Document Number: JJT_20201126_OGH0002_0040OB00104_20B0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0040OB00104.20B.1126.000
Case Number: 4Ob104/20b (4Ob105/20z)
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1606348800000
Word Count: 3747

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsrekurs- und Revisionsgericht durch den SenatsprÃ¤sidenten Dr.Â Vogel als Vorsitzenden und die HofrÃ¤te Dr.Â Schwarzenbacher, Hon.-Prof.Â Dr.Â Brenn, Hon.-Prof.Â PDÂ Dr.Â Rassi und MMag.Â Matzka als weitere Richter in der Rechtssache der KlÃ¤gerin K***** GesellschaftÂ mbH & Co KG, *****, vertreten durch Gheneff â€“ Rami â€“ Sommer RechtsanwÃ¤lte OG in Wien, gegen die Beklagte o***** GmbH, *****, vertreten durch Dr.Â Peter ZÃ¶chbauer, Rechtsanwalt in Wien, wegen Unterlassung (Streitwert 68.000Â EUR) und UrteilsverÃ¶ffentlichung (Streitwert 1.000Â EUR), Ã¼ber den auÃŸerordentlichen Revisionsrekurs der KlÃ¤gerin (Interesse 17.000Â EUR) gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien als Rekursgericht vom 21.Â AprilÂ 2020, GZÂ 5Â RÂ 145/19h-24, womit der Beschluss des Handelsgerichts Wien vom 26.Â SeptemberÂ 2019, GZÂ 11Â CgÂ 48/19z-12, abgeÃ¤ndert wurde, und Ã¼ber die auÃŸerordentlichen Revisionen der KlÃ¤gerin (Interesse 17.000Â EUR) und der Beklagten (Interesse 51.000Â EUR) jeweils gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom 21.Â AprilÂ 2020, GZÂ 5Â RÂ 146/19f-25, womit das Urteil des Handelsgerichts Wien vom 26.Â SeptemberÂ 2019, GZÂ 11Â CgÂ 48/19z-13, abgeÃ¤ndert wurde, beschlossen und zu Recht erkannt:
Spruch
I.Â Der Revision der KlÃ¤gerin wird Folge gegeben und der Revision der Beklagten wird teilweise Folge gegeben.
Das angefochtene Teilurteil wird dahin abgeÃ¤ndert, dass es insgesamt wie folgt zu lauten hat:
â€ž1.Â Die Beklagte ist schuldig, es zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr Ã¼ber Mediadaten ihrer Tageszeitung 'Ã–*****' dadurch zu tÃ¤uschen, dass sie fÃ¼r einen Reichweitenvergleich zwischen 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen fÃ¼r einen bestimmten Zeitraum ein Produkt fÃ¼r die Tageszeitung 'Ã–*****' heranzieht, das fÃ¼r diesen Zeitraum in der Reichweitenerhebung noch gar nicht ausgewiesen war.
2.Â Die Beklagte ist schuldig, es zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei fÃ¼r die Reichweite der Tageszeitung 'Ã–*****' falsche Zahlen, insbesondere zu hohe prozentuelle Anstiege, angegeben werden.
3.Â Die Beklagte ist schuldig, es zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei fÃ¼r die Reichweite der Tageszeitung 'Ã–*****' lediglich selbst vermutete und nicht durch nachvollziehbare und realistische Prognosen unterlegte Reichweiten behauptet werden.
4.Â Die Beklagte ist schuldig es zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr unter Berufung auf Erhebungen des Vereins 'A*****' (V*****) Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei gegen das Gebot des V***** verstoÃŸen wird, relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis der Reichweite in Prozenten anzustellen.
5.Â Das Mehrbegehren, der Beklagten zu untersagen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr ganz allgemein
a)Â unter Berufung auf Erhebungen des Vereins 'A*****' (V*****) Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei gegen Richtlinien des V***** verstoÃŸen wird;
b)Â beim Vergleich von Mediadaten zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen nicht Vergleichbares miteinander in Beziehung zu setzen;
c)Â Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei fÃ¼r die Reichweite der Tageszeitung 'Ã–*****' nicht durch eine unabhÃ¤ngige Organisation, wie etwa des V*****, bestÃ¤tigte Reichweiten behauptet werden, wird abgewiesen.
6.Â Die Kostenentscheidung bleibt dem Endurteil vorbehalten.â€œ
II.Â Der auÃŸerordentliche Revisionsrekurs wird gemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 78, 402 AbsÂ 4 EO iVm Â§Â 526 AbsÂ 2 SatzÂ 1 ZPO mangels der Voraussetzungen des Â§Â 528 AbsÂ 1 ZPO zurÃ¼ckgewiesen.
Die KlÃ¤gerin hat die Kosten ihres Revisionsrekurses vorlÃ¤ufig selbst zu tragen.
