# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27ae7cab-dfdc-58b1-b1a3-9f9bc27ae228
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.03.2021 E-890/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-890-2021_2021-03-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-890/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  M ä r z  2 0 2 1   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter Lorenz Noli,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien, wohnhaft in Syrien, 

handelnd durch seine Mutter (als gesetzliche Vertreterin) 

B._______,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl);  

Verfügung des SEM vom 11. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

E-890/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Syrien und lebt mit sei-

nem leiblichen Vater C._______) in Syrien. Aus der Ehe seiner Mutter 

B._______ (im Nachfolgenden: die Mutter; B._______) und seines Vaters 

C._______ ging ein zweites Kind, D._______ (im Nachfolgenden: 

D._______) geboren (…), der jüngere Bruder des Beschwerdeführers, her-

vor. Die Ehe der Eltern des Beschwerdeführers und seines Bruders 

D._______ wurde am (…) 2014 in Syrien geschieden. Dabei kam der ältere 

Bruder, der Beschwerdeführer, gemäss syrischem Scheidungsurteil vom 

(…) 2014 in die Obhut seines leiblichen Vaters C._______  Der jüngere 

Bruder D._______ verblieb in der Obhut seiner Mutter.  

B.  

Die Mutter heiratete am (…) 2015 in (...), Syrien, ihren zweiten Ehemann, 

den syrischen Staatsangehörigen E._______ (im Nachfolgenden: 

E._______).   

C.  

Gemäss den eigenen Angaben der Mutter im Rahmen ihres eigenen Asyl-

verfahrens (Verfahrensakten N […]) in der Schweiz floh diese Ende August 

2015 mit ihrem jüngeren Kind aus erster Ehe, D._______, aus Syrien und 

gelangte in die Türkei. Sie sei damals mit ihrer Tochter F._______ schwan-

ger gewesen. Kurze Zeit danach traf sich die Mutter mit ihrem in die Türkei 

nachgereisten zweiten Ehemann E._______  Am 23. September 2015 

reiste die Mutter mit ihrem Sohn D._______ und ihrem zweiten Ehemann 

E._______ gemeinsam in die Schweiz ein und die drei stellten gemeinsam 

ein Asylgesuch.  

D.  

Am (…) gebar die Mutter die mit E._______ gemeinsame Tochter 

F._______, welche in das hängige Asylverfahren ihrer Eltern einbezogen 

wurde (vgl. die Verfahrensakten N […], Akte A13).  

E.  

E.a Mit SEM-Verfügung vom 6. Februar 2017 wurde die originäre Flücht-

lingseigenschaft von E._______ festgestellt und ihm in der Schweiz Asyl 

gewährt.  

E-890/2021 

Seite 3 

E.b Mit Verfügung gleichen Datums verneinte das SEM die originäre 

Flüchtlingseigenschaft der Mutter, des Bruders D._______ und der in der 

Schweiz geborenen Halbschwester des Beschwerdeführers F._______.  

Gleichzeitig wurden gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) die Mut-

ter in die Flüchtlingseigenschaft ihres zweiten Ehemannes, D._______ 

wurde in die Flüchtlingseigenschaft seines Stiefvaters und F._______ in die 

Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters einbezogen (vgl. hierzu A25 und A23), 

und es wurde ihnen ebenfalls Asyl gewährt.   

F.  

Mit Eingabe vom 9. November 2020 ersuchte die Mutter das SEM um asyl-

rechtlichen Familiennachzug zugunsten ihres in Syrien verbliebenen älte-

ren Sohnes A._______ (der Beschwerdeführer).  

Zur Begründung wurde ausgeführt, der leibliche Vater von A._______, ihr 

Ex-Ehemann C._______,  sei psychisch angeschlagen und könne nicht 

mehr für den Sohn sorgen. Der Kindsvater habe in Syrien das Sorgerecht 

vor Gericht abgegeben und sich damit einverstanden erklärt, dass die Mut-

ter das alleinige Sorgerecht für A._______ ausüben könne und dass das 

Kind in die Schweiz zu seiner Mutter B._______ reisen könne.  

