# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1699726f-2f70-54a5-92ac-38f5eb16ae8d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2024 D-5850/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5850-2020_2024-04-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5850/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richter Walter Lang,  

Richter Manuel Borla,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, 

China (Volksrepublik),   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, 

(...)  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 21. Oktober 2020 / N (...). 

 

 

 

D-5850/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 14. Juni 2016 in der Schweiz um 

Asyl nach. Im Rahmen einer Erstbefragung am 22. Juni 2016 (Befragung 

zur Person, BzP) sowie einer Anhörung am 23. April 2020 wurde sie zu 

ihren persönlichen Verhältnissen, dem Reiseweg sowie zu ihren Asylgrün-

den befragt. 

A.b Im Wesentlichen brachte die Beschwerdeführerin vor, sie sei im Dorf 

B._______ (auch C._______ oder D._______) in E._______ (auch 

F._______ oder G._______), H._______ (auch I._______), J._______ 

(auch K._______), Autonome Region Tibet (nachfolgend ART), geboren. 

Sie sei ethnische Tibeterin und chinesische Staatsbürgerin. In ihrem Hei-

matland sei sie nie zur Schule gegangen und habe zeitlebens als (...) ge-

arbeitet. Sie sei seit vielen Jahren verheiratet und kinderlos. Ihre Eltern 

seien wegen Folterungen der Regierung gestorben. Sie habe einen Bruder 

und zwei Schwestern, welche ebenfalls im Dorf B._______ und in einem 

Nachbardorf leben würden. Sie habe ihr Heimatdorf in der Nacht des (...) 

Oktober 2015 verlassen, nachdem sie sich gleichentags in E._______ po-

litisch betätigt habe. Sie habe nach einer Versammlung in der Schule, in 

welcher sie als (...) gearbeitet habe, zusammen mit ihrem Nachbarn 

L_______ mit einem Plakat und lautem Rufen gegen die Chinesen de-

monstriert, weil der Schulleiter seit längerer Zeit den Schulunterricht in ti-

betischer Sprache verboten habe. Es seien Polizisten herbeigeeilt, welche 

sie festgenommen und geschlagen hätten. Sie sei über Nacht in einem 

Raum auf dem Polizeiposten in E._______ festgehalten worden, habe aber 

mit Hilfe ihres Ehemannes aus besagtem Raum fliehen können. Sie habe 

das Dorf danach umgehend verlassen und sich zusammen mit ihrem Ehe-

mann auf einer Weide versteckt. Die Polizei habe sie mehrmals in ihrem 

Dorf gesucht, weshalb sie zusammen mit dem Ehemann nach M._______ 

gereist sei. Sie habe ihr Heimatland am (...) November 2015 über 

N._______ verlassen. Ihr Ehemann sei in Tibet geblieben. Sie selbst habe 

sich daraufhin bis zum 9. April 2016 in Nepal aufgehalten und sei dann auf 

dem Luftweg über ihr unbekannte Länder in die Schweiz gelangt, wo sie 

am 14. Juni 2016 angekommen sei. Sie habe zuvor noch nie mit den chi-

nesischen Behörden Probleme gehabt, aber sich bereits bei zwei früheren 

Gelegenheiten politisch betätigt. 

A.c Die Beschwerdeführerin reichte eine tibetische Identitätskarte zu den 

Akten, ausgestellt am (...) 2005 von der öffentlichen Sicherheitsbehörde 

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Seite 3 

des Bezirkes H.._______ (chin.: O._______) auf den Namen P._______ 

(chin.: Q._______). 

A.d Am 22. Juni 2016 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin münd-

lich das rechtliche Gehör zu dem in der Identitätskarte enthaltenen Ge-

burtsdatum, das nicht dem von ihr angegebenen entspreche.  

A.e Aufgrund von Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft beauftragte 

das SEM die Fachstelle LINGUA mit entsprechenden Abklärungen. Eine 

sachverständige Person führte mit der Beschwerdeführerin am 11. Juni 

2020 ein (...)-minütiges Telefongespräch und wertete gestützt darauf ihre 

landeskundlich-kulturellen Kenntnisse in verschiedenen Lebensbereichen 

und ihren Sprachgebrauch aus. In ihrem Bericht vom 23. Juni 2020 zum 

Alltagswissen und zur Linguistik kam die sachverständige Person zum 

Schluss, dass die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich in einer exilti-

betischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China und sehr 

wahrscheinlich nicht im Kreis H._______ in J._______, ART, hauptsoziali-

siert worden sei. Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin mit Schrei-

ben vom 29. Juli 2020 das rechtliche Gehör zu diesem Gutachten. Es 

fasste dessen Inhalt zusammen und räumte ihr die Gelegenheit ein, zum 

Abklärungsergebnis Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde die Be-

schwerdeführerin über den Werdegang und die Qualifikation der sachver-

ständigen Person informiert. Am 10. September 2020 hörte sich die Be-

schwerdeführerin in Begleitung von R._______ die Aufzeichnung des LIN-

GUA-Gesprächs an. Mit Eingabe vom 30. September 2020 äusserte sie 

sich zur durchgeführten Herkunftsanalyse und hielt daran fest, dass sie im 

Kreis H._______ in der Volksrepublik China sozialisiert worden sei. 

B.  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2020 stellte das SEM fest, die Beschwer-

deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte ihr Asylgesuch 

ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug – unter Aus-

schluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China – an. 

C.  

Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertre-

terin vom 23. November 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte sie die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

und die Gewährung von Asyl; eventualiter sei ihr infolge subjektiver Nach-

fluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, es sei die Unzu-

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Seite 4 

mutbarkeit/Unzulässigkeit/Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu be-

jahen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter sei die Sa-

che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht wurde – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeits-

bestätigung vom 23. November 2020 – um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

Der Beschwerde waren insbesondere ein Artikel namens «Geheime Asyl-

Abteilung des Bundes gerät unter Beschuss» der NZZ am Sonntag vom 

24. Oktober 2020 sowie ein Gutachten zur LINGUA-Analyse des Experten 

«AS19» inklusive Anhang von Kollmar-Paulenz et al. vom 29. September 

2020 beigelegt. 

D.  

Am 24. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2020 teilte die damals zustän-

dige Instruktionsrichterin der Beschwerdeführerin mit, sie dürfe den Aus-

gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem hiess sie das Gesuch um amt-

liche Rechtsverbeiständung gut, setzte die damalige Rechtsvertreterin als 

amtliche Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin ein und lud die Vor-

instanz zur Vernehmlassung ein. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 9. Dezember 2020 hielt das SEM an sei-

nem Standpunkt fest. 

