# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b26d51cf-cb29-569d-a99c-db4ad5aea698
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-28
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 28.07.2023 OG.2022.00037 (OGS.2023.153)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2022-00037_2023-07-28.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin MLaw Sarina Dreyer,
  Oberrichterin Monika Trümpi, Oberrichter MLaw Mario Marti, Oberrichterin Ruth
  Hefti und Oberrichter Martin Ilg sowie Gerichtsschreiber
  Dr. iur. Alfonso Hophan. 

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 28. Juli 2023

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2022.00037

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Berufungskläger

  
	
   und Beschuldigter

  
	
   

  
	
  verteidigt durch lic. iur. Mathias
  Zopfi, Rechtsanwalt, 

  
	
  Bahnhofstrasse 18,
  Postfach 1417, 8750 Glarus 

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
  1. Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus 

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
  und Anklägerin

  
	
   

  
	
   

  
	
  vertreten durch den Staatsanwalt,

  
	
   

  
	
  2. B.______

  
	
   

  
	
  3. C.______

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
  und
  Privatkläger 

  
	
   

  
	
  beide vertreten
  durch lic. iur. Werner
  Marti, Rechtsanwalt,

  
	
  Gerichtshausstrasse 34,
  Postfach 1622, 8750 Glarus 

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Versuchte
  einfache Körperverletzung etc.

  
	
   

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren des
  Berufungsklägers und Beschuldigten (gemäss Eingabe vom 4. Juni 2022
  [act. 21, S. 2] und Plädoyer vom 2. Juni 2023 [act. 56,
  S. 1]):

  
	
  	
    1.

    	
    In Abänderung von
    Dispositivziffer 2 sei A.______ vom Vorwurf der versuchten einfachen
    Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m.
    Art. 22 StGB und vom Vorwurf der Beschimpfung im Sinne von
    Art. 177 Abs. 1 StGB freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Dispositiv-Ziffer 4 sei
    aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    In Abänderung der
    Dispositivziffer 7 seien die Verfahrenskosten dem Kanton Glarus
    aufzuerlegen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    In Abänderung der
    Dispositivziffer 8 sei A.______ zulasten des Kantons Glarus eine
    Parteientschädigung von CHF 4'000.– und zulasten der
    Privatklägerschaft eine Parteientschädigung von CHF 1'000.–
    zuzusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen (zzgl. Mehrwertsteuer) zu Lasten des Kantons Glarus.

     

    

  

  
	
  Antrag der Staatsanwaltschaft (gemäss Eingabe vom
  9. Januar 2023 [act. 32]):

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung vom 4. Juni 2022 abzuweisen und es sei das Urteil der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 11. Mai 2022 im
    Verfahren SG.2021.00054 in allen Punkten zu bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Unter
    Kostenfolge zulasten des Beschuldigten.

     

    

  

  
	
  Antrag der Berufungsbeklagten und Privatkläger
  (Plädoyer vom 2. Juni 2023 [act. 58, S. 2]):

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es
    sei das Urteil des Kantonsgerichtes vom 11. Mai 2022 zu bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten.

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1.  

  
	
  Das vorliegende
  Verfahren vor Obergericht beruht auf den folgenden zwei strittigen und in der
  Folge noch zu klärenden (vgl. hinten Ziff. IV) Vorfällen:

  
	
   

  
	
  1.1. Gemäss
  Anklagesachverhalt habe A.______ am 2. April 2017 um
  ca. 16.20 Uhr in [...] auf der Parzellen-Nr. [...] eine
  rot-weiss bemalte, hölzerne Absperrlatte mit einer Länge von rund drei Metern
  auf den rund vier Meter höher liegenden Handlauf des Terrassengeländers von
  B.______ auf der Parzellen-Nr. [...] geschlagen. Hierbei habe er
  gewusst, dass B.______ unmittelbar hinter dem Terrassengeländer stand. Wäre
  B.______ nicht rechtzeitig vom Terrassengeländer zurückgetreten, so hätte
  A.______ mit grosser Wahrscheinlichkeit den Kopf und dabei insbesondere das
  Gesicht von B.______ getroffen und diesen verletzt. Sodann habe A.______
  unmittelbar darauf ein weiteres Mal mit der gleichen Absperrlatte auf den
  Handlauf des Terrassengeländers geschlagen. Durch diese beiden Aufpralle der
  Absperrlatte entstand beim Handlauf des Terrassengeländers ein sichtbarer
  Lackschaden (act. 3, S. 1–2).

  
	
   

  
	
  1.2. Gemäss
  Anklagesachverhalt habe A.______ sich am 15. April 2020, zwischen ca.
  08.30 Uhr und 09.00 Uhr in [...], auf der Parzellen-Nrn. [...]
  und [...] sowie auf der dazwischenliegenden [...] aufgehalten und habe
  B.______ als "Arschloch", "Füdläloch" und
  "Schwuchtel" bezeichnet. Dabei habe A.______ gewusst, dass B.______
  ihm zugehört habe (act. 3, S. 2).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Am 10. Juni
  2021 stellte die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus
  (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) A.______ einen Strafbefehl wegen versuchter
  einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
  i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, mehrfacher Sachbeschädigung im Sinne von
  Art. 144 Abs. 1 StGB, Beschimpfung im Sinne von Art. 177
  Abs. 1 StGB sowie Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1
  StGB zu (act. 3). Nachdem A.______ am 18. Juni 2021 Einsprache
  gegen den Strafbefehl erhob (act. 2/14.1.04), überwies die
  Staatsanwaltschaft diesen mit Datum vom 13. Juli 2021 ans Gericht
  (act. 1).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Vorinstanz führte am 12. Januar 2022 einen Augenschein
  (act. 10–11) und anschliessend die Hauptverhandlung durch (vgl.
  act. 12 ff.). Mit Urteil vom 11. Mai 2022 sprach die
  Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus A.______ schuldig der
  versuchten einfachen Körperverletzung sowie der Beschimpfung (act. 17,
  S. 26, Dispositivziffer 2). Hierzu wurde A.______ zu einer
  Geldstrafe von 32 Tagessätzen zu je CHF 80.–, bedingt aufgeschoben
  bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 600.–
  verurteilt (act. 17, S. 26, Dispositivziffer 4). Gleichzeitig
  wurde A.______ freigesprochen vom Vorwurf der mehrfachen Sachbeschädigung
  (act. 17, S. 26, Dispositivziffer 3) und stellte die
  Strafgerichtskommission das Verfahren hinsichtlich des Vorwurfs der
  Tätlichkeit infolge eingetretener Verjährung ein (act. 17, S. 25,
  Dispositivziffer 1).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  4.1. Gegen
  dieses Urteil des Kantonsgerichts erhob A.______ (nachfolgend:
  Berufungskläger) mit Eingabe vom 4. Juni 2022 (act. 21) beim
  Obergericht rechtzeitig Berufung mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen.
  Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch B.______ (nachfolgend: Privatkläger)
  und C.______ (nachfolgend: Privatklägerin) verzichteten auf die Stellung
  eines begründeten Nichteintretensantrags sowie auch auf die Erklärung einer
  Anschlussberufung (act. 26–27).

  
	
   

  
	
  4.2. Mangels
  Anfechtung (bei der Beschwerdeinstanz) sind die Dispositivziffern 1 und
  3 in Rechtskraft erwachsen. Der Privatklägerin kommt im Berufungsverfahren
  dennoch Parteistellung zu, da der Berufungskläger für das vorinstanzliche
  Verfahren eine Parteientschädigung von der Privatklägerschaft und damit auch
  von ihr fordert.

  
	
   

  
	
  4.3. Mit Schreiben vom 3. November 2022 eröffnete
  das Obergericht den Parteien, dass entsprechend dem Antrag des
  Berufungsklägers die Tonaufnahmen (act. 2/8.3.03) einstweilen aus den
  Verfahrensakten genommen werden, wobei das Obergericht nach Anhörung der
  Parteivorträge über die Zulässigkeit der Tonaufnahmen entscheiden würde
  (act. 28). Die mit Vorladung vom 5. Januar 2023 (act. 30) auf
  den 31. März 2023 angesetzte Berufungsverhandlung, zu der auch die Nachbarn
  der Parteien D.______ (nachfolgend: Zeuge 1) und E.______ (nachfolgend:
  Zeugin 2) zur Zeugeneinvernahme vorgeladen wurden (act. 34), wurde
  auf Antrag des Verteidigers verschoben (act. 38–40). Am 2. Juni
  2023 fand vor Obergericht die mündliche Berufungsverhandlung statt
  (act. 49 ff.). Die Staatsanwaltschaft wurde von der Teilnahme an der
  Berufungsverhandlung dispensiert und stellte ihre Anträge schriftlich mit
  Schreiben vom 9. Januar 2023 (act. 32).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  Am 28. Juli 2023 fällte das Obergericht seinen Entscheid
  (act. 62). Dieser wird schriftlich eröffnet, nachdem die Parteien auf
  eine mündliche Urteilsbekanntgabe ausdrücklich verzichtet haben (act. 84
  Abs. 3 StPO; act. 50, S. 21–22).

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Formelles

  
	
  1.  

  
	
  Das Urteil der
  Strafgerichtskommission des Kantonsgericht vom 11. Mai 2022 stellt ein
  taugliches Anfechtungsobjekt dar (Art. 398 Abs. 1 StPO). Der
  Berufungskläger ist zur Berufung legitimiert (Art. 382 Abs. 1
  StPO), hat die Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt zulässige Rügen (Art. 398
  Abs. 3 StPO; vgl. act. 17, S. 27 [Versand am 17. Mai
  2022], act. 20 [Zustellung am 18. Mai 2022] und act. 21
  [Berufung vom 4. Juni 2022]). Das Obergericht ist Rechtsmittelinstanz in
  Strafsachen für die Behandlung von Berufungen (Art. 17 Abs. 1
  lit. a des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 5. September 2022
  [GOG; GS III A/2]). Auf die Berufung ist einzutreten (Art. 398 ff.
  StPO).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Nach Art. 398
  Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzungen, einschliesslich
  Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerungen und
  Rechtsverzögerungen (lit. a), die unvollständige oder unrichtige
  Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit
  (lit. c) gerügt werden.

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Berufung hat im
  Umfang der Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils aufschiebende Wirkung (Art. 402
  StPO). Vorliegend wendet sich der Berufungskläger gegen die erstinstanzlich
  erfolgte Verurteilung (vgl. die eingangs wiedergegebenen Anträge). Somit hat
  das Obergericht das vorinstanzliche Urteil im Schuld- und Strafpunkt zu
  überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO), wobei es am Ende ein neues
  Urteil fällt (Art. 408 StPO).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Akten des
  vorinstanzlichen Verfahrens SG.2021.00054 (act. 1–20) wurden beigezogen.
  Die Strafuntersuchungsakten des Verfahrens SA.2017.00271 bilden
  integrierenden Bestandteil der vorinstanzlichen Akten (act. 2).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  Der (zunächst vom Berufungskläger gestellte [act. 21, S. 2],
  jedoch zurückgezogene [act. 50, S. 3], dann aber vom Privatkläger
  gestellte [act. 50, S. 3]) Antrag um Wiederholung eines
  Augenscheins wird abgewiesen (zum beschränkten Erkenntnisgewinn eines solchen
  vgl. hinten Ziff. IV.2.3.2).

