# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a364c34-c5c7-5dea-9bfc-e81237c2cad5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-06
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 06.06.2024 SK 2023 220
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-220_2024-06-06.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 220+222

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. Juni 2024 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Salzmann (Präsidentin i.V.), 
Oberrichterin Weingart, Oberrichterin Schwendener
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________

Privatkläger

Gegenstand schwere Körperverletzung, Tätlichkeiten, Angriff etc. sowie Wider-
rufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 2. Dezember 2022 (PEN 2022 500 / 501)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 2. Dezember 2022 erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kol-
legialgericht; nachfolgend Vorinstanz) betreffend A.________ (nachfolgend Beschul-
digter) was folgt (pag. 1496 ff.; Hervorhebungen im Original):

A. A.________

I.

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Art. 19a 
Ziff. 1 BetmG), begangen am 7./8. Juli 2021 in Bern, durch Konsum von Betäubungsmitteln

wird eingestellt (Art. 11 Abs. 1 StPO),

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der schweren Körperverletzung (Art. 122 StGB), begangen mit D.________

2. der Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB), begangen mit D.________ am 12. November 2021 in 
Bern, zum Nachteil von E.________

3. des Angriffs (Art. 134 StGB), begangen mit D.________ am 12. November 2021 in Bern (AKS 
Ziff. I.A.);

4. der Vergehen gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 lit. i WV), 
mehrfach begangen durch

4.1. Tragen eines Reizstoff-Sprays (CS) am 12. November 2021 in Bern (AKS Ziff. I.B.1.);

4.2. Besitz eines Reizstoff-Sprays (CS) am 9. Dezember 2021 in Bern (AKS Ziff. I.B.1.);

5. des Vergehens gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (Art. 119 Abs. 1 AIG), began-
gen am 12. November 2021 in Bern (AKS Ziff. I.B.2.);

6. des geringfügigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. 172ter Abs. 1 StGB), begangen am 8. De-
zember 2021 zum Nachteil der G.________ in Bern (AKS Ziff. I.B.3.);

7. der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Art. 19a Ziff. 1 BetmG), mehrfach begangen 
durch Konsum von Kokain und Cannabis in Bern in der Zeit 

7.1. von ca. Ende März 2021 bis am 6. Juli 2021 (AKS Ziff. I.B.4.);

7.2. vom 9. Juli 2021 bis am 27. August 2021 (AKS Ziff. I.B.4.) und

7.3. vom 8. November 2021 bis am 9. Dezember 2021 (AKS Ziff. I.B.4.).

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III.

A.________ wird

in Anwendung der Art. 40, 49 Abs. 1 und 2, 106 StGB

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten.

Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 186 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet 
und es wird festgestellt, dass die Strafe am 13. Juni 2022 vorzeitig angetreten worden ist (Art. 
51 StGB).

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 18. November 2021 (BM 21 30820). Die Ersatzfreiheits-
strafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird auf 7 Tage festgesetzt.

3. Zu einer Landesverweisung von 12 Jahren (Art. 66a Abs. 1 Bst. b StGB), mit Ausschreibung 
(Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Informationssystem.

4. Zu den anteiligen Verfahrenskosten von CHF 19'101.60 (Art. 426 Abs. 1 StPO).

Gebühren der Untersuchung CHF 6’972.50
Gebühren Zwangsmassnahmengericht CHF 3’450.00
Gebühren Auftritt Stawa an HV CHF 750.00
Gebühren des Gerichts CHF 4’000.00
Total CHF 15’172.50

allgem. Auslagen in der Untersuchung CHF 3’799.10
persönliche Auslagen in der Untersuchung CHF 130.00
Total CHF 3’929.10

Total Verfahrenskosten CHF 19’101.60

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

IV.

1. Der A.________ mit Urteil der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 18. November 
2021 für eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 30.00, abzüglich zwei Tage Untersu-
chungshaft, gewährte bedingte Vollzug wird nicht widerrufen. 

2. A.________ wird verwarnt und die Probezeit um 1 ½ Jahre verlängert (Art. 46 Abs. 2 StGB).

V.

Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwältin 
B.________ wird wie folgt bestimmt:

4

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 110.00 200.00 CHF 22’000.00
Reisezuschlag CHF 350.00

CHF 1’616.80
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 23’966.80 CHF 1’845.45
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 25’812.25

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 25'812.25.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen, sobald 
es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

VI.

Weiter wird beschlossen:

1. A.________ geht in den vorzeitigen Strafvollzug zurück.

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils und der biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten (PCN .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist wird vorzeitig erteilt (Art. 
16 Abs. Abs. 4 DNA-ProfilG i.V.m. Art. 17 Abs. 4 AFIS-VO).

C. Zur Zivilklage wird

beschlossen:

1. A.________ und D.________ werden – unter solidarischer Haftbarkeit – zur Bezahlung von 
CHF 35'000.00 Genugtuung, zuzüglich 5 % Zins seit dem 12. November 2021, an 
C.________ verurteilt (Art. 47 i.V.m. 50 Abs. 1 OR). Soweit weitergehend wird die Zivilklage 
auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. b StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwältin F.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 78.44 200.00 CHF 15’688.00

CHF 1’107.80
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 16’795.80 CHF 1’293.30
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 18’089.10

volles Honorar CHF 19’610.00
CHF 1’107.80

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 20’717.80 CHF 1’595.25
Total CHF 22’313.05

nachforderbarer Betrag CHF 4’223.95

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin F.________ für die unentgeltliche Rechtsvertre-
tung von C.________ mit CHF 18'089.10. 

Der Kanton Bern kann von A.________ und D.________ die Erstattung der amtlichen Ent-
schädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn sie sich 
in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 
StPO). 

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A.________ und D.________ werden verpflichtet, C.________ zuhanden von Rechtsanwältin 
F.________ als Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche 
Rechtspflege und dem vollen Honorar CHF 4'223.95 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). 

3. Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- 1 Sprühflasche “Le Protecteur”, Gas CS, 100 ml
- 1 Sprühflasche “Le Protecteur”, Gel CS, 100 ml

4. Folgende Gegenstände werden entsorgt:

- 3 Glasbruchstücke von Flaschenhals
- 2 kleine Kunststoffbeutel mit weissen Pulversteinen
- 1 Jacke beige, “Pull & Bear”
- 1 Pullover grau/schwarz, “H & M”, Grösse XS
- 1 Hemd weiss mit Palmen und Tiermotiven, “H & M”, Grösse XL
- 1 Jeanshose blau, “Scotch & Soda”, Grösse 32/34

5. Folgende Gegenstände werden D.________ zurückgegeben:

- 1 Schiebemütze, grau, Grösse 59

[Eröffnungsformel]

2. Berufung und Anschlussberufung

Gegen dieses Urteil meldeten der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
wältin B.________, mit Schreiben vom 12. Dezember 2022 (pag. 1512) sowie 
D.________ mit Schreiben vom 7. Dezember 2022 (pag. 1519) Berufung an.

Am 12. Dezember 2022 wurde das erstinstanzliche Urteil hinsichtlich amtliche Ent-
schädigung des Verteidigers von D.________ berichtigt (pag. 1522 ff.).

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 8. Mai 2023 (pag. 1532 ff.) und 
wurde den Parteien mit Verfügung vom 9. Mai 2023 zugestellt (pag. 1581 f.). 

Mit Eingabe vom 23. Mai 2023 wurde die Berufung von D.________ zurückgezogen 
(pag. 1594). In der form- und fristgerecht eingereichten Berufungserklärung vom 30. 
Mai 2023 (pag. 1600 ff.) beschränkte der Beschuldigte seine Berufung auf die 
Schuldsprüche der schweren Körperverletzung, Tätlichkeiten, Angriff und mehrfa-
chen Vergehen gegen das Waffengesetz (Ziff. A.II.1.-4. des erstinstanzlichen Dispo-
sitivs), die ausgesprochenen Sanktionen (Freiheitsstrafe und Übertretungsbusse), 
Landesverweisung und SIS-Ausschreibung, Auferlegung der Verfahrenskosten (Ziff. 
A.III. 1.-4. des erstinstanzlichen Dispositivs), die Rückzahlungspflicht betreffend amt-
liches Honorar (Ziff. A.V. des erstinstanzlichen Dispositivs) sowie die Verfügung be-
treffend Zivilforderung (Ziff. C.1. des erstinstanzlichen Dispositivs). Mit Eingabe vom 
8. Juni 2022 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Anschlussberufung, dies betref-
fend den Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung (anstelle des Schuld-
spruchs wegen versuchter und vollendeter schwerer Körperverletzung, mehrfach be-
gangen) und die Strafzumessung (pag. 1621 ff.). C.________ (nachfolgend Privat-
kläger), amtlich vertreten durch Rechtsanwältin F.________, verzichtete mit Eingabe 
vom 26. Juni 2023 auf eine Anschlussberufung und machte keine Nichteintretens-
gründe geltend (pag. 1635 f.). 

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Mit Verfügung vom 4. Juli 2023 wurde unter anderen in Aussicht gestellt, 
D.________ ohne Kostenfolgen aus dem Verfahren zu entlassen (pag. 1638 f.). Die 
Parteien erhoben dagegen keine Einwände (vgl. Eingabe der Generalstaatsanwalt-
schaft vom 6. Juli 2023 [pag. 1641], Eingabe von D.________ vom 6. Juli 2023 [pag. 
1642] sowie Eingabe des Privatklägers vom 2. August 2023 [pag. 1644]). Mit Be-
schluss vom 13. September 2023 wurde das Verfahren betreffend D.________ als 
durch Rückzug der Berufung erledigt abgeschrieben und dieser als Partei aus dem 
Verfahren entlassen. Gleichzeitig wurde die Entschädigung seines amtlichen Vertei-
digers festgesetzt (pag. 1646 ff.).

Die Berufungsverhandlung fand am 5./6. Juni 2024 statt (pag. 1863 ff.). Die Anträge 
des Privatklägers auf Konfrontationsvermeidung mit dem Beschuldigten und Dispen-
sation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (mit Ausnahme der eigenen 
Einvernahme) wurden vorab gutgeheissen (pag. 1856 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen/Beweisanträge

Der Beschuldigte stellte im Rahmen der Berufungserklärung vom 30. Mai 2023 ver-
schiedene Beweisanträge (pag. 1600 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte 
in ihrer Anschlussberufungserklärung vom 8. Juni 2023, die gestellten Anträge seien 
teilweise gutzuheissen bzw. abzuweisen (pag. 1623). Der Privatkläger beantragte 
mit Eingabe vom 26. Juni 2023 die vollumfängliche Abweisung der gestellten Be-
weisanträge (pag. 1635 f.). 

Mit Beschluss vom 13. September 2023 wurden die Anträge auf oberinstanzliche 
Befragung des Beschuldigten, D.________ sowie des Privatklägers und auf Einho-
lung einer Auskunft beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Bern gutge-
heissen. Die weiteren Beweisanträge wurden abgewiesen (vgl. hierzu pag. 1646 ff. 
im Detail). Mit Eingabe vom 15. November 2023 stellte der Beschuldigte erneut den 
Antrag auf oberinstanzliche Befragung von E.________ (pag. 1674 ff.). Mit Be-
schluss vom 31. Januar 2024 wurde der erneut gestellte Beweisantrag in Wiederer-
wägung der Ziff. 3. des Beschlusses vom 13. September 2023 gutgeheissen (pag. 
1756 f.). 

Von Amtes wegen wurden ein aktueller Strafregisterauszug, ein Führungsbericht des 
Regionalgefängnisses Burgdorf sowie der Justizvollzugsanstalt (JVA) Thorberg so-
wie ergänzende Berichte des Migrationsdienstes des Kantons Bern und des Staats-
sekretariats für Migration (SEM) betreffend Prüfung der strafrechtlichen Landesver-
weisung eingeholt. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden die seitens der 
Verteidigung mit Eingabe vom 29. Mai 2024 eingereichten Berichte der Universitären 
psychiatrischen Dienste (UPD) Bern (pag. 1839 ff.) sowie die seitens des Privatklä-
gers am 5. Juni 2024 ausgehändigten Rechnungen des Inselspitals (pag. 1921 ff.) 
zu den Akten erkannt. Sodann wurden der Beschuldigte, der Privatkläger sowie die 
Zeugen D.________ und E.________ befragt. Anlässlich dieser Einvernahmen wur-
den bereits aktenkundige Fotos vorgelegt (pag. 1863 ff.). 

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4. Oberinstanzliche Anträge der Parteien

4.1 Beschuldigter

Der Beschuldigte stellte im Rahmen der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(Hervorhebungen im Original; pag. 1942):

I.  

Es sei festzustellen, dass 

- die Einstellung wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes begangen durch Konsum von 
Betäubungsmitteln gemäss Ziff. A I. in Rechtskraft erwachsen ist; 

- die Schuldsprüche gemäss Ziff. A Il. 5.-7. in Rechtskraft erwachsen sind; 

- der Verzicht auf den Widerruf gemäss Ziff. A IV. und die Verlängerung der Probezeit um 1.5 Jahre 
in Rechtskraft erwachsen sind; 

- der Entscheid über die Höhe der Anwaltskosten gemäss Ziff. AV. des angefochtenen Urteils in 
Rechtskraft erwachsen ist. 

II.  

A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf 

- der schweren Körperverletzung, der Tätlichkeiten sowie des Angriffs, angeblich zusammen mit 
D.________ begangen am 12.11.2021 am H.________ in Bern, im Bereich des Verbindungswegs 
zwischen dem I.________ und der J.________ zum Nachteil von C.________ und E.________; 

- der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, angeblich mehrfach begangen am 12.11.2021 
am H.________ in Bern (Tragen) und am 09.12.2021 an der K.________ (Strasse) .________ in 
Bern (Besitz),

unter Auferlegung der Verfahrenskosten an den Staat sowie unter Ausrichtung einer Entschädigung für 
die auf die Freisprüche entfallenden Verteidigungskosten gemäss eingereichter Honorarnote sowie 
einer Genugtuung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO im gerichtlichen Ermessen, insbesondere für die 
zu Unrecht ausgestandene Untersuchungshaft.

Auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten. 

III.  