Text
EntscheidungsgrÃ¼nde:
[1] Die KlÃ¤gerin ist Medieninhaberin der â€žK*****â€œ, die Beklagte ist (mittelbar) Medieninhaberin von â€žÃ–*****â€œ und â€žo*****â€œ. Zwischen den Streitteilen besteht ein WettbewerbsverhÃ¤ltnis.
[2] Die KlÃ¤gerin und eine Konzerngesellschaft der Beklagten sind Mitglieder des Vereins â€žA*****â€œ (V*****). Die Beklagte selbst ist nicht Mitglied. Der Verein erhebt regelmÃ¤ÃŸig die Reichweite (Leserzahl) von Tageszeitungen und verÃ¶ffentlicht sie periodisch in der â€žMedia-Analyseâ€œ (MA). Zuletzt hat er fÃ¼r die periodischen Druckwerke der KlÃ¤gerin und der Konzerngesellschaft der Beklagten folgende Reichweiten erhoben:
MAÂ 2017 (AprilÂ 2018)
K*****: 2.173.000Â Leser (29,2Â %)
Ã–*****: 523.000Â Leser (7Â %)
MAÂ 2017/18 (OktoberÂ 2018)
K*****: 2.091.000Â Leser (28Â %)
Ã–*****: 512.000Â Leser (6,9Â %)
MAÂ 2018 (AprilÂ 2019)
K*****: 2.035.000Â Leser (27,7Â %)
Ã–*****:
518.000Â Leser (6,9Â %)(â€žÃ–*****â€œ)
598.000Â Leser (8Â %) (â€žÃ–*****/o*****-Kombiâ€œ)
[3] Nach den Allgemeinen Werberichtlinien des V***** dÃ¼rfen relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis Reichweite in Prozenten angestellt werden. Die Darstellung in der Zeitreihe bzw Vergleiche mit Werten aus Vorjahren sind â€“ bei auch sonst gegebener Vergleichbarkeit â€“ zulÃ¤ssig, sofern der aktuelle Wert genannt wird.
[4] Die Beklagte verÃ¶ffentlichte am 30.3.2019 auf ihrer Website folgende Mitteilung:
Das sagt Ã–*****
DANKE an 75.000 neue o*****-Leser
Ein Kommentar von Ã–*****-Herausgeber W*****.
75.000 neue Leser bestÃ¤tigt die neue â€žMedia-AnalyseÂ 2018â€œ Ã–***** und seiner Gratis-Ausgabe o*****. Das ist ein Leser-Plus von 15Â % in einem Jahr. Damit ist Ã–*****/o***** die einzige groÃŸe Tageszeitung, die 2018 sowohl in der â€žMedia-Analyseâ€œ als auch in der â€žÃ–sterreichischen Auflagen-Kontrolleâ€œ signifikant zugelegt hat.
Der Erfolg von Ã–*****/o***** ist umso bemerkenswerter, als gleichzeitig die direkte Konkurrenz â€“ die Dichand-BlÃ¤tter â€žK*****â€œ und â€žH*****â€œ â€“ deutlich Leser verloren haben. Die â€žK*****â€œ verlor in nur einem Jahr 138.000Â Leser â€“ in den letzten 9Â Jahren haben sich sogar schon mehr als 25Â % der Leser verabschiedet: 818.000Â Leser sind weg. Und das Gratis-Blatt â€žH*****â€œ hat nicht nur 70.000Â Leser verloren â€“ fast so viele, wie Ã–*****/o***** gewonnen hat â€“, es verliert laut Ã–AK auch massiv an Auflage, wurde in Wien in der vertriebenen Auflage sogar schon von Ã–*****/o***** deutlich Ã¼berholt.
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Ã–*****/o***** ist zur erfolgreichsten Familien-Zeitung im Land geworden â€“ gefÃ¼hrt von einer 100Â % unabhÃ¤ngigen Familie â€“ und gemacht fÃ¼r eine von Tag zu Tag grÃ¶ÃŸer werdende Leser-Familie, die in Wahrheit (nach der wahren Auflage hochgerechnet) schon Ã¼ber eine Million Leser stark sein dÃ¼rfte. Denn in der â€žMedia-Analyseâ€œ ist Ã–***** bisher weit unter ihrem Wert ausgewiesen worden. Erst seit Sommer â€“ als wir unsere Gratis-Zeitung in o***** umbenannten â€“ verbessert sich die Bewertung. PlÃ¶tzlich steigt die Reichweite so wie die Auflage. Der Leser-Zugewinn in der â€žMedia-Analyseâ€œ soll erst der Anfang sein. Weil o***** erst im 2.Â Halbjahr erstmals erfasst wurde, kÃ¶nnte der Zugewinn mathematisch (aufs ganze Jahr gerechnet) sogar doppelt so groÃŸ sein: bis zu 30Â %. Der Leser-Erfolg von Ã–*****/o***** hat gerade erst begonnen. DafÃ¼r sagen wir allen Ã–*****/o*****-Lesern von ganzem Herzen â€žDankeâ€œ â€“ und versprechen noch mehr Einsatz, Engagement, Dynamik und QualitÃ¤t fÃ¼r die derzeit erfolgreichste Zeitung im Land:
Ihr 100Â % unabhÃ¤ngiges, faires, spannendes und modernes Ã–*****!
