Document Number: JFT_20201127_20G00323_00
ECLI: ECLI:AT:VFGH:2020:G323.2020
Case Number: G323/2020 ua
Application Type: Vfgh
Court: Verfassungsgerichtshof (VfGH)
Decision Date: 1606435200000
Word Count: 3053

Leitsatz
Keine Gleichheitswidrigkeit von Bestimmungen des EStG 1998 betreffend die unterschiedlichen AbzinsungssÃ¤tze fÃ¼r Abfertigungs-, JubilÃ¤umsgeld- und PensionsrÃ¼ckstellungen mit einem RechnungszinsfuÃŸ iHv 6% im Vergleich zum Zinssatz fÃ¼r langfristige RÃ¼ckstellungen fÃ¼r sonstige ungewisse Verbindlichkeiten iHv 3,5%; hÃ¶herer RechnungszinsfuÃŸ fÃ¼r die dem Sozialkapital zuzurechnenden JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen im rechtspolitischen Gestaltungsspielraumes des Gesetzgebers
Spruch
I.Â Soweit sich die AntrÃ¤ge gegen Â§14 Abs6 Z6 des Bundesgesetzes vom 7.Â JuliÂ 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 â€“ EStGÂ 1988), BGBlÂ NrÂ 400, die Wortfolgen ",Â des Abs6 Z6" in Â§14 Abs12 EStGÂ 1988 jeweils idF BGBlÂ I NrÂ 24/2007 und ",Â wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen" in Â§9 Abs1 Z3 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I NrÂ 71/2003 sowie gegen Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I NrÂ 13/2014 richten, werden sie abgewiesen.
II.Â Im Ãœbrigen werden die AntrÃ¤ge zurÃ¼ckgewiesen.
BegrÃ¼ndung
EntscheidungsgrÃ¼nde
I. AntrÃ¤ge
Mit den zu G323-324/2020 protokollierten, auf Art140 Abs1 Z1 lita B-VG gestÃ¼tzten AntrÃ¤gen begehrt das Bundesfinanzgericht,
"1.
Â§14 Abs6 Z6 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lita des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge ',Â des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 dritter Satz des Bundesgesetzes vom 7.Â JuliÂ 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge 'im Sinne des Abs1 Z3 und 4' in Â§9 Abs5 erster Satz des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBl NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art1 Z3 des AbgabenÃ¤nderungsgesetzes 2014, BGBlÂ I NrÂ 13/2014;
2. in eventu,
Â§14 Abs6 Z6 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lita des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge ', des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge ',Â wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen' in Â§9 Abs1 Z3 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art39 Z6 des Budgetbegleitgesetzes 2003, BGBlÂ I NrÂ 71/2003
sowie Â§9 Abs5 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art1 Z3 des AbgabenÃ¤nderungsgesetzes 2014, BGBlÂ I NrÂ 13/2014;
3. in eventu,
die Wortfolge ',Â des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge ',Â wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen' in Â§9 Abs1 Z3 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art39 Z6 des Budgetbegleitgesetzes 2003, BGBlÂ I NrÂ 71/2003;
4. in eventu,
die Wortfolge ',Â des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge 'oder JubilÃ¤umsgelder' in Â§9 Abs1 Z3 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art39 Z6 des Budgetbegleitgesetzes 2003, BGBlÂ I NrÂ 71/2003;
5. in eventu,
die Wortfolge ', des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007;
6. in eventu,
Â§14 Abs6 Z6 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lita des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge ',Â des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 dritter Satz desselben Bundesgesetzes in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007;
7. in eventu,
die Wortfolge ', des Abs6 Z6' in Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art3 Z9 lith des Budgetbegleitgesetzes 2007, BGBlÂ I NrÂ 24/2007
sowie die Wortfolge 'im Sinne des Abs1 Z3 und 4' in Â§9 Abs5 erster Satz des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBl NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art1 Z3 des AbgabenÃ¤nderungsgesetzes 2014, BGBlÂ I NrÂ 13/2014;
8. in eventu,
die Wortfolge 'sowie RÃ¼ckstellungen fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder' in Â§9 Abs2 des Bundesgesetzes vom 7.Â JuliÂ 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBl NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art1 Z1 des AbgabenÃ¤nderungsgesetzes 1998, BGBlÂ I NrÂ 28/1999
sowie die Wortfolge ', wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen' in Â§9 Abs1 Z3 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art39 Z6 des Budgetbegleitgesetzes 2003, BGBlÂ I NrÂ 71/2003
sowie Â§14 Abs12 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (Einkommensteuergesetz 1988 - EStG 1988, BGBlÂ NrÂ 400/1988) in der Fassung des Art1 Z2Â a undÂ b des AbgabenÃ¤nderungsgesetzes 1998, BGBlÂ I NrÂ 28/1999"
als verfassungswidrig aufzuheben.
