# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8be3f1cf-65d3-5f39-a1c8-d2a65a00c3ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-04-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.04.2014 BVGE 2014/3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2014-3_2014-04-07.pdf

## Full Text

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 31 

 

8 Gesundheit – Arbeit – Soziale Sicherheit 
Santé – Travail – Sécurité sociale 
Sanità – Lavoro – Sicurezza sociale 

3 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung III 
i.S. 46 Krankenversicherer gegen 

Luzerner Kantonsspital und Regierungsrat des Kantons Luzern 
C‒1698/2013 vom 7. April 2014 

Krankenversicherung. Tariffestsetzung nach den Regeln der neuen 

Spitalfinanzierung. Grundsatzurteil. 

Art. 43, Art. 49 und Art. 53 Abs. 2 KVG. Art. 59c Abs. 1 KVV. 

1. Neue Beweismittel: Verhältnis der Novenregel gemäss Art. 53 
Abs. 2 Bst. a KVG zu den übrigen Verfahrensvorschriften des 

VwVG, namentlich zum Untersuchungsgrundsatz (E. 1.5). 

2. Kognition bei Tariffestsetzungsbeschlüssen (E. 1.4, 3.2.7 und 
10.1.4). 

3. Bedeutung der spitalindividuellen Kosten bei der Tariffestlegung, 
Zulässigkeit von Effizienzgewinnen, Gesetzeskonformität von 

Art. 59c Abs. 1 Bst. a und b KVV (E. 2). 

4. Grundsätze zur Ermittlung der benchmarking-relevanten Be-
triebskosten (E. 3‒9). 

5. Benchmarking und Preisbildung (E. 10). 

Assurance-maladie. Fixation des tarifs selon les règles du nouveau 

financement hospitalier. Arrêt de principe. 

Art. 43, art. 49 et art. 53 al. 2 LAMal. Art. 59c al. 1 OAMal. 

1. Nouveaux moyens de preuve: rapport entre l'art. 53 al. 2 let. a 
LAMal régissant les faits nouveaux et les autres dispositions de la 

PA, notamment le principe de la maxime inquisitoire 

(consid. 1.5). 

2. Pouvoir d'examen dans les décisions de fixation des tarifs 
(consid. 1.4, 3.2.7 et 10.1.4). 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

32 BVGE / ATAF / DTAF 

 

3. Importance des frais individuels de l'hôpital lors de l'établisse-
ment des tarifs, admissibilité des gains d'efficacité, conformité à 

la loi de l'art. 59c al. 1 let. a et b. OAMal (consid. 2). 

4. Principes applicables à la détermination des coûts d'exploitation 
pertinents pour le benchmarking (consid. 3‒9). 

5. Benchmarking et formation des prix (consid. 10). 

Assicurazione malattia. Fissazione di una tariffa secondo le regole 

del nuovo finanziamento ospedaliero. Sentenza di principio. 

Art. 43, art. 49 e art. 53 cpv. 2 LAMal. Art. 59c cpv. 1 OAMal. 

1. Nuovi mezzi di prova: rapporto tra la regola sulla deduzione di 
fatti nuovi prevista all'art. 53 cpv. 2 lett. a LAMal e le altre 

norme procedurali della PA, in particolare il principio inquisi-

torio (consid. 1.5). 

2. Potere cognitivo nell'esame delle decisioni di fissazione delle 
tariffe (consid. 1.4, 3.2.7 e 10.1.4). 

3. Importanza dei costi del singolo ospedale nell'ambito della 
determinazione delle tariffe, ammissibilità degli utili risultanti da 

un'accresciuta efficienza, conformità alla legge dell'art. 59c cpv. 1 

lett. a e b OAMal (consid. 2). 

4. Principi applicabili alla determinazione dei costi d'esercizio 
rilevanti per il benchmarking (consid. 3‒9). 

5. Benchmarking e formazione dei prezzi (consid. 10). 

 

Mit Beschluss vom 26. Februar 2013 setzte der Regierungsrat den 

(definitiven) Tarif für die stationäre Spitalbehandlung von obligatorisch 

krankenversicherten Patientinnen und Patienten im Luzerner Kantons-

spital (LUKS) ‒ betreffend die von tarifsuisse AG vertretenen Kranken-

versicherer ‒ mit Wirkung ab 1. Januar 2012 auf Fr. 10 325.‒ (Basispreis 

bzw. Fallpauschale für Schweregrad 1.0, inkl. Anlagenutzungskosten, 

zzgl. Fallbeitrag an SwissDRG AG) fest. 

Dagegen liess tarifsuisse AG im Namen von 46 Krankversicherern am 

27. März 2013 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ‒ unter 

Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss Gesetz ‒ der angefochtene 

Beschluss aufzuheben und rückwirkend ab 1. Januar 2012 ein Basispreis 

von Fr. 8 974.‒ (inkl. Anlagenutzungskosten) festzusetzen. Nach Eingang 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 33 

 

der Vernehmlassung der Vorinstanz und der Beschwerdeantwort der Be-

schwerdegegnerin holte das Gericht je eine Stellungnahme der Preisüber-

wachung und des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sowie einen Be-

richt der SwissDRG AG ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht hebt den angefochtenen Beschluss auf 

und weist die Sache zur erneuten Festsetzung des Tarifs an die Vorinstanz 

zurück. 

Aus den Erwägungen: 

1.  
1.1 Gemäss Art. 53 Abs. 1 KVG (SR 832.10) kann gegen Be-
schlüsse der Kantonsregierungen nach Art. 47 KVG beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde geführt werden. Den angefochtenen Beschluss 

vom 26. Februar 2013 hat die Vorinstanz gestützt auf Art. 47 Abs. 1 KVG 

erlassen. Das Bundesverwaltungsgericht ist deshalb zur Beurteilung der 

Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 90a Abs. 2 KVG). 

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich 
gemäss Art. 37 VGG (SR 173.32) und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grund-

sätzlich nach den Vorschriften des VwVG (SR 172.021). Vorbehalten 

bleiben allfällige Abweichungen des VGG und die besonderen Bestim-

mungen des Art. 53 Abs. 2 KVG. 

1.3 (…) 

1.4 Die Beschwerdeführerinnen können im Rahmen des Beschwer-
deverfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss-

brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die 

Unangemessenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG). 

Tariffestsetzungsbeschlüsse nach Art. 47 KVG sind vom Bundesverwal-

tungsgericht mit voller Kognition zu überprüfen (Art. 53 Abs. 2 Bst. e 

KVG e contrario; BVGE 2010/24 E. 5.1). 

1.4.1 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, 
der volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungs-

spielraum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene 

Entscheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter 

mehreren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das 

Bundesverwaltungsgericht darf demzufolge sein Ermessen nicht ohne 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

34 BVGE / ATAF / DTAF 

 

triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen (vgl. BGE 

126 V 75 E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die 

Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdi-

gung hoch stehende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder 

wirtschaftliche Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts 

bei der Überprüfung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 

135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher 

keine unzulässige Kognitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht ‒ das 

nicht als Fachgericht ausgestaltet ist ‒ nicht ohne Not von der Auffassung 

der Vorinstanz abweicht, soweit es um die Beurteilung technischer, 

wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die 

Vorinstanz über ein besonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 139 II 185 

E. 9.3; 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3 m.H.; BVGE 2010/25 E. 2.4.1 

m.w.H.). Dies gilt jedenfalls, soweit die Vorinstanz die für den Entscheid 

wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen 

sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (BGE 139 II 185 E. 9.3; 138 

II 77 E. 6.4). 

1.4.2 Im Bereich der Tariffestsetzungen gilt es indessen zu beachten, 
dass die Kantonsregierung die Preisüberwachung zunächst anhören (vgl. 

Art. 14 Abs. 1 PüG [SR 942.20]) und zudem begründen muss, wenn sie 

deren Empfehlung nicht folgt (Art. 14 Abs. 2 PüG). Nach der Recht-

sprechung des Bundesrates kam den Empfehlungen der Preisüberwa-

chung ein besonderes Gewicht zu, weil die auf Sachkunde gestützte Stel-

lungnahme bundesweit einheitliche Massstäbe bei der Tariffestsetzung 

setze (vgl. Kranken- und Unfallversicherung: Rechtsprechung und Ver-

waltungspraxis [RKUV] 1997 KV 16 S. 343 E. 4.6). Das Bundesver-

waltungsgericht auferlegt sich praxisgemäss dann eine Zurückhaltung, 

wenn der Entscheid der Vorinstanz mit den Empfehlungen der Preis-

überwachung übereinstimmt (BVGE 2010/25 E. 2.4.2; 2012/18 E. 5.4). 

Weicht die Kantonsregierung hingegen von den Empfehlungen der Preis-

überwachung ab, kommt weder der Ansicht der Preisüberwachung noch 

derjenigen der Vorinstanz generell ein Vorrang zu (BVGE 2010/25 

E. 2.4; Urteil des BVGer C‒7967/2008 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.2, 

teilweise publiziert in BVGE 2010/62; vgl. auch STAFFELBACH/ 

ENDRASS, Der Ermessensspielraum der Behörden im Rahmen des Tarif-

festsetzungsverfahrens nach Art. 47 i.V.m. Art. 53 KVG, 2006, Rz. 231). 

Nach dem Willen des Gesetzgebers obliegt es ‒ trotz Anhörungs- und 

Begründungspflicht gemäss Art. 14 PüG ‒ der Kantonsregierung, bei ver-

tragslosem Zustand den Tarif festzusetzen (vgl. auch RKUV 2004 KV 

265 S. 2 E. 2.4; RUDOLF LANZ, Die wettbewerbspolitische Preisüberwa-

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 35 

 

chung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XI, 2. Aufl. 

2007, N. 113). Das Gericht hat in diesen Fällen namentlich zu prüfen, ob 

die Vorinstanz die Abweichung in nachvollziehbarer Weise begründet 

hat. Im Übrigen unterliegen die verschiedenen Stellungnahmen ‒ auch 

der weiteren Verfahrensbeteiligten ‒ der freien Beweiswürdigung bezie-

hungsweise Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht (BVGE 

2012/18 E. 5.4; 2010/25 E. 2.4.3). 

1.5 Die Beschwerdegegnerin beantragt, die folgenden, mit der Be-
schwerde eingereichten Beweismittel (…) aus dem Recht zu weisen: 

Jahresbericht des LUKS 2011 (…), REKOLE
® 

Zertifikatsregister (…), 

Auszug Jahresrechnung Kanton Luzern 2011 (…) und Auszug Voran-

schlag Kanton Luzern 2012 (…). Zur Begründung macht sie im Wesent-

lichen geltend, die Beschwerdeführerinnen hätten im vorinstanzlichen 

Verfahren ihre Mitwirkungspflicht verletzt und die Vorbringen betreffend 

unvollständiger Sachverhaltsabklärung seien als unzulässige Noven im 

Sinne von Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG zu betrachten. Namentlich hätten 

sich die Beschwerdeführerinnen jeweils nur knapp zu den Stellung-

nahmen des LUKS geäussert und insbesondere nicht darauf hingewiesen, 

dass einzelne Sachverhaltselemente einer weiteren Abklärung bedürften. 

Wenn sie nun erst im Beschwerdeverfahren geltend machten, was die 

Vorinstanz noch alles hätte abklären müssen, verhielten sie sich treu-

widrig. Ein solches Vorgehen widerspreche dem Geist von Art. 53 Abs. 2 

Bst. a KVG (…). 

1.5.1 Der von der Beschwerdegegnerin angerufene Art. 53 Abs. 2 
Bst. a KVG bestimmt, dass neue Tatsachen und Beweismittel nur soweit 

vorgebracht werden dürfen, als erst der angefochtene Beschluss dazu An-

lass gibt, und neue Begehren unzulässig sind. 

Art. 53 Abs. 2 KVG sieht ‒ insbesondere mit dem Ziel der Verfah-

rensstraffung (vgl. BVGE 2012/9 E. 4.3.1) ‒ weitere Abweichungen von 

der Verfahrensordnung des VwVG vor. Nach Bst. b sind die Art. 22a 

(Stillstand der Fristen) und Art. 53 (Ergänzende Beschwerdeschrift) 

VwVG nicht anwendbar. Das Gericht hat zur Einreichung einer Ver-

nehmlassung eine nicht erstreckbare Frist von höchstens 30 Tagen zu 

setzen (Bst. c), wobei der Begriff der Vernehmlassung hier in einem wei-

ten Sinn zu verstehen ist und die Stellungnahmen von allen Beteiligten 

im Sinne von Art. 57 VwVG umfasst. Ein weiterer Schriftenwechsel 

nach Art. 57 Abs. 2 VwVG findet in der Regel nicht statt (Bst. d). In 

Beschwerdeverfahren gegen Spitallistenbeschlüsse (Art. 39 KVG) ist die 

Rüge der Unangemessenheit nicht zulässig (Bst. e). 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

36 BVGE / ATAF / DTAF 

 

1.5.2 Weitergehende Ausnahmen zum VwVG sieht Art. 53 Abs. 2 
KVG nicht vor. Dies bedeutet, dass auch in Beschwerdeverfahren nach 

Art. 53 KVG der in Art. 12 VwVG verankerte Grundsatz gilt, wonach 

das Bundesverwaltungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von 

Amtes wegen festzustellen hat und nicht an die Beweisanträge der Par-

teien gebunden ist (vgl. MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesver-

waltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49). Sodann können gemäss Art. 32 

Abs. 2 VwVG selbst verspätete Parteivorbringen berücksichtigt werden, 

wenn sie ausschlaggebend erscheinen.  

1.5.3 Die in Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG verankerte Novenregelung ist 
nicht ohne Weiteres in Einklang zu bringen mit den vorliegend anwend-

baren Verfahrensvorschriften des VwVG, namentlich mit dem Untersu-

chungsgrundsatz (vgl. auch MEYER/DORMANN, in: Basler Kommentar 

Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 99 N. 1 ff., insb. N. 6). Weil der 

Untersuchungsgrundsatz die Parteien nicht von ihrer Mitwirkungspflicht 

befreit, kommt dieser bei der Abgrenzung von zulässigen und unzulässi-

gen Vorbringen entscheidende Bedeutung zu. Mitwirkungspflichtig sind 

die Parteien für umstrittene und beweisbedürftige Tatsachen, die in ihrem 

Einflussbereich liegen (MEYER/DORMANN, a.a.O., Art. 99 N. 6). In Aus-

nahmefällen kann es sich indessen im Beschwerdeverfahren auch dann 

als notwendig erweisen, zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, wenn 

die Parteien im vorinstanzlichen Verfahren ihrer Mitwirkungspflicht 

nicht vollumfänglich nachgekommen sind. Daher wäre es jedenfalls nicht 

sachgerecht, Beweismittel förmlich aus dem Recht zu weisen (zumal das 

Bundesverwaltungsgericht nicht an die Beweisanträge der Parteien 

gebunden ist) und sie ‒ sollten sie sich als erheblich erweisen ‒ zu einem 

späteren Zeitpunkt gestützt auf Art. 12 VwVG wieder einzuholen. Einem 

solchen Vorgehen würde nicht nur Art. 32 Abs. 2 VwVG, sondern auch 

das mit Art. 53 Abs. 2 KVG angestrebte Ziel der Verfahrensbeschleuni-

gung entgegenstehen.  

