Document Number: JWT_2019100075_20200609L00
ECLI: ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100075.L00
Case Number: Ra 2019/10/0075
Application Type: Vwgh
Court: Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
Decision Date: 1591660800000
Word Count: 2320

Spruch
Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben.
Das Land Tirol hat der revisionswerbenden Partei Aufwendungen in der HÃ¶he von â‚¬Â 1.346,40 binnen zweiÂ Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.
BegrÃ¼ndung
I.
1Â 1. Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 15.Â AprilÂ 2019 wurde -Â in Stattgebung einer Beschwerde des Tiroler LandesumweltanwaltesÂ - die von der revisionswerbenden Partei beantragte naturschutzrechtliche Bewilligung fÃ¼r die Errichtung einer Sommer- und Winterrodelbahn im Gemeindegebiet vonÂ H. gemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 6Â lit.Â e, 9, 23Â Abs.Â 5Â lit.Â c und 29Â Abs.Â 8Â TirolerÂ NaturschutzgesetzÂ 2005 -Â TNSchGÂ 2005 iVmÂ der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 versagt.
2Â Die Revision gegen dieses Erkenntnis lieÃŸ das Verwaltungsgericht unter Hinweis auf die verbaÂ legalia des Art.Â 133 Abs.Â 4 B-VG nicht zu.
3Â DemÂ legte das Verwaltungsgericht im Wesentlichen zugrunde, die projektierte Sommer- und Winterrodelbahn bestehe aus einer geradlinig in Falllinie des Hanges verlaufenden Bergfahrt mittels Seilzug und einer Talfahrt mit mehreren Kurven und Kreiseln, welche teilweise HÃ¶hen bis zu 10Â m Ã¼ber dem Boden erreichten. Die GesamtlÃ¤nge der Rodelbahn betrage ca.Â 1500Â m. Alle 3Â m werde die Fahrschiene der Rodelbahn mittels ErdnÃ¤geln im Boden auf Stahlplatten verankert. ZusÃ¤tzlich seien auch Betonfundamente notwendig. Die Rodelbahn solle zudem durch die Installation von 60Â LED-Leuchten am GestÃ¤nge beleuchtet werden.
4Â Durch das gegenstÃ¤ndliche Projekt werde in einen Sonderstandort im Sinne des TNSchGÂ 2005 (Feuchtgebiet) eingegriffen und wÃ¼rden weiters zwei geschÃ¼tzte LebensrÃ¤ume im Sinne der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006, nÃ¤mlich â€žKalkreiche Niedermooreâ€œ (AnlageÂ 4/4) und â€žBerg-MÃ¤hwiesenâ€œ (AnlageÂ 4/17), â€žberÃ¼hrtâ€œ. Auch seien bestimmte in den AnlagenÂ 2, 3 undÂ 6Â der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 genannte geschÃ¼tzte Pflanzen- und Tierarten vorgefunden sowie mehrere in AnhangÂ I der Vogelschutzrichtlinie genannte Vogelarten kartiert worden.
5Â In der avifaunistischen Grundlagenkartierung des Landes Tirol sei im MaiÂ 2015 ein NeuntÃ¶ter 200Â m sÃ¼dlich der geplanten Einstiegsstelle nachgewiesen worden. Im Projektgebiet sei daher von einem Vorkommen des in AnhangÂ I der Vogelschutzrichtlinie gelisteten NeuntÃ¶ters auszugehen. Der Projekthang biete grundsÃ¤tzlich gute Voraussetzungen als Lebensraum fÃ¼r den NeuntÃ¶ter. Bei Verwirklichung des Projekts sei mit einer Aufgabe des nachgewiesenen NeuntÃ¶ter-Reviers zu rechnen, wodurch die lokale NeuntÃ¶ter-Population inÂ H. von zwei auf ein Revier zurÃ¼ckgehen wÃ¼rde. Weiters sei von einer erheblichen BeeintrÃ¤chtigung der lokalen Population des Baumpiepers und der Goldammer auszugehen, weil bei beiden Arten bei Errichtung der Bahn mit der Aufgabe der Reviere in Coaster-NÃ¤he zu rechnen sei und dies mit einem lokalen RÃ¼ckgang des Bestandes umÂ 50Â % einhergehe.