II. Rechtslage
Die maÃŸgebliche Rechtslage stellt sich wie folgt dar (die in den HauptantrÃ¤gen angefochtenen Bestimmungen sind hervorgehoben):
1. Â§9 des Bundesgesetzes vom 7.Â Juli 1988 Ã¼ber die Besteuerung des Einkommens natÃ¼rlicher Personen (EinkommensteuergesetzÂ 1988Â â€“Â EStGÂ 1988), BGBlÂ 400, idF BGBlÂ I 13/2014; Abs1 zuletzt geÃ¤ndert mit BGBlÂ I 71/2003; Abs2 zuletzt geÃ¤ndert durch BGBlÂ I 28/1999; Abs5 mit BGBlÂ I 142/2000 eingefÃ¼gt, zuletzt geÃ¤ndert mit BGBlÂ I 13/2014:
"RÃ¼ckstellungen
Â§9. (1) RÃ¼ckstellungen kÃ¶nnen nur gebildet werden fÃ¼r
1. Anwartschaften auf Abfertigungen,
2. laufende Pensionen und Anwartschaften auf Pensionen,
3. sonstige ungewisse Verbindlichkeiten, wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen[,]
4. drohende Verluste aus schwebenden GeschÃ¤ften.
(2) RÃ¼ckstellungen im Sinne des Abs1 Z1 und 2 sowie RÃ¼ckstellungen fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder sind nach Â§14 zu bilden.
(3) RÃ¼ckstellungen im Sinne des Abs1 Z3 und 4 dÃ¼rfen nicht pauschal gebildet werden. Die Bildung von RÃ¼ckstellungen ist nur dann zulÃ¤ssig, wenn konkrete UmstÃ¤nde nachgewiesen werden kÃ¶nnen, nach denen im jeweiligen Einzelfall mit dem Vorliegen oder dem Entstehen einer Verbindlichkeit (eines Verlustes) ernsthaft zu rechnen ist.
(4) RÃ¼ckstellungen fÃ¼r die Verpflichtung zu einer Zuwendung anlÃ¤ÃŸlich eines FirmenjubilÃ¤ums dÃ¼rfen nicht gebildet werden.
(5) RÃ¼ckstellungen im Sinne des Abs1 Z3 und 4 sind mit dem Teilwert anzusetzen. Der Teilwert ist mit einem Zinssatz von 3,5% abzuzinsen, sofern die Laufzeit der RÃ¼ckstellung am Bilanzstichtag mehr als zwÃ¶lf Monate betrÃ¤gt."
2. Â§14 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ IÂ 24/2007; Abs12 zuletzt geÃ¤ndert mit BGBlÂ I 28/1999; Abs13 zuletzt geÃ¤ndert mit BGBlÂ I 106/1999 lautet auszugsweise:
"Vorsorge fÃ¼r Abfertigungen, Pensionen und JubilÃ¤umsgelder
Â§14. (1) FÃ¼r Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.Â Dezember 2001 enden, kann eine AbfertigungsrÃ¼ckstellung im AusmaÃŸ bis zu 47,5%, fÃ¼r die folgenden Wirtschaftsjahre eine solche bis zu 45% der am Bilanzstichtag bestehenden fiktiven AbfertigungsansprÃ¼che gebildet werden. Fiktive AbfertigungsansprÃ¼che sind jene, die bei AuflÃ¶sung des Dienst- bzw AnstellungsverhÃ¤ltnisses bezahlt werden mÃ¼ÃŸten
1. an Arbeitnehmer als Abfertigung auf Grund
- gesetzlicher Anordnung oder
- eines Kollektivvertrages,
wobei in beiden FÃ¤llen BeschÃ¤ftigungszeiten (Vordienstzeiten) angerechnet werden kÃ¶nnen,
2. an andere Personen auf Grund gesetzlicher Anordnung,
3. an Arbeitnehmer oder andere Personen auf Grund schriftlicher und rechtsverbindlicher Zusagen, wenn der Gesamtbetrag der zugesagten Abfertigung einer gesetzlichen oder dem Dienst- bzw AnstellungsverhÃ¤ltnis entsprechenden kollektivvertraglichen Abfertigung nachgebildet ist, wobei in beiden FÃ¤llen BeschÃ¤ftigungszeiten (Vordienstzeiten) angerechnet werden kÃ¶nnen.
