Document Number: JJT_20200129_OGH0002_0130OS00103_19Z0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130OS00103.19Z.0129.000
Case Number: 13Os103/19z
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1580256000000
Word Count: 747

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 29.Â JÃ¤nnerÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤te und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer, Mag.Â Michel, Dr.Â Oberressl und Dr.Â Brenner in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Dr.Â Ondreasova in der Strafsache gegen Abdullah K***** wegen des Verbrechens der Vergewaltigung nach Â§Â 201 AbsÂ 1 StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts Feldkirch als SchÃ¶ffengericht vom 8.Â JuliÂ 2019, GZÂ 41Â HvÂ 18/18i-55, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Innsbruck zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde Abdullah K***** des Verbrechens der Vergewaltigung nach Â§Â 201 AbsÂ 1 StGB (1), mehrerer Verbrechen der fortgesetzten GewaltausÃ¼bung nach Â§Â 107b AbsÂ 1, 3 ZÂ 1 erster Fall und 4 vierter Fall StGB idF vor BGBlÂ IÂ 2019/105 (2/b und 2/c), mehrerer Vergehen der KÃ¶rperverletzung nach Â§Â 83 AbsÂ 1 StGB (3) und der fortgesetzten GewaltausÃ¼bung nach Â§Â 107b AbsÂ 1 StGB (2/a) sowie der Vergehen, der NÃ¶tigung nach Â§Â 105 AbsÂ 1 StGB (4) und der gefÃ¤hrlichen Drohung nach Â§Â 107 AbsÂ 1 StGB (5) schuldig erkannt.
Danach hat er in L***** und an anderen Orten
1)Â am 15.Â FebruarÂ 2014 Asli D***** mit Gewalt zur Duldung des Analverkehrs genÃ¶tigt, indem er sie auf ein Bett stieÃŸ, im Nacken festhielt und gegen ihren Willen seinen Penis in ihren After einfÃ¼hrte,
2)Â durch im Urteil bezeichnete Handlungen und Ã„uÃŸerungen lÃ¤ngere Zeit hindurch gegen andere Personen fortgesetzt Gewalt ausgeÃ¼bt, und zwar
a)Â ab dem 1.Â JuniÂ 2009 bis zum FebruarÂ 2010 und vom JuliÂ 2011 bis zum 19.Â NovemberÂ 2014 gegen Asli D*****,
b)Â ab dem JahrÂ 2012 bis zum 19.Â NovemberÂ 2014, also lÃ¤nger als ein Jahr, gegen seine am 25.Â AprilÂ 2008 geborene, somit unmÃ¼ndige, Tochter Berfin K*****, sowie
c)Â ab dem JahrÂ 2009 bis zum FebruarÂ 2010 und vom JuliÂ 2011 bis zum 19.Â NovemberÂ 2014, also lÃ¤nger als ein Jahr, gegen seinen am 18.Â JuniÂ 2003 geborenen, somit unmÃ¼ndigen, Sohn Ilhan K*****,
3)Â Asli D***** durch im Urteil bezeichnete Handlungen vorsÃ¤tzlich am KÃ¶rper verletzt, und zwar
a)Â im SeptemberÂ 2008, wodurch die Genannte Schwellungen und HÃ¤matome erlitt, und
b)Â zwischen September und NovemberÂ 2008, wodurch die Genannte das Bewusstsein verlor und eine Schwellung am Hinterkopf und RÃ¶tungen im Kniebereich erlitt, weiters
Asli D***** durch im Urteil bezeichnete Ã„uÃŸerungen
4)Â zwischen September und NovemberÂ 2008 zu einer Unterlassung genÃ¶tigt und
5)Â am 9.Â FebruarÂ 2017 zumindest mit einer Verletzung am KÃ¶rper gefÃ¤hrlich bedroht, um sie in Furcht und Unruhe zu versetzen.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die aus ZÂ 5 und 9 litÂ a des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO erhobene Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten.
Die Aussage der Zeugin Asli D***** wurde vom Erstgericht erÃ¶rtert und fÃ¼r glaubwÃ¼rdig befunden (USÂ 11Â f, 14Â f). Angaben der Genannten zur â€žSexsuchtâ€œ und zum generell groben Beischlafverhalten des Angeklagten stehen den Feststellungen zum Schuldspruch 1 nicht entgegen. Aus dem Blickwinkel der UnvollstÃ¤ndigkeit im Sinn des Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 zweiter Fall StPO war ein Eingehen auf die angesprochenen Details der Aussage somit nicht erforderlich, es hÃ¤tte vielmehr gegen das Gebot zur gedrÃ¤ngten Darstellung der EntscheidungsgrÃ¼nde (Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO) verstoÃŸen (RIS-Justiz RS0106642).
Bei der
GlaubwÃ¼rdigkeitsbeurteilung lieÃŸ das Erstgericht weder die Divergenzen in den Angaben der Asli D***** (vgl USÂ 14) noch ihre Verurteilung durch das Landesgericht Feldkirch unberÃ¼cksichtigt (vgl US 16).
Indem die MÃ¤ngelrÃ¼ge den Angaben der Belastungszeugin Asli D***** GlaubwÃ¼rdigkeit abspricht und die ErwÃ¤gungen des Erstgerichts substratlos als â€žargumentativ nicht nachvollziehbarâ€œ bezeichnet, bekÃ¤mpft sie die tatrichterliche BeweiswÃ¼rdigung nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren unzulÃ¤ssigen (Â§Â 283 AbsÂ 1 StPO) Schuldberufung.
Entgegen dem Vorwurf offenbar unzureichender BegrÃ¼ndung (ZÂ 5 vierter Fall) der Feststellungen zur subjektiven Tatseite zum Schuldspruch 2 begegnet deren Ableitung aus dem objektiven Tatgeschehen (USÂ 16Â f iVm USÂ 7Â ff) unter dem Aspekt der BegrÃ¼ndungstauglichkeit keinen Bedenken (RIS-Justiz RS0098671).
Der auf eine Aussage der Zeugin Zeynep G***** bezogene Einwand der UnvollstÃ¤ndigkeit zeigt mangels Konnexes zu entscheidenden Tatsachen keinen dem Erstgericht im Sinn des Â§ 281 Abs 1 Z 5 zweiter Fall StPO (vgl dazu RIS-Justiz RS0118316) unterlaufenen BegrÃ¼ndungsfehler auf.
Die RechtsrÃ¼ge (Z 9 lit a, der Sache nach ZÂ 10) behauptet mÃ¶gliche VerdrÃ¤ngung des Verbrechens nach Â§ 201 AbsÂ 1 StGB durch das Vergehen der fortgesetzten GewaltausÃ¼bung nach Â§ 107b Abs 1 StGB infolge SpezialitÃ¤t. Da sie dabei nicht aus dem Gesetz ableitet, weshalb â€“ wie beim angesprochenen Scheinkonkurrenztypus vorausgesetzt (RIS-Justiz RS0091146) â€“ Â§Â 107b AbsÂ 1 StGB entgegen dem Wortlaut der in Rede stehenden Normen sÃ¤mtliche Tatbestandselemente des Â§Â 201 AbsÂ 1 StGB in sich schlieÃŸen soll, entzieht sie sich einer inhaltlichen Erwiderung (RIS-Justiz RS0116565).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung folgt (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.