufgeführt werden (vgl. PKG 
1996 Nr. 34 und PKG 1992 Nr. 58). 

b) Gemäss Anklageschrift vom 14. September 2005 habe der Berufungs-
kläger mit seinem Mini Cooper und einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h auf der 
H.-Strasse bei der Örtlichkeit I. in O. zum von E. mit 70-80 km/h gelenkten Mitsubishi 
Spacewagon aufgeschlossen, wobei während ca. 300 m der Abstand zwischen den 
beiden in Richtung J. gelenkten Fahrzeugen maximal zwei Wagenlängen betragen 
habe. E. habe im Innenspiegel seines Fahrzeuges die Lichter des nachfolgenden 
Mini Cooper S nicht mehr gesehen. E. habe sich dadurch bedrängt gefühlt und des-
halb vor dem J. den Fuss vom Gaspedal genommen, wodurch sich die Geschwin-
digkeit auf ca. 60 km/h und der Abstand des nachfolgenden Fahrzeuges auf ca. 1 
m reduziert habe. Der Anklageschrift liegen somit Verfehlungen des Berufungsklä-
gers zugrunde, welche sich dieser vor dem J. zuschulden hat kommen lassen. 
Nachdem der Untersuchungsrichter vor der Vorinstanz das nach dem J. Vorgefal-
lene – etwas unglücklich – als nicht relevant bezeichnete, sind im Sinne der Fair-
ness sowie im Sinne des Anklagegrundsatzes folglich nur diese Vorwürfe und Tat-
sachen, welche sich zwischen der I. und dem J. ereignet haben, auf ihre Richtigkeit 
hin zu überprüfen.

Entsprechend den Rügen des Berufungsklägers, insbesondere den Vorbrin-
gen der angeblichen willkürlichen Beweiswürdigung durch die Vorinstanz, gilt es im 
Folgenden zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht zur Überzeugung gelangte, dass 
sich der Sachverhalt so zutrug, wie er in der Anklageschrift releviert wurde und X. 
mit seinem Fahrverhalten eine grobe Verkehrsregelverletzung beging. Anlässlich 
dieser Prüfung ist eine Würdigung der vorliegenden Beweismittel vorzunehmen und 
gestützt darauf zu beurteilen, ob die Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwalt-
schaft oder jene von X. überzeugend erscheint. Für den konkreten Fall bedeutet 
dies, dass die Aussagen sowohl des Berufungsklägers als auch jene von E. und der 
als Zeugin einvernommenen K. sowie die weiteren Beweismittel und Umstände frei 

13

zu würdigen sind, um dann nach gesamthafter Betrachtung entscheiden zu können, 
welche Sachverhaltsdarstellung zu überzeugen vermag.

7. a) Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (vgl. Willy Padrutt, a.a.O., Ziffer 2 zu Art. 125 StPO). Bei 
der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 125 Abs. 2 
StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung (vgl. Niklaus 
Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2004, N. 286). Dieser Grund-
satz der freien Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgeset-
zes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP; SR 312.0). Das Gericht hat von Bun-
desrechts wegen frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönli-
chen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise 
darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 
115 IV 267, 268 f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle 
Wahrheit wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Ge-
richts massgebend sein (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann; 
Schweizerisches Srafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, N. 2 zu § 54). Allein auf 
diese Weise kann das Gericht ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen.

Neben der Würdigung der Beweise stellt sich dem Gericht die Frage, wann 
es eine bestimmte Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Nach 
Lehre und Rechtsprechung darf blosse Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung 
nicht genügen, absolute Sicherheit ist für eine solche aber auch nicht erforderlich 
und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein 
könnte, rechtfertigt keinen Freispruch (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hart-
mann, a.a.O., N. 11 zu § 54). Trotzdem sind an den Beweis der zur Last gelegten 
Tat hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrschein-
lichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Aufgabe des Gerichts ist 
es, ohne Bindung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu   überwinden 
und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei 
die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die 
Schuld des Angeklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stüt-
zen, die vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. 
PKG 1987 Nr. 12; Niklaus Schmid, a.a.O., N. 289). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV 
und Art. 6 Ziffer 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel „in dubio pro reo“ darf 
sich der Strafrichter jedoch nicht von der Existenz eines für den Angeklagten un-
günstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zwei-
fel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis beste-

14

hen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2a). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind in-
dessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit 
nicht verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu un-
terdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven 
Sachlage aufdrängen (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2c). Die genannte allgemeine Rechts-
regel kommt nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage 
steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände 
zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage oder jene des Angeklagten das 
Gericht zu überzeugen vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der 
einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz 
„in dubio pro reo“ der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen 
werden (vgl. Willy Padrutt, a.a.O., Ziffer 2 zu Art. 125 StPO).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist auszuführen, dass der Grundsatz 
der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die 
Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeschuldigten voll gültige Be-
weismittel mit derselben Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weni-
ger die Form, sondern vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise 
der Bekundung sowie die Überzeugungskraft entscheidend. Massgebend ist mit an-
deren Worten allein die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall (vgl. 
Niklaus Schmid, a.a.O., N. 290; Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, 
a.a.O., § 54 N. 5).

b) Bei der Würdigung von Zeugenaussagen im Rahmen des Gerichts-
verfahrens interessiert nicht in erster Linie die persönliche Glaubwürdigkeit eines 
Zeugen, sondern vielmehr die sachliche Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage 
(vgl. Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des 
Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussa-
gen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung 
des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu 
werten. Die Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur 
von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres 
Indiz für die Richtigkeit der Deposition. Für die Korrektheit einer Aussage sprechen 
im Weiteren die Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter, Opfer und 
Zeuge, die Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle, Ent-
lastungsbemerkungen zu Gunsten des Beschuldigten und die Konstanz in der Aus-
sage bei verschiedenen Befragungen. Bei wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen 
diese Kennzeichen regelmässig. Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aus-