6Â Nach Bau der Rodelbahn sei der Lebensraum fÃ¼r Vogelarten vÃ¶llig ungeeignet. Es komme zu einer erheblichen BeeintrÃ¤chtigung der lokalen Population; langfristig sei ein Verschwinden der Vogelarten nicht auszuschlieÃŸen.
7Â Zudem komme es zu einer flÃ¤chenmÃ¤ÃŸigen Reduktion und Verschlechterung der Feuchtgebiete, weil diese mit Errichtung der Fundamente angeschnitten wÃ¼rden. Die vorgesehene Beleuchtung fÃ¼hre zu einer VerhaltensÃ¤nderung bei SÃ¤ugetieren, wie Rehwild, Fuchs und Feldhase, womit eine Verminderung des Lebensraumes und eine Zerschneidung der Habitate einhergingen.
8Â Der betroffene Hang sei aufgrund seiner unterschiedlichen Vegetation optisch sehr attraktiv und reizvoll. Das FeldgehÃ¶lz sowie der Jung- und Nadelwald kÃ¶nnten als landschaftsprÃ¤gende Elemente angesehen werden. Der Bereich sei ein schÃ¶nes Beispiel einer extensiven Kulturlandschaft. Betreffend das (so beschriebene) Landschaftsbild sei davon auszugehen, dass zwei Drittel der Anlage â€žvon unten herâ€œ einsichtig seien. Das letzte Drittel sei nur vom erwÃ¤hnten Hang selbst bzw.Â von den gegenÃ¼ber liegenden BerghÃ¤ngen einsichtig.
9Â Als Alternative zu der projektierten â€žeingriffsstarken Anlageâ€œ stÃ¼nde die Errichtung eines Seilgartens zur VerfÃ¼gung, womit â€žwesentlich weniger Eingriffe in die Naturâ€œ verbunden wÃ¤ren.
10Â Rechtlich kam das Verwaltungsgericht zu dem Ergebnis, das Projekt erfÃ¼lle die TatbestÃ¤nde der Â§Â§Â 6 undÂ 9Â TNSchGÂ 2005. Die gravierenden Auswirkungen auf die SchutzgÃ¼ter â€žFeuchtgebiet, Vogelarten und Landschaftsbildâ€œ seien daher gemÃ¤ÃŸ Â§Â 29 Abs.Â 2Â ZÂ 2Â TNSchGÂ 2005 der mÃ¶glichen FÃ¶rderung des Tourismus in der gegenstÃ¤ndlichen Region gegenÃ¼ber zu stellen. Es stehe jedenfalls fest, dass schwerwiegende BeeintrÃ¤chtigungen der Vogelwelt und der bestehenden Feuchtgebiete zu erwarten seien. Ein Ãœberwiegen touristischer Interessen komme bei Vorhandensein von weniger einschneidenden Projekten, wobei als die Naturschutzinteressen weniger beeintrÃ¤chtigende Alternativen Planungs-, Standort- oder AusfÃ¼hrungsvarianten in Betracht kÃ¤men, nicht in Frage, weshalb die Bewilligung zu versagen sei.
11Â 2. Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende auÃŸerordentliche Revision, die das Verwaltungsgericht samt den Akten des Verfahrens vorgelegt hat.
12Â Revisionsbeantwortungen wurden nicht erstattet.
II.
Der Verwaltungsgerichtshof hat -Â in einem gemÃ¤ÃŸ Â§Â 12Â Abs.Â 1Â ZÂ 2Â VwGG gebildeten SenatÂ - erwogen:
13Â 1. Das ZulÃ¤ssigkeitsvorbringen der Revision wendet sich -Â jeweils nÃ¤her begrÃ¼ndetÂ - gegen die vom Verwaltungsgericht vorgenommene InteressenabwÃ¤gung sowie gegen die Ansicht des Verwaltungsgerichtes, dass mit der Errichtung eines Seilgartens eine weniger eingriffsintensive Alternative zum beantragten Projekt zur VerfÃ¼gung stehe.