Weiter sei zu verfügen, dass 

1. das erstellte DNA-Profil PCN .________ und die erkennungsdienstlichen Daten nach Rechtskraft 
des Urteils zu löschen seien; 

2. die beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte zu vernichten seien; 

3. das Honorar der amtlichen Verteidigung gemäss der eingereichten Honorarnote gerichtlich 
festzusetzen sei. 

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IV.  

Die Zivilklage des Privatklägers sei abzuweisen.

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte im Rahmen der Berufungsverhandlung fol-
gende Anträge (Hervorhebungen im Original; pag. 1945 ff.):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht in Fünferbesetzung) vom 2. Dezember 2022 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, 
als 

A.

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Widerhandlungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz (Übertretung), angeblich begangen am 07./08.07.2021 in Bern durch 
Konsum von Betäubungsmitteln, ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung 
einer Entschädigung, eingestellt wurde. 

B.  

A.________ schuldig erklärt wurde: 

1. des Vergehens gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz durch Missachtung der Ein- 
oder Ausgrenzung, begangen am 12. November 2021 in Bern; 

2. des geringfügigen Diebstahls, begangen am 08.12.2021 in Bern, zum Nachteil der 
G.________; 

3. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Übertretung), mehrfach 
begangen durch Konsum von Kokain und Cannabis in der Zeit 

3.1. von ca. Ende März 2021 bis am 06.07.2021;

3.2. vom 09.07.2021 bis am 27.08.2021;

3.3. vom 08.11.2021 bis am 09.12.2021.

C.  

1. Der A.________ mit Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
18. November 2021 für eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 30.00 gewährte bedingte 
Vollzug nicht widerrufen worden ist. 

2. A.________ verwarnt und die Probezeit um 1 1/2 Jahre verlängert worden ist. 

D.  

Weiter verfügt wurde: 

1. Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 
StGB):

- 1 Sprühflasche «le Protecteur», Gas CS, 100 ml; 
- 1 Sprühflasche «le Protecteur », Gel CS, 100 ml.

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2. Die folgenden Gegenstände entsorgt werden;
- 3 Glasbruchstücke von Flaschenhals;
- 2 kleine Kunststoffbeutel mit weissen Pulversteinen; 
- 1 Jacke beige, «Pull & Bear»;
- 1 Pullover grau/schwarz, «H&M», Grösse XS;
- 1 Hemd weiss mit Palmen und Tiermotiven, «H&M», Grösse XL;
- 1 Jeanshose blau, «Scotch & Soda», Grösse 32/34. 

II.  

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der schweren Körperverletzung und der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach 
gemeinsam begangen mit D.________ am 12. November 2021, in Bern, zum Nachteil von 
C.________; 

2. des Angriffs, gemeinsam begangen mit D.________ am 12. November 2021, in Bern, zum 
Nachteil von C.________ und E.________; 

3. der Tätlichkeiten, gemeinsam begangen mit D.________ am 12. November 2021, in Bern, zum 
Nachteil von E.________; 

4. der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, mehrfach begangen durch 

4.1. Tragen eines Reizstoff-Sprays (CS) am 12. November 2021 in Bern; 

4.2. Besitz eines Reizstoff-Sprays (CS) am 9. Dezember 2021 in Bern.

III.

A.________ sei gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche gemäss Ziff. I. B. und der 
Schuldsprüche gemäss Ziff. Il. hiervor in Anwendung der

Art. 22 Abs. 1, 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 66 Abs. 1 lit. 1 Bst. b, 106, 122 lit. a und b, 126 Abs. 1, 
134, 139 Ziff. 1, 172ter StGB 
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 12 Abs. 1 lit. i WV;
Art. 119 Abs. 1 AIG; 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG und 
Art. 426 Abs. 1, 428 Abs.1 und 3 StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft im Umfang von 282 Tagen und des vorzeitigen Strafvollzugs im Umfang von 
602 Tagen; 

2. zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 
Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 18. November 2021 (Ersatzfreiheitstrafe 7 
Tage); 

3. zu einer Landesverweisung von 12 Jahren; 

4. zur Bezahlung der anteilsmässigen erstinstanzlichen und der gesamten oberinstanzlichen 
Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

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IV.  

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem anzuordnen. 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erhobenen DNA-Profils sowie der erhobenen 
erkennungsdienstlichen Daten (PCN-Nr. .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist sei 
vorzeitig zu erteilen (Art. 354 Abs. 4 lit. a StGB i.V.m. 16 Abs. 2 lit. c und h DNA-Profil-Gesetz). 

3. Das Honorar der amtlichen Verteidigerin und der amtlichen Rechtsbeiständin seien gerichtlich zu 
bestimmen.

4.3 Privatkläger

Der Privatkläger stellte im Rahmen der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(Hervorhebung im Original; pag. 1947 f.):

I.

Die Berufung von A.________ vom 12. Dezember 2022 resp. vom 30. Mai 2023 sei abzuweisen und 
das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 02. Dezember 2022 sei in 
allen Punkten zu bestätigen; 

II.  

A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesartikel zusätzlich zu verurteilen: 

1. Zur Bezahlung einer Entschädigung für Zugtickets für Einvernahmen, Gerichtsverhandlungen, Be-
handlungen im Inselspital etc. in der Höhe von pauschal CHF 400.00, innert 10 Tagen ab Rechts-
kraft des Urteils, an C.________;

2. Zur Bezahlung von Schadenersatz im Betrag von CHF 12'070.55 zuzgl. Zins zu 5% seit dem 
12. Januar 2024, innert 10 Tagen ab Rechtskraft des Urteils, an C.________; unter Vorbehalt des 
Nachklagerechts; 

3. Zur Bezahlung einer Entschädigung für Anwaltskosten (Interventionskosten) im oberinstanzlichen 
Verfahren in der Höhe von CHF 6'291.30 inkl. MWST gemäss eingereichter Honorarnote von 
Rechtsanwältin F.________ vom 04. Juni 2024, innert 10 Tagen ab Rechtskraft des Urteils, an 
C.________; 

4. Zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

III.  

Weiter sei zu verfügen: 

1. Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin für das oberinstanzliche Verfahren sei 
gemäss eingereichter Honorarnote vom 04. Juni 2024 gerichtlich zu bestimmen; 

2. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen inkl. MWST.

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5. Exkurs: Oberinstanzlich modifizierte Zivilforderung

5.1 Vorbringen des Privatklägers

Zur Begründung des oberinstanzlich beantragten Schadenersatzes in Höhe von 
CHF 12'070.55 zzgl. Zins wurde von Rechtsanwältin F.________ zusammengefasst 
ausgeführt, dass der Privatkläger die Rechnungen des Inselspitals mangels Zustell-
adresse erst im Januar 2024 erhalten und ihr erst einen Tag vor der Berufungsver-
handlung ausgehändigt habe. Eine Einreichung bei der Vorinstanz sei demnach 
nicht möglich gewesen. Es handle sich um die im Zusammenhang mit dem Vorfall 
entstandenen vollen Kosten, da der Privatkläger in diesem Zeitpunkt als abgewiese-
ner Asylbewerber in der Schweiz gelebt habe und nicht mit Nothilfe unterstützt wor-
den sei (pag. 1865; pag. 1917 f.). 

5.2 Rechtliche Ausführungen und Erwägungen der Kammer

Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als Privat-
klägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122 Abs. 1 der 
Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Die in der Zivilklage gel-
tend gemachte Forderung war nach altem Recht spätestens im Parteivortrag zu be-
ziffern und zu begründen (Art. 123 Abs. 2 aStPO). Neu hat die Verfahrensleitung 
diesbezüglich eine Frist anzusetzen (Art. 123 Abs. 2 StPO), womit der massgebende 
Zeitpunkt für die Bezifferung und Begründung vorverlegt wurde (DOLGE, in: Basler 
Kommentar Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N 2 zu Art. 123 StPO). Eine (aus-
dehnende) Modifikation der Adhäsionsklage im Berufungsverfahren und damit nach 
Abschluss der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ist nicht mehr frei möglich 
(vgl. auch DOLGE, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 6 zu 
Art. 123 StPO, noch zum alten Recht). Der Umfang der Adhäsionsklage wird spätes-
tens mit den Anträgen der Privatklägerschaft im erstinstanzlichen Plädoyer fixiert 
(Art. 123 Abs. 2 aStPO). Der geschädigten Person steht es nach dem Dispositions-
grundsatz frei, nur einen von mehreren Ansprüchen einzuklagen oder etwa ihre 
Klage vor dem Strafgericht zu beschränken (Teilklage) und den Mehrbetrag auf dem 
Zivilweg geltend zu machen. Allerdings muss die Privatklägerin bei einer Teilklage 
ausdrücklich einen Nachklagevorbehalt anbringen. Eine erstmalige oberinstanzliche 
Beurteilung würde sodann auch einen Instanzenverlust bedeuten. 

In erster Instanz machte der Privatkläger – nebst den Interventionskosten – adhäsi-
onsweise eine Genugtuungsforderung von CHF 35'000.00 zzgl. Zins sowie eine 
Schadenersatzforderung von CHF 400.00 geltend. Weitergehende Zivilforderungen 
wurden nicht geltend gemacht und kein Nachklagevorbehalt betreffend (noch) 
ausstehender Spital- bzw. Behandlungskosten angebracht (pag. 1462; pag. 1474 f.). 
Die Vorinstanz hiess die Privatklage betreffend Genugtuung zzgl. Zins vollumfäng-
lich gut. Weiter entschied sie, die Zivilklage – soweit weitergehend – auf den Zivilweg 
zu verweisen. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde seitens des Privatklägers 
erstmals Ersatz für entstandene Spital- bzw. Behandlungskosten von CHF 12'070.55 
zzgl. Zins beantragt, der erstinstanzlich geltend gemachte Schadenersatz mithin 
ausdehnend modifiziert. Dieser Antrag ist verspätet. Er hätte im Parteivortrag vor der 
Vorinstanz zumindest im Sinne eines Nachklagevorbehalts gestellt werden müssen. 
Dass für Spitalbehandlung und Nachsorge/Kontrollen Kosten entstehen, liegt auf der 

12

Hand. Entsprechend handelt es sich auch nicht um ein echtes Novum, welches im 
Berufungsverfahren zu beachten wäre. Auf den diesbezüglichen Antrag des Privat-
klägers – welcher im vorliegenden Verfahren ohnehin weder Berufungsführer noch 
Anschlussberufungsführer ist – ist infolgedessen nicht einzutreten. Für diesen Punkt 
werden keine Kosten ausgeschieden. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Nach Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil 
nur in den angefochtenen Punkten. 

Nicht angefochten und demzufolge in Rechtskraft erwachsen sind die Einstellung 
des Verfahrens wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes inkl. Verzicht auf 
Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. A.I. des erstinstanzlichen Dispositivs) sowie 
die Schuldsprüche des Vergehens gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, 
des geringfügigen Diebstahls und der mehrfachen Übertretung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz (Ziff. A.II.5.-7. des erstinstanzlichen Dispositivs). Als mitangefoch-
ten gelten (vgl. die seitens des Beschuldigten beantragten Freisprüche in Ziff. 4.1 
hiervor) sodann die Verfügungen betreffend beschlagnahmte Gegenstände (Ziff. 
C.3.-5. des erstinstanzlichen Dispositivs). Soweit oberinstanzlich sodann eine modi-
fizierte Schadenersatzforderung geltend gemacht wird, ist darauf nicht einzutreten 
(vgl. Ziff. 5. hiervor). 

Nicht der Rechtskraft zugänglich sind im Allgemeinen die Verfügungen betreffend 
Rückkehr in den Strafvollzug, die Verfügungen betreffend DNA und erkennungs-
dienstliche Daten (Ziff. A.VI.1.-2. des erstinstanzlichen Dispositivs) und aufgrund des 
engen Zusammenhangs mit der Strafzumessung auch der Widerrufspunkt (Ziff. A.IV. 
1.-2- des erstinstanzlichen Dispositivs; vgl. BÄHLER, in: Basler Kommentar Schwei-
zerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 13 zu Art. 399 StPO mit Hinweis auf 
das Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6B_802/2016 vom 24. August 2017 E. 3.2). 
Praxisgemäss wird ferner auch über die amtlichen Entschädigungen neu befunden 
(Ziff. A.V. sowie C.2. des erstinstanzlichen Dispositivs), wobei auf die Höhe der amt-
lichen Honorare in erster Instanz nur zurückzukommen ist, sofern die Vorinstanz das 
ihr bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt 
haben sollte (Urteile des BGer 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). 

Zu überprüfen sind demnach die Schuldsprüche gemäss den Ziff. A.II.1.-4. des erst-
instanzlichen Dispositivs, die Sanktionen, die Landesverweisung und die Auferle-
gung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (Ziff. A.III. 1.-4. des erstinstanzlichen 
Dispositivs), der Widerrufspunkt (Ziff. A.IV. 1.-2. des erstinstanzlichen Dispositivs), 
die amtlichen Entschädigungen inkl. Rück- und Nachzahlungen (Ziff. A.V. und C.2. 
des erstinstanzlichen Dispositivs), die Verfügungen betreffend vorzeitigen Strafvoll-
zug und DNA/erkennungsdienstliche Daten (Ziff. A.VI.1.-2. des erstinstanzlichen Dis-
positivs), der Zivilpunkt (Ziff. C.1. des erstinstanzlichen Dispositivs) sowie die Verfü-
gungen betreffen die beschlagnahmten Gegenstände (Ziff. C.3.-5. des erstinstanzli-
chen Dispositivs). 

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen – und/oder der Rechts-
kraft nicht zugänglichen – Punkte über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Im 

13

Übrigen ist das Verschlechterungsverbot zu beachten, so insb. auch betreffend den 
vom Privatkläger gestellten Antrag auf Zusprechung von Schadenersatz in Höhe von 
CHF 400.00 zzgl. Zins. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach sei-
ner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jedes verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Ver-
mutung stützen (TOPHINKE, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung, 3. Aufl. 
2023, N. 58 und 61 zu Art. 10 StPO mit Hinweisen). Bestehen unüberwindliche Zwei-
fel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht 
das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 
Abs. 3 StPO). Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Beweiswürdigungsregel besagt, 
dass sich das Gericht nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sach-
verhalt überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, 
ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoreti-
sche Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Ge-
wissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter-
drückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen. Steht Aussage gegen Aussage, so bedeutet das nicht zwingend, dass 
die beschuldigte Person in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» freizu-
sprechen ist. Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf 
ihren inneren Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (WOHLERS, in: Kom-
mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 12 und 25 f. zu 
Art. 10 StPO mit weiteren Hinweisen).