G.  

Nach gewährter Fristerstreckung nahm die Beschwerdeführerin mit Replik 

vom 8. Januar 2021 zur Vernehmlassung des SEM Stellung. 

H.  

Am 7. Juni 2022 ersuchte S._______ um Entlassung aus ihrem Mandat 

und um Einsetzung von lic. iur. Monika Böckle als neue amtliche Rechts-

beiständin. 

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Seite 5 

I.  

Mit Verfügung vom 13. Juni 2022 entliess der nunmehr zuständige Instruk-

tionsrichter S._______ per 30. Juni 2022 aus ihren Verpflichtungen und 

ordnete der Beschwerdeführerin per 1. Juli 2022 lic. iur. Monika Böckle als 

neue unentgeltliche Rechtsbeiständin bei. 

J.  

Am 13. Dezember 2023 liess die Beschwerdeführerin die Kopie einer Ge-

burtsbestätigung vom (...) 2023 samt Übersetzung zu den Akten reichen. 

K.  

Mit Instruktionsverfügung vom 3. April 2024 wurde die Beschwerdeführerin 

aufgefordert, bis zum 19. April 2024 einen aktuellen Lohnausweis und ihren 

Arbeitsvertrag beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen. Dieser Auf-

forderung kam sie innert Frist nach. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das frühere 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015); Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2020). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 105 i.V.m. Art. 27 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG eingereicht. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 27 

VGG und Art. 48 Abs. 1). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

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Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der 

vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). Die Beschwerde-

führerin moniert eine Verletzung der Begründungspflicht, eine unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie 

eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (respektive allgemein des 

Anspruches auf rechtliches Gehör). 

3.2  

3.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), welches alle Befugnisse um-

fasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirk-

sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 

E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur 

Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erhebli-

chen Beweisanträgen gehört zu werden. Mit dem Gehörsanspruch korre-

liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft 

zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die 

Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent-

scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 136 I 184 

E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 

3.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht 

bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-

widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt 

worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-

wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. ALFRED KÖLZ/ISA-

BELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

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Seite 7 

3.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wird ausgeführt, der Beweis-

wert der Identitätskarte sei von der Vorinstanz ohne schlüssige Begrün-

dung abgesprochen worden, wobei die vorgebrachten Einwände kaum be-

rücksichtigt worden seien. Auch die von ihr im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs vorgebrachten Erklärungen seien von der Vorinstanz in ihrer Begrün-

dung kaum gehört worden. Ebenso habe jene die vorgebrachten Wider-

sprüche nur ungenügend begründet. Wie gezeigt, seien diese in sprachli-

chen Missverständnissen oder inhaltlichen Konkretisierungen begründet, 

aber von der Vorinstanz als unbegründet uminterpretiert worden. Zudem 

sei die vorliegende Analyse vom LINGUA-Experten «AS19» durchgeführt 

worden. Wie in der Beschwerde (unter Ziff. 3.1.1) gezeigt, bestünden 

grosse Zweifel an dessen fachlichen Qualifikationen und der inhaltlichen 

Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse. Sowohl die linguisti-

sche als auch die landeskundliche Analyse wiesen in Bezug auf Methode, 

Literatur und wissenschaftlicher Fundiertheit grundlegende Mängel auf. 

Ebenso seien, obwohl zahlreich vorhanden, keinerlei Aspekte berücksich-

tigt worden, welche für die angegebene Herkunft der Beschwerdeführerin 

sprechen würden, berücksichtigt worden. Ausserdem werde im besagten 

NZZ-Artikel die Unabhängigkeit des Experten in Frage gestellt. Der Ana-

lyse dürfe somit kein erhöhter Beweiswert zugemessen werden. Vielmehr 

müsse dieser grundlegend hinterfragt werden. Die Kritik an den LINGUA-

Analysen im Allgemeinen und am Experten «AS19» im Besonderen wurde 

in der Replik (vgl. unten E. 5.4) noch weiter ausgeführt. Die Echtheit der 

Identitätskarte sei zu Unrecht bezweifelt worden. Die vorliegenden Be-

weise, namentlich die Identitätskarte und die LINGUA-Analyse, seien somit 

falsch gewürdigt und damit der Sachverhalt falsch erstellt worden. Dadurch 

und durch die Verletzung der Begründungspflicht sei das rechtliche Gehör 

in mehrfacher Hinsicht verletzt worden. 

3.4 Mit dieser Kritik an der Einschätzung der Vorinstanz wird die Frage der 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtli-

chen Würdigung der Sache vermengt. Die Rügen beziehen sich massge-

blich auf die Beweiswürdigung. Alleine der Umstand, dass das SEM auf-

grund der vorliegenden Aktenlage zu einer anderen Würdigung der Vor-

bringen gelangte, als in der Beschwerde verlangt, spricht aber nicht für eine 

unrichtige Sachverhaltsfeststellung. Das SEM genügt vielmehr dem An-

spruch auf rechtliches Gehör, wenn es im Rahmen der Begründung die 

wesentlichen Überlegungen nennt, welche es seinem Entscheid zugrunde 

legt (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 26–33 VwVG). Namentlich wird in der Be-

schwerde nicht dargetan, inwiefern die Beschwerdeführerin gestützt auf 

die erhaltene Auskunft nicht in der Lage gewesen sein soll, sachgerecht 

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Seite 8 

zur LINGUA-Analyse Stellung zu nehmen und konkrete Einwände dage-

gen zu erheben. Die Vorinstanz hat sodann ihre Überlegungen, von denen 

sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützte, in der 

angefochtenen Verfügung (sowie ihrer Vernehmlassung) nachvollziehbar 

und hinreichend differenziert aufgezeigt (vgl. Verfügung des SEM vom 

21. Oktober 2020, Ziff. II; Vernehmlassung des SEM vom 9. Dezember 

2020, S. 2 f.). Eine sachgerechte Anfechtung war denn auch möglich, wie 

die vorliegende Beschwerde zeigt. Eine Verletzung der Begründungspflicht 

ist demnach ebenfalls zu verneinen. 

3.5 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-

instanz zurückzuweisen. Das entsprechende Subeventualbegehren ist ab-

zuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

 

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Seite 9 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb darauf ver-

zichtet werden könne, auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in den Vor-

bringen einzugehen.  

