Document Number: JJT_20200825_OLG0009_1340DS00004_19F0000_000
ECLI: ECLI:AT:OLG0009:2020:1340DS00004.19F.0825.000
Case Number: 134Ds4/19f
Application Type: Justiz
Court: OLG Wien
Decision Date: 1598313600000
Word Count: 2959

Kopf
Das Oberlandesgericht Wien hat als Disiziplinargericht fÃ¼r Richter und StaatsanwÃ¤lte in der Disziplinarsache gegen die Richterin des Landesgerichts ***** Maga. C***** A***** wegen des Dienstvergehens nach Â§ 57 Abs 1 und 3 RStDG nach der am 25. August 2020 unter dem Vorsitz der SenatsprÃ¤sidentin des Oberlandesgerichtes Dr. Habl, im Beisein der SenatsprÃ¤sidentin des Oberlandesgerichtes Dr. Hradil-Miheljak und der SenatsprÃ¤sidentin des Oberlandesgerichtes Dr. StÃ¶ger-Hildbrand als beisitzende Richter, des RichteramtsanwÃ¤rters Mag. Weixlbraun als SchriftfÃ¼hrer, in Gegenwart des Ersten Oberstaatsanwaltes Dr.Salzmann als Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft Wien als DisziplinaranwÃ¤ltin sowie in Anwesenheit der Disziplinarbeschuldigten Maga. C***** A***** durchgefÃ¼hrten Disziplinarverhandlung zu Recht erkannt:
Spruch
Maga. C***** A***** ist schuldig, sie hat als fÃ¼r die Abteilung 4 Hv (Jugendstrafsachen) verantwortliche Richterin des Landesgerichts ***** dadurch gegen ihre Pflichten als Richterin, sich mit voller Kraft und allem Eifer dem Dienst zu widmen, die Pflichten ihres Amtes gewissenhaft zu erfÃ¼llen und die ihr Ã¼bertragenen AmtsgeschÃ¤fte so rasch wie mÃ¶glich zu erledigen (Â§ 57 Abs 1 RStDG) sowie, sich im und auÃŸer Dienst so zu verhalten, dass das Vertrauen in die Rechtspflege sowie das Ansehen ihres Berufsstandes nicht gefÃ¤hrdet wird (Â§ 57 Abs 3 RStDG), verstoÃŸen, dass sie zwischen 14. November 2017 und 4. Februar 2019 die Bestimmung des Â§Â 270 Abs 1 StPO und von JÃ¤nner 2017 bis 14. August 2018 die Bestimmung des Â§ 9 Abs 1 StPO dadurch gravierend verletzt hat, indem sie in den Verfahren AZ 4 Hv *****, 4Â HvÂ *****, 4 Hv *****, 4 Hv *****, 4 Hv *****, 4Â HvÂ *****, 4 Hv *****, 4 Hv *****, 4 Hv ***** und 4 Hv ***** zwischen VerkÃ¼ndung des Urteils und Urteilsausfertigung zwischen sechseinhalb und 14 Monate verstreichen lieÃŸ und im Verfahren AZ 4 Hv ***** in der Zeit von JÃ¤nner 2017 bis September 2017 keine Bearbeitungsschritte setzte und nach Zustellung des HV-Protokolls an die Parteienvertreter am 24. Oktober 2017 erst am 14. August 2018 die Ladung der Verfahrensbeteiligten zu der am 14. September 2018 anberaumten Hauptverhandlung veranlasste.
Maga. C***** A***** hat hiedurch mit RÃ¼cksicht auf die Art und Schwere der Verfehlungen, insbesondere die Wiederholung der Pflichtverletzungen sowie das Zusammentreffen unterschiedlicher Verfehlungen ein Dienstvergehen iSd Â§ 101 Abs 1 RStDG begangen. Ãœber sie wird demnach gemÃ¤ÃŸ Â§ 104 Abs 1 lit b RStDG eine Geldstrafe in der HÃ¶he von 1 (einem) Monatsbezug verhÃ¤ngt.
