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**Case Identifier:** f04b6176-d688-508d-b6da-bffd54e3f499
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.11.2023 SST.2023.131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-131_2023-11-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.131 
(ST.2021.45; STA.2021.1393) 

 

 

Urteil vom 9. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Cotti  

Oberrichter Holliger  

Gerichtsschreiberin Yalin        

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

    
    

Beschuldigter   E._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Steinhausen, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Samuel Egli,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erliess am 7. Oktober 2021 

folgenden Strafbefehl gegen den Beschuldigten: 

 

"Sachverhalt: 
 
1.  
Einfache Körperverletzung mit einer Waffe, bzw. einem gefährlichen 
Gegenstand 
(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, mit einer 
Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand einen Menschen in anderer 
Weise an Körper oder Gesundheit geschädigt.  
 
2. 
Drohung 
(Art. 180 Abs. 1 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, jemanden 
durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. 
 
Begangen: 
Ort: R._____, S-Strasse 
Zeit: Montag, 12. April 2021, 14.30 Uhr 
 
Vorgehen: Zur obgenannten Zeit kam es an der beschriebenen Örtlichkeit 
zwischen dem Beschuldigten und dem Zivil- und Strafkläger zur 
handfesten Auseinandersetzung, wobei der Beschuldigte ein Messer offen 
in der rechten Hand mitführte. Dazu kam es nach unmittelbar 
vorangegangenen gegenseitigen averbalen Provokationen, als sich beide 
mit ihren Fahrzeugen kreuzten.  
 
Nachdem beide ihre Fahrzeuge gestoppt hatten, stiegen beide aus den 
Fahrzeugen aus, wobei der Beschuldigte bereits in diesem Moment das 
besagte Messer offen in der rechten Hand mitführte und drohend gegen 
den Zivil- und Strafkläger richtete. Kurz darauf entbrannte zwischen dem 
Beschuldigten und dem Zivil- und Strafkläger eine gegenseitige 
Schubserei/Rangelei, wobei der Beschuldigte den Zivil- und Strafkläger 
u.a. mit dem Messer verletzte. Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Straf-
kläger während der Dauer der tätlichen Auseinandersetzungen folgende 
Verletzungen zugefügt: 
 

• Eine schwalbenschwanzförmige Stichverletzung an der linken 
Oberarmseite 

• Oberflächliche Schnittverletzungen am rechten Handrücken und an der 
rechten Handgelenkdaumenseite 

• Feinstreifige Hautrötungen am rechten Unterarm und am Halsansatz 
rechts 

• Kratzartige Hautabschürfungen am linken Handrücken 

• Gering geschwollene Unterlippe linksseitige mit einer feinstreifigen 
Oberhautläsion 

 - 3 - 

 

 

 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, zumindest aber eventualvorsätzlich 
gehandelt. Denn wer bei einer tätlichen Auseinandersetzung ein Messer 
offen in der Hand mitführt, der muss aufgrund der allgemeinen Lebens-
erfahrung davon ausgehen, dass er sein Gegenüber damit verletzen kann. 
 
Der Beschuldigte hat zudem den Zivil- und Strafkläger mit seiner 
drohenden Messerhaltung zu Beginn der Auseinandersetzung in 
Schrecken und Angst versetzt.  
 
Zivil- und Strafkläger: A._____, […] 

v.d. lic.iur. Huser Daniel, Stephani + Partner 
Advokatur, […] 
 

Strafantrag wurde am 6. Mai 2021 gestellt." 

 

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Beschuldigten dafür mit einer 

bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 110.00, Probezeit 2 Jahre, 

und einer Busse von Fr. 2'500.00. 

 

1.2. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 25. Oktober 2021 

Einsprache. 

 

1.3. 

Am 22. November 2021 überwies die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

den Strafbefehl samt Akten dem Bezirksgericht Muri zur Durchführung des 

Hauptverfahrens und erhob den Strafbefehl zur Anklageschrift.  

 

2. 

2.1. 

Am 15. März 2022 fand die Hauptverhandlung vor dem Gerichtspräsidium 

Muri statt mit Befragung des Zivil- und Strafklägers sowie des 

Beschuldigten. Unter gleichem Datum sprach der Gerichtspräsident den 

Beschuldigten vom Vorwurf der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB frei 

und verurteilte ihn wegen einfacher Körperverletzung mit einer Waffe bzw. 

einem gefährlichen Gegenstand i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB mit einer 

bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 100.00 und einer Busse 

von Fr. 1'000.00 bei einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. Ferner wurde 

der Beschuldigte verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger Fr. 154.65 

Schadenersatz und eine Genugtuung von Fr. 500.00 zu bezahlen, je zu-

züglich Zins seit dem 12. April 2021.  

 

2.2. 

Gegen dieses vorab im Dispositiv zugestellte Urteil meldete der 

Beschuldigte am 20. März 2022 Berufung an. Das begründete Urteil wurde 

ihm am 4. Mai 2022 zugestellt.  

 

 - 4 - 

 

 

2.3. 

Mit Berufungserklärung vom 24. Mai 2022 beantragte der Beschuldigte 

einen zusätzlichen Freispruch vom Vorwurf der einfachen Körper-

verletzung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand. Die 

Zivilforderung sei abzuweisen, eventuell auf den Zivilweg zu verweisen. 

Ferner beantragte er eine Entschädigung für die erstinstanzlichen 

Anwaltskosten im Betrag von Fr. 4'343.40 sowie eine Genugtuung von 

Fr. 400.00. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien 

auf die Staatskasse zu nehmen. Gleichzeitig begehrte er die Befragung von 

B._____ und der Gutachterin Dr. med. C._____. 

 

2.4. 

Mit Verfügung vom 21. Juni 2022 stellte der Verfahrensleiter fest, dass der 

Zivil- und Strafkläger am Berufungsverfahren nicht mehr als Partei teil-

nimmt und ordnete vorerst im Einvernehmen mit den Parteien das schrif-

tliche Berufungsverfahren an. Nachdem der Beschuldigte am 14. Juli 2022 

seine Berufungsbegründung einreichte, wurde mit Schreiben vom 15. Juli 

2022 der Wechsel vom schriftlichen ins mündliche Verfahren verfügt. Die 

Staatsanwaltschaft beantragte am 28. Juli 2022 die kostenfällige Ab-

weisung der Berufung, woraufhin der Beschuldigte mit Eingabe vom 

18. August 2022 replizierte. Das Obergericht hat am 10. Januar 2023 – 

ohne eine vorgängige mündliche Verhandlung – ein Urteil gefällt, wobei es 

das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich bestätigte.  

 

3. 

Das Bundesgericht hiess eine gegen das Urteil des Obergerichts vom 

10. Januar 2023 gerichtete Beschwerde des Beschuldigten wegen 

Verletzung des rechtlichen Gehörs gut, hob das Urteil des Obergerichts 

vom 10. Januar 2023 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an 

das Obergericht zurück, da keine mündliche Berufungsverhandlung 

durchgeführt worden war (Urteil des Bundesgerichts 6B_22/2023 vom 

22. Mai 2023). 

 

4. 

4.1. 

Mit Verfügung vom 14. Juni 2023 wurde den Parteien die Durchführung der 

mündlichen Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten und 

A._____ als Auskunftsperson in Aussicht gestellt. Ferner wurde den 

Parteien die Möglichkeit gewährt, innert Frist bis zum 4. Juli 2023 vorgängig 

zur Berufungsverhandlung eine Stellungnahme einzureichen. 

 

4.2. 

