Document Number: JJT_20200512_OLG0009_03300R00023_20Z0000_000
ECLI: ECLI:AT:OLG0009:2020:03300R00023.20Z.0512.000
Case Number: 33R23/20z
Application Type: Justiz
Court: OLG Wien
Decision Date: 1589241600000
Word Count: 2976

Kopf
Das Oberlandesgericht Wien hat als Rekursgericht ***** wegen des Widerspruchs gegen die Schutzzulassung der internationalen Marke Nr.Â 1398063 (Wortmarke â€žVIVATICKETâ€œ) Ã¼ber den Rekurs der Antragstellerin gegen den Beschluss der Rechtsabteilung des Patentamts vom 11.9.2019, IRÂ 533/2018-9, in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Dem Rekurs wird nicht Folge gegeben.
Der Wert des Entscheidungsgegenstands Ã¼bersteigt EURÂ 30.000.
Der ordentliche Revisionsrekurs ist nicht zulÃ¤ssig.
BegrÃ¼ndung
Text
I. Sachverhalt:
Die Antragstellerin ist die Inhaberin der Widerspruchsmarken, und zwar der Ã¶sterreichischen Marke ATÂ 279205 â€žVIVAâ€œ (Wortmarke) und der internationalen Marke IRÂ 1220575 â€žVIVAâ€œ (Wortmarke), insbesondere fÃ¼r die folgenden Dienstleistungen der KlasseÂ 35:
ATÂ 279205:
Einzelhandelsdienstleistungen, insbesondere im Rahmen eines Tankstellenshops, mit Lebensmitteln, GetrÃ¤nken, Drogeriewaren.
IRÂ 1220575:
retail services, in particular of a filling station shop, featuring food, beverages, cosmetic and toilet utensils and bathroom articles, drugstore goods.
Die Registrierung der internationalen Marke Nr. 1398063 â€žVIVATICKETâ€œ (Wortmarke â€“ angegriffene Marke) fÃ¼r Waren und Dienstleistungen der KlassenÂ 9, 35, 37, 41 und 42 wurde am 19.4.2018 in Gazette Nr.Â 14/2018 verÃ¶ffentlicht.
Die Widerspruchsmarken sind prioritÃ¤tsÃ¤lter.
II. AntrÃ¤ge und Vorbringen der Parteien:
Mit ihrem fristgerechten Widerspruch begehrte die Antragstellerin die teilweise Verweigerung der Schutzzulassung der angegriffenen Marke in Ã–sterreich fÃ¼r die folgenden Waren und/oder Dienstleistungen der KlassenÂ 35:
bill-posting; outdoor advertising; dissemination of advertising matter; demonstration of goods; direct mail advertising; updating of advertising material; distribution of samples; publicity material rental; publication of publicity texts; advertising; publicity; radio advertising; public relations; television advertising; shop window dressing; advertising agency services; publicity agency services; modelling for advertising or sales promotion; organization of exhibitions for commercial or advertising purposes; rental of advertising space; sales promotion for others; advertising by mail order; organization of trade fairs for commercial or advertising purposes; on-line advertising on a computer network; rental of advertising time on communication media; presentation of goods on communication media, for retail purposes; writing of publicity texts; layout services for advertising purposes; sponsorship search; organization of fashion shows for promotional purposes; production of advertising films; marketing; telemarketing services; retail or wholesale services for pharmaceutical, veterinary and sanitary preparations and medical supplies; rental of sales stands; search engine optimization for sales promotion; search engine optimisation for sales promotion; web site traffic optimization; pay per click advertising; provision of an on-line marketplace for buyers and sellers of goods and services; design of advertising materials; rental of billboards [advertising boards]; web indexing for commercial or advertising purposes; administration of frequent flyer programs; administration of consumer loyalty programs; scriptwriting for advertising purposes; production of teleshopping programs; consultancy regarding public relations communication strategy; consultancy regarding advertising communications strategy.