GemÃ¤ÃŸ Â§ 137 Abs 2 RStDG hat die Disziplinarbeschuldigte die mit EUR 300,-- bestimmten Kosten des Verfahrens zu ersetzen.
Text
EntscheidungsgrÃ¼nde:
Die am 15. J***** 19** geborene Disziplinarbeschuldigte Maga. C***** A***** ist geschieden und ohne Sorgepflichten. Sie wurde nach Ablegung der RichteramtsprÃ¼fung mit ausgezeichnetem Erfolg mit Wirksamkeit vom 1. Juni 1995 als StaatsanwÃ¤ltin in der Staatsanwaltschaft ***** eingesetzt und mit 1. Dezember 2014 zur Richterin des Landesgerichts ***** ernannt, wo sie zuerst HR- und BE-Sachen sowie FortfÃ¼hrungsantrÃ¤ge bearbeitete und mit 1. JÃ¤nner 2016 eine Hv-Abteilung Ã¼bernahm. Nach RÃ¼ckkehr aus einem - nach einem Unfall -lÃ¤nger dauernden Krankenstand (3.Mai bis 30.September 2016), Ã¼bte sie ihre TÃ¤tigkeit mit 1.Â Oktober 2016 in der neu geschaffenen Gerichtsabteilung 24 Hv aus und wechselte mit 1. JÃ¤nner 2017 in die Gerichtsabteilung 4 Hv, eine Jugendabteilung, wobei sie die Akten der zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Abteilung 24 Hv weiter zu bearbeiten hatte.
Wurde bereits anlÃ¤sslich einer staatsanwaltschaftlichen Teileinschau durch die Oberstaatsanwaltschaft ***** im November 2011 bei Maga. A***** - neben inhaltlichem Lob - auf eine â€žoptimierbare Bearbeitungsstringenz und Erledigungsgeschwindigkeitâ€œ hingewiesen, wurde in ihrer Dienstbeschreibung fÃ¼r das Jahr 2017 Maga. A***** einerseits eine sehr fleiÃŸige, sorgfÃ¤ltige und gewissenhafte Arbeitsweise mit (inhaltlich) ausgezeichneten Ergebnissen bescheinigt, andererseits wurden jedoch erhebliche VerzÃ¶gerungen bei den Ausfertigungen, ein Ã¼berproportional hoher AnhÃ¤ngigkeitsstand, zahlreiche mehrmonatige VerfahrensstillstÃ¤nde und eine zÃ¶gerliche Aktenbearbeitung sowie VerfahrensfÃ¼hrung thematisiert.
Es wurde daher mit 24. Juli 2017 die von Maga. A***** gefÃ¼hrte Abteilung auf 50% Hv- und 50% BE-Sachen umgestellt, Mitte November 2018 wurde sie vom Personalsenat gegen Neuanfall in Hv gesperrt, um die offenen Hv-Akten aufarbeiten zu kÃ¶nnen. Mit 1. JÃ¤nner 2019 wurde ihre Verwendung derart geÃ¤ndert, dass sie statt der Hv- nun HR-Sachen im Umfang von 50% zu bearbeiten hat.
Mittlerweile hat Maga. A***** alle RÃ¼ckstÃ¤nde aus ihrer frÃ¼heren Hv-ZustÃ¤ndigkeit aufgearbeitet, die von Maga. A***** nun gefÃ¼hrten BE- und HR-Abteilung befindet sich in ordnungsgemÃ¤ÃŸem Zustand.
Aufgrund der in den im Spruch genannten Verfahren von Maga. A***** zu vertretenden gravierenden (Ausfertigungs-)VerzÃ¶gerungen erstattete der PrÃ¤sident des Oberlandesgerichtes ***** gegen Maga. C***** A***** Disziplinaranzeige (ON 2).
In der Folge beantragte der Disziplinaranwalt der Oberstaatsanwaltschaft Wien am 22.Juli 2019 gegen Maga. C***** A***** die Disziplinaruntersuchung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 123 Abs 1 RStDG wegen Â§ 57 Abs 1 und Abs 3 RStDG einzuleiten.
