Document Number: JJT_20200701_OGH0002_0150OS00055_20G0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00055.20G.0701.000
Case Number: 15Os55/20g
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1593561600000
Word Count: 645

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 1.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in Gegenwart der RichteramtsanwÃ¤rterin Mag.Â Weinhandl als SchriftfÃ¼hrerin in der Strafsache gegen D***** G***** wegen des Vergehens der NÃ¶tigung nach Â§Â 105 AbsÂ 1 StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts Feldkirch als SchÃ¶ffengericht vom 20.Â FebruarÂ 2020, GZÂ 17Â HvÂ 5/20d-31, ferner Ã¼ber dessen Beschwerde gegen den Beschluss auf Widerruf einer bedingten Entlassung nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Innsbruck zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde D***** G***** jeweils eines Vergehens der NÃ¶tigung nach Â§Â 105 AbsÂ 1 StGB (A.1.), des Diebstahls nach Â§Â 127 StGB (A.2.), der SachbeschÃ¤digung nach Â§Â 125 StGB (B.) sowie des Betrugs nach Â§Â 146 StGB (C.) schuldig erkannt.
Danach hat er
A. am 21.Â DezemberÂ 2019 in D*****
1.Â A***** A***** â€žmit Gewalt zu einer Handlung, nÃ¤mlich ihn in Ruhe zu lassen und von ihm Abstand zu nehmen genÃ¶tigt, indem er auf ihn zuging, ihn im Gesicht packte, zudrÃ¼ckte und Ã¤uÃŸerte, ob er diverse Personen kenneâ€œ;
2.Â GewahrsamstrÃ¤gern der B***** GmbH eine fremde bewegliche Sache, nÃ¤mlich eine Jeanshose im Wert von 69,99Â Euro, mit dem Vorsatz weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, indem er diese anzog, das Etikett entfernte und das GeschÃ¤ft verlieÃŸ;
B.Â am 10.Â DezemberÂ 2019 in D***** das Mobiltelefon der V***** R***** zerstÃ¶rt, indem er es G***** R***** entriss und von einer BrÃ¼cke warf;
C.Â am 16.Â DezemberÂ 2019 in W***** mit dem Vorsatz, sich durch das Verhalten des GetÃ¤uschten unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, unter wahrheitswidriger Vorgabe, zahlungsfÃ¤higer und zahlungswilliger Kunde zu sein, B***** Y***** zur Abholung und Lieferung von Essen im Wert von 37Â Euro verleitet, wodurch dieser im genannten Betrag in seinem VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf ZÂ 5 sowie ZÂ 9 litÂ a und litÂ b des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, die ihr Ziel verfehlt.
Soweit die MÃ¤ngelrÃ¼ge zu A.1. Feststellungen â€žzur Eignung der vermeintlichen Drohung des Angeklagtenâ€œ vermisst (ZÂ 5, der Sache nach ZÂ 9 litÂ a), orientiert sie sich nicht an den EntscheidungsgrÃ¼nden, wonach dem Angeklagten Gewalt, nicht jedoch (wie noch in der Anklage ONÂ 13) eine gefÃ¤hrliche Drohung als NÃ¶tigungsmittel zur Last gelegt wird (USÂ 6). Gleiches gilt fÃ¼r die Kritik der RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a; ebenfalls zu A.1.), das Tatbestandsmerkmal â€ždurch gefÃ¤hrliche Drohungâ€œ sei nicht erfÃ¼llt, weil es der Ã„uÃŸerung des Angeklagten an der erforderlichen Eignung mangle, den Zeugen in Furcht und Unruhe zu versetzen.
Dass das festgestellte Verhalten des Angeklagten, wonach er A***** A***** mit der Hand im Gesicht packte, dessen Wange bzw Unterkiefer zusammen und den Kopf nach hinten drÃ¼ckte (USÂ 6), nicht dem Begriff der Gewalt im Sinn des Â§Â 105 AbsÂ 1 StGB zu subsumieren wÃ¤re, behauptet die Beschwerde (ZÂ 9 litÂ a) lediglich, ohne dieses gewÃ¼nschte Auslegungsergebnis argumentativ aus dem Gesetz zu entwickeln (RIS-Justiz RS0116565; zum Gewaltbegriff vgl im Ãœbrigen RIS-Justiz RS0093620).
Bezugnehmend auf den Rechtfertigungsgrund des Â§Â 105 AbsÂ 2 StGB bringt die RÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ b) weiters vor, â€ždas Ziel des Angeklagten, nÃ¤mlich in Ruhe gelassen zu werdenâ€œ, widerstreite â€žgrundsÃ¤tzlich nicht den guten Sittenâ€œ. Der BeschwerdefÃ¼hrer geht dabei allerdings nicht vom Gesetzestext aus, wonach die Tat nur dann nicht rechtswidrig ist, wenn die Anwendung der (hier:) Gewalt als Mittel zu dem angestrebten Zweck nicht den guten Sitten widerstreitet. Weshalb dies bei einem Dieb, der â€“ auf frischer Tat ertappt â€“ Gewalt anwendet, um den VerkÃ¤ufer â€žzu zwingen, ihn in Ruhe zu lassenâ€œ (USÂ 6), so sein sollte, erklÃ¤rt die RÃ¼ge nicht (vgl 14 Os 118/96; RIS-Justiz RS0093011).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sogleich zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus sich die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung und die Beschwerde ergibt (Â§Â§Â 285i, 498 AbsÂ 3 StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.