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**Case Identifier:** 4a0fb595-e684-5307-952a-78b201a58d91
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.08.2009 C-1043/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-1043-2007_2009-08-13.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-1043/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 3 .  A u g u s t  2 0 0 9

Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 
Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiber Daniel Grimm.

M._______, 
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Franz Hollinger, 
Stapferstrasse 28, Postfach 328, 5201 Brugg AG,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-1043/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer (geb. [...])  ist marokkanischer Herkunft. Offen-
bar im Sommer 1994 gelangte er in die Schweiz und hielt sich in der 
Folge  (unter  aktenmässig  nicht  erstellten  Umständen)  hier  auf.  Am 
11. August  1997  heiratete  er  in  B._______  die  Schweizer  Bürgerin 
A._______ (geb. [...]). Gestützt auf diese Ehe wurde ihm eine Aufent-
haltsbewilligung im Kanton Aargau erteilt. 

B.
Gestützt  auf  seine  Ehe  stellte  der  Beschwerdeführer  am  17.  März 
2001 ein Gesuch um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des Bür-
gerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0). 

Im Auftrag des kantonalen Departements des Innern, Sektion Bürger-
recht  und  Personenstand,  erstellte  die  Kantonspolizei  Aargau  am 
26. Juni und am 16. Juli 2001 je einen kurzen Informationsbericht. Auf 
entsprechende Aufforderung hin äusserten sich der Beschwerdeführer 
und  dessen  damalige  Ehefrau  in  einem  Schreiben  vom  29.  August 
2001 zu ihren Wohnverhältnissen und im September  2001 holte  die 
Vorinstanz bei  vom Beschwerdeführer genannten Auskunftspersonen 
schriftliche Referenzen ein.

Zu Handen des Einbürgerungsverfahrens unterzeichneten die Eheleu-
te am 24. Oktober 2001 eine gemeinsame Erklärung, wonach sie in ei-
ner tatsächlichen,  ungetrennten,  stabilen ehelichen Gemeinschaft  an 
derselben  Adresse  zusammenlebten  und  weder  Trennungs-  noch 
Scheidungsabsichten bestünden. Die Ehegatten nahmen ferner unter-
schriftlich zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht mög-
lich ist, wenn vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer der 
Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tat-
sächliche eheliche Gemeinschaft mehr besteht, und dass die Verheim-
lichung dieser Umstände zur Nichtigerklärung der Einbürgerung nach 
Art. 41 BüG führen kann. 

Am 23. Januar 2002 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebür-
gert.  Nebst  dem  Schweizer  Bürgerrecht  erwarb  er  die  Bürgerrechte 
des Kantons Bern und der Gemeinde S._______/BE.

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C.
Am 6. Februar 2004 gelangte der Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst 
des Kantons Bern an die Vorinstanz und orientierte darüber, dass der 
Beschwerdeführer  seit  dem  4.  Juni  2003  rechtskräftig  von  seiner 
schweizerischen Ehefrau geschieden sei. Aus der beigelegten Kopie 
eines Ehescheins ergab sich weiter, dass der Beschwerdeführer sich 
am 9. Oktober 2003 in Agadir  mit  einer 1983 geborenen marokkani-
schen Staatsangehörigen verheiratet hatte. 

D.
Die Vorinstanz gelangte mit einem Schreiben vom 16. Februar 2004 an 
den Beschwerdeführer und setzte ihn über die Eröffnung eines Verfah-
rens auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung gemäss Art. 
41 BüG in Kenntnis. Im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nahm die 
Vorinstanz mit  Einverständnis des Beschwerdeführers Einsicht  in die 
Akten des Scheidungsverfahrens und liess seine geschiedene schwei-
zerische  Ehefrau  am  24.  November  2004  durch  die  Kantonspolizei 
Aargau als Auskunftsperson rogatorisch einvernehmen. Vom Recht auf 
Stellungnahme machte der Betroffene mit schriftlichen Eingaben vom 
8. März 2004 und 11. Dezember 2006 Gebrauch. 

E.
Auf Ersuchen des Bundesamtes erteilte der Kanton Bern als Heimat-
kanton am 22. Dezember 2006 seine Zustimmung zur Nichtigerklärung 
der erleichterten Einbürgerung.

F.
Mit Verfügung vom 5. Januar 2007 erklärte das BFM die am 23. Januar 
2002 erfolgte erleichterte Einbürgerung für nichtig. 

G.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 8. Februar 2007 ersucht der Beschwer-
deführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  um  Aufhebung  der  vorin-
stanzlichen Verfügung. 

Am  6.  März  2007  reichte  der  Rechtsvertreter  diverse  Beweismittel 
nach, so einen am 25. August 1998 abgeschlossenen Mietvertrag, den 
Beleg für die Zahlung einer Mietzinskaution und eine handschriftliche 
Erklärung der jetzigen Ehefrau des Beschwerdeführers vom 19. Febru-
ar 2007.

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H.
In einer Vernehmlassung vom 2. Mai 2007 schliesst die Vorinstanz auf 
Abweisung der Beschwerde.

I.
Der Beschwerdeführer lässt replizierend in einer Eingabe vom 25. Juni 
2007 am gestellten Antrag und dessen Begründung festhalten. Dabei 
reichte  er  eine Bestätigung der  geschiedenen schweizerischen Ehe-
frau vom 4. Juni 2007 zu den Akten.

J.
Auf den weiteren Akteninhalt  wird, soweit rechtserheblich, in den Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer der in Art. 33 VGG aufgeführten Behörden erlassen wurden. Dar-
unter fallen Verfügungen des BFM betreffend Nichtigerklärung der er-
leichterten Einbürgerung (Art. 41 Abs. 1 i.V.m. Art. 27 und Art. 51 Abs. 
1 BüG).

