# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13215e5b-6e82-5225-8984-3feb7c7e2b67
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-03
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 03.05.2007 BG.2007.6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2007-6_2007-05-03.pdf

## Full Text

Entscheid vom 3. Mai 2007  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub,  
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
KANTON BERN, Generalprokuratur des Kantons 
Bern, 

 
Gesuchsteller 

 
 gegen 
   

1. KANTON AARGAU, Staatsanwaltschaft des 
Kantons Aargau, 

 
2. KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft des 

Kantons Zürich, 
 

Gesuchsgegner 
  

Gegenstand  Bestimmung des Gerichtsstandes i. S. 
A. (Art. 279 Abs. 1 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2007.6 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Gegen A. läuft im Kanton Bern ein Strafverfahren wegen mutmasslicher 
Veruntreuung, begangen in ihrer Funktion als Beiständin ihrer betagten 
Tante B., welche in Bern wohnhaft und durch die bernischen Behörden ver-
beiständet worden ist. Aus ihrer Sicht folgerichtig hat die Erwachsenen- 
und Kinderschutzkommission der Stadt Bern am 10. November 2006 beim 
Untersuchungsrichteramt III Bern-Mittelland Strafanzeige erstattet, worauf 
die notwendigen Ermittlungen veranlasst wurden. Es stellte sich hierbei 
heraus, dass die Beschuldigte die fraglichen, als Veruntreuungen inkrimi-
nierten Bargeldbezüge vom Konto ihres „Mündels“ ausnahmslos ausser-
halb des Kantons Bern getätigt hatte. Gemäss einer den Akten beiliegen-
den tabellarischen Übersicht tätigte A. in der Zeit vom 5. Mai 2004 bis zum 
6. September 2006 insgesamt 129 Bankomatbezüge vom Konto ihrer Tan-
te (act. 3.2). Hiervon erfolgten 69 Bezüge im Kanton Zürich, 47 im Kanton 
Aargau und 13 im Kanton Schaffhausen. Der erste der fraglichen Bargeld-
bezüge ereignete sich am 5. Mai 2004 in Z. (Kanton Aargau). 
 
 

B. Gestützt auf diese Erkenntnisse leitete die Generalprokuratur des Kantons 
Bern am 22. Dezember 2006 Gerichtsstandsverhandlungen mit dem Kan-
ton Zürich ein. Nachdem die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich 
ihre Zuständigkeit verneint hatten, bezog die Generalprokuratur des Kan-
tons Bern auch die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau in die Ge-
richtsstandsverhandlungen mit ein. Diese verneinte, auch nach zwischen-
zeitlich erfolgtem direkten Meinungsaustausch mit der Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Zürich, ihre Zuständigkeit (vgl. hierzu die von der Gene-
ralprokuratur des Kantons Bern eingereichte Gerichtsstandskorrespon-
denz). 

 
 
C. Mit Eingabe vom 11. April 2007 gelangte die Generalprokuratur des Kan-

tons Bern an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und bean-
tragte, dass die Behörden des Kantons Aargau, eventuell des Kantons Zü-
rich, für berechtigt und verpflichtet zu erklären seien, A. zu verfolgen und zu 
beurteilen (act. 1). 

 
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragte in ihrer Ge-
suchsantwort vom 17. April 2007, was folgt (act. 3): 
 
„Es seien die Behörden des Kantons Aargau für berechtigt und verpflichtet zu erklären, A. 

zu verfolgen und zu beurteilen.“ 

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Eventualiter: 

„Es sei der Eventualantrag des Kantons Bern, die Behörden des Kantons Zürich für berech-

tigt und verpflichtet zu erklären, A. zu verfolgen und zu beurteilen, abzuweisen.“ 

 
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau beantragte in ihrer Gesuchs-
antwort vom 24. April 2007, es sei das Begehren des Kantons Bern teilwei-
se gutzuheissen und es seien die Behörden des Kantons Zürich berechtigt 
und verpflichtet zu erklären, A. zu verfolgen und zu beurteilen (act. 4). 
 