15

sagen sind Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, 
Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe 
mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten 
und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition 
muss alsdann auf ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem Er-
gebnis der übrigen Beweiserhebungen geprüft werden. Auch im System der Glaub-
würdigkeitskriterien von Arntzen (vgl. Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, 
Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., 
München 1993) steht an erster Stelle die Aussage selbst. Sie ist vor dem Hinter-
grund allgemein bekannter oder im Einzelfall zu erkundender psychischer Eigenar-
ten zu betrachten, wobei bestimmte Aussageeigenarten als Glaubwürdigkeitsmerk-
male anzusehen sind. Unterschieden wird dabei zwischen Glaubwürdigkeitskrite-
rien, die sich aus dem Aussageinhalt, der Aussageentwicklung, der Aussageweise 
sowie dem Motivationsumfeld der Aussage ergeben. Kriterien des glaubhaften Aus-
sageinhaltes sind der Grad der Detaillierung und der inhaltlichen Besonderheit so-
wie die Homogenität der Aussage. Die Glaubwürdigkeit aus dem Verlauf der Aus-
sageentwicklung ergibt sich aus der relativen Konstanz einer Aussage in zeitlich 
auseinander liegenden Befragungen sowie aus der Ergänzbarkeit der Deposition 
bei nachfolgenden Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und ungesteu-
erte Aussageweise sprechen für einen hohen Wahrheitsgehalt. Der Grad der Ob-
jektivität ist schliesslich massgebend für den Grad der Glaubwürdigkeit, der sich aus 
dem Motivationsumfeld ergibt (vgl. Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, 
a.a.O., S. 15 ff.).

c) Da vorliegend gerade keine Angaben von der Polizei, Radarbilder 
oder Distanzmessungen vorliegen, kann der Sachverhalt gar nicht anders als ge-
stützt auf die nachfolgend vorgenommene Würdigung der Aussagen der Beteiligten 
ermittelt werden. Der Berufungskläger macht insbesondere geltend, er habe einen 
grösseren Abstand zum vor ihm fahrenden E. eingehalten, als von der Vorinstanz 
angenommen. In der polizeilichen Einvernahme vom 20. September 2003 (vgl. act. 
4/3) gab E. zu Protokoll, dass er auf Höhe der Tankstelle I. festgestellt habe, wie 
ein Lenker eines nachfolgenden Wagens zu ihm aufgeschlossen habe. Zu diesem 
Zeitpunkt sei er mit etwa 75-80 km/h gefahren. E. habe festgestellt, dass der nach-
folgende Lenker des Mini Coopers ihm mit sehr geringem Sicherheitsabstand ge-
folgt sei. Er schätzte, dass dieser mit einer Autolänge hinter ihm hergefahren sei, 
da er die Lichter dieses Wagens nicht mehr habe sehen können, sondern nur noch 
die Motorhaube. Der Berufungskläger sei ihm so über eine Distanz von ca. 300 m 
nachgefahren. Diese Fahrweise habe bei E. eine ungeheure Stresssituation aus-

16

gelöst und er habe panische Angst gehabt. Aufgrund dessen habe er zuerst im Be-
reich der Brücke über die O. seinen Wagen auf eine Geschwindigkeit von etwa 60 
km/h verlangsamt. Dabei sei es beinahe zu einer Auffahrkollision mit dem nachfol-
genden Mini Cooper gekommen. Dann aber habe sich der Sicherheitsabstand wie-
der auf etwa eine Autolänge normalisiert und er sei so in den J. gefahren und habe 
die Geschwindigkeit wieder auf 70-75 km/h erhöht. Da der hinter E. fahrende Lenker 
des Mini Coopers immer noch einen bedrohlichen Abstand inne gehabt habe, habe 
er anfangs J. seinen Wagen, um dem hinter ihm fahrenden X. kundzutun, dass er 
mehr Abstand zu ihm einnehmen solle, bis auf eine Geschwindigkeit von ca. 45-50 
km/h abgebremst. Dabei sei X. beinahe gegen das Heck seines Wagens geprallt. 
Nach dem Tunnel habe sich das Spiel erneut zugetragen, indem der Lenker des 
Mini Coopers E. wieder von hinten bedrängt habe, bis dieser dann E. etwa auf Höhe 
der ARA überholt habe. 

Der Berufungskläger führte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 
20. September 2003 aus (vgl. act. 4/4), dass er auf der Hauptstrasse von O. in Rich-
tung A. gefahren sei. Er sei mit normaler Geschwindigkeit in Richtung J. gefahren. 
Bei der Einfahrt O.-Fabriken hätten mehrere Fahrzeuge auf die Hauptstrasse ein-
schwenken wollen. Er habe seine Fahrt verlangsamt und einige Fahrzeuge einbie-
gen lassen. Nachdem ein Fahrzeug bei der Shelltankstelle I. die Strasse verlassen 
habe, habe er beschleunigt und dann auf den blauen Personenwagen von E. auf-
geschlossen. Zu diesem habe er bis vor dem J. einen Abstand von ca. zwei Wa-
genlängen innegehabt. Die Geschwindigkeit habe etwa 80-85 km/h betragen. 
Grundlos habe sich die Geschwindigkeit des vor ihm fahrenden Personenwagens 
verlangsamt, wodurch auch der Berufungskläger habe bremsen müssen und er dem 
vor ihm fahrenden E. vermutlich zu nahe aufgeschlossen sei. Aufgrund der Sonnen-
einstrahlung habe er nicht erkennen können, ob die Bremslichter betätigt worden 
seien. Plötzlich habe der Lenker des blauen Vans fortlaufend, ca. alle 300-400 Me-
ter, Schikanebremsungen eingeleitet, so auch im J.. Aufgrund der überraschenden 
ersten Schikanebremsung sei er dem Wagen von E. bis auf ca. einen Meter aufge-
schlossen. Anschliessend sei er gefasst gewesen und habe rechtzeitig bremsen 
können. Die Schikanebremsungen seien bis auf eine Geschwindigkeit von ca. 40 
km/h ausgeführt worden. Nach der zweiten oder dritten Schikanebremsung habe er 
die Lichthupe betätigt, um zu zeigen, dass E. einfach fahren solle, worauf E. noch-
mals zwei oder drei Schikanebremsungen eingeleitet habe. Nach dem J. habe sich 
der Berufungskläger entschlossen, den blauen Van von E. zu überholen. Er sei 
dann einem roten Polo aufgeschlossen, wobei die Geschwindigkeit anfänglich 50 
km/h betragen habe, in der Folge aber auf 70 km/h erhöht worden sei. 

