Document Number: JJT_20201210_OGH0002_0120NS00148_20S0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120NS00148.20S.1210.000
Case Number: 12Ns148/20s
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1607558400000
Word Count: 438

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 10.Â DezemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch die HofrÃ¤te des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und Dr.Â Haslwanter in der Strafsache gegen ***** B***** wegen Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 1a, AbsÂ 2, 148 zweiter Fall, 15 StGB, AZÂ 33Â HvÂ 51/19h des Landesgerichts Innsbruck, Ã¼ber die Anzeige der Ausgeschlossenheit der VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs ***** gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs ***** ist von der Entscheidung Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Innsbruck als SchÃ¶ffengericht vom 14.Â JÃ¤nnerÂ 2020, GZÂ 33Â HvÂ 51/19h-45a, ausgeschlossen.
An ihre Stelle tritt HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs *****.
GrÃ¼nde:
Rechtliche Beurteilung
Der Oberste Gerichtshof hat zu AZÂ 11Â OsÂ 49/20w Ã¼ber die im Spruch genannten Rechtsmittel zu entscheiden.
Mit dem angefochtenen Urteil wurde ***** B***** des Vergehens des schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 1a, AbsÂ 2, 15 StGB schuldig erkannt. Danach hat er â€“ soweit im hier gegebenen Zusammenhang von Relevanz â€“ vom 1.Â OktoberÂ 2018 bis zum MÃ¤rzÂ 2019 in S***** und andernorts mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz VerfÃ¼gungsberechtigte der Republik Ã–sterreich durch TÃ¤uschung Ã¼ber die Anwendung nach der Anlage der Anti-Doping-Konvention (BGBlÂ 1991/451) verbotener Wirkstoffe, nÃ¤mlich von â€žWachstumshormonenâ€œ, und einer danach verbotenen Methode, nÃ¤mlich der Wiederzufuhr von Eigenblut (â€žBlutdopingâ€œ), zu Zwecken des Dopings im Sport zu monatlicher Zahlung eines Gehalts von zusammen 10.161,35Â Euro, sohin zu Handlungen verleitet, die den Staat im angefÃ¼hrten Betrag am VermÃ¶gen schÃ¤digten.
Unter anderem diese Tat fÃ¼hrte Ã¼ber Veranlassung von *****, des Ehegatten der VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs *****, zur AuflÃ¶sung des DienstverhÃ¤ltnisses des Angeklagten zur Republik Ã–sterreich. VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs ***** ist Mitglied des SenatsÂ 11.
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO ist ein Richter vom gesamten Verfahren ausgeschlossen, wenn GrÃ¼nde vorliegen, die geeignet sind, seine volle Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit in Zweifel zu ziehen. Dabei ist entscheidend, ob Ã¤uÃŸere UmstÃ¤nde vorliegen, die geeignet sind, bei einem verstÃ¤ndig wÃ¼rdigenden objektiven Beurteiler nahe liegende Zweifel an der unvoreingenommenen und unparteilichen Dienstverrichtung zu wecken (vgl RIS-Justiz RS0097086 [T5]; LÃ¤ssig, WK-StPO Â§Â 43 RzÂ 10). Hier sind in erster Linie persÃ¶nliche Beziehungen des Richters zu einer Prozesspartei, deren Vertreter oder einer Beweisperson beachtlich, wobei der Dauer und der IntensitÃ¤t des NaheverhÃ¤ltnisses maÃŸgebliche Bedeutung zukommt (RIS-Justiz RS0045935).
Da der Ehegatte von VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs ***** in die Entscheidung eines der Tatopfer Ã¼ber die dienstrechtlichen Folgen der urteilsgegenstÃ¤ndlichen Taten eingebunden war, liegen GrÃ¼nde im Sinne des Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO vor, sodass VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs ***** von der Entscheidung Ã¼ber die im Spruch angefÃ¼hrten Rechtsmittel des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft ausgeschlossen ist.
HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs ***** tritt aufgrund der laufenden Vertretungsregelung der GeschÃ¤ftsverteilung des Obersten Gerichtshofs an ihre Stelle (Â§Â 45 AbsÂ 2 StPO).