Document Number: JJT_20200916_OGH0002_0150OS00040_20A0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00040.20A.0916.000
Case Number: 15Os40/20a
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1600214400000
Word Count: 2271

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 16.Â SeptemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in der Strafsache gegen B***** W***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 3, 148 zweiter Fall StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten W***** sowie die Berufung des Privatbeteiligten A***** S***** gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 8.Â MaiÂ 2019, GZÂ 121Â HvÂ 9/18g-877, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten W***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurde B***** W***** des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 â€žAbsÂ 2 und 3â€œ (gemeint nur: AbsÂ 3), 148 zweiter Fall StGB (I./), des Verbrechens der Untreue nach Â§Â 153 AbsÂ 1 und AbsÂ 3 zweiter Fall StGB (II./) sowie des Verbrechens der betrÃ¼gerischen Krida nach Â§Â§Â 156 AbsÂ 1, 161 AbsÂ 1 StGB (III./A./1./) schuldig erkannt.
Danach hat er in Wien und anderen Orten
I./Â als Vorstand der G***** AG (G*****AG), im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit M***** Sc***** als Leiter des Buchhaltungs- und Veranlagungsbereichs (Â§Â 12 StGB) zumindest vom 1.Â OktoberÂ 2007 bis zum 4.Â QuartalÂ 2008 gewerbsmÃ¤ÃŸig (Â§Â 70 StGB) mit dem Vorsatz, durch das Verhalten der GetÃ¤uschten sich und Dritte unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, durch TÃ¤uschung Ã¼ber Tatsachen, nÃ¤mlich darÃ¼ber, dass sich die Veranlagungsprodukte der G*****AG positiv entwickelten, die G*****AG zur Einhaltung der vertraglich zugesagten Kapitalgarantie und Mindestverzinsung bei den Bonds sowie dazu im Stande sei, die investierten Anlegergelder nach Ablauf des Veranlagungszeitraums mit Gewinn zurÃ¼ckzuzahlen, wobei sie sich zur TÃ¤uschung der Anleger auch in den Tatplan nicht eingeweihter Vermittler bedienten, â€žjene Anleger, deren Forderungen aus Genussrechten und Bonds spÃ¤ter zu AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien anerkannt wurden, in zahlreichen Angriffen zu Handlungen verleitet, die diese in einem insgesamt 300.000Â Euro Ã¼bersteigenden Betrag am VermÃ¶gen schÃ¤digten, und zwar zu Veranlagungen, inklusive Umschichtungen, in HÃ¶he von teils Ã¼ber, teils unter 5.000Â Euro, wodurch diese Anleger mit den jeweils im Konkursverfahren AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien festgestellten BetrÃ¤gen, zumindest in einem Betrag von 25.193.958,47Â Euro am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurdenâ€œ;
II./Â die ihm eingerÃ¤umte Befugnis, Ã¼ber fremdes VermÃ¶gen zu verfÃ¼gen, wissentlich missbraucht und Nachgenannte dadurch in einem 300.000Â Euro Ã¼bersteigenden Betrag am VermÃ¶gen geschÃ¤digt, indem er
C./Â als Vorstand der G*****AG im ZeitraumÂ 2003 bis 2005 rechtsgrundlose Zahlungen in HÃ¶he von 233.163,81Â Euro an sich selbst anordnete bzw solche Zahlungen freigab, wodurch die G*****AG mit dem genannten Betrag am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde;
D./Â als Vorstand der G*****AG im HerbstÂ 2008 M***** Sc***** die Vollmacht zur Behebung von 100.000Â Euro vom Konto der G*****AG â€žzwecks Investition in das schlechthin unvertretbare Projekt Holland erteilteâ€œ, wodurch die G*****AG mit dem genannten Betrag am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde;
E./Â als BevollmÃ¤chtigter der R***** AG (R*****AG) und auf deren Konten Zeichnungsberechtigter (USÂ 41);
1./Â in den JahrenÂ 2007 und 2008 zugunsten der G*****AG erbrachte Leistungen in HÃ¶he von 47.238,65Â Euro vom Konto der R*****AG bezahlte;
2./Â am 6.Â FebruarÂ 2008 einen Betrag in HÃ¶he von insgesamt 273.417,74Â Euro Ã¼berweisen lieÃŸ, und zwar 195.400Â Euro aufgrund angeblicher, von der G*****AG getragener Personalaufwendungen der R*****AG sowie 78.017,74Â Euro aufgrund angeblicher auf dem entsprechenden Verrechnungskonto ausgewiesener Forderungen der G*****AG gegenÃ¼ber der R*****AG,
wodurch die R*****AG mit einem Betrag von insgesamt 320.656,39Â Euro am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde;
III./Â als Vorstand der G*****AG deren VermÃ¶gen wirklich verringert und dadurch die Befriedigung der GlÃ¤ubiger oder wenigstens eines von ihnen geschmÃ¤lert, und zwar im HerbstÂ 2008 durch die zu II./D./ geschilderte Tathandlung.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf ZÂ 3, 4, 5, 9 litÂ a und 10 des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten. Sie verfehlt ihr Ziel.
