# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d7d3771c-7de3-58ad-9a45-e4cfea2ff45d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2023 A-1213/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1213-2022_2023-12-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-1213/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Christine Ackermann (Vorsitz), 

Richter Alexander Misic, Richter Jérôme Candrian,    

Gerichtsschreiber Andreas Kunz. 
 

 
 

Parteien 
 1. Verein Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), 

Postfach 620, 4019 Basel,   

2. A._______,  

3. B._______,  

4. C._______,  

5. D._______, 

6. E._______,  

7. F._______, 

8. G._______, 

9. H._______,  

10. I._______,  

11. J._______,  

12. K._______,  

alle vertreten durch  

lic. iur. Urs Hofstetter-Arnet, Rechtsanwalt,  

Hofstetter Advokatur & Notariat AG,  

Pilatusstrasse 26, Postfach 2930, 6002 Luzern,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Swissgrid AG,  

Bleichemattstrasse 31, Postfach, 5001 Aarau 1,   

vertreten durch  

MLaw Janine Spirig, 

Rechtsanwältin, SPR Rechtsanwälte AG, 

Belchenstrasse 3, Postfach 1050, 4601 Olten 1 Fächer,  

Beschwerdegegnerin,  

 

Bundesamt für Energie BFE,  

3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Plangenehmigungsverfügung 380 kV-Leitung  

Bickigen-Chippis. 

 

 

 

A-1213/2022 

Seite 3 

Sachverhalt: 

A.  

In den Jahren 1963 bis 1965 wurde eine Hochspannungsleitung zwischen 

den Unterwerken Chippis (Kanton Wallis) und Bickigen (Kanton Bern) ge-

baut, die sogenannte «Gemmileitung». Die zweistrangige Freileitung be-

steht aus 297 Masten und ist 106 km lang. Obwohl die Leitung für eine 

Betriebsspannung von 380 Kilovolt (kV) genehmigt und gebaut worden 

war, wurde sie bis heute mit einer Spannung von 220 kV betrieben. Betrei-

berin der Gemmileitung ist die nationale Netzgesellschaft, die Swissgrid 

AG. 

B.  

Um die im Wallis produzierte Energie, insbesondere jene aus dem neuen 

Pumpspeicherkraftwerk «Nant de Drance» in vollem Mass ins Mittelland 

transportieren zu können, möchte die Swissgrid AG die Betriebsspannung 

der Gemmileitung auf beiden Strängen auf 380 kV erhöhen. Aufgrund der 

seit den 1960er-Jahren geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen 

reichte die Swissgrid AG zu diesem Zweck am 31. Juli 2015 ein Plange-

nehmigungsgesuch beim eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI) 

ein. Das Gesuch sieht neben der Spannungserhöhung diverse bauliche 

Anpassungen und Modernisierungsmassnahmen an der Anlage vor. 

Dadurch soll das elektrische Feld eingehalten, das Magnetfeld an Orten 

mit empfindlicher Nutzung (OMEN) reduziert sowie die Einhaltung der 

lärmrechtlichen Immissionsgrenzwerte gewährleistet werden. 

C.  

Während der Auflagefrist des Projekts gingen 359 Einsprachen ein. Unter 

den Einsprechenden fanden sich der Verein Ärztinnen und Ärzte für Um-

weltschutz (AefU), A._______, B._______, C._______, D._______, 

E._______, F._______, G._______, H._______, I._______, J._______ 

und K._______ (nachfolgend: Einsprachegruppe I). Infolge der hohen An-

zahl an Einsprechenden und den geringen Vermittlungsaussichten über-

wies das ESTI am 28. Februar 2017 das Verfahren dem Bundesamt für 

Energie (BFE) zur Erledigung. 

D.  

Mit Schreiben vom 22. Mai 2019 beantragte die Swissgrid AG beim BFE 

die dringliche Teilgenehmigung einer Projektänderung. Diese beinhaltete 

die Änderung der Leitungseinführung zwischen den Masten Nrn. 141 und 

142 in das Unterwerk Wimmis mit 220 kV. Das BFE erteilte die Teilgeneh-

migung mit Verfügung vom 17. Dezember 2019. Letztere erwuchs in 

A-1213/2022 

Seite 4 

Rechtskraft. Die Teilgenehmigung hatte zur Folge, dass die Gemmileitung 

nicht wie ursprünglich vorgesehen auf beiden Strängen mit 380 kV betrie-

ben werden soll, sondern zunächst nur auf einem Strang. Der andere, nun-

mehr regulär ins Unterwerk Wimmis einzuschlaufende Strang soll vorsorg-

lich für den Betrieb mit 380 KV umgebaut, jedoch vorerst mit 220 kV betrie-

ben werden. 

E.  

Mit Verfügung vom 7. Februar 2022 genehmigte das BFE das Gesuch der 

Swissgrid AG um Erteilung der Plangenehmigung für die Planvorlage 

L-076930, 380 kV-Leitung Bickigen-Chippis (Gemmileitung; ohne Leitungs-

einführung Unterwerk Wimmis [Mast 141 bis Mast 142]) unter Auflagen. 

Die einzelnen Einsprachen der Einsprachegruppe I wies es ab. 

F.  

Die Einsprachegruppe I (nachfolgend: Beschwerdeführende) liess mit 

Schreiben vom 11. März 2022 Beschwerde gegen die besagte Verfügung 

des BFE (nachfolgend: Vorinstanz) beim Bundesverwaltungsgericht erhe-

ben. Darin beantragten die Beschwerdeführenden Folgendes: 

a) In der Hauptsache: 

1. Die Beschwerde sei gutzuheissen. 

2. Die Plangenehmigungsverfügung vom 7. Februar 2022 sei aufzuheben 

und die Angelegenheit sei für die gesamte Leitung Bickigen-Chippis 

(Gemmileitung) im Sinne der nachfolgenden Begründung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. 

3. Eventuell: Das ESTI sei zu verpflichten, die von der Gesuchstellerin für 

jedes Kalenderjahr entsprechend der Vollzugshilfe zur NISV für Hoch-

spannungsleitungen laufend erhobenen und ausgewerteten notwendigen 

Betriebsdaten zu kontrollieren, namentlich die Einhaltung der maximal zu-

lässigen Stromstärke gemäss Plangenehmigungsverfügung vom 7. Feb-

ruar 2022, Rechtspruch 5.2.1. 

4. Eventuell: Der Unterzeichnende im Sinne von Art. 10e Abs. 1 lit. b Ziff. 2 

USG unaufgefordert über die Ergebnisse der Kontrolle gemäss Ziff. 3 zu 

informieren.  

5. Die Gesuchstellerin sei in Abweichung von Rechtsspruch Ziff. 5.3.5 zu 

verpflichten an den Stellen, an lärmempfindlichen Orten, an denen der Im-

missionsgrenzwert (IGW) überschritten wird, zwingend lärmreduzierte 

Seile zu verbauen. 

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Seite 5 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-

nerin. 

b) Im Verfahren (unvollständiges Plangenehmigungsgesuch) 

7. Die beiden Ställe ([Adresse]) auf dem Grundstück Nr. (…), GB (Ortschaft), 

seien als OMEN in das Plangenehmigungsgesuch aufzunehmen. 

8. Der Umweltverträglichkeitsbericht vom 31. Juli 2015 sei als Folge der Pro-

jektänderungen insofern zu ergänzen, als die Auswirkungen des Magnet-

feldes aufgrund der ungleichen Lastflüsse auf die Betroffenen neu unter-

sucht werden, da in einer ersten Phase nurmehr ein Strang mit 380 kV 

betrieben wird und der andere Strang, d.h. jener, der in das UW Wimmis 

eingeführt, vorerst weiterhin mit 220 kV betrieben wird, wodurch mit den 

Projektänderungen 2 getrennte Netze entstehen, die unabhängig vonei-

nander betrieben werden. 

9. Falls die neu erstellten lsoliniendiagramme bestätigen, dass der massge-

bende Grenzwert von 1 Mikrotesla bei Gebäuden im Nahbereich der be-

stehenden Höchstspannungsleitung Bickigen-Chippis (Gemmileitung) 

deutlich überschritten wird oder Massnahmen gestützt auf das Vorsorge-

prinzip gemäss USG im konkreten Fall verlangt werden können, habe die 

Gesuchstellerin zusätzliche Massnahmen zur Verringerung der Umwelt-

belastung zu treffen. 

10. Das ergänzte und vervollständigte Plangenehmigungsgesuch sei zusam-

men mit dem ergänzten Bericht über die Umweltverträglichkeit nochmals 

30 Tage öffentlich aufzulegen [Art. 15 Umweltverträglichkeitsbericht 

(UVPV, SR 814.011). 

11. Zusammen mit den Vernehmlassungen der Beschwerdegegnerin und der 

Vorinstanz seien dem Unterzeichnenden die massgebenden Verfahrens-

akten zur Wahrung des rechtlichen Gehörs zuzustellen, namentlich auch 

die Ergänzungen zum UVB gemäss Projektänderung vom 22. Mai 2019 

sowie die Zusätze vom 23. Oktober 2020, die zusätzlichen Unterlagen der 

Gesuchstellerin, die am 18. Februar 2021 an das BAFU gingen sowie die 

Stellungnahme des BAFU vom 24. Februar 2021. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2022 beantragte die Vorinstanz die Ab-

weisung der Beschwerde. 

H.  

Die Swissgrid AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) forderte mit Schrei-

ben vom 22. Juni 2022 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf ein-

getreten werden könne. 

A-1213/2022 

Seite 6 

I.  

In ihren Fachberichten vom 31. August 2022 bzw. 16. September 2022 

äusserten sich das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das ESTI zum Pro-

jekt.  

J.  

Die Instruktionsrichterin hiess das Akteneinsichtsgesuch (Beschwerdean-

trag Nr. 11) mit Verfügung vom 22. September 2022 gut und stellte die 

Vorakten den Beschwerdeführenden zur Einsicht zu.  

K.  

Mit Replik vom 15. Dezember 2022 hielten die Beschwerdeführenden an 

ihren Anträgen fest.  

L.  

Zur Replik der Beschwerdeführenden äusserten sich das ESTI und das 

BAFU je mit Schreiben vom 3. Februar 2023. 

M.  

Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin erstatteten ihre Dupliken mit 

Schreiben vom 9. Februar 2023 bzw. 29. März 2023. 

N.  

Mit Schreiben vom 9. Mai 2023 nahmen die Beschwerdeführenden Stel-

lung zu den beiden Dupliken. 

O.  

Ihre Schlussbemerkungen reichten die Beschwerdegegnerin, die Vor-

instanz und die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 5. Juni 2023, 

21. Juni 2023 bzw. 23. Juni 2023 ein. 

P.  

Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den 

Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit relevant – in den nachfol-

genden Erwägungen eingegangen. 

  

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Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gegen Verfügungen der Vorinstanz kann beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde geführt werden (vgl. Art. 23 i.V.m. Art. 16 Abs. 2 Bst. b 

des Bundesgesetzes betreffend die elektrischen Schwach- und Stark-

stromanlagen vom 24. Juni 1902 [EleG, SR 734.0]). Nachdem die vor-

instanzliche Plangenehmigung eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG 

darstellt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Behandlung der Be-

schwerde zuständig. 

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

1.3  

1.3.1 Zur Beschwerde berechtigt ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren 

teilgenommen hat (vgl. Art. 48 Abs. 1 Bst. a VwVG; ferner Art. 16f Abs. 1 

Satz 2 EleG), durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist 

(Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-

rung hat (Bst. c). Zur Beschwerde berechtigt sind ferner Personen, Orga-

nisationen und Behörden, denen ein anderes Bundesgesetz dieses Recht 

einräumt (Art. 48 Abs. 2 VwVG). Erheben mehrere Beteiligte gemeinsam 

Beschwerde, so genügt es, wenn zumindest einer davon zur Beschwerde 

legitimiert ist (statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] 

A-486/2021 vom 17. Juli 2023 E. 1.3). Die Beschwerdeführenden haben 

sich zusammengeschlossen und sind gemeinsam vertreten. Da der Be-

schwerdeantrag Nr. 7 einzig die Beschwerdeführenden 2 und 3 betrifft und 

der AeFU die Überprüfung des Projekts auf seiner ganzen Länge verlangt, 

ist in erster Linie deren Beschwerdelegitimation zu prüfen. 

1.3.2 Die Beschwerdeführenden 2 und 3 beteiligten sich am Einsprache-

verfahren und sind als Adressaten der angefochtenen Plangenehmigung 

formell beschwert. Weiter wird das Grundstück Nr. […] in […], das im Ei-

gentum von Beschwerdeführer 3 steht und auf welchem auch Beschwer-

deführerin 3 wohnhaft ist, von der Gemmileitung überspannt. Das Grund-

stück ist mithin den Immissionen der Leitung ausgesetzt. Damit ist deren 

besondere Beziehungsnähe zur Streitsache und ein schutzwürdiges Inte-

resse an der Überprüfung des Ausführungsprojekts ohne Weiteres gege-

ben. Die Beschwerdelegitimation kann für beide bejaht werden (vgl. zur 

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Seite 8 

Beschwerdelegitimation von Anwohnern von Hochspannungsleitungen 

statt vieler Urteil BVGer A-4864/2019 vom 15. September 2020 E. 1.2.1 ff.).  

1.3.3  Umweltschutzorganisationen können gegen Verfügungen von Bun-

desbehörden über die Planung, Errichtung oder Änderung von Anlagen, für 

die eine Umweltverträglichkeitsprüfung (nachfolgend: UVP) nach Artikel 

10a erforderlich ist, unter gewissen Voraussetzungen Beschwerde führen 

(vgl. Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 

7. Oktober 1983 [USG, SR 814.01]). Das Beschwerderecht steht den Or-

ganisationen nur für Rügen in Rechtsbereichen zu, die seit mindestens 

zehn Jahren Gegenstand ihres statutarischen Zwecks bilden (Art. 55 

Abs. 2 USG). Zudem können die beschwerdeführenden Organisationen 

nur die Verletzung von Bestimmungen rügen, die der Erfüllung der Bun-

desaufgaben im Bereich des Natur- und Heimatschutzes dienen oder die 

im Dienst der Respektierung bundesrechtlicher Vorschriften über den 

Schutz der Umwelt stehen. Zu den bundesrechtlichen Vorschriften über 

den Schutz der Umwelt gehören mitunter das Umweltschutzgesetz (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts [BGer] 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016 E. 

1.3 und 1C_283/2012 vom 2. April 2014 E. 1.3 [nicht publiziert in BGE 140 

II 262]). 

Für die Planvorlage war unstrittig eine UVP nach Art. 10a USG erforderlich. 