14Â Die Revision ist zulÃ¤ssig. Sie ist auch begrÃ¼ndet.
15Â 2. Die hier in den Blick zu nehmenden Bestimmungen des TirolerÂ NaturschutzgesetzesÂ 2005Â â€“Â TNSchGÂ 2005, LGBl.Â Nr.Â 26/2005 idFÂ LGBl.Â Nr.Â 144/2018, lauten:
â€žÂ§Â 1
Allgemeine GrundsÃ¤tze
(1) Dieses Gesetz hat zum Ziel, die Natur als Lebensgrundlage des Menschen so zu erhalten und zu pflegen, dass
a)Â ihre Vielfalt, Eigenart und SchÃ¶nheit,
b)Â ihr Erholungswert,
c)Â der Artenreichtum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und deren natÃ¼rliche LebensrÃ¤ume und
d)Â ein mÃ¶glichst unbeeintrÃ¤chtigter und leistungsfÃ¤higer Naturhaushalt
bewahrt und nachhaltig gesichert oder wiederhergestellt werden. Die Erhaltung und die Pflege der Natur erstrecken sich auf alle ihre Erscheinungsformen, insbesondere auch auf die Landschaft, und zwar unabhÃ¤ngig davon, ob sie sich in ihrem ursprÃ¼nglichen Zustand befindet (Naturlandschaft) oder durch den Menschen gestaltet wurde (Kulturlandschaft). Der Ã¶kologisch orientierten und der die Kulturlandschaft erhaltenden land- und forstwirtschaftlichen Nutzung kommt dabei besondere Bedeutung zu. Wesentliche Bestandteile der Natur bilden insbesondere auch die GewÃ¤sser und die von Wasser geprÃ¤gten LebensrÃ¤ume, denen besondere Bedeutung fÃ¼r einen leistungsfÃ¤higen Naturhaushalt, den Artenreichtum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, das Naturerlebnis und die Erholung zukommt. Die Natur darf nur so weit in Anspruch genommen werden, dass ihr Wert auch fÃ¼r die nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.
[...]
Â§Â 9
Schutz von Feuchtgebieten
(1) In Feuchtgebieten auÃŸerhalb geschlossener Ortschaften bedÃ¼rfen folgende Vorhaben einer naturschutzrechtlichen Bewilligung:
a)Â das Einbringen von Material;
b)Â das Ausbaggern;
c)Â die Errichtung, Aufstellung und Anbringung von Anlagen sowie die Ã„nderung von Anlagen, sofern die Interessen des Naturschutzes nach Â§Â 1 Abs.Â 1 berÃ¼hrt werden;
d)Â jede Ã¼ber die bisher Ã¼bliche Art und den bisher Ã¼blichen Umfang hinausgehende Nutzung;
e)Â GelÃ¤ndeabtragungen und GelÃ¤ndeaufschÃ¼ttungen sowie jede sonstige VerÃ¤nderung der BodenoberflÃ¤che;
f)Â EntwÃ¤sserungen;
g)Â die Verwendung von Kraftfahrzeugen.
[...]
Â§Â 23
GeschÃ¼tzte Pflanzenarten und Pilze
(1) Die Landesregierung hat durch Verordnung
a)Â die im Anhang IV lit.Â b der Habitat-Richtlinie genannten Pflanzenarten und
b)Â andere wild wachsende Pflanzenarten und Pilze, die in ihrem Bestand allgemein oder in bestimmten Gebieten gefÃ¤hrdet sind, deren Erhaltung aber zur Wahrung der Interessen des Naturschutzes nach Â§Â 1 Abs.Â 1 geboten ist,
zu geschÃ¼tzten Arten zu erklÃ¤ren.
[...]
