Document Number: JJT_20201023_OGH0002_0150OS00059_20W0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00059.20W.1023.000
Case Number: 15Os59/20w
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1603411200000
Word Count: 2050

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 23.Â OktoberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in Gegenwart des Dr.Â Koller als SchriftfÃ¼hrer in der Strafsache gegen M***** S***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens der staatsfeindlichen Verbindung nach Â§Â 246 AbsÂ 2 erster und vierter Fall StGB, AZÂ 14Â HvÂ 66/19t des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz, Ã¼ber die von der Generalprokuratur gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Graz vom 11.Â DezemberÂ 2019, AZÂ 10Â BsÂ 198/19x (ONÂ 484 der Hv-Akten), erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach Ã¶ffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Mag.Â Holzleithner, des Angeklagten M***** S***** sowie des Angeklagten W***** E***** und seiner Verteidigerin Dr.Â Vinkovits zu Recht erkannt:
Spruch
Im Verfahren AZÂ 14Â HvÂ 66/19t des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz verletzt der Beschluss des Oberlandesgerichts Graz vom 11.Â DezemberÂ 2019, AZÂ 10Â BsÂ 198/19x, soweit damit die Anklage der Staatsanwaltschaft Graz vom 14.Â JuniÂ 2019, AZ 15Â St 30/19z fÃ¼r rechtswirksam erklÃ¤rt wurde, Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG.
Der erwÃ¤hnte Beschluss wird (zur GÃ¤nze) aufgehoben und dem Oberlandesgericht Graz aufgetragen, erneut Ã¼ber die EinsprÃ¼che gegen die Anklageschrift zu entscheiden.
Text
GrÃ¼nde:
Am 19.Â JuniÂ 2019 brachte die Staatsanwaltschaft Graz (AZÂ 15Â StÂ 30/19z) beim Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Graz als Geschworenengericht (AZÂ 14Â HvÂ 66/19t) eine mit 14.Â JuniÂ 2019 datierte Anklageschrift gegen M***** S***** (I./) und W***** E***** (II./) jeweils wegen des Vorwurfs des Verbrechens der staatsfeindlichen Verbindung nach Â§Â 246 AbsÂ 2 erster und vierter Fall StGB ein (ONÂ 472).
Gegenstand des Anklagevorwurfs ist der Verdacht, die Genannten hÃ¤tten sich seit ihrer (teils bedingten) Entlassung aus der Strafhaft am 30.Â JuniÂ 2017 bis zu ihrer Festnahme am 2.Â OktoberÂ 2018 in W*****, G*****, L***** und anderen Orten des Ã¶sterreichischen Bundesgebiets im â€žInternational Common Law Court of Justice Viennaâ€œ (in weiterer Folge: ICCJV) in einer Verbindung, deren â€“ wenn auch nicht ausschlieÃŸlicher â€“ Zweck es sei, auf gesetzwidrige Weise die ordentliche Gerichtsbarkeit und somit eine verfassungsgemÃ¤ÃŸe Einrichtung der Republik Ã–sterreich zu erschÃ¼ttern, fÃ¼hrend betÃ¤tigt und sie in sonst erheblicher Weise unterstÃ¼tzt, indem
I./Â M***** S***** in seiner Funktion als â€žGeneral Directorâ€œ und als Mitglied des FÃ¼hrungsgremiums (â€žHigh Councilâ€œ) maÃŸgeblich an der Planung und am Aufbau der Organisation des ICCJV mitgewirkt, andere Mitglieder in FÃ¼hrungspositionen der Verbindung ernannt sowie Schreiben und Propaganda fÃ¼r den ICCJV erstellt und an diverse Ã„mter und BehÃ¶rden verschickt habe und
II./Â W***** E***** als â€žIIA First Vice Presidentâ€œ, Mitglied des FÃ¼hrungsgremiums (â€žHigh Councilâ€œ) und des â€žIT-Departmentsâ€œ maÃŸgeblichen Einfluss auf den Aufbau und die Ausrichtung der staatsfeindlichen Verbindung genommen, den Aufbau und die Gestaltung der Propaganda-Homepage www.iccjv.org und der Facebook-Seite des ICCJV Ã¼bernommen sowie die Server und Mailadressen des ICCJV verwaltet habe.