  
	
   

  
	
   

  
	
  III. Vorfrage: Verwertbarkeit der Aufnahmen

  
	
  1.  

  
	
  An seiner
  Einvernahme vom 6. Juli 2020 übergab der Privatkläger der Kantonspolizei
  eine CD (act. 8.3.03) mit Aufnahmen, welche den Vorfall vom
  15. April 2020 betreffend Beschimpfung dokumentieren sollen
  (act. 2/8.3.02, F. 21; act. 2/8.3.01, S. 3). Der vom
  Verteidiger anlässlich der Hauptverhandlung vom 12. Januar 2022
  gestellte Antrag, dass diese Aufnahmen aus dem Recht zu weisen seien, wurde
  abgewiesen (act. 12, S. 2–3), was im vorinstanzlichen Urteil noch
  einmal bestätigt wurde (act. 17, E. 4.1., S. 14–16). Mit
  Eingabe vom 4. Juni 2022 beantragte der Verteidiger vor Obergericht, es
  seien sämtliche Tonaufnahmen, welche gegen den Willen bzw. ohne
  Einverständnis des Berufungsklägers von der Privatklägerschaft erstellt
  worden seien, aus den Akten zu entfernen (act. 21, S. 2). Mit
  verfahrensleitender Anordnung vom 3. November 2022 entschied das Obergericht,
  dass aufgrund ihrer fraglichen Zulässigkeit die Tonaufnahmen einstweilen aus
  den Verfahrensakten zu nehmen sind und nach Anhörung der Parteivorträge an
  der Berufungsverhandlung über ihre Zulässigkeit entschieden werde
  (act. 28). Sowohl der Berufungskläger (act. 56, Rz. 29–33;
  act. 50, S. 19) wie auch der Privatkläger (act. 58,
  S. 7–8) haben Stellung genommen, weshalb nun über die Verwertbarkeit der
  Aufnahmen zu entscheiden ist.

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Beweise, die Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung
  von Gültigkeitsvorschriften erhoben haben, dürfen nicht verwendet werden, es
  sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich
  (Art. 141 Abs. 2 StPO). Wieweit diese Beweisverbote auch greifen,
  wenn nicht Strafbehörden, sondern Privatpersonen Beweismittel sammeln, wird
  in der Strafprozessordnung nicht explizit geregelt. Die bundesgerichtliche
  Rechtsprechung geht in Anlehnung an die Doktrin davon aus, dass von Privaten
  rechtswidrig erlangte Beweismittel nur verwertbar sind, wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden
  rechtmässig hätten erlangt werden können und kumulativ dazu eine
  Interessenabwägung für deren Verwertung spricht (BGE 146 IV 226
  E. 2.1. S. 228: Urteil BGer 1B_22/2012 vom 11. Mai 2012
  E. 2.4.4; Urteil BGer 6B_786/2015 vom 8. Februar 2016
  E. 1.2 je m.w.H.; vgl. auch BSK StPO-Gless,
  N 40a zu Art. 141 StPO).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Zunächst ist zu
  prüfen, ob die Beweismittel im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung rechtswidrig
  erlangt wurden.

  
	
   

  
	
  3.1. Die
  Vorinstanz prüfte eine mögliche Rechtswidrigkeit anhand der Tatbestände des
  Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche (Art. 179bis StGB)
  sowie des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen (Art. 179ter
  StGB), welche als nicht einschlägig betrachtet wurden, da das
  Tatbestandsmerkmal des "nichtöffentlichen Gesprächs" zu verneinen
  sei. Auch der Tatbestand der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch
  Aufnahmegeräte (Art. 179quater StGB) sei aufgrund des
  "alltagsverrichtenden Charakter[s] der Gartenarbeit" auf der
  Aufnahme nicht anwendbar (act. 17, E. 4.1.2., S. 14). In einem
  ähnlich gelagerten Fall vor Bundesgericht, in welchem die strittigen
  Aufnahmen "im Garten der Beschwerdegegner stattfanden und in welchem die
  aufgenommenen Gespräche "wohl vom Beschwerdeführer, aber nicht von
  beliebigen Drittpersonen auf den in der Nähe vorbeiführenden Quartierstrassen
  mitgehört werden" konnte, bejahte das Bundesgericht das Vorliegen eines
  nichtöffentlichen Gesprächs (vgl. Urteil BGer 6P_79/2006 vom
  6. Oktober 2006 E. 6: " Der Umstand, dass ein Unbeteiligter
  eine solche Unterhaltung mithören kann, ändert nichts an ihrem nicht
  öffentlichen Charakter"). Vorliegend aber erfolgten die Beschimpfungen –
  obwohl vom Garten des Berufungsklägers aus geäussert – nicht "in einem
  privaten Umfeld", sondern waren über die Quartierstrasse hinweg für den
  Privatkläger hörbar. Damit sprach der Berufungskläger nicht in der legitimen
  Erwartung, dass seine Äusserungen nicht für jedermann verständlich sind
  (BGE 146 IV 126 E. 3. S. 129–135). Den Erwägungen der
  Vorinstanz kann daher mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
  gefolgt werden (vgl. BGE 137 I 327 E. 6.1.: "Bei einer Person,
  die bei freiwillig ausgeübten, von blossem Auge beobachtbaren
  Alltagsverrichtungen in einem von jedermann öffentlich einsehbaren Bereich gefilmt
  wird, darf angenommen werden, sie habe insoweit auf einen Schutz der
  Privatheit verzichtet und in diesem Umfang ihre Privatsphäre der
  Öffentlichkeit ausgesetzt").

  
	
   

  
	
  3.2. Die
  Vorinstanz verneinte weiter eine Rechtswidrigkeit gestützt auf Art. 12
  Abs. 1 DSG, wonach wer Personendaten bearbeitet, die Persönlichkeit der
  betroffenen Person nicht widerrechtlich verletzten darf. Zwar seien die
  Tonaufnahmen in Verletzung des Erkennbarkeitsgrundsatzes von Art. 4
  Abs. 4 DSG erfolgt, doch könne diese Verletzung durch ein überwiegendes
  privates Interesse im Rahmen der Interessenabwägung von Art. 13
  Abs. 1 DSG gerechtfertigt werden. Ein solches überwiegendes privates
  Interesse erkannte die Vorinstanz darin, dass die Aufnahmen zum "Zwecke
  der Beweissicherung" gemacht worden seien (act. 17,
  E. VII./4.1.3., S. 15). 

  
	
   

  
	
  3.3. Entgegen
  der vorinstanzlichen Ansicht liegt kein Rechtfertigungsgrund für die erfolgte
  Persönlichkeitsverletzung vor. Erforderlich wäre hierzu nach Wortlaut des
  Gesetzes eine Rechtfertigung "durch ein überwiegendes privates oder
  öffentliches Interesse oder durch Gesetz" (Art. 13 Abs. 1
  DSG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist hierbei konkret eine
  Abwägung zwischen den Interessen des Datenbearbeiters und denjenigen der
  verletzten Person vorzunehmen (vgl. BGE 146 IV 226 E. 3.3.
  S. 230; vgl. auch Stefan Maeder, Verwertbarkeit
  privater Dashcam-Aufzeichnungen im Strafprozess, in: AJP/PJA 2/2018,
  S. 165). Wenngleich auf Seiten des Datenbearbeiters (hier: des
  Privatklägers) ein privates Interesse auf eine Datenbearbeitung u.a. zur
  eigenen Sicherheit oder zum Schutz von Rechten durchaus erkannt und anerkannt
  werden kann (vgl. BSK DSG/BGÖ-Rampini, N 12
  zu Art. 13 DSG), so steht dem auf der Seite der verletzten Person (hier:
  des Berufungsklägers) ein bedeutendes öffentliches (und privates) Interesse
  an einem überwachungsfreien Zustand gegenüber, wonach man selbst in der
  Öffentlichkeit nicht (beliebig oder ständig) überwacht werden können sollte (Maeder, a.a.O., S. 164). Wie aber
  aus verschiedenen Stellen der Einvernahmen hervorgeht, steht die hier infrage
  kommende Aufnahme gerade in einem solchen grösseren Zusammenhang der
  Beobachtung und Überwachung, um Beweise für ein möglicherweise strafrechtlich
  relevantes Verhalten seitens des Berufungsklägers zu sammeln (vgl.
  act. 2/10.1.02, F. 30: "Uns hat man halt einmal gesagt, wir
  müssten ihn erwischen. Das ist aber schwierig. Aber wir haben jetzt begonnen
  einzuschalten, wenn er draussen ist. Für den Fall, dass etwas wäre";
  act. 55, F. 35: "Wir wollten schon mehrfach Aufnahmen machen,
  Herr [...]. Das ist ganz schwierig, um das zu beweisen, dass man sie
  erwischt. Aber wir müssen es ja beweisen, dass wir etwas haben"; vgl.
  auch act. 2/10.1.04, Rz. 416–417: "Bespitzelung",
  "privater Lauschangriff"; act. 54, F. 34–35). Die
  Rechtsordnung kennt aber den vom Privatkläger sinngemäss angerufenen
  "Beweisnotstand" nicht (Gunhild
  Godenzi, Strafbare Beweisverwertung? Auswirkungen der Art. 179bis
  ff. StGB auf die Beweisverwertung im Strafverfahren, in: AJP/PJA 9/2012,
  S. 1249 f.). Auch in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen
  Rechtsprechung ist der Beweisnotstand als Rechtfertigung zu verneinen (Urteil
  BGer 6P_79/2006 vom 6. Oktober 2006 E. 8.). Demgegenüber
  stellen die Rechtmässigkeit der Bearbeitung von Personendaten nach Treu und
  Glauben im Sinne von Art. 4 DSG die Eckpfeiler des gesamten
  Datenschutzsystems dar (vgl. BBl 1988 II 458 f. Ziff. 221.3:
  "das ethische und rechtspolitische Fundament des
  Datenschutzgesetzes", weshalb "nicht ohne zwingenden Grund gegen
  sie verstossen werden können" solle; BGE 136 II 508 S. 520
  E. 5.2.3.). Die Aufnahmen erfolgten gegen Treu und Glauben und waren für
  den Berufungskläger nicht als solche erkennbar – so scheint er davon
  ausgegangen zu sein, dass lediglich Fotografien gemacht wurden (vgl. hierzu
  bereits die Vorinstanz in act. 17, E. VII./4.1.1., S. 14).
  Damit ist im Gegensatz zur Vorinstanz von keinem überwiegenden Interesse und
  demnach von einer Rechtswidrigkeit der Aufnahme auszugehen.