Vom Disziplinargericht wurde mit Beschluss vom 12. November 2019 gemÃ¤ÃŸ Â§ 123 Abs 1 RStDG die Disziplinaruntersuchung gegen Maga. C***** A***** eingeleitet und mit Beschluss vom 12. Mai 2020 gemÃ¤ÃŸ Â§ 128 Abs 1 RStDG ausgedehnt (ON 7; 13). Die Disziplinarbeschuldigte hat am 28. MÃ¤rz 2019 und am 22. Oktober 2019 (ON 4; 6) eine schriftliche Stellungnahme abgegeben und Ã¤uÃŸerte sich dazu auch anlÃ¤sslich ihrer Vernehmung als Disziplinarbeschuldigte (ON 10).
Rechtliche Beurteilung
Zu den Pflichtverletzungen im Einzelnen:
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen P***** G***** wegen Â§Â§ 146, 147 Abs 1 Z 1, 148 zweiter Fall StGB) wurde das Urteil am 20. Februar 2018 verkÃ¼ndet und langte die Urteilsausfertigung am 7. Dezember 2018 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein, wobei der aus einem Band bestehende Akt bis zum Urteil I. Instanz 63 Ordnungsnummern aufwies. Maga. A***** benÃ¶tigte demnach cirka neun Monate fÃ¼r die Urteilsausfertigung.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen C***** S***** wegen Â§Â§ 146, 147 Abs 1 Z 1, Abs 3, 148 zweiter Fall StGB und C***** S***** wegen Â§ 165 Abs 1 erster Fall, Abs 2 erster und siebenter Fall, Abs 3 erster Fall StGB a.F.) wurde von Maga. A***** das Urteil am 14. November 2017 verkÃ¼ndet und langte die Urteilsausfertigung am 21. JÃ¤nner 2019 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein, wobei der siebenbÃ¤ndige Akt bis zum Urteil I. Instanz 121 Ordnungsnummern umfasste. Die Ausfertigungsdauer betrug daher rund 14 Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen B***** E***** wegen Â§Â§ 125; 105 Abs 1; 15, 269 Abs 1; 141 Abs 1 StGB; Â§ 50 Abs 1 Z 3 WaffG) erfolgte die UrteilsverkÃ¼ndung am 3. Mai 2018 und langte das Urteil am 21. JÃ¤nner 2019 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein, wobei der aus einem Band bestehende Strafakt (samt einbezogenen Verfahren) bis zum Urteil I. Instanz 29 Ordnungsnummern umfasste. Die Ausfertigungsdauer betrug rund acht Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen A***** W***** wegen Â§Â§ 83 Abs 1; 105 Abs 1 StGB) wurde von Maga.Â A***** am 24. November 2017 das Urteil, das sodann am 10. JÃ¤nner 2019 in der GeschÃ¤ftsabteilung einlangte, verkÃ¼ndet und beinhaltete der einbÃ¤ndige Strafakt bis zum Urteil I. Instanz 18 Ordnungsnummern. Die Ausfertigungsdauer betrug demnach cirka 13 Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen P***** L***** und D***** J***** wegen Â§Â§ 127, 129 Abs 1 Z 1, Abs 2 Z 1 StGB und anderer Delikte; der einbÃ¤ndige Akt enthielt bis zum Urteil I. Instanz 35 Ordnungsnummern) wurde am 12. JÃ¤nner 2018 das Urteil verkÃ¼ndet und langte die Urteilsausfertigung am 7. September 2018 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein. Die Ausfertigungsdauer betrug daher mehr als sieben Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen M***** B***** wegen Â§Â§ 15, 105 Abs 1; 15, 144 Abs 1, 145 Abs 1 Z 1 StGB, teilweise Â§ 12 zweiter Fall StGB; Â§Â§ 293 Abs 2; 297 Abs 1 StGB) wurde von Maga. A***** am 15. Dezember 2017 das Urteil verkÃ¼ndet und langte die Urteilsausfertigung Mitte Dezember 2018 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein. Der Strafakt bestand aus drei AktenbÃ¤nden mit 123 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz. Die Ausfertigung nahm daher cirka 12 Monate in Anspruch.