Die AbfertigungsrÃ¼ckstellung kann insoweit bis zu 60% der am Bilanzstichtag bestehenden fiktiven AbfertigungsansprÃ¼che gebildet werden, als die Arbeitnehmer oder anderen Personen, an die die Abfertigungen bei AuflÃ¶sung des DienstverhÃ¤ltnisses bezahlt werden mÃ¼ÃŸten, am Bilanzstichtag das 50.Â Lebensjahr vollendet haben.
(2) Die RÃ¼ckstellung ist in der Bilanz gesondert auszuweisen.
(3) Bei erstmaliger Bildung der RÃ¼ckstellung hat der Steuerpflichtige das prozentuelle AusmaÃŸ der RÃ¼ckstellung festzulegen. Dieses AusmaÃŸ ist gleichmÃ¤ÃŸig auf fÃ¼nf aufeinanderfolgende Wirtschaftsjahre verteilt zu erreichen. Eine Ã„nderung des AusmaÃŸes ist unzulÃ¤ssig.
(4) Gehen im Falle des Unternehmerwechsels Abfertigungsverpflichtungen auf den Rechtsnachfolger Ã¼ber, so ist die RÃ¼ckstellung beim RechtsvorgÃ¤nger insoweit nicht gewinnerhÃ¶hend aufzulÃ¶sen, sondern vom Rechtsnachfolger weiterzufÃ¼hren.
(5) Steuerpflichtige, die ihren Gewinn gemÃ¤ÃŸ Â§4 Abs3 ermitteln, kÃ¶nnen fÃ¼r die am Schluss des Wirtschaftsjahres bestehenden fiktiven AbfertigungsansprÃ¼che einen Betrag steuerfrei belassen. Die Bestimmungen der Abs1, 3 und 4 sind anzuwenden. Die BegÃ¼nstigung darf nur in Anspruch genommen werden, wenn die steuerfrei belassenen BetrÃ¤ge in einer laufend gefÃ¼hrten Aufzeichnung ausgewiesen sind. Aus dieser Aufzeichnung muss die Berechnung der steuerfrei belassenen BetrÃ¤ge klar ersichtlich sein.
(6) Steuerpflichtige, die ihren Gewinn gemÃ¤ÃŸ Â§4 Abs1 oder Â§5 ermitteln, kÃ¶nnen fÃ¼r schriftliche, rechtsverbindliche und unwiderrufliche Pensionszusagen und fÃ¼r direkte Leistungszusagen im Sinne des Betriebspensionsgesetzes in Rentenform PensionsrÃ¼ckstellungen bilden. FÃ¼r die Bildung gilt folgendes:
1. Die PensionsrÃ¼ckstellung ist nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik zu bilden.
2. Die PensionsrÃ¼ckstellung ist erstmals im Wirtschaftsjahr der Pensionszusage zu bilden, wobei VerÃ¤nderungen der Pensionszusage wie neue Zusagen zu behandeln sind. Als neue Zusagen gelten auch Ã„nderungen der Pensionsbemessungsgrundlage und Indexanpassungen von Pensionszusagen.
3. Der RÃ¼ckstellung ist im jeweiligen Wirtschaftsjahr soviel zuzufÃ¼hren, als bei Verteilung des Gesamtaufwandes auf die Zeit zwischen Pensionszusage und dem vorgesehenen Zeitpunkt der Beendigung der aktiven Arbeits- oder Werkleistung auf das einzelne Wirtschaftsjahr entfÃ¤llt.