Bei der Würdigung von Aussagen ist grundsätzlich zu beachten, dass jede (Zeugen-
) Aussage eine Leistung ist, die gewisse Sinnes- und Geistesangaben zur Wahrneh-
mung einer Tatsache sowie zur Mitteilung des Wahrgenommenen voraussetzt. Die 
drei notwendigen Bestandteile dafür sind Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Aus-
drucksfähigkeit. Die Gefahr einer irrtümlich falschen Aussage liegt in der allgemeinen 
Unzulänglichkeit menschlichen Erkennens absoluter Wahrheit und in der Subjekti-
vität des Zeugenbeweises (vgl. zum Ganzen BÄHLER, in: Basler Kommentar Straf-
prozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 ff. zu Art. 163 StPO).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder Wahr-
haftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle Glaubhaf-
tigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Bedeutung 
(NACK, in: Kriminalistik 4/95, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, in Kriminalistik 

14

4/95, S. 257 ff. mit Hinweisen; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Ge-
richt, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 5. Aufl. 2020, N. 219 
ff.). Die Aussageanalyse stellt die konkrete Aussage in den Mittelpunkt ihrer Unter-
suchung. Dabei wird der Inhalt der Aussage anhand bestimmter Kriterien analysiert. 
Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis schildert, dies 
quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der eine Phantasiegeschichte er-
zählt. Eine Aussage hat umso mehr die Vermutung für sich, dass ein «realitätsbe-
gründetes Ereignis» geschildert wird, umso weniger der Auskunftsperson/dem Zeu-
gen zuzutrauen ist, dass sie/er die Geschehensabläufe, so wie von ihr/ihm darge-
stellt, aus eigener Kraft erfinden könnte (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 288 ff.).

Die Analyse des Aussageinhaltes erfolgt anhand spezieller Textmerkmale oder in-
haltlicher Qualitäten, den so genannten Realkennzeichen oder Glaubwürdigkeitskri-
terien. Zu den allgemeinen Realkennzeichen gehören etwa die Konstanz der Aus-
sage im zentralen Handlungsablauf, die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, 
Homogenität und Folgerichtigkeit der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklich-
keitsnähe, die Freiheit von Widersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, de-
ren qualitativer Detailreichtum sowie das Fehlen von Phantasiesignalen wie Verle-
genheit oder Übertreibungen. Zu den inhaltsspezifischen Realkennzeichen gehören 
weiter die räumliche-zeitliche Verknüpfung der Aussagen, die Interaktionsschilde-
rung und die Wiedergabe von Gesprächen, die Schilderung von Komplikationen im 
Handlungsablauf und von ausgefallenen nebensächlichen Einzelheiten, die Schilde-
rung eigener psychischer Vorgänge und von psychologischen Vorgängen beim Be-
schuldigten. Auch die spontane Verbesserung der eigenen Aussage, das Einge-
ständnis von Erinnerungslücken, Selbstbelastungen und Entlastungen des Beschul-
digten sind Realkennzeichen. Demgegenüber stellen Widersprüchlichkeiten, Struk-
turbrüche, Kargheit und Verarmung der Aussagen, die Aussagenverweigerung, die 
Abstraktheit und Zielgerichtetheit der Aussagen sowie deren Stereotypie Lügensi-
gnale dar. Zu beachten sind schliesslich immer auch die Tatnähe der Aussagen und 
eine allfällige reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit wegen Alkohol- oder Drogenein-
flusses (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Bern SK 2022 147 vom 17. Mai 
2023 E. 7).

Bei dynamischen Turbulenzgeschehen ist angesichts der beschränkten menschli-
chen Aufnahme-, Speicherungs- und Wiedergabefähigkeit einerseits eine in jeder 
Beziehung exakte nachträgliche Rekonstruktion der gesamten Abläufe unmöglich, 
andererseits jedoch auch nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, ob aufgrund 
des gesamten Beweismaterials im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sowie unter 
Einbezug auch von Erfahrungswerten das zur Diskussion stehende Geschehen in 
seinen wesentlichen Grundzügen sachverhaltsmässig mit der erforderlichen Über-
zeugung derart festgestellt und eingegrenzt werden kann, dass damit die rechtlich 
relevanten Fragen ebenfalls beantwortet werden können. Gerade im Rahmen eines 
dynamischen Turbulenzgeschehens sind nachträgliche Angaben zu den sich in ei-
gener und fremder Bewegung abspielenden Abläufen naturgemäss mit Vorsicht auf-
zunehmen, wobei sich erfahrungsgemäss zusätzlich tatsächliche Wahrnehmungen 
mit rekonstruktiven Erwägungen vermischen können. Auch die verschiedenen sub-
jektiven Betroffenheits- und Interessenlagen können bewusst oder unbewusst sein. 
Gewisse Widersprüche und Ungereimtheiten sind natürlich, aus solchen allein darf 

15

nicht der Schluss gezogen werden, dass die Aussagen einer bestimmten Person 
insgesamt unglaubhaft oder gar unverwertbar wären. Es ist vielmehr eine Würdigung 
im Rahmen einer Gesamtbetrachtung vorzunehmen.

8. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

8.1 Ziff. I.A. der Anklageschrift

Dem Beschuldigten werden in der Anklageschrift vom 8. Juni 2022 folgende Vor-
würfe gemacht (Hervorhebungen im Original: pag. 1150 ff.):

Schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs. 1 bis 3 StGB), vollendet und versucht (Art. 22 StGB), 
einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB), teilweise mit gefährlichem Gegenstand 
(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB), sowie gegen einen Wehrlosen (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB), 
Tätlichkeiten (Art. 126 StGB) und Angriff (Art. 134 StGB),

mehrfach begangen am 12.11.2021 am H.________ in Bern, im Bereich des Verbindungswegs 
zwischen dem I.________ und der J.________, zum Nachteil von C.________ und E.________ durch 
folgendes Tatvorgehen:

Anlässlich eines zufälligen Treffens und anschliessenden Gesprächs am 12.11.2021 am H.________ 
in Bern, im Bereich des Verbindungswegs zwischen dem I.________ und der J.________, zwischen 
C.________, welcher damals unter anderem in Begleitung von E.________ war, und A.________ sowie 
D.________, entwickelte sich hieraus ein verbaler Streit - die genauen Gründe dafür sind unbekannt, 
eventuell ging es um Geld, Drogen, oder um etwas anderes -, worauf A.________ C.________ 
unvermittelt mit einem Reizstoff-CS-Spray ins Gesicht sprühte und ihm damit, mit der Unterseite des 
Sprays, unmittelbar danach oder eventuell später, mehrmals ins Gesicht schlug. Daraufhin schlugen 
und traten A.________ und D.________ mehrmals, beziehungsweise zahlreiche Male mit voller Wucht 
sowohl mit den Fäusten als auch mit den Füssen, beziehungsweise mit festen und heftigen Fusstritten 
C.________ überall gegen den Körper, so insbesondere auch gegen dessen Kopf und Gesicht. Dieser 
war hierbei - nach dem Einsatz des Reizstoff-CS-Sprays und aufgrund einer vorbestehenden, 
eingeschienten und verbundenen Handverletzung - wehrlos, ging nach dem Besprühen mit dem 
Reizstoff-CS-Spray zu Boden, wo er sich auch in der Folge während der ganzen Auseinandersetzung 
liegend, kniend und sitzend befand. Auch schlug A.________ C.________ mit der Faust und mit einer 
Kopfnuss, beziehungsweise mit einem Kopfschlag gegen die Nase, während D.________ C.________ 
von hinten festhielt; eventuell geschah dies umgekehrt, indem A.________ C.________ festhielt und 
D.________ C.________ gegen die Nase schlug. Gegen Ende der einseitigen Auseinandersetzung, 
welche sich in zwei Phasen abspielte - dies nachdem C.________ über einen Abhang auf die darunter 
liegende Strasse gestürzt war, eventuell wohin er durch einen oder durch beide Beschuldigten 
hinuntergestossen worden war, er sich wieder aufgerafft hatte und an den Tatort zurückgekehrt war, 
wo die Attacken gegen ihn in unverminderter Art und Intensität weitergeführt wurden, schlug 
D.________ - eventuell tat dies nicht D.________ sondern A.________ - mit einer Bierflasche, einem 
Flaschenhals oder einem anderen scharfen Gegenstand C.________ ins Gesicht, namentlich im 
Bereich des linken Auges und der linken Wange, wobei C.________ hierbei - oder allenfalls zu einem 
anderen Zeitpunkt im Laufe der Auseinandersetzung - mit diesem Gegenstand auch an der rechten 
Hand und am rechten Handgelenk verletzt wurde.

E.________, welche C.________ im Laufe des Angriffs durch A.________ und D.________ zu Hilfe 
eilte und sich zweimal schützend dazwischen stellte, beziehungsweise dazwischenwarf, wurde 
ebenfalls von. A.________ und / oder D.________ mehrmals mit Fäusten und Füssen gegen den 

16

Oberkörper, insbesondere gegen den Rücken, geschlagen beziehungsweise getreten - hierbei wurden 
ihr sehr schmerzhafte Verletzungen zugefügt - und durch A.________ und / oder D.________ von 
C.________ weggezogen, beziehungsweise weggerissen.

C.________ erlitt durch die vorgenannten Attacken von A.________ und D.________ nebst diversen 
schmerzhaften Prellungen, Hautrötungen, Hautabschürfungen und weiteren Hautverletzungen am 
ganzen Körper, insbesondere im Kopf- und Gesichtsbereich (einfache Körperverletzungen, gegen 
einen Wehrlosen, eventuell Tätlichkeiten, mehrfach), massive, teilweise klaffende Schnittverletzungen 
am Gesicht, beziehungsweise auf der linken Gesichtshälfte, mit mehreren tiefen Hautdurchtrennungen, 
insbesondere im Bereich der linken Wange und des linken Auges, welche als arg entstellende Narben 
im Gesicht dauerhaft beziehungsweise bleibend sichtbar bleiben werden (vollendete schwere 
Körperverletzung, eventuell einfache Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand und gegen einen 

Wehrlosen, mehrfach), mit einer kompletten Durchtrennung des Augenoberlids (einfache 
Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand und gegen einen Wehrlosen), mit Netzhautablösungen 
im linken Auge, mit Blutungen in der Netzhaut und einer traumatischen Weitstellung der Pupille und 
einem Riss in der Aderhaut - alles Verletzungen, welche zu einem bleibenden Sehverlust von über 95%, 
ohne Aussicht. auf Besserung der Sehschärfe, und somit zu einer Unbrauchbarkeit des Auges führten 
(vollendete schwere Körperverletzung). Weiter wurde C.________ der linke Ellenbogen ausgerenkt 
(einfache Körperverletzung, gegen einen Wehrlosen). E.________ erlitt durch die Schläge und Tritte 
gegen den Oberkörper, insbesondere gegen den Rücken, schmerzhafte Prellungen (einfache 
Körperverletzung, eventuell Tätlichkeiten, mehrfach) (insgesamt auch Angriff gegen C.________ und 

E.________).

Durch den Einsatz der vorerwähnten Bierflasche, des Flaschenhalses oder eines anderen scharfen 
Gegenstands und durch die festen und heftigen, beziehungsweise mit voller Wucht ausgeführten 
Fusstritte gegen den Kopf und das Gesicht von C.________ nahmen A.________ und D.________ 
darüber hinaus noch weitere schwerwiegende Schädigungen des Körpers und der Gesundheit des 
Opfers in Kauf, dies namentlich durch weitere gravierende, beziehungsweise schwere Gesichts- 
und / oder Organverletzungen wie beispielsweise an den Augen, am Gehör, etc., mit dauerhaft 
bleibenden Schädigungen, beziehungsweise irreversiblen Verletzungen, Verstümmelungen und 
arg entstellenden und bleibenden Narben, etc. Ebenso nahmen sie durch die vorerwähnten 
Tathandlungen weitergehende lebensbedrohliche Verletzungen von C.________ in Kauf, dies 
insbesondere durch die Verursachung von Knochenbrüchen im Kopf- und Gesichtsbereich und von 
schweren inneren und lebensgefährlichen Hirnblutungen beziehungsweise -verletzungen 
(versuchte schwere Körperverletzung, mehrfach). 

Die vorerwähnten Tathandlungen von A.________ und D.________ erfolgten - was die zugefügten 
konkreten Verletzungen von C.________ und E.________ betrifft - wissentlich und willentlich und 
somit mit entsprechender Absicht, und zwar sowohl was die eigenen Tathandlungen als auch jene 
des jeweils anderen Mitbeschuldigten betrifft, dies übereinstimmend mit dem gemeinsamen, 
zumindest konkludenten Tatentschluss. Eventuell nahmen sie die konkreten Tatfolgen der eigenen 
Tathandlungen und jene des jeweils anderen Mitbeschuldigten zumindest in Kauf.

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8.2 Ziff. I.B.1. der Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 8. Juni 2022 sodann folgender 
Sachverhalt vorgeworfen (pag. 1153):

A.________ besass, beziehungsweise trug am 12.11.2021 am H.________ in Bern, im Bereich des 
Verbindungswegs zwischen dem I.________ und der J.________ (s.o. unter lit. A), ohne Berechtigung, 
beziehungsweise ohne Waffentragbewilligung einen Reizstoff-CS-Spray auf sich. Ebenso befand er 
sich am 09.12.2021 an der K.________(Strasse) .________ in Bern weiterhin ohne Berechtigung in 
dessen Besitz, beziehungsweise im Besitz eines Reizstoff-CS-Sprays.