Laut â€“ zusammengefasster â€“ BegrÃ¼ndung der Anklageschrift sei es das Ziel des ICCJV, Selbstjustiz gegenÃ¼ber Personen (zumeist Beamte, Richter oder Hilfsorgane, wie Sachwalter, Insolvenzverwalter und SachverstÃ¤ndige) zu Ã¼ben, die gegen Mitglieder der sogenannten â€žsouverÃ¤nen Szeneâ€œ Akte der behÃ¶rdlichen Befehls- und Zwangsgewalt und somit aus Sicht der Mitglieder des ICCJV â€žMenschenrechtsverbrechenâ€œ gesetzt haben. Diese Akte der Selbstjustiz sollten durch sogenannte â€žCourtsâ€œ ausgesprochen und durch â€žSheriffsâ€œ vollzogen werden (ONÂ 472 SÂ 6Â f). Der ICCJV ziele damit erkennbar darauf ab, die Gerichtsbarkeit der Republik Ã–sterreich insofern zu Ã¤ndern, als der ICCJV als ausschlieÃŸlich zustÃ¤ndiges Gericht in allen Rechtsangelegenheiten installiert werden sollte (ONÂ 472 SÂ 19).
Der Angeklagte W***** E***** habe im ICCJV nach seiner Enthaftung aus dem unbedingten Teil der mit Urteil des Landesgerichts Krems an der Donau zu AZÂ 35Â HvÂ 26/16s Ã¼ber ihn verhÃ¤ngten Freiheitsstrafe (am 30.Â JuniÂ 2017; ONÂ 472 SÂ 10) erneut die Funktionen des â€žIIA First Vice Presidentâ€œ und des Leiters des â€žIT-Departmentsâ€œ des ICCJV Ã¼bernommen und bis zu seiner Verhaftung am 2.Â OktoberÂ 2018 ausgeÃ¼bt. Als solcher habe er im Tatzeitraum an mehreren Treffen des FÃ¼hrungsgremiums des ICCJV, dem â€žHigh Councilâ€œ, stimmberechtigt teilgenommen und maÃŸgeblichen Einfluss auf den Aufbau und die Ausrichtung dieser Verbindung ausgeÃ¼bt. DarÃ¼ber hinaus habe er als Leiter des IT-Bereichs die Verbindung auch durch den Aufbau, die Gestaltung und Administration deren Propaganda-Homepage www.iccjv.org und deren Facebook-Seite unterstÃ¼tzt und dabei deren Server und E-Mail-Adressen verwaltet und so eine lÃ¤nderÃ¼bergreifende Kommunikation unter deren Mitgliedern und den Austausch verbindungsinterner Dokumente ermÃ¶glicht (ONÂ 472 SÂ 11) sowie die Betreuung und Aufsicht Ã¼ber sonstige WerbeaktivitÃ¤ten der staatsfeindlichen Verbindung mit entsprechender Anordnungsbefugnis gegenÃ¼ber anderen Mitgliedern der Verbindung ausgeÃ¼bt (vgl ONÂ 472 SÂ 22 iVm SÂ 15). Beispielsweise enthalte die Facebook-Seite sowie die Webseite seit 2014 eine Art Stellenausschreibung, mit der der ICCJV sogenannte â€žSheriffsâ€œ suche; auf der Webseite sei Ã¼berdies die Verfassung bzw das Grundgesetz des ICCJV als â€žWiener Statutâ€œ sowie ein Handbuch zum organisatorischen Aufbau des ICCJV verÃ¶ffentlicht worden (ONÂ 472 SÂ 7 letzter Absatz iVm ONÂ 6 SÂ 15 und 19Â f).
Die gegen diese Anklageschrift sowohl von W***** E***** (ONÂ 479) als auch von M***** S***** (ONÂ 476) erhobenen EinsprÃ¼che wies das Oberlandesgericht Graz mit Beschluss vom 11.Â DezemberÂ 2019, AZÂ 10Â BsÂ 198/19x, ab und stellte dabei die Rechtswirksamkeit der Anklage fest (ONÂ 484). Dabei leitete es die Ã¶rtliche ZustÃ¤ndigkeit des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz als Geschworenengericht aus Â§Â 36 AbsÂ 3 erster Satz StPO ab; dies mit der BegrÃ¼ndung, dass â€ždie nach der Verdachtslage nach Â§Â 246 AbsÂ 2 StGB [...] strafbaren Handlungen doch (auch) im Sprengel dieses Gerichtshofs ausgefÃ¼hrtâ€œ worden seien (ONÂ 484 SÂ 3).
