Document Number: JJT_20201209_OGH0002_0130OS00094_20B0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130OS00094.20B.1209.000
Case Number: 13Os94/20b
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1607472000000
Word Count: 691

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 9.Â DezemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Michel, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-HummelÂ LL.M. in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin RichteramtsanwÃ¤rterin Mag.Â PÃ¶ttinger in der Strafsache gegen Malik Z***** und andere Angeklagte wegen Vergehen des schweren gewerbsmÃ¤ÃŸigen Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 1 ZÂ 1, AbsÂ 2, 148 erster Fall StGB sowie weiterer strafbarer Handlungen, AZÂ 24Â HvÂ 7/19p des Landesgerichts Linz, Ã¼ber die von der Generalprokuratur gegen das Urteil dieses Gerichts vom 10.Â FebruarÂ 2020 (ONÂ 130) erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach Ã¶ffentlicher Verhandlung in Anwesenheit der Vertreterin der Generalprokuratur, GeneralanwÃ¤ltin Mag.Â GfÃ¶ller und der Verteidigerin Mag.Â Haiderer zu Recht erkannt:
Spruch
In der Strafsache AZÂ 24Â HvÂ 7/19p des Landesgerichts Linz verletzt das Urteil dieses Gerichts vom 10.Â FebruarÂ 2020 (ONÂ 130) in seinen SchuldsprÃ¼chen Â§Â 57 AbsÂ 2 und 3 letzter Fall StGB.
Dieses Urteil, das im Ãœbrigen unberÃ¼hrt bleibt, wird in sÃ¤mtlichen SchuldsprÃ¼chen, demzufolge auch in den StrafaussprÃ¼chen sowie im auf die SchuldsprÃ¼che bezogenen AdhÃ¤sionserkenntnis und im Kostenausspruch aufgehoben und es wird in diesem Umfang in der Sache selbst erkannt:
Malik Z*****, Ruslan M***** und Vakha A***** werden gemÃ¤ÃŸ Â§Â 259 ZÂ 3 StPO von den VorwÃ¼rfen freigesprochen, es hÃ¤tten in L***** mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz VerfÃ¼gungsberechtigte der ZÃ¼*****-AG durch TÃ¤uschung Ã¼ber Tatsachen, nÃ¤mlich durch Geltendmachung von aus â€žfingierte[n] VerkehrsunfÃ¤lle[n]â€œ resultierenden FahrzeugschÃ¤den, zur Anweisung von Reparaturersatzzahlungen, sohin zu Handlungen verleitet, die die genannte Versicherungsgesellschaft (in der HÃ¶he der jeweiligen Ersatzleistung) am VermÃ¶gen schÃ¤digten, und zwar
Malik Z***** am 26.Â AugustÂ 2014 zur Zahlung von 1.678,74Â Euro,
Ruslan M***** am 22.Â JÃ¤nnerÂ 2014 im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Vakha A***** zur Zahlung von 3.100Â Euro sowie
Vakha A***** am 16.Â OktoberÂ 2014 zur Zahlung von 2.100Â Euro.
Die Privatbeteiligte ZÃ¼*****-AG wird nach Â§Â 366 AbsÂ 1 StPO mit ihren privatrechtlichen AnsprÃ¼chen auf den Zivilrechtsweg verwiesen.
Text
GrÃ¼nde:
Mit seit 27.Â JuliÂ 2020 (vgl ONÂ 150) rechtskrÃ¤ftigem Urteil des Einzelrichters des Landesgerichts Linz vom 10.Â FebruarÂ 2020 (ONÂ 130) wurden Malik Z*****, Ruslan M***** und Vakha A***** jeweils des Vergehens des Betrugs nach Â§Â 146 StGB schuldig erkannt. Unter einem wurden der Privatbeteiligten ZÃ¼*****-AG nach Â§Â 369 AbsÂ 1 StPO hinsichtlich der genannten Angeklagten jeweils 100Â Euro zuerkannt.
Danach haben sie in L***** mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz VerfÃ¼gungsberechtigte der ZÃ¼*****-AG durch TÃ¤uschung Ã¼ber Tatsachen, nÃ¤mlich durch Geltendmachung â€žfingierte[r] VerkehrsunfÃ¤lleâ€œ, zur Anweisung von Reparaturer-
satzzahlungen, sohin zu Handlungen verleitet, die die genannte Versicherungsgesellschaft am VermÃ¶gen schÃ¤digten, und zwar
Malik Z***** am 26.Â AugustÂ 2014 zur Zahlung von 1.678,74Â Euro,
Ruslan M***** am 22.Â JÃ¤nnerÂ 2014 im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Vakha A***** zur Zahlung von 3.100Â Euro sowie
Vakha A***** am 16.Â OktoberÂ 2014 zur Zahlung von 2.100Â Euro.
Wie die Generalprokuratur in ihrer zur Wahrung des Gesetzes erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde zutreffend aufzeigt, verletzen die SchuldsprÃ¼che das Gesetz:
Rechtliche Beurteilung
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 57 AbsÂ 3 letzter Fall StGB betrÃ¤gt die VerjÃ¤hrungsfrist bei dem mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360Â TagessÃ¤tzen bedrohten Vergehen des Betrugs nach Â§Â 146 StGB ein Jahr. Sie beginnt an dem der Beendigung des mit Strafe bedrohten Verhaltens (Â§Â 57 AbsÂ 2 zweiter Satz StGB) oder â€“ hier relevant â€“ dem Eintritt des zum Tatbild gehÃ¶renden Erfolgs (Â§Â 58 AbsÂ 1 StGB; zu den Berechnungsvarianten des Fristendes eingehend Marek in WK2 StGB Â§Â 58 RzÂ 5) nachfolgenden Tag (RIS-Justiz RS0091931).
Ausgehend von den festgestellten Zeitpunkten der Tatbegehung (22.Â JÃ¤nner, 26.Â August und 16.Â OktoberÂ 2014 [USÂ 7Â ff iVm USÂ 2]) und jenen des Erfolgseintritts (Februar, September und OktoberÂ 2014 [USÂ 7Â ff und 17Â f iVm ONÂ 67 SÂ 23, 26 und 33]) war die Strafbarkeit der in Rede stehenden Taten daher zufolge VerjÃ¤hrung jeweils bereits im JahrÂ 2015 erloschen (Â§Â 57 AbsÂ 2 StGB).
Feststellungen betreffend eine VerlÃ¤ngerung der VerjÃ¤hrungsfrist iSd Â§Â 58 AbsÂ 2 und 3 StGB sind dem Urteil nicht zu entnehmen. Auch nach der Aktenlage sind solche in einem weiteren Rechtsgang nicht zu erwarten (vgl insb die keine Verurteilungen aufweisenden StrafregisterauskÃ¼nfte [ONÂ 48, 49 und 53] und die erste staatsanwaltschaftliche Anordnung von ErmittlungsmaÃŸnahmen zur AufklÃ¤rung des Tatverdachts im JahrÂ 2016 [vgl ONÂ 1 SÂ 1Â f; ONÂ 8]).
Da sich der aufgezeigte Rechtsfehler zum Nachteil der Verurteilten auswirkt, sah sich der Oberste Gerichtshof veranlasst, das Urteil im angefÃ¼hrten Umfang aufzuheben, in der Sache selbst mit FreisprÃ¼chen vorzugehen und demzufolge die Privatbeteiligte mit ihren darauf bezogenen privatrechtlichen AnsprÃ¼chen auf den Zivilrechtsweg zu verweisen (Â§Â 292 letzter Satz StPO; RIS-Justiz RS0118545).
Von den aufgehobenen Urteilsteilen rechtslogisch abhÃ¤ngige Entscheidungen und VerfÃ¼gungen gelten gleichermaÃŸen als beseitigt (RIS-Justiz RS0100444).