17

Im Rahmen der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme vom 18. 
November 2004 (vgl. act. 4/6) mit dem Berufungskläger führte E. aus, dass ihm auf 
der Höhe zwischen I. und dem J. ein Fahrzeug von hinten aufgefahren und sehr 
nahe gewesen sei. Um dem Berufungskläger die Möglichkeit des Überholens zu 
geben, habe er seinen Wagen abgebremst. Im Tunnel und auch später habe er ein 
paar Mal abgebremst. Im Tunnel sei der Abstand von X. zu ihm grundsätzlich in 
Ordnung gewesen. Nach dem Tunnel sei das Aufsitzen aber wieder losgegangen. 
Der Berufungskläger führte dazu aus, dass er von der Tankstelle I. in Richtung J. 
unterwegs gewesen sei. Vor ihm sei E. gefahren. Kurz vor dem J. habe dieser ein 
abruptes Bremsmanöver vollzogen. Da die Sonne relativ tief gestanden sei, habe 
er die Bremslichter relativ spät gesehen, er aber kein Problem gehabt habe, sein 
Fahrzeug zu verlangsamen. Im Tunnel habe sich das Ganze zwei bis drei Mal wie-
derholt. Nach dem J. habe er E. überholt. E. führte weiter aus, dass er zwischen der 
I. und dem J. mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 km/h gefahren sei. Der Beru-
fungskläger führte aus, dass er bis zum Aufschliessen mit der erlaubten Geschwin-
digkeit von 80 km/h gefahren sei und sich ein Aufschliessen deshalb nicht habe 
vermeiden lassen können. Der Abstand zum Fahrzeug von E. sei so gross gewe-
sen, dass er jederzeit hätte anhalten können. Er sei bemüht, jeweils einen Abstand 
von zwei Sekunden einzuhalten. Auf die Frage des Untersuchungsrichters, welchen 
Abstand X. damals in jener Situation zum Fahrzeug von E. inne hatte, führte der 
Berufungskläger aus, nicht zu nahe gewesen zu sein. Der Abstand habe schät-
zungsweise drei bis vier durchschnittliche Autolängen betragen. E. führte dazu aus, 
dass er die Lichter des ihm folgenden Mini Coopers im Innenspiegel nicht mehr 
habe sehen können. X. habe schätzungsweise 200 m vor dem J. mit dem von ihm 
geltend gemachten Abstand aufgeschlossen. Er habe dann ca. 100 m vor dem J. 
zum ersten Mal ein Bremsmanöver durchgeführt. 

Die als Zeugin einvernommene K. sagte anlässlich ihrer untersuchungsrich-
terlichen Einvernahme vom 1. Dezember 2004 aus (vgl. act. 4/7), dass E. ein Auto 
nahe aufgeschlossen habe und er in der Folge immer wieder abgebremst habe. 
Nachdem der Mini Cooper E. überholt habe, sei dieser hinter ihr her gefahren. Auch 
bei ihr habe der Mini Cooper nahe aufgeschlossen, bevor dieser sie dann überholt 
habe. Sie sei bis zum J. mit etwa gleich bleibender Geschwindigkeit von 70 bis 80 
km/h gefahren. Auf die Frage des Untersuchungsrichters, wie K. den Abstand von 
X. ihr gegenüber beurteilte, führte sie aus, dass sie es als ein nahes Aufschliessen 
empfunden habe. Eine Distanzangabe könne sie aber nicht machen. Auf den Vor-
halt hin, was geschehen wäre, wenn sie aus irgendeinem Grund hätte stark abbrem-
sen müssen, antwortete die Zeugin, dass der ihr folgende X. keine Chance gehabt 

18

hätte zu bremsen. Es wäre zu einer Kollision gekommen. Dies heisse für sie nahe 
aufschliessen. Der Berufungskläger sei ihr so eine kürzere Strecke mit geringem 
Abstand gefolgt, bevor er sie irgendwo bei M. überholt habe. 

