# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1bfac58f-6275-504b-b9df-1c18493445e7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2010 D-8071/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8071-2010_2010-12-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8071/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo; 
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren (...), Nigeria,
vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, Caritas Schweiz, 
(...),
Gesuchsteller,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 9. November 2010 (Nichteintreten auf Asylgesuch 
und Wegweisung [Dublin-Verfahren]) / D-7819/2010.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8071/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom 27. Oktober  2010  –  eröffnet  am 
28. Oktober 2010 – gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes 
vom 26. Juni  1998 (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch des Ge-
suchstellers  vom 2. August 2010 nicht  eintrat,  die  Wegweisung nach 
Griechenland  anordnete  und  den  Gesuchsteller  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen,

dass der Gesuchsteller diese Verfügung mit Beschwerde vom 5. No-
vember 2010 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht anfocht,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D-7819/2010  vom 
9. November 2010 – im Rahmen eines einzelrichterlichen Verfahrens 
(Art. 111 Abs. 1 Bst. b AsylG) – auf die verspätet eingereichte und da-
her offensichtlich unzulässige Beschwerde nicht eintrat,

dass das BFM mit Schreiben vom 17. November 2010 eine vom Ge-
suchsteller direkt bei  diesem eingereichte, als "Letter  of Appeal"  be-
zeichnete und vom 2. November 2010 (Poststempel) datierende Einga-
be (Eingang BFM: 4. November 2010) an das Bundesverwaltungsge-
richt  überwies,  mit  der  Bitte  um Prüfung,  ob diese  Eingabe  als  Be-
schwerde entgegengenommen werden könne,

dass  mit  Zwischenverfügung  vom 18.  November  2010  (Telefax)  ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) der Vollzug der Weg-
weisung per sofort ausgesetzt wurde,

dass die am 9. November 2010 mandatierte Rechtsvertreterin des Ge-
suchstellers mit Eingabe vom 19. November 2010 (vorab per Telefax) 
unter anderem beantragte, das Urteil  D-7819/2010 vom 9. November 
2010 sei aufzuheben, und – sinngemäss – das Beschwerdeverfahren 
betreffend die Verfügung des BFM vom 27. Oktober 2010 sei wieder-
aufzunehmen,

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und zieht in Erwägung:

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass es ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen ist, die es 
in  seiner  Funktion  als  Beschwerdeinstanz  gefällt  hat  (vgl.  BVGE 
2007/21 E. 2.1 S. 244),

dass gemäss Art. 45 VGG für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts  die  Art. 121-128  BGG  sinngemäss  gelten  und 
nach Art. 47 VGG auf Inhalt,  Form und Ergänzung des Revisionsge-
suches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung findet,

dass mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision die Unab-
änderlichkeit  und Massgeblichkeit  eines rechtskräftigen Beschwerde-
entscheides angefochten wird, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft 
beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl.  
PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
2. Aufl., Bern 2005, S. 269),

dass das Bundesverwaltungsgericht auf Gesuch hin seine Urteile aus 
den  in  Art. 121-123  BGG  aufgeführten  Gründen  in  Revision  zieht 
(Art. 45  VGG),  wobei  Gründe,  welche  bereits  im  ordentlichen  Be-
schwerdeverfahren hätten geltend gemacht werden können, nicht als 
Revisionsgründe gelten (Art. 46 VGG),

dass  mit  der  Eingabe  vom 19.  November  2010  um  Aufhebung  des 
Urteils  D-7819/2010  des  Bundesverwaltungsgerichts  ersucht  wird 
(vgl. a.a.O. S. 2),

dass diese Eingabe daher als sinngemässes Revisionsgesuch entge-
gengenommen wird,

dass sich der Gesuchsteller sinngemäss auf den Revisionsgrund nach 
Art. 121 Bst. d BGG (versehentliches Nichtberücksichtigen von in den 
Akten liegenden erheblichen Tatsachen) beruft, welche für die Eintre-
tensfrage erheblich sein könnte und in diesem Sinn als neu erscheint, 

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als sie im früheren Verfahren nicht beachtet wurde respektive nicht be-
achtet werden konnte,

dass mit der Eingabe vom 19. November 2010 die revisionsrechtlich zu 
beachtenden  Fristen  gewahrt  wurden,  weshalb  darauf  als  frist-  und 
formgerecht eingereichtes Revisionsgesuch einzutreten ist,

dass  das  Bundesamt  es  nicht  als  notwendig  erachtete,  im  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  gerichteten  Schreiben  vom 17.  November 
2010 darzulegen, weshalb die Überweisung der offensichtlich fristge-
recht eingereichten Beschwerde 9 Arbeitstage in Anspruch nahm,