1.2 Das  Rechtsmittelverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz 
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Ergreifung 
des Rechtsmittels  legitimiert. Auf seine frist-  und formgerecht  einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 48 ff. VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde 
als  Rechtsmittelinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-

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schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Sach-  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

3.
Der Beschwerdeführer beanstandet eine von der Vorinstanz seiner An-
sicht nach nur zögerlich erteilte Akteneinsicht und die Aktenführung in 
diesem Zusammenhang. Die Zustellung habe zu lange auf sich warten 
lassen und seine wiederholten Reklamationen seien nicht vollständig 
zu den Akten genommen worden. Nach Darstellung des Beschwerde-
führers wurde ihm die angefochtene Verfügung am 12. Januar 2007 er-
öffnet. Die  Aktenbestellung  (mit  gleichzeitiger  Anzeige  der  Mandats-
übernahme) erfolgte am 18. Januar 2007 (vorab per Fax). Am 29. Ja-
nuar 2007 wurden die Akten von der Vorinstanz an den Beschwerde-
führer bzw. dessen Rechtsvertreter versendet. Die Beschwerde datiert 
vom 8. Februar 2007 und wurde am gleichen Tag der Post übergeben. 
Völlig zu Recht spricht der Beschwerdeführer selbst der Art und Wei-
se, wie sein Akteneinsichtsgesuch behandelt  wurde, keine rechtliche 
Relevanz zu (Replik vom 25. Juni 2007 S. 2). Wenn auch die Behand-
lung des Akteneinsichtsgesuches durch die Vorinstanz vorliegend nicht 
als  besonders  speditiv  erscheinen  mag,  gilt  es  doch  festzustellen, 
dass die Akteneinsicht noch rechtzeitig erfolgte und der Beschwerde-
führer  offensichtlich  nicht  daran  gehindert  wurde,  innert  laufender 
Rechtsmittelfrist eine rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen und 
die Beweismittel – soweit in diesem Zeitpunkt nicht schon vorhanden – 
nachzureichen. Die Beschwerde wurde im Übrigen mehrere Tage vor 
Ablauf der Rechtsmittelfrist  eingereicht. Weitere Ausführungen hierzu 
erübrigen sich.

4.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach 
der Eheschliessung mit  einem Schweizer Bürger ein Gesuch um er-
leichterte Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der 
Schweiz gewohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b) und 
seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger 
lebt (Bst. c). Die Einbürgerung setzt gemäss Art. 26 Abs. 1 BüG zudem 
voraus, dass die ausländische Person in die schweizerischen Verhält-

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nisse eingegliedert ist (Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung be-
achtet  (Bst.  b)  und  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz 
nicht  gefährdet  (Bst.  c).  Sämtliche  Einbürgerungsvoraussetzungen 
müssen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung als auch anläss-
lich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es im Zeitpunkt des 
Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemeinschaft, darf die er-
leichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden (BGE 132 II 113 
E. 3.2 S. 115; BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f., BGE 129 II 401 E. 2.2 S. 
403, BGE 128 II 97 E. 3a S. 98 f.).

4.2 Der  Begriff  der  'ehelichen  Gemeinschaft'  im  Sinne  des  Bürger-
rechtsgesetzes  bedeutet  mehr  als  nur  das  formelle  Bestehen  einer 
Ehe. Verlangt wird vielmehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, ge-
tragen vom Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten (BGE 130 
ll 482 E. 2 S. 483 f., BGE 130 ll 169 E. 2.3.1 S. 171 f., BGE 128 ll 97 E. 
3a S. 98 f., BGE 121 ll 49 E. 2b S. 51 f.). Mit Art. 27 BüG wollte der Ge-
setzgeber ausländischen Ehepartnern von Schweizer Bürgern die er-
leichterte Einbürgerung ermöglichen, um die Einheit des Bürgerrechts 
der  Ehegatten  im Hinblick  auf  eine  gemeinsame Zukunft  zu  fördern 
(vgl. Botschaft des Bundesrats zur Änderung des Bürgerrechtsgeset-
zes  vom 26. August  1987,  BBl  1987 III  310). Zweifel  am Willen  der 
Ehegatten, die eheliche Gemeinschaft aufrecht zu erhalten, sind bei-
spielsweise angebracht,  wenn kurze Zeit  nach der erleichterten Ein-
bürgerung  die  Trennung  erfolgt  oder  die  Scheidung  eingeleitet  wird 
(BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f.).

4.3 Gemäss Art. 41 Abs. 1 BüG kann die Einbürgerung vom Bundes-
amt mit Zustimmung der Behörde des Heimatkantons innert fünf Jah-
ren nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Ver-
heimlichung erheblicher Tatsachen erschlichen, d.h. mit einem unlaute-
ren oder  täuschenden Verhalten  erwirkt  worden ist. Arglist  im Sinne 
des  strafrechtlichen  Betrugstatbestandes  wird  nicht  verlangt.  Es  ge-
nügt,  wenn der Betroffene bewusst  falsche Angaben macht  bzw. die 
Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt und so den Vorwurf 
auf sich zieht, es unterlassen zu haben, die Behörde über eine erhebli-
che Tatsache zu informieren (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.1 S. 114 f. und 
BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f., je mit Hinweisen). Weiss der Betroffene, 
dass die Voraussetzungen für  die erleichterte Einbürgerung auch im 
Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so muss er die Behörden 
unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung der Verhältnisse ori-
entieren, von der er weiss oder wissen muss, dass sie einer Einbürge-

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rung entgegegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem Grundsatz 
von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtlichen Mitwirkungs-
pflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde darf sich ihrer-
seits darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passi-
vem Verhalten des Gesuchstellers nach wie vor der Wirklichkeit  ent-
sprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.).