d) Wie oben ausgeführt, sagte E. anlässlich seiner polizeilichen Einver-
nahme vom 20. September 2003 aus, dass der Berufungskläger ihm mit einer Ge-
schwindigkeit von ca. 75-80 km/h über eine Strecke von ca. 300 m in Richtung J. 
mit einem Abstand von ca. einer Wagenlänge gefolgt sei (beziehungsweise so 
nahe, dass E. die Lichter des Mini Coopers im Innenspiegel nicht mehr habe sehen 
können) (vgl. act. 4/3, S. 2). Diese Aussage bestätigte E. auch anlässlich der unter-
suchungsrichterlichen Kon-fronteinvernahme vom 18. November 2004 (vgl. act. 4/6, 
S. 3 f.). E. legte somit die Vorfälle in konkreter, detaillierter, wirklichkeitsnaher und 
anschaulicher Weise dar. Er schilderte die Tathergänge immer gleich und hielt auch 
im Konfront mit dem Berufungskläger daran fest. Die Aussagen sind in sich ge-
schlossen und erscheinen auch wirklichkeitsnah und nicht unglaubhaft. Er hat we-
der übertrieben, noch seine eigene Rolle beschönigt. Wie die Vorinstanz zu Recht 
ausführte, hatte E. keinen Grund, den ihm bis vor diesem Vorfall unbekannten Be-
rufungskläger zu Unrecht einer Verkehrsregelverletzung zu bezichtigen. Dies um so 
mehr, als dass sich E. selber schwer belastete und sich aufgrund seines Verhaltens 
neben dem Strafmandat sogar einen auf unbestimmte Zeit erfolgten Führerausweis-
entzug einhandelte (vgl. act. 2/2). Aufgrund dessen ist es schwer vorstellbar, dass 
E. die Tathergänge frei erfunden hat. Auch hat die Glaubhaftigkeit der Aussage 
nichts mit der psychischen Verfassung von E. zu tun. Aufgrund seines erlittenen 
Arbeitsunfalls im Jahre 1999 löste die Fahrweise des Berufungsklägers bei E. eine 
Stresssituation aus, wodurch er in panische Angst geriet und es zu einer Kurz-
schlusshandlung kam, indem E. sein Fahrzeug als „Waffe“ gegen den nach dem J. 
vor ihm fahrenden Berufungskläger einsetzte. Seine Verhaltensweise steht folglich 
mit seinem im Jahre 1999 erlittenen Unfall und der daraus resultierenden Persön-
lichkeitsstörung im Zusammenhang (vgl. diesbezüglich das psychiatrische Gutach-
ten der Klinik Beverin vom 16. Juli 2004, act. 2/7). Auch konnte sich die beinahe 
fünfzehn Monate nach dem Vorfall untersuchungsrichterlich einvernommene Zeu-
gin K. noch daran erinnern, dass der Berufungskläger, nachdem er E. überholt 
habe, so nahe zu ihr aufgeschlossen habe, dass es im Falle einer starken Bremsung 
zu einer Kollision gekommen wäre (vgl. act. 4/7, S. 4). Aufgrund der glaubhaften 
und unter Hinweis auf Art. 307 StGB erfolgten Aussagen machte K. – auch wenn 
heute das Verhalten des Berufungsklägers nach dem J. nicht mehr zu beurteilen ist 
– klar, dass der Berufungskläger auch zu ihr einen ungenügenden Sicherheitsab-
stand einhielt und es vor diesem Hintergrund sehr gut möglich erscheint, dass der 

19

Berufungskläger bereits vor dem J. zu nahe zu E. aufschloss. Demgegenüber führte 
der Berufungskläger aus, dass er dem von E. gelenkten Van vor dem J. in einem 
Abstand von ca. zwei Wagenlängen gefolgt sei und die Geschwindigkeit ca. 80-85 
km/h betragen habe (vgl. act. 4/4, S. 1). Der Berufungskläger bestätigte diese An-
gaben denn auch am Schluss der polizeilichen Einvernahme (vgl. act. 4/4, S. 3). 
Hingegen relativierte er seine Angaben anlässlich der untersuchungsrichterlichen 
Konfronteinvernahme vom 18. November 2004 dahingehend, dass der Abstand 
zum vor ihm fahrenden E. schätzungsweise drei bis vier durchschnittliche Autolän-
gen betragen habe (vgl. act. 4/6 S. 4). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, ist 
den ersten Aussagen des Berufungsklägers eine besondere Bedeutung zuzumes-
sen, da sie unter dem Eindruck der jüngst erlebten Ereignisse erfolgt sind. Aufgrund 
der Tatsache, dass die Aussagen des Berufungsklägers anlässlich seiner ersten 
polizeilichen Einvernahme vom 20. September 2003 (vgl. act. 4/4) ohne weiteres 
verwertbar sind, erscheinen die zeitlich ersten Angaben des Berufungsklägers in 
Bezug auf den von ihm eingehaltenen Abstand von ca. zwei Wagenlängen zum vor 
ihm fahrenden E. glaubhafter als seine abweichenden Ausführungen im Konfront-
verhör mit E. vom 18. November 2004. Dieser nähere Abstand deckt sich denn auch 
– und dies ist wesentlich – mit den glaubhaften Aussagen von E.. Auf dessen Aus-
sagen kann willkürfrei ohne weiteres abgestellt werden. 

In Anbetracht dieser Umstände ist nicht glaubhaft, dass der Berufungskläger 
tatsächlich einen Abstand von drei oder vier Wagenlängen zum vor ihm fahrenden 
E. einhielt. Aufgrund der oben gemachten Ausführungen kommt der Kantonsge-
richtsausschuss zum Schluss, dass von der Sachverhaltsdarstellung von E. auszu-
gehen ist, welche durch die Aussagen der Zeugin K. bestärkt wird. Diese Sachver-
haltsdarstellung liegt sowohl der Anklageschrift als auch dem Urteil der Vorinstanz 
zu Grunde. Es gibt somit keine Argumente dafür, dass der Abstand zwischen dem 
Berufungskläger und E. mehr als zwei Wagenlängen betrug. Der Berufungskläger 
unterschritt somit über eine Distanz von ca. 300 m den gebotenen Sicherheitsab-
stand (wie nachfolgend zu zeigen sein wird) bei einer durchschnittlichen Geschwin-
digkeit von ca. 80 km/h massiv. Die Darlegungen des Verteidigers des Berufungs-
klägers vermögen dieses Beweisergebnis nicht umzustossen. Somit erweist sich 
die vom Berufungskläger geltend gemachte Rüge der willkürlichen Beweiswürdi-
gung durch die Vorinstanz als unbegründet. Im Folgenden gilt es nun, die Sachver-
haltsversion von E. auf eine Subsumtion unter die zur Anklage gebrachte grobe 
Verletzung von Verkehrsregeln durch den Berufungskläger zu überprüfen. 