Sie führte zur Begründung im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin 

habe im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Herkunftsanalyse ein Schrei-

ben von R._______ eingereicht. Darin habe diese die Richtigkeit der Ant-

worten im Rahmen des Telefongesprächs bestätigt, und auch, dass die Be-

schwerdeführerin mit Gewissheit in der geltend gemachten Region gelebt 

hätte. Die Einschätzung von R._______ vermöge die Meinung der sach-

verständigen Person der Fachstelle LINGUA jedoch nicht umzustossen, 

denn es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass es sich bei ihr um eine Lin-

guistin oder anderweitige Expertin handle. 

Die eingereichte Identitätskarte sei als Beweismittel für die geltend ge-

machte chinesische Staatsangehörigkeit untauglich. So habe die Be-

schwerdeführerin den (...) als Geburtsdatum angegeben, wogegen auf der 

Identitätskarte der (...) vermerkt sei. Zudem habe sie keinerlei weitere Do-

kumente eingereicht, welche belegen könnten, dass ihr Name mit dem von 

ihr angegebenen identisch wäre. Mithin könne die Identitätskarte von einer 

beliebigen, der Beschwerdeführerin ähnelnden Person stammen. Ihre Aus-

führungen, das Geburtsdatum auf der Identitätskarte sei von den Behörden 

falsch eingetragen worden, diese hätten aber kein neues Dokument für sie 

ausstellen lassen wollen, seien insbesondere vor dem Hintergrund, dass 

die sachverständige Person ihre Hauptsozialisierung in der von ihr geltend 

gemachten Region anzweifle, als Ausflucht zu werten. Zudem habe sie un-

terschiedliche Angaben darüber gemacht, wie es zu diesem falschen Ein-

trag gekommen sein solle. 

Weil aufgrund ihrer mangelnden Chinesischkenntnisse und aufgrund ihrer 

Aussagen zu ihren Lebensumständen im Dorf B._______ im Rahmen der 

BzP und der Anhörung grosse Zweifel an der angegebenen Herkunft, mit-

hin auch an der angegebenen Staatsangehörigkeit und der illegalen Aus-

reise aus diesem Land aufgekommen seien, sei ein LINGUA-Gutachten in 

Auftrag gegeben worden. Das Resultat der Analyse habe ergeben, dass 

die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich nicht in dem von ihr behaup-

teten geographischen Raum hauptsozialisiert worden sei, sondern sehr 

wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

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Seite 10 

Volksrepublik China. So seien ihre Angaben zu ihrem Geburts- und Woh-

nort unüblich, da sie Bezeichnungen für die administrative Zuteilung ihres 

Dorfes verwendet habe, welche bereits seit Jahrzehnten veraltet seien. Sie 

habe zudem den Namen ihres Herkunftsdorfes und auch des – wie sie es 

genannt habe – Kreisbezirkes in einer Weise ausgesprochen, wie es in 

ihrer Herkunftsregion unüblich sei. Dazu habe sie im Rahmen des rechtli-

chen Gehörs entgegnet, während des Telefongesprächs habe sie aus Ner-

vosität auf eine Frage mehrere Antworten gegeben. Für die Aussprache 

habe sie immer ihren heimatlichen Dialekt verwendet. Aufgrund der gros-

sen Dialekt-vielfalt in Tibet könnte es – so das SEM – durchaus zu Miss-

verständnissen gekommen sein. Von der sachverständigen Person sei je-

doch lediglich ihre Aussprache der Ortsbezeichnungen und die Bezeich-

nung der administrativen Einheiten beurteilt worden. Auch wenn sie meh-

rere Antworten auf eine Frage gegeben habe, sei dies nicht in die Analyse 

einbezogen worden. Es sei auch nicht ersichtlich, wo es zu Missverständ-

nissen gekommen sein solle. Sie habe selbstständig Nachbarkreise und 

Nachbardörfer ihres mutmasslichen Heimatortes genannt, diese aber 

durchwegs mit falschen administrativen Begriffen bezeichnet und sei nicht 

in der Lage gewesen, sie geographisch einzuordnen. Als die sachverstän-

dige Person selbst Namen von Dörfern und einen alternativen Namen für 

H.._______ genannt habe, habe sie diese nicht gekannt. Laut der sachver-

ständigen Person wären jedoch Kenntnisse darüber zu erwarten gewesen, 

wenn sie (...) Jahre lang in der geltend gemachten Region gelebt hätte. 

