# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab7a5513-c8fb-518b-ad4e-9d164980ad55
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-09
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Verbandsbeschwerde. Verzicht auf Unterschutzstellung einer genossenschaftlichen Wohnsiedlung in Zürich.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0057/2021
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0057-2021_vom_9._april_2021.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2020.05140 
0057/2021 

Entscheid vom 9. April 2021 

Mitwirkende 

Abteilungsvizepräsident  Claude  Reinhardt,  Ersatzrichterin  Marlen  Patt, 
Baurichter Christian Hurter, Gerichtsschreiber Andreas Mahler     

in Sachen 

Rekurrent 

Zürcher Heimatschutz ZVH, Neptunstrasse 20, 8032 Zürich  

vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegner 

1.  Stadtrat von Zürich, Stadthausquai 17, 8022 Zürich  

vertreten durch Rechtsdienst des Hochbaudepartement der  
Stadt Zürich, Amtshaus IV, Lindenhofstrasse 19, 8001 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Baugenossenschaft L. […] 

vertreten durch […] 

betreffend 

Beschluss des Stadtrates […]; Verzicht auf Unterschutzstellung und Entlas-
sung aus dem Inventar […] 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 
Gemäss Beschluss vom 2. September 2020 verzichtet der Stadtrat von Zü-

rich  auf  die  Unterschutzstellung  der Wohnsiedlung  H.  an  der  G.-Strasse 1 

ff. und H.-Strasse 1 ff. in Zürich (Kat.-Nrn. 1, 2, 3, 4) und entlässt diese aus 

dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommu-

naler Bedeutung, sobald die Baubehörde – gestützt auf eine rechtskräftige 

Baubewilligung  auf  der  Grundlage  eines  Feststellungsbeschlusses  des 

Stadtrates – die Baufreigabe für die Ersatzneubauten erteilt hat und in der 

Folge ein Abbruch erfolgt ist.  

B. 
Gegen diesen Entscheid erhob der Zürcher Heimatschutz ZVH mit Eingabe 

vom 19. Oktober 2020 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kan-

tons  Zürich  und  beantragte  die  Aufhebung  des  Entscheides  unter  Kosten- 

und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Rekursgegnerschaft.  Der  Stadtrat 

sei  einzuladen,  die  Wohnsiedlung  H.,  eventualiter  den  Kopfbau  und  die 

nördlichste Häuserzeile, unter Schutz zu stellen. 

C. 
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2020 wurde der Rekurseingang vorgemerkt 

und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

D. 
Mit  Eingaben  vom  23. November  2020  beantragten  sowohl  die  Vorinstanz 

wie  die  Mitbeteiligte  die  Abweisung  des  Rekurses  unter  Kosten-  und  Ent-

schädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten. 

E. 
Mit  Replik  vom  21. Dezember 2020  bzw.  Dupliken  vom  28. Januar 2021 

und 1. Februar 2021 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.  

R1S.2020.05140 

Seite 2 

 
 
F. 
Am 15. März 2021 führte die 1. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein 

der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

G. 
Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten Feststellungen wird, soweit zur Entscheidbegründung erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 
Gemäss  § 338b  Abs. 1  lit. a  des  Planungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  sind 

gesamtkantonal  tätige  Verbände,  die  sich  seit  wenigstens  zehn  Jahren  im 

Kanton  statutengemäss  dem  Natur-  und  Heimatschutz  oder  verwandten, 

rein ideellen Zielen widmen, zum Rekurs gegen Anordnungen und Erlasse 

berechtigt,  soweit  sich  diese  auf  den  III. Titel  (Natur-  und  Heimatschutz, 

§§ 203–217  PBG)  oder  § 238  Abs. 2 PBG  stützen.  Der  Rekurrent  erfüllt 

diese Voraussetzungen unbestrittenermassen. Da die übrigen Prozessvor-

aussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten. Soweit 

dies bei einzelnen Rügen und Anträgen nicht zutrifft, wird dies im Rahmen 

der nachfolgenden Ausführungen darzulegen sein. 

2. 
Der Rekurrent beanstandet zunächst, die Vorinstanz habe ihm nicht recht-

zeitig  Akteneinsicht  gewährt  und  das  Prozedere  sei  umständlich  und  zeit-

raubend gewesen. Sein Einsichtsrecht sei verletzt worden. 

Der  Rekurrent  war  trotz  der  geltend  gemachten  Unzulänglichkeiten  im  Zu-

sammenhang  mit  der  Akteneinsicht  in  der  Lage,  rechtzeitig  Rekurs  zu  er-

heben  und  den  angefochtenen  Beschluss  substantiiert  anzufechten.  Es 

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Seite 3 

 
 
liegt  kein  Mangel  vor,  der  zur  beantragten  Aufhebung  des  angefochtenen 

Beschlusses führen könnte. Auf die Rüge ist somit nicht weiter einzugehen. 

In  seiner  Replik beantragt  der  Rekurrent, "es  sei  der  Rekursgegner  einzu-

laden, die Akteneinsicht bei Inventarentlassungen so zu organisieren, dass 

die vollständigen Akten ohne Verzug eingesehen werden können." Weil die 

Rekursfrist von § 22 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) eine ge-

setzliche  Verwirkungsfrist  ist,  entfalten  nach  Fristablauf  vorgenommene 

Prozesshandlungen  grundsätzlich  keine  Rechtswirkungen  mehr.  Dies  je-

denfalls dann, wenn die angefochtene Anordnung rechtsgenügend eröffnet 

wurde.  Änderungen  oder  Ergänzungen  von  mit  der  Rekurserhebung  ge-

stellten  Anträgen  sind  somit  lediglich  innerhalb  der  Rekursfrist  möglich. 

Nach  Fristablauf  können  die  gestellten  Anträge  nur  noch  im  Sinne  eines 

Teilrückzugs  reduziert  werden.  Auch  die  Ausübung  des  Replikrechts  führt 

nicht dazu, dass nach Ablauf der Rekursfrist Rekursanträge geändert oder 

ergänzt werden können. 

Auf  den  Antrag  ist  somit  infolge  Verspätung  nicht  einzutreten.  Ausserdem 

hat der Antrag aufsichtsrechtlichen Charakter. Das Baurekursgericht ist für 

die Aufsicht über die Gemeinden nicht zuständig, weshalb es die verlangte 

Weisung  nicht  anordnen  könnte  (§ 164  Abs. 1  Gemeindegesetz  [GG]). 

Auch aus diesem Grund ist auf den Antrag nicht einzutreten. 

3. 
Der Rekurrent beantragt, es sei die gesamte Korrespondenz samt E-Mails 

im Kontext der Auftragserteilung der Machbarkeitsstudie zu edieren (Replik, 

S. 6). Diese Korrespondenz sei für das Verständnis der Machbarkeitsstudie 

und  des  angefochtenen  Beschlusses  von  Bedeutung.  Der  Rekurrent  ver-
mutet,  es  hätten Absprachen  zwischen der Vorinstanz  und  der  Mitbeteilig-

ten  oder  den  Verfassern  der  Machbarkeitsstudie  stattgefunden,  wie  diese 

Studie  ausgestaltet  werden  solle  und  von  welchen  Voraussetzungen  sie 

ausgehen soll. 

Die  Vorinstanz  erklärt,  es  gebe  bezüglich  der  Machbarkeitsstudie  keine 

Vereinbarungen zwischen ihr und der Mitbeteiligten und entsprechend kei-

ne  schriftliche  Auftragserteilung.  Es  existiere  auch  kein  E-Mail-Verkehr. 

Damit erübrigt sich die Anordnung der Aktenherausgabe. 

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Seite 4 

 
 
4.1. 
Der Rekurrent moniert eine fehlerhafte Sachverhaltsabklärung. Der Stadtrat 

stütze  seinen  Beschluss  u.a.  direkt  auf  eine  Machbarkeitsstudie,  die  die 

Mitbeteiligte habe erstellen lassen. Im angefochtenen Beschluss erwäge er 

Folgendes:  "Die  Baufreigabe,  welche  dem  Abbruch  einer  inventarisierten 

Baute vorausgeht, erfolgt gestützt auf eine rechtskräftige Baubewilligung für 

Ersatzneubauten,  die  das  Resultat  eines  Varianzverfahrens  sind  und  wel-

che  die  für  die  Inventarentlassung  massgeblichen  öffentlichen  Interessen 

berücksichtigen." Das genannte Varianzverfahren wiederum basiere auf der 

Machbarkeitsstudie. Letztere hätte also die öffentlichen Interessen und da-

mit  auch  die  Interessen  am  Erhalt  des  Schutzobjekts  erfassen  müssen. 

Obwohl laut Machbarkeitsstudie Grundlagen für einen möglichen Stadtrats-

entscheid betreffend eine Inventarentlassung hätten erarbeitet werden sol-

len,  sei  den  Verfassern  das  denkmalpflegerische  Gutachten  vom  4. Mai 

2009 nicht als Ausgangslage vorgegeben worden. Die Verfasser hätten das 

Gutachten zwar offenbar gekannt, die Resultate daraus aber nicht als Aus-

gangslage  in  die  Machbarkeitsstudie  übernommen,  weder  dessen  Antrag 

samt  konkreten  Vorschlägen  zur  Unterschutzstellung  noch  das  Fazit.  Die 

derart vorbereitete Inventarentlassung sei somit über zentrale Aspekte des 

Sachverhalts,  nämlich  die  klare  Schutzwürdigkeit  des  Kopfbaus  und  die 

weiteren  Aspekte,  wieso  die  Siedlung  schutzwürdig  sei,  nicht  informiert. 

Das vom Stadtrat ganz zentral in Erwägung gezogene Varianzverfahren sei 

somit von einem falschen Sachverhalt ausgegangen. Der Machbarkeitsstu-

die fehle der grundlegende Sachverhalt, von welchem die allfällige bauliche 

Veränderung eines Schutzobjekts zwingend ausgehen müsse. Es erstaune 

nicht,  dass  die  mit  der  Machbarkeitsstudie  beauftragten  Architekten,  ihrer 

Ausbildung und Natur gemäss, zu baulichen Veränderungen tendierten und 

eine  zurückhaltende  Entwicklung  im  Bestand  eher  ausschliessen  würden. 

Entsprechend konstatiere der angefochtene Beschluss, dass die Varianten 
mehrheitlich  eine  Entlassung  der  Siedlung  aus  dem  kommunalen  Inventar 

verlangen  würden.  Es  scheine,  so  der  Rekurrent,  als  ob  von  Beginn  weg 

habe  gebaut  werden  sollen und die Interessen der  Denkmalpflege  aussen 

vorgelassen worden seien. 

4.2. 
Der  Stadtrat  führt  aus,  die  Machbarkeitsstudie  zeige  acht  Varianten  auf, 

von einer Sanierung über Lösungen mit einem Teilerhalt bis zu einem Neu-

bau,  und  lasse  Einschätzungen  zu  den  einzelnen  öffentlichen  Interessen 

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Seite 5 

 
 
zu. Ziel der Studie sei nicht nur die Erarbeitung der Grundlagen für den an-

gefochtenen  Stadtratsentscheid,  sondern  auch  die  Eruierung  von  Mass, 

Form und Inhalt einer möglichen baulichen Entwicklung. Es treffe nicht zu, 

dass sich der Stadtrat "massgeblich auf die Machbarkeitsstudie" abgestützt 

habe,  wie  der  Rekurrent  behaupte.  Die  Abwägung  der  verschiedenen  öf-

fentlichen  und  privaten  Interessen  sei  nicht  Funktion  der  Machbarkeitsstu-

die,  sondern  Aufgabe  der  Denkmalbehörde.  Es  könne  auch  nicht  gesagt 

werden, das Varianzverfahren basiere auf der Machbarkeitsstudie. Die Mit-

beteiligte habe für ein Bauprojekt verschiedene Varianten ausarbeiten las-

sen. Diese seien unter anderem durch das Amt für Städtebau im Rahmen 

des  Varianzverfahrens  analysiert  und  bewertet  worden.  Die  Erkenntnisse 

aus  der  Machbarkeitsstudie  seien  für  diesen  Prozess  zweckdienlich,  aber 

nicht  hinreichend.  Das  Varianzverfahren  komme  erst  zu  einem  späteren 

Zeitpunkt  (Planungsphase;  Vorfeld  der  Baubewilligung)  zur  Anwendung. 