1.5.4 Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG entspricht im Wesentlichen Art. 99 
BGG. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts be-

stimmt sich die Neuheit eines Begehrens im Sinne von Art. 53 Abs. 2 

Bst. a KVG analog der Praxis des Bundesgerichts zu Art. 99 BGG (Urteil 

des BVGer C‒220/2012 vom 4. Juni 2012 E. 2.2; BVGE 2012/18 E. 3.2). 

Gleiches hat grundsätzlich auch für die Beurteilung neuer Tatsachen und 

Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG zu gelten. Mass-

gebend ist der Vergleich mit den Vorbringen im vorinstanzlichen Ver-

fahren beziehungsweise den Akten der Vorinstanz (vgl. Urteil des BVGer 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 37 

 

C‒195/2012 vom 24. September 2012 E. 5.1.2; BVGE 2012/18 E. 3.2). 

Allerdings ist nicht zu verkennen, dass die Novenregelung in Art. 53 

Abs. 2 Bst. a KVG in einem anderen Kontext steht als diejenige in 

Art. 99 BGG, denn das Bundesgericht ist grundsätzlich an den vor-

instanzlich festgestellten Sachverhalt gebunden (Art. 105 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 97 Abs. 1 BGG) beziehungsweise kann diesen in einzelnen Rechts-

gebieten zwar frei überprüfen (Art. 105 Abs. 3 i.V.m. Art. 97 Abs. 2 

BGG) und von Amtes wegen berichtigen (vgl. BGE 135 V 194 E. 3.4), es 

stellt aber nicht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

fest. Zu beachten ist ferner, dass das Bundesgericht in zweiter Instanz 

Gerichtsurteile überprüft, Art. 53 KVG hingegen Beschwerdeverfahren 

betrifft, in welchen das Bundesverwaltungsgericht als einzige Gerichts-

instanz urteilt (vgl. Art. 83 Bst. r BGG). Diesen verfahrensrechtlichen 

Unterschieden ist ebenso Rechnung zu tragen wie dem vom Gesetzgeber 

mit Erlass von Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG (als lex specialis) vorgenom-

menen Wertungsentscheid. 

Das Verhältnis der Novenregelung (Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG) und des 

Grundsatzes der Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen (Art. 12 

VwVG) ist in dem Sinne zu interpretieren, dass Art. 53 Abs. 2 Bst. a 

KVG zwar den Untersuchungsgrundsatz im Beschwerdeverfahren nicht 

aufhebt, diesen jedoch in den Hintergrund treten lässt. Das Bundesver-

waltungsgericht wird daher nur ‒ aber immerhin ‒ in besonderen Fällen 

ergänzende Sachverhaltsabklärungen vornehmen. Der Untersuchungs-

grundsatz führt jedoch nicht dazu, dass die Novenregelung nach Art. 53 

Abs. 2 Bst. a KVG nicht oder nur beschränkt anwendbar wäre. Daher 

können sich die Parteien im Beschwerdeverfahren nur auf neue Tat-

sachen und Beweismittel berufen, soweit erst der angefochtene Beschluss 

dazu Anlass gibt. Für diese Auslegung spricht im Bereich der Tarifstrei-

tigkeiten auch, dass den Tarifparteien nicht erst im vorinstanzlichen 

Tariffestsetzungsverfahren, sondern bereits im Rahmen der Tarifver-

handlungen erhebliche Mitwirkungspflichten (bspw. die Verhandlungs-

pflicht, vgl. BVGE 2010/24 E. 5.2 und 6) zukommen. Zudem hat das 

Bundesverwaltungsgericht den der Vorinstanz zustehenden Ermessens-

spielraum in dieser ausgesprochen fachtechnischen Materie zu respek-

tieren (vgl. E. 1.4.1), was einer umfassenden Sachverhaltsabklärung 

durch das Gericht ‒ mit dem Ziel, ein reformatorisches Urteil zu fällen ‒ 

in vielen Fällen entgegensteht. 

1.5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass im Sinne von Art. 53 Abs. 2 
Bst. a KVG verspätet eingereichte Beweismittel zwar nicht förmlich aus 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

38 BVGE / ATAF / DTAF 

 

dem Recht zu weisen sind, dass sich eine Partei aber nicht darauf berufen 

kann. 

1.5.6 Daraus folgt für das vorliegende Verfahren, dass die von den 
Beschwerdeführerinnen eingereichten Beweismittel (…) nicht aus dem 

Recht zu weisen sind. Der Verfahrensantrag der Beschwerdegegnerin ist 

daher abzuweisen. Ob die fraglichen Beweismittel und einzelne Vorbrin-

gen als verspätet und daher unzulässig zu betrachten sind, ist ‒ soweit 

diese grundsätzlich erheblich sind ‒ bei der Beurteilung der einzelnen 

Rügen zu prüfen.  

1.6 Am 1. Januar 2009 ist die KVG-Revision zur Spitalfinanzierung 
(Änderung vom 21. Dezember 2007, AS 2008 2049) in Kraft getreten. 

Per 1. Januar 2012 wurde der Systemwechsel bei der Spitalfinanzierung 

vollzogen (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 21. Dezem-

ber 2007 [Spitalfinanzierung], AS 2008 2056). Der angefochtene Be-

schluss ist somit aufgrund des revidierten KVG und dessen Ausführungs-

bestimmungen zu beurteilen. 

2. Die Beschwerdeführerinnen rügen zunächst, der angefochtene 
Beschluss verletze Art. 59c Abs. 1 Bst. a und b KVV (SR 832.102). Vor-

instanz und Beschwerdegegnerin erachten Art. 59c Abs. 1 KVV hingegen 

als mit den Grundsätzen der neuen Spitalfinanzierung nicht mehr verein-

bar. Die Verordnungsbestimmung verstosse gegen Art. 49 Abs. 1 KVG 

und sei daher nicht mehr anwendbar. 

2.1 Unter dem Titel « Tarifgestaltung » bestimmt Art. 59c Abs. 1 
KVV: Die Genehmigungsbehörde im Sinne von Artikel 46 Absatz 4 des 

Gesetzes prüft, ob der Tarifvertrag namentlich folgenden Grundsätzen 

entspricht: Der Tarif darf höchstens die transparent ausgewiesenen Kos-

ten der Leistung decken (Bst. a). Der Tarif darf höchstens die für eine ef-

fiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten decken (Bst. b). Ein 

Wechsel des Tarifmodells darf keine Mehrkosten verursachen (Bst. c). 

Gemäss Art. 59c Abs. 3 KVV sind diese Grundsätze bei Tariffestsetzun-

gen nach den Art. 43 Abs. 3, Art. 47 oder 48 des Gesetzes sinngemäss 

anzuwenden. 

2.2 Art. 59c KVV wurde mit der KVV-Änderung vom 27. Juni 2007 
(in Kraft seit 1. August 2007, AS 2007 3573) eingefügt. Dabei stützte 

sich der Bundesrat ‒ was aus der KVV nicht hervorgeht ‒ auf Art. 43 

Abs. 7 KVG, wonach er Grundsätze für eine wirtschaftliche Bemessung 

und eine sachgerechte Struktur sowie für die Anpassung der Tarife auf-

stellen kann (vgl. Kommentar des BAG vom Juni 2007 betreffend die 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 39 

 

Änderungen der KVV für den 1. August 2007 und 1. Januar 2008 S. 6, 

nachfolgend: Kommentar KVV-Änderungen 2007). In der Verordnung 

sollten einige der vom Bundesrat als Rechtsprechungsbehörde entwickel-

ten Grundsätze verankert werden, namentlich im Hinblick auf den Über-

gang der Rechtsprechungskompetenz an das Bundesverwaltungsgericht 

(Kommentar KVV-Änderungen 2007 S. 6). 

2.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann ‒ wie das Bundesgericht ‒ 
Verordnungen des Bundesrates vorfrageweise auf ihre Gesetz- und Ver-

fassungsmässigkeit prüfen (BGE 136 II 337 E. 5.1). Einer Verordnungs-

bestimmung, welche übergeordnetem Recht widerspricht oder in diesem 

keine Grundlage findet, hat das Gericht nach einer vorfrageweisen Prü-

fung die Anwendung zu versagen, sofern diese nicht gesetzes- oder ver-

fassungskonform ausgelegt werden kann (BVGE 2011/15 E. 3.2 m.w.H.). 

2.3.1 Vollziehungsverordnungen haben den Gedanken des Gesetzge-
bers durch Aufstellung von Detailvorschriften näher auszuführen und auf 

diese Weise die Anwendbarkeit der Gesetze zu ermöglichen. Sie dürfen 

das auszuführende Gesetz ‒ wie auch alle anderen Gesetze ‒ weder auf-

heben noch abändern; sie müssen der Zielsetzung des Gesetzes folgen 

und dürfen dabei lediglich die Regelung, die in grundsätzlicher Weise 

bereits im Gesetz Gestalt angenommen hat, aus- und weiterführen. Durch 

eine Vollziehungsverordnung dürfen dem Bürger oder der Bürgerin 

grundsätzlich keine neuen Pflichten auferlegt werden, selbst wenn diese 

durch den Gesetzeszweck gedeckt wären (BGE 136 I 29 E. 3.3; 130 I 

140 E. 5.1). 

2.3.2 Bei unselbstständigen Verordnungen, die sich auf eine gesetz-
liche Delegation stützen, ist zu prüfen, ob sich der Bundesrat an die 

Grenzen der ihm im Gesetz eingeräumten Befugnisse gehalten hat. So-

weit das Gesetz den Bundesrat nicht ermächtigt, von der Verfassung ab-

zuweichen, befindet das Gericht auch über die Verfassungsmässigkeit der 

unselbstständigen Verordnung. Wird dem Bundesrat durch die gesetz-

liche Delegation ein sehr weiter Ermessensspielraum für die Regelung 

auf Verordnungsstufe eingeräumt, so ist dieser Spielraum nach Art. 190 

BV für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich; es setzt in diesem 

Falle bei der Überprüfung der Verordnung nicht sein eigenes Ermessen 

an die Stelle desjenigen des Bundesrates, sondern beschränkt sich auf die 

Prüfung, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat im Gesetz 

delegierten Kompetenzen offensichtlich sprengt oder aus anderen Grün-

den gesetz- oder verfassungswidrig ist (BGE 136 II 337 E. 5.1 m.w.H.; 

vgl. auch BGE 137 III 217 E. 2.3; 133 V 569 E. 5.1). 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

40 BVGE / ATAF / DTAF 

 

2.4 Ob eine Delegationsnorm vorliegt und in welchem Rahmen dem 
Bundesrat die Kompetenz zur Rechtsetzung eingeräumt wurde, ist durch 

Auslegung zu ermitteln (vgl. WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemei-

nen Verwaltungsrechts, Bd. I, 2012, Rz. 442). 

2.4.1 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet nach der Rechtsprechung 
des Bundesgerichts der Wortlaut der massgeblichen Norm. Ist der Text 

nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss 

nach der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht werden, wobei alle 

Auslegungselemente zu berücksichtigen sind (Methodenpluralismus). 

Dabei kommt es namentlich auf den Zweck der Regelung, die dem Text 

zugrunde liegenden Wertungen sowie auf den Sinnzusammenhang an, in 

dem die Norm steht. Die Entstehungsgeschichte ist zwar nicht unmittel-

bar entscheidend, dient aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu er-

kennen. Namentlich bei neueren Rechtssätzen kommt ihr eine besondere 

Bedeutung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes Rechts-

verständnis eine andere Lösung weniger nahelegen. Vom Wortlaut darf 

abgewichen werden, wenn triftige Gründe dafür bestehen, dass er nicht 

den wahren Sinn der Regelung wiedergibt. Sind mehrere Auslegungen 

möglich, ist jene zu wählen, die der Verfassung am besten entspricht. 

Allerdings findet auch eine verfassungskonforme Auslegung ihre Gren-

zen im klaren Wortlaut und Sinn einer Gesetzesbestimmung (BGE 138 II 

440 E. 13; 138 IV 232 E. 3, je m.H.). Obwohl dem Wortlaut somit erheb-

liche Bedeutung zukommt, hat sich die Gesetzesauslegung vom Gedan-

ken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, 

sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. 

Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, 

ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis (BGE 139 II 

78 E. 2.4). 

2.4.2 Die vom Bundesrat als massgebend erachtete Delegationsnorm 
ist in Art. 43 KVG enthalten, welcher die Grundsätze zu Tarifen und 

Preisen festhält. Nach dessen Abs. 1 erstellen die (zugelassenen) Leis-

tungserbringer ihre Rechnungen nach Tarifen oder Preisen. Laut Abs. 4 

werden Tarife und Preise in Verträgen zwischen Versicherern und Leis-

tungserbringern (Tarifvertrag) vereinbart oder in den vom Gesetz be-

stimmten Fällen von der zuständigen Behörde festgesetzt. Dabei ist auf 

eine betriebswirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte Struktur 

der Tarife zu achten. Weiter verpflichtet Abs. 6 die Vertragspartner und 

die zuständigen Behörden, darauf zu achten, dass eine qualitativ hoch 

stehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu möglichst 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 41 

 

günstigen Kosten erreicht wird. Gemäss Abs. 7 kann der Bundesrat 

Grundsätze für eine wirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte 

Struktur sowie für die Anpassung der Tarife aufstellen. Er sorgt für die 

Koordination mit den Tarifordnungen der anderen Sozialversicherungen. 

2.4.3 Zunächst ist auf die Frage einzugehen, worauf sich die in Art. 43 
Abs. 7 KVG angeführte Kompetenz des Bundesrates, « Grundsätze für 

eine wirtschaftliche Bemessung » aufzustellen, bezieht. Die Formulie-

rung in Art. 43 Abs. 7 KVG entspricht weitgehend derjenigen in Art. 43 

Abs. 4 KVG, ausser dass Abs. 4 von betriebswirtschaftlicher Bemessung 

spricht, Abs. 7 dagegen von wirtschaftlicher Bemessung. Nach REGULA 

KÄGI-DIENER ist in beiden Fällen eine betriebswirtschaftliche Bemes-

sung gemeint (nicht publiziertes Gutachten betreffend Verfassungs- und 

Gesetzmässigkeit von Art. 59c Abs. 1 KVV vom 8. Februar 2009 

Ziff. 2.4, nachfolgend: Gutachten KÄGI-DIENER; publizierte Zusammen-

fassung des Gutachtens von HANSPETER KUHN, Schweizerische Ärzte-

zeitung 2009 S. 611 ff.; gleicher Ansicht: EVA DRUEY JUST, Das Prinzip 

betriebswirtschaftlicher Tarifbemessung im KVG, Jusletter 19. August 

2013 Rz. 9). Im Entwurf des Bundesrates (vgl. BBl 1992 I 269 [Art. 37 

E-KVG]) war der 2. Satz von Art. 43 Abs. 4 KVG, wonach auf eine 

betriebswirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte Struktur der 

Tarife zu achten ist, noch nicht enthalten. Nachdem im Rahmen der Bera-

tungen zunächst eine Formulierung mit dem Begriff « wirtschaftliche Be-

messung » aufgenommen worden war, nahm die ständerätliche Kommis-

sion für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) die Präzisierung der 

« betriebswirtschaftlichen Bemessung » vor, um den Unterschied zur 

Wirtschaftlichkeit zu verdeutlichen. Mit dem Grundsatz der betriebswirt-

schaftlichen Bemessung wollte der Gesetzgeber eine im gewöhnlichen 

Geschäftsverkehr verankerte und damit jederzeit nachvollziehbare Be-

messungsgrundlage gewährleisten (vgl. STAFFELBACH/ENDRASS, Rz. 82 

mit Hinweis auf das Protokoll der SGK vom 28. April 1992; vgl. auch 

LUDWIG BAPST, Tarifpolitik zwischen Markt und Macht, Bd. 102, 2010, 

Sachwörter- und Abkürzungsverzeichnis, S. 3; siehe auch BEATRICE 

GROSS HAWK, Selbständige nichtärztliche Medizinalpersonen in der 

freien Praxis ‒ wie viel Freiheit belässt ihnen das Krankenversicherungs-

recht?, 2008, Rz. 106). 