9. Ziff. I.A. der Anklageschrift (Geschehnisse vom 12. November 2021)

9.1 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Die Vorinstanz hat den unbestrittenen Sachverhalt korrekt wiedergegeben (S. 4 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1535): 

Unbestritten ist, dass der an der linken Hand verletzte Privatkläger C.________, am Freitag, 
12.11.2021, um ca. 21:50 Uhr, zusammen mit E.________, L.________, M.________ und N.________, 
von der J.________ herkommend in Richtung O.________ unterwegs war, als es am H.________ zu 
einem zufälligen Zusammentreffen mit mehreren anderen Personen kam, darunter D.________. Zwi-
schen C.________ und der anderen Gruppe kam es zu einem Gespräch, wobei die Stimmung plötzlich 
kippte und jemand u.a. gegen C.________ Reizstoffspray einsetzte. Danach kam es zu einer körperli-
chen Auseinandersetzung, bei der D.________ eingestandenermassen tätlich wurde und sich 
E.________ schützend vor C.________ stellte. In der Folge war C.________ schwer verletzt. 

Diesen Ausführungen kann sich die Kammer anschliessen. Es ist ferner unbestritten, 
dass dem Privatkläger anlässlich des Vorfalls vom 12. November 2021 die in der 
Anklageschrift umschriebenen Verletzungen zugefügt wurden. Die Tatbeteiligung 
von D.________ ist aufgrund dessen rechtskräftiger Verurteilung ebenfalls unbestrit-
ten. In Bezug auf den Beschuldigten ist zudem unbestritten, dass dieser sich zu Be-
ginn der Auseinandersetzung in der Nähe des Tatortes aufgehalten hat. 

Bestritten ist vom Beschuldigten eine Beteiligung an der Auseinandersetzung. 
Gemäss seiner Darstellung habe er einen Streit beobachtet, den er schlichten wollte, 
woraufhin er vom versprühten Reizstoffspray getroffen worden sei und sich danach 
entfernt habe (pag. 37, Z. 215 ff.; pag. 38, Z. 236 f., Z. 250 ff.; pag. 641. Z. 97 ff.; 
pag. 642, Z. 122 ff., Z. 142 ff.; pag. 643, Z. 200 ff.; pag. 645 f., Z. 311 ff.; pag. 325, 
Z. 56; pag. 326, Z. 76 ff.; pag. 1435, Z. 34 ff.). 

9.2 Beweismittel

Der Kammer liegen folgende objektive Beweismittel vor: Der Anzeigerapport vom 
16. November 2021 (pag. 348 ff.), der Zwischenbericht vom 2. Februar 2022 (pag. 
354 ff.) sowie der Nachtrag vom 21. Februar 2022 (pag. 362 ff.), die Fotodokumen-
tation zum Tatort, erstellt am 21. Februar 2022 (pag. 378 ff.; siehe dazu auch pag. 
425), die Antwort von Interpol P.________ zur Identifikation des Beschuldigten (pag. 
398 f.), die Aktennotiz vom 19. November 2022, wonach Glasscherben am Tatort 
sichergestellt worden seien (pag. 411), und Fotos der Glasscherben sowie Fotos der 
ebenfalls am Tatort sichergestellten grauen Schiebermütze auf pag. 434 f., der Rap-

18

port Forensik vom 11. März 2022 (pag. 412 ff.), das Material-/Spurenverzeichnis Fo-
rensik mit dem Material-/Spurenverzeichnis Forensik und den DNA-Hitmeldungen 
(pag. 416 ff.) und das forensisch-molekularbiologisches Gutachten vom 28. März 
2022 (pag. 468 ff.). Zum beissenden Geruch auf dem Pullover des Privatklägers und 
dem Vergleich mit den bei der Anhaltung beim Beschuldigten sichergestellten Reiz-
stoffspray (Gas) wurden beim IRM Bern Untersuchungen erhoben. Die forensisch-
chemische Abschlussberichte datieren vom 28. Januar 2022 (pag. 437 f.) und vom 
15. Dezember 2023 (pag. 1734 ff.). 

Weiter liegen zu den Verletzungen des Privatklägers eine Fotodokumentation (pag. 
426 ff.), das rechtsmedizinische Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 30. 
Dezember 2021 (pag. 444 ff.; siehe dazu auch Aktennotiz vom 15. November 2021: 
pag. 443) und die Arztberichte des Inselspitals Bern (Eintrittsbericht: pag. 478 ff.; 
Austrittsbericht: pag. 481 ff.) vor. Der Privatkläger wurde bei Eintritt positiv auf Kokain 
getestet (Laborbericht Inselspital Bern: pag. 486) und hatte einen Blutalkoholwert 
von 1.3 g/l (pag. 489). Verlaufsberichte des Inselspitals Bern vom 5. Mai 2022 (be-
treffend Ellbogen) und vom 18. Mai 2022 sowie vom 24. Mai 2022 (betreffend Au-
genverletzung) liegen ebenfalls vor (pag. 496.1 ff.). Anlässlich der Berufungsver-
handlung wurden sodann diverse Rechnungen betreffend Spital- bzw. Behandlungs-
kosten des Privatklägers zu den Akten erkannt (pag. 1921 ff.). Der Kammer liegen 
ausserdem zwei Berichte der UPD vom 10. Juli 2023 und 11. Januar 2024 betreffend 
die teilstationäre/stationäre Behandlung des Beschuldigten vor (pag. 1830 ff.; pag. 
1843 ff.). Das Rechtsmedizinische Gutachten zur körperlichen Untersuchung von 
E.________ datiert vom 2. Dezember 2021 (pag. 462 ff.; siehe dazu auch Aktennotiz 
vom 15. November 2021: pag. 443). Ihr Eintrittsbericht des Inselspitals Bern findet 
sich auf pag. 490 f.

In subjektiver Hinsicht liegen die Aussagen mehrerer Personen vor: Der Beschul-
digte wurde am 10. Dezember 2021 durch den Staatsanwalt einvernommen (Haf-
teröffnung: pag. 31 ff.). Weiter wurde er am 2. Februar 2022 delegiert durch die Po-
lizei einvernommen (pag. 638 ff.). Eine weitere Einvernahme erfolgte am 21. April 
2022 durch die Staatsanwaltschaft (pag. 323 ff.). Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung erfolgte eine weitere Einvernahme am 30. November 2022 (pag. 
1433 ff.). Und schliesslich wurde der Beschuldigte nochmals vor Obergericht befragt 
(pag. 1895 ff.). 

D.________ wurde ebenfalls mehrmals einvernommen. So erfolgte eine delegierte 
Einvernahme kurz nach dem Vorfall am 18. November 2021 (pag. 656 ff.). Die Haf-
teröffnung durch den Staatsanwalt fand am 19. November 2021 (pag. 228 ff.) statt. 
D.________ sagte in einer weiteren delegierten Einvernahme am 14. Februar 2022 
(pag. 679 ff.) und vor der Staatsanwaltschaft am 21. April 2022 (pag. 336 ff.) aus. 
Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung am 30. November 2022 wurde 
D.________ ebenfalls als Beschuldigter befragt (pag. 1425 ff.). An der oberinstanz-
lichen Hauptverhandlung erfolgte die Befragung als Zeuge (pag. 1867 ff.), da das 
Urteil gegen D.________ mittlerweile in Rechtskraft erwachsen war. 

Der Privatkläger wurde erstmals am 14. November 2021 (pag. 497 ff.) und ein zwei-
tes Mal bereits am 15. November 2021 (pag. 513 ff.) delegiert einvernommen. Die 
dritte delegierte und parteiöffentliche Einvernahme fand am 27. Januar 2022 statt 

19

(pag. 522 ff.). Staatsanwaltschaftlich wurde der Privatkläger am 21. April 2022 ein-
vernommen (pag. 535 ff.). Die erstinstanzliche Hauptverhandlung fand am 30. No-
vember 2022 statt (pag. 1418 ff.). An der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
5. Juni 2024 (pag. 1885 ff.) wurde der Privatkläger als Auskunftsperson einvernom-
men. 

Die Zeugin L.________ wurde noch in der Tatnacht, nämlich am 12. November 2021 
um 23.49 Uhr, polizeilich befragt (pag. 568 ff.). Zudem wurde sie am 7. Dezember 
2021 delegiert einvernommen (pag. 571 ff.). An dieser Einvernahme waren die 
Rechtsanwälte des Privatklägers und von D.________ anwesend. Die Rechtsanwäl-
tin des Beschuldigten wurde, da der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt noch nicht 
verhaftet und noch keine amtliche Verteidigung eingesetzt worden war, nicht über 
die Befragung informiert, weshalb die Befragung gegenüber dem Beschuldigten 
nicht parteiöffentlich erfolgte (pag. 571). Die Verteidigung des Beschuldigten wurde 
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 10. März 2022 angefragt, ob eine par-
teiöffentliche Befragung beantragt oder ob auf das Frage- und Teilnahmerecht ver-
zichtet werde und die Einvernahmeprotokolle in Bezug auf den Beschuldigten als 
gerichtsverwertbar erachtet würden (pag. 1028). Die Verteidigung verzichtete auf 
eine parteiöffentliche Befragung und erklärte, die sich in den Akten befindenden Pro-
tokolle seien gerichtsverwertbar (pag. 1029 ff.). 

E.________ wurde in der Tatnacht, am 13. November 2021 um 00.40 Uhr, auf dem 
Notfall des Inselspitals polizeilich einvernommen (pag. 547 ff.). Zudem erfolgte am 
7. Dezember 2021 eine delegierte Einvernahme als Auskunftsperson (pag. 555 ff.). 
Wiederum war die Rechtsanwältin des Beschuldigten an dieser Einvernahme nicht 
anwesend, weshalb die Einvernahme gegenüber dem Beschuldigten nicht parteiöf-
fentlich erfolgte (siehe obige Ausführungen zur Zeugin L.________). Auch hier ver-
zichtete die Verteidigung in der Voruntersuchung auf eine parteiöffentliche Befra-
gung und erklärte, die sich in den Akten befindenden Protokolle seien gerichtsver-
wertbar (pag. 1028 ff.). Der Antrag der Verteidigung im Vorfeld der Berufungsver-
handlung auf Einvernahme von E.________ wurde gutgeheissen und eine parteiöf-
fentliche Einvernahme erfolgte anlässlich der Hauptverhandlung vor Obergericht 
(pag. 1876 ff.). 

Als Zeuge wurde ebenfalls N.________ am 6. Dezember 2021 delegiert einvernom-
men (pag. 583 ff.). Auch hier war die Rechtsanwältin des Beschuldigten aus den 
bereits genannten Gründen an der Einvernahme nicht anwesend, weshalb die Ein-
vernahme gegenüber dem Beschuldigten nicht parteiöffentlich erfolgte (siehe obige 
Ausführungen zur Zeugin L.________). Wie bereits ausgeführt, verzichtete die Ver-
teidigung in der Voruntersuchung auf eine parteiöffentliche Befragung und erklärte, 
die sich in den Akten befindenden Protokolle seien gerichtsverwertbar (pag. 1028 
ff.).

Der Zeuge M.________ wurde am 20. Januar 2022 delegiert einvernommen (pag. 
610 ff.). Delegiert als Auskunftsperson wurde ebenfalls Q.________ am 11. Januar 
2022 befragt (pag. 597 ff.). 

20

9.3 Ergebnisse der objektiven Beweismittel

Dem Eintrittsbericht des Inselspitals Bern vom 12. November 2021 ist zu entnehmen, 
dass der Privatkläger am 16. Oktober 2021, also vor dem Vorfall, bereits mit einem 
Schädel-Hirn-Trauma Grad I mit einer Rissquetschwunde suborbital (über dem 
Auge) und undislozierter (nicht verschobener) Schädelkalottenfraktur behandelt wor-
den war. Weiter hatte der Privatkläger aufgrund einer tätlichen Auseinandersetzung 
und infolge Angriffs mit einer Glasflasche eine Schnittverletzung an der linken Hohl-
hand. Am 26. Oktober 2021 musste der Privatkläger wiederum wegen eines Schädel-
Hirn-Traumas Grad I behandelt werden. Der Privatkläger wies damals 1,3 g/L Etha-
nol im Blut auf (pag. 478 f.; pag. 489). 

Die Verletzungen des Privatklägers nach dem Vorfall vom 12. November 2021 sind 
insbesondere aus dem Anzeigerapport vom 16. November 2021 (pag. 352 «Verlet-
zungen des Opfers, C.________»), der Fotodokumentation (pag. 426 ff.), den Ein-
tritts- und Austrittsberichten des Inselspitals vom 12. November 2021 und vom 
19. November 2021 (pag. 478 ff.; pag. 481 ff.) sowie aus dem rechtsmedizinischen 
Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 30. Dezember 2021 ersichtlich, wo-
bei der Privatkläger am 13. November 2021 ab 02.15 Uhr untersucht wurde 
(pag. 444 ff.; siehe dazu auch Aktennotiz vom 15. November 2021: pag. 443).

Der Privatkläger erlitt durch den Vorfall vom 12. November 2021 diverse Verletzun-
gen. Dokumentiert sind Hautdurchtrennungen im Gesicht und am linken Auge (total 
ca. drei bis vier Schnittverletzungen im Gericht), wobei eine Entstehung wenige 
Stunden vor der Untersuchung durch Einsatz beispielsweise einer zerbrochenen 
Glasflasche oder Glasscherben denkbar wäre (pag. 443; pag. 448; pag. 478, 
pag. 480; pag. 481 f.). Festgehalten wurde weiter, dass aus der Unterlidwunde ein 
Glassplitter entfernt wurde (pag. 482 «Beurteilung und Verlauf»). Weiter dokumen-
tiert sind Hautverletzungen am Kopf und an der rechten Brust. Diese Befunde seien 
frisch und ein Zeichen stumpfer Gewalteinwirkung, wobei eine Entstehung durch bei-
spielweise Schläge mit stumpfen Gegenständen und/oder Tritte im Rahmen einer 
körperlichen Auseinandersetzung wenige Stunden vor der Untersuchung denkbar 
wäre (pag. 448). Weiter wird ausgeführt, dass an den Knien des Privatklägers frische 
Verletzungen als Folge stumpfer Gewalteinwirkung bzw. im Rahmen einer körperli-
chen Auseinandersetzung (pag. 448), schwere Verletzungen am linken Auge 
(pag. 448) sowie ein ausgerenkter Ellbogen und abgebrochener Knochenvorsprung 
(pag. 448; pag. 478 f.; pag. 481) festgestellt worden seien. Ein Angriff mit einem 
scharfen Gegenstand wie bspw. einer zerbrochenen Glasflasche gegen den Kopf 
sowie auch stumpfe Gewalt gegen den Kopf (beispielweise mit Fusstritten oder Ge-
genständen) seien potentiell geeignet, lebensbedrohliche Verletzungen (wie bei-
spielsweise Blutungen im Schädelinnern) zu verursachen. Bei Spitaleintritt wies der 
Privatkläger 1.3 g/L Ethanol im Blut (Anm.: dies entspricht bei einem Umrechnungs-
wert von 0.81 einem Wert von 1.053 Promille) auf (pag. 478; pag. 489) und wurde 
positiv auf Kokain getestet (pag. 486). 

