Document Number: JJT_20200225_OGH0002_0030NC00003_20A0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0030NC00003.20A.0225.000
Case Number: 3Nc3/20a
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1582588800000
Word Count: 544

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat durch den Hofrat Dr.Â Roch als Vorsitzenden sowie den Hofrat Priv.-Doz.Â Dr.Â Rassi und die HofrÃ¤tin Dr.Â Weixelbraun-Mohr als weitere Richter in der Pflegschaftssache der MinderjÃ¤hrigen 1.Â Mi*****, 2.Â C*****, 3.Â Ma*****, infolge Vorlage zur Entscheidung nach Â§Â 111 AbsÂ 2 JN, den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Der Akt wird dem Bezirksgericht Leopoldstadt zurÃ¼ckgestellt.
Text
BegrÃ¼ndung:
Die Kinder befinden sich seit 2009 in voller Erziehung des Kinder- und JugendhilfetrÃ¤gers. Mi***** und C***** sind in einer Betreuungsstelle im Bezirk Liezen untergebracht, Ma***** wohnt bei einer Pflegemutter im Bezirk GÃ¤nserndorf. Am 28.Â 10.Â 2019 stellte die Wiener Kinder- und Jugendhilfe jeweils fÃ¼r Mi***** und C***** den (noch unerledigten) Antrag, auf Betrauung mit der VermÃ¶gensverwaltung im Umfang der Beantragung und Verwaltung des Eigenanspruchs des Kindes auf Familienbeihilfe.
Mit Beschluss vom 12.Â 11.Â 2019 Ã¼bertrug das Bezirksgericht Leopoldstadt die Pflegschaftssache gemÃ¤ÃŸ Â§Â 111 JN an das Bezirksgericht Liezen. In der hÃ¤ndisch unter Verwendung eines Formulars erfassten Urschrift des Beschlusses sind in der Rubrik â€žKindâ€œ ausdrÃ¼cklich nur Mi***** und C***** angefÃ¼hrt. BegrÃ¼ndet wurde die Ãœbertragung damit, dass sich Mi***** und C***** jetzt stÃ¤ndig im Sprengel des Bezirksgerichts Liezen aufhielten. Es sei daher zweckmÃ¤ÃŸiger, wenn dieses Gericht die Pflegschaftssache fÃ¼hrt. AbschlieÃŸend wird in der BegrÃ¼ndung ausgefÃ¼hrt, dass sich auch Ma***** nicht mehr im Sprengel des Bezirksgerichts Leopoldstadt aufhalte.
Das Bezirksgericht Liezen sandte den Akt an das Bezirksgericht Leopoldstadt mit der Bitte zurÃ¼ck, â€žden Akt zu teilen und nur den (Teil)Akt betreffend die mj.Â C***** und Mi***** dem BG Liezen zu Ã¼bermitteln, zumal nur hinsichtlich dieser beiden eine Ãœbertragung nach Â§Â 111 JN erfolgteâ€œ.
In einem Aktenvermerk hielt die zustÃ¤ndige Pflegschaftsrichterin des Bezirksgerichts Leopoldstadt fest, dass keine Notwendigkeit einer Teilung des Akts bestehe, weil keine TeilÃ¼bertragung beschlossen worden sei. Nach Eintritt der Rechtskraft des Ãœbertragungsbeschlusses legte das Bezirksgericht Leopoldstadt den Akt dem Obersten Gerichtshof zur Entscheidung Ã¼ber die ZustÃ¤ndigkeit vor.
Diese Vorlage erfolgte ohne Grundlage:
Rechtliche Beurteilung
Eine Entscheidung des den beiden Gerichten Ã¼bergeordneten Gerichts nach Â§Â 111 AbsÂ 2 SatzÂ 2 JN setzt zum einen voraus, dass es zu einer Ãœbertragung der ZustÃ¤ndigkeit nach AbsÂ 1 legÂ cit gekommen ist. Zum anderen ist es erforderlich, dass das andere Gericht die Ãœbernahme der ZustÃ¤ndigkeit verweigert, was auch formlos geschehen kann (RIS-Justiz RS0047011).
Bei objektiver Auslegung des Ãœbertragungsbeschlusses ist dieser dahin zu verstehen, dass er nur die Kinder Mi***** und C***** betrifft. Das wird zum einen durch die AnfÃ¼hrung nur dieser Kinder in der Rubrik â€žKindâ€œ der Urschrift und auch durch die BegrÃ¼ndung deutlich, wonach die Pflegschaftssache gerade deshalb an das Bezirksgericht Liezen Ã¼bertragen werden soll, weil sich Mi***** und und C***** nun im Sprengel des Bezirksgerichts Liezen aufhielten. Aus dem bloÃŸen Hinweis, dass sich auch Ma***** nicht mehr im Sprengel des Bezirksgerichts Leopoldstadt befindet, lÃ¤sst sich keine Ãœbertragung der Pflegschaftssache auch in diesem Umfang ableiten. Vielmehr sollte damit nur zum Ausdruck gebracht werden, dass der jetzige Aufenthalt von Ma***** nicht fÃ¼r das Verbleiben der gesamten ZustÃ¤ndigkeit beim Bezirksgericht Leopoldstadt spricht. Dem Ergebnis, dass die Ãœbertragung nur Mi***** und C***** betraf, kÃ¶nnen auch nicht die erst spÃ¤ter getroffenen ErwÃ¤gungen der Pflegschaftsrichterin in ihrem Aktenvermerk entgegenstehen.
FÃ¼r eine Entscheidung nach Â§Â 111 AbsÂ 2 SatzÂ 2 JN durch den Obersten Gerichtshof hinsichtlich Ma***** besteht schon deshalb keine Grundlage, weil es hier zu keiner Ãœbertragung der ZustÃ¤ndigkeit kam.
Auch betreffend Mi***** und C***** kann es zu keiner Entscheidung nach Â§Â 111Â AbsÂ 2Â JN kommen, weil diesbezÃ¼glich keine Weigerung der Ãœbernahme der ZustÃ¤ndigkeit durch das Bezirksgericht Liezen vorliegt.