5.
5.1 In der Bundesverwaltungsrechtspflege gilt der Grundsatz der frei-
en Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes 
vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273]). 
Frei ist die Beweiswürdigung darin, dass sie nicht an bestimmte starre 
Beweisregeln gebunden ist, welche der Behörde genau vorschreiben, 
wie ein gültiger Beweis zu Stande kommt und welchen Beweiswert die 
einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben. Freie Beweis-
würdigung ist  aber nicht  mit  freiem Ermessen zu verwechseln (FRITZ 
GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. Bern 1983, S. 278/279; 
zu den Beweismitteln: BGE 130 ll 169 E. 2.3.2 ff.). Wenn ein Entscheid 
– wie  im vorliegenden Fall  –  zum Nachteil  des  Betroffenen in  seine 
Rechte eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde.

5.2 Im  Zusammenhang  mit  der  Nichtigerklärung  einer  erleichterten 
Einbürgerung ist  von der Verwaltung zu untersuchen,  ob die Ehe im 
Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  und  der  Einbürgerung tatsächlich 
gelebt wurde (BGE 130 ll 169 E. 2.3.1 S. 172). Hierbei geht es im We-
sentlichen um innere Vorgänge, die der Behörde oft nicht bekannt und 
schwierig zu beweisen sind. In derartigen Situationen ist es zulässig, 
von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbekannte (Vermu-
tungsfolge) zu schliessen. Solche tatsächlichen Vermutungen können 
sich  in  allen  Bereichen  der  Rechtsanwendung  ergeben,  namentlich 
auch im öffentlichen Recht. Es handelt sich um Wahrscheinlichkeitsfol-
gerungen, die auf Grund der Lebenserfahrung gezogen werden (ULRICH 
HÄFELIN, Vermutungen im öffentlichen Recht, in: Festschrift für Kurt Ei-
chenberger, Basel 1982, S. 625 ff., S. 626; vgl. auch PETER SUTTER, Die 
Beweislastregeln unter besonderer Berücksichtigung des verwaltungs-
rechtlichen  Streitverfahrens,  Diss.  Zürich  1988,  S. 56 ff.  und  178 ff., 
und GYGI, a.a.O., S. 282 ff; zu Art. 8 ZGB vgl. MAX KUMMER, Berner Kom-
mentar, N. 362 f.).

5.3 Als Problem der Beweiswürdigung berührt die tatsächliche Vermu-
tung weder die Beweislast noch die das Verwaltungsverfahren beherr-

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schende Untersuchungsmaxime. Letztere gebietet zwar, dass die Ver-
waltung auch nach entlastenden,  das heisst  die Vermutung erschüt-
ternden Elementen sucht. Bei Konstellationen im Zusammenhang mit 
der erleichterten Einbürgerung liegt es aber in der Natur der Sache, 
dass solche entlastenden Elemente der Verwaltung oft nicht bekannt 
sein dürften und nur die Betroffenen darüber Bescheid wissen können. 
Es obliegt  daher dem erleichtert  Eingebürgerten,  der dazu nicht  nur 
aufgrund seiner Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG) verpflichtet ist, son-
dern daran auch ein Eigeninteresse haben muss, die Vermutung durch 
den  Gegenbeweis  bzw.  erhebliche  Zweifel  umzustürzen,  indem  er 
Gründe oder Sachumstände aufzeigt, die es als überzeugend (nach-
vollziehbar) erscheinen lassen, dass eine angeblich noch wenige Mo-
nate  zuvor  bestehende,  ungetrennte  eheliche  Gemeinschaft  in  der 
Zwischenzeit  dergestalt  in  die  Brüche  gegangen  ist,  dass  es  zur 
Scheidung kam (BGE 130 II 482 E. 3.2 S. 485 f.).

6.
Die  erleichterte  Einbürgerung  des  Beschwerdeführers  wurde  innert 
der gesetzlichen Frist von fünf Jahren mit Zustimmung des Heimatkan-
tons Bern für nichtig erklärt. Die formellen Voraussetzungen des Art. 
41 Abs. 1 BüG für eine Nichtigerklärung sind somit erfüllt.

7.
7.1 Die Vorinstanz stellt  sich auf  den Standpunkt,  dass im Zeitpunkt 
der erleichterten Einbürgerung keine intakte Ehe mehr bestanden ha-
ben könne und der Beschwerdeführer das gegenüber der zuständigen 
Behörde bewusst verheimlicht habe. Sie schliesst dies aus dem Um-
stand, dass die Eheleute schon vor Einleitung des Einbürgerungsver-
fahrens  im  gleichen  Haus  eine  zweite  Wohnung  zugemietet  hatten, 
aus Feststellungen im Polizeibericht vom 16. Juli 2001 zu den Wohn-
verhältnissen,  aus  gewissen  Unterlagen  des  Scheidungsverfahrens, 
aus Aussagen der geschiedenen Ehefrau anlässlich deren Einvernah-
me vom 24. November 2004 und schliesslich aus der zeitlichen Abfol-
ge von erleichterter Einbürgerung, Trennung, Scheidung und Wieder-
verheiratung (des Beschwerdeführers).