Nebst  dem  Grad  der  Berücksichtigung  der  unterschiedlichen  öffentlichen 

Interessen  erlaube  ein  Varianzverfahren  auch,  anhand  konkreter  Projekte 

oder  Projektvarianten  städtebauliche  Aspekte  (etwa  eine  Kontinuität  der 

Formensprache eines Ersatzneubauprojekts) und Gestaltung eines Baupro-

jekts  zu  berücksichtigen  –  Aspekte  also,  welche  die  Machbarkeitsstudie 

nicht  zu  berücksichtigen  gehabt  habe.  Zur  Berücksichtigung  des  Gutach-

tens  in der  Machbarkeitsstudie  sei festzuhalten,  dass  das  Gutachten  zwar 

die Schutzwürdigkeit abgeklärt habe, in der Folge aber nicht zu einem ent-

sprechenden  Schutzentscheid  geführt  habe.  Insofern  sei  das  Gutachten 

rein  formal  keine  verpflichtende,  rechtsverbindliche  Rahmenbedingung, 

welche bei der Erarbeitung unterschiedlicher Varianten zwingend hätte be-

rücksichtigt  werden müssen.  Überdies  sei das  Gutachten den  Autoren der 

Machbarkeitsstudie  (A.  GmbH, Zürich)  zur  Verfügung  gestellt  worden  und 

diese  hätten  das  Gutachten  zur  Analyse  der  Situation  sehr  wohl  herange-

zogen.  Dem  stehe nicht  entgegen,  dass  die B. GmbH,  Zürich,  welche den 
Teil "Baurechtliche Begleitung" der Machbarkeitsstudie übernommen habe, 

das Gutachten bei den Grundlagen nicht aufgelistet habe. Es treffe deshalb 

nicht zu, dass die Autorschaft der Machbarkeitsstudie nicht über sämtliche 

Aspekte  des  Sachverhalts  informiert  gewesen  sei.  Die  Varianten,  welche 

den Erhalt der Siedlung oder Teile davon berücksichtigen würden, seien in 

der Machbarkeitsstudie ebenfalls enthalten. Sie seien aber nicht zielführend 

und im Variantenvergleich denjenigen Varianten unterlegen, welche für die 

Weiterentwicklung  einen  vollständigen  Ersatz  erforderten.  Ziel  der  Mach-

barkeitsstudie  sei  gewesen,  einerseits  die  erwähnte  Klarheit  zu  erhalten 

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Seite 6 

 
 
über  die  baulichen  Möglichkeiten  und  andererseits  zwischen  Stadt  und 

Bauherrschaft  einen  Konsens  zu  erarbeiten  für  eine  Entwicklung  an  einer 

stadträumlich wichtigen Lage. Eine fehlerhafte Sachverhaltsabklärung liege 

nicht vor. 

4.3. 
Die  Mitbeteiligte  bringt  vor,  die  Machbarkeitsstudie habe  nicht  zur Klärung 

der  denkmalpflegerischen  Bedeutung  der  Siedlung  gedient,  sondern  als 

Grundlage  der  Interessenabwägung  bzw.  Verhältnismässigkeitsprüfung. 

Dementsprechend habe  die  Machbarkeitsstudie  auch  die  Schlussfolgerun-

gen  und  Anträge  des  denkmalpflegerischen  Fachgutachtens  nicht  stärker 

berücksichtigen  müssen.  Vielmehr  habe  der  Stadtrat  bei  der  Beurteilung 

der  denkmalpflegerischen  Bedeutung  das  Fachgutachten  beachten  müs-

sen.  Indem  der  Rekurrent  unterstelle,  die  Interessen  der  Denkmalpflege 

seien aussen vorgelassen worden, zeige er denn auch selber, dass er nicht 

die  Sachverhaltsermittlung,  sondern  allein  die  Interessenabwägung  bean-

stande. Dass der Rekursgegner seinen Entscheid auf eine fehlerhaft ermit-

telte denkmalpflegerische  Bedeutung  gestützt  hätte,  sei  dem  Rekurs  denn 

auch nicht zu entnehmen und auch sonst nicht ersichtlich. So bestreite der 

Rekurrent nicht, dass durch verschiedene Beeinträchtigungen die bauzeitli-

che  Gebäudesubstanz  stark  geschmälert  und  auch  das  äussere  Erschei-

nungsbild der Wohnsiedlung H. erheblich verändert worden sei, sodass ihre 

Zeugenschaft heute stark eingeschränkt sei. 

4.4. 
Die Machbarkeitsstudie Überbauung H. vom 3. September 2019 (act. 16.3) 

wurde im Auftrag der Mitbeteiligten und in Begleitung des Amts für Städte-

bau (AfS) verfasst. Ziel war es, der Grundeigentümerin Mass, Form und In-

halt einer möglichen baulichen Entwicklung aufzuzeigen. Es sollten zudem 
Grundlagen  erarbeitet  werden  für  einen  Stadtratsentscheid  betreffend  In-

ventarentlassung.  Es  wurden  verschiedene  Fälle  einander  gegenüberge-

stellt: Bestand (Ist-Zustand), Sanierung mit räumlicher Erweiterung (2 Vari-

anten;  gemäss  Regelbauweise  inkl.  Bestandesgarantie  und  Vorgaben 

Denkmalschutz und ISOS), Ersatzneubau (5 Varianten; in Zeilenbauweise, 

in  Regelbauweise  oder  mit  Gestaltungsplan)  und  ein  Vergleichsprojekt 

(zwecks  Ermittlung  des  maximal  zulässigen  Nutzungsmasses).  Zwei  der 

Ersatzneubau-Varianten sehen einen Teilerhalt vor, nämlich den Erhalt der 

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Seite 7 

 
 
Zeile  H.-Strasse  und  den  Ersatz  der  drei  südlichen  Zeilen  (Varianten  2b 

und 2c). 

Soweit ist festzuhalten, dass Varianten geprüft wurden, die von der Prämis-

se  einer  –  zumindest  teilweisen  –  Unterschutzstellung  (Sanierung)  oder 

aber  von  einer  Inventarentlassung  (Ersatzneubau)  ausgehen.  Es kann  so-

mit nicht gesagt werden, die Machbarkeitsstudie gehe von einem falschen 

Sachverhalt  aus,  indem  die  (mögliche)  Schutzwürdigkeit  nicht  berücksich-

tigt worden sei. Im Weiteren nimmt die Studie keine Wertung der Varianten 

vor, gibt keine Empfehlung ab und äussert sich insbesondere nicht zur Fra-

ge der Unterschutzstellung; dies war auch nicht ihr Zweck.  

Insofern  geht  die  Rüge  fehl,  das  Interesse  am  Erhalt  bzw.  das  denkmal-

pflegerische  Gutachten  sei  in  der  Studie  nicht  berücksichtigt  worden.  Für 

die  Machbarkeitsstudie,  die  verschiedene  Varianten  wertungsfrei  einander 

gegenüberstellt,  bedurfte  es  keiner  denkmalpflegerischer  Interessenabwä-

gung. Wenn in der Machbarkeitsstudie festgehalten wird, es sollten Grund-

lagen  erarbeitet  werden  für  einen  Stadtratsentscheid  betreffend  Inventar-

entlassung,  so  bedeutet  dies  selbstredend  nicht,  dass  es  sich  hierbei  um 

die  einzige  Entscheidungsgrundlage  der  Vorinstanz  handelte.  Die  Mach-

barkeitsstudie untersucht nicht die Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung. Sie 

diente  im  Rahmen  der  Schutzabklärung  lediglich  der  Beurteilung  der  Ver-

hältnismässigkeit  einer  allfälligen  Schutzmassnahme,  dies  nebst  weiteren 

Punkten, die in die Interessenabwägung einzubeziehen sind.  

Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz, soweit sie ihren Entscheid auf 

die  Machbarkeitsstudie  abstützte,  nicht  von  einem  falschen  Sachverhalt 

ausging.  

Das  Varianzverfahren  gelangt  erst  bei  der  Ausarbeitung  des  Bauprojekts 

zur  Anwendung  und  ist  im  vorliegenden  Unterschutzstellungsverfahren 

nicht von Belang. Entgegen der Auffassung des Rekurrenten zog der Stadt-

rat das Varianzverfahren im angefochtenen Entscheid nicht "zentral" in Er-

wägung.  Vielmehr  solle  das  Varianzverfahren  sicherstellen,  dass  (mit  den 

Ersatzneubauten)  eine  gute  städtebauliche  Gesamtlösung  und  eine  hohe 

architektonische  Qualität  im  Rahmen  der  Regelbauweise  realisiert  werden 

könne (angefochtener Beschluss, Erwägung auf Seite 3 unten).  

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Seite 8 

 
 
Auf  Seite 8  des  angefochtenen  Beschlusses  wird  folgendes  ausgeführt: 

"Die Baufreigabe [..] erfolgt gestützt auf eine rechtskräftige Baubewilligung 

für  Ersatzneubauten,  die  das  Resultat  eines  Varianzverfahrens  sind  und 

welche  die  für  die  Inventarentlassung  massgeblichen  öffentlichen  Interes-

sen berücksichtigen". Diese Erwägung betrifft die Bedingung, an die die In-

ventarentlassung geknüpft ist (s. dazu E. 7.4.). Es wird gesagt, dass die Er-

satzneubauten, an deren Qualität die Inventarentlassung suspensiv bedingt 

geknüpft ist, das Resultat eines Varianzverfahrens sein sollen. Weiter wird 

gesagt,  dass  die  Ersatzneubauten  denjenigen  öffentlichen  Interessen  die-

nen müssen, die für die Inventarentlassung massgeblich sind, d.h. sie müs-

sen das halten, was sich die Vorinstanz mit der Inventarentlassung von Er-

satzbauten  verspricht.  Entgegen  der  Auffassung  des  Rekurrenten  ergibt 

sich  aus  der  besagten  Erwägung  nicht,  dass  die  Vorinstanz  bezüglich  der 

öffentlichen Interessen am Erhalt der Wohnsiedlung auf das Varianzverfah-

ren oder die Machbarkeitsstudie abgestellt hat, zumal sich diese wie gesagt 

nicht mit der Frage der Schutzwürdigkeit an sich auseinandersetzen.  

Der  Rekurrent  blendet  aus, dass der  angefochtene  Beschluss einlässliche 

Erwägungen zur Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung enthält, die offensicht-

lich auf entsprechenden Sachverhaltsabklärungen beruhen. Die diesbezüg-

lichen sachverhaltlichen Feststellungen werden nicht beanstandet. Die Rü-

ge der mangelhaften Sachverhaltsabklärung erweist sich als unbegründet.  

5.1. 
Der Rekurrent rügt sodann, dass der Stadtrat die Interessenabwägung feh-

lerhaft  vorgenommen  habe.  Der  Stadtrat  begründe  die  Inventarentlassung 

mit Bedürfnissen, welche keinen Abbruch nötig erscheinen liessen oder die 

zumindest nicht als sonderlich wichtig erscheinen würden. Die Anliegen von 
Familienwohnungen  und  hindernisfreiem  Wohnen  könnten  in  der  beste-

henden  Substanz  verwirklicht  werden,  preisgünstiger  Wohnraum  bestehe 

bereits  und  das  Anliegen  der  Verdichtung  könne  kein  entscheidendes  Ar-

gument  sein. Bezüglich  Lärmgutachten  sei  anzumerken,  dass  gemäss  ak-

tueller Rechtsprechung ein Neubau möglicherweise gar nicht bewilligungs-

fähig  sei.  All  diese  Argumente  habe  der  Rekursgegner  nicht  genügend  in 

Erwägung  gezogen.  Die  Interessen  am  Erhalt  seien  gewichtig,  was  sich 

aus dem Gutachten und den Äusserungen der Denkmalpflege ergebe. Die 

Denkmalpflegekommission  hebe  explizit  hervor,  dass  der  Kopfbau  für  den 

R1S.2020.05140 

Seite 9 

 
 
H.-Platz eine wichtige ortsbildprägende Wirkung habe. Auch das Gutachten 

betone  die  städtebauliche  die  Bedeutung  des  Kopfbaus  am  H.-Platz  und 

erblicke  in  der Wohnkolonie H. einen  wichtigen  baukünstlerischen  und  so-

zialgeschichtlichen  Zeugen,  weshalb  im  Gutachten  beantragt  werde,  die 

Siedlung in ganz konkretem Umfang unter Schutz zu stellen. Die im ange-

fochtenen Beschluss aufgeführten störenden Eingriffe (Einfahrten in Tiefga-

ragen,  Liftanbauten,  vergrösserte  Balkone)  würden  den  Kopfbau  nicht  be-

treffen  und  könnten  durch  passendere  Lösungen  ersetzt  werden.  Die  Vo-

rinstanz wende sich gegen ihre Fachexperten, ohne Lücken, Widersprüche 

oder Fehler nachzuweisen. 