Sie brachte vor, die Zeichen â€žVIVAâ€œ und â€žVIVATICKETâ€œ sowie die vom Schutz der Widerspruchsmarken erfassten Waren und/oder Dienstleistungen und die von der angegriffenen Marke betroffenen Waren und/oder Dienstleistungen seien hochgradig Ã¤hnlich, sodass Verwechslungsgefahr bestehe. Die Widerspruchsmarken wÃ¼rden Ã¼berdies erhÃ¶hte Unterscheidungskraft genieÃŸen: Die Antragstellerin verwende sie seit 1990 intensiv und umfassend in Ã–sterreich, insbesondere zur Kennzeichnung von Einzelhandelsdienstleistungen in Shops und CafÃ©s, die an OMV-Tankstellen angeschlossen seien. Die Widerspruchsmarken hÃ¤tten einen Bekanntheitsgrad unter Ã¶sterreichischen Fahrzeuglenkern zwischen 18 und 69 Jahren, die zumindest einmal im Monat tanken, von 50Â % (ungestÃ¼tzte Befragung) und 79Â % (gestÃ¼tzte Befragung).
Die Antragsgegnerin beantragte die Abweisung des Widerspruchs und entgegnete, die Zeichen â€žVIVAâ€œ und â€žVIVATICKETâ€œ seien weder klanglich noch begrifflich noch schriftbildlich Ã¤hnlich. Auch eine Ã„hnlichkeit der zu beurteilenden Waren und/oder Dienstleistungen bestehe nicht. Die Widerspruchsmarken hÃ¤tten nur durchschnittliche Unterscheidungskraft.
III. Angefochtene Entscheidung:
Mit dem angefochtenen Beschluss gab die Rechtsabteilung (RA) des Patentamts dem Widerspruch teilweise statt. Sie bestÃ¤tigte die vorlÃ¤ufige Schutzverweigerung fÃ¼r die folgenden Dienstleistungen der KlassenÂ 35:
bill-posting; outdoor advertising; dissemination of advertising matter; demonstration of goods; direct mail advertising; updating of advertising material; distribution of samples; publication of publicity texts; advertising; publicity; radio advertising; public relations; television advertising; shop window dressing; modelling for advertising or sales promotion; organization of exhibitions for commercial or advertising purposes; sales promotion for others; advertising by mail order; organization of trade fairs for commercial or advertising purposes; on-line advertising on a computer network; presentation of goods on communication media, for retail purposes; writing of publicity texts; layout services for advertising purposes; marketing; telemarketing services; retail or wholesale services for pharmaceutical, veterinary and sanitary preparations and medical supplies; rental of sales stands; search engine optimization for sales promotion; search engine optimisation for sales promotion; web site traffic optimization; pay per click advertising; provision of an on-line marketplace for buyers and sellers of goods and services; design of advertising materials; web indexing for commercial or advertising purposes; administration of consumer loyalty programs; scriptwriting for advertising purposes; production of teleshopping programs.
Im restlichen Umfang wies sie den Widerspruch ab, konkret fÃ¼r die folgenden Dienstleistungen der KlassenÂ 35:
publicity material rental; advertising agency services; publicity agency services; rental of advertising space; rental of advertising time on communication media; sponsorship search; organization of fashion shows for promotional purposes; production of advertising films; rental of billboards [advertising boards]; administration of frequent flyer programs; consultancy regarding public relations communication strategy; consultancy regarding advertising communications strategy.
Die Zeichen â€žVIVAâ€œ und â€žVIVATICKETâ€œ seien aufgrund des klanglich und bildlich identischen Bestandteils â€žVIVAâ€œ, der aufgrund seiner Stellung am Anfang von â€žVIVATICKETâ€œ sofort und prominent wahrgenommen werde, Ã¤hnlich. Anhaltspunkte fÃ¼r eine erhÃ¶hte Unterscheidungskraft der Widerspruchsmarken hÃ¤tten sich nicht ergeben. Die Dienstleistungen, fÃ¼r die dem Widerspruch stattgegeben worden sei, seien Einzelhandelsdienstleistungen sowie Dienstleistungen zur Abwicklung und FÃ¶rderung des Handels und seien als solche den von der Widerspruchsmarke geschÃ¼tzten Dienstleistungen Ã¤hnlich. Die zu vergleichenden Dienstleistungen wÃ¼rden sich in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Verwendungsweise, ihrer Art und ihrem Ursprung nach sowie angesichts der Zielgruppe so eng berÃ¼hren, dass fÃ¼r die beteiligten Verkehrskreise der Eindruck entstehe, sie wÃ¼rden von ein und demselben Anbieter oder von wirtschaftlich zusammenhÃ¤ngenden Anbietern stammen. Bei den Dienstleistungen, fÃ¼r die der Widerspruch abgewiesen worden sei, habe keine Ã„hnlichkeit zu den Dienstleistungen der Widerspruchsmarken festgestellt werden kÃ¶nnen.
