Document Number: JFT_20201001_20G00272_00
ECLI: ECLI:AT:VFGH:2020:G272.2020
Case Number: G272/2020 ua, V469/2020 ua (G272/2020-11)
Application Type: Vfgh
Court: Verfassungsgerichtshof (VfGH)
Decision Date: 1601510400000
Word Count: 5632

Leitsatz
Aufhebung einer Bestimmung der COVID-19-Lockerungsverordnung betreffend die Abstandsregelung zwischen VerabreichungsplÃ¤tzen verschiedener Besuchergruppen in Gastgewerbebetrieben sowie Gesetzwidrigkeit der Voraussetzungen fÃ¼r den Einlass von Besuchergruppen mangels ausreichender Dokumentation der Entscheidungsgrundlagen
Spruch
I.Â 1. Â§6 Abs1 und 4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der MaÃŸnahmen, die zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung â€“ COVID-19-LV), BGBlÂ II NrÂ 197/2020, idF BGBlÂ II NrÂ 207/2020 wird als gesetzwidrig aufgehoben.
2. Die Aufhebung tritt mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 in Kraft.
II.Â 1. Â§6 Abs5 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der MaÃŸnahmen, die zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung â€“ COVID-19-LV), BGBlÂ II NrÂ 197/2020, idF BGBlÂ II NrÂ 231/2020 war gesetzwidrig.
2. Die als gesetzwidrig festgestellte Bestimmung ist nicht mehr anzuwenden.
III.Â Der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ist zur unverzÃ¼glichen Kundmachung dieser AussprÃ¼che im BundesgesetzblattÂ II verpflichtet.
IV.Â Die Behandlung der AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ I NrÂ 12/2020, idF BGBlÂ I NrÂ 16/2020 wird abgelehnt.
V.Â Im Ãœbrigen werden die AntrÃ¤ge zurÃ¼ckgewiesen.
VI.Â Der Bund (Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz) ist schuldig, den antragstellenden Parteien zuhanden ihres Rechtsvertreters die mit â‚¬Â 2.224,20 bestimmten Prozesskosten binnen 14Â Tagen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.
BegrÃ¼ndung
EntscheidungsgrÃ¼nde
I. AntrÃ¤ge
Mit ihren auf Art139 Abs1 Z3 B-VG sowie Art140 Abs1 "Z3" (gemeint wohl: Z1 litc) B-VG gestÃ¼tzten AntrÃ¤gen begehren die antragstellenden Parteien jeweils, der Verfassungsgerichtshof mÃ¶ge Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (im Folgenden: COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 23/2020 als verfassungswidrig und Â§6 Abs1, 4 undÂ 5 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der MaÃŸnahmen, die zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung â€“ im Folgenden: COVID-19-LV), BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 246/2020 als gesetzwidrig aufheben sowie feststellen, dass Â§3 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (im Folgenden: COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96), BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 96/2020, BGBlÂ IIÂ 110/2020, BGBlÂ IIÂ 112/2020, BGBlÂ IIÂ 130/2020, BGBlÂ IIÂ 151/2020 und BGBlÂ IIÂ 162/2020, Â§6 Abs1 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 und Â§6 Abs1, 4 undÂ 5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020, BGBlÂ IIÂ 231/2020 und BGBlÂ IIÂ 239/2020 gesetzwidrig waren.
II. Rechtslage
1. Rechtslage zu Â§4 Abs2 Bundesgesetz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ IÂ 12/2020, in der hier angefochtenen Fassung BGBlÂ IÂ 23/2020 (die angefochtene Bestimmung ist hervorgehoben):
1.1. Â§4 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz lautete in der Stammfassung BGBlÂ IÂ 12/2020 wie folgt:
"Inkrafttreten
Â§4. (1) Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft und mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 auÃŸer Kraft.
(2) Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten nicht zur Anwendung.
(3) Die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950 bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Verordnungen auf Grund dieses Bundesgesetzes kÃ¶nnen vor seinem Inkrafttreten erlassen werden, dÃ¼rfen jedoch nicht vor diesem in Kraft treten."
1.2. Â§4 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, lautete in der â€“ im Antrag nicht genannten â€“ Fassung BGBlÂ IÂ 16/2020 wie folgt:
"Inkrafttreten
Â§4. (1) Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft und mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 auÃŸer Kraft.
(1a) Abs2 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 16/2020 tritt rÃ¼ckwirkend mit 16.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft.
(2) Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.
(3) Die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950 bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Verordnungen auf Grund dieses Bundesgesetzes kÃ¶nnen vor seinem Inkrafttreten erlassen werden, dÃ¼rfen jedoch nicht vor diesem in Kraft treten."
1.3. Â§4 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, lautete in der â€“ im Antrag zitierten â€“ Fassung BGBlÂ IÂ 23/2020 wie folgt:
"Inkrafttreten
Â§4. (1) Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft und mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 auÃŸer Kraft.
(1a) Abs2 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 16/2020 tritt rÃ¼ckwirkend mit 16.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft.
(2) Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.
(3) Die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950 bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Verordnungen auf Grund dieses Bundesgesetzes kÃ¶nnen vor seinem Inkrafttreten erlassen werden, dÃ¼rfen jedoch nicht vor diesem in Kraft treten.
(5) Â§Â§1, 2 und Â§2a in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 23/2020 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft."
2. Rechtslage zu Â§3 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (VorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19; im Folgenden: COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96), BGBlÂ IIÂ 96/2020 in den angefochtenen Fassungen BGBlÂ IIÂ 96/2020, BGBlÂ IIÂ 110/2020, BGBlÂ IIÂ 112/2020, BGBlÂ IIÂ 130/2020, BGBlÂ IIÂ 151/2020 und BGBlÂ IIÂ 162/2020 (die angefochtenen Bestimmungen sind hervorgehoben):
2.1. Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 lautete in der Stammfassung BGBlÂ IIÂ 96/2020 wie folgt:
"Â§3. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist untersagt.
(2) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Gastgewerbetriebe, welche innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Kranken- und Kuranstalten;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen.
(3) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Beherbergungsbetriebe, wenn in der BetriebsstÃ¤tte Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an BeherbergungsgÃ¤ste verabreicht und ausgeschenkt werden.
(4) Abs1 gilt nicht fÃ¼r CampingplÃ¤tze und Ã¶ffentlichen Verkehrsmitteln, wenn dort Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an GÃ¤ste des Campingplatzes bzw Ã¶ffentlicher Verkehrsmitteln verabreicht und ausgeschenkt werden.