Der  Rekurrent  führt  aus,  der  Kopfbau  setze  einen  städtebaulichen  Akzent 

und – aus Sicht der Arbeiterbewegung im Arbeiterquartier A. – einen domi-

nanten  Kontrapunkt  jenseits  der  H.-Strasse,  als  Zeichen  des  Abschlusses 

und des Neuanfangs. Die Siedlung stelle ein wertvolles Beispiel eines auf-

gebrochenen Blocks als städtebauliches Muster dar, im Übergang von der 

Blockrandbebauung  zum  Zeilenbau.  Dazu  gehörten  der  hohe  Kopfbau, 

aber auch die anderen, niedrigeren Kopfbauten. Der Längsbau stehe etwas 

zurückversetzt von der Strasse und biete einen wohltuenden Vorgarten mit 

einem alleemässigen alten Baumbestand. Letztlich werde das Schutzobjekt 

aus dem Inventar entlassen, weil die mangelhaft informierte Machbarkeits-

studie  acht  Varianten  vorschlage,  bei  welchen  mehrheitlich  eine  Inventa-

rentlassung  verlangt  werde.  Konkret  lasse  sich  also  den  Bedürfnissen  der 

Mitbeteiligten  Rechnung  tragen,  was  die  Machbarkeitsstudie  belege.  Folg-

lich  hätte  der  Stadtrat  nicht  zu  einer  Inventarentlassung  schreiten  dürfen. 

Das  Interesse  am  Abbruch  überwiege  die  Interessen  am  Erhalt  der  Sied-

lung und mindestens am Erhalt des Kopfbaus und der nördlichsten, fünfge-

schossigen Häuserzeile nicht. Die Machbarkeitsstudie zeige, dass sich die 

Interessen in Übereinstimmung bringen liessen. 

5.2. 
Der  Stadtrat  weist  darauf  hin,  dass  die  Gemeindeordnung  die  schrittweise 

Anhebung  des  gemeinnützigen  Mietwohnungsanteils  auf  einen  Drittel  bis 
ins  Jahr  2050  verlange  (Art. 2quater  und  Art. 123  Gemeindeordnung  [GO]). 
Weiter  seien  die  Behörden  angewiesen,  Massnahmen  zu  treffen  zur  Ver-
dichtung der Siedlungsfläche (Art. 3 Abs. 3 lit. abis RPG). Der Stadtrat halte 
in  den Strategien  2035 fest, dass  Zürich über  ein  breites Wohnraumange-
bot  für  eine  vielfältige  Bevölkerung  verfügen  solle.  Der  Stadtrat  engagiere 

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Seite 10 

 
 
sich  insbesondere  für  Bevölkerungsgruppen,  denen  es  auf  dem  ange-

spannten  Wohnungsmarkt  schwerfalle,  eine  bezahlbare  Wohnung  zu  fin-

den.  Die  Genossenschaften  wie  auch  die  städtischen  Liegenschaften  im 

Fiskalvermögen spielten dabei eine zentrale Rolle. Weitere Ziele seien eine 

gute soziale Durchmischung, die Verhinderung von soziodemographischen 

"Inseln"  und  eine  nachhaltige  Entwicklung  auf  der  Basis  einer  2000-Watt-
Gesellschaft  (Art. 2ter  und  Art. 123 GO).  Ferner  sollen  Wohngebiete  vor 
schädlichen oder  lästigen  Einwirkungen  wie  Luftverschmutzung,  Lärm  und 

Erschütterungen möglichst verschont werden (Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG). 

Der  Stadtrat  gehe  von  einem  umfassenden  Sanierungsbedarf  der  beste-

henden  Siedlung  H.  aus.  Da  es  im  Bestand  an  geräumigen  Familienwoh-

nungen mit vier oder mehr Zimmern mangle, sei die Erhöhung der Anzahl 

an Familienwohnungen wichtig. Mit einer Umsetzung der Varianten 3a und 

3b  der  Machbarkeitsstudie  könne  der  Zugewinn  an  Wohnungen  den  ge-
setzlichen Auftrag von Art. 2quater und Art. 123 GO beachten. Die angestreb-
te soziale Durchmischung sei wesentlich bedingt durch eine Erhöhung der 

Anzahl  Wohnungen  und  insbesondere  des  Anteils  an  grösseren  Wohnun-

gen. Von hervorragender Bedeutung für die soziale Durchmischung sei ei-

ne  rollstuhlgängige  und  hindernisfreie  Erschliessung,  welche  in  der  beste-

henden Bausubstanz in wirtschaftlich vertretbarer Weise nicht möglich sei. 

Schliesslich  habe  die  energetische  Optimierung  einen  hohen  Stellenwert. 

Die Sanierung des Bestands würde einen wesentlich geringeren Beitrag auf 

dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft leisten. 

Von grosser Bedeutung sei die erhebliche Lärm- und Schadstoffbelastung. 

Wesentlich sei, dass der Erhalt der Häuserzeile entlang der H.-Strasse mit 

dem  zum  H.-Platz  orientierten  Kopfbau  aufgrund  der  geltenden  Lärm-

schutzverordnung  nur  möglich  wäre,  wenn  keine  erheblichen  Änderungen 
an  den  Gebäuden  vorgenommen  würden  (Art. 31 LSV).  Das  Interesse  der 

Mitbeteiligten, für ihre Bewohnerschaft die Wohnqualität in diesem sensib-

len Bereich auf heutige Standards anzuheben, unterstütze der Stadtrat, in-

dem  er  vor  dem  Hintergrund  eines  Lärmgutachtens  den  Weg  öffne  für  ei-

nen  Ersatzneubau  entlang  der  H.-Strasse.  Die  lärmrechtliche  Gerichtspra-

xis  sei  bei  Projekten  mit  lärmempfindlichen  Räumen  selbstverständlich  zu 

beachten.  Sie  schliesse  aber  Projekte,  wie  sie  die  Machbarkeitsstudie  als 

möglich aufzeige, nicht zum vorneherein aus. In Anbetracht der erheblichen 

Lärm- und Schadstoffbelastung an diesem Standort würde ein Neubaupro-

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Seite 11 

 
 
jekt  gegenüber  den  Bestandsbauten  eine  markante  Verbesserung  bringen 

und den heutigen lärmrechtlichen Anforderungen entsprechen können. 

Zum Schutzwert der Wohnsiedlung H. hält der Stadtrat fest, das denkmal-

pflegerische Interesse am Erhalt der Wohnsiedlung H. sei von geringerem 

Gewicht, wobei die Siedlung als Ganzes in Betracht zu ziehen sei; es könn-

ten nicht einzelne Bestandteile isoliert betrachtet werden. Die denkmalpfle-

gerische Würdigung des Rekurrenten führe nicht zu einer Verlagerung der 

Gewichte. Soweit er aufzeige, wie die Wohnsiedlung H. städtebaulich sinn-

voll mit dem Umfeld reagiere und durch Setzung der Baukörper Vorteile er-

ziele,  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  mit  dem  angefochtenen  Beschluss 

durch die Bedingung des Varianzverfahrens, welches ein Neubauprojekt zu 

durchlaufen haben werde, sichergestellt werde, dass solche, an dieser La-

ge erwünschten, baulichen Eigenheiten auch weiterhin gewährleistet seien.  

Das Gutachten der Denkmalpflege von 2009 sei zum Schluss gekommen, 

dass  die  Wohnkolonie  H.  trotz  der  nachteiligen  Veränderungen  aus  den 

1990er-Jahren  die  Kriterien  eines  wichtigen  baukünstlerischen  und  sozial-

geschichtlichen  Zeugen  gemäss  § 203  Abs. 1  lit. c  PBG erfülle,  habe aber 

auf  die  Renovation  in  den  1990er-Jahren  hingewiesen,  welche  das  Er-

scheinungsbild  zum  Schlechten  verändert  hätten.  Die  Denkmalpflegekom-

mission  sei  nicht  einfach  der  Einschätzung  der  Denkmalpflege  gefolgt,  es 

handle  sich  um  einen  Zeugen  im  Sinne  von  § 203 PBG.  Die  Kommission 

habe  sich  nicht  abschliessend  zum  Schutzwert  der  Wohnsiedlung  H.  ge-

äussert und vorwiegend den Situationswert gewürdigt. Einen hohen Eigen-

wert habe sie der Überbauung nicht attestiert. Sie habe nicht – wie in ande-

ren Fällen – klar für den Erhalt der Siedlung plädiert und Offenheit gegen-

über einer Weiterentwicklung der Siedlung signalisiert. Der Stadtrat bestrei-

te  die  Schutzwürdigkeit  nicht  grundsätzlich  und  stelle  sich nicht  gegen  die 
fachlichen Abklärungen. Er sehe aber die Zeugenschaft der Wohnsiedlung 

H.  durch  die  verschiedenen  Beeinträchtigungen,  welche  die  Siedlung  be-

reits  erfahren  habe  (Tiefgarage-Einfahrten,  Liftanbauten,  vergrösserte  Bal-

kone), und wegen der nur noch spärlich vorhandenen Originalsubstanz als 

stark eingeschränkt. Das Erhaltungsinteresse sei reduziert. 

Darüber  hinaus  zeigten  die  in  der  Machbarkeitsstudie  geprüften  Varianten 

mit Erhalt von einzelnen Zeilen auf, dass die notwendigen baulichen Mass-

nahmen, insbesondere die Massnahmen zum Lärmschutz, erhebliche Ver-

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Seite 12 

 
 
änderungen  zur  Folge  hätten,  die  den  Schutzwert  der  Häuserzeile  noch-

mals stark mindern würden. Gehe aber von der (gemessen an den Ausnüt-

zungsmöglichkeiten nach geltendem Recht) starken Unternutzung der Par-

zelle  kein  besonderer Lage-  oder  Eigenwert der  Bestandesbauten aus,  so 

falle ins Gewicht, dass die Unternutzung lediglich mit grossen Eingriffen in 

die bestehende Bausubstanz korrigiert werden könnte. Solche würden das 

Schutzobjekt ihrerseits in seiner Substanz und Ensemblewirkung übermäs-

sig  beeinträchtigen.  Insgesamt  sei  deshalb  nicht  von  einer  besonderen 

Schutzwürdigkeit  der  Wohnsiedlung  H.  auszugehen.  Das  Erhaltungsinte-

resse sei reduziert. 

Es  könne  aufgrund  des  städtischen  Gutachtens  und  der  Äusserungen  der 

Denkmalpflegekommission nicht einmal ansatzweise von einer vergleichbar 

hohen Schutzwürdigkeit ausgegangen werden wie bei der Gründersiedlung 

am Friesenberg. Deren gemäss Bundesgericht sehr hohe Schutzwürdigkeit 

ergebe sich auch aus dem ISOS-Eintrag, indem die Siedlung mit "schweiz-

weiter  Bedeutung"  als  Teil  eines  Gebiets  mit  Erhaltungsziel A  erscheine. 

Dagegen beschreibe das ISOS das Gebiet der Siedlung H. wesentlich zu-

rückhaltender  und  sehe  lediglich  das  Erhaltungsziel B  vor  (Strukturerhalt). 

Mit  Blick  auf  das  Auswahlermessen  sei darauf hinzuweisen,  dass  im Kon-

text des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in Zürich bis 1932 nebst der 

Siedlung  H.  insgesamt  fünf  Wohnsiedlungen  in  konsequenter  Zeilenbau-

weise errichtet worden seien. Davon seien deren vier im Inventar aufgeführt 

oder unter Denkmalschutz gestellt (Siedlungen Entlisberg I, Zentralstrasse, 

Waidfussweg und Neubühl). Die Epoche des Neuen Bauens sei im Kontext 

des  genossenschaftlichen  Wohnungsbaus  in  ausreichender  Weise  im 

kommunalen Inventar repräsentiert. 

5.3. 
Die Mitbeteiligte entgegnet, der Stadtrat habe bei der Interessenabwägung 

berücksichtigt,  dass  dem  Schutzobjekt  nur  ein  beträchtlich  geminderter 

Schutzwert zukomme, dass sich nur noch die Treppenhäuser im bauzeitli-

chen Zustand befinden würden, dass die Gebäudesubstanz umfassend sa-

niert  werden  müsse,  dass  der  Wohnungsspiegel,  die  Wohnungsgrössen 

und die Ausstattung der Wohnungen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen 

entsprechen  würden, dass  bei  einer  Sanierung  die  heute  geltenden  Lärm- 

und  Brandschutzbestimmungen  weitere  erhebliche  Eingriffe  in  die  beste-

hende  Bausubstanz  zur  Folge  hätten,  wodurch  der  Schutzwert  zusätzlich 

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erheblich gemindert würde und nur mehr ein minimaler Schutzwert verblie-

be,  dass  auch  ohne  Unterschutzstellung  des  Kopfbaus  eine  ähnlich  orts-

bildprägende  Qualität  am  H.-Platz  erzielt  werden  könne,  dass  mit  einem 

Abbruch  und  Neubau  die  bestehende  Lärmschutzproblematik  gelöst  wer-

den könne, dass mit einem Neubau und der damit ermöglichten Verbesse-

rung des Wohnangebots die langfristige Entwicklung im Quartier H. positiv 

beeinflusst werde und dass ein Ersatzneubau in Regelbauweise einen qua-

litätsvollen  Beitrag  an  die  Quartierentwicklung,  die  innere  Verdichtung,  die 

Erhöhung des Anteils an gemeinnützigem Wohnraum sowie die Erreichung 

der  Ziele  der  2000-Watt-Gesellschaft  leiste.  Der  Stadtrat  zeige  damit  im 

angefochtenen Beschluss völlig zutreffend auf, dass am Erhalt der Siedlung 

H. nur ein geringes öffentliches Interesse bestehe, dem wichtige öffentliche 

Interessen der Stadt gegenüberstehen würden. 