Der Verein AefU zählt zu den nach USG beschwerdeberechtigten Organi-

sationen (vgl. Art. 55 Abs. 3 USG i.V.m. Art. 1 und Anhang Ziff. 29 der Ver-

ordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie 

des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten Organisationen 

[VBO, SR 814.076]). Er beteiligte sich am Einspracheverfahren. Seine Be-

schwerdelegitimation ist folglich grundsätzlich zu bejahen. Gemäss seinen 

Statuten bezweckt er die Bekämpfung der Vergiftung von Luft, Wasser und 

Boden sowie deren Folgen für Pflanzen, Tiere und Menschen (vgl. Urteil 

BVGer A-2997/2020 vom 18. Juli 2022 E. 1.5). Mithin setzt er sich für den 

Schutz vor schädlichen Umweltimmissionen ein. Soweit mit der Be-

schwerde umweltrechtliche Rügen vorgebracht werden, die die gesamte 

Gemmileitung betreffen, sind diese zulässig. 

1.3.4  Zusammengefasst sind sowohl die Beschwerdeführenden 2 und 3 

als auch der Verein AefU zur Beschwerde legitimiert. Ob dies auf die rest-

lichen Beteiligten zutrifft, kann vor diesem Hintergrund offen bleiben. 

1.4 Die Beschwerdegegnerin stellt die Zulässigkeit einzelner, in der Haupt-

sache gestellten Rechtsbegehren in Frage. 

A-1213/2022 

Seite 9 

1.4.1 Konkret führt sie aus, Beschwerdeantrag Nr. 1 («Die Beschwerde sei 

gutzuheissen») stelle kein Rechtsbegehren dar. Darauf sei nicht einzutre-

ten. Ausserdem sei auf die völlig neuen und erstmals gestellten Beschwer-

deanträge Nrn. 8 – 10 infolge unzulässiger Erweiterung des Streitgegen-

stands nicht einzutreten.  

1.4.2  

1.4.2.1 Die Beschwerdeschrift hat die Begehren zu enthalten (vgl. Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Diese haben die nötige Klarheit aufzuweisen (vgl. Art. 52 

Abs. 2 VwVG). Sie sollten grundsätzlich so präzise formuliert sein, dass sie 

bei Gutheissung der Beschwerde zum Dispositiv erhoben werden könnten 

und somit vollstreckbar wären. Die Anforderungen an die Formulierung ei-

nes Begehrens sind im Allgemeinen nicht sehr hoch. Es genügt, wenn aus 

der Beschwerde zumindest implizit ersichtlich ist, in welchen Punkten der 

angefochtene Entscheid beanstandet wird. Das Rechtsbegehren muss da-

bei nicht zwingend als gesonderter Bestandteil der Beschwerde ausgewie-

sen sein. Vielmehr muss die Beschwerdeinstanz erkennen können, in wel-

che Richtung die angefochtene Verfügung zu überprüfen ist. Parteibegeh-

ren und Anträge sind nach Treu und Glauben auszulegen, insbesondere 

im Licht der dazugegebenen Begründung (Urteil BVGer B-671/2020 vom 

6. Oktober 2020 E. 1.3 m.w.H.; SEETHALER/PORTMANN, in: Wald-

mann/Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 3. Aufl. 2023, Rz. 45 ff. 

zu Art. 52 VwVG).  

1.4.2.2 In Plangenehmigungsverfahren kann, wer nach den Vorschriften 

des VwVG Partei ist, während der Auflagefrist bei der Genehmigungsbe-

hörde Einsprache erheben (vgl. Art. 16f Abs. 1 Satz 1 EleG). Im Ein-

spracheverfahren sind sämtliche Begehren bzw. Einwände, die während 

der Auflagefrist erhoben werden können, zumindest sinngemäss anzubrin-

gen (vgl. BGE 133 II 30 E. 2.2; BVGE 2016/13 E. 1.3.4; Urteile BVGer 

A-327/2021 vom 14. Juli 2022 E. 1.2.1 und A-3484/2018 vom 7.September 

2021 E. 5.2.2). Damit soll gewährleistet werden, dass im Interesse der 

Konzentration des Entscheidverfahrens alle Einwände gesamthaft geprüft 

werden und in den Plangenehmigungsentscheid einfliessen können (vgl. 

Botschaft des Bundesrates vom 25. Februar 1998 zu einem Bundesgesetz 

über die Koordination und Vereinfachung der Plangenehmigungsverfah-

ren, BBl 1998 2591, 2620 und 2634). Mit der Beschwerde an das Bundes-

verwaltungsgericht können demnach nur diejenigen Rügen bzw. konkreten 

tatsächlichen oder rechtlichen Einwände vorgebracht werden, die bereits 

während der Auflagefrist erhoben wurden und damit Gegenstand des 

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Seite 10 

Einspracheverfahrens bildeten. Im Beschwerdeverfahren können diese 

nicht mehr nachgetragen werden (vgl. BGE 133 II 30 E. 2.2; Urteil BGer 

1E.18/1999 vom 25. April 2001 E. 3; Urteile BVGer A-594/2009 vom 10. 

November 2009 E. 1.4.3 und A-6362/2008 vom 8. September 2009 E. 1.4; 

IVO HARTMANN, Das Rügeprinzip in den Beschwerdeverfahren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, in: «Justice - Justiz - Giustizia» 2023/1, Rz. 10 

und 57; explizit betreffend Starkstromanalagen KATHRIN DIETRICH, in: Kratz 

et al. [Hrsg.], Kommentar zum Energierecht, Band I, 2016 [nachfolgend: 

ER-Kommentar], Rz. 11 zu Art. 16f EleG). Auch Einwendungen betreffend 

die Vollständigkeit der Pläne müssen spätestens mit der Einsprache bei 

der Leitbehörde vorgebracht werden (DIETRICH, in: ER-Kommentar, a.a.O., 

Rz. 11 zu Art. 16f EleG; BBl 1998 2591, 2601). Zusätzliche Vorbringen im 

Beschwerdeverfahren sind nur dann zulässig, sofern sie in einem engen 

sachlichen Zusammenhang mit der bereits im erstinstanzlichen Verfahren 

gerügten Problematik stehen (Urteil A-6362/2008 E. 1.4 und 1.4.1; HART-

MANN, a.a.O., Rz. 60;). 

1.4.3  

1.4.3.1 Es trifft zu, dass der Beschwerdeantrag Nr. 1, wonach die Be-

schwerde gutzuheissen sei, als solcher nicht vollstreckbar wäre. Aus die-

sem Grund nicht darauf einzutreten, wäre jedoch zu formalistisch. Vielmehr 

ist der Beschwerdeantrag Nr. 1 in Verbindung mit dem Beschwerdeantrag 

Nr. 2 im Sinne von «In Gutheissung der Beschwerde sei die Plangenehmi-

gungsverfügung vom 7. Februar 2022 aufzuheben…» zu lesen. Ein förmli-

ches Nichteintreten auf den Beschwerdeantrag Nr. 1 erübrigt sich deswe-

gen. 

1.4.3.2 Sodann ist es richtig, dass die Beschwerdeanträge Nrn. 8 – 10 nicht 

während der Auflagefrist bzw. nach der Erteilung der Teilgenehmigung im 

vorinstanzlichen Verfahren gestellt worden sind. Ob diese einen genügen-

den sachlichen Zusammenhang zum Streitgegenstand aufweisen, um den-

noch zugelassen zu werden, kann indes offenbleiben. Wie zu sehen sein 

wird, wären diese ohnehin abzuweisen (vgl. unten E. 6.8). 

1.5 Weiter ist für das Bundesverwaltungsgericht das schutzwürdige Inte-

resse (praktische Nutzen) hinsichtlich des Beschwerdeantrags Nr. 5 frag-

lich, wonach an lärmempfindlichen Orten, an denen der Immissionsgrenz-

wert überschritten wird, zwingend lärmreduzierte Seile zu verbauen seien. 

A-1213/2022 

Seite 11 

1.5.1 Das BAFU führt zu diesem Antrag aus, mit den vorgesehenen Mass-

nahmen würden die Immissionsgrenzwerte überall eingehalten. Die Forde-

rung der Beschwerdeführenden sei hinfällig. 

1.5.2 Ein schutzwürdiges Interesse an einem Ersuchen liegt vor, wenn die 

tatsächliche oder rechtliche Situation der beschwerdeführenden Partei 

durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann (vgl. statt vie-

ler BGE 140 II 214 E. 2.1). 

1.5.3 Es ist aktenkundig, dass die Lärmimmissionen der Gemmileitung 

nach der Realisierung des Ausführungsprojekts an keinem lärmempfindli-

chen Ort die Immissionsgrenzwerte überschreiten werden. Insofern verlan-

gen die Beschwerdeführenden etwas, das sie nicht erreichen können, weil 

die von ihnen selbst gesetzte Bedingung (überschrittene Immissionsgrenz-

werte) von vorneherein nicht gegeben ist. Mangels Rechtsschutzinteresse 

ist auf den Beschwerdeantrag Nr. 5 nicht einzutreten. 

1.6 Im Übrigen geben die weiteren Beschwerdevoraussetzungen (Art. 50 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) keinen Anlass zu Bemerkungen. Dem-

nach ist – unter Vorbehalt der soeben erwähnten Einschränkung – auf die 

Beschwerde einzutreten. 

2.  

2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung 

auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der 

Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht braucht sich dabei nicht mit jeder 

tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan-

derzusetzen; es kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-

sichtspunkte beschränken (statt vieler BGE 133 I 270 E. 3.1). Bei der An-

gemessenheitsprüfung auferlegt es sich eine gewisse Zurückhaltung und 

greift nicht ohne Not in den Beurteilungsspielraum der rechtsanwendenden 

Behörde ein, wenn diese den örtlichen und technischen Verhältnissen nä-

hersteht als die Beschwerdeinstanz. Dies ist namentlich dann der Fall, 

wenn die zu überprüfende Verfügung die Beurteilung von Fachfragen 

durch die sachkundige Vorinstanz voraussetzt und deren Entscheid mit 

Amtsberichten bzw. Stellungnahmen von Fachstellen des Bundes überein-

stimmt. In solchen Fällen weicht das Bundesverwaltungsgericht nicht ohne 

zwingenden Grund von der Auffassung der Vorinstanz ab. Voraussetzung 

A-1213/2022 

Seite 12 

dafür ist, dass keine Anhaltspunkte für eine unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des Sachverhalts bestehen, die Vorinstanz alle für den Ent-

scheid wesentlichen Gesichtspunkte prüfte, sich von sachgerechten Erwä-

gungen leiten liess und ihre Abklärungen sorgfältig und umfassend vor-

nahm. Was insbesondere Amtsberichte und Stellungnahmen von Fachstel-

len des Bundes betrifft, so überprüft das Bundesverwaltungsgericht diese 

nur dann inhaltlich und weicht bei der Prüfung naturwissenschaftlicher und 

technischer Fragen nur dann davon ab, wenn stichhaltige Gründe, etwa 

offensichtliche Mängel oder innere Widersprüche, dafür vorliegen (BGE 

139 II 185 E. 9.3; Urteil BGer 1E.1/2006 vom 12. April 2006 E. 5; statt vieler 

Urteil BVGer A-5018/2021 vom 18. September 2023 E. 7.8.3). 

2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerde-

verfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG 

i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess vom 

4. Dezember 1947 [BZP, SR 273]). Danach sind die Beweise frei, das 

heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a). Ein Beweis gilt als 

erbracht, wenn das Gericht oder die Behörde nach objektiven Gesichts-

punkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute 

Gewissheit kann nicht verlangt werden. Es genügt, wenn am Vorliegen der 

behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr bleiben oder allen-

falls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (BGE 130 III 321 E. 3.2). 

3.  

In formeller Hinsicht werfen die Beschwerdeführenden der Vorinstanz die 

Verletzung ihres rechtlichen Gehörs vor. 

3.1 Diesbezüglich machen die Beschwerdeführenden geltend, die das Un-

terwerk Wimmis betreffende Projektänderung (vgl. oben Bst. D) habe zur 

Folge, dass die beiden Stränge der Gemmileitung auf der gesamten Länge 

mit unterschiedlicher Spannung (1 x 220 kV, 1 x 380 kV) betrieben würden. 

Wegen den ungleichen Lastflüssen erhöhten sich die Magnetfelder. In der 

Plangenehmigung werde diese wesentliche Projektänderung nicht berück-

sichtigt. Auf eine öffentliche Auflage im Rahmen der Projektänderung sei 

zwar gestützt auf Art. 17 Abs. 1 Bst. a EleG verzichtet worden. Dies ändere 

allerdings nichts an der Tatsache, dass sich das ursprüngliche Plangeneh-

migungsgesuch aufgrund der Projektänderung wesentlich geändert habe 

und dadurch sämtliche Anwohner im Legitimationsperimeter entlang der 

Gemmileitung betroffen seien. Folglich hätten die Unterlagen zur Pro-

jektänderung, aber auch die Ergänzungen zum Umweltverträglichkeitsbe-

A-1213/2022 

Seite 13 

richt (UVB) gemäss Projektänderung vom 22. Mai 2019 sowie die Zusätze 

vom 23. Oktober 2020 im Rahmen des Hauptverfahrens nochmals öffent-

lich aufgelegt werden müssen. Ausserdem hätten innerhalb des Untersu-

chungsperimeters für alle OMEN nach der Projektänderung neue Isolinien-

diagramme erstellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müs-

sen. Dies hätte den Anwohnern erlaubt, ihre Magnetfeldbelastung auch 

nach der Projektänderung der Leitung ablesen zu können. Da dies nicht 

geschehen sei, sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden.  

Ferner sei festzuhalten, dass sich die Vorinstanz in ihren Ausführungen auf 

Unterlagen der Beschwerdegegnerin, wie den technischen Bericht und den 

UVB, stütze. Diese seien jedoch davon ausgegangen, dass künftig beide 

Stränge mit 380 kV betrieben würden. In Anbetracht der Projektänderung 

sei dies offensichtlich falsch. Ob und inwiefern sich die Ergänzungen zum 

UVB vom 22. Mai 2019 sowie die Zusätze vom 23. Oktober 2020 zu der 

geänderten Spannung äusserten, sei nicht ersichtlich, da sie nicht öffent-

lich aufgelegt worden seien. Gleichzeitig habe die Vorinstanz ihre Begrün-

dungspflicht verletzt, indem sie sich bei der Plangenehmigung auf diese 

Dokumente gestützt habe. Sie könnten den Entscheid mangels Kenntnis 

des Inhalts dieser Dokumente nicht nachvollziehen.  

3.2 Die Vorinstanz weist darauf hin, die Unterlagen hätten an ihrem Sitz 

eingesehen werden können und die Beschwerdeführenden seien über de-

ren Existenz orientiert gewesen seien. Ihr rechtliches Gehör sei damit nicht 

verletzt worden.  