In ihrer gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Graz vom 11.Â DezemberÂ 2019 erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes fÃ¼hrt die Generalprokuratur aus:
Nach den der vorliegenden Anklageschrift zugrunde liegenden Tatsachen â€“ in Verbindung mit dem Inhalt der Ermittlungsakten (15Â OsÂ 151/18x; RIS-Justiz RS0131309; Oshidari, WK-StPO Â§Â 38 RzÂ 2/1) â€“ liegt dem Angeklagten W***** E***** unter anderem zur Last, eine staatsfeindliche Verbindung (ICCJV) als Leiter deren IT-Bereichs durch den Aufbau, die Gestaltung und die Administration deren Propaganda-Homepage (www.iccjv.org) und Facebook-Seite sowie durch die Aufsicht Ã¼ber deren WerbetÃ¤tigkeit iSd Â§Â 246 AbsÂ 2 vierter Fall StGB in erheblicher Weise unterstÃ¼tzt zu haben (vgl Salimi/Tipold SbgK Â§Â 246 RzÂ 45; Leukauf/Steininger/Huber, StGB4 Â§Â 246 RzÂ 8a litÂ d).
Da diese UnterstÃ¼tzungshandlungen unter anderem auch darin bestanden haben sollen, fÃ¼r die verfahrensgegenstÃ¤ndliche Verbindung werbende (zT auch Mitglieder anwerbende [vgl Â§Â 246 AbsÂ 2 zweiter Fall StGB]) Ã„uÃŸerungen auf deren Homepage www.iccjv.org und Facebook-Seite ersichtlich auch im Tatzeitraum in einem abrufbaren Zustand belassen zu haben (vgl ONÂ 472 SÂ 7 letzter Absatz; vgl [Â§Â 283 StGB betreffend] 15Â OsÂ 129/17k), Webseiten bzw Webinhalte und allgemein zugÃ¤ngliche Facebook-Seiten auf elektronischem Weg abrufbare Medien iSd Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 1 und 5a litÂ b MedienG darstellen (Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 1 RzÂ 13, 36Â f und 47/5; Koukal in Berka/Heindl/HÃ¶hne/Koukal, MedienG4 Â§Â 1 RzÂ 2, 7, 12 und 24a; RÃ¶ggla/Wittmann/ZÃ¶chbauer, Medienrecht â€“ MedienG, Â§Â 1 RzÂ 10 und 17; Frohner/Haller, Mediengesetz6 Â§Â 1 RzÂ 2 und 9) und diese Tathandlungen solcherart durch den Inhalt eines Mediums und in einer im Wege der Massenverbreitung an einen grÃ¶ÃŸeren Personenkreis (Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 1 RzÂ 11) gerichteten Mitteilung oder Darbietung begangen worden sein sollen, liegt dem Genannten insoweit â€“ aufgrund der im Anlassfall besonderen Begehungsweise des Â§Â 246 AbsÂ 2 (zweiter und) vierter Fall StGB als Ã„uÃŸerungsdelikt â€“ ein Medieninhaltsdelikt iSd Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 12 MedienG zur Last (Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 1 RzÂ 70 und 72; RÃ¶ggla/Wittmann/ZÃ¶chbauer, Medienrecht â€“ MedienG, Â§Â 1 RzÂ 28).
GemÃ¤ÃŸ der â€“ den allgemeinen ZustÃ¤ndigkeitsregeln der StPO als lex specialis vorgehenden (vgl Â§Â 36 AbsÂ 3 letzter Satz StPO; Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 40 RzÂ 2; Oshidari, WK-StPO Â§Â 36 RzÂ 8 und 14; Heindl in Berka/Heindl/HÃ¶hne/Koukal, MedienG4 Â§Â 40 RzÂ 2; vgl auch 12Â NsÂ 64/18k) â€“ Bestimmung des Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG ist fÃ¼r das Hauptverfahren wegen eines Medieninhaltsdelikts jenes Gericht zustÃ¤ndig, in dessen Sprengel der Medieninhaber (vgl Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 8 MedienG) â€“ zum Zeitpunkt der Tatbegehung (Heindl in Berka/Heindl/HÃ¶hne/Koukal, MedienG4 Â§Â 40
RzÂ 6) â€“ seinen Wohnsitz, seinen Aufenthalt oder seinen Sitz hatte.
Im â€“ hier vorliegenden â€“ Fall eines elektronischen Mediums ist Medieninhaber iSd Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 8 litÂ c MedienG, wer die inhaltliche Gestaltung dieses Mediums besorgt und dessen Ausstrahlung, Abrufbarkeit oder Verbreitung entweder besorgt oder veranlasst.