(5) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Lieferservice."
2.2. Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, wurde mit â€“ den ebenfalls angefochtenen â€“ BGBlÂ IIÂ 110/2020 und BGBlÂ IIÂ 112/2020 nicht geÃ¤ndert.
2.3. Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020 lautete in der Fassung BGBlÂ IIÂ 130/2020 wie folgt:
"Â§3. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist untersagt.
(2) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Gastgewerbetriebe, welche innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Kranken- und Kuranstalten;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen.
(3) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Beherbergungsbetriebe, wenn in der BetriebsstÃ¤tte Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an BeherbergungsgÃ¤ste verabreicht und ausgeschenkt werden.
(4) Abs1 gilt nicht fÃ¼r CampingplÃ¤tze und Ã¶ffentlichen Verkehrsmitteln, wenn dort Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an GÃ¤ste des Campingplatzes bzw Ã¶ffentlicher Verkehrsmitteln verabreicht und ausgeschenkt werden.
(5) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Lieferservice.
(6) Die Abholung vorbestellter Speisen ist zulÃ¤ssig, sofern diese nicht vor Ort konsumiert werden und sichergestellt ist, dass gegenÃ¼ber anderen Personen dabei ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird."
2.4. Mit den ebenfalls angefochtenen BGBlÂ IIÂ 151/2020 und BGBlÂ IIÂ 162/2020 wurde Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020 nicht geÃ¤ndert.
2.5. GemÃ¤ÃŸ Â§5 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 ist die Verordnung mit Ablauf des 30.Â April 2020 zur GÃ¤nze auÃŸer Kraft getreten.
3. Rechtslage zu Â§6 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der MaÃŸnahmen, die zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung â€“ COVID-19-LV), BGBlÂ IIÂ 197/2020, in den angefochtenen Fassungen BGBlÂ IIÂ 197/2020, BGBlÂ IIÂ 207/2020, BGBlÂ IIÂ 231/2020, BGBlÂ IIÂ 239/2020 und BGBlÂ IIÂ 246/2020 (die angefochtenen Bestimmungen sind hervorgehoben):
3.1. Â§6 COVID-19-LV lautete in seiner Stammfassung BGBlÂ IIÂ 197/2020 wie folgt:
"Gastgewerbe
Â§6. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist untersagt.
(2) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Gastgewerbetriebe, welche innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Krankenanstalten und Kuranstalten,
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime,
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten,
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen.
(3) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Beherbergungsbetriebe, wenn in der BetriebsstÃ¤tte Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an BeherbergungsgÃ¤ste verabreicht und ausgeschenkt werden.
(4) Abs1 gilt nicht fÃ¼r CampingplÃ¤tze und Ã¶ffentliche Verkehrsmittel, wenn dort Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an GÃ¤ste des Campingplatzes bzw des Ã¶ffentlichen Verkehrsmittels verabreicht und ausgeschenkt werden.
(5) Hinsichtlich der Ausnahmen gemÃ¤ÃŸ Abs2 bis 4 ist sicherzustellen, dass gegenÃ¼ber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird.
(6) Die Abholung vorbestellter Speisen ist zulÃ¤ssig, sofern diese nicht vor Ort konsumiert werden und gegenÃ¼ber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird sowie eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung getragen wird.
(7) Abs1 gilt nicht fÃ¼r beruflich erforderliche Zwecke und fÃ¼r Lieferservice."
3.2. Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, lautet(e) in der ebenfalls angefochtenen Fassung BGBlÂ IIÂ 207/2020 wie folgt:
"Gastgewerbe
Â§6. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist unter den in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen zulÃ¤ssig.
(2) Der Betreiber darf das Betreten der BetriebsstÃ¤tte fÃ¼r Kunden nur im Zeitraum zwischen 06.00 und 23.00Â Uhr zulassen. Restriktivere Sperrstunden und Aufsperrstunden aufgrund anderer Rechtsvorschriften bleiben unberÃ¼hrt.
(3) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass die Konsumation von Speisen und GetrÃ¤nken nicht in unmittelbarer NÃ¤he der Ausgabestelle erfolgt.
(4) Der Betreiber hat die VerabreichungsplÃ¤tze so einzurichten, dass zwischen den Besuchergruppen ein Abstand von mindestens einem Meter besteht. Dies gilt nicht, wenn durch geeignete SchutzmaÃŸnahmen zur rÃ¤umlichen Trennung das Infektionsrisiko minimiert werden kann.
(5) Der Betreiber darf Besuchergruppen nur einlassen, wenn diese
1. aus maximal vier Erwachsenen zuzÃ¼glich ihrer minderjÃ¤hrigen Kinder oder minderjÃ¤hrigen Kindern, denen gegenÃ¼ber Obsorgepflichten vorhanden sind, bestehen oder
2. aus Personen bestehen, die im gemeinsamen Haushalt leben.
(6) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass jeder Kunde in geschlossenen RÃ¤umen der BetriebsstÃ¤tte durch den Betreiber oder einen Mitarbeiter platziert wird.
(7) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass er und seine Mitarbeiter bei Kundenkontakt eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung tragen.
(8) Vom erstmaligen Betreten der BetriebsstÃ¤tte bis zum Einfinden am Verabreichungsplatz hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten und in geschlossenen RÃ¤umen eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen. Beim Verlassen des Verabreichungsplatzes hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten.
(9) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass sich am Verabreichungsplatz keine GegenstÃ¤nde befinden, die zum gemeinsamen Gebrauch durch die Kunden bestimmt sind. Selbstbedienung ist nur zulÃ¤ssig, wenn die Speisen und GetrÃ¤nke vom Betreiber oder einem Mitarbeiter ausgegeben werden oder zur Entnahme vorportionierter und abgedeckter Speisen und GetrÃ¤nke.
(10) Bei der Abholung vorbestellter Speisen und/oder GetrÃ¤nke ist sicherzustellen, dass diese nicht vor Ort konsumiert werden und gegenÃ¼ber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird sowie eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung getragen wird. Bei der Abholung kÃ¶nnen zusÃ¤tzlich auch nicht vorbestellte GetrÃ¤nke mitgenommen werden.
(11) Die Abs1 bisÂ 10 gelten nicht fÃ¼r Betriebsarten der Gastgewerbe, die innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Krankenanstalten und Kureinrichtungen;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen;
5. MassenbefÃ¶rderungsmittel."
3.3. Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, lautete in der ebenfalls angefochtenen Fassung BGBlÂ IIÂ 231/2020 wie folgt:
"Gastgewerbe
Â§6. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist unter den in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen zulÃ¤ssig.