IV. Rekurs:
Der dem Widerspruch stattgebende Teil des angefochtenen Beschlusses ist rechtskrÃ¤ftig.
Gegen die teilweise Abweisung des Widerspruchs richtet sich der rechtzeitige Rekurs der Antragstellerin wegen unrichtiger Tatsachenfeststellung aufgrund unrichtiger BeweiswÃ¼rdigung und unrichtiger rechtlicher Beurteilung (einschlieÃŸlich sekundÃ¤rer FeststellungsmÃ¤ngel) mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluss abzuÃ¤ndern und dem Widerspruch auch insofern stattzugeben.
Die Antragsgegnerin beantragt, dem Rekurs nicht Folge zu geben.
Rechtliche Beurteilung
V. Rekursentscheidung:
Der Rekurs ist nicht berechtigt.
1. Zur BeweisrÃ¼ge:
1.1. Die Antragstellerin wendet sich unter diesem Berufungsgrund â€žaus prozessualer Vorsichtâ€œ gegen die AusfÃ¼hrungen der RA, die Umfrage ./C belege durchaus eine gewisse Bekanntheit des Zeichens â€žVIVAâ€œ im Bereich der Tankstellen, reiche aber nicht aus, um auf eine erhÃ¶hte Unterscheidungskraft schlieÃŸen zu kÃ¶nnen (Beschlussseite [BS]Â 8). Sie strebt wÃ¶rtlich die Feststellung â€žeiner intensiven und umfassenden Benutzung der Widerspruchsmarken fÃ¼r Einzelhandelsdienstleistungen und deren hoher Bekanntheitâ€œ (Rekursseite [RS]Â 8) an.
1.2. Die Antragstellerin erkennt selbst zutreffend, dass die Frage der Bekanntheit eines Zeichens im Sinne des Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG oder seiner Unterscheidungskraft im Rahmen der Beurteilung nach Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG eine auf der Grundlage der Feststellungen zu beantwortende Rechtsfrage ist. Aus den AusfÃ¼hrungen der RA zu ./B und ./C ist zusammengefasst abzuleiten, dass sie den Inhalt dieser Beilagen nicht angezweifelt hat und deren Inhalt ihrer Entscheidung als Sachverhalt zu Grunde gelegt hat. Sie konnte daraus jedoch in rechtlicher Hinsicht weder auf eine Bekanntheit noch auf eine hohe Unterscheidungskraft der Widerspruchsmarken schlieÃŸen (BSÂ 8-9). FÃ¼r eine BeweisrÃ¼ge bleibt damit von Vornherein kein Raum, vielmehr ist die Antragstellerin auf die Behandlung der RechtsrÃ¼ge zu verweisen.
2. Zur RechtsrÃ¼ge:
2.1. Die Antragstellerin steht erkennbar (vgl insb die PunkteÂ 2. und 5. des Widerspruchs und PunktÂ 3.7 des Rekurses) auf dem Standpunkt, die Widerspruchsmarken seien bekannte Marken (Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG), und fÃ¼hrt dafÃ¼r ./B, ./C und fÃ¼nf die Widerspruchsmarken betreffende Entscheidungen der Widerspruchsabteilung (WA) des EUIPO ins Treffen.
Die RA hat die Frage der Bekanntheit der Widerspruchsmarken nicht ausdrÃ¼cklich behandelt.
2.1.1. Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG normiert einen erweiterten Schutz fÃ¼r bekannte Marken. WÃ¤hrend â€žherkÃ¶mmlicheâ€œ, dh nicht hinreichend bekannte Marken in den FÃ¤llen fehlender DoppelidentitÃ¤t von Zeichen und Produkt nur unter der Voraussetzung der Verwechslungsgefahr Schutz genieÃŸen, ist eine solche fÃ¼r den besonderen Schutz bekannter Marken gerade keine Voraussetzung. Die einander gegenÃ¼berstehenden Zeichen mÃ¼ssen aber gleich oder Ã¤hnlich sein, weil es typischerweise nur dadurch zu einer Rufausbeutung, RufbeeintrÃ¤chtigung oder VerwÃ¤sserung der bekannten Marke kommen kann (RIS-Justiz RS0120364; Guggenbichler in Kucsko/Schumacher, marken.schutz2 Â§Â 10 RzÂ 239, 280, 282). Weitere Voraussetzung fÃ¼r die Anwendbarkeit von Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG ist, dass das Publikum das in Rede stehende Zeichen als Herkunftshinweis auf ein bestimmtes, wenn auch nicht namentlich bekanntes Unternehmen versteht. Nur dann kann ein Ruf aufgebaut werden, der ausgebeutet oder beeintrÃ¤chtigt werden kann (17Â Ob 20/08b, BOTOX; 17Â Ob 28/11h, gameware; Guggenbichler, aaO RzÂ 283).