3.3  

3.3.1 Wer Starkstromanlagen ändern will, benötigt eine Plangenehmigung 

(vgl. Art. 16 Abs. 1 EleG). Der Gesuchsteller hat zu diesem Zweck das 

Plangenehmigungsgesuch mit den erforderlichen Unterlagen bei der Ge-

nehmigungsbehörde einzureichen (vgl. Art. 16b Satz 1 EleG). Das dadurch 

initiierte Plangenehmigungsverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit 

das EleG nicht davon abweicht (Art. 16a Abs. 1 EleG). Nach den Bestim-

mungen des VwVG haben Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör (vgl. 

Art. 29 VwVG) und Akteneinsicht (Art. 26 VwVG). Der Begriff «Akten» im 

Sinne von Art. 26 Abs. 1 VwVG umfasst die Gesamtheit aller verfahrens-

bezogenen Unterlagen und Informationsträger, die von einer Behörde in 

einem Verfahren angelegt worden sind (WALDMANN/OESCHGER, in: Praxis-

kommentar VwVG, a.a.O., Rz. 58 zu Art. 26 VwVG). Über Aktenergänzun-

gen muss die Behörde die Parteien orientieren (BGE 124 II 132 E. 2b; 

A-1213/2022 

Seite 14 

Urteil BGer 8C_758/2009 vom 12. Februar 2010 E. 2.2.2). Art. 26 Abs. 1 

Bst. a VwVG gewährt einer Partei oder deren Vertreter das Recht, in ihrer 

Sache Eingaben von Parteien und Vernehmlassungen von Behörden am 

Sitze der verfügenden Behörde einzusehen. Ein Anspruch auf Zustellung 

dieser Eingaben besteht nicht (vgl. Urteil BGer 8F_2/2013 vom 19. Juli 

2013 E. 3.2 und 9C_1001/2009 vom 15. April 2010 E. 4.3; WALDMANN/O-

ESCHGER, in: Praxiskommentar VwVG, a.a.O., RZ. 85 zu Art. 26 VwVG).  

3.3.2 Ergeben sich während des Plangenehmigungsverfahrens wesentli-

che Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Projekt, so ist das geän-

derte Projekt den Betroffenen erneut zur Stellungnahme zu unterbreiten 

und gegebenenfalls öffentlich aufzulegen (vgl. Art. 7 der Verordnung über 

das Plangenehmigungsverfahren für elektrische Anlagen vom 2. Februar 

2000 [VPeA, SR 734.25]). Keine wesentliche Änderung liegt z.B. vor, wenn 

sich im Vergleich zum ursprünglich aufgelegten Projekt die Belastung mit 

nichtionisierender Strahlung nicht erhöht und sich der Kreis der Betroffenen 

nicht erweitert (vgl. Urteil BGer 1A.142/2006 vom 4. Dezember 2006 E. 2.2; 

Urteil der Rekurskommission des eidgenössischen Departements für Um-

welt, Verkehr, Energie und Kommunikation (REKO UVEK) E-2000-16 vom 

15. März 2002 E. 4.2 f.). 

3.3.3 Schriftliche Verfügungen sind zu begründen (vgl. Art. 35 Abs. 1 

VwVG). Der Bürger soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem An-

trag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst 

sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. 

Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz 

über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können (BGE 129 II 

232 E. 3.2). 

3.4  

3.4.1 Die einzige Änderung, die das restliche Auflageprojekt durch die Teil-

genehmigung vom 17. Dezember 2019 erfuhr, war der Umstand, dass die 

Betriebsspannung nur der einen Freileitung von 220 kV auf 380 kV erhöht 

und die andere vorerst mit 220 kV weiterbetrieben werden soll. Diese neue 

Sachlage bewirkt keine Vergrösserung des Magnetfelds (vgl. unten einge-

hend E. 6.7.1 ff.), weshalb keine neue Isoliniendiagramme erarbeitet wer-

den mussten. Eine wesentliche Projektänderung erfuhr das Ausführungs-

projekt durch die Teilgenehmigung demnach nicht. Die im Zuge dieser Pro-

jektänderung ergänzten Gesuchsunterlagen mussten demnach gestützt 

auf Art. 7 VPEA weder den Beschwerdeführenden erneut zur 

A-1213/2022 

Seite 15 

Stellungnahme unterbreitet werden noch hätten diese neu öffentlich aufge-

legt werden müssen (vgl. oben E. 3.3.1). 

3.4.2 Mit Projektänderungsgesuch vom 22. Mai 2019 reichte die Be-

schwerdegegnerin der Vorinstanz ein angepasstes Dossier ein. In diesem 

sind alle Änderungen in den Textdokumenten rot dargestellt. Diese finden 

sich im Management Summary, im technischen Bericht und in den Ergän-

zungen zum UVB vom 31. Juli 2015 für die Leitungseinführung in die Un-

terstation Wimmis (nachfolgend: Ergänzungen UVB). Mit Zwischenverfü-

gung vom 12. September 2019, die an alle Einsprechenden ging, wurde 

darauf hingewiesen, dass die Unterlagen bei Bedarf bei der Vorinstanz ein-

gesehen werden könnten. Auch in der Teilgenehmigung vom 17. Dezem-

ber 2019, die ebenfalls den Einsprechenden zugestellt wurde, findet sich 

ein Hinweis bezüglich des Antrags auf Projektänderung mitsamt den modi-

fizierten Planunterlagen. Die Beschwerdeführenden waren somit über die 

Existenz dieser Unterlagen ausreichend informiert. Eine Verletzung der 

Orientierungspflicht durch die Vorinstanz liegt nicht vor.  

Die Projektänderung führte zudem zu den erwähnten Zusätzen bzw. Er-

gänzungen des UVB vom 23. Oktober 2020. Dazu nahm das BAFU mit 

Schreiben vom 24. Februar 2021 Stellung. Darin werden die Ergänzungen 

ausdrücklich erwähnt. Das besagte Schreiben des BAFU wurde den Be-

schwerdeführenden mit Schreiben der Vorinstanz vom 30. September 

2021 zugestellt. Demzufolge waren diese über die Existenz der Ergänzun-

gen des UVB vom 23. Oktober 2020 orientiert. Auch in dieser Hinsicht kann 

nicht auf eine Gehörsverletzung geschlossen werden. 

3.4.3 Hätten die Beschwerdeführenden sodann von ihrem Akteneinsichts-

recht bei der Vorinstanz Gebrauch gemacht, so hätten sie den Ergänzun-

gen UVB entnehmen können, dass für die Berechnungen der nichtionisie-

renden Strahlenbelastung betreffend die 380-kV Leitung Bickigen – Chip-

pis und die 220-kV Leitungseinführung in das UW Wimmis lediglich die 

Strombegrenzung von 1’500 A berücksichtigt wurde. Auf die unterschiedli-

chen Spannungen wurde nicht eingegangen. Damit wurde impliziert, dass 

letztere kein Faktor für das Ausmass des Magnetfelds sind. Weiter äusser-

ten die Beschwerdeführenden 2 und 3 mit Schreiben vom 11. Oktober 2019 

die Befürchtung, dass sich das Magnetfeld durch den Spannungsunter-

schied auf den beiden Leitungen vergrössern werde. Dazu nahm die Be-

schwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. November 2019 zuhanden der 

Vorinstanz Stellung und erklärte, weshalb dem nicht so ist. Diese Stellung-

nahme stellte die Vorinstanz mit Schreiben vom 11. November 2019 den 

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Seite 16 

Beschwerdeführenden zu. Insofern konnten die Beschwerdeführenden die 

Sicht der Vorinstanz, weshalb die Berechnungen bezüglich der elektro-

magnetischen Strahlungsbelastung aufgrund der Spannungsunterschiede 

auf den Strängen nicht neu vorgenommen werden mussten, nachvollzie-

hen. Entgegen den Beschwerdeführenden verletzte die Vorinstanz ihre Be-

gründungspflicht nicht.  

3.5 Zusammengefasst erweist sich die Rüge der Gehörsverletzung als un-

begründet. 

4.  

In materieller Hinsicht monieren die Beschwerdeführenden zunächst eine 

unrealistische Deklaration des Betriebsstroms. 

4.1 Dazu führen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen aus, die im 

Wallis gelegenen Wasserkraftwerke erzeugten eine Leistung von ca. 

3'440 Megawatt (MW). Sollte die Gemmileitung diesen Strom mit einer 

Spannung von 380 kV ins Mittelland transportieren, bedürfe es einer 

Stromstärke von mindestens 6'500 Ampère (A) bzw. eine zweistrangige 

Leitung mit je 3'250 A pro Leitung. Die von der Beschwerdegegnerin bean-

tragten 1'500 A pro Strang reichten dafür nicht aus. Weiter verfügten die 

neu zu verbauenden Seile über einen Normquerschnitt von 650 mm2. Sie 

könnten in Zweierverseilung Strom von 2'240 A pro Strang zulassen. Die 

Transportleistung der Gemmileitung betrage somit künftig 2'115 MW. Eine 

für 2'240 A pro Strang konzipierte Leitung mit nur 1'500 A pro Strang zu 

betreiben, sei nicht wirtschaftlich. Darüber hinaus könne eine Erhöhung der 

Stromstärke auf 2'240 A später ohne jegliche Änderung an der Gemmilei-

tung nachgeholt werden. Die deklarierte Stromstärke von 1'500 A sei des-

halb unglaubwürdig. Vielmehr müsse das Projekt anhand einer Strom-

stärke von 2'240 A beurteilt werden. 

4.2 Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin entgegnen, es obliege der 

Beschwerdegegnerin als nationale Netzgesellschaft, die Leistungswerte 

ihrer Übertragungsleitung festzulegen. Im Übrigen handle es sich bei der 

Gemmileitung um eine im Rahmen des Gesamtnetzes betriebene Übertra-

gungsleitung und nicht um eine sogenannte Stichleitung. Die Übertra-

gungskapazität sei nicht dafür dimensioniert, alleine die gesamte im Wallis 

produzierte elektrische Energie ins Mittelland zu transportieren. Zu diesem 

Zweck stünden weitere Leitungen zur Verfügung, so die Grimselleitung 

Fiesch-Handeck sowie Chamoson-Gstaad-Mühleberg. Alsdann erhöhten 

dickere Leiterseile nicht nur die Übertragungskapazität, sondern redu-

A-1213/2022 

Seite 17 

zierten auch die Energieverluste und Lärmemissionen. Wohl gehe mit di-

ckeren Seilen eine theoretisch höhere Übertragungskapazität einher. Die 

Begrenzung des massgebenden Stroms auf 1'500 A sei jedoch verbindlich 

angeordnet worden; die Erhöhung der Stromstärke wäre nicht zulässig. Im 

Vergleich zur heutigen Situation könnte ohnehin deutlich mehr Strom trans-

portiert werden, da sich die elektrische Leistung aus der Multiplikation von 

Spannung (V) und Stromstärke (A) berechne. Durch die Erhöhung der 

Spannung brauche daher nicht zusätzlich die Stromstärke erhöht zu wer-

den. Die Behauptung, die vorgeschriebene Höchststrommenge sei nicht 

«wirtschaftlich», sei deshalb falsch. 

4.3 Das ESTI weist ergänzend darauf hin, es habe im Rahmen seiner Auf-

sichtspflicht die Einhaltung der festgelegten Begrenzung des massgeben-

den Stroms zu kontrollieren. Es sei deshalb unerheblich, ob die Leiterseile 

eine höhere Übertragungskapazität ermöglichen würden. Schliesslich 

zeige ein Blick auf das Schweizer Übertragungsnetz, dass die Gemmilei-

tung in dieses integriert und nicht die einzige Leitung für den Transport des 

im Wallis produzierten Stroms sei. 

4.4 Darauf erwidern die Beschwerdeführenden, das ESTI habe zwingend 

Nachweise dafür zu erbringen, welche anderen Leitungen für den Trans-

port des Stroms aus dem Wallis ins Mitteland zur Verfügung stünden und 

welche Transportleistungen diese Leitungen aufwiesen. Zudem sei die 

220 kV-Leitung Chamoson-Mühleberg wegen ihres beträchtlichen Alters 

sehr störungsanfällig und weise aufgrund der eher bescheidenen Seilstär-

ken eine weitaus schwächere Transportleistung auf. 

4.5 Den Netzbetreibern obliegt die Gewährleistung eines sicheren, leis-

tungsfähigen und effizienten Netzes (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a des Bundes-

gesetzes über die Stromversorgung vom 23. März 2007 [StromVG, 

SR 734.7]). Die nationale Netzgesellschaft hat zudem dauernd für einen 

diskriminierungsfreien, zuverlässigen und leistungsfähigen Betrieb des 

Übertragungsnetzes besorgt zu sein (vgl. Art. 20 Abs. 1 StromVG). Ände-

rungen von Starkstromanlagen werden durch die Genehmigungsbehörde 

– vorliegend das BFE – genehmigt (vgl. Art. 16 Abs. 1 und 2 Bst. b EleG). 

Mit der Plangenehmigung werden sämtliche nach Bundesrecht erforderli-

chen Bewilligungen erteilt (Art. 16 Abs. 3 EleG). Die Bewilligungen können 

mit Auflagen verknüpft werden. Eine Auflage ist die mit einer Verfügung 

verbundene zusätzliche Verpflichtung zu einem Tun, Dulden oder Unter-

lassen. Die Auflage ist selbständig erzwingbar, d.h. sie kann vom Gemein-

wesen mit hoheitlichem Zwang durchgesetzt werden und deren Nicht-

A-1213/2022 

Seite 18 

erfüllung kann ein Grund für den Widerruf der Verfügung sein (statt vieler 

Urteil BVGer A-4025/2021 vom 3. August 2023 E. 12.5.5). 

4.6 Die Behauptung der Beschwerdeführenden, die Leitung Bickigen – 

Chippis müsse fähig sein, alleine den gesamten Strom aus dem Wallis ins 

Mittelland zu transportieren, fusst auf einer falschen Annahme. Es stehen 

nämlich verschiedene Leitungen zur Verfügung, die den Strom aus dem 

Wallis ins Mitteland transportieren können: Die zukünftige 380-kV Leitung 

Bickigen – Chippis sowie die 220-kV Leitungen Handeck – Mörel, Chamo-

son – Mühleberg und St. Triphon - Hauterive – Mühleberg (vgl. Graphik auf 

https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/power-grid/swiss-power-grid. 

html; zuletzt abgerufen am 20.10.2023). Weitere Erläuterungen erübrigen 

sich dazu; es bestehen für das Bundesverwaltungsgericht mangels über-

zeugender Anhaltspunkte keine Zweifel, dass die vorgesehene Strom-

stärke einem wirtschaftlichen Betrieb der Gemmileitung entspricht. Weiter 

ist die per Auflage verfügte Stromstärke von 1500 A für die Beschwerde-

gegnerin verbindlich. Sie darf diese nicht ohne Plangenehmigung von sich 

aus ändern (vgl. Art. 16 Abs. 1 EleG i.V.m. Ziffer 12 Abs. 7 Bst. g Anhang 1 

der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 

23. Dezember 1999 [NISV, SR 814.710]). Der geänderten Gemmileitung 

ist deshalb einzig eine Stromstärke von 1'500 A zugrunde zu legen. Die 

Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

5.  