(2) Der Betreiber darf das Betreten der BetriebsstÃ¤tte fÃ¼r Kunden nur im Zeitraum zwischen 06.00 und 23.00Â Uhr zulassen. Restriktivere Sperrstunden und Aufsperrstunden aufgrund anderer Rechtsvorschriften bleiben unberÃ¼hrt.
(3) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass die Konsumation von Speisen und GetrÃ¤nken nicht in unmittelbarer NÃ¤he der Ausgabestelle erfolgt.
(4) Der Betreiber hat die VerabreichungsplÃ¤tze so einzurichten, dass zwischen den Besuchergruppen ein Abstand von mindestens einem Meter besteht. Dies gilt nicht, wenn durch geeignete SchutzmaÃŸnahmen zur rÃ¤umlichen Trennung das Infektionsrisiko minimiert werden kann.
(5) Der Betreiber darf Besuchergruppen nur einlassen, wenn diese
1. aus maximal vier Erwachsenen zuzÃ¼glich ihrer minderjÃ¤hrigen Kinder oder minderjÃ¤hrigen Kindern, denen gegenÃ¼ber Obsorgepflichten vorhanden sind, bestehen oder
2. aus Personen bestehen, die im gemeinsamen Haushalt leben.
Der gemeinsame Einlass von mehreren zusammengehÃ¶renden Besuchergruppen ist nach MaÃŸgabe des Abs4 mÃ¶glich.
(6) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass jeder Kunde in geschlossenen RÃ¤umen der BetriebsstÃ¤tte durch den Betreiber oder einen Mitarbeiter platziert wird.
(7) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass er und seine Mitarbeiter bei Kundenkontakt eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung tragen, sofern zwischen den Personen keine sonstige geeignete Schutzvorrichtung zur rÃ¤umlichen Trennung vorhanden ist, die das gleiche Schutzniveau gewÃ¤hrleistet.
(8) Vom erstmaligen Betreten der BetriebsstÃ¤tte bis zum Einfinden am Verabreichungsplatz hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten und in geschlossenen RÃ¤umen eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen. Beim Verlassen des Verabreichungsplatzes hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten.
(9) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass sich am Verabreichungsplatz keine GegenstÃ¤nde befinden, die zum gemeinsamen Gebrauch durch die Kunden bestimmt sind. Selbstbedienung ist nur zulÃ¤ssig, wenn die Speisen und GetrÃ¤nke vom Betreiber oder einem Mitarbeiter ausgegeben werden oder zur Entnahme vorportionierter und abgedeckter Speisen und GetrÃ¤nke.
(10) Bei der Abholung vorbestellter Speisen und/oder GetrÃ¤nke ist sicherzustellen, dass diese nicht vor Ort konsumiert werden und gegenÃ¼ber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird sowie eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung getragen wird. Bei der Abholung kÃ¶nnen zusÃ¤tzlich auch nicht vorbestellte GetrÃ¤nke mitgenommen werden.
(11) Die Abs1 bisÂ 10 gelten nicht fÃ¼r Betriebsarten der Gastgewerbe, die innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Krankenanstalten und Kureinrichtungen;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen;
5. MassenbefÃ¶rderungsmittel."
3.4. Mit den angefochtenen BGBlÂ IIÂ 239/2020 und BGBlÂ IIÂ 246/2020 wurde Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 nicht geÃ¤ndert.
3.5. Nach Einbringung der vorliegenden AntrÃ¤ge am 12.Â Juni 2020 erfolgten mit BGBlÂ IIÂ 266/2020 und BGBlÂ IIÂ 287/2020 weitere Ã„nderungen des Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020. Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, lautete nach den Novellen idF BGBlÂ IIÂ 287/2020 sohin wie folgt:
"Gastgewerbe
Â§6. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist unter den in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen zulÃ¤ssig.
(2) Der Betreiber darf das Betreten der BetriebsstÃ¤tte fÃ¼r Kunden nur im Zeitraum zwischen 05.00 und 01.00 des folgenden Tages Uhr zulassen. Restriktivere Sperrstunden und Aufsperrstunden aufgrund anderer Rechtsvorschriften bleiben unberÃ¼hrt.
(3) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass die Konsumation von Speisen und GetrÃ¤nken nicht in unmittelbarer NÃ¤he der Ausgabestelle erfolgt.
(4) Der Betreiber hat die VerabreichungsplÃ¤tze so einzurichten, dass zwischen den Besuchergruppen ein Abstand von mindestens einem Meter besteht. Dies gilt nicht, wenn durch geeignete SchutzmaÃŸnahmen zur rÃ¤umlichen Trennung das Infektionsrisiko minimiert werden kann.
(5) Vom erstmaligen Betreten der BetriebsstÃ¤tte bis zum Einfinden am Verabreichungsplatz hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten. Beim Verlassen des Verabreichungsplatzes hat der Kunde gegenÃ¼ber anderen Personen, die nicht zu seiner Besuchergruppe gehÃ¶ren, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten.
(6) Selbstbedienung ist zulÃ¤ssig, sofern durch besondere hygienische Vorkehrungen das Infektionsrisiko minimiert werden kann.
(7) Die Abs1 bisÂ 10 gelten nicht fÃ¼r Betriebsarten der Gastgewerbe, die innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Krankenanstalten und Kureinrichtungen;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen;
5. MassenbefÃ¶rderungsmittel."
III. Antragsvorbringen und Vorverfahren
1. Die antragstellenden Parteien seien Betreiber von Gastronomiebetrieben und hÃ¤tten auf Grund der angefochtenen Bestimmungen VerdiensteinbuÃŸen in der HÃ¶he von circa â‚¬Â 29.000,â€“ bis â‚¬Â 246.000,â€“ erlitten.