2.4.4 Im Entwurf des Bundesrates bereits enthalten war hingegen die 
Delegationsbestimmung gemäss Art. 43 Abs. 7 KVG (BBl 1992 I 269 

[Art. 37 Abs. 6 E-KVG]). Die Ausführungen in der Botschaft des Bun-

desrates vom 6. November 1991 über die Revision der Krankenversiche-

2014/3 Spitaltarife 

 

 

42 BVGE / ATAF / DTAF 

 

rung (BBl 1992 I 93 ff. [nachfolgend: Botschaft KVG 1991]) legen nahe, 

dass mit der wirtschaftlichen Bemessung eher die Wirtschaftlichkeit 

(oder die Effizienz) gemeint sein dürfte: « Welches auch die gewählte 

Tarifierungsart sei, die Vertragspartner und die zuständigen Behörden 

müssen stets darauf achten, dass die Tarifierung dazu beiträgt, eine quali-

tativ hochstehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu 

möglichst günstigen Kosten sicherzustellen […]. Diese Bestimmung zielt 

im Tarifbereich auf die genau gleiche Zwecksetzung hin wie Artikel 26 

(entspricht Art. 32 KVG, wonach Leistungen wirksam, zweckmässig und 

wirtschaftlich sein müssen) bei der Umschreibung der Pflichtleistungen 

und die Artikel 48‒51 bei der Erbringung der einzelnen Leistungen. Auf 

allen drei Ebenen ‒ Leistungsdefinition, Tarifierung und Leistungserbrin-

gung ‒ liegt die Sicherstellung hoher Qualität und Wirtschaftlichkeit 

letztlich im Interesse der Versichertengemeinschaft, und zwar der Patien-

ten wie der Gesunden. Damit die Tarife der angegebenen Zielsetzung 

möglichst gerecht werden, kann der Bundesrat auf Verordnungsstufe 

Grundsätze für eine wirtschaftliche Bemessung und eine sachgerechte 

Struktur der Tarife sowie für ihre Anpassung aufstellen » (Botschaft 

KVG 1991 S. 174). 

Der Ständerat folgte der Mehrheit der SGK nicht, welche den 1. Satz von 

Art. 43 Abs. 7 KVG (bzw. von Art. 37 Abs. 6 E-KVG) streichen wollte. 

Die (im Rat unterliegende) Kommissionsmehrheit sah mit dieser Be-

stimmung die Vertragsfreiheit beeinträchtigt; ihrer Ansicht nach wäre es 

Aufgabe der Tarifpartner gewesen, die überzeugendsten und wirtschaft-

lichsten Tarife auszuhandeln. Die Kommissionsminderheit ‒ welcher sich 

auch der zuständige Bundesrat und die Mehrheit des Rates anschlossen ‒ 

erachtete diese Kompetenz des Bundesrates hingegen als unverzichtbar 

im Hinblick auf die angestrebte Kostendämpfung (vgl. AB 1992 S 

1310 f.). 

2.4.5 Aus den Materialien ergibt sich somit, dass die Begriffe der 
betriebswirtschaftlichen Bemessung (in Art. 43 Abs. 4 KVG) und der 

wirtschaftlichen Bemessung (in Art. 43 Abs. 7 KVG) nicht dasselbe be-

deuten beziehungsweise sich Art. 43 Abs. 7 KVG nicht auf Art. 43 Abs. 4 

KVG bezieht. Vielmehr sollte dem Bundesrat die Kompetenz erteilt wer-

den, Grundsätze für eine wirtschaftliche Bemessung im Sinne der Wirt-

schaftlichkeit der Tarife festzulegen. 

2.4.6 Der ‒ insbesondere auch in Art. 32 KVG verankerte ‒ Grundsatz 
der Wirtschaftlichkeit bedeutet, dass die Leistungen in einem ange-

messenen Kosten-/Nutzenverhältnis stehen müssen (vgl. Botschaft KVG 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 43 

 

1991 S. 159). Für die Tarifverträge, die namentlich den Zweck haben, die 

Wirtschaftlichkeit der Leistungen zu gewährleisten (Urteil des BGer 

9C_252/2011 vom 14. Juli 2011 E. 5.2), ist der Grundsatz auch in Art. 43 

Abs. 6 KVG verankert. Die Konkretisierung unbestimmter Gesetzesbe-

griffe ‒ worunter die Wirtschaftlichkeit ohne Zweifel fällt ‒ steht dem 

Bundesrat auch aufgrund seiner Vollzugskompetenz (vgl. Art. 96 KVG) 

zu (vgl. WIEDERKEHR/RICHLI, a.a.O., Rz. 419 m.w.H.). Für die Wirt-

schaftlichkeitsprüfung im Sinne von Art. 56 KVG (einzelfallbezogene 

Prüfung a posteriori) hat das Bundesgericht diese Konkretisierung vorge-

nommen (vgl. GEBHARD EUGSTER, Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zum KVG, 2010, Art. 56 Rz. 1 ff.). Diese lässt sich indessen kaum auf 

die Tarifgestaltung übertragen. 

2.5 Im Sinne einer Zwischenbilanz kann festgehalten werden, dass 
Art. 59c KVV, soweit die Verordnung das Gebot der wirtschaftlichen 

Tarifgestaltung im Sinne von Art. 43 Abs. 6 KVG (oder einen anderen 

Tarifgestaltungsgrundsatz des KVG) konkretisiert, nicht als gesetzwidrig 

bezeichnet werden kann. Ob eine solche Konkretisierung vorliegt, ist im 

Folgenden zu prüfen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der Bundes-

rat als Verordnungsgeber ‒ unabhängig davon, ob Art. 43 Abs. 7 KVG 

dem Bundesrat lediglich gesetzesvollziehende Befugnisse einräumt (vgl. 

Gutachten KÄGI-DIENER) oder ihm die Kompetenz zum Erlass einer ge-

setzesvertretenden Verordnung delegiert wurde ‒ an die Regelungsidee 

des Gesetzgebers zu halten hatte (vgl. BGE 130 I 26 E. 5.2.2 i.V.m. 

E. 5.1). 

2.6 Wie bereits erwähnt, wurde Art. 59c KVV per 1. August 2007 in 
Kraft gesetzt (vgl. E. 2.2). Die Bestimmung hat aufgrund der KVG-Revi-

sion zur Spitalfinanzierung keine Änderung erfahren. 

2.6.1 Im Kommentar KVV-Änderungen 2007 wird zu Art. 59c Abs. 1 
Bst. a KVV lediglich festgehalten, die Transparenz der Kosten und Leis-

tungen sei ein zentrales Kriterium für eine wirtschaftliche Tarifgestal-

tung. Zu beurteilen seien die Kostengrundlagen und die durch geeignete 

Methoden durchgeführte Ermittlung der Kosten der Leistungen (Kom-

mentar KVV-Änderungen 2007 S. 6). Zur Vorgabe, dass der Tarif höchs-

tens die transparent ausgewiesenen Kosten der Leistung decken darf, 

enthält der Kommentar keine Ausführungen. 

2.6.2 Mit den Erläuterungen des BAG wird primär die betriebswirt-
schaftliche Bemessung der Tarife angesprochen, nicht der Grundsatz der 

Wirtschaftlichkeit. Eine betriebswirtschaftliche Bemessung ist zwar Vor-

2014/3 Spitaltarife 

 

 

44 BVGE / ATAF / DTAF 

 

aussetzung für die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit; nach der Recht-

sprechung des Bundesrates handelt es sich jedoch um verschiedene (kon-

kurrierende) Tarifgestaltungsgrundsätze (vgl. RKUV 1997 Nr. KV 5 

E. II.4 S. 137; RKUV 2001 Nr. KV 179 E. II.6.1 S. 384 f.). 

2.6.3 Die Wirtschaftlichkeit wird hingegen bei Art. 59c Abs. 1 Bst. b 
und c KVV angesprochen. Zu Bst. b, wonach der Tarif höchstens die für 

eine effiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten decken darf, 

wird Folgendes ausgeführt: « Für die Bestimmung eines wirtschaftlichen 

Tarifs dürfen von den transparent ausgewiesenen Kosten ausschliesslich 

diejenigen vergütet werden, die einer effizienten Leistungserbringung 

entsprechen. Die effiziente Leistungserbringung ist aufgrund von Aspek-

ten wie Auslastung sowie von Instrumenten oder Methoden wie Quer-

vergleiche[n] zu beurteilen. Mit den im Spitalbereich durchgeführten 

Betriebsvergleichen werden vergleichbare Kosten bei vergleichbarer 

Leistungserbringung gegenübergestellt, um die Effizienz zu beurteilen. 

Für den ambulanten Bereich gelten für alle Leistungserbringer häufig 

dieselben Tarife, die aufgrund einer Stichprobe der Kosten von Praxen 

oder Laboratorien berechnet werden. In diesen Fällen ist es wichtig, dass 

unter Berücksichtigung der Qualität auf die Kosten einer effizienten 

Leistungserbringung abgestellt wird und nicht auf Durchschnittskosten » 

(Kommentar KVV-Änderungen 2007 S. 6). 

2.6.4 Wie die für eine effiziente Leistungserbringung erforderlichen 
Kosten zu ermitteln sind, regelt Art. 59c KVV nicht. Aus dem Kommen-

tar KVV-Änderungen 2007 geht vielmehr hervor, dass Art. 59c Abs. 1 

Bst. b KVV beziehungsweise die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und 

Effizienz mit Bezug auf den in Frage stehenden Bereich (ambulant oder 

stationär) weiter zu konkretisieren sind. Unter den Begriff der Kosten im 

Sinne von Art. 59c Abs. 1 Bst. a und b KVV fallen sowohl Norm-Kosten 

(solche liegen bspw. dem Tarifwerk TARMED zugrunde) als auch indivi-

duell, bezogen auf einzelne Leistungserbringer ermittelte Kosten (wie im 

Anwendungsbereich des aArt. 49 Abs. 1 KVG [vgl. dazu E. 2.7.2 ff.]; 

vgl. zum [unklaren] Kostenbegriff des Art. 59c Abs. 1 KVV auch WILLY 

OGGIER, in: Recht und Ökonomie in KVG-Tarifgestaltung, 2010, 

S. 93 f., nachfolgend: Tarifgestaltung). Weiter ist zu bemerken, dass die 

Verordnungsbestimmung offenbar zum Teil absoluter formuliert wurde 

als eigentlich beabsichtigt, wie die Erläuterungen zu Art. 59c Abs. 1 

Bst. c KVV zeigen. Nach dieser Bestimmung darf ein Wechsel des 

Tarifmodells keine Mehrkosten verursachen. Im Kommentar dazu wird 

der Wortlaut etwas präzisiert (oder relativiert) und insbesondere auf die 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 45 

 

Rechtsprechung des Bundesrates verwiesen: « Der Grundsatz der Kos-

tenneutralität, das heisst, dass ein Wechsel des Tarifmodells dann nicht zu 

Mehrkosten führen darf, wenn Qualität und Menge der erbrachten Leis-

tungen im Vergleich zum alten Modell mehr oder weniger gleich bleiben 

[…], ist bereits in der Praxis gut verankert (z.B. TARMED und Änderun-

gen von Spitalvergütungssystemen) » (Kommentar KVV-Änderungen 

2007 S. 7). Die Tragweite des Art. 59c KVV kann ‒ wie das Bundesver-

waltungsgericht bereits im Urteil C‒5543/2008 vom 1. April 2011 

(E. 6.3) festgestellt hat ‒ nicht isoliert, sondern nur im Zusammenhang 

mit den Regelungen im KVG (und dessen Ausführungsbestimmungen) 

ermittelt werden. 

2.7 Für die stationäre Spitalbehandlung sind insbesondere die be-
sonderen Tarifgestaltungsgrundsätze des Art. 49 KVG zu berücksichti-

gen. Obwohl sich diese Bestimmung (mit dem Titel « Tarifverträge mit 

Spitälern ») nach ihrem Wortlaut an die Tarifparteien richtet, sind die 

darin verankerten Grundsätze auch bei einer hoheitlichen Festsetzung im 

Sinne von Art. 47 KVG zu beachten (Urteil des BVGer C‒4961/2010 

vom 18. September 2013 E. 4.4 m.w.H.). 

2.7.1 Gemäss Art. 49 Abs. 1 KVG vereinbaren die Vertragsparteien 
für die Vergütung der stationären Behandlung einschliesslich Aufenthalt 

und Pflegeleistungen in einem Spital (Art. 39 Abs. 1) oder einem Ge-

burtshaus (Art. 29) Pauschalen. In der Regel sind Fallpauschalen fest-

zulegen. Die Pauschalen sind leistungsbezogen und beruhen auf gesamt-

schweizerisch einheitlichen Strukturen. Die Vertragsparteien können 

vereinbaren, dass besondere diagnostische oder therapeutische Leistun-

gen nicht in der Pauschale enthalten sind, sondern getrennt in Rechnung 

gestellt werden. Die Spitaltarife orientieren sich an der Entschädigung 

jener Spitäler, welche die tarifierte obligatorisch versicherte Leistung in 

der notwendigen Qualität effizient und günstig erbringen. 

Diese Pauschalen dürfen keine Kostenanteile für gemeinwirtschaftliche 

Leistungen enthalten. Dazu gehören insbesondere die Aufrechterhaltung 

von Spitalkapazitäten aus regionalpolitischen Gründen sowie die For-

schung und universitäre Lehre (Art. 49 Abs. 3 KVG). 

2.7.2 In der bis zum Inkrafttreten der neuen Spitalfinanzierung gülti-
gen Fassung bestimmte aArt. 49 Abs. 1 KVG Folgendes: « Für die Ver-

gütung der stationären Behandlung einschliesslich Aufenthalt in einem 

Spital (Art. 39 Abs. 1) vereinbaren die Vertragsparteien Pauschalen. 

