Document Number: JJT_20201103_OGH0002_0140OS00108_20V0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0140OS00108.20V.1103.000
Case Number: 14Os108/20v
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1604361600000
Word Count: 515

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 3.Â NovemberÂ 2020 durch die SenatsprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Hetlinger, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer, die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Mann und Dr.Â Setz-Hummel sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Haslwanter in Gegenwart des SchriftfÃ¼hrers Dr.Â Koller in der Strafsache gegen ***** S***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens der Vorbereitung von Suchtgifthandel nach Â§Â 28 AbsÂ 1 zweiter Fall und AbsÂ 3 SMG und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten ***** I***** gegen das Urteil des Landesgerichts Salzburg als SchÃ¶ffengericht vom 28.Â MaiÂ 2020, GZÂ 29Â HvÂ 10/20v-101, in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.
Dem Angeklagten I***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden â€“ soweit hier von Bedeutung â€“ ***** S***** der Verbrechen der Vorbereitung von Suchtgifthandel nach Â§Â 28 AbsÂ 1 zweiter Fall, AbsÂ 3 SMG (A/I/1), des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 zweiter und dritter Fall, AbsÂ 2 ZÂ 2 SMG (A/I/2) und der schweren NÃ¶tigung nach Â§Â§Â 105 AbsÂ 1, 106 AbsÂ 1 ZÂ 1, 15 StGB (A/II), ***** I***** des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 12 dritter Fall StGB, Â§Â 28a AbsÂ 1 zweiter und dritter Fall SMG (B) schuldig erkannt.
Danach haben
A/Â S*****
I/Â vorschriftswidrig als Mitglied einer kriminellen Vereinigung Suchtgift in einer die Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge, nÃ¤mlich
1/Â 750Â Gramm Kokain (150Â Gramm Cocain Reinsubstanz), im HerbstÂ 2018 in R***** mit dem Vorsatz besessen, dass es in Verkehr gesetzt werde;
2/Â das zu 1 genannte Suchtgift vor dem 12.Â OktoberÂ 2018 aus Ã–sterreich aus- und nach Ungarn eingefÃ¼hrt;
II/Â von DezemberÂ 2018 bis 2.Â SeptemberÂ 2019 in R***** und an anderen Orten gemeinsam mit anderen im Urteil teils namentlich genannten MittÃ¤tern I***** wiederholt durch die AnkÃ¼ndigung, ihn umzubringen, wenn er nicht 60.000Â Euro zahle, mithin durch Drohung mit dem Tod, zu einer Handlung, nÃ¤mlich zur Ãœbergabe oder Ãœberweisung des genannten Geldbetrags genÃ¶tigt, wobei I***** 5.900Â Euro tatsÃ¤chlich zahlte und die Tat hinsichtlich des restlichen Betrags beim Versuch blieb;
B/Â I***** vor dem 12.Â OktoberÂ 2018 in R***** zu der zu A/I/2 bezeichneten strafbaren Handlung beigetragen, indem er S***** zusicherte, mit ihm nach Ungarn zu fahren, in Budapest einen KÃ¤ufer fÃ¼r das genannte Suchtgift zu finden und dieses dort zu verkaufen.
Rechtliche Beurteilung
Die dagegen aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 10a StPO ergriffene Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten I***** ist nicht im Recht.
Der BeschwerdefÃ¼hrer kritisiert das Unterbleiben diversionellen Vorgehens unter dem Aspekt seiner Ansicht nach vorliegender Voraussetzungen des Â§Â 209a StPO.
Die gesetzmÃ¤ÃŸige AusfÃ¼hrung einer DiversionsrÃ¼ge (ZÂ 10a) erfordert eine methodisch korrekte Argumentation auf Basis der Urteilsfeststellungen unter Beachtung der Notwendigkeit des kumulativen Vorliegens sÃ¤mtlicher Diversionsvoraussetzungen (RIS-Justiz RS0124801). Diese Vorgaben verfehlt das Beschwerdevorbringen, das sich weder auf Feststellungen zu einem von Â§Â 209a AbsÂ 1 StPO geforderten freiwilligen Herantreten des BeschwerdefÃ¼hrers an die Staatsanwaltschaft (vgl dazu Schroll/Kert, WK-StPO Â§Â 209a RzÂ 21) vor Eintritt der in AbsÂ 2 genannten Ausschlusskriterien stÃ¼tzt, noch einen dahingehenden Feststellungsmangel (vgl RIS-Justiz RS0118580) geltend macht (vgl Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 659/1Â f). Davon ausgehend erÃ¼brigt sich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem weiteren Beschwerdevorbringen.
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO).
Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung (Â§Â 285i StPO).
Der Kostenausspruch beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.