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen J***** J*****, S***** P*****, S***** S***** und M***** K***** wegen Â§Â§ 288 Abs 1 und 4; 297 Abs 1; 83 Abs 1, 84 Abs 5 Z 2 StGB und anderer Delikte) erfolgte die VerkÃ¼ndung der Urteile am 4. Mai 2018 und am 31. Juli 2018, wobei die Urteilsausfertigungen am 27. November 2018 in der GeschÃ¤ftsabteilung einlangten. Bis zum Urteil I. Instanz bestand der zweibÃ¤ndige Strafakt aus 61 bzw. 72 Ordnungsnummern. Die Ausfertigungsdauer betrug daher mehr als sechs Monate bzw. rund vier Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen C***** H***** und A***** H***** wegen Â§Â§ 127, 129 Abs 2 teils Z 1 und Z 2, 131 Abs 1, 15; 135 Abs 1; 241e Abs 3; 229 Abs 1 StGB; Â§ 50 Abs 1 Z 3 WaffG) wurde von Maga.Â A***** am 24. April 2018 das Urteil verkÃ¼ndet, der Strafakt bestand aus zwei AktenbÃ¤nden mit 93 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz und langte am 31. JÃ¤nner 2019 die Urteilsausfertigung in der GeschÃ¤ftsabteilung ein. Die Ausfertigung beanspruchte daher cirka neun Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen A***** G***** wegen Â§ 107 Abs 1 StGB) erfolgte die UrteilsverkÃ¼ndung am 30. JÃ¤nner 2018, enthielt der einbÃ¤ndige Strafakt bis zum Urteil I. Instanz sechs Ordnungsnummern und langte die Urteilsausfertigung Anfang September 2018 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein. Die Ausfertigungsdauer betrug daher mehr als sieben Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen N***** S***** und F***** K***** wegen Â§ 84 Abs 1 StGB) wurde am 20. Juli 2018 das Urteil verkÃ¼ndet und langte die Urteilsausfertigung am 4. Februar 2019 in der GeschÃ¤ftsabteilung ein. Der Akt bestand aus einem Band mit 20 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz. Die Ausfertigung dauerte daher mehr als sechs Monate.
Im Verfahren AZ 4 Hv ***** (Strafsache gegen M***** S***** wegen Â§Â§ 146; 83 Abs 1; 107 Abs 1 StGB) erfolgte zwischen JÃ¤nner 2017 bis September 2017 kein Bearbeitungsschritt, am 24. Oktober 2017 wurde das Hauptverhandlungsprotokoll an die Parteienvertreter zugestellt und erging am 14. August 2018 die Ladung zur Hauptverhandlung fÃ¼r den 14. September 2018. In dem aus zwei BÃ¤nden umfassenden Strafakt, der bis zum Urteil I. Instanz 51 Ordnungsnummern aufwies, kam es zu einem Verfahrensstillstand von 8 Monaten und von cirka zehn Monaten.
Maga. C***** A***** hat es ernstlich fÃ¼r mÃ¶glich gehalten und sich damit abgefunden durch die mehrfache massive Verletzung der Bestimmung des Â§ 270 Abs 1 StPO zwischen 14. November 2017 und 4. Februar 2019 und Nichtbeachtung des Beschleunigungsgebotes des Â§ 9 Abs 1 StPO von JÃ¤nner 2017 bis 14. August 2018, gegen die in Â§ 57 Abs 1 RStDG normierte Verpflichtung zur Erledigung ihrer AmtsgeschÃ¤fte so rasch als mÃ¶glich sowie gegen die in Â§Â 57 Abs 3 RStDG festgeschriebene Pflicht, sich im und auÃŸer Dienst so zu verhalten, dass das Vertrauen in die Rechtspflege sowie das Ansehen ihres Berufsstandes nicht gefÃ¤hrdet wird, zu verstoÃŸen.
