Document Number: JJT_20200518_OGH0002_0150OS00016_20X0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00016.20X.0518.000
Case Number: 15Os16/20x
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1589760000000
Word Count: 3085

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 18.Â MaiÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl sowie die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in der Strafsache gegen Dr.Â G***** W***** wegen des Vergehens nach Â§Â 12 zweiter Fall StGB, Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 1 erster Fall ArtHG und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten sowie Ã¼ber die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Korneuburg als SchÃ¶ffengericht vom 18.Â NovemberÂ 2019, GZÂ 601Â HvÂ 4/19t-344, gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Soweit im Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde relevant wurde Dr.Â G***** W***** mit dem angefochtenen Urteil der Vergehen nach Â§Â 12 zweiter Fall StGB, Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 1 erster Fall ArtHG (I./A./), nach Â§Â 12 zweiter Fall StGB, Â§Â 7 AbsÂ 3 ArtHG (I./B./), nach Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 3 zweiter Fall ArtHG (II./A./), nach Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 2 zweiter Fall ArtHG (II./B./) und der FÃ¤lschung eines Beweismittels nach Â§Â 293 AbsÂ 2 StGB (IV./) schuldig erkannt.
Danach hat er in A***** und andernorts
I./Â im Zeitraum MitteÂ 2011 bis MÃ¤rzÂ 2015 J***** Z***** durch Erteilung des Auftrags zum Kauf und zum Transport nach Ã–sterreich sowie durch Finanzierung von Ankauf und Transport dazu bestimmt, Exemplare einer dem Geltungsbereich des ArtÂ 3 AbsÂ 1 (AnhangÂ A) der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 unterliegenden Art, nÃ¤mlich die im Urteil konkretisierten Rotschwanzamazonen der Art â€žAmazona brasiliensisâ€œ (1./ bis 6./) und Prachtamazonen der Art â€žAmazona pretreiâ€œ (7./ bis 11./), eine Granada Amazone der Art â€žAmazona rhodocorythaâ€œ (14./), einen Hyacinth-Ara der Art â€žAnodorhynchus hyacinthinusâ€œ (16./) sowie zwei Lear-Aras der Art â€žAnodorhynchus leariâ€œ (17./);
A./Â entgegen ArtÂ 8 der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 in Portugal zu kaufen;
B./Â im Anschluss an die zu I./A./ genannten Taten entgegen ArtÂ 9 der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 von Portugal nach A***** zu befÃ¶rdern;
II./Â entgegen ArtÂ 8 der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 ein Exemplar einer dem Geltungsbereich des ArtÂ 3 AbsÂ 1 (AnhangÂ A) der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 unterliegenden Art, nÃ¤mlich die zu I./14./ genannte Granada Amazone;
A./Â am 4.Â MÃ¤rzÂ 2016 in W***** durch Inserieren im Internet zum Verkauf angeboten;
B./Â zumindest im Zeitraum 4. bis 9.Â MÃ¤rzÂ 2016 in A***** vorrÃ¤tig gehalten;
IV./Â in Wi***** und andernorts nachgenannte falsche Beweismittel im ErmittlungsverfahrenÂ ***** des Zollamts S***** (vormals AZÂ ***** der Staatsanwaltschaft Korneuburg) wegen strafbarer Handlungen nach Â§Â 7 Artenhandelsgesetz gebraucht und zwar
A./Â am 22.Â MÃ¤rzÂ 2016 durch Ãœbermitteln eines falschen Ãœbergabevertrags zu der zu I./2./ genannten Rotschwanzamazone an den SachverstÃ¤ndigen Mag.Â G***** B*****;
B./Â am 14.Â MÃ¤rzÂ 2016 durch Vorlage inhaltlich unrichtiger ÃœbergabevertrÃ¤ge zu den zu I./7./ bis 9./ genannten Prachtamazonen im Rahmen seiner Vernehmung als Beschuldigter.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 4, 5, 5a und 9 litÂ a StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, der keine Berechtigung zukommt.
Der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) zuwider wurden durch die Abweisung (ONÂ 343 SÂ 78) des in der Hauptverhandlung am 13.Â September 2019 gestellten Antrags (ONÂ 340 SÂ 2Â f) auf â€žAblehnung des SachverstÃ¤ndigen Dr.Â B***** mangels Sachkunde und wegen Befangenheitâ€œ Verteidigungsrechte nicht verletzt. Bei der PrÃ¼fung der Berechtigung eines Antrags ist von der Verfahrenslage im Zeitpunkt der Antragstellung und den bei derselben vorgebrachten GrÃ¼nden auszugehen (RIS-Justiz RS0099618). Verweist der Antragsteller (wie hier: ONÂ 340 SÂ 2Â f) zur BegrÃ¼ndung seines Antrags lediglich auf andere (gegenstÃ¤ndlich: umfangreiche und auch andere Verfahrensaspekte betreffende) SchriftsÃ¤tze, unterlÃ¤sst er damit den prozessual gebotenen deutlichen und bestimmten Vortrag seiner Argumente fÃ¼r das in der Hauptverhandlung konkret gestellte Begehren (vgl RIS-Justiz RS0118060 [T2, T4], RS0099511 [T7]; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 309Â ff). Die in der Beschwerde nachgetragenen Argumente sind hingegen aufgrund des sich aus dem Wesen des herangezogenen Nichtigkeitsgrundes ergebenden Neuerungsverbots unbeachtlich (RIS-Justiz RS0099117).
Bleibt anzumerken, dass die Enthebung eines SachverstÃ¤ndigen wegen Befangenheit bis zur Beiziehung desselben (durch Vernehmung oder Verlesung des schriftlichen Gutachtens) beantragt werden kann (vgl RIS-Justiz RS0113618). Befangenheit eines SachverstÃ¤ndigen im Sinn des Â§Â 47 AbsÂ 1 ZÂ 3 (iVm Â§Â 126 AbsÂ 4) StPO liegt aber nach Abgabe des schriftlichen Gutachtens nur vor, wenn zu erkennen ist, dass der SachverstÃ¤ndige sein Gutachten auch dann nicht Ã¤ndern wÃ¼rde oder hiezu gewillt wÃ¤re, wenn Verfahrensergebnisse dessen Unrichtigkeit aufzeigen (RIS-Justiz RS0115712).
Auf mangelnde Sachkunde des SachverstÃ¤ndigen gegrÃ¼ndete Einwendungen (Â§Â 126 AbsÂ 4 zweiter Satz StPO) sind nach Vorliegen eines (schriftlichen) Gutachtens hingegen nicht mehr zulÃ¤ssig. Die Beiziehung eines weiteren SachverstÃ¤ndigen kann daher nur mehr im Rahmen eines Verbesserungsverfahrens nach Â§Â 127 AbsÂ 3 StPO erwirkt werden. Ein diesbezÃ¼glicher Antrag muss die in Â§Â 127 AbsÂ 3 SatzÂ 1 StPO angefÃ¼hrten MÃ¤ngel im Befund und im Gutachten (vgl zu diesen RIS-Justiz RS0127941; Hinterhofer, WK-StPO Â§Â 127 RzÂ 35Â ff) unter substanzierter Auseinandersetzung mit den vom SachverstÃ¤ndigen vorgenommenen Modifikationen und ErgÃ¤nzungen schlÃ¼ssig darlegen (RIS-Justiz RS0126626, RS0117263, RS0115712 [T10]; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 373; Hinterhofer, WK-StPO Â§Â 126 RzÂ 120, 138, 162, 174Â f; Danek/Mann, WK-StPO Â§Â 221 RzÂ 23/3).
Die BegrÃ¼ndung einer nach Â§Â 238 AbsÂ 1 StPO gefÃ¤llten abweislichen Entscheidung (auch) im Urteil ist nicht Anfechtungsgegenstand der Nichtigkeitsbeschwerde, weshalb das Vorbringen, die â€žfÃ¼r die Unbefangenheit und Sachkunde des SachverstÃ¤ndigen angefÃ¼hrten GrÃ¼nde im Urteilâ€œ seien â€žunschlÃ¼ssigâ€œ und wÃ¼rden sich mit den Argumenten des Angeklagten nicht â€žsubstantiiertâ€œ auseinandersetzen, ins Leere geht.
Soweit sich die RÃ¼ge auch auf die Abweisung (ONÂ 343 SÂ 78) eines angeblich in der Hauptverhandlung gestellten Antrags auf Bestellung eines weiteren SachverstÃ¤ndigen bezieht, unterlÃ¤sst sie schon die â€“ zur prozessordnungsgemÃ¤ÃŸen AusfÃ¼hrung erforderliche â€“ Angabe der Fundstelle im (208Â Seiten umfassenden) Hauptverhandlungsprotokoll, an der dieser Vorgang dokumentiert sei (RIS-Justiz RS0124172). Mit dem Vorbringen des Verteidigers in der Hauptverhandlung am 18.Â November 2019, â€žall seine BeweisantrÃ¤ge laut Ã„uÃŸerung bzw. Stellungnahme vom 26.Â 08.Â 2019 vollinhaltlich aufrechtâ€œ zu halten (ONÂ 343 SÂ 77), wird im Ãœbrigen ein (Beweis-)Antrag nicht gesetzeskonform gestellt (RIS-Justiz RS0099099 [T11]).
Der Beschwerde zuwider zu Recht abgewiesen (ONÂ 343 SÂ 78) hat das SchÃ¶ffengericht den Antrag (ONÂ 343 SÂ 78) auf Beischaffung â€žder Akte der zustÃ¤ndigen BehÃ¶rde MAÂ 22 in Ã–sterreichâ€œ zum Beweis, dass es sich (soweit im Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde relevant [vgl zum Exemplar Nr.Â 8B den Freispruch USÂ 3]) beim Vogelexemplar Nr.Â 21B um einen Vogel handelt, der â€žvor Inkrafttreten des Artenschutzabkommens durch den Vater des Angeklagten erworbenâ€œ wurde, dass der Vogel â€ždurch die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde, insbesondere Mag.Â H***** und Frau G***** sowie Mag.Â Ko***** besichtigt und befundetâ€œ wurde und â€žfÃ¼r eine RÃ¼ge gegenÃ¼ber dem Angeklagtenâ€œ kein Anlass bestand, â€žsondern die RechtsmÃ¤ÃŸigkeit der VÃ¶gelâ€œ festgestellt wurde. Dieser lieÃŸ nicht erkennen, warum aus dem Akt die UmstÃ¤nde zum Erwerb des Vogels belegbar sein sollten und inwieweit die behauptete Befundung und das Unterbleiben einer â€žRÃ¼ge gegenÃ¼ber dem Angeklagtenâ€œ fÃ¼r die Schuld- oder Subsumtionsfrage relevant wÃ¤re (RIS-Justiz RS0099453; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 327 und 330). Im Ãœbrigen sind nur erhebliche Tatsachen, nicht aber Rechtsfragen Gegenstand der Beweisaufnahme (vgl RIS-Justiz RS0130194, RS0099342; Ratz, WK-StPO Â§Â 343).
Ebenfalls nicht zu beanstanden ist die Abweisung (ONÂ 343 SÂ 78) des Antrags (ONÂ 343 SÂ 78) auf â€žBeischaffung der entsprechenden portugiesischen Aktenâ€œ zum Beweis, â€ždass bei den Vogelexemplaren Nr.Â 3A, 21A und 29B tatsÃ¤chlich Ausnahmen vom Vermarktungsverbot bestehen bzw. solche Ausnahmen auch durch die zustÃ¤ndigen portugiesischen BehÃ¶rden erteilt worden wÃ¤ren, weil es sich bei diesen Vogelexemplaren um VÃ¶gel handelt vor Inkrafttreten des Washingtoner-Artenschutzabkommens bzw. um europÃ¤ische Nachzuchten, sodass eine Ausnahme vom Vermarktungsverbot jedenfalls erteilt worden wÃ¤reâ€œ. Denn zum einen unterblieb im Antrag die Konkretisierung des Beweismittels, zum anderen zielte er auf eine unzulÃ¤ssige ErkundungsbeweisfÃ¼hrung ab (RIS-Justiz RS0099353).
Die Kritik an der BegrÃ¼ndung fÃ¼r die Ablehnung der begehrten Beweisaufnahmen (hier: â€žAbweisung der gestellten BeweisantrÃ¤ge wegen Spruchreifeâ€œ [ONÂ 343 SÂ 78]) Ã¼bersieht, dass die BekÃ¤mpfung des Unterbleibens einer BegrÃ¼ndung nach Â§Â 238 AbsÂ 3 StPO mit VerfahrensrÃ¼ge einen gerade darauf abzielenden Antrag in der Hauptverhandlung voraussetzen wÃ¼rde (RIS-Justiz RS0121628; Ratz, WK-StPO Â§Â 315). Die Richtigkeit der BegrÃ¼ndung fÃ¼r eine abweisliche Entscheidung des SchÃ¶ffengerichts wiederum steht nicht unter Nichtigkeitssanktion, wenn dem Antrag auch nach einer auf den Zeitpunkt der Antragstellung bezogenen Beurteilung durch den Obersten Gerichtshof im Ergebnis keine Berechtigung zukam (RIS-Justiz RS0116749; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 318).
Der zur StÃ¼tzung der BeweisantrÃ¤ge erst in der Nichtigkeitsbeschwerde nachgetragene Verweis auf die Verantwortung des Angeklagten ist prozessual verspÃ¤tet (RIS-Justiz RS0099618).
Die Beschwerde richtet sich auch gegen den Vortrag (Â§Â 252 AbsÂ 2a StPO) von Befund und Gutachten des SachverstÃ¤ndigen Mag.Â B*****, weil der Angeklagte sich zuvor ausdrÃ¼cklich gegen die Verlesung der Gutachten dieses SachverstÃ¤ndigen ausgesprochen habe (ONÂ 343 SÂ 79). Unter dem Aspekt der ZÂ 3 Ã¼bersieht sie, dass das vom Verlesungsverbot des Â§Â 252 AbsÂ 1 StPO umfasste Gutachten (RIS-Justiz RS0132319) ohnehin durch den SachverstÃ¤ndigen in der Hauptverhandlung erstattet wurde (ONÂ 343 SÂ 41Â ff), somit der ergÃ¤nzende Vortrag des schriftlichen Gutachtens kein (nichtigkeitsbegrÃ¼ndendes) Unmittelbarkeitssurrogat darstellt (RIS-Justiz RS0110150 [T4]; Kirchbacher, WK-StPO Â§Â 252 RzÂ 31; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 230). Befundaufnahmen von SachverstÃ¤ndigen sind wiederum SchriftstÃ¼cke im Sinn des Â§Â 252 AbsÂ 2 StPO und daher â€“ sofern sie fÃ¼r die Sache von Bedeutung sind â€“ zu verlesen (Kirchbacher, WK-StPO Â§Â 252 RzÂ 124; RIS-Justiz RS0132319). Aus ZÂ 4 scheitert die Beschwerde schon daran, dass eine Entscheidung des SchÃ¶ffensenats Ã¼ber den Widerspruch gegen die vom Vorsitzenden verfÃ¼gte Verlesung nicht begehrt wurde (Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 314).
Die VerfahrensrÃ¼ge kritisiert schlieÃŸlich das Unterbleiben der in schriftlichen Eingaben des Angeklagten begehrten Vernehmung der Zeugen Mag.Â A***** K*****, Mag.Â W***** H***** und G***** W***** jun sowie der begehrten Beischaffung des gegen J***** Z***** gefÃ¼hrten Strafakts des Bezirksgerichts Lissabon. Damit bezieht sie sich abermals nicht auf in der Hauptverhandlung prozessordnungskonform gestellte AntrÃ¤ge, weil durch den im Rahmen der GegenÃ¤uÃŸerung zum Anklagevortrag in der Hauptverhandlung am 13.Â SeptemberÂ 2019 erfolgten (bloÃŸen) Verweis auf AusfÃ¼hrungen in SchriftsÃ¤tzen (ONÂ 340 SÂ 2Â f) sowie das in der Hauptverhandlung am 18.Â NovemberÂ 2019 erfolgte Vorbringen des Verteidigers, â€žall seine BeweisantrÃ¤ge laut Ã„uÃŸerung bzw. Stellungnahme vom 26.Â 08.Â 2019 vollinhaltlich aufrechtâ€œ zu halten (ONÂ 343 SÂ 77), eine deutliche und bestimmte, mÃ¼ndlich vorgetragene Antragstellung nicht erfolgt ist.
Das einmal mehr zur StÃ¼tzung der behaupteten Antragstellung erst in der Nichtigkeitsbeschwerde Nachgetragene ist prozessual verspÃ¤tet (RIS-Justiz RS0099117).
ZuÂ IV./A./ stellte das SchÃ¶ffengericht fest, dass â€žJ***** Z***** 2014 im Auftrag des Angeklagten einen falschen Ãœbergabevertrag lautend auf den Angeklagten und einen J***** C***** D***** mit der Anmerkung des Transports durch J***** Z***** angefertigtâ€œ und der Angeklagte am 22.Â MÃ¤rzÂ 2016 â€žden unrichtigen Ãœbergabevertrag hinsichtlich 3B (â€¦) dem von der Staatsanwaltschaft Korneuburg bestellten SachverstÃ¤ndigen Mag.Â G***** B***** zum Beweis der RechtmÃ¤ÃŸigkeit des Erwerbs des Exemplars Ã¼bermitteltâ€œ hat (USÂ 8, vgl auch USÂ 9 und 15 [â€žder {falsche} Ãœbergabevertragâ€œ]). ZuÂ IV./B./ konstatierte das Gericht, dass der Angeklagte am 14.Â MÃ¤rzÂ 2016 im Rahmen seiner Vernehmung als Beschuldigter im Ermittlungsverfahren â€ždes Zollamtes (â€¦) und der Staatsanwaltschaft Korneuburgâ€œ â€žin Bezug auf die ExemplareÂ 12A, 13B und 19A einen inhaltlich unrichtigen, auf den 12.Â MaiÂ 2002 datierten und von H***** Br***** unterfertigten Ãœbergabevertrag vorgelegtâ€œ hat, â€žaus dem sich eine angebliche Schenkung der genannten Exemplare durch den bisherigen Inhaber H***** Br***** an G***** W***** ergeben sollâ€œ, und diese VertrÃ¤ge falsch sind (USÂ 9, vgl auch USÂ 12 [â€ždie angeblich getÃ¤tigten ÃœbergabevertrÃ¤geâ€œ] und USÂ 18 [â€žinhaltlich (â€¦) unrichtige Urkundenâ€œ]). In beiden FÃ¤llen erstreckte sich der Vorsatz des Angeklagten auf die inhaltliche Unrichtigkeit der VertrÃ¤ge und kam es dem Angeklagten darauf an, â€žfalsche und inhaltlich unrichtige Urkunden, nÃ¤mlich die angeblich getÃ¤tigten ÃœbergabevertrÃ¤geâ€œ (IV./B./) und â€žeinen falschen Ãœbergabevertrag hinsichtlich ExemplarÂ 3Bâ€œ (IV./A./) â€žzum Beweis der Richtigkeit der von ihm gewÃ¤hlten Einlassungâ€œ in einem Ermittlungsverfahren zu gebrauchen (USÂ 12).
Entgegen der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 erster Fall) sind diese Feststellungen keineswegs undeutlich im Sinn des herangezogenen Nichtigkeitsgrundes (RIS-Justiz RS0089983; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 419).
Soweit die Beschwerde (der Sache nach ZÂ 9 litÂ a) Feststellungen vermisst, â€žwelche konkreten Inhalte der Urkunden, von deren Unrichtigkeit der Angeklagte gewusst habe, verfÃ¤lscht worden seienâ€œ, macht sie mit der bloÃŸen Behauptung, es sei â€žunerlÃ¤sslich, festzustellen, worin die konkrete FÃ¤lschung bestanden hat und auf welche konkreten und qualifiziert verfÃ¤lschten Unrichtigkeiten sich der Vorsatz desjenigen bezogen hat, der die Urkunde gebraucht hatâ€œ, nicht klar, warum es fÃ¼r die Subsumtion nach Â§Â 293 AbsÂ 2 StGB (auch) dieser Feststellungen bedurft hÃ¤tte (PlÃ¶chl/Seidl in WK2 StGB Â§Â 293 RzÂ 9, 17Â f und 31; RIS-Justiz RS0104980).
Ebenso wenig undeutlich iSd ZÂ 5 erster Fall sind die Feststellungen zur subjektiven Tatseite des Angeklagten hinsichtlich der zu I./A./ und B./ genannten Taten. Diesen zufolge wusste â€žund wollte diesâ€œ der Angeklagte, â€ždass es sich bei den in seinem Auftrag durch J***** Z***** angekauften und von Portugal nach A***** befÃ¶rderten oben angefÃ¼hrten Exemplaren um nach AnhangÂ A der VerordnungÂ (EG)Â 338/97 artengeschÃ¼tzte VÃ¶gel handeltâ€œ, fÃ¼r deren Einfuhr, Ausfuhr, Durchfuhr und Handel sowie fÃ¼r deren BefÃ¶rderung innerhalb der Gemeinschaft die erforderlichen Bescheinigungen â€žin den genannten FÃ¤llen nicht vorlag(en)â€œ. Weiters wusste der Angeklagte, dass er â€žJ***** Z***** zu den Tathandlungen bestimmte und wollte diesâ€œ sowie â€žfinanzierte den Kaufâ€œ (USÂ 11Â f).
Indem die Beschwerde fÃ¼r die rechtliche Beurteilung Feststellungen fÃ¼r â€žunabdingbarâ€œ erachtet, â€žauf welche Tathandlungen des J***** Z***** sich das Wissen und der Vorsatz des Angeklagten konkret bezogen hat (der Sache nach ZÂ 9 litÂ a), legt sie nicht dar, warum die getroffenen Feststellungen den Kriterien der BestimmungstÃ¤terschaft nach Â§Â 12 zweiter Fall StGB nicht genÃ¼gen sollten. Diesen zufolge muss nÃ¤mlich eine ausreichend individualisierte Tat dem Bestimmenden nicht in allen Einzelheiten bekannt sein, vielmehr muss das zu begehende Delikt bloÃŸ der Art nach und in groben Umrissen feststehen (RIS-Justiz RS0089717; Fabrizy in WK2 StGB Â§Â 12 RzÂ 58).
Mit Bestreitung der Kenntnis des Angeklagten hinsichtlich der von Z***** â€žin Portugal und wÃ¤hrend der BefÃ¶rderung gesetzten Tathandlungenâ€œ wird bloÃŸ in unzulÃ¤ssiger Form die BeweiswÃ¼rdigung des SchÃ¶ffengerichts zur subjektiven Tatseite bekÃ¤mpft.
Zur Kritik (nominell ZÂ 5 erster Fall), die Tathandlungen zuÂ II./A./ und B./ wÃ¼rden ohne zeitliche Einordnung bleiben, genÃ¼gt der Verweis auf die Konstatierungen (USÂ 11 iVm USÂ 2 und 21) zur Tatzeit 4.Â MÃ¤rzÂ 2016 (II./A./) und den Tatzeitraum 4. bis 9.Â MÃ¤rzÂ 2016 (II./B./). Zu I./A. und B./ wiederum lÃ¤sst das eine konkrete â€žzeitliche Einordnungâ€œ der Taten vermissende Vorbringen keine Undeutlichkeit iSd ZÂ 5 erster Fall erkennen. Mit Blick auf den konstatierten Tatzeitraum â€žMitteÂ 2011 bis MÃ¤rzÂ 2015â€œ (USÂ 5) und die Individualisierung der jeweils betroffenen Vogelexemplare legt die Beschwerde auch nicht dar, warum der genaue Tatzeitpunkt in den gegenstÃ¤ndlichen FÃ¤llen zu den die IdentitÃ¤t der Taten bestimmenden Merkmalen zÃ¤hlen sollte (RIS-Justiz RS0098693, RS0117498, RS0098557; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 290).
Entgegen der Beschwerde (der Sache nach ZÂ 9 litÂ a) hat das SchÃ¶ffengericht nicht nur den Entschluss des Angeklagten und Z***** zur BefÃ¶rderung artengeschÃ¼tzter VÃ¶gel aus Portugal nach Ã–sterreich, sondern auch die Bestimmung des Letzteren durch Ersteren (USÂ 11Â f) und im Ãœbrigen auch die (fÃ¼r die Subsumtion der dem Angeklagten vorgeworfenen Bestimmung ohnehin nicht entscheidenden AusfÃ¼hrungshandlungen Z*****s tatzeitraumbezogen (USÂ 7 bis 12 iVm USÂ 1Â f) festgestellt.
Soweit die RÃ¼ge â€žunmissverstÃ¤ndliche Feststellungenâ€œ zur â€žIllegalitÃ¤tâ€œ der tatgegenstÃ¤ndlichen VÃ¶gel sowie zum darauf bezogenen Vorsatz des Angeklagten vermisst, nimmt sie nicht an der Gesamtheit der EntscheidungsgrÃ¼nde MaÃŸ (RIS-Justiz RS0119370), denen zufolge die dem AnhangÂ A der VerordnungÂ (EG)Â 338/97 unterliegenden VÃ¶gel aus von Brasilien nach Portugal geschmuggelten und dort ausgebrÃ¼teten Eiern stammen und fÃ¼r diese Tiere â€žkeine gÃ¼ltigen bzw. zuordenbaren, fÃ¼r den Ankauf und den Transport von Portugal nach Ã–sterreich notwendigen Genehmigungen der zustÃ¤ndigen VollzugsbehÃ¶rde noch TRACES-Bescheinigungen der entsprechenden VeterinÃ¤rbehÃ¶rdenâ€œ vorlagen (USÂ 6). Indem die rechtmÃ¤ÃŸige Herkunft der VÃ¶gel und WidersprÃ¼che zu den Verfahrensergebnissen behauptet sowie die Feststellungen zum Vorsatz des Angeklagten bestritten werden, bekÃ¤mpft der BeschwerdefÃ¼hrer die BeweiswÃ¼rdigung nach Art einer im SchÃ¶ffenverfahren nicht vorgesehenen Schuldberufung.
Dem Einwand von UnvollstÃ¤ndigkeit (ZÂ 5 zweiter Fall) zuwider haben sich die Tatrichter mit den Angaben des Zeugen H***** Br***** auseinandergesetzt (USÂ 18Â f). Dem Gebot gedrÃ¤ngter Darstellung der EntscheidungsgrÃ¼nde (Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO) folgend waren sie aber nicht gehalten, den vollstÃ¤ndigen Inhalt dieser Zeugenaussage im Einzelnen zu erÃ¶rtern und dahingehend zu untersuchen, wie weit sie fÃ¼r oder gegen die Verantwortung des Angeklagten spricht (RIS-Justiz RS0098377 [ab T7]; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 428). Welche konkreten Angaben unter dem Aspekt der ZÂ 5 zweiter Fall Ã¼ber die ErwÃ¤gungen des Erstgerichts hinaus erÃ¶rterungsbedÃ¼rftig gewesen wÃ¤ren, lÃ¤sst das Vorbringen nicht erkennen.
Ebenso verhÃ¤lt es sich mit der Kritik, das SchÃ¶ffengericht habe sich mit der Verantwortung des Angeklagten (USÂ 13Â ff) nicht â€žhinreichendâ€œ auseinandergesetzt. Dass aus den Beweisergebnissen andere als die von den Tatrichtern gezogenen SchlÃ¼sse mÃ¶glich gewesen wÃ¤ren und jene des Urteils nicht zwingend sind, berechtigt nicht zu einer RÃ¼ge aus ZÂ 5 (RIS-Justiz RS0099455). Aus diesem Grund wird mit der umfangreichen Wiedergabe einzelner Aussagen des Angeklagten zu mehreren Vogelexemplaren sowie mit der eigenstÃ¤ndigen â€“ und jene des Erstgerichts vernachlÃ¤ssigenden (vgl USÂ 15Â ff) â€“ Interpretation der Beweisergebnisse kein Nichtigkeitsgrund zur Darstellung gebracht, sondern in unzulÃ¤ssiger Form die BeweiswÃ¼rdigung des SchÃ¶ffengerichts bekÃ¤mpft.
Der TatsachenrÃ¼ge (ZÂ 5a) ist voranzustellen, dass diese nur unertrÃ¤gliche Feststellungen zu entscheidenden Tatsachen und vÃ¶llig lebensfremde Ergebnisse der BeweiswÃ¼rdigung durch konkreten Verweis auf aktenkundige Beweismittel â€“ unter gleichzeitiger Bedachtnahme auf die Gesamtheit der tatrichterlichen BeweiserwÃ¤gungen â€“ verhindern will (RIS-Justiz RS0118780). Eine Ã¼ber die PrÃ¼fung erheblicher Bedenken hinausgehende Auseinandersetzung mit der Ãœberzeugungskraft von Beweisergebnissen â€“ wie sie die Berufung wegen Schuld des Einzelrichterverfahrens einrÃ¤umt â€“ wird durch sie nicht erÃ¶ffnet (RIS-Justiz RS0119583).
Indem die RÃ¼ge â€žgegen den gesamten (inkriminiert festgestellten) Sachverhaltâ€œ â€žerhebliche Bedenkenâ€œ hat, das Gutachten des SachverstÃ¤ndigen Mag.Â B***** als â€žkeine unbedenkliche Grundlageâ€œ fÃ¼r die getroffenen Feststellungen einstuft und behauptet, die Aussagen der Zeugen H***** HÃ¤***** und G***** S***** wÃ¤ren â€žim Wesentlichen ohne Substratâ€œ, wird sie diesen Anforderungen nicht gerecht. Der in diesem Zusammenhang vorgenommene Verweis auf das Vorbringen zur VerfahrensrÃ¼ge vernachlÃ¤ssigt im Ãœbrigen den wesensmÃ¤ÃŸigen Unterschied der einzelnen NichtigkeitsgrÃ¼nde (RIS-Justiz RS0115902).
Die Ãœberlegungen, warum die Aussage des Zeugen Z***** â€žunzusammenhÃ¤ngend, widersprÃ¼chlich und in hohem MaÃŸ bedenklichâ€œ sei, nehmen Ã¼berwiegend nicht auf konkrete aktenkundige Beweisergebnisse im Kontext mit der Gesamtheit der BeweiswÃ¼rdigung Bezug (RIS-Justiz RS0117446 [T1 und T3]). Soweit einzelne Divergenzen in seinen Angaben isoliert hervorgehoben werden, erschÃ¶pft sich die Beschwerde im â€“ in dieser Form unzulÃ¤ssigen â€“ Versuch, die GlaubwÃ¼rdigkeit des Zeugen in Frage zu stellen (RIS-Justiz RS0099668, RS0099674).
Die zu I./A./ und II./B./ erhobene RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) behauptet, die in ArtÂ 8 AbsÂ 1 der deutschen Fassung der VerordnungÂ (EG)Â NrÂ 338/97 enthaltene Passage â€žzu kommerziellen Zweckenâ€œ beziehe sich auch auf die VorgÃ¤nge des â€žKaufsâ€œ und des â€žVorrÃ¤tighaltensâ€œ, weshalb auch Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 1 erster Fall und ZÂ 2 zweiter Fall ArtHG ein Handeln zu kommerziellen Zwecken voraussetze. Warum aus einer Wortinterpretation der genannten Bestimmung
â€“ wenngleich die Tathandlungen des â€žKaufsâ€œ sowie des â€žAngebots zum Kaufâ€œ gerade nicht mit dem Tatbild des â€žErwerbs zu kommerziellen Zweckenâ€œ verbunden sind, wÃ¤hrend dies bei den daran anschlieÃŸenden Tatbildern der â€žZurschaustellung und Verwendung zu kommerziellen Zweckenâ€œ der Fall ist â€“ die Ansicht des BeschwerdefÃ¼hrers resultieren soll, leitet die Beschwerde nicht methodengerecht aus dem Gesetz ab.
Weshalb die Verwirklichung des Â§Â 293 AbsÂ 2 StGB (IV./) von der ErfÃ¼llung sachverhaltsmÃ¤ÃŸig verbundener TatbestÃ¤nde nach dem ArtHG abhÃ¤ngen sollte, wird ebenso wenig prozessordnungskonform aus dem Gesetz abgeleitet (RIS-Justiz RS0116565; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 588) wie die Behauptung, es kÃ¤me auf eine Auswirkung des manipulierten Beweismittels auf die in den betroffenen Verfahren ergehende Entscheidung an (RIS-Justiz RS0126039; PlÃ¶chl/Seidl in WK2 StGB Â§Â 293 RzÂ 6).
Der Einwand zu I./B./, die â€žVerantwortungâ€œ fÃ¼r den Transport trage nicht ein Auftraggeber sondern der Transporteur, Ã¼bergeht die Feststellungen zu den Bestimmungshandlungen (vgl Â§Â 12 zweiter Fall StGB) des Angeklagten (USÂ 5Â ff und 11Â f).
Weshalb die Feststellungen zum SchuldspruchÂ II./A./ (USÂ 11: â€ž... zum Verkauf angeboten ...â€œ, â€ž... entschlossen, [...] Tiere zu verkaufenâ€œ) eine Subsumtion nach Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 3 zweiter Fall ArtHG nicht tragen, macht die RÃ¼ge mit der Behauptung, es sei noch kein zivilrechtlichen Anforderungen entsprechendes, zur Annahme geeignetes Angebot und kein Bindungswille vorgelegen, nicht klar. Im Ãœbrigen erfordert ein Anbieten zum Verkauf iSd Â§Â 7 AbsÂ 2 ZÂ 3 ArtHG â€“ der Beschwerde zuwider â€“ keinen konkreten Adressaten des Offerts, sondern kann der Tatbestand auch (wie hier) durch ein Angebot an einen unbestimmten Personenkreis im Wege einer Verkaufsplattform im Internet verwirklicht werden.
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen folgt (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.