Document Number: JJT_20200624_OGH0002_010OBS00086_20Z0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:010OBS00086.20Z.0624.000
Case Number: 10ObS86/20z
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1592956800000
Word Count: 290

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den VizeprÃ¤sidenten Univ.-Prof.Â Dr.Â Neumayr, die HofrÃ¤tinnen Dr.Â Fichtenau und Dr.Â Grohmann sowie die fachkundigen Laienrichter Dr.Â Martin Gleitsmann (aus dem Kreis der Arbeitgeber) und Gerald Fida (aus dem Kreis der Arbeitnehmer) als weitere Richter in der Sozialrechtssache der klagenden Partei V*****, Serbien, vertreten durch Mag.Â Peter Zivic, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Pensionsversicherungsanstalt, 1021Â Wien, Friedrich-Hillegeist-StraÃŸeÂ 1, wegen Witwenpension Ã¼ber die auÃŸerordentliche Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 28.Â AprilÂ 2020, GZÂ 9Â RsÂ 20/20g-16, den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die auÃŸerordentliche Revision wird gemÃ¤ÃŸ Â§Â 508a AbsÂ 2 ZPO mangels der Voraussetzungen des Â§Â 502 AbsÂ 1 ZPO zurÃ¼ckgewiesen.
BegrÃ¼ndung:
Rechtliche Beurteilung
1.Â Die Witwenpension wÃ¤re zufolge Â§Â 86 AbsÂ 3 ZÂ 1 (iVm Â§Â 223 AbsÂ 1 ZÂ 3) ASVG nur dann mit dem Tod des Ehemanns der KlÃ¤gerin (und nicht erst mit dem durch die Antragstellung ausgelÃ¶sten Stichtag) angefallen, wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach dem Tod gestellt worden wÃ¤re.
2.Â Die Revisionswerberin bezweifelt nicht, dass kein in Â§Â 86 AbsÂ 3 ZÂ 1 ASVG ausdrÃ¼cklich festgelegter Fall einer Ausnahme von diesem Grundsatz verwirklicht ist. Sie will aber die Ausnahme des Â§Â 86 AbsÂ 3 ZÂ 1 SatzÂ 5 ASVG analog auf den vorliegenden Fall der verspÃ¤teten eigenen Kenntnis vom Tod des Versicherten anwenden. Nach dieser Ausnahmebestimmung beginnt die Antragsfrist bei nachtrÃ¤glicher amtlicher Feststellung des Todestags erst mit dem Zeitpunkt dieser Feststellung.
3.Â Der Gesetzgeber hat die AusnahmefÃ¤lle des Â§Â 86 AbsÂ 3 ZÂ 1 ASVG sehr genau und detailliert umschrieben, weshalb sich aus einer bestimmten Ausnahmeregelung kein verallgemeinerungsfÃ¤higer Grundsatz ableiten lÃ¤sst (vgl RIS-Justiz RS0053931 [T4]). Das spricht gegen eine Analogie, die eine GesetzeslÃ¼cke im Sinn einer planwidrigen UnvollstÃ¤ndigkeit voraussetzt (RS0098756 [T1]).
4.Â Die Regelung des Â§Â 86 AbsÂ 3 ZÂ 1 ASVG, dass Hinterbliebenenpensionen bei verspÃ¤teter Antragstellung nicht bereits mit dem Tod der versicherten Person anfallen, ist verfassungsrechtlich unbedenklich (RS0053931).