1.1. Zur ZulÃ¤ssigkeit bringen die antragstellenden Parteien auf das Wesentliche zusammengefasst vor, sie seien Normadressaten der angefochtenen Bestimmungen, zumal sich das Betretungsverbot bzw die BeschrÃ¤nkungen in Bezug auf GastronomiebetriebsstÃ¤tten und die Strafnormen direkt an die Inhaber der BetriebsstÃ¤tten richten wÃ¼rden. GemÃ¤ÃŸ Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz sei die Anwendung der EntschÃ¤digungsbestimmungen nach dem Epidemiegesetz fÃ¼r die antragstellenden Parteien ausgeschlossen, sie seien daher jedenfalls auch Normadressaten dieser Bestimmung. Durch die angefochtenen Bestimmungen werde in unterschiedlicher IntensitÃ¤t (durch die Betretungsverbote, die einer BetriebsschlieÃŸung gleichkommen wÃ¼rden, schwerer als durch die BeschrÃ¤nkungen) unmittelbar in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien, insbesondere in das Recht auf ErwerbsausÃ¼bungsfreiheit und das Eigentumsrecht sowie das Recht auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges, eingegriffen. Die antragstellenden Parteien orten ferner eine Verletzung des Gleichheitssatzes, da gewisse Einrichtungen (wie etwa zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen) von den verordneten Betretungsverboten bzw BeschrÃ¤nkungen ausgenommen worden seien. Der Eingriff sei nach Art und AusmaÃŸ durch die angefochtenen Bestimmungen der Verordnungen eindeutig bestimmt, weitere Konkretisierungen oder ErmessensspielrÃ¤ume seien nicht vorgesehen. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz verweise zwar auf eine zu erlassende Verordnung, diese sei jedoch durch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz genau bestimmt. Da das COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ 23/2020 sowie die COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 246/2020 zum Antragszeitpunkt noch in Kraft stehen, seien die antragstellenden Parteien aktuell in ihren Rechten verletzt. Aber auch die bereits auÃŸer Kraft getretenen Bestimmungen wÃ¼rden nach wie vor eine unmittelbare Wirkung entfalten, zumal die antragstellenden Parteien auf Grund des Betretungsverbotes die ihnen fÃ¼r den Zeitraum vom 17.Â MÃ¤rz 2020 bis 15.Â Mai 2020 zustehende EntschÃ¤digung nach dem Epidemiegesetz nicht beantragen kÃ¶nnten. Die angefochtenen Bestimmungen seien fÃ¼r die antragstellenden Parteien nicht erst durch eine individuelle Norm wirksam geworden. Ein anderer zumutbarer Weg stehe ihnen nicht zur VerfÃ¼gung, so biete das Zivilverfahren keine MÃ¶glichkeit, das Betretungsverbot bzw die BeschrÃ¤nkungen zu bekÃ¤mpfen und die VergÃ¼tung des Verdienstentganges geltend zu machen. Eine MÃ¶glichkeit zur Erwirkung eines Bescheides bestehe ebenfalls nicht und die Provozierung eines Strafverfahrens sei nach der stÃ¤ndigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes nicht zumutbar. Die Erwirkung eines zurÃ¼ckweisenden Bescheides nach dem Epidemiegesetz und dessen BekÃ¤mpfung im Rechtsmittelweg sei den antragstellenden Parteien nicht zumutbar, zumal sie im Beschwerdeverfahren vor dem Verfassungsgerichtshof eine NormenprÃ¼fung lediglich anregen kÃ¶nnten. Zudem sei der Rechtsweg mit hohen Kosten verbunden und wÃ¼rde auch wegen eines damit verbundenen Zeitverlustes erhebliche Nachteile nach sich ziehen.
1.2. Ihre Bedenken begrÃ¼nden die antragstellenden Parteien wie folgt:
1.2.1. Die angefochtenen Bestimmungen wÃ¼rden die antragstellenden Parteien in den verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleisteten Rechten auf Eigentum gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG und Art1 1.Â ZPEMRK, Erwerbsfreiheit gemÃ¤ÃŸ Art6 StGG, persÃ¶nliche Freiheit gemÃ¤ÃŸ Art2 Abs1 Z5 PersFrSchG und im Gleichheitssatz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG und Art7 Abs1 B-VG verletzen.
1.2.2. Die verordneten Betretungsverbote wÃ¼rden schwerwiegend, die BeschrÃ¤nkungen erheblich in das auch vermÃ¶genswerte Privatrechte umfassende Recht auf Eigentum sowie das Recht auf ErwerbsausÃ¼bungsfreiheit â€“ der Erwerb werde gÃ¤nzlich versagt bzw stark eingeschrÃ¤nkt â€“ eingreifen. Zwar mÃ¶gen die Eingriffe dem Ã¶ffentlichen Interesse des Schutzes der Gesundheit der BevÃ¶lkerung dienen, doch seien sie nicht verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig.
1.2.3. Weiters sei gemÃ¤ÃŸ Art2 Abs1 Z5 PersFrSchG die EinschrÃ¤nkung der persÃ¶nlichen Freiheit wegen Krankheit nur dann zulÃ¤ssig, wenn Grund fÃ¼r die Annahme bestehe, dass der Einzelne eine Gefahrenquelle fÃ¼r die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit sei. Wenn eine Person nicht medizinisch nachgewiesen eine Gefahrenquelle darstellt, dÃ¼rfe kein allgemeines Betretungsverbot verhÃ¤ngt werden. Ausreichend sei es, sogenannte "Risikogruppen" bzw nachgewiesen infizierte Personen vom Betreten der BetriebsstÃ¤tte abzuhalten.
1.2.4. Ferner stelle die unterschiedliche Behandlung von Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen eine den Gleichheitssatz verletzende Regelung dar, zumal auch in diesen Einrichtungen â€“ anders als in Krankenanstalten â€“ eine Selbstversorgung mÃ¶glich sei. Auch Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz sei gleichheitswidrig, weil der Rechtsanspruch auf eine EntschÃ¤digung lediglich davon abhÃ¤nge, ob mit Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§20 Epidemiegesetz eine BetriebsschlieÃŸung oder mit Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz ein Betretungsverbot angeordnet wird. Wenn eine Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz erlassen wird, stehe allenfalls nur ein geringer Betrag aus einem Hilfsfonds zu. Die Entscheidung, ob eine BetriebsschlieÃŸung oder ein Betretungsverbot verhÃ¤ngt wird â€“ sohin die Entscheidung darÃ¼ber, ob ein Rechtsanspruch auf eine EntschÃ¤digung zusteht â€“ sei der Exekutive vorbehalten und stelle einen VerstoÃŸ gegen die Gewaltenteilung dar.