Alsdann bemängeln die Beschwerdeführenden die lärmrechtliche Einord-

nung des Projekts. 

5.1 Die Beschwerdeführenden verweisen dazu im Wesentlichen auf die 

Einschätzung des BAFU. Dieses habe das Projekt lärmrechtlich nicht als 

wesentliche Änderung einer Anlage, sondern als Neuanlage eingestuft. 

5.2 Die Vorinstanz bemerkt, das Ausführungsprojekt lasse sich mit jenem 

betreffend die Spannungserhöhung der 380/132 kV-Leitung Bassecourt-

Mühleberg vergleichen. Wie die Gemmileitung sei jene Leitung für den Be-

trieb mit 380 kV bewilligt und gebaut, jedoch über viele Jahre mit einer 

Spannung von «nur» 220 kV betrieben worden. Wie ursprünglich vorgese-

hen, sollte sie ebenfalls zukünftig über eine Spannung von 380 kV verfü-

gen. Im Urteil A-4864/2019 vom 15. September 2020 habe sich das Bun-

desverwaltungsgericht mit der Frage befasst, ob lärmrechtlich eine wesent-

liche Änderung einer Anlage oder eine neubauähnliche Erweiterung vor-

liege. Es habe dabei nicht auf eine Neuanlage geschlossen, da die Struktur 

A-1213/2022 

Seite 19 

der Leitung seit ihrer Erstellung auf eine Betriebsspannung von 380 kV 

ausgelegt gewesen sei und die aufgrund der Spannungserhöhung notwen-

digerweise zu ergreifenden (baulichen) Massnahmen minim und optisch 

kaum erkennbar gewesen seien. Die jetzige Ausgangslage unterscheide 

sich kaum von jenem Fall. Einziger Unterschied zwischen den Verfahren 

Bassecourt-Mühleberg und Bickigen-Chippis sei, dass im ersteren die Pla-

nungswerte nach der Spannungserhöhung eingehalten werden könnten. 

Indes sei die Beurteilung, ob die Planungswerte einzuhalten seien, gerade 

nicht ein Abgrenzungskriterium für die Frage, ob es sich um eine alte oder 

neue Anlage handle, sondern Ausfluss aus eben dieser Gesamtbeurtei-

lung. Im Übrigen verursache die Leitung – je nach Witterungsbedingungen 

– bereits heute Lärmemissionen, was von einigen Einsprechenden vorge-

tragen worden sei. Es sei also nicht so, dass es sich bei der bestehenden 

Leitung um eine Anlage handle, die keinen oder kaum Lärm verursache. 

Insofern unterscheide sich der Sachverhalt von dem vom BAFU in der Ver-

nehmlassung zitierten Fall (Urteil BGer 1C_252/2017 vom 5. Oktober 

2018). Jedenfalls sei nicht ersichtlich, inwiefern der künftige Betrieb der 

Gemmileitung im Vergleich zum heutigen als derart weitgehende Änderung 

anzusehen wäre, sodass der bestehende Zustand in lärmmässiger Hin-

sicht im Vergleich zum Neuen als von untergeordneter Bedeutung zu qua-

lifizieren wäre. Die Beschwerdegegnerin pflichtet der Beurteilung bei.  

5.3 Das BAFU schliesst in seinem Fachbericht lärmrechtlich auf das Vor-

liegen einer Neuanlage. Durch die Änderungen an der Anlage nähmen die 

Lärmimmissionen infolge der Spannungserhöhung an mehreren Einwir-

kungsorten um 15 bis 20 Dezibel (dB) zu. Eine Zunahme von 20 dB ent-

spreche eine Verhundertfachung der Schallenergie verglichen mit jener im 

bisherigen Betrieb. In Bezug auf die Wahrnehmung durch den Menschen 

entspreche eine Zunahme von 20 dB einer Vervierfachung der wahrge-

nommenen Lautstärke. Bei einer derartigen Zunahme seien die bisher 

durch die Gemmileitung verursachten Lärmimmissionen im Vergleich zu 

denjenigen, die neu entstünden, nur von untergeordneter Bedeutung. Da-

mit seien die Voraussetzungen für eine übergewichtige Erweiterung ge-

mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erfüllt. Darüber hinaus handle 

es sich im heutigen Betrieb um eine Anlage, die wenig Lärm erzeuge und 

die die Planungswerte einhalte. Erst durch die geplanten Änderungen wür-

den die Planungswerte überschritten. In einem solchen Fall sei die Anlage 

nach Art. 25 USG und nicht nach Art. 8 der Lärmschutzverordnung vom 

15. Dezember 1986 (LSV, SR 814.41) zu beurteilen. Die Planungswerte 

seien folglich einzuhalten. Gemäss den Lärmprognosen zum Projekt, die 

als plausibel und korrekt einzuschätzen seien, würden lediglich die 

A-1213/2022 

Seite 20 

Immissionsgrenzwerte überall eingehalten, jedoch die Planungswerte trotz 

der angeordneten Massnahmen an mehreren Orten überschritten. Die Be-

schwerdegegnerin habe deshalb Erleichterungen zu beantragen und dabei 

aufzuzeigen, dass die Einhaltung der Planungswerte unverhältnismässig 

wäre. Was das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Leitung Basse-

court-Mühleberg anbelange, so sei dieses insbesondere auf den (gerin-

gen) baulichen Eingriff eingegangen. Soweit auch nach dem Eingriff die 

Planungswerte eingehalten würden, sei es nachvollziehbar, dass das Ge-

richt auch in betrieblicher Hinsicht nicht von einer übergewichtigen Erwei-

terung ausgegangen sei.  

5.4 Das USG unterscheidet neue, geänderte und bestehende, ortsfeste 

Anlagen. Stichtag ist das Inkrafttreten des USG am 1. Januar 1985 (Art. 47 

LSV; BGE 141 II 483 E. 3).  

5.4.1 Neue ortsfeste Anlagen dürfen nur errichtet werden, wenn die durch 

diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der 

Umgebung nicht überschreiten (vgl. Art. 25 Abs. 1 USG). Mithin müssen 

die Lärmemissionen einer neuen ortsfesten Anlage nach den Anordnungen 

der Vollzugsbehörde so weit begrenzt werden, als dies technisch und be-

trieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV) 

und dass die von der Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die Pla-

nungswerte nicht überschreiten (Bst. b). 

5.4.2 Eine sanierungsbedürftige Anlage darf nur umgebaut oder erweitert 

werden, wenn sie gleichzeitig saniert wird (vgl. Art. 18 Abs. 1 USG). Ge-

mäss Botschaft zu dieser Bestimmung haben Anlagen, die (wesentlich) 

umgebaut oder erweitert werden, grundsätzlich den gleichen Anforderun-

gen zu genügen wie neue Anlagen. Erleichterungen, wie sie für die Sanie-

rung alter Anlagen gewährt werden können, sollten hier, von Härtefällen 

abgesehen, wegfallen. Art. 8 LSV konkretisiert Art. 18 USG (Botschaft des 

Bundesrats vom 31. Oktober 1979 zu einem Bundesgesetz über den Um-

weltschutz, BBl 1979 III 798 zu Art. 17 E-USG; BGE 141 II 483 E. 3.3). 

5.4.2.1 Unwesentliche Änderungen oder Erweiterungen lösen keine Sanie-

rungspflicht für die bestehenden Anlageteile aus (BGE 141 II 483 E. 3.3.1). 

Die Lärmemissionen der neuen oder geänderten Anlageteile müssen le-

diglich nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt wer-

den, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar 

ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 LSV). 

A-1213/2022 

Seite 21 

5.4.2.2 Die Lärmimmissionen wesentlich geänderter oder erweiterter Anla-

gen müssen die Immissionsgrenzwerte einhalten und nicht – wie bei Neu-

anlagen gemäss Art. 25 Abs. 1 USG – die Planungswerte (BGE 141 II 483 

E. 3.3.2). Als wesentliche Änderungen ortsfester Anlagen gelten Umbau-

ten, Erweiterungen und vom Inhaber der Anlage verursachte Änderungen 

des Betriebs, wenn zu erwarten ist, dass die Anlage selbst oder die Mehr-

beanspruchung bestehender Verkehrsanlagen wahrnehmbar stärkere  

Lärmimmissionen erzeugen. Der Wiederaufbau von Anlagen gilt in jedem 

Fall als wesentliche Änderung (Art. 8 Abs. 3 LSV). Erfahrungsgemäss gilt 

eine Erhöhung des Lärmbeurteilungspegels um 1 dB(A) (gerade noch) als 

wahrnehmbar (vgl. Urteile BVGer A-2566/2019 vom 19. Mai 2020 E. 4.5.3 

und A-7248/2014 vom 27. Juni 2016 E. 8.5.1, je m.w.H.). Pegelverände-

rungen ab 3 dB(A) werden von den meisten Menschen als wahrnehmbar 

beurteilt. In einem solchen Fall liegt unzweifelhaft eine wesentliche Ände-

rung einer ortsfesten Anlage im Sinne von Art. 8 Abs. 3 LSV vor (vgl. Urteil 

BGer 1A.275/2004 vom 26. Mai 2005 E. 3.2). Für die Beantwortung der 

Frage, ob lärmrechtlich eine wesentliche Änderung einer Anlage vorliegt, 

muss jedoch nicht einzig auf die Lärmauswirkungen abgestellt werden, 

sondern es kann auch eine gesamthafte Betrachtung vorgenommen wer-

den. Zu berücksichtigen sind insbesondere der Umfang der baulichen  

Massnahmen und die Kosten: Kommen diese einem Neubau bzw. einem 

Wiederaufbau nahe (i.S.v. Art. 8 Abs. 3 Satz 2 LSV), so ist die Änderung in 

der Regel als wesentlich einzustufen, auch wenn die Anlage gleichzeitig 

saniert wird und damit die Lärmemissionen reduziert werden. Eine wesent-

liche Änderung ist in der Regel auch dann anzunehmen, wenn das Projekt 

die Lebensdauer der Gesamtanlage erheblich verlängert (vgl. BGE 141 II 

483 E. 4.6). 

5.4.2.3 Diese Regelung wurde von Rechtsprechung und Literatur insofern 

ergänzt, als in bestimmten Fällen eine vollständige Gleichstellung mit Neu-

bauten geboten ist, d.h. die Planungswerte gelten. In lärmschutzrechtlicher 

Hinsicht wird eine bestehende Anlage zu einer neuen, wenn entweder ge-

mäss Art. 2 Abs. 2 LSV ihr Zweck vollständig geändert wird oder wenn 

durch die Änderungen eine «übergewichtige» Erweiterung resultiert. Eine 

solche ist anzunehmen, wenn bestehende Anlagen baulich oder betrieblich 

derart weitgehend verändert werden, dass das Bestehende in lärmmässi-

ger Hinsicht im Vergleich zum Neuen nur noch von untergeordneter Be-

deutung ist (BGE 141 II 483 E. 3.3.3, 133 II 181 E. 7.2 und 115 lb 456 E. 5; 

Urteile BGer 1C_104/2017 vom 25. Juni 2018 E. 6.4, 1C_10/2010 vom 16. 

September 2010 E. 5.2 und 1C_544/2008 vom 27. August 2009 E. 8.1). 

Für die Abgrenzung sind vor allem ökologische Kriterien, im speziellen des 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-II-181%3Afr&number_of_ranks=0#page181

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Seite 22 

Lärmschutzes, und generell die dem Gesetz zugrundeliegende Zielsetzung 

der Vorsorge massgeblich (BGE 123 II 325 E. 4.c.aa; Urteil 1C_544/2008 

E. 8.1). Von einer Neuanlage ist insbesondere dann auszugehen, wenn die 

Änderung einer Altanlage, die vorher keine oder nur geringfügige Lärmim-

missionen verursachte, zu störendem Lärm führt (vgl. Urteil 1C_10/2010 

E. 5.2) bzw. wenn die Altanlage bei ihrer Erstellung die Planungswerte ein-

hielt und die Immissionen erst nachträglich lärmrechtlich relevant zunah-

men (vgl. Urteil BGer 1A.195/2006 vom 17. Juli 2007 E. 2.5.2 [nicht publi-

ziert in BGE 133 II 292]). Mithin verlangt der Grundsatz der Vorsorge (Art. 1 

Abs. 2 USG), dass die Änderung einer bestehenden, nicht oder nur gering-

fügig Lärm verursachenden zu einer lärmigen Anlage grundsätzlich immer 

nach Art. 25 USG (Neuanlage) und nicht nach Art. 8 LSV zu beurteilen ist 

(BGE 123 II 325 E. 4.c.aa). Es würde dem Sinn des Gesetzes widerspre-

chen, wenn bestehende Anlagen, die beim Inkrafttreten der massgeblichen 

Lärmschutzvorschriften noch keinen über die Planungswerte hinausgehen-

den Lärm verursachten, bei einem späteren Ausbau mehr Lärm erzeugen 

dürften als Anlagen, die nach dem Inkrafttreten des USG erstellt wurden 

(Urteil 1C_252/2017 E. 4.3 [Fall Sportplatz]). 

5.4.2.4 Hochspannungsleitungen haben als Energieanlagen, die regel-

mässig während längerer Zeit betrieben werden, die Belastungsgrenz-

werte für Industrie- und Gewerbelärm einzuhalten (Ziff. 1 Abs. 2 Anhang 6 

LSV). 

5.5  

5.5.1 Die Gemmileitung wurde vor dem 1. Januar 1985 gebaut (vgl. oben 

Bst. A). Sie gilt damit grundsätzlich als Altanlage im Sinne des USG (vgl. 

oben E. 5.4).  

5.5.2 Gemäss UVB können beim Betrieb von Hochspannungsfreileitungen 

aufgrund von Koronaentladungen bei starkem Ionisierungsvorgang an den 

Leiteroberflächen Geräusche auftreten. Diese Geräusche sind abhängig 

von den meteorologischen Verhältnissen. Sie werden je nach Wetter un-

terschiedlich in der Intensität als Rauschen, Summen oder Knistern wahr-

genommen. So ist bei feuchten Witterungsverhältnissen (Regen, Schnee, 

Nebel) der Geräuschpegel an der Leitung höher als bei schönem und tro-

ckenem Wetter. Durch die Erhöhung der Spannung von 220 kV auf 380 kV 

wird die maximale Feldstärke der Freileitung ansteigen, was zu einer Zu-

nahme des Koronaschall- und somit des Geräuschpegels führen wird. 