Der Beschuldigte beantragte mit Stellungnahme vom 4. Juli 2023, er sei 

von Schuld und Strafe freizusprechen, die Zivilforderungen des Privat-

klägers seien abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

 - 5 - 

 

 

Ferner sei ihm für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Haupt-

verfahren eine Entschädigung für seine Parteikosten sowie zusätzlich eine 

Genugtuung zu entrichten und die Verfahrenskosten des Vorverfahrens 

und des erstinstanzlichen Verfahrens seien aus der Staatskasse zu 

nehmen. Schliesslich beantragte der Beschuldigte die Befragung von 

B._____ und Dr. med. C._____. 

 

4.3. 

Die Oberstaatsanwaltschaft beantragte mit Stellungnahme vom 19. Juni 

2023 die Abweisung der Berufung. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der 

Drohung freizusprechen und vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung 

mit einem gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 123 Abs. 2 StGB schuldig 

zu sprechen. Er sei dafür zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tages-

sätzen à Fr. 100.00, Probezeit 2 Jahre, und einer Verbindungsbusse von 

Fr. 1'000.00 zu verurteilen.  

 

5. 

Die Berufungsverhandlung mit Erläuterung und Ergänzung des Gutachtens 

durch die Sachverständige Dr. med. C._____ sowie Einvernahme der 

Auskunftsperson A._____, dem Zeugen B._____ und des Beschuldigten 

fand am 9. November 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die 

Angelegenheit zur neuen Beurteilung an das Obergericht zurück, darf sich 

dieses nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundesgericht 

kassiert hat. Die anderen Teile des Urteils haben weiterhin Bestand. Die 

neue Entscheidung des Obergerichts ist somit auf diejenige Thematik 

beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegen-

stand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in 

Gang gesetzt, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen 

des Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2 f.). 

 

1.2. 

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Beschuldigten wegen 

Verletzung des rechtlichen Gehörs gut, hob das Urteil des Obergerichts 

vom 10. Januar 2023 auf und wies das Verfahren an das Obergericht 

zurück. In der Sache hat es sich nicht geäussert. In Nachachtung des 

Urteils des Bundesgerichts 6B_22/2023 vom 22. Mai 2023 wurde am 

9. November 2023 eine mündliche Berufungsverhandlung durchgeführt 

und damit das rechtliche Gehör des Beschuldigten gewahrt. 

 

 - 6 - 

 

 

2. 

Der Beschuldigte hielt anlässlich der Berufungsverhandlung an seinen 

bisherigen Anträgen fest, womit sich die Berufung gegen den vorinstanz-

lichen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung mit einer Waffe 

bzw. einem gefährlichen Gegenstand und entsprechend auch gegen den 

Zivil- und Kostenpunkt richtet. Unangefochten geblieben und deshalb nicht 

mehr zu überprüfen ist der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der 

Drohung (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz ging in Würdigung der Personal- und Sachbeweise davon 

aus, dass der Beschuldigte A._____ im Rahmen einer tätlichen 

Auseinandersetzung vom 12. April 2021 eventualvorsätzlich mit einem 

Messer verletzt und ihm die weiteren in der Anklageschrift erwähnten 

Verletzungen zugefügt hat. Damit habe sich der Beschuldigte der einfachen 

Körperverletzung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand 

schuldig gemacht hat. Eine Notwehrlage verneinte die Vorinstanz 

(vorinstanzliches Urteil, E. 2.3 bis 2.5).  

 

3.2. 

Der Beschuldigte lässt in seiner Berufung im Wesentlichen ausführen, die 

Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass A._____ im Strafverfahren 

und bei der rechtsmedizinischen Untersuchung widersprüchliche 

Aussagen zum Vorfall gemacht habe, während der Beschuldigte in allen 

drei Einvernahmen übereinstimmende, detailreiche Angaben gemacht 

habe, die sich auch mit den aktenkundigen Fotos in Übereinstimmung 

bringen liessen. Die Vorinstanz habe es versäumt, die Aussagen der 

Beteiligten im Detail auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen. Stattdessen 

habe sie das Messer als Sachbeweis in den Fokus ihrer Beurteilung 

gerückt. Nachdem der Vorfall durch einen nahen Verwandten von A._____ 

gemeldet worden sei, sei nicht auszuschliessen, dass sich A._____ mit 

diesem abgesprochen habe, um den Beschuldigten von Beginn weg zu 

belasten. Tatsache sei, dass der Beschuldigte weder ein Messer auf sich 

getragen habe, noch habe ein solches in seinem Fahrzeug, bei seinem 

Spind oder Arbeitsplatz gefunden werden können. Zudem habe A._____ 

durchaus einen Grund gehabt, den Beschuldigten unnötig zu belasten, 

habe der Beschuldigte diesen doch zuvor bei den Vorgesetzten wegen 

Provokationen angezeigt. Es sei auch nicht erwiesen, dass A._____ die 

neben dem Auto vorgefundene Jacke bei der Auseinandersetzung effektiv 

getragen habe. Das Gutachten sei insofern in Zweifel zu ziehen, als sich 

dieses auf die Aussagen von A._____ stütze, wonach der Beschuldigte ein 

Schweizer Taschenmesser verwendet habe. Da die Wunde bei der 

Begutachtung bereits vernäht gewesen sei, sei es zu gewagt, wenn die 

Verletzungen ohne weiteres der Auseinandersetzung zwischen dem 

Beschuldigten und A._____ zugeordnet würden.  

 - 7 - 

 

 

3.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; "in dubio 

pro reo"). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 

werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_212/2019 vom 15. Mai 2019 

E. 1.3.2). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist erst anwendbar, nachdem 

alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und 

ausgewertet worden sind. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel vermag eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" zu 

begründen (BGE 144 IV 345, Regeste). 

 

Für die Würdigung von Aussagen besteht ein anerkanntes wissen-

schaftlich-methodisches Konzept, die sogenannte Aussageanalyse. Mit ihr 

wird geprüft, ob die jeweilige Aussageperson ihre spezifische Aussage 

unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leistungs-

fähigkeit und der Motivlage in gleicher Qualität auch ohne realen 

Erlebnishintergrund hätte machen können. Wenn dies ausgeschlossen 

werden kann, ist anzunehmen, dass die Aussage wahr ist (zur 

Aussageanalyse z.B. BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5). Diese Aussage-

analyse, bei der die Aussagen aufgrund verschiedener inhaltlicher Kriterien 

(sog. Realkennzeichen) auf der Zeitachse untersucht werden, ist jedoch 

nicht in allen Fällen geeignet, den Prozess der Wahrheitsfindung zu 

unterstützen. Ein Grund liegt zunächst darin, dass Aussagen häufig nicht 

das reine Produkt einer Erfindung oder das reine Produkt eines realen 

Erlebnisses sind, sondern in einer Schilderung sowohl wahre als auch 

erfundene Elemente auftauchen können. Kann sich eine Person bei ihrer 

Aussage an einem realen Rahmengeschehen orientieren, fällt es ihr 

vergleichsweise leicht, erfundene Elemente in die Schilderung einzubauen, 

ohne dass sich eine derartige Anreicherung ihrer Aussage zwingend in der 

Aussagequalität niederschlagen muss. Ferner verspricht die Aussage-

analyse nur bei komplexeren Sachverhalten einen Erkenntnisgewinn. Bei 

der Schilderung von einfachen Lebensvorgängen oder blossen 

Bestreitungen von Sachverhalten unterscheiden sich Aussagen mit und 

ohne Erlebnisbezug in ihrer inhaltlichen Qualität nicht signifikant 

voneinander, weil die Darstellung so oder anders keine besondere 

intellektuelle Leistung erfordert. Sodann fehlt es im Strafverfahren teilweise 

an genügendem, sich über einen bestimmten Zeitraum erstreckendem 

"Aussagematerial", um eine Aussageanalyse im Sinne der wissenschaftlich 

anerkannten Methodik durchführen zu können. Sie stösst ausserdem an 

ihre Grenzen, wenn sich aufgrund fremd- oder autosuggestiver Prozesse 

falsche Erinnerungen bei der Aussageperson etabliert haben. In solchen 

Fällen können die Schilderungen nämlich eine gleich hohe Qualität 

 - 8 - 

 