(3) Die Landesregierung kann durch Verordnung fÃ¼r Pflanzenarten nach Abs.Â 1Â lit.Â b, soweit dies zur Sicherung des Bestandes bestimmter Pflanzenarten, insbesondere zur Aufrechterhaltung eines gÃ¼nstigen Erhaltungszustandes der wild wachsenden Pflanzenarten des Anhanges V lit.Â b der Habitat-Richtlinie, erforderlich ist,
a)Â verbieten,
1.Â Pflanzen solcher Arten sowie deren Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, BlÃ¼ten, BlÃ¤tter, Zweige, FrÃ¼chte und dergleichen) und Entwicklungsformen von ihrem Standort zu entfernen, zu beschÃ¤digen oder zu vernichten, im frischen oder getrockneten Zustand zu befÃ¶rdern, feilzubieten, zu verÃ¤uÃŸern oder zu erwerben;
2.Â den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmÃ¶glich wird;
3.Â Pflanzen auf eine bestimmte Art zu entnehmen.
[...]
(5) Sofern es keine andere zufrieden stellende LÃ¶sung gibt und die Populationen der betroffenen Pflanzenart in ihrem natÃ¼rlichen Verbreitungsgebiet ohne BeeintrÃ¤chtigung in einem gÃ¼nstigen Erhaltungszustand verweilen, kÃ¶nnen Ausnahmen von den Verboten nach den Abs.Â 2 und 3Â lit.Â a bewilligt oder hinsichtlich der im Abs.Â 1Â lit.Â b genannten Pflanzenarten auch durch Verordnung der Landesregierung festgelegt werden
[...]
c)Â im Interesse der Volksgesundheit und der Ã¶ffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden GrÃ¼nden des Ã¼berwiegenden Ã¶ffentlichen Interesses einschlieÃŸlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art oder positiver Folgen fÃ¼r die Umwelt,
[...]
Â§Â 29
Naturschutzrechtliche Bewilligungen, aufsichtsbehÃ¶rdliche Genehmigungen
[...]
(2) Eine naturschutzrechtliche Bewilligung
a)Â fÃ¼r die Errichtung von Anlagen in Gletscherschigebieten nach Â§Â 5 Abs.Â 1Â lit.Â e ZÂ 3 (Â§Â 6Â lit.Â c), eine Ã¼ber die Instandhaltung oder Instandsetzung hinausgehende Ã„nderung einer bestehenden AnlageÂ im Bereich der Gletscher, ihrer Einzugsgebiete und ihrer im Nahbereich gelegenen MorÃ¤nen (Â§Â 6Â lit.Â f), fÃ¼r Vorhaben nach den Â§Â§Â 7 Abs.Â 1 und 2, 8, 9 Abs.Â 1 und 2, 27 Abs.Â 3 und 28 Abs.Â 3,
[...]
darf nur erteilt werden,
1.Â wenn das Vorhaben, fÃ¼r das die Bewilligung beantragt wird, die Interessen des Naturschutzes nach Â§Â 1 Abs.Â 1 nicht beeintrÃ¤chtigt oder
2.Â wenn andere langfristige Ã¶ffentliche Interessen an der Erteilung der Bewilligung die Interessen des Naturschutzes nach Â§Â 1 Abs.Â 1 Ã¼berwiegen. In Naturschutzgebieten darf auÃŸerdem ein erheblicher, unwiederbringlicher Verlust der betreffenden SchutzgÃ¼ter nicht zu erwarten sein.
[...]
(3) Eine naturschutzrechtliche Bewilligung
[...]
b)Â fÃ¼r Ausnahmen von den Verboten nach den Â§Â§Â 23 Abs.Â 2 und 3Â lit.Â a, 24 Abs.Â 2 und 3Â lit.Â a und 25 Abs.Â 1 und
[...]
darf nur erteilt werden, wenn die jeweiligen Voraussetzungen vorliegen.Â [...]
(4) Trotz Vorliegens der Voraussetzungen nach Abs.Â 1Â lit.Â b, Abs.Â 2 ZÂ 2, Abs.Â 3Â lit.Â a oder Â§Â 14 Abs.Â 4 ist die Bewilligung zu versagen, wenn der angestrebte Zweck mit einem im VerhÃ¤ltnis zum erzielbaren Erfolg vertretbaren Aufwand auf eine andere Weise erreicht werden kann, durch die die Interessen des Naturschutzes nach Â§Â 1 Abs.Â 1 nicht oder nur in einem geringeren AusmaÃŸ beeintrÃ¤chtigt werden.