Nach der Projektunterlage «Darstellung der NIS- und Lärm-Belastungen» 

A-1213/2022 

Seite 23 

liegen 243 lärmempfindliche Orte innerhalb des Untersuchungskorridors 

der Leitung. Durch das Ausführungsprojekt wird der Lärm an jedem dieser 

Orte wahrnehmbar um mindestens 3 dB(A) zunehmen. Infolgedessen ist 

unbestritten von einer wesentlichen Änderung einer Anlage im Sinne von 

Art. 8 Abs. 2 und 3 LSV auszugehen (vgl. oben E. 5.4.2.2). Zu klären bleibt, 

ob sogar eine übergewichtige Erweiterung vorliegt. 

5.5.3 Die lärmempfindlichen Objekte sind unbestrittenermassen den Emp-

findlichkeitsstufen II, III oder IV gemäss Ziffer 2 Anhang 6 LSV zugeordnet. 

Die Planungswerte für die Empfindlichkeitsstufe II, die die niedrigsten Be-

lastungsgrenzwerte aufweist, beträgt 55 dB(A) am Tag und 45 dB(A) in der 

Nacht (vgl. Ziffer 2 Anhang 6 LSV). Der höchste Wert aller lärmempfindli-

cher Orte im heutigen Zustand weist OMEN-Nr. 565B mit 41.46 dB(A) auf. 

Insofern werden heute die massgebenden Planungswerte an sämtlichen 

lärmempfindlichen Orten eingehalten. In diesem Zusammenhang trifft es 

zwar zu, dass an den Einspracheverhandlungen gewisse Einsprechende 

zu Protokoll gaben, dass sie sich durch den heutigen Lärm – etwa in der 

Nacht – belästigt fühlten. Dieser Umstand vermag jedoch nicht die Mess-

werte, die die Einhaltung der Planungswerte bestätigen, in Zweifel zu zie-

hen. Die Einhaltung der Planungswerte bedeutet nicht, dass die Anlage 

keinen Lärm emittiert; sie darf lediglich höchstens geringfügige Störungen 

verursachen (BGE 137 II 30 E. 3.4; Urteil BGer 1C_293/2017 vom 9. März 

2018 E. 3.1.2). Zudem sind die Belastungsgrenzwerte auf die durchschnitt-

liche Reaktion normal lärmempfindlicher Personen abgestützt (vgl. BGE 

133 II 292 E. 3.2; Urteil BGer 1C_161/2013 vom 27. Februar 2014 E. 3.3). 

Dass sich gewisse Einsprechende, die allenfalls eine höhere Lärmempfind-

lichkeit als der Durchschnitt aufweisen, bereits heute übermässig belästigt 

fühlen, ist trotz Einhaltung der Planungswerte somit möglich. Sodann zwei-

feln weder die Vorinstanz noch das BAFU die Korrektheit der Messergeb-

nisse an. Nachdem die Planungswerte im jetzigen Zeitpunkt eingehalten 

werden, ist davon auszugehen, dass dies auch im Erstellungszeitpunkt der 

Gemmileitung und damit vor Inkrafttreten des USG der Fall war. Entgegen 

der Vorinstanz unterscheidet sich somit die Ausgangslage nicht von jener 

des vom BAFU zitierten Urteils 1C_252/2017 des Bundesgerichts vom 

5. Oktober 2018 (vgl. dessen E. 4.3).  

5.5.4 Durch das Ausführungsprojekt wird die Lärmbelastung um bis zu 

20 dB(A) auf zwischen 43.93 bis 55.75 dB(A) ansteigen und damit die Pla-

nungswerte insbesondere in der Nacht an zahlreichen Orten erstmals über-

schreiten. Es liegt somit eine vor dem 1. Januar 1985 erstellte Anlage vor, 

die im Zeitpunkt ihrer Erstellung die Planungswerte einhielt, deren 

A-1213/2022 

Seite 24 

beabsichtigte Änderung jedoch neu zu einer Überschreitung der Planungs-

werte führen wird. Damit ist eine Konstellation gegeben, die gemäss ge-

festigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung lärmrechtlich auf eine Neu-

anlage im Sinne von Art. 25 USG schliessen lässt (vgl. oben E. 5.4.2.3). 

Entgegen der Vorinstanz lässt sie sich nicht mit der Sachlage im Urteil 

A-4864/2019 des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. September 2020 

vergleichen. Jene zu beurteilende Hochspannungsleitung hielt sowohl im 

Zeitpunkt ihrer Erstellung, was ebenfalls vor dem Inkrafttreten des USG 

war, die Planungswerte ein und sollte es – im Gegensatz zum vorliegenden 

Projekt – auch nach Realisierung des strittigen Ausführungsprojekts tun 

(vgl. dazu Urteil A-4864/2019 E. 4.11.1 – 4.11.8). Die Vorinstanz kann des-

halb nichts aus jenem Urteil zu ihren Gunsten ableiten. Vielmehr ist das 

vorliegende Ausführungsprojekt lärmrechtlich als Erstellung einer Neuan-

lage im Sinne von Art. 25 USG zu beurteilen. 

5.5.5 Neuanlagen dürfen die Planungswerte grundsätzlich nicht über-

schreiten (vgl. oben E. 5.4.1). Die Vollzugsbehörde gewährt jedoch Erleich-

terungen, soweit die Einhaltung der Planungswerte zu einer unverhältnis-

mässigen Belastung für die Anlage führen würde und ein überwiegendes 

öffentliches, namentlich auch raumplanerisches Interesse an der Anlage 

besteht. Die Immissionsgrenzwerte dürfen jedoch nicht überschritten wer-

den (Art. 7 Abs. 2 LSV i.V.m. Art. 25 Abs. 2 USG). Das überwiegende öf-

fentliche Interesse an der Erhöhung der Betriebsspannung der Gemmilei-

tung zur Steigerung der Stromtransportkapazität für die Versorgung des 

Mittellandes ist vor dem Hintergrund der viel diskutierten Stromknappheit 

ohne Weiteres ausgewiesen. Die Gewährung von Erleichterungen ist da-

her grundsätzlich möglich.   

 

Gemäss dem UVB wurden aufgrund der Annahme, dass es sich um eine 

wesentliche Änderung einer Anlage im Sinne von Art. 8 Abs. 3 LSV handelt 

und nicht um eine Neuanlage, ausschliesslich bzw. lediglich Massnahmen 

zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte geprüft, die ohne Massnahmen 

an 20 lärmempfindlichen Orten überschritten würden. Solche konnten in 

der Form eines Seiltauschs in acht Abspannabschnitten definiert werden. 

Nach dem Gesagten gilt es aber, das Bauvorhaben unter dem Aspekt von 

Art. 7 Abs. 2 LSV zu überprüfen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch 

den Austausch weiterer Seile oder anderer Massnahmen in verhältnismäs-

siger Weise die Planungswerte an weiteren lärmempfindlichen Orten ein-

gehalten werden könnten. Diese Beurteilung und die allfällige Erteilung von 

Erleichterungen ist nicht vom Bundesverwaltungsgericht als erste 

A-1213/2022 

Seite 25 

Beschwerdeinstanz, sondern von der Vorinstanz vorzunehmen (vgl. Urteil 

1C_293/2017 E. 3.6).  

5.6 Zusammengefasst ist die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen. 

Die Sache ist zur Prüfung weitergehender Emissionsbegrenzungen in 

lärmrechtlicher Hinsicht und allenfalls zur Gewährung von Erleichterungen 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

6.  

Weiter kritisieren die Beschwerdeführenden, die Anlage sei aus Sicht der 

NISV zu Unrecht nicht als Neuanlage oder zumindest als wesentliche Än-

derung einer Altanlage eingestuft worden. 

6.1 Hierzu bemerken die Beschwerdeführenden, neubauähnliche Ände-

rungen von alten Anlagen seien wie die Erstellung von neuen Anlagen zu 

behandeln. Dass der geänderte Teil der Gemmileitung in konstruktiver Hin-

sicht nicht viel gewichtiger erscheine als der bisherige, werde nicht bestrit-

ten. In betrieblicher und funktionaler Hinsicht sei der geänderte Teil der An-

lage jedoch wesentlich gewichtiger als der bisherige. So sei geplant, dass 

die zwei Stränge der Gemmileitung neu auf zwei verschiedenen Span-

nungsebenen Strom transportierten. Dies beeinflusse die Phasenoptimie-

rung stark und erhöhe die Belastung durch die elektromagnetischen Felder 

erheblich. Allein letzteres stelle ohne weiteres eine solch gewichtige Ände-

rung in funktionaler Hinsicht dar, sodass das Projekt als neue Leitung im 

Sinne von Ziffer 15 Anhang 1 NISV zu qualifizieren sei. 

Eventualiter sei von einer wesentlichen Änderung einer Altanlage im Sinne 

von Art. 18 USG auszugehen. So werde mit dem Ausführungsprojekt eine 

ins Gewicht fallende Veränderung der Umweltbelastung herbeigeführt. 

Diese mache diverse bauliche, mit hohen Kosten verbundene Massnah-

men an der Anlage erforderlich, um überhaupt erst in die Nähe des bewil-

ligungsfähigen Zustands zu gelangen. So müsse an verschiedenen Orten 

der Abstand der Leitungen zum Boden erhöht werden, um die gravierends-

ten Verletzungen des Anlagegrenzwertes etwas zu verringern. Ausserdem 

werde die Lebensdauer der Gesamtanlage durch diese Massnahmen er-

heblich verlängert. Zudem sei es künftig möglich, in die eine Richtung viel 

und in die Gegenrichtung gleichzeitig keinen bzw. wenig Strom zu trans-

portieren. Allein dadurch handle es sich um eine gewichtige Änderung ei-

ner Höchstspannungsleitung als Bestandteil des strategischen Stromnet-

zes der Schweiz. Damit werde der Strommarkt erheblich flexibler. 

A-1213/2022 

Seite 26 

6.2 Die Vorinstanz weist darauf hin, dass die Erhöhung der Betriebsspan-

nung keine Auswirkungen auf die elektromagnetische Strahlung habe. Das 

magnetische Feld sei einzig vom Stromfluss abhängig. Weiter werde der 

Betriebsstrom zwar reduziert, was als Änderung einer Anlage im Sinne von 

Ziffer 17 Anhang 1 NISV zu qualifizieren sei. Dadurch werde die Strahlen-

belastung der Leitung gegenüber dem heutigen Zustand jedoch inskünftig 

verringert.  

6.3 Die Beschwerdegegnerin bemerkt, der Verordnungsgeber habe in Zif-

fer 12 Abs. 7 Bst. a – g Anhang 1 NISV definiert, welche Massnahmen als 

wesentlich gälten. Die Gemmileitung sei seit ihrer Erstellung auf eine Be-

triebsspannung von 380 kV ausgelegt. Ihre Struktur entspreche daher wei-

testgehend einer solchen Hochspannungsleitung. Eine Zweckänderung 

sehe das Ausführungsprojekt nicht vor. Die aufgrund der Spannungserhö-

hung notwendigerweise zu ergreifenden – unter anderem baulichen –  

Massnahmen seien minim und optisch kaum erkennbar. Die grössten bau-

lichen Massnahmen würden die Erhöhungen von 30 Masten sein, wobei 

die Erhöhungen (um bis zu 6 Meter) im Verhältnis zu den bestehenden 

Höhen (von durchschnittlich 60 Metern) kaum ins Gewicht fallen und unter 

weitestgehender Beibehaltung der bestehenden baulichen Substanzen er-

folgen würden. Im Übrigen fielen die Kosten mit rund einem Sechstel im 

Vergleich zu einem Neubau wesentlich tiefer aus. Schliesslich werde die 

NIS-Situation durch das Vorhaben auf der gesamten Leitung und bei allen 

OMEN gegenüber der heutigen Situation verbessert. Überdies würden die 

beiden Stränge mit derselben Stromstärke, konkret 1'500 A betrieben. Es 

sei daher unzutreffend, von einer neuen Anlage auszugehen. 

6.4 Auch nach der Ansicht des BAFU liegt keine Neuanlage vor. Hauptin-

halt sei die Erhöhung der Betriebsspannung von 220 kV auf 380 kV. Die 

weiteren Massnahmen, namentlich die Reduktion des massgebenden Be-

triebsstroms, die streckenweise Erhöhung von Masten, der Austausch von 

Leiterseilen, die Erhöhung der Zugspannung der Leiterseile sowie damit 

verbundene Fundament- und Mastverstärkungen dienten im Wesentlichen 

der Reduktion des elektrischen und magnetischen Feldes sowie von 

Lärmemissionen. Sowohl das Trassee der Leitung als auch die Standorte 

der Masten blieben unverändert. 

6.5 Die NISV regelt unter anderem die Begrenzung der Emissionen von 

elektrischen und magnetischen Feldern mit Frequenzen von 0 Hz bis 

300 GHz (Strahlung), die beim Betrieb ortsfester Anlagen erzeugt werden 

(vgl. Art. 2 Abs. 1 Bst. a NISV). Anlagen gelten als alt, wenn der Entscheid, 

A-1213/2022 

Seite 27 

der die Bauarbeiten oder die Aufnahme des Betriebs ermöglicht, bei In-

krafttreten dieser Verordnung rechtskräftig war (Art. 3 Abs.1 Satz 1 NISV). 

Dagegen gelten diese als neu, wenn sie die Voraussetzungen nach Art. 3 

Abs. 1 NISV nicht erfüllen (Art. 3 Abs. 2 Bst. a NISV), an einen anderen 

Standort verlegt werden (Bst. b) oder am bisherigen Standort ersetzt wer-

den (Bst. c). Zur Rechtsprechung und Lehre hinsichtlich einer übergewich-

tigen Erweiterung, die einer Neuanlage gleichzustellen ist, kann auf die Er-

wägung 5.4.2.3 hiervor verwiesen werden. 

6.6  

6.6.1 Die NISV ist am 1. Februar 2000 in Kraft getreten (Art. 21 NISV). Die 

Gemmileitung wurde vor diesem Datum rechtskräftig bewilligt und gebaut 

(vgl. oben Bst. A). Mit dem Ausführungsprojekt wird die Anlage weder an 

einen anderen Standort versetzt noch am bisherigen Standort ersetzt. 

Nach den Bestimmungen der NISV gilt die Gemmileitung somit als Altan-

lage. Zu prüfen ist, ob sie dennoch als Neuanlage im Sinne einer überge-

wichtigen Erweiterung zu beurteilen ist. 

6.6.2 Gemäss technischem Bericht sind diverse baulichen Massnahmen 

an der heutigen, 297 Masten umfassenden Gemmileitung vorgesehen. 