1.2.5. Im Ãœbrigen verstoÃŸe Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gegen die Gewaltenteilung, das LegalitÃ¤tsprinzip sowie den Bestimmtheitsgrundsatz und sei daher verfassungswidrig. GemÃ¤ÃŸ Â§1 leg.Â cit. kÃ¶nne ein Organ der Exekutive per Verordnung die Geltung eines Gesetzes (konkret: Bestimmungen des Epidemiegesetzes) aussetzen. Die Bestimmung sei auch â€“ vor allem im Hinblick auf den Begriff der Erforderlichkeit â€“ zu unbestimmt und erÃ¶ffne der Verwaltung zu groÃŸe HandlungsspielrÃ¤ume.
2. Die Bundesregierung hat eine Ã„uÃŸerung erstattet, in der die in den Verfahren G180/2020, G195/2020 und G224/2020 erstatteten Ã„uÃŸerungen zur GÃ¤nze zur Ã„uÃŸerung erhoben und ergÃ¤nzend Folgendes dargetan wird:
Die von den antragstellenden Parteien im Hinblick auf die Gewaltenteilung, das Bestimmtheitsgebot und das LegalitÃ¤tsprinzip vorgebrachten Bedenken wÃ¼rden sich auf Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz beziehen, der jedoch nicht vom Anfechtungsumfang der AntrÃ¤ge erfasst sei. Nicht dargelegt werde, warum Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gegen die genannten Verfassungsbestimmungen verstoÃŸe. Ferner hÃ¤tten die antragstellenden Parteien ihre Bedenken betreffend den VerstoÃŸ gegen das LegalitÃ¤tsprinzip und das Bestimmtheitsgebot nicht ausreichend dargelegt.
3. Der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat auf die zu den Zahlen V350-354/2020 vorgelegten Verordnungsakten verwiesen, die in den Verfahren zu den ZahlenÂ V405/2020 und V429/2020 erstatteten Ã„uÃŸerungen zur GÃ¤nze zur Ã„uÃŸerung erhoben und ergÃ¤nzend dargetan, dass in den betreffend Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 gestellten AntrÃ¤gen sowohl die aktuelle als auch die behauptete unmittelbare Betroffenheit durch die angefochtene Norm fehle; im Ãœbrigen werde auf die Ã„uÃŸerung der Bundesregierung zu G272/2020 verwiesen.
IV. ErwÃ¤gungen
1. Der Verfassungsgerichtshof hat Ã¼ber die in sinngemÃ¤ÃŸer Anwendung der Â§Â§187 und 404 ZPO iVm Â§35 Abs1 VfGG zur gemeinsamen Beratung und Entscheidung verbundenen AntrÃ¤ge erwogen:
2. Zu den AntrÃ¤gen auf Aufhebung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 23/2020:
2.1. Die antragstellenden Parteien Ã¤uÃŸern Bedenken gegen "Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 23/2020". Â§4 Abs2 leg.Â cit. wurde jedoch mit BGBlÂ IÂ 16/2020 zuletzt geÃ¤ndert. Dieser Mangel schadet aber nicht, zumal insbesondere in PunktÂ 3.1. der AntrÃ¤ge der Wortlaut der angefochtenen Bestimmung wiedergegeben und insofern unzweifelhaft ist, dass die antragstellenden Parteien die Aufhebung der Bestimmung in der Fassung BGBlÂ IÂ 16/2020 beantragen (vgl VfGH 24.2.2020, G249/2019Â ua; 14.7.2020, G202/2020Â ua).
2.2. Der Verfassungsgerichtshof kann die Behandlung eines Antrages gemÃ¤ÃŸ Art140 Abs1 Z1 litc B-VG ablehnen, wenn er keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (Art140 Abs1b B-VG; vgl VfGH 26.2.2018, G122/2017).
Der Verfassungsgerichtshof hat sich in einem auf Antrag eingeleiteten Verfahren zur PrÃ¼fung der VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit eines Gesetzes gemÃ¤ÃŸ Art140 B-VG auf die ErÃ¶rterung der aufgeworfenen Fragen zu beschrÃ¤nken (vgl VfSlgÂ 12.691/1991, 13.471/1993, 14.895/1997, 16.824/2003). Er hat sohin ausschlieÃŸlich zu beurteilen, ob die angefochtene Bestimmung aus den in der BegrÃ¼ndung des Antrages dargelegten GrÃ¼nden verfassungswidrig ist (VfSlg 15.193/1998, 16.538/2002, 16.929/2003).
2.3. Die antragstellenden Parteien behaupten die Verfassungswidrigkeit des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 16/2020, da sich die Bestimmung auf Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz beziehe, der gegen den Grundsatz der Gewaltenteilung, gegen das Bestimmtheitsgebot und gegen das LegalitÃ¤tsprinzip verstoÃŸe. Ferner verstoÃŸe Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gegen den Gleichheitsgrundsatz.
2.4. Vor dem Hintergrund der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH 14.7.2020, G202/2020Â ua; 14.7.2020, V411/2020) lÃ¤sst das Vorbringen der antragstellenden Parteien die behaupteten Verfassungswidrigkeiten als so wenig wahrscheinlich erkennen, dass die AntrÃ¤ge keine hinreichende Aussicht auf Erfolg haben:
2.4.1. Wie der Verfassungsgerichtshof bereits mit Erkenntnis vom 14.Â Juli 2020, G202/2020Â ua, festgestellt hat, kommt dem Gesetzgeber in der Frage der BekÃ¤mpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie ein weiter rechtspolitischer Gestaltungsspielraum zu. Wenn sich der Gesetzgeber â€“ statt dem bestehenden Regime des Â§20 iVm Â§32 EpidemiegesetzÂ 1950 â€“ fÃ¼r ein alternatives MaÃŸnahmen- und Rettungspaket entscheidet, so ist ihm aus der Perspektive des Gleichheitsgrundsatzes gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowie Art7 B-VG nicht entgegenzutreten. Der Umstand, dass auf Grundlage des Â§20 EpidemiegesetzÂ 1950 wegen COVID-19 geschlossene Betriebe vor Inkrafttreten des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes allenfalls einen Anspruch auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 EpidemiegesetzÂ 1950 hatten, vermag eine unsachliche Differenzierung nicht aufzuzeigen.
2.4.2. Die Bedenken gegen Â§4 Abs2 iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz grÃ¼nden auf der unzutreffenden Annahme, Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz sei verfassungswidrig. Der Verfassungsgerichtshof hat aber bereits mit seinem Erkenntnis vom 14.Â Juli 2020, V411/2020, ausgesprochen, dass er keine Bedenken gegen Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz im Hinblick auf Art18 Abs2 B-VG hegt.