Zudem habe sie ungewöhnliche Angaben zum (...) in ihrer mutmasslichen 

Heimatregion und zum Landbesitz ihrer Familie gemacht. Dazu habe sie 

im Rahmen des rechtlichen Gehörs erklärt, dass es bei der Aussprache der 

Namen der Getreidearten grosse dialektale Unterschiede gebe, was am 

Telefon leicht zu Verwechslungen führen könne. Daraus – so das SEM –, 

dass sie sich im rechtlichen Gehör selbst zitiere und sage, sie hätte von 

(...) und dem (...) gesprochen, könne eine Verwechslung ausgeschlossen 

werden. Auch ihre Wissenslücken im Bereich des Schulwesens seien un-

erwartet. So habe sie die Schulstufen nicht korrekt zu benennen vermocht 

und über das Bezahlen von Schulgeld und das Tragen der Schuluniform 

unübliche Angaben gemacht. Auch als eine Person, welche nie zur Schule 

gegangen sei, müsste sie zumindest vom Hörensagen ein Grundwissen 

über das Schulwesen erlangt haben, insbesondere, wenn sie – wie sie be-

haupte – während (...) Jahre an einer Schule als (...) gearbeitet hätte. Ob-

wohl sie zu den Nachbardörfern und zu Sehenswürdigkeiten korrekte An-

gaben gemacht und auch zahlreiche Klöster sowie Gewässer, Berge und 

Pässe ihrer mutmasslichen Heimatregion korrekt genannt habe, hege die 

sachverständige Person starke Zweifel an der von ihr geltend gemachten 

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Seite 11 

Herkunft, zumal das von ihr im Telefongespräch gezeigte Wissen leicht er-

lernt worden sein könne und nicht zwingend auf einer langjährigen Le-

benserfahrung im genannten Gebiet beruhe. Hingegen seien ihre Wissens-

lücken unerklärlich. Bei der Analyse ihres Sprachgebrauchs sei festgestellt 

worden, dass in ihrer Sprache auf der Ebene der Phonetik und der Phono-

logie ein Dialektgemisch vorliege, welches aus der geltend gemachten Bio-

graphie nicht erklärbar sei. Auf der Ebene der Morphologie und ihres Vo-

kabulars seien in ihrer Sprache überwiegend Gemeinsamkeiten mit dem 

M._______-Dialekt und der exiltibetischen Sprachvarietät vorhanden. Zu-

dem habe sie Formen verwendet, die im lnnertibetischen falsch seien, was 

ein weiterer Hinweis darauf sei, dass sie in einer exiltibetischen Gemein-

schaft hauptsozialisiert worden sei. Zwar seien Einflüsse anderer Sprach-

varietäten in ihrer Sprache bis zu einem gewissen Grad zu erwarten, weil 

sie sich bereits seit (...) Jahren ausserhalb der geltend gemachten Heimat-

region befinde. Die vorgefundenen Abweichungen seien jedoch nicht durch 

den relativ kurzen Aufenthalt im Ausland ([…] Jahre in und […] Jahre aus-

serhalb der geltend gemachten Heimatregion) zu erklären, insbesondere, 

weil sie explizit dazu aufgefordert worden sei, in ihrem Heimatdialekt zu 

sprechen. Dass ihre Sprache nur wenige Elemente des Dialektes ihrer Hei-

matregion enthalte, würde bedeuten, dass sie ihren Dialekt nicht nur ange-

passt, sondern inzwischen fast völlig verlernt hätte, was unwahrscheinlich 

sei.  

Im Weiteren seien die Asylgründe ohnehin unglaubhaft, denn sie habe Teile 

des Kerngeschehens widersprüchlich geschildert, namentlich bezüglich 

der Umstände der Demonstration und wie ihre Verhaftung bekannt gewor-

den sei. Weitere Teile des von ihr in der Anhörung geschilderten Kernge-

schehens habe sie im Rahmen der BzP noch nicht geltend gemacht, so in 

Bezug auf ihre Motivation, gegen die Chinesen zu protestieren. Auch ihre 

Flucht aus dem Polizeiposten habe sie widersprüchlich und unrealistisch 

geschildert. 

5.2 In der Beschwerde wird unter Verweis auf die Aussagen der Beschwer-

deführerin in der Anhörung daran festgehalten, dass das in der Identitäts-

karte enthaltene falsche Geburtsdatum durch falsche Abschrift aus dem 

Familienbüchlein zustande gekommen sei. Somit liege kein Widerspruch 

vor. Entgegen der Vorinstanz habe sie die Protestaktion und deren Um-

stände nicht widersprüchlich und unlogisch geschildert. Zudem habe sie 

ihre Motivation zu protestieren vollständig dargelegt. Sodann sei nicht er-

sichtlich, warum ihre Schilderungen der Flucht aus dem Polizeiposten un-

realistisch sein sollten. Aufgrund des Gesagten sei davon auszugehen, 

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Seite 12 

dass sie, wie von Beginn weg vorgebracht, aus dem Dorf B._______ 

stammte und die Vorinstanz zu Unrecht an ihrer Herkunft zweifle.  

Weiter wird vorgebracht, auch bei der Beschwerdeführerin habe der Ex-

perte «AS19» die LINGUA-Analyse durchgeführt. Ein Gutachten habe auf-

gezeigt, dass an den fachlichen Qualifikationen sowie der Neutralität des 

Experten «AS19» grosse Zweifel bestünden (unter Verweis auf den Artikel 

«Geheime Asyl-Abteilung des Bundes gerät unter Beschuss», Neue Zür-

cher Zeitung [NZZ] am Sonntag, 24. Oktober 2020; KARÉNINA KOLLMAR-

PAULENZ et al., Gutachten zur LINGUA-Analyse des Experten «AS19» und 

KARÉNINA KOLLMAR-PAULENZ et al., Anhang zum Gutachten zur LINGUA-

Analyse des Experten «AS19»). Der Experte habe auch bei der Beschwer-

deführerin ein Dialektgemisch festgestellt, welches durch ihre angegebene 

Biografie nicht zu erklären sei. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass sie be-

reits (...) Monate in Nepal und (...) Jahre in der Schweiz verbracht habe und 

das Interview insgesamt erst mehr als vier Jahre nach ihrer Ausreise aus 

der Volksrepublik China stattgefunden habe. Somit verwundere nicht, dass 

sie ihren Dialekt in dieser langen Zeit an exiltibetische Sprachvarietäten 

angepasst habe. Zudem verstärke die lnterviewsituation selber den Ak-

kommodationseffekt. Der Proband passe sich der Sprache der Interviewe-

rin an. In Bezug auf die Analyse der Phonetik stelle das besagte Gutachten 

fest, dass die vom Experten zitierte Literatur mehrere Transkriptionsfehler 

enthalte. So werde beispielsweise nicht zwischen verschiedenen Konso-

nanten unterschieden. Das inkonsistente Transkriptionssystem lasse aber 

auch verglichene Wörter, die eigentlich ähnlich seien, in künstlicher Weise 

unterschiedlich erscheinen. Noch einschneidender sei, dass der Experte 

die Intonation nicht transkribiere, obwohl diese in zwei der verglichenen 

Dialekte eine zentrale Bedeutung habe. Auch bei der Analyse der Morpho-

logie würden ihm grundlegende Fehler unterlaufen. Der Beschwerdeführe-

rin bleibe eine eingehende Analyse ihrer linguistischen Analyse durch eine 

unabhängige Fachperson verwehrt. Es müsse davon ausgegangen wer-

den, dass die sie betreffende LINGUA-Analyse des Experten «AS19» mit 

den gleichen substanziellen Defiziten behaftet sei wie die begutachtete. 

Dies zeige sich vorliegend auch in der Analyse des Alltags- und des geo-

grafischen Wissens, da die Argumentation in der begutachteten Analyse 

sowie jene der Beschwerdeführerin «frappante» Ähnlichkeiten aufwiesen.  

Zusammenfassend wiesen insbesondere die LINGUA-Analysen des Ex-

perten «AS19» grundlegende Mängel auf, welche den Schluss, dass die 

Beschwerdeführerin ausserhalb Tibets sozialisiert worden sei, nicht zulies-

sen. Sowohl die linguistische als auch die landeskundliche Analyse wiesen 

D-5850/2020 

Seite 13 

grobe Fehler auf. Zudem sei nicht gewürdigt worden, dass die Beschwer-

deführerin sehr viele richtige Angaben zu ihrem Herkunftsort gemacht 

habe.  