Diese decken für Kantonseinwohner und -einwohnerinnen bei öffent-

2014/3 Spitaltarife 

 

 

46 BVGE / ATAF / DTAF 

 

lichen oder öffentlich subventionierten Spitälern höchstens 50 Prozent 

der anrechenbaren Kosten je Patient oder Patientin oder je Versicherten-

gruppe in der allgemeinen Abteilung. Die anrechenbaren Kosten werden 

bei Vertragsabschluss ermittelt. Betriebskostenanteile aus Überkapazität, 

Investitionskosten sowie Kosten für Lehre und Forschung werden nicht 

angerechnet. » 

2.7.3 Die anrechenbaren Kosten bildeten aufgrund des Wortlauts von 
aArt. 49 Abs. 1 KVG (insb. bei den öffentlichen oder öffentlich sub-

ventionierten Spitälern) die primäre Bestimmungsgrösse rechtskonformer 

Spitaltarife. Der vom Bundesrat als Rechtsprechungsbehörde entwickelte 

Grundsatz, dass der Spitaltarif höchstens die (transparent ausgewiesenen) 

anrechenbaren Kosten decken darf, bezog sich ‒ wie die nachfolgenden 

Zitate zeigen ‒ auf die gesetzlich verankerte maximale Deckungsquote 

nach aArt. 49 Abs. 1 Satz 2 KVG. 

2.7.3.1 « Ein Spital mit privater Trägerschaft gilt dann als öffentlich 
subventioniert im Sinne von Artikel 49 Absatz 1 KVG, wenn es vom 

Kanton Beiträge an die Betriebskosten erhält. Für diese Lesart spricht, 

dass bei öffentlichen und öffentlich subventionierten Spitälern für die 

anrechenbaren Kosten im Sinne von Artikel 49 Absatz 1 Satz 2 KVG im 

wesentlichen auf die Betriebskosten abzustellen ist. Dies ergibt sich aus 

Satz 4 desselben Absatzes, wonach die Kosten aus Überkapazität, Inves-

titionskosten sowie Kosten für Lehre und Forschung nicht angerechnet 

werden dürfen […]. Die Aussage über die Deckungsquote in Satz 2 kann 

sich daher im wesentlichen nur auf die Betriebskosten beziehen und ist 

demnach so zu verstehen, dass die Spitaltarife höchstens 50 % der als an-

rechenbar anerkannten Betriebskosten decken dürfen und die zuständigen 

Kantone bzw. Gemeinwesen mindestens 50 % der Betriebskosten tragen 

müssen » (vgl. RKUV 6/1997 KV 16 E. II.5.1 S. 354). Im Zusammen-

hang mit der (noch) ungenügenden Kostentransparenz wird auf « die 

Gefahr » hingewiesen, dass Spitalpauschalen festgesetzt werden könnten, 

« welche die Deckungsquote von 50 % übersteigen, was dem Artikel 49 

Absatz 1 KVG widerspräche » (RKUV 6/1997 KV 16 E. II.7.1.1 S. 355). 

« Solange von den Spitälern die Kostenstellenrechnung und die Leis-

tungsstatistik im Sinne von Artikel 49 Absatz 6 KVG nicht verlangt wer-

den können, bedarf es daher einer Übergangslösung, die zwischen den 

gegenläufigen Interessen vermittelt. Eine solche Lösung orientiert sich 

zweckmässigerweise am Grundsatz, dass die Annäherung der Spital-

pauschalen an die maximale Deckungsquote von 50 % einerseits und die 

Anforderungen an den Nachweis der Kosten anderseits im Gleichschritt 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 47 

 

steigen müssen. Im Gegenzug kann das zuständige Gemeinwesen seine 

eigene Beteiligung an den Kosten der stationären Behandlung reduzieren 

[…]. Die maximale Deckungsquote von 50 % aus den Spitalpauschalen 

lässt sich demgemäss nur und erst dann rechtfertigen, wenn praktisch 

volle Kostentransparenz besteht » (RKUV 6/1997 KV 16 E. II.7.1.2 

S. 356). 

2.7.3.2 In RKUV 4/1997 KV 8 hatte der Bundesrat die Frage zu klären, 
inwieweit aArt. 49 Abs. 1 KVG auf nicht öffentlich subventionierte 

Privatspitäler anwendbar sei. Zunächst stellte er fest, dass aufgrund des 

Wortlauts von Satz 2 die maximale Deckungsquote von 50 % für Privat-

spitäler ohne öffentliche Betriebsbeiträge nicht gelte (vgl. E. II.7, II.8.1 

und II.8.7). Zu keinem einheitlichen und eindeutigen Ergebnis führte 

hingegen die Auslegung des 4. Satzes von aArt. 49 Abs. 1 KVG. Der 

Bundesrat erwog, diese Bestimmung müsse jedenfalls insoweit auch für 

Privatspitäler ohne öffentliche Betriebsbeiträge gelten, als es sich recht-

fertige, diese bei den anrechenbaren Kosten gleich wie die öffentlichen 

und öffentlich subventionierten Spitäler zu behandeln. Gleich zu behan-

deln waren solche Privatspitäler hinsichtlich Kosten aus Überkapazität 

sowie für Lehre und Forschung, nicht aber bei den Investitionskosten 

(vgl. RKUV 4/1997 KV 8 E. II.8.6). 

2.7.3.3 Bei nicht öffentlich subventionierten Privatspitälern durften die 
Pauschalen im Sinne von aArt. 49 Abs. 1 KVG daher maximal 100 % der 

(transparent ausgewiesenen) anrechenbaren Kosten decken (vgl. RKUV 

2+3/2003 KV 245 E. II.6.3 und II.7.2; Urteil des BVGer C‒2142/2010 

vom 21. September 2011 E. 5.4.3; BVGE 2012/18 E. 16.4). 

2.7.4 Im Unterschied zu aArt. 49 Abs. 1 KVG nimmt der neue 
(vorliegend anwendbare) Art. 49 Abs. 1 KVG nicht mehr Bezug auf die 

anrechenbaren Kosten, das heisst, er bestimmt weder, dass sich die Ver-

gütung nach den (anrechenbaren) Kosten zu richten habe, noch welches 

die allenfalls anrechenbaren Kosten sein sollen. Im letzten Satz von 

Art. 49 Abs. 1 KVG wird im Sinne einer Preisbildungsregel indessen 

festgehalten, dass sich die Spitaltarife an der Entschädigung jener Spi-

täler zu orientieren haben, welche die tarifierte obligatorisch versicherte 

Leistung in der notwendigen Qualität effizient und günstig erbringen. Ob 

daraus abgeleitet werden kann, dass die individuellen Kosten eines 

Spitals bei einer Tariffestsetzung keine Rolle mehr spielen, ist anschlies-

send (vgl. E. 2.8) zu prüfen. 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

48 BVGE / ATAF / DTAF 

 

2.7.5 Zuerst ist auf einen weiteren wesentlichen Unterschied einzu-
gehen: Die ‒ nach bisheriger Rechtsprechung entscheidende ‒ Regelung, 

welcher Anteil von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung 

(OKP) (maximal) zu vergüten ist (Deckungsquote), ist nicht mehr in 

Art. 49 KVG (Tarifverträge mit Spitälern) verankert. Die Frage der Ab-

geltung der stationären Leistungen (durch Kanton und Versicherer) wird 

durch den neuen Art. 49a KVG geregelt; sie wird ‒ nach der Systematik 

des Gesetzes ‒ erst aktuell, wenn die Höhe der Vergütung feststeht. 

Gemäss Art. 49a Abs. 1 KVG werden die Vergütungen nach Art. 49 

Abs. 1 KVG vom Kanton und den Versicherern anteilsmässig übernom-

men, wobei der kantonale Anteil (grundsätzlich) (vgl. Abs. 5 der KVG-

Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 21. Dezember 2007 [Spital-

finanzierung], AS 2008 2056, nachfolgend: KVG UeB) mindestens 55 % 

zu betragen hat (Art. 49a Abs. 2 KVG). Hatte früher eine tiefere 

Deckungsquote für eine Vielzahl der Spitäler (alle öffentlichen oder 

öffentlich subventionierten) zur Folge und auch zum Ziel, dass der 

Kanton einen höheren Anteil der Kosten übernehmen musste, würde sich 

nach neuem Recht nicht nur der Anteil des Versicherers, sondern auch 

der kantonale Anteil verringern (Art. 49a Abs. 1 KVG; zu den gemein-

wirtschaftlichen Leistungen vgl. E. 2.8.4.3 sowie E. 6 und 7).  

2.7.6 Eine Regel, wonach ein Spitaltarif höchstens die transparent 
ausgewiesenen Kosten (des betreffenden Spitals) der Leistung decken 

darf, lässt sich ‒ zumindest aufgrund des Wortlauts ‒ nicht auf Art. 49 

Abs. 1 KVG stützen. 

2.8 In einem nächsten Schritt ist auf die Ziele der neuen Spital-
finanzierung und die Bedeutung der (anrechenbaren) Kosten im neuen 

Finanzierungssystem einzugehen. 

2.8.1 Nach Ansicht von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin sollen 
nicht mehr die individuellen Kosten pro Betrieb den Preis bestimmen, 

sondern « Norm-Kosten » (…) beziehungsweise der Benchmark-Preis 

(…). Beide betonen, mit der neuen Spitalfinanzierung sollten für Spitäler 

Anreize geschaffen werden, besonders kostengünstig zu arbeiten. Solche 

Anreize bestünden nur, wenn überdurchschnittlich effiziente Spitäler Ge-

winne erzielen könnten (vgl. auch Empfehlungen zur Wirtschaftlichkeits-

prüfung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheits-

direktorinnen und -direktoren GDK, verabschiedet durch den Vorstand 

der GDK am 5. Juli 2012 S. 9, nachfolgend: GDK-Empfehlungen). 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 49 

 

2.8.2 Mit der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung sollte laut Bot-
schaft des Bundesrates das bisher nicht erreichte Ziel der Kostenein-

dämmung angestrebt werden. Dazu sei « eine Abkehr vom im geltenden 

Gesetz enthaltenen Prinzip der Kostendeckung » erforderlich. « Aus-

gangspunkt für die Ermittlung des von der obligatorischen Kranken-

pflegeversicherung gedeckten maximalen Anteils bilden nach geltendem 

Recht die anrechenbaren Betriebskosten. Weil die von den Spitälern im 

Rahmen der Tarifverhandlungen unterbreiteten Unterlagen zumeist die 

Kosten der Leistungen nach KVG nicht mit genügender Transparenz aus-

weisen, lassen sich die anrechenbaren Betriebskosten häufig nicht genau 

ermitteln. Weil der von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung 

zu deckende Teil an den anrechenbaren Betriebskosten nicht fixiert ist 

und weil in Bezug auf die Ermittlung letzterer häufig eine Grauzone 

besteht, lässt es das heutige System zu, dass die Finanzierungspartner auf 

den eigenen Vorteil fokussiert sind. Kosteneindämmend wirken würde 

indessen die Fokussierung auf die Optimierung des Verhältnisses zwi-

schen Kosten und Leistungen. Die vermehrte Ausrichtung der wirtschaft-

lichen Anreize auf das Ziel der Kosteneindämmung bedingt zudem, dass 

unternehmerische Kriterien im Spitalbereich vermehrt zum Tragen kom-

men. Einerseits bedeutet dies für die Entscheidträger mehr Eigenverant-

wortung, andererseits ein erhöhtes Risiko » (vgl. Botschaft vom 15. Sep-

tember 2004 betreffend die Änderung des Bundesgesetzes über die 

Krankenversicherung [Spitalfinanzierung], BBl 2004 5555, nachfolgend: 

Botschaft KVG-Revision). Diese Ausführungen implizieren, dass bei der 

Festlegung der Basisfallwerte (Baserate; vgl. zu den verwendeten Begrif-

fen auch die schematische Darstellung im Anhang) nicht mehr auf die 

anrechenbaren Betriebskosten abzustellen ist oder diesen jedenfalls nicht 

mehr die gleiche Bedeutung zukommt wie nach altem Recht. 

2.8.3 Der letzte Satz von Art. 49 Abs. 1 KVG, wonach sich die Spital-
tarife an der Entschädigung jener Spitäler orientieren, welche die tari-

fierte obligatorisch versicherte Leistung in der notwendigen Qualität effi-

zient und günstig erbringen, wurde vom Ständerat ‒ auf Vorschlag seiner 

Kommission (SGK) ‒ eingefügt. Der Ständerat stimmte dieser Ergän-

zung diskussionslos zu (vgl. AB 2006 S 57 ff.). Die SGK erachtete diese 

« Preisbildungsregel » als wesentlich, weil damit verdeutlicht werden 

sollte, dass nicht (mehr) ein System der Kostendeckung gelte, sondern 

sich die Preise am Markt beziehungsweise an denjenigen Spitälern zu 

orientieren hätten, welche einigermassen effizient und günstig arbeiteten 

(…). Die Förderung des Wettbewerbs unter den Spitälern wurde nicht nur 

vom Bundesrat (vgl. Botschaft KVG-Revision, BBl 2004 5569), sondern 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

50 BVGE / ATAF / DTAF 

 

auch vom Parlament als wesentliches Ziel der Revision betrachtet (vgl. 

bspw. AB 2007 N 417 ff.). Das Parlament ist aber nicht von der Annahme 

ausgegangen, die Marktmechanismen würden unmittelbar mit der Ein-

führung des neuen Systems zu einer Angleichung der Preise beziehungs-

weise zu einer Kosteneindämmung führen. Dies zeigt beispielsweise fol-

gende Erläuterung von Kommissionssprecherin Erika Forster zu den 

Grundsätzen der Finanzierung: « Mit der Einführung des DRG werden 

zwei Faktoren wichtig: zum einen der Normkostenpreis, zum anderen der 

DRG-Faktor. Der Faktor DRG, zum Beispiel für eine unproblematische 

Blinddarmoperation, wird in der ganzen Schweiz derselbe sein. Der 

Normkostenpreis hingegen wird für dieselbe Operation zu Beginn von 

Spital zu Spital und von Kanton zu Kanton unterschiedlich sein. Der 

Unterschied ist auf die unterschiedlichen Kostenstrukturen an den Spi-

tälern zurückzuführen. Mit der Zeit ‒ genauer: je länger der Wettbewerb 

spielt ‒ gleichen sich die Preisunterschiede an » (AB 2007 S 752; vgl. 

auch AB 2007 S 754 [Votum Ständerat Christoffel Brändli]; AB 2007 N 

1773 [Votum Bundesrat Pascal Couchepin]). Um den Wettbewerb über-

haupt zu ermöglichen, sollte zunächst Transparenz und Vergleichbarkeit 

hergestellt werden (vgl. AB 2006 S 58 [Votum Kommissionssprecherin 

Christiane Brunner], AB 2007 N 417 ff. [insb. Voten von Nationalrätin 

Franziska Teuscher, Nationalräte Felix Gutzwiller und Toni Bortoluzzi]). 

2.8.4 Nachfolgend ist zu erörtern, welche Bedeutung den individuel-
len Kosten eines Spitals bei der Preisbildung im Rahmen der neuen 

Spitalfinanzierung zukommt. 