Dem Verlaufsbericht des Inselspitals Bern vom 5. Mai 2022 ist sodann zu entneh-
men, dass die Ellbogenluxation links konservativ behandelt werden konnte und keine 
bleibenden Beeinträchtigungen davon zu erwarten sind. Theoretisch sei durch den 
Unfall eine verfrühte Abnützung bei Mikroinstabilität des Ellbogengelenks möglich, 

21

was sich, wenn überhaupt, aber erst in ein paar Jahren zeigen würde (pag. 496.1). 
Zur anlässlich des Vorfalls entstandenen Augenverletzung ist dem Verlaufsbericht 
des Inselspitals Bern vom 18. Mai 2022 (pag. 496.2 f.) und der E-Mail vom 24. Mai 
2022 von Dr. med. R.________ (pag. 496.4) zu entnehmen, dass der Privatkläger 
am linken Auge mit einer starken Korrektur von -7.5 Dioptrien noch eine Sehschärfe 
von zwischen Fingerzählen (Abstand 1 m) und 0.05 (<5%) besitze und eine zentrale 
Netzhaut-Narbe habe. Der Privatkläger kann links somit höchstens noch schemen-
haft sehen, aber nicht mehr lesen. Mit einer Besserung der Sehschärfe links sei nicht 
mehr zu rechnen. Am rechten Auge betrage die Sehschärfe 1.0, was 100% entspre-
che. Aus den an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom Privatkläger gemach-
ten Fotos geht hervor, dass auf der linken Gesichtshälfte des Privatklägers am 
30. November 2022 noch Narben sichtbar waren (pag. 1423, Z. 33 ff.; Fotos auf pag. 
1465 ff.). 

Die Untersuchungen von E.________ am 13. November 2021 um 01.35 Uhr durch 
das IRM Bern ergaben keinerlei Verletzungen oder Hinweise auf einen Angriff mit 
Pfefferspray (Gutachten IRM vom 2. Dezember 2021: pag. 462 ff.; siehe auch Ak-
tennotiz vom 15. November 2021 auf pag. 443: wonach keine Zeichen von Gewalt 
an Rücken und auch keine geröteten Augen festgestellt worden seien). E.________ 
gab bei der Untersuchung Schmerzen am Kopf, am Rücken und an den Hüften an 
(pag. 463). Sie hatte zum Tatzeitpunkt dicke Kleidung an (pag. 443). 

Dem Rapport Forensik vom 11. März 2022 (pag. 412 ff.) ist zu entnehmen, dass die 
Polizei am Tatort (auf dem Fussweg) drei braune Glasbruchstücke des Flaschenhal-
ses inkl. Trinköffnung von vermutlich einer Bierflasche (Ass. 001) mit latenten Blut-
anhaftungen sicherstellte (pag. 413 «Tatort»; pag. 414: Ass. 001.1; pag. 416: Material-
/Spurenverzeichnis Forensik Ass. 001; Foto Glasscherben: pag. 434). Der DNA-Ab-
rieb ab der Trinköffnung des Flaschenhalses (siehe Foto dazu auf pag. 434) ergab 
ein Mischprofil, wobei das Hauptprofil mit demjenigen des Privatklägers und das Ne-
benprofil mit demjenigen von D.________ übereinstimmt (pag. 414 «Ass. 001.1»; 
pag. 415 «Schlussfolgerung»; pag. 416: Material-/Spurenverzeichnis Forensik Ass. 
001.1; DNA-Hit-Meldung auf pag. 420). Die Beweiswertberechnung ergab ein Like-
lihood Ratio von über 1 Milliarde. Dies bedeutet, dass es über 1 Milliarde Mal wahr-
scheinlicher ist, die vorliegenden Analyseresultate zu erhalten, wenn die auf der Spur 
nachgewiesene DNA vom Privatkläger und von D.________ stammt, als wenn die 
DNA vom Privatkläger und einer unbekannten Person stammen würde (forensisch-
molekularbiologisches Gutachten vom 28. März 2022: pag. 468 ff., pag. 469). 

Weiter stellte die Polizei im niedergetrampelten Gras jenseits des Metallgeländers 
auf Seite S.________ (Strasse) eine graue Schiebermütze mit Blutanhaftungen 
(Ass. 002) sicher (pag. 413 «Tatort»; Foto Schiebermütze: pag. 435). Von der Innen-
seite und der Aussenseite wurden DNA-Abriebe entnommen (pag. 414). Der DNA-
Abrieb ab Rand der Innenseite der Mütze ergab ein Mischprofil, in welchem das 
DNA-Profil von D.________ und als Nebenkomponente das DNA-Profil des Privat-
klägers gefunden wurde (pag. 414 «Ass. 002.1; pag. 415 «Schlussfolgerung»; pag. 
417: Material-/Spurenverzeichnis Forensik Ass. 002.1; DNA-Hit-Meldung auf pag. 
421). Die Beweiswertberechnung ergab ein Likelihood Ratio von über 1 Milliarde. 
Dies bedeutet, dass es über 1 Milliarde Mal wahrscheinlicher ist, die vorliegenden 

22

Analyseresultate zu erhalten, wenn die auf der Spur nachgewiesene DNA vom Pri-
vatkläger und von D.________ stammt, als wenn die DNA vom Privatkläger und ei-
ner unbekannten Person stammen würde (forensisch-molekularbiologisches Gut-
achten vom 28. März 2022: pag. 468 ff., pag. 470). Das DNA-Profil auf der Aussen-
seite der Mütze entsprach dem DNA-Profil des Privatklägers (pag. 414 «Ass. 002.2»; 
pag. 415 «Schlussfolgerung»; pag. 417: Material-/Spurenverzeichnis Forensik Ass. 
002.2; DNA-Hit-Meldung auf pag. 422). 

Auf dem Pullover des Privatklägers wurde ein stark beissender Geruch festgestellt. 
Die Untersuchung durch das IRM Bern auf Rückstände von Reizstoff ergab, dass 
sich Spuren von 2-Chlorobenzaldehyd, 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril (Reiz-
stoff) sowie Butylhydroxytoluol (Konservierungsmittel) auf dem Pullover befanden 
und es sich um dieselben chemischen Substanzen wie in der Referenzprobe (Ass. 
013 «LE PROTECTEUR») handelt (pag. 414 Ass. 010; pag. 415 «Schlussfolge-
rung»; Material-/Spurenverzeichnis Forensik: pag. 419 «Ass. 010.1», «Ass. 013»; 
Forensisch-chemischer Abschlussbericht vom 28. Januar 2022: pag. 437 f.). Bei der 
Referenzprobe handelt es sich um den sichergestellten entsicherten Gas-Reizstoff-
spray, der in der Wohnung gefunden wurde, in welcher der Beschuldigte angehalten 
wurde. Im Vorfeld zur Berufungsverhandlung wurde auf Antrag der Verteidigung des 
Beschuldigten durch das IRM untersucht, ob die Rückstände auf dem Pullover eben-
falls mit den Inhaltsstoffen des zweiten Reizstoffsprays, der in der Wohnung bei der 
Anhaltung sichergestellt wurde und nicht entsichert bzw. nicht angebrochen war, 
übereinstimmen (Gel-Reizstoffspray: Foto auf pag. 383 und auf pag. 1739 f.; Material-
/Spurenverzeichnis Forensik: pag. 419 «Ass. 014). Gemäss Bericht des IRM sind im 
Gel dieselben Inhaltsstoffe wie im Gas enthalten. Zusätzlich findet sich im Gel noch 
Polyethylenglykol. Aus dem Bericht des IRM geht weiter hervor, dass die Frage, ob 
die am Pullover des Privatklägers festgestellten Reizstoffrückstände von einem CS-
Spray des Typs Gel oder des Typs Gas stammten, nicht beantwortet werden könne. 
Dies deshalb, weil mit der angewandten Extraktions- und Analysenmethode lediglich 
der Reizstoff 2-Chlorobenzyl-idenmalonsäuredinitril nachgewiesen werde. Gel-
Rückstände würden mit dieser Art der Analyse nicht erfasst. Zudem sei die Analytik 
zum Nachweis von Gel-Komponenten nicht etabliert (pag. 1735). 

9.4 Aussagenanalyse

9.4.1 Aussageverhalten des Beschuldigten

Der Beschuldigte sagte konstant aus, er sei zwar am Freitag, 12. November 2021, 
vor Ort gewesen und zufälligerweise zum Ort des Geschehens hinzugelaufen, mit 
dem Vorfall selber habe er aber nichts zu tun. Er sei aus der O.________ hinausge-
kommen und habe einige Personen laut streiten hören. Als er die Personen habe 
auseinandernehmen wollen, sei von jemandem Pfefferspray eingesetzt worden. Da 
er danach nichts mehr gesehen habe, sei er weggegangen (pag. 37, Z. 215 ff.; pag. 
38, Z. 236 f., Z. 250 ff.; pag. 641, Z. 97 ff.; pag. 642, Z. 122 ff., Z. 142 ff.; pag. 643, 
Z. 200 ff.; pag. 645 f., Z. 311 ff.; pag. 325, Z. 56; pag. 326, Z. 76 ff.; pag. 1434, Z. 34 
ff.; pag. 1901, Z. 29 f.; pag. 1902, Z. 1 ff.). Auch wenn das «Grundgerüst» seiner 
Aussagen im Wesentlichen übereinstimmend war, so finden sich in den Detailaus-
sagen zahlreiche Widersprüche, insbesondere bei Belastungen.

23

Seine Aussagen stimmen etwa nicht mit den Aussagen von D.________ überein, 
der mehrfach angab, er sei ebenfalls vor Ort und zusammen mit dem Beschuldigten 
gewesen (siehe untenstehend Aussagenanalyse zu D.________). Der Beschuldigte 
sagte zwar aus, er kenne D.________ und dieser sei sein Freund (pag. 37, Z. 199 
ff.; später relativierte er und führte aus, er habe nie gesagt, es sei ein Freund, son-
dern ein Kollege, Mitbewohner im Durchgangszentrum, pag. 1902, Z. 33 ff.). Jedoch 
will er – zumindest sagte er dies zu Beginn so aus – an diesem Abend nicht mit ihm 
zusammen gewesen sein (pag. 39, Z. 286; pag. 641, Z. 96 ff.; pag. 642, Z. 139). Der 
Beschuldigte sagte zunächst aus, er habe ihn an diesen Abend nicht einmal gesehen 
bzw. er habe ihn eine Woche vor dem Vorfall vom 12. November 2021 letztmals 
gesehen (pag. 38, Z. 235 f.; pag. 644 Z. 238 ff.). Dies widerspricht jedoch sowohl 
den Aussagen von D.________ (pag. 338, Z. 60; pag. 1425, Z. 28 ff.; pag. 1426, Z. 
37 ff.) als auch einem Foto auf dem Mobiltelefon von D.________, wonach die bei-
den zusammen am Tattag um 18.39 Uhr mit zwei weiteren Männern in einer Woh-
nung zu sehen sind (Nachtrag vom 21. Februar 2022: pag. 367 «Auswertung Mobil-
telefon von D.________» und Foto auf pag. 862 f.). Zudem widerspricht die Aussage 
dem von der Rechtsanwältin des Beschuldigten eingereichten Foto auf pag. 1609, 
worauf vier Personen zu sehen sind, darunter der Beschuldigte (auf dem Foto mit 
seinem Spitznamen «T.________» erwähnt: siehe dazu auch Aussagen des Be-
schuldigten [pag. 36, Z. 187 f.] und von D.________ [pag. 233, Z. 192 f.] zum Spitz-
namen «T.________»), D.________ und U.________. Das Foto wurde am 13. No-
vember 2021 gepostet. Die Rechtsanwältin des Beschuldigten geht selbst davon 
aus, dass der Beschuldigte und D.________ in der Tatnacht zusammen waren 
(siehe Beweisantrag Berufungsverhandlung: pag. 1603 zu Ziffern 3 und 4). Anläss-
lich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte auf erneute Nachfrage – nach-
dem er zunächst angab, die Namen seiner damaligen Begleiter nicht zu kennen – 
schliesslich an, er sei u.a. mit D.________ unterwegs gewesen (pag. 1899, Z. 8 f.). 

In seiner Einvernahme vom 21. April 2022 erklärte der Beschuldigte auf Frage, 
warum ihn D.________ zu Unrecht belasten sollte, dieser sei eine Bekanntschaft 
und sie würden höchstens einen Kaffee zusammen trinken (pag. 329, Z. 187 ff.). 
Dies widerspricht indes seinen eigenen früheren Aussagen vom 10. Dezember 2021, 
wonach D.________ sein Freund sei (pag. 37, Z. 199 ff.). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung gab er – wie bereits erwähnt – zwar zu, an diesem Abend u.a. mit ihm 
unterwegs gewesen zu sein, verneinte aber, dass dies sein Freund sei. Er habe dies 
nie so gesagt, es sei ein Kollege bzw. ein Mitbewohner im Durchgangszentrum (pag. 
1899, Z. 9; pag. 1902, Z. 33 ff.). Der Beschuldigte versuchte damit im späteren Ver-
fahren, sich von D.________ zu distanzieren. 