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  4.1. Nach
  der Rechtsprechung des Bundesgericht ist in einem zweiten Schritt die Frage
  der strafprozessualen Verwertbarkeit zu prüfen, wobei der
  Strafanspruch des Staates und der Anspruch der beschuldigten Person auf ein
  faires Verfahren abgewogen werden müssen und die Interessen des privaten
  Datenbearbeiters gegenüber der datenrechtlichen Interessensabwägung in den
  Hintergrund treten (vgl. BGE 146 IV 226 E. 3.3. S. 230; vgl.
  auch Stefan Maeder, Verwertbarkeit
  privater Dashcam-Aufzeichnungen im Strafprozess, in: AJP/PJA 2/2018,
  S. 165).

  
	
   

  
	
  4.2. Zwar
  ist verständlich, dass Privatkläger die Bestrafung der für die Straftat
  verantwortlichen Person möchten und besteht insbesondere auch ein staatlicher
  Strafanspruch. Doch sind die Strafbehörden – darunter auch das Gericht – an
  den Grundsatz von Treu und Glauben gebunden (Art. 3 Abs. 2
  lit. a StPO; vgl. BSK StPO-Gless, N 43
  zu Art. 141 StPO). Nur unter grösstem Vorbehalt können sie
  demnach in der Verfolgung des staatlichen Strafanspruchs Hand zu privaten
  Beweiserhebungen bieten, welche dazu führen, dass "die skrupellose
  Partei im Vorteil [ist], die skrupulöse, welche die Rechtsordnung
  respektiert" demgegenüber aber benachteiligt wird (Walther J. Habscheid, Beweisverbot bei
  illegal, insbesondere unter Verletzung des Persönlichkeitsrechts, beschafften
  Beweismitteln, in: SJZ 89 [1993] Nr. 10, S. 189). Sodann darf auch
  kein Anreiz zur Selbstjustiz bei der Beweissammlung geschaffen werden (BSK
  StPO-Gless, N 42 zu
  Art. 141 StPO). Vor dem Hintergrund dieser rechtstaatlichen Sorge
  um ein fair trial folgt zurecht, dass die Verwertbarkeit rechtswidrig
  erlangter Beweise gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO nur "zur
  Aufklärung schwerer Straftaten" in Frage kommt. Vorliegend handelt es
  sich aber beim hier relevanten Straftatbestand der Beschimpfung gemäss
  Art. 177 Abs. 1 StGB mit einer Strafandrohung von maximal
  90 Tagessätzen nach der gesetzgeberischen Definition von Art. 132
  Abs. 3 StPO deutlich um einen "Bagatellfall", wobei die Grenze
  sogar erst bei 120 Tagessätzen gezogen wird. Selbst wenn nach der
  neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht das abstrakt angedrohte
  Strafmass, sondern die Schwere der konkreten Tat entscheidend ist (vgl.
  BGE 147 IV 9 E. 1.4.2. S. 13–14 m.w.H.), kann auch mit Blick
  auf die neu genannten Kriterien wie das geschützte Rechtsgut, das Ausmass
  dessen Verletzung, die Vorgehensweise und kriminelle Energie des Täters oder
  das Tatmotiv von einer Bagatelle ausgegangen werden. Eine solche dürfte das
  öffentliche und private Interesse an der Unverwertbarkeit kaum je überwiegen
  (vgl. Maeder, a.a.O.,
  S. 166) und tut es im vorliegenden Falle auch nicht. Die kumulative
  Voraussetzung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, nämlich ob die Aufnahme
  auch rechtmässig durch die Strafverfolgungsbehörden hätte erlangt werden
  können, kann dabei offenbleiben. Die Aufnahme ist unverwertbar und aus dem
  Recht zu weisen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV. Sachverhalt

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Zur
  Feststellung des massgeblichen Sachverhalts hat das Gericht zunächst
  sämtliche prozessual zulässigen Beweismittel zu erfassen, welche zur
  Feststellung des tatbestandserheblichen Sachverhalts beitragen können.
  Anschliessend hat das Gericht die als relevant erkannten Beweise frei und
  umfassend zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO) und seine Erkenntnis
  als Beweisergebnis festzustellen. Dieses Beweisergebnis kann je nach
  Würdigung als gesichert erscheinen, sofern vorhandene Widersprüche bereinigt
  werden konnten, oder aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben (vgl. zum
  Ganzen BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2).

  
	
   

  
	
  1.2. Bestehen
  nach der Feststellung des Beweisergebnisses unüberwindliche Zweifel an der
  Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, geht das
  Gericht in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ("im
  Zweifel für den Angeklagten") von der für die beschuldigte Person
  günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Denn der angeklagte
  Sachverhalt kann der beschuldigten Person nur dann zur Last gelegt werden,
  wenn er nach Überzeugung des Gerichts mit an Sicherheit grenzender
  Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Eine entsprechende Wahrscheinlichkeit liegt
  vor, wenn die richterliche Überzeugung, dass sich ein Sachverhalt in bestimmter
  Weise verwirklicht hat, auf einem jeden vernünftigen Zweifel ausschliessenden
  Urteil eines besonnenen und lebenserfahrenen Beobachters beruht. Abstrakte
  und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich
  sind; absolute Gewissheit kann nicht verlangt werden (vgl. zum Ganzen
  BGE 144 IV 345 E. 2.2.1, E. 2.2.3.2 und E. 2.2.3.3).

  
	
   

  
	
  1.3. Liegen
  für einen eingeklagten Sachverhalt keine direkten Beweise vor, ist auch der
  sog. indirekte Beweis gestützt auf Indizien zulässig. Hierbei wird aus
  bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen
  sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache
  geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit
  einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen
  und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offenlassen, können
  einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen,
  das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der
  Sachverhalt so verwirklicht hat. Beim Indizienbeweis gelangt der Grundsatz in
  dubio pro reo nicht bereits bei der Würdigung der einzelnen Indizien zur
  Anwendung, sondern kommt erst zum Tragen, wenn das von den Indizien geprägte
  Gesamtbild steht (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3, je
  m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.4. Steht
  zudem Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den
  Akten ergeben, zu untersuchen, welche Sachverhaltsdarstellung überzeugend
  ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt,
  verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Es zählt dabei
  nicht primär die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der
  aussagenden Person, sondern die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess
  relevanten Aussagen. Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen,
  wobei auf das Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien wie etwa die
  logische Konsistenz, Konstanz und Folgerichtigkeit in der Darstellung des
  Geschehensablaufes, die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses
  sowie eine unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle Gewicht zu legen ist.
  Als Hinweis für unglaubhafte Aussagen gelten hingegen etwa Strukturbrüche in den
  Schilderungen, laufende Anpassungen der Aussagen oder wenn Aussagen unstimmig
  oder widersprüchlich sind (BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 45;
  BGE 129 I 49 E. 5 S. 58; BGE 128 I 81 E. 2
  S. 85–86, je m.w.H.; BSK StPO-Hauri/Venetz,
  N 22 zu Art. 343 StPO).

  
	
   

  
	
  2. Zum Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung

  
	
  2.1. Unstrittige Punkte

  
	
  2.1.1. Das senkrechte Tragen der Latten

  
	
  Der Privatkläger und
  seine Frau haben über verschiedene Einvernahmen übereinstimmend
  ausgesagt, am 2. April 2017 in ihrem Wohnzimmer gesessen zu sein und
  wahrgenommen zu haben, dass der Berufungskläger mit Absperrlatten hantiere
  (act. 2/8.1.02, F. 2; act. 2/10.1.03, F. 3; act. 54,
  F. 7, 29–32). Der Berufungskläger habe die Absperrlatten senkrecht
  getragen (act. 8.1.03, F. 3; act. 55, F. 8). Hierauf
  seien sie nach draussen gegangen, um zu sehen, was da los sei
  (act. 2/8.1.02, F. 3; act. 8.1.03, F. 3; act. 54,
  F. 32–33; act. 55, F. 8). Konkret sei der Privatkläger an das
  Geländer gegangen, während seine Frau etwas weiter hinten gestanden sei
  (act. 55, F. 8, 10). Sie hätten dabei nichts gesprochen
  (act. 2/8.1.02, F. 3; act. 2/10.1.03, F. 4) und auch der
  Berufungskläger habe nichts gesagt (act. 2/8.1.02, F. 4;
  act. 8.1.03, F. 3; act. 2/10.1.03, F. 7).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger gibt an, die Absperrlatten bei
  der Gemeinde zur Sicherheit wegen der Einsturzgefahr der dortigen Mauer
  angefordert zu haben. Als die Bauunternehmung zur Sanierung der Mauer
  gekommen sei, habe er die Absperrlatten in seiner Garage versorgen wollen
  (act. 14, F. 11). Es habe sich um insgesamt vier Absperrlatten
  gehandelt, wobei eine gegen die Seite des Geländers gefallen sei
  (act. 14, F. 12–13, 15–16; act. 51, F. 15). Er bestätigt,
  die Absperrlatten senkrecht getragen zu haben (act. 14, F. 14; act.
  51, F. 15–16). Dies habe er getan, weil er sie anschliessend auf das
  Gestell in seiner Garage habe schieben müssen (act. 51, F. 15, 21).

  
	
   

  
	
  An diesen unbestrittenen Schilderungen ist nicht zu
  zweifeln: Der Privatkläger konnte nur deshalb auf den Berufungskläger
  aufmerksam werden, weil dieser die Absperrlatten senkrecht trug und deren
  obere Spitze gewissermassen am (vier Meter höher gelegenen) Terrassengeländer
  des Privatklägers entlangschwebte (vgl. act. 56, Rz. 14). Dieses
  Sachverhaltselement kann als erstellt betrachtet werden.

  
	
   

  
	
  2.2. Strittige
  Punkte

  
	
  2.2.1. Position
  des Privatklägers am Terrassengeländer

  
	
  Der Privatkläger gab anlässlich der ersten
  polizeilichen Einvernahme vom 1. Mai 2017 an, dass er – während er den
  Berufungskläger beim Versorgen der Absperrlatten beobachtet habe – "ganz
  am Geländer nahe" gewesen sei und darum beim Schlag habe zurückweichen
  müssen (act. 8.1.02, F. 8); erst auf eine Rückfrage hin
  spezifizierte er, er habe sich auf dem Geländer abgestützt (act. 8.1.02,
  F. 13). Demgegenüber sagte er an der Einvernahme vom 4. Januar 2021
  aus, er sei am Geländer gestanden (act. 10.1.03, F. 3: "Dann ging
  ich hinaus und stand an das Geländer", F. 4: "Ich stand
  einfach oben"). Anlässlich des Augenscheins stützte er sich aber
  demonstrativ mit den Unterarmen auf dem Handlauf des Geländers ab (vgl.
  act. 11, S. 1) und auch an der Berufungsverhandlung wiederholte er
  mehrfach, sich abgestützt zu haben (act. 54, F. 7–8, 12). Als er
  gemerkt habe, wie der Berufungskläger mit der Latte aufgezogen und in seine
  Richtung geschlagen habe, sei er zurückgewichen (act. 2/8.1.02,
  F. 13; act. 54, F. 13). Nach diesem Zurückweichen sei er aber
  wieder an das Terrassengeländer gegangen (act. 54, F. 15–16, 39),
  wieder an denselben Ort (act. 54, F. 45), und habe sich erneut nach
  vorne über den Handlauf gebeugt (act. 54, F. 40).