Zu I./ kritisiert die VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 3 iVm Â§Â 260 StPO),Â die Tat sei im Urteilsspruch nicht ausreichend individualisiert worden, weil das Referat der entscheidenden Tatsachen (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 1 StPO) weder die GeschÃ¤digten (Anleger) noch die auf die einzelnen GeschÃ¤digten entfallenden SchadensbetrÃ¤ge anfÃ¼hrt.
Der Zweck des Referats nach ZÂ 1 (des Â§Â 260 AbsÂ 1 StPO) liegt darin, einerseits Lebenssachverhalte voneinander abzugrenzen, um Mehrfachverurteilungen hintanzuhalten, andererseits jene entscheidenden Tatsachen zu bezeichnen, auf welche die gesetzliche Deliktsbeschreibung der als begrÃ¼ndet befundenen strafbaren Handlung abstellt (Lendl, WK-StPO Â§Â 260 RzÂ 9).
Nach dem Erkenntnis wurden â€žjene Anleger, deren Forderungen aus Genussrechten und Bonds spÃ¤ter zu AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien anerkannt wurden [â€¦] mit den jeweils im Konkursverfahren AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien festgestellten BetrÃ¤gen zumindest in einem Betrag von 25.193.958,47Â Euro am VermÃ¶gen geschÃ¤digtâ€œ (USÂ 4).
Der Kritik der RÃ¼ge zuwider liegt der behauptete VerstoÃŸ gegen das Individualisierungsgebot nicht vor, weil durch den zulÃ¤ssigen (vgl Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 396, 579; RIS-Justiz RS0119301 [T3 und T4]) Verweis auf eine â€“ in der Hauptverhandlung durch Vortrag gemÃ¤ÃŸ Â§Â 252 AbsÂ 2a StPO vorgekommene (ONÂ 876 SÂ 17) â€“ Ã¶ffentliche Urkunde (ONÂ 718Â f), nÃ¤mlich das Anmeldungsverzeichnis und die dort festgestellten BetrÃ¤ge im (durch die Aktenzahl konkretisierten) Insolvenzverfahren des Handelsgerichts Wien in Verbindung mit dem deutlich hergestellten Bezug auf im Tatzeitraum 1.Â OktoberÂ 2007 bis viertes QuartalÂ 2008 veranlasste und Finanzprodukte der G*****AG betreffende Veranlagungen bzw Umschichtungen im vorliegenden Einzelfall (Lendl, WK-StPO Â§Â 260 RzÂ 13) GeschÃ¤digte und SchÃ¤den noch ausreichend individualisiert wurden, um sie gegenÃ¼ber anderen Taten abzugrenzen.
Im Ãœbrigen streiten aus der pauschalen Individualisierung resultierende Zweifel im Fall einer nachfolgenden Verurteilung zugunsten des Angeklagten fÃ¼r die Annahme von TatidentitÃ¤t und somit fÃ¼r das Vorliegen des Verfolgungshindernisses des ne-bis-in-idem (RIS-Justiz RS0120226; RS0119552).
Entgegen dem Vorbringen der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) wurden durch die Abweisung der in der Hauptverhandlung am 7.Â MaiÂ 2019 (ONÂ 874 SÂ 63, teils unter Verweis auf ONÂ 837) gestellten AntrÃ¤ge auf Vernehmung diverser Zeugen Verteidigungsrechte nicht geschmÃ¤lert.
Hinsichtlich H***** Sa***** zielte der Antrag auf Befragung der als â€žTraderâ€œ arbeitenden Zeugen, darÃ¼ber, â€ždass die Bewertungen bei G***** immer in Ordnung waren und hier zuverlÃ¤ssig gearbeitet wurdeâ€œ (vgl USÂ 103) nicht auf die Wiedergabe der Wahrnehmung von Tatsachen, sondern auf Bewertungen, die aber nicht Gegenstand einer Zeugenaussage sind (Â§Â 154 AbsÂ 1 StPO).