Weiter lässt sich nicht plausibel erklären, warum der Beschuldigte im Berufungsver-
fahren nun durch seine Rechtsanwältin U.________ als zweiten Täter ins Spiel bringt 
und dies damit begründet, er habe bis anhin darauf vertraut, dass er freigesprochen 
werde, weshalb er keinen Grund gesehen habe, sich um die Identität von 
U.________ zu kümmern oder Informationen zu diesem den Behörden vorzulegen. 
Auf einem Foto in den Verfahrensakten habe er nun U.________ als mutmasslichen 
Mittäter von D.________ erkannt (Beweisantrag Berufungsverhandlung: pag. 1602 
f. zu Ziffern 3 und 4). Diese Ausführungen scheinen wenig glaubhaft, da dem Be-
schuldigten die Identität von U.________ bereits von Anfang an bekannt war, da er 

24

ja selber mit diesem auf dem Foto auf pag. 1609 zu sehen ist, welches am 13. No-
vember 2021 von U.________ gepostet wurde. Zudem musste dem Beschuldigten 
bereits im Vorverfahren aufgrund der Haft und aufgrund der Anklageschrift bewusst 
sein, dass er wegen des Vorfalles verurteilt werden könnte. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung reagierte er auf die Frage, zwischen wem der Streit gewesen sei, 
demgegenüber wieder ausweichend und gab an, dass er hiervon keine Ahnung 
habe. Sie hätten gesprayt und er sei weggegangen (pag. 1902, Z. 4 f.). Diesbezüg-
lich ist anzumerken, dass der Beschuldigte einerseits angab, er habe aus einer Di-
stanz von ca. 100 Metern gesehen, dass es einen Streit gegeben habe. Als er zu 
diesen Leuten gegangen sei, habe jemand ihn und C.________ mit Pfefferspray be-
sprüht, da sei er weggelaufen (pag. 37, Z. 216 ff.). Er sei am Ganzen nicht beteiligt 
gewesen (pag. 37, Z. 227) bzw. er habe «die Aktion» aus 100 Metern Entfernung 
beobachtet. Anschliessend hätten sie den Spray eingesetzt und er sei an ihnen vor-
bei (pag. 642, Z. 142 ff.). Als er sich der Gruppe genähert habe, hätten sie direkt den 
Spray verwendet (pag. 646, Z. 317). Andererseits gab er zu Protokoll, er habe die 
Leute dort auseinandernehmen bzw. den Streit schlichten wollen (pag. 38, Z. 236; 
pag. 1902, Z. 1 ff.). Derjenige, der gesprayt habe, sei von hinten gekommen, er habe 
es nicht gesehen (pag. 1900, Z. 7). Der Beschuldigte gab also einerseits an, er sei 
nicht beteiligt gewesen, andererseits, er habe schlichten wollen. Sodann gab er ei-
nerseits an, als er sich genähert habe, sei direkt der Spray eingesetzt worden. An-
dererseits führte er aus, die sprayende Person sei von hinten gekommen. Seine Aus-
sagen zum Streit bzw. seiner Annäherung fielen demnach widersprüchlich aus. 

Der Beschuldigte machte zudem weitere widersprüchliche Aussagen, indem er bei 
seiner Hafteröffnungseinvernahme am 10. Dezember 2021 angab, er konsumiere 
keine Drogen (pag. 42, Z. 379 f.). Anlässlich seiner späteren Einvernahmen erklärte 
er dann auf einmal, er habe beim Privatkläger Drogenschulden in der Höhe von 
CHF 1'500.00 bis 2'000.00. Er konsumiere Kokain und habe dieses beim Privatkläger 
bezogen (pag. 641, Z. 103 ff.; pag. 644, Z. 225 ff.; pag. 325, Z. 62 ff.; pag. 1436, Z. 
1 ff.). Die Verteidigung führte aus, der Beschuldigte habe diesbezüglich zunächst 
nichts gesagt, weil er schockiert gewesen sei, Betäubungsmittel konsumiert habe 
und es Verständigungsschwierigkeiten gegeben habe (pag. 1908). Dies überzeugt 
indes nicht. Der Beschuldigte erklärte auf Frage, den Übersetzer zu verstehen (pag. 
31, Z. 5 f.; auch wenn er für eine nächste Einvernahme eine Französisch-Überset-
zung wünschte) und bestätigte seine Einvernahmefähigkeit (pag. 32, Z. 14 ff.) bzw. 
gab an, dass es ihm gut gehe (pag. 33, Z. 50 f.). Die Frage nach einem allfälligen 
Drogenkonsum war sodann sehr kurz und klar formuliert (pag. 42, Z. 379 f.). Nach 
der Einvernahme wurde das Protokoll gemäss Vermerk unterschriftlich bestätigt 
(pag. 43). Nachdem er also zunächst bestritten hatte, Drogen zu konsumieren, ge-
stand er dies später ein und sprach von Drogenschulden beim Privatkläger. Dieser 
sei praktisch alle zwei bis drei Tage bei ihm vorbeigekommen, um die Geldschulden 
abzuholen. Die Geldschulden hätte er dem Privatkläger 20 Tage zuvor abgeben sol-
len und der Privatkläger sei alle zwei bis drei Tage vorbeigekommen, um die gesam-
ten Geldschulden abzuholen (pag. 644, Z. 220 ff.; pag. 325, Z. 64 f.). Der Privatkläger 
habe ihm gesagt, dass er ihn [den Beschuldigten] anzeigen werde, wenn etwas mit 
dem Geld sei (pag. 644, Z. 215 ff.) bzw. dafür sorgen werde, dass er [der Beschul-
digte] ins Gefängnis komme, wenn er dem Privatkläger das Geld nicht gebe (pag. 

25

325, Z. 65 f.). Der Privatkläger habe ihm damit gedroht, dass er dafür sorgen werde, 
dass er [der Beschuldigte] im Gefängnis lande, wenn die Polizei ihn [den Privatklä-
ger] mit Kokain erwische (pag. 325, Z. 66 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung 
machte er von sich aus keine Ausführungen hierzu und reagierte auf entsprechende 
Nachfrage ausweichend. Auf Frage, ob er seine früheren Aussagen bestätigen 
könne, wonach der Privatkläger alle 2-3 Tage bei ihm vorbeigekommen sei, antwor-
tete er: «Der Kontakt, welcher ich mit ihm gehabt habe, ist auf dem Telefon» (pag. 
1900, Z. 27 ff.). Auf erneute Nachfrage gab er an, dass er es nicht mehr genau wisse 
(pag. 1900, Z. 31 ff.). Obwohl der Beschuldigte also in einer früheren Einvernahme 
angab, der Privatkläger sei ca. 20 Tage zuvor und danach alle zwei bis drei Tage 
vorbeigekommen, will er dennoch nichts von der Handverletzung des Privatklägers 
und der Fixation von dessen linker Hand mit einer Schiene gewusst haben (pag. 643, 
Z. 185 ff.), die gemäss den Akten des Inselspitals Bern von einer Auseinanderset-
zung vom 16. Oktober 2021 herrührt (pag. 478 f.). Als ihm dieser Widerspruch vor-
gehalten wurde, gab der Beschuldigte zur Antwort, er sei zu Hause gewesen, der 
Privatkläger sei vorbeigekommen und er habe dessen verbundene Hand nicht be-
merkt (pag. 647, Z. 405 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschul-
digte an, er habe nicht gewusst, dass der Privatkläger an diesem Abend an der linken 
Hand verletzt und diese mit einer Schiene fixiert gewesen sei (pag. 1900, Z. 16 ff.). 
Auf Frage, weshalb er dies nicht gewusst habe, wenn der Privatkläger doch seit dem 
16. Oktober 2021 verletzt gewesen sei und gemäss Aussagen des Beschuldigten 
alle 2-3 Tage bei ihm vorbeigekommen sei, gab er an, es sei dazumal kalt gewesen 
und er [der Privatkläger] trage immer Handschuhe. Er habe nicht gesehen, ob dieser 
verletzt sei oder nicht (pag. 1900, Z. 24 f.). Dies wurde von ihm erstmals vorgebracht 
und ist als Schutzbehauptung zu werten. Der Beschuldigte betonte mehrfach, er 
wisse es nicht mehr genau bzw. sei dazumal alkoholisiert gewesen (pag. 37, Z. 215; 
pag. 641, Z. 96; pag. 642, Z. 122 ff.; pag. 1899, Z. 32; pag. 1901, Z. 40), will sich 
aber trotzdem an solche – ihn entlastende – Details erinnern. Dies vermag nicht zu 
überzeugen. Zudem erklärte er in seinen Einvernahmen vom 10. Dezember 2021 
(pag. 628, Z. 103 ff.) und vom 21. April 2022 (pag. 779, Z. 266 f.), er habe sich vom 
27. August 2021 bis zum 8. November 2021 bei seinem Bruder in Frankreich aufge-
halten. Auch anlässlich der Einvernahme vom 2. Februar 2022 gab er an, er sei vor 
dem Vorfall vom 12. November 2021 in V.________ gewesen (pag. 646, Z. 344 ff.). 
Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte er dann, das könne nicht stimmen, 
evtl. sei es falsch verstanden worden. Er gehe jeweils für eine Woche nach Frank-
reich (pag. 1901, Z. 1 ff.). Auch deshalb überzeugen die Aussagen des Beschuldig-
ten nicht, wonach der Privatkläger vor dem Vorfall ständig (alle 2-3 Tage) Drogen-
schulden beim ihm habe eintreiben wollen. Entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung (pag. 1908) ist denn auch nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte ge-
meint habe, der Privatkläger habe ihn alle 2-3 Tage kontaktiert und Geld gefordert 
(sei mithin nicht effektiv vorbeigekommen). So gab der Beschuldigte nämlich selber 
an, er sei zu Hause gewesen und der Privatkläger sei vorbeigekommen (pag. 647, 
Z. 409). Nur nebenbei sei erwähnt, dass auch D.________ von der verletzten Hand 
wusste und diese von sich aus gegenüber der Polizei erwähnte sowie angab, er sel-
ber sei mit dem Privatkläger zwei bis drei Wochen vor dem 12. November 2021 bzw. 
vor einem Monat wegen der Hand ins Spital gegangen (pag. 658, Z. 49 f.; pag. 661, 

26

Z. 207; pag. 683, Z. 171 ff.; pag. 1429, Z. 22 ff.; pag. 1870, Z. 24 f.). Die Aussagen 
des Beschuldigten, warum der Privatkläger ihn zu Unrecht belaste, sind demnach 
widersprüchlich und auch lebensfremd. Er führte – nachdem er einen eigenen Dro-
genkonsum zunächst noch abgestritten hatte – als Erklärung für die Belastung des 
Privatklägers auf einmal aus, dieser habe Drogenschulden eintreiben und ihn an-
sonsten ins Gefängnis bringen wollen. Der Privatkläger würde indes, folgt man der 
Version des Beschuldigten, kein Geld vom Beschuldigten aus den Drogenschulden 
erhalten, da dieser ja im Gefängnis wäre. Weiter hätte der Privatkläger ein hohes 
Risiko, dass der Beschuldigte über den Drogenhandel des Privatklägers Aussagen 
machen und damit den Privatkläger belasten würde. Dem entsprechenden Vorhalt 
des erstinstanzlichen Gerichtspräsidenten, dass der Privatkläger ja kein Geld er-
hielte, wenn der Beschuldigte im Gefängnis sei, wich der Beschuldigte in seinen Ant-
worten aus und erklärte, er könne seinen Bruder anrufen und dieser würde beim 
Privatkläger die Geldschulden begleichen (pag. 1435, Z. 11 ff.). Ausserdem wurde 
das Strafverfahren gegen den Privatkläger wegen Betäubungsmittelwiderhandlun-
gen (Handel mit Kokain) eingestellt (Verfügung vom 20. September 2022: pag. 1373 
ff.). Der Beschuldigte erklärte zudem zunächst, die Zeugen belasteten ihn zu Un-
recht, weil er [der Privatkläger] diesen gratis Kokain abgebe. Der Privatkläger sei 
jeweils in Begleitung von drei bis vier bzw. vier bis fünf Frauen gewesen und gebe 
diesen gratis Kokain ab, weshalb es normal sei, dass diese solche Sachen bezeug-
ten (pag. 642, Z. 116 ff.; pag. 645, Z. 282 ff.; vgl. aber auch pag. 41, Z. 356 ff.; 
pag. 327, Z. 129 ff.). Noch in der gleichen Einvernahme sagte der Beschuldigte aber 
aus, er habe nur den Privatkläger konkret vor Ort gesehen, er habe keine Mädchen 
oder Frauen gesehen (pag. 642, Z. 150 f.; vgl. auch anlässlich der Berufungsver-
handlung: pag. 1903, Z. 45). Als er vorbeigegangen sei, habe er keine weiblichen 
Personen gesehen, nur drei bis vier männliche Personen, die am Streiten gewesen 
seien (pag. 645, Z. 308 f.). Aus der Beweiswürdigung (siehe unten) geht allerdings 
hervor, dass der Privatkläger in Begleitung von zwei Frauen und zwei Männern war. 

Übereinstimmend sagen sodann der Privatkläger (siehe nachfolgende Beweiswürdi-
gung) und D.________, letzterer zumindest bis zu seiner oberinstanzlichen Einver-
nahme (pag. 338, Z. 61 ff.; pag. 339, Z. 81 ff.; pag. 659, Z. 124 ff.; 
pag. 660, Z. 142 ff., Z. 167 ff.; pag. 661, Z. 185 ff.; pag. 1428, Z. 35 ff.; pag. 1429, Z. 
1 ff.; pag. 1886, Z. 10 ff.), entgegen den Ausführungen des Beschuldigten auch aus, 
dass dieser an der Schlägerei vom 12. November 2021 beteiligt gewesen sei. 

Der Beschuldigte ging bei Vorhalten schliesslich auch auf Gegenangriffe über. So, 
indem er angab, der Privatkläger verkaufe Drogen und habe ihm wegen seiner Dro-
genschulden mit einer Anzeige gedroht (pag. 644, Z. 215 ff.). Die Zeugen würden 
die Aussagen des Privatklägers stützen, weil er sie kostenlos mit Kokain versorge 
(pag. 642, Z. 116 ff.; pag. 645, Z. 282 ff.; vgl. aber auch pag. 41, Z. 356 ff.; pag. 327, 
Z. 129 ff.). Oder indem er aussagte, dass D.________ Falschaussagen mache, weil 
dieser ebenfalls Kokain verkaufe und sich «vor dieser Angelegenheit retten» wolle 
(pag. 644 Z. 243 ff.) bzw. jeder mache, was er wolle, um sich zu schützen (pag. 1902, 
Z. 43). Da D.________ von sich aus gegenüber der Staatsanwaltschaft angegeben 
hatte, Drogen verkauft zu haben (pag. 235, Z. 237 ff.), macht die Aussage des Be-
schuldigten, wonach D.________ die Falschaussage mache, um sich wegen der 
Drogengeschäfte zu retten, keinen Sinn. 