 

erreichen wie erlebnisbasierte Darstellungen (vgl. etwa KARIN 

SCHILLING/VALERIE HAUCH, Wahrheit oder Lüge – Unterscheidbar? in: 

Wahrheit, Täuschung und Lüge, Bern 2016, S. 33). Verspricht die 

Aussageanalyse (im Sinne des anerkannten wissenschaftlich-

methodischen Konzepts) keinen Erkenntnisgewinn, hat das Gericht 

Personalbeweise in anderer Weise zu würdigen, was nicht ausschliesst, 

neben der Motivlage auch inhaltliche Auffälligkeiten der Aussagen 

Rechnung zu tragen. Dabei ist auch zu prüfen, ob sich die Angaben der 

Aussageperson anhand von Sachbeweisen validieren lassen oder nicht.  

 

3.4. 

3.4.1. 

A._____ gab im Rahmen der ersten Befragung vom 13. April 2021 (act. 82 

ff.) zu Protokoll, er sei am 12. April 2021 nach der Arbeit auf der Heimfahrt 

mit dem Auto gewesen, als ihm der Beschuldigte beim Bahnhof mit dem 

Auto begegnet sei. Als er (A._____) mit dem Auto auf der engen Strasse 

gewartet habe, damit der Beschuldigte habe passieren können, habe 

dieser das Fenster heruntergelassen und ihm etwas angeworfen, was an 

die Vorder- oder Hintertüre seines Autos geprallt sei. Um nachzufragen, 

weshalb der Beschuldigte dies getan habe, habe er (A._____) sein Auto 

gewendet und sei dem Beschuldigten nachgefahren, ohne jedoch 

besondere Zeichen in der Form von Lichthupe oder dergleichen zu geben. 

Nachdem beide Fahrzeuge angehalten hätten, seien mutmasslich zuerst 

der Beschuldigte und dann er ausgestiegen. Er habe den Beschuldigten 

gefragt, weshalb er ihm etwas angeworfen habe, worauf dieser gleich nach 

dem Aussteigen aus dem Fahrzeug auf ihn zugekommen sei und ein 

Messer, das wie ein aufklappbares Militärmesser ausgesehen habe, 

gezogen, aufgeklappt und ihm gezeigt habe. Dabei habe der Beschuldigte 

auf Serbokroatisch gesagt, "ich habe ein Messer in meiner Hand". Er 

(A._____) habe dann mit dem Fuss an die Stossstange des Fahrzeugs des 

Beschuldigten getreten. Daraufhin habe zuerst der Beschuldigte ihn mit der 

Hand und dem Fuss geschlagen, worauf er den Beschuldigten mit der 

offenen Hand im Hals-/Schulterbereich ebenfalls geschlagen habe. Im 

Rahmen dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte ihn – mit dem 

Messer in der Hand – zu Boden gerissen, wobei sein T-Shirt zerrissen 

worden sei. Als er (A._____) wieder aufgestanden sei, habe er die 

Stichverletzung am Arm gesehen und festgestellt, dass Blut den Arm 

hinunterlaufe. Den Stich selber habe er weder gesehen, noch könne er sich 

daran erinnern. Danach habe er den Motor seines Fahrzeugs 

ausgeschaltet, das zerrissene T-Shirt ausgezogen, um die Wunde 

einzubinden, und dann Hilfe geholt.   

 

Zur Vorgeschichte der Auseinandersetzung gab A._____ an, er habe seit 

rund zwei Monaten einen Konflikt mit dem Beschuldigten gehabt. Auslöser 

sei gewesen, dass er ihm am Arbeitsplatz etwas habe beibringen müssen, 

was dieser aber nicht habe annehmen können. Sie hätten täglich Probleme 

 - 9 - 

 

 

miteinander gehabt. Jedesmal, wenn sie in der Folge zusammengearbeitet 

hätten, habe der Beschuldigte mit einer Geste gezeigt, dass er ihn 

aufschlitzen werde. Einmal habe ihm der Beschuldigte auch eine Kopfnuss 

verpasst. Der Beschuldigte hab ihm auch mit dem Hammer oder Rohren in 

der Hand gedroht und gesagt, dass er ihn draussen fertigmachen würde. 

Der Beschuldigte habe ihn auch am Wegfahren gehindert, diverse Gesten 

gemacht und ihn auch schon nach Hause verfolgt. Er habe diese Vorfälle 

den Vorgesetzten gemeldet; es sei aber bis zum Vorfall vom 12. April 2021 

nichts unternommen worden. Auf die Frage, was es mit den Zeichen am 

Arbeitstisch auf sich habe, gab A._____ an, der Beschuldigte habe ihm 

auch schon geschrieben, dass er seine Familie umbringen würde. Sie 

hätten sich gegenseitig Zeichnungen hinterlassen. Der Beschuldigte habe 

Penisse gezeichnet, er die serbische Fahne und Gotteskreuze; sie hätten 

sich so gegenseitig provoziert. Nachdem der Beschuldigte ihm eine 

Nachricht hinterlassen habe, dass er seine Frau vögeln werde, habe dieser 

ihm zurückgeschrieben, dass er seine Mutter vögeln werde (act. 91 f.).  

 

An dieser Sachdarstellung hielt A._____ im Wesentlichen sowohl im 

erstinstanzlichen Verfahren (vgl. act. 288 ff.) wie auch im Rahmen des 

Berufungsverfahrens grundsätzlich fest (Protokoll der Berufungsverhand-

lung [Protokoll] S. 6 ff.).  

 

3.4.2. 

Es steht fest, dass A._____ und der Beschuldigte schon geraume Zeit vor 

dem Vorfall vom 12. April 2021 miteinander im Streit lagen. Welcher 

Kontrahent dabei primär Opfer und welcher primär Täter war, liess sich im 

Strafverfahren nicht zweifelsfrei klären. A._____ erhebt zwar insofern 

ernstzunehmende Vorwürfe gegen den Beschuldigten, diese lassen sich 

jedoch anhand der Akten nicht objektivieren, während A._____ selber 

zugestehen musste, dass er den Beschuldigten mehrfach durch 

Zeichnungen bzw. Botschaften am Arbeitsplatz provoziert hat. Dabei 

schreckte er auch nicht vor einer konkludenten Todesdrohung zurück (vgl. 

act. 295). Aufgrund des vorstehenden Konflikts mit gegenseitigen Provo-

kationen, an denen A._____ massgeblich beteiligt war, würde dieser 

durchaus über ein Motiv verfügen, den Beschuldigten falsch bzw. über-

mässig zu belasten.  

