Document Number: JJT_20200528_OGH0002_0120OS00052_20V0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120OS00052.20V.0528.000
Case Number: 12Os52/20v
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1590624000000
Word Count: 881

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 28.Â MaiÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-Hummel in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â Walter in der Strafsache gegen Sebastian D***** und einen weiteren Angeklagten wegen des Verbrechens des schweren Raubes nach Â§Â§Â 142 AbsÂ 1, 143 AbsÂ 2 erster Fall StGB und anderer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten D***** sowie die Berufung des Angeklagten Valeriu-Alexandru Ã–***** gegen das Urteil des Landesgerichts Feldkirch als JugendschÃ¶ffengericht vom 4.Â FebruarÂ 2020, GZÂ 61Â HvÂ 161/19t-63, und Ã¼ber die Beschwerde des Angeklagten D***** gegen den zugleich gefassten Beschluss auf Widerruf bedingter Strafnachsicht nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Innsbruck zugeleitet.
Dem Angeklagten D***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen, auch einen unbekÃ¤mpft gebliebenen Schuldspruch des Mitangeklagten Valeriu-Alexandru Ã–***** sowie einen unzulÃ¤ssigen Subsumtionsfreispruch (vgl Lendl, WK-StPO Â§Â 259 RzÂ 1Â f mwN) enthaltenden, Urteil wurde Sebastian D***** jeweils eines Verbrechens des schweren Raubes nach Â§Â§Â 142 AbsÂ 1, 143 AbsÂ 2 erster Fall StGB (A./) und des schweren gewerbsmÃ¤ÃŸigen Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 und 2, AbsÂ 2 ZÂ 1, 130 AbsÂ 3 (iVm AbsÂ 1 erster Fall), 15 StGB (B./) sowie des Vergehens der SachbeschÃ¤digung nach Â§Â 125 StGB (C./) schuldig erkannt.
Danach hat er â€“ soweit fÃ¼r das Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde von Bedeutung â€“ im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit einem MittÃ¤ter (Â§Â 12 StGB)
B./Â gewerbsmÃ¤ÃŸig anderen fremde bewegliche Sachen in einem 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden Gesamtwert durch Einbruch in WohnstÃ¤tten (B./1./, 2./ und 5./) und in ein GebÃ¤ude (B./4./) zu B./2./ sowie durch Aufbrechen eines BehÃ¤ltnisses und durch Ã–ffnen mit einem widerrechtlich erlangten SchlÃ¼ssel (B./2./) mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz weggenommen (B./1./, 2./, 4./) und wegzunehmen versucht (B./5./), und zwar
1./Â am 11.Â OktoberÂ 2019 in R***** Erich R*****, indem sie durch eine von Ã–***** aufgebrochene TerrassentÃ¼r in dessen Wohnhaus gelangten, 1.000Â CHF Bargeld sowie eine Uhr, eine Plakette und ein GetrÃ¤nk jeweils unbekannten Wertes;
2./Â am 10.Â SeptemberÂ 2019 in M***** (FÃ¼rstentum Liechtenstein) M***** R*****, indem sie durch ein von Ã–***** aufgebrochenes Fenster in deren Wohnhaus eindrangen, Ã–***** einen Schrank aufbrach und mit einem dort gefundenen SchlÃ¼ssel einen Tresor Ã¶ffnete, 300Â CHF und 220Â CAD Bargeld sowie Schmuck und MÃ¼nzen im Wert von 28.940Â CHF;
4./Â zwischen 29.Â September und 1.Â OktoberÂ 2019 in S***** (FÃ¼rstentum Liechtenstein) Stephan A***** und GewahrsamstrÃ¤gern der W***** AG, indem sie durch eine von Ã–***** aufgebrochene TÃ¼r in einen Baucontainer eindrangen, Maschinen und LadegerÃ¤te im Wert von 2.900Â CHF sowie Bekleidung und Alkohol im Wert von 53,60Â CHF;
5./Â am 30.Â SeptemberÂ 2019 in S***** (FÃ¼rstentum Liechtenstein) Hubert M*****, indem sie durch eine von D***** aufgebrochene TÃ¼r in dessen Wohnhaus einzudringen versuchten, wobei sie von M***** bemerkt wurden und flÃ¼chteten, aufzufindende WertgegenstÃ¤nde unbekannten Wertes.