4. Soweit durch ordnungsmÃ¤ÃŸige Zuweisungen an die PensionsrÃ¼ckstellung das zulÃ¤ssige AusmaÃŸ der RÃ¼ckstellung nicht erreicht wird, ist in dem Wirtschaftsjahr, in dem der Pensionsfall eintritt, eine erhÃ¶hte Zuweisung vorzunehmen.
5. Die zugesagte Pension darf 80% des letzten laufenden Aktivbezugs nicht Ã¼bersteigen. Auf diese Obergrenze sind zugesagte Leistungen aus Pensionskassen anzurechnen, soweit die Leistungen nicht vom Leistungsberechtigten getragen werden.
6. Der Bildung der PensionsrÃ¼ckstellung ist ein RechnungszinsfuÃŸ von 6Â % zugrunde zu legen.
[â€¦]
(10) Abs6 Z5 und 6 gilt insoweit nicht, als dem Arbeitgeber die Aufgaben der gesetzlichen Pensionsversicherung Ã¼bertragen sind.
(11) Abs7 sind auf Betriebe gewerblicher Art von KÃ¶rperschaften Ã¶ffentlichen Rechts (Â§2 des KÃ¶rperschaftsteuergesetzes 1988) nicht anzuwenden.
(12) FÃ¼r die Bildung von RÃ¼ckstellungen fÃ¼r die Verpflichtung zu einer Zuwendung anlÃ¤ÃŸlich eines DienstjubilÃ¤ums gilt folgendes: Die Bildung einer RÃ¼ckstellung ist nur bei kollektivvertraglicher Vereinbarung, bei Betriebsvereinbarung oder bei anderen schriftlichen, rechtsverbindlichen und unwiderruflichen Zusagen zulÃ¤ssig. Die RÃ¼ckstellung ist unter sinngemÃ¤ÃŸer Anwendung des Abs6 Z1 bis 3,Â des Abs6 Z6 sowie der Abs8 und 9 zu bilden; eine Bildung nach den Regeln der Finanzmathematik ist zulÃ¤ssig.
(13) Werden bei PensionsrÃ¼ckstellungen oder bei RÃ¼ckstellungen fÃ¼r die Verpflichtung zu einer Zuwendung anlÃ¤ÃŸlich eines DienstjubilÃ¤ums die den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik entsprechenden biometrischen Rechnungsgrundlagen geÃ¤ndert, ist der dadurch bedingte Unterschiedsbetrag beginnend mit dem Wirtschaftsjahr der Ã„nderung gleichmÃ¤ÃŸig auf drei Jahre zu verteilen. Der Unterschiedsbetrag errechnet sich aus der Differenz zwischen dem nach den bisherigen Rechnungsgrundlagen errechneten RÃ¼ckstellungsbetrag und dem RÃ¼ckstellungsbetrag auf der Grundlage der geÃ¤nderten Rechnungsgrundlagen."
III. Antragsvorbringen
1. Den AntrÃ¤gen liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Beim Bundesfinanzgericht sind Beschwerden gegen die Abweisung von AufhebungsantrÃ¤gen betreffend KÃ¶rperschaftsteuerbescheide sowie gegen KÃ¶rperschaftsteuerbescheide anhÃ¤ngig. Den Bescheiden liegen Bilanzen zugrunde, in denen jeweils eine RÃ¼ckstellung fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder ausgewiesen ist, die nach finanzmathematischen bzw versicherungsmathematischen GrundsÃ¤tzen berechnet worden ist. Im Zuge der Behandlung der gegen diese Bescheide erhobenen Beschwerden sind beim Bundesfinanzgericht Bedenken ob der VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit bestimmter AbsÃ¤tze bzw Wortfolgen der Â§Â§9 und 14 EStGÂ 1988 entstanden.
2. Das Bundesfinanzgericht hegt Bedenken ob der VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit der unterschiedlichen AbzinsungssÃ¤tze fÃ¼r die Bildung von langfristigen RÃ¼ckstellungen iHv 3,5% nach Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 und iHv 6% fÃ¼r die Bildung von JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen nach Â§14 Abs12 iVm Â§14 Abs6 Z6 EStGÂ 1988.
IV. ErwÃ¤gungen
1. Zur ZulÃ¤ssigkeit der AntrÃ¤ge
1.1. Der Verfassungsgerichtshof ist nicht berechtigt, durch seine PrÃ¤judizialitÃ¤tsentscheidung das antragstellende Gericht an eine bestimmte Rechtsauslegung zu binden, weil er damit indirekt der Entscheidung dieses Gerichtes in der Hauptsache vorgreifen wÃ¼rde. GemÃ¤ÃŸ der stÃ¤ndigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes darf daher ein Antrag iSd Art139 Abs1 Z1 B-VG bzw des Art140 Abs1 Z1 lita B-VG nur dann wegen Fehlens der PrÃ¤judizialitÃ¤t zurÃ¼ckgewiesen werden, wenn es offenkundig unrichtig (denkunmÃ¶glich) ist, dass die â€“ angefochtene â€“ generelle Norm eine Voraussetzung der Entscheidung des antragstellenden Gerichtes im Anlassfall bildet (vgl etwa VfSlgÂ 10.640/1985, 12.189/1989, 15.237/1998, 16.245/2001 und 16.927/2003).
Das antragstellende Gericht begehrt die Aufhebung verschiedener AbsÃ¤tze und Wortfolgen in den Â§Â§9 und 14 EStGÂ 1988. Es ist nichts hervorgekommen, was an der PrÃ¤judizialitÃ¤t der angefochtenen Gesetzesbestimmungen zweifeln lieÃŸe.
1.2. Ein von Amts wegen oder auf Antrag eines Gerichtes eingeleitetes GesetzesprÃ¼fungsverfahren dient der Herstellung einer verfassungsrechtlich einwandfreien Rechtsgrundlage fÃ¼r das Anlassverfahren (vgl VfSlgÂ 11.506/1987, 13.701/1994).
Die Grenzen der Aufhebung einer auf ihre VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit zu prÃ¼fenden Gesetzesbestimmung sind, wie der Verfassungsgerichtshof sowohl fÃ¼r von Amts wegen als auch fÃ¼r auf Antrag eingeleitete GesetzesprÃ¼fungsverfahren schon wiederholt dargelegt hat (VfSlgÂ 13.965/1994 mwN, 16.542/2002, 16.911/2003), notwendig so zu ziehen, dass einerseits der verbleibende Gesetzesteil nicht einen vÃ¶llig verÃ¤nderten Inhalt bekommt und dass andererseits die mit der aufzuhebenden Gesetzesstelle untrennbar zusammenhÃ¤ngenden Bestimmungen auch erfasst werden.
Dieser Grundposition folgend hat der Verfassungsgerichtshof die Rechtsauffassung entwickelt, dass im GesetzesprÃ¼fungsverfahren der Anfechtungsumfang der in PrÃ¼fung gezogenen Norm bei sonstiger UnzulÃ¤ssigkeit des PrÃ¼fungsantrages nicht zu eng gewÃ¤hlt werden darf (vgl VfSlgÂ 16.212/2001, 16.365/2001, 18.142/2007, 19.496/2011; VfGH 14.3.2017, G311/2016). Das antragstellende Gericht hat all jene Normen anzufechten, die fÃ¼r das anfechtende Gericht prÃ¤judiziell sind und vor dem Hintergrund der Bedenken fÃ¼r die Beurteilung der allfÃ¤lligen Verfassungswidrigkeit der Rechtslage eine untrennbare Einheit bilden. Es ist dann Sache des Verfassungsgerichtshofes, darÃ¼ber zu befinden, auf welche Weise eine solche Verfassungswidrigkeit â€“ sollte der Verfassungsgerichtshof die Auffassung des antragstellenden Gerichtes teilen â€“ beseitigt werden kann (VfSlgÂ 16.756/2002, 19.496/2011, 19.684/2012, 19.903/2014; VfGH 10.3.2015, G201/2014).
UnzulÃ¤ssig ist der Antrag etwa dann, wenn der im Falle der Aufhebung im begehrten Umfang verbleibende Rest einer Gesetzesstelle als sprachlich unverstÃ¤ndlicher Torso inhaltsleer und unanwendbar wÃ¤re (VfSlgÂ 16.279/2001, 19.413/2011; VfGHÂ 19.6.2015, G211/2014; 7.10.2015, G444/2015; VfSlg 20.082/2016), der Umfang der zur Aufhebung beantragten Bestimmungen so abgesteckt ist, dass die angenommene Verfassungswidrigkeit durch die Aufhebung gar nicht beseitigt wÃ¼rde (vgl zB VfSlgÂ 18.891/2009, 19.933/2014), oder durch die Aufhebung bloÃŸer Teile einer Gesetzesvorschrift dieser ein vÃ¶llig verÃ¤nderter, dem Gesetzgeber Ã¼berhaupt nicht mehr zusinnbarer Inhalt gegeben wÃ¼rde (VfSlgÂ 18.839/2009, 19.841/2014, 19.972/2015, 20.102/2016).
Eine zu weite Fassung des Antrages macht diesen nicht in jedem Fall unzulÃ¤ssig. ZunÃ¤chst ist ein Antrag nicht zu weit gefasst, soweit das Gericht solche Normen anficht, die denkmÃ¶glich eine Voraussetzung der Entscheidung des antragstellenden Gerichtes im Anlassfall bilden und damit prÃ¤judiziell sind; dabei darf aber nach Â§62 Abs1 VfGG nicht offen bleiben, welche Gesetzesvorschrift oder welcher Teil einer Vorschrift nach Auffassung des antragstellenden Gerichtes aus welchem Grund aufgehoben werden soll (siehe mwN VfGH 2.3.2015, G140/2014 ua; vgl auch VfGH 10.12.2015, G639/2015; 15.10.2016, G103-104/2016 ua). Ist ein solcher Antrag in der Sache begrÃ¼ndet, hebt der Verfassungsgerichtshof aber nur einen Teil der angefochtenen Bestimmungen als verfassungswidrig auf, so fÃ¼hrt dies â€” wenn die sonstigen Prozessvoraussetzungen vorliegen â€” im Ãœbrigen zur teilweisen Abweisung des Antrages (VfSlgÂ 19.746/2013; VfGH 5.3.2014, G79/2013 ua).
Der Verfassungsgerichtshof entscheidet daher â€“ vor dem Hintergrund der Bedenken und der Erforderlichkeit, die den Sitz der Bedenken bildenden Bestimmungen (bei geringstmÃ¶glichem Eingriff in den Gehalt der Rechtsordnung) zu ermitteln â€“ Ã¼ber die Frage, ob gegebenenfalls auch Bestimmungen aufzuheben sind, die nicht prÃ¤judiziell sind, aber mit prÃ¤judiziellen Bestimmungen in einem untrennbaren Zusammenhang stehen (vgl zB VfSlg 19.939/2014, 20.086/2016), nicht im Rahmen der PrÃ¼fung der ZulÃ¤ssigkeit des Antrages, sondern im Einzelnen erst dann, wenn der Verfassungsgerichtshof, erweist sich der Antrag als begrÃ¼ndet, den Umfang der aufzuhebenden Bestimmungen abzugrenzen hat.
1.3. Mit den HauptantrÃ¤gen zu G323/2020 und G324/2020 wendet sich das antragstellende Gericht jeweils gegen die Bestimmung des Â§14 Abs6 Z6 EStGÂ 1988 und gegen die Wortfolge ",Â des Abs6 Z6" in Â§14 Abs12 dritter Satz EStGÂ 1988, jeweils BGBlÂ I 24/2007 sowie die Wortfolge "im Sinne des Abs1 Z3 und 4" in Â§9 Abs5 erster Satz EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I 13/2014.
1.4. Mit der Aufhebung der Z6 in Â§14 Abs6 EStGÂ 1988 wÃ¤re zwar fÃ¼r die Bildung von JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen die Verzinsung mit einem Rechnungszinssatz von 6% beseitigt. Hiedurch wird â€“ wie in den AntrÃ¤gen zutreffend erkannt wird â€“ allerdings noch nicht die Anwendung des Abzinsungssatzes gemÃ¤ÃŸ Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 gewÃ¤hrleistet.