 

Die Aussagen von A._____ sind logisch stimmig und weitgehend frei von 

Widersprüchen. Nur in einem Punkt wich die Sachdarstellung von A._____ 

im Rahmen des Berufungsverfahrens vorerst von seinen früheren 

Aussagen ab (vgl. act. 86, 88 und 289). So erklärte er anlässlich des 

Berufungsverfahrens im Rahmen eines freien Berichts des Vorgefallenen 

zuerst, dass er (A._____) zuerst mit dem Fuss gegen das Auto des 

Beschuldigten getreten habe und der Beschuldigte danach das Messer 

hervorgenommen habe (Protokoll S. 6). Auf Nachfrage korrigierte er seine 

Aussage allerdings wieder dahingehend, dass der Beschuldigte zuerst ein 

 - 10 - 

 

 

Messer rausgenommen und ihm gezeigt habe und er danach mit dem Fuss 

gegen sein Auto getreten habe (Protokoll S. 7). Für die Glaubhaftigkeit der 

Behauptungen von A._____ zum Kernsachverhalt spricht zudem 

tendenziell, dass dieser zumindest teilweise auf naheliegende Mehrbe-

lastungen verzichtete. So hat er insbesondere nie behauptet, der 

Beschuldigte habe das Messer gezielt als Stichwaffe eingesetzt. Er liess 

sich insofern auch nicht zu Mutmassungen verleiten. Vielmehr sagte er für 

den Beschuldigten tendenziell entlastend aus, er habe im Rahmen der 

Rangelei überhaupt keinen Schmerz gespürt (act. 292). Erst als er das Blut 

gesehen habe, sei ihm die Verletzung bewusst geworden (act. 292; 

Protokoll S. 6). Damit lässt er die Möglichkeit offen, dass ihn der 

Beschuldigte mit dem Messer, das dieser in der Hand gehalten haben soll, 

im Rahmen der Rangelei unabsichtlich verletzt haben könnte. Hinzu 

kommt, dass A._____ von Beginn an sein eigenes Verhalten gegenüber 

dem Beschuldigten nicht beschönigte und zugestand, den Beschuldigten 

vor dem Vorfall provoziert und ihn während des Vorfalls geschlagen sowie 

mit Fusstritten sein Auto beschädigt zu haben (act. 86 f., 92, 289, 291, 295; 

Protokoll S. 6 f., 9). Schliesslich bildet ein (schwaches) Wahrheitsindiz die 

Tatsache, dass A._____ bei gewissen Aussagen zu erkennen gibt, wenn 

diese mit Unsicherheiten behaftet sind (z.B. auf die Frage, wer stieg zuerst 

aus dem Auto aus? "Ich denke er, weil er auch als erster angehalten hat". 

[act. 90]).  

 

Insgesamt weisen die belastenden Aussagen von A._____ keine 

besondere Qualität auf, die nur den Schluss zuliesse, sie müssten 

vollumfänglich der Wahrheit entsprechen. Insbesondere ist eine Anreich-

erung auf der Basis eines realen Kerngeschehens denkbar, zumal es sich 

um eine einfache Sachdarstellung handelt, bei deren Reproduktion selbst 

dann nicht zwingend mit Qualitätseinbussen zu rechnen wäre, wenn die 

Schilderungen keinen vollständigen Erlebnisbezug hätten.  

 

3.4.3. 

Soweit der Beschuldigte Widersprüche zwischen den Aussagen von 

A._____ anlässlich der rechtsmedizinischen Untersuchung und seinen 

späteren Aussagen geltend macht (Berufungsbegründungs S. 9 act. 106), 

ist dies ohne Bedeutung. Die Aussagen der begutachteten Person 

anlässlich eines medizinischen Explorationsgesprächs dürfen ihr nicht wie 

Beweisaussagen zum inkriminierten Sachverhalt entgegengehalten 

werden (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 253 E. 3.7). Darüber hinaus hat die 

Sachverständige Dr. C._____ im Rahmen der Berufungsverhandlung 

ausgesagt, dass aus den Aussagen von A._____ nicht hervorgegangen 

sei, zu welchem Zeitpunkt der Beschuldigte das Messer gezückt haben soll 

(Protokoll S. 3). 

 

 - 11 - 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

Der Beschuldigte gab im Rahmen der ersten polizeilichen Befragung vom 

12. April 2021 (act. 121 ff.) im Wesentlichen zu Protokoll, er sei am 12. April 

2021 mit seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als A._____ mit 

seinem Fahrzeug auf ihn zugefahren sei. Dabei habe dieser die Hupe, 

Lichthupe sowie den Warnblinker betätigt und sei in zu schnellem Tempo 

direkt auf ihn zugefahren. Er (der Beschuldigte) sei deshalb nach rechts 

ausgewichen und habe A._____ den Vogel gezeigt. A._____ habe dann 

schnell abgebremst, sein Auto wie im Film gedreht und weiterhin die Hupe 

und den Warnblinker betätigt. In der Folge hätten sie dann beide 

angehalten. A._____ habe mit seinem rechten Fuss in die hintere 

Stossstange des Autos (des Beschuldigten) getreten. Als er (der 

Beschuldigte) selber aus dem Fahrzeug habe aussteigen wollen, habe 

A._____ ihn mit der Faust auf den Kopf im Bereich des linken Ohres 

geschlagen, so dass auch die Brille weggeflogen sei. In der Folge habe er 

(der Beschuldigte) A._____ mit der Fahrertüre weggeschubst, ihn dann mit 

beiden Händen genommen und auf dessen Auto gestossen, so dass dieser 

mit dem Rücken auf sein eigenes Auto geflogen sei. A._____ sei dann 

wieder aufgestanden und habe sein eigenes T-Shirt zerrissen und dieses 

auf den Boden geworfen. Danach habe dieser mit seiner rechten Hand den 

linken Oberarm festgehalten. Ihm (dem Beschuldigten) sei dann "schwarz 

vor Augen" geworden und er sei verängstigt gewesen. Er habe ferner 

gesehen, dass A._____ weggerannt sei. Er selber habe dann seinen 

Schichtleiter angerufen und ihm den Vorfall geschildert. In dieser Situation 

habe er Angst um sein Leben gehabt. Die Verletzungen von A._____ könne 

er sich nicht erklären; er selber habe mit Sicherheit keine Waffe bzw. kein 

Messer eingesetzt.  

 

Zur Vorgeschichte der tätlichen Auseinandersetzung gab der Beschuldigte 

an, A._____ habe vor rund einem Monat auf dem Tisch, den sie gemeinsam 

am Arbeitsplatz nutzen würden, serbische Zeichen gemacht. A._____ habe 

ihn mit solchen Zeichen immer wieder provoziert. Vor einer Woche habe 

A._____ in der Schublade ein Zeichen gemalt, das bedeute, ich werde dich 

umbringen. Er (der Beschuldigte) habe deswegen die direkte Vorgesetzte 

sowie den ihr übergeordneten Chef informiert (act. 123). Vor rund einem 

Monat habe A._____ ihn bei den Vorgesetzten gemeldet und habe (zu 

Unrecht) behauptet, er (der Beschuldigte) habe ihn geschlagen (act. 127).  

 

Im Rahmen der nachfolgenden Befragungen (act. 132 ff.; 297 ff.; Protokoll 

S. 12 ff.) hielt der Beschuldigte an dieser Sachdarstellung im Wesentlichen 

fest.  

 

3.5.2. 

Der Beschuldigte, der sich mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert sieht, 

hat ein naheliegendes Interesse daran, sein eigenes Handeln in einem 

 - 12 - 

 

 

günstigen Licht erscheinen zu lassen. Das allein spricht jedoch nicht gegen 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.  

 

Diese erscheinen grundsätzlich ebenfalls logisch stimmig und kohärent. 

