Document Number: JJT_20200729_OGH0002_0130OS00058_20H0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130OS00058.20H.0729.000
Case Number: 13Os58/20h
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1595980800000
Word Count: 772

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 29.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤te und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer, Mag.Â Michel, Dr.Â Oberressl und Dr.Â Brenner in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â Part in der Strafsache gegen Vanessa R***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des schweren Raubes nach Â§Â§Â 142 AbsÂ 1, 143 AbsÂ 1 zweiter Fall StGB und weiterer strafbarer Handlungen, AZÂ 39Â HvÂ 134/19k des Landesgerichts Feldkirch, Ã¼ber die von der Generalprokuratur gegen das Urteil dieses Gerichts vom 9.Â JÃ¤nnerÂ 2020 (ONÂ 155) ergriffene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach Ã¶ffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Mag.Â Leitner, sowie des Verteidigers Dr.Â Pistotnik zu Recht erkannt:
Spruch
In der Strafsache AZÂ 39Â HvÂ 134/19k des Landesgerichts Feldkirch verletzt das Urteil dieses Gerichts vom 9.Â JÃ¤nnerÂ 2020 (ON 155) Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO iVm Â§Â§Â 37 und 35 AbsÂ 1 SMG.
Dieses Urteil, das im Ãœbrigen unberÃ¼hrt bleibt, wird in den SchuldsprÃ¼chen 13, 14 und 15 wegen Vergehen des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nach Â§Â 27 AbsÂ 1 ZÂ 1 erster und zweiter Fall, AbsÂ 2 SMG, demgemÃ¤ÃŸ auch in den Muhammet D*****, David T***** und Jimmy T***** betreffenden StrafaussprÃ¼chen einschlieÃŸlich der Vorhaftanrechnung, ebenso aufgehoben wie die hinsichtlich David T***** gemÃ¤ÃŸ Â§Â 494a StPO gefassten BeschlÃ¼sse und es wird die Sache in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Feldkirch verwiesen.
Mit ihrer Berufung wegen des Ausspruchs Ã¼ber die Strafe in Bezug auf die Angeklagten Muhammet D*****, David T***** und Jimmy T***** wird die Staatsanwaltschaft auf diese Entscheidung verwiesen.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden â€“ soweit hier von Bedeutung â€“ Muhammet D***** (zu 13), David T***** (zu 14) und Jimmy T***** (zu 15) jeweils eines Vergehens des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften nach Â§Â 27 AbsÂ 1 ZÂ 1 erster und zweiter Fall, AbsÂ 2 SMG schuldig erkannt.
Danach haben sie vorschriftswidrig unbekannte Mengen Suchtgift erworben und besessen, wobei sie die Straftaten ausschlieÃŸlich zum persÃ¶nlichen Gebrauch begingen, nÃ¤mlich
(13)Â D***** vom 1. bis zum 6.Â OktoberÂ 2019 in V*****, indem er tÃ¤glich Kokain und Cannabis konsumierte, weiters
(14)Â David T***** vom 13.Â Juli bis zum 6.Â OktoberÂ 2019 in V*****, indem er tÃ¤glich Cannabis konsumierte, und
(15)Â Jimmy T***** vom 7.Â Mai bis zum 6.Â OktoberÂ 2019, indem er tÃ¤glich Cannabis konsumierte.
Dazu trafen die Tatrichter im Wesentlichen dem oben wiedergegebenen Referat der entscheidenden Tatsachen im Urteilstenor (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 1 StPO) entsprechende Feststellungen samt AusfÃ¼hrungen zur subjektiven Tatseite (USÂ 16Â f).
Rechtliche Beurteilung
Gegen dieses Urteil erhob (nur) die Staatsanwaltschaft Berufung wegen des Ausspruchs Ã¼ber die Strafe zum Nachteil sÃ¤mtlicher Angeklagter.
Dieses Urteil steht â€“ wie die Generalprokuratur in ihrer zur Wahrung des Gesetzes ergriffenen Nichtigkeitsbeschwerde zutreffend aufzeigt â€“ mit dem Gesetz nicht im Einklang:
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 37 SMG hat nach Einbringen der Anklage das Gericht die Â§Â§Â 35 und 36 SMG sinngemÃ¤ÃŸ anzuwenden und das Verfahren unter den fÃ¼r die Staatsanwaltschaft geltenden Voraussetzungen mit Beschluss einzustellen.
Nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung hindert der Umstand, dass ein Angeklagter â€“ wie hier â€“ weiterer, mit dem Suchtmittelgesetz in keinem Zusammenhang stehender Verbrechen und Vergehen schuldig erkannt wird, eine vorlÃ¤ufige Verfahrenseinstellung nach Â§ 37 iVm Â§ 35 Abs 1 SMG nicht (RIS-Justiz RS0113621).
Dem Urteilssachverhalt zufolge begingen die Angeklagten Muhammet D*****, David T***** und Jimmy T***** die nach dem SMG inkriminierten Straftaten ausschlieÃŸlich zu ihrem je eigenen persÃ¶nlichen Gebrauch, weshalb das Erstgericht zutreffend das Vorliegen der Privilegierungsvoraussetzung nach Â§ 27 Abs 2 SMG bejahte. Diese entspricht dem in Â§Â 35 AbsÂ 1 SMG genannten Diversionskriterium (RIS-Justiz RS0131952). Wird durch die Tat Â§ 27 Abs 1 und 2 SMG verwirklicht, ist daher Diversion nach Â§ 35 Abs 1 (iVm Â§ 37) SMG â€“ bei Vorliegen auch der weiteren Voraussetzungen und Bedingungen (Â§ 35 Abs 3 bis 7 SMG) â€“ stets geboten. Lehnt das Gericht dies gleichwohl ab, hat es gemÃ¤ÃŸ dem Gebot des Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO, die als erwiesen oder nicht erwiesen angenommenen, entscheidungswesentlichen Tatsachen in den EntscheidungsgrÃ¼nden des Urteils in gedrÃ¤ngter Darstellung anzufÃ¼hren (Danek, WK-StPO Â§Â 270 RzÂ 30Â f), Feststellungen zu treffen, aus denen sich die Nichtanwendung der genannten Diversionsbestimmungen ableiten lÃ¤sst (RIS-Justiz RS0119091 [T7 und T9]; vgl auch 15Â OsÂ 39/16y [Nichtigkeit nach Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 10a StPO]).
Das Fehlen solcher Konstatierungen macht hier die Nichtanwendung von Diversion unschlÃ¼ssig (RIS-Justiz RS0122332), weshalb das angefochtene Urteil in den SchuldsprÃ¼chen wegen Vergehen des unerlaubten Umgangs mit Suchtgiften Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO iVm Â§Â§Â 37 und 35 AbsÂ 1 SMG verletzt.
Da diese Gesetzesverletzung geeignet ist, zum Nachteil der Angeklagten Muhammet D*****, David T***** und Jimmy T***** zu wirken, sah sich der Oberste Gerichtshof veranlasst, ihre Feststellung auf die im Spruch ersichtliche Weise mit konkreter Wirkung zu verknÃ¼pfen (Â§Â 292 letzter Satz StPO). Die Aufhebung der hinsichtlich David T***** gemÃ¤ÃŸ Â§Â 494a StPO gefassten BeschlÃ¼sse war Folge der Beseitigung des diesen Angeklagten betreffenden Strafausspruchs (RIS-Justiz RS0100194).
Mit ihrer in Ansehung der Angeklagten Muhammet D*****, David T***** und Jimmy T***** ergriffenen Berufung war die Staatsanwaltschaft auf diese Entscheidung zu verweisen.