20

8. Der Berufungskläger macht geltend, dass vorliegend objektiv keine 
Verletzung von Abstandsvorschriften im Sinne einer groben Verkehrsregelverlet-
zung vorliegen würde. 

a) Gemäss Art. 90 Ziffer 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 
741.01) wird die einfache Verkehrsregelverletzung als Übertretung mit Haft oder mit 
Busse bestraft. Wer dagegen durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine 
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird mit 
Gefängnis oder mit Busse bestraft (vgl. Art. 90 Ziffer 2 SVG). Der zweitzitierte Tat-
bestand ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objek-
tiver Weise missachtet und die Verkehrssicherheit erhöht abstrakt oder konkret ge-
fährdet (vgl. BGE 123 IV 91 E. 2a; 123 II 109; 122 II 229). Um eine Verurteilung 
nach Art. 90 Ziffer 2 SVG auszulösen muss es also weder zu einem Unfall kommen, 
noch ist eine konkrete Gefahrensituation notwendig. Wesentliches Kriterium für die 
Annahme einer ernstlichen oder erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Ver-
wirklichung der Gefahr. Mit anderen Worten: Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt die 
nahe liegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (vgl. 
BGE 118 IV 288). Ob eine erhöhte abstrakte Gefahr bestand, hängt nicht von der 
verletzten Verkehrsregel, sondern vielmehr von der konkreten Situation ab, in wel-
cher die Verletzung geschieht (vgl. BGE 123 IV 91 f.). In die Überlegungen mitein-
zubeziehen sind die aktuelle Verkehrsdichte, der Strassenzustand, die Witterungs-
verhältnisse und weitere Umstände, die zur Schaffung einer Gefahrensituation bei-
tragen können.

b) Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregeln-
verordnung (VRV; SR 741.11) hat jeder Fahrzeugführer beim Hintereinander fahren 
einen genügenden Abstand zu wahren. Ausreichend ist der Abstand, wenn der hin-
tere Fahrer auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Lenkers recht-
zeitig bremsen beziehungsweise halten kann. Die Pflicht des Fahrzeuglenkers, zwi-
schen sich selbst und den übrigen Verkehrsteilnehmern einen ausreichenden Ab-
stand zu wahren, stellt eine wichtige und grundlegende Bestimmung des Strassen-
verkehrsrechts dar, welche für die Sicherheit von grosser Bedeutung ist (vgl. Jürg 
Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Eine eingehende Darstellung der Praxis des 
Bundesgerichtes, Davos 1999, S. 58). Ob die Verkehrsregelverletzung als grob im 
Sinne von Art. 90 Ziffer 2 SVG zu beurteilen ist, hängt insbesondere vom Umfang 
der Abstandsunterschreitung und von den konkreten Umständen ab. Nach einer 
allgemein geltenden Faustregel soll bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h und auf 
trockener, ebener Strasse der Abstand mindestens dem halben Tacho entsprechen 

21

(vgl. BGE 104 IV 194; René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Stras-
senverkehrsrechts, Band 1: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 
2. Aufl., Bern 2002, S. 315), was einem zeitlichen Abstand von 1.8 Sekunden und 
der ungefähren Anhaltestrecke bei plötzlichem ordnungsgemässem Bremsen und 
Anhalten des vorausfahrenden Wagens entspricht. Das Unterschreiten dieses Ab-
standes hat zumindest eine Verurteilung wegen einfacher Verkehrsregelverletzung 
aufgrund von Art. 90 Ziffer 1 SVG zur Folge. Wird er deutlich unterschritten, sodass 
eine erhöhte abstrakte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen wird, er-
folgt eine Verurteilung gestützt auf Art. 90 Ziffer 2 SVG. Das bernische Obergericht 
erachtete im Urteil Nr. 176/II/99 vom 18. Mai 1999 erst einen zeitlichen Abstand von 
0.3 Sekunden oder weniger als grobe Verkehrsregelverletzung. Dies entgegen den 
Richtlinien der mobilen Polizei (MEOA), wonach eine Verurteilung nach Art. 90 Ziffer 
2 SVG bereits bei einem zeitlichen Abstand von 0.8 Sekunden gefordert wird (vgl. 
SJZ 97, Jahrgang 2001, Zürich, Nr. 9 S. 197). Das Bundesgericht nahm im Ent-
scheid BGE 126 II 358 nur indirekt Stellung zur Praxis der bernischen Gerichte. 
Entgegen der Auffassung von A. Roth in der SJZ, a.a.O., S. 198, handelt es sich 
dabei jedoch nicht um einen Grundsatzentscheid in dem Sinne, dass die Grenze 
zwischen der einfachen und groben Verkehrsregelverletzung mit einem zeitlichen 
Abstand von 0.3 Sekunden ein für allemal festgesetzt wurde. Das Bundesgericht 
stellte lediglich fest, dass mindestens ein mittelschwerer Fall im Sinne von Art. 16 
Abs. 2 SVG vorliege und der Ausweisentzug zu Recht erfolgt sei. Es prüfte jedoch 
nicht, ob ein schwerer Fall im Sinne von Art. 16 Ziffer 3 lit. a SVG – und damit gleich-
zeitig von Art. 90 Ziffer 2 SVG – vorliege. Äussert aufschlussreich in dieser Frage 
ist eine deutsche Studie, in der die Reaktionsdauer von Personenwagenlenkern 
beim Hintereinander fahren unter den Bedingungen des realen Strassenverkehrs 
getestet wurde. Sie führte zu der Erkenntnis, dass selbst bei der reaktionsschnells-
ten Testperson die Spannweite der Reaktion zwischen 0.43 und 0.60 Sekunden 
betrug. Nach der Ansicht von Jürg Boll rechtfertigt dieses Ergebnis, eine erhöhte 
abstrakte Gefährdung im Sinne von Art. 90 Ziffer 2 SVG dann anzunehmen, wenn 
der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug 0.6 Sekunden oder weniger beträgt 
(vgl. Jürg Boll, a.a.O., S. 55 ff.; dazu auch Entscheid des Kantonsgerichtsausschus-
ses von Graubünden vom 28. Juli 2004, SB 04 23 E. 5 im Grundsatz bestätigt durch 
das Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2005, 6P.138/2004, 6S. 377/2004). 
In dem vom Berufungskläger angerufenen Entscheid BGE 131 IV 138 (recte: 131 
IV 133) führte das Bundesgericht unter Hinweis auf Jürg Boll aus, dass in der 
schweizerischen Lehre vorgeschlagen werde, einen Abstand von 0.6 Sekunden 
oder weniger als grobe Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren. Soweit dazu aber 
überhaupt eine kantonale Praxis bestehe, sei sie nicht einheitlich. Das Bundesge-

