Document Number: JJT_20200130_OLG0009_1320BS00420_19P0000_000
ECLI: ECLI:AT:OLG0009:2020:1320BS00420.19P.0130.000
Case Number: 132Bs420/19p
Application Type: Justiz
Court: OLG Wien
Decision Date: 1580342400000
Word Count: 895

Kopf
Das Oberlandesgericht Wien als Vollzugssenat nach Â§Â 16aÂ StVG hat durch den SenatsprÃ¤sidenten Dr. Dostal als Vorsitzenden sowie die Richterin Dr. Vetter und den fachkundigen Laienrichter Brigadier Steinacher als weitere Senatsmitglieder in der Vollzugssache des H***** B***** Ã¼ber dessen Beschwerde gegen den Beschluss des Landesgerichts ***** vom *****, GZ *****, nach Â§ 121b AbsÂ 3 StVG in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
B e s c h l u s s
gefasst:
Spruch
Die Beschwerde wird als unzulÃ¤ssig zurÃ¼ckgewiesen.
Text
B e g r Ã¼ n d u n g
Mit Beschluss vom ***** wies das Landesgericht ***** als Vollzugsgericht eine Beschwerde des Untergebrachten H***** B***** vom ***** (ON 1) zurÃ¼ck.
BegrÃ¼ndend wurde angefÃ¼hrt, dass dieser mit Schreiben vom ***** (als Beschwerde gemÃ¤ÃŸ Â§ 120 StVG gegen die Fehlentscheidungen des Anstaltsleiters bezeichnet) moniere, dass er unrechtmÃ¤ÃŸig auf einer MÃ¤nnerabteilung angehalten sei, wiewohl er als Frau, die er in Wahrheit sei, auf der Frauenabteilung unterzubringen sei. Bezugnehmend auf den Erlass des BMVRDJ, GD 41711-II3/2019 vom 9. Mai 2019 (ON 2 S 7) sei die Unterbringung des H***** B*****, der bislang keine PersonenstandsÃ¤nderung durchgefÃ¼hrt habe, rechtmÃ¤ÃŸig. DarÃ¼ber hinaus erwog das Erstgericht, dass keine inhaltliche Erledigung eines Ansuchens oder einer Beschwerde vorliege, aber auch keine Anordnung oder ein Verhalten des Anstaltsleiters, sodass mit ZurÃ¼ckweisung vorzugehen sei.
Dagegen richtet sich die rechtzeitige Beschwerde des H***** B***** (ON 8), der weitschweifig beklagt, dass ihm eine falsche IdentitÃ¤t untergeschoben werde und eine mÃ¤nnliche Person mit dem Namen H***** B***** nicht existiere. Er selbst bezeichnet sich als Frau F***** Z***** B*****. Er sei auch ohne Hormontherapie, Operation, Gutachten und PersonenstandsÃ¤nderung eine Frau und wolle auch so behandelt werden. Es liege eine systemimmanente Transphobie an Transfrauen vor, die an ihm abreagiert werde. Alle TransmÃ¤nner seien in die MÃ¤nnerabteilung zu verlegen, alle Transfrauen in die Frauenabteilung. Durch die Entscheidung des Landesgericht ***** werde er diskriminiert. Weiters wÃ¼rden ihm MÃ¤nnlichkeit, GefÃ¤hrlichkeit, ZurechnungsunfÃ¤higkeit und PersÃ¶nlichkeitsstÃ¶rungen in den BeschlÃ¼ssen gegen seinen Willen aufgezwungen. Ãœber seine IdentitÃ¤t hÃ¤tten die Gerichte nichts zu sagen. Das Landesgericht ***** habe paranoide Wahnvorstellungen.
Rechtliche Beurteilung
Nach Â§ 16a Abs 3 StVG ist gegen den Beschluss des Vollzugsgerichts nach Â§ 16 Abs 3 StVG eine Beschwerde nur dann zulÃ¤ssig, wenn die Entscheidung von der LÃ¶sung einer Rechtsfrage abhÃ¤ngt, der zur Wahrung der Rechtseinheit, Rechtssicherheit oder Rechtsentwicklung erhebliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Vollzugsgericht von der bisherigen hÃ¶chstgerichtlichen Rechtsprechung abweicht, eine solche fehlt oder uneinheitlich ist.
GemÃ¤ÃŸ Â§ 16 Abs 3 StVG entscheidet das Vollzugsgericht am Sitz des Oberlandesgerichts, in dessen Sprengel die Freiheitsstrafe vollzogen wird, Ã¼ber Beschwerden Z 1. gegen eine Entscheidung oder Anordnung des Anstaltsleiters, Z 2. wegen Verletzung eines subjektiven Rechts durch ein Verhalten des Anstaltsleiters und Z 3. wegen Verletzung der Entscheidungspflicht durch den Anstaltsleiter.