Die Aussagen haben sich auf der Zeitachse insgesamt nicht besonders 

auffällig entwickelt. Erwähnenswert sind immerhin drei Dinge: Erstens hat 

der Beschuldigte im Rahmen seiner ersten Schilderung noch nicht geltend 

gemacht, A._____ habe ihm bei der Begegnung auf der Strasse den 

Mittelfinger gezeigt. Dieses Sachverhaltselement trug er erstmals im 

Rahmen der zweiten Befragung vor (act. 132; vgl. vor Vorinstanz auch 

act. 298 und im Berufungsverfahren Protokoll S. 12). Hätte A._____ den 

Beschuldigten nicht nur mit seiner Fahrweise und dem Betätigen von 

Lichthupe, Hupe und Warnlichtern und dergleichen, sondern auch mit einer 

derartigen Geste provoziert, wäre eher damit zu rechnen gewesen, dass 

der Beschuldigte dies schon in der zeitnahen Befragung erwähnt hätte. 

Zweitens erklärte der Beschuldigte erst bei der zweiten Einvernahme und 

auf gezielte Nachfrage hin, A._____ habe ihn auch verbal mit dem Tod 

bedroht und ihn beleidigt, als er die Fahrertüre geöffnet habe (act. 135). 

Drittens erwähnte der Beschuldigte erst vor Vorinstanz, A._____ habe nicht 

nur mit dem Fuss gegen das Heck getreten, sondern auch mit der Faust 

auf das Autodach geschlagen (wodurch sogar eine Beule entstanden sein 

soll; act. 298; vgl. im Berufungsverfahren Protokoll S.12). Diesen 

Unstimmigkeiten kommt jedoch keine allzu hohe Bedeutung zu; es ist 

denkbar, dass der Beschuldigte diese Elemente zeitweise nicht erwähnte, 

weil er ihnen keine allzu grosse Bedeutung zumass oder er schlicht und 

einfach vergass, sie zu erwähnen.  

 

Inhaltlich weisen auch die Aussagen des Beschuldigten zum Kern-

sachverhalt keine besondere Qualität auf, die nur den Schluss zuliesse, 

diese müssten vollumfänglich der Wahrheit entsprechen. Auch bei der 

Würdigung seiner Aussagen ist der Möglichkeit Rechnung zu tragen, dass 

er die Schilderung eines realen Vorgangs mit erfundenen Elementen 

angereichert haben könnte, ohne dass sich dies signifikant in der Aussage-

qualität niederschlug.  

 

3.6. 

Als weiterer Personalbeweis liegt die Aussage von D._____, dem 

Vorgesetzten des Beschuldigten, vor. Dieser gab zu Protokoll, er habe 

A._____ zu einem unbestimmten Zeitpunkt vor dem Ereignis vom 12. April 

2021 mündlich verwarnt, weil er den Beschuldigten mit einer Zeichnung 

provoziert gehabt habe. Der Beschuldigte sei dagegen die ganze Zeit ruhig 

gewesen (act. 107). Daraus lässt sich ableiten, dass A._____ den Konflikt 

mit dem Beschuldigten aktiv befeuert hat.  

 

 - 13 - 

 

 

3.7. 

Weiter wurde anlässlich der Berufungsverhandlung der Onkel von A._____, 

B._____, befragt. Dieser führte aus, dass er am Arbeiten gewesen sei, als 

A._____ ihn nach dem Vorfall aufgeregt angerufen und gesagt habe, "er 

hat mich gestochen". Er habe daraufhin die Ambulanz verständigt, welche 

aber bereits von jemand anderem über den Vorfall in Kenntnis gesetzt 

worden sei. Er habe A._____ schliesslich im Spital Muri angetroffen und 

dort seine Verletzung am linken Oberarm gesehen (Protokoll S. 5).  

 

3.8. 

Es bleibt auf die einzelnen Sachbeweise einzugehen. 

 

3.8.1. 

Aufgrund des Untersuchungsprotokolls und des Gutachtens des Instituts 

für Rechtsmedizin (IRM) vom 30. April 2021 steht zunächst fest, dass 

A._____ am 12. April 2021 über zahlreiche Verletzungen verfügt hat, 

nämlich über eine Stichverletzung am linken Oberarm, eine 

Weichteilschwellung an der linken Unterlippe mit oberflächiger Hautläsion, 

eine oberflächliche Schnittverletzung am rechten Handrücken sowie an der 

rechten Handgelenkdaumenseite, eine Hautabschürfung am linken 

Handrücken und über Hautrötungen am rechten Unterarm und am 

Halsansatz rechts (act. 145 ff.). Die Stichverletzung am linken Oberarm und 

die beiden Schnittverletzungen am rechten Handrücken und an der rechten 

Handgelenkdaumenseite werden im Gutachten als Folgen scharfer Gewalt 

interpretiert; die Hautabschürfungen und die einzelnen Hautrötungen am 

Hals und an den Armen als Folgen stumpfer Gewalt, die sich zeitlich dem 

Vorfall vom 12. April 2021 zuordnen lassen.  

 

Gemäss Gutachten korrespondiere die Morphologie der Stichverletzung 

mit der Einwirkung eines handelsüblichen Schweizer Taschenmessers; die 

schwalbenschwanzartige Form (vgl. act. 150) belege eine Drehung des 

Messers im Arm während der Stichausführung. Zusammen mit dem quer 

zur Armlängsachse verlaufenden Textildefekt an der Kleidung könne 

rekonstruiert werden, dass das Klingenwerkzeug primär quer zur Arm-

längsachse eingestochen und dann unter Hautniveau handwärts gedreht 

sowie herausgezogen worden sei. Die Schnittverletzungen an der rechten 

Hand liessen sich aufgrund ihrer Lokalisation als passive Abwehr-

verletzungen (durch schützendes Vorhalten des Armes vor den Körper) 

erklären, die Verletzungen im Gesicht durch einen Schlag mit der Hand. 

Die Hautrötungen am Unterarm und am Halsansatz sowie die Haut-

abschürfung am linken Handrücken liessen sich zwangslos auf ein Kratzen 

mit Fingernägeln im Rahmen einer Rangelei zurückführen (act. 154). Die 

Wundmorphologie, die Verletzungsschwere und die Verletzungs-

lokalisationen erfüllten zudem nicht die typischen Kriterien einer Selbst-

verletzung (act. 154 f.).  

 

 - 14 - 

 

 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung konnte die Sachverständige 

Dr. med. C._____ einlässlich zum Verletzungsbild von A._____ befragt 

werden. Sie führte im Wesentlichen aus, dass es sich bei der Wunde um 

eine glattrandige Hautdurchtrennung handle, was für ein Klingenwerkzeug 

ohne Wellenschliff spreche. Die Wunde weise überdies einen 

Schwalbenschanz auf, was auf eine Drehung des Messers oder auf eine 

Bewegung des Armes schliessen lasse. Aufgrund der Wundränder 

(stumpfer Rand auf der rechten Seite und spitziger Rand auf der linken 

Seite) sei von einer einseitig geschliffenen Klinge auszugehen, welche quer 

in die Haut eingestochen worden sei. Dazu passe der quere Defekt in der 

Kleidung von A._____. Dass sich A._____ allenfalls selbst verletzt haben 

könnte, schloss die Gutachterin zwar nicht zu 100% aus. Jedoch erachtete 

sie eine solche als eher untypisch, zumal der Schwalbenschwanz bzw. die 

Drehkomponente dagegenspreche, werde bei einer Selbstverletzung doch 

meist nur oberflächlich gestochen. Ferner würde bei einer Selbstverletzung 

die Stelle, an der man sich verletzen wolle – anders als vorliegend – 

entblösst (Protokoll S. 3). 

