Document Number: JJT_20200729_OGH0002_0130OS00047_20S0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130OS00047.20S.0729.000
Case Number: 13Os47/20s
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1595980800000
Word Count: 1267

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 29.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤te und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer, Mag.Â Michel, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Brenner in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â Part in der Strafsache gegen Wasef S***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 und AbsÂ 2 ZÂ 1 StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft sowie die Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten Nour T***** gegen das Urteil des Landesgerichts Steyr als SchÃ¶ffengericht vom 5.Â DezemberÂ 2019, GZÂ 15Â HvÂ 70/19g-233, weiters die Beschwerde dieses Angeklagten gegen den zugleich ergangenen Beschluss auf VerlÃ¤ngerung einer Probezeit nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden Wasef S*****, Hassan K*****, Mohammad T*****, Teoman A*****, Ata Sa*****, Marcus St***** und Christine F***** jeweils des Verbrechens des Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 15, 127, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1, AbsÂ 2 ZÂ 1 StGB sowie Nour T***** und Alexandra P***** (richtig) jeweils des Verbrechens des schweren Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 und AbsÂ 2 ZÂ 1 und 15 StGB schuldig erkannt.
Danach haben in Steyr und andernorts
(A)I)Â Mohammad T***** und Sa***** am 31.Â JuliÂ 2019 im bewussten und gewollten Zusammenwirken (Â§Â 12 erster Fall StGB) Sieglinde M***** und Reinhard M***** fremde bewegliche Sachen, nÃ¤mlich Bargeld und WertgegenstÃ¤nde, durch Einbruch in eine WohnstÃ¤tte mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz wegzunehmen versucht, indem sie sich auf das GrundstÃ¼ck der Opfer begaben und Sa***** eine Fensterscheibe ihres Wohnhauses einschlug, um sich Zutritt zu verschaffen, wobei es lediglich auf Grund polizeilichen Einschreitens beim Versuch blieb, und
II)Â mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz sonst zur AusfÃ¼hrung der zu I genannten strafbaren Handlung beigetragen (Â§Â 12 dritter Fall StGB), nÃ¤mlich
1)Â K*****, Nour T***** und A*****, indem sie am 31.Â JuliÂ 2019 in einem Fluchtfahrzeug in unmittelbarer NÃ¤he des Tatortes Aufpasserdienste leisteten und in stÃ¤ndigem Kontakt zu den unmittelbaren TÃ¤tern standen, um diese vor dem Eintreffen anderer Personen zu warnen und zur Flucht anzuleiten,
2)Â St***** vor dem 31.Â JuliÂ 2019, indem er P***** Informationen Ã¼ber die HÃ¶he der zu erwartenden Beute, das Tatobjekt und die (gÃ¼nstigste) Tatzeit mitteilte,
3)Â P***** vor dem 31.Â JuliÂ 2019, indem sie die von St***** erhaltenen Informationen samt einem Foto vom Tatobjekt an S***** weiterleitete sowie das Tatobjekt auskundschaftete,
4)Â F***** vor dem 31.Â JuliÂ 2019, indem sie gemeinsam mit P***** das Tatobjekt auskundschaftete und ein Foto von diesem anfertigte, und
5)Â S***** vor dem 31.Â JuliÂ 2019, indem er die von P***** erhaltenen Informationen Ã¼ber das Tatobjekt samt Foto von diesem an K***** weitergab, weiters
(B)I)Â Nour T***** am 14.Â MaiÂ 2019 Johann Z***** fremde bewegliche Sachen in einem 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden Wert mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz durch Einbruch in eine WohnstÃ¤tte weggenommen, indem er die BalkontÃ¼r der Wohnung des Opfers aufbrach, einen Tresor mittels eines ihm zuvor bekannt gegebenen Codes Ã¶ffnete und aus diesem 185.000Â Euro Bargeld, GoldmÃ¼nzen im Wert von 2.400Â Euro, Schmuck und Uhren entnahm, und
II)Â P***** vor dem 14.Â MaiÂ 2019 mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz sonst zur AusfÃ¼hrung der zu I beschriebenen strafbaren Handlung beigetragen (Â§Â 12 dritter Fall StGB), indem sie den Kontakt zwischen St***** (welcher den AnstoÃŸ fÃ¼r die Straftat gegeben und Informationen Ã¼ber das Tatobjekt geliefert hatte) und dem unmittelbaren TÃ¤ter herstellte.