  
	
   

  
	
  Die Frau des Privatklägers gab demgegenüber an, der
  Privatkläger sei hinter dem Geländer gestanden (act. 8.1.03, F. 3:
  "[…] in Richtung meines Ehemannes, welcher hinter dem Geländer gestanden
  war"; act. 55, F. 9). Sie bestätigt gesehen zu haben, wie der
  Privatkläger zurückgewichen sei und wieder nach vorne gegangen sei
  (act. 2/8.1.03, F. 3; act. 55, F. 15–16).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger gibt seinerseits an, der
  Privatkläger sei hinter dem Geländer gestanden (act. 51, F. 23).
  Weder habe er sich darauf abgestützt, noch habe er dieses mit Händen berührt
  (act. 51, F. 24). Er bestätigt auch, den Privatkläger zurückweichen
  gesehen zu haben (act. 51, F. 25).

  
	
   

  
	
  2.2.2. Aufprall
  mit der Absperrlatte

  
	
  Der Privatkläger behauptete, der Berufungskläger
  habe ihn mit der zweiten oder dritten Latte geschlagen, wobei er habe
  zurückweichen müssen, ansonsten er getroffen worden wäre (act. 2/8.1.02,
  F. 3). Wäre er nicht zurückgewichen, so hätte der Berufungskläger ihn
  getroffen (act. 2/8.1.02, F. 8) und zwar "voll am Kopf"
  (act. 10.1.03, F. 5; act. 2/8.1.02, F. 3). Anlässlich der
  Berufungsverhandlung schätzte der Privatkläger, der Berufungskläger sei etwa
  einen Meter von der Mauer weggewesen, als er seinen Schlag ausgeführt habe
  (act. 54, F. 36). Gleichwohl bekräftigt der Privatkläger, dass dies
  von der Distanz her möglich gewesen sei, da der Berufungskläger die
  Absperrlatte hochgehoben habe, sodass sich der Griff seiner Hände an der
  unteren Kante der Absperrlatte in etwa auf Augenhöhe befunden habe
  (act. 54, F. 7, 11). Der Berufungskläger sei nicht verrutscht,
  sondern er habe mehr als einmal geschlagen, mindestens zwei- bis dreimal
  (act. 2/8.1.02, F. 6–7; act. 54, F. 7, 14, 38). Die
  Schläge seien einmal links und einmal rechts von ihm aufs Geländer erfolgt
  (act. 54, F. 45), wohl weil es schwierig sei, zweimal genau
  denselben Punkt zu treffen (act. 54, F. 47–48). Davon sei eine
  Beschädigung am Geländer entstanden (act. 2/8.1.02, F. 3, 11–12).

  
	
   

  
	
  Auch die Frau des Privatklägers schildert ziemlich
  heftige, aggressive Schläge mit Wucht (act. 2/8.1.03, F. 3, 10),
  durch welche das Geländer beschädigt worden sei (act. 2/8.1.03,
  F. 3, 12). Es habe sich um bewusste Schläge gehandelt
  (act. 2/8.1.03, F. 10; act. 55, F. 13). Der
  Berufungskläger habe mehrfach geschlagen, etwa zwei- oder dreimal
  (act. 2/8.1.03, F. 8 [dreimal]; act. 55, F. 14
  [zweimal]). Sie äussert die übereinstimmende Einschätzung, dass wenn der
  Privatkläger nicht ein oder zwei Schritte zurückgewichen wäre, er am Kopf
  oder an der Brille getroffen worden wäre (act. 2/8.1.03, F. 9, 14;
  act. 2/10.1.02, F. 20–21; act. 55, F. 8).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger sagt, er habe nie versucht, den
  Privatkläger zu treffen (act. 51, F. 26). Anlässlich der
  Berufungsverhandlung vom 2. Juni 2023 gab er an, schlicht erschrocken zu
  sein, als er den Privatkläger plötzlich am Geländer gesehen habe, weswegen
  ihm die Absperrlatte entglitten sei und das Geländer touchiert habe
  (act. 51, F. 15, 18). Er habe die Absperrlatten nicht aufgezogen
  (act. 51, F. 15). Im Übrigen sei es bei den Verhältnissen vor Ort
  nicht möglich, eine hinter dem Geländer stehende Person mit einer
  Absperrlatte zu treffen (act. 51, F. 29).

  
	
   

  
	
  2.3. Indizien

  
	
  2.3.1. Farbabschläge am Geländer

  
	
  Aus der Fotodokumentation
  der Kantonspolizei vom 28. August 2018 gehen zwei rote Farbabschläge auf
  dem Terrassengeländer, ca. einen Meter auseinanderliegend, von einmal ca.
  12 cm und einmal ca. 5 cm Länge hervor (act. 2/9.1.07,
  Bild 1). Die rote Farbe passt zu derjenigen, wie sie die rot-weiss
  gestreiften Absperrlatten aufweise (vgl. bspw. act. 2/9.1.07,
  Bild 2; act. 11, S. 1). Unmassgeblich erscheint, dass beim
  Augenschein durch das Kantonsgericht vom 12. Januar 2022 – also knapp
  fünf Jahre später – diese Farbabschläge nicht mehr sichtbar waren
  (act. 11, S. 4) oder dass sich der Privatkläger nicht erklären
  konnte, wie oder wann sie verschwunden seien (act. 54, F. 27–28).
  Immerhin bestreitet keine der Parteien, dass diese Farbabschläge durch die
  Berührung mit der Absperrlatte entstanden sind (vgl. act. 50,
  S. 15–16). Insofern indizieren diese Farbabschläge zunächst, dass die
  äussere Seite des Handlaufs des Terrassengeländers mit einer Absperrlatte
  berührt werden kann und tatsächlich auch berührt wurde. Sodann sind sie
  weiter auch Indiz dafür, dass es zu zwei immerhin so kraftvollen Berührungen
  mit der äusseren Seite des Handlaufs des Terrassengeländers kam, dass die
  Farbe davon zurückblieb, namentlich dort, wo die Absperrlatte auf einem Punkt
  erkennbar aufschlug und dort, wo sie noch einige Zentimeter seitlich am
  Handlauf entlangschliff (vgl. act. 2/9.1.07, S. 2).

  
	
   

  
	
  2.3.2. Ergebnis des Augenscheins

  
	
  Das Kantonsgericht führte am 12. Januar 2022 einen
  Augenschein durch (vgl. act. 10–11). Die ersten beiden, einigermassen
  erkennbaren Bilder indizieren (über das vorne zum Handlauf bereits Gesagte
  hinaus) die grundsätzliche Möglichkeit, dass eine stehende Person mit einer
  Absperrlatte eine über den Handlauf des Terrassengeländers gebeugte und nach
  vorne lehnende Person potentiell treffen kann (vgl. act. 11, S. 1).
  Diese abstrakte Möglichkeit ist für sich allein genommen jedoch kein Indiz
  dafür, dass sich der Privatkläger tatsächlich nach vorne beugte oder dass der
  Berufungskläger tatsächlich auf den Handlauf des Terrassengeländers mit dem
  Eventualvorsatz schlug, den Privatkläger zu verletzen.

  
	
   

  
	
  2.4. Würdigung

  
	
  2.4.1. Der
  vorliegende Sachverhalt steht im Zusammenhang mit einem über zwanzig Jahre
  sich dahinziehenden Nachbarschaftsstreit. Aus den Akten und anlässlich der
  Einvernahmen an der Berufungsverhandlung hat sich das Obergericht einen
  lebhaften Eindruck von der vertrackten Situation an der [...] machen können,
  ebenso wie von dem befremdlichen Umgang zwischen den Parteien. Dem ist in der
  Erstellung des Sachverhalts insofern Rechnung zu tragen, als sich beide
  Parteien in der Vergangenheit auf eine Art und Weise verhalten haben, die
  "mit gesundem Menschenverstand nicht erklärbar" ist
  (act. 59/8) und beiden Parteien im Rahmen des vorliegend zu
  prüfenden Vorfalls vom 17. April 2017 ein solches Verhalten zuzutrauen
  ist.

  
	
   

  
	
  2.4.2. So
  geht aus den übereinstimmenden Aussagen sowohl des Privatklägers, seiner Frau
  und auch des Berufungsklägers hervor, dass letzterer die Absperrlatten an
  besagtem Vormittag senkrecht trug. Dabei handelt es sich um eine mögliche,
  keineswegs verbotene, aber gewiss auch nicht übliche oder gar bequeme
  Tragart; vor allem aber handelt es sich um die einzige Tragart, welche die
  Privatkläger aufgrund der Höhe der Terrasse mitbekommen konnten. Nicht
  ausgeschlossen werden kann also, dass der Berufungskläger die Absperrlatten
  einzig und allein senkrecht trug, um die Privatkläger zu provozieren; aus den
  Akten geht in jedwedem Fall glaubhaft hervor, dass der Privatkläger dadurch
  tatsächlich provoziert wurde und an das Geländer herantrat.

  
	
   

  
	
  2.4.3. In
  Bezug auf die Position des Privatklägers fällt auf, dass dieser hierzu
  widersprüchliche Aussagen macht und erst im Verlaufe des Verfahrens bezüglich
  der Aussage verstetigt, er sei die ganze Zeit über am Handlauf des
  Terrassengeländers gelehnt und habe sich so vorne hinausgebeugt. Demgegenüber
  machen sowohl seine Frau wie auch der Berufungskläger die (auch vom Privatkläger
  selber teilweise geäusserte) Aussage, der Privatkläger sei hinter dem
  Terrassengeländer gestanden. Diese Annahme erscheint im Zusammenhang mit der
  immerhin als sehr kurz geschilderten Situation auch wesentlich lebensnaher:
  Wenn jemand herbeieilt, um zu sehen, was ein anderer macht, ist die Annahme
  natürlicher, dass er sich soweit nähert, um das Geschehen stehend zu
  überblicken, wohingegen man sich für gewöhnlich erst nach längerer Zeit, etwa
  beim Warten, oder aber als Ausdruck der Lässigkeit, anlehnt. Zu beidem aber
  bestand im vorliegenden Sachverhalt keine Veranlassung. Zusammenfassend ist
  also davon auszugehen, dass der Privatkläger hinter dem Geländer stand,
  wenngleich Zweifel hierüber verbleiben.

