Document Number: JJT_20200903_OGH0002_0110OS00082_20Y0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0110OS00082.20Y.0903.000
Case Number: 11Os82/20y
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1599091200000
Word Count: 1143

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 3.Â SeptemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Schwab als Vorsitzenden sowie die VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Marek, die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Bachner-Foregger und Mag.Â FÃ¼rnkranz und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl als weitere Richter in der Strafsache gegen Hubert P***** wegen des Vergehens des schweren gewerbsmÃ¤ÃŸigen Betruges nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 erster Fall, 15 StGB und einer weiteren strafbaren Handlung Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts Salzburg als SchÃ¶ffengericht vom 28.Â JÃ¤nnerÂ 2020, GZÂ 37Â HvÂ 51/19f-55, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur nichtÃ¶ffentlich (Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019) den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde Hubert P***** des Vergehens des schweren gewerbsmÃ¤ÃŸigen Betruges nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 erster Fall, 15 StGB (I) und des Vergehens der FÃ¤lschung besonders geschÃ¼tzter Urkunden nach Â§Â§Â 223 AbsÂ 2, 224 StGB (III) schuldig erkannt.
Danach hat er â€“ soweit im Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde relevant und verkÃ¼rzt wiedergegebenÂ â€“Â in H***** und andernorts
(I)Â mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz und in der Absicht, sich durch die wiederkehrende Begehung von BetrÃ¼gereien lÃ¤ngere Zeit hindurch ein nicht bloÃŸ geringfÃ¼giges fortlaufendes Einkommen zu verschaffen (Â§Â 70 AbsÂ 1 ZÂ 3 StGB), Nachgenannte durch TÃ¤uschung Ã¼ber Tatsachen zu Handlungen verleitet, welche diese oder einen anderen in einem 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden Betrag am VermÃ¶gen schÃ¤digten, und zwar
1)Â im JahrÂ 2014 Friedrich A***** durch die wahrheitswidrige Behauptung, ihm rechtmÃ¤ÃŸig zu einer venezolanischen StaatsbÃ¼rgerschaft samt Reisepass und FÃ¼hrerschein verhelfen zu kÃ¶nnen, zur Veranlassung der Ãœbergabe von 4.000Â Euro durch Elke T*****, â€žwodurch Friedrich A***** und Elke T***** ein Schaden in dieser HÃ¶he entstanden istâ€œ,
2)Â mehrmals zwischen Ende 2013 und MÃ¤rzÂ 2015 Friedrich A***** durch die wahrheitswidrigen Behauptungen, er wÃ¼rde â€žeine Firma Po*****â€œ besitzen, diese wÃ¼rde Stromspeicher fÃ¼r Solaranlagen produzieren, er habe bereits einen Auftrag von der S***** AG Ã¼ber 250.000Â Euro und einen Auftrag in RumÃ¤nien an Land gezogen, â€žeine Firma in A*****â€œ wÃ¼rde ein von ihm entwickeltes Patent fÃ¼r AkkuladegerÃ¤te nutzen und monatliche LizenzgebÃ¼hren Ã¼berweisen und er kÃ¶nne sich an â€žseiner Firmaâ€œ beteiligen, zur Veranlassung der Ãœbergabe von 25.000Â Euro durch Elke T*****, â€žwodurch Friedrich A***** und Elke T***** ein Schaden von zumindest 25.000Â Euro entstanden istâ€œ,