Der Rekurrent gehe nur auf einzelne Aspekte überhaupt erst ein. Nament-

lich stelle er nicht substantiiert in Abrede, dass der Schutzwert bereits heu-

te  stark  vermindert  sei  und  aufgrund  der  notwendigen  Sanierungsmass-

nahmen  zwangsläufig  zusätzlich  erheblich  gemindert  würde.  In  Bezug  auf 

den  Eigenwert  beschränke  sich  der  Rekurrent  auf  die  Wiedergabe  eines 

Abschnitts  des  Gutachtens.  Weshalb  es  sich  um  ein  "wertvolles  Beispiel" 

handeln  soll,  vermöge  er  aber  nicht  darzutun.  Dass  die  Zeile  entlang  der 

H.-Strasse  die  rückwärtigen  Räume  vor  Lärm  abschirme  und  das  Grund-

stück einen "wohltuenden Vorgarten" sowie einen Baumbestand aufweise, 

sei nun wahrlich keine besondere Eigenschaft, die hier besonders anschau-

lich und qualitätsvoll eine bestimmte Epoche dokumentiere. Der Rekurrent 

betone letztlich allein die angeblich ortsbildprägende Bedeutung des Kopf-

baus für den H.-Platz, wobei er mit keinem Wort darlege, dass sich die prä-

gende Wirkung  aus  der  besonderen  Gestaltung  und  Erscheinung  der  Ge-

bäude  und  aus  der  vorhandenen  Bausubstanz  ergebe.  Dies  wäre  aber 
notwendig, um einen besonderen Situationswert bejahen zu können. 

Die Mitbeteiligte führt weiter aus, von den derzeit 163 Wohnungen würden 

gerade einmal vier über mehr als drei Zimmer verfügen. Wie eine Vergrös-

serung dieser Zahl ohne Eingriffe in die bestehende Substanz möglich sein 

soll,  lege  der  Rekurrent  nicht  dar  und  sei  auch  nicht  ersichtlich.  Zudem 

würde damit gleichzeitig die Zahl gemeinnütziger Mietwohnungen reduziert 

statt  erhöht.  An  einer  solchen  Erhöhung  bestehe  jedoch  ein  grosses  und 

demokratisch breit abgestütztes öffentliches Interesse. Das öffentliche Inte-

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Seite 14 

 
 
resse  an  innerer  Verdichtung  an  gut  erschlossenen  Lagen  sei  vom  Bun-

desgesetzgeber vorgegeben. Ihm komme je länger je grössere Bedeutung 

zu. Die Stadt Zürich könne daher nicht alle Genossenschaftssiedlungen er-

halten und damit die grossen Potenziale, die bei diesen bestünden, brach-

liegen  lassen.  Stattdessen  müsse  sie  sich  auf  eine  Auswahl  besonders 

hochwertiger  Siedlungen  beschränken  können.  Die  Rechtsprechung  aner-

kenne  denn  auch  ausdrücklich,  dass  eine  deutliche  Erhöhung  der  Anzahl 

Wohnungen  beim  Entscheid  über  eine  Inventarentlassung  berücksichtigt 

werden dürfe (s. VB.2017.00361 vom 7. Juni 2018, E. 7.4.).  

Auch hinsichtlich des öffentlichen Interesses, hindernisfreie Wohnungen zu 

erstellen, lege der Rekurrent nicht dar, wie dies ohne Eingriffe in die beste-

hende  Substanz  möglich  sein  soll.  Namentlich  stelle  er  nicht  in  Abrede, 

dass heute alle Wohnungen nur über ein Zwischenpodest zugänglich seien. 

Ebenso  wenig  bestreite  der  Rekurrent,  dass  sich  die  Energieziele  der 

2000-Watt-Gesellschaft mit einer blossen sanften Gebäudesanierung nicht 

erreichen  liessen.  Soweit  der  Rekurrent  schliesslich  die  Bewilligungsfähig-

keit eines Neubaus aufgrund der jüngsten Rechtsprechung zu Art. 31 LSV 

in  Zweifel  zu  ziehen  versuchte,  entbehre  dies  nicht  nur  jeglicher  Begrün-

dung,  sondern  auch  jeglicher  Grundlage.  Die  Rechtsprechung, auf die der 

Rekurrent hier mutmasslich anspiele, stelle nicht in Abrede, dass auf (lärm-

belasteten)  Baugrundstücken  in  der  Stadt  Zürich  Ersatzneubauten  erstellt 

werden  dürfen.  Eine  Verschärfung  bringe  diese  Rechtsprechung  nur  hin-

sichtlich des Nachweises mit sich, dass alle in Betracht fallenden baulichen 

und  gestalterischen  Massnahmen  im  Sinn  von  Art. 31  Abs. 1 LSV  geprüft 

worden  seien.  Der  Rekurrent  vermöge  damit  weder  die  Gewichtung  der 

einzelnen  Interessen  noch  die  Abwägungen  derselben  durch  den  Stadtrat 

insgesamt in Frage zu stellen. Die Mitbeteiligte verfolge den Zweck, für ihre 

Mitglieder preiswerte und gesunde Wohnungen zu erstellen, zu unterhalten 
und  zu  verwalten.  Würde  die  Mitbeteiligte  verpflichtet,  teure  Sanierungs-

massnahmen  zu  ergreifen,  mit  denen  sich  entweder  die  Anzahl  der  Woh-

nungen stark reduzieren würde oder der Anteil an Familienwohnungen sehr 

tief  bliebe,  könnte die Mitbeteiligte  ihre  Ziele  nicht  mehr  erreichen.  Zumin-

dest bei einem Grossteil der Wohnungen verblieben zudem die Defizite be-

züglich  Lärmschutz  und  Behindertengerechtigkeit,  weshalb  die Wohn-  und 

Lebensräume  in  der  Überbauung  insgesamt  deutlich  weniger  preiswert 

aber  nicht  spürbar  lebenswerter  und  gesünder  würden.  Dies  wäre  für  die 

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Seite 15 

 
 
Mitbeteiligte  unzumutbar,  womit  sich  eine  Unterschutzstellung  als  unver-

hältnismässig erweisen würde. 

5.4. 
Zum Lärmgutachten (act. 16.6), welches die Vorinstanz zu den Akten reich-

te,  repliziert  der  Rekurrent,  dieses  sei  zweckentfremdet  worden,  weil  es 

nicht  im  Kontext  einer  lärmrechtlichen  Ausnahmebewilligung  nach  Art. 31 

Abs. 2 LSV  angewendet  worden  sei.  Ferner  habe  die  Vorinstanz  nicht  be-

rücksichtigt,  dass  dem  Anliegen  einer  hochwertigen  Siedlungsentwicklung 

nach  innen  mit  einer  lärmrechtlichen  Ausnahmebewilligung  Rechnung  ge-

tragen werden könne. Es treffe deshalb nicht zu, dass die Häuserzeile ent-

lang  der  H.-Strasse  nur  erhalten  werden  könne,  wenn  keine  erheblichen 

Änderungen  an  den  Gebäuden  vorgenommen  würden,  wie  die  Vorinstanz 

behaupte. Die Interessenabwägung im Zusammenhang mit einer lärmrecht-

lichen Ausnahmebewilligung müsse auch die Interessen des Denkmal- und 

Ortsbildschutzes  miteinbeziehen.  Sodann  sei  das  Lärmgutachten  fehler- 

und  lückenhaft.  Es  fehlten  Angaben  zu  den  Lärmquellen,  zum  Berech-

nungsmodell und zur Berechnungskonfiguration. Die Immissionspegel wür-

den  nur  abgeschätzt  und  die  Beurteilung  der  Grundrisse  beruhe  auf  fal-

schen Grundlagen und sei undifferenziert.  

5.5.1. 
Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 

als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen  wesentlich mitprägen,  samt der für  ihre Wirkung  wesentlichen  Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-

len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-

tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

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Seite 16 

 
 
Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen,  hier  nicht  abschliessend  aufzuzählenden  Gründen  ergeben.  Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen  kaum  als  "Epochen"  zu  bezeichnen  wären.  Namentlich  mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge  zwischen  solchen  bezeugen,  Schutzobjekte  sein  können.  Zu 

verlangen  ist  allerdings  stets,  dass  die  betreffende  politische,  wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  bezweckt  § 203  Abs. 1  lit. c PBG 

anders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung  qualifizierter  Landschafts- 

und  Siedlungsbilder.  In  der  Praxis  wird  hierbei  oftmals  auch  vom  Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-

zungen  für  eine  Unterschutzstellung  –  Zeugeneigenschaft  oder  prägende 

Wirkung  –  alternativ  aufzählt,  lässt  sich  auch  allein  schon  mit  letzterer  die 

Anordnung  von  Schutzmassnahmen  an  Gebäuden  oder  Gebäudegruppen 

begründen.  Allerdings  rechtfertigt  nicht  jede  Optimierung  von  Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

tiv  prägende Wirkung  muss  vielmehr  objektiv  ausgewiesen  und  begründet 

sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten 

der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

5.5.2. 
Bei  sich  auf  § 203  Abs. 1 PBG  stützenden  Schutzentscheiden  kommt  den 

kommunalen  und  kantonalen  Denkmalpflegebehörden  eine  gewisse  Ent-

scheidungsfreiheit zu. Diese bezieht sich vor allem auf die Qualifikation ei-

nes  Objektes  als  Schutzobjekt,  auf  den  konkreten  Umfang  einer  Schutz-

massnahme,  gegebenenfalls  auf  die  Auswahl  unter  mehreren  in  Betracht 

fallenden  Schutzobjekten  oder  aber  auf  den  Verzicht  auf  Schutzmassnah-

men. Insoweit hat sich die Rekursinstanz bei der Entscheidüberprüfung Zu-

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Seite 17 

 
 
rückhaltung  aufzuerlegen.  Beruht  der  kommunale  Entscheid  auf einer  ver-

tretbaren Würdigung der massgebenden Umstände, so hat ihn die Rekurs-

instanz  zu  respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur  dann  einschreiten, 

wenn die Behörde ihren Ermessensspielraum überschreitet, indem sie sich 

von  unsachlichen,  dem  Zweck  der  in  Frage  stehenden  Regelung  fremden 

Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprinzipien, wie das Verbot 

von  Willkür  oder  den  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit,  verletzt.  Dabei 

darf sich die Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung be-

schränken,  vielmehr  muss  die  Eingriffsschwelle  tiefer  gesetzt  werden 

(vgl. BGE 145 I 52,  E. 3.6.,  mit  Hinweisen).  Die  Entscheidungsfreiheit  der 

Denkmalpflegebehörde  ist  stets  gegen  den  Anspruch  auf  wirksamen 

Rechtsschutz abzuwägen (Art. 77 der Kantonsverfassung [KV] und Art. 29a 

der Bundesverfassung [BV]; Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2014,  § 20  Rz. 64 ff.),  zumal Schutzmassnahmen  in  der 

Regel einen schweren Eingriff in das Grundeigentum bilden. 

Im Übrigen besteht in der Regel keine Kognitionseinschränkung. Die Frage, 

was unter einem Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu ver-

stehen  ist,  kann  die  Rekursinstanz  frei  beantworten.  Auch  steht  ihr  in  der 

Regel  eine  freie Würdigung  der  örtlichen  Verhältnisse  zu,  soweit  ihr  diese 

hinreichend  bekannt  sind.  Geht  es  um  bautechnische  Fragen,  namentlich 

um  solche  der  Erhaltungs-  und  Renovationsfähigkeit  von  Schutzobjekten 

oder von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausa-

chen zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflege-

behörden. 

