Document Number: JJT_20200728_OGH0002_0150OS00062_20M0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00062.20M.0728.000
Case Number: 15Os62/20m
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1595894400000
Word Count: 2291

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 28.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in der Strafsache gegen T***** M***** und eine weitere Angeklagte wegen des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten T***** M***** und M***** D***** und Ã¼ber die Berufung der Staatsanwaltschaft betreffend die letztgenannte Angeklagte gegen das Urteil des Landesgerichts Wels als SchÃ¶ffengericht vom 27.Â FebruarÂ 2020, GZÂ 37Â HvÂ 165/19y-93, sowie Ã¼ber die Beschwerde der letztgenannten Angeklagten gegen einen gleichzeitig gefassten Beschluss auf VerlÃ¤ngerung einer Probezeit nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur nichtÃ¶ffentlich (Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019) den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.
Den Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden T***** M***** und M***** D***** jeweils des Vergehens der Vorbereitung von Suchtgifthandel nach Â§Â 28 AbsÂ 1 erster, zweiter und dritter Fall SMG (I.), T***** M***** Ã¼berdies des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG (II.1.) und der Vergehen des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nach Â§Â 27 AbsÂ 1 ZÂ 1 erster, zweiter und siebter Fall, teils AbsÂ 2 SMG (II.2.) sowie M***** D***** Ã¼berdies des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG, teils iVm Â§Â 12 dritter Fall StGB (III.1.), des Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 zweiter und dritter Fall, AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG iVm Â§Â 12 dritter Fall StGB (III.2.), des Vergehens nach Â§Â 4 AbsÂ 1 NPSG iVm Â§Â 12 dritter Fall StGB (III.3.) sowie der Vergehen des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nach Â§Â 27 AbsÂ 1 ZÂ 1 erster und zweiter Fall, AbsÂ 2 SMG (III.4.) schuldig erkannt.
Danach haben in W***** und an anderen Orten des Bundesgebiets
I.Â T***** M***** und M***** D***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als MittÃ¤terinnen vorschriftswidrig Suchtgift in einer die Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge mit dem Vorsatz erworben, besessen und teilweise befÃ¶rdert, dass es in Verkehr gesetzt werde, und zwar caÂ 310Â Gramm (gestrecktes) Amphetamin brutto (= 80,6Â Gramm Amphetamin netto mit einer Reinsubstanz von 11,52Â Gramm Amphetamin zuzÃ¼glich 4,9Â Gramm Amphetamin netto) und caÂ 52Â Gramm Cannabiskraut brutto;
II.Â T***** M*****
1.Â vorschriftswidrig Suchtgift in einer das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge anderen Ã¼berlassen, nÃ¤mlich insgesamt zumindest 364Â Gramm Amphetamin mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von zumindest 14,3Â %, rund 338Â Gramm Cannabiskraut mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von 10Â % THCA und 0,5Â % Delta-9-THC und caÂ 286Â Gramm Heroin mit einem Reinheitsgehalt von 20,9Â %, und zwar ab caÂ JuliÂ 2018 bis September 2019 in einer Vielzahl von Angriffen durch Verkauf an im Ersturteil namentlich Genannte und auch unbekannte Abnehmer;
2.Â im Zeitraum von zumindest 2017/2018 bis 4.Â SeptemberÂ 2019 vorschriftswidrig Suchtgift erworben und besessen, nÃ¤mlich Amphetamin, Methamphetamin, Heroin, Kokain und Cannabiskraut bis zum Eigenkonsum, wobei sie die Straftaten ausschlieÃŸlich zum persÃ¶nlichen Gebrauch begangen hat, sowie im Urteil namentlich Genannten vorschriftswidrig Suchtgift, nÃ¤mlich Heroin und Amphetamin angeboten;
III.Â M***** D*****
1.Â von SommerÂ 2018 bis AugustÂ 2019 vorschriftswidrig Suchtgift â€žteils als BeitragstÃ¤terin nach Â§Â 12 dritter Fall StGBâ€œ in einer das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge anderen â€žÃ¼berlassenâ€œ, indem sie
-Â T***** M***** bei der Ãœberlassung von Suchtgift unterstÃ¼tzte, indem sie ihr (seit zumindest MaiÂ 2019) das NebengebÃ¤ude ihres Wohnhauses bzw das Wohnhaus in *****, als Suchtgiftverkaufsplatz und Suchtgiftbunker zur VerfÃ¼gung stellte, wo diese die zu II. beschriebenen SuchtgiftverkÃ¤ufe teils auch durchfÃ¼hrte und fÃ¼r SuchtgiftverkÃ¤ufe der T***** M***** in vier Angriffen Amphetamin abpackte (drei Mal 25Â Gramm und einmal 10Â Gramm), das T***** M***** zum Verkauf abholte;
-Â die TÃ¤tergruppierung rund um den abgesondert verfolgten S***** V***** bei der Ãœberlassung von Suchtgift unterstÃ¼tzte, indem sie ihr Wohnhaus bzw das NebengebÃ¤ude in *****, als Suchtgiftbunker und Suchtgiftverkaufsplatz zur VerfÃ¼gung stellte, wo das unter III.2. genannte Suchtgift gelagert, gestreckt, verpackt und in der Folge umverteilt wurde,
-Â wobei sie auch selbst teils gemeinsam mit V***** bis etwa FebruarÂ 2019 Cannabiskraut und Amphetamin verkaufte und somit Ã¼berlieÃŸ, und zwar unter anderem insgesamt zumindest 180Â Gramm Amphetamin mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von zumindest 14,3Â % und zumindest 1.704Â Gramm Cannabiskraut mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von 10Â % THCA und 0,5Â % Delta-9-THC in wiederholten Angriffen im Ersturteil namentlich Genannten und unbekannten Abnehmern;
2.Â von Mitte Oktober bis DezemberÂ 2018 vorschriftswidrig Suchtgift in einer das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge â€žals BeitragstÃ¤terin (Â§Â 12 dritter Fall StGB) ein- und ausgefÃ¼hrtâ€œ, und zwar insgesamt zumindest rund 3Â kg Amphetamin mit einem Reinheitsgehalt von 20Â % und 2.300Â StÃ¼ck Ecstasy-Tabletten (MDMA) mit unbekanntem Reinheitsgehalt, indem sie S***** V***** und weitere Personen, die das Suchtgift im Zuge von zwei Schmuggelfahrten von den Niederlanden Ã¼ber Deutschland nach Ã–sterreich einfÃ¼hrten, dadurch unterstÃ¼tzte, dass sie dem Genannten die benÃ¶tigten Zugtickets â€žorganisierteâ€œ und ihr Wohnhaus bzw das NebengebÃ¤ude als Suchtgiftbunker fÃ¼r die geschmuggelten Suchtgifte zur VerfÃ¼gung stellte;
3.Â von Mitte Oktober bis DezemberÂ 2018 â€žals BeitragstÃ¤terin (Â§Â 12 dritter Fall StGB)â€œ mit dem Vorsatz, daraus einen Vorteil zu ziehen, eine mit Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 3 NPSG bezeichnete oder von einer gemÃ¤ÃŸ Â§Â 3 NPSG definierten chemischen Substanzklasse umfasste Neue Psychoaktive Substanz mit dem Vorsatz â€žein- und ausgefÃ¼hrt und anderen Ã¼berlassenâ€œ, dass sie von dem anderen oder einem Dritten zur Erreichung einer psychoaktiven Wirkung im menschlichen KÃ¶rper angewendet wird, indem sie den abgesondert verfolgten S***** V***** und weitere Personen, die im Zuge von zwei Schmuggelfahrten caÂ 1.200Â Gramm Ketamin, welches groÃŸteils zum Weiterverkauf bestimmt war, von den Niederlanden Ã¼ber Deutschland nach Ã–sterreich einfÃ¼hrten, dadurch unterstÃ¼tzte, dass sie ihm die benÃ¶tigten Zugtickets â€žorganisierteâ€œ und ihr Wohnhaus bzw das NebengebÃ¤ude als Bunker fÃ¼r die geschmuggelten Substanzen zur VerfÃ¼gung stellte;
4.Â im Zeitraum von zumindest 24.Â JuliÂ 2018 bis 4.Â SeptemberÂ 2019 vorschriftswidrig Suchtgift erworben und besessen, nÃ¤mlich Amphetamin, Kokain, Methamphetamin, LSD-Trips, Heroin, Ecstasy-Tabletten (MDMA) und Cannabiskraut, wobei sie die Straftaten ausschlieÃŸlich zum persÃ¶nlichen Gebrauch begangen hat.
Rechtliche Beurteilung
Gegen dieses Urteil richten sich die Nichtigkeitsbeschwerden der beiden Angeklagten.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde der Angeklagten M*****:
Nach rechtzeitiger Anmeldung der Nichtigkeitsbeschwerde wurde die Urteilsausfertigung dem Verteidiger am 16.Â MÃ¤rzÂ 2020 zugestellt. Am 29.Â MaiÂ 2020 brachte der Verteidiger eine AusfÃ¼hrung der Nichtigkeitsbeschwerde ein.
Diese erweist sich als verspÃ¤tet.
Nach der Anmeldung der Nichtigkeitsbeschwerde hat der BeschwerdefÃ¼hrer das Recht, binnen vier Wochen nach Zustellung der Urteilsabschrift eine AusfÃ¼hrung seiner BeschwerdegrÃ¼nde beim Gericht zu Ã¼berreichen (Â§Â 285 AbsÂ 1 StPO).
Â§Â 12 AbsÂ 2 1.Â COVID-19-JuBG idF BGBlÂ IÂ 2020/24 ordnet an, dass in Verfahren, in denen â€“ wie hier â€“ die Beschuldigte in Haft angehalten wird, die Fristen, die aufgrund einer gemÃ¤ÃŸ Â§Â 9 ZÂ 3 oder Â§Â 10 1.Â COVID-19-JuBG erlassenen Verordnung unterbrochen waren, mit 14.Â AprilÂ 2020 neu zu laufen beginnen. Die gegenstÃ¤ndliche Frist zur AusfÃ¼hrung der Nichtigkeitsbeschwerde (Â§Â 285 AbsÂ 1 StPO) wurde gemÃ¤ÃŸ Â§Â 3 der Verordnung der Bundesministerin fÃ¼r Justiz BGBlÂ IIÂ 2020/113 am 24.Â MÃ¤rzÂ 2020 unterbrochen und begann daher am 14.Â AprilÂ 2020 neu zu laufen.
Weil der Verteidiger auch bei der Anmeldung der Nichtigkeitsbeschwerde keine NichtigkeitsgrÃ¼nde bezeichnete, war auf diese keine RÃ¼cksicht zu nehmen (Â§Â 285 AbsÂ 1 zweiter Satz StPO).
Im Ãœbrigen haftet dem Urteil die in der verspÃ¤tet eingebrachten RechtsmittelausfÃ¼hrung geltend gemachte Nichtigkeit ebenso wenig an wie eine von Amts wegen wahrzunehmende (vgl RIS-Justiz RS0087874).
Zur Nichtigkeitsbeschwerde der Angeklagten D*****:
Das auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 4, ZÂ 5, ZÂ 5a und ZÂ 9 litÂ a StPO gestÃ¼tzte Rechtsmittel ist nicht berechtigt.
Der Antrag auf Einholung eines neurologisch-psychiatrischen Gutachtens zum Beweis dafÃ¼r, dass die Rechtsmittelwerberin im Tatzeitraum zurechnungsfÃ¤hig war, weil sie an einer wahnhaften StÃ¶rung leide, wobei die Erkrankung in â€žbesseren und schlechteren Phasenâ€œ verlaufe, zielte auf eine im Stadium der Hauptverhandlung unzulÃ¤ssige ErkundungsbeweisfÃ¼hrung ab (RIS-Justiz RS0099353). Denn angesichts des in einem weiteren Strafverfahren des Landesgerichts Wels gegen die Angeklagte eingeholten neurologisch-psychiatrischen Gutachtens vom 18.Â JuliÂ 2018, welches eine die ZurechnungsfÃ¤higkeit im Sinn des Â§Â 11 StGB nicht ausschlieÃŸende wahnhafte StÃ¶rung bei ihr ergab (ONÂ 45 iVm ONÂ 92 SÂ 44), hÃ¤tte es eines ergÃ¤nzenden Vorbringens zur Eignung des Beweismittels, das Beweisthema zu klÃ¤ren, bedurft (Â§Â 55 AbsÂ 1 letzter Satz StPO).
Das den Antrag ergÃ¤nzende Beschwerdevorbringen betreffend eine psychiatrische Untersuchung der Nichtigkeitswerberin nach der Hauptverhandlung hat mit Blick auf das aus dem Wesen des herangezogenen Nichtigkeitsgrundes resultierende Neuerungsverbot auf sich zu beruhen (RIS-Justiz RS0099618).
Der Beweisantrag auf Einholung eines neurologisch-psychiatrischen SachverstÃ¤ndigengutachtens zum Beweis dafÃ¼r, dass die Angeklagte nunmehr nicht mehr an der vormals diagnostizierten Erkrankung leide bzw diese derzeit behandelt werde und diese Behandlung Wirkung zeige, bezieht sich nicht auf eine entscheidende Tatsache und konnte damit ebenfalls ohne Verletzung von Verfahrensrechten abgewiesen werden (RIS-Justiz RS0116503).
Die VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) bezieht sich weiters auf die Abweisung des Beweisantrags auf Vernehmung der ermittelnden Beamten H***** S***** und R***** P***** zum Beweis dafÃ¼r, dass â€ždie Zweitangeklagte keine gemeinsame Sache mit S***** V***** gemacht hat bzw diesen nicht unterstÃ¼tzt hatâ€œ. Auch dieser Beweisantrag zielte auf eine im Hauptverfahren unzulÃ¤ssige ErkundungsbeweisfÃ¼hrung ab. Soweit als Beweisthema angefÃ¼hrt wird, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet habe, betrifft er keine entscheidende Tatsache.
Indem die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5) betreffend III.1. des Schuldspruchs auf die beweiswÃ¼rdigenden ErwÃ¤gungen des SchÃ¶ffengerichts zur Verantwortung der Rechtsmittelwerberin, welche als lebensfremd und bloÃŸe Schutzbehauptung gewertet wurde, Bezug nimmt, erstattet sie bloÃŸ ein Vorbringen nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren nicht zulÃ¤ssigen Schuldberufung.
Unter dem Aspekt des Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 1 StPO scheitert das nominell aus ZÂ 5 erstattete Vorbringen, die Vorsitzende hÃ¤tte eine sehr ablehnende und vorgefestigte Meinung hinsichtlich der Zweitangeklagten vor den SchÃ¶ffen zum Ausdruck gebracht und es wÃ¤re der Anschein entstanden, sie hÃ¤tte die Entscheidung ohnehin alleine getroffen, weil die Nichtigkeitswerberin ihrer RÃ¼geobliegenheit nicht nachgekommen ist (RIS-Justiz RS0097452).
Die Angaben der T***** M***** betreffend die Rechtsmittelwerberin haben die Tatrichter entgegen dem Vorbringen der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 zweiter Fall) sehr wohl berÃ¼cksichtigt. Im Ãœbrigen sind Gegenstand einer Vernehmung nicht EinschÃ¤tzungen oder Meinungen einer Aussageperson, sondern bloÃŸ Wahrnehmungen von Tatsachen (RIS-Justiz RS0097540). Dies verkennt die Beschwerde, indem sie ausfÃ¼hrt, M***** hÃ¤tte im Zuge der Hauptverhandlung angegeben, die Angeklagte D***** hÃ¤tte nichts von deren SuchtgiftverkÃ¤ufen gewusst.
Die MÃ¤ngelrÃ¼ge kritisiert, das Erstgericht hÃ¤tte â€ždie Ã¼blichen Floskelnâ€œ wie â€žlebensfremdâ€œ und â€žbloÃŸ Schutzbehauptungâ€œ verwendet, zeigt damit aber einen BegrÃ¼ndungsmangel (ZÂ 5 vierter Fall) nicht auf.
Indem die weitere MÃ¤ngelrÃ¼ge ausfÃ¼hrt, die Verantwortung der Zweitangeklagten, beim Abpacken der Baggies davon ausgegangen zu sein, die Drogen gemeinsam mit dem neuen Freund der Erstangeklagten zu konsumieren, wÃ¤ren â€“ im Gegensatz zur BeweiswÃ¼rdigung der Tatrichter â€“ keinesfalls widersprÃ¼chlich, sondern durchgehend nachvollziehbar, wird neuerlich bloÃŸ unzulÃ¤ssige BeweiswÃ¼rdigungskritik geÃ¼bt.
Indem die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 zweiter Fall) â€žauf die zahlreichen Abnehmer bzw Konsumentenâ€œ verweist, â€žwelche im abgefÃ¼hrten Ermittlungsverfahren einvernommen wurdenâ€œ, unterlÃ¤sst sie es, einen entsprechenden Aktenbezug herzustellen (vgl RIS-Justiz RS0124172 [T9]).
Soweit sich die Rechtsmittelwerberin auf den Zweifelsgrundsatz beruft, ist ihr zu entgegnen, dass dieser niemals Gegenstand der formellen NichtigkeitsgrÃ¼nde der ZÂ 5 und ZÂ 5a des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO sein kann (RIS-Justiz RS0102162).
Betreffend III.1., 2. und 3. wirft die MÃ¤ngelrÃ¼ge dem Erstgericht vor, keine oder bloÃŸ eine offenbar unzureichende BegrÃ¼ndung fÃ¼r die Feststellungen angefÃ¼hrt zu haben (ZÂ 5 vierter Fall). Damit nimmt sie jedoch nicht MaÃŸ an den EntscheidungsgrÃ¼nden, wonach die Angeklagte D***** selbst zugestand, die Suchtgiftmengen in ihrem Haus gesehen zu haben (USÂ 17Â f). Ebenso haben sich die Tatrichter mit den Angaben des Zeugen S***** V***** auseinandergesetzt (USÂ 18Â f), welcher die Rechtsmittelwerberin auch belastete. Mit den Hinweisen auf die â€žkonkrete Situation der Zweitangeklagtenâ€œ, ihre psychische Erkrankung, ihre SuchtmittelabhÃ¤ngigkeit sowie ihre emotionale, psychische AbhÃ¤ngigkeit vom Zeugen V***** wird neuerlich ein unzulÃ¤ssiges Vorbringen nach Art einer Schuldberufung erstattet. Das gilt auch betreffend die Behauptung, V***** hÃ¤tte sich bloÃŸ an der Zweitangeklagten rÃ¤chen wollen.
Indem die Rechtsmittelwerberin betreffend den Kauf von zwei Zugtickets fÃ¼r V***** ausfÃ¼hrt, dieser hÃ¤tte das Geld sofort an sie zurÃ¼ckgezahlt, weshalb man nicht annehmen kÃ¶nne, dass diese tatsÃ¤chlich Teil der SuchtgiftgeschÃ¤fte waren, Ã¼bt sie neuerlich unzulÃ¤ssige BeweiswÃ¼rdigungskritik und lÃ¤sst Ã¼berdies die BegrÃ¼ndung des Erstgerichts auÃŸer Acht, wonach sie in der Haftverhandlung zugestand, beim Kauf der Tickets gewusst zu haben, dass V***** mit einem weiteren Beteiligten Amphetamine, Ketamine und Ecstasy nach Ã–sterreich holen wollte (USÂ 16Â f).
Die Feststellung, wonach die Zweitangeklagte zu den Tatzeitpunkten in der Lage war, das Unrecht ihrer Taten einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (USÂ 14), lieÃŸ das SchÃ¶ffengericht entgegen dem Vorwurf der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 vierter Fall) nicht unbegrÃ¼ndet (vgl USÂ 21Â f).
Die NichtigkeitsgrÃ¼nde des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO sind voneinander wesensmÃ¤ÃŸig verschieden und daher gesondert auszufÃ¼hren, wobei unter Beibehaltung dieser klaren Trennung deutlich und bestimmt jene Punkte zu bezeichnen sind, durch die sich der Nichtigkeitswerber fÃ¼r beschwert erachtet. Das Vorbringen, â€žum Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die AusfÃ¼hrungen des vorangegangenen Nichtigkeitsgrundes verwiesenâ€œ, entspricht daher nicht der Strafprozessordnung (RIS-Justiz RS0115902).
Mit den Hinweisen, das Erstgericht hÃ¤tte die Angaben der Rechtsmittelwerberin zu Unrecht als Schutzbehauptung deklariert und in der BeweiswÃ¼rdigung die Behauptungen der Staatsanwaltschaft aus der Anklageschrift Ã¼bernommen, wird der Anfechtungsrahmen der TatsachenrÃ¼ge (ZÂ 5a) verlassen (vgl RIS-Justiz RS0099649, RS0100555).
Die RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) behauptet fehlende KausalitÃ¤t des Kaufs der Zugtickets durch die Rechtsmittelwerberin fÃ¼r die Schmuggelfahrten des S***** V*****, weil dieser die Tickets auch selbst am Bahnhof erwerben hÃ¤tte kÃ¶nnen, legt dabei aber nicht dar, weshalb hier keine ursÃ¤chliche und konkret wirksam gewordene FÃ¶rderung der Tat vorliegen sollte (RIS-Justiz RS0089238 [T1, T3], RS0089562, RS0089832). Das gilt auch fÃ¼r das Vorbringen, T***** M***** hÃ¤tte auch â€žohne Schlaferlaubnis im NebengebÃ¤udeâ€œ â€žim Raum von W***** Suchtgift verkaufen kÃ¶nnenâ€œ.
Indem die RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) die Feststellungen zur subjektiven Tatseite bestreitet, verfehlt sie prozessordnungskonforme Darstellung materieller Nichtigkeit (RIS-Justiz RS0099810).
Das Vorbringen der RechtsrÃ¼ge, das Erstgericht hÃ¤tte betreffend III.1. und 2. des Schuldspruchs nicht die Ein- und Ausfuhr einerseits und das Ãœberlassen andererseits zu einer Handlungseinheit zusammenfassen dÃ¼rfen, nimmt nicht MaÃŸ an der angefochtenen Entscheidung, wonach sowohl bei der Ein- und Ausfuhr als auch beim Ãœberlassen jeweils das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge nach Â§Â 28b SMG Ã¼berschritten wurde (vgl RIS-Justiz RS0116676 [T9, T0]).
Dass ein Schuldspruch nach Â§Â 4 AbsÂ 1 NPSG einen Vorsatz erfordern sollte, einen eigenen Vorteil zu ziehen bzw Gewinn zu erwirtschaften, wird ohne methodengerechte Ableitung dieser gewÃ¼nschten Konsequenz aus dem Gesetz lediglich behauptet (RIS-Justiz RS0116565).
Indem die RechtsrÃ¼ge betreffend III.1.10 des Schuldspruchs ausfÃ¼hrt, S***** V***** hÃ¤tte bereits Mitgewahrsam am Suchtgift gehabt, und auf das Beweisverfahren verweist, verfehlt sie neuerlich prozessordnungskonforme Darstellung materiell-rechtlicher Nichtigkeit, weil sie sich nicht an den Feststellungen des Erstgerichts orientiert (USÂ 11; RIS-Justiz RS0099810).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher gemÃ¤ÃŸ Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO schon bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen. Die Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde kommt somit dem Oberlandesgericht zu (Â§Â§Â 285i, 498 AbsÂ 3 StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.