Die Marke muss einem bedeutenden Teil des Publikums bekannt sein, wobei feste ProzentsÃ¤tze nicht einmal im Sinne einer absoluten Untergrenze maÃŸgeblich sind (RIS-Justiz RS0118988). Allgemein lÃ¤sst sich nur sagen, dass bei sachlich begrenzten Verkehrskreisen ein hÃ¶herer Bekanntheitsgrad zu verlangen ist und dass in diesem Fall â€“ ohne BerÃ¼cksichtigung qualitativer Beurteilungskriterien â€“ mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bekannte Marke vorliegt, wenn die Verkehrsbekanntheit einen Wert von 50Â % erreicht (Fezer, Markenrecht4 Â§Â 14 RzÂ 760, 762; Guggenbichler, aaO Rz 298; 4Â Ob 32/05t, Burton). Die BezugsgrÃ¶ÃŸe fÃ¼r die PrÃ¼fung der Bekanntheit ist nicht unbedingt die breite Ã–ffentlichkeit; vielmehr ist auf die von der Marke konkret betroffenen Verkehrskreise abzustellen (C-375/97, Chevy, RnÂ 26, 31; 17Â Ob 4/09a, Bull; 17Â Ob 27/11m, Red Bull/Run Cool; 4Â Ob 110/13z, Pistenmanagementsystem).
Zur Ermittlung der Bekanntheit einer Marke sind alle relevanten UmstÃ¤nde des Einzelfalls zu berÃ¼cksichtigen, insbesondere der Marktanteil der Marke, die IntensitÃ¤t, die geografische Ausdehnung und die Dauer ihrer Benutzung sowie der Umfang der Investitionen, die das Unternehmen zu ihrer FÃ¶rderung getÃ¤tigt hat (C-375/97, Chevy, RnÂ 29; 4Â Ob 36/04d, Firn; 17Â Ob 28/08d, Mazda-Logo; 17Â Ob 27/11m, Red Bull/Run Cool; 4Â Ob 110/13z, Pistenmanagementsystem). Weiters kÃ¶nnen folgende, quantitativ geprÃ¤gte Hilfskriterien zur Bestimmung der Bekanntheit einer Marke herangezogen werden: die Dauer der Registrierung, die IntensitÃ¤t ihrer Bewerbung (wozu auch BemÃ¼hungen gehÃ¶ren, die Marke im Wege des Sponsorings bekannt zu machen), der Produktumsatz, das Distributionssystem, die Existenz identischer oder Ã¤hnlicher Marken auf dem Markt, die allgemeine Kommunikation Ã¼ber Marke und Produkt in der BevÃ¶lkerung und der Umfang, in dem die Marke Gegenstand von LizenzvertrÃ¤gen ist (Guggenbichler, aaO RzÂ 296 mwN).
