Document Number: JJT_20200226_OGH0002_0130NS00005_20V0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130NS00005.20V.0226.000
Case Number: 13Ns5/20v
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1582675200000
Word Count: 682

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 26.Â FebruarÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤te und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer, Mag.Â Michel, Dr.Â Oberressl und Dr.Â Brenner in Gegenwart des Dr.Â SchÃ¶ll als SchriftfÃ¼hrer in der Strafsache gegen Anto D***** wegen des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 zweiter Fall StGB und anderer strafbarer Handlungen, AZÂ 41Â HvÂ 39/19z des Landesgerichts Wiener Neustadt, Ã¼ber Vorlage gemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 213 AbsÂ 6 zweiter und dritter Satz, 215 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO durch das Oberlandesgericht Wien, AZÂ 131Â BsÂ 292/19g, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Sache wird dem Oberlandesgericht Wien zur Zuweisung an das zustÃ¤ndige Gericht Ã¼bermittelt.
Text
GrÃ¼nde:
Mit Anklageschrift vom 3.Â JuniÂ 2019 (ONÂ 69) legt die Staatsanwaltschaft Linz dem Ã¶sterreichischen StaatsangehÃ¶rigen Anto D***** â€“ soweit hier von Bedeutung â€“ ein als Verbrechen des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 zweiter Fall StGB beurteiltes Verhalten zur Last, das dieser mit einem Schadensbetrag von jeweils mehr als 50.000Â Euro am 23.Â JuliÂ 2014 in W***** (FaktumÂ AÂ IÂ 2) und im NovemberÂ 2014 in S***** (FaktumÂ AÂ VII), im Ãœbrigen an denselben oder anderen Orten des Bundesgebiets mit einem jeweils darunter liegenden Schadensbetrag gesetzt haben soll.
Die Annahme der Ã¶rtlichen ZustÃ¤ndigkeit des Landesgerichts Wiener Neustadt (vgl ONÂ 1 SÂ 27 und ONÂ 69 SÂ 1 [auf SÂ 5 der ONÂ 69 als Landesgericht Linz bezeichnet]) wurde von der Staatsanwaltschaft Linz nicht begrÃ¼ndet.
Rechtliche Beurteilung
Die Anklageschrift wurde dem Genannten am 17.Â SeptemberÂ 2019 zugestellt (ONÂ 1 SÂ 27 verso), ein Einspruch dagegen liegt nicht vor.
Die Akten wurden von der Vorsitzenden (unter Hinweis auf den zu AÂ IÂ 2 von der Staatsanwaltschaft angenommenen Tatort in W*****, der nach dem Akteninhalt [ONÂ 63 SÂ 173] Ort der maÃŸgeblichen Betrugshandlung sei) wegen Bedenken gegen die Ã¶rtliche ZustÃ¤ndigkeit des Landesgerichts Wiener Neustadt gemÃ¤ÃŸ Â§Â 213 AbsÂ 6 zweiter Satz StPO dem Oberlandesgericht Wien vorgelegt. Dieses ging â€“ nach Verneinen des Bestehens eines der in Â§Â 212 ZÂ 1 bis 4 und ZÂ 7 StPO genannten GrÃ¼nde â€“ gemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 213 AbsÂ 6 letzter Satz, 215 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO mit Vorlage an den Obersten Gerichtshof vor, weil es fÃ¼r mÃ¶glich hielt, dass ein im Sprengel eines anderen Oberlandesgerichts liegendes Gericht zustÃ¤ndig sei.
Der Oberste Gerichtshof hat erwogen:
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 31 AbsÂ 3 ZÂ 6a StPO kommt dem Landesgericht als SchÃ¶ffengericht das Hauptverfahren (unter anderem) wegen des Vergehens des schweren Betrugs (Â§Â 147 AbsÂ 2 StGB) bei einem 50.000Â Euro Ã¼bersteigenden Schaden zu.
Die Ã¶rtliche ZustÃ¤ndigkeit ist auch bei Subsumtionseinheiten hinsichtlich jeder der zusammenzufassenden Straftaten nach den Kriterien des Â§Â 36 StPO zu ermitteln. MÃ¶glicher AnknÃ¼pfungspunkt fÃ¼r die nach Â§Â 37 AbsÂ 2 zweiter und dritter Satz StPO vorzunehmende Beurteilung, welches Gericht fÃ¼r das wegen aller Straftaten gemeinsam zu fÃ¼hrende Hauptverfahren Ã¶rtlich zustÃ¤ndig ist, ist dabei jeder einzelne der Tatorte (weil an jedem eine AusfÃ¼hrungshandlung gesetzt wurde [Â§Â 36 AbsÂ 3 StPO]), es sei denn, eine Qualifikation, welche die sachliche ZustÃ¤ndigkeit eines hÃ¶herrangigen Gerichts (Â§Â 37 AbsÂ 2 erster Satz StPO) nach sich zieht, wÃ¤re nach der Verdachtslage
â€“ wie hier â€“ durch eine einzige dieser Straftaten verwirklicht worden (RIS-Justiz RS0131445; zuletzt 15Â NsÂ 55/19k; Oshidari, WK-StPO Â§Â 37 RzÂ 5/1 mwN; Nordmeyer, WK-StPO Â§Â 26 RzÂ 8/1).
Bezugspunkt fÃ¼r die PrÃ¼fung der Ã¶rtlichen ZustÃ¤ndigkeit ist der von der Anklage vorgegebene Prozessgegenstand. Bei der Beurteilung, wo die Straftat begangen wurde, orientiert sich das Gericht â€“ ohne Bindung an die Ortsangaben in der Anklageschrift â€“ an der Aktenlage (vgl RIS-Justiz RS0131309).
Die Anklageschrift inkriminiert zu AÂ IÂ 2 und zu AÂ VII jeweils fÃ¼r sich betrachtet einen 50.000Â Euro Ã¼bersteigenden Betrugsschaden (AÂ IÂ 2: 95.000Â Euro, AÂ VII: 53.098Â Euro), lÃ¤sst aber nicht erkennen (ONÂ 69 SÂ 3 und 10), dass der prÃ¤sumtive Schadensbetrag zu AÂ VII (entgegen der Verdachtslage zu AÂ IÂ 2, vgl dazu ONÂ 65 SÂ 61Â ff, insbesondere SÂ 65Â f) nach der Aktenlage nicht durch eine Tathandlung, sondern durch mehrere Angriffe verursacht wurde (vgl dazu die AusfÃ¼hrungen des Zeugen K*****, am 14.Â NovemberÂ 2014 seien Arbeiten im Wert von 36.500Â Euro beauftragt worden, im Laufe der Arbeiten immer neue AuftrÃ¤ge hinzugekommen [ONÂ 2 in ONÂ 14 SÂ 53Â ff]).
Hievon ausgehend begrÃ¼ndet â€“ wie die Generalprokuratur zutreffend aufzeigt â€“ bei isolierter Betrachtung ausschlieÃŸlich der zu AÂ IÂ 2 erhobene Anklagevorwurf die schÃ¶ffengerichtliche ZustÃ¤ndigkeit, woraus die Ã¶rtliche Kompetenz eines im Sprengel des Oberlandesgerichts Wien liegenden Gerichts resultiert (Â§Â 37 AbsÂ 2 erster Satz StPO).
GemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 213 AbsÂ 6 letzter Satz, 215 AbsÂ 4 erster Satz StPO wird daher das Oberlandesgericht Wien die Sache dem zustÃ¤ndigen Landesgericht zuzuweisen haben (RIS-Justiz RS0124585 [insbesondere T2]).