Hingegen wurde Maan Ka***** von der Anklage freigesprochen, er habe mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz als Mitglied einer kriminellen Vereinigung unter Mitwirkung eines anderen Mitglieds dieser Vereinigung
(I)Â mit S*****, P***** und St***** vor dem 31.Â JuliÂ 2019 Mohammad T***** und Sa***** zur AusfÃ¼hrung der zu A/I genannten strafbaren Handlung bestimmt, indem St***** exakte Informationen Ã¼ber die zu erwartende HÃ¶he der Beute, das Tatobjekt und die Vorgehensweise an P*****, diese an Ka***** und dieser in Folge an S***** und Mohammad T***** Ã¼bermittelte, und
(II)Â mit P***** vor dem 14.Â MaiÂ 2019 Nour T***** zur AusfÃ¼hrung der zu B/I genannten strafbaren Handlung bestimmt, indem P***** Informationen Ã¼ber das Tatobjekt und eine geeignete Tatzeit, den Code des Tresors und die zu erwartende Beute an Ka***** und dieser in weiterer Folge an den unmittelbaren TÃ¤ter weiterleitete.
Rechtliche Beurteilung
Die aus den GrÃ¼nden der Z 5 und 10 des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO ergriffene Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft bekÃ¤mpft den Ka***** betreffenden Freispruch und das Unterbleiben einer Subsumtion nach Â§Â 128 AbsÂ 2 StGB hinsichtlich der Ã¼brigen Angeklagten. Sie ist nicht im Recht.
Der MÃ¤ngelrÃ¼ge zuwider ist die Negativfeststellung zu einem auf eine Beute im Wert von Ã¼ber 300.000Â Euro gerichteten Vorsatz der Angeklagten S*****, K*****, Nour T*****, Mohammad T*****, P*****, Sa*****, St***** und F***** nicht unvollstÃ¤ndig begrÃ¼ndet (ZÂ 5 zweiter Fall). Denn das Erstgericht hat sich ausfÃ¼hrlich mit den Ergebnissen der Ãœberwachung von TelefongesprÃ¤chen (Â§Â 134 ZÂ 3 StPO) mehrerer Angeklagter sowie den Angaben der Angeklagten P***** auseinandergesetzt (USÂ 45Â ff und 51Â ff). Mit Blick auf das Gebot zu gedrÃ¤ngter Darstellung der EntscheidungsgrÃ¼nde (Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO) war es nicht verhalten, sich im Urteil mit â€“ von der BeschwerdefÃ¼hrerin unter eigenstÃ¤ndiger WÃ¼rdigung isoliert herausgegriffenen â€“ Details dieser Beweisergebnisse auseinanderzusetzen (RIS-Justiz RS0106642). Im Ãœbrigen haben die Tatrichter ohnehin festgestellt, dass in einem Telefonat zweier Angeklagter von der Hoffnung auf einen Beutewert von Ã¼ber 400.000Â Euro die Rede war (USÂ 26), jedoch mÃ¤ngelfrei dargelegt, weshalb dies der getroffenen Negativfeststellung nicht entgegensteht.
Der Inhalt eines vom Angeklagten S***** mit einem Unbekannten â€žzum Thema Drogenhandelâ€œ gefÃ¼hrten Telefonats ist nicht erheblich und daher nicht erÃ¶rterungsbedÃ¼rftig.
Welche weiteren Beweisergebnisse das Erstgericht â€žnicht einmal im Ansatz einer ErÃ¶rterung zufÃ¼hrteâ€œ, unterlÃ¤sst die BeschwerdefÃ¼hrerin deutlich und bestimmt zu bezeichnen (RIS-Justiz RS0118316 [T5]).