 

Diese Ausführungen im Gutachten des IRM sowie die Ausführungen von 

Dr. med. C._____ anlässlich der Berufungsverhandlung erscheinen 

schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen ist.  

 

3.8.2. 

Bildaufnahmen, die von der Kriminaltechnik der Kantonspolizei nach dem 

Vorfall erstellt wurden, zeigen sodann eine Blutspur am Fahrzeug von 

A._____, auf dem Weg zur Werkstatt und in dieser (act. 196 ff.) sowie an 

der Kleidung von A._____ (act. 209). Im Innern des Fahrzeugs von A._____ 

fanden sich nur wenige Blutspuren (act. 197 f.). Dokumentiert wurde weiter 

ein scharfkantiger Textildefekt am Ärmel der linken Jacke von A._____ 

(act. 209). Ferner ist belegt, dass der Beschuldigte nach der 

Auseinandersetzung vom 12. April 2021 eine kleine oberflächliche 

Hautabschürfung am Nasenflügel aufwies (act. 208). Die Kleidung des 

Beschuldigten wies keine Blutspuren auf (act. 201). Am 5. Mai 2021 konnte 

zwar beim Spind des Beschuldigten ein Messer aufgefunden werden, 

dieses wies jedoch weder Blutspuren auf noch liess es sich auf andere 

Weise der tätlichen Auseinandersetzung vom 12. April 2021 zuordnen (act. 

192, 211).  

 

Im vorinstanzlichen Verfahren reichte der Beschuldigte ausserdem Fotos 

ein, welche die Endlage der beiden Fahrzeuge aufzeigen und Zeichnungen 

und Schriftzeichen dokumentieren, mit denen A._____ ihn am Arbeitsplatz 

provoziert haben soll (act. 240 ff.).  

4. 

Aufgrund der Personal- und Sachbeweise kann als gesichert geltend, dass 

A._____ den Beschuldigten im Vorfeld der Auseinandersetzung vom 

 - 15 - 

 

 

12. April 2021 am Arbeitsplatz mehrfach provoziert hat. Ob und inwieweit 

der Beschuldigte diese Provokationen erwidert hat, steht nicht fest.   

 

Aufgrund der insofern übereinstimmenden Aussagen der Kontrahenten ist 

sodann erstellt, dass sich A._____ und der Beschuldigte am 12. April 2021 

mit ihren Fahrzeugen auf der S-Strasse in R._____ kreuzten. Wer dabei 

wen in welcher Form provoziert hat, lässt sich angesichts der 

divergierenden und sich in ihrer Qualität nicht signifikant unterscheidbaren 

Aussagen der Beteiligten nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Aufgrund ihrer 

Aussagen und der dokumentierten Endlage der beiden Fahrzeuge ist nur 

(aber immerhin) belegt, dass A._____ sein Fahrzeug nach der Begegnung 

mit dem Beschuldigten auf der S-Strasse gewendet hat und er dem 

Beschuldigten nachgefahren ist, bis schliesslich beide Fahrzeuge 

anhielten.  

 

Der weitere Verlauf der Auseinandersetzung lässt sich ebenfalls nur noch 

teilweise rekonstruieren. Aufgrund der insofern kongruenten Aussagen der 

Beteiligten kann als erstellt gelten, dass A._____ gegen das Fahrzeugheck 

des Beschuldigten getreten hat. Es steht hingegen nicht fest, dass er den 

ihm Fahrzeug sitzenden Beschuldigten zuerst ins Gesicht geschlagen hat. 

Die Verletzung des Beschuldigten vermag seine umstrittene Behauptung 

zum Erstschlag nicht zu untermauern, weil diese Verletzung auch im 

Rahmen eines Gerangels entstanden sein kann. Hingegen steht 

zweifelsfrei fest, dass A._____ im Zuge der Rangelei mit dem 

Beschuldigten insbesondere eine Stichverletzung erlitten hat, die von 

einem (mit einem Schweizer Taschenmesser vergleichbaren) Messer 

stammt. Hätte diese Verletzung vorbestanden (z.B. infolge einer 

Auseinandersetzung von A._____ mit einer Drittperson nach 

Arbeitsschluss) wären grössere Blutspuren im Fahrzeug von A._____ zu 

erwarten gewesen. Die wenigen Blutspritzer im bzw. am Fahrzeug von 

A._____ lassen sich dagegen zwanglos mit dessen Sachdarstellung 

vereinbaren, wonach er im verletzten Zustand noch den Motor seines 

Fahrzeugs abgestellt habe. Nachdem eine Selbstverletzung aufgrund der 

Wundmorphologie, der Verletzungsschwere und der 

Verletzungslokalisationen ebenfalls ausscheidet, muss der Beschuldigte 

A._____ diese Stichverletzung im Rahmen der tätlichen Aus-

einandersetzung vom 12. April 2021 zugefügt haben. Hierfür spricht nicht 

nur die Aussage von A._____ selber, sondern auch diejenige des 

Beschuldigten, wonach sich A._____ im Zuge der Rangelei plötzlich an den 

linken Oberarm gehalten habe. Andere Erklärungsursachen dieser 

Stichverletzung sind bloss theoretisch denkbar und liegen ausserhalb einer 

vernünftigen Betrachtungsweise. Aufgrund der Aussagen von A._____, der 

keine gezielten Stichbewegungen des Beschuldigten beschreibt, ist davon 

auszugehen, dass diese Stichverletzung entstanden ist, weil der 

Beschuldigte während der Rangelei mit A._____ ein offenes Messer in der 

Hand hielt bzw. er sich mit einem offenen Messer in der Hand in diese 

 - 16 - 

 

 

Rangelei begeben hat. Im Rahmen dieser tätlichen Auseinandersetzung 

sind zudem zweifellos auch die anderen, weniger schwerwiegenden 

Verletzungen von A._____ entstanden, zumal sie sich zeitlich diesem 

Ereignis zuordnen lassen.   

 

5.  

5.1. 

Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder 

Gesundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft. In leichten Fällen kann der Richter die Strafe 

mildern. Die Strafe ist hingegen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe, und der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er eine 

Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand gebraucht (vgl. Art. 123 Ziff. 1 

und 2 StGB). 

 

Der Beschuldigte hat A._____ im Rahmen der Auseinandersetzung vom 

12. April 2021 eine Stichverletzung, zwei oberflächliche Schnittwunden, 

Hautrötungen am Unterarm und Halsansatz, Hautabschürfungen am 

Handrücken sowie eine Schwellung an der Unterlippe mit Oberhautläsion 

zugefügt. Diese Verletzungen übersteigen das Mass klar, was noch als 

Folge einer Tätlichkeit anzusehen ist, zumal die Stichwunde genäht werden 

musste und A._____ nach eigenen Angaben zwei Monate lang 

arbeitsunfähig war (act. 295; Protokoll S. 10). Sie erreichen aber auch noch 

nicht das Ausmass einer schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB. 

Insbesondere waren die Verletzungen im konkreten Fall nicht 

lebensgefährlich. Das vom Beschuldigten verwendete Messer, das von 

seiner Beschaffenheit mit einem Schweizer Taschenmesser vergleichbar 

sein muss, kann entgegen der Vorinstanz nicht als Waffe i.S.v. Art. 123 

Ziff. 2 Abs. 2 StGB qualifiziert werden, weil es seiner Bestimmung nach 

nicht zum Angriff oder zur Verteidigung bestimmt ist, sondern einen 

Gegenstand des täglichen Gebrauchs darstellt. Ein Taschenmesser fällt 

gewöhnlich auch nicht unter das Waffengesetz. Aufgrund der Art und 

Weise, wie das Messer eingesetzt wurde, ist jedoch von einem gefährlichen 

Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB auszugehen, zumal 

dessen Einsatz gemäss Gutachten des IRM (act. 155) ohne weiteres 

geeignet war, lebensbedrohliche Verletzungen herbeizuführen (vgl. auch 

Urteil des Bundesgerichts 6B_756/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 3.2; 

BGE 117 IV 135 E. 1c; BGE 101 IV 285 m.H.). Damit ist der objektive 

Tatbestand gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB erfüllt. 