7.2 Der Beschwerdeführer hält dagegen, seine Ehe mit der Schweizer 
Bürgerin sei im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung am 23. Janu-
ar 2002 und auch noch danach intakt gewesen und er habe entspre-
chend nichts verheimlicht. Es treffe zwar zu, dass im Jahre 2001 – wie 
in gewissen Abständen schon früher – bei der Ehefrau gesundheitliche 

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Probleme aufgetreten seien. Diese Probleme (in Form von Rückenbe-
schwerden) hätten ein Intimleben verunmöglicht. Die Ehegattin habe 
ihn in Bezug auf sein Sexualleben auch diesmal „freigegeben“, um die 
Ehe als Ganzes retten zu können. Im Gegensatz zu früheren Situatio-
nen  habe  sich  dann  aber  der  gesundheitliche  Zustand  der  Ehefrau 
nicht mehr gebessert und es sei im Verlaufe des Jahres 2002 zu einer 
schleichenden Entfremdung gekommen, die im Herbst 2002 zur Ein-
sicht geführt habe, dass keine stabile eheliche Gemeinschaft mehr be-
stehe  und  man getrennte  Wege gehen wolle.  Dass im wesentlichen 
Zeitraum eine intakte Ehe bestanden habe, ergebe sich u.a. aus ge-
meinsamen Reisen in sein Heimatland und aus den Schilderungen von 
Referenzpersonen. Seine jetzige Ehefrau habe er erst nach erfolgter 
Scheidung im September 2003 auf einer Zugfahrt in Marokko kennen 
gelernt. Aus dem Umstand,  dass er  und seine damalige Ehefrau im 
Jahre 1998 in der gleichen Liegenschaft eine zweite Wohnung zuge-
mietet hätten, könnten keine Rückschlüsse auf den Zustand der Ehe 
gezogen werden. Besagte Wohnung sei aufgrund ihrer sanitären Aus-
stattung (weder Bad noch Dusche)  nur beschränkt  nutzbar  gewesen 
und habe  beiden Ehegatten  als  temporäre  Rückzugsmöglichkeit  ge-
dient.

8.
8.1 Aus den Akten ergibt sich folgendes Bild: Der Beschwerdeführer 
gelangte offenbar 1994 erstmals in die Schweiz. Hier lernte er eine 20 
Jahre ältere Schweizer Bürgerin kennen. Am 11. August 1997 heirate-
ten die beiden; der Beschwerdeführer war zu diesem Zeitpunkt 31, sei-
ne Braut 51 Jahre alt. Damit verschaffte er sich ein dauerhaftes Anwe-
senheitsrecht in der Schweiz. Am 17. März 2001 stellte er Antrag auf 
erleichterte Einbürgerung. In einem von der kantonalen Verwaltungs-
behörde veranlassten Informationsbericht  vom 16. Juli  2001 hielt  die 
Kantonspolizei  Aargau fest,  die  Ehegatten bewohnten zwei  separate 
Wohnungen  im gleichen  Haus; die  Ehefrau  alleine  im  Erdgeschoss, 
der Beschwerdeführer im zweiten Stock, wo sich auch seine Kleider 
und persönlichen Effekten befänden. In der Wahrnehmung des Verfas-
sers dieses Berichts wurde die Ehe zum fraglichen Zeitpunkt nicht ge-
lebt.  Nachdem  die  Ehegatten  mit  einem  entsprechenden  Dokument 
belegt hatten, dass sie beide Partner des Mietvertrags für die Zweit-
wohnung waren, holte die Vorinstanz Referenzauskünfte befreundeter 
Personen ein. Am 24. Oktober 2001 unterzeichneten die Ehegatten zu-
handen der Vorinstanz die gemeinsame Erklärung über den Zustand 
ihrer  Ehe und am 23. Januar 2002 wurde der  Beschwerdeführer  er-

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leichtert eingebürgert.

Am  16.  Oktober  2002  reichten  die  Parteien  beim  Bezirksgericht 
B._______ ein gemeinsames Scheidungsbegehren ein. In einer dem 
Gericht  vorgelegten  Scheidungsvereinbarung  vom 19. Oktober  2002 
hielten sie u.a. fest, der gemeinsame Haushalt sei schon zwei Wochen 
zuvor aufgelöst worden. Die Wohnung sei aber architektonisch in zwei 
Teile  trennbar  und  könne  daher  vorläufig  von beiden  weiter  benutzt 
werden. In den Scheidungsakten findet sich ferner ein amtliches For-
mular  vom 25. Oktober  2001  zur  Meldung  von Mietzinsänderungen. 
Besagtes Schreiben betrifft – aus der Höhe des Mietzinses zu schlie-
ssen – die Zweitwohnung und ist an den Beschwerdeführer allein ad-
ressiert.  Mit  Urteil  vom 6.  Mai  2003  wurde  die  Ehe  geschieden  (in 
Rechtskraft  seit  4. Juni 2003). Am 9. Oktober 2003 heiratete der Be-
schwerdeführer in Marokko eine gegenüber ihm 17 Jahre (gegenüber 
seiner geschiedenen schweizerischen Ehefrau 37 Jahre) jüngere Frau 
aus seinem Kulturkreis. Aus dieser zweiten Ehe ging am 3. Juli 2005 
ein gemeinsames Kind hervor.