22

richt bestätigte das Urteil des Kantonsgerichtsauschusses von Graubünden vom 28. 
Juli 2004, in welchem bei einem Abstand von 0.6 Sekunden oder weniger eine 
grobe Verkehrsregelverletzung angenommen wurde und wies die dagegen erho-
bene Nichtigkeitsbeschwerde ab. Die von Jürg Boll zur Abgrenzung zwischen einer 
einfachen und einer groben Verkehrsregelverletzung aufgestellte Regel von 0.6 Se-
kunden kann somit auch im vorliegenden Falle angewendet werden (vgl. zum Gan-
zen auch ausführlich PKG 2004 Nr. 13 E. 5 a/aa). Auch wenn der Berufungskläger 
ausführt, dass im Urteil des Kantonsgerichtsausschusses von Graubünden vom 28. 
Juli 2004 im Unterschied zum vorliegenden Fall der betreffende Automobilist über 
eine längere Distanz und mit einer höheren Geschwindigkeit gefahren sei und ein 
Abstand von weniger als 10 m zum vor ihm fahrenden Fahrzeug eingehalten habe 
(vgl. act. 01, S. 5), so kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten, da unab-
hängig von der Geschwindigkeit nach Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV 
immer ein genügend grosser Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug 
einzuhalten ist. 

Gemäss den Aussagen des Berufungsklägers hielt er zu dem vor ihm fah-
renden E. bei einer Geschwindigkeit von ca. 80-85 km/h einen Abstand von ca. zwei 
Wagenlängen über eine Strecke von rund 300 m von der Tankstelle I. bis zum J. 
ein (vgl. act. 4/4, S. 1). Die Vorinstanz ging dabei von einem Abstand zwischen den 
beiden Fahrzeugen von ca. zehn Metern aus. Diese Annahme vermag durchaus zu 
überzeugen, beträgt doch die Wagenlänge des vom Berufungskläger gelenkten 
Mini Coopers ca. 3.65 m und jene des von E. gelenkten Wagens ca. 4.6 m (vgl. act. 
04.2). Wie der Berufungskläger zu Recht ausführt, fahren Fahrzeuge kaum je Sto-
ssstange an Stossstange. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache und der Aus-
sage des Berufungsklägers, er habe einen Abstand von ca. zwei Wagenlängen zum 
vor ihm fahrenden E. eingehalten sowie der wesentlichen Aussage von E., er habe 
die Lichter des Mini Coopers im Innenspiegel nicht mehr sehen können, kann durch-
aus von einem Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen von 10 m ausgegangen 
werden. Die Vorinstanz hat folglich den Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen 
mit der Annahme von 10 m für zwei Wagenlängen keinesfalls zu Ungunsten des 
Berufungsklägers bemessen, sondern, wenn man die Aussage von E. heranzieht, 
sogar zu seinen Gunsten. Die Behauptung des Berufungsklägers, zwei Wagenlän-
gen würden mehr als 12 m betragen (vgl. act. 01, S. 7), vermag aufgrund der ge-
machten Ausführungen somit nicht zu überzeugen. Gemäss der Formel „halber Ta-
cho“ hätte der Berufungskläger bei einer Geschwindigkeit von ca. 80-85 km/h einen 
Sicherheitsabstand von rund 40-42.5 m einhalten müssen. Da dies vorliegend of-

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fensichtlich nicht der Fall war, hat der Berufungskläger mit seiner Fahrweise die 
Bestimmungen von Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV verletzt. 