2.8.4.1 Diese Frage wurde in den Räten nicht diskutiert. Den Materia-
lien ist aber zu entnehmen, dass der Gesetzgeber keinen Einheitsbasis-

preis für alle Spitäler des gesamten Landes, eines Kantons oder einer 

Region einführen wollte, sondern einen mit jedem Spital individuell ver-

einbarten Tarif (vgl. AB 2007 S 752 [Kommissionssprecherin Erika 

Forster]; AB 2007 N 1773 [Bundesrat Pascal Couchepin] …). Allerdings 

wurde später in parlamentarischen Vorstössen zur Umsetzung der neuen 

Spitalfinanzierung auch geltend gemacht, nach dem klaren Willen des 

Gesetzgebers müsse der Grundsatz « gleicher Preis für gleiche Leis-

tung » beziehungsweise « eine Baserate pro Kanton » gelten (vgl. Motion 

[12.3245] von Nationalrätin Ruth Humbel [Gesetzeskonforme Umset-

zung der Spitalfinanzierung] vom 15. März 2012, parlamentarische Ini-

tiative [12.474] von Nationalrätin Ruth Humbel [Leistungsfinanzierung 

statt Kostenrückerstattung bei der Spitalfinanzierung] vom 27. Septem-

ber 2012). Hingegen spricht die Interpellation (12.3865) von National-

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 51 

 

rätin Ruth Humbel (Ungereimtheiten bei der Umsetzung der Spitalfinan-

zierung) vom 27. September 2012 wiederum dafür, dass die Materialien 

den Willen des Gesetzgebers zutreffend wiedergeben. Hier stellt die 

Interpellantin dem Bundesrat die Frage, ob es nicht im Widerspruch zur 

neuen Spitalfinanzierung ‒ welche den Wettbewerb fördern wolle ‒ 

stehe, wenn ein Kanton keine unterschiedlichen Tarife für ein Spital 

akzeptiere und aus diesem Grund die Genehmigung von Tarifverträgen 

verweigere. 

2.8.4.2 Mit der neuen Spitalfinanzierung soll zwar der Wettbewerb zwi-
schen den Spitälern gestärkt werden. Das KVG enthält jedoch weiterhin 

auch Planungs- und Regulierungselemente (vgl. BERNHARD RÜTSCHE, 

Neue Spitalfinanzierung und Spitalplanung, 2011, S. 42; BGE 138 II 398 

E. 3.5.2). Im Spitalbereich gilt nicht ein freier Markt beziehungsweise 

ein freier Wettbewerb, in dem sich die Preise primär durch Angebot und 

Nachfrage bestimmen. 

Im Übrigen ist nicht anzunehmen, dass ein Spital im Hinblick auf Tarif-

verhandlungen keine Preiskalkulation vornehmen und als Verhandlungs-

ziel nicht einen Preis anstreben wird, der mindestens die Kosten deckt. 

Eine vollständige und korrekte Leistungserfassung und Kostenrechnung, 

umfassend Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ist 

für die Spitalführung unabdingbar (vgl. ANGELA ESCHER-GREITER, Wie 

zuverlässig sind die Bordinstrumente?, Competence 6/2013 S. 26 f.). Das 

Problem scheint auf der Seite der Spitäler denn auch nicht darin zu 

bestehen, dass keine betriebswirtschaftliche Kalkulation aufgrund der ei-

genen Kosten vorhanden ist, sondern dass die Kostendaten nicht heraus-

gegeben werden sollen, weil man sonst « Gefahr (läuft), dass man darauf 

mit dem Preis festgenagelt wird » (Interview mit Willy F. Rufer, « Wozu 

denn überhaupt noch verhandeln? », Competence 9/2013 S. 11; zur 

Berechtigung der Versicherer, Einsicht in die Kostendaten zu nehmen, 

vgl. E. 2.8.4.5 bzw. Art. 49 Abs. 7 KVG). 

2.8.4.3 Gemäss Art. 49 Abs. 3 KVG dürfen die Vergütungen nach 
Abs. 1 keine Kostenanteile für gemeinwirtschaftliche Leistungen enthal-

ten. Die Bestimmung wurde von der SGK des Ständerates neu formu-

liert. Wie die Kommissionssprecherin im Ständerat darlegte, soll Art. 49 

Abs. 3 KVG ebenfalls der Transparenz und Vergleichbarkeit der Spital-

tarife dienen (vgl. AB 2006 S 58). Spitäler sollten nicht deshalb als 

ineffizient gelten beziehungsweise Wettbewerbsnachteile erleiden, weil 

sie aufgrund eines Auftrags des Kantons zusätzliche staatliche Aufgaben 

zu erfüllen haben (…). In der Kommission wurde die Befürchtung ge-

2014/3 Spitaltarife 

 

 

52 BVGE / ATAF / DTAF 

 

äussert, eine Bezugnahme auf die Kosten könnte implizieren, dass 

(wieder) ein Kostendeckungsprinzip gelte. Dem wurde entgegengehalten, 

dass sich die Vergütungen auch bei einer leistungsorientierten Finanzie-

rung auf etwas (nämlich auf die Kosten der Leistung) beziehen müssten 

(…). 

Ob eine Fallpauschale (bzw. der Basisfallwert) Kostenanteile für gemein-

wirtschaftliche Leistungen enthält ‒ und damit KVG-widrig ist ‒ lässt 

sich nur überprüfen, wenn die der Berechnung zugrunde liegenden Kos-

ten transparent ausgewiesen werden. 

2.8.4.4 Tarifverträge müssen ‒ auch nach Inkrafttreten der KVG-Revi-
sion zur Spitalfinanzierung ‒ mit dem Gebot der Wirtschaftlichkeit in 

Einklang stehen (vgl. Art. 46 Abs. 4 und Art. 43 Abs. 6 KVG). Die Wirt-

schaftlichkeitsprüfung erfolgt nach neuem Recht durch den Vergleich der 

schweregradbereinigten Fallkosten (benchmarking-relevante Basiswerte) 

der Spitäler, wobei der Referenzwert zur Bestimmung des Basisfallwerts 

durch die Orientierung an denjenigen Spitälern festgelegt wird, welche 

die obligatorisch versicherte Leistung in der notwendigen Qualität effi-

zient und günstig erbringen (Art. 49 Abs. 1 Satz 5 KVG; zum Benchmar-

king und zur Preisbildung siehe E. 10). Diese Prüfung ist ohne Kenntnis 

der individuellen Kosten der Spitäler nicht möglich. Davon gehen dem 

Grundsatz nach nicht nur die Krankenversicherer, die Preisüberwachung 

und das BAG aus, sondern auch die GDK und der Verband der Spitäler 

H+ (vgl. GDK-Empfehlungen; H+ Die Spitäler der Schweiz, Empfeh-

lungen und Argumentarium zur Wirtschaftlichkeitsprüfung unter der 

KVG-Revision Spitalfinanzierung vom 7. Dezember 2012; siehe auch 

DRUEY JUST, a.a.O., Rz. 33 [betreffend Effizienz]). 

2.8.4.5 Ebenfalls nichts geändert hat die neue Spitalfinanzierung am 
Grundsatz, dass die Tarifparteien beziehungsweise die Tariffestsetzungs-

behörden auf eine betriebswirtschaftliche Bemessung und eine sachge-

rechte Struktur der Tarife zu achten haben. Es bestehen keine Hinweise 

dafür, dass der Gesetzgeber den stationären Bereich vom Anwendungs-

bereich des Art. 43 Abs. 4 KVG ausnehmen wollte. Dagegen spricht 

namentlich die erhebliche Bedeutung, die das Parlament der Transparenz 

und Vergleichbarkeit zugemessen hat, sowie Art. 49 Abs. 7 KVG. Nach 

dieser ‒ im Rahmen der KVG-Revision ergänzten und präzisierten 

Bestimmung ‒ müssen die Spitäler über geeignete Führungsinstrumente 

verfügen; insbesondere führen sie nach einheitlicher Methode zur Ermitt-

lung ihrer Betriebs- und Investitionskosten und zur Erfassung ihrer Leis-

tungen eine Kostenrechnung und eine Leistungsstatistik. Diese beinhal-

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 53 

 

ten alle für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit, für Betriebsvergleiche, 

für die Tarifierung und für die Spitalplanung notwendigen Daten. Die 

Kantonsregierung und die Vertragsparteien können die Unterlagen ein-

sehen. 

2.8.5 Im System der neuen Spitalfinanzierung bilden die individuellen 
Kosten eines Spitals somit die Grundlage für die Ermittlung der bench-

marking-relevanten Betriebskosten und des benchmarking-relevanten 

Basiswerts. Für die Durchführung der Betriebsvergleiche und die Be-

stimmung des Referenzwerts ist auf die möglichst genau ermittelten 

Leistungs- und Kostendaten der Vergleichsspitäler abzustellen. Der 

Basisfallwert (Baserate) hat aber nicht diesen Kosten zu entsprechen, da 

kein Kostenabgeltungsprinzip gilt. Die frühere Praxis zu den anrechen-

baren Kosten gestützt auf aArt. 49 Abs. 1 KVG ist somit nicht mehr 

anwendbar. 

2.9 Unbestritten ist, dass der vereinbarte oder festgesetzte Tarif un-
ter den spitalindividuell kalkulierten Fallkosten (Schweregrad 1.0) liegen 

kann. Kontrovers diskutiert wird hingegen die Frage, ob ein Spitaltarif 

auch mehr als die spitalindividuell kalkulierten Fallkosten decken darf 

und ein Spital somit im OKP-Bereich Gewinne erzielen kann. 

2.9.1 Die Beschwerdeführerinnen, die Preisüberwachung und das 
BAG vertreten die Meinung, ein Tarif dürfe grundsätzlich nicht über den 

spitalindividuell kalkulierten Fallkosten liegen. 

2.9.1.1 Die Beschwerdeführerinnen berufen sich auf die Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts. Danach war es nicht zulässig, den 

Tarif auf den Benchmark anzuheben, wenn die effektiv ermittelten an-

rechenbaren Kosten tiefer lagen (BVGE 2010/25 E. 7.4.1; vgl. auch 

2012/18 E. 18.5). Diese Rechtsprechung bezog sich auf aArt. 49 Abs. 1 

KVG, der die Tarife auf höchstens 50 respektive 100 % der anrechen-

baren Kosten beschränkte (vgl. E. 2.7.3). 

2.9.1.2 Das BAG verweist ebenfalls auf BVGE 2010/25 E. 7.4.1. Bei 
Art. 59c KVV handle es sich um eine Präzisierung der vor der neuen 

Spitalfinanzierung entwickelten Rechtsprechung zur Tarifgestaltung. 

Diese habe auch nach der KVG-Revision zur Spitalfinanzierung ihre 

Gültigkeit.  

Der Bundesrat bezog sich in seiner schriftlichen Antwort auf die Motion 

von Nationalrätin Ruth Humbel (12.3245), mit welcher sinngemäss die 

Aufhebung von Art. 59c KVV verlangt wurde, insbesondere auf die 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

54 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Grundsätze der betriebswirtschaftlichen Bemessung (Art. 43 Abs. 4 

KVG), der Wirtschaftlichkeit und der Effizienz. Daher dürften die Tarife 

nicht höher sein als die effektiven, transparent ausgewiesenen Kosten 

eines Spitals. Im Nationalrat führte Bundesrat Alain Berset unter ande-

rem Folgendes aus: « S'il est fait mention de l'article 49 alinéa 1 LAMal, 

c'est parce que cet article reprend le principe d'économicité prescrit dans 

la loi qui prévoit que les tarifs hospitaliers doivent être déterminés en 

fonction de la rémunération des hôpitaux qui fournissent une prestation 

de la qualité nécessaire, mais aussi de manière efficiente et avantageuse. 

Dans l'avis exprimé par le Conseil fédéral, ce sont donc les tarifs 

d'hôpitaux efficients qui doivent servir de référence pour déterminer les 

tarifs conformes à la loi pour les autres hôpitaux. Si l'on veut faire cette 

comparaison des coûts entre les hôpitaux comme l'exige la loi, il faut que 

les coûts des hôpitaux soient justifiés de manière transparente sur la base 

d'une comptabilité analytique. Le Conseil fédéral est d'avis que dans ce 

cadre les tarifs hospitaliers négociés ou non négociés doivent refléter les 

coûts. Nous estimons que ces tarifs ne doivent pas permettre aux hôpi-

taux de faire des bénéfices systématiques aux frais de l'assurance 

obligatoire des soins. Donc, la disposition de l'ordonnance que vous 

contestez constitue, à notre sens, une concrétisation du principe général 

d'économicité » (vgl. AB 2013 N 1343). 

2.9.1.3 Die Preisüberwachung macht in ihrer Stellungnahme vom 
27. Juni 2013 (…) geltend, es sei nicht an der sozialen Krankenversiche-

rung, den Spitälern pekuniäre Anreize in Form von Gewinnelementen für 

eine möglichst effiziente Behandlung zu setzen. Möglich und zulässig sei 

es indessen, aus der Behandlung von Zusatzversicherten Gewinne zu 

erzielen. Weiter sei es auch den Krankenversicherern nicht erlaubt, in der 

Grundversicherung Gewinne zu generieren. Aus Symmetriegründen sei 

es deshalb richtig, wenn dies auch für Spitäler gelte. Schliesslich enthalte 

auch Art. 59c Abs. 1 Bst. b KVV einen Anreiz für effiziente Spitäler, 

effizient zu bleiben, weil ihnen (nur) dann die gesamten Kosten vergütet 

würden. Gelinge es dem Spital, die Kosten im Tarifjahr gegenüber dem 

Tarifermittlungsjahr (Tarifjahr minus 2) aufgrund von Effizienzsteige-

rung zu senken, könne es auch einen Überschuss erzielen. Art. 59c KVV 

stehe nach Ansicht der Preisüberwachung nicht im Widerspruch zu den 

tarifrechtlichen Bestimmungen des KVG. 

2.9.2 Die Literatur spricht sich vorwiegend für die Zulässigkeit von 
Gewinnen aus: 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 55 

 

2.9.2.1 Nach WILLY OGGIER hat der Wechsel zur Preisorientierung zur 
Folge, dass Preise nicht nur unter-, sondern auch oberhalb der anfallen-

den Kosten liegen können. Überschüsse könnten zur Reservenbildung, 

zur Gewinnausschüttung oder anderweitig eingesetzt werden (vgl. WILLY 

OGGIER, Zusatz- und Innovationsentgelte unter SwissDRG, Band 113, 

2012, S. 23 und 26 f. [nachfolgend: Zusatzentgelte]; derselbe, Tarifge-

staltung, a.a.O., S. 94). Das Preissystem müsse Spitäler mit besserer 

Wirtschaftlichkeit (bei welcher auch die Qualität zu berücksichtigen sei) 

belohnen (vgl. OGGIER, Zusatzentgelte, a.a.O., S. 26). Würde der Tarif 

bei effizienten Spitälern (mit spitalindividuell kalkulierten Fallkosten 

unterhalb des Referenzwertes) auf die ausgewiesenen Kosten beschränkt, 

gingen die Anreize bei diesen Leistungserbringern mittel- bis langfristig 

nicht mehr in die Prozessoptimierung, die Ausschöpfung von Synergie-

potenzialen und in andere Massnahmen zur Verbesserung der Wirtschaft-

lichkeit, sondern in die Dokumentation höherer Kosten. Dies führe (bei 

im Übrigen unveränderten Umständen) zu einer Erhöhung des Bench-

marks und somit zu kontinuierlich steigenden Spitaltarifen (vgl. OGGIER, 

Zusatzentgelte, a.a.O., S. 28). 