[5] Die KlÃ¤gerin begehrte mit ihrer Klage und dem gleichlautenden Sicherungsantrag, die Beklagte sei schuldig zu unterlassen, im geschÃ¤ftlichen Verkehr
1.Â Vergleiche von Mediadaten zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen vorzunehmen und dabei nicht Vergleichbares miteinander in Beziehung zu setzen, etwa dahingehend, dass fÃ¼r einen Reichweitenvergleich zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen fÃ¼r die JahreÂ 2017 und 2018 ein Produkt fÃ¼r die Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ herangezogen wird, das 2017 in der Reichweitenerhebung noch gar nicht ausgewiesen war;
2.Â Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei fÃ¼r die Reichweite der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ lediglich selbst vermutete und nicht durch eine unabhÃ¤ngige Organisation, wie etwa den V*****, bestÃ¤tigte Reichweiten behauptet werden;
3.Â Unter Berufung auf Erhebungen des V***** Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei gegen die Richtlinien des V***** verstoÃŸen wird, etwa gegen das Gebot, relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis der Reichweite in Prozenten anzustellen;
4.Â Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei fÃ¼r die Reichweite der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ falsche Zahlen, insbesondere zu hohe prozentuelle Anstiege, angegeben werden.
[6] Die KlÃ¤gerin erhob weiters ein VerÃ¶ffentlichungsbegehren.
[7] Sie brachte im Wesentlichen vor, die in der MAÂ 2018 ausgewiesene â€žÃ–*****/o*****-Kombiâ€œ, also die gemeinsame Erfassung sowohl der Kaufversion (â€žÃ–*****â€œ) als auch der Gratisausgabe (â€žo*****â€œ), gebe es erst seit Anfang JuliÂ 2018. FÃ¼r die (ausgewiesene) Kombination der beiden Titel gebe es daher keinen Vergleichswert fÃ¼r 2017. Die beanstandete Eigenwerbung habe den Inhalt, dass gemÃ¤ÃŸ der MAÂ 2018 â€žÃ–*****â€œ an Reichweite gewonnen und â€žK*****â€œ verloren hÃ¤tte. Zum Beweis dafÃ¼r stelle die Beklagte fÃ¼r ihre eigenen Medien einen Vergleich an zwischen der bis Ende JuniÂ 2018 am Markt befindlichen Kauf- und Gratis-Ausgabe â€žÃ–*****â€œ (MAÂ 2017: 523.000Â Leser; MAÂ 2018: 518.000Â Leser) und einer erst seit Anfang JuliÂ 2018 in der MA ausgewiesenen Kombination (Kaufversion â€žÃ–*****â€œ und Gratis-Ausgabe â€žo*****â€œ) (MAÂ 2017: nicht vorhanden; MAÂ 2018: 598.000Â Leser), fÃ¼r die â€žK*****â€œ hingegen einen Vergleich zwischen 2017 und 2018, nÃ¤mlich den Zahlen einerseits der MAÂ 2017 (2.173.000Â Leser) und andererseits der MAÂ 2018 (2.035.000Â Leser). Dieser Vergleich sei irrefÃ¼hrend, weil er unterschiedliche ZeitrÃ¤ume bzw nicht vergleichbare Produkte miteinander in Beziehung setze. Zudem behaupte die Beklagte in irrefÃ¼hrender Weise Reichweiten, die auf Fantasieberechnungen beruhten (â€ždie in Wahrheit [nach der wahren Auflage hochgerechnet] schon Ã¼ber eine Million Leser stark sein dÃ¼rfteâ€œ, â€žkÃ¶nnte der Zugewinn mathematisch [aufs ganze Jahr gerechnet] sogar doppelt so groÃŸ sein: bis zu 30Â %â€œ). Die Werbung mit absoluten Leserzahlen sei unzulÃ¤ssig. Nach den Richtlinien des V*****, denen sich auch die Beklagte unterworfen habe, dÃ¼rften relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis der Reichweite in Prozenten angestellt werden. Hintergrund sei die stÃ¤ndige VerÃ¤nderung der BevÃ¶lkerungszahl, die eine Werbung mit absoluten Leserzahlen irrefÃ¼hrend mache. Eine Verletzung der Richtlinien des V***** sei wettbewerbswidrig. Die Beklagte habe mit falschen Zahlen geworben. Ein Anstieg von 7 auf 8Â Prozentpunkte bedeute lediglich einen Anstieg von 14,3Â % und nicht, wie behauptet, von 15Â %.
