Document Number: JJT_20200220_OGH0002_0070NC00002_20H0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0070NC00002.20H.0220.000
Case Number: 7Nc2/20h
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1582156800000
Word Count: 448

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat durch die SenatsprÃ¤sidentin Dr.Â Kalivoda als Vorsitzende, den Hofrat Hon.-Prof.Â Dr.Â HÃ¶llwerth und die HofrÃ¤tin Dr.Â SolÃ© als weitere Richter in der Pflegschaftssache des mjÂ M***** H*****, geboren am *****Â 2004 und des mjÂ T***** H*****, geboren am *****Â 2006, aufgrund der vom Bezirksgericht Perg verfÃ¼gten Vorlage des Akts AZÂ 3Â PuÂ 252/14d zur Entscheidung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 111 JN, den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die mit Beschluss des Bezirksgerichts Perg vom 23.Â JÃ¤nnerÂ 2019, GZÂ 3Â PuÂ 252/14d-98, verfÃ¼gte Ãœbertragung der ZustÃ¤ndigkeit zur FÃ¼hrung der Pflegschaftssache betreffend den mj M***** H***** an das Bezirksgericht Haag wird nicht genehmigt.
Text
BegrÃ¼ndung:
Der ***** geborene M***** H***** und der ***** geborene T***** H***** sind die Kinder der C***** H***** und des G***** W*****. Der mj M***** lebt beim Vater in S*****, der mj T***** bei der Mutter in M*****. Das Pflegschaftsverfahren fÃ¼r beide Kinder wurde gemeinsam beim Bezirksgericht Perg gefÃ¼hrt.
Am 17.Â JÃ¤nnerÂ 2020 langte beim Bezirksgericht Haag ein Antrag der Mutter auf Herabsetzung ihrer Unterhaltsverpfichtung gegenÃ¼ber dem mjÂ M***** ein. Daraufhin Ã¼bertrug das Bezirksgericht Perg mit Beschluss vom 23.Â JÃ¤nnerÂ 2020, GZÂ 3Â PuÂ 252/14d-98, seine ZustÃ¤ndigkeit zur Besorgung der Pflegschaftssache des mjÂ M***** an das Bezirksgericht Haag, weil dieser sich jetzt stÃ¤ndig in S***** beim Vater aufhalte.
Das Bezirksgericht Haag lehnte die Ãœbernahme der Pflegschaftssache unter Hinweis darauf ab, dass eine Aufsplittung des bisher gemeinsam fÃ¼r beide MinderjÃ¤hrigen beim Bezirksgericht Perg gefÃ¼hrten Pflegschaftsverfahrens unzweckmÃ¤ÃŸig sei.
Das Bezirksgericht Perg legte den Akt gemÃ¤ÃŸ Â§Â 111 AbsÂ 2 JN dem Obersten Gerichtshof zur Entscheidung vor.
Die vom Bezirksgericht Perg verfÃ¼gte Ãœbertragung ist nicht gerechtfertigt.
Rechtliche Beurteilung
1.Â GemÃ¤ÃŸ Â§Â 111 AbsÂ 1 JN kann das Pflegschaftsgericht seine ZustÃ¤ndigkeit einem anderen Gericht Ã¼bertragen, wenn dies im Interesse des Pflegebefohlenen gelegen erscheint, insbesondere, wenn dadurch der dem Pflegebefohlenen zugedachte Schutz voraussichtlich besser verwirklicht werden kann. Diese Voraussetzung liegt in der Regel vor, wenn die Pflegschaftssache jenem Gericht Ã¼bertragen wird, in dessen Sprengel der Mittelpunkt der LebensfÃ¼hrung des Kindes liegt. MaÃŸgebend ist immer das Kindeswohl.
2.Â Eine TeilÃ¼bertragung der ZustÃ¤ndigkeit bei Pflegschaftsverfahren mehrerer Kinder, die aus der selben Ehe oder Lebensgemeinschaft entstammen, wird in der Regel aber nicht als zweckmÃ¤ÃŸig angesehen (RS0129854). Eine Art â€žgespalteneâ€œ ZustÃ¤ndigkeit mehrerer Pflegschaftsgerichte ist zumeist schon aus praktischen Ãœberlegungen (AktenfÃ¼hrung udgl) zu vermeiden (Gitschthaler in Gitschthaler/HÃ¶llwerth AuÃŸStrGÂ² Â§Â 111 JN RzÂ 22).
Auch im vorliegenden Fall wÃ¤re es unzweckmÃ¤ÃŸig, die Pflegschaft fÃ¼r die beiden Kinder bei verschiedenen Gerichten zu fÃ¼hren, weil Informationen aus der einen Pflegschaftssache fÃ¼r die Erledigung der anderen Pflegschaftssache nÃ¼tzlich sein werden. Auch im Hinblick auf die Ã¶rtliche Situation bieten sich wenig Vorteile, wenn die Pflegschaftssache hinsichtlich des mjÂ M***** gesondert beim Bezirksgericht Haag gefÃ¼hrt wird. Ein Aufwand fÃ¼r Fahrten zum Bezirksgericht Perg lieÃŸe sich auch bei einer Ãœbertragung der ZustÃ¤ndigkeit nicht zur GÃ¤nze vermeiden, weil die Pflegschaft fÃ¼r den mj T***** jedenfalls bei diesem Gericht verbleibt.
Die Ãœbertragung der ZustÃ¤ndigkeit war daher nicht zu genehmigen.