[...]
(8) Eine Bewilligung ist zu versagen, wenn eine Voraussetzung fÃ¼r ihre Erteilung nicht vorliegt.
[...]â€œ
Die Tiroler NaturschutzverordnungÂ 2006, LGBl.Â Nr.Â 39/2006, lautet auszugsweise:
â€žÂ§Â 2
Schutz von anderen wild wachsenden Pflanzenarten
(1) Die in der AnlageÂ 2 angefÃ¼hrten wild wachsenden Pflanzenarten, unbeschadet der Arten nach Â§Â 1, werden zu gÃ¤nzlich geschÃ¼tzten Pflanzenarten erklÃ¤rt.
(2) Hinsichtlich der gÃ¤nzlich geschÃ¼tzten Pflanzenarten der AnlageÂ 2 ist es verboten:
a)Â absichtlich Pflanzen solcher Arten sowie deren Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, BlÃ¼ten, BlÃ¤tter, Zweige, FrÃ¼chte und dergleichen) und Entwicklungsformen von ihrem Standort zu entfernen, zu beschÃ¤digen oder zu vernichten, im frischen oder getrockneten Zustand zu befÃ¶rdern, feilzubieten, zu verÃ¤uÃŸern oder zu erwerben,
b)Â den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmÃ¶glich wird.
(3) Die in der AnlageÂ 3 angefÃ¼hrten wild wachsenden Pflanzenarten, unbeschadet der Arten nach den Â§Â§Â 1 und 2 Abs.Â 1, werden zu teilweise geschÃ¼tzten Pflanzenarten erklÃ¤rt.
(4) Hinsichtlich der teilweise geschÃ¼tzten Pflanzenarten der AnlageÂ 3 ist es verboten:
a)Â die oberirdisch wachsenden Teile solcher Arten absichtlich in einer Ã¼ber einen HandstrauÃŸ hinausgehenden Menge zu entnehmen und zu befÃ¶rdern,
b)Â die unterirdisch wachsenden Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen) solcher Arten absichtlich von ihrem Standort zu entfernen, zu beschÃ¤digen oder zu vernichten, zu befÃ¶rdern, feilzubieten, zu verÃ¤uÃŸern oder zu erwerben,
c)Â den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmÃ¶glich wird.
[...]
Â§Â 3
Schutz von Arten gefÃ¤hrdeter besonderer Pflanzengesellschaften
Unbeschadet der Bestimmungen der Â§Â§Â 1 und 2 sind die in der AnlageÂ 4 angefÃ¼hrten gefÃ¤hrdeten besonderen Pflanzengesellschaften dahingehend geschÃ¼tzt, als es verboten ist, ihre Standorte so zu behandeln, dass ihr Fortbestand erheblich beeintrÃ¤chtigt oder unmÃ¶glich wird, insbesondere die natÃ¼rliche Artenzusammensetzung der Pflanzengesellschaft verÃ¤ndert wird.
[...]
Â§Â 7
Ausnahmen von den Verboten und Zuwiderhandlungen
(1) Von den Verboten nach den Â§Â§Â 1 Abs.Â 2, 2 Abs.Â 2 und 4, 3, 4 Abs.Â 2, 5 Abs.Â 2 und 6 Abs.Â 3 kÃ¶nnen Ausnahmen nach den Â§Â§Â 23 Abs.Â 5, 24 Abs.Â 5 und 25 Abs.Â 3 des Tiroler Naturschutzgesetzes 2005, LGBl.Â Nr.Â 26, in der jeweils geltenden Fassung, bewilligt werden.
[...]â€œ
16Â 3. Das Verwaltungsgericht geht in der rechtlichen Beurteilung des angefochtenen Erkenntnisses davon aus, dass das gegenstÃ¤ndliche Projekt gemÃ¤ÃŸ Â§Â 9 Abs.Â 1Â TNSchGÂ 2005 bewilligungspflichtig und dementsprechend eine InteressenabwÃ¤gung im Sinne des Â§Â 29Â Abs.Â 2Â ZÂ 2Â TNSchGÂ 2005 durchzufÃ¼hren sei.