  
	
   

  
	
  2.4.4. Die
  Behauptung des Berufungsklägers, es sei ihm die Absperrlatte aus der Hand
  geglitten, ist gänzlich unglaubhaft. Erstens, weil bei einem Entgleiten die
  Absperrlatte wohl eher senkrecht auf den Boden gefallen wäre (vgl.
  act. 14, F. 15), weshalb der Berufungskläger stattdessen wohl eher
  einen – durch die ungewöhnliche Tragart immerhin denkbaren – Balanceverlust
  meint. Zweitens aber wäre selbst bei einem solchen Balanceverlust nicht
  möglich, dass eine senkrecht getragene Absperrlatte die Seite des Handlaufs
  des Terrassengeländers trifft, es sei denn, sie werde zusätzlich noch
  mindestens auf Brusthöhe gestemmt (vgl. act. 11, S. 1). Dass eine
  Absperrlatte aber nicht nur senkrecht, sondern auch noch gestemmt getragen
  wird, ist lebensfremd. Auch ist dem Anwalt des Privatklägers zuzustimmen,
  dass die zwei Farbabschläge auf dem Handlauf gegen die Behauptung des
  "Entgleitens" sprechen: In diesem Fall wäre es nur zu einem
  Farbabschlag gekommen (vgl. act. 12, S. 6). Dies geschah aber
  nicht. Stattdessen ist aufgrund der beiden markanten Farbabschläge davon
  auszugehen, dass der Berufungskläger tatsächlich zweimal kräftig gegen den
  Handlauf des Terrassengeländers schlug.

  
	
   

  
	
  2.4.5. Sowohl
  der Privatkläger, seine Frau und auch der Berufungskläger schildern
  übereinstimmend das glaubhafte Zurückweichen des Privatklägers. Da dieser
  hinter dem Terrassengeländer stand und zumindest zweifelhaft ist, ob mit der
  Absperrlatte etwas entfernteres als die Seite des Handlaufs getroffen werden
  kann, ist fraglich, ob dieses Zurückweichen ein Ausweichen oder nicht
  vielmehr ein schreckhaftes und gewissermassen instinktives Zurückweichen war.
  Immerhin musste der Aufprall des Holzes auf dem Metall ebenso heftig wie laut
  gewesen sein. Vor diesem Hintergrund befremdet jedoch die Behauptung des
  Privatklägers, wonach er sogleich wieder an den vom starken Schlag wohl sogar
  noch zitternden Handlauf des Terrassengeländers herangetreten sei, sich
  erneut darauf abgestützt und gar darüber gelehnt habe, ehe ihn der zweite
  Schlag erneut habe zurückweichen lassen. Diese Aussagen machen nur vor dem
  Hintergrund der Behauptung Sinn, dass die beiden Schläge seinem Kopf oder
  seiner Brille gegolten hätten. Da er aber hinter dem Terrassengeländer stand,
  ist zweifelhaft, ob ihn selbst ausgeholte Schläge mit hochgehaltener
  Absperrlatte treffen, geschweige denn am Kopf verletzen konnten. Ob der
  Privatkläger allenfalls seine Hände auf dem Terrassengeländer hatte, welche
  einzig von einem solchen Schlag hätten getroffen werden können, ist aufgrund
  gegenteiliger Aussagen und mangels Beweisen unklar. Dass aber der
  Privatkläger und seine Frau zu keinem Zeitpunkt von einer Gefahr für seine
  Hände sprachen, sondern von Anfang an immer von einem – an dieser Stelle bei
  einer stehenden Person – fraglichen Kopfschlag beharrten, lässt an ihrer
  Sachverhaltsdarstellung bedeutende Zweifel aufkommen.

  
	
   

  
	
  2.4.6. Zweifelhaft
  erscheint sodann der subjektive Beweggrund des Berufungsklägers. Zwar sagt er
  aus, er empfinde es als Provokation, wenn der Privatkläger von oben auf ihn
  herabblicke (act. 51, F. 28), doch ist darin selbst im Kontext des
  Nachbarschaftsstreites weder ein Motiv für einen Angriff auf den Kopf des
  Privatklägers noch die Inkaufnahme einer entsprechenden Körperverletzung
  erkennbar. Naheliegender erscheint die Annahme, dass es dem Berufungskläger
  darum ging, seinem Ärger und Frust Luft zu verschaffen, vielleicht sogar auch
  darum, den Privatkläger und seine Frau zu erschrecken und dass er darum
  gewaltsam auf das Terrassengeländer schlug. Allein finden sich auch hierzu
  keine Beweise.

  
	
   

  
	
  2.4.7. Im
  Ergebnis besteht für das Obergericht kein Zweifel, dass der Privatkläger und
  der Berufungskläger in einem belasteten und äusserst konfliktgeladenen
  Verhältnis zueinander stehen. Im Raum stehen vorliegend zwei
  Sachverhaltsversionen von Personen, die allesamt ein Interesse am Ausgang des
  Strafverfahrens haben. Beide erscheinen in mancherlei Hinsicht als
  unglaubhaft und direkte Drittbeweise, die überzeugend für die eine oder
  andere Version sprechen würden, gibt es keine. Lediglich dass mit der
  Absperrlatte auf die Seite des Handlaufs des Terrassengeländers geschlagen wurde,
  kann als bewiesen erachtet werden. Allein geht es im vorliegenden Verfahren
  nicht darum, ob der Berufungskläger mit der Absperrlatte die Seite des
  Handlaufs des Terrassengeländers getroffen hat, sondern ob er dabei versucht
  hat, den Privatkläger zu verletzen. Zur Wahrheitsfindung stehen dem
  Obergericht letztlich die Aussagen des Privatklägers, der Ehefrau des
  Privatklägers sowie des Berufungsklägers zur Verfügung. Auch nach Würdigung
  und Gegenüberstellung der relevanten Aussagen bleibt letztlich unklar, aus
  welchem Grund der Berufungskläger am 2. April 2017 um
  ca. 16.20 Uhr an das Terrassengeländer des Privatklägers schlug.
  Beide Versionen sind zweifelhaft, werden aber durch die vorhandenen
  Beweismittel zumindest nicht widerlegt. Es könnte sich – allen
  Unstimmigkeiten und Widersprüchen zum Trotz – tatsächlich so abgespielt
  haben, wie der Privatkläger und seine Frau dies dem Berufungskläger zum
  Vorwurf machen. Doch eine blosse Wahrscheinlichkeit vermag nicht die – zu
  Recht – hohen Anforderungen an den strafrechtlichen Beweis für die versuchte
  einfache Körperverletzung und damit einen Schuldspruch zu begründen. Da
  letztlich und nach dem Gesagten nicht ohne unüberwindliche Zweifel feststeht,
  was am 2. April 2017 zwischen dem Berufungskläger und dem Privatkläger
  vorgefallen ist, kommt der den Berufungskläger begünstigende Grundsatz in
  dubio pro reo zur Anwendung. Es ist daher zu seinem Gunsten von der für
  ihn günstigeren Sachlage auszugehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Der für
  die eingeklagte versuchte einfache Körperverletzung erforderliche Sachverhalt
  kann demnach nicht erstellt werden. Der Berufungskläger ist entsprechend vom
  Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung freizusprechen. Damit ist
  nicht gesagt, dass das Obergericht die Sachverhaltsdarstellung des
  Berufungsklägers als erwiesen erachten würde; vielmehr verhält es sich so,
  dass die ihm vorgeworfene Tat in strafprozessualer Hinsicht nicht
  rechtsgenüglich bewiesen werden kann.

  
	
   

  
	
  3. Zum Vorwurf der Beschimpfung

  
	
  3.1. Vorangehende Begegnung

  
	
  Der Privatkläger gab
  an, er sei am 15. April 2020, zwischen 8.30 und 9.00 Uhr an sein
  Terrassengeländer gegangen, weil der Berufungskläger mit der Wasserwaage
  unten den Topf habe geradestellen wollen (act. 2/10.1.03, F. 11 und
  Beilage 2; act. 54, F. 17). Der Berufungskläger sei unten
  gestanden, vor seiner Garage (act. 2/10.1.03, F. 11 und
  Beilage 2; act. 54, F. 17). Da habe ihm der Berufungskläger
  gesagt, er solle weg, "wegen dem Corona", was der Privatkläger
  nicht getan habe, weil vom Boden bis zum Handlauf des Terrassengeländers
  insgesamt 3.7 Meter seien, er also mehr als genug social distancing einhalte
  (act. 2/10.1.03, F. 11 und Beilage 2). Der Privatkläger selber habe
  nichts gesagt (act. 2/10.1.03, F. 15). Nach dem Dafürhalten des
  Privatklägers gäbe es keine Erklärung dafür, warum der Berufungskläger ihn
  beschimpfe (act. 2/8.3.02, F. 9), zumindest habe er ihm keinen
  Anlass dazu gegeben, denn er sei nur vorne am Geländer gestanden
  (act. 2/8.3.02, F. 13).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger sagte seinerseits aus, er habe
  an diesem Tag an die frische Luft gehen wollen, nachdem er von einer sehr
  schweren Lungenentzündung vom Krankenhaus nach Hause gekommen war
  (act. 14, F. 22; act. 50, F. 30). Der Chefarzt habe ihm
  empfohlen, an die frische Luft zu gehen, wobei er aber Kontakt mit anderen
  Menschen verhindern solle, um sich auf keinen Fall mit dem für ihn fatalen
  Coronavirus zu infizieren (act. 14, F. 22; act. 50,
  F. 30). An besagtem Vormittag sei er von seinem Garten über die Strasse
  gegangen, wo ein Gefäss mit einer Staude oder Weide stehe (act. 14,
  F. 22). Dieses Gefäss habe er ausrichten wollen (act. 2/8.3.02,
  Beilage 2, S. 1; act. 14, F. 22). Zu diesem Zeitpunkt sei der
  Privatkläger noch nicht in der Nähe gewesen (act. 2/10.1.04,
  Rz. 161–172). Auf einmal sei der Privatkläger oberhalb von ihm an das
  Terrassengeländer getreten. (act. 2/8.3.02, Beilage 2, S. 1;
  act. 2/10.1.04, Rz. 161–172; act. 14, F. 22). Daraufhin
  sei er weggegangen und habe ihn höflich gebeten, zwei bis drei Meter Abstand
  zu nehmen, da er zur Höchstrisikogruppe gehöre (act. 2/8.3.02, Beilage
  2, S. 1; act. 14, F. 22). Der Privatkläger habe im Übrigen
  gewusst, dass er im Spital gewesen sei (act. 2/10.1.04,
  Rz. 161–172), auch habe er ihm schon vor dem Spitalaufenthalt gesagt, er
  solle den vom Bundesamt für Gesundheit verordneten Sicherheitsabstand
  einhalten (act. 14, F. 22; act. 50, F. 32). Bei der
  Distanz seien nämlich nicht die 3.7 Meter in der Vertikale wichtig,
  sondern die horizontale Distanz, denn wenn der Privatkläger "das
  Aerosol" selbst noch von so weit oben hinunterlasse, dann treffe ihn
  dies auch (act. 2/10.1.04, Rz. 161–172). Trotz dieser Bitte und dem
  Umstand, dass der Berufungskläger zurückgetreten sei und gewartet habe, bis
  der Privatkläger wieder wegging, sei dieser jedes Mal, wenn er beim Pflanzengefäss
  gestanden sei, wieder herangetreten (act. 2/8.3.02, Beilage 2,
  S. 1; act.14, F. 22; act. 50, F. 39), insgesamt dreimal (act.
  14, F. 22), obwohl dies damals mit einer Busse geahndet worden wäre
  (act. 2/10.1.04, Rz. 161–172). Dies habe ihn emotional in eine
  wahnsinnige Stresssituation gebracht, denn man bekomme halt Angst, "wenn
  diese Tröpfchen vertikal kommen können" (act. 50, F. 32).
  Angesichts des möglicherweise fatalen Ausganges einer Infektion habe ihn
  diese Provokation emotional in eine grausame Stresssituation gebracht
  (act. 50, F. 32).