[8] Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage und des Sicherungsantrags. Die Werbung sei nicht irrefÃ¼hrend. Der V***** erhebe die Kategorie â€žÃ–*****/o*****-Kombiâ€œ seit 1.Â 7.Â 2018, denn die Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ habe seit diesem Zeitpunkt ihren Gratisvertrieb eingestellt und werde nur noch als Kaufzeitung angeboten; â€žo*****â€œ werde hingegen ab dem 1.Â 7.Â 2018 als Gratiszeitung erhoben. Die Kombination aus der Kaufzeitung â€žÃ–*****â€œ und der Gratiszeitung â€žo*****â€œ entspreche daher dem vor 1.Â 7.Â 2018 erhobenen Wert der Gratiszeitung â€žÃ–*****â€œ, wie er in der MAÂ 2017 und in den Jahren davor ausgewiesen worden sei. Die Beklagte sei nicht Mitglied des V***** und daher an die Vereinsregeln nicht gebunden. Ein lauterkeitsrechtliches Gebot, sich ausschlieÃŸlich auf Daten der MA zu stÃ¼tzen, bestehe nicht.
[9] Das Erstgericht gab dem Sicherungsbegehren und der Klage jeweils in den AntragspunktenÂ 1 und 4 und dem darauf bezogenen VerÃ¶ffentlichungsbegehren statt; die Ã¼brigen Klags- und SicherungsantrÃ¤ge wurden abgewiesen. Der IrrefÃ¼hrungstatbestand des Â§Â 2 UWG sei verwirklicht. Die Beklagte werbe fÃ¼r ihr konzernverbundenes Unternehmen mit einem Leserzuwachs von 75.000Â Lesern und stelle diesen nicht nur marktschreierisch heraus, sondern setze ihn auch in Beziehung zu anderen Zeitungen, die keinen derartigen oder Ã¤hnlichen Leserzuwachs verzeichneten oder sogar Leser verloren hÃ¤tten. Damit fÃ¶rdere die Beklagte den Wettbewerb ihrer Konzerngesellschaft mit einem QualitÃ¤tsmerkmal, das tatsÃ¤chlich gar nicht vorliege, sei doch der Leserzuwachs nach den Feststellungen zum GroÃŸteil auf die Umbenennung der Gratiszeitung zurÃ¼ckzufÃ¼hren, wodurch â€“ anders als in der Vorperiode, mit welcher der Vergleich angestellt wurde â€“ auch die bloÃŸen Onlineleser erfasst seien. Die Beklagte verschweige diese Tatsache, um tatsachenwidrig einen Zuwachs von Lesern zu suggerieren und handle damit unlauter, weshalb die darauf gestÃ¼tzten Unterlassungsbegehren berechtigt seien. UnbegrÃ¼ndet seien hingegen die weiters geltend gemachten UnterlassungsansprÃ¼che: Die gewÃ¼nschte Zukunftsprognose an Leserzahlen sei fÃ¼r einen Durchschnittsleser so zu verstehen, dass es sich dabei um eine Wunschvorstellung der Beklagten handle, nicht jedoch um tatsÃ¤chliche Reichweitenzahlen. Eine IrrefÃ¼hrung liege dadurch nicht vor. Das zweite und das dritte Unterlassungsbegehren kÃ¶nne die KlÃ¤gerin auch nicht mit Erfolg auf Â§Â 1 UWG, Fallgruppe Rechtsbruch, stÃ¼tzen. Die Beklagte sei nicht Mitglied des V***** und daher nicht an dessen Vereinsregeln gebunden. Die VerÃ¶ffentlichung stehe der KlÃ¤gerin hinsichtlich des stattgebenden Teils des Urteils zu.
[10] Das Gericht zweiter Instanz Ã¤nderte die einstweilige VerfÃ¼gung und das Urteil des Erstgerichts mittels Teilurteils dahin ab, dass es die Stattgebung der BegehrenÂ 1 und 4 und die Abweisung des BegehrensÂ 3 bestÃ¤tigte, aber zusÃ¤tzlich noch dem BegehrenÂ 2 stattgab, die Kostenentscheidung im Umfang des Teilurteils der Endentscheidung vorbehielt und im Ãœbrigen die angefochtene Entscheidung Ã¼ber das VerÃ¶ffentlichungsbegehren und die Kostenentscheidung ohne Rechtskraftvorbehalt aufhob. Den Wert des Entscheidungsgegenstands bemaÃŸ das Gericht zweiter Instanz mit jeweils 30.000Â EUR Ã¼bersteigend, und es erklÃ¤rte den Revisionsrekurs bzw die Revision fÃ¼r nicht zulÃ¤ssig. Die Formulierung Weil o***** erst im 2.Â Halbjahr erstmals erfasst wurde, kÃ¶nnte der Zugewinn mathematisch (aufs ganze Jahr gerechnet) sogar doppelt so groÃŸ sein: bis zu 30Â % vermittle nicht den Eindruck einer Zukunftsprognose, sondern einer Hochrechnung des Leserzugewinns auf das gesamte (vergangene) JahrÂ 2018 und unterstelle, dass die Bewertung in der Vergangenheit unrichtig zu niedrig erfolgt sei. Die in den Raum gestellten 30Â % an Leserzugewinn aufs ganze Jahr gerechnet seien im Ãœbrigen nicht nachvollziehbar. Somit liege auch diesbezÃ¼glich (BegehrenÂ 2) eine irrefÃ¼hrende GeschÃ¤ftspraktik vor.