5.5.3. 
Zur  Abklärung  der  Schutzwürdigkeit  der Wohnkolonie H.  erstellte das  Amt 

für Städtebau zuhanden der Denkmalpflegekommission ein Gutachten, da-
tiert vom 4. Mai 2009 (act. 16.4). Darin wird ausgeführt, die aus vier Zeilen-

bauten  bestehende  genossenschaftliche  Wohnkolonie  H.  sei  in  den  Jah-

ren 1931-1933  von  der  Architekten  G.  L. und  J.  F. erbaut  worden.  Die  Ar-

chitekten hätten ein anderes Muster als die Hofrandbebauung gewählt und 

seien  darauf  bedacht  gewesen,  zum  H.-Platz  hin  einen  architektonischen 

Akzent zu setzen und ein Pendant zum jenseits des Platzes gelegenen "H.-

Schloss"  zu  schaffen.  In  den  1970er-Jahren  habe  der  Platz  eine  massive 

Umgestaltung mit Verkehrsschlaufen samt Tieferlegung erfahren, was zwar 

die  Qualität  des  Platzes,  aber  nicht  die  des  Kopfbaus  mindere.  An  diesen 

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Seite 18 

 
 
schliesse entlang der H.-Strasse eine fünfgeschossige Zeile mit Walmdach 

an.  Heute  wie  damals  stelle der  Kopfbau  am H.-Platz  das  Augenmerk  der 

Siedlung  dar und habe  städtebaulich  eine  Bedeutung.  Er  wirke  mit  seinen 

klaren  kubischen  Formen  und  dem  auffälligen  Attikageschoss  platzprä-

gend.  Die  Architektur  der  Zeilen  sei  eher  zurückhaltend,  sie  zeichne  sich 

aber  insofern  als  ortsbildprägend  aus,  als  sie  strukturell  vom  herkömmli-

chen Bebauungsmuster abweiche und grüne Durchblicke erlaube.  

Die Zeilenbauweise orientiere sich klar an den idealen des Neuen Bauens 

(Stichworte Licht, Luft und Sonne) und erteile dem monumentalen Wohnhof 

des  Blockrandes  eine  Absage.  Gleichzeitig  entstanden  seien  die  Werk-

bundsiedlung Neubühl (1931-1932) von Artaria, Haefeli, Hubacher, Moser, 

Roth,  Schmidt,  Steiger  und Steiger-Crawford  oder  die  Zeilen der Wohnko-

lonie Zurlindenstrasse (1931-1932) von Kellermüller und Hofmann in Wiedi-

kon. Strukturell gehöre die Wohnkolonie H. aber zu den ersten konsequent 

ausgerichteten  Zeilenbebauungen  und  stelle  damit  typologisch  wie  auch 

baukünstlerisch  ein  bedeutender  Zeuge  gemäss  § 203  Abs. 1  lit. c  PBG 

dar. 

Zur  sozialgeschichtlichen  Bedeutung  wird  ausgeführt,  die  Baugenossen-

schaft  L.  sei  1922  als  gemeinnützige  Genossenschaft  gegründet  worden. 

Zu  den  Genossenschaftern  zählten  neben  Angestellten  auch  Arbeiter  und 

Werktätige  aller  Schichten.  Ziel  sei  es  gewesen,  der  vorherrschenden 

Wohnungsnot  entgegenzuwirken  und  schlichte,  aber  zweckmässige  Woh-

nungen anbieten zu können. Der genossenschaftliche Boom im Zürich der 

1920er-Jahren hänge mit den seit 1919 in Aussicht gestellten Bundessub-

ventionen  und  der  städtischen  Wohnbauförderung  für  Baugenossenschaf-

ten  (seit  1924)  zusammen.  Die  Siedlung  mit  ihren  163  Wohnungen  habe 

in  einem  klassischen  Arbeiterquartier  befunden.  Seit  den 
sich 
1920er-Jahren  seien  in  der  äusseren  H.  mehrere  Arbeiterwohnsiedlungen 

entstanden, was nicht zuletzt mit der Nähe zur Bahn zusammenhänge. 

Das Gutachten gelangt zum Fazit, die Wohnkolonie H. erfülle die Kriterien 

eines wichtigen Zeugen, insbesondere was die baukünstlerische bzw. typo-

logische  Bedeutung  der  Siedlung  betreffe,  gehöre  sie  doch  zu  den  ersten 

nach  Prämissen  des  Neuen  Bauens  umgesetzten  Wohnsiedlungen  in  der 

Stadt Zürich. Die strikte Zeilenbebauung sei im Quartier ein Novum gewe-

sen und hebe sich noch immer vom im Quartier vorherrschenden Blockrand 

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Seite 19 

 
 
ab.  Durch  die  weiten  Freiräume  zwischen  den  Zeilen  entstünden  grosse 

Grünzonen,  die  das  Quartierbild  bereicherten.  In  diesem  Sinn  komme  der 

Wohnsiedlung  auch  ortsbildprägende  Bedeutung  zu.  Ortsbildprägend  sei 

insbesondere der moderne turmartige Kopfbau, der einen baulichen Akzent 

setze und der Anlage gewissermassen als städtebaulicher Anker diene. In-

nerhalb des Werkes von L. & F. markiere die genossenschaftliche Siedlung 

das Umdenken der Architekten, die sich hier den neuen Leitideen der Mo-

derne  zugewandt  und  sie  geschickt  umgesetzt  hätten.  Das  Büro  habe  in 

Zürich zahlreiche Wohnsiedlungen errichtet, wovon zwei im Inventar aufge-

führt  seien.  Derart  frühe  Zeilenbebauungen  finde  man  in  Zürich  nur  noch 

mit der Werkbundsiedlung Neubühl und der Wohnkolonie Zurlindenstrasse 

(beide  im  Inventar)  –  nota  bene  beide  ohne  Kopfbau  –,  wobei  erstere  als 

Mustersiedlung mit programmatischem Charakter entstanden sei und inso-

fern einen Sonderfall darstelle. Im Vergleich zur Siedlung Zurlindenstrasse 

sei die Wohnkolonie H. trotz der Walmdächer nicht weniger modern, indem 

sie  die Wohnräume  mit  Balkonen  konsequent  an  der  besonnten  Seite  an-

ordne,  was  beim  Kellermüller & Hofmann-Bau  nicht  der  Fall  sei.  Mit  der 

Wohnkolonie  H.  vergleichbare  Zeilenbauweisen  seien  erst  wieder  in  der 

Nachkriegszeit anzutreffen (Heiligfeld von Josef Schütz und Alfred Mürset, 

1947-48, im Inventar). 

Der Charakter und die Qualität der Wohnkolonie H. sei 1994-1997 am Äus-

sern wie im Innern verändert und geschmälert worden: Die Holzfenster sei-

en durch  Holz-Metall-  bzw.  Kunststofffenster  und die  Holzläden durch  Me-

tallläden ersetzt worden. Das Fassadenbild unsensibel verändert habe ins-

besondere der Ersatz der eleganten Balkone durch tiefere Balkone mit hel-

len  Faserplatten  und  Überdachungen.  Die  erneuerten  Eingangsbereiche 

(neue Türen, Vordächer, Briefkästen) passten in ihrer Materialisierung nicht 

zur Architektur. Aussenliftanbauten (2 Stück) an der H.-Strasse würden der 
Fassade  den  ursprünglichen  schlichten  Ausdruck  nehmen,  der  gerade  in 

der  zurückhaltenden  Gliederung  begründet  gewesen  sei.  Im  Innern  seien 

die  Treppenhäuser  weitgehend  original.  Die  Wohnungsgrundrisse  würden 

den  gebauten  entsprechen,  die  originalen  Oberflächen  sein  jedoch  ver-

schwunden (neue Böden, Türen, Küchen, Bäder). 

Trotz der unglücklichen Renovation, die zweifellos den Charakter verändert 

und  die  Ausstrahlungskraft  reduziert  habe,  sei  die  Zeugenschaft  auf  bau-

künstlerischer  und  städtebaulicher  Ebene  nach  § 203  Abs. 1  lit. c PBG 

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Seite 20 

 
 
nach  wie  vor  einwandfrei  gegeben.  Eine  Unterschutzstellung  sei  zu  befür-

worten, obwohl die Renovation in den 1990er-Jahren das Erscheinungsbild 

zum  Schlechten  verändert  habe.  Mit  einem  qualitätsvolleren  Ersatz  der 

Balkonbrüstungen, Fenster und Fensterläden könnte mit vertretbarem Auf-

wand die Fassadenqualität wieder deutlich gesteigert werden. 

5.5.4. 
Dem Protokoll der Sitzung der Denkmalpflegekommission der Stadt Zürich 

vom 4. Mai 2009 (act. 16.5) ist zu entnehmen, dass die Diskussion über die 

Schutzwürdigkeit kontrovers verlaufen sei. Die Wohnkolonie H. weise aber 

eine  hohe  Qualität  auf,  repräsentiere  mit  der  Zeilenbauweise  und  den 

Wohnungstypen das neue Bauen. Sie sei daher geeignet, ein Schutzobjekt 

zu sein. Für eine Weiterentwicklung der Siedlung sei auf die Quartieridenti-

tät und die Grundstimmung zu achten. Von Bedeutung sei hier die Zeilen-

bauweise.  Es  sei  beispielsweise  denkbar,  die  Zeile  an  der  H.-Strasse  zu 

erhalten und die anderen zu ersetzen.  

5.5.5. 
Das  Gutachten  qualifiziert  die  Wohnsiedlung  als  "wichtigen"  baukünstleri-

schen  und  sozialgeschichtlichen  Zeugen  gemäss  § 203  Abs. 1  lit. c PBG. 

An einer Stelle im Gutachten ist von einem "bedeutenden" Zeugen die Re-

de. Im Vordergrund steht die städtebauliche Bedeutung als eines der ersten 

Beispiele  im  gemeinnützigen  Wohnungsbau,  das  nach  den  Massstäben 

des  neuen  Bauens  errichtet  worden  war.  Hervorgehoben  wird  die  Zeilen-

bauweise,  der  Grünraum  und  die  Gestaltung  des  Kopfbaus  am  H.-Platz. 

Zum Grad der Schutzwürdigkeit äussert sich das Gutachten nicht. Festge-

stellt wird nur, dass es sich um einen wichtigen Zeugen und damit um ein 

Schutzobjekt  handle.  Dies  ist  nicht  mit  einer  hohen  Schutzwürdigkeit 

gleichzusetzen.  Ohne  eine  erhöhte  Bedeutung  wäre  vorliegend  gar  kein 
Schutzobjekt vorhanden. 

Die  Vorinstanz  erwog  im  angefochtenen  Beschluss,  es  sei  von  einem  be-

trächtlich geminderten Schutzwert auszugehen und brachte in der Rekurs-

vernehmlassung vor, das Erhaltungsinteresse sei reduziert. Dies deckt sich 

mit  den  gutachterlichen  Feststellungen  zum  Sachverhalt,  ist  objektiv  be-

gründet  und  nachvollziehbar.  Entgegen  der  Auffassung  des  Rekurrenten 

weicht  die  Vorinstanz  in  Bezug  auf  den  gutachterlich  festgestellten  Sach-

verhalt  nicht  vom  Gutachten  ab.  Für  einen hohen  Grad  der  Schutzwürdig-

R1S.2020.05140 

Seite 21 

 
 
keit  fehlen  entsprechend  herausragende  und  einzigartige  Qualitäten.  Die 

Siedlung  H.  kann  nicht  einer  eigentlichen  Epoche  zugeschrieben  werden, 

sondern  dem  Übergang  zur  Moderne.  Modern  ist  die  Abkehr  vom  Block-

rand hin zur Zeile. Die moderne Formensprache ist aber erst am Merkpunkt 

gegen  den  H.-Platz  mit  Flachdach  und  Dachterrasse  verwendet  worden, 

wobei die geschwungenen, filigran gestalteten Balkone über Eck als wichti-

ge  Elemente  neuen  Bauens  durch  die  Renovation  der  90er  Jahre  zerstört 

wurden.  Die  Zeilenbauten  sind  demgegenüber  alle  traditionell  mit  Walm-

dach  ausgebildet,  die  niedrigeren  querstehenden  Anbauten  am  Ende  der 

Zeilen  ebenso.  Die  Siedlung  ist  in  typologischer  und  sozialgeschichtlicher 

Hinsicht in Zürich nicht einzigartig und die Schutzwürdigkeit hat durch bau-

liche Eingriffe anlässlich der Sanierung von 1994-1997 Beeinträchtigungen 

erfahren.  Sie  kann  nicht  als  wichtiger  Zeuge  oder  gar  als  Vorreiter  des 

Neuen  Bauens  gelten,  zu  sehr  ist  sie  noch  in  althergebrachten  Siedlungs-

strukturen gefangen. Auch dem Thema verschiedener Wohnungstypen, ei-

ner  reichen  Mischung  verschiedener  Wohnungen  für  die  Bewohnenden 

über  verschiedene  Lebensphasen  hinweg  in  der  gleichen  Siedlung  als 

Merkmal Neuen Bauens nimmt sich die Siedlung H. noch nicht an. Insoweit 

kann in Bezug auf den Eigenwert von einem eher geringen, allenfalls mittle-

ren Grad der Schutzwürdigkeit ausgegangen werden. Der Rekurrent bringt 

nichts vor, was zu einer anderen Beurteilung führt. 