Die Feststellungen zum Werdegang der Maga. A*****, zu ihrem TÃ¤tigkeitsbereich am Landesgericht ***** und zu den objektiven Pflichtverletzungen grÃ¼nden sich auf den beigezogenen Auszug aus dem Standesausweis samt Dienstbeschreibungen, die beigeschafften, bezughabenden Hv-Akten, die Anzeige des PrÃ¤sidenten des Oberlandesgerichts ***** und die dabei angeschlossenen Berichte der PrÃ¤sidentin des Landesgerichts ***** vom 12. Februar 2019, Jv 422/18g-17 sowie vom 15. April 2019, Jv 274/19v-17 samt Dienstbeschreibung der Maga. A***** Ã¼ber das Jahr 2017 und Beschluss des Personalsenats vom 29. MÃ¤rz 2019 (ON 2) im Verein mit der Ã¼berwiegend gestÃ¤ndigen Einlassung der Disziplinarbeschuldigten ( vgl. ON 4; 6; 10 und Protokoll der Disziplinarverhandlung). Die Konstatierung, dass Maga. A***** ihre RÃ¼ckstÃ¤nde aufgearbeitet hat und sich die von ihr gefÃ¼hrte BE und HR â€“ Abteilung in ordnungsgemÃ¤ÃŸem Zustand befindet, grÃ¼ndet auf den Beschluss des Personalsenats des Landesgerichts ***** vom 29.MÃ¤rz 2019 sowie den von der Disziplinarbeschuldigten vorgelegten VJ-Auszug vom 24.August 2020.
Maga. A***** verantwortete sich im Wesentlichen gestÃ¤ndig und begrÃ¼ndete die VerfahrensverzÃ¶gerungen damit, Anfang Mai 2016 eine komplizierte Schulterfraktur, die neben einem Krankenhausaufenthalt von zwei Wochen und einem Krankenstand von insgesamt fÃ¼nf Monaten, einen Rehabilitationsaufenthalt vom 25. Oktober bis 15. November 2016 und bis heute notwendige Physiotherapien nach sich gezogen habe, erlitten zu haben, (bis Ende 2018) keine Anfallssperre der Hv-Abteilung erlangt, keine/n RichteramtsanwÃ¤rter/in zugeteilt erhalten, keine UnterstÃ¼tzung der Ã¼blichen Art durch Kanzleibeamte bekommen zu haben, dem Ersuchen der PrÃ¤sidentin des Landesgerichts *****, den AnhÃ¤ngigkeitsstand zu reduzieren und lÃ¤nger ausstehende Urteil auszufertigen entsprochen zu haben, wobei sehr viele kleinere und dringende Verfahren zu erledigen gewesen seien und sie Haftsachen natÃ¼rlich vorgezogen habe. Daher sei sie eine zeitlang nicht zu den schwierigen Urteilen gekommen. Die verzÃ¶gerten Urteilsausfertigungen seien groÃŸteils (wie auch die jeweiligen VerhandlungstÃ¤tigkeiten) sehr aufwÃ¤ndig bzw. komplex gewesen, es seien jedoch alle bekÃ¤mpften Urteile (mit einer Ausnahme) im Schuldspruch bestÃ¤tigt worden. Im Verfahren AZ 4 Hv ***** sei der Angeklagte nicht in Haft gewesen, sodass keine besondere Dringlichkeit im Sinne des besonderen Beschleunigungsgebotes nach Â§ 9 Abs 2 StPO bestanden habe. Da mehrere Zeugen beantragt worden und die Bestellung eines SachverstÃ¤ndigen im Raum gestanden sei/en - wobei sie im beanstandeten Zeitraum ein Telefonat mit einem SachverstÃ¤ndigen gefÃ¼hrt, dieses aber nicht im Akt dokumentiert habe -, sei die Hauptverhandlung erst am 14. August 2018 fÃ¼r den 14. September 2018 anberaumt worden. Die aufgezeigten VerzÃ¶gerungen hÃ¤tten aber aufgrund der QualitÃ¤t ihrer Arbeit, die sich auch im Rechtsmittelerfolg zeigt, weder das Vertrauen in die Rechtspflege noch das Ansehen des Berufsstandes gefÃ¤hrdet. Denn aufgrund des hohen QualitÃ¤tsanspruchs an ihre Arbeit sei infolge der vielen, nicht aufgehobenen erstinstanzlichen Urteile ein zweiter Rechtsgang vermieden worden. In ihrem aktuellen TÃ¤tigkeitsbereich wÃ¼rden keine RÃ¼ckstÃ¤nde bestehen und sich die Abteilung in einem ordnungsgemÃ¤ÃŸen Zustand befinden.
