Document Number: JJT_20200427_OGH0002_0120OS00148_19K0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120OS00148.19K.0427.000
Case Number: 12Os148/19k
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1587945600000
Word Count: 2366

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 27.Â AprilÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-Hummel in der Strafsache gegen Hermann P***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens der Untreue nach Â§Â 153 AbsÂ 1 und 3 zweiter Fall StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten Ergun S***** gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 18.Â AprilÂ 2019, GZÂ 121Â HvÂ 13/18w-201, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 zu Recht erkannt:
Spruch
Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil, das im Ãœbrigen unberÃ¼hrt bleibt, hinsichtlich des Angeklagten Hermann P***** im SchuldspruchÂ A./I./ und hinsichtlich des Angeklagten Ergun S***** in den SchuldsprÃ¼chenÂ A./I./ und II./, demgemÃ¤ÃŸ auch in den diese Angeklagten betreffenden StrafaussprÃ¼chen aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien verwiesen.
Mit dem sich auf die SchuldsprÃ¼cheÂ A./I./ und II./ beziehenden Teil seiner Nichtigkeitsbeschwerde und mit seiner Berufung wird der Angeklagte Ergun S***** auf diese Entscheidung verwiesen.
Die Nichtigkeitsbeschwerde im Ãœbrigen wird zurÃ¼ckgewiesen.
Ergun S***** fallen auch die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil, das auch rechtskrÃ¤ftige SchuldsprÃ¼che und ebensolche FreisprÃ¼che beider Angeklagter enthÃ¤lt, wurden Hermann P***** â€“ soweit hier von Bedeutung â€“ des Verbrechens der Untreue nach Â§Â 153 AbsÂ 1 und 3 zweiter Fall StGB (A./I./) und Ergun S***** des Verbrechens der Untreue nach Â§Â§Â 153 AbsÂ 1 und 3 zweiter Fall, 12 dritter Fall StGB (A./I./ und II./), des Verbrechens der Veruntreuung nach Â§Â 133 AbsÂ 1 und 2 zweiter Fall StGB (B./), des Verbrechens der betrÃ¼gerischen Krida nach Â§Â 156 AbsÂ 1 iVm Â§Â 161 AbsÂ 1 StGB (C./I./1./d./ und 2./a./) sowie des Vergehens der grob fahrlÃ¤ssigen BeeintrÃ¤chtigung von GlÃ¤ubigerinteressen nach Â§Â 159 AbsÂ 2 und 5 ZÂ 3, (zu ergÃ¤nzen â€“ vgl USÂ 61) 4 und 5 iVm Â§Â 161 AbsÂ 1 StGB (C./II./1./a./ und b./, 2./b./ und 3./) schuldig erkannt.
Danach haben in W***** Ergun S***** hinsichtlich der E***** GmbH von 1.Â JÃ¤nnerÂ 2009 bis 6.Â MÃ¤rzÂ 2009 und von 11.Â FebruarÂ 2010 bis 13.Â JuliÂ 2013 als eingetragener sowie von 6.Â MÃ¤rzÂ 2009 bis 11.Â FebruarÂ 2010, von 13.Â JuliÂ 2013 bis 2016 und hinsichtlich der EC***** GmbH von 31.Â MÃ¤rzÂ 2010 bis 21.Â AprilÂ 2016 als faktischer GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer und Hermann P***** hinsichtlich der letzterwÃ¤hnten Gesellschaft von 31.Â MÃ¤rzÂ 2010 bis 21.Â AprilÂ 2016 als eingetragener GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer
A./Â die ihnen â€žals eingetragene GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer beziehungsweise durch Vollmacht eingerÃ¤umte Befugnis, Ã¼ber die ihnen von Anlegern fÃ¼r den Ankauf von Edelmetallen gegebenen Gelder zu verfÃ¼gen, dadurch wissentlich missbraucht und den Anlegern nachgenannter Gesellschaften einen insgesamt 300.000Â Euro Ã¼bersteigenden VermÃ¶gensnachteil zugefÃ¼gt, dass sie entgegen ihrer Verpflichtung, in unmittelbarer zeitlicher NÃ¤he fÃ¼r die Anleger Edelmetalle anzukaufen, das ihnen Ã¼bergebene Geld nicht fÃ¼r den Kauf von Edelmetallen verwendeten, sondern in nachstehend angefÃ¼hrten BetrÃ¤gen anderswertig investiertenâ€œ, und zwar:
I./Â Hermann P***** und Ergun S*****
â€“ dieser als Beteiligter (Â§Â 12 dritter Fall StGB) im Hinblick auf die faktische und psychische Einwirkung auf den Angeklagten P***** und dessen Entscheidungen â€“ die Anleger der EC***** GmbH in HÃ¶he von 1,39Â MioÂ Euro;
II./Â Ergun S***** die Anleger der E***** GmbH in HÃ¶he von 668.359,50Â Euro;
C./I./Â Ergun S***** als leitender Angestellter der EC***** GmbH (1./) und der E***** GmbH (2./) durch Behebung von BargeldbetrÃ¤gen von den Gesellschaftskonten Bestandteile des VermÃ¶gens der genannten Gesellschaften beiseite geschafft und dadurch die Befriedigung deren GlÃ¤ubiger vereitelt, und zwar:
1./d./Â in einverstÃ¤ndlichem Zusammenwirken mit Hermann P***** durch GewÃ¤hrung eines Darlehens an die C***** GmbH in HÃ¶he von 127.838,14Â Euro,
2./a./Â durch Zahlungen ohne Gegenleistung an Ergun S***** in HÃ¶he von 65.300Â Euro;
II./Â Ergun S***** als leitender Angestellter in Kenntnis der ZahlungsunfÃ¤higkeit der (zu C./I./) genannten Gesellschaften grob fahrlÃ¤ssig die Befriedigung deren GlÃ¤ubiger dadurch vereitelt, indem er entgegen den GrundsÃ¤tzen ordentlichen Wirtschaftens
1./Â Ã¼bermÃ¤ÃŸigen, mit den VermÃ¶gensverhÃ¤ltnissen der Gesellschaft in auffallendem Widerspruch stehenden Aufwand betrieb, und zwar
a./Â ab Ende MaiÂ 2011 in Bezug auf die EC***** GmbH hinsichtlich folgender Ausgaben:
aa./Â 321.000Â Euro an Provisionen,
ab./Â 186.000Â Euro an Veranstaltungsaufwand,
ac./Â 152.000Â Euro an Seminaraufwand,
ad./Â 80.000Â Euro fÃ¼r Ãœbersetzungen,
ae./Â 58.000Â Euro an Mietaufwand;
b./Â ab Ende DezemberÂ 2009 in Bezug auf die E***** GmbH hinsichtlich folgender Ausgaben:
ba./Â 69.171,19Â Euro fÃ¼r Pkws und Vespas;
bb./Â 3.839,64Â Euro an GeschÃ¤ftsfÃ¼hrergehalt fÃ¼r Milan K*****;
2./Â ab Ende DezemberÂ 2009 die GeschÃ¤ftsbÃ¼cher der E***** GmbH so fÃ¼hrte, dass ein zeitnaher Ãœberblick Ã¼ber die wahre VermÃ¶gens-, Finanz- und Ertragslage erheblich erschwert war;
3./Â ab Ende DezemberÂ 2009 die JahresabschlÃ¼sse der E***** GmbH zum jeweils 31.Â Dezember der JahreÂ 2007 bis 2010, zu deren Erstellung er verpflichtet war, so spÃ¤t erstellte, dass ein zeitnaher Ãœberblick Ã¼ber die wahre VermÃ¶gens-, Finanz-, und Ertragslage erheblich erschwert wurde.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf ZÂ 5 und 9 litÂ a des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Ergun S*****.
Aus deren Anlass (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO) Ã¼berzeugte sich der Oberste Gerichtshof in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur zunÃ¤chst von nicht geltend gemachter Nichtigkeit (Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 9 litÂ a StPO) in Bezug auf die
â€“ auch den Angeklagten P***** (der keine Nichtigkeitsbeschwerde erhoben hat) betreffenden â€“ SchuldsprÃ¼cheÂ A./I./ und II./.
Die Generalprokuratur fÃ¼hrt dazu Folgendes aus:
Die Verwirklichung des Tatbestands der Untreue setzt zunÃ¤chst die Befugnis des TÃ¤ters voraus, (unmittelbar) Ã¼ber fremdes VermÃ¶gen zu verfÃ¼gen (vgl RIS-Justiz RS0120455; Kirchbacher/Presslauer in WKÂ² StGB Â§Â 153 RzÂ 3Â ff). Der VermÃ¶gensschaden muss demjenigen erwachsen, Ã¼ber dessen VermÃ¶gen der TÃ¤ter verfÃ¼gt; eine SchÃ¤digung Dritter an ihrem VermÃ¶gen reicht nicht aus (RIS-Justiz RS0106192). Als VermÃ¶gensschaden iSd Â§Â 153 StGB ist Ã¼berdies nur jener anzusehen, der unmittelbar aus der unter Befugnismissbrauch gesetzten Handlung (â€ždadurchâ€œ) entstanden ist (RIS-Justiz RS0130418; Leukauf/Steininger/Flora, StGB4 Â§Â 153 RzÂ 28).