dass dem Revisionsgesuch vom 19. November 2010 jedoch zu entneh-
men  ist,  dass  die  vom Gesuchsteller  selbständig  verfasste  und  am 
2. November  2010  (Poststempel)  beim  Bundesamt  eingereichte  Be-
schwerde ("Letter of Appeal") bei der Vorinstanz "vorerst unauffindbar" 
gewesen sei,

dass  ungeachtet  dessen  eine  bei  der  unzuständigen  Instanz  einge-
reichte  Eingabe  in  Anwendung  von  Art.  8  Abs.  1  VwVG –  in  casu 
namentlich gerade auch vor dem Hintergrund der kurzen Rechtsmittel-
frist  bei  Nichteintretensentscheiden (Art. 108 Abs. 2 AsylG) – unver-
züglich  ans  Bundesverwaltungsgericht  hätte  überwiesen  werden 
müssen, wozu denn auch offensichtlich genügend Zeit zur Verfügung 
gestanden hätte,

dass jedoch spätestens aus den beim Bundesverwaltungsgericht am 
9. November  2010  eingegangenen  vorinstanzlichen  Akten  hätte 
hervorgehen müssen, dass der Gesuchsteller mit zumindest Frist wah-
render Eingabe vom 2. November 2010 Beschwerde gegen die Verfü-
gung des BFM vom 27. Oktober 2010 erhoben hatte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Tatsache,  dass  bereits  eine 
Rechtsmitteleingabe vorlag, aus offensichtlich vom Bundesamt zu ver-
antwortenden  Gründen  –  mithin  versehentlich  –  nicht  berücksichtigt 
hatte respektive nicht berücksichtigen konnte (vgl. hierzu JEAN-FRANÇOIS 
POUDRET,  Commentaire  de  la  loi  fédérale  d'organisation  judiciaire, 
vol. V, Bern 1992, S. 18 Ziff. 5.2),

dass  bei  dieser  Sach-  und  Rechtslage  das  Revisionsgesuch  gutzu-
heissen und das Beschwerdeverfahren – da sich dieses als noch nicht 

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spruchreif erweist – unter der neuen Verfahrensnummer D-8167/2010 
wieder aufzunehmen ist,

dass die mit Zwischenverfügung vom 18. November 2010 provisorisch 
angeordnete  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  einstweilen  be-
stehen bleibt,

dass bei diesem Ausgang des Revisionsverfahrens keine Verfahrens-
kosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 3 VwVG),

dass  dem  vertretenen  Gesuchsteller  angesichts  des  Obsiegens  im 
Revisionsverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine 
Parteientschädigung für  die  ihm erwachsenen  notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ist  (vgl. Art. 7 des Regle-
ments vom 21. Februar  2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),

dass  es  sich  vorliegend  rechtfertigt,  dem  BFM  die  Ausrichtung  der 
Parteientschädigung aufzuerlegen, da dieses das hier zu beurteilende 
Revisionsverfahren zu verantworten hat,

dass  in  der  Kostennote  (vgl.  Eingabe  der  Rechtsvertreterin  vom 
19. November 2010 S. 7 sowie Beilage 4) für  das vorliegende Revi-
sionsgesuch  und  die  Beschwerdeergänzung  ein  Aufwand  von 
6 Stunden zu Fr. 161.40 sowie eine Spesenpauschale  von Fr. 53.80 
ausgewiesen wird,

dass sich der Aufwand für das Revisionsverfahren aufgrund der Kos-
tennote hinreichend genau abschätzen lässt,

dass namentlich die Aufwendungen ab dem 9. November 2010 (Datum 
des Urteils D-7819/2010) dem Revisionsverfahren zuzurechnen sind,

dass  für  das  Verfassen  der  Eingabe  vom  19.  November  2010  der 
revisionsrechtliche Teil mit einem Aufwand von 30 Minuten und der je-
nige der Spesenpauschale auf einen Drittel zu veranschlagen sind,

dass  demnach  das  BFM  anzuweisen  ist,  dem  Gesuchsteller  eine 
Parteientschädigung von Fr. 230.– (inkl. MWST) zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen.

2.
Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D-7819/2010  vom 
9. November 2010 wird aufgehoben.

3.
Das  Beschwerdeverfahren  wird  unter  der  Verfahrensnummer 
D-8167/2010 wiederaufgenommen.

4.
Die mit Zwischenverfügung vom 18. November 2010 provisorisch an-
geordnete  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  bleibt  einstweilen 
bestehen.

5.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

6.
Das BFM wird angewiesen, dem Gesuchsteller eine Parteientschädi-
gung in der Höhe von Fr. 230.– zu entrichten.

7.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...)

(per Kurier; in Kopie; mit dem Hinweis auf Ziff. 6 des Dispositivs)
- die zuständige kantonale Behörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand:

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