  
	
   

  
	
  Die Zeugen gaben an, ein "Gechifel"
  (Mundartbegriff für Gekeife, Gezänk) wahrgenommen zu haben, ein Hin und Her,
  wobei der Berufungskläger zum Schluss in seinen Garten und in sein Haus
  gegangen sei (act. 52, F. 11; act. 53, F. 14). Hierbei
  hat weder der Zeuge 1 (act. 52, F. 12, 19, 53) noch die
  Zeugin 2 (act. 53, F. 12) gehört, dass der Berufungskläger die
  ihm vorgeworfenen Beschimpfungen ausgesprochen hat.

  
	
   

  
	
  3.2. Beschimpfung

  
	
  Der Privatkläger sagte anlässlich der polizeilichen
  Einvernahme vom 6. Juli 2020 aus, der Berufungskläger habe ihm um
  8.26 Uhr zugerufen, er solle sich vom Gelände entfernen, dann habe er um
  8.29 Uhr mit voller Wucht gegen den Elektrokasten am Haus der
  Privatkläger geschlagen, welcher jedoch nicht beschädigt worden sei. Um
  8.35 Uhr habe der Berufungskläger "Arschloch" gerufen, um
  8.36 Uhr habe er gerufen, dass die ganze Familie "Schwuchteln"
  seien und um 8.58 Uhr habe er mehrmals "Arschloch" und
  "Füdläloch" gerufen sowie behauptet, der Privatkläger sei "am Morgen
  schon besoffen" (act. 2/8.3.02, F. 5). Der Berufungskläger
  habe immer gerufen und gelacht, er habe gesagt: "Mach es Föteli, mach es
  Föteli" und habe dazu auch "Füdläloch" und
  "Arschloch" gesagt und auch ein Arschloch-Zeichen gemacht
  (act. 2/10.1.03, F. 17). Anlässlich der Berufungsverhandlung sagte
  der Privatkläger aus, der Berufungskläger habe ihm mit Weglaufen schon
  "Arschloch" zugerufen, als er zum ersten Mal nachschauen gegangen
  sei (act. 54, F. 17). Später sei er beim Kirschlorbeer am Ende
  seiner Garage gewesen und habe immerzu gerufen: "Mach es Foti,
  Arschloch! Mach es Foti, du Arschloch" (act. 54, F. 17–18). Später
  habe er ihm auch "Schwuchtlä" zugerufen und er sei schon am Morgen
  besoffen (act. 54, F. 18). Er habe all diese Beschimpfungen sehr
  laut gesagt (act. 54, F. 20).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger sagte zunächst aus, er habe kein
  direktes Gespräch mit dem Privatkläger geführt (act. 14, F. 23) und
  er könne sich nicht erinnern, Worte wie "Arschloch" oder
  "Füdläloch" gesagt zu haben (act. 2/10.1.04, Rz. 174;
  act. 14, F. 23). Anlässlich der Hauptverhandlung gestand er ein,
  dass es sein könne, dass er diese Worte vor sich hingemurmelt habe
  (act. 14, F. 25; act. 50, F. 31), jedenfalls habe er dies
  nicht direkt zum Privatkläger gesagt (act. 14, F. 25). Anlässlich
  der Berufungsverhandlung gab er schliesslich an, zu diesen Äusserungen
  provoziert worden zu sein (act. 50, F. 32–33). Er habe sie laut
  ausgesprochen, etwas lauter als eine normale Gesprächslautstärke
  (act. 50, F. 34), wenngleich es sich nicht um eine Gespräch
  zwischen ihm und dem Privatkläger gehandelt habe (act. 50, F. 35).

  
	
   

  
	
  3.3. Weitere
  Beschimpfungen

  
	
  Der Privatkläger gab an,
  dass es fast täglich vorkomme, dass der Berufungskläger ihn beschimpfe
  (act. 2/8.3.02, F. 9). Hierfür gab er eine ausführliche Liste,
  wonach der Berufungskläger seiner Frau etwa "Du verdammti huärä
  Dräggzwätschgä" zugerufen habe, gegenüber ihm selber unter anderem
  "Du Arschloch, [...]!", "ihr eländi huärä Saucheibä",
  "Du huärä Schwuchtlä, eländi" (vgl. act. 54, F. 17).
  Gleichzeitig gab der Privatkläger seinerseits zu, den Berufungskläger gefragt
  zu haben, ob er seine "Pilleli" haben müsse, wobei er auf die
  angeblich psychisch kranke Mutter des Berufungskläger verwiesen habe (act.
  54, F. 59–62). Auch habe der Privatkläger Kommentare zu dessen Schulden
  gemacht (act. 54, F. 63–65) sowie die Frau des Berufungsklägers
  beschimpft (act. 54, F. 69) und dem Berufungskläger selber einen
  Herzinfarkt gewünscht (act. 54, F. 70).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger gab
  an, er und seine Frau seien seit mehr als zwanzig Jahren einem unerträglichen
  Mobbing, Stalking und Beleidigungen unter der Gürtellinie ausgesetzt. Immer
  wieder käme es zu Provokationen, so rufe der Privatkläger seit November 2020
  auf provozierende Art und Weise, seinen Vornamen verwendend (act. 2/10.1.04,
  Rz. 391–420).

  
	
   

  
	
  Der Zeuge 1 gab
  an, dass vonseiten des Privatklägers und seiner Frau immer eine Provokation
  vorausgehe, mitunter Beschimpfungen, die unter die Haut gingen, um das
  Gegenüber "dreinlaufen" zu lassen (act. 52, F. 26, 29–30,
  42, 52). Als er jedoch nach einer konkreten Beschimpfung befragt wurde,
  konnte er sich an keine erinnern (act. 52, F. 37–39, 45–46). Auch
  für den 15. April 2020 konnte er keine konkrete Provokation nennen
  (act. 52, F. 44).

  
	
   

  
	
  Die Zeugin 2 bestätigt,
  dass der Privatkläger und seine Frau dem Berufungskläger einen Herzinfarkt
  gewünscht und ihm gesagt hätten, er komme in eine Psychiatrie, wie seine
  Mutter (act. 53, F. 16).

  
	
   

  
	
  3.4. Würdigung

  
	
  Der Sachverhalt wird in seinen
  wesentlichen Zügen sowohl vom Privatkläger wie auch vom Berufungskläger
  anerkannt. Letzterer leugnete zunächst die Beschimpfung, räumte sodann die
  Möglichkeit ein, diese vielleicht vor sich hingemurmelt zu haben und gestand
  schliesslich ein, diese laut in seinem Garten ausgesprochen zu haben. Seine diesbezüglich
  aufrechtgehaltene Behauptung, er habe diese Worte aber nicht an den
  Privatkläger gerichtet, erscheint unglaubhaft: Er hat diese Beschimpfungen
  jeweils unmittelbar auf die Provokationen des Privatklägers hin so laut
  ausgesprochen, dass dieser es in jedem Fall hören können musste. Er hörte es
  tatsächlich auch. Dass die ebenfalls anwesenden Zeugen angeben, diese
  Beschimpfungen nicht gehört zu haben, ist vorliegend unmassgeblich.

  
	
   

  
	
   

  
	
  V. Rechtliche Würdigung

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Wer
  jemanden in anderer Weise (als dies in Art. 173 StGB und Art. 174
  StGB umschrieben ist) durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten
  in seiner Ehre angreift, wird, auf Antrag, mit Geldstrafe bis zu
  90 Tagessätzen bestraft (Art. 177 Abs. 1 StGB). Die
  Strafbarkeit von Äusserungen beurteilt sich nach dem Sinn, den der
  unbefangene Durchschnittsadressat diesen unter den jeweiligen konkreten
  Umständen gibt. Hierbei unterscheidet die Lehre verschiedene Formen der
  Beschimpfung: Zum einen stellen reine Werturteile (sog. Formal- oder Verbalinjurien)
  blosse Ausdrücke der Missachtung dar, welche sich nicht erkennbar auf
  bestimmte, dem Beweis zugängliche Tatsachen stützen, wie etwa der Vorwurf,
  jemand sei ein Schwein (vgl. BSK StGB-Riklin,
  N 4 zu Art. 177 StGB m.w.H. auf die Kasuistik). Zum anderen aber
  beziehen sich gemischte Werturteile explizit oder implizit auf
  Tatsachenbehauptungen, also Ereignisse oder Zustände der Gegenwart oder
  Vergangenheit, die äusserlich in Erscheinung treten und dadurch wahrnehmbar
  und dem Beweise zugänglich werden (BGE 118 IV 41 E. 3 S. 44;
  BSK StGB-Riklin, N 5 zu
  Art. 177 StGB m.w.H.). Ob ein reines oder ein gemischtes Werturteil
  vorliegt, muss aus dem ganzen Zusammenhang der Äusserung erschlossen werden
  (Urteile BGer 6B_1270/2017 und BGer 6B_1291/2017 vom 24. April
  2018 E. 2.1. mit Verweis auf BGE 74 IV 98 E. 1 S. 100).

  
	
   

  
	
  1.1.1. Der
  Berufungskläger sagte die Worte "Arschloch", "Füdläloch"
  und "Schwuchtlä" in hörbarer Lautstärke, wobei aus der Lautstärke
  und dem Kontext, in dem er sie sagte (siehe vorne Ziff. IV.3.1)
  sich zweifellos ergibt, dass diese Aussagen zumindest eventualvorsätzlich
  erfolgten und dem Privatkläger galten. Bei den Begriffen
  "Arschloch" und "Füdläloch" handelt es sich um reine
  Werturteile, welche zweifellos als Beschimpfung zu werten sind (vgl. Urteil
  BGer 6B_1232/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 3.1.).
  "Schwuchtlä" ist eine diskriminierende Bezeichnung für einen
  (femininen) Homosexuellen (Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Schwuchtel,
  zuletzt besucht am 28. Juli 2023), was grundsätzlich ein gemischtes
  Werturteil darstellen könnte; diesbezüglich wurde jedoch nichts vorgebracht
  und lässt sich auch den Akten nichts entnehmen, weshalb auch hier von einem
  beschimpfenden Werturteil auszugehen ist.