Jene zur Einhaltung des elektrischen Feldes umfassen die Erhöhung der 

Seilzugsspannung bei 268 Masten samt Verstärkungen an den bestehen-

den Tragwerken, den Einbau von Doppel-Abspannketten beim untersten 

Ausleger bei 48 Masten, das Einrücken der Seilabspannpunkte auf dem 

untersten/mittleren Ausleger (bei 3/1 Masten), den Einbau von Abspann-

ketten sowie eine Stromschlaufenführung mit asymmetrischer V-Kette, die 

Erhöhung der untersten Ausleger bei neun Masten und den Einbau von 

Abspannketten sowie die Erhöhung von sieben Masten (bis 6 m). Zur Re-

duktion der Magnetfeldbelastung ist der Umbau von Tragketten zu Ab-

spannketten bei 28 Masten sowie eine Masterhöhung bei 23 Masten von 

max. 6 m vorgesehen. Um den Lärm zu reduzieren, sollen bei acht Ab-

spannschnitten die Seile ausgetauscht werden. Eine Erhöhung der Sicher-

heit in Kreuzungsbereichen mit Bahnen, Fremdleitungen und Kantons-

strassen wird mit dem Austausch der bestehenden Einfachketten mit Dop-

pelketten angestrebt. Schliesslich sind diverse Mast- und Fundamentver-

stärkungen geplant. 

Nach dem Gesagten ist der Umfang der baulichen Massnahmen über-

schaubar. Relevante Substanzveränderungen in der Form von Masterhö-

hungen betreffen im Vergleich zur deren Gesamtanzahl nur relativ wenige 

A-1213/2022 

Seite 28 

Masten, mithin ungefähr 10 % (30 von 297 Masten). Das Ausmass der 

Masterhöhungen um bis zu 6 m erscheint in Anbetracht einer durchschnitt-

lichen Masthöhe von 60 m als geringfügig. Das Gleiche gilt für die Mass-

nahmen im Zusammenhang mit den Seilen, die durch erhöhte Spannun-

gen und Abspannketten weiter weg vom Boden gerückt werden sollen. Im 

Vergleich zum Bestehenden sind diese Veränderungen relativ minim. In 

konstruktiver Hinsicht spricht jedenfalls nichts für eine übergewichtige Er-

weiterung, was die Beschwerdeführenden ebenfalls so sehen (vgl. oben 

E. 6.1). 

6.6.3 Die Gemmileitung wurde ursprünglich für einen Betrieb mit 380 kV 

auf beiden Strängen gebaut. Mit dem Ausführungsprojekt soll sie ihrer ur-

sprünglichen Bestimmung zugeführt werden. In funktionaler Hinsicht än-

dert sich demnach nichts, was die Annahme einer Neuanlage begründen 

könnte. 

6.6.4 Mit der Nennspannung einer Hochspanungsleitung erhöht sich das 

emittierte elektrische Feld proportional zur vorhandenen Spannung. Wer-

den jedoch die Immissionsgrenzwerte für die elektrische Feldstärke von 

Hochspannungsleitungen eingehalten, besteht kein wissenschaftlich be-

gründbarer Verdacht bezüglich negativer Gesundheitsfolgen. Entspre-

chend enthält die NISV vorsorgliche Emissionsbegrenzungen in Bezug auf 

das Magnetfeld, nicht jedoch für das elektrische Feld (vgl. Urteil 

A-4864/2019 E. 4.8.3). Gemäss UVB hält die Gemmileitung im heutigen 

Zustand den Immissionsgrenzwert von 5 kV/m ein, ausser bei einem Mas-

ten, der jedoch infolge Einzäunung nicht zugänglich ist. Dasselbe wird auf-

grund der baulichen Massnahmen nach der Realisierung des Ausführungs-

projekts der Fall sein. Das Ausmass des elektrischen Feldes wird mit an-

deren Worten zukünftig gesundheitlich unbedenklich bleiben. Ferner soll 

im Sinne einer vorsorglichen Emissionsbegrenzung das Magnetfeld der 

Anlage weiter reduziert werden. Erreicht werden soll dies einerseits mit 

baulichen Massnahmen (Masterhöhungen, etc.) und andererseits – nach-

dem das Magnetfeld von der Stromstärke abhängig ist – mit einer dauer-

haften Reduktion der Stromstärke auf beiden Strängen auf 1'500 A (vgl. 

Urteil A-4864/2019 E. 4.8.3; BEATRICE WAGNER PFEIFER, Umweltrecht - All-

gemeine Grundlagen, 2017, S. 221 Rz. 575). Die Spannungserhöhung hat 

auf die Ausdehnung des Magnetfeldes keinen Einfluss (vgl. Urteil 

1C_595/2020 E. 1.4; Urteil A-4864/2019 E. 4.7.2 und 4.8.3; Urteil BVGer 

A-2657/2011 vom 9. Oktober 2012 E. 6.12.2). Die Umweltbelastungen neh-

men somit nicht zu (elektrisches Feld) bzw. sogar ab (magnetisches Feld). 

Auch unter diesem Aspekt ist keine Neuanlage anzunehmen.  

A-1213/2022 

Seite 29 

6.6.5 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass weder in konstruktiver, funk-

tionaler noch ökologischer Hinsicht von einer Neuanlage auszugehen ist.  

6.7 Näher zu untersuchen ist sodann die Behauptung der Beschwerdefüh-

renden, dass nicht die Spannungserhöhung an sich, sondern die unglei-

chen Lastflüsse der beiden Leitungen zu einem erhöhten Magnetfeld füh-

ren würden. Sinngemäss machen sie damit geltend, dass die im UVB prog-

nostizierten elektromagnetischen Strahlungswerte falsch seien. 

6.7.1 Gemäss der Darstellung der Beschwerdeführenden sind die Werte 

der Magnetfelder nicht einzig von der Stromstärke abhängig. Vielmehr 

spielten diverse andere Faktoren eine Rolle, wie insbesondere die Phasen-

optimierung und die ungleichen Lastflüsse. Durch die Projektänderung 

seien die beiden Stränge selten bis nie gleich hoch belastet, was sich auf 

das Magnetfeld auswirke. Wenn sich zum Beispiel auf einem Strang die 

Last halbiere, erreiche das Magnetfeld eine um 50 % erhöhte Ausdehnung, 

weil das Gegendrehfeld beim Wegfall der Leistung auf einem Strang 

schwächer werde. Falls bei symmetrischen Lasten auf beiden Strängen die 

Belastung im Umkreis von 50 m zum Beispiel ein Mikrotesla (1 µT) betrage, 

betrage die Distanz, bei welcher eine Belastung von 1 µT bei der Halbie-

rung der Stromlast auf einem Strang gemessen werde, neu 75 m. Falls der 

Strom auf einem Masten komplett wegfalle, da der Strom im Moment nicht 

nachgefragt werde, werde das Magnetfeld doppelt so gross. Eine unab-

hängige und damit beantragte Expertise werde dies bestätigen. Darüber 

hinaus gestalte sich die Phasenoptimierung bei dieser Gegebenheit deut-

lich schwieriger als bei einem ausschliesslichen Betrieb auf einer Span-

nungsebene. Die Beschwerdegegnerin sei der Ansicht, dass bei der Lei-

tung Bickigen-Chippis die Phasenlage bereits optimiert sei und verweise 

dazu auf S. 37 des UVB und das Phasenschema vom 31. Juli 2015. Diese 

Berichte berücksichtigten jedoch die Projektänderung nicht. Vielmehr ba-

siere die erfolgte Phasenoptimierung auf der ursprünglichen Projektauf-

lage, welche vorsehe, dass die Betriebsspannung beider Leitungsstränge 

von 220 kV auf 380 kV erhöht werde. Aus den Unterlagen der Beschwer-

degegnerin sei sodann nicht ersichtlich, dass anhand der Leiteranordnung 

sowie der am häufigsten vorkommenden Kombination der Lastflussrichtun-

gen, die am besten geeignete Phasenbelegung für die Situation nach der 

Projektänderung berechnet worden sei. Dem Umstand, dass mit der Pro-

jektänderung «Einschlaufung Wimmis» zwei Stränge mit unterschiedlicher 

Spannung betrieben würden, bei denen von einer gegenläufigen Lastfluss-

richtung auszugehen sei, trage die Vorinstanz im Hinblick auf die erforder-

liche Phasenoptimierung keine Rechnung. Mangels gegenteiliger 

A-1213/2022 

Seite 30 

Unterlagen sei davon auszugehen, dass das Projekt betreffend die Pha-

senoptimierung nicht an das getrennte Netz angepasst worden sei.  

In ihrer Stellungnahme vom 15. Dezember 2022 behaupten die Beschwer-

deführenden neu, die Phasenoptimierung sei bei unterschiedlichen Span-

nungen gar nicht möglich. Diese gelinge nur, wenn die Lastflussrichtungen 

zweier oder mehrerer Leitungsstränge gekoppelt seien. Die erfolgte Pha-

senoptimierung entfalle jedoch, wenn die Betriebsspannung der beiden 

Leitungsstränge nur auf einem Strang auf 380 kV erhöht werde. Weitere 

Ausführungen zur gegenseitigen Beeinflussung zweier Stränge mit unter-

schiedlichen Lastflüssen liessen sich den Folien des beiliegenden Power-

Point-Vortrags des Fachexperten Hans-Ueli Jakob entnehmen. Diese Aus-

führungen seien mit Isoliniendiagrammen vom Bundesverwaltungsgericht 

verifizieren zu lassen. Ferner seien die Zeitanteile pro Jahr anzugeben, in 

welchen Zuständen die strittige Leitung voraussichtlich laufen werde. Zu-

dem sei die Situation zu untersuchen, in welcher infolge des durch die Libe-

ralisierung vermehrt vorkommenden Stromhandels auf den beiden Lei-

tungssträngen plötzlich gegenläufiger Lastfluss stattfinde. Dies sei etwa 

dann der Fall, wenn auf einem Strang billiger Atomstrom bergwärts beför-

dert werde, um Wasser in die Speicherseen zu pumpen, während gleich-

zeitig auf dem anderen Strang teurerer Ökostrom aus Wasserproduktion 

talwärts geliefert werde. Die ganze Phasenoptimierung werde in solchen 

Fällen nutzlos. 

6.7.2 Die Vorinstanz bestreitet nicht, dass die Belastung dann am höchsten 

ist, wenn nur ein Strang in Betrieb steht. Indes sei dieser Umstand irrele-

vant. Gemäss den Vorgaben der NISV brauche die Beschwerdegegnerin 

ihre NIS-Berechnungen nicht den NIS-technisch ungünstigsten Betriebs-

zustand zugrunde zu legen, sondern den massgebenden Betriebszustand. 

Entsprechend dieser Anweisung habe die Beschwerdegegnerin ihre Be-

rechnungen im Rahmen der Projektänderung vorgenommen. Diesen habe 

das BAFU nach erfolgter Überprüfung zugestimmt. Ebenfalls sei es zutref-

fend, dass neben dem Strom auch Faktoren wie die Phasenoptimierung, 

die Lastflüsse und die baulichen Aspekte massgebend seien. Allerdings 

seien solche Faktoren bei den NIS-Berechnungen berücksichtigt worden. 

Aus diesem Grund sei der zu den Akten gereichte abstrakte und nicht pro-

jektbezogene Foliensatz in Bezug auf das zu beurteilende Leitungsbaupro-

jekt irrelevant.  

6.7.3 Das BAFU räumt ein, dass die unterschiedliche Strombelastung der 

Stränge die Kompensationseffekte der Magnetfelder beeinflusse und zu 

A-1213/2022 

Seite 31 

einem grösseren Magnetfeld führen könne. Da das Magnetfeld von Leitun-

gen zeitlich sehr stark schwanke, beispielsweise aufgrund der unterschied-

lichen Strangbelastungen, wäre eine Prognose und Erfassung des tatsäch-

lichen Langzeitmittels der magnetischen Flussdichte mit ausserordentlich 

grossem Aufwand und grossen Unsicherheiten verbunden. Der Verord-

nungsgeber habe deshalb die vorsorglichen Bestimmungen nicht an den 

realen Betrieb der Leitungen, sondern ersatzweise an einen für die jewei-

lige Leitung eindeutigen, durch möglichst wenige Parameter definierten 

Referenzzustand gekoppelt, den «massgebenden Betriebszustand». So-

weit die NISV die Einhaltung des Anlagegrenzwertes verlange, gelte dies 

immer nur für den Betriebszustand. In der Regel sei das Langzeitmittel der 

magnetischen Flussdichte im realen Betrieb niedriger als der Wert im  

massgebenden Betriebszustand. Damit entspreche die von der Anlage in 

ihrem massgebenden Betriebszustand an einem bestimmten Ort verur-

sachte Strahlung der höchstens realistischen Dauerbelastung dieses Or-

tes. Der Betriebszustand mit den höchsten Immissionen sei hingegen für 

die Beurteilung der Einhaltung der Immissionsgrenzwerte wichtig. Letztere 

zielten auf den Schutz der Bevölkerung vor wissenschaftlich nachgewiese-

nen schädlichen oder lästigen Wirkungen durch nichtionisierende Strah-

lungen, die bereits nach kurzer Exposition aufträten (gesicherte Akutwir-

kungen). Die Immissionsgrenzwerte müssten daher jederzeit (z.B. auch 

dann, wenn in nur einem Strang Strom fliesse und folglich keine Kompen-

sationseffekte wirksam seien) und an allen öffentlich zugänglichen Orten 

eingehalten werden. Erfahrungsgemäss werde der Immissionsgrenzwert 

bei keiner Freileitung erreicht.  

Alsdann sei der Behauptung zu widersprechen, wonach eine Phasenopti-

mierung bei unterschiedlicher Spannung nicht möglich sei. Eine solche sei 

nicht von der anliegenden Spannung abhängig. Mithin bleibe eine Anlage 

mit optimaler Phasenbelegung phasenoptimiert, auch wenn die anliegende 

Spannung an einem oder mehreren betroffenen Strängen geändert werde. 

Die Leitung werde gemäss Projekt mit der optimalen Phasenbelegung be-

trieben. Diese sei für den massgebenden Betriebszustand ermittelt worden 

und führe dazu, dass die magnetische Flussdichte an den OMEN insge-

samt minimiert werde. Die am häufigsten vorkommende Kombination der 

Lastflussrichtungen werde mithilfe einer statistischen Auswertung der Be-

triebsdaten festgestellt. Zu berücksichtigen sei dabei die zeitliche Korrela-

tion der Lastflussrichtungen auf beiden Strängen, also ob der Lastfluss 

mehrheitlich gleichsinnig oder gegenläufig sei. Zusätzlich würden dabei die 

Perioden mit hoher Auslastung stärker gewichtet, weil diese auch die mag-

netische Flussdichte stärker bestimmten. Mit dieser kombinierten 

A-1213/2022 

Seite 32 

Betrachtungsweise sei gewährleistet, dass die magnetische Flussdichte 

bei der resultierenden «optimalen» Phasenbelegung tatsächlich minimiert 

werde. 