Die Feststellungen zur subjektiven Tatseite sind aus dem objektiven Tatverhalten, insbesonders aus der mehrfachen Ãœberschreitung der Frist des Â§ 270 Abs 1 StPO um ein Vielfaches sowie aus der schon im Jahre 2011 und im Rahmen der Dienstbeschreibung fÃ¼r 2017 aufgezeigten Problematik der Erledigungsdauer zu deduzieren, mag auch Maga.Â A***** immer um eine gewissenhafte und fundierte Urteilsausfertigung bemÃ¼ht gewesen sein.
GemÃ¤ÃŸ Â§ 57 Abs 1 zweiter Satz RStDG haben sich Richter und StaatsanwÃ¤lte mit voller Kraft und allem Eifer dem Dienst zu widmen, sich fortzubilden, die Pflichten ihres Amtes gewissenhaft, unparteiisch und uneigennÃ¼tzig zu erfÃ¼llen und die ihnen Ã¼bertragenen AmtsgeschÃ¤fte so rasch wie mÃ¶glich zu erledigen. Sie haben auch die Pflicht, sich im und auÃŸer Dienst so zu verhalten, dass das Vertrauen in die Rechtspflege sowie das Ansehen ihres Berufsstandes nicht gefÃ¤hrdet wird (Â§ 57 Abs 3 RStDG).
Maga. A***** hat in den aufgezeigten Verfahren ihre Amtspflichten verletzt, indem sie die Frist fÃ¼r die Urteilsausfertigung (Â§ 270 Abs 1 StPO) in zehn Verfahren massiv Ã¼berschritten hat â€“ wobei in drei FÃ¤llen die AusfertigungsverzÃ¶gerung sogar mehr als ein Jahr betrug - und es unter Verletzung von Â§ 9 Abs 1 StPO in einem Verfahren zwei Mal zu einem mehrmonatigen Stillstand gekommen ist. Mag auch die Arbeitsbelastung hoch gewesen sein und ihre Arbeitseffizienz nach RÃ¼ckkehr aus dem Krankenstand bzw. dem Rehabilitationsaufenthalt einer gewissen Anlaufzeit bedurft haben, vermag dies ebensowenig wie die Nichtzuteilung eines/einer RiAA und die NichtgewÃ¤hrung der Sperre fÃ¼r die Hv-Abteilung nach dem teilweisen Wechsel per 24. Juli 2017 mit 50% in BE derartige VerzÃ¶gerungen zu rechtfertigen. Auch der Hinweis, dass der Angeklagte im Verfahren 4 Hv ***** nicht in Haft gewesen sei, rechtfertigt keineswegs einen Verfahrensstillstand von acht bzw. zehn Monaten. Maga. A***** ist ihr FleiÃŸ und ihre sorgfÃ¤ltige und gewissenhafte Arbeitsweise mit (inhaltlich) ausgezeichneten Ergebnissen und der damit verbundene hÃ¶here Zeitaufwand zu Gute zu halten. Das kann jedoch eine Ausfertigungsdauer von mehr als sieben Monaten fÃ¼r ein Urteil eines Strafaktes, der aus einem Band mit sechs Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz (AZ 4 Hv *****) besteht, von sechs Monaten fÃ¼r ein Urteil eines Strafaktes mit 20 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz (AZ 4 Hv *****), von 13 Monaten fÃ¼r ein Urteil in einem einbÃ¤ndigen Strafakt mit 18 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz (4 Hv *****) und von mehr als sieben Monaten fÃ¼r ein Urteil in einem einbÃ¤ndigen Strafakt mit 35 Ordnungsnummern bis zum Urteil I. Instanz (AZ 4 Hv *****) unter keinen UmstÃ¤nden erklÃ¤ren. Durch die VerzÃ¶gerungen bei Ausfertigung der Urteile wurde das Vertrauen in die Rechtspflege und das Ansehen des Richterstandes gefÃ¤hrdet, zumal die Angeklagten â€“ mag auch ein 2.Rechtsgang durch fundierte UrteilsbegrÃ¼ndungen vermieden worden sein - ungebÃ¼hrlich lange Ã¼ber den â€“ endgÃ¼ltigen â€“ Verfahrensausgang im Unklaren gelassen wurden, sodass die Berufungsinstanz wiederholt â€“ der unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig langen Verfahrensdauer als Verletzung von Art 6 MRK Rechnung tragend - Â§ 34 Abs 2 StGB anzuwenden und die an sich schuldadÃ¤quate Sanktion zu reduzieren hatte (ON 9).