Die eingereichten Gesuchsantworten wurden den Parteien mit Schreiben 
vom 27. April 2007 wechselseitig zur Kenntnis gebracht (act. 5 bis 7). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 

  
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Die Zuständigkeit der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum 

Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten ergibt sich aus Art. 345 StGB 
i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP, Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG und Art. 9 Abs. 2 des 
Reglements für das Bundesstrafgericht vom 20. Juni 2006 (SR 173.710). 
Voraussetzung für die Anrufung der I. Beschwerdekammer ist allerdings, 
dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass 
die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt ha-
ben (SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in 
Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 599). Eine Frist für die Anrufung der 
Beschwerdekammer besteht für die Kantone nicht (SCHWERI/BÄNZIGER, 
a.a.O., N. 623). 

 
1.2 Die eingangs erwähnten Behörden sind nach ihren kantonalen Zuständig-

keitsordnungen berechtigt, bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten ih-
re Kantone vor der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zu ver-
treten (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., Anhang II). Der Gesuchsteller hat vor 
Einreichung des Gesuchs einen umfassenden Meinungsaustausch mit bei-
den Gesuchsgegnern durchgeführt. Die beiden Letzteren haben sich hier-
bei auch direkt untereinander ausgetauscht, wobei jedoch keine Einigung 
erzielt werden konnte. Auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben 
vorliegend zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass, so dass auf das Ge-
such einzutreten ist. 

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2.  
2.1 Gemäss Art. 340 Abs. 1 StGB sind die Behörden des Ortes für die Verfol-

gung und Beurteilung einer strafbaren Handlung zuständig, wo die strafba-
re Handlung ausgeführt wurde. Wird jemand wegen mehrerer, an verschie-
denen Orten begangener strafbarer Handlungen verfolgt, so sind die Be-
hörden des Ortes, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen 
worden ist, auch für die Verfolgung und Beurteilung der anderen Taten zu-
ständig. Sind diese strafbaren Handlungen mit der gleichen Strafe bedroht, 
so sind die Behörden des Ortes zuständig, wo die Untersuchung zuerst an-
gehoben wird (Art. 344 Abs. 1 StGB). 

 
Art. 344 Abs. 1 StGB kommt bloss zur Anwendung, wenn ein Beschuldigter 
in verschiedenen Kantonen gleichzeitig verfolgt wird (SCHWERI/BÄNZIGER, 
a.a.O., N. 269; TPF BK_G 173/04 vom 30. November 2004 E. 2.3). Hat 
demgegenüber ein Täter in verschiedenen Kantonen mit der schwersten 
Strafe bedrohte Taten begangen und wurde derentwegen in keinem der 
gemäss Art. 344 Abs. 1 StGB in Frage kommenden Kantone eine Strafun-
tersuchung angehoben, so sind die Behörden jenes Kantons zuständig, in 
welchem ein offensichtliches Schwergewicht der deliktischen Tätigkeit liegt. 
Fehlt es an einem solchen Schwergewicht, so ist in Analogie zu Art. 344 
Abs. 1 StGB jener Kanton zuständig, in dem der Beschuldigte das erste 
Delikt verübt hat (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 306; BGE 128 IV 216, 218 
E. 2 und 3) bzw. wo er seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufent-
halt hat (vgl. Feststellungen und Empfehlungen der Konferenz der Strafver-
folgungsbehörden der Schweiz (KSBS) vom 21. Oktober 1999, in SCHWE-
RI/BÄNZIGER, a.a.O., Anhang IV). Gleich zu verfahren ist, wenn gegen den 
Beschuldigten zwar bereits ein Strafverfahren eröffnet wurde, sich jedoch 
nachträglich herausstellt, dass der betreffende Kanton nicht zuständig ist 
(vgl. zum Ganzen TPF BG.2006.28 vom 26. September 2006 E. 2.1). 

