Document Number: JJT_20200713_OGH0002_0110OS00054_20F0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0110OS00054.20F.0713.000
Case Number: 11Os54/20f
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1594598400000
Word Count: 1199

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 13.Â JuliÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Schwab als Vorsitzenden sowie die VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Marek, die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Bachner-Foregger und Mag.Â FÃ¼rnkranz und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl als weitere Richter in der Strafsache gegen Orhan D***** und andere Angeklagte wegen des Vergehens der Veruntreuung nach Â§Â 133 AbsÂ 1, AbsÂ 2 erster Fall StGB und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Sinisa J***** und Levent S***** gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien als SchÃ¶ffengericht vom 16.Â JÃ¤nnerÂ 2020, GZÂ 71Â HvÂ 132/19d-65, weiters Ã¼ber die Beschwerde des Angeklagten Sinisa J***** gegen einen Beschluss gemÃ¤ÃŸ Â§Â 494a StPO nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur nichtÃ¶ffentlich (Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019) den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Den Angeklagten Sinisa J***** und Levent S***** fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil, das auch einen unbekÃ¤mpft in Rechtskraft erwachsenen Schuldspruch des Orhan D***** und einen Ausspruch nach Â§ 20 Abs 3 StGB enthÃ¤lt, wurden Sinisa J***** des Vergehens der Veruntreuung als Beteiligter nach Â§Â 12 dritter Fall, Â§Â 133 AbsÂ 1, AbsÂ 2 erster Fall StGB (II) sowie dieser und Levent S***** jeweils des Vergehens der Hehlerei nach Â§Â 164 AbsÂ 2, AbsÂ 3 StGB (III) und des Vergehens der GeldwÃ¤scherei nach Â§Â 165 AbsÂ 2 StGB (IV) schuldig erkannt.
Danach haben â€“ soweit im Verfahren Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden relevant â€“ in W***** und andernorts
II)Â Sinisa J***** von 18.Â JuliÂ 2018 bis â€ž27.Â FebruarÂ 2019â€œ zur AusfÃ¼hrung strafbarer Handlungen des Orhan D***** beigetragen, der ein ihm anvertrautes Gut in einem 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden Wert, nÃ¤mlich insgesamt sieben im Urteil zu I/A/1/i und I/A/2 nÃ¤her bezeichnete fremdfinanzierte und unter Eigentumsvorbehalt der jeweiligen Kreditgeber stehende Kraftfahrzeuge im Wert von insgesamt 117.101,93Â Euro, sich und Dritten mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz zueignete, indem Sinisa J***** die Kraftfahrzeuge von Orhan D***** kaufte, ihm unter Vorlage gefÃ¤lschter DatenblÃ¤tter bei deren Abmeldung im Inland half und sie in der Folge nach Ungarn und RumÃ¤nien verkaufte (USÂ 9Â f);
III)Â Kraftfahrzeuge in einem 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden Wert, die ein anderer, nÃ¤mlich Orhan D*****, betrÃ¼gerisch, somit durch eine mit Strafe bedrohte Handlung gegen fremdes VermÃ¶gen, erlangt hatte, gekauft, und zwar
A)Â Sinisa J***** am 8.Â OktoberÂ 2018 das im Urteil unter I/B/2 bezeichnete Fahrzeug im Wert von 13.691,52Â Euro;
B)Â Levent S***** am 11.Â OktoberÂ 2018 das im Urteil unter I/B/1 bezeichnete Fahrzeug im Wert von 45.104Â Euro;
IV)Â Sinisa J***** (A) und Levent S***** (B) in der Folge wissentlich die zu III bezeichneten Fahrzeuge, sohin VermÃ¶gensbestandteile, die aus einer mit mehr als einjÃ¤hriger Freiheitsstrafe bedrohten Handlung eines anderen herrÃ¼hrten, durch Verkauf verwertet und einem Dritten Ã¼bertragen.
Dagegen richten sich von Sinisa J***** auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5, 8, 9 litÂ a und ZÂ 11 StPO und von Levent S***** auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 und 5a StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerden.
Rechtliche Beurteilung
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Sinisa J*****:
Der Undeutlichkeit der Feststellungen zur objektiven Tatseite behauptenden MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 erster Fall) zuwider ist den EntscheidungsgrÃ¼nden unzweifelhaft zu entnehmen (RIS-Justiz RS0117995; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 419), hinsichtlich welcher von Orhan D***** veruntreuten Fahrzeuge von einem Tatbeitrag des BeschwerdefÃ¼hrers auszugehen ist (USÂ 5 iVm USÂ 3Â f und 9Â f). Der VollstÃ¤ndigkeit halber sei angemerkt, dass entgegen dem Vorbringen ein PunktÂ I/A/2 im Spruch (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 2 StPO) lediglich einmal â€“ und zwar auf USÂ 3 (nicht hingegen auf USÂ 4 â€“ dort [Unter-]PunktÂ I/A/2/iv/2) â€“ vorkommt.
Mit der Kritik an der Verwendung der Begriffe â€žStaatsangehÃ¶rigkeitâ€œ und â€žStaatsbÃ¼rgerschaftâ€œ des Angeklagten und der Bezeichnung seines Unternehmens als â€žKFZ Stefanâ€œ oder â€žKFZ-Stefanâ€œ beziehen sich die weiteren EinwÃ¤nde der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 erster Fall) nicht auf entscheidende Tatsachen.
Die urteilsmÃ¤ÃŸige Entscheidung Ã¼ber die Kostenersatzpflicht des Verurteilten (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 5 iVm Â§Â 389 AbsÂ 1 StPO) kann nicht mit Nichtigkeitsbeschwerde (oder Berufung), sondern allein mit Kostenbeschwerde angefochten werden (RIS-Justiz RS0101604), womit sich ein Eingehen auf die dagegen gerichteten AusfÃ¼hrungen (nominell ZÂ 8 und 9 litÂ a mit den Ã¼beraus subtilen Behauptungen, eine â€“ auch nicht angeklagte â€“ â€žVerurteilungâ€œ zum Kostenersatz hÃ¤tte nicht ergehen dÃ¼rfen, vielmehr eine â€žVerpflichtungâ€œ dazu) erÃ¼brigt.
Die RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 litÂ a) nimmt nicht an den (im Rechtsmittel ohnedies wiedergegebenen) Feststellungen zum â€“ in der Abmeldung und der Abwicklung des Verkaufs der unter Eigentumsvorbehalt stehenden Fahrzeuge gelegenen â€“ Tatbeitrag des Angeklagten (USÂ 9 bis 11, 13) MaÃŸ und legt nicht dar, weshalb darÃ¼ber hinaus Konstatierungen zu einer zivilrechtlich wirksamen Ãœbertragung von Eigentum an Dritte zu treffen gewesen wÃ¤ren (RIS-Justiz RS0094072, RS0094102; Salimi in