Zum Inhalt und Umfang der (jeweiligen) Befugnis ist dem Urteil lediglich zu entnehmen, dass das Anlegerkapital nach den Allgemeinen GeschÃ¤ftsbedingungen der beiden Gesellschaften bereits am nÃ¤chsten Banktag fÃ¼r den Ankauf von Edelmetallen verwendet werden sollte (USÂ 13), die VerfÃ¼gungsmacht der Angeklagten Ã¼ber das Geld der Anleger â€žbegrenztâ€œ war und sie â€ždarÃ¼ber hinausâ€œ keine VermÃ¶gensdispositionen ohne Zustimmung â€žihrer Machtgeberâ€œ durchfÃ¼hren durften (USÂ 14).
Die Ã¼brigen Urteilsannahmen zu der den Angeklagten eingerÃ¤umten Befugnis, Ã¼ber das â€žGeldâ€œ der Anleger (USÂ 14; bzw Ã¼ber deren â€žVermÃ¶genâ€œ [USÂ 11, 19], die â€žKundengelderâ€œ [USÂ 15Â f, 18] oder das â€žKundenvermÃ¶genâ€œ [USÂ 18]) zu verfÃ¼gen (vgl auch USÂ 57, 59 und 62) â€“ die bei P***** auf seine Eigenschaft â€žals GeschÃ¤ftsfÃ¼hrerâ€œ der EC***** GmbH (im Folgenden EC*****; USÂ 15Â f und 17Â f), auf die â€žAGB der Gesellschaftenâ€œ sowie auf â€ždie einzelnen KundenvertrÃ¤geâ€œ (USÂ 14, 16) und hinsichtlich S***** auf seine Stellung â€žals eingetragener GeschÃ¤ftsfÃ¼hrerâ€œ bzw â€žals gesetzlicher Vertreter der E***** GmbHâ€œ (im Folgenden E*****), auf â€ždiverse Vollmachtenâ€œ und auf â€ždie Zeichnungsberechtigung auf den Konten der E*****â€œ (USÂ 19 und 59) zurÃ¼ckgefÃ¼hrt wurde â€“, blieben in Ansehung der Ausgestaltung und des inhaltlichen Umfangs dieser (zum Teil offenbar auch die Vertretung der Gesellschaften betreffenden) Befugnis jeweils ohne ausreichenden Sachverhaltsbezug (RIS-Justiz RS0119090, RS0098936; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 8).
â€žDas Gold wurdeâ€œ â€“ soweit es tatsÃ¤chlich zu GoldankÃ¤ufen kam â€“ â€žnamens der Gesellschaft gekauftâ€œ (USÂ 14).
In Bezug auf die EC***** wurden von den Kunden Ã¼berwiesene Gelder im Gesamtbetrag von 1,39Â MioÂ â‚¬ nicht fÃ¼r den Ankauf von Edelmetallen, sondern anderweitig verwendet (USÂ 15), und zwar fÃ¼r auflaufende Kosten in der EC***** und in anderen S***** zuzurechnenden Gesellschaften oder zur Entwicklung neuer Produkte und Projekte (USÂ 17). Auch â€žS***** bzw die E*****â€œ traf die Verpflichtung, das â€žKundengeldâ€œ fÃ¼r den Ankauf von Gold zu verwenden, was S***** zumindest in einem Betrag von 668.359,50Â â‚¬ unterlieÃŸ, â€žweil er die liquiden Mittel fÃ¼r seine finanziell beeintrÃ¤chtigte Gesellschaft dringend benÃ¶tigteâ€œ, â€žum die Fixkosten der Gesellschaft zu deckenâ€œ (USÂ 18). S***** wurde Ã¼berdies ein Tatbeitrag zum Befugnismissbrauch des P***** angelastet (USÂ 16Â f).