[11] Gegen die Abweisung des jeweiligen Begehrens 3 richten sich der auÃŸerordentliche Revisionsrekurs und die auÃŸerordentliche Revision der KlÃ¤gerin, und zwar insoweit, als der Beklagten nicht auch untersagt wurde, im geschÃ¤ftlichen Verkehr unter Berufung auf Erhebungen des V***** Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung â€žÃ–*****â€œ und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei gegen das Gebot der Richtlinien des V***** verstoÃŸen werde, relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis der Reichweite in Prozenten anzustellen. Nicht angefochten wurde die Abweisung des Unterlassungsgebots, mit dem der Beklagten ganz allgemein hÃ¤tte untersagt werden sollen, gegen die Richtlinien des V***** zu verstoÃŸen.
[12] In der ihr vom Senat freigestellten Revisionsbeantwortung beantragt die Beklagte, der Revision nicht Folge zu geben.
[13] Gegen den stattgebenden Teil des berufungsgerichtlichen Teilurteils richtet sich die auÃŸerordentliche Revision der Beklagten mit dem Antrag, sÃ¤mtliche Unterlassungsbegehren abzuweisen.
[14] Die KlÃ¤gerin beantragt in der freigestellten Revisionsbeantwortung, die Revision zurÃ¼ck- bzw abzuweisen.
Rechtliche Beurteilung
[15] Beide Revisionen sind zulÃ¤ssig, jene der KlÃ¤gerin ist berechtigt und jene der Beklagten teilweise berechtigt; der Revisionsrekurs ist nicht zulÃ¤ssig.
[16] I.Â Zur Revision der KlÃ¤gerin
[17] 1.Â Die KlÃ¤gerin bestreitet nicht, dass ihr ursprÃ¼ngliches Begehren (3) zu weit und unbestimmt formuliert war, meint jedoch, das Berufungsgericht hÃ¤tte nur dem Insbesondere-Zusatz stattgeben mÃ¼ssen.
[18] 1.1.Â Nach der Rechtsprechung ist es zulÃ¤ssig, die konkrete Verletzungshandlung zu nennen und das Verbot auf Ã¤hnliche Eingriffe zu erstrecken (RIS-Justiz RS0037607 [T18]; 4Â ObÂ 147/18y), oder das unzulÃ¤ssige Verhalten verallgemeinernd zu umschreiben und durch insbesondere aufgezÃ¤hlte Einzelverbote zu verdeutlichen (4Â ObÂ 88/10k). Werden in einem Urteilsspruch BeispielfÃ¤lle unter â€žinsbesondereâ€œ angefÃ¼hrt, so wird das Unterlassungsgebot dadurch nur verdeutlicht, nicht aber eingeschrÃ¤nkt (RS0037634 [T5]; 4Â ObÂ 206/18z mwN). Auch bei einer solchen allgemeineren Fassung des Urteilsbegehrens muss der Spruch den Kern der Verletzungshandlung erfassen (4Â ObÂ 166/19v; 4Â ObÂ 25/20k). Wird mit der allgemeinen Umschreibung aber der Kern der Verletzungshandlung nicht erfasst, so kann das Verbot auf den insbesondere-Zusatz eingeschrÃ¤nkt und der Ã¼berschieÃŸende Teil abgewiesen werden (4Â ObÂ 206/18z; 4Â ObÂ 79/13s; 4Â ObÂ 95/98v).
[19] 1.2.Â Entgegen der Ansicht von Rami (Unterlassungsklage: Wie konkret muss der Anspruch gefasst sein, ecolexÂ 2017, 48 [50]) ist es aber nicht mÃ¶glich, nur das insbesondere-Verbot zu erlassen, wenn dieses nicht zur verallgemeinernden Umschreibung (Kern der Verletzungshandlung) passt. Denn damit wÃ¼rde ein aliud zugesprochen. Der insbesondere-Zusatz hat auch nicht die Funktion eines Eventualbegehrens.
[20] 1.3.Â Ausgehend vom hier zugrunde liegenden Begehren muss sich somit das Unterlassungsgebot im Kern am konkreten WettbewerbsverstoÃŸ orientieren und der insbesondere-Zusatz unter das Kernverbot subsumieren lassen.