2.5. DemgemÃ¤ÃŸ wurde beschlossen, von einer Behandlung der â€“ nicht auf das Vorliegen sÃ¤mtlicher Prozesserfordernisse geprÃ¼ften â€“ AntrÃ¤ge betreffend Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 16/2020 abzusehen (Â§19 Abs3 Z1 iVm Â§31 letzter Satz VfGG).
3. Zur ZulÃ¤ssigkeit der AntrÃ¤ge gemÃ¤ÃŸ Art139 Abs1 Z3 B-VG:
3.1. GemÃ¤ÃŸ Art139 Abs1 Z3 B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof Ã¼ber die Gesetzwidrigkeit von Verordnungen auf Antrag einer Person, die unmittelbar durch diese Gesetzwidrigkeit in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, wenn die Verordnung ohne FÃ¤llung einer gerichtlichen Entscheidung oder ohne Erlassung eines Bescheides fÃ¼r diese Person wirksam geworden ist. Wie der Verfassungsgerichtshof in seiner mit VfSlgÂ 8058/1977 beginnenden stÃ¤ndigen Rechtsprechung ausgefÃ¼hrt hat, ist daher grundlegende Voraussetzung fÃ¼r die Antragslegitimation, dass die Verordnung in die RechtssphÃ¤re der betroffenen Person unmittelbar eingreift und sie â€“ im Falle ihrer Gesetzwidrigkeit â€“ verletzt. Hiebei hat der Verfassungsgerichtshof vom Antragsvorbringen auszugehen und lediglich zu prÃ¼fen, ob die vom Antragsteller ins Treffen gefÃ¼hrten Wirkungen solche sind, wie sie Art139 Abs1 Z3 B-VG als Voraussetzung fÃ¼r die Antragslegitimation fordert (vgl zB VfSlgÂ 8594/1979, 15.527/1999, 16.425/2002 und 16.426/2002).
3.2. Entgegen der Ansicht der antragstellenden Parteien sind die AntrÃ¤ge, der Verfassungsgerichtshof mÃ¶ge feststellen, dass Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 96/2020, BGBlÂ IIÂ 110/2020, BGBlÂ IIÂ 112/2020, BGBlÂ IIÂ 130/2020, BGBlÂ IIÂ 151/2020 und BGBlÂ IIÂ 162/2020 sowie Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 gesetzwidrig waren, mangels aktueller Betroffenheit unzulÃ¤ssig, weil die angefochtenen Bestimmungen im Zeitpunkt der Antragstellung bereits auÃŸer Kraft waren:
3.2.1. Aus dem Wortlaut des Art139 Abs1 Z3 B-VG ("verletzt zu sein behauptet") ergibt sich, dass die angefochtenen Verordnungsbestimmungen zum Zeitpunkt der Antragstellung tatsÃ¤chlich unmittelbar in die RechtssphÃ¤re des Antragstellers nachteilig eingreifen mÃ¼ssen (siehe statt vieler zu Verordnungsbestimmungen VfSlgÂ 12.634/1991, 13.585/1993, 14.033/1995 und zu Gesetzesbestimmungen VfSlgÂ 9096/1981, 12.447/1990, 12.870/1991, 13.124/1992, 13.397/1993).
3.2.2. Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 ist in seiner Stammfassung BGBlÂ IIÂ 96/2020 am 17.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft getreten und stand bis zu seinem gemÃ¤ÃŸ Â§5 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 normierten AuÃŸerkrafttreten am 30.Â April 2020 â€“ mit Ausnahme des mit BGBlÂ IIÂ 130/2020 neu angefÃ¼gten Abs6, der am 3.Â April 2020 in Kraft getreten ist â€“ unverÃ¤ndert in Geltung.
Â§6 COVID-19-LV ist in seiner Stammfassung BGBlÂ IIÂ 197/2020 am 1.Â Mai 2020 in Kraft und mit Ablauf des 14.Â Mai 2020 auÃŸer Kraft getreten.
Die vorliegenden AntrÃ¤ge auf Feststellung, dass Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 96/2020, BGBlÂ IIÂ 110/2020, BGBlÂ IIÂ 112/2020, BGBlÂ IIÂ 130/2020, BGBlÂ IIÂ 151/2020 und BGBlÂ IIÂ 162/2020 sowie Â§6 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 gesetzwidrig waren, wurden erst am 12.Â Juni 2020 und sohin nach AuÃŸerkrafttreten der angefochtenen Bestimmungen beim Verfassungsgerichtshof eingebracht.
Da diese Bestimmungen sohin bereits zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht mehr in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien nachteilig eingreifen konnten und die antragstellenden Parteien auch keine besondere Konstellation aufzeigen, die auf ein besonderes Rechtsschutzinteresse in dieser konkreten Situation hindeutet (vgl demgegenÃ¼ber VfGH 14.7.2020, V411/2020), sind diese AntrÃ¤ge schon deshalb zurÃ¼ckzuweisen.
3.3. Offen bleiben die AntrÃ¤ge auf Feststellung, dass Â§6 Abs1, 4 undÂ 5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020, BGBlÂ IIÂ 231/2020 und BGBlÂ IIÂ 239/2020 gesetzwidrig war, sowie auf Aufhebung des Â§6 Abs1, 4 undÂ 5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 246/2020 als gesetzwidrig:
3.3.1. Vorweg ist festzuhalten, dass mit BGBlÂ IIÂ 239/2020 und BGBlÂ IIÂ 246/2020 Â§6 Abs1, 4 undÂ 5 COVID-19-LV nicht abgeÃ¤ndert wurde. Dass die antragstellenden Parteien die Bestimmungen dennoch in diesen Fassungen angefochten haben, schadet aber nicht (vgl VfGH 24.2.2020, G249/2019Â ua; 14.7.2020, G202/2020Â ua).
3.3.2. Der angefochtene Â§6 Abs1 und 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 stand im Zeitpunkt der Antragstellung in der Fassung BGBlÂ IIÂ 207/2020 in Kraft und ist daher so zu deuten, dass er in dieser Fassung angefochten wurde. Die Bestimmungen sind seither unverÃ¤ndert in Geltung. DiesbezÃ¼glich sind die gestellten AntrÃ¤ge sohin zulÃ¤ssig.
3.3.3. Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020 stand im Zeitpunkt der Antragstellung in der Fassung BGBlÂ IIÂ 231/2020 in Kraft. Dass diese Bestimmung mit BGBlÂ IIÂ 266/2020 nach der Antragstellung entfallen ist, schadet mit Blick auf die mit V411/2020 beginnende Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes nicht (vgl VfGH 14.7.2020, V411/2020; 14.7.2020, G202/2020Â ua).
