# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 897d2a39-dd0c-5742-bd59-ead5d7072917
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.09.2008 E-1392/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1392-2008_2008-09-19.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1392/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  S e p t e m b e r  2 0 0 8

Richter Bruno Huber (Vorsitz), 
Richter Martin Zoller, 
Richter Jean-Pierre Monnet, 
Gerichtsschreiberin Mareile Lettau.

A. _____, geboren _____,
Irak,
vertreten durch Decimo Vincenzi, 
Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende,
_____,
St. Gallen / Appenzell,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 21. Februar 2008 / N_____.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1392/2008

Sachverhalt:

A.
Der sunnitische Beschwerdeführer, Sohn eines arabischen Vaters und 
einer kurdischen Mutter, verliess  gemäss eigenen Angaben  den Irak 
am 29. Dezember 2007  und gelangte  über die Türkei und ihm unbe-
kannte Länder  am 25. Januar 2008  illegal  in die Schweiz, wo er glei-
chentags  um  Asyl  nachsuchte.  Die  Empfangsstellenbefragung  in 
Kreuzlingen  erfolgte  am  1.  Februar  2008,  die  Bundesanhörung  am 
12. Februar 2008.

Zur  Begründung seines Asylgesuches machte  der  Beschwerdeführer 
im Wesentlichen geltend, er stamme aus B._____ (Provinz Mosul), wo 
er zusammen mit seinen Eltern und einem seiner beiden Brüder auf-
gewachsen sei. Im Jahr (....) sei er nach Dohuk gegangen und dort für 
eine vom  (.....) mit  der  Räumung  (.....) tätig  gewesen sei. Er  sei  als 
(.....) für die (.....) zuständig gewesen und habe seine Arbeit von (.....) 
für eine  (.....) in Dohuk fortgesetzt.  Im Jahr  (.....) sei er wieder in die 
Provinz  Mosul  gegangen  und  habe  in  der  Stadt  Mosul  als  (.....) 
gearbeitet. Mosul habe er aus Angst wieder verlassen und er sei nach 
Erbil gegangen. Ab Anfang (.....), als die (.....) geschlossen worden sei, 
habe er  in Erbil  als  (.....) gearbeitet. Danach sei  er  in  das elterliche 
Haus zurückgekehrt. Ende (.....) hätten ihn bewaffnete Militärpersonen 
zu Hause aufgesucht. Als sie seinen Bruder  nach ihm gefragt hätten, 
sei er unbemerkt aus dem Haus geflohen und habe sich bei Nachbarn 
versteckt. Am nächsten Tag habe ihn sein Bruder aufgesucht und ihm 
mitgeteilt,  dass  ihn  die  Verfolger  töten  wollten,  worauf  er  wenige 
Stunden später die Flucht ergriffen habe. Er gehe davon aus, dass er 
wegen seiner Tätigkeiten für (.....) und (.....) Firmen gesucht werde.

B.  
Mit Verfügung vom 21. Februar 2008 - eröffnet am 26. Februar 2008 - 
stellte  das BFM fest,  der  Beschwerdeführer erfülle  die  Flüchtlingsei-
genschaft  nicht,  und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte 
es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.

C.
Mit Eingabe vom 29. Februar 2008 erhob der Beschwerdeführer durch 
seinen  Rechtsvertreter  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  Be-
schwerde  und  beantragte  die  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. 

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In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er unter Beilage einer Für-
sorgebestätigung des Zentrums für Asylsuchende (.....), vom (.....) auf 
die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  die 
unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren.  Der  Beschwerde  lagen 
als  Beweismittel  zur  Gefährdungssituation  im  Nordirak  folgende 
Dokumente  bei:  ein  Positionspapier  der  Schweizerischen 
Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  25.  Juni  2007,  ein  Internetausdruck  mit 
einer  Auflistung  von  Gewaltmeldungen  aus  dem  Nordirak  von  Juli 
2007,  Ausdrucke  von  Berichten  von  „tagesschau.de“  vom  19.  und 
26.  Juli  2007  und  vom  27.  August  2007,  ein  Internetartikel  von 
„kurier.at“  vom  26.  Juli  2007,  ein  „kurdishaspect.com“-Bericht  vom 
21. April 2007, ein Ausdruck von „tagesspiegel.de“ vom 26. Juli 2007, 
ein  Internetartikel  von  „focus.de“  vom  26.  Juli  2007,  ein  Deutsche-
Welle-Internetbericht vom 24. Oktober 2007, eine Pressemitteilung der 
„Gesellschaft für Bedrohte Völker“ vom 15. August 2007, ein Internet-
artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17. Oktober 2007 und ein „Spie-
gel Online“-Artikel vom 17. Dezember 2007.