6.7.4  

6.7.4.1 Strahlen werden durch Massnahmen bei der Quelle begrenzt 

(Emissionsbegrenzungen; vgl. Art. 11 Abs. 1 USG). Unabhängig von der 

bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge 

so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirt-

schaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Emissionen werden unter ande-

rem eingeschränkt durch den Erlass von Emissionsgrenzwerten (Art. 12 

Abs. 1 Bst. a USG). Hochspannungsleitungen müssen so erstellt und be-

trieben werden, dass sie die in Anhang 1 der NISV festgelegten vorsorgli-

chen Emissionsbegrenzungen einhalten (Art. 4 Abs. 1 NISV). Als vorsorg-

liche Emissionsbegrenzung für die von einer Anlage allein erzeugte Strah-

lung gilt der Anlagegrenzwert (vgl. Art. 3 Abs. 6 NISV). Der Anlagegrenz-

wert für den Effektivwert der magnetischen Flussdichte beträgt 1 µT 

(Ziff. 14 Anhang 1 NISV).  

6.7.4.2 Sowohl bei geänderten als auch bei neuen Anlagen wird die Ein-

haltung des Anlagegrenzwerts an Orten mit empfindlicher Nutzung im  

massgebenden Betriebszustand ermittelt (vgl. Ziff. 15 Abs 1 und Ziff. 17 

Abs. 1 Anhang 1 NISV). Als massgebender Betriebszustand gilt der gleich-

zeitige Betrieb aller Leitungsstränge mit den massgebenden Strömen in 

der am häufigsten vorkommenden Kombination der Lastflussrichtungen 

(Ziff. 13 Abs. 1 Anhang 1 NSIV). Für Freileitungen gilt als massgebender 

Strom der nach dem Stand der Technik berechnete maximal zulässige 

Dauerstrom bei 40° C Umgebungstemperatur und 0.5 m/s Windgeschwin-

digkeit (Ziff. 13 Abs. 2 Bst. a Anhang 1 NISV). Selbst wenn die Energie im 

realen Betrieb nicht immer in die gleiche Richtung fliesst, beschränkt man 

sich für die NIS-Beurteilung der Einfachheit halber auf eine der beiden 

Lastflussrichtungen, und zwar auf diejenige, die die magnetische Fluss-

dichte im Langzeitmittel besser repräsentiert. Es wird davon ausgegangen, 

dass die massgebende Lastflussrichtung für jeden Leitungsstrang individu-

ell aufgrund der zeitlichen Dominanz (die am häufigsten vorkommende 

Lastflussrichtung) bestimmt werden kann. Dieses einfache Vorgehen ist in 

vielen Fällen sachgerecht und ausreichend, insbesondere dann, wenn die 

Energie überwiegend in die gleiche Richtung fliesst. Es werden drei ver-

schiedene Kombinationen der Lastflussrichtungen zweier Leitungsstränge 

unterschieden. Lastflüsse gleichsinnig, Lastflüsse gegenläufig sowie 

A-1213/2022 

Seite 33 

Lastflussrichtungen ungekoppelt. Letzteres bedeutet, dass gleichsinniger 

und gegenläufiger Betrieb ungefähr gleich stark vertreten sind. Dies kann 

bei Leitungssträngen mit umkehrenden Lastflussrichtungen vorkommen, 

die unabhängig voneinander betrieben werden, insbesondere zwischen 

Leitungssträngen unterschiedlicher Spannungsebene (BAFU, Hochspan-

nungsleitungen, Vollzugshilfen zur NISV, 2007 [nachfolgend: Vollzugshilfe], 

S. 19 f. Rz. 2.4.2). 

6.7.4.3 Umfasst eine Anlage zwei oder mehr Leitungsstränge gleicher Fre-

quenz, können sich das elektrische und magnetische Feld je nach der Be-

legung der Phasen verstärken oder teilweise kompensieren (vgl. Vollzugs-

hilfe, a.a.O., S. 64 Ziff. 8.4.1). Grund dafür sind die zeitlich versetzten 

Schwingungen der in den verschiedenen Leiterseilen einer Hochspan-

nungsleitung fliessenden Wechselströmen. Man spricht in diesem Zusam-

menhang von verschiedenen Phasenlagen. Je nachdem, wie die drei Pha-

sen an den Enden einer Leitung an die Leiterseile angeschlossen sind, hat 

das Magnetfeld eine grössere oder kleinere räumliche Ausdehnung. Die 

beste Möglichkeit zur Begrenzung seiner Ausdehnung besteht deshalb in 

der günstigen Anordnung der Leiterseile sowie in einer Phasenoptimierung 

(vgl. BAFU, Hochspannungsleitungen [Freileitungen] als Elektrosmog-

Quelle, www.bafu.admin.ch > Themen > Thema Elektrosmog und Licht > 

Fachinformationen > Elektrosmog-Quellen > Hochspannungsleitungen 

[Freileitungen; nachfolgend Erläuterungen BAFU Hochspannungsleitun-

gen]). Bei einer Phasenoptimierung wird versucht, die Leiterseile elektrisch 

so anzuschliessen, dass die räumliche Ausdehnung des Magnetfeldes mi-

nimiert wird. Dazu dienen Simulationsprogramme, die anhand der Leiter-

anordnung sowie der am häufigsten vorkommenden Kombination der Last-

flussrichtungen die am besten geeignete Phasenbelegung berechnen. 

Durch eine günstige Anordnung der Leiterseile und die Optimierung der 

Phasenbelegung lässt sich die Ausdehnung des Magnetfeldes von Freilei-

tungen deutlich reduzieren (vgl. Erläuterungen BAFU Hochspannungslei-

tungen). Die Optimierung der Phasenbelegung bezüglich des Magnetfel-

des ist nur möglich, wenn die Lastflussrichtungen zweier oder mehrerer 

Leitungsstränge gekoppelt sind (Vollzugshilfe, S. 64 Ziff. 8.4.1). 

6.7.4.4 Der Inhaber einer Anlage, für die Anhang 1 Emissionsbegrenzun-

gen festlegt, muss der für die Bewilligung zuständigen Behörde ein 

Standortdatenblatt einreichen, bevor die Anlage im Sinne von Anhang 1 

geändert wird (vgl. Art. 11 Abs. 1 Satz 1 NISV). Das Standortblatt muss die 

aktuellen und geplanten technischen und betrieblichen Daten der Anlage, 

soweit sie für die Erzeugung von Strahlung massgebend sind (Art. 11 

A-1213/2022 

Seite 34 

Abs. 2 Bst. a NISV), den massgebenden Betriebszustand nach Anhang 1 

(Bst. b), Angaben über die von der Anlage erzeugte Strahlung (Bst. c) so-

wie einen Situationsplan, der die Angaben nach Buchstaben c darstellt 

(Bst. d), enthalten.  

6.7.5  

6.7.5.1 Die Ausdehnung eines Magnetfelds hängt von der Stromstärke ab 

(vgl. oben E. 6.6.4). Letztere ist wiederum vom jeweiligen Elektrizitätsver-

brauch in den Haushalten und Betrieben abhängig. Der zeitliche Verlauf 

der Magnetfeldbelastung in der Umgebung einer Hochspannungsleitung 

widerspiegelt somit den je nach Tages- und Jahreszeit schwankenden 

Stromkonsum (vgl. Erläuterungen BAFU Hochspannungsleitungen). Es 

trifft daher zu, dass die Ausdehnung des Magnetfelds bei einer Hochspan-

nungsleitung einer Dynamik unterworfen ist. Ebenso wenig ist auszu-

schliessen, dass die Strommengen auf den beiden Strängen zeitweise un-

terschiedlich hoch sind und damit das Magnetfeld vergrössern könnten. In-

des sind zur Beurteilung des Magnetfelds nicht die Werte des Realbetriebs 

entscheidend, sondern jene des massgeblichen Betriebszustands. Dieser 

ist wiederum von den maximal zulässigen Dauerströmen in der am häu-

figsten vorkommenden Kombination der Lastflussrichtungen abhängig (vgl. 

oben E. 6.7.4.2). Bei jedem der aktenkundigen Standortblätter beträgt der 

maximal zulässige Dauerstrom 1'500 A. Zudem ist bei jedem Standortblatt 

als häufigste Lastflussrichtung auf beiden Strängen «Chippis nach Bicki-

gen» eingetragen. Die Lastflussrichtungen sind damit im massgebenden 

Betriebszustand im Sinne von Art. 13 Abs. 1 NISV gleichsinnig und damit 

gekoppelt. Ausserdem sind diese Werte plausibel. Einerseits soll mit dem 

Ausführungsprojekt der Strom auf 1'500 A reduziert werden. Andererseits 

ist der Hauptzweck der Gemmileitung, Strom aus dem Wallis in den Norden 

zu leiten. Insofern ist entgegen den Beschwerdeführenden nicht von meist 

gegenläufigen Lastflussrichtungen auszugehen und deren Vorbringen, 

dass sich die Lastflussrichtungen möglicherweise zukünftig grundsätzlich 

ändern könnten, ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Entscheidend ist 

die Sachlage nach der Realisierung des Ausführungsprojekts. Die Situation 

wäre allenfalls neu zu bewerten, wenn sich die häufigsten Lastflussrichtun-

gen dauerhaft ändern würden. 

6.7.5.2 Auf den Standortblättern sind die jeweiligen Isoliniendiagramme er-

sichtlich. Dass die Leitungen darauf phasenoptimiert sind, ist glaubhaft und 

zeigt sich bereits am Ausmass der jeweiligen Magnetfelder. Nicht phasen-

optimierte Leitungen hätten ein deutlich grösseres Magnetfeld zur Folge 

A-1213/2022 

Seite 35 

(vgl. dazu die Beispiele bei Erläuterungen BAFU Hochspannungsleitun-

gen). Zwar gingen die Standortblätter aus dem Jahr 2015 noch von einer 

Spannung von 380 kV auf beiden Strängen aus. Entgegen den Beschwer-

deführenden behalten die darauf abgebildeten Isoliniendiagramme jedoch 

ihre Gültigkeit, auch wenn nur einer dieser Stränge mit 380 kV betrieben 

wird und die Spannung des anderen (vorläufig) bei 220 kV bleibt. Erstens 

hat die Spannung, wie bereits mehrfach erwähnt, keinerlei Einfluss auf das 

Magnetfeld (vgl. oben E. 6.6.4). Zweitens ändert sich durch die verschie-

denen Spannungen weder der maximal zulässige Dauerstrom noch die 

häufigste Lastflussrichtung und damit die ein Magnetfeld im massgeben-

den Betriebszustand definierenden Elemente (vgl. oben E. 6.7.5.1). Drit-

tens ist während der meisten Zeit von gekoppelten Lastflüssen auszuge-

hen, weshalb eine Phasenoptimierung möglich ist (vgl. oben E. 6.7.4.3). 

Und viertens spielt bei der Phasenoptimierung die Spannung ebenfalls 

keine Rolle; für die diesbezüglichen Simulationsprogramme ist im Wesent-

lichen die Leiteranordnung sowie die am häufigsten vorkommende Kombi-

nation der Lastflussrichtungen entscheidend (vgl. oben E. 6.7.4.3). Im Er-

gebnis beruhen die im UVB festgehaltenen Strahlungsdaten auf einer 

durchgeführten Phasenoptimierung und sind nach wie vor gültig. Dies be-

stätigt das BAFU als Umweltfachbehörde. Gründe, um von deren Einschät-

zung abzuweichen, liegen keine vor. An der getroffenen Feststellung, wo-

nach durch das Ausführungsprojekt die Belastung der elektromagneti-

schen Strahlung zurückgeht (vgl. oben E. 6.6.4), ist somit festzuhalten.  

6.7.5.3 Vor diesem Hintergrund bedarf es keiner zusätzlichen Expertise. 

Der diesbezügliche Beweisantrag ist abzuweisen. Ebenfalls entbehrlich ist 

eine Auseinandersetzung mit den eingereichten PowerPoint-Unterlagen, 

zumal die nichts zum konkreten Einzelfall beitragen. Auch braucht es keine 

Angaben zu den Zeitanteilen pro Jahr; die massgebenden Lastflussrich-

tungen sind ausreichend bekannt. 

6.8 Im Ergebnis handelt es sich beim Ausführungsprojekt aus Sicht der 

NISV nicht um eine Neuanlage. In diesem Zusammenhang äussern die 

Beschwerdeführenden ihr Unverständnis darüber, dass die Änderung zwar 

lärmrechtlich, jedoch nicht aus Sicht der NISV als Neuanlage gelten soll. 

Dies ist jedoch eine Folge von Art. 16 Abs. 2 USG, der den Bundesrat be-

auftragt, Ausführungsvorschriften über die Sanierung zu erlassen, in denen 

die Anlagen, der Umfang der zu treffenden Massnahmen, die Fristen und 

das Verfahren geregelt werden. Damit wird der Bundesrat ermächtigt, die 

Sanierungspflicht für gewisse Kategorien von Anlagen, deren Eigenarten 

und den gegebenen Verhältnissen entsprechend, speziell zu umschreiben 

A-1213/2022 

Seite 36 

(BGE 117 Ib 425 E. 5a; Urteil BGer 1A.184/2003 vom 9. Juni 2004 

E. 4.1.2). Konsequenterweise wird im Ausführungsrecht zu Art. 18 USG 

zum Beispiel die Frage, was als wesentliche Änderung zu gelten hat, un-

terschiedlich beantwortet definiert, zumal den diesbezüglichen Kriterien je 

nach Rechtsgebiet eine andere Bedeutung zukommt (SCHRADE/WIESTNER; 

in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl. 2004, Rz. 17 zu Art. 18 

USG). Folglich kann die Qualifikation einer Anlage – je nach Emissionsart 

– unterschiedlich ausfallen. Das gilt auch für die Frage, ob eine überge-

wichtige Erweiterung vorliegt. Nachdem die unterschiedlichen Spannun-

gen auf den beiden Leitungssträngen keine Veränderung des Magnetfel-

des nach sich ziehen, besteht auch kein Grund, den UVB vom 31. Juli 2015 

zu ergänzen, neue Isoliniendiagramme zu erstellen und ein ergänztes 

Plangenehmigungsgesuch oder einen ergänzten UVB neu öffentlich auf-

zulegen. Folglich sind die Beschwerdeanträge Nrn. 8 – 10 abzuweisen. 

6.9 Zu prüfen ist, ob das Ausführungsprojekt eine wesentliche Änderung 

im Sinne von Art. 18 USG darstellt. 

