Document Number: JJT_20200114_OGH0002_0140OS00144_19M0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0140OS00144.19M.0114.000
Case Number: 14Os144/19m
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1578960000000
Word Count: 952

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 14.Â JÃ¤nnerÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â Danek als Vorsitzenden, die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Hetlinger, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer sowie die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Mann und Dr.Â Setz-Hummel in Gegenwart des SchriftfÃ¼hrers Mag.Â Hauer in der Strafsache gegen Arnold S***** und weitere Angeklagte wegen des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG, Â§Â 15 StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Arnold S***** und Armend M***** gegen das Urteil des Landesgerichts Linz als SchÃ¶ffengericht vom 29.Â JuliÂ 2019, GZÂ 27Â HvÂ 75/19k-65, sowie Ã¼ber die (implizite) Beschwerde des S***** gegen den zugleich gefassten Beschluss nach Â§Â 494a AbsÂ 1 StPO nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.
Den Angeklagten S***** und M***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden â€“ soweit fÃ¼r das Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden relevant â€“ Arnold S***** und Armend M***** jeweils des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG, Â§Â 15 StGB (I./A./ und I./C./), der Vergehen der Vorbereitung von Suchtgifthandel nach Â§Â 28 AbsÂ 1 (zu ergÃ¤nzen [USÂ 16]: erster, zweiter und dritter Fall) SMG (II./A./ und II./B./) und der Vergehen des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nach Â§Â 27 AbsÂ 1 ZÂ 1 erster und zweiter Fall, AbsÂ 2 SMG (III./A./ und III./C./) schuldig erkannt.
Danach haben in L***** und andernorts vorschriftswidrig Suchtgift
I./Â â€žArnold S*****, Maximilian K***** und Armend M***** im gemeinsamen Zusammenwirkenâ€œ (vgl aber RIS-Justiz RS0117320) in einer das 25-fache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge, nÃ¤mlich zirkaÂ 400Â Gramm Heroin mit einem Reinheitsgehalt von 16,3Â % Heroin, 0,8Â % Monoacetylmorphin und 1Â % Acetylcodein und 200Â Gramm Heroin â€žschlechter QualitÃ¤tâ€œ anderen Ã¼berlassen, indem
A./1./Â bis 22./Â S***** im Zeitraum JuniÂ 2018 bis Anfang JÃ¤nnerÂ 2019 dieses in zahlreichen Angriffen den im Urteil Genannten sowie unbekannten Abnehmern groÃŸteils durch gewinnbringenden Verkauf Ã¼berlieÃŸ;
C./Â M*****
1./Â S***** mehrfach, zuletzt am 25.Â JÃ¤nnerÂ 2019 mit Fahrzeugen von L***** nach W***** chauffierte, wo dieser das Heroin von einer unbekannten Person zum Grammpreis von 20 bis 25Â Euro ankaufte, sodann S***** mit dem Heroin nach L***** in die Wohnung des Maximilian K***** brachte, wo das Suchtgift gebunkert und vorwiegend von S*****, gelegentlich auch von M***** verkaufsfertig verpackt wurde, wobei M***** den Suchtgiftankauf durch S***** zum Teil vorfinanzierte und dieser seine VerkaufstÃ¤tigkeiten im Nahbereich der Wohnung und teilweise in der Wohnung abwickelte;
2./Â Umut T***** im Zeitraum Anfang bis AugustÂ 2018 in TeilverkÃ¤ufen insgesamt 5Â Gramm Heroin sowie Ende DezemberÂ 2018 bis Mitte JÃ¤nnerÂ 2019 in TeilverkÃ¤ufen insgesamt 5Â Gramm Heroin jeweils zum Grammpreis von 70Â Euro Ã¼berlieÃŸ;
II./Â in einer die Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge mit dem Vorsatz erworben, besessen und befÃ¶rdert, dass es in Verkehr gesetzt werde, und zwar
A./Â S***** am 26.Â JÃ¤nnerÂ 2019 35,9Â Gramm Heroin mit einem Reinheitsgehalt von 16,3Â % Heroin, 0,8Â % Monoacetylmorphin und 1Â % Acetylcodein â€žaus der letzten, gemeinsam mit Armend M***** durchgefÃ¼hrten Beschaffungsfahrt, bei der er in W***** 50Â Gramm Heroin zum Grammpreis von 24Â Euro angekauft hatteâ€œ;