Die Asylgründe der Beschwerdeführerin würden von der Vorinstanz fälsch-

licherweise als unglaubhaft abgetan. Wie aufgezeigt, habe diese zu Un-

recht an ihrer Glaubwürdigkeit gezweifelt. Ebenso habe sie es unterlassen, 

die Asylrelevanz der Vorbringen der Beschwerdeführerin zu prüfen. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest, die 

Beschwerdeführerin stütze sich in ihrer Beschwerdeschrift insbesondere 

auf den Artikel der NZZ am Sonntag. Bei dem darin erwähnten Verfahren 

handle es sich aber nicht um jenes der Beschwerdeführerin. Die diesbe-

züglich eingereichten Beweismittel würden somit ein anderes Asylverfah-

ren betreffen und in keinem offensichtlichen Zusammenhang mit jenem der 

Beschwerdeführerin stehen. Sodann sei festzuhalten, dass der NZZ-Artikel 

mehrere unbelegte, tendenziöse, mittunter auch schlicht falsche Aussagen 

enthalte. Die Sektion LINGUA sei gerade keine «geheime Asyl-Abteilung» 

des SEM, finde sich doch auf der Website des SEM eine ausführliche Be-

schreibung der Fachstelle LINGUA sowie ihrer Arbeitsweise. Der Artikel er-

wähne denn auch nicht, dass die Fachstelle international in Wissenschafts-

kreisen hohes Ansehen geniesse und ihre Methodologie sowie ihre Quali-

tät als vorbildlich gelten würden. Die behauptete Nähe zu China der sach-

verständigen Person «AS19» werde durch nichts belegt. Dem SEM wür-

den jedenfalls weder Hinweise für eine Nähe zu China noch Gründe für 

eine Voreingenommenheit jeglicher Art vorliegen. Die sachverständige 

Person «AS19» sei über den aktuellen Forschungsstand hervorragend in-

formiert, beschäftige sich eingehend mit den neusten Publikationen in ih-

rem Fachgebiet, welche auch für die LINGUA-Analysen herbeigezogen 

würden, und kenne aufgrund regelmässiger Forschungsaufenthalte auch 

die Verhältnisse vor Ort. Befremdlich sei hingegen, dass die vier Wissen-

schaftler/-innen auf Basis einer blossen Ferndiagnose zu einer solch ge-

nauen Einschätzung betreffend die Sprechweise einer Person gelangen 

könnten. Die Aussagen gemäss NZZ-Artikel seien vor diesem Hintergrund 

in höchstem Masse spekulativ und unwissenschaftlich. Die ersten Resul-

tate der Überprüfung der eingereichten Stellungnahme der vier Wissen-

schaftler/-innern gebe aktuell keinen Anlass, an der Kompetenz der Person 

«AS19» oder an ihrem Bericht zu zweifeln. Die Qualifikation und der Wer-

degang einer jeden sachverständigen Person von LINGUA werde vom 

SEM eingehend geprüft und als geeignet eingestuft. Bei Bedarf könne sich 

auch das Bundesverwaltungsgericht über diese Prüfung/Einstufung Kennt-

D-5850/2020 

Seite 14 

nis verschaffen. Sodann werde der Werdegang und die Qualifikation der 

sachverständigen Person der befragten Person zur Kenntnis gebracht. 

Dieses Vorgehen werde vom Bundesverwaltungsgericht bis heute unter-

stützt (unter Verweis auf die Urteile des BVGer D-3281/2020 vom 21. Sep-

tember 2020 E. 9.6 und D-3285/2020 vom 21. September 2020 E. 9.6). 

Dementsprechend seien die Beanstandungen der Beschwerdeführerin be-

treffend Qualifikation des Experten «AS19» sowie dessen linguistische 

Analyse und Schlussfolgerungen nicht geeignet, dessen Kompetenzen in 

Frage zu stellen. Die Feststellung, eine Person tibetischer Ethnie habe ihre 

Hauptsozialisation nicht glaubhaft gemacht, stütze sich nicht einzig auf die 

LINGUA-Analyse, sondern sei Teil einer Gesamtwürdigung, welche von 

Fachspezialisten des Asylverfahrens vorgenommen werde. Eine solche 

habe auch vorliegend stattgefunden. Die Beschwerdeführerin vermöge aus 

den eingereichten Unterlagen vom 23. November 2020 nach wie vor die 

widersprüchlichen und nicht nachvollziehbaren Angaben aus dem eigenen 

Asylverfahren nicht auszuräumen. 

5.4 In der Replik wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Beschwerde-

führerin sei der Methode und dem Resultat der LINGUA-Analyse faktisch 

ausgeliefert, da ihr eine Einsicht in ihre LINGUA-Analyse verwehrt bleibe 

und sie diese nicht durch eine unabhängige Fachperson überprüfen lassen 

könne. Zwar gewähre die Vorinstanz den Betroffenen regelmässig – so 

auch ihr – das rechtliche Gehör zu den negativen Resultaten der LINGUA-

Analyse, die entsprechenden Stellungnahmen – so auch ihre – würden 

aber ebenso regelmässig als nicht geeignet, das Resultat umzustossen, 

qualifiziert. Zwischen dem im wissenschaftlichen Gutachten analysierten 

LINGUA-Bericht vom 31. März 2020 und ihrem Telefoninterview vom 

11. Juni 2020 lägen lediglich einige Wochen. Aufgrund dieser Tatsache und 

der Ähnlichkeit der Argumentation in den beiden Analysen sowie in Anbe-

tracht der Akten der Beschwerdeführerin müsse davon ausgegangen wer-

den, dass die LINGUA-Analyse in ihrem Fall mit den gleichen unhaltbaren 

Fehlern behaftet sei, wie jene im begutachteten Fall. Dieser Zusammen-

hang sei nicht von der Hand zu weisen. Weiter wird festgehalten, dass das 

im NZZ-Artikel verwendete Attribut «geheim» nicht «völlig aus der Luft ge-

griffen» sei. Der an die Öffentlichkeit gelangte LINGUA-Bericht sei mit dem 

Siegel «vertraulich – confidentiel – confidential» versehen. Hinzu komme, 

dass die beteiligten Personen mit Kürzeln fungierten, welche keinen Rück-

schluss auf die Person dahinter zuliessen. Auch die Tatsache, dass der 

veröffentlichte Bericht mit einem Pseudonym unterzeichnet worden sei, 

zeuge nicht von Transparenz. Eine allfällige Nähe zu China des Experten 

«AS19» sei in Anbetracht der teilweise unkritischen Haltung der 

D-5850/2020 

Seite 15 

schweizerischen Behörden gegenüber Handlungen der chinesischen Re-

gierung auf Schweizer Territorium (unter Hinweis auf diverse im Internet 

abrufbare Zeitungsberichte und Reportagen) nicht völlig ausgeschlossen. 