Daher hat Maga. A***** gegen die ihr sowohl in Â§ 57 Abs 1 RStDG, als auch in Â§ 57 Abs 3 RStDG auferlegten Dienstpflichten vorsÃ¤tzlich verstoÃŸen.
Unter Bedachtnahme auf die Mehrzahl der Verfahren in denen Maga. A***** die Bestimmung des Â§ 270 Abs 1 StPO und in einem Fall auch das Beschleunigungsgebot des Â§ 9 Abs 1 StPO missachtet hat, die Dauer, die Art und Schwere der VerzÃ¶gerungen sowie das Zusammentreffen von Pflichtwidrigkeiten verschiedener Art, stellen diese Pflichverletzungen ein Dienstvergehen im Sinne des Â§ 101 Abs 1 RStDG dar.
FÃ¼r die Strafbemessung ist die Art und die Schwere der Pflichtverletzung maÃŸgebend, wobei auch auf ErwÃ¤gungen der Spezial â€“ und GeneralprÃ¤vention RÃ¼cksicht zu nehmen ist ( Ds 2/19w mwN).
Es war als mildernd das im wesentlichen reumÃ¼tige GestÃ¤ndnis und das bis zum Beginn des Tatzeitraums â€“ und auch nunmehr wieder â€“ tadellose disziplinÃ¤re Verhalten, als erschwerend dem gegenÃ¼ber der lange Deliktszeitraum sowie die Ã¼ber die Verwirklichung des Disziplinarvergehens hinausgehenden Tatwiederholungen und die Kumulierung von Pflichtverletzungen verschiedener Art zu werten.
Bei gebÃ¼hrender AbwÃ¤gung dieser Strafzumessungslage kommt ein Absehen vom Ausspruch Ã¼ber die VerhÃ¤ngung einer Disziplinarstrafe (Â§ 101 Abs 3 RstDG) sowie der bloÃŸe Ausspruch der Disziplinarstrafe des Verweises (Â§ 104 Abs 1 lit a RstDG) - mag auch Maga.Â A***** nunmehr rÃ¼ckstandsfreie, tadellose Leistung erbringen â€“ im Hinblick auf das Gewicht der VerzÃ¶gerungen und die mehrfache Wiederholung nicht in Betracht, sondern ist eine dem Schuld- und Unrechtsgehalt der Pflichtverletzungen entsprechende Geldstrafe gemÃ¤ÃŸ Â§ 104 Abs 1 lit b RStDG in der HÃ¶he von 1 (einem) Monatsbezug zu verhÃ¤ngen, um allen Strafzwecken gerecht zu werden.
Mit RÃ¼cksicht auf den Verfahrensaufwand und die VermÃ¶gensverhÃ¤ltnisse der Maga. A***** sind die Kosten mit EUR 300,-- zu bestimmen und deren Ersatz der Disziplinarbeschuldigten aufzuerlegen (Â§ 137 Abs 2 RStDG).