17Â Eine solche im Einzelfall durchgefÃ¼hrte InteressenabwÃ¤gung ist vom Verwaltungsgerichtshof im Rahmen des Revisionsmodells dann aufzugreifen, wenn das Verwaltungsgericht die vom Verwaltungsgerichtshof aufgestellten Leitlinien bzw.Â GrundsÃ¤tze nicht beachtet und somit seinen Anwendungsspielraum Ã¼berschritten oder eine krasse bzw.Â unvertretbare Fehlbeurteilung des Einzelfalles vorgenommen hat (vgl.Â etwa VwGHÂ 28.2.2019, RoÂ 2019/01/0003,Â mwN).
18Â Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes entspricht eine auf Grund einer InteressenabwÃ¤gung nach Â§Â 29 Abs.Â 2 ZÂ 2Â TNSchGÂ 2005 ergangene Entscheidung den Anforderungen an eine gesetzmÃ¤ÃŸige BegrÃ¼ndung nur dann, wenn sie in qualitativer und quantitativer Hinsicht nachvollziehbare Feststellungen Ã¼ber jene Tatsachen enthÃ¤lt, von denen Art und AusmaÃŸ der verletzten Interessen iSdÂ Â§Â 1 Abs.Â 1Â TNSchGÂ 2005 abhÃ¤ngt, Ã¼ber jene Auswirkungen des Vorhabens, in denen eine Verletzung dieser Interessen zu erblicken ist, und Ã¼ber jene Tatsachen, die das langfristige Ã¶ffentliche Interesse ausmachen, dessen Verwirklichung die beantragte MaÃŸnahme dienen soll (vgl.Â etwa VwGHÂ 21.10.2010, 2008/10/0003, sowie VwGHÂ 27.3.2014, 2010/10/0182, jeweilsÂ mwN).
19Â Zur Frage des â€žÃœberwiegensâ€œ der langfristigen Ã¶ffentlichen Interessen an der Erteilung der Bewilligung Ã¼ber die Interessen des Naturschutzes gemÃ¤ÃŸ Â§Â 29Â Abs.Â 2 ZÂ 2Â TNSchGÂ 2005 ist eine Wertentscheidung zu treffen, zumal die konkurrierenden Interessen meist nicht monetÃ¤r bewertbar sind. Um die Wertentscheidung transparent und nachvollziehbar zu machen, ist es daher erforderlich, die fÃ¼r und gegen ein Vorhaben sprechenden Argumente mÃ¶glichst umfassend und prÃ¤zise zu erfassen und einander gegenÃ¼ber zu stellen (vgl.Â etwa VwGHÂ 8.10.2014, 2012/10/0208,Â mwN).
20Â 4.1. Eine derartige transparente und nachvollziehbare Wertentscheidung unter Zugrundelegung der in der hg.Â Judikatur geforderten Feststellungen ist dem angefochtenenÂ Erkenntnis jedoch nicht zu entnehmen:
21Â So lÃ¤sst dieses schon hinreichende Feststellungen zu den durch das beantragte Projekt beeintrÃ¤chtigten Naturschutzinteressen iSd Â§Â 1 Abs.Â 1Â TNSchGÂ 2005 vermissen, zu denen (u.a.)Â der Schutz des Landschaftsbildes zÃ¤hlt (vgl.Â etwa VwGHÂ 9.11.2016, RoÂ 2014/10/0044,Â mwN; zu den Anforderungen an die in dieser Hinsicht zu treffenden Feststellungen vgl.Â neben diesem Erkenntnis etwa VwGHÂ 21.12.2016, RoÂ 2014/10/0046,Â mwN; zu den Anforderungen beim Naturschutzinteresse â€žArtenreichtum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und deren natÃ¼rliche LebensrÃ¤umeâ€œ vgl.Â etwa VwGHÂ 24.6.2015, 2012/10/0233,Â mwN).