2.9.2.2 Für die Zulässigkeit von Gewinnen sprechen sich auch DRUEY 
JUST (a.a.O., Rz. 6); DANIA TREMP, Stationäre Spitaltarife, 2012: Eine 

Herausforderung für die Spitalwelt, Rz. 41 ff., Jusletter 28. Januar 2013 

und MARKUS MOSER (Interview in Competence 9/2013 S. 16) aus. In der 

PricewaterhouseCoopers-Studie « Schweizer Spitäler: So gesund waren 

die Finanzen 2012 » S. 6, werden Gewinne im neuen System der Spital-

finanzierung als notwendige Voraussetzung (insb. zur Bildung von Re-

serven und zur Verzinsung des Eigenkapitals) betrachtet. Es gehe auch 

darum, dass nicht die öffentliche Hand die Spitäler in schlechten Jahren 

unterstützen müsse (vgl. auch WIDMER/TELSER, Die Spitalversorgung im 

Spannungsfeld der kantonalen Spitalpolitik, Studie im Auftrag von 

comparis.ch, S. 38 und 42). 

2.9.2.3 Nach LUDWIG BAPST (Tarifpolitik zwischen Markt und Macht, 
Band 101, 2010, Kap. B S. 58) dürfen Tarife keinen kalkulatorischen 

Gewinnzuschlag enthalten. Gerechtfertigt seien nur Gewinne, die aus 

einer rationellen und wirtschaftlichen Leistungserbringung resultieren. 

Solche Effizienzgewinne sollten als wirtschaftliche Anreize wirken. Sie 

bildeten aber auch Grundlage für spätere Tarifkorrekturen. 

2.9.3 Die GDK erachtet die Möglichkeit, bei hoher Effizienz einen 
Gewinn erzielen zu können, als notwendiges Element im System der 

neuen Spitalfinanzierung: Der aufgrund eines Benchmarks festgelegte 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

56 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Tarif komme bei allen in den Vergleich einbezogenen Spitäler zur An-

wendung. Dies sei in der Logik eines leistungsorientierten, pauschalisier-

ten Abgeltungssystems und der Schaffung von verstärkten wettbewerb-

lichen Bedingungen mit den entsprechenden Anreizen zur effizienten 

Leistungserbringung zwingend. Voraussetzung sei die vollständige Ver-

gleichbarkeit der im Benchmark berücksichtigten Spitäler, die auf einer 

genauen kostenwiderspiegelnden Tarifstruktur beruht (vgl. GDK-Emp-

fehlungen S. 9).  

2.9.4 Dieser Ansicht ist auch aus den nachfolgend angeführten Grün-
den zuzustimmen. 

2.9.4.1 Das KVG enthält keine Bestimmung, wonach generell alle Leis-
tungserbringer im Sinne von Art. 35 Abs. 2 KVG aus ihrer Tätigkeit zu 

Lasten der OKP keine Gewinne erzielen dürfen. Bei Leistungserbringern, 

die nicht im stationären Spitalbereich tätig sind ‒ wie Ärztinnen und 

Ärzte in eigener Praxis, Apothekerinnen und Apotheker oder Labora-

torien ‒, steht ein Gewinnverbot denn auch nicht zur Diskussion. Mit der 

Neuformulierung des Art. 49 Abs. 1 KVG ist nun die Sonderregel für 

Spitäler weggefallen, welche die Vergütung auf höchstens 50 % bezie-

hungsweise 100 % der anrechenbaren Kosten beschränkte. Es bestehen 

keine Hinweise dafür, dass es sich dabei um ein Versehen handelte und 

der Gesetzgeber mit der KVG-Revision das Erzielen von Gewinnen im 

OKP-Bereich für Spitäler hätte ausschliessen wollen. Vielmehr dürfte 

auch das Parlament davon ausgegangen sein, dass nach dem System-

wechsel in der Spitalfinanzierung Gewinne der Spitäler nicht aus-

geschlossen seien (vgl. bspw. AB 2007 N 417 [Votum Nationalrätin 

Jacqueline Fehr] und AB 2007 N 428 [Votum Nationalrat Roland 

Borer]).  

2.9.4.2 Die Krankenkassen im Sinne von Art. 12 KVG dürfen ‒ im 
Unterschied zu den Leistungserbringern ‒ von Gesetzes wegen keinen 

Erwerbszweck verfolgen (Art. 12 Abs. 1 KVG) und die Versicherer im 

Sinne von Art. 13 KVG dürfen die Mittel der sozialen Krankenver-

sicherung nur zu deren Zwecken verwenden (Art. 13 Abs. 1 Bst. a KVG; 

vgl. auch EUGSTER, a.a.O., Art. 12 Rz. 1 und Art. 13 Rz. 3). Eine Gleich-

behandlung von Leistungserbringern und Versicherern hinsichtlich der 

Zulässigkeit von Gewinnen hat der Gesetzgeber somit nicht legiferiert.  

2.9.4.3 Bereits unter der Herrschaft des aArt. 49 KVG war das Erzielen 
von Effizienzgewinnen nicht ausgeschlossen, wie sich aus der Botschaft 

KVG 1991 ergibt. Zur Bestimmung, wonach die anrechenbaren Kosten 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 57 

 

im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zu ermitteln seien (vgl. aArt. 49 

Abs. 1 Satz 3 KVG), wurde Folgendes ausgeführt: « Sollten diese Kosten 

im Zeitpunkt der Leistungserbringung höher sein, berührt dies die Kran-

kenversicherung somit nicht. Sind die Kosten dannzumal dagegen günsti-

ger, so hat der Spitalträger hievon den Vorteil. Diese Regelung soll die 

Spitalträger zu kostenbewusstem und kostensparendem Verhalten veran-

lassen » (vgl. BBl 1992 I 184; Urteil C‒4961/2010 E. 8.1.1 m.w.H.). 

2.9.4.4 Das Vorbringen der Preisüberwachung, wonach ein Spital dann 
einen Überschuss erzielen könne, wenn es ihm gelinge, die Kosten im 

Tarifjahr gegenüber dem Tarifermittlungsjahr (Tarifjahr minus 2) auf-

grund von Effizienzsteigerung zu senken, betrifft somit die Rechtslage 

nach aArt. 49 KVG. Der Ansicht der Preisüberwachung ist aber insoweit 

zuzustimmen, als auch nach der revidierten Spitalfinanzierung lediglich 

Effizienzgewinne zulässig sind, ansonsten der Grundsatz der qualitativ 

hoch stehenden und zweckmässigen gesundheitlichen Versorgung zu 

möglichst günstigen Kosten (Art. 43 Abs. 6 KVG) nicht eingehalten 

würde. Mit der neuen Spitalfinanzierung hat sich indessen der Referenz-

punkt für die Beurteilung einer Effizienzsteigerung geändert. Referenz 

bilden nicht mehr die anrechenbaren Kosten des betreffenden Spitals im 

Tarifermittlungsjahr, sondern der Benchmark plus Zuschläge (Referenz-

wert) eines hinreichend effizienten Vergleichsspitals.  

2.9.5 Liegt der benchmarking-relevante Basiswert (d.h. die auf einen 
Fall mit Schweregrad 1.0 umgerechneten benchmarking-relevanten 

Betriebskosten; auch als schweregradbereinigte Fallkosten bezeichnet) 

eines Spitals unterhalb des ‒ gesetzeskonform bestimmten ‒ Bench-

marks, verstösst es somit nicht gegen die Grundsätze des KVG, wenn die 

zuständige Kantonsregierung einen Tarif genehmigt oder festlegt, der 

mehr als die tarifrelevanten Kosten des Spitals deckt. 

2.9.6 Nicht vom Bundesverwaltungsgericht zu beurteilen ist die von 
der Preisüberwachung aufgeworfene Frage, ob es Aufgabe der sozialen 

Krankenversicherung (und der Kantone bzw. der Steuerpflichtigen) sein 

soll, Gewinne der Spitäler (ohne Zweckbindung) mitzufinanzieren. Wie 

bereits festgestellt, sind hinsichtlich der Zulässigkeit von Gewinnen 

keine Hinweise für eine echte Gesetzeslücke, welche durch das Gericht 

zu füllen wäre, auszumachen. Daher könnte nur eine unechte oder rechts-

politische Lücke vorliegen. Eine solche unechte Lücke zu korrigieren, ist 

dem Gericht nach traditioneller Auffassung grundsätzlich verwehrt, es sei 

denn, die Berufung auf den als massgeblich erachteten Wortsinn der 

Norm stelle einen Rechtsmissbrauch dar (BGE 138 II 1 E. 4.2 m.w.H.). 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

58 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Mit der Frage, ob Spitäler allfällige Gewinne aus dem OKP-Bereich 

zwingend wieder im OKP-Bereich einsetzen müssen, wird sich denn 

auch der Gesetzgeber befassen (vgl. Interpellation von Nationalrätin Bea 

Heim vom 20. Juni 2010 [13.3559]).  

2.10 Art. 59c Abs. 1 Bst. a und Bst. b KVV sind auch nach Inkraft-
treten der neuen Spitalfinanzierung einer gesetzeskonformen Auslegung 

zugänglich. 

2.10.1 Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 2.6), legt Art. 59c Abs. 1 KVV 
nicht fest, dass sich die « ausgewiesenen Kosten der Leistung », welche 

ein Tarif gemäss Bst. a höchstens decken darf, auf die individuellen Kos-

ten eines Leistungserbringers beziehen müssen. Vielmehr führte der 

Bundesrat bereits beim Erlass der Verordnungsbestimmung aus, im am-

bulanten Bereich würden die Kosten in der Regel aufgrund von Modell-

institutionen ermittelt (vgl. E. 2.6.3). Ähnliches gilt nun für den stationä-

ren Bereich. Daher handelt es sich bei den « ausgewiesenen Kosten der 

Leistung » im Sinne von Art. 59c Abs. 1 Bst. a KVV nicht um die 

individuellen Kosten des Spitals, dessen Tarif zu beurteilen ist, sondern 

um die Kosten des Spitals, welches den Benchmark bildet (und an dessen 

Tarif sich die Spitaltarife gemäss Art. 49 Abs. 1 Satz 5 KVG zu orien-

tieren haben). Dieser Benchmark ist gestützt auf die transparent ausge-

wiesenen benchmarking-relevanten Betriebskosten der einzelnen Spitäler 

zu ermitteln (vgl. E. 2.8). 

2.10.2 Dass der Tarif gemäss Art. 59c Abs. 1 Bst. b KVV höchstens die 
für eine effiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten decken 

darf, entspricht im Wesentlichen dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit 

und der Vorgabe von Art. 49 Abs. 1 Satz 5 KVG. Weil Art. 59c Abs. 1 

Bst. b KVV ein normativer Kostenbegriff zugrunde liegt, besteht kein 

Widerspruch zu einem leistungsorientierten Abgeltungssystem. Als « die 

für eine effiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten » haben 

grundsätzlich die Kosten des Spitals, welches den Benchmark bildet, zu 

gelten. 

2.10.3 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Art. 59c 
Abs. 1 Bst. a und Bst. b KVV nicht gegen die Grundsätze der neuen Spi-

talfinanzierung verstossen. Allerdings kommt den beiden Verordnungs-

bestimmungen in diesem Bereich kaum Bedeutung zu, weil die vom 

Gesetzgeber verankerten Grundsätze eigentlich nicht weiter ausgeführt 

oder konkretisiert werden.  

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 59 

 

3. Im Folgenden ist auf die Ermittlung der benchmarking-relevan-
ten Betriebskosten einzugehen. 

3.1 Nach der Praxis zu aArt. 49 Abs. 1 KVG wurden zunächst die 
anrechenbaren Kosten (oder die standardisierten betriebswirtschaftlichen 

Kosten) ermittelt (vgl. zum Ganzen auch: Preisüberwachung, Spitaltarife, 

Praxis des Preisüberwachers bei der Prüfung von stationären Spitaltari-

fen, Dezember 2006, nachfolgend: PUE-Praxis 2006; das Berechnungs-

modell der Preisüberwachung wurde in der Regel auch von den Kantons-

regierungen angewendet [vgl. bspw. BVGE 2012/18 E. 8; 2010/62 

E. 4.2]).  

3.1.1 Ausgangspunkt bildeten grundsätzlich die ausgewiesenen Be-
triebskosten für OKP-relevante stationäre Leistungen (nur grundver-

sicherte sowie zusatzversicherte Patientinnen und Patienten, soweit die 

Behandlungskosten von der OKP zu übernehmen waren [BVGE 2010/62 

E. 4.12.1], d.h. nur Pflichtleistungen, ohne Mehrkosten für Zusatzver-

sicherte [vgl. BVGE 2012/18 E. 13]). Investitionskosten waren nur bei 

Privatspitälern ohne öffentliche Betriebsbeiträge anrechenbar (vgl. dazu 

BVGE 2012/18 E. 10). Üblicherweise wurde auf die Daten zwei Jahre 

vor dem Tarifjahr (X-2) abgestellt (vgl. aArt. 49 Abs. 1 Satz 3 KVG; 

BVGE 2012/18 E. 6; Urteil C‒4961/2010 E. 8.1), ausnahmsweise auf die 

unmittelbar vorangegangene Rechnungsperiode (X-1; BVGE 2012/18 

E. 6.2.2 S. 365). Von den Betriebskosten abgezogen wurden (vgl. 

aArt. 49 Abs. 1 Satz 4 KVG) insbesondere die Kosten für Lehre und 

Forschung, wobei Normabzüge zur Anwendung kamen, wenn die Kosten 

nicht (hinreichend) ausgewiesen waren (BVGE 2010/25 E. 5.2). Weiter 

wurden ein Abzug für Überkapazitäten (sofern die geforderte Auslastung 

nicht erreicht war; vgl. BVGE 2010/25 E. 6) sowie ein Abschlag für 

Zusatzversicherte vorgenommen. Hinzugerechnet wurden die Zinsen auf 

dem Umlaufvermögen und eine allfällige Teuerung für das Jahr X-1 

(Urteil C‒4961/2010 E. 8.1.4 m.H.; vgl. zum Ganzen auch RKUV 

6/1997 KV 16 E. 8). 

3.1.2 Von den Abzügen für nicht anrechenbare Kosten zu unterschei-
den war die Reduktion des Kostendeckungsgrades. Diese Praxis beruhte 

auf der Vorgabe, dass die Pauschalen im Sinne von aArt. 49 Abs. 1 KVG 

höchstens 50 % (öffentliche und öffentlich subventionierte Spitäler) be-

ziehungsweise 100 % (Privatspitäler) der anrechenbaren Kosten decken 

durften. Weil bei ungenügender Kostentransparenz (Intransparenz der 

Kostendaten) die Gefahr bestand, dass die Spitalpauschalen mehr als das 

gesetzlich vorgesehene Maximum deckten, wurde ‒ abgestuft nach 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

60 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Kostentransparenz ‒ ein reduzierter Kostendeckungsgrad gewährt (vgl. 

die Zusammenfassung der Rechtsprechung in BVGE 2012/18 E. 16.4; 

Urteil C‒4961/2010 E. 7.1.3). Vollständige Kostentransparenz wurde 

dann als gegeben erachtet, wenn ein Spital ‒ wie seit 2003 von der Ver-

ordnung vom 3. Juli 2002 über die Kostenermittlung und die Leistungs-

erfassung durch Spitäler, Geburtshäuser und Pflegeheime in der Kran-

kenversicherung (VKL, SR 832.104) ausdrücklich verlangt ‒ auf der 

Basis einer Kostenartenrechnung eine gute Kostenstellenrechnung sowie 

eine vollständige, qualitativ gute, ausreichend detaillierte Kostenträger-

rechnung (inkl. Leistungserfassung) vorlegte (BVGE 2010/25 E. 4.1; 

Urteil C‒2142/2010 E. 5.1). Die Reduktion des Kostendeckungsgrades 

aufgrund ungenügender Kostentransparenz wurde auch als Intranspa-

renzabzug bezeichnet. 