5.5.6. 
Gemäss ISOS-Eintrag für das Quartier A. gehört die Siedlung H. zur Bau-

gruppe 10 mit Erhaltungsziel B (Erhalten der Struktur): "E.- und H.-Strasse: 

Hofrand-  und  Zeilenbebauungen,  mehrheitlich  Mehrfamilienhäuser  der 

1930er-Jahre, vereinzelt E. 20. Jh.; wenige strukturfremde und voluminöse 

Gewerbebauten." Die Siedlung H. wird nicht besonders erwähnt. Aus dem 

ISOS-Eintrag  lässt  sich  damit  nicht  auf  einen  besonderen  Stellenwert  der 
Siedlung H. innerhalb des Ortsbildes schliessen.  

Der  Wohnsiedlung  kommt  laut  Gutachten  (auch)  eine  ortsbildprägende 

Wirkung zu, namentlich durch die strikte Zeilenbebauung und den turmarti-

gen Kopfbau. Das Gutachten gelangt zum Schluss, dass die "Zeugenschaft 

auf  baukünstlerischer  und  städtebaulicher  Ebene  nach  § 203  Abs. 1  lit. c 

PBG"  gegeben  sei.  Obwohl  im  Zusammenhang  mit  der  siedlungsprägen-

den  Wirkung  nicht  von  Zeugenschaft  gesprochen  werden  kann,  ist  damit 

R1S.2020.05140 

Seite 22 

 
 
wohl  gemeint,  dass  die  Wohnkolonie  H.  das  Quartier  im  Sinne  von  § 203 

Abs. 1 lit. c PBG wesentlich mitprägt. 

Wie  im  Gutachten  erwähnt  und  wie  sich  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

zeigt hat, wurden der Charakter und die Qualität der Wohnkolonie H. durch 

Renovationen  verändert  und  geschmälert.  Zu  erwähnen  sind  namentlich 

der Ersatz der eleganten Balkone, die Aussenliftanbauten, die Aufschüttung 

von  Sitzplätzen  für  die  Erdgeschosswohnungen  und  die  Einfahrten  in  die 

beiden Tiefgaragen. Die Idee der durchgrünten Zeilenbauweise, bei der die 

Häuserzeilen  nicht  den  Strassenraum  begleiten,  sondern  die  Zwischen-

räume vom Strassenraum aus landschaftlich gestaltete Stadträume bilden, 

ist nicht mehr erlebbar. Die Tiefe der Parzelle als ein von der Öffentlichkeit 

von  der  Strasse  aus  erfassbarer  Raum  wurde  von  den  wuchtigen,  über-

deckten  Tiefgarageneinfahrten  verstellt.  Ebenso  verunklärend  wirken  die 

Aufschüttungen auf den jeweiligen Südseiten der Zeilen für die Gartensitz-

plätze. Die Aussenräume und das Erscheinungsbild sind daher seit der Re-

novation nicht mehr konsequent und zeugenhaft vorhanden. 

Entgegen  der  Darstellung  des  Rekurrenten  trifft  es  sodann  nicht  zu,  dass 

die Denkmalpflegekommission eine wichtige ortsbildprägende Wirkung des 

Kopfbaus hervorgehoben hat. Die Denkmalpflegekommission erwähnte die 

Gestaltung des Kopfbaus im Zusammenhang mit der Zeugenschaft für den 

gemeinnützigen Wohnungsbau  nach  den  Massstäben  des  neuen  Bauens, 

nicht  jedoch  wegen  einer  siedlungsprägenden  Wirkung  (Protokoll  der 

Denkmalpflegekommission vom 4. Mai 2009, S. 3, act. 16.5). 

Die Bedeutung des Kopfbaus H.-Strasse 271 für das Ortsbild, insbesonde-

re  für  den  H.-Platz,  ergibt  sich  in  erster  Linie  aus  seiner  Stellung  und  sei-

nem Volumen, indem das Gebäude den Platz im Nordwesten flankiert und 
hier  einen  architektonischen  Akzent  setzt.  Indes  trägt  das  Gebäude  von 

seiner  Ausgestaltung,  mithin  von  seiner  Substanz  und  Ausstrahlungskraft 

her nicht in sehr erheblichem Mass zum Ortsbild bei. Dies zumal das Um-

feld geprägt wird durch die Auf- und Abfahrtsrampen zur H.-Brücke, die H.-

Strasse  und  die  Gewerbebauten  nördlich  davon.  Ein  adäquater  Platzab-

schluss  und  ein  Pendant  zum  "H.-Schloss"  am  anderen  Ende  des  H.-

Platzes  kann  ohne  Weiteres  auch  mit  einem  Neubau  geschaffen  werden. 

Auf  Seite 3  des  angefochtenen  Beschlusses  wird  dementsprechend  erwo-

gen, aus Sicht des Amts für Städtebau habe der Kopfbau für den H.-Platz 

R1S.2020.05140 

Seite 23 

 
 
eine wichtige ortsbildprägende Wirkung. Aus diesem Grund solle auf Basis 

der  Machbarkeitsstudie  ein  vom  Amt  für  Städtebau  eng  begleitetes  Vari-

anzverfahren  sicherstellen,  dass  eine  gute  städtebauliche  Gesamtlösung 

und eine hohe architektonische Qualität im Rahmen der Regelbauweise re-

alisiert werden könne.  

Dies führt zum Schluss, dass der Wohnsiedlung H. als Ganzes ein wichti-

ger  Situationswert  zwar  nicht  abgesprochen  werden  kann.  Der  Grad  der 

Schutzwürdigkeit ist jedoch als gering bis mittel einzustufen. 

5.5.7. 
In  Frage  steht die  Gewichtung  der  Interessen,  die der  Unterschutzstellung 

entgegenstehen, namentlich das Interesse an der Schaffung von Familien-

wohnungen, von hindernisfreiem und günstigem Wohnraum sowie das Inte-

resse  der  inneren  Verdichtung.  All  diese  Argumente  habe  der  Rekursgeg-

ner nicht genügend in Erwägung gezogen. 

Zurecht unbestritten ist, dass es sich bei den genannten Interessen um öf-

fentliche Interessen handelt, die die Vorinstanz für die Interessenabwägung 

berücksichtigen  durfte  bzw.  musste.  Die  Argumentation  des  Rekurrenten 

erschöpft sich darin, die fraglichen Interessen könnten auch im Bestand er-

füllt werden bzw. seien bereits erfüllt. Damit ist es jedoch nicht getan, denn 

offensichtlich  könnte  den  Interessen  im  Bestand  und  unter  Wahrung  des 

vom Rekurrenten angestrebten Schutzzwecks in weit geringerem Ausmass 

entsprochen  werden  als  mit  einer  Neuüberbauung,  sowohl  in  qualitativer 

wie auch in quantitativer Hinsicht. 

Die  Vorinstanz  strebt  die  Erhöhung  der  Anzahl  an  geräumigen  Familien-

wohnungen mit vier oder mehr Zimmern an. Die Machbarkeitsstudie zeigt, 
dass mit einem Ersatzneubau 76 bzw. 67 (Varianten 3a bzw. 3b) derartige 

Wohnungen  realisiert  werden  könnten.  Bei  einem  Erhalt  der  Zeile  H.-

Strasse mit Kopfbau wären es 36 bis 67 Familienwohnungen (Varianten 1b, 

2b, 2c). Im Bestand sind es bloss deren 4.  

Die  bestehenden Wohnungen  sind  nicht  hindernisfrei  zugänglich  (§§ 239a 

Abs. 2 PBG),  auch  nicht  über  die  angebauten  Lifte  an  der  H.-Strasse 275 

und  277,  da  sich  die  Ausstiege  nicht  auf  der  Ebene  der  Wohngeschosse 

R1S.2020.05140 

Seite 24 

 
 
befinden.  Mit  Neubauten  könnten  Wohnungen  erstellt  werden,  die  den 

diesbezüglich geltenden Vorschriften entsprechen. 

Laut Art. 2quater der Gemeindeordnung (GO) setzt sich die Gemeinde aktiv 

für den Schutz, die Erhaltung und die Erhöhung des Anteils von preisgüns-

tigen  Wohnungen  und  Gewerberäumen  ein  und  verpflichtet  sich  dem  Ziel 

einer  sozialen  Durchmischung  in  allen  Quartieren  und  der  Sicherung  von 

Familienwohnungen (Abs. 1). Sie sorgt dafür, dass sich die Zahl der Woh-

nungen im Eigentum von gemeinnützigen Wohnbauträgerinnen oder Wohn-

bauträgern,  die  ohne Gewinnabsichten  dem  Prinzip  kostendeckender  Mie-

ten verpflichtet sind, stetig erhöht. Sie strebt einen Anteil von einem Drittel 

an allen Mietwohnungen an (Abs. 4).  

Auch der Bund und die Kantone setzen sich dafür ein, dass Wohnungssu-

chende für sich und ihre Familie eine angemessene Wohnung zu tragbaren 

Bedingungen  finden  können  (Art. 41  Abs. 1  lit. e  Bundesverfassung  [BV]). 

Darüber hinaus fördert der Bund die Tätigkeit von Trägern und Organisati-

onen des gemeinnützigen Wohnungsbaus auch direkt (vgl. Art. 108 Abs. 1 

BV und das gestützt darauf erlassene Wohnraumförderungsgesetz [WFG]). 

Schliesslich fördern nach Art. 110 der Verfassung des Kantons Zürich [KV] 

auch  Kanton  und  Gemeinden  den  gemeinnützigen  Wohnungsbau.  Dem-

gemäss entspricht es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts einem 

anerkannten  öffentlichen  Interesse,  das  Bedürfnis  der  Bevölkerung  an  ei-

nem  genügenden  Angebot  von  preisgünstigen  Wohnungen  zu  befriedigen 

(BGr 1C_128/2019 und 1C_134/2019 vom 25. August 2020, E. 10.2).  

Das streitbetroffene Grundstück befindet sich im Eigentum einer Wohnbau-

genossenschaft.  Insgesamt  könnten  dort  mit  einem  Ersatzneubau  bis  zu 

208 Wohnungen erstellt werden, gegenüber 163 im heutigen Bestand. Der 
Ausnützungsgrad könnte von 69,2 % auf 100 % gesteigert werden. Die Sta-

tuten  der  Grundeigentümerin  schreiben  vor,  dass  die  Mietzinse  nach  den 

Selbstkosten  zu  bemessen  sind  (s. Statuten  Ziff. 5 c,  […]).  Somit  würde 

preisgünstiger Wohnraum im Interesse der in Art. 2quater Abs. 1 und 4 GO 

formulierten Ziele geschaffen. 

Das Interesse der Verdichtung kann zwar bei der Interessenabwägung kei-

ne erhebliche Rolle spielen. Es kann aber auch nicht gesagt werden, dass 

es  generell  unzulässig  wäre,  bei  der  Suche  nach  Möglichkeiten  für  eine 

R1S.2020.05140 

Seite 25 

 
 
Siedlungsentwicklung nach innen und eine bauliche Verdichtung auch den 

Abbruch  denkmalpflegerisch  interessanter  Objekte  in  Betracht  zu  ziehen. 

Gerade in Fällen wie dem vorliegenden, wo es um die Unterschutzstellung 

eines  grösseren  Areals  geht  und  zudem  ein  erhebliches  Verdichtungspo-

tential  besteht,  dürfen  solche  Möglichkeiten  nicht  vorweg  ausser  Betracht 

fallen. Allerdings trifft es auch zu, dass ältere Siedlungen regelmässig eine 

geringere  Nutzungsdichte  aufweisen  als  Neubauten.  Insofern  könnte  das 

Argument der Verdichtung fast immer zu Ungunsten des Denkmalschutzes 

angefügt  werden,  was  –  bei  hoher  Gewichtung  dieses  Elements  –  einer 

sachgerechten Interessenabwägung widerspräche. Das Anliegen der inne-

ren Verdichtung ist bei der Interessenabwägung zu berücksichtigen und es 

ist  ihm  durchaus  ein  gewisses  Gewicht  beizumessen,  das  aber  stark  von 

der  Bedeutung 

des 

betroffenen  Schutzobjekts 

abhängt 

(vgl. 

BGr 1C_128/2019 und 1C_134/2019 vom 25. August 2020, E. 9.3.). 