Rechtliche Beurteilung
Der dagegen aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 und 10 StPO ergriffenen Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten D***** kommt keine Berechtigung zu.
Entgegen der eine offenbar unzureichende BegrÃ¼ndung (ZÂ 5 vierter Fall) relevierenden MÃ¤ngelrÃ¼ge stellt es keinen BegrÃ¼ndungsmangel dar, dass die Tatrichter die Konstatierungen zu einem auf die Wertqualifikation nach Â§Â 128 AbsÂ 1 ZÂ 5 StGB bezogenen Vorsatz des BeschwerdefÃ¼hrers (USÂ 12) â€“ unter BerÃ¼cksichtigung der gestÃ¤ndigen Verantwortung des D***** zu B./1./, 4./ und 5./, dessen leugnender Einlassung zu B./2./ sowie der den Rechtsmittelwerber belastenden Angaben des Mitangeklagten Ã–***** zu letztgenanntem Faktum (vgl USÂ 13, 15Â f, 18) â€“ auf das objektive Geschehen stÃ¼tzten (USÂ 19; RIS-Justiz RS0098671, RS0116882).
Diese ErwÃ¤gungen des Erstgerichts Ã¼bergeht die RÃ¼ge (nominell ZÂ 5 vierter Fall, der Sache nach ZÂ 5 zweiter Fall) mit der Behauptung, bei Konstatierung des gewerbsmÃ¤ÃŸigen Vorgehens des BeschwerdefÃ¼hrers zu B./ seien widerstreitende Verfahrensergebnisse, nÃ¤mlich dessen leugnende Verantwortung zu B./2./, nicht berÃ¼cksichtigt worden.
Die zu B./2./ erhobene SubsumtionsrÃ¼ge (ZÂ 10) bestreitet die Annahme der widerrechtlichen Erlangung (Â§Â 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 StGB) des am Tatort in einer Kiste, neben vielen weiteren SchlÃ¼sseln verwahrten, zum Schloss des in der Folge geÃ¶ffneten Tresors passenden SchlÃ¼ssels und orientiert sich damit nicht an dem den Bezugspunkt materiell-rechtlicher Nichtigkeit darstellenden festgestellten Sachverhalt (RIS-Justiz RS0099810). Auch leitet sie nicht methodengerecht aus dem Gesetz ab, inwieweit ein solcher in einem Haus, in das ein TÃ¤ter zuvor eingebrochen ist, durch aktives Suchen vorgefundener SchlÃ¼ssel rechtmÃ¤ÃŸig ohne Zutun des TÃ¤ters in dessen Gewahrsam gelangt wÃ¤re, dem Berechtigten nicht weggenommen worden sei und einem bestimmten Schloss â€“ trotz seiner Verwahrung in einer Kiste neben vielen weiteren SchlÃ¼sseln â€“ eindeutig zuordenbar wÃ¤re (vgl dazu RIS-Justiz RS0093818, RS0093884; Stricker in WK2 StGB Â§Â 129 RzÂ 58, 63).
Zudem legt die SubsumtionsrÃ¼ge nicht dar, weshalb ausgehend von den Konstatierungen, wonach der mit dem am Tatort erlangten SchlÃ¼ssel geÃ¶ffnete Tresor in einem verschlossenen Holzschrank vorgefunden wurde, der von einem der TÃ¤ter zuvor mit KÃ¶rperkraft aufgebrochen worden war (USÂ 10), die zu B./2./ vorgenommene Subsumtion nach Â§Â 129 AbsÂ 1 ZÂ 2 StGB insgesamt rechtsirrig erfolgt sein sollte (RIS-Justiz RS0093946 [T1]).
Im Ãœbrigen kann bei einem â€“ wie hier â€“ alternativen Mischdelikt die rechtliche Annahme einer von mehreren als verwirklicht angesehenen Alternativen aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 10 StPO nicht angefochten werden (RIS-Justiz RS0116655; Stricker in WK2 StGB Â§ 129 Rz 165).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ bereits bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§ 285d Abs 1 StPO).
Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde (Â§Â§Â 285i, 498 AbsÂ 3 letzter Satz StPO).
Der Kostenausspruch beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.