3.2 Dem KVG und den Ausführungsverordnungen (in den seit 1. Ja-
nuar 2012 anwendbaren Fassungen) lässt sich zur Ermittlung der bench-

marking-relevanten Betriebskosten Folgendes entnehmen:  

3.2.1 Die Fallpauschalen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 KVG dürfen 
keine Kostenanteile für gemeinwirtschaftliche Leistungen enthalten. 

Dazu gehören insbesondere die Aufrechterhaltung von Spitalkapazitäten 

aus regionalpolitischen Gründen sowie die Forschung und universitäre 

Lehre (Art. 49 Abs. 3 KVG). Die Vertragsparteien können vereinbaren, 

dass besondere diagnostische oder therapeutische Leistungen nicht in der 

Pauschale enthalten sind, sondern getrennt in Rechnung gestellt werden 

(Art. 49 Abs. 1 Satz 4 KVG). 

3.2.2 Nach Art. 49 Abs. 7 KVG müssen die Spitäler über geeignete 
Führungsinstrumente verfügen; insbesondere führen sie nach einheit-

licher Methode zur Ermittlung ihrer Betriebs- und Investitionskosten und 

zur Erfassung ihrer Leistungen eine Kostenrechnung und eine Leistungs-

statistik. Diese beinhalten alle für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit, 

für Betriebsvergleiche, für die Tarifierung und für die Spitalplanung not-

wendigen Daten. Die Kantonsregierung und die Vertragsparteien können 

die Unterlagen einsehen. 

3.2.3 Die VKL regelt nach deren Art. 1 Abs. 1 die einheitliche Ermitt-
lung der Kosten und Erfassung der Leistungen im Spital- und Pflege-

heimbereich. Zu den Zielen der Kosten- und Leistungserfassung gehören 

gemäss Art. 2 Abs. 1 VKL namentlich die Schaffung der Grundlagen für 

die Bestimmung der Leistungen und der Kosten der OKP in der stationä-

ren Behandlung im Spital und im Geburtshaus (Bst. b) und die Ausschei-

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 61 

 

dung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen im Sinne von Art. 49 Abs. 3 

KVG und von deren Kosten (Bst. g). Weiter sollen dadurch unter an-

derem Betriebsvergleiche, Tarifberechnungen und Wirtschaftlichkeitsprü-

fungen ermöglicht werden (Art. 2 Abs. 2 Bst. b, c und f VKL).  

3.2.3.1 Art. 3 VKL definiert die stationäre Behandlung, Art. 7 VKL die 
Kosten für die universitäre Lehre und für die Forschung (vgl. dazu E. 6), 

Art. 8 VKL die Investitionen. 

3.2.3.2 Die Ermittlung der Kosten und Erfassung der Leistungen ist im 
3. Abschnitt (Art. 9 ff.) der VKL geregelt. Nach Art. 9 VKL müssen 

Spitäler, Geburtshäuser und Pflegeheime eine Kostenrechnung führen, in 

der die Kosten nach dem Leistungsort und dem Leistungsbezug sachge-

recht ausgewiesen werden (Abs. 1). Die Kostenrechnung muss insbeson-

dere die Elemente Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger und die Leis-

tungserfassung umfassen (Abs. 2). Sie muss den sachgerechten Ausweis 

der Kosten für die Leistungen erlauben. Die Kosten sind den Leistungen 

in geeigneter Form zuzuordnen (Abs. 3). Das Eidgenössische Departe-

ment des Innern (EDI) kann nähere Bestimmungen über die technische 

Ausgestaltung der Kostenrechnung erlassen. Es hört dabei die Kantone, 

Leistungserbringer und Versicherer an (Abs. 6).  

3.2.3.3 Art. 10 VKL trägt den Titel « Anforderungen an Spitäler und 
Geburtshäuser ». Abs. 1 verpflichtet die Spitäler und Geburtshäuser, eine 

Finanzbuchhaltung zu führen. Spitäler müssen die Kosten der Kosten-

stellen nach der Nomenklatur der nach dem Anhang zur Verordnung vom 

30. Juni 1993 über die Durchführung von statistischen Erhebungen des 

Bundes durchgeführten Krankenhausstatistik ermitteln (Abs. 2). Die Spi-

täler und Geburtshäuser müssen eine Lohnbuchhaltung führen (Abs. 3). 

Es ist eine Kosten- und Leistungsrechnung zu führen (Abs. 4). Zur Er-

mittlung der Kosten für Anlagenutzung müssen die Spitäler und Geburts-

häuser eine Anlagebuchhaltung führen. Objekte mit einem Anschaffungs-

wert von Fr. 10 000.‒ und mehr gelten als Investitionen nach Art. 8 VKL 

(Abs. 5).  

Art. 10a VKL enthält unter dem Titel « Angaben der Spitäler und Ge-

burtshäuser » weitere Vorgaben zur Anlagebuchhaltung, namentlich zur 

Bewertung von Anlagen (Abs. 2), zu den Abschreibungen (Abs. 3) sowie 

der kalkulatorischen Verzinsung (Abs. 4). 

3.2.4 Der bis Ende Dezember 2008 geltende Art. 10 Abs. 1 VKL 
(Satz 2, in der Fassung vom 3. Juli 2002 [AS 2002 2835]) hatte den 

Spitälern noch vorgeschrieben, dass die Finanzbuchhaltung auf der No-

2014/3 Spitaltarife 

 

 

62 BVGE / ATAF / DTAF 

 

menklatur des Kontenrahmens von H+ Die Spitäler der Schweiz (unver-

änderte Ausgabe 1999) beruhen müsse. Satz 2 von Art. 10 Abs. 1 VKL 

wurde bei der Verordnungsrevision vom 22. Oktober 2008 (in Kraft seit 

1. Januar 2009) gestrichen, mit der Begründung, die erwähnten Kosten-

rechnungsgrundlagen seien seit Erlass der VKL überarbeitet und weiter-

entwickelt worden (BAG, VKL Änderungen per 1. Januar 2009, Ände-

rungen und Kommentar im Wortlaut, S. 5). Die Anhörungsversion hatte 

noch vorgesehen, nur den Verweis auf die Version von 1999 zu streichen. 

Der Grundsatz, wonach die Nomenklatur des Kontenrahmens von H+ die 

Basis der Finanzbuchhaltung bilde, sollte hingegen weiter gültig sein 

(VKL, Vorgesehene Änderungen per 1. Januar 2009, S. 7). 

3.2.5 Die VKL legt zwar gewisse grundlegende Anforderungen für 
die Kostenrechnungen der Spitäler fest, sie gewährleistet indessen keine 

einheitliche Kostenermittlung und Leistungserfassung. Der Verordnung 

lässt sich nicht entnehmen, wie im Einzelnen die OKP-Kosten von den 

übrigen Kosten abzugrenzen sind. Sie enthält insbesondere auch keine 

Vorgaben zu den vorliegend streitigen Fragen bei der Ermittlung der 

benchmarking-relevanten Betriebskosten, beispielsweise wie die Kosten 

für gemeinwirtschaftliche Leistungen auszuscheiden sind (wobei auch 

der Begriff der gemeinwirtschaftlichen Leistungen im Sinne von Art. 49 

Abs. 3 KVG nicht weiter konkretisiert wird). Sodann hat das EDI keinen 

Gebrauch gemacht von der Befugnis, nähere Bestimmungen über die 

technische Ausgestaltung der Kostenrechnung zu erlassen.  

3.2.6 Den Spitälern kann nicht vorgeworfen werden, dass sie Kosten 
und Leistungen nicht nach einer einheitlichen Methode erfasst haben, 

soweit dazu keine bundesrechtlichen Vorschriften (oder allenfalls eine 

Vereinbarung der Tarifparteien auf nationaler Ebene) bestehen (bzw. im 

massgebenden Zeitpunkt bestanden haben). Den Beschwerdeführerinnen 

ist aber insoweit zuzustimmen, als im Hinblick auf das für die Preisbe-

stimmung wesentliche Benchmarking die vom Gesetzgeber geforderte 

Einheitlichkeit zweifellos erforderlich wäre. 

3.2.7 Die GDK-Empfehlungen (zur Wirtschaftlichkeitsprüfung) ver-
mögen zumindest eine gewisse Einheitlichkeit bei der Ermittlung der 

benchmarking-relevanten Betriebskosten zu gewährleisten. Hat sich die 

Vorinstanz an diese Empfehlungen gehalten und erscheint die Interpreta-

tion der gesetzlichen Bestimmungen als vertretbar, ist der Vorinstanz bei 

der Bestimmung der benchmarking-relevanten Betriebskosten ‒ mangels 

bundesrechtlicher Vorgaben zumindest für eine erste Phase der Einfüh-

rung der Fallpauschalen ‒ ein sehr weiter Spielraum zuzugestehen. 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 63 

 

3.3 Zur Ermittlung der benchmarking-relevanten Betriebskosten 
empfiehlt die GDK folgendes Vorgehen (wobei die GDK den Begriff 

« baserate-relevante Betriebskosten » verwendet):  

« a) Ausgangspunkt bilden die Kosten gemäss Betriebsbuchhaltung 

(Vollkostenrechnung) für die stationären KVG-Leistungen nach 

erfolgter interner Leistungsverrechnung (Umlagen). 

b)  Bezüglich Umlagen gelten die Vorgaben gemäss REKOLE. Die 

Umlageschlüssel müssen von den Institutionen auf Verlangen 

hin ausgewiesen werden können. 

c)  Die erfolgten sachlichen Abgrenzungen gegenüber der Finanz-

buchhaltung müssen ausgewiesen und nachvollziehbar sein. 

Betroffen sind insbesondere Sachaufwand (Kontengruppen 

41‒49) inklusive Anlagenutzungskosten (Kontengruppe 44) und 

Zinsaufwand (Kontengruppe 46). 

d)  Vom Total der Kosten gemäss Betriebsbuchhaltung für die sta-

tionären KVG-Leistungen sind die Kosten für die Überlieger 

aus dem Vorjahr hinzuzufügen und die Kosten der Überlieger 

ins Folgejahr abzuziehen. 

e)  Schliesslich sind alle zur Bestimmung der Baserate für statio-

näre KVG-Leistungen nicht anrechenbaren Kosten abzuziehen. 

Dazu gehören neben den nicht KVG-pflichtigen Leistungen 

auch die Kosten für Leistungen, die bisher in der Tarifstruktur 

nach SwissDRG nicht abgebildet werden (unbewertete DRG) 

oder für welche Spezialabgeltungen erfolgen » (GDK-Empfeh-

lungen S. 2). 

3.4 Die GDK-Empfehlungen stützen sich auf REKOLE
®

 und 

ITAR_K (beide von H+). Nach Ansicht der GDK ist das (schrittweise) 

Vorgehen nach ITAR_K sinnvoll, wobei festgehalten wird, dass das 

gleiche Vorgehen auch mit Hilfe eines anderen Modells (z.B. Modell 

GDK-Ost) erfolgen könnte (vgl. GDK-Empfehlungen S. 3). Von der 

GDK übernommen wurde jedoch nur das Vorgehen, nicht generell die 

Berechnung einzelner Positionen. 

3.4.1 Die Beschwerdeführerinnen kritisieren, die beiden Rech-
nungslegungs- beziehungsweise Tarifherleitungsmodelle REKOLE

®
 und 

ITAR_K seien einseitig von den Spitälern erarbeitet worden. Sie machen 

aber nicht geltend, es hätten rechtzeitig andere Modelle zur Verfügung 

gestanden, mit welchen eine einheitliche Kostenermittlung und Leis-

tungserfassung besser gewährleistet und eine rechtskonforme Tarifbil-

dung möglich gewesen wäre.  

2014/3 Spitaltarife 

 

 

64 BVGE / ATAF / DTAF 

 

3.4.2 Die Krankenhausstatistik, auf deren Nomenklatur Art. 10 Abs. 2 
VKL verweist, stützt sich auf REKOLE

®
 (vgl. BFS, Krankenhaussta-

tistik, Detailkonzept, Version 1.1, S. 28 ff.). Weiter hat der Verwaltungs-

rat der SwissDRG AG für die Kostenträgerrechnung ab dem Rechnungs-

jahr 2013 REKOLE
®
 verbindlich vorgeschrieben, um dem Problem der 

Kostenheterogenität bei ihren Erhebungen zu begegnen (vgl. SwissDRG 

AG, Umsetzung der Massnahmen zur Verbesserung der Datenqualität, 

Version 1.0/5.12.2011).  

3.4.3 Angesichts der Bedeutung und der Verbreitung, welche 
REKOLE

®
 und ITAR_K zwischenzeitlich erlangt haben, erscheint es 

nicht sinnvoll, deren Anwendbarkeit grundsätzlich in Frage zu stellen. Zu 

prüfen ist jedoch, ob einzelne in diesen Modellen enthaltene Berech-

nungsvorgaben gesetzeskonform sind. 

3.5 Der Grundsatz, wonach ein Tarif auf den Ergebnissen einer vor-
angegangenen Rechnungsperiode beruhen muss, die im Zeitpunkt des 

Vertragsabschlusses vorliegen, ergibt sich ‒ im Unterschied zum früheren 

Recht (vgl. aArt. 49 Abs. 1 Satz 3 KVG; BVGE 2012/18 E. 6.2.2) ‒ nicht 

mehr aus dem Gesetzeswortlaut. Unter den Verfahrensbeteiligten ist je-

doch zu Recht unbestritten, dass dies auch unter der Herrschaft des revi-

dierten KVG zu gelten hat. Für die Tarife 2012 ist demnach grundsätzlich 

auf die Kostendaten des Jahres 2010 (Jahr X-2 = Basisjahr) abzustellen.  