Dass die Angeklagten jene Handlungen, durch die die Anleger (letztlich) geschÃ¤digt wurden, im Rahmen einer ihnen von den Kunden eingerÃ¤umten Befugnis in deren Namen gesetzt hÃ¤tten, ist den Konstatierungen nicht zu entnehmen. Vielmehr lÃ¤sst die festgestellte Verwendung des von den Kunden investierten Kapitals fÃ¼r die jeweilige Gesellschaft (bzw hinsichtlich der EC***** fÃ¼r sonstige S***** zuzurechnende Gesellschaften) darauf schlieÃŸen, dass die Angeklagten â€“ im Rahmen ihrer Befugnis als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der jeweiligen Gesellschaft â€“ stets im Namen der (nach den Feststellungen indes dadurch nicht geschÃ¤digten) EC***** bzw der E***** handelten (zur Abgrenzung des Tatbestands der Untreue von jenem der Veruntreuung unter diesem Aspekt vgl 13Â OsÂ 110/18b sowie Salimi in WKÂ² StGB Â§Â 133 RzÂ 140).
DarÃ¼ber hinaus ist auf Basis der im Urteil festgestellten Verpflichtung der Angeklagten, das Geld der Anleger auf ganz bestimmte Art und Weise zu investieren, wobei jegliche sonstige VermÃ¶gensdisposition ausdrÃ¼cklich deren Zustimmung bedÃ¼rfte (USÂ 14), richtigerweise davon ausgehen, dass P***** und S***** in Bezug auf â€ždas VermÃ¶genâ€œ der GeschÃ¤digten keine rechtliche VerfÃ¼gungsmacht (iSd Â§Â 153 StGB) eingerÃ¤umt, sondern (lediglich) ein konkreter Verwendungsauftrag (mit tatsÃ¤chlich bestehender VerfÃ¼gungsmÃ¶glichkeit) erteilt wurde (vgl dazu Kirchbacher/Presslauer in WKÂ² StGB Â§Â 153 RzÂ 48, 49).
Der zu A./I./ und II./ festgestellte Sachverhalt vermag daher den Schuldspruch des Angeklagten S***** wegen des Verbrechens der Untreue nach den Â§Â§Â 153 AbsÂ 1 und AbsÂ 3 zweiter Fall, 12 dritter Fall StGB nicht zu tragen.
Da GeldbetrÃ¤ge (einschlieÃŸlich Giralgeld [RIS-Justiz RS0093878]), die â€“ nicht zur (wenigstens) zeitweilig freien Disposition, sondern â€“ mit einer konkreten Verwendungsbestimmung Ã¼bergeben wurden, als â€žanvertrautâ€œ im Sinn des Â§Â 133 AbsÂ 1 StGB anzusehen sind, kÃ¤me gegebenenfalls â€“ aufgrund deren zweckwidriger Verwendung â€“ Veruntreuung in Betracht (RIS-Justiz RS0119788 [T3]). Ob dieser Tatbestand in objektiver und subjektiver Hinsicht erfÃ¼llt ist, wurde aber nicht durch Feststellungen geklÃ¤rt, insbesondere fehlt es an Konstatierungen zu einem auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichteten Vorsatz. Sofern die Angeklagten die Anleger allenfalls schon mit TÃ¤uschungs-, SchÃ¤digungs- und Bereicherungsvorsatz im Sinn des Â§Â 146 StGB zur Ãœberweisung des Kapitals verleitet hatten, wÃ¤re eine Beurteilung als Betrug zu erwÃ¤gen (vgl RIS-Justiz RS0094372).
Der Oberste Gerichtshof hat erwogen:
Das SchÃ¶ffengericht hat (ebenso wie die AnklagebehÃ¶rde [vgl ONÂ 146]) den Angeklagten als Befugnismissbrauch im Wesentlichen angelastet, dass diese ihrer Verpflichtung zum Ankauf von Edelmetallen nicht nachkamen, sondern die hierfÃ¼r gewÃ¤hrten finanziellen Mittel â€žanderwertigâ€œ verwendeten, wobei insofern im Urteil bloÃŸ beispielsweise Kosten im Zusammenhang mit Gesellschaften des Angeklagten S***** und mit der Entwicklung von neuen â€žProdukten und Projektenâ€œ angefÃ¼hrt werden (vgl insb USÂ 3, 15, 17Â ff). Inwieweit ein solches Verhalten Missbrauch rechtlicher Vertretungsmacht (vgl statt vieler Kienapfel/Schmoller SB BT II2 Â§Â 153 RzÂ 49Â ff) Ã¼ber das VermÃ¶gen der jeweiligen Anleger darstellen soll, geht daraus nicht hervor. FÃ¼r die Annahme, dass der jeweilige VermÃ¶gensschaden schon aus der NichtausÃ¼bung der Befugnis zum Ankauf der VermÃ¶genswerte (dh aus der Nichtvornahme gewinnversprechender Investitionen) entstanden wÃ¤re (vgl Â§Â 153 AbsÂ 1 StGB: â€ždadurchâ€œ; siehe auch RIS-Justiz RS0130418), gibt das Urteil nichts her. Die Konstatierungen zur (nachfolgenden) bestimmungswidrigen â€žVerwendungâ€œ der Anlegergelder lassen es wiederum auch als denkbar erscheinen, dass die Angeklagten gar kein Â§Â 153 AbsÂ 1 StGB subsumierbares Verhalten, sondern bloÃŸ (tatsÃ¤chliche oder rechtsgeschÃ¤ftliche) Zueignungshandlungen im Sinn des Â§Â 133 StGB gesetzt haben.
In diesem Zusammenhang bleibt daher â€“ im Sinn der zutreffenden AusfÃ¼hrungen der Generalprokuratur â€“ anzumerken, dass im Fall einer rechtsgeschÃ¤ftlichen Zueignung â€“ auch unkÃ¶rperlicher WirtschaftsgÃ¼ter â€“ entscheidendes Kriterium fÃ¼r die Abgrenzung von Veruntreuung und Untreue ist, ob der TÃ¤ter im eigenen Namen handelt oder im Namen des Treugebers (so bereits 13Â OsÂ 110/18b; vgl auch Salimi in WK2 StGB Â§Â 133 RzÂ 140; Kienapfel/Schmoller SB BT II2 Â§Â 153 RzÂ 136Â ff; Wach SbgK Â§Â 133 RzÂ 84; aA in Bezug auf KontoÃ¼berweisungen nur Pfeifer SbgK Â§Â 153 RzÂ 63). Ob die Verletzung einer sachbezogenen FÃ¼rsorgepflicht (Â§Â 133 StGB) oder befugnismissbrÃ¤uchliches Handeln (Â§Â 153 StGB) vorlag, kann somit anhand der zu A./I./ und A./II./ getroffenen Urteilskonstatierungen nicht abschlieÃŸend beurteilt werden.
In diesem Umfang war daher die Urteilsaufhebung unvermeidbar (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall iVm Â§Â 285e StPO), womit auf die darauf bezogenen RechtsmitteleinwÃ¤nde des BeschwerdefÃ¼hrers Ergun S***** nicht mehr einzugehen war.
Im Ãœbrigen schlÃ¤gt dessen Nichtigkeitsbeschwerde jedoch fehl:
Die zum SchuldspruchÂ C./1./1./d (Â§Â 156 AbsÂ 1 StGB) ergriffene RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) macht angesichts der Konstatierungen, wonach die Forderungen mehrerer GlÃ¤ubiger gegenÃ¼ber der EC***** GmbH jedenfalls die ausgezahlten DarlehensbetrÃ¤ge Ã¼berstiegen und bis zur Insolvenz bestanden hÃ¤tten, wobei auch ein entsprechender Forderungsausfall entstanden sei (USÂ 25), nicht klar, welche weiteren Konstatierungen zu einem aus der Tathandlung folgenden GlÃ¤ubigernachteil erforderlich gewesen wÃ¤ren. Dass es fÃ¼r die Anwendbarkeit des Â§Â 156 AbsÂ 1 StGB entscheidend sein soll, â€žwelcher konkrete GlÃ¤ubigerâ€œ durch die in Rede stehende Kridahandlung einen Forderungsausfall in welcher bestimmten HÃ¶he erlitten hÃ¤tte (vgl dazu 14Â OsÂ 23/19t), behauptet die Beschwerde ohne methodengerechte Ableitung aus dem Gesetz (vgl RIS-Justiz RS0116569).