Das Gutachten sei von einer Gruppe von Wissenschaftler/-innen der Tibe-

tologie unterzeichnet worden. Die darin gemachten Aussagen seien sauber 

und akribisch hergeleitet, begründet, mit entsprechender Literatur belegt 

und damit durch unabhängige Fachpersonen überprüfbar. Vor diesem Hin-

tergrund erstaune es denn auch, dass die Vorinstanz die Aussagen im Gut-

achten als unwissenschaftlich bezeichne. Da die Vorinstanz nicht auf die 

Argumentation der Beschwerdeschrift eingehe, bleibe auch nichts Anderes 

übrig, als auf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zu verweisen.  

6.  

6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die 

vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. In der angefoch-

tenen Verfügung wird einlässlich dargelegt, weshalb die Angaben der Be-

schwerdeführerin zu ihrer Herkunft unglaubhaft ausgefallen sind. Um Wie-

derholungen zu vermeiden, kann vorab vollumfänglich auf die zutreffenden 

Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden mit fol-

genden Ergänzungen:  

6.2 In der Beschwerde wird am Beweiswert der von der Beschwerdeführe-

rin eingereichten Identitätskarte für die geltend gemachte chinesische 

Staatsangehörigkeit festgehalten. Zur Begründung werden ihre Aussagen 

bei der Anhörung, das im Dokument enthaltene falsche Geburtsdatum sei 

durch die falsche Abschrift aus dem Familienbüchlein zustande gekom-

men, festgehalten (vgl. SEM-act. A20/25 F23). Mit der Wiederholung ihrer 

Aussagen kann nichts zu ihren Gunsten abgeleitet werden, zumal das SEM 

in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhielt, dass sie unterschiedli-

che Angaben darüber gemacht habe, wie es zum falschen Eintrag gekom-

men sei, habe sie doch im Rahmen des ihr hierzu gewährten rechtlichen 

Gehörs gesagt, die Identitätskarte sei auf der Basis der Aussagen eines 

Verwandten von ihr ausgestellt worden, der ihr Geburtsdatum falsch ange-

geben habe (vgl. SEM-act. A8/3 S. 2).  

Bezüglich der am 13. September 2023 eingereichten Kopie der Geburts-

bestätigung der Beschwerdeführerin vom (...) 2023 wird ausgeführt, das 

Dokument sei vom Einwohnerkomitee ihres Dorfes ausgestellt worden. 

Leider sei es ihr nicht möglich, das Original aus dem Land zu schaffen, 

ohne dabei jemanden in Gefahr zu bringen. Beim Vornamen «T._______» 

dürfte es sich um eine Abweichung aufgrund der phonetischer Über-

D-5850/2020 

Seite 16 

setzung handeln, während es sich beim aufgeführten Nachnamen 

«U._______» um ihren Ledignamen handle. Bereits aufgrund dieser pau-

schalen Angaben kann dem Dokument, ungeachtet dessen, dass es sich 

lediglich um eine Kopie handelt, kein Beweiswert für die von der Beschwer-

deführerin geltend gemachte Herkunft zukommen. Abgesehen davon äus-

sert sie sich mit keinem Wort zu den Umständen der Beschaffung der Kopie 

(Wer ist im Besitz des Originals? Wo befindet sich dieses? Wer hat die 

Kopie erstellt? Wie ist sie in den Besitz der Beschwerdeführerin gelangt?). 

Zudem ist nicht ersichtlich, weshalb der Versand einer Kopie einer Geburts-

bestätigung aus dem Land, aus dem diese versandt wurde, eine wesentlich 

geringere Gefahr für Drittpersonen darstellen sollte als der Versand eines 

Originals. Schliesslich fällt auf, dass der in der Kopie enthaltene Ledig-

namen nicht jenem von ihr im Personalienblatt angegeben (V._______) 

entspricht (vgl. SEM-act. A1/2 S. 2) und erstaunt, dass die Geburtsbestäti-

gung kein Geburtsdatum enthält. Nach dem Gesagten erscheint dieses Be-

weismittel als beweisuntauglich. 

6.3  

6.3.1 Im BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss 

Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-

mission (EMARK) 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer 

Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermu-

tungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

enthaltsort bestünden. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde 

ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verun-

mögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwir-

kungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respek-

tive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im 

Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch 

die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prü-

fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr 

effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

6.3.2 Steht eine Täuschung über die Herkunft im Raum, kommt einer LIN-

GUA-Analyse grosse Bedeutung zu. Bei der LINGUA-Analyse handelt es 

sich um eine von der Befragung zur Person und zu den Asylgründen unab-

hängige Herkunftsanalyse, durchgeführt von einem amtsexternen, von der 

Fachstelle LINGUA durch das SEM beauftragten und mit den entsprechen-

den Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten Sachverständigen. 

Dabei werden neben den landeskundlich-kulturellen Kenntnissen auch die 

D-5850/2020 

Seite 17 

sprachlichen Fähigkeiten der asylsuchenden Person geprüft. Eine LIN-

GUA-Analyse stellt kein Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; 

Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundes-

zivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche 

Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 

VwVG) dar. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifika-

tion, Objektivität und Neutralität der sachkundigen Person wie auch an die 

inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, 

ist ihr jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 

E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 

Nr. 34). 

Soweit im Rahmen des Beschwerdeverfahrens diesbezüglich Kritik an dem 

mit der Erstellung der LINGUA-Analyse vom 23. Juni 2020 betrauten Tibet-

Experten «AS19» geäussert wird, ist auf das zwischenzeitlich ergangene 

Referenzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 zu verweisen, laut welchem 

die Qualität und Aussagekraft der von «AS19» erstellten LINGUA-Analy-

sen nicht grundsätzlich zu beanstanden sind (vgl. a.a.O., E. 7.9). Ihnen 

kommt daher – wie LINGUA-Analysen generell – ein erhöhter Beweiswert 

zu, der nicht ohne Weiteres erschüttert werden kann. Die in der Beschwer-

deschrift erhobene pauschale Kritik an der Arbeitsweise des Experten 

«AS19» ist. 