  
	
   

  
	
  1.1.2. Damit
  ist der Berufungskläger schuldig der Beschimpfung im Sinne von Art. 177
  Abs. 1 StGB.

  
	
   

  
	
  1.2. Hat der
  Beschimpfte durch sein ungebührliches Verhalten zu der Beschimpfung
  unmittelbar Anlass gegeben, so kann der Richter den Täter von Strafe befreien
  (Art. 177 Abs. 2 StGB). Hierbei handelt es sich um einen
  Strafbefreiungs- und nicht um einen Rechtfertigungsgrund (BGE 109 IV 39
  E. 4.b. S. 43). Das Merkmal der Unmittelbarkeit ist zeitlich zu
  verstehen, und zwar in dem Sinne, dass der Täter in der durch das
  ungebührliche Verhalten erregten Gemütsbewegung handelt, ohne dass er Zeit zu
  ruhiger Überlegung hat (BGE 83 IV 151). Das erforderliche ungebührliche
  Verhalten (nach dem frz. Wortlaut ["une conduite répréhensible"]
  eher sogar "verwerfliches" Verhalten) wird in der Literatur oftmals
  als "flegelhaftes Verhalten in der Öffentlichkeit" bezeichnet (BSK
  StGB-Riklin, N 23 zu
  Art. 177 StGB mit Hinweise auf die Kasuistik [z.B. unberechtigte
  Vorwürfe, störendes Parkieren, gefährliche Fahrweise]). 

  
	
   

  
	
  1.2.1. Nach
  übereinstimmenden Aussagen ist es zur Beschimpfung gekommen, weil der
  Berufungskläger an seinem Pflanzengefäss Arbeiten verrichten wollte,
  woraufhin der Privatkläger an das Terrassengeländer stand und von oben auf
  ihn herabblickte. Der Berufungskläger gab zwar an, dass er allein schon dies
  als Provokation erachte (act. 51, F. 28), doch stellt dies für sich
  allein genommen noch kein "ungebührliches Verhalten" im Sinne des
  Gesetzes dar. Dies muss selbst dann noch gelten, wenn – wie im vorliegenden
  Fall aktenkundig ist – das Herantreten an die Grundstücksgrenze und das
  stillschweigende Beobachten geradezu regelmässig vorkommt (vgl. act. 54,
  F. 17, 33–34; act. 55, F. 8, 16). Beim vorliegenden Vorfall
  kam jedoch weiter noch hinzu, dass durch dieses Herantreten der Privatkläger
  direkt über dem Berufungsklägers stand und damit innerhalb des damals
  erforderlichen Sicherheitsabstands von 1.5 Metern trat. Zur Würdigung
  dieses Umstandes ist die notorische Pandemiegesetzgebung vom April 2020
  miteinzubeziehen (Art. 139 Abs. 2 StPO): Zu diesem Zeitpunkt waren
  die bundesrätlichen Weisungen zum Abstandhalten allgemein bekannt (vgl.
  Art. 7c Abs. 2 der Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des
  Coronavirus [COVID-19] vom 13. März 2020 [SR 818.101.24; Stand am
  9. April 2020]: "Bei Ansammlungen von bis zu 5 Personen ist
  zwischen den einzelnen Personen ein Abstand von mindestens zwei Metern
  einzuhalten") und sollten besonders gefährdete Personen geschützt werden
  (vgl. Art. 1 Abs. 3 lit. c der Verordnung über Massnahmen zur
  Bekämpfung des Coronavirus [COVID-19] und dessen Auswirkungen im Kanton
  Glarus vom 31. März 2020 [GS VIII A/61/3; Stand am 1. April
  2020]). Der Berufungskläger hielt den Privatkläger unter Hinweis auf seine
  Erkrankung zu einem rechtskonformen Verhalten an (siehe vorne Ziff. IV.3.1  .). Der Privatkläger ignorierte diese Bitte unter Hinweis auf die senkrechte
  Distanz von 3.7 Meter vom Boden bis zum Handlauf des Terrassengeländers
  (siehe vorne Ziff. IV.3.1.). Dem Berufungskläger kann indes beigepflichtet
  werden, dass die durch den Sicherheitsabstand intendierte Verhinderung einer
  Tröpfcheninfektion nicht über einen senkrechten Abstand erzielt werden kann.
  Weiter ist nachvollziehbar, dass der kurz zuvor lungenerkrankte
  Berufungskläger angesichts einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus
  grosse Angst verspürte und in eine "Stresssituation" kam (siehe
  vorne Ziff. IV.3.1.). Dies zeigt sich darin, dass er sich aufgrund des
  zunächst weigernden Verbleibs und der danach ständigen Rückkehr des
  Privatklägers an just jene Stelle exakt über ihm gezwungen sah, sich
  seinerseits zurückzuziehen. Erst bei diesen Rückzügen des Berufungsklägers
  sowie in unmittelbarem Nachgang dazu äusserte er die Beschimpfungen. Da das
  wiederholte Nichteinhalten des Privatklägers gegen damaliges Recht verstiess
  und die Gesundheit des Berufungsklägers als besonders gefährdete Person in
  Gefahr brachte, ist es als ungebührliches und verwerfliches Verhalten im
  Sinne des Gesetzes zu qualifizieren. Die Beschimpfung erfolgte unmittelbar.
  Damit ist der Berufungskläger in Anwendung von Art. 177 Abs. 2 StGB
  von einer Strafe zu befreien.

  
	
   

  
	
   

  
	
  VI. Kosten- und
  Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  1. Vorinstanzliches Verfahren

  
	
  In formaler Hinsicht fällt das Obergericht ein neues Urteil, welches
  das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Weil das Obergericht als Rechtsmittelinstanz einen
  neuen Entscheid fällt, ist auch über die von der Vorinstanz getroffene
  Kosten- und Entschädigungsregelung zu entscheiden (Art. 428 Abs. 3
  StPO). 

  
	
   

  
	
  1.1. Kostentragungspflicht

  
	
  1.1.1. Einerseits trägt die beschuldigte Person
  die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1
  StPO). Dies ist auch dann der Fall, wenn ein Schuldspruch ohne Aussprechung
  von Sanktionen erfolgt (BSK StPO-Domeisen,
  N 7 zu Art. 426 StPO). Andererseits
  können bei Antragsdelikten die Verfahrenskosten auch der Privatklägerschaft
  auferlegt werden, wenn die beschuldigte Person freigesprochen wird und soweit
  die beschuldigte Person nicht nach Art. 426 Abs. 2 StPO
  kostenpflichtig ist (Art. 427 Abs. 2 lit. a StPO). Das Gericht
  entscheidet in einem solchen Fall nach Recht und Billigkeit (Art. 4
  ZGB), wobei ihm ein grosser Ermessensspielraum zur Verfügung steht (BSK StPO-Domeisen, N 12 zu Art. 427 StPO).
  Das Bundesgericht geht davon aus, dass die antragstellende Person, die als
  Privatklägerin am Verfahren teilnimmt, grundsätzlich auch das volle
  Kostenrisiko tragen soll (BGE 147 IV 47 E. 4.2.2 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.1.2. Bereits das Kantonsgericht hätte den Beschuldigten vom Vorwurf der
  versuchten einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB
  i.V.m. Art. 22 StGB freisprechen und betreffend den zu Recht erfolgten
  Schuldspruch mitsamt Strafbefreiung wegen Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1
  StGB von Strafe befreien sollen (siehe hierzu oben Ziff. IV.). Bei
  diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Vorverfahrens und des
  erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens je hälftig dem Privatkläger und dem
  Berufungskläger aufzuerlegen. Die hälftige Teilung der Verfahrenskosten ist
  gerade auch im Hinblick auf den jahrelangen Nachbarschaftsstreit, welcher den
  vorgeworfenen Antragsdelikten zu Grunde liegt, angebracht. Nicht weiter ins
  Gewicht fällt, dass erstinstanzlich zudem das Strafverfahren hinsichtlich des
  Vorwurfes einer Tätlichkeit infolge Verjährung eingestellt wurde und ein
  Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Sachbeschädigung erfolgte. Entsprechend
  ist davon abzusehen, auch die Privatklägerin zur Kostentragung zu
  verpflichten.

  
	
   

  
	
  1.1.3. Es
  ist im Lichte von Art. 6 Abs. 1 sowie Art. 7 Abs. 1
  lit. b Ziff. 3 und Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2
  der Verordnung zu den Kosten im Zivil- und Strafprozess vom 22. Dezember
  2010 (GS III A/5; nachfolgend: Zivil- und Strafprozesskostenverordnung)
  kein sachlicher Grund ersichtlich, welcher eine Änderung der erstinstanzlich
  festgelegten Höhe der Gerichtsgebühr (CHF 2'600.—) und der weiteren
  Verfahrenskosten (Untersuchungsgebühr von CHF 3'100.—) nahelegen würde.
  Entsprechend haben der Privatkläger und der Berufungskläger Kosten von je
  CHF 2'850.— zu tragen.

  
	
   

  
	
  1.2. Entschädigungspflicht

  
	
  1.2.1. Wird
  die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie
  Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung
  ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Ein
  solcher Anspruch ist von Amtes wegen zu prüfen (Art. 429 Abs. 2
  StPO). Die Vorinstanz äusserte die Ansicht, dass die Parteien ihre
  Verfahrensrechte in der vorliegenden Streitsache auch ohne anwaltliche
  Vertretung angemessen hätten ausüben können (vgl. act. 17,
  E. XIV., S. 25). Dieser Ansicht kann mit Blick auf die sich
  stellenden Rechtsfragen grundsätzlich gefolgt werden – jedoch ist im Kontext
  der grösseren, nachbarschaftlichen Streitigkeit, welche zu bereits mehreren
  von Rechtsvertretern begleiteten Verfahren geführt hat, das Bedürfnis der
  Parteien nach gleich langen Spiessen nachvollziehbar. Es scheitert damit der
  Anspruch nach Parteientschädigungen nicht an der Voraussetzung der
  angemessenen Ausübung der Verfahrensrechte.

  
	
   

  
	
  1.2.2. Die
  Entschädigungsfrage wird durch die Kostenfrage bestimmt. Es gilt folglich der
  Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder
  Genugtuung auszurichten ist, während bei Übernahme der Kosten durch die
  Staatskasse die beschuldigte Person Anspruch auf Entschädigung hat.
  Entsprechend erscheint in Anwendung dieses strafprozessualen Grundsatzes eine
  hälftige Entschädigung für die Anwaltskosten sachgerecht (BGE 137 IV 352
  E. 2.4.2. S. 357).

