Document Number: JJT_20200218_OGH0002_0120NS00010_20X0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120NS00010.20X.0218.000
Case Number: 12Ns10/20x
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1581984000000
Word Count: 487

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 18.Â FebruarÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Setz-Hummel in der Disziplinarsache gegen *****, AZÂ DÂ 134/13 des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Wien, Ã¼ber den Antrag des Disziplinarbeschuldigten auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie der Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** wegen AusschlieÃŸung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-Geo 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** sind von der Entscheidung Ã¼ber die Berufung des Disziplinarbeschuldigten ***** gegen das Erkenntnis des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Wien vom 21.Â FebruarÂ 2018, AZÂ DÂ 134/13-43, sowie Ã¼ber die Beschwerde des Genannten gegen den Beschluss vom 21.Â FebruarÂ 2018, AZÂ DÂ 134/13-44, nicht ausgeschlossen.
GrÃ¼nde:
Rechtliche Beurteilung
Der Oberste Gerichtshof hat zu AZÂ 26Â DsÂ 1/19z, 2/19x Ã¼ber die im Spruch genannte Berufung und die Beschwerde des Disziplinarbeschuldigten Rechtsanwalt ***** zu entscheiden. Die SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Dr.Â Hoch sowie die Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** sind Mitglieder, Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski ist erster Stellvertreter des nach der GeschÃ¤ftsverteilung des Obersten Gerichtshofs hierzu berufenen 26.Â Senats.
Der Disziplinarbeschuldigte stellte den Antrag auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie der Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** â€žwegen Befangenheitâ€œ, weil diese â€“ zusammengefasst â€“ zurÃ¼ckliegend in anderen Verfahren an ihn betreffenden Entscheidungen mitgewirkt und dabei â€žden Ã¤uÃŸeren Tatbestand eines Amtsdeliktsâ€œ gesetzt hÃ¤tten. Im Einzelnen hÃ¤tten die SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Dr.Â Hoch sowie die Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** in der Berufungsverhandlung vom 28.Â NovemberÂ 2017, AZÂ 26Â DsÂ 2/17v des Obersten Gerichtshofs, nach Ansicht des Antragstellers seinen Ablehnungsantrag zu Unrecht abgewiesen, dadurch gegen ArtÂ 83 AbsÂ 2 B-VG verstoÃŸen und â€žden Ã¤uÃŸeren Tatbestand des Â§Â 302 StGBâ€œ erfÃ¼llt. SenatsprÃ¤sident des Obersten Gerichtshofs Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski habe als Mitglied des SenatsÂ 1 in den Verfahren AZÂ 1Â ObÂ 89/13i und AZÂ 1Â ObÂ 171/16b an â€žgesetzwidrigen Beschlussfassungenâ€œ mitgewirkt, indem der Oberste Gerichtshof nach Ansicht des Antragstellers zu Unrecht als â€žErstgerichtâ€œ entschieden habe (1Â ObÂ 89/13i) und Ã¼ber einen Ablehnungsantrag des Antragstellers nicht entschieden worden sei (1 Ob 171/16b).
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 64 DSt iVm Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO ist ein Richter vom gesamten Verfahren ausgeschlossen, wenn andere GrÃ¼nde vorliegen, die geeignet sind, seine volle Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit in Zweifel zu ziehen. Die Bestimmungen Ã¼ber die AusschlieÃŸung stellen auf den Ã¤uÃŸeren Anschein ab. Entscheidend ist daher auch unter dem Aspekt des Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO nicht die subjektive Ansicht des betroffenen Richters oder des Ablehnenden, sondern die Frage, ob die Ã¤uÃŸeren UmstÃ¤nde geeignet sind, bei einem verstÃ¤ndig wÃ¼rdigenden objektiven Beurteiler naheliegende Zweifel an der unvoreingenommenen und unparteilichen Dienstverrichtung zu wecken (vgl RIS-Justiz RS0097086 [T5]; LÃ¤ssig, WK-StPO Â§Â 43 RzÂ 10Â f mwN).
Die im Antragsvorbringen relevierten Sachverhalte, wonach sich Mitglieder von Senaten des Obersten Gerichtshofs nicht im Sinn eines Antrags des Antragstellers verhalten haben, erwecken nicht den Anschein der Befangenheit (vgl RIS-Justiz RS0097054 [T1]).
SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** sind daher von der Entscheidung Ã¼ber die vorliegende Berufung und die Beschwerde in dem im Spruch genannten Disziplinarverfahren nicht ausgeschlossen.