3.3.4. Die AntrÃ¤ge sind â€“ entgegen der Ansicht der Bundesregierung â€“ auch hinsichtlich der Bedenken, die COVID-19-LV basiere auf einem verfassungswidrigen Gesetz, nicht zu eng gefasst, weil der Verfassungsgerichtshof â€“ sollte er diese Bedenken betreffend Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz teilen â€“ verhalten wÃ¤re, von Amts wegen ein entsprechendes GesetzesprÃ¼fungsverfahren einzuleiten (vgl VfSlgÂ 17.782/2006).
3.4. Da auch sonst keine Prozesshindernisse hervorgekommen sind, erweisen sich die AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 als gesetzwidrig und die AntrÃ¤ge festzustellen, dass Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 gesetzwidrig war, als zulÃ¤ssig.
4. In der Sache:
4.1. Der Verfassungsgerichtshof hat mit seinem Erkenntnis vom 14.Â Juli 2020, V411/2020, ausgesprochen, dass der Gesetzgeber mit Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz dem Verordnungsgeber (Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz) einen EinschÃ¤tzungs- und Prognosespielraum, ob und wieweit er zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 auch erhebliche GrundrechtsbeschrÃ¤nkungen fÃ¼r erforderlich hÃ¤lt, Ã¼bertrÃ¤gt, womit der Verordnungsgeber seine Entscheidung als Ergebnis einer AbwÃ¤gung mit den einschlÃ¤gigen grundrechtlich geschÃ¼tzten Interessen der betroffenen Unternehmen, ihrer Arbeitnehmer und Kunden zu treffen hat. Der Verordnungsgeber muss also in Ansehung des Standes und der Ausbreitung von COVID-19 notwendig prognosehaft beurteilen, inwieweit in Aussicht genommene Betretungsverbote oder BetretungsbeschrÃ¤nkungen von BetriebsstÃ¤tten zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 geeignete (der Zielerreichung dienliche), erforderliche (gegenlÃ¤ufige Interessen weniger beschrÃ¤nkend und zugleich weniger effektiv nicht mÃ¶gliche) und insgesamt angemessene (nicht hinnehmbare GrundrechtseinschrÃ¤nkungen ausschlieÃŸende) MaÃŸnahmen darstellen.
Der EinschÃ¤tzungs- und Prognosespielraum des Verordnungsgebers umfasst insoweit auch die zeitliche Dimension dahingehend, dass ein schrittweises, nicht vollstÃ¤ndig abschÃ¤tzbare Auswirkungen beobachtendes und entsprechend wiederum durch neue MaÃŸnahmen reagierendes Vorgehen von der gesetzlichen ErmÃ¤chtigung des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz vorgesehen und auch gefordert ist.
Angesichts der damit inhaltlich weitreichenden ErmÃ¤chtigung des Verordnungs-gebers verpflichtet Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz vor dem Hintergrund des Art18 Abs2 B-VG den Verordnungsgeber im einschlÃ¤gigen Zusammenhang auch, die Wahrnehmung seines Entscheidungsspielraums im Lichte der gesetzlichen Zielsetzungen insoweit nachvollziehbar zu machen, als er im Verordnungs-erlassungsverfahren festhÃ¤lt, auf welcher Informationsbasis Ã¼ber die nach dem Gesetz maÃŸgeblichen UmstÃ¤nde die Verordnungsentscheidung fuÃŸt und die gesetzlich vorgegebene AbwÃ¤gungsentscheidung erfolgt ist. Die diesbezÃ¼glichen Anforderungen dÃ¼rfen naturgemÃ¤ÃŸ nicht Ã¼berspannt werden, sie bestimmen sich maÃŸgeblich danach, was in der konkreten Situation mÃ¶glich und zumutbar ist. Auch in diesem Zusammenhang kommt dem Zeitfaktor entsprechende Bedeutung zu.
4.2. All dies hat der Verfassungsgerichtshof bei seiner PrÃ¼fung, ob der Bundesminister den gesetzlichen Vorgaben bei Erlassung der angefochtenen Bestimmungen in Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 und Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 entsprochen hat, zu berÃ¼cksichtigen. Damit ist fÃ¼r die Beurteilung des Verfassungsgerichtshofes insoweit der Zeitpunkt der Erlassung der entsprechenden Verordnungsbestimmungen und die diesen zugrunde liegende aktenmÃ¤ÃŸige Dokumentation maÃŸgeblich.
Dass es damit dafÃ¼r, ob die angefochtenen Verordnungsbestimmungen mit den Zielsetzungen des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz im Einklang stehen, auch auf die Einhaltung bestimmter Anforderungen der aktenmÃ¤ÃŸigen Dokumentation im Verfahren der Verordnungserlassung ankommt, ist kein Selbstzweck. Auch in Situationen, die deswegen krisenhaft sind, weil fÃ¼r ihre BewÃ¤ltigung entsprechende Routinen fehlen, und in denen der Verwaltung zur Abwehr der Gefahr gesetzlich erhebliche SpielrÃ¤ume eingerÃ¤umt sind, kommt solchen Anforderungen eine wichtige, die GesetzmÃ¤ÃŸigkeit des Verwaltungshandelns sichernde Funktion zu.
4.3. Als Grundlagen fÃ¼r die Erlassung (unter anderem) der angefochtenen Bestimmungen der COVID-19-LV finden sich in Bezug auf Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 und Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 in den â€“ vom Bundesminister in den zu den ZahlenÂ V350-354/2020 gefÃ¼hrten VerordnungsprÃ¼fungsverfahren vorgelegten und ausdrÃ¼cklich auch fÃ¼r das vorliegende Verfahren fÃ¼r maÃŸgeblich erklÃ¤rten â€“ Verordnungsakten nachstehende Unterlagen und Angaben:
4.3.1. In dem vom Bundesminister vorgelegten Verwaltungsakt, der der Erlassung der (Stammfassung der) COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, zugrunde liegt, wird unter der Rubrik "Sachverhalt" ausgefÃ¼hrt:
"Inliegend der Entwurf der LockerungsVO, welche die VOÂ 96/2020 idgF und 98/2020 idgF ablÃ¶st. Es sind darin die ab 1.Â Mai gelten[den] Regelungen hinsichtlich der MaÃŸnahmen in BetriebsstÃ¤tten, bei Veranstaltungen, in MassenbefÃ¶rderungsmitteln, etc. geregelt."