 
2.2 Angehoben wurde die Strafuntersuchung in Sachen A. durch die Strafver-

folgungsbehörden des Gesuchstellers, wobei sich jedoch nachträglich her-
ausgestellt hat, dass diese mangels Vorliegens eines in ihrem Zuständig-
keitsgebiet liegenden Begehungsortes nicht zur Verfolgung und Beurteilung 
von A. zuständig sind. Entgegen der durch den Gesuchsgegner 1 in sei-
nem Schreiben an den Gesuchsteller vom 15. März 2007 (Ziff. 7 gemäss 
Verzeichnis der Gerichtsstandsakten in Sachen A.) geäusserten Ansicht 
kann nicht gesagt werden, dass das vorliegende Strafverfahren auf Grund 
der ersten Aktenübermittlung durch den Gesuchsteller an die Adresse des 
Gesuchsgegners 2 auf dem Gebiet des Letzteren angehoben worden sei 
(SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 152; BGE 121 IV 38, 40 E. 2.c sowie 
TPF BG.2006.5 vom 25. April 2006 E. 3.1 in fine). 

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2.3 Da bisher in keinem der vorliegend für die Strafverfolgung ernsthaft in Fra-
ge kommenden Kantone die Strafuntersuchung angehoben wurde, ist zu 
prüfen, ob in einem der beiden Kantone ein offensichtliches Schwergewicht 
der deliktischen Tätigkeit liegt. In Berücksichtigung der Rechtsprechung 
zum ausnahmsweisen Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand in An-
wendung von Art. 262 und 263 BStP genügt es hierbei nicht, dass auf ei-
nen Kanton einige wenige Delikte mehr als auf einen anderen entfallen, 
sondern das Übergewicht muss offensichtlich und bedeutsam sein. Wenn 
mehr als zwei Drittel einer grösseren Anzahl von vergleichbaren Straftaten 
auf einen einzigen Kanton entfallen, kann in der Regel davon ausgegangen 
werden, dass in diesem Kanton ein Schwergewicht besteht. Bei nur einem 
Drittel einer grösseren Anzahl von Straftaten, die in einem Kanton began-
gen wurden, dürfte in diesem Kanton demgegenüber regelmässig noch 
kein hinreichendes Schwergewicht vorliegen (vgl. hierzu TPF BG.2007.3 
vom 15. Februar 2007 E. 3.1 m.w.H.). Von den vorliegend insgesamt 
129 inkriminierten Sachverhalten haben sich mit 69 bloss etwas mehr als 
die Hälfte auf dem Gebiet des Gesuchsgegners 2 ereignet, 47 davon auf 
dem Gebiet des Gesuchsgegners 1. Im Lichte der angeführten Rechtspre-
chung kann somit nicht von einem offensichtlichen Schwergewicht der de-
liktischen Tätigkeit von A. auf dem Gebiet des Gesuchsgegners 2 gespro-
chen werden. 

 
2.4 Da es an einem Schwergewicht fehlt, ist vorliegend in Analogie zu Art. 344 

Abs. 1 StGB derjenige Kanton zuständig, in welchem die Beschuldigte die 
erste Straftat verübt hat. Der erste zur Diskussion stehende Bezug von 
Bargeld erfolgte unbestrittenermassen in Z. und somit auf dem Gebiet des 
Gesuchsgegners 1, weswegen dessen Strafverfolgungsbehörden berech-
tigt und verpflichtet sind, die A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen 
und zu beurteilen. 

 
Andere Gründe, welche ein Abweichen von diesem Gerichtsstand rechtfer-
tigen, sind nicht ersichtlich. Namentlich der Wohnort der Beschuldigten in 
Y. (Kanton Zürich) kann im vorliegenden Fall kein Kriterium für die Zustän-
digkeit sein, liegt dieser doch ähnlich weit entfernt vom Sitz der zuständi-
gen Behörden des Gesuchsgegners 2 wie von demjenigen der Behörden 
des Gesuchsgegners 1. 

 
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. 

Art. 66 Abs. 4 BGG). 
 
 

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Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Aargau sind berechtigt und ver-

pflichtet, die A. zur Last gelegten strafbaren Handlungen zu verfolgen und zu 
beurteilen. 

 
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 
 

Bellinzona, 4. Mai 2007 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Generalprokuratur des Kantons Bern 
- Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (mitsamt Akten) 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.