Die LINGUA-Analyse ist vorliegend als nachvollziehbar und schlüssig zu 

bezeichnen. Die sachverständige Person formulierte für die zwei unter-

suchten Bereiche (landeskundlich-kultureller sowie linguistischer Bereich) 

anhand der Biografie der Beschwerdeführerin jeweils die Erwartungen. In 

der Folge mass sie die Aussagen der Beschwerdeführerin an diesen Er-

wartungen und zog daraus ein entsprechendes Fazit. Diesbezüglich ver-

wies die Beschwerdeführerin vorab auf das Gutachten zur LINGUA-Ana-

lyse des Experten «AS19». Im Übrigen beschränkt sich die Beschwerde 

weitgehend auf eine sinngemässe Wiederholung der Ausführungen vom 

30. September 2020 im Rahmen des rechtlichen Gehörs: Im wissenschaft-

lichen Gutachten sei aufgezeigt worden, dass der Experte «AS19» kaum 

mit den örtlichen Gegebenheiten in Tibet vertraut sei. Er beharre beispiels-

wiese auf Wissen über die administrative Einteilung, welches gemäss dem 

Gutachten von der einheimischen Bevölkerung nicht verlangt werden 

könne, da dieses im alltäglichen Leben kaum eine Rolle spiele. Es sei nor-

mal, dass die veraltete Bezeichnung «Kreisbezirk» auch heute noch in der 

Umgangssprache verwendet werde. Die meisten Leute würden alte admi-

nistrative Bezeichnungen benutzen und wüssten, wenn überhaupt, meist 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31

D-5850/2020 

Seite 18 

nur über die administrative Einteilung ihres Heimatortes, nicht aber über 

die Einteilung von umliegenden Orten Bescheid. Es verwundere somit 

nicht, dass die Beschwerdeführerin einige Nachbarkreise geographisch 

nicht habe einordnen können. Die vorinstanzliche Verfügung halte jedoch 

fest, dass die Beschwerdeführerin diesbezüglich auch korrekte Angaben 

gemacht habe. Die von ihr gemachten Angaben entsprächen somit den 

Erwartungen. Bezüglich des Reisanbaus sei die Schlussfolgerung der 

Vorinstanz nicht nachvollziehbar. Wie im rechtlichen Gehör erwähnt, habe 

die Beschwerdeführerin klar und deutlich geantwortet, dass sie keinen Reis 

säe, da sie dafür keine Bewässerung hätten. Sowohl R._______ als auch 

die Dolmetscherin des HEKS hätten unabhängig voneinander darauf auf-

merksam gemacht, dass die Gefahr der Verwechslung der Wörter Reis und 

Gerste in deren Ähnlichkeit begründet liege. Die Beschwerdeführerin ver-

füge auch über ein Grundwissen über das Schulwesen. Ihr würden einige 

vermeintliche Lücken in ihrem Alltagswissen vorgeworfen. Sie sei beim Te-

lefoninterview extrem nervös gewesen, da sie sich noch nie in einer sol-

chen Situation befunden habe und ihr bewusst gewesen sei, dass das In-

terview einen grossen Einfluss auf ihr weiteres Leben haben würde. In 

Rahmen der LINGUA-Analyse habe sie verschiedene Nachbardörfer und 

Sehenswürdigkeiten korrekt genannt, namentlich zahlreiche Klöster, Ge-

wässer, Berge und Pässe ihrer Heimat. All die korrekten Angaben würden 

vom Experten respektive von der Vorinstanz kaum gewürdigt. Wie gezeigt, 

wiesen insbesondere die LINGUA-Analysen des Experten «AS19» grund-

legende Mängel auf, welche den Schluss, dass die Beschwerdeführerin 

ausserhalb Tibets sozialisiert worden sei, nicht zulassen würden. Sowohl 

die linguistische als auch die landeskundliche Analyse wiesen grobe Fehler 

auf. Zudem würde nicht gewürdigt, dass die Beschwerdeführerin sehr viele 

richtige Angaben zu ihrem Herkunftsort gemacht habe. Aus dieser sinnge-

mässen Wiederholung der Ausführungen im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. 

Die vorinstanzliche Verfügung ist auch in dieser Hinsicht nicht zu beanstan-

den. 

6.3.3 Aufgrund der Ergebnisse der LINGUA-Analyse können die von der 

Beschwerdeführerin geltend gemachten Verfolgungsvorbringen nicht als 

glaubhaft erachtet werden, da diesen bereits die Grundlage – Sozialisation 

im Tibet – entzogen wurde. Zudem stützt sich die Feststellung, die Be-

schwerdeführerin habe ihre Hauptsozialisation nicht glaubhaft gemacht, 

entgegen den Ausführungen in der Replik vorliegend nicht einzig auf die 

LINGUA-Analyse, sondern ist Teil einer von Fachspezialisten des Asyl-

D-5850/2020 

Seite 19 

verfahrens vorgenommenen Gesamtwürdigung (vgl. oben E. 5.1 [betref-

fend R._______] und E. 6.2). 

6.4 Des Weiteren wird der Vorinstanz entgegengehalten, diese habe wei-

tere vermeintliche Widersprüche angeführt. Was die Unklarheiten betref-

fend L._______ anbelange, habe er die Beschwerdeführerin bei der Vor-

bereitung ihrer Aktion unterstützt, sei aber an der Ausführung nicht beteiligt 

gewesen. Auch bezüglich der Frage, wer die Plakate beschriftet habe, 

seien keine Widersprüche erkennbar: Die Beschwerdeführerin sei des 

Schreibens unkundig und L._______ habe die Plakate geschrieben. Das-

selbe gelte bezüglich der Frage, wer ihren Ehemann über ihre Verhaftung 

informiert habe: Auch dabei habe es sich um L._______ gehandelt. Es lä-

gen keine Widersprüche vor, sondern es handle sich um Missverständ-

nisse. Sie habe ihre Motivation zu protestieren vollständig dargelegt. Ihr 

politisches Engagement stehe in keinem Zusammenhang mit ihrer Anstel-

lung als Reinigungskraft. Somit habe es bei der BzP keinen Anlass gege-

ben, ihre Anstellung zu erwähnen. Bei der Flucht aus dem Polizeiposten 

habe nicht sie selber, wie in der BzP notiert, das Fenster eingeschlagen, 

sondern ihr Mann habe ihr bei der Flucht geholfen, indem er das Gitter des 

Fensters des Polizeipostens verbogen habe. Das Gitter sei nicht mit einem 

solchen eines Gefängnisfensters nach Schweizer Standard zu vergleichen. 

Es habe sich um einen «besseren Draht» gehandelt, der durch stetiges 

hin- und herbewegen habe aus der Form gebracht werden können. Des-

halb sei nicht ersichtlich, warum ihre Schilderungen unrealistisch seien soll-

ten. 

Mit diesen Entgegnungen wird den vorinstanzlichen Ausführungen betref-

fend die mangelnde Glaubhaftigkeit der Vorbringen im Zusammenhang mit 

der Demonstration nichts Substanzielles entgegengesetzt. So erklärte die 

Beschwerdeführerin bei der BzP, sie habe zusammen mit L._______ ge-

gen die Chinesen protestiert beziehungsweise gerufen (vgl. SEM-act A6/13 

7.01); sie habe auf ein Blatt geschrieben, warum in der Schule kein Tibe-

tisch-Unterricht stattfinde, «wir brauchen Freiheit, wir wollen Dalai Lama 

zurück in unserem Land» (vgl. SEM-act. A20/25 F116, F129–134, F204). 