 

5.2.   

In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er sich mit 

einem offenen Messer in der Hand in eine tätliche Auseinandersetzung 

begeben hat. Auf diese Weise hat er ein hohes Risiko geschaffen, dass er 

seinen Widersacher im Rahmen einer dynamischen Auseinandersetzung, 

deren Verlauf er nur beschränkt steuern konnte, mittels Stich- oder 

 - 17 - 

 

 

Schnittwunden ernsthaft verletzen könnte. Ein solches Risiko ist notorisch 

und musste auch dem Beschuldigten bewusst gewesen sein. Unter diesen 

Umständen ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er es im Sinne des 

Eventualvorsatzes billigend in Kauf genommen hat, A._____ mit dem 

Messer zu verletzen. Bezüglich der übrigen Verletzungen von A._____ ist 

dem Beschuldigten sogar wissentliches und willentliches bzw. 

vorsätzliches Handeln vorzuwerfen.  

 

5.3. 

Es liegen keine konkreten Anzeichen dafür vor, dass der Beschuldigte in 

Notwehr gehandelt haben könnte. Nachdem A._____ weder eine Waffe 

noch einen gefährlichen Gegenstand auf sich hatte, bestand von 

vornherein kein Anlass für den Beschuldigten, ein Messer einzusetzen. 

Selbst wenn es zuträfe, dass A._____ den noch im Fahrzeug sitzenden 

Beschuldigten durch die Fahrertüre hindurch in das Gesicht schlug, was 

nicht erstellt ist, hätte der Beschuldigte darauf mit einer körperlichen 

Abwehrbewegung, mit dem Schliessen der Türe oder dem Wegfahren 

Rechnung tragen können. Soweit er jedoch als Folge des von ihm 

behaupteten Erstschlags aus dem Auto ausgestiegen sein, ein Messer 

hervorgenommen haben und damit zum Gegenangriff übergangen sein 

sollte, könnte nicht mehr von einer unmittelbaren Abwehr eines 

andauernden Angriffs gesprochen werden. Mithin ist eine Notwehrlage 

durch nichts belegt. Der Einwand des Beschuldigten, er habe sich 

gegenüber dem aggressiven A._____ lediglich abwehrend verhalten, 

erscheint als blosse Schutzbehauptung. Gegen eine Notwehrhandlung 

spricht tendenziell auch der Umstand, dass der Beschuldigte selber (im 

Gegensatz zu A._____) keine ernstzunehmenden Verletzungen davontrug.  

 

5.4. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigten der einfachen 

Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB mit einem gefährlichen 

Gegenstand schuldig gemacht.  

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer (bedingten) 

Geldstrafe von 50 Tagessätzen, nebst einer Verbindungsbusse von 

Fr. 1'000.00. Der Beschuldigte äussert sich für den Fall eines Schuld-

spruchs nicht zur Strafzumessung.  

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; 144 IV 217; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

 - 18 - 

 

 

6.3. 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB sieht als Sanktionsform wahlweise Geldstrafe 

oder Freiheitsstrafe vor. Nachdem es vorliegend keinen Grund zur 

Annahme gibt, eine Geldstrafe würde ihren spezialpräventiven Zweck nicht 

erfüllen, ist mit der Vorinstanz auf eine Geldstrafe zu erkennen, zumal diese 

Sanktion im Bereich von unter 180 Strafeinheiten als milderes Mittel den 

Vorzug gegenüber der Freiheitsstrafe verdient. Sodann hat vorliegend 

ohnehin nur der Beschuldigte die Berufung erhoben, weshalb das 

Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) greift und eine Freiheits-

strafe auch aus diesem Grund nicht in Frage kommt. 

 

6.4. 

Die vom Beschuldigten verübte Tat ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bedroht (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Das Gericht misst 

die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das 

Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe 

auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der 

Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters 

sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden 

(Art. 47 StGB).  

 

Das von Art. 123 StGB geschützte Rechtsgut ist die körperliche Integrität. 

Der Beschuldigte hat seinem Gegner neben zahlreichen oberflächlichen 

und weniger schwerwiegenden Verletzungen eine Stichverletzung zu-

gefügt. Diese reichte bis zum Oberarmknochen, wobei bezüglich der Tiefe 

der Verletzung relativierend anzufügen ist, dass ein Messer, nachdem es 

den Hautwiderstand überwunden hat, keinen relevanten Widerstand mehr 

erfährt (Gutachten IRM, act. 155). Im konkreten Fall wurden keine grosse 

Blutleiter tangiert und das Opfer war während der Behandlung auf dem 

Notfall kreislaufstabil. Es bestand keine Lebensgefahr, was jedoch im 

Anwendungsbereich von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB auch nicht erforderlich 

ist und gegebenenfalls schulderhöhend berücksichtigt werden müsste. 

Eine geringfügig andere Stichrichtung oder Eindringtiefe hätte ohne 

weiteres zu kreislaufrelevanten bzw. tödlichen Blutverlusten führen 

können. Die objektive Tatschwere rückt daher in die Nähe einer schweren 

Körperverletzung, auch wenn laut Gutachten anzunehmen ist, dass die 

Stich- und Schnittverletzungen unter Ausbildung von Narben und die 

übrigen Läsionen voraussichtlich folgenlos abheilen (Gutachten IRM; 

act. 155). A._____ war nach eigenen Angaben rund zwei Monate lang 

arbeitsunfähig und musste Nachbehandlungen in der Form von 

Physiotherapie über sich ergehen lassen. In psychischer Hinsicht belastet 

ihn der Vorfall noch einige Zeit über das Geschehene hinaus (act. 295; 

Protokoll S. 10).  

 

 - 19 - 

 

 

In subjektiver Hinsicht ist zu Gunsten des Beschuldigten in die Waagschale 

zu werfen, dass ihm lediglich ein eventualvorsätzliches Verhalten vorzu-

werfen ist. Es hat A._____ die Stich- und Schnittverletzungen nicht 

absichtlich zugefügt, sondern deren Verursachung billigend in Kauf 

genommen, indem er sich mit einem offenen Messer in der Hand in eine 

tätliche Auseinandersetzung begeben hat. Der Eventualvorsatz wiegt 

verschuldensmässig weniger schwer als der direkte Vorsatz. Ausserdem 

hat ihn A._____ im Vorfeld der körperlichen Auseinandersetzung vom 

12. April 2021 über eine längere Zeit hinweg provoziert, was jedoch nichts 

daran ändert, dass die Freiheit des Beschuldigten, sich in der Tatsituation 

rechtskonform zu verhalten, nicht massgeblich eingeschränkt war. 