Nur wenn sich eine Beschwerde gegen eine Entscheidung, Anordnung oder ein Verhalten des Anstaltsleiters oder gegen die Verletzung der Entscheidungspflicht durch den Anstaltsleiter richtet und dieser der Beschwerde nicht selbst abhilft, hat darÃ¼ber das Vollzugsgericht zu entscheiden.
Â§ 22 Abs 3 StVG normiert allgemein, dass Entscheidungen der VollzugsbehÃ¶rden oder Anordnungen derselben oder ihrer Organe - mit Ausnahme von hier nicht in Betracht kommenden - ohne fÃ¶rmliches Ermittlungsverfahren und ohne Bescheid zu erlassen sind. Es ist dabei zunÃ¤chst gleichgÃ¼ltig, ob durch diese Anordnungen und Entscheidungen subjektiv-Ã¶ffentliche Rechte des Strafgefangenen begrÃ¼ndet werden oder nicht (Drexler/Weger, StVG4 Â§ 22 Rz 4).
Wenn aber der Strafgefangene behauptet durch die Entscheidung oder Anordnung in einem subjektiv-Ã¶ffentlichen Recht verletzt worden zu sein, ist ein formelles, mit Bescheid zu erledigendes Beschwerdeverfahren nach Â§Â§ 120 f durchzufÃ¼hren (Drexler/Weger, StVG4 Â§ 22 Rz 5).
Mit diesem Bescheid ist Ã¼ber das Vorbringen entweder bei Vorliegen eines subjektiv-Ã¶ffentlichen Rechts inhaltlich abzusprechen oder die Beschwerde aus formellen GrÃ¼nden oder mangels Bestehen eines solchen Rechtes zurÃ¼ckzuweisen (Drexler/Weger, StVG4 aao).
FÃ¼r die Frage, ob der Anstaltsleiter Ã¼ber eine Beschwerde des Strafgefangenen mit Bescheid zu entscheiden hat, kommt es nicht darauf an, ob die Behauptung der Verletzung subjektiver Rechte letztlich zu Recht besteht, oder nicht, sondern lediglich darauf, ob nach dem Inhalt der Beschwerde erkennbar das Ziel verfolgt wird, dass eine bereits individuell eingetretene Rechtsverletzung bescheidmÃ¤ÃŸig festgestellt wird (Drexler/Weger StVG4 Â§ 122 RzÂ 2, Â§ 120 Rz 7).
H***** B***** leitet seine Eingabe vom ***** (ONÂ 1) mit â€žBeschwerde gemÃ¤ÃŸ Â§ 120 StVG gegen die Fehlentscheidungen der Anstaltsleitungâ€œ ein. Er behauptet, dass er trotz mehrerer Beschwerden und AntrÃ¤ge nicht in die Frauenabteilung verlegt worden sei (ON 1 SÂ 5) und dass er immer noch darauf bestehe in die Frauenabteilung verlegt zu werden (ON 1 S 7).
Fallkonkret ist aus der Eingabe des H***** B***** (ON 1) zu folgern, dass er sein Anliegen um Verlegung in die Frauenabteilung zum Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens nach Â§Â§ 120 f StVG machen und eine bescheidfÃ¶rmige Entscheidung erwirken wollte. Aus dieser Eingabe ist sohin zu entnehmen, dass eine bescheidmÃ¤ÃŸige Feststellung einer bereits individuell eingetretenen Rechtsverletzung moniert wird.
Die Stellungnahme des Anstaltsleiters (ON 2) zu seiner Eingabe ist H***** B***** zwar letztlich zugekommen. Dieser ist aber kein Bescheidwille zu unterstellen, zumal sie weder an diesen gerichtet ist, noch der Wille erkennbar wÃ¤re, irgendeinen Antrag zu erledigen oder einen Anspruch bescheidmÃ¤ÃŸig festzustellen (vgl HengstschlÃ¤ger/Leeb AVG Â§ 58 Rz 16 mwN).
Sohin liegt wie vom Vollzugsgericht zutreffend erkannt fallkonkret (noch) keine Entscheidung des Anstaltsleiters vor, denn Entscheidungen sind inhaltliche Erledigungen von Ansuchen oder Beschwerden (vgl Pieber in WK2 StVG Â§ 16 Rz 11/3, Drexler/Weger StVG4 Â§ 120 Rz 1).
Der auf eine bescheidfÃ¶rmige Erledigung abzielende Antrag ON 1 wird aber zustÃ¤ndigkeitshalber dem Anstaltsleiter zu Ã¼berweisen sein.