Document Number: JJT_20200303_OGH0002_0120NS00014_20K0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120NS00014.20K.0303.000
Case Number: 12Ns14/20k
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1583193600000
Word Count: 400

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 3.Â MÃ¤rzÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Setz-Hummel als weitere Richter in der Disziplinarsache gegen ***** und andere Disziplinarbeschuldigte, AZÂ DÂ 19/06 des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Burgenland, Ã¼ber die Anzeige der Ausgeschlossenheit des Anwaltsrichters Dr.Â S***** gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Anwaltsrichter Dr.Â S***** ist von der Entscheidung Ã¼ber den Antrag des Kammeranwalts der Rechtsanwaltskammer Burgenland vom 22.Â OktoberÂ 2019, AZÂ DÂ 19/06 des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Burgenland, ausgeschlossen.
An seine Stelle tritt Anwaltsrichterin Dr.Â St*****.
Text
GrÃ¼nde:
Der Oberste Gerichtshof hat zu AZÂ 29Â NsÂ 2/19v Ã¼ber den Antrag des Kammeranwalts der Rechtsanwaltskammer Burgenland auf Delegierung der im Spruch genannten Disziplinarsache zu entscheiden. Anwaltsrichter Dr.Â S***** ist Mitglied des zustÃ¤ndigen 29.Â Senats.
Mit Schriftsatz vom 6.Â FebruarÂ 2020 zeigte Anwaltsrichter Dr.Â S***** seine Befangenheit aufgrund eines â€žSpannungsverhÃ¤ltnissesâ€œ zum Disziplinarbeschuldigten ***** an, weil er im Insolvenzverfahren der H*****Â m.b.H., AZÂ ***** des Landesgerichts Eisenstadt, zum Insolvenzverwalter bestellt sei. Diese Gesellschaft sei vom Disziplinarbeschuldigten ***** anwaltlich vertreten worden. Weiters sei ***** Vorstandsmitglied der Hu*****, einer Gesellschafterin der Schuldnerin. Im Insolvenzverfahren sei der Verdacht eines Verkaufs der Betriebsliegenschaft nach Eintritt der materiellen Insolvenz und erheblich unter dem festgestellten Verkehrswert an eine den Organen der Schuldnerin nahestehende Gesellschaft hervorgekommen. Berater, Vertragserrichter und treuhÃ¤ndiger Abwickler dieses Verkaufs sei ebenfalls ***** gewesen. Er (Dr.Â S*****) habe ***** am 9.Â OktoberÂ 2019 und am 11.Â NovemberÂ 2019 zur Offenlegung der UmstÃ¤nde dieses Verkaufs und zur Ãœbermittlung der bezughabenden Unterlagen aufgefordert, dies sei bislang verweigert worden. Vielmehr habe der Disziplinarbeschuldigte ihm gegenÃ¼ber SchadenersatzansprÃ¼che behauptet.
Rechtliche Beurteilung
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 64 DSt iVm Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO ist ein Richter vom gesamten Verfahren ausgeschlossen, wenn andere GrÃ¼nde vorliegen, die geeignet sind, seine volle Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit in Zweifel zu ziehen. Die Bestimmungen Ã¼ber die AusschlieÃŸung stellen auf den Ã¤uÃŸeren Anschein ab. Entscheidend ist daher auch unter dem Aspekt des Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO nicht die subjektive Ansicht des betroffenen Richters oder des Ablehnenden, sondern die Frage, ob die Ã¤uÃŸeren UmstÃ¤nde geeignet sind, bei einem verstÃ¤ndig wÃ¼rdigenden objektiven Beurteiler naheliegende Zweifel an der unvoreingenommenen und unparteilichen Dienstverrichtung zu wecken (vgl RIS-Justiz RS0097086 [T5]; LÃ¤ssig, WK-StPO Â§Â 43 RzÂ 10Â f mwN).
Dies ist angesichts der dargelegten Konstellation im Zusammenhang mit der AusÃ¼bung der BerufstÃ¤tigkeit des Anwaltsrichters Dr.Â S***** und des Disziplinarbeschuldigten ***** in einem aktuell anhÃ¤ngigen Insolvenzverfahren zu bejahen.
An die Stelle des Ausgeschlossenen tritt aufgrund der laufenden Vertretungsregelung des Obersten Gerichtshofs Anwaltsrichterin Dr.Â St***** (Â§Â 77 AbsÂ 3 DSt iVm Â§Â 45 AbsÂ 2 StPO).