27

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten in wesentlichen Teilen wider-
sprüchlich, mit Gegenangriffen behaftet und – insbesondere auch mit Blick auf die 
übrigen Beweismittel (vgl. nachfolgend) – wenig glaubhaft. Daran vermag der Um-
stand nichts zu ändern, dass er sich im Rahmen der Anhaltung vom 9. Dezember 
2021 kooperativ verhalten bzw. den Polizisten die Türe geöffnet hat. Der Beschul-
digte befand sich zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht mehr im Asylzentrum und 
konnte nicht wissen, dass er zur Verhaftung ausgeschrieben war. Zudem lässt sich 
aus dem Umstand, dass er freiwillig seinen Spitznamen «T.________» zu Protokoll 
gegeben hat, ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dem Beschuldigten wurde 
bereits mitgeteilt, dass es um einen Vorfall u.a. mit dem Privatkläger gehe und er 
gab von Beginn weg zu, diesen zu kennen (pag. 630, Z. 187 f.). Insgesamt kann auf 
die Aussagen des Beschuldigten nicht abgestellt werden. 

9.4.2 Aussagen des Privatklägers

Die Vorinstanz erwog zu den Aussagen des Privatklägers, dass sich die Einvernah-
men mit diesem als schwierig gestaltet hätten, dies wohl u.a. aufgrund der Sprache 
(Dialekt versus Hocharabisch respektive Französisch), teilweise wegen der Akustik 
und weil der Privatkläger nicht immer ganze Sätze formuliert habe. Entsprechend 
könne nur dort auf seine Aussagen abgestellt werden, wo diese durch objektive Be-
weismittel oder andere Aussagen gestützt würden (S. 5 der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 1536). 

Die Kammer teilt diese Auffassung nicht. Einzig gestützt darauf, dass sich Einver-
nahmen als schwierig gestalten, kann nicht auf deren (reduzierten bzw. gar fehlen-
den) Beweiswert geschlossen werden. Es sind vielmehr die gesamten Aussagen und 
die Umstände zu analysieren. Sieht man sich die erste tatnächste Einvernahme vom 
14. November 2021 an (pag. 497 ff.), dann dauerte diese von 11.05 Uhr bis 14.23 
Uhr (also ca. 3.5 Stunden) und fand im Spital statt. In dieser Einvernahme machte 
der Privatkläger ausführliche Aussagen (siehe untenstehende Ausführungen) und es 
finden sich keine Anhaltspunkte darauf, dass sich die Einvernahme schwierig gestal-
tet hätte oder aufgrund seines vorherigen Alkohol- oder Drogenkonsums nicht darauf 
abzustellen wäre. Auch in der zweiten Einvernahme vom 15. November 2021 (pag. 
513 ff.), die von 18.11 Uhr bis um 19.40 Uhr auf der Bewachungsstation des Insel-
spitals erfolgte, finden sich keine Anhaltspunkte auf Schwierigkeiten in der Einver-
nahme. Die dritte Einvernahme vom 22. Januar 2022 (pag. 522 ff.), die mit dem glei-
chen Übersetzer der zweiten Einvernahme stattfand, war von 10.40 Uhr bis um 13.15 
Uhr auf dem Polizeiposten. Auch hier finden sich keine Anhaltspunkte für Schwierig-
keiten bei der Einvernahme. Erst anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwalt-
schaft am 21. April 2022 (pag. 535 ff.), an der ein neuer Übersetzer teilnahm, kam 
es offenbar zu Schwierigkeiten und der Privatkläger machte nicht ganze Sätze (siehe 
Verbal auf pag. 543). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. November 
2022 übersetzte wiederum eine neue Übersetzerin und es kam zu Verständnis-
schwierigkeiten. Insgesamt kann somit gesagt werden, dass anlässlich der ersten 
drei Einvernahmen keine Schwierigkeiten protokolliert wurden oder ersichtlich sind. 
Die beiden letzten Einvernahmen wurden von anderen Übersetzungspersonen pro-
tokolliert und offenbar spielte auch die Akustik eine Rolle bei den Schwierigkeiten. 
Damit kann nicht pauschal gesagt werden, auf die Aussagen des Privatklägers 

28

könne nur dort abgestellt werden, wo diese durch objektive Beweismittel oder andere 
Aussagen gestützt würden, sondern sie sind anhand der gängigen Kriterien zu ana-
lysieren. Dasselbe gilt auch für die Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung, 
wo der Privatkläger angab, den Übersetzer zu verstehen (pag. 1885, Z. 15 f.). Dieser 
musste in der Folge zwar teilweise nachfragen, da der Privatkläger nicht deutlich 
gesprochen habe, darüberhinausgehende Schwierigkeiten gab es indessen nicht. 

Der Privatkläger, der am 14.November 2021 erstmals befragt wurde, machte in der 
freien Erzählung konkrete und weitreichende Aussagen. So konnte er angeben und 
anhand eines Profilfotos auf seinem Mobiltelefon auch zeigen, welche Personen sich 
in der Dreiergruppe von Algeriern, die am Vorfall beteiligt gewesen seien, befunden 
hätten (pag. 499, Z. 60 ff.; pag. 501, Z. 191; Fotos auf dem Mobiltelefon auf pag. 507 
ff.). Dabei machte er differenzierte Aussagen, indem er angab, der Dritte namens 
«W.________» sei nur danebengestanden und habe nichts gemacht (pag. 499, Z. 
79 ff.; pag. 501, Z. 176 f.; pag. 500, Z. 116). Dass die dritte Person nicht an der 
Auseinandersetzung beteiligt war, wurde auch von L.________ (pag. 568, Z. 21; 
pag. 573, Z. 56 ff., Z. 68 f.) und von E.________ (pag. 558, Z. 106 ff.) ausgesagt. 
Der Privatkläger konnte konkret angeben, wer den Pfefferspray eingesetzt und dass 
es sich dabei um einen grossen Spray gehandelt habe. Dabei konnte er detailliert 
und mit Nebensächlichkeiten erklären, dass der Beschuldigte zunächst nur den 
Spray gezeigt und den Einsatz angedroht habe, diesen aber noch nicht eingesetzt 
habe, sondern ein paar Schritte weiter weggegangen sei. Danach habe der Beschul-
digte erst aus einer Distanz von 1.5m mit dem Spray gegen sein Gesicht gesprayt 
und sie alle getroffen (pag. 499, Z. 98 ff.; pag. 501, Z. 183 ff.; pag. 501 f., Z. 195 ff.). 
Weiter konnte er differenziert und mit Nebensächlichkeiten untermalt angeben, wie 
er sich nach dem Ansprayen mit dem Pfefferspray verhalten habe (nichts mehr ge-
sehen, auf dem Boden gekniet und sein Gesicht mit den Händen bedeckt), wie mit 
der Unterseite des Pfeffersprays in sein Gesicht geschlagen worden sei und wie er 
am linken Arm festgehalten worden sei, so dass «der andere» ihn ins Gesicht habe 
schlagen können (pag. 499 f., Z. 102 ff.; pag. 502, Z. 201 f.). Er gab an, dass 
D.________ ihn gehalten und der Beschuldigte ihm eine Kopfnuss ins Gesicht ge-
geben habe (pag. 505, Z. 370 ff.). 

Der Privatkläger wies aber auch darauf hin, wenn er etwas (mehr) nicht wusste. So 
sagte er etwa auch aus, dass er nicht wisse, wer ihn festgehalten habe, da er nichts 
mehr gesehen habe (pag. 501, Z. 115 f.). Er wisse zwar, dass D.________ bei der 
Begrüssung eine Bierflasche in der Hand gehabt habe, ob dieser auch damit ge-
schlagen habe, wisse er aber nicht, da er nicht gut habe sehen können (pag. 500, Z. 
120 ff.). Später gab er jedoch an, D.________ habe ihn mit der Bierflasche geschla-
gen (pag. 502, Z. 206 f.). Er habe das Gefühl gehabt, dass ihm mit der Flasche ein-
mal gegen das Auge geschlagen worden sei, er habe dies aber nicht sehen können 
(pag. 502, Z. 221 f.). Ihm sei mit dem Fuss ins Gesicht getreten worden. Wie oft, 
könne er aber nicht sagen (pag. 505, Z. 366 ff.). Hätte der Privatkläger den Beschul-
digten und D.________ zu Unrecht belasten wollen, hätte er kaum solche Erinne-
rungslücken eingestanden und nicht offengelegt, wenn er etwas nicht selber gese-
hen hat bzw. sich nicht sicher war. Der Privatkläger gab zunächst an, er habe nur 
akustisch gehört, wie E.________ geschlagen worden sei (pag. 504, Z. 306 f.). Wes-

29

halb er den Beschuldigten als diejenige Person verdächtigte, die E.________ ge-
schlagen haben soll, konnte der Privatkläger erklären. So gab er an, der Beschul-
digte habe aufgehört ihn zu schlagen. Danach habe er [der Privatkläger] hören kön-
nen, wie der Beschuldigte E.________ schlage (pag. 504, Z. 307 ff.; zu den diesbe-
züglichen Aussagen an der Berufungsverhandlung, vgl. nachfolgend). Den Grund für 
die Auseinandersetzung konnte er nicht benennen (pag. 503, Z. 260 ff.). Der Privat-
kläger griff den Beschuldigten und D.________ insofern an, als er angab, diese bei-
den wollten den Vorplatz der O.________ kontrollieren. Diese hätten am 13. Novem-
ber 2021 einen Mann aus Algerien mit einer Bierflasche niedergeschlagen (pag. 503, 
Z. 247 ff.). 

Der Privatkläger blieb auch in der nachfolgenden Einvernahme vom 15. November 
2021 bei seinen Aussagen, wonach der Beschuldigte, Spitzname T.________ (pag. 
517, Z. 167 f.), und D.________ ihn verletzt hätten (pag. 514, Z. 52 ff.). Die dritte 
Person mit Übernamen «W.________» habe nichts gemacht (pag. 516, Z. 110 ff.). 
Er bezeichnete weiterhin den Beschuldigten als denjenigen, der ihn mit dem Pfeffer-
spray besprüht und – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – später mit der Unter-
seite des Pfeffersprays ins Gesicht geschlagen habe (pag. 515, Z. 77 ff.). Er konnte 
auch in dieser Einvernahme differenzieren, dass ihm D.________ den Ellbogen ge-
brochen habe und dass ihm mittels Fusstritten ins Gesicht / in den Kopf getreten 
worden sei. Er zeigte dabei auch, wohin er getreten worden sei (rechte Gesichts-
hälfte bzw. Ohr und linke Oberlippe, auf welchen Schrammen sichtbar waren; pag. 
515, Z. 67 ff.). Auch in dieser Einvernahme gab er an, wenn er etwas nicht gesehen 
hat. So erklärte er, dass er nicht wisse, was passiert sei, nachdem er mit der Flasche 
verletzt worden sei, da er nichts mehr gesehen habe (pag. 515, Z. 73 ff.). Er wisse 
nicht, ob ausser dem Pfefferspray und der Bierflasche weitere Gegenstände benutzt 
worden seien, da er dies nicht gesehen habe (pag. 515, Z. 99 ff.). Zum Beginn der 
Auseinandersetzung konnte er detailliert und mit Nebensächlichkeiten angeben, 
dass D.________ ihn gegrüsst und der Beschuldigte zunächst noch telefoniert habe. 
Danach sei der Beschuldigte zu ihm gekommen und habe ihm mit dem Spray ins 
Gesicht gesprüht (pag. 515, Z. 103 ff.). Zum Beschuldigten konnte er sagen, dass 
dieser in der Schweiz gewesen, danach nach Frankreich ausgereist und nun wieder 
in die Schweiz zurückgekommen sei (pag. 516, Z. 151 ff.). Damit macht er diesbe-
züglich deckungsgleiche Aussagen wie der Beschuldigte (pag. 628, Z. 103 ff.; pag. 
646, Z. 344 ff.). 

In der dritten Einvernahme vom 27. Januar 2022 bestätigte der Privatkläger seine 
bisherigen Angaben. Er gab wiederum an, dass die Gruppe um den Beschuldigten 
aus insgesamt drei Personen bestanden habe, dass er sich normal mit D.________ 
und «W.________» unterhalten habe und dass der Beschuldigte ihm danach mit 
dem Spray gedroht und ihm ins Gesicht gesprayt habe (pag. 525 f., Z. 112 ff.). Die 
dritte Person namens «W.________» habe sich nicht an der Auseinandersetzung 
beteiligt (pag. 530, Z. 361 ff.). Auch konnte er detailliert angeben, dass er nach dem 
Einsatz des Sprays auf dem Boden gesessen und mit seinem Schal versucht habe, 
die Augen und das Gesicht zu reinigen (pag. 526, Z. 157 ff.). Er bestätigte wiederum, 
dass D.________ ihn am linken Arm festgehalten und der Beschuldigte ihm eine 
Kopfnuss verpasst habe (pag. 528, Z. 242 ff.). Auch in dieser Einvernahme gab er 
an, wenn er etwas nicht wusste. So gab er an, er habe mehrere Schläge erhalten, 

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wohin er überall er geschlagen worden sei, wisse er nicht, da er nichts mehr gesehen 
habe (pag. 526, Z. 184 f.). Wann das mit dem Festhalten und der Kopfnuss zeitlich 
gewesen sei, wisse er nicht ganz sicher. Es sei am Anfang gewesen. Er habe zwar 
gesehen, wie D.________ eine Bierflasche in der Hand gehalten habe, habe aber 
nicht gesehen, wie ihn dieser damit geschlagen habe, sondern nur gespürt, dass ihn 
D.________ an die linke Wange geschlagen habe (pag. 527, Z. 193 ff.). Er habe 
mehrere Schläge erhalten, könne aber, da er nichts gesehen habe, nicht sagen, wer 
ihn wie oft wohin geschlagen habe (pag. 528, Z. 287 f.). Wie lange der Angriff ge-
dauert habe, könne er nicht sagen (pag. 528, Z. 271 f.). Er glaube, beide hätten ihn 
mit dem Fuss getreten, er wisse es aber nicht (pag. 529, Z. 303 f.). Wie oft und wohin 
er getreten worden sei, wisse er nicht (pag. 529, Z. 306 f.). Er habe nicht gesehen, 
wer E.________ geschlagen habe, denke aber, dass es der Beschuldigte gewesen 
sei, da er nur D.________ neben sich gehört habe und der andere bei E.________ 
gestanden sei. Er wisse nicht, ob sie mehrere Schläge erhalten habe und könne 
auch nicht sagen, wie sie auf die Gewaltanwendung reagiert habe (pag. 529, Z. 325 
ff.). Der Privatkläger aggravierte auch nicht. So erklärte er zur Intensität der Faust-
schläge, diese seien «mittel» gewesen, es habe weh getan (pag. 529, Z. 293 ff.). 
Weiter sagte er auf die Frage, ob er mit einer zerbrochenen Flasche geschlagen 
worden sei, aus, die Flasche sei ganz gewesen und er habe auch nicht gehört, dass 
etwas zerbrochen sei (pag. 527, Z. 205 ff.). Auf die Frage, wie oft er mit der Flasche 
geschlagen worden sei, gab er an, er habe das Gefühl, es sei der letzte Schlag ge-
wesen. Er habe dies nicht gesehen, habe aber etwas am linken Auge gespürt (pag. 
527, Z. 212 ff.).