  
	
   

  
	
  1.2.3. Obsiegt
  die beschuldigte Person bei Antragsdelikten im Schuldpunkt, so kann die
  Privatklägerschaft verpflichtet werden, der beschuldigten Person die
  Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte zu ersetzen
  (Art. 432 Abs. 2 StPO). Wie also die Privatklägerschaft an Stelle des Staates
  zur Kostentragung der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann (siehe vorne Ziff. VI./1.1.1.), so kann sie bei Antragsdelikten ebenfalls an Stelle des Staates zur
  Entschädigung der Aufwendungen der beschuldigten Person für die Verteidigung
  im Strafpunkt verpflichtet werden. Nach der bundesgerichtlichen
  Rechtsprechung geht die Entschädigung der beschuldigten Person bei einem
  Freispruch betreffend ein Antragsdelikt regelmässig zulasten der (aktiv am
  Verfahren teilnehmenden) Privatklägerschaft (vgl. BGE 147 IV 47
  E. 4.2.2 und 4.2.4 ff.).

  
	
   

  
	
  1.2.4. Auch
  vorliegend ist nicht einzusehen, weshalb der Staat für die vorliegende Blüte
  des seit über zwanzig Jahren von beiden Parteien geführten
  Nachbarschaftsstreites aufkommen müssen sollte.

  
	
   

  
	
  1.2.5. Des
  Berufungsklägers

  
	
  1.2.5.1.   Für das
  vorinstanzliche Verfahren beantragte der Berufungskläger mit
  Berufungsschreiben vom 4. Juni 2022, es seien ihm zulasten des Kantons
  Glarus eine Parteientschädigung von CHF 4'000.– und zulasten der
  Privatklägerschaft eine Parteientschädigung von CHF 1'000.– zuzusprechen
  (act. 21, S. 2). Sodann aber machte er mit Eingabe vom 2. Juni
  2023 für das vorinstanzliche Verfahren ein Honorar von insgesamt
  CHF 6'897.– geltend (act. 60). Der hierin verrechnete
  Stundenaufwand von insgesamt 25.2 Stunden erscheint gerade noch angemessen.
  Allerdings ist der Stundenansatz von CHF 250.– praxisgemäss auf
  CHF 220.– zu kürzen (vgl. Urteil OG.2022.00072 vom 28. April
  2023 E. VIII./3.1. m.w.H.). Daraus ergibt sich ein Honoraranspruch für
  das vorinstanzliche Verfahren von CHF 6'083.45 (5'544.– [gekürzter
  Aufwand] + 104.50 [Spesen] + 434.95 [7.7 % MwSt]).

  
	
   

  
	
  1.2.5.2.   Folglich ist der
  Privatkläger zu verpflichten, dem Berufungskläger für das vorinstanzliche
  Verfahren eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 3'041.— zu bezahlen.

  
	
   

  
	
  1.2.6. Des
  Privatklägers

  
	
  Da – auch im vorliegenden Berufungsverfahren – keine
  bezifferte Entschädigungsforderung des Privatklägers für notwendige
  Aufwendungen im Vorverfahren und erstinstanzlichen Gerichtsverfahren
  eingereicht wurde, kann der Berufungskläger diesbezüglich nicht verpflichtet
  werden, dem Privatkläger eine (reduzierte) Parteientschädigung zu bezahlen
  (Art. 433 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  2. Berufungsverfahren

  
	
  2.1. Kostentragungspflicht

  
	
  2.1.1. Die
  Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
  Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob und inwieweit
  eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon
  ab, in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge
  gutgeheissen werden (vgl. z.B. Urteil BGer 6B_1290/2021 vom
  31. März 2022 E. 5.1 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  2.1.2. Im
  Berufungsverfahren obsiegt der Berufungskläger dahingehend, dass er vom
  Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung freizusprechen ist.
  Betreffend dem zu Recht erfolgten Schuldspruch wegen Beschimpfung ist er
  jedoch von Strafe zu befreien und ist ihm zulasten des Privatklägers eine
  (reduzierte) Parteientschädigung für notwendige Aufwendungen im Vorverfahren
  und erstinstanzlichen Gerichtsverfahren zuzusprechen. Insoweit liegt
  gleichzeitig ein Unterliegen des Privatklägers vor.

  
	
   

  
	
  2.1.3. Der
  Berufungskläger unterliegt darin, dass der Schuldspruch wegen Beschimpfung zu
  bestätigen ist und er (weiterhin) die Hälfte der vorinstanzlichen
  Verfahrenskosten zu tragen hat. Entsprechend liegt ein Obsiegen des
  Privatklägers vor. Ferner unterliegt der Privatkläger noch in dem Punkt, dass
  er ebenfalls die Hälfte der vorinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen hat.

  
	
   

  
	
  2.1.4. Nach dem Ausgeführten und vor dem
  Hintergrund des jahrelangen Nachbarschaftsstreits ist es angemessen, auch die
  Kosten des Berufungsverfahrens je zur Hälfte dem Berufungskläger und dem
  Privatkläger aufzuerlegen.

  
	
   

  
	
  2.1.5.  

  
	
  Die Gerichtsgebühr
  für das Berufungsverfahren ist auf CHF 2'000.– festzusetzen (Art. 6
  und Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung). Sie wird je zur Hälfte (CHF 1'000.–) dem
  Berufungskläger und dem Privatkläger auferlegt.

  
	
   

  
	
  2.2. Entschädigungspflicht

  
	
  2.2.1. Des
  Berufungsklägers

  
	
  2.2.1.1.   Wird die
  beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie auch im
  Berufungsverfahren Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene
  Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m.
  Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Nach Art. 436 Abs. 2
  StPO hat die beschuldigte Person zudem Anspruch auf eine angemessene
  Entschädigung für ihre Aufwendungen wenn weder ein vollständiger oder
  teilweiser Freispruch noch eine Einstellung des Verfahrens erfolgt, sie aber
  in andern Punkten obsiegt. Da die Entschädigungsfrage nach der Kostenfrage zu
  beantworten ist, sind dem Berufungskläger seine notwendigen Aufwendungen im
  Berufungsverfahren zur Hälfte zu entschädigen. Hierbei ist der Privatkläger
  entschädigungspflichtig, da es um Antragsdelikte geht (vgl. Art. 436 Abs. 1
  StPO i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO; vgl. auch BGE 147 IV 47 E. 4.2.5 f.).

  
	
   

  
	
  2.2.1.2.   Für das
  obergerichtliche Verfahren reichte der Verteidiger eine Honorarnote im Umfang
  von insgesamt CHF 3'693.35 (inkl. Auslagen und MwSt.) ein
  (act. 57). Hier ist der Stundenaufwand hinsichtlich der zu tief
  geschätzten Dauer der Berufungsverhandlung (3 Stunden anstelle der
  tatsächlichen 4.5 Stunden [vgl. act. 50: 08.00–12.30 Uhr]) um
  1.5 Stunden auf insgesamt 15.2 Stunden zu erhöhen. Dieser Aufwand
  erscheint angemessen. Sodann ist auch hier praxisgemäss der Stundenansatz von
  CHF 250.– auf CHF 220.– zu kürzen. Daraus folgt eine angepasste
  Aufwendung von CHF 3'603.45 (CHF 3'344.– [angepasster Aufwand] +
  CHF 1.80 [Spesen] + CHF 257.65 [7.7 % MwSt]).

  
	
   

  
	
  2.2.1.3.   Der Privatkläger
  ist somit zu verpflichten, dem Berufungskläger für das Berufungsverfahren
  eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 1'801.— zu bezahlen.

  
	
   

  
	
  2.2.2. Des Privatklägers

  
	
  2.2.2.1.   Die
  Privatklägerschaft hat auch im Berufungsverfahren gegenüber der beschuldigten
  Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im
  Verfahren, wenn sie obsiegt (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433
  Abs. 1 lit. a StPO). Auch hier wird die Entschädigungsfrage durch
  die Kostenfrage bestimmt, weshalb eine Entschädigung der halben Anwaltskosten
  sachgerecht erscheint (siehe vorne Ziff. VI./2.1.4.).

  
	
   

  
	
  2.2.2.2.   Für das
  Berufungsverfahren stellte der Privatkläger einen Antrag auf Entschädigung
  (act. 58, S. 2) und bezifferte diesen mit Eingabe vom 8. Juni
  2023, wobei er ein Honorar von insgesamt CHF 5'015.– (inkl. Auslagen und
  MwSt.) geltend machte (act. 61). Dieser Aufwand entspricht gemäss der
  Honorarnote den Bemühungen vom 11. Mai 2022 bis am 8. Juni 2023 und
  insgesamt 18 Stunden und 5 Minuten (act. 61, S. 2).
  Dieser Aufwand erscheint hoch, wenn auch gerade noch angemessen. Allein ist
  auch hier praxisgemäss der Stundenansatz von CHF 250.– auf
  CHF 220.– zu kürzen. Daraus folgt eine angepasste Aufwendung von
  CHF 4'413.15 (CHF 3'978.30.– [angepasster Aufwand] +
  CHF 119.35 [3 % Auslagenpauschale] + CHF 315.50 [7.7 %
  MwSt]).

  
	
   

  
	
  2.2.2.3.   Somit hat der
  Berufungskläger dem Privatkläger eine Entschädigung für notwendige Aufwendungen
  im Verfahren in hälftiger Höhe der geltend gemachten Aufwendungen, nämlich
  CHF 2'206.—, auszuzahlen.

  
	
   

  
	
  2.2.3. Die
  gegenseitigen Entschädigungsansprüche werden miteinander verrechnet. Damit
  schuldet der Privatkläger dem Berufungskläger eine Entschädigung in der Höhe
  von CHF 2'636.— (CHF 4'842.— - CHF 2'206.—).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass
    Dispositivziffern 1 und 3 des Beschlusses und Urteils der
    Strafgerichtskommission des Kantons Glarus vom 11. Mai 2022
    (SG.2021.00054) in Rechtskraft erwachsen sind.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    A.______ ist schuldig

    
	
     

    	
    der Beschimpfung im Sinne von
    Art. 177 Abs. 1 StGB.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    A.______ wird freigesprochen
    vom Vorwurf

    
	
     

    	
    der versuchten einfachen
    Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22
    StGB.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    A.______ wird in Anwendung von
    Art. 177 Abs. 2 StGB von Strafe befreit.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass
    B.______ und C.______ keine Zivilforderungen gestellt haben.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Berufungsverfahren in der Höhe von CHF 2'000.– wird zur Hälfte
    A.______ und zur Hälfte B.______ auferlegt und von diesen bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Die Kosten des vorinstanzlichen
    Verfahrens (inkl. der Strafuntersuchung) von gesamthaft CHF 5'700.–
    werden zur Hälfte A.______ und zur Hälfte B.______ auferlegt und von diesen
    bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    8.

    	
    B.______ wird verpflichtet,
    A.______ für das vorinstanzliche Verfahren und das Berufungsverfahren eine
    Parteientschädigung in Höhe von insgesamt CHF 2'636.— zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    9.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]