Zur Stützung der Vorbringen wurden Kopien folgender Dokumente einge-

reicht: 

- syrischer Familienausweis; 

- syrisches Scheidungsurteil vom (…) 2014; 

- eine von C._______ vor dem Scharia-Richter in Syrien unterzeichnete 

Verzichtserklärung (betreffend Sorgerecht für A._______) vom 7. Sep-

tember 2020; 

- syrische Gerichtsverfügung vom 7. September 2020 mit gerichtlicher 

Bewilligung der Abgabe des Sorgerechtsantrags von C._______ zu-

gunsten der Mutter B._______ und Ausreiseerlaubnis des Kindes; 

- Arztzeugnis eines syrischen Orthopäden betreffend C._______ 

G.  

Das SEM lehnte das Gesuch um asylrechtlichen Familiennachzug mit Ver-

fügung vom 11. Februar 2021 – der Mutter am 13. Februar 2021 eröffnet – 

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Seite 4 

ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer A._______ 

könne nicht als Flüchtling anerkannt und in das Asyl seiner Mutter 

B._______ einbezogen werden, da diese selbst den Flüchtlingsstatus und 

das Asyl nicht originär, sondern abgeleitet von ihrem zweiten Ehemann 

E._______, mithin derivativ, erhalten habe.  

H.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Mutter des Beschwerdeführers mit Ein-

gabe vom 26. Februar 2020 für ihren Sohn A._______ Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die SEM-Verfügung vom 11. 

Februar 2021 sei aufzuheben; das Familiennachzugsgesuch zugunsten 

von A._______ sei gutzuheissen und ihm die Einreise in die Schweiz zu 

bewilligen. Ferner sei im Beschwerdeverfahren die Möglichkeit für die Er-

teilung eines humanitären Visums zu prüfen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde weiter beantragt, auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses sei zu verzichten und die unentgeltliche Pro-

zessführung zu gewähren.  

Zur Begründung wurde ausgeführt, der Verzicht der Mutter auf das Obhuts-

recht betreffend A._______ sei seitens ihres Ex-Ehemannes als Bedingung 

für die damalige Scheidung im (…) 2014 verlangt worden. Die Mutter habe 

sich nicht freiwillig von ihrem älteren Sohn getrennt; sie sei vielmehr von 

ihrem Ex-Ehemann zu dieser Trennung genötigt worden. In der kurdischen 

Kultur und Gesellschaft sei bekannt, dass die Kinder bei einer Scheidung 

beim Vater bleiben würden und die Mutter auf die Kinder verzichten müsse. 

Der Ex-Ehemann und Vater von A._______ habe wieder geheiratet und sei 

heute psychisch angeschlagen. Er könne nicht mehr für A._______ sorgen. 

Deshalb habe er das Sorgerecht vor dem Gericht in Syrien aufgegeben 

und sich damit einverstanden erklärt, dass das alleinige Sorgerecht der (in 

der Schweiz lebenden) Mutter zugesprochen werde und das Kind zur Mut-

ter in die Schweiz reisen könne. A._______ werde in Syrien schlecht be-

handelt; die zweite Ehefrau seines Vaters wolle nicht, dass er bei seinem 

Vater lebe. A._______ gehe oft nicht nach Hause und übernachte auswärts 

oder im Freien. Zu Hause werde er gedemütigt und misshandelt. Die in der 

Schweiz lebende Mutter sei verpflichtet, ihren älteren Sohn zu schützen. 

Von Kindesschutzmassnahmen sei in Syrien schon lange keine Rede 

mehr. Die Kinderrechtskonvention und das Kindeswohl verlange das Ein-

greifen der Schweizer Behörden. A._______ habe einen engen Bezug zur 

Schweiz, weil seine Mutter und sein Bruder hier lebten und den Flüchtlings-

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Seite 5 

status innehätten. Sein jüngerer Bruder D._______ sei in die Flüchtlingsei-

genschaft des zweiten Ehemannes der Mutter einbezogen worden. Dem-

nach hätte auch A._______ Anspruch auf diesen Einbezug gehabt und er 

hätte wie sein Bruder D._______ in die Flüchtlingseigenschaft seines Stief-

vaters einbezogen werden müssen.   

Eine Familienzusammenführung sei nur in der Schweiz möglich.  Da eine 

Kindesgefährdung vorliege, seien auch die Voraussetzungen für die Ertei-

lung eines humanitären Visums erfüllt.  

I.  

Am 1. März 2021 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be-

schwerde.  