3.5.1 Ebenfalls weiterzuführen ist die zu aArt. 49 KVG entwickelte 
Rechtsprechung, wonach ein Tarif ausnahmsweise gestützt auf die Zah-

len der seinem Geltungsbeginn unmittelbar vorangegangenen Rech-

nungsperiode (X-1) festgelegt werden kann (vgl. dazu BVGE 2012/18 

E. 6.2.2).  

3.5.2 Die Daten späterer Rechnungsperioden (d.h. Kosten, die in der 
Tarifperiode anfallen) konnten nach bisheriger Praxis bei Tariffestlegun-

gen grundsätzlich nicht berücksichtigt werden, es sei denn, es handle sich 

um budgetierte Mehrkosten (insb. im Personalbereich), welche vor dem 

Geltungsbeginn des Tarifs rechnerisch genau ausgewiesen waren und im 

Tarifjahr tatsächlich anfielen (BVGE 2012/18 E. 6.2.2 m.w.H.; Urteil 

C‒4961/2010 E. 8.1.3 und 8.3.1). Auch diese Praxis kann grundsätzlich 

weitergeführt werden. Allerdings ist sie mit Blick auf die übergangsrecht-

liche Problematik in dem Sinne zu präzisieren, dass auch Mehr- oder 

Minderkosten, die sich aufgrund einer Gesetzesänderung ergeben, soweit 

zu berücksichtigen sind, als sie sich im Tarifjahr verwirklichen und vor 

Geltungsbeginn klar bestimmbar sind. 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 65 

 

3.6 Gemäss Empfehlung 1 der GDK verlangen die Kantone von den 
Spitälern den Kostenausweis, der die benchmarking-relevanten Betriebs-

kosten ‒ und die Ergebnisse pro vorgegebenem Ermittlungsschritt ‒ 

separat für den Kostenträger « stationäre KVG-Leistungen » ausweist 

(vgl. GDK-Empfehlungen S. 3).  

3.6.1 Im ITAR_K werden die einzelnen administrativen Fälle (vgl. 
Handbuch REKOLE

®
 S. 255 ff.) nach Versicherungsart gruppiert und zu-

sammengefasst. Wenn in den nachfolgenden Ausführungen vom « Kos-

tenträger stationäre KVG-Leistungen » gesprochen wird, sind damit die 

in der ITAR_K-Gesamtübersicht (Arbeitsblatt 1) in Spalte G « reine 

stationäre KVG-Fälle » (d.h. nur Grundversicherte) und Spalte H « sta-

tionärer Tarif KVG ZV » (Zusatzversicherte) zusammengefassten Fälle 

gemeint. Die weiteren in der ITAR_K-Gesamtübersicht vorgesehenen 

Spalten I und J betreffen die Unfall-, Invaliden- und Militärversicherung 

(als Tarif ZMT [oder MTK] bezeichnet), Spalte K die Selbstzahlerinnen 

und -zahler. Die Spalte L « Total akut-stationär » soll die gesamten 

Kosten der akut-stationären Versorgung (soweit mit DRG-Casemix-

Punkten fakturiert) enthalten, das « Total » in Spalte S alle aufgeführten 

Kostenträger, das heisst beispielsweise auch « Langzeit », « Lehre und 

Forschung » sowie « ambulante Behandlung total » (vgl. zum Ganzen 

auch Anleitung für das Ausfüllen des ITAR_K [Version 1.0] von H+ 

[nachfolgend: Anleitung ITAR_K]). 

3.6.2 Im angefochtenen Entscheid wird (…) zwar erwähnt, dass die 
Preisüberwachung beanstandet habe, das LUKS habe sich darauf be-

schränkt, alle stationären Patienten in einer einzigen Spalte auszuweisen, 

und es fehlten insbesondere die ausgewiesenen Kosten für « reine statio-

näre KVG-Fälle » und « stationärer Tarif KVG ZV » (…). Anschliessend 

wird die Stellungnahme des LUKS zitiert, wonach der Preisüberwachung 

mit Schreiben des GSD vom 20. Juni 2012 das vollständige ITAR_K (mit 

den Spalten « reine stationäre KVG-Fälle » und « stationärer Tarif KVG 

ZV ») zugestellt worden sei. Es sei ‒ wird das LUKS weiter zitiert ‒ 

nicht nachvollziehbar, weshalb die Preisüberwachung die ihr nachweis-

lich vorliegenden vollständigen Kostendaten nicht berücksichtigt habe 

(…). In der Folge verneint der Regierungsrat eine Intransparenz der 

Daten (…), stellt aber ‒ wie die vom LUKS kritisierte Preisüberwa-

chung ‒ für die Ermittlung der benchmarking-relevanten Betriebskosten 

nicht auf den Kostenträger stationäre KVG-Leistungen (ITAR_K Spalten 

G « reine stationäre KVG-Fälle » und H « stationärer Tarif KVG ZV »), 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

66 BVGE / ATAF / DTAF 

 

sondern auf das Total der Kosten aller akut-stationären Fälle (Spalte L) 

ab (…).  

3.6.3 Die Vorinstanz begründet nicht, weshalb sie von der Empfeh-
lung der GDK und der bisherigen Praxis (vgl. E. 3.1.1) abweicht. Der 

Grundsatz, wonach die ausgewiesenen Betriebskosten für OKP-relevante 

stationäre Leistungen (vgl. BVGE 2010/62 E. 4.12.1) Grundlage für die 

Berechnungen bilden, hat unter der neuen Spitalfinanzierung weiterhin 

Gültigkeit. Weil die Vorinstanz insbesondere beim Intransparenzabzug 

nicht der Preisüberwachung gefolgt ist, kann sie auch nicht geltend 

machen, sie habe auf die Zahlen der Preisüberwachung abgestellt. Denn 

die von der Preisüberwachung beanstandete Intransparenz bezog sich 

gerade (auch) auf diese nicht KVG-konforme Datengrundlage. Zudem 

weist die Vorinstanz ‒ grundsätzlich zu Recht ‒ auf ihre Pflicht hin, 

soweit erforderlich ergänzende Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen 

(…). Reicht ein Spital nicht die für die Tariffestsetzung (oder Tarifgeneh-

migung) massgebenden Daten ein, hat die Kantonsbehörde diese zu ver-

langen.  

3.7 Unbestritten ist, dass die Arzthonorare für Zusatzversicherte in 
Abzug zu bringen (vgl. ITAR_K Gesamtübersicht Zeile 23) und die kal-

kulatorischen Zinsen auf dem Umlaufvermögen hinzuzurechnen sind 

(vgl. ITAR_K Gesamtübersicht Zeile 13). Die Vorinstanz ist ‒ wie die 

Preisüberwachung ‒ von einem anrechenbaren Zinssatz von 0.162 % 

ausgegangen (Zinssatz von 1.48 % [auf Basis der Durchschnittsrendite 

2011 von Obligationen der Eidgenossenschaft, Laufzeit 10 Jahre] und 

einer Zahlungsfrist von 40 Tagen). Dies entspricht der bisherigen Praxis 

(vgl. RKUV 6/1997 KV 16 S. 343 ff. E. 8.6; RKUV 5/2001 KV 179 

S. 377 ff. E. 7.2.2) sowie der Empfehlung der GDK (vgl. GDK-Empfeh-

lungen S. 4) und ist nicht zu beanstanden. Nicht bestritten ist sodann der 

Abzug für Mehrkosten bei der Behandlung von Zusatzversicherten (insb. 

Hotellerie), welchen die Vorinstanz in Anwendung der bisherigen Praxis 

(vgl. Urteil C‒4961/2010 E. 7.3.3.2 m.w.H.) vorgenommen hat.  

3.8 Im Grundsatz ist ebenfalls unbestritten, dass die Anlagenut-
zungskosten abzuziehen sind, weil diese gemäss Abs. 4 der Schlussbe-

stimmungen der Änderung der KVV vom 22. Oktober 2008 (nachfol-

gend: SchlB KVV) für das Jahr 2012 mit einem normativen Zuschlag auf 

den verhandelten Basispreis von 10 % abzugelten sind.  

3.8.1 Die Preisüberwachung und in der Folge auch die Vorinstanz 
haben auf den von der Beschwerdegegnerin ausgewiesenen Betrag von 

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 67 

 

Fr. (…) abgestellt. Dieser beruht jedoch auf dem Total der Kosten aller 

akut-stationären Fälle (…) und ist insoweit zu korrigieren. 

3.8.2 Die Beschwerdeführerinnen beanstanden, die Beschwerdegeg-
nerin habe keine VKL-konforme Anlagebuchhaltung vorgelegt. Abs. 4 

SchlB KVV ändere nichts daran, dass die Spitäler eine den Vorgaben von 

Art. 10a VKL entsprechende Anlagebuchhaltung führen müssten (…). 

Die Beschwerdegegnerin bestreitet den Vorwurf, ihre Anlagebuchhaltung 

erfülle die Vorgaben der VKL nicht, und macht gleichzeitig geltend, die 

Frage sei irrelevant, weil die Anlagenutzungskosten ohnehin mittels 

Normzuschlag (Abs. 4 SchlB KVV) festgelegt würden. 

3.8.3 Es trifft zu, dass Abs. 4 SchlB KVV die Spitäler nicht davon be-
freit, eine der VKL entsprechende Anlagebuchhaltung zu führen. Es muss 

insbesondere gewährleistet sein, dass keine Anlagenutzungskosten in die 

benchmarking-relevanten Betriebskosten eingeflossen sind. Aufgrund 

von Abs. 4 SchlB KVV, wonach die Abgeltung der Anlagenutzungs-

kosten im Jahr 2012 mit einem Zuschlag von 10 % auf den vereinbarten 

Basispreis zu erfolgen hat, sind die ausgewiesenen Anlagenutzungs-

kosten grundsätzlich nicht tarifrelevant. Denn die in ITAR_K Zeile 12 

ausgewiesenen Kosten werden in einem zweiten Schritt wieder abgezo-

gen (vgl. ITAR_K Zeile 24; GDK-Empfehlungen S. 4). Auf die Rügen 

betreffend Anlagenutzungskosten ist daher nicht weiter einzugehen. 

3.9 Einig sind sich die Beteiligten sodann, dass vorliegend kein 
Überkapazitätsabzug vorzunehmen ist. Die Frage, ob im System der 

neuen Spitalfinanzierung ein Überkapazitätsabzug grundsätzlich noch 

zulässig ist, braucht daher hier nicht beantwortet zu werden. 

3.10 Streitig und durch das Bundesverwaltungsgericht zu beurteilen 
sind jedoch folgende Berechnungselemente: die Anrechnung der Erträge 

aus der Kontengruppe 65 (E. 4), die Berücksichtigung der Debitoren-

verluste (E. 5), der Abzug für universitäre Lehre und Forschung (E. 6) 

und weitere gemeinwirtschaftliche Leistungen (E. 7), die Anrechnung der 

Teuerung (E. 8) sowie der Intransparenzabzug (E. 9). 

4. Erträge aus der Kontengruppe 65 

4.1 Bei den Erträgen aus der Kontengruppe 65 geht es um Erträge 
für übrige, nicht OKP-versicherte Leistungen an Patientinnen und Patien-

ten. Streitig ist, in welchem Umfang diese Erträge (als Abzüge) zu 

berücksichtigen sind. 

2014/3 Spitaltarife 

 

 

68 BVGE / ATAF / DTAF 

 

4.1.1 Die Vorinstanz ist der Auffassung der Beschwerdegegnerin ge-
folgt, wonach die Erträge zu 50 % anzurechnen seien. Sie begründete 

dies unter anderem damit, dass es wenig wahrscheinlich sei, dass das 

LUKS diese Leistungen zum Selbstkostenpreis anbiete. Weiter wird auf 

die GDK-Empfehlungen verwiesen, wonach eine Marge von maximal 

50 % anzurechnen sei (…). 

4.1.2 Die Beschwerdeführerinnen machen ‒ unter Hinweis auf die 
Stellungnahme der Preisüberwachung ‒ im Wesentlichen geltend, eine 

Gewinnmarge dürfe nur berücksichtigt werden, wenn diese bewiesen sei, 

was vorliegend nicht zutreffe. Es handle sich lediglich um eine normative 

Annahme von H+ als Systemanbieter von REKOLE
®
 und ITAR_K. 

4.1.3 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, beim Konto 65 handle es 
sich um Erträge ihrer Nebenbetriebe. Es treffe zu, dass die Gewinnmarge 

hier nicht auf einer exakten Kostenausscheidung beruhe. Eine solche 

wäre mit verhältnismässigem Aufwand aber nicht möglich. 

4.2 Die GDK führt in ihren Empfehlungen dazu aus, Erträge aus der 
Kontengruppe 65 (und 68) sollten nur in Ausnahmefällen auf den Kos-

tenträgern « stationäre Leistungen KVG » erscheinen. In diesem Fall 

wirkten die Erträge kostenmindernd, allenfalls jedoch nicht die mit 

diesen Leistungen erzielte Marge. In Empfehlung 2 wird festgehalten, 

das Vorgehen gemäss ITAR_K sei nachvollziehbar. Als Marge sei 

« allenfalls höchstens » 50 % anzuerkennen (vgl. GDK-Empfehlungen 

S. 6 f.). 

4.3 Die Empfehlung der GDK zur Kontengruppe 65 ist vergleichs-
weise vage formuliert (« allenfalls » und « höchstens ») und stellt nicht 

eine klare, einer einheitlichen Handhabung dienende Vorgabe dar. Mit 

den Beschwerdeführerinnen ist daher nach der allgemeinen Regel zur 

Beweislastverteilung (vgl. Art. 8 ZGB) vorzugehen, wonach diejenige 

Partei die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat, welche aus den be-

haupteten und unbewiesen gebliebenen Tatsachen Rechte ableiten wollte 

(vgl. Urteil des BVGer C‒4308/2007 vom 13. Januar 2010 E. 6.6.2, teil-

weise publiziert in BVGE 2010/14). Verzichtet ein Spital auf eine exakte 

Kostenausscheidung für übrige Dienstleistungen, weil es eine solche als 

mit einem unverhältnismässigen Aufwand verbunden erachtet, kann kei-

ne Gewinnmarge bewiesen werden. Ob es als wahrscheinlich oder eher 

unwahrscheinlich erscheint, dass solche Dienstleistungen zum Selbst-

kostenpreis angeboten werden, ist nicht entscheidend. Demnach sind vor-

Spitaltarife 2014/3 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 69 

 

liegend die Erlöse der Kontengruppe 65 zu 100 % (und nicht zu 50 %) in 

Abzug zu bringen. 

5. Zuschläge für Debitorenverluste 

5.1 Die Beschwerdeführerinnen beanstanden, die Vorinstanz habe 
die von der Beschwerdegegnerin ausgewiesenen Debitorenverluste 

(Fr. […]) zu Unrecht zu den Kosten hinzugerechnet. Dies widerspreche 

der Rechtsprechung. Zudem gelte im stationären Bereich das System des 

tiers payant (vgl. Art. 42 Abs. 2 Satz 2 KVG), weshalb im stationären 

OKP-Bereich keine Debitorenverluste entstünden. Im Übrigen erscheine 

der Betrag derart gerundet, dass auch Zweifel an der Stichhaltigkeit des 

geltend gemachten Betrages angebracht werden könnten (…). 

5.2 In ihrer Vernehmlassung macht die Vorinstanz geltend, dass 
auch die Preisüberwachung bei der Ermittlung der Betriebskosten 

(netto 1) die Debitorenverluste addiert habe (…). Da die Beschwerde-

führerinnen die Berechnung der Preisüberwachung anerkannt und als 

KVG-konform bezeichnet hätten, habe sie willkürfrei davon ausgehen 

dürfen, dass die Anrechnung der Debitorenverluste nicht strittig sei.  

Die Preisüberwachung hat sich weder in ihrer Empfehlung an die Vorin-

stanz noch in ihrer im Beschwerdeverfahren abgegebenen Stellungnahme 

dazu geäussert, weshalb sie die Debitorenverluste