Aus dem Umstand, dass sie in der Folge erklärte, sie sei des Schreibens 

unkundig (vgl. a.a.O., F129) und auf den entsprechenden Vorhalt hin gel-

tend machte, nicht sie, sondern L._______ habe das Blatt beziehungs-

weise die Plakate geschrieben, vermag sie nichts zu ihren Gunsten abzu-

leiten. Dasselbe gilt für das Vorbringen, wahrscheinlich habe ein Verwand-

ter von ihr von der Demonstration erfahren und ihren Mann informiert (vgl. 

a.a.O., F137), L._______ habe von ihrer Festnahme erfahren, weil er 

D-5850/2020 

Seite 20 

gewusst habe, dass sie an jenem Tag demonstrieren würde, deshalb habe 

er die Folgen kennen müssen (vgl. a.a.O., F209–211). Die Schilderung der 

Flucht aus dem Gefängnis wurde von der Vorinstanz zu Recht als unrea-

listisch qualifiziert, umso mehr, als die Beschwerdeführerin dabei stets von 

einem Gitter sprach, aber nicht von einem Draht (vgl. SEM-act. A6/13 7.01, 

A20/25 F144, F164 f.). 

6.5 Zusammenfassend sind hinsichtlich der durchgeführten LINGUA-Ana-

lyse keine Mängel auszumachen, welche Zweifel an deren inhaltlichen 

Richtigkeit und Vollständigkeit aufkommen liessen und deren Ergebnis in 

Frage stellen würden. Die Beschwerdeführerin hat zudem Teile des Kern-

geschehens ihrer Verfolgungsvorbringen widersprüchlich geschildert und 

weitere Teile davon in der BzP noch nicht geltend gemacht.  

6.6 In der Beschwerde wird eventualiter beantragt, die Beschwerdeführerin 

sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Durch ihre illegale Ausreise er-

fülle sie aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft, 

da sie deswegen in China eine künftige Verfolgung zu befürchten habe. 

Wie vorstehend dargelegt, vermag sie jedoch weder ihre Asylgründe noch 

ihre Herkunft glaubhaft zu machen, womit auch ihrer geltend gemachten 

illegalen Ausreise aus der Volksrepublik China die Grundlage entzogen ist. 

Bei dieser Sachlage ist das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen 

gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. Zudem hat die Vorinstanz den Vollzug 

der Wegweisung in die Volksrepublik China ausdrücklich ausgeschlossen 

(vgl. nachfolgend E. 9.2). 

7.  

In Übereinstimmung mit dem SEM ist somit festzustellen, dass die Be-

schwerdeführerin über ihre Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. In 

Anwendung der in BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung 

hat das SEM daher zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und ihr 

Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

D-5850/2020 

Seite 21 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Es 

steht ihr jedoch frei, beim zuständigen Kanton ein Gesuch um Erteilung 

einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG einzureichen. 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungspflicht fin-

det ihre Grenzen aber an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. 

Es ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen. Vielmehr hat eine asylsuchende Person, welche ihre wahre Her-

kunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen ihres Verhal-

tens zu verantworten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass 

keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin, wobei 

insbesondere Nepal oder Indien in Betracht fallen, bestehen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.10). Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China 

ist im angefochtenen Entscheid (Dispositivziffer 5) ausdrücklich ausge-

schlossen worden. Es obliegt sodann der Beschwerdeführerin, sich bei der 

zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich so-

mit auch als möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete. Eine An-

ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-5850/2020 

Seite 22 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführerin 

wurde mit Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2020 die unentgeltliche 

Prozessführung gewährt. Aus dem Zentralen Migrationsinformations-

system (ZEMIS) geht hervor, dass sie seit dem 10. Mai 2023 als Raumpfle-

gerin arbeitet, während sie zuvor – mit Unterbrüchen – im Gastgewerbe, 

insbesondere als Küchengehilfin, tätig war. Gemäss den von ihr am 

19. April 2024 eingereichten Unterlagen geht ihr Einkommen nicht über 

den prozessualen Notbedarf hinaus. Es besteht deshalb kein Anlass, die 

Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2020 in Wiedererwägung zu ziehen. 

Bei dieser Sachlage sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten 

aufzuerlegen.   

11.2 Mit derselben Verfügung wurde auch das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung gutgeheissen und S._______ als amtliche Rechts-

vertreterin eingesetzt. Die vormalige Rechtsvertreterin, welche bei dersel-

ben Rechtsberatungsstelle wie die rubrizierte Rechtsvertreterin tätig war, 

hat mit Schreiben vom 7. Juni 2022 mitgeteilt, dass sie künftig in einem 

anderen Rechtsgebiet tätig sein werde, und um Einsetzung von lic. iur. Mo-

nika Böckle ersucht. Entsprechend ist davon auszugehen, dass das Hono-

rar an die nachfolgend beigeordnete Rechtsvertreterin (beziehungsweise 

die frühere gemeinsame Arbeitgeberin Hilfswerk der evangelisch-

reformierten Kirche Schweiz [HEKS] Rechtsberatungsstelle für Asylrecht 

Ostschweiz) auszurichten ist. 

11.3 Mit der Replik wurde eine Kostennote eingereicht, in welcher ein Auf-

wand von 16.75 Stunden à Fr. 200.– sowie Auslagen von Fr. 174.– aufge-

führt werden mit dem Hinweis, im Fall des Unterliegens werde ein Stun-

denansatz von Fr. 150.– akzeptiert. Das Gericht erachtet den darin geltend 

gemachten zeitlichen Aufwand als angemessen. Indessen wurde am 

13. Dezember 2023 eine weitere Eingabe zu den Akten gereicht, welche in 

der Kostennote noch nicht berücksichtigt werden konnte. Auf die Nachfor-

derung einer aktualisierten Kostennote kann jedoch verzichtet werden, da 

sich der diesbezügliche Aufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverläs-

sig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massgebli-

chen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–11 VGKE) ist der amtlichen Rechts-

vertreterin zulasten der Gerichtskasse somit insgesamt eine Entschädi-

gung in Höhe von Fr. 2'700.– (inklusive Auslagen) auszurichten. 

D-5850/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, lic. iur. Monika Böckle, wird vom Bundes-

verwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 2'700.– ausgerichtet.  

Gelangt die Beschwerdeführerin später zu hinreichenden Mitteln, so hat 

sie diesen Betrag dem Bundesverwaltungsgericht zurückzuerstatten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

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