Er konnte auch zum örtlichen Verlauf der Auseinandersetzung detaillierte Angaben 
machen. Auf dem Gehweg sei er am Boden gelegen und sie hätten mit dem Fuss 
gegen ihn getreten (pag. 529, Z. 297 ff.). Weiter gab er an, dass die Auseinander-
setzung oben angefangen, er sich gelöst habe und nach unten gegangen sei, die 
Auseinandersetzung auf den Grünstreifen weitergegangen sei und er schliesslich 
auf der Strasse gelandet sei. Danach sei er Richtung X.________ bergab und dar-
aufhin sei er wieder nach oben gegangen. Nur er sei auf die Strasse hinuntergefallen 
(pag. 524, Z. 75 ff.). Auch hier differenzierte er in seinen Aussagen, indem er auf die 
Frage, ob er hinuntergestossen worden oder hinuntergefallen sei, angab, es sei 
während dem «schlegle» passiert. Er habe zu dem Zeitpunkt auch nicht so viel ge-
sehen (pag. 525 Z. 94 ff.). Der Privatkläger hat zwar erst anlässlich seiner dritten 
Einvernahme davon gesprochen, dass er auf die Strasse gefallen sei, er wurde aber 
auch erst zu diesem Zeitpunkt näher zum Ort des Geschehens befragt. Insofern han-
delt es sich hierbei nicht um einen Widerspruch. Zeitlich konnte er differenziert an-
gaben, dass der Schlag mit der Spraydose zu Beginn der Auseinandersetzung, als 
er am Boden gekniet sei, erfolgt sei (pag. 526, Z. 187 ff.). Die Verletzung am linken 
Auge sei nach dem Hinunterfallen auf die Strasse, als er wieder nach oben gegangen 
sei und sich auf dem Gehweg befunden habe, passiert (pag. 525, Z. 105 f.; 
pag. 527, Z. 231 ff.). Als Nebensächlichkeit gab er an, dass die beiden während der 
Schlägerei geschrien hätten, er aber nicht wisse, was geschrien worden sei, da er 
mit sich selber beschäftigt gewesen sei (pag. 528, Z. 274 ff.). Speziell ist seine Aus-
sage, wonach ihm ein Freund des Beschuldigten gesagt habe, der Beschuldigte 

31

halte sich in V.________ in Frankreich auf. Der Privatkläger solle ihn dort aufsuchen, 
damit sich der Beschuldigte bei ihm entschuldigen könne (pag. 531, Z. 405 ff.). 

In seiner Einvernahme vom 21. April 2022 machte der Privatkläger weniger detail-
lierte Aussagen und es musste immer wieder nachgefragt werden (pag. 539 f.). Of-
fenbar gestaltete sich die Einvernahme mit ihm aufgrund der Übersetzung und weil 
er nicht ganze Sätze machte als schwierig (pag. 543, Z. 277 ff.). Auch in dieser Ein-
vernahme gab er aber an, wenn er etwas nicht wusste. So konnte er sich nicht daran 
erinnern, ob er nebst den Fusstritten an den Kopf und ins Gesicht auch Fusstritte 
gegen den Körper erhalten habe (pag. 540, Z. 161 ff.). Auch habe er nicht gesehen, 
wer E.________ geschlagen habe (pag. 539, Z. 148). Wer ihn mit der Faust ins Auge 
geschlagen hat, habe er nicht gesehen (pag. 540, Z. 178 ff.). Im Gegensatz zur letz-
ten Einvernahme konnte er sich nicht daran erinnern, ob der Beschuldigte und 
D.________ etwas gesagt hätten (pag. 541, Z. 187 ff.). Er sei den Abhang und dann 
auf die Strasse hinuntergestürzt. Bei welchem Sturz er sich den Ellbogen verletzt 
habe, wisse er nicht (pag. 542 f., Z. 250 ff.). Der Privatkläger bestätigte, dass es sich 
beim Schlag gegen das Auge um den letzten Schlag gehandelt habe (pag. 542, Z. 
233 ff.). Es sei kein Foto am Tatort herumgezeigt worden, da er ja die Täter kenne. 
Er habe niemandem vor Ort, auch nicht der Polizei, gesagt, wer die Täter seien (pag. 
541, Z. 217 ff.). 

Auch an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung musste der Privatkläger immer wie-
der aufgefordert werden auszusagen und es musste wiederholt nachgefragt werden. 
Soweit er Aussagen machte, waren seine Aussagen konstant. So gab er wiederum 
an, der Beschuldigte habe «das Gas» hervorgeholt, ihn damit besprüht und auch 
damit geschlagen. Er sei mehrmals geschlagen worden, könne aber nicht sagen, wie 
oft (pag. 1420, Z. 16 ff.). Er sei hinuntergefallen und sei dann wieder zurückgegangen 
(pag. 1420, Z. 19 f.; pag. 1422, Z. 9). Den Ellbogen habe er sich beim Sturz verletzt 
(pag. 1419, Z. 4 ff.; pag. 1422, Z. 19). Der Schlag am Auge sei der letzte Schlag 
gewesen (pag. 1422, Z. 13, Z. 19). Im Rahmen der Berufungsverhandlung bestätigte 
der Privatkläger im Wesentlichen seine früheren Aussagen, auch wenn diese weni-
ger detailliert ausfielen. Dies ist angesichts des Zeitablaufs seit dem Vorfall aber nicht 
aussergewöhnlich. Wiederum klar zu Protokoll gab der Privatkläger, dass sich so-
wohl D.________ wie auch der Beschuldigte physisch an der Auseinandersetzung 
beteiligt hätten (pag. 1886, Z. 10 ff., Z. 20 ff.; pag. 1887, Z. 28 f.; zuvor: pag. 499, Z. 
75 ff., Z. 98 ff.; pag. 501, Z. 191; pag. 514, Z. 54 ff.; pag. 524, Z. 64; pag. 541, Z. 206 
ff.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung legte der Privatkläger offen, wenn er 
sich bei etwas nicht sicher war. Er wiederholte, dass er von zwei Personen, 
D.________ und A.________, geschlagen worden sei (pag. 1886, Z. 7 ff.). Er könne 
aber nicht sagen, welcher der beiden ihn auf das Auge geschlagen habe (pag. 1886, 
Z. 21 f.). Er wisse nicht, wie das mit dem Pfefferspray passiert sei, er habe danach 
nichts mehr gesehen (pag. 1887, Z. 25). Er habe die Schläge nur gespürt und könne 
nicht sagen von was (pag. 1887, Z. 34 f.). Auf Frage, ob der Beschuldigte ihn mit den 
Füssen gegen den Kopf getreten habe, gab er an, vielleicht, er habe nichts mehr 
gesehen (pag. 1888, Z. 32 f.). Im Gegensatz zu seiner früheren Aussage, wonach er 
lediglich vermute, der Beschuldigte habe E.________ geschlagen, führte der Privat-
kläger nunmehr aus, er habe gesehen – zwischendurch habe er die Augen öffnen 
können – dass der Beschuldigte E.________ geschlagen habe (pag. 1889, Z. 31 ff.). 

32

Auch wenn es sich hierbei um eine Abweichung handelt, vermag diese die sonst 
glaubhaften Aussagen des Privatklägers nicht in Frage zu stellen, dies nicht zuletzt 
auch mit Blick darauf, dass er betreffend die ihm zugefügten Schläge klar sagte, 
wenn er nicht wusste, von wem diese konkret gekommen sind. Der Kammer fiel denn 
auch auf, dass der Privatkläger – welcher vorab um Konfrontationsvermeidung er-
suchte – anlässlich seiner oberinstanzlichen Einvernahme unter Druck stand. Schon 
zu Beginn der Einvernahme führte er aus, dass er nicht lange machen und nicht über 
das Verfahren reden möchte (pag. 1885, Z. 30). Er habe schlechte Erinnerungen 
(pag. 1891, Z. 31). Er bestätige seine Aussagen und möchte den Saal so schnell wie 
möglich verlassen (pag. 1885, Z. 35). Auf die Frage, ob der Beschuldigte mit ihm 
Kontakt aufgenommen habe, antwortete er dann zunächst mit: «Ich möchte nicht 
antworten» (pag. 1891, Z. 38 f.), und verneinte schliesslich die wiederholte Nach-
frage nach einer Kontaktaufnahme (pag. 1892, Z. 1 ff.). 

Insgesamt machte der Privatkläger insbesondere in seiner ersten und zweiten Ein-
vernahme detaillierte und konstante Aussagen. Er kannte den Beschuldigten, 
D.________ und die dritte Person, weshalb er sie ohne Weiteres gegenüber der Po-
lizei identifizieren konnte. So konnte er auch angeben, dass der Beschuldigte vor 
dem Vorfall einige Zeit in Frankreich war, was mit dessen Aussagen übereinstimmt. 
Weiter konnte er sowohl zum zeitlichen als auch zum örtlichen Ablauf detaillierte und 
differenzierte Angaben machen. Zudem konnte er – soweit seine Sicht nicht durch 
den Reizstoffspray eingeschränkt war – auch sagen, wer was gemacht hat. Er ag-
gravierte nicht und gab an, wenn er etwas nicht wusste. Hätte der Privatkläger den 
Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen (z.B. wegen Drogenschulden), hätte er 
kaum Erinnerungslücken eingestanden und von sich aus offengelegt, wenn er etwas 
nicht selber gesehen hat bzw. nicht sicher war. Der von ihm geschilderte Hergang 
stimmt sodann mit dem Verletzungsbild überein, das aus dem Gutachten des IRM 
vom 30. Dezember 2021 hervorgeht (pag. 444 ff.). Dass es der Beschuldigte war, 
der den Reizstoffspray eingesetzt haben soll, sagten im Übrigen auch D.________ 
(pag. 1428, Z. 35 ff.; pag. 1429, Z. 1 ff.) und L.________ (Nr. 10 oder 11: pag. 569, 
Z. 26 ff., Z. 46 ff.; pag. 572, Z. 28 f.; pag. 574, Z. 125 ff.; pag. 579 ff.) aus.

Auch wenn der Privatkläger in seinen letzten Einvernahmen nicht mehr so detailliert 
aussagte und immer wieder nachgefragt werden musste, so blieb er in seinen Aus-
sagen konstant, selbst wenn diese teilweise den Aussagen der übrigen Zeugen wi-
dersprach, was gegen eine abgesprochene Geschichte spricht. Auf seine detaillier-
ten, differenzierten und mit vielen Realitätskriterien versehenen Aussagen kann des-
halb abgestellt werden. Ein Grund für eine Falschbezichtigung ist nicht ersichtlich. 
Der vom Beschuldigten vorgebrachte Grund, wonach er dem Privatkläger aus Dro-
genkäufen CHF 2'000.00 schulde und ihn dieser deshalb zu Unrecht beschuldige, 
ist – wie bereits bei der Aussagenanalyse zum Beschuldigten dargelegt – wenig ein-
leuchtend und nicht glaubhaft. 

9.4.3 Aussagen von D.________

Dieser gab in seinen ersten Einvernahmen an, vor Ort hätten der Beschuldigte und 
der Privatkläger einen Streit gehabt. Er selber sei lediglich dazwischen gegangen 
und habe sonst nichts gemacht (pag. 658, Z. 53 ff.; pag. 659, Z. 93 ff., Z. 124 f.; pag. 
661, Z. 185 ff., Z. 221 ff.; pag. 662, Z. 231 ff.; pag. 234, Z. 199 ff.; pag. 681, Z. 50 ff.; 

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pag. 682, Z. 101 ff.). Seine Aussage, wonach er alleine mit dem Lift auf die 
J.________ hinauf- und wieder hinuntergefahren sei, widerspricht den edierten Vi-
deoaufnahmen der Anlage, auf welchen er in der fraglichen Zeit zwischen 21.15 Uhr 
und 22.15 Uhr nicht zu sehen ist (Berichtsrapport vom 31. Januar 2022: pag. 357 
««20.11.2021: Edition der Videoaufzeichnungen der Y.________ AG»). Er gab an, 
er sei alleine bei der O.________ gewesen und habe den Beschuldigten längere Zeit 
nicht mehr gesehen (pag. 659, Z. 109 ff.; pag. 234, Z. 218 ff.; pag. 237, Z. 324 f.). 
Diese Aussage widerspricht aber dem auf seinem Mobiltelefon sichergestellten Foto 
auf pag. 862 f. und dem von der Rechtsanwältin des Beschuldigten eingereichten 
Foto auf pag. 1609 (siehe obige Ausführungen zum Aussageverhalten des Beschul-
digten). In seinen späteren Einvernahmen korrigierte D.________ denn auch seine 
entsprechende Aussage und gab an, er sei damals zusammen mit dem Beschuldig-
ten unterwegs gewesen (pag. 338, Z. 60). D.________ machte auch unterschiedli-
che Aussagen, wer mit dem Pfefferspray ge