J.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. März 2020 in elektronischer und physischer Form vor (vgl. Art. 109 

Abs. 6 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat – vertreten durch seine Mutter als seine gesetzliche 

Vertreterin – am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

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Seite 6 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der (…)-jährige, 

mutmasslich noch urteilsunfähige Beschwerdeführer ist zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert, indem seine Mutter als seine gesetzliche Ver-

treterin handelt (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt des nach-

stehend Gesagten (vgl. E. 3 und 7.2) – einzutreten. 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Auf den Antrag betreffend Prüfung der Voraussetzungen der Erteilung ei-

nes humanitären Visums ist nicht einzutreten, da diese Frage nicht Gegen-

stand der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. Februar 2021 gebildet hat 

und somit vom vorliegend massgeblichen Prozessgegenstand nicht um-

fasst wird. 

Es bleibt dem Beschwerdeführer respektive seiner Mutter und seinem 

Stiefvater aber unbenommen, ein entsprechendes Gesuch bei der  

Vorinstanz einzureichen. Im Rahmen dieses Gesuches wären die Vorbrin-

gen betreffend Kindesschutz und Kindeswohl (Umstand, dass der leibliche 

Vater in Syrien nicht mehr bereit sein soll, für sein Kind zu sorgen, Kindes-

gefährdung aufgrund der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situa-

tion sowie aufgrund der familiären Gegebenheiten) geltend zu machen.   

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer beantragte im vorinstanzlichen Verfahren den 

Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter. Zur Begründung 

wurde vorgetragen, seine Mutter und sein Bruder lebten als asylberechtigte 

anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz. Der in Syrien lebende leibliche Va-

ter sei psychisch angeschlagen und nicht mehr in der Lage, für ihn – den 

Beschwerdeführer – zu sorgen.   

4.2 Das SEM lehnte das Gesuch um Familienasyl und Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft der Mutter ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, 

es liege ein «besonderer Umstand» im Sinne von Art. 51 AsylG vor. Da die 

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Mutter des Beschwerdeführers selbst die Flüchtlingseigenschaft nur abge-

leitet von ihrem zweiten Ehemann E._______ erhalten habe, seien die Vo-

raussetzungen für den beantragten Einbezug des Beschwerdeführers in 

die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter vorliegend nicht erfüllt.  

5.  

Zu klären ist, ob der Beschwerdeführer in die Flüchtlingseigenschaft seiner 

Mutter einbezogen werden kann und ihm die Einreise in die Schweiz 

zwecks Gewährung von Asyl zu gestatten ist.   

5.1 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – na-

mentlich die Ehegatten und die minderjährigen Kinder von Flüchtlingen ih-

rerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, wenn 

keine besonderen Umstände dagegensprechen und sie nicht bereits in ei-

gener Person die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllen (die 

originäre Flüchtlingseigenschaft ist jeweils als Erstes zu prüfen; vgl. Art. 37 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Art. 51 

AsylG kommt in der Praxis nur noch beim Einbezug von Familienmitglie-

dern ohne eigene Verfolgungsgründe zur Anwendung. Indem das zum 

Nachzug berechtigte Familienmitglied seinen Status an die Mitglieder sei-

ner Kernfamilie weitergeben kann, garantiert Art. 51 Abs. 1 AsylG den Fa-

milienmitgliedern eines anerkannten Flüchtlings grundsätzlich einen ein-

heitlichen Status (vgl. dazu auch BVGE 2019 VI/3 E.5.3). Gemäss Art. 51 

Abs. 3 AsylG werden in der Schweiz geborene Kinder als Flüchtlinge aner-

kannt und erhalten Asyl; allerdings erfolgt dieser Status-Transfer nicht au-

tomatisch in jedem Fall, sondern nur, sofern ihm keine besonderen Um-

stände entgegenstehen (vgl. BVGE 2015/40 E. 3.4.4.3). 