Medieninhaber einer Website ist demnach der fÃ¼r deren inhaltliche Gesamtgestaltung Letztverantwortliche (RIS-Justiz RS0125859; Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 1 RzÂ 47; Koukal in Berka/Heindl/HÃ¶hne/Koukal, MedienG4 Â§Â 1 RzÂ 30a; RÃ¶ggla/Wittmann/ZÃ¶chbauer, Medienrecht â€“ MedienG, Â§Â 1 RzÂ 22), jener einer Facebook-Seite der Inhaber oder Gestalter des jeweiligen Profils (15Â NsÂ 35/16i; Rami in WKÂ² MedienG Â§Â 1 RzÂ 47/5; Koukal in Berka/Heindl/HÃ¶hne/Koukal, MedienG4 Â§Â 1 RzÂ 30g; Frohner/Haller, Mediengesetz6 Â§Â 1 RzÂ 12 und 14).
Da diese Voraussetzungen nach dem Anklagevorwurf ersichtlich sowohl in Bezug auf die verfahrensgegenstÃ¤ndliche Webseite als auch in Ansehung der Facebook-Seite auf den Angeklagten W***** E***** zutreffen, dieser insoweit also als Medieninhaber im Sinne des Â§Â 40 AbsÂ 1 iVm Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 8 litÂ c MedienG anzusehen ist und im Tatzeitraum in Wien wohnhaft war, kommt die Ã¶rtliche ZustÃ¤ndigkeit fÃ¼r das aufgrund der vorliegenden Anklageschrift durchzufÃ¼hrende Hauptverfahren fallaktuell dem Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien (sachlich als Geschworenengericht [Â§Â 31 AbsÂ 2 ZÂ 4 StPO]) zu.
Bei seiner PrÃ¼fung eines Anklageeinspruchs hat das Oberlandesgericht die ZulÃ¤ssigkeit der Anklage und die (auch Ã¶rtliche [vgl Â§Â 212 ZÂ 6 StPO]) ZustÃ¤ndigkeit des angerufenen Gerichts von Amts wegen zu prÃ¼fen (Birklbauer, WK-StPO Vor Â§Â§Â 210â€“215 RzÂ 47 und Â§Â 215 RzÂ 4).
HÃ¤lt es das Oberlandesgericht dabei fÃ¼r mÃ¶glich, dass ein im Sprengel eines anderen Oberlandesgerichts liegendes Gericht (Ã¶rtlich) zustÃ¤ndig sei, so hat es den Einspruch â€“ nach ÃœberprÃ¼fung, ob nicht einer der in Â§Â 212 ZÂ 1 bis 4 StPO genannten MÃ¤ngel vorliegt (RIS-Justiz RS0124585; Birklbauer, WK-StPO Â§Â 215 RzÂ 3) â€“ dem Obersten Gerichtshof zur KlÃ¤rung der ZustÃ¤ndigkeit vorzulegen (Â§Â 215 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO; Birklbauer, WK-StPO Â§Â 215 RzÂ 18).
Indem der vorliegende Beschluss des Oberlandesgerichts Graz trotz der sich fallaktuell aus Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG ergebenden ZustÃ¤ndigkeit eines im Sprengel des Oberlandesgerichts Wien liegenden Gerichts die EinsprÃ¼che der Angeklagten M***** S***** und W***** E***** gegen die verfahrensgegenstÃ¤ndliche Anklageschrift nicht dem Obersten Gerichtshof zur Entscheidung Ã¼ber die ZustÃ¤ndigkeit vorlegte, sondern diese EinsprÃ¼che abwies und gleichzeitig die Rechtswirksamkeit der Anklageschrift feststellte, verletzte er somit Â§Â 215 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO sowie Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG.
Die aufgezeigten Gesetzesverletzungen wirkten sich zum Nachteil der beiden Angeklagten aus, sodass deren Feststellung mit konkreter Wirkung zu verknÃ¼pfen wÃ¤re (Â§Â 292 letzter Satz StPO).
Da das Oberlandesgericht Graz die ihm obliegende (bloÃŸ vorlÃ¤ufige) PrÃ¼fung, ob nicht einer der in Â§Â 212 ZÂ 1 bis 4 StPO genannten MÃ¤ngel vorliegt (RIS-Justiz RS0124585; Birklbauer, WK-StPO Â§Â 215 RzÂ 3), bereits vorgenommen hat, wÃ¤re die Sache direkt dem Oberlandesgericht Wien zur Entscheidung Ã¼ber die vorliegenden EinsprÃ¼che gegen die Anklageschrift zu Ã¼bermitteln.
Rechtliche Beurteilung
Der Oberste Gerichtshof hat erwogen:
Entscheidungen sind dann rechtsfehlerhaft, wenn die Ableitung der Rechtsfolge aus dem vom EntscheidungstrÃ¤ger zugrunde gelegten Sachverhaltssubstrat das Gesetz verletzt oder die Sachverhaltsannahmen entweder in einem rechtlich mangelhaften Verfahren zustande gekommen sind oder mit einem formalen BegrÃ¼ndungsmangel behaftet sind (RIS-JustizÂ RS0126648,Â RS0122466; Ratz, WK-StPO Â§Â 292 RzÂ 6; Hinterhofer/Oshidari, Strafverfahren RzÂ 11.82).