2.1.2. Ausgehend von diesen GrundsÃ¤tzen bietet das Verfahren keine ausreichenden Anhaltspunkte dafÃ¼r, die Widerspruchsmarken als bekannte Marken (Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG) zu qualifizieren: Die ./B belegt beispielhaft die Nutzung der Widerspruchsmarken auf der Website der Antragstellerin. Aus der ./B ist aber, wie schon die RA zutreffend betont hat (BSÂ 8), weder ersichtlich, in welchem konkreten Zeitraum die Nutzung erfolgte, noch zu erkennen, wie viele Zugriffe die Website in diesem Zeitraum verzeichnete. Die ./B bietet daher keinen Hinweis dafÃ¼r, dass das Publikum das in Rede stehende Zeichen â€“ die Wortmarke â€žVIVAâ€œ â€“ als Herkunftshinweis auf die Antragstellerin (oder zumindest ein bestimmtes, wenn auch nicht namentlich bekanntes Unternehmen) versteht. Dasselbe gilt fÃ¼r die ./C: Auch ihr ist kein Hinweis darauf zu entnehmen, dass die Befragten das Wort â€žVIVAâ€œ â€“ fraglich ist ja allein die Bekanntheit der Wortmarke â€žVIVAâ€œ â€“ als Herkunftshinweis auf die Antragstellerin (oder zumindest ein bestimmtes, wenn auch nicht namentlich bekanntes Unternehmen) verstehen. Dass zahlreiche der konkret nach den ihnen bekannten Tankstellenshops Befragten die Marke â€žVIVAâ€œ nennen kÃ¶nnen, lÃ¤sst nicht den Schluss zu, dass die Befragten allein das Wort â€žVIVAâ€œ ohne einengende FragezusÃ¤tze mit (bestimmten) Tankstellenshops verbunden hÃ¤tten. Da die Rechtsfrage der Bekanntheit der Marke (Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG) stets nur aufgrund des konkret erwiesenen Sachverhalts beantwortet werden kann, kÃ¶nnen schlieÃŸlich die von der Antragstellerin angefÃ¼hrten Entscheidungen der WA des EUIPO â€“ die sich auÃŸerdem zum Teil auf die hier nicht betroffene Unionsmarke Nr.Â 4259792 (Wortbildmarke â€žVIVAâ€œ) beziehen â€“ von Vornherein nicht auf den hier erwiesenen Sachverhalt Ã¼bertragen werden.
2.1.3. Im Ergebnis ist daher nicht zu beanstanden, dass die RA den Widerspruch anhand der Kriterien des Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG (und nicht nach jenen des Â§Â 10 AbsÂ 2 MSchG) geprÃ¼ft hat.
2.2. Die Antragstellerin argumentiert weiters, auch im Hinblick auf die von der Abweisung des Widerspruchs erfassten Waren und Dienstleistungen bestehe Verwechslungsgefahr (Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG) zwischen den Widerspruchsmarken und der angegriffenen Marke. Sie sieht zusammengefasst sowohl eine â€“ durch Benutzung erworbene â€“ hohe Unterscheidungskraft der Widerspruchsmarken als auch eine Ã„hnlichkeit der Waren und Dienstleistungen. Die RA hat die Verwechslungsgefahr fÃ¼r die von der Teilabweisung umfassten Dienstleistungen verneint.
2.2.1. Bei der Beurteilung der Verwechslungsgefahr (Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG) sind alle UmstÃ¤nde des Einzelfalls umfassend zu berÃ¼cksichtigen. Dabei ist nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung auf die Wechselbeziehung zwischen den in Betracht kommenden Faktoren Bedacht zu nehmen, insbesondere auf die Unterscheidungskraft der Ã¤lteren Marke und deren Bekanntheitsgrad auf dem Markt, den Grad der Ã„hnlichkeit der einander gegenÃ¼berstehenden Zeichen, den Grad der Ã„hnlichkeit der von den Zeichen erfassten Waren oder Dienstleistungen und die gedankliche Verbindung, die das entgegenstehende Zeichen zur Ã¤lteren Marke hervorrufen kann (EuGH C-39/97, Canon, RnÂ 17Â ff; RIS-Justiz RS0121482; RS0121500; RS0115351; Schumacher in Kucsko/Schumacher, marken.schutz2 Â§Â 10 RzÂ 75Â ff). So kann ein geringerer Grad der Gleichartigkeit der erfassten Waren oder Dienstleistungen durch einen hÃ¶heren Grad der Ã„hnlichkeit der Marken ausgeglichen werden und umgekehrt (RIS-Justiz RS0121482; RS0116294; RS0115351).
2.2.2. Der Antragstellerin ist zunÃ¤chst zuzugeben, dass eine durch Benutzung erhÃ¶hte Unterscheidungskraft der Widerspruchsmarke nach diesen GrundsÃ¤tzen auch dann zu Verwechslungsgefahr fÃ¼hren kann, wenn diese allein aufgrund der originÃ¤ren Unterscheidungskraft der Marke nicht anzunehmen wÃ¤re (4Â Ob 189/14v, VIVA-Dreiecke; Schumacher in Kucsko/Schumacher, marken.schutz2 Â§Â 10 RzÂ 78Â ff; Fezer, Markenrecht4 Â§Â 14 RzÂ 287). Damit ist fÃ¼r sie aber nichts gewonnen, lassen sich doch den von ihr ins Treffen gefÃ¼hrten ./B und ./C (aus den oben unter 2.1.2. dargelegten GrÃ¼nden, auf die zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wird) keine Hinweise auf den Bekanntheitsgrad der Widerspruchsmarken entnehmen. Die RA ist daher zutreffend davon ausgegangen, dass den Widerspruchsmarken keine infolge Benutzung erhÃ¶hte Unterscheidungskraft zukommt.
