Document Number: JJT_20200609_OGH0002_0140OS00050_20I0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0140OS00050.20I.0609.000
Case Number: 14Os50/20i
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1591660800000
Word Count: 740

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 9.Â JuniÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â Danek als Vorsitzenden, die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Hetlinger, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer sowie die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Mann und Dr.Â Setz-Hummel in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â Walter in der Strafsache gegen ***** A***** wegen des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen und rÃ¤uberischen Diebstahls nach Â§Â§Â 127, 130 erster Fall, 131 und Â§Â 15 StGB Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 16.Â JÃ¤nnerÂ 2020, GZÂ 51Â HvÂ 105/19m-47, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde ***** A***** des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen und rÃ¤uberischen Diebstahls nach Â§Â§Â 127, 130 erster Fall, 131 (erster Fall) und Â§Â 15 StGB schuldig erkannt.
Danach hat er in W*****, nachdem er bereits am 2.Â OktoberÂ 2017 vom Amtsgericht Hamburg wegen Diebstahls zu einer neunmonatigen (bis zum 5.Â AprilÂ 2018 verbÃ¼ÃŸten [USÂ 4]) unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden war, gewerbsmÃ¤ÃŸig (Â§Â 70 AbsÂ 1 ZÂ 3 erster und zweiter Fall StGB) mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz nachgenannten GewahrsamstrÃ¤gern fremde bewegliche Sachen weggenommen und wegzunehmen versucht (III./), wobei er in einem Fall, beim Diebstahl auf frischer Tat betreten, Gewalt anwendete, um sich die weggenommene Sache zu erhalten (IV./), und zwar
I./Â am 2.Â AugustÂ 2019 ***** B***** eine KellnergeldbÃ¶rse beinhaltend 600Â Euro Bargeld;
II./Â am 15.Â AugustÂ 2019 ***** D***** eine KellnergeldbÃ¶rse beinhaltend 470Â Euro Bargeld;
III./Â am 3.Â JÃ¤nnerÂ 2019 ***** B***** eine GeldbÃ¶rse, wobei die Genannte ihn an der Flucht hinderte und die BÃ¶rse wieder zurÃ¼ckerlangen konnte;
IV./Â am 11.Â OktoberÂ 2018 ***** T***** 1.000Â Euro aus einer KellnergeldbÃ¶rse, wobei er beim Diebstahl auf frischer Tat betreten wurde, flÃ¼chtete, von ***** P***** verfolgt, zu Boden gebracht und festgehalten wurde, worauf er vehement um sich schlug, sich durch heftige Bewegungen aus dem Griff befreite und sich losriss, um mit der Beute davonzulaufen.
Rechtliche Beurteilung
Der dagegen (nominell) aus Â§Â 281 AbsÂ 1 Z 4, 9 lit a, 10 und 11 StPO ergriffenen Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten kommt keine Berechtigung zu.
Sie verfehlt zur GÃ¤nze die Ausrichtung am Verfahrensrecht.
Soweit sie zunÃ¤chst â€“ gestÃ¼tzt auf ZÂ 4 â€“ eine Verletzung des Rechts auf rechtliches GehÃ¶r mit der BegrÃ¼ndung behauptet, das Urteil sei am 18.Â FebruarÂ 2020 dem vormaligen Rechtsvertreter des Angeklagten und nicht der mit Bescheid der Rechtsanwaltskammer vom 14.Â FebruarÂ 2020 bestellten Verfahrenshilfeverteidigerin zugestellt worden, bringt sie weder den in Anspruch genommenen (vgl RIS-Justiz
RS0099112, RS0099250; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 302, 309Â f) noch einen anderen Nichtigkeitsgrund zur Darstellung.
Im Ãœbrigen
wurde die schriftliche Urteilsausfertigung dem (mit Bescheid vom 14.Â NovemberÂ 2019; ONÂ 29) bestellten Verfahrenshilfeverteidiger bereits am 27.Â JÃ¤nnerÂ 2020 zugestellt (Zustellnachweis zu ONÂ 1 SÂ 23) und die (rechtzeitig angemeldete; ONÂ 51) Nichtigkeitsbeschwerde innerhalb der â€“ dadurch ausgelÃ¶sten â€“ vierwÃ¶chigen Frist (Â§Â 285 AbsÂ 1 erster Satz StPO) von der nunmehrigen Verfahrenshilfeverteidigerin (vgl den Umbestellungsbescheid vom 14.Â FebruarÂ 2020; ONÂ 60) ausgefÃ¼hrt (ONÂ 62). Die (gesetzlich gar nicht vorgesehene; vgl dazu auch RIS-Justiz RS0096301,
RS0116182; zum Ganzen: Ratz, WK-StPO Â§Â 285 RzÂ 2) neuerliche Zustellung von Urteil und Hauptverhandlungsprotokoll erfolgte am 19.Â FebruarÂ 2020
â€“ entgegen der Beschwerdebehauptung â€“ ohnehin an die letztgenannte Verteidigerin (vgl den Zustellnachweis zu ONÂ 1 SÂ 27).
Die weitere Beschwerde (nominell ZÂ 9 litÂ a und 10) baut den Einwand, das Erstgericht sei â€žauf Basis der getroffenen Feststellungen â€¦ rechtsirrig vom ErfÃ¼lltsein der GewerbsmÃ¤ÃŸigkeit iSd Â§Â 70 AbsÂ 1 ZÂ 3 StGBâ€œ ausgegangen, ausschlieÃŸlich auf der Behauptung auf, dass â€žverfassungsrechtliche Bedenken gegen die GewerbsmÃ¤ÃŸigkeitskonstruktion in Â§Â 70 StGB bzw Â§Â 130 erster Fall StGB angebrachtâ€œ gewesen wÃ¤ren, die Tatrichter bei Anwendung der geltenden Gesetzeslage â€žentscheidend die Norm des ArtÂ 89 AbsÂ 2 B-VG zu Lasten des Angeklagten Ã¼bersehenâ€œ hÃ¤tten und â€žallein das Nichthegen von Bedenken und das folgliche Nichtstellen eines NormprÃ¼fungsantrags an den Verfassungsgerichtshof â€¦ einen Akt unrichtiger rechtlicher Beurteilungâ€œ bedeute.
Sie lÃ¤sst dabei auÃŸer Acht, dass angebliche Verfassungswidrigkeit vom Erstgericht angewandter Gesetzesbestimmungen kein Gegenstand zulÃ¤ssiger Urteilsanfechtung mit Nichtigkeitsbeschwerde ist (RIS-Justiz RS0053859) und ein subjektives Recht auf Normanfechtung durch die Strafgerichte im Hinblick auf die mit 1.Â JÃ¤nnerÂ 2015 in Kraft getretene Gesetzeslage (ArtÂ 140 AbsÂ 1 litÂ d B-VG idF BGBlÂ IÂ 2013/114 iVm Â§Â 62a VfGG idF BGBlÂ IÂ 2014/92) nicht besteht (RIS-Justiz RS0130514; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 597).
Mit der Hypothese, der Strafmilderungsgrund nach Â§Â 34 AbsÂ 2 StGB sei aufgrund der â€žnunmehr gebotenenâ€œ Anrufung des Verfassungsgerichtshofs durch das Rechtsmittelgericht â€žim Hinblick auf die bekanntlich lange Dauer von VfGH-Verfahren gegebenâ€œ (nominell â€žZÂ 11â€œ), wird ein dem Erstgericht unterlaufener nichtigkeitsbegrÃ¼ndender Fehler bei der Strafbemessung nicht aufgezeigt.
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung folgt (Â§Â 285i StPO).
Der Kostenausspruch beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.