Die AntrÃ¤ge auf Vernehmung des K***** W***** zum (als notorisch angenommenen) Thema â€žgrundsÃ¤tzliche Chancen und Risiken von Immobilienentwicklungenâ€œ, von Mag.Â H***** P***** und J***** V***** zu laufenden Beratungen fÃ¼r die G***** AG durch eine Steuerberatungskanzlei sowie von R***** Sch***** und S***** A***** zur Frage, ob PW***** alle zur PrÃ¼fung der Bilanzen des Unternehmens erforderlichen Unterlagen zur VerfÃ¼gung hatte, konnten sanktionslos abgewiesen werden, weil das Gericht ohnehin von den unter Beweis zu stellenden UmstÃ¤nden ausging (Â§Â 55 AbsÂ 2 ZÂ 3 StPO).
Die Vernehmung des Zeugen F*****, der am Beispiel der (nicht anklagerelevanten) G*****A***** AG darstellen sollte, dass â€ždie Beteiligungsstrategien der G*****AG gut gewesen wÃ¤renâ€œ und die LiquiditÃ¤tskrise der G*****AG durch die globale Finanzkrise ausgelÃ¶st wurde, konnte ebenfalls unterbleiben, weil das angegebene Beweisthema, soweit es Ã¼berhaupt die Wahrnehmung von Tatsachen betraf (Â§Â 154 AbsÂ 1 StPO), keinen Bezug zum in der falschen Darstellung der Finanzlage des Unternehmens in Aussendungen und auf der Homepage gelegenen Anklagevorwurf (vgl US 21, 29 f, 31Â f) aufwies und so nicht erkennen lieÃŸ, inwieweit sie geeignet gewesen wÃ¤re, die BeweiswÃ¼rdigung der Tatrichter maÃŸgeblich zu beeinflussen (RIS-Justiz RS0116987).
Davon, dass die Anleger grundsÃ¤tzlich Ã¼ber die Veranlagungsrisiken informiert wurden, ging das Gericht aus (vgl USÂ 104). Insofern konnte auch die Vernehmung des Zeugen B***** zu diesem Thema unterbleiben (Â§Â 55 AbsÂ 2 ZÂ 3 StPO). Ob dieser selbst die Vorgaben der G*****AG missachtet hat, betrifft nicht den â€“ wie bereits ausgefÃ¼hrt â€“ in der falschen Darstellung der Finanzlage des Unternehmens in Aussendungen und auf der Homepage gelegenen Anklagevorwurf (USÂ 21), das Beweisthema war somit nicht auf erhebliche Tatsachen gerichtet.
Den erforderlichen Bezug zum Gegenstand der zur Last liegenden Straftat lÃ¤sst auch der Antrag auf Vernehmung der Zeugen O*****, L***** und Fr***** zum Beweis der tatsÃ¤chlichen GrÃ¶ÃŸe von in RumÃ¤nien gelegenen â€“ tatsÃ¤chlich nicht realisierbaren (USÂ 33, 93) â€“ Liegenschaften und zur Informationslage der Angeklagten nicht erkennen (USÂ 104Â f; zur fehlenden Eignung des Immobilienbestands das finanzielle Problem des Unternehmens zu lÃ¶sen vgl USÂ 67Â f, 82 f, 93).
Undeutlichkeit nach ZÂ 5 erster Fall liegt vor, wenn nicht klar ersichtlich ist, ob und gegebenenfalls auch aus welchem Grund eine entscheidende Tatsache festgestellt worden ist oder Ã¼berhaupt, wenn nicht zu erkennen ist, was das Urteil feststellen wollte (RIS-Justiz RS0117995).
Die Konstatierungen zu den GeschÃ¤digten und den SchadensbetrÃ¤gen, die durch Verweis auf die im Verfahren AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien erzielten Verfahrensergebnisse (zur ZulÃ¤ssigkeit vgl Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 396, 579) erfolgten, sind in dieser Hinsicht nicht undeutlich (ZÂ 5 erster Fall). Auch die Absicht des Angeklagten, wiederkehrend Betrugshandlungen zu begehen, die einzeln auch Ã¼ber 5.000Â Euro Schaden verursachten, wurde â€“ dem Einwand der RÃ¼ge zuwider â€“ unmissverstÃ¤ndlich festgestellt (USÂ 30, 35).
Nichts anderes gilt fÃ¼r die kritisierte Konstatierung, es habe in der G*****AG Liegenschaften von unbekanntem Wert gegeben (USÂ 33; ZÂ 5 erster Fall). Soweit der BeschwerdefÃ¼hrer unter Verweis auf seiner Ansicht nach die Werthaltigkeit der Immobilien beweisende Aussagen eine fÃ¼r ihn gÃ¼nstigere Feststellung reklamiert, kritisiert er bloÃŸ die BeweiswÃ¼rdigung des Erstgerichts nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren nicht zulÃ¤ssigen Berufung wegen Schuld.