Voraussetzung für den Einbezug in das Familienasyl ist, dass die in der 

Schweiz als Flüchtling anerkannte Person ihrerseits originär, das heisst 

nicht selbst schon abgeleitet von einem anderen Familienmitglied, den 

Asylstatus und die Flüchtlingseigenschaft erhalten hat. Ein lediglich deriva-

tiver, das heisst bereits von einem Familienangehörigen abgeleiteter Er-

werb der Flüchtlingseigenschaft, berechtigt dagegen nicht zur weiteren 

Übertragung. Diesbezüglich liegt ein "besonderer Umstand" gemäss 

Art. 51 Abs. 1 AsylG vor, der dem Einbezug eines Familienangehörigen in 

die (derivativ erworbene) Flüchtlingseigenschaft entgegensteht (vgl. BVGE 

2012/32 E. 5.1 m.w.H.). 

5.2 Im Gesuch um Familiennachzug vom 9. November 2020 beantragte 

die Mutter für ihren Sohn A._______ den asylrechtlichen Familiennachzug, 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/40

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Seite 8 

das heisst den Einbezug ihres älteren Sohnes in ihre – von der Flüchtlings-

eigenschaft ihres zweiten Ehemannes E._______ abgeleitete – Flücht-

lingseigenschaft.  

 

Auf diese Konstellation beschränkte sich die vorinstanzliche Prüfung des 

Familiennachzuggesuches durch das SEM. In der angefochtenen Verfü-

gung verweigerte das SEM den Einbezug des Sohnes A._______ in die 

derivativ zugesprochene Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter.     

Die entsprechenden Erwägungen des SEM sind korrekt und praxiskon-

form. Das SEM hat das Gesuch des Beschwerdeführers betreffend den 

Einbezug in das Asyl seiner Mutter im Wege des Familienasyls zu Recht 

abgelehnt. Tatsächlich sind vorliegend die gesetzlichen Voraussetzungen 

für den Einbezug nach Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht gegeben, da die Mutter 

des Beschwerdeführers die Flüchtlingseigenschaft nicht persönlich, das 

heisst originär, erfüllt, sondern ihren Flüchtlingsstatus bereits abgeleitet 

von der Flüchtlingseigenschaft ihres zweiten Ehemannes E._______, also 

derivativ, erhalten hat.  

5.3 In der Beschwerdeschrift wird bezüglich des Einbezugs in die Flücht-

lingseigenschaft der Mutter nichts Stichhaltiges vorgetragen, was am vo-

rinstanzlichen Entscheid etwas ändern könnte.  

5.4 Das SEM hat nach dem Gesagten das Gesuch des Beschwerdeführers 

um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter gemäss Art. 51 

Abs. 1 AsylG und um asylrechtlichen Familiennachzug gestützt auf das 

AsylG in Übereinstimmung mit der geltenden Rechtsprechung und somit 

zu Recht abgelehnt. 

6.  

Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die 

Mutter B._______ als Asylberechtigte in der Schweiz über einen gefestig-

ten Aufenthaltsanspruch – gemäss Art. 60 AsylG mit Anspruch auf Verlän-

gerung des Aufenthaltstitels – im Sinne Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK 

verfügt.  

Grundsätzlich besteht damit die Möglichkeit, einen ausländerrechtlichen 

Familiennachzug im Sinne der einschlägigen Bestimmungen des Bundes-

gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer 

und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR 

142.20) zu beantragen. 

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Seite 9 

Die Prüfung der Frage, ob ein ausländerrechtlicher Familiennachzug des 

Sohnes A._______ gestützt auf das AIG in Frage kommt, fällt in die Zu-

ständigkeit der kantonalen Migrationsbehörde. Ein diesbezügliches Ge-

such wäre bei der kantonalen Migrationsbehörde einzureichen.  

7.  

7.1 In der Beschwerdeschrift wird sinngemäss beantragt, der Beschwerde-

führer sei in die Flüchtlingseigenschaft seines Stiefvaters E._______ ein-

zubeziehen.  

Dazu wird ergänzend argumentiert wird, es sei unverständlich, dass dem 

Bruder D._______  – unter den gleichen Sachverhaltsvoraussetzungen – 

der Einbezug in die (originäre) Flüchtlingseigenschaft des Stiefvaters 

E._______ bewilligt worden sei, während dem Beschwerdeführer derselbe 

Einbezug verweigert werde. Der Beschwerdeführer beruft sich damit sinn-

gemäss auf den in Art. 8 Abs. 1 BV enthaltenen Grundsatz der Rechts-

gleichheit, wonach Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und 

Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln sei. 