Es finden sich EntwÃ¼rfe der Verordnung vom 28.Â April 2020 und vom 30.Â April 2020 sowie die kundgemachte Verordnung im Akt. DarÃ¼ber hinaus liegen diesem Verordnungsakt keine weiteren, im Hinblick auf die gesetzliche Grundlage des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz relevanten AusfÃ¼hrungen oder Unterlagen ein.
4.3.2. In dem vom Bundesminister vorgelegten Verwaltungsakt, der der Ã„nderung der COVID-19-LV mit der Verordnung BGBlÂ IIÂ 207/2020 zugrunde liegt, wird unter der Rubrik "Sachverhalt" ausgefÃ¼hrt:
"Inliegend die Verordnung, mit der die LockerungsVO, BGBlÂ II NrÂ 197/2020, geÃ¤ndert wird, um die neuen â€“ ab 15.5.2020 gÃ¼ltigen â€“ Bestimmungen exklusive Sport festzulegen."
Es finden sich EntwÃ¼rfe der Verordnung sowie die kundgemachte Verordnung im Akt.
4.3.3. Dem vom Bundesminister vorgelegten Verwaltungsakt, der der Ã„nderung der COVID-19-LV mit der Verordnung BGBlÂ IIÂ 231/2020 zugrunde liegt, liegen mehrere EntwÃ¼rfe und die kundgemachte Verordnung, eine Anwesenheitsliste sowie mehrere E-Mails von diversen Stellen auÃŸerhalb des Ressorts ein, die jedoch keine die Erlassung der Verordnung begrÃ¼ndenden Aspekte enthalten.
Auf den Stand der mÃ¶glichen Entwicklungsszenarien von COVID-19 bezugnehmende und die (in Aussicht genommenen) MaÃŸnahmen dazu und zu den sonstigen zu berÃ¼cksichtigenden Interessen in Beziehung setzende Unterlagen oder Angaben finden sich nicht.
4.4. Damit genÃ¼gen die angefochtenen Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 und Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 den Vorgaben des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz schon aus diesem Grund nicht:
4.5. Entscheidungsgrundlagen, Unterlagen oder Hinweise, die die UmstÃ¤nde der zu erlassenden Regelung betreffen, fehlen im Verordnungsakt gÃ¤nzlich. Es ist aus den vorgelegten Verordnungsakten nicht ersichtlich, welche UmstÃ¤nde den Verordnungsgeber â€“ insbesondere bei seiner Entscheidung hinsichtlich der in Abs4 undÂ 5 genannten Voraussetzungen fÃ¼r das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe â€“ geleitet haben; dabei wiegt die Tatsache, dass diese Regelungen intensiv in die GrundrechtssphÃ¤re sowohl der Gewerbetreibenden als auch der Besucher eingreifen, schwer.
4.6. Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 und Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 verstoÃŸen sohin gegen Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, weil es der Verordnungsgeber gÃ¤nzlich unterlassen hat, jene UmstÃ¤nde, die ihn bei der Verordnungserlassung bestimmt haben, so festzuhalten, dass entsprechend nachvollziehbar ist, warum der Verordnungsgeber die mit diesen Regelungen getroffenen MaÃŸnahmen fÃ¼r erforderlich gehalten hat.
Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 ist daher als gesetzwidrig aufzuheben.
Da Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 bereits auÃŸer Kraft getreten ist, genÃ¼gt es festzustellen, dass die Bestimmung gesetzwidrig war.
V. Ergebnis
1. Die Behandlung der AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 16/2020 wird mit Blick auf die Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes jeweils vom 14.Â Juli 2020 zu den ZahlenÂ G202/2020Â ua sowie V411/2020 abgelehnt.
2. Â§6 Abs1 undÂ 4 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 207/2020 wird als gesetzwidrig aufgehoben.
3. Die Bestimmung einer Frist fÃ¼r das AuÃŸerkrafttreten der aufgehobenen Verordnungsstellen grÃ¼ndet sich auf Art139 Abs5 letzter Satz B-VG.
4. Â§6 Abs5 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 231/2020 ist gemÃ¤ÃŸ Â§13 Abs7 COVID-19-LV, BGBlÂ IIÂ 197/2020, idF BGBlÂ IIÂ 266/2020 mit Ablauf des 14.Â Juni 2020 entfallen. Der Verfassungsgerichtshof hat sich daher gemÃ¤ÃŸ Art139 Abs4 B-VG auf die Feststellung zu beschrÃ¤nken, dass die Bestimmung gesetzwidrig war.
5. Der Verfassungsgerichtshof sieht sich veranlasst, von der ihm durch Art139 Abs6 zweiter Satz B-VG eingerÃ¤umten ErmÃ¤chtigung Gebrauch zu machen und auszusprechen, dass die als gesetzwidrig festgestellte Bestimmung nicht mehr anzuwenden ist.
6. Die Verpflichtung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz zur unverzÃ¼glichen Kundmachung der Aufhebung sowie des Ausspruches der Gesetzwidrigkeit und der damit im Zusammenhang stehenden sonstigen AussprÃ¼che erflieÃŸt aus Art139 Abs4 undÂ 5 B-VG und Â§59 Abs2 VfGG iVm Â§4 Abs1 Z4 BGBlG.
7. Im Ãœbrigen werden die AntrÃ¤ge zurÃ¼ckgewiesen.
8. Diese Entscheidung konnte gemÃ¤ÃŸ Â§19 Abs4 bzw Â§19 Abs3 Z1 iVm Â§31 letzter Satz VfGG ohne mÃ¼ndliche Verhandlung in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung getroffen werden.
9. Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§61a und Â§65a VfGG. Da die antragstellenden Parteien durch dieselbe Rechtsanwaltsgesellschaft vertreten sind (die AntrÃ¤ge sind weitgehend ident) und nur zu einem Teil ihrer AntrÃ¤ge erfolgreich waren, ist ihnen der einfache Pauschalsatz in der HÃ¶he der HÃ¤lfte (vgl jÃ¼ngst VfGH 14.7.2020, G202/2020Â ua; 13.12.2019, G211/2019Â ua), erhÃ¶ht um einen fÃ¼nfzehnprozentigen Streitgenossenzuschlag, zuzusprechen. In den zugesprochenen Kosten ist Umsatzsteuer in HÃ¶he von â‚¬Â 250,70 sowie der Ersatz der EingabengebÃ¼hr in HÃ¶he von â‚¬Â 720,â€“ enthalten.