c) Zur Abgrenzung der groben von der einfachen Verkehrsregelverlet-
zung kann nach dem Dargelegten nur bedingt auf feste Grössen zurückgegriffen 
werden. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob durch das Fehlverhalten des Beru-
fungsklägers eine erhöhte abstrakte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaf-
fen wurde. Aufgrund der überzeugenden und ohne weiteres nachvollziehbaren Dar-
legungen von Jürg Boll muss bei normalen Strassen- und Sichtverhältnissen eine 
erhöhte abstrakte Gefährdung dann angenommen werden, wenn der Abstand 0.6 
Sekunden oder weniger beträgt. Dies entspricht 1/6 Tacho. Mit anderen Worten liegt 
ein unter Art. 90 Ziffer 1 SVG zu subsumierender Sachverhalt vor, wenn feststeht, 
dass der Berufungskläger E. in einem Abstand von durchschnittlich mehr als 13.3-
14.1 m gefolgt ist (1/6 von 80-85 km/h). Dies ist bei einem eingehaltenen Abstand 
von 10 m nicht der Fall. Der Kantonsgerichtsauschuss erachtet es selbst bei opti-
maler Reaktion als ausgeschlossen, dass bei einem derartig zeitlichen Abstand 
noch eine reale Chance zur rechtzeitigen Reaktion bestanden hätte, wenn der vor-
ausfahrende E. plötzlich voll abgebremst hätte. Selbst wenn man nach der Aussage 
von E. auf eine Geschwindigkeit von 70-80 km/h abstellt (vgl. act. 4/3, S. 2 und act. 
4/6, S. 3), so hätte der vom Berufungskläger für das Vorliegen einer leichten Ver-
kehrsregelverletzung einzuhaltende Sicherheitsabstand immer noch 11.6-13.3 m 
betragen müssen. Auch vermag der Einwand des Berufungsklägers nicht zu über-
zeugen, dass eine grobe Verkehrsregelverletzung und damit die Nichteinhaltung ei-
nes genügenden Abstandes nur dann vorliege, wenn der Abstand zwischen zwei 
Fahrzeugen derart gering sei, dass es aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeit 
bei Einleitung einer Notbremsung zur Kollision kommen müsse, es vorliegend aber 
nie zu einer Kollision gekommen sei, weshalb der Berufungskläger keine grobe Ver-
kehrsregelverletzung begangen habe (vgl. act. 01, S. 10). Der Berufungskläger ver-
kennt dabei, dass die grobe Verkehrsregelverletzung eben gerade nicht eine kon-
krete Gefahr voraussetzt, sondern nur eine nahe liegende Möglichkeit einer konkre-
ten ernstlichen Gefahr. Die „ernstliche Gefahr“ meint mit anderen Worten nicht die 
unmittelbar drohende, sondern vielmehr die erhebliche (konkrete oder erhöht abs-
trakte) Gefährdung (vgl. Hans Giger, Strassenverkehrsgesetz, Mit ausführlichem 
Kommentar sowie ergänzenden Gesetzen und Bestimmungen, 6. Aufl., Zürich 
2002, S. 249). Im konkreten Fall muss eine solche erhebliche Gefährdung bejaht 
werden. Es steht ausser Frage, dass bei einem derartig kurzen Abstand von ledig-
lich 10 m bei einer Geschwindigkeit von 80-85 km/h über eine Strecke von 300 m 
eine Gefährdung denkbar ist, kann doch der hinterherfahrende Lenker auf das Fahr-

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verhalten des vorausfahrenden Fahrzeuglenkers keinerlei Einfluss nehmen, zumal 
allgemein gilt, dass der Nachfolgende jederzeit mit einer Vollbremsung des Voraus-
fahrenden rechnen muss (vgl. PKG 2004 Nr. 13 E. 5a/dd). Dies gilt vorliegend umso 
mehr, da der Berufungskläger nach der ersten erfolgten Bremsung von E. diesem 
bis auf einen Meter aufschloss und auch E. ausführte, dass es dadurch beinahe zu 
einer Auffahrkollision mit dem Berufungskläger gekommen sei (vgl. act. 4/4, S. 2 
und act. 4/3, S. 2). Gerade deshalb ist immer ein genügender Abstand einzuhalten 
(vgl. BGE 115 IV 251 und PKG 2004 Nr. 13 E. 5a/dd; Jürg Boll, a.a.O., S. 54). 

Der Berufungskläger hat die wichtigen Verkehrsregeln nach Art. 34 Abs. 4 
SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in grober Weise missachtet. Durch sein Fahrverhalten 
schuf er eine erhöhte abstrakte Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer. Unter 
den gesamten Umständen war bei dem 10 m betragenden Abstand des Berufungs-
klägers zum Vorderwagen von E. bei brüskem Abbremsen des voranfahrenden Wa-
gens – auch bei grösster Aufmerksamkeit – aufgrund eben gemachter Ausführun-
gen die nahe liegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung ge-
geben. Der Berufungskläger erfüllt somit in objektiver Hinsicht den Tatbestand von 
Art. 90 Ziffer 2 SVG. 

9. a) Subjektiv muss dem Täter auf Grund seines rücksichtslosen oder 
sonst schwerwiegend verkehrswidrigen Verhaltens zumindest grobe Fahrlässigkeit 
vorgeworfen werden können. Dies ist zunächst einmal immer dann der Fall, wenn 
sich der Täter seines gefährlichen Fehlverhaltens bewusst ist. Aber auch bei unbe-
wusster Fahrlässigkeit kann der Täter grobfahrlässig handeln und zwar dann, wenn 
er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht 
zieht. In solchen Fällen bedarf jedoch die Annahme grober Fahrlässigkeit einer 
sorgfältigen Prüfung (vgl. BGE 106 IV 48 ff.; PKG 1989 Nr. 39) und ist nur zu beja-
hen, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer ebenfalls auf Rücksichtslo-
sigkeit beruht und damit besonders vorwerfbar ist (vgl. BGE 118 IV 290). 

b) Der Berufungskläger gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme 
vom 20. September 2003 zu Protokoll (vgl. act. 4/4, S. 2), dass er bei der ersten 
Schikanebremsung überrascht worden sei und dem Wagen von E. bis auf ca. einen 
Meter aufgeschlossen habe. Dies rechtfertigt es nicht, sein Fehlverhalten lediglich 
als leichte Fahrlässigkeit zu qualifizieren. Dies vorliegend umso mehr, als dass sich 
nach diesem ersten Vorfall der Sicherheitsabstand des Berufungsklägers zu E. nicht 
erhöhte, sondern er diesem auch weiterhin mit einem viel zu geringen Sicherheits-
abstand über eine Distanz von ca. 300 m folgte. So führte E. dazu aus, dass der 