3)Â in der zweiten JahreshÃ¤lfteÂ 2014 Friedrich A***** durch die wahrheitswidrigen Behauptungen, dieser wÃ¼rde nun Teilhaber der â€žFirma Po*****â€œ sein, â€žer wÃ¼rde Wechselrichter aus der Konkursmasse einer Firma in V***** kaufen, diese wÃ¼rden fÃ¼r die Akkuspeicher der Firma 'Po*****' dringendst benÃ¶tigt werden, der Listenpreis wÃ¼rde caÂ 60.000Â Euro, der Kaufpreis nur ca 33.000Â Euro betragen, sowie dass die Wechselrichter in den RÃ¤umlichkeiten der Firma B***** gelagert werden wÃ¼rden, zur Veranlassung der Ãœbergabe von 16.500Â Euro durch Elke T*****, wodurch Friedrich A***** und Elke T***** ein Schaden in dieser HÃ¶he entstanden istâ€œ,
4) bis 8)Â zu einem unbekannten Zeitpunkt [nach dem HerbstÂ 2013 â€“ USÂ 5], am 13.Â AugustÂ 2015, am 4.Â DezemberÂ 2015, zu einem unbekannten Zeitpunkt im Zeitraum von 4.Â DezemberÂ 2015 bis 12.Â FebruarÂ 2016 und am 12.Â FebruarÂ 2016 Elke T***** durch die wahrheitswidrige Behauptung, er wÃ¼rde eine VerkÃ¼rzung der Haftdauer des Friedrich A***** bewirken und Geld fÃ¼r eine Wohnungskaution (5) sowie fÃ¼r den Kauf einer Brille und von Kontaktlinsen (8) verwenden, zur Auszahlung von insgesamt 6.700Â Euro,
10)Â am 20.Â JuliÂ 2016 Stefanie A***** durch die wahrheitswidrige Behauptung, er wÃ¼rde den Geldbetrag zur Bezahlung eines Notars in W***** fÃ¼r einen â€žDeal mit der Finanzpolizeiâ€œ zugunsten des Friedrich A***** verwenden, zur Auszahlung von 1.500Â Euro,
13)Â im AugustÂ 2017 Evita R***** durch die wahrheitswidrige Behauptung, er habe einen Privatdetektiv engagiert, der Beweismittel fÃ¼r eine AffÃ¤re der Elke T***** gesammelt habe, die gegen eine Bezahlung von 3.000Â Euro Ã¼bergeben wÃ¼rden, zur Auszahlung von 3.000Â Euro, wobei es beim Versuch blieb.
Rechtliche Beurteilung
Gegen diesen Schuldspruch (I) richtet sich die auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 4, 5, 5a, 9 litÂ a und 10 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten.
Soweit der Rechtsmittelantrag auf gÃ¤nzliche Urteilsaufhebung abzielt, der SchuldspruchÂ III inhaltlich jedoch nicht angefochten wurde, blieb die Nichtigkeitsbeschwerde mangels deutlicher und bestimmter Bezeichnung von angeblich Nichtigkeit bewirkenden UmstÃ¤nden unausgefÃ¼hrt (Â§Â§Â 285d AbsÂ 1, 285a ZÂ 2 StPO).
Der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) zuwider wurde der Antrag auf â€žEinholung eines bautechnischen SachverstÃ¤ndigengutachtens Ã¼ber den Wert der vom Angeklagten durchgefÃ¼hrten Umbauarbeiten in der Halle und in der Backstube des Objekts K*****wegÂ *****, zum Beweis dafÃ¼r, dass der Angeklagte Arbeiten im Wert von zumindest 70.000Â Euro verrichtet hat, sodass ihm eine Gegenforderung in dieser HÃ¶he gegenÃ¼ber dem Privatbeteiligten zusteht und dieser daher nicht geschÃ¤digt istâ€œ (ONÂ 51 SÂ 13) zu Recht abgewiesen, weil er keinen Konnex zur Schuld- oder Subsumtionsfrage erkennen lÃ¤sst (Â§Â 55 AbsÂ 2 ZÂ 2 StPO; vgl Ratz, WK-StPO Â§Â 281 Rz 328Â ff, 339Â ff). Eine mÃ¶glicherweise angesprochene Schadenskompensation wÃ¤re fÃ¼r die SchadenshÃ¶he beim Betrug im Ãœbrigen nur dann von Relevanz, wenn und insoweit der Verlust, den der VermÃ¶gensinhaber durch die irrtumsbedingte VermÃ¶gensverfÃ¼gung erlitten hat, durch einen ihm im unmittelbaren Ausgleich zugeflossenen (Ã¤quivalenten) Gegenwert gemindert wird. MaÃŸgebender Zeitpunkt fÃ¼r den Vergleich von Leistung und Gegenleistung ist immer die Vornahme der kritischen VerfÃ¼gung (RIS-Justiz RS0094217; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§ 146 Rz 78; Kert, SbgK Â§Â 146 Rz 240) und ein nach auÃŸen in Erscheinung tretender entsprechender Aufrechnungswille (RIS-Justiz RS0102144).