Entgegen der Kritik der RÃ¼ge (ZÂ 5 dritter Fall) besteht zwischen den Urteilsaussagen, die Kursbewertungen seien nach Absprache mit dem Angeklagten von S***** manipuliert worden (USÂ 22), und dieser habe die Kursbewertung (grundsÃ¤tzlich) auf Basis der von den Tradern gelieferten Daten vorgenommen, zum Teil habe er auch direkt die von Sc***** bereitgestellten Rechnungen Ã¼bernommen (USÂ 23), kein Widerspruch.
Die Feststellungen zu den GeschÃ¤digten und zu den auf diese entfallenden SchadensbetrÃ¤ge (USÂ 29) grÃ¼ndeten die Tatrichter â€“ logisch und empirisch mÃ¤ngelfrei â€“ auf das â€žAnmeldeverzeichnis im Konkursverfahrenâ€œ (USÂ 74). Entgegen der Kritik der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 vierter Fall) kam dieses Beweismittel (ONÂ 718Â f) durch einverstÃ¤ndlichen Vortrag des gesamten Akteninhalts gemÃ¤ÃŸ Â§Â 252 AbsÂ 2a StPO in der Hauptverhandlung vor (ONÂ 876 SÂ 17).
Die Konstatierungen zu einer gewerbsmÃ¤ÃŸigen Tendenz auch im Hinblick auf die Begehung schwerer Betrugshandlungen (Â§Â 148 zweiter Fall StGB; USÂ 30) grÃ¼ndeten die Tatrichter ohne VerstoÃŸ gegen die GrundsÃ¤tze logischen Denkens und allgemeine ErfahrungssÃ¤tze auf die im Sinn der Anklage gestÃ¤ndige Verantwortung des Zweitangeklagten S***** (USÂ 62, 65, 95) im Zusammenhalt mit dem Ã¤uÃŸeren Geschehensablauf, nÃ¤mlich â€ždasselbe Verhaltensmusterâ€œ und â€žden selben modus operandi, der auch darauf ausgerichtet war, sich ein fortlaufendes betrÃ¤chtliches Einkommen im hÃ¶chstmÃ¶glichen AusmaÃŸ fÃ¼r lange Zeit zu verschaffenâ€œ (USÂ 95; ZÂ 5 vierter Fall).
Entgegen dem zu II./D./ erhobenen Einwand der Undeutlichkeit der Konstatierungen zur â€žUnvertretbarkeitâ€œ des angestrebten GeschÃ¤fts (ZÂ 5 erster Fall) haben die Tatrichter mit den Urteilsaussagen zu einem â€žfirmenfremdenâ€œ GeschÃ¤ft (USÂ 44), bei dem 100.000Â Euro fÃ¼r einen ungewissen Zweck an nicht nÃ¤her bekannte GeschÃ¤ftspartner mit unbekanntem Ausgang Ã¼bergeben wurden (USÂ 39Â f), wobei dem Mitangeklagten S***** klar war, dass es sich um ein â€ždubioses und kein reales GeschÃ¤ftâ€œ handelte (USÂ 97Â f), eine ausreichend deutliche Sachverhaltsbasis fÃ¼r die rechtliche Bewertung des GeschÃ¤fts als unvertretbar geschaffen.
Soweit die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 erster und dritter Fall) schlieÃŸlich zu II./C./1./ kritisiert, der zur Berechnung des Gesamtschadens herangezogene Betrag fÃ¼r Zahlungen ohne Rechtsgrundlage im JahrÂ 2005 in HÃ¶he von insgesamt 106.378Â Euro stimme mit der rechnerischen Summe der TeilbetrÃ¤ge nicht Ã¼berein (richtig: 111.434,11Â Euro; USÂ 37 dritter Absatz), spricht sie â€“ weil die Abweichung die Qualifikation des Â§Â 153 AbsÂ 3 zweiter Fall StGB nicht berÃ¼hrtÂ â€“ keine entscheidende Tatsache an und ist zudem nicht zum Vorteil des Angeklagten ausgefÃ¼hrt (Â§Â 282 StPO).
Gegenstand von Rechts- und SubsumtionsrÃ¼ge ist ausschlieÃŸlich der Vergleich des zur Anwendung gebrachten materiellen Rechts, einschlieÃŸlich prozessualer Verfolgungsvoraussetzungen, mit dem festgestellten Sachverhalt (RIS-Justiz RS0099810). Davon ausgehend genÃ¼gt es zur prozessfÃ¶rmigen AusfÃ¼hrung der RÃ¼ge nicht, die angestrebte rechtliche Konsequenz bloÃŸ zu behaupten. Diese ist vielmehr methodisch vertretbar aus dem Gesetz abzuleiten (RIS-Justiz RS0116565).