8.2 Die  dargelegten  Eckdaten,  namentlich  die  Zeitspanne  von  nur 
rund  achteinhalb  Monaten  zwischen  erleichterter  Einbürgerung  und 
Einreichung  eines  gemeinsamen  Scheidungsbegehrens  sowie  die 
Wiederverheiratung gerade vier  Monate nach Rechtskraft  der Schei-
dung von der Schweizer Bürgerin begründen eine tatsächliche Vermu-
tung dafür, dass im Zeitpunkt  der gemeinsamen Erklärung des Ehe-
paares bzw. der erleichterten Einbürgerung keine stabile, auf die Zu-
kunft gerichtete eheliche Gemeinschaft mehr bestanden haben kann. 
Die Vermutung wird bestärkt durch eine ganze Anzahl von Indizien, auf 
die im Folgenden noch einzugehen ist. Es sind dies vorab die Ausfüh-
rungen der Beteiligten selbst zu den aufgetretenen ehelichen Schwie-
rigkeiten, die Wohnverhältnisse der beiden und nicht zuletzt der Alters-
unterschied des  Beschwerdeführers  gegenüber  seiner  geschiedenen 
Schweizer  Ehefrau  (zur  Bedeutung  und  Tragweite  der  tatsächlichen 
Vermutung im Verfahren auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbür-
gerung vgl. grundlegend BGE 130 II 482 E. 3.2 S. 485 f.).

9.
Nachfolgend ist  zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in der Lage ist, 
die solchermassen anzunehmende tatsächliche Vermutung zu widerle-
gen. Dazu braucht er zwar nicht den Nachweis zu erbringen, dass die 
Ehe zum massgeblichen Zeitpunkt intakt war, denn eine tatsächliche 

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Vermutung führt nicht zur Umkehr der Beweislast. Es genügt, wenn der 
Beschwerdeführer eine plausible Alternative zur dargestellten Vermu-
tungsfolge  präsentieren  kann. Er  kann  den  Gegenbeweis  erbringen, 
sei es indem er glaubhaft den Eintritt eines ausserordentlichen Ereig-
nisses dartut, das geeignet ist, den raschen Verfall der ehelichen Ban-
de zu erklären,  sei  es  indem er  in  nachvollziehbarer  Weise darlegt, 
dass er sich der ehelichen Probleme nicht bewusst gewesen sei und 
dass er demzufolge zum Zeitpunkt, als er die Erklärung unterzeichne-
te, den wirklichen Willen hatte, weiterhin eine stabile eheliche Bezie-
hung aufrecht zu erhalten (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 mit Hinweisen und 
BGE  130  II  482  E.  3.2  S.  485  f.;  ferner  Urteil  des  Bundesgerichts 
1C_504/2008 vom 5. März 2009 E. 2.1). Angesichts der Indizien, auf 
die  sich  die  tatsächliche Vermutung  vorliegend stützt,  sind  indessen 
keine geringen Anforderungen zu stellen, wenn es darum geht, glaub-
haft  zu machen,  dass die Ehe erst  nach der erleichterten Einbürge-
rung in die Krise kam und scheiterte.

9.1
9.1.1 Wie bereits  erwähnt  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  die 
Ehe sei im Zeitraum des Einbürgerungsverfahrens intakt gewesen und 
habe erst nach dessen Abschluss eine schleichende Zerrüttung erfah-
ren, die schliesslich zur Scheidung führte. In seiner ersten kurzen Stel-
lungnahme vom 8. März 2004 liess er  einzig verlauten, im Zeitpunkt 
der Einbürgerung hätten sie beide nicht beabsichtigt, sich scheiden zu 
lassen oder zu trennen. Dann aber sei seine Ehefrau sehr krank ge-
worden und habe unbedingt  die  Scheidung gewollt. Diesem Wunsch 
habe er entsprochen. Mit seiner Formulierung setzte der Beschwerde-
führer eine enge zeitliche Relation zwischen dem Aufkommen gesund-
heitlicher  Probleme und  dem Wunsch  der  Ehefrau  nach  Scheidung; 
beides positioniert er in der Zeit nach der erleichterten Einbürgerung. 
In seiner zweiten Stellungnahme vom 11. Dezember 2006 hielt er hier-
zu fest,  die Ehe sei bis 2001 gut verlaufen. In jener Zeit  habe seine 
Partnerin schwere gesundheitliche Probleme bekommen, die zeitweise 
beiden den Schlaf geraubt hätten. Deswegen und aus anderen Grün-
den habe er die zweite Wohnung im gleichen Haus hinzugemietet. Es 
sei  eine  schwierige  Situation  gewesen. Er  habe seine Ehefrau zwar 
nach Kräften zu unterstützen versucht, es ihr aber häufig nicht recht 
machen können. So sei es vorgekommen, dass sie seine Hilfsangebo-
te abgelehnt und Ruhe gewünscht habe, um ihm anschliessend vorzu-
werfen,  er  lasse sie in der unteren Wohnung alleine. Trotz all  dieser 
Schwierigkeiten habe er nie an Trennung oder Scheidung gedacht.

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9.1.2 Die geschiedene Ehefrau ihrerseits gab anlässlich der polizeili-
chen Anhörung vom 24. November 2004 im Wesentlichen zu Protokoll, 
die Ehe sei bis 2001 gut verlaufen. In jenem Jahr seien bei ihr die ge-
sundheitlichen Folgen eines 30 Jahre zurückliegenden Arbeitsunfalls, 
bei dem sie Verletzungen an der Wirbelsäule erlitten habe, wieder akut 
zutage getreten. Sie habe unter starken Schmerzen gelitten, deshalb 
ihren ehelichen Pflichten nicht mehr nachkommen können und den Be-
schwerdeführer (sexuell) freigegeben. Auf die Frage, ab wann von ei-
ner Scheidung oder Trennung die Rede gewesen sei, meinte sie, dies 
sei glaublich im Herbst 2001 gewesen, als sie krank geworden sei. Auf 
den  Hinweis  des  Befragers,  wonach  sie  nach  Darstellung  des  Be-
schwerdeführers in seiner Stellungnahme vom 8. März 2004 erst nach 
dessen Einbürgerung sehr krank geworden sei und sich deshalb zur 
Scheidung  entschlossen  habe,  antwortete  die  Beschwerdeführerin, 
das treffe zu. Auf die Frage, weshalb sie sich wegen ihrer Krankheit 
habe scheiden lassen wollen,  gab sie zu Protokoll,  das Sexualleben 
habe nicht mehr gestimmt. Weil ihr Ehemann dieses „auswärts“ habe 
ausleben müssen, sei ein Eheleben nicht mehr denkbar gewesen. Auf 
die Feststellung des Befragers schliesslich, wonach sich eine funktio-
nierende, stabile Ehe normalerweise doch gerade durch gegenseitigen 
Beistand in schwierigen Situationen auszeichne, meinte die geschie-
dene Ehefrau, sie habe den Beschwerdeführer nicht mit ihrer Krank-
heit  belasten und sein Leben ruinieren wollen. Schliesslich sei  er  ja 
auch „einiges“ jünger als sie. 