[21] 2.1.Â Im vorliegenden Fall begehrt die KlÃ¤gerin, der Beklagten zu verbieten, â€žim geschÃ¤ftlichen Verkehr unter Berufung auf Erhebungen des V***** Reichweitenvergleiche zwischen der Tageszeitung 'Ã–*****' und anderen Tageszeitungen vorzunehmen, wenn dabei gegen die Richtlinien des V***** verstoÃŸen wird, etwa gegen das Gebot, relative Vergleiche mit Werten aus Vorjahren ausschlieÃŸlich auf Basis der Reichweite in Prozenten anzustellenâ€œ. Der Beklagten soll also untersagt werden, Reichweitenvergleiche vorzunehmen, wenn sie damit ganz allgemein, also ohne jede weitere Konkretisierung, gegen die Richtlinien des V***** verstÃ¶ÃŸt.
[22] 2.2.Â In diesem Fall ist die verallgemeinernde Umschreibung zu weit, weshalb eine Verurteilung nur zum insbesondere-Zusatz (als minus) zulÃ¤ssig ist.
[23] 3.1.Â Zu den Richtlinien des Vereins Ã–***** (Ã–*****), zu dessen Mitgliedern inlÃ¤ndische Werbeagenturen und Medienunternehmen zÃ¤hlen, hat der Senat schon ausgesprochen, dass diese der Regelung des Wettbewerbs zwischen den Mitgliedsverlagen dienen. Die Werbeverbote der Richtlinien haben offenkundig den Zweck, andere Mitgliedsverlage vor einer mÃ¶glicherweise irrefÃ¼hrenden Werbung mit ermittelten Daten zu schÃ¼tzen. Ein VerstoÃŸ gegen diese Richtlinien verwirklicht somit auch einen VerstoÃŸ gegen wettbewerbsrelevante Vertragspflichten. Die Verletzung dieser zugunsten Dritter bestehenden Vertragspflichten ist jedenfalls geeignet, den Wettbewerb zwischen den Mitgliedern der Ã–***** zu beeintrÃ¤chtigen. Sie begrÃ¼ndet daher als sonstige unlautere Handlung iSv Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 1 UWG UnterlassungsansprÃ¼che der durch die Vereinbarung geschÃ¼tzten Mitbewerber (4Â ObÂ 4/10g [2.]; 4Â ObÂ 152/12k).
[24] FÃ¼r die Richtlinien des V***** als einem auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhenden Zusammenschluss von wichtigen inlÃ¤ndischen Verlagen und Werbeagenturen kann nichts anderes gelten. Auch dieser Verein befasst sich mit der Erhebung von Mediadaten und ist auf diesem Gebiet eine anerkannte Institution (vgl 4Â ObÂ 56/19t [1.]).
[25] 3.2.Â Die Beklagte selbst ist nicht Mitglied des V*****, wohl aber eine ihr konzernverbundene Gesellschaft.
[26] 3.3.Â Der Senat hat in einer Reihe von Entscheidungen ausgesprochen, dass Verletzungen des Ehrenkodex des Ã–sterreichischen Presserats als sonstige unlautere Handlung nach Â§Â 1 AbsÂ 1 ZÂ 1 UWG auch gegen Nichtmitglieder verfolgt werden kÃ¶nnen. Der Ehrenkodex ist fÃ¼r Nichtmitglieder zwar kein verbindliches Recht, definiert jedoch den Standard der beruflichen Sorgfalt iSd Â§Â 1 AbsÂ 4 ZÂ 8 UWG (4Â ObÂ 62/14t; 4Â ObÂ 45/17x; 4Â ObÂ 77/17b). Die KlÃ¤gerin zeigt zutreffend auf, dass diese Rechtsprechung auch fÃ¼r die Richtlinien des V***** einschlÃ¤gig ist. Auch diese Richtlinien spiegeln den Konsens der Vereinsmitglieder betreffend die Anforderungen an die berufliche Sorgfalt im Zusammenhang mit der Werbung mit Reichweitenzahlen von Medien wieder. Im Sinne der angefÃ¼hrten Rechtsprechung zum UWG kann daher auch ein VerstoÃŸ durch Nichtmitglieder gegen diese Richtlinien als SorgfaltsverstoÃŸ geltend gemacht werden.
[27] 3.4.Â Im Sinne der oben zitierten Rechtsprechung ist auch die Beklagte verpflichtet, sich an diese Richtlinien des V***** zu halten. Die darin enthaltenen WerbebeschrÃ¤nkungen mit Daten der MA sollen nicht dadurch umgangen werden (kÃ¶nnen), dass Mitglieder richtlinienwidrige Werbung fÃ¼r ihre Medien nicht selbst, sondern durch Konzerngesellschaften betreiben (lassen).
[28] Der Unterlassungsanspruch besteht somit auch zum BegehrenÂ 3 im revisionsgegenstÃ¤ndlichen (eingeschrÃ¤nkten) Umfang zu Recht. Der Revision der KlÃ¤gerin ist daher Folge zu geben.