Weshalb die durch Verweis auf die im Konkursverfahren AZÂ ***** des Handelsgerichts Wien errichteten Anmeldungsverzeichnisse (Â§Â 108 IO) getroffenen erstgerichtlichen Feststellungen (vgl neuerlich RIS-Justiz RS0119301 [T3 und T4]) zu den geschÃ¤digten Anlegern und den jeweiligen SchadensbetrÃ¤gen sowie dem Gesamtschaden in HÃ¶he von 25.193.958,47Â Euro (USÂ 4, 29) die Subsumtion nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 3 StGB nicht tragen sollten, legt die Beschwerde (Z 9 lit a) nicht dar.
Ebenso bleibt unklar, weshalb die Konstatierung, der Angeklagte habe in der Absicht gehandelt, wiederkehrend schwere Betrugshandlungen, â€ždie einzeln auch Ã¼ber 5.000Â Euro Schaden bei den Anlegern verursachtenâ€œ (USÂ 30, 35), â€žrechtlich nicht beurteilt werdenâ€œ kann (vgl aber Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 148 RzÂ 6/2) und â€žauch sonst kein Tatbestand erfÃ¼lltâ€œ sein sollte.
Weiters vermisst die RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) zu II./C./1./, II./D./, II./E./1./ und II./E./2./ Feststellungen zur Willenskomponente in Ansehung des jeweiligen Befugnismissbrauchs. Sie geht dabei aber nicht â€“ wie dies erforderlich wÃ¤re â€“ von der Gesamtheit der Feststellungen zur subjektiven Tatseite aus, die durch die Bezugnahme auf die jeweils voranstehenden Passagen Ã¼ber den Befugnismissbrauch auch die darauf bezogene voluntative Komponente zum Ausdruck bringen (USÂ 38: â€ždurch diese ungerechtfertigten Zahlungenâ€œ [II./C./1./]; USÂ 40: â€ždadurchâ€œ [II./D./]; USÂ 43: â€ždurch sein Handeln einen VermÃ¶gensschaden zufÃ¼gteâ€œ [II./E./1./ und 2./]). Im Ãœbrigen macht die Beschwerde nicht klar, weshalb das hiezu festgestellte Wissen des Angeklagten die Willenskomponente nicht inkludieren sollte (RIS-Justiz RS0088835 [T4]).
Gleiches gilt fÃ¼r die Konstatierungen zur VermÃ¶gensverringerung und zum Befriedigungsausfall zu III./A./. Der entsprechende bedingte Vorsatz wurde durch Verweis auf die vom Vorsatz umfasste Tathandlung (â€ždurch diese zu II./D./ geschilderte Tathandlungâ€œ; USÂ 44) und den Schaden bei den GlÃ¤ubigern der G*****AG hinreichend konstatiert USÂ 45).
Zutreffend weist zwar die SubsumtionsrÃ¼ge (ZÂ 10) zu I./ darauf hin, dass der Ausspruch nach Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 2 StPO insofern fehlerhaft geblieben ist, als B***** W***** danach des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2 und AbsÂ 3, 148 zweiter Fall StGB schuldig erkannt wurde (USÂ 7), obwohl die Qualifikation des Â§Â 147 AbsÂ 3 StGB jene des AbsÂ 2 zufolge SpezialitÃ¤t verdrÃ¤ngt (Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 147 RzÂ 61; 14Â OsÂ 102/19k).
Doch lÃ¤sst eine Analyse von Spruch und GrÃ¼nden zweifelsfrei erkennen, dass (lediglich) das Verbrechen des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betrugs nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 3, 148 zweiter Fall StGB als durch die als erwiesen angenommenen Tatsachen begrÃ¼ndet angesehen wurde (vgl eindeutig USÂ 119, USÂ 122). Somit liegt kein â€“ Nichtigkeit (ZÂ 10) begrÃ¼ndender â€“ Subsumtionsirrtum, sondern bloÃŸ ein Anlass zu â€“ oben bereits erfolgter â€“ Klarstellung vor (RIS-Justiz RS0116669; 11Â OsÂ 39/08g; 12Â OsÂ 14/17a; 15Â OsÂ 108/19z; Lendl, WK-StPO Â§Â 260 Rz 32; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 Rz 622Â f).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher â€“ groÃŸteils in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ bereits bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO). Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.