Document Number: JJT_20200727_OGH0002_0150OS00064_20F0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00064.20F.0727.000
Case Number: 15Os64/20f
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1595808000000
Word Count: 572

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 27.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in der Strafsache gegen K***** C***** wegen des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 1 ZÂ 1 und AbsÂ 3, 148 zweiter Fall StGB Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 12.Â FebruarÂ 2020, GZÂ 122Â HvÂ 19/19m-33, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde K***** C***** des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 1 ZÂ 1 und AbsÂ 3, 148 zweiter Fall StGB schuldig erkannt.
Danach hat er in Wien gewerbsmÃ¤ÃŸig (Â§Â 70 AbsÂ 1 ZÂ 3 erster Fall StGB) mit dem Vorsatz, sich durch das Verhalten der GetÃ¤uschten unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, VerfÃ¼gungsberechtigte der U***** AG durch TÃ¤uschung Ã¼ber Tatsachen, nÃ¤mlich Kredite an zurÃ¼ckzahlungsfÃ¤hige und -willige Kunden zu vergeben, wobei es sich um fiktive Unternehmen handelte, â€ždurch Vorlage gefÃ¤lschter Bilanzen, FirmenbuchauszÃ¼ge und weiterer Urkunden zur Belegung der Existenz und der KreditwÃ¼rdigkeit der Kunden, sohin durch BenÃ¼tzung falscher Urkundenâ€œ, zur EinrÃ¤umung nachstehender Kreditrahmen verleitet, und zwar
I./Â an die A***** Ges.n.b.R.
A./Â am 14.Â SeptemberÂ 2009 in HÃ¶he von 165.000Â Euro;
B./Â am 7.Â JuniÂ 2010 in HÃ¶he von 90.000Â Euro;
C./Â am 17.Â MÃ¤rzÂ 2011 in HÃ¶he von 145.000Â Euro;
D./Â am 17.Â OktoberÂ 2011 in HÃ¶he von 95.000Â Euro;
E./Â am 22.Â NovemberÂ 2011 in HÃ¶he von 25.000Â Euro;
F./Â zwischen dem 22.Â NovemberÂ 2011 und 22.Â AprilÂ 2013 in einer GesamthÃ¶he von 190.000Â Euro;
G./Â am 22.Â AprilÂ 2013 in HÃ¶he von 125.000Â Euro;
H./Â am 5.Â JuliÂ 2013 in HÃ¶he von 260.000Â Euro;
J./Â am 20.Â AugustÂ 2015 in HÃ¶he von 85.000Â Euro;
II./Â an die O***** Ges.n.b.R.
A./Â am 31.Â JÃ¤nnerÂ 2014 in HÃ¶he von 28.000Â Euro;
B./Â am 12.Â FebruarÂ 2014 in HÃ¶he von 162.000Â Euro;
C./Â am 20.Â MaiÂ 2014 in HÃ¶he von 30.000Â Euro;
D./Â am 22.Â JuliÂ 2014 in HÃ¶he von 210.000Â Euro;
E./Â am 3.Â FebruarÂ 2015 in HÃ¶he von 155.000Â Euro;
F./Â am 25.Â MÃ¤rzÂ 2016 in HÃ¶he von 235.000Â Euro,
wodurch der U***** AG ein Gesamtschaden in HÃ¶he von zumindest 1.414.016,97Â Euro entstand.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf ZÂ 9 litÂ a und litÂ b des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, der keine Berechtigung zukommt.
Ein Feststellungsmangel wird geltend gemacht, indem unter Hinweis auf einen nicht durch Feststellungen geklÃ¤rten, jedoch indizierten Sachverhalt eine vom Erstgericht nicht gezogene rechtliche Konsequenz angestrebt wird, weil dieses ein Tatbestandsmerkmal, einen Ausnahmesatz oder eine andere rechtliche Unterstellung bei der rechtlichen Beurteilung nicht in Anschlag gebracht hat (RIS-Justiz RS0118580).
Mit dem Hinweis auf die Verantwortung des Angeklagten, er habe unter einem â€žunheimlichen Erwartungsdruckâ€œ gestanden, er habe Geld zur Abdeckung seiner Spielverluste gebraucht und sei so â€žhineingeschlittertâ€œ (ONÂ 32 SÂ 3), sowie auf die dokumentierte Selbstsperre bei der Casinos Austria AG (BeilÂ ./1 zu ONÂ 32) zeigt die Beschwerde (ZÂ 9 litÂ a, der Sache nach ZÂ 9 litÂ b) keine objektiven Anhaltspunkte fÃ¼r Sachverhaltsannahmen zu einer â€žSpielsuchtâ€œ von Krankheitswert auf, die den rechtlichen Schluss auf eine Diskretions- oder DispositionsunfÃ¤higkeit (Â§Â 11 StGB) des Angeklagten im Tatzeitraum fundieren kÃ¶nnten (zum Ausnahmecharakter ZurechnungsunfÃ¤higkeit bewirkender Spielsucht vgl RIS-Justiz RS0097641 [T19, T22, T23]; Leukauf/Steininger/Koller/SchÃ¼tz, StGB4 Â§Â 11 RzÂ 15).
Dass die â€žSpielsucht zweifellos einer psychischen Erkrankung gleichzusetzenâ€œ sei, die die ZurechnungsfÃ¤higkeit des Angeklagten â€žsoweit vermindert, dass Straflosigkeit eintrittâ€œ, behauptet die RÃ¼ge (ZÂ 9Â litÂ b) bloÃŸ, ohne dies argumentativ aus dem Gesetz abzuleiten (vgl RIS-Justiz RS0116565).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus sich die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Erledigung der Berufung ergibt (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.