Gleichermassen  verhält  es  sich  mit  den  energetischen  Vorteilen  eines 

Neubaus.  Gemäss  Art. 2ter  Abs. 2  der  Gemeindeordnung  (GO)  setzt  sich 

die Stadt Zürich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Erreichung der Ziele 

der 2000-Watt-Gesellschaft ein. Auch die diesbezüglichen öffentlichen Inte-

ressen dürfen vorliegend berücksichtigt werden, sie haben aber kein gros-

ses  Gewicht  (vgl. BGr 1C_128/2019  und  1C_134/2019  vom  25. August 

2020, E. 11). 

5.5.8. 
Unbestritten  ist,  dass  die  Gebäude  an  der H.-Strasse 1 ff.  von  übermässi-

gem  Verkehrslärm  betroffen  und  die  Immissionsgrenzwerte  überschritten 

sind.  Darauf,  in  welchem  Ausmass  dies  der  Fall  ist,  kommt  es  vorliegend 

nicht  an.  In die  Interessenabwägung  fliesst  nur  ein,  inwiefern  ein Neubau-

projekt gegenüber den Bestandesbauten eine Verbesserung bringen würde 
und den lärmrechtlichen Anforderungen entsprechen könnte. Auf die Rüge, 

die  Lärmermittlung  im  Gutachten  sei  nicht  nachvollziehbar,  ist  daher  nicht 

weiter  einzugehen.  Im  Übrigen  sind  die  Angaben  im  Gutachten  durchaus 

nachvollziehbar.  Die  Emissionswerte  stammen  –  wie  im  Gutachten  ver-

merkt  –  aus  der  Karte  "Strassenlärm"  im  GIS  (maps.zh.ch).  Dort  können 

auch  die  zugrunde  gelegten  Zahlen  wie  die  durchschnittliche  Verkehrs-

menge,  Geschwindigkeit  und  Lastwagenanteil  sowie  das  angewendete 

Lärmmodell (EMPA-Strassenlärmmodell STL86+) entnommen werden. Un-

ter  Berücksichtigung  eines  Abstands  der  lärmempfindlichen  Räume  zur 

R1S.2020.05140 

Seite 26 

 
 
Strassenachse  von  ca. 20 m  ergeben  sich 

Immissionswerte  von 

ca. 66,6 dB(A)  am  Tag  und  ca. 61,4 dB(A)  in  der  Nacht  (Abstandsdämp-

fung  =  10  x  log  [Distanz]).  Die  Immissionsgrenzwerte  werden  damit  um 

1,6 dB bzw. 6,4 dB überschritten. 

Gemäss Art. 2 Abs. 6 lit. a LSV gehören Küchen ohne Wohnanteil nicht zu 

den  lärmempfindlichen  Räumen.  Der  Rekurrent  kritisiert,  das  Gutachten 

gehe von der überholten Annahme aus, dass Küchen mit einer Grundfläche 
von weniger als 6 m2 zu den nicht lärmempfindlichen Räumen zählten; die-
ser Wert sei auf 10 m2 erhöht worden. Die Flächen der in Frage stehenden 
Küchen  seien  jedoch  nicht  aktenkundig.  Die  Vorinstanz  bringt  dazu  vor, 

sämtliche Küchen an der H.-Strasse 1 ff. seien als Wohnküchen konzipiert, 
34  hätten  eine  Grundfläche  von  10 m2  und  mehr.  8  der  16  kleineren  Kü-
chen stünden in räumlicher Verbindung mit einem angrenzenden Essraum. 

Somit  zählten  42  von  50  Küchen  zur  Kategorie  der  lärmempfindlichen 

Räume.  

Der Rekurrent ist indes der Auffassung, es sei die Möglichkeit von Grund-

rissänderungen in Betracht zu ziehen, um "durchgesteckte Wohnbereiche" 

zu  schaffen,  womit  ein  Grossteil  der  Küchen  aus  der  Kategorie  der  lärm-

empfindlichen  Räume  gemäss  Art. 6  Abs. 2 LSV  (recte  Art. 2  Abs. 6 LSV) 

fallen würde. Hierbei geht es um die lärmabgewandte Lüftung durchgehen-

der Räume. Entgegen der Auffassung des Rekurrenten und der Vorinstanz 

führen durchgehende Räume, die zwischen einer lärmexponierten und eine 

ruhigen Gebäudeseite liegen, nicht dazu, dass diese Räume nicht mehr als 

lärmempfindlich im Sinne von Art. 2 Abs. 6 LSV gelten würden. Im Gegen-

teil:  Wird  eine  Küche  ohne  Wohnanteil  zu  einem  Wohnraum  hin  geöffnet, 

fällt  sie  neu unter  die lärmempfindlichen  Räume.  Bei  der  in  Frage  stehen-

den  lärmoptimierten  Ausgestaltung  von  Grundrissen  (lärmabgewandtes 
Lüftungsfenster) handelt es sich um eine Massnahme im Sinne von Art. 31 

Abs. 1  lit. a LSV  und  um  eine  Voraussetzung  für  die  Erteilung  einer  lärm-

rechtlichen  Ausnahmebewilligung.  Denn  nach  Auffassung  des  Bundesge-

richts muss vor Erteilung der Ausnahmebewilligung nachgewiesen werden, 

dass alle in Betracht fallenden baulichen und gestalterischen Massnahmen 

geprüft worden sind. Erst wenn erstellt sei, dass sämtliche verhältnismässi-

gen Massnahmen ausgeschöpft worden seien, komme als "ultima ratio" die 

Gewährung  einer  Ausnahme 

in  Betracht 

(BGr 1C_106/2018  vom 

2. April 2019, E. 4.7, mit Hinweisen). 

R1S.2020.05140 

Seite 27 

 
 
Die Vorinstanz ging im angefochtenen Beschluss entgegen dem Rekurren-

ten nicht davon aus, dass im Bestand keine wesentliche Verbesserung des 

Lärmschutzes erreicht werden könne. Vielmehr hielt sie fest, es wären dazu 

erhebliche Änderungen notwendig, bei denen die Vorgaben gemäss Art. 31 

LSV einzuhalten seien. Dass diese Vorgaben nicht erfüllt werden könnten, 

wird  nicht  gesagt.  Zutreffend  erwog  die  Vorinstanz,  die  Immissionsgrenz-

werte  könnten  bei  den  lärmempfindlichen  Räumen  auch  in  Zukunft  nicht 

eingehalten werden.  

Sodann ist anzufügen, dass das Gutachten nebst den Küchen noch weitere 

lärmempfindliche Räume feststellt, die von Grenzwertüberschreitungen be-

troffen sind. Im Übrigen ist es für die Interessenabwägung nicht ausschlag-

gebend, ob mittels einer Änderung der Grundrissdisposition im Bestand ei-

ne  gewisse  Verbesserung  der  Lärmsituation  erzielt  werden  könnte.  Viel-

mehr kann mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass eine Neu-

überbauung  der Lärmbelastung  wesentlich besser  Rechnung  tragen  kann. 

Dass ein Neubau aus lärmrechtlichen Gründen nicht bewilligungsfähig sein 

könnte,  wie  der  Rekurrent mutmasst,  ist nicht  ernsthaft  in  Betracht  zu  zie-

hen. Der Rekurrent argumentiert widersprüchlich, wenn er die Bewilligungs-

fähigkeit eines Neubaus aus lärmrechtlichen Gründen und damit auch eine 

entsprechende Ausnahmebewilligung in Frage stellt, sich aber andererseits 

im  Zusammenhang  mit  dem  Erhalt  und  einer  "wesentlichen  Änderung"  im 

Sinne von Art. 31 Abs. 1 LSV der streitbetroffenen Gebäude für eine lärm-

rechtliche  Ausnahmebewilligung  nach  Art. 31  Abs. 2 LSV  ausspricht.  So-

weit  die  Immissionsgrenzwerte  überschritten  werden  sollten,  kann  davon 

ausgegangen werden, dass ein Neubau die Voraussetzungen für eine Aus-

nahmebewilligung  (Art. 31 Abs. 2 LSV)  erfüllen  könnte.  Damit  steht  die 

Lärmbelastung  einer  Unterschutzstellung  zwar  nicht  grundsätzlich  entge-

gen,  sie  fällt  aber  bei  der  Interessenabwägung  zu  deren  Ungunsten  ins 
Gewicht.  

5.5.9. 
Zu  berücksichtigen  sind  sodann  die  entgegenstehenden  privaten  Interes-

sen.  Der  Rekurrent  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  die  Machbarkeitsstudie 

zeige, dass auch mit dem Erhalt der Siedlung den Bedürfnissen der Mitbe-

teiligten  Rechnung  getragen  werden  könne.  Dieses  Argument  greift  zu 

kurz. Massgebend ist – wie schon in Bezug auf die öffentlichen Interessen 

ausgeführt  –  dass  ein  Erhalt  oder  Teilerhalt  der  Siedlung  die  Bedürfnisse 

R1S.2020.05140 

Seite 28 

 
 
der  Grundeigentümerin  nicht  im  selben  Mass  abdecken  würde,  wie  es  mit 

einem Neubau der Fall wäre. Betroffen sind insbesondere das Interesse an 

einer Mehrausnützung des heute unternutzten Grundstücks, an der Schaf-

fung eines grösseren Anteils an Familienwohnungen, an einer behinderten-

gerechten Bauweise und an der Verbesserung des Lärmschutzes. Im We-

sentlichen decken sich die privaten Interessen mit den öffentlichen Interes-

sen. 

5.5.10. 
Insgesamt  zeigt  sich,  dass  die  Vorinstanz  eine  umfassende  Interessenab-

wägung  vorgenommen  hat  und  sich  ihr  Entscheid  auf  sachliche,  objektive 

und nachvollziehbare Gründe stützt. Dem Erhalt der höchstens im mittleren 

Grad  schutzwürdigen  Wohnsiedlung  stehen  zahlreiche  öffentliche  und  pri-

vate  Interessen  entgegen.  Indem  die  Vorinstanz  den  entgegenstehenden 

Interessen  in  ihrer  Summe  ein  überwiegendes  Gewicht  beimisst,  hat  sie 

das ihr zustehende Ermessen in pflichtgemässer Weise ausgeübt, weshalb 

sich ein Eingreifen der Rechtsmittelinstanz verbietet. Der Rekurrent vermag 

keine  stichhaltigen  Gründe  aufzuzeigen,  weshalb  die  auf  dem  Spiel  ste-

henden Interessen anders zu gewichten sein sollen. Hinzu kommt, dass die 

Epoche  des  Neuen  Bauens  im  Kontext  des  genossenschaftlichen  Woh-

nungsbaus  in  ausreichender Weise  im  kommunalen  Inventar  repräsentiert 

bleibt (Siedlungen Entlisberg I, Zentralstrasse, Waidfussweg und Neubühl). 

6. 
Der Rekurrent beantragt, eventualiter seien der Kopfbau und die nördlichs-

te Häuserzeile der Siedlung H. unter Schutz zu stellen. 

Der  Eventualantrag  wird  nicht  spezifisch  begründet.  Aus  der  allgemeinen 
Rekursbegründung geht hervor, dass der Rekurrent dem Kopfbau und der 

nördlichsten  Häuserzeile  eine  ortsbildprägende,  städtebauliche  Bedeutung 

beimisst.  Erwähnt  wird  ausserdem  der  Vorgartenbereich  entlang  der  H.-

Strasse  mit  dem  alten  Baumbestand.  Die  Interessen  am  Abbruch  würden 

zumindest die Interessen am Teilerhalt nicht überwiegen. 

Wie  bereits  erwähnt,  trägt  der  Kopfbau  von  seiner  Ausgestaltung,  mithin 

von  seiner  Substanz  und Ausstrahlungskraft her  nicht  in  sehr erheblichem 

Mass zum Ortsbild bei; ein adäquater Platzabschluss kann auch mit einem 

R1S.2020.05140 

Seite 29 

 
 
Neubau  geschaffen  werden.  Die  an  den  Kopfbau  anschliessende  Häuser-

zeile mit dem Vorgartenbereich entlang der H.-Strasse zeichnet sich durch 

ein zurückhaltendes Erscheinungsbild aus und prägt den Strassenraum der 

H.-Strasse  nicht,  zumal  die  Häuserzeile  von  der  vorherrschenden  Fassa-

denflucht zurückversetzt ist. Ins Auge fällt einzig der hohe Baumbestand im 

Vorgartenbereich,  was  aber  keinen  Situationswert  für  das  Gebäude  be-

gründet. 

Damit  besteht  kein  überwiegendes  öffentliches  Interesse  am  Erhalt  der 

nördlichsten Häuserzeile samt Kopfbau allein aus Gründen des Situations-

werts. Der Eventualantrag ist abzuweisen. 