Insbesondere fehlt es an einem Nachweis, dass der Beschuldigte auch 

unmittelbar vor der Verwendung des Messers durch A._____ – abgesehen 

vom unbestrittenen Tritt an das Fahrzeug des Beschuldigten –

(schwerwiegend) provoziert wurde. Dem Beschuldigten hätten zudem mit 

einer Strafanzeige oder einer abermaligen Meldung bei den Vorgesetzten 

ohne weiteres legale Mittel zur Verfügung gestanden, um sich gegen 

allfällige Provokationen zu wehren. Je leichter es für den Beschuldigten 

aber gewesen wäre, sich in der Tatsituation an die Rechtsordnung zu 

halten, desto schwerer wiegt der Normverstoss. Die Verwendung eines 

Messers erscheint auch unter Berücksichtigung allfälliger Provokationen 

des Opfers als massiv unverhältnismässig. Ausserdem ist es dem blossen 

Zufall zu verdanken, dass die Stichverletzungen zu keiner lebens-

bedrohlichen Situation geführt haben.  

 

Innerhalb der ganzen Bandbreite von Tathandlungen und Vorgehens-

weisen, die von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB erfasst sind, ist insgesamt von 

einem nicht mehr leichten bis knapp mittelschweren Verschulden 

auszugehen. Unter diesen Umständen wäre die schuldangemessene 

Strafe für die einfache Körperverletzung bei über 100 Tagessätzen 

anzusiedeln.  

 

6.5. 

Mit der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, E. 3.1.3.) liegen hinsichtlich der 

Täterkomponente weder Straferhöhungs- noch Strafminderungsgründe 

vor. Die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten wirkt sich als Normalfall und 

damit als neutral aus (BGE 136 IV 1; vgl. aktueller Strafregisterauszug). 

Neutral zu gewichten ist auch das anscheinend klaglose Verhalten in der 

(ohnehin kurzen) Untersuchungshaft und im Strafverfahren. Beides kann 

vorausgesetzt werden. Eine massgebliche, eine Strafminderung recht-

fertigende Einsicht und Reue liegt ebenfalls nicht vor. Es ist ausserdem von 

einer durchschnittlichen Strafempfindlichkeit auszugehen.  

 

 - 20 - 

 

 

6.6. 

Weil im vorliegenden Verfahren das Verschlechterungsverbot gilt, bleibt es 

bei einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen. Die ausgestandene Unter-

suchungshaft ist auf die Geldstrafe anzurechnen.  

 

6.7. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und 

wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 

Abs. 2 StGB). Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten haben sich 

nicht wesentlich verbessert (monatliches Nettoeinkommen von 

Fr. 4'323.60, Protokoll S. 11). Damit bleibt es unter Berücksichtigung eines 

Pauschalabzugs von 20% sowie des Unterstützungsbeitrags des 

Beschuldigten an seine Mutter (Protokoll S. 11) bei einer Tagessatzhöhe 

von Fr. 100.00. 

 

6.8. 

Aufgrund der Vorstrafenlosigkeit fehlt es an einer ungünstigen Legal-

prognose. Es ist ihm deshalb mit der Vorinstanz der bedingte Vollzug bei 

einer minimalen Probezeit von 2 Jahren zu gewähren (Art. 42 Abs. 1 und 

Art. 44 Abs. 1StGB).  

 

6.9. 

Vorliegend ist die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe mit 

einer Busse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB angezeigt, um dem 

Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Das Hauptgewicht hat auf 

der bedingten Geldstrafe zu liegen, während der Busse nur untergeordnete 

Bedeutung im Sinne eines spürbaren Denkzettels zukommen kann (BGE 

134 IV 1 E. 4.5).  

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten 

Bedeutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und 

des Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass das 

Bundesgericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der schuld-

angemessenen Gesamtstrafe festgelegt hat (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4; vgl. 

auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1232/2013 vom 31. Januar 2014 E. 5), 

was einem Viertel der auszufällenden Geldstrafe entspricht, ist die 

Verbindungsbusse mit der Vorinstanz auf Fr. 1'000.00 festzusetzen. Die 

Ersatzfreiheitsstrafe beträgt 10 Tage.  

 

7. 

Der Beschuldigte ersucht als Folge des von ihm beantragten Freispruchs 

um Abweisung der Zivilforderung, eventuell um deren Verweis auf den 

Zivilweg. Für den Fall einer Bestätigung des vorinstanzlichen Schuld-

spruchs macht er nicht geltend, die Vorinstanz habe dem Zivilkläger zu 

hohen Schadenersatz oder eine zu hohe Genugtuung zugesprochen. 

 - 21 - 

 

 

Diesbezüglich kann auf die zutreffend erscheinenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzlicher Entscheid, E. 6). 

Entsprechend ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivilkläger 

Schadenersatz von Fr. 154.65 und Genugtuung von Fr. 500.00 zu 

bezahlen, beides nebst 5% Zins seit dem 12. April 2021.  

 

8. 

8.1. 

Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen. Bei diesem 

Ausgang des Verfahrens sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und 

es ist ihm für das Berufungsverfahren keine Entschädigung auszurichten 

(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).  

 

8.2. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten trotz teilweisem Freispruch die 

gesamten Verfahrenskosten auferlegt.  

 

Praxisgemäss sind dem Beschuldigten, der bei mehreren angeklagten 

Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber frei-

gesprochen wird, die Verfahrenskosten nur anteilsmässig aufzuerlegen. 

Vollumfänglich kostenpflichtig werden kann der Beschuldigte bei einem 

teilweisen Schuldspruch nur, wenn die ihm zur Last gelegten Handlungen 

in einem engen und direkten Zusammenhang stehen, und alle 

Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts notwendig 

waren (Urteil des Bundesgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 7.4). 

Das trifft auf den vorliegenden Fall zu. Die dem Beschuldigten vorge-

worfene Drohung stand in einem engen und direkten Zusammenhang zur 

Körperverletzung und sämtliche Untersuchungshandlungen wären auch 

erforderlich gewesen, wenn sich die Strafuntersuchung von Anfang an auf 

die Körperverletzung beschränkt hätte. Die vorinstanzliche Kosten-

verlegung entspricht daher Art. 426 StPO und ist nicht zu beanstanden. 

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

  

 - 22 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. (in Rechtskraft erwachsen) 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Drohung nach 

Art. 180 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung mit einem 

gefährlichen Gegenstand nach Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestimmung 

und gestützt auf Art. 34 und 47 StGB zu 50 Tagessätzen Geldstrafe 

verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 100.00 festgesetzt. Die Geldstrafe 

beläuft sich somit auf Fr. 5'000.00.  

 

3.2. 

Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (12. April 2021 bis 13. April 2021) wird 

gestützt auf Art. 51 StGB an die Geldstrafe angerechnet. Der nicht 

verbüsste Teil der Geldstrafe beträgt 48 Tagessätze und beläuft sich auf 

Fr. 4'800.00.  

 

3.3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt.  

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 42 Abs. 4 und Art. 106 StGB zu 

einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 verurteilt. 

 

4.2. 

Wird die Verbindungsbusse schuldhaft nicht bezahlt, wird gemäss Art. 106 

Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen vollzogen.  

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivilkläger Schadenersatz von 

Fr. 154.65 nebst Zins zu 5 % seit dem 12. April 2021 zu bezahlen. 

 

5.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivilkläger eine Genugtuung 

von Fr. 500.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 12. April 2021 zu bezahlen.  

 - 23 - 

 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichts-

gebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 163.00, d.h. insgesamt 

Fr. 2'163.00, werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

6.2. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 7'635.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt.  

 

6.3. 

Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten für das erst- und zweit-

instanzliche Verfahren selbst. 

 

6.4. (in Rechtskraft erwachsen) 

Der Zivil- und Strafkläger hat seine Parteikosten vor Vorinstanz selbst zu 

tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

 - 24 - 

 

 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 9. November 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss Yalin