D.
Mit Verfügung vom 7. März 2008 verzichtete der Instruktionsrichter des 
Bundesverwaltungsgerichts  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschus-
ses und verschob den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) auf einen späteren Zeitpunkt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

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1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 50 sowie 52 ff. VwVG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

2.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

3.
Wie bereits in der Verfügung des Gerichts vom 7. März 2008 festge-
stellt, ist die Verfügung des BFM vom 21. Februar 2008, soweit sie die 
Fragen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und die Wegweisung als 
solche betrifft,  in Rechtskraft  erwachsen. Gegenstand des vorliegen-
den  Beschwerdeverfahrens  bildet  somit  lediglich  die  Frage,  ob  das 
BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht angeordnet hat oder an-
stelle des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen ist  (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 des Bundesgesetzes 
vom  16. Dezember 2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
[AuG, SR 142.20]).

4.

4.1 In der angefochtenen Verfügung des BFM vom 21. Februar 2008 
führt  das  Amt  aus,  da  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle, könne der Grundsatz der Nichtrückschiebung ge-
mäss Art. 5 AsylG nicht  angewandt werden. Ferner würden sich aus 
den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass dem Beschwerde-
führer  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art. 3  der  Konvention  vom 4. Novem-
ber 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Aufgrund 
der  Sicherheits-  und  Menschenrechtslage  herrsche  in  den  von  der 
kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  Provinzen  Dohuk,  Erbil 
und  Sulaymaniya  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  und  der  Weg-

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weisungsvollzug sei daher grundsätzlich zumutbar. Der Beschwerde-
führer stamme zwar ursprünglich nicht aus einer dieser drei Provinzen. 
Vorliegend  sei  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  aber  zumutbar,  weil 
der Beschwerdeführer gemischt-ethnischer Herkunft von (.....) in Erbil 
gelebt und gearbeitet habe. Daraus sei zu schliessen, dass er seinen 
Lebensmittelpunkt  im  Nordirak  gehabt  habe  und  über  ein  soziales 
Beziehungsnetz  verfüge.  Ausserdem  sei  der  Wegweisungsvollzug 
technisch möglich und praktisch durchführbar.

4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Eingabe geltend, der Ent-
scheid des BFM werde der prekären Situation im Irak nicht gerecht. 
Dies lasse sich dem beigelegten Positionspapier der SFH entnehmen. 
Gerade Vorfälle der jüngsten Zeit belegten das Vorliegen einer erheb-
lichen  Gefahr  im  Irak  und  auch  im  Nordirak.  Verstärkt  würden  die 
Spannungen durch die Offensive der türkischen Armee gegen kurdi-
sche  Rebellen  im  Nordirak.  Angesichts  der  keineswegs  gebannten 
Kriegsgefahr  sei  eine  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  seine 
Heimatprovinz  Dohuk  bis  auf  weiteres  unzumutbar.  Zur  Vermeidung 
zusätzlicher Spannungen sei vom Wegweisungsvollzug von Kurden in 
den Nordirak  abzusehen. Zudem sei  der  Wegweisungsvollzug ange-
sichts  der  Weigerung  der  nordirakischen Behörden,  einer  unfreiwilli-
gen Rückkehr zuzustimmen, kaum möglich. 

5.
5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

5.1.1 So darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein 
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem 
sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu wer-
den (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens 
vom  28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Fol-

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ter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 
unterworfen werden.

5.1.2 Der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  schützt  nur  Personen, 
die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen (vgl.  MARIO GATTIKER,  Das Asyl- 
und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Das BFM hat 
in der Verfügung vom 21. Februar 2008 rechtskräftig festgestellt, dass 
der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Deshalb 
kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  fin-
den. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den kurdisch verwalte-
ten Nordirak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmä-
ssig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  kurdischen  Nordirak dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Eu-
ropäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass 
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand-
lung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hin-
weisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Febru-
ar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Anzufügen 
bleibt,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  einer  umfassenden 
Beurteilung der  allgemeinen Sicherheits- und Menschenrechtslage im 
Nordirak im Urteil E-6982/2006 vom 22. Januar 2008 zum Schluss ge-
kommen ist, diese lasse den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.2 - 6.6 
S. 42 ff.). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl-  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-
lässig.

5.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  -  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG  -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 

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zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist aufgrund einer umfassenden 
Beurteilung  der  aktuellen  Situation  in  den  nordirakischen  Provinzen 
Dohuk, Erbil und Sulaymaniya - entgegen der in der Beschwerde ver-
tretenen Auffassung - zum Schluss gekommen, dass in den drei kurdi-
schen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die 
dortige  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine 
Rückführung dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müss-
te (vgl. BVGE 2008/5). Zudem ist die Region mit Direktflügen aus Eu-
ropa und aus den Nachbarländern erreichbar. Damit entfällt  das Ele-
ment der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf 
dem Landweg durch den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak in das 
durch die kurdische Regionalregierung ("Kurdistan Regional  Govern-
ment" [KRG]) dominierte Gebiet.  

Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid des Gerichts fest-
gehalten, dass die Anordnung des Wegweisungsvollzugs in der Regel 
für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ur-
sprünglich  aus  einer  der  drei  Provinzen  stammen oder  längere  Zeit 
dort  gelebt haben und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder 
Parteibeziehungen verfügen,  zumutbar  ist. Dagegen  ist  für  alleinste-
hende Frauen und für Familien mit Kindern sowie für Kranke und Be-
tagte bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
grosse Zurückhaltung angebracht (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5 und insbe-
sondere 7.5.8 S. 65 ff.). Fraglich erscheint auch ein Wegweisungsvoll-
zug in die KRG-Region von Kurden, die aus kurdisch dominierten Ge-
bieten  ausserhalb  der  drei  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya 
(namentlich aus Kirkuk und Mosul)  stammen. Die kurdischen Behör-
den könnten ihnen aus der demografischen Überlegung heraus, in den 
von ihnen dominierten Gebieten eine kurdische Bevölkerungsmehrheit 
aufrecht erhalten zu wollen, das Bleiberecht in den drei Provinzen ver-
weigern. Die Zumutbarkeit des Vollzugs bleibt im Einzelfall zu prüfen. 

5.2.2 Der  Beschwerdeführer  ist  zwar  in  der  Provinz  Mosul  geboren 
und  aufgewachsen,  wo  seine  Eltern  und  einer  seiner  Brüder  leben. 
Allerdings  hat  er  (.....)  in  der  Provinz  Dohuk  und  von  (.....)  in  der 
Provinz Erbil gewohnt und gearbeitet, mithin also insgesamt etwa (.....) 
Jahre in der KRG-Region gelebt. Daher kann, wie das BFM zu Recht 
hervorhebt, davon ausgegangen werden, dass er sich während dieses 

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langen Zeitraums einen Bekanntenkreis in den Provinzen Dohuk und 
Erbil,  seinem  Lebensmittelpunkt,  aufgebaut  hat,  dies  nicht  zuletzt 
durch  seine  (.....).  So  verfügt  er  auch  noch  über  guten  Kontakt  zu 
seinem ehemaligen langjährigen Vorgesetzten (vgl. act. A9 S. 2). Auch 
war er nach eigenen Angaben bis kurz vor der Ausreise (und dem für 
unglaubhaft  befundenen  Verfolgungsvorfall  ausserhalb  der  KRG-
Region)  als  (.....)  auf  Abruf  bei  vollem  Lohnausgleich  in  Erbil 
beschäftigt (vgl. act. A9 S. 3). Nach seinen Aussagen musste er auch 
den Berufsausweis seines letzten Arbeitgebers nicht abgeben, da man 
ihn bei einem Auftrag wieder kontaktieren wolle (vgl. act. A9 S. 3). Es 
dürfte dem Beschwerdeführer also nicht schwerfallen, wieder Fuss zu 
fassen,  auch  angesichts  seiner  langjährigen  und  breitgefächerten 
Arbeitserfahrung  als  Betreuer  von  (.....).  Aus  den  Akten  und  den 
Angaben des Beschwerdeführers ergeben sich auch keine hinreichend 
konkreten  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  der 
alleinstehende,  bald  (.....)  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der 
Rückkehr  in  die  nordirakischen  Provinzen  Dohuk  oder  Erbil  aus 
individuellen Gründen wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher 
Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation.  Gemäss  eigenen 
Angaben hat er neben seinen Tätigkeiten im (.....) eine Ausbildung an 
einer  (.....)  aufzuweisen  (vgl.  act.  A1  S.  3).  Es  ist  dem 
Beschwerdeführer  vor  seiner  Ausreise  somit  offenbar  möglich 
gewesen, ein für  den Lebensunterhalt  ausreichendes Einkommen zu 
erwirtschaften. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass der 
Beschwerdeführer auch nach seiner Rückkehr in der Lage sein wird, 
sich  in  seiner  Heimat  eine  wirtschaftliche  Existenzgrundlage 
aufzubauen, zumal anzunehmen ist, dass ihm dabei ein Beziehungs-
netz  aus  Bekannten  und  Arbeitskollegen  bei  der  erneuten 
Wohnsitznahme zur Seite steht. Die Rückkehrhilfe der Schweiz kann 
ihm die Wiederansiedlung in seiner Heimat ebenfalls erleichtern. Unter 
diesen Umständen ist der Vollzug der Wegweisung - übereinstimmend 
mit dem BFM - als zumutbar zu bezeichnen.

5.3 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für die Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-

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desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Be-
schwerde ist demnach abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).

Da  die  Beschwerde  nicht  von vornherein  aussichtslos  war  und  sich 
aus  den Akten Rückschlüsse auf  die  Bedürftigkeit  des  Beschwerde-
führers  ergeben,  ist  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege 
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen und der Beschwerdeführer davon 
zu befreien, die Verfahrenskosten von Fr. 600.– zu tragen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen, wes-
halb der Beschwerdeführer  von der  Bezahlung der Verfahrenskosten 
befreit wird.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N_____ (per Kurier; in Kopie)
- das Ausländeramt des Kantons St. Gallen (.....) 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Mareile Lettau

Versand: 

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