7.1. 
Schliesslich beanstandet der Rekurrent eine fehlende Koordination des an-

gefochtenen Beschlusses mit dem Bauentscheid. Die Schutzfragen würden 

in die Phase des Bauentscheids verlagert, womit die materielle und formel-

le  Koordination  vereitelt  werde.  Es  bestünden  enge  Zusammenhänge  zwi-

schen  Neubau  und  Schutzentscheid.  Diesen  unmittelbaren  Konnex  habe 

bereits  die  Denkmalpflegekommission  an  der  Sitzung  vom  4. Mai 2009 

ausgesprochen,  als  sie  die  Inventarentlassung  ohne  konkretes  Bauprojekt 

verweigert habe: "Zunächst wird festgehalten, dass es schwierig ist, einen 

Entscheid  über  die  Schutzwürdigkeit  zu  fällen,  wenn  erst  in  15 Jahren  ein 

Ersatzneubau  realisiert  werden  soll.  [..]  Eine  Entlassung  der  Siedlung  aus 

dem  Inventar  auf  Vorrat  ist  nicht  möglich."  Gemäss  Dispositivziffer 1  des 

angefochtenen Beschlusses erfolge eine Entlassung erst, wenn der Stadt-

rat von der Qualität des Baugesuchs überzeugt sei. Mit der Machbarkeits-

studie  als  Vorbereitungsmassnahme  erachte  der  Stadtrat  die  Nichtunter-

schutzstellung  als  verhältnismässig,  weil  sich  –  so  die  Erwägung  auf  Sei-
te 8 des angefochtenen Beschlusses – allenfalls die Möglichkeit bieten soll, 

den  städtebaulich  markanten  Kopfbau  in  einen  Ersatzneubau  zu  integrie-

ren. Die Baufreigabe, und damit die bedingt aufgeschobene Inventarentlas-

sung,  solle  "gestützt  auf  eine  rechtskräftige  Baubewilligung  für  Ersatzneu-

bauten,  die  das  Resultat  eines  Varianzverfahrens  sind  und  welche  die  für 

die Inventarentlassung massgeblichen öffentlichen Interessen berücksichti-

gen"  (Erwägung  auf  Seite 8  des  angefochtenen  Beschlusses)  erfolgen. 

Damit sei, so der Rekurrent, klar, dass die Baubewilligung die für die Inven-

tarentlassung  massgeblichen  öffentlichen  Interessen  berücksichtige  und 

R1S.2020.05140 

Seite 30 

 
 
der  Schutzentscheid  in  den  Bauentscheid  verlagert  werde.  Der  Stadtrat 

ziehe  eine  mindestens  teilweise  Erhaltung  des  Schutzobjekts  in  Betracht; 

woran  erhebliche  öffentliche  Interessen  bestünden.  Die  Mitbeteiligte  habe 

entsprechende  Varianten  mit  Erhalt  dieser  Teile  ausgearbeitet.  Über  den 

Erhalt  solle  indes  erst  mit  dem  Bauentscheid  befunden  werden.  Es  werde 

somit  in  der  zweiten  Phase  der  Baubewilligung  über  etwas  entschieden, 

was  eigentlich  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  sein  sollte:  die 

teilweise  Unterschutzstellung.  Faktisch  offensichtliche  Zusammenhänge 

zwischen Bauentscheid und Unterschutzstellung würden getrennt. Das Ko-

ordinationsprinzip nach Art. 25a RPG wolle derartige faktische Zusammen-

hänge zusammen behandelt haben. Vorliegend hätten der Schutzentscheid 

und  die  Baubewilligung  gemeinsam,  d.h.  mindestens  die  Unterschutzstel-

lung  mit  einem  Vorentscheid  über  die  Baubewilligung,  behandelt  werden 

müssen. 

7.2. 
Der Stadtrat hält dafür, der angefochtene Beschluss sei, wie in solchen Fäl-

len  üblich,  suspensiv-bedingt  ergangen  (suspensiv  bedingter  Verzicht  auf 

Unterschutzstellung), sodass  gewährleistet werden  könne, dass die  mass-

geblichen öffentlichen Interessen dereinst auch tatsächlich umgesetzt wür-

den.  Es  handle  sich  um  eine  verwaltungsgerichtlich  bestätigte  Behörden-

praxis (VB.2017.00362 vom 7. Juni 2018, E. 6.2). Dereinst werde die Denk-

malpflegebehörde  (und  nicht  die  Baubehörde)  mittels  Feststellungsbe-

schluss  darüber  zu  befinden  haben,  ob  das  nachgesuchte  Bauprojekt  die 

öffentlichen  Interessen,  welche  der  Interessenabwägung  des  angefochte-

nen  Beschlusses  zugrunde  gelegen  hätten,  hinreichend  berücksichtige. 

Damit  würden  nicht  in  unzulässiger Weise  Schutzfragen  in  die  Phase  des 

Bauentscheids verlagert. Denn die grundsätzlichen Fragen (Vorliegen eines 

Schutzobjekts,  Interessenabwägung  und  Verzicht  auf  Unterschutzstellung) 
habe  der  Stadtrat  ausführlich  im  angefochtenen  Beschluss  behandelt,  um 

darüber in der Folge abschliessend zu entscheiden.  

7.3. 
Gemäss  Dispositivziffern 1  und  6  des  angefochtenen  Beschlusses  soll  die 

Wohnsiedlung  H.  aus  den  Inventar  entlassen  werden,  sobald  die  Baube-

hörde –  gestützt  auf  eine  rechtskräftige  Baubewilligung  auf der  Grundlage 

eines  Feststellungsbeschlusses  des  Stadtrates  –  die  Baufreigabe  für  die 

Ersatzneubauten erteilt habe und in der Folge ein Abbruch erfolgt sei. Die 

R1S.2020.05140 

Seite 31 

 
 
Inventarentlassung  erfolgt  damit  nicht  bedingungslos,  sondern  suspensiv 

bedingt  auf  den  Zeitpunkt  der  Baufreigabe  eines  rechtskräftig  bewilligten 

Ersatzneubaus.  In  den  Erwägungen  auf  Seite 8  des  angefochtenen  Be-

schlusses wird ausgeführt, die Baufreigabe werde für Ersatzneubauten er-

teilt, die das Resultat eines Varianzverfahrens seien und welche die für die 

Inventarentlassung  massgeblichen  öffentlichen  Interessen  berücksichtigen 

würden. Nach Eröffnung eines Baubewilligungsverfahrens werde der Stadt-

rat entscheiden, ob dies Bedingungen erfüllt seien. 

Diese Formulierungen mögen prima vista den Anschein erwecken, als ob in 

unzulässiger Weise in einem künftigen Baubewilligungsverfahren eine Inte-

ressenabwägung vorgenommen werden soll, die für die Grundsatzfrage der 

Inventarentlassung  entscheidend  ist.  Dem  ist  indes  nicht  so,  wie  sich  aus 

dem Gesamtzusammenhang ergibt. Der angefochtene Beschluss ist bereits 

das  Resultat  einer  vollständigen  Interessenabwägung,  die  unter  anderem 

die  Vorteile berücksichtigt,  welche  sich  mit  einem –  heute noch nicht  kon-

kretisierten  –  Neubau  hinsichtlich  der  öffentlichen  Interessen  bieten.  Im 

Baubewilligungsverfahren  soll  –  durch  einen  Feststellungsbeschluss  des 

Stadtrates  als  Denkmalschutzbehörde  –  lediglich  beurteilt  werden,  ob  das 

konkrete  Neubauprojekt  die  entsprechenden,  im  öffentlichen  Interesse  lie-

genden  Qualitäten  aufweist,  von  denen  der  Stadtrat  im  Inventarentlas-

sungsbeschluss ausgegangen ist, namentlich die Erhöhung des Anteils an 

gemeinnützigem  Wohnraum,  die  bauliche  Verdichtung,  die  2000-Watt-

Gesellschaft, die Verbesserung des Lärmschutzes und die Quartierentwick-

lung. Zu prüfen sein wird somit die Erfüllung der Bedingungen, die dem an-

gefochtenen Beschluss zugrunde liegen, und nicht die Bedingungen, unter 

denen  eine  Inventarentlassung  erfolgen  kann  (vgl.  zur  Zulässigkeit  einer 

analogen  suspensiv  bedingten  Inventarentlassung  VB.2017.00361  und 

VB.2017.00362 vom 7. Juni 2018, E. 6.2). 

Der Rekurrent bringt vor, beim Bauentscheid solle ausdrücklich die teilwei-

se  Erhaltung  des  Schutzobjekts  in  Betracht  kommen.  Diese  Entscheidung 

sei  aber  Teil  der  Inventarentlassung.  Dem  ist  entgegenzuhalten,  dass  die 

Wohnsiedlung  H.  mit  dem  angefochtenen  Beschluss  vollständig  aus  dem 

Inventar  entlassen  wird.  Im  angefochtenen  Beschluss  wird  lediglich  die 

Möglichkeit  erwähnt,  den  Kopfbau  in  einen  Ersatzneubau  zu  integrieren 

oder aber im Sinne einer architektonischen Neuinterpretation desselben ei-

ne ähnlich ortsbildprägende Qualität am H.-Platz zu erzielen. Der Kopfbau 

R1S.2020.05140 

Seite 32 

 
 
darf  also  ersetzt  werden.  Ob  ein  künftiges  Neubauprojekt  die  Anforderun-

gen des Ortsbildschutzes erfüllt, wird im Baubewilligungsverfahren zu prü-

fen sein.  

Der suspensiv bedingte Verzicht auf Unterschutzstellung ist nicht zu bean-

standen; das Koordinationsgebot wurde nicht verletzt. 

8. 
Zusammengefasst ist der Rekurs abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

9.1. 
Ausgangsgemäss  sind  die  Verfahrenskosten  dem  Rekurrenten  aufzuerle-

gen (§ 13 VRG).  

Nach  §  338  Abs.  1  PBG  bzw.  §  2  der  Gebührenverordnung  des  Verwal-

tungsgerichts  (GebV VGr)  legt  das  Baurekursgericht  die  Gerichtsgebühr 

nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 

bestimmbaren  Streitwert  oder  dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt 

wie  hier  ein  Verfahren  ohne  bestimmbaren  Streitwert  vor,  beträgt  die  Ge-

richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 

Abs. 2  GebV VGr).  In  besonders  aufwendigen  Verfahren  kann  die  Ge-

richtsgebühr  bis  auf  das  Doppelte  erhöht  werden  (§  4  Abs. 1  GebV  VGr). 

Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser 

Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3. Aufl.,  Zü-

rich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).  

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses (mit der 
Schutzmassnahme verbundener Eingriff in das Eigentum; Unterschutzstel-

lung einer Wohnüberbauung mit 163 Wohnungen, erhebliche Unternutzung 

der  Grundstücke),  des  getätigten  Verfahrensaufwandes  (zweiter  Schriften-

wechsel,  Durchführung  eines  Abteilungsaugenscheins)  und  des  Umfangs 

des  vorliegenden  Urteils  ist  die  Gerichtsgebühr  auf  Fr. 10'000.-- festzuset-

zen (BGr 1C_566/2015 vom 18. Februar 2016, E. 2; BGr 1C_244/2013 vom 

4. Juli 2013,  E. 4;  BRGE II  Nrn. 0162  und  0163/2012  vom  23. Oktober 

2012,  E. 16,  in  BEZ 2014  Nr. 36;  Entscheid  bestätigt  mit  VB.2012.00774 

R1S.2020.05140 

Seite 33 

 
 
vom  22. August 2013,  dieser  bestätigt  mit  BGr 1C_810/2013  vom  14. Juli 

2014; www.baurekursgericht-zh.ch). 

9.2. 
Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte  und  schwieriger  Rechtsfragen  besonderen  Aufwand  erforderte  

oder den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der 

Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend der Mitbeteiligten zulas-

ten  des  Rekurrenten  eine  Umtriebsentschädigung  zuzusprechen.  Ange-

messen  erscheint  ein  Betrag  von  Fr. 3'500.--.  Da  die  Umtriebsentschädi-

gung  pauschal  festgelegt  wird,  entfällt  die  Zusprechung  eines  Mehrwert-

steuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE II  Nrn. 0247  und  0248/2007  in 

BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch). 

Die  Vorinstanz  beantragt  die  Zusprechung  einer  Umtriebsentschädigung. 

Vorliegend handelt es sich zwar nicht um einen einfachen Fall. Dessen un-

geachtet  hatte  die  Behörde  im  Rechtsmittelverfahren  keinen  besonderen, 

über  die  Bearbeitung  im  Bewilligungsverfahren  erheblich  hinausgehenden 

Zusatzaufwand zu treiben. Die Voraussetzungen von § 17 Abs. 2 lit. a VRG 

sind  daher  nicht  erfüllt,  so  dass  von  der  Zusprechung  einer  Umtriebsent-

schädigung an die Vorinstanz abzusehen ist. 

[…] 

R1S.2020.05140 

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