6.9.1 In Ziffer 12 Abs. 7 Bst. a – g Anhang 1 NISV hielt der Verordnungs-

geber fest, welche Massnahmen als «Änderungen» zu beurteilen sind. Als 

solche gelten bauliche Anpassungen, bei denen der Bodenabstand von 

Phasenleitern einer Freileitung oder die Verlegetiefe von Phasenleitern ei-

ner erdverlegten Kabelleitung verkleinert wird (Ziff. 12 Abs. 7 Bst. a Anhang 

1 NISV), bauliche Anpassungen, bei denen der Abstand zwischen den 

Phasenleitern gleicher Frequenz einer Leitung vergrössert wird (Bst. b), die 

Erstellung einer neuen Leitung in einem engen räumlichen Zusammen-

hang mit einer bestehenden Leitung (Bst. c), der Rückbau einer Leitung, 

die in einem engen räumlichen Zusammenhang mit einer anderen Leitung 

steht (Bst. d), die Änderung der Anzahl dauerhaft betriebener Leitungs-

stränge (Bst. e), die Umnutzung bestehender Leitungsstränge für Strom-

systeme anderer Frequenz (Bst. f), oder die dauerhafte Änderung des 

massgebenden Stroms nach Ziffer 13 Absätze 2 und 3 (Bst. g). Das Bun-

desverwaltungsgericht sowie ein Teil der Lehre gehen davon aus, dass es 

sich bei den aufgezählten Tatbeständen um wesentliche Änderungen im 

Sinne von Art. 18 USG handelt (vgl. Urteil A-4864/2019 E. 4.7.2; ADRIAN 

GOSSWEILER, Das schweizerische Umweltschutzgesetz, Rechtsprechung 

von 2011 – 2015, URP 2017 S. 187, 192; differenzierter WAGNER PFEIFER, 

a.a.O., Rz. 610, wonach es sich bei den aufgelisteten Änderungen in den 

meisten Fällen um wesentliche Änderungen handeln dürfte). Dabei hatte 

der Verordnungsgeber aufgrund der Vielfalt der in der Praxis vorkommen-

den Änderungsvorhaben eigentlich ausdrücklich darauf verzichtet, gewisse 

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IB-425%3Ade&number_of_ranks=0#page425

A-1213/2022 

Seite 37 

Tatbestände als «wesentliche Änderungen» zu definieren. Stattdessen 

wurde der flexiblere Weg weiterverfolgt, die Definition der Änderungen eher 

allgemein zu halten, die Prüfung emissionsbegrenzender Massnahmen im 

Einzelfall vorzunehmen und auf formelle Ausnahmen zu verzichten (vgl. 

Erläuternder Bericht des BAFU zu Änderung der Verordnung über den 

Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 1. Juli 2016 [NISV; nachfol-

gend: Bericht BAFU], Ziff. 4.3, S. 6). Konkret steht nicht die Wesentlichkeit 

einer Änderung, sondern dessen Potenzial zur Verringerung des Magnet-

felds im Einzelfall im Vordergrund, um die Prüfung vorsorglicher Emissi-

onsbegrenzungen anzustossen. Bei den in Ziffer 12 Abs. 7 Anhang 1 NISV 

definierten Änderungen handelt es sich denn auch um bauliche Vorhaben 

oder betriebliche Anpassungen mit potenziellen Auswirkungen auf das 

Magnetfeld, die grundsätzlich mit technischen Massnahmen verringert 

werden können (vgl. Bericht BAFU, Ziff. 4.2, S. 5). Mithin handelt es sich 

dabei um Anpassungen, die mit nennenswerten baulichen Eingriffen ver-

bunden sind und/oder das von der Anlage erzeugte Magnetfeld verändern 

können (vgl. Bericht BAFU, Ziff. 6, S. 11). 

6.9.2 Die in Ziffer 12 Abs. 7 Anhang 1 NISV gelisteten Tatbestände können 

zwar bereits für sich gesehen wesentliche Änderungen im Sinne von 

Art. 18 USG darstellen, wie z.B. die Erhöhung des massgebenden Stroms, 

die mit der Ausdehnung des Magnetfelds miteinhergeht (vgl. Urteil 

A-4864/2019 E. 4.8.3). Für die Beurteilung, ob eine Altanlage wesentlich 

geändert wird, bleibt indes eine Gesamtbetrachtung ausschlaggebend. Bei 

dieser sind die Zunahme der Emissionen, der Umfang der baulichen  

Massnahmen und deren Kosten sowie die Verlängerung der Lebensdauer 

der Gesamtanlage durch das Projekt zu berücksichtigen. Von einer we-

sentlichen Änderung ist insbesondere dann auszugehen, wenn die bauli-

chen Massnahmen und die Kosten einem Neubau bzw. einem Wiederauf-

bau nahekommen oder das Projekt die Lebensdauer der Gesamtanlage 

erheblich verlängert (vgl. spezifisch in Bezug auf die NISV Urteil 

1C_595/2020 E. 1.4 mit Verweis auf BGE 141 II 483 E. 4.6; Urteil 

1C_104/2017 E. 6.4). Vor diesem Hintergrund scheint die von WAGNER 

PFEIFER geäusserte Auffassung zuzutreffen, wonach lediglich die meisten 

in Ziffer 12 Abs. 7 Bst. a – g Anhang 1 NISV aufgelisteten Tatbestände we-

sentliche Änderungen im Sinne von Art. 18 Abs. 1 USG darstellen dürften 

(vgl. oben E. 6.9.1). In diesem Sinne ist die bundesverwaltungsgerichtliche 

Rechtsprechung zu präzisieren. 

6.9.3 Die elektromagnetischen Emissionen der Gemmileitung nehmen 

durch das Ausführungsprojekt nicht zu, sondern ab bzw. bleiben im Falle 

A-1213/2022 

Seite 38 

des elektrischen Felds unkritisch (vgl. oben E. 6.6.4). Die baulichen Ände-

rungen sind im Vergleich zum Ausgangszustand von bescheidener Natur 

und kommen keinem Neu- und Wiederaufbau gleich (vgl. oben E. 6.6.2). 

Was die Kosten anbelangt, so verortet die Vorinstanz diese bei einem 

Sechstel im Vergleich zu einem Neubau. Die Beschwerdeführenden be-

streiten dies nicht. Die Kostenangabe erscheint plausibel, insbesondere 

nachdem bei den allermeisten Mästen keine substanziellen Änderungen in 

der Form von Erhöhungen geplant sind und sich die Kosten für die seilsei-

tigen Massnahmen im Rahmen halten dürften. Inwiefern die relativ gering-

fügigen baulichen Massnahmen (Masterhöhungen, punktuelle Verstärkun-

gen) bei einzelnen Masten die Lebensdauer der Gesamtanlage verlängern 

sollten, wird nicht näher dargetan und ist nicht ersichtlich. Auch ist nicht 

einzusehen, inwiefern die durch das Ausführungsprojekt angeblich gestei-

gerte Flexibilität des Strommarkts eine wesentliche Änderung der Gemmi-

leitung zu begründen vermag. Zusammengenommen sprechen die ge-

nannten Kriterien nicht für eine wesentliche Änderung einer Altanlage im 

Sinne von Art. 18 USG. Stattdessen ist das Ausführungsprojekt als nicht 

wesentliche Änderung einer Altanlage zu qualifizieren. 

7.  

Als nächstes beanstanden die Beschwerdeführenden eine Verletzung der 

NISV. 

7.1 Dazu führen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen aus, der An-

lagegrenzwert von 1 µT werde an 128 OMEN nicht eingehalten. Dies stelle 

eine Verletzung der NISV dar. 

7.2 Die Beschwerdegegnerin räumt ein, dass die Anlagegrenzwerte nach 

der Umsetzung des Ausführungsprojekts nicht bei sämtlichen OMEN ein-

gehalten werden könne. Sie habe aber die ihr zur Verfügung stehende Pa-

lette an technischen und betrieblichen Massnahmen zur Reduktion des 

Magnetfeldes ausgeschöpft. Die Überschreitung der Anlagegrenzwerte sei 

deshalb mit den Bestimmungen der NISV vereinbar. 

7.3  

7.3.1 Überschreitet die von einer alten (unveränderten) Anlage erzeugte 

magnetische Flussdichte im massgebenden Betriebszustand an Orten mit 

empfindlicher Nutzung den Anlagegrenzwert, so ist die Phasenbelegung, 

soweit dies technisch und betrieblich möglich ist, so zu optimieren, dass 

das Ausmass der Überschreitung minimiert wird (vgl. Ziff. 16 Abs. 1 

A-1213/2022 

Seite 39 

Anhang 1 NISV). Diese Bestimmung kommt auch bei Wartungsarbeiten zur 

Anwendung, die die Anordnung und den Betrieb einer Anlage nicht verän-

dern, da diese kaum eine Gelegenheit bieten, das Magnetfeld zu reduzie-

ren. Das Gleiche gilt für den altersbedingten Ersatz von Anlageteilen (vgl. 

Bericht BAFU, Ziff. 4.2, S. 5 f.). 

7.3.2 Neue Anlagen müssen im massgebenden Betriebszustand an Orten 

mit empfindlicher Nutzung den Anlagegrenzwert einhalten (Ziff. 15 Abs. 1 

Anhang 1 NISV). Die Behörde bewilligt Ausnahmen, wenn der Inhaber der 

Anlage nachweist, dass die Phasenbelegung, soweit dies technisch und 

betrieblich möglich ist, optimiert ist (Ziff. 15 Abs. 2 Bst. a Anhang 1 NISV), 

und alle anderen Massnahmen zur Begrenzung der magnetischen Fluss-

dichte, wie die Errichtung an einem anderen Standort, eine andere Leiter-

anordnung, Verkabelung oder Abschirmungen, getroffen werden, die tech-

nisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind (Bst. b). Tech-

nisch und betrieblich möglich sind Massnahmen zur Emissionsbegren-

zung, die bei vergleichbaren Anlagen im In- oder Ausland erfolgreich er-

probt sind (Art. 3 Abs. 4 Bst. a NISV) oder bei Versuchen erfolgreich ein-

gesetzt wurden und nach den Regeln der Technik auf andere Anlagen 

übertragen werden können (Art. 3 Abs. 4 Bst. b NISV). Wirtschaftlich trag-

bar sind Massnahmen zur Emissionsbegrenzung, die für einen mittleren 

und wirtschaftlich gesunden Betrieb der betreffenden Branche zumutbar 

sind (Art. 3 Abs. 5 Satz 1 NISV). Die Massnahmen nach Absatz 2 sind so 

auszuführen, dass im massgebenden Betriebszustand das Ausmass der 

Überschreitung des Anlagegrenzwerts minimiert wird (Ziff. 15 Abs. 3 An-

hang 1 NISV). 

7.3.3 Geänderte alte Anlagen müssen im massgebenden Betriebszustand 

– wie Neuanlagen – an Orten mit empfindlicher Nutzung den Anlagegrenz-

wert einhalten (vgl. Ziff. 17 Abs. 1 Anhang 1 NISV). Der Anlagegrenzwert 

darf jedoch überschritten werden, wenn der Inhaber der Anlage nachweist, 

dass die Phasenbelegung, soweit dies technisch und betrieblich möglich 

ist, optimiert ist (Ziff. 17 Abs. 2 Bst. a Anhang 1 NISV), und alle Massnah-

men nach Ziffer 15 Absatz 2 Buchstabe getroffen werden, soweit sie nicht 

unter den Vorbehalt von Absatz 3 fallen (Bst. b). In diesem Sinne müssen 

folgende Massnahmen nicht getroffen werden: die Verkabelung von Lei-

tungssträngen einer Nennspannung von 220 kV oder mehr (Ziff. 17 Abs. 3 

Bst. a Anhang 1 NISV), die Verkabelung von Leitungssträngen der Fre-

quenz von 16,7 Hz (Bst. b), die Verlegung an einen anderen Standort von 

Leitungen mit Leitungssträngen einer Nennspannung von 220 kV oder 

mehr (Bst. c) oder die Verlegung von Kabelleitungen an einen anderen 

A-1213/2022 

Seite 40 

Standort (Bst. d). Wegen der hohen Erstellungskosten erachtet der Bun-

desrat nach wie vor die Verlegung oder Erdverlegung einer alten Hoch-

spannungsleitung einzig aus Gründen der vorsorglichen Reduktion des 

Magnetfeldes generell als unverhältnismässig. Diese Massnahmen wur-

den deshalb – in Abweichung von der Einschätzung des Bundesgerichts – 

von vornherein von der Prüfung ausgenommen (vgl. Bericht BAFU, 

Ziff. 4.1, S. 5). Die Massnahmen nach Absatz 2 sind so auszuführen, dass 

im massgebenden Betriebszustand das Ausmass der Überschreitung des 

Anlagegrenzwerts minimiert wird (Ziff. 17 Abs. 4 Anhang 1 NISV).  

7.3.4 Die Anwendung von Ziffer 17 Anhang 1 NISV hängt nach der Inten-

tion des Verordnungsgebers vom Vorliegen eines Tatbestands nach Ziffer 

12 Abs. 7 Anhang 1 NISV ab (vgl. Bericht BAFU, Ziff. 6, S. 11). Insofern 

wurde die in E. 5.6 des Urteils A-4864/2019 geäusserte Auffassung des 

Bundesverwaltungsgerichts, wonach bei wesentlichen Änderungen Ziffer 

17 Anhang 1 NISV, bei unwesentlichen jedoch Ziffer 16 Anhang 1 NISV zur 

Anwendung kommt, zu absolut formuliert. In der NISV wird für die Anord-

nung vorsorglicher Emissionsbegrenzungen im Sinne von Ziffer 17 Anhang 

1 NISV nämlich bewusst nicht darauf abgestellt, ob eine wesentliche Än-

derung im Sinne von Art. 18 USG vorliegt, sondern ob die ins Auge ge-

fasste Änderung die Gelegenheit bietet, das Magnetfeld zu optimieren (vgl. 

oben E. 6.9.1 und E. 7.3.1). Ziffer 12 Abs. 7 in Verbindung mit Ziffer 17 

Anhang 1 NISV steht denn auch im Einklang mit der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, die vor der Revision des NISV vom 1. Juli 2016 ergangen 

ist. Einerseits hielt das Bundesgericht fest, dass grundsätzlich die Einhal-

tung der Anlagegrenzwerte jedenfalls bei wesentlichen Änderungen einer 

Altanlage geboten ist (vgl. Urteil BGer 1C_172/2011 vom 15. November 

2011 E. 3.7; Urteil 1A.184/2003 E. 4.6). Andererseits bemerkte es, dass die 

Regelung von Ziffer 16 Abs. 1 Anhang 1 NISV, wonach bei nicht geänder-

ten Altanlagen lediglich eine Phasenoptimierung durchzuführen sei, nicht 

dazu führen dürfe, dass bestehende Hochspannungsleitungen über Jahr-

zehnte weiterbetrieben und sogar modifiziert werden könnten, ohne dass 

je auch nur geprüft würde, ob es weitere, wirtschaftlich zumutbare Mass-

nahmen zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung gebe (vgl. Urteil 

1A.184/2003 E. 4.6). Dies impliziert, dass eine solche Prüfung, insbeson-

dere bei sehr alten Anlagen, irgendwann durchgeführt werden muss, selbst 

wenn keine oder nur eine nicht wesentliche Änderung ansteht. Wie darge-

legt, knüpft der Verordnungsgeber für die Anordnung vorsorglicher Emissi-

onsbegrenzungen deshalb generell an Änderungen einer Anlage an, die 

eine Möglichkeit zur Reduktion des Magnetfeldes bieten (vgl. oben 

E. 6.9.1)