[29] II.Â Zur Revision der Beklagten
[30] 1.Â UnterlassungsbegehrenÂ 1 (I.1. des Spruchs des Berufungsurteils)
[31] Die Beklagte rÃ¼gt zunÃ¤chst, das Begehren sei Ã¼berschieÃŸend, weil ihr allgemein geboten werde, nicht Vergleichbares in Beziehung zu setzen; der etwa-Zusatz schrÃ¤nke dies nicht ein.
[32] 1.1.Â Auch in diesem Zusammenhang stellt sich wieder die Frage, ob von der verallgemeinernden Umschreibung des Unterlassungsgebots der Kern der Verletzungshandlung umfasst ist und sich der insbesondere-Zusatz darunter subsumieren lÃ¤sst.
[33] 1.2.Â Das beantragte und erlassene Verbot bezieht sich ganz allgemein darauf, â€žnicht Vergleichbares miteinander in Beziehung zu setzenâ€œ; diese verallgemeinernde Fassung ist zu weit. Das Unterlassungsgebot ist auf die konkrete und als solche auch benannte Verletzungshandlung einzuschrÃ¤nken.
[34] 1.3.Â Die Beklagte ist der Ansicht, sie habe ohnedies Vergleichbares beworben. Dies ist unzutreffend.
[35] 1.4.Â Abzustellen ist nach dem Urteilsspruch darauf, dass die Beklagte ein Produkt fÃ¼r einen Vergleich zwischen 2017 und 2018 herangezogen hat, das 2017 in der MA noch gar nicht ausgewiesen war (Ã–*****/o*****-Kombi).
[36] 1.5.Â Das durch einen Reichweitenvergleich von Tageszeitungen angesprochene Publikum erwartet eine aussagekrÃ¤ftige Mitteilung darÃ¼ber, von wie vielen Personen eine bestimmte Zeitung tatsÃ¤chlich gelesen wird. Die Publikumserwartung bezieht sich dabei auf ein reales, auf dem Markt erhÃ¤ltliches Produkt. Eine eigene Reichweitenposition kann daher auch nur einem auf dem Markt existenten Produkt zugeordnet werden. Ein rein mathematischer Wert, der sich aus einer (um DoppelleserInnen) bereinigten Summe der Leserzahlen von zwei Tageszeitungen ergibt, kommt dafÃ¼r nicht in Betracht (4Â ObÂ 42/20k; 4Â ObÂ 112/20d). Hinzu kommt, dass in dem verglichenen Produkt Ã–*****/o*****-Kombi erstmals auch Leser der Online-Ausgabe erfasst wurden; auch deswegen sind die Produkte nicht vergleichbar. Das dazu gleich wie hier erstattete Vorbringen hat der Senat zu 4Â ObÂ 47/20w bereits als ausreichend und die entsprechende Feststellung des Erstgerichts als nicht Ã¼berschieÃŸend beurteilt. Indem die Revision dagegen die Aussage eines Zeugen anfÃ¼hrt, Ã¼bersieht sie, dass die entsprechende BeweisrÃ¼ge vom Berufungsgericht mangelfrei erledigt wurde.
[37] 2.Â UnterlassungsbegehrenÂ 4 (I.2. des Spruchs des Berufungsurteils)
[38] 2.1.Â Die Behauptung, das Begehren sei zu weit gefasst und werde durch insbesondere-Verbote nicht eingeschrÃ¤nkt, ist nicht nachvollziehbar. Verboten werden sollen Reichweitenvergleiche mit falschen Zahlen, insbesondere mit zu hohen prozentuellen Anstiegen. Nach dem zuvor zu PktÂ 1.5. Gesagten ist auch dieses Verbot berechtigt.
[39] 2.2.Â Dass die angegebene Steigerungszahl (15Â % statt 14,3Â %) unrichtig ist, wird von der Beklagten nicht bestritten. Damit hat sie aber auch hinsichtlich der Reichweite von â€žÃ–*****â€œ falsche Angaben gemacht.
[40] 2.3.Â Wie das Berufungsgericht ausgefÃ¼hrt hat, entspricht eine Differenz von 0,7Â % rund 52.000Â Lesern. Dass damit eine spÃ¼rbare Nachfrageverlagerung einhergehen kann, ist zutreffend. Die prozentuelle Differenz darf â€“ entgegen der Revision â€“ nÃ¤mlich nicht isoliert ins KalkÃ¼l gezogen werden. Zu berÃ¼cksichtigen ist vielmehr auch das AusmaÃŸ der absoluten Ãœberschreitung (vgl 4Â ObÂ 231/17z).