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Sicherheitsabstand bis zum J. etwa eine Autolänge betragen habe, bzw. dass er die 
Lichter des Wagens nicht mehr gesehen habe (vgl. act. 4/3, S. 2). Bei dieser Distanz 
kann somit von einer kurzen, allenfalls entschuldbaren Unaufmerksamkeit des Be-
rufungsklägers keine Rede mehr sein. Eine Vielzahl von Fällen unbewusster Fahr-
lässigkeit, namentlich bei Verkehrsregelverstössen, beruht gerade darauf, dass der 
Handelnde während einer gewissen Zeitspanne unaufmerksam ist oder die Situa-
tion und seine Fähigkeiten falsch einschätzt (vgl. Jürg Boll, a.a.O., S. 16 f.). Dass 
der fehlbare Verkehrsteilnehmer die erhöhte Gefahr oder die aufgrund der Um-
stände gebotene Verhaltensalternative nicht bedacht hat, ist geradezu typisch für 
die unbewusste Fahrlässigkeit und schliesst den Schuldvorwurf rücksichtslosen 
Verhaltens und damit grobe Fahrlässigkeit nicht von vornherein aus (vgl. BGE 123 
IV 94). Dies gilt umso mehr im vorliegenden Fall, wo ein Fehlverhalten über mehrere 
hundert Meter in Frage steht. Auf einer derart langen Strecke muss die erhebliche 
Kollisionsgefahr jedem Fahrzeuglenker bewusst werden. Wie bereits ausgeführt, 
hätte dies vorliegend dem Berufungskläger umso mehr bewusst sein müssen, da er 
beim ersten Bremsmanöver von E. ihm bis auf einen Meter aufgeschlossen hat und 
es beinahe zu einer Kollision gekommen ist. Selbst wenn der unwahrscheinliche 
Fall, dass der Berufungskläger die durch ihn geschaffene Gefahr tatsächlich nicht 
erkannt habe, mithin also unbewusst fahrlässig gehandelt habe, angenommen 
würde, so wohnte diesem Nichtbedenken der Gefährdung – in Anbetracht der Di-
stanz und des hohen Grades der Abstandsunterschreitung – ein eindeutiges Ele-
ment der Rücksichtslosigkeit gegenüber den übrigen Verkehrsteilnehmern und vor-
liegend insbesondere gegenüber E. inne. Die Ansicht des Verteidigers, der Beru-
fungskläger habe in keinem Abschnitt seiner Fahrt andere Automobilisten gefährdet 
und er sei keinesfalls pflichtwidrig gefahren, kann folglich nicht geteilt werden (vgl. 
act. 01, S. 10). Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Berufungskläger 
noch während der Fahrt die Polizei über die Freisprechanlage informierte. Das an 
gleicher Stelle geltend gemachte Argument, dass der Berufungskläger keinesfalls 
einem rücksichtslosen Raser entspreche, hat keinerlei Einfluss auf die Frage der 
subjektiven Tatbestandserfüllung, sondern ist allein bei der Strafzumessung zu 
berücksichtigen, wobei festzuhalten gilt, dass es vorliegend nicht um die Beurteilung 
der Frage überhöhter Geschwindigkeit, sondern um das Unterschreiten des gebo-
tenen Sicherheitsabstandes ging. 

Zusammenfassend wird festgehalten, dass durch die grobfahrlässige Verlet-
zung wichtiger Verkehrsregeln eine erhöhte abstrakte Gefahr geschaffen wurde. 
Der Berufungskläger erfüllt sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht den 

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Tatbestand von Art. 90 Ziffer 2 SVG, wofür ihn die Vorinstanz zu Recht schuldig 
gesprochen hat. 

10. Zu der von der Vorinstanz ausgesprochenen Busse hat sich der Beru-
fungskläger nicht geäussert. Gemäss Art. 63 StGB bemisst der Richter die Strafe 
nach dem Verschulden des Täters. Er hat dabei die Beweggründe, das Vorleben 
und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Die Höhe der Busse ist so zu 
bemessen, dass der Täter eine seinem Verschulden entsprechende Einbusse erlei-
det (vgl. Art. 48 Ziffer 2 Abs. 1 StGB). Massgebend sind das Einkommen, das Ver-
mögen und die familiären Pflichten sowie das Alter und die Gesundheit des Täters 
(vgl. Art. 48 Ziffer 2 Abs. 2 StGB).

Auszugehen ist vom Strafrahmen der groben Verletzung von Verkehrsregeln 
nach Art. 90 Ziffer 2 SVG, der sich von blosser Busse bis zu maximal drei Jahren 
Gefängnis erstreckt. Aufgrund seines Verhaltens muss dem Berufungskläger ein 
erhebliches Verschulden zur Last gelegt werden. Er missachtete über einen nicht 
zu bagatellisierenden Streckenabschnitt den gebotenen Abstand zum voranfahren-
den Personenwagen von E.. Die im Jahre 1993 erfolgte Verurteilung des Berufungs-
klägers wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln (vgl. act. 06) kann bei der 
Strafzumessung leicht berücksichtig werden und wirkt sich leicht straferhöhend aus. 
Aufgrund der gesamten Umstände, des Einkommens und Vermögens des Beru-
fungsklägers und aufgrund der von der Vorinstanz zutreffend vorgenommenen Er-
wägungen ist die Höhe der ausgesprochenen Busse nicht zu beanstanden. 

11. Aufgrund der gemachten Ausführungen erweist sich die Berufung als 
unbegründet und ist abzuweisen, womit sich weitere Ausführungen zu den Vorbrin-
gen erübrigen. 

12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beru-
fungsverfahrens von Fr. 1'500.- gemäss Art. 160 Abs. 1 StPO zu Lasten des Beru-
fungsklägers. 

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.- gehen zu Lasten des 
Berufungsklägers.

3. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Der Aktuar ad hoc: