Document Number: JJT_20200331_OGH0002_0120OS00031_20F0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120OS00031.20F.0331.000
Case Number: 12Os31/20f
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1585612800000
Word Count: 772

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 31.Â MÃ¤rzÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-Hummel in der Strafsache gegen Artur M***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens des rÃ¤uberischen Diebstahls nach Â§Â§Â 15, 127, 131 erster Fall StGB Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Artur M***** und Artur K***** gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 14.Â NovemberÂ 2019, GZÂ 33Â HvÂ 8/19i-55, sowie deren Beschwerden gegen zugleich gefasste BeschlÃ¼sse auf Absehen vom Widerruf und VerlÃ¤ngerung von Probezeiten nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerden werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Den Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden Artur M***** und Artur K***** jeweils des Verbrechens des rÃ¤uberischen Diebstahls nach Â§Â§Â 15, 127, 131 erster Fall StGB schuldig erkannt.
Danach haben sie am 15.Â SeptemberÂ 2018 in W***** in einverstÃ¤ndlichem Zusammenwirken fremde bewegliche Sachen GewahrsamstrÃ¤gern des Unternehmens B***** AG mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz wegzunehmen versucht, indem Artur K*****, wÃ¤hrend Artur M***** vor dem GeschÃ¤ftslokal auf ihn wartete, Fleischwaren in einer Sporttasche versteckte und ohne zu bezahlen den Kassenbereich passierte, wobei er dabei von einem Angestellten beobachtet wurde und Artur M***** bei der Betretung des Artur K***** auf frischer Tat [wie Vorgenannter im Zuge des folgenden Gerangels] Gewalt gegen den Angestellten Mohamed A***** A***** anwendeten, um sich oder einem Dritten die weggenommene Sache zu erhalten, indem er (richtig: sie) diesen zuerst festhielt[en und umklammerten, an der Tasche zerrten, den Genannten Ã¼ber Stiegen hinunter in Richtung eines U-Bahn-Aufganges zogen] und [Artur M*****] diesem schlieÃŸlich einen krÃ¤ftigen StoÃŸ gegen den KÃ¶rper versetzte (USÂ 5f).
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richten sich die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten, die Artur M***** auf ZÂ 5 und Artur K***** auf ZÂ 5, 5a, 9 litÂ a, 9 litÂ b und 10, jeweils des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO stÃ¼tzen. Sie schlagen fehl.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Artur M*****:
Der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 vierter Fall) zuwider hat das Erstgericht die Konstatierung, wonach Artur M***** in der Absicht handelte, Artur K***** die weggenommenen Sachen zu erhalten (USÂ 7), keineswegs offenbar unzureichend begrÃ¼ndet. Vielmehr leiteten die Tatrichter diese subjektive Ausrichtung erkennbar aus dem objektiven Tatgeschehen ab (USÂ 10), was unter dem Aspekt der BegrÃ¼ndungstauglichkeit nicht zu beanstanden ist. Soweit der BeschwerdefÃ¼hrer die Verfahrensergebnisse eigenstÃ¤ndig dahin bewertet, dass Artur M***** dem Mitangeklagten bloÃŸ die Flucht ermÃ¶glichen wollte und argumentiert, dass auch der Verbleib der Tasche mit der Diebsbeute im Tatortbereich absichtliches Handeln im Sinn des Â§Â 131 StGB in Frage stelle, bekÃ¤mpft er die BeweiswÃ¼rdigung des SchÃ¶ffensenats nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren unzulÃ¤ssigen Schuldberufung.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Artur K*****:
Indem die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5) spekulative ErwÃ¤gungen dazu anstellt, dass es Artur K***** deshalb nicht mÃ¶glich war, sich der Tasche zu entledigen, weil sie um â€žden Hals bzw die Schulter umgehÃ¤ngt warâ€œ, erschÃ¶pft sie sich ebenfalls in unzulÃ¤ssiger BeweiswÃ¼rdigungskritik.
Ob die nachfolgende Intervention des Angeklagten K***** bei der Auseinandersetzung zwischen Artur M***** und Mohamed A***** A***** von vornherein vereinbart oder â€žabgesprochenâ€œ war, ist fÃ¼r die LÃ¶sung der Schuld-, oder Subsumtionsfrage nicht entscheidend (zum maÃŸgeblichen Vorsatzzeitpunkt vgl im Ãœbrigen RIS-Justiz RS0090015; Reindl-Krauskopf in WK2 StGB Â§Â 5 RzÂ 19Â ff).
Die TatsachenrÃ¼ge (ZÂ 5a) weckt mit dem Hinweis darauf, dass ausschlieÃŸlich Artur M***** TÃ¤tlichkeiten gegen den Zeugen Mohamed A***** A***** gesetzt hat, die Auseinandersetzung auÃŸerhalb der GeschÃ¤ftsrÃ¤umlichkeiten stattfand, sowie mit Spekulationen Ã¼ber eine durch Medikamente hervorgerufene BewusstseinstrÃ¼bung keine erheblichen Bedenken gegen die Richtigkeit des Ausspruchs Ã¼ber entscheidende Tatsachen.
Gleiches gilt fÃ¼r die bloÃŸe Kritik an der dem BeschwerdefÃ¼hrer vom Erstgericht attestierten UnglaubwÃ¼rdigkeit.
Indem die RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) die BegrÃ¼ndung der schulderheblichen Feststellungen in Frage stellt, verfehlt sie den im festgestellten Sachverhalt gelegenen Bezugspunkt materieller Nichtigkeit (vgl RIS-Justiz RS0099810).
Aus welchem Grund die Konstatierungen zur â€žsubjektiven Tatseiteâ€œ zu wenig konkret sein sollen, gibt der BeschwerdefÃ¼hrer nicht bekannt.
Die SubsumtionsrÃ¼ge (ZÂ 10) erschÃ¶pft sich in der bloÃŸen Behauptung, der festgestellte Sachverhalt sei allein Â§Â 127 StGB subsumierbar. Mangels sachbezogener Argumentation ist eine Erwiderung darauf nicht mÃ¶glich.
Gleiches gilt fÃ¼r den Einwand, der Nichtigkeitsgrund nach Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 9 litÂ b StPO liege dann vor, wenn das â€žerkennende Rechtsmittelgerichtâ€œ â€“ im Gegensatz zu den maÃŸgeblichen Urteilskonstatierungen â€“ von einer â€žUnzurechnungsfÃ¤higkeit im Tatzeitpunktâ€œ ausgehen wÃ¼rde (zu den Anfechtungsvoraussetzungen fÃ¼r materielle Nichtigkeit vgl erneut RIS-Justiz RS0099810; Hinterhofer/Oshidari, Strafverfahren RzÂ 9.206Â ff).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ gemÃ¤ÃŸ Â§Â 285d Abs 1 StPO schon bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen. Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die (impliziten) Beschwerden (Â§Â§Â 285i, 498 Abs 3 StPO).
Die Kostenentscheidung beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.