Document Number: JJT_20201014_OGH0002_0020OB00114_20H0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0020OB00114.20H.1014.000
Case Number: 2Ob114/20h
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1602633600000
Word Count: 870

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat als Rekursgericht durch den SenatsprÃ¤sidenten Dr.Â Veith als Vorsitzenden und den Hofrat Dr.Â Musger, die HofrÃ¤tin Dr.Â SolÃ© und die HofrÃ¤te Dr.Â Nowotny und Mag.Â Pertmayr als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei L***** F*****, vertreten durch Dr.Â Dieter BrandstÃ¤tter, Rechtsanwalt in Innsbruck, gegen die beklagten Parteien 1.Â M***** D*****, 2.Â (richtig) L***** H***** GmbH (FNÂ 6*****, und 3.Â A*****-Aktiengesellschaft *****, alle vertreten durch Mag.Â Roland Seeger, Rechtsanwalt in Innsbruck, wegen (zuletzt) 1.687,50Â EURÂ sA, Ã¼ber den Rekurs der zweitbeklagten Partei gegen den Beschluss des Landesgerichts Innsbruck als Berufungsgericht vom 30.Â DezemberÂ 2019, GZÂ 2Â RÂ 96/19k-29, mit welchem die Bezeichnung der zweitbeklagten Partei berichtigt wurde, in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Dem Rekurs wird Folge gegeben.
Der angefochtene Beschluss wird dahin abgeÃ¤ndert, dass die Bezeichnung der zweitbeklagten Partei auf L***** H***** GmbH (FNÂ 6*****) richtiggestellt wird.
Die klagende Partei ist schuldig, der zweitbeklagten Partei die mit 361,54Â EUR (darin 60,26Â EUR USt) bestimmten Rekurskosten binnen 14Â Tagen zu ersetzen.
Text
BegrÃ¼ndung:
[1] Die KlÃ¤gerin erhob am 24.Â OktoberÂ 2017 eine Mahnklage gegen die â€žFirma L***** Verkehrsservice GmbH, *****, J***** W*****straÃŸeÂ *****â€œ als Halterin eines Omnibusses (zweitbeklagte Partei) und gegen den Erstbeklagten als Lenker sowie eine Versicherungsgesellschaft als Haftpflichtversicherer (drittbeklagte Partei). In ihrem Einspruch bezeichnete sich die zweitbeklagte Partei als â€žL***** Verkehrsservice GmbH, *****, H*****-StraÃŸeÂ *****â€œ. Eine solche Gesellschaft war zu diesem Zeitpunkt unter dieser Firma und mit dieser Anschrift zu FNÂ 6***** im Firmenbuch eingetragen. Sie bestand seit 1993, ihre Firma fÃ¼hrte sie seit 2007. Der KlÃ¤ger blieb in den folgenden SchriftsÃ¤tzen bei der von ihm gewÃ¤hlten Anschrift der zweitbeklagten Partei (also â€žJ***** W*****straÃŸeâ€œ statt â€žH*****-StraÃŸeâ€œ).
[2] Das Erstgericht gab dem Klagebegehren mit Urteil vom 2.Â MaiÂ 2019 groÃŸteils statt, wobei es als Adresse der zweitbeklagten Partei *****, J***** W*****straÃŸeÂ *****, anfÃ¼hrte. Gegen dieses Urteil erhoben die beklagten Parteien Berufung, die dem Berufungsgericht am 17.Â JuniÂ 2019 vorgelegt wurde.
[3] In weiterer Folge wurde die Firma der zweitbeklagten Partei durch Neufassung des Gesellschaftsvertrags auf L***** H***** GmbH geÃ¤ndert, wobei die Ã„nderung am 13.Â DezemberÂ 2019 im Firmenbuch eingetragen wurde.
[4] Mit dem angefochtenen Beschluss berichtigte das Berufungsgericht die Bezeichnung der zweitbeklagten Partei auf L***** Verkehrsbetriebs GmbH, wobei es die Entscheidung zusammen mit der Erledigung der Berufung ausfertigte.
[5] Laut dem Firmenbuch hÃ¤tten sowohl die L***** H***** GmbH (FNÂ 6*****) als auch die L***** Verkehrsbetriebs GmbH (FNÂ 2*****) ihre GeschÃ¤ftsanschriften an der Adresse *****, H*****-StraÃŸeÂ *****. Aus dem historischen Firmenbuch zu FN6***** gehe hervor, dass die nunmehrige L***** H***** GmbH frÃ¼her L***** Verkehrsservice GmbH geheiÃŸen habe und durch zwei UmgrÃ¼ndungsschritte der gesamte Omnibusbetrieb auf die zu dessen FortfÃ¼hrung gegrÃ¼ndete L***** Verkehrsbetriebs GmbH Ã¼bertragen worden sei. Da sich aus der KlagserzÃ¤hlung in Zusammenschau mit dem Firmenbuch eindeutig ergebe, wer die zweitbeklagte Partei sein solle, sei die Bezeichnung der von beiden Parteien falsch bezeichneten, aber eindeutig erkennbaren zweitbeklagten Partei von Amts wegen zu berichtigen.