7.2 Hierzu ist das Folgende festzuhalten: 

Mit dieser auf Beschwerdeebene neu vorgetragenen Argumentation wird 

verkannt, dass die Mutter in ihrem beim SEM eingereichten Familiennach-

zugsgesuch zugunsten ihres Sohnes A._______ dessen Einbezug in ihre 

eigene, derivativ zuerkannte Flüchtlingseigenschaft verlangt hat. Im  

vorinstanzlichen Familiennachzugsverfahren wurde hingegen nicht bean-

tragt, dass der Sohn A._______ in die Flüchtlingseigenschaft seines Stief-

vaters einzubeziehen sei. In der Folge wurde diese Einbezugskonstellation 

auch konsequenter- und korrekterweise vom SEM auch nicht geprüft.

  

Die Frage des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft des Stiefvaters 

E._______ war somit nicht Prozessgegenstand des vorinstanzlichen Ver-

fahrens.  

Bei dieser Sachlage kann das Gericht den beantragten Einbezug auch 

nicht überprüfen. Auf das sinngemäss gestellte Rechtsbegehren auf Ein-

bezug in die Flüchtlingseigenschaft von E._______ ist deshalb nicht einzu-

treten. 

E-890/2021 

Seite 10 

7.3 Es bliebe dem Beschwerdeführer indessen auch diesbezüglich unbe-

nommen, über seine Mutter als gesetzliche Vertreterin (respektive durch 

E._______) ein entsprechendes Gesuch um asylrechtlichen Einbezug in 

die Flüchtlingseigenschaft seines Stiefvaters E._______ beim SEM einzu-

reichen.  

Da sich A._______ nicht in der Schweiz (dies die Konstellationen von Art. 

51 Abs  1 AsylG), sondern im Ausland aufhält, wären für einen asylrechtli-

chen Familiennachzug die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG, ins-

besondere die vorbestandene Familiengemeinschaft zwischen dem ge-

suchstellenden Kind A._______ und der anspruchsberechtigten Person 

E._______ und ihre Trennung durch die Flucht, zu prüfen. 

In diesem Zusammenhang muss allerdings festgehalten werden, dass das 

Kind A._______ und E._______ in Syrien offenbar nie zusammengelebt 

haben. Aus den Asylverfahrensakten der Mutter und des Stiefvaters 

E._______ geht hervor, dass der in Syrien lebende Beschwerdeführer – 

abgesehen von einem einmonatigen Aufenthalt bei seiner Mutter (vgl. A14, 

Antwort 57) nach der Scheidung seiner Eltern stets bei seinem leiblichen 

Vater in (…) gelebt hat (vgl. A14, Antworten 31 und 50). Den Asylverfah-

rensakten von B._______ und E._______ sind keine Anhaltspunkte zu ent-

nehmen, die darauf hinweisen würden, dass der Sohn A._______ vor der 

Flucht seiner Mutter, seines Stiefvaters und Bruders D._______ jemals in 

einer Familiengemeinschaft mit E._______ gelebt hätte. Den Akten zufolge 

wurde er bei der Scheidung in die Obhut seines leiblichen Vaters gestellt 

und er hat seit der Scheidung seiner Eltern jeweils – mit Ausnahme eines 

einmonatigen Aufenthaltes bei seiner Mutter – beim Vater in (…) gelebt. 

7.4 In der Rechtsmittelschrift wird schliesslich der Einwand der ungleichen 

Behandlung des Beschwerdeführers im Vergleich zu seinem in der 

Schweiz lebenden Bruder D._______ erhoben.  

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Prüfung der 

jeweiligen Voraussetzungen der Bestimmungen von Art. 51 Abs. 1 und Art. 

51 Abs. 4 AsylG unterschiedliche Sachverhalte zugrunde liegen. Bei dem 

in Syrien lebenden Beschwerdeführer liegt eine andere rechtliche Konstel-

lation vor als bei seinem in der Schweiz lebenden Bruder D._______ Von 

einer rechtsungleichen Behandlung kann vorliegend deshalb nicht die 

Rede sein.  

E-890/2021 

Seite 11 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig fest-

stellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – an-

gemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der be-

sonderen Umstände ist auf die Erhebung der Kosten – trotz Unterliegen in 

der Sache – zu verzichten (vgl. Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-890/2021 

Seite 12 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Sandra Bodenmann 

 

 

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