2.2.3. Zur ZeichenÃ¤hnlichkeit ist auf die zutreffende Beurteilung der RA (BSÂ 7-8) und auf die stÃ¤ndige Rechtsprechung zu verweisen, wonach bei vollstÃ¤ndiger Aufnahme einer Ã¤lteren Marke in ein jÃ¼ngeres Zeichen â€“ hier der Wortmarke â€žVIVAâ€œ in das Zeichen â€žVIVATICKETâ€œ â€“ ZeichenÃ¤hnlichkeit regelmÃ¤ÃŸig auch dann anzunehmen ist, wenn noch andere Bestandteile vorhanden sind, sofern nicht das Bild der Ã¤lteren Marke im jÃ¼ngeren Zeichen eine untergeordnete Rolle spielt und im Vergleich zu den Ã¼brigen Bestandteilen, die den Gesamteindruck des jÃ¼ngeren Zeichens bestimmen, ganz zurÃ¼cktritt (RIS-Justiz RS0079033; als Beispiel vgl 34Â R 94/15s, OLD SCHOOL & OLYMPIC BOXING CLUB JA*B VIENNA). Von einer solch untergeordneten Rolle des Bestandteils â€žVIVAâ€œ kann beim Zeichen â€žVIVATICKETâ€œ keine Rede sein, ganz im Gegenteil: â€žVIVAâ€œ ist der dominierende Bestandteil des Zeichens â€žVIVATICKETâ€œ, nicht nur wegen der Stellung am â€“ von den beteiligten Verkehrskreisen Ã¼blicherweise aufmerksamer beachteten â€“ Wortanfang (17Â Ob 4/07y, JOMA; EuG T-366/11, ZEBEXIR/ZEBINIX, RnÂ 24 mwN), auf dem hier auch die Betonung liegt, sondern auch aufgrund des Umstands, dass sich der Durchschnittsverbraucher, der von der Marke nur ein unvollkommenes Bild in Erinnerung behÃ¤lt, an den Begriff â€žVIVAâ€œ leichter erinnern wird als an den alltÃ¤glichen Begriff â€žTICKETâ€œ. Das Rekursgericht teilt daher die Ansicht der RA, die Widerspruchsmarken und die angegriffene Marke seien Ã¤hnlich.
2.2.4. Bei der PrÃ¼fung der Ã„hnlichkeit der Waren und Dienstleistungen ist bei eingetragenen Marken das Verzeichnis der Waren und Dienstleistungen maÃŸgeblich. Die dort verwendeten Gattungsbezeichnungen sind entsprechend dem allgemeinen Sprachgebrauch und objektiven VerkehrsverstÃ¤ndnis auszulegen. Im Ãœbrigen ist anhand objektiver, auf die Waren und Dienstleistungen selbst bezogener Kriterien zu beurteilen, ob die Waren und Dienstleistungen Ã¤hnlich sind (RIS-Justiz RS0116295). Zu den maÃŸgeblichen Faktoren fÃ¼r die Beurteilung der Waren- oder DienstleistungsÃ¤hnlichkeit zÃ¤hlen insbesondere die Art und stoffliche Beschaffenheit, der Verwendungszweck und die Nutzung, die Eigenart als miteinander konkurrierende oder einander ergÃ¤nzende Waren oder Dienstleistungen, die VertriebsstÃ¤tte und die Vertriebswege (Schumacher in Kucsko/Schumacher, marken.schutz2 Â§Â 10 RzÂ 110 mwN).
Der Schutz der Widerspruchsmarken erstreckt sich auf folgende Dienstleistungen:
AT 279205:
Einzelhandelsdienstleistungen, insbesondere im Rahmen eines Tankstellenshops, mit Lebensmitteln, GetrÃ¤nken, Drogeriewaren.
IR 1220575:
retail services, in particular of a filling station shop, featuring food, beverages, cosmetic and toilet utensils and bathroom articles, drugstore goods.
Diese Dienstleistungen richten sich primÃ¤r an Verbraucher, insbesondere Tankkunden.