Der von der Anklage zu II./ inkriminierte Tatvorwurf betrifft â€“ wie von der Generalprokuratur zutreffend aufgezeigt â€“ eine ua durch den Inhalt eines Mediums begangene, mit gerichtlicher Strafe bedrohte Handlung, die in einer an einen grÃ¶ÃŸeren Personenkreis gerichteten Mitteilung oder Darbietung besteht (Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 12 MedienG; vgl ONÂ 472 SÂ 7, 11, 15, 20Â f, 22: erhebliche UnterstÃ¼tzung einer staatsfeindlichen Verbindung ua durch die Gestaltung einer Propaganda-Homepage und einer Facebook-Seite zur Verbreitung von Informationen Ã¼ber den ICCJV [â€žVerfassungâ€œ, â€žGrundgesetzâ€œ, â€žWiener Statutâ€œ, â€žHandbuchâ€œ], zur Rekrutierung von â€žSheriffsâ€œ und zur Anwerbung von Mitgliedern).
Zwar ging das Oberlandesgericht im Kontext dieser von ihm geprÃ¼ften Anklageschrift in Bezug auf den Angeklagten E***** hinreichend deutlich (vgl auch Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 19) von einem Tatvorwurf der Begehung ua durch den Inhalt eines Mediums aus (BSÂ 2: â€žden Aufbau und die Gestaltung der Propaganda-Homepage www.iccjv.org und der Facebook-Seite des ICCJV Ã¼bernahmâ€œ). Es traf aber, indem es bloÃŸ auf den Tenor der Anklageschrift Bezug nahm (â€žals â€šIIA First Vice Presidentâ€˜, Mitglied des FÃ¼hrungsgremiums [â€šHigh Councilâ€˜] und des â€šIT-Departmentsâ€˜â€œ) keine (sachverhaltsmÃ¤ÃŸigen) Aussagen, die eine LÃ¶sung der sich daran â€“ fÃ¼r die rechtsrichtige Beurteilung der Ã¶rtlichen ZustÃ¤ndigkeit nach Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG â€“ anknÃ¼pfenden Fragen nach dem Inhaber des Mediums (Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 8 MedienG) im von der Generalprokuratur zutreffend aufgezeigten Sinn und dessen Wohnsitz, Aufenthalt oder Sitz im â€“ wie von der Nichtigkeitsbeschwerde zutreffend ausgefÃ¼hrt â€“ Tatzeitpunkt zugelassen hÃ¤tten (vgl dazu auch SÂ 4Â f der insoweit auf den Akteninhalt Bezug nehmenden Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes).
Solcherart verletzt die angefochtene Entscheidung das Gesetz in Â§Â 40 AbsÂ 1 MedienG (vgl auch 13Â OsÂ 103/10m), weil sie die Frage der Ã¶rtlichen ZustÃ¤ndigkeit nicht nach jener Bestimmung, sondern an Hand der Kriterien des Â§Â 36 StPO lÃ¶ste. Eine im Sinn der eingangs aufgezeigten Rechtsprechung (RIS-Justiz RS0126648, RS0122466) rechtsfehlerhafte Nichtanwendung (auch) des Â§Â 215 AbsÂ 4 zweiterÂ Satz StPO kann in der vorliegenden Konstellation â€“ wegen des Fehlens von fÃ¼r die rechtsrichtige Beurteilung der Ã¶rtlichen ZustÃ¤ndigkeit relevanten Sachverhaltsannahmen im angefochtenen Beschluss â€“ nicht ausgemacht werden.
In AusÃ¼bung des ihm durch Â§Â 292 letzterÂ Satz StPO eingerÃ¤umten Ermessens sah sich der Oberste Gerichtshof, weil ein Nachteil der Angeklagten nicht auszuschlieÃŸen ist, zur gÃ¤nzlichen Beseitigung der angefochtenen Entscheidung bestimmt. Das Oberlandesgericht Graz wird somit erneut Ã¼ber die EinsprÃ¼che gegen die Anklageschrift zu entscheiden und im Fall von Bedenken iSd Â§Â 215 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO den Einspruch dem Obersten Gerichtshof vorzulegen haben, sofern es nicht einen der in Â§Â 212 ZÂ 1 bis 4 StPO genannten MÃ¤ngel der Anklageschrift feststellt (RIS-Justiz RS0124585).