1.5. Soweit jedoch in den HauptantrÃ¤gen die Auffassung vertreten wird, dass durch Aufhebung der Wortfolge "wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen und JubilÃ¤umsgelder betreffen" in Â§9 Abs1 Z3 EStGÂ 1988 die Anwendung des Zinssatzes iHv 3,5% auch auf die nach den GrundsÃ¤tzen des Â§14 EStGÂ 1988 ermittelte Bemessungsgrundlage fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder als langfristige ungewisse Verbindlichkeiten erreicht wÃ¼rde, wird Ã¼bersehen, dass Â§9 Abs2 EStGÂ 1988 anordnet, dass RÃ¼ckstellungen fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder nach Â§14 EStGÂ 1988 zu bilden sind. Damit regelt Â§14 EStGÂ 1988 fÃ¼r JubilÃ¤umsgelder nicht nur den Ansatz dem Grunde nach, sondern abschlieÃŸend auch deren Bewertung.
1.6. Eine den Bedenken des antragstellenden Gerichts Rechnung tragende Bildung von JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen hÃ¤tte somit aber jedenfalls die Anfechtung der in untrennbarem Zusammenhang stehenden Bestimmungen des Â§9 Abs2 EStGÂ 1988 (vgl VfGH 27.11.2020, G8/2020 ua) oder des Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 (vgl VfGH 27.11.2020, G173-174/2020) erfordert.
1.7. Die HauptantrÃ¤ge zu G323/2020 und zu G324/2020 erweisen sich somit als zu eng gefasst und sind daher zurÃ¼ckzuweisen.
1.8. Mit den jeweils unter PunktÂ 2. angefÃ¼hrten EventualantrÃ¤gen wendet sich das antragstellende Gericht gegen Â§14 Abs6 Z6 und die Wortfolge ",Â des Abs6 Z6" in Â§14 Abs12 EStGÂ 1988 jeweils idF BGBlÂ I 24/2007, die Wortfolge ",Â wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen" in Â§9 Abs1 Z3 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I 71/2003 sowie gegen Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I 13/2014. Die EventualantrÃ¤ge erweisen sich als zulÃ¤ssig:
Dem antragstellenden Gericht ist nicht entgegenzutreten, wenn es denkmÃ¶glich davon ausgeht, dass bei Aufhebung des Verweises in Â§14 Abs12 EStGÂ 1988 sowie des Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 die Abzinsung von JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen und von sonstigen langfristigen RÃ¼ckstellungen nach vergleichbaren GrundsÃ¤tzen vorzunehmen wÃ¤re.
2. In der Sache
2.1. Die Bedenken des antragstellenden Gerichts richten sich gegen die unterschiedlichen Abzinsungsfaktoren von 3,5% fÃ¼r die Bildung von langfristigen RÃ¼ckstellungen nach Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 und 6% fÃ¼r die Bildung von JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen nach Â§14 Abs12 iVm Â§14 Abs6 Z6 EStGÂ 1988.
2.2. Die Bedenken des antragstellenden Gerichts treffen nicht zu: Der Verfassungsgerichtshof hat in seinem Erkenntnis vom 27.Â NovemberÂ 2020, G173-174/2020 ausgesprochen, dass der Gleichheitssatz nicht gebietet, den gemÃ¤ÃŸ Â§14 Abs12 iVm Â§14 Abs6 Z6 EStGÂ 1988 geltenden Abzinsungssatz fÃ¼r JubilÃ¤umsgeldrÃ¼ckstellungen an jenen fÃ¼r die Abzinsung sonstiger langfristiger RÃ¼ckstellungen anzupassen.
V. Ergebnis
1. Die ob der VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit des Â§14 Abs6 Z6 EStGÂ 1988 und der Wortfolge ", des Abs6 Z6" in Â§14 Abs12 EStGÂ 1988 jeweils idF BGBlÂ I 24/2007, sowie der Wortfolge ",Â wenn die RÃ¼ckstellungen nicht Abfertigungen, Pensionen oder JubilÃ¤umsgelder betreffen" in Â§9 Abs1 Z3 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I 71/2003 und des Â§9 Abs5 EStGÂ 1988 idF BGBlÂ I 13/2014 erhobenen Bedenken treffen nicht zu. Die AntrÃ¤ge sind daher insoweit abzuweisen.
Im Ãœbrigen sind die AntrÃ¤ge als unzulÃ¤ssig zurÃ¼ckzuweisen.
2. Diese Entscheidung konnte gemÃ¤ÃŸ Â§19 Abs3 Z2 lite iVm Z4 VfGG ohne weiteres Verfahren in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung getroffen werden.