22Â Weiters fehlen im angefochtenen Erkenntnis konkrete Feststellungen in Hinblick auf langfristige Ã¶ffentliche Interessen (vgl.Â Â§Â 29Â Abs.Â 2 ZÂ 2Â TNSchGÂ 2005) an der Verwirklichung der projektierten Rodelbahn. Dass dem Verwaltungsgericht derartige Feststellungen nicht mÃ¶glich gewesen wÃ¤ren, weil die revisionswerbende Partei zum Vorliegen langfristiger Ã¶ffentlicher Interessen am gegenstÃ¤ndlichen Projekt im Zuge des Verfahrens keine ausreichenden Angaben gemacht hÃ¤tte, lÃ¤sst sich dem angefochtenen Erkenntnis nicht entnehmen (vgl.Â dazu nochmals VwGHÂ 2012/10/0208 sowie VwGHÂ 23.2.2009, 2007/10/0205,Â mwN).
23Â Bereits aus diesem Grund hat das Verwaltungsgericht keine gesetzmÃ¤ÃŸige InteressenabwÃ¤gung im Sinne der oben zitierten Leitlinien der Rechtsprechung durchgefÃ¼hrt und somit seinen Anwendungsspielraum Ã¼berschritten.
24Â 4.2. Auch mit dem Argument, dass ein Ãœberwiegen Ã¶ffentlicher (touristischer) Interessen bei Vorliegen â€žweniger einschneidenderâ€œ alternativer Projekte nicht in Frage komme, vermag das Verwaltungsgericht die Abweisung des Bewilligungsantrages nicht zu begrÃ¼nden, hat es sich doch mit der Frage, ob die in diesem Zusammenhang erwÃ¤hnte Errichtung eines Seilgartens als Alternative im Sinne des Â§Â 29Â Abs.Â 4Â TNSchGÂ 2005 die dort normierten Anforderungen (nÃ¤mlich, dass dadurch â€žder angestrebte Zweck mit einem im VerhÃ¤ltnis zum erzielbaren Erfolg vertretbaren Aufwand auf eine andere Weise erreicht werden kannâ€œ) erfÃ¼lle, Ã¼berhaupt nicht auseinandergesetzt.
25Â 4.3. Das Verwaltungsgericht kann die Versagung der Bewilligung schlieÃŸlich auch nicht auf das Fehlen der Voraussetzungen fÃ¼r eine Ausnahme nach den (lediglich) im Spruch angefÃ¼hrten Bestimmungen des Â§Â 23Â Abs.Â 5Â lit.Â cÂ TNSchGÂ 2005 iVmÂ der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 stÃ¼tzen.
26Â Eine Subsumtion des vorliegenden Falles unter die genannten Bestimmungen wird im angefochtenen Erkenntnis nÃ¤mlich Ã¼berhaupt nicht vorgenommen. Die AusfÃ¼hrungen des Verwaltungsgerichts, wonach zwei bestimmte nach AnlageÂ 4Â der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 geschÃ¼tzte LebensrÃ¤ume durch das Projekt â€žberÃ¼hrtâ€œ wÃ¼rden und nÃ¤her genannte in den AnlagenÂ 2Â undÂ 3 der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 geschÃ¼tzte Pflanzen im Projektgebiet â€žvorgefundenâ€œ worden seien, stellen keine ausreichende rechtliche Auseinandersetzung mit dem Projekt vor dem Hintergrund der Regelungen des Â§Â 23Â TNSchGÂ 2005 iVmÂ der TirolerÂ NaturschutzverordnungÂ 2006 dar.
27Â 5. Nach dem Gesagten erweist sich das angefochtene Erkenntnis als inhaltlich rechtswidrig, weshalb es gemÃ¤ÃŸ Â§Â 42Â Abs.Â 2Â ZÂ 1Â VwGG aufzuheben war.
28Â Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf die Â§Â§Â 47Â ffÂ VwGG iVmÂ der VwGH-AufwandersatzverordnungÂ 2014.
Wien, am 9.Â JuniÂ 2020