Soweit der Rechtsmittelwerber auch in Bezug auf die E***** GmbH (C./I./2./a./) EinwÃ¤nde in diese Richtung erhebt, gilt das Vorgesagte im Hinblick auf die Konstatierungen, wonach auch diese Gesellschaft Schuldnerin mehrerer GlÃ¤ubiger war und die (ohne Gegenleistung erfolgte) Auszahlung von 65.300Â Euro an den Angeklagten einen Befriedigungsausfall in dieser HÃ¶he zur Folge hatte (USÂ 27), entsprechend. Bleibt anzumerken, dass sich der BeschwerdefÃ¼hrer in diesem Zusammenhang zu Unrecht auf 15Â OsÂ 15/17w beruft. Denn diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofs bezog sich auf ein Ersturteil, das gar keine Feststellungen zum Forderungsausfall der GlÃ¤ubiger enthielt.
Den weiteren BeschwerdeausfÃ¼hrungen ist voranzustellen, dass die Geltendmachung materieller Nichtigkeit stets unbedingtes Festhalten an den Konstatierungen der Tatrichter erfordert (vgl RIS-Justiz RS0099810), wobei es nicht darauf ankommt, ob diese Feststellungen einwandfrei zustande gekommen sind (vgl RIS-Justiz RS0099810 [insb T26]; Hinterhofer/Oshidari, Strafverfahren RzÂ 9.208Â f).
An diesen Voraussetzungen scheitert die RÃ¼ge, soweit sie vorsÃ¤tzliches Handeln des Angeklagten schlicht bestreitet (vgl aber USÂ 27) und im Ãœbrigen die AusfÃ¼hrungen des gerichtlichen SachverstÃ¤ndigen zur GlÃ¤ubigerschÃ¤digung eigenstÃ¤ndig interpretiert.
Der Einwand, wonach die in Bezug auf die Tatvollendung getroffenen Feststellungen auch die Annahme von Versuchsstrafbarkeit nicht tragen wÃ¼rden, beruht auf der â€“ wie oben aufgezeigt â€“ nicht methodengerecht aufgestellten PrÃ¤misse, wonach Â§Â 156 AbsÂ 1 StGB Konstatierungen zu einem der HÃ¶he nach bestimmten Forderungsausfall konkreter GlÃ¤ubiger erfordern wÃ¼rde.
Soweit der BeschwerdefÃ¼hrer auch zum SchuldspruchÂ C./II./ das Fehlen eines Urteilssubstrats dazu moniert, â€žwelcher konkrete GlÃ¤ubigerâ€œ durch die jeweilige Tathandlung â€žin welcher HÃ¶heâ€œ einen Befriedigungsausfall erlitten hat und ob Forderungen der Kunden oder der sonstigen GesellschaftsglÃ¤ubiger betroffen waren, genÃ¼gt der Verweis auf obenstehende AusfÃ¼hrungen.
Der Einwand, aus dem Urteil gehe nicht hervor, dass es zum Zeitpunkt der Tathandlungen zumindest einen GlÃ¤ubiger gegeben habe, der einen â€“ wenn auch nur
teilweisen â€“ Befriedigungsausfall erlitten habe, geht prozessordnungswidrig an den (im Ãœbrigen im Rechtsmittel ohnedies zitierten) Konstatierungen vorbei. Danach wurde durch den im Urteil nÃ¤her beschriebenen Ã¼bermÃ¤ÃŸigen Aufwand (der E***** GmbH) â€ždie Befriedigung der zum damaligen Zeitpunkt bestehenden GlÃ¤ubiger in diesen BetrÃ¤gen vereitelt und geschmÃ¤lertâ€œ (USÂ 29; vgl auch USÂ 31 zur MitursÃ¤chlichkeit sÃ¤mtlicher zu C./II./1./b./, 2./b/ und 3./ beschriebenen Handlungen) und waren die zu C./II./ festgestellten kridatrÃ¤chtigen Handlungen â€žmitursÃ¤chlich fÃ¼r den zusÃ¤tzlichen Befriedigungsausfall der GlÃ¤ubiger der EC***** GmbHâ€œ (USÂ 28; vgl auch USÂ 29 zur Vereitelung der Befriedigung wenigstens eines GlÃ¤ubigers). Aus welchem Grund diese Feststellungen nur eine Wiedergabe der â€žverba legaliaâ€œ (ohne Sachverhaltsbezug) darstellen sollten, macht der BeschwerdefÃ¼hrer nicht klar.
In diesem Umfang war die Nichtigkeitsbeschwerde daher in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur, jedoch entgegen der hiezu erstatteten Ã„uÃŸerung der Verteidigung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO schon bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen.
Die Kostenentscheidung beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO. Sie bezieht sich nicht auf die amtswegige MaÃŸnahme (Lendl, WK-StPO Â§Â 390a RzÂ 12).