B./Â M*****, indem er S***** am 25.Â JÃ¤nnerÂ 2019 nach dem Ankauf von 50Â Gramm Heroin mit einem Reinheitsgehalt von 16,3Â % Heroin, 0,8Â % Monoacetylmorphin und 1Â % Acetylcodein zum Grammpreis von 24Â Euro von W***** nach L***** chauffierte und von dort mit 35,9Â Gramm sowie zirkaÂ 1,4Â Gramm Heroin mit einem Fahrzeug nach T***** brachte;
III./Â erworben und bis zum Eigenkonsum besessen, und zwar
A./Â S***** von zumindest Anfang DezemberÂ 2017 bis 26.Â JÃ¤nnerÂ 2019 groÃŸteils unbekannte Mengen Heroin und Cannabiskraut;
C./Â M***** von zumindest AnfangÂ 2018 bis 26.Â JÃ¤nnerÂ 2019 unbekannte Mengen Heroin.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richten sich die von S***** aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 4 und 5 StPO und von M***** aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 StPO ergriffenen Nichtigkeitsbeschwerden; diese verfehlen ihr Ziel.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten S*****:
Die VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) kritisiert, dass das Gericht mehrere (in der Beschwerde namentlich genannte) Zeugen nicht vernommen habe, â€žobwohl diese fÃ¼r den Angeklagten entlastend gewesen wÃ¤renâ€œ, weshalb auch eine Verlesung deren Aussagen (gemeint: vor der Kriminalpolizei [ONÂ 2, 47]) â€žnicht erfolgen hÃ¤tte dÃ¼rfenâ€œ. Sie nimmt dabei nicht auf in der Hauptverhandlung gestellte AntrÃ¤ge des Angeklagten Bezug, die aber unabdingbare Voraussetzung fÃ¼r eine erfolgversprechende Urteilsanfechtung aus ZÂ 4 wÃ¤ren (RIS-Justiz RS0099250, RS0099112). Die Behauptung der UnzulÃ¤ssigkeit der Verlesung (der Sache nach ZÂ 3) wiederum vernachlÃ¤ssigt die Zustimmung von AnklÃ¤ger und Angeklagten zum Vortrag der bezeichneten Verfahrensergebnisse (ONÂ 64 SÂ 18; RIS-Justiz RS0127712).
Mit der Kritik, die BegrÃ¼ndung des Urteils bestehe im Wesentlichen aus der Wiedergabe des Schuldspruchs und das Erstgericht hÃ¤tte sich â€žeingehender mit den zu treffenden Feststellungen auseinandersetzen mÃ¼ssenâ€œ, wird ein BegrÃ¼ndungsmangel im Sinn der ZÂ 5 nicht angesprochen.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten M*****:
Die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5) richtet sich gegen die BeweiswÃ¼rdigung des SchÃ¶ffengerichts bezÃ¼glich der Feststellungen zur Gesamtmenge des Ã¼berlassenen Suchtgifts (USÂ 10Â ff) und erachtet dessen ErwÃ¤gungen zur GlaubwÃ¼rdigkeit des Angeklagten K***** und zu â€žauf den ersten Blickâ€œ bestehenden, jedoch â€žproblemlosâ€œ auflÃ¶sbaren â€žWidersprÃ¼chlichkeitenâ€œ (USÂ 22Â f) als â€žundeutlichâ€œ und â€žweder stringent noch nachvollziehbarâ€œ. Mit dieser Kritik an den Ãœberlegungen der Tatrichter, wonach es â€ždurchaus denkbar ist, dass S***** und M***** zwar mehrmals mit 100Â Gramm Heroin aus ihren Beschaffungsfahrten zur Wohnung des K***** kamen und dort (kurzfristig) bunkerten, aber lediglich 80Â Gramm dort abpackten und den Rest woanders verwahrtenâ€œ, wird eine Undeutlichkeit iSd ZÂ 5 erster Fall nicht aufgezeigt, weil die GrÃ¼nde fÃ¼r die getroffenen Feststellungen unzweifelhaft erkennbar sind (vgl dazu RIS-Justiz RS0089983).
Soweit die Beschwerde unter Hinweis auf Passagen der Aussagen der drei Angeklagten die festgestellten Suchtgiftmengen anzweifelt, kritisiert sie bloÃŸ in unzulÃ¤ssiger Form die BeweiswÃ¼rdigung des SchÃ¶ffengerichts und Ã¼bersieht im Ãœbrigen, dass die tatrichterliche Beurteilung der Ãœberzeugungskraft von Personalbeweisen â€“
soweit sie nicht undeutlich (ZÂ 5 erster Fall) oder in sich widersprÃ¼chlich (ZÂ 5 dritter Fall) ist â€“ einer Anfechtung mit Nichtigkeitsbeschwerde entzogen ist (RIS-Justiz RS0106588).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die (implizite) Beschwerde folgt (Â§Â§Â 285i, 498 AbsÂ 3 letzter Satz StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.