Die begrÃ¼ndenden AusfÃ¼hrungen, die Angeklagten hÃ¤tten zwar in der Hoffnung â€žauf eine mÃ¶glichst hohe Beuteâ€œ gehandelt, im Zweifel sei jedoch nicht von einem Vorsatz auf einen 300.000Â Euro Ã¼bersteigenden Wert des Diebsguts auszugehen (USÂ 75Â f), sind nach MaÃŸgabe von Denkgesetzen und grundlegenden ErfahrungssÃ¤tzen miteinander vereinbar und daher â€“ dem Beschwerdevorbingen (ZÂ 5 dritter Fall, nominell auch ZÂ 10) zuwider â€“ nicht widersprÃ¼chlich.
Im Ãœbrigen erschÃ¶pft sich die mit dem Ziel einer Subsumtion nach Â§Â 128 AbsÂ 2 StGB ergriffene RÃ¼ge darin, die beweiswÃ¼rdigenden ErwÃ¤gungen â€“ ohne auf ihre Gesamtheit Bezug zu nehmen (vgl aber RIS-Justiz RS0119370) â€“ und die darauf gestÃ¼tzte Negativfeststellung zur subjektiven Tatseite nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren unzulÃ¤ssigen Schuldberufung zu bekÃ¤mpfen.
Entgegen der gegen den Freispruch gerichteten, UnvollstÃ¤ndigkeit reklamierenden MÃ¤ngelrÃ¼ge haben die Tatrichter die von der BeschwerdefÃ¼hrerin ins Treffen gefÃ¼hrten Beweisergebnisse (Protokolle Ã¼ber Besuche beim Angeklagten Ka***** in der Justizanstalt, die Aussage der Angeklagten P***** und protokollierte Inhalte zwischen den Angeklagten gefÃ¼hrter Telefonate) ausfÃ¼hrlich erÃ¶rtert (USÂ 18, 43Â f, 53Â ff und 59Â f). Dass die dazu im Urteil angestellten ErwÃ¤gungen gegen Denkgesetze oder grundlegende Erfahrungswerte verstieÃŸen, vermag die weitere RÃ¼ge (ZÂ 5 vierter Fall) nicht aufzuzeigen (RIS-Justiz RS0118317).
Soweit sie auf â€“ im Urteil ebenfalls berÃ¼cksichtigte â€“ Verfahrensergebnisse verweist, welche â€ždie TÃ¤terschaft des Maan Ka***** belegenâ€œ, und eine â€žnachvollziehbare Auseinandersetzungâ€œ des Erstgerichts â€žzu diesen Beweisenâ€œ vermisst, Ã¼bt sie ein weiteres Mal bloÃŸ unzulÃ¤ssige BeweiswÃ¼rdigungskritik.
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO).
Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen (mit Ausnahme jener der Staatsanwaltschaft hinsichtlich Ata Sa*****) und die â€“ gemÃ¤ÃŸ Â§Â 498 AbsÂ 3 dritter Satz StPO als erhoben zu betrachtende â€“ Beschwerde des Angeklagten Nour T***** (Â§Â§Â 285i, 498 AbsÂ 3 vierter Satz StPO).
Im Ãœbrigen wirkte sich die verfehlte Annahme zweier Verbrechen des (mehrfach qualifizierten) Diebstahls bei Nour T***** und P***** (USÂ 5 und 79) nicht konkret zum Nachteil dieser beiden Angeklagten aus und bedurfte daher keiner amtswegigen (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO) Korrektur (RIS-Justiz RS0114927). Angesichts dieser Klarstellung ist das Oberlandesgericht bei seiner Entscheidung insoweit nicht an den fehlerhaften Schuldspruch gebunden (RIS-Justiz RS0118870).
Ãœber eine MaÃŸnahme gemÃ¤ÃŸ Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO in Ansehung des den Angeklagten Sa***** betreffenden Strafausspruchs (ZÂ 11 erster Fall) entscheidet der Oberste Gerichtshof gesondert in einem Gerichtstag zur Ã¶ffentlichen Verhandlung (Â§Â 285d AbsÂ 2 StPO).