[41] 3.Â UnterlassungsbegehrenÂ 2 (I.3. des Spruchs des Berufungsurteils)
[42] 3.1.Â Mit diesem Begehren will die KlÃ¤gerin der Beklagten untersagen, Reichweitenvergleiche zu betreiben, wenn dabei nur eine selbst vermutete (und nicht durch unabhÃ¤ngige Institutionen bestÃ¤tigte) Reichweite behauptet wird. Das Begehren zielt damit nicht auf die IrrefÃ¼hrung des Publikums Ã¼ber den Inhalt einer unabhÃ¤ngigen â€žQuelleâ€œ der angegebenen Reichweite ab.
[43] 3.2.Â Werbung mit Reichweitenangaben ist Ã¤hnlich streng zu beurteilen wie vergleichende Werbung. Es darf aber nicht nur mit dem Inhalt einer unabhÃ¤ngigen Quelle, sondern auch mit einer realistischen, bloÃŸ erwarteten Reichweite geworben werden. Dabei muss aber ausreichend offen gelegt werden, dass es sich um eine mehr oder minder realistische Zukunftsprognose handelt und diese Prognose auf realistischer Grundlage beruht (vgl 4Â ObÂ 67/93).
[44] 3.3.Â Im vorliegenden Fall hat die Beklagte den Anschein einer realistischen Prognoserechnung und sogar eines bereits bestehenden, jedoch noch nicht ausgewiesenen Zustands erweckt (â€žkÃ¶nnte der Zugewinn mathematisch â€“ aufs ganze Jahr gerechnet â€“ sogar doppelt so groÃŸ sein; bis zu 30Â %), ohne deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich dabei eben nur um eine Hoffnung fÃ¼r die Zukunft ohne realistische Grundlage handelt. Indem sie den vermeintlichen Zugewinn an Lesern schlicht verdoppelt hat, hat sie den Leserkreis gleich zweifach durch Verschweigen irregefÃ¼hrt: Einerseits basiert der Zugewinn im Wesentlichen auf der erstmaligen Erfassung der Onlineleser, andererseits fehlt jede Angabe zu einer realistischen Grundlage dieser Prognose. Selbst wenn die Beklagte Leser zugewonnen haben sollte, lÃ¤sst sich daraus noch nicht der zwingende Schluss fÃ¼r die Zukunft ziehen, dass sie weiterhin Leser in genau gleichem AusmaÃŸ (linear) hinzugewinnen werde. Damit erweist sich die Werbung mit dieser Prognose als irrefÃ¼hrend.
[45] 3.4.Â Der Unterlassungstitel ist somit im Sinne der obigen AusfÃ¼hrungen dahin einzuschrÃ¤nken, dass der Beklagten nur untersagt wird, lediglich selbst vermutete und nicht durch nachvollziehbare und realistische Prognosen unterlegte Reichweiten zu behaupten.
[46] Der Revision der Beklagten ist daher insoweit sowie hinsichtlich des BegehrensÂ 1 (siehe oben zu 1.2.) teilweise Folge zu geben.
[47] III.Â Der Kostenvorbehalt grÃ¼ndet sich auf Â§Â 52 AbsÂ 3 ZPO.
[48] IV.Â Zum Revisionsrekurs der KlÃ¤gerin
[49] Das Rekursgericht hat als Berufungsgericht in der Hauptsache hinsichtlich der auch im Sicherungsverfahren relevanten AntrÃ¤ge entschieden. Ãœber die dagegen eingebrachte Revision entscheidet der Senat mit obigem Urteil. Aufgrund der nunmehr getroffenen unanfechtbaren Entscheidung in der Hauptsache fehlt dem Revisionsrekurs im Provisorialverfahren daher das RechtsschutzbedÃ¼rfnis (vgl 4Â ObÂ 59/16d mwN). Der Revisionsrekurs ist somit zurÃ¼ckzuweisen.
[50] Der nachtrÃ¤gliche Wegfall der Beschwer ist jedoch gemÃ¤ÃŸ Â§Â 50 AbsÂ 2 ZPO bei der Entscheidung Ã¼ber die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nicht zu berÃ¼cksichtigen. Bei der Kostenentscheidung ist der Erfolg des Rechtsmittels hypothetisch nachzuvollziehen, sodass der Rechtsmittelwerber, der ohne Wegfall der Beschwer seine Kosten erhalten hÃ¤tte, diese auch so zugesprochen bekommt (vgl 3Â ObÂ 1/00v).
[51] Im vorliegenden Fall ist die KlÃ¤gerin mit der gleichlautenden Revision durchgedrungen. Da im Hauptverfahren noch kein Endurteil ergeht und die Kostenentscheidung diesem vorbehalten bleibt, ist hinsichtlich der Kosten des Revisionsrekurses gemÃ¤ÃŸ Â§Â 393 EO auszusprechen, dass die KlÃ¤gerin die Kosten ihres Revisionsrekurses vorlÃ¤ufig selbst zu tragen hat. Das Erstgericht wird mit dem Endurteil auch Ã¼ber die Kosten des Sicherungsverfahrens endgÃ¼ltig abzusprechen haben.