[6] Der Beschluss wurde den Parteienvertretern zugestellt, nicht jedoch der L***** Verkehrsbetriebs GmbH. Gegen ihn richtet sich der Rekurs der zweitbeklagten Partei. Sie sei seit 1993 im Firmenbuch eingetragen; nur ihre Firma habe sich mit Eintragung vom 13.Â DezemberÂ 2019 geÃ¤ndert. Insofern werde eine Berichtigung der Parteibezeichnung beantragt. Die L***** Verkehrsbetriebs GmbH sei eine andere Gesellschaft und habe mit der Sache nichts zu tun.
[7] Die KlÃ¤gerin beantragt in ihrer Rekursbeantwortung, den Rekurs als unzulÃ¤ssig zurÃ¼ckzuweisen, in eventu ihm nicht Folge zu geben.
[8] Die L***** Verkehrsbetriebs GmbH wurde bisher nicht in das Verfahren einbezogen. Mangels ihr gegenÃ¼ber eingetretener StreitanhÃ¤ngigkeit war ihr daher nicht Gelegenheit zur Rekursbeantwortung zu geben (Â§Â 521 AbsÂ 1 ZPO).
Rechtliche Beurteilung
[9] Der Rekurs ist zulÃ¤ssig und berechtigt.
[10] 1.Â Die ZulÃ¤ssigkeit des Rekurses ergibt sich aus Â§Â 519 AbsÂ 1 ZÂ 1 ZPO:
[11] Eine (funktional erstinstanzliche) â€žBerichtigungâ€œ der Parteibezeichnung durch das Berufungsgericht ist nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung mit Vollrekurs anfechtbar (RS0039608), und zwar richtigerweise analog Â§Â 519 AbsÂ 1 ZÂ 1 ZPO (RS0039608 [T4]): Durch eine â€žRichtigstellungâ€œ der Parteibezeichnung, die wegen eines dadurch bewirkten Parteiwechsels unzulÃ¤ssig ist, wird die Fortsetzung des Verfahrens mit der Altpartei verweigert, was im Ergebnis einer KlagezurÃ¼ckweisung gleichkommt.
[12] 2.Â Der Rekurs ist berechtigt, weil die vom Rekursgericht vorgenommene â€žBerichtigungâ€œ der Parteibezeichnung tatsÃ¤chlich zu einem Parteiwechsel fÃ¼hrte.
[13] 2.1.Â Schon nach dem Wortlaut des Â§Â 235 AbsÂ 5 ZPO kommt eine Berichtigung der Parteibezeichnung nur in Frage, wenn das Klagebegehren nach dem Inhalt der Klage â€žin einer jeden Zweifel ausschlieÃŸenden Weiseâ€œ gegen eine bestimmte Person erhoben wird, die aber in der Klage unrichtig bezeichnet wurde (RS0039378). Eine Ã„nderung der Parteibezeichnung ist regelmÃ¤ÃŸig dann ausgeschlossen, wenn im Berichtigungsweg ein bestehendes Rechtssubjekt gegen ein anderes ausgetauscht werden soll (RS0039530 [T1]), wobei die Existenz zweier Rechtssubjekte fÃ¼r einen (unzulÃ¤ssigen) Parteiwechsel spricht (RS0039297).
[14] 2.2.Â Im vorliegenden Fall war die Klage eindeutig gegen die â€“ seit 1993 bestehende und seit 2007 unter dieser Firma handelnde â€“ â€žL***** Verkehrsservice GmbHâ€œ gerichtet. Die von der KlÃ¤gerin genannte Adresse (J***** W*****straÃŸe statt H*****-StraÃŸe) konnte insofern keine Zweifel wecken. Diese Gesellschaft besteht unverÃ¤ndert fort, nur ihre Firma hat sich (neuerlich) geÃ¤ndert. Die vom Rekursgericht auf â€ždie KlagserzÃ¤hlungâ€œ und auf Vermutungen Ã¼ber BetriebsÃ¼bergÃ¤nge gestÃ¼tzte â€žBerichtigungâ€œ der Parteibezeichnung fÃ¼hrte daher zu einem unzulÃ¤ssigen Parteiwechsel.
[15] 2.3.Â Aus diesem Grund hat der Rekurs Erfolg. Der angefochtene Beschluss ist dahin abzuÃ¤ndern, dass die Bezeichnung der zweitbeklagten Gesellschaft aufgrund der am 13.Â DezemberÂ 2019 im Firmenbuch eingetragenen Ã„nderung des Firmenwortlauts auf L***** H***** GmbH (FNÂ 6*****) richtiggestellt wird.
[16] 3.Â Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 50 ZPO iVm Â§Â§Â 52 AbsÂ 1 und 41 AbsÂ 1 ZPO. Die zweitbeklagte Partei hat im zweitinstanzlichen Zwischenstreit Ã¼ber die Berichtigung der Parteibezeichnung obsiegt (vgl Obermaier, Kostenhandbuch3 RzÂ 1.328).