In der Beschwerde nachgetragene Argumente als Versuch einer Antragsfundierung sind aufgrund des Neuerungsverbots unbeachtlich (RIS-Justiz RS0099618, RS0099117).
Der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 dritter Fall) zuwider ist es zu den SchuldspruchpunktenÂ I.1 bis 3 nicht entscheidend, ob Friedrich A***** oder Elke T***** durch das irrtumsbedingte Verhalten des vom Angeklagten getÃ¤uschten Friedrich A***** (USÂ 6) am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde (vgl Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 146 RzÂ 55, 59, 115/1; Kert, SbgK Â§Â 146 RzÂ 174; Leukauf/Steininger/Flora, StGB4 Â§Â 146 RzÂ 34, 38; Fabrizy, StGB13 Â§ 146 Rz 21).
Die TatsachenrÃ¼ge (ZÂ 5a) dient dazu, geradezu unertrÃ¤gliche Feststellungen zu entscheidenden Tatsachen und lebensfremde Ergebnisse der BeweiswÃ¼rdigung durch konkreten Verweis auf aktenkundige Beweismittel bei gleichzeitiger Bedachtnahme auf die Gesamtheit der tatrichterlichen BeweiswerterwÃ¤gungen zu verhindern (RIS-Justiz RS0118780 [T11]).
Indem die gegenstÃ¤ndliche TatsachenrÃ¼ge bloÃŸ einen einzigen Satz (ONÂ 51 SÂ 9) der in sich widerspruchsfreien Aussage der Elke T***** (ONÂ 51 SÂ 2Â ff) unvollstÃ¤ndig und solcherart missverstÃ¤ndlich wiedergibt, orientiert sie sich nicht an diesem Anfechtungsrahmen.
Die â€“ den festgestellten VermÃ¶gensschaden und Bereicherungsvorsatz in Abrede stellende (aber RIS-Justiz RS0099810) â€“ RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) vermisst Feststellungen, â€ždass dem Angeklagten eine Gegenforderung aus den erbrachten Arbeitsleistungen von zumindest 70.000Â Euro gegenÃ¼ber dem Privatbeteiligten zustehtâ€œ. Sie leitet jedoch nicht methodengerecht (RIS-Justiz RS0116565) ab, inwiefern Schadenskompensation in Betreff von Gegenleistungen, die nicht im unmittelbaren Gegenzug zur VermÃ¶gensverfÃ¼gung des GetÃ¤uschten stehen, Ã¼berhaupt in Betracht kommen (neuerlich RIS-Justiz RS0094217; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 146 RzÂ 78; Kert, SbgK Â§Â 146 RzÂ 240) und weshalb selbst das Bestehen einer kompensablen Gegenforderung eine unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung per se ausschlieÃŸen sollte (RIS-Justiz RS0094353 [T10]; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 146 RzÂ 115; Leukauf/Steininger/Flora, StGB4 Â§Â 146 RzÂ 58; Kert, SbgK Â§Â 146 RzÂ 345 â€“ jeweils auch zum Erfordernis eines erkennbaren Aufrechnungswillens zur Tatzeit).
Gleiches gilt fÃ¼r die SubsumtionsrÃ¼ge (ZÂ 10) die behauptet, dass â€žmangels SchÃ¤digung des Tatopfersâ€œ und â€žmangels Bereicherungsvorsatz des Angeklagtenâ€œ â€žallenfalls eine TÃ¤uschung vorliegen kannâ€œ.
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits nach nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung folgt (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.