9.1.3 In  seinen  Rechtsmittelschriften  hält  der  Beschwerdeführer  an 
der Behauptung fest,  wonach die Ursache für das spätere Scheitern 
der Ehe in Form von akuten gesundheitlichen Problemen bei der Ehe-
frau zwar schon im Jahre 2001 und damit noch während des Einbürge-
rungsverfahrens aufgetreten sei, ihre Folgen in Form einer schleichen-
den  Zerrüttung  aber  erst  nach  Abschluss  des  Einbürgerungsverfah-
rens eingesetzt hätten. Diese Darstellung kann nicht überzeugen. Sie 
wirkt  aufgesetzt  und  steht  im  Widerspruch  zur  vorerwähnten  (ur-
sprünglichen) Aussage der geschiedenen Ehefrau, wonach von Schei-
dung oder Trennung erstmals im Herbst 2001 die Rede gewesen sei. 
Die Darstellung des Beschwerdeführers deckt sich aber auch nicht mit 
dessen  eigener  Stellungnahme vom 11. Dezember  2006,  mit  der  er 
einräumte, dass es wegen des Gesundheitszustandes seiner damali-
gen Ehefrau von 2001 an viele Probleme gegeben habe. 

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9.1.4 Aufgrund der Fakten und der Aussagen des Beschwerdeführers 
und seiner  geschiedenen Ehefrau lässt  sich nicht  ernsthaft  in  Frage 
stellen, dass die Belastung der Ehe aufgrund akuter gesundheitlicher 
Probleme schon im Jahre 2001 eingesetzt haben muss und der daraus 
abgeleitete Zerrüttungsprozess nicht einfach auf einen Zeitraum nach 
dem 23. Januar 2002 (Datum der erleichterten Einbürgerung) nachver-
legt werden kann. 

9.2
9.2.1 Aus dem Umstand,  dass er  und seine schweizerische Ehefrau 
zeitweise zwei Wohnungen angemietet hatten, lassen sich nach Auf-
fassung des Beschwerdeführers keine Rückschlüsse auf den Zustand 
der  Ehe  ziehen.  Die  Zweitwohnung  habe  nicht  als  vollwertige  Woh-
nung, sondern als situative Rückzugsmöglichkeit gedient und sei sol-
chermassen von beiden Ehegatten abwechslungsweise genutzt  wor-
den. 

9.2.2 Tatsache ist, dass besagte Zweitwohnung von den Parteien nicht 
erst  im Zusammenhang mit  der  akuten Verschlechterung in  den ge-
sundheitlichen  Verhältnissen  der  geschiedenen  Ehefrau  im  Jahre 
2001, sondern schon 1998 gemietet wurde. Beim Mietobjekt handelte 
es sich um eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Keller, Estrich und Wasch-
küchenanteil. Unter der Rubrik 'Benützungsart' wurde auf dem Vertrag 
'Neben- oder Zweitwohnung' angekreuzt. Tatsache ist auch, dass die 
Kantonspolizei Aargau nach einem Augenschein vom 14. Juli 2001 im 
Bericht  vom  16. Juli  2001  klar  und  unmissverständlich  festhielt,  die 
Ehegatten würden nicht  in  einem gemeinsamen Haushalt  leben. Die 
Ehefrau lebe alleine in einer Wohnung im Erdgeschoss. Dort seien kei-
ne  persönlichen  Gegenstände  des  Beschwerdeführers  festzustellen 
gewesen. Solche und auch die Kleider des Beschwerdeführers hätten 
sich in  der Wohnung im 2. Stock befunden. Die Erheblichkeit  dieses 
Berichts  lässt  sich entgegen der  Auffassung des Beschwerdeführers 
nicht schon dadurch in Frage stellen, dass die Vorinstanz die erleich-
terte Einbürgerung in dessen Kenntnis trotzdem verfügte. Seine Aus-
sagekraft  ist  auch  nicht  mit  der  (beschwerdeweise  erhobenen)  Be-
hauptung zu beseitigen, wonach der Beschwerdeführer einen Teil sei-
ner Kleider in der zugemieteten Wohnung aufbewahrte, weil er (schon 
damals) dort zeitweise auch genächtigt habe, der kontrollierende Be-
amte  im  Übrigen  aber  in  der  gemeinsamen  ehelichen  Wohnung  im 
Parterre keine Schränke geöffnet habe. Immerhin war im Informations-
bericht der Kantonspolizei  nicht nur von Kleidern,  sondern auch von 

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andern persönlichen Gegenständen die Rede. Tritt hinzu, dass der Be-
schwerdeführer und seine Ehefrau in der gemeinsamen Erklärung vom 
29. August  2001  gegenüber  der  Vorinstanz  festgehalten  hatten,  die 
Zweitwohnung diene der Unterbringung von Gästen. Sie hätten beide 
oft  Besuch,  welcher  ein  bis  zwei  Tage bleibe.  Von einer  Benutzung 
durch den Beschwerdeführer oder seine Ehefrau persönlich war dort 
(noch) keine Rede. Dass die Zweitwohnung von Anfang an zu mehr als 
nur  zur  Unterbringung  von  Besuchern  bzw. als  gelegentliche  Rück-
zugsmöglichkeit  gedient haben muss, ergibt sich auch aus dem Hin-
weis  der  geschiedenen  Ehefrau  in  ihrem  zu  den  Akten  erkannten 
Scheiben vom 4. Juni 2007, wonach sie in der Ehe „auch immer mit 
dem Geld zu kämpfen“ gehabt und deshalb beispielsweise auf häufi-
gere Heimatreisen verzichtet hätten.

9.3 Weitere Indizien dafür, dass die Ehegatten sich nicht erst – wie in 
der Beschwerde behauptet – Ende Februar 2003, sondern schon zu 
einem früheren Zeitpunkt getrennt hatten, ergeben sich aus gewissen 
Unterlagen im Scheidungsverfahren. 

9.3.1 Der  Scheidungskonvention  vom 19. Oktober  2002  zufolge  war 
die eheliche Wohnung architektonisch in zwei Teile trennbar. Letztere 
Feststellung  in  einem Dokument  von  erhöhtem Beweiswert  als  „Un-
sinn“  eines  „Winkeladvokaten“  abzuqualifizieren,  wie  es  der  Rechts-
vertreter tut, erweist sich im dargelegten Kontext als unbehelflich. Der 
fragliche Text der Vereinbarung steht  offensichtlich für  den Umstand, 
dass eine getrennte Wohnmöglichkeit am bisherigen Ort bestand, bis 
auf weiteres genutzt werden konnte und keine der Parteien zum Aus-
zug angehalten werden musste. 

9.3.2 Kommt hinzu, dass ein am 25. Oktober 2001 vom Vermieter un-
terzeichnetes  Formular  betreffend  Mietzinserhöhung  für  die  Zweit-
Wohnung per 1. Februar 2002 sich nurmehr an den Beschwerdeführer 
allein richtete. Nachdem im ursprünglichen Mietvertrag vom 25. August 
1998 ausdrücklich beide Ehegatten als Mieter aufgeführt waren, kann 
es für das spätere Vorgehen des Vermieters vernünftigerweise keinen 
anderen Grund gegeben haben als denjenigen, dass der Beschwerde-
führer besagtes Logis inzwischen alleine für  sich beanspruchte. Das 
lässt sich nicht mit dem Einwand in Frage stellen, wonach der Formu-
larbrief alleine vom Vermieter stamme und deshalb nicht zulasten des 
Beschwerdeführers ausgelegt werden dürfe (Replik S. 4 ad Ziff. 4 der 
Beschwerde). 

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9.3.3 Dass  die  Zweit-Wohnung  einer  separaten  Nutzung  durch  den 
Beschwerdeführer grundsätzlich zugänglich war, lässt sich schliesslich 
auch nicht mit dem Hinweis auf fehlende sanitäre Einrichtungen (Du-
sche, Bad) bestreiten. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass in 
fraglicher Wohnung keine Waschgelegenheit bestanden hätte und der 
Beschwerdeführer  gehalten  gewesen wäre,  sich  in  der  Wohnung  im 
Parterre zu waschen, würde dies die Möglichkeit eines ansonsten ge-
trennten Wohnens noch nicht ausschliessen.

9.4 Mit  Blick  auf  die  Wahrscheinlichkeit  eines  alternativen  Gesche-
hensablaufes von Belang erscheint des Weiteren der vergleichsweise 
grosse Altersunterschied von 20 Jahren zwischen dem Beschwerde-
führer und seiner um soviel  älteren schweizerischen Ehefrau. Einem 
solchen Aspekt kommt zusätzliche Bedeutung zu, wenn – wie dies für 
den Kulturkreis des Beschwerdeführers zutrifft – Ehen primär zur Fa-
miliengründung geschlossen werden (zur  Altersfrage siehe auch die 
Urteile  des  Bundesgerichts  5A.16/2006  vom  27.  Juli  2006  E.  2.5, 
5A.18/2006 vom 28. Juni 2006 E. 3.2 und 5A.2/2003 vom 3. April 2003 
E. 4.3). So erstaunt denn nicht, dass der Beschwerdeführer nach der 
Scheidung eine gegenüber der Schweizerin 37 Jahre jüngere Frau aus 
seinem angestammten Kulturkreis ehelichte. Mit ihr zeugte er ein Kind, 
das im Sommer 2005 zur Welt kam. Ein zusätzlicher Anhaltspunkt für 
eine  Zweckentfremdung  des  Instituts  der  erleichterten  Einbürgerung 
bildet in diesem Zusammenhang die auffallend rasche Heirat mit  der 
zweiten Ehefrau gerade mal vier Monate nach Rechtskraft des Schei-
dungsurteils. Hält man sich vor Augen, dass die Trauung am 9. Okto-
ber  2003  in  Agadir  erfolgte,  mutet  die  Darstellung  der  Parteien,  sie 
hätten sich im September 2003 in  einem Zug von Casablanca nach 
Rabat kennengelernt, wenig plausibel, wenn nicht realitätsfremd an.

9.5 Nichts besonderes für sich abzuleiten vermag der Beschwerdefüh-
rer sodann aus zwei während der Ehe mit der Schweizerbürgerin un-
ternommenen  gemeinsamen  Reisen  nach  Marokko.  Zum  einen  ist 
nicht bekannt, wann genau diese Reisen stattfanden. Zum andern sind 
gemeinsame  Besuchs-  und  Ferienreisen  von  verheirateten  Paaren 
nach hiesigen Vorstellungen doch selbstverständlich und üblich. Abge-
sehen davon ist die geschiedene Schweizer Ehefrau erklärtermassen 
selbst in Marokko geboren, hat dort  bis 1950 gelebt und verfügt von 
daher möglicherweise noch über gewisse eigene soziale Kontakte zu 
diesem Land. 

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9.6 Ein taugliches Element zum Beweis einer im fraglichen Zeitraum 
intakten  und  auf  Zukunft  gerichteten  Ehe  kann  schlussendlich  auch 
nicht  in  den  schriftlichen  Aussagen  von Referenzpersonen aus dem 
Umfeld des Beschwerdeführers und seiner  damaligen Ehefrau gese-
hen  werden.  Eine  der  Referenzpersonen  deklarierte  sich  als  Vorge-
setzter oder Mitarbeiter des Beschwerdeführers und sah sich nicht in 
der  Lage,  Aussagen  zum  privaten  Umfeld  abzugeben.  Eine  weitere 
Referenzperson  bestätigte  gemeinsame  Auftritte  des  Ehepaars  und 
gegenseitige  Besuche  sowie  „Erzählungen  aus  dem  Familienleben, 
insbesondere  in  Bezug auf  Marokko (pieds noirs)“. Eine dritte  Refe-
renzperson äusserte sich ebenfalls als Arbeitskollege des Beschwer-
deführers vorab zu dessen integrativen Bemühungen und dazu, dass 
die Eheleute im Jahre 2000 eine Ferienreise nach Marokko unternom-
men hätten. Eine vierte Referenzperson gab sich als ehemalige Arbeit-
geberin des Beschwerdeführers zu erkennen und äusserte, dass ge-
mäss ihrem Wissen seine Ehe „völlig intakt“ sei. Eine fünfte Referenz-
person schliesslich bestätigte,  dass das Ehepaar „jederzeit“  gemein-
sam  auftrete  und  „stets  den  Eindruck  eines  glücklich  verheirateten 
Paars“ mache. Es versteht sich von selbst und bedarf keiner besonde-
ren Erläuterungen, dass mit solchen Äusserungen der Beweis einer in-
takten, auf Zukunft gerichteten Ehe nicht zu erbringen ist. Vielmehr be-
schränken sich solche Aussagen naturgemäss auf die Wahrnehmung 
eines äusseren Erscheinungsbildes. Für die Beurteilung der hier  we-
sentlichen Frage, ob die Ehe im fraglichen Zeitpunkt stabil und auf die 
Zukunft  ausgerichtet  war, erweisen sich solche Bestätigungen regel-
mässig  nicht  als  besonders  aufschlussreich  (siehe  dazu Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichs C-1155/2006 vom 31. März 2009 E. 8.4.5 
und C-1191/2006 vom 31. Oktober 2008 E. 6.3).

10.
Dem  Beschwerdeführer  ist  es  somit  nicht  gelungen,  die  gegen  ihn 
sprechende Vermutung überzeugend in Frage zu stellen, wonach spä-
testens im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung zwischen ihm und 
seiner schweizerischen Ehefrau keine stabile und auf Zukunft gerichte-
te eheliche Gemeinschaft bestanden hat. Indem der Beschwerdeführer 
in der gemeinsamen Erklärung den Bestand einer intakten und stabi-
len Ehe versicherte, bzw. Änderungen des Sachverhalts nicht anzeig-
te, hat er die Behörden über wesentliche Tatsachen getäuscht und die 
erleichterte  Einbürgerung  im Sinne  von Art.  41  Abs. 1  BüG erschli-
chen. Die materiellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der er-
leichterten Einbürgerung sind somit ebenfalls erfüllt. 

Seite 16

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11.
Gemäss Art. 41 Abs. 3 BüG erstreckt sich die Nichtigkeit auf alle Fami-
lienmitglieder,  deren Schweizer Bürgerrecht  auf  der nichtig  erklärten 
Einbürgerung beruht, sofern nicht ausdrücklich anders verfügt wird. Es 
kann davon ausgegangen werden, dass auch das im Jahre 2005 ge-
borene Kind aus der aktuellen Ehe des Beschwerdeführers davon be-
troffen ist. Gründe, die es rechtfertigen würden, dieses Kind von den 
Wirkungen der Nichtigerklärung auszunehmen, sind weder ersichtlich, 
noch werden solche geltend gemacht. Insbesondere ist nicht anzuneh-
men,  dass  ihm  als  Kind  marokkanischer  Eltern  die  Staatenlosigkeit 
droht,  falls  es von den Wirkungen der  Nichtigerklärung nicht  ausge-
nommen würde. Die angefochtene Verfügung ist  auch in  dieser Hin-
sicht nicht zu beanstanden.

12.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 
Verfügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher 
abzuweisen.

13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die 
Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 
3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

Dispositiv Seite 18

Seite 17

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 800.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Sie werden mit dem am 30. März 2007 in gleicher Höhe ge-
leisteten Kostenvorschuss verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die  Vorinstanz  (gegen  Empfangsbestätigung,  Akten  Ref-Nr.  [...] 

retour)
- den Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst des Kantons Bern (Ref-Nr. 

[...])

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Andreas Trommer Daniel Grimm

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Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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