Die von der Teilabweisung umfassten Dienstleistungen, nÃ¤mlich konkret
publicity material rental; advertising agency services; publicity agency services; rental of advertising space; rental of advertising time on communication media; sponsorship search; organization of fashion shows for promotional purposes; production of advertising films; rental of billboards [advertising boards]; administration of frequent flyer programs; consultancy regarding public relations communication strategy; consultancy regarding advertising communications strategy,
richten sich primÃ¤r an Unternehmer und sind nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und objektiven VerkehrsverstÃ¤ndnis weder Einzelhandelsdienstleistungen noch werden sie Ã¼blicherweise im Rahmen eines Tankstellenshops erbracht. Einzelhandelsdienstleistungen, insbesondere im Rahmen eines Tankstellenshops, richten sich an einen vÃ¶llig anderen Kundenkreis als die von der Teilabweisung umfassten Dienstleistungen und stehen zu diesen weder in Konkurrenz noch in einem ErgÃ¤nzungsverhÃ¤ltnis. Das Verfahren erster Instanz bot auch keine Hinweise dafÃ¼r, dass die Antragstellerin Beratungsdienstleistungen fÃ¼r ihre GeschÃ¤ftspartner im von der Teilabweisung umfassten Sinn anbieten wÃ¼rde. Dass EinzelhÃ¤ndler, wie die Antragstellerin im Rekurs betont, zum Zwecke ihrer eigenen AbsatzfÃ¶rderung notwendigerweise Waren Dritter bewerben mÃ¼ssen, macht sie entgegen der Ansicht der Antragstellerin noch nicht zu Dienstleistern gegenÃ¼ber diesen Dritten im von der Teilabweisung umfassten Sinn.
2.2.5. Die Ansicht der RA, eine Verwechslungsgefahr (Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG) scheide fÃ¼r die von der Teilabweisung umfassten Dienstleistungen mangels Ã„hnlichkeit aus, ist somit nicht korrekturbedÃ¼rftig. Ein allfÃ¤lliger Widerspruch zu den von der Teilstattgebung umfassten Dienstleistungen (mit anderen Worten: der Umstand, dass der Widerspruch mÃ¶glicherweise auch hinsichtlich anderer Dienstleistungen abzuweisen gewesen wÃ¤re) vermag keine Beschwer der Antragstellerin zu begrÃ¼nden.
2.3. Soweit sich die Antragstellerin erstmals im Rekurs auf eine Verwechslungsgefahr (Â§Â 10 AbsÂ 1 ZÂ 2 MSchG) zwischen dem Zeichen â€žVIVATICKETâ€œ und ihrer Unionsmarke Nr.Â 4259792 (Wortbildmarke â€žVIVAâ€œ) berufen und durch Werbesujets nachweisen mÃ¶chte, die von der Teilabweisung erfassten Beratungsdienstleistungen als Einzelhandelsdienstleistung fÃ¼r ihre Kunden zu erbringen, ist sie ebenso auf das auch im Rekursverfahren gegen eine Entscheidung der RA Ã¼ber einen Widerspruch geltende Neuerungsverbot (Â§Â 139 ZÂ 3 PatG iVm Â§Â 37 AbsÂ 3 MSchG) zu verweisen wie die Antragsgegnerin mit ihrer erstmals in der Rekursbeantwortung aufgeworfenen Frage, ob die Antragstellerin die Widerspruchsmarken innerhalb der letzten fÃ¼nf Jahre ernsthaft kennzeichenmÃ¤ÃŸig benutzt hat (Â§Â§Â 29b AbsÂ 3, 33a AbsÂ 1 MSchG).
Dem unberechtigten Rekurs war daher der Erfolg zu versagen.
Angesichts der Bedeutung des Markenschutzes im Wirtschaftsleben war auszusprechen, dass der Wert des Entscheidungsgegenstands EUR 30.000 Ã¼bersteigt (Â§Â 59 AbsÂ 2 AuÃŸStrG iVm Â§Â 139 PatG iVm Â§Â 37 AbsÂ 3 MSchG).
Da die Beurteilung der markenrechtlichen Unterscheidungskraft keine Rechtsfragen von der QualitÃ¤t des Â§Â 62 AbsÂ 1 AuÃŸStrG (iVm Â§Â 139 PatG iVm Â§Â 37 AbsÂ 3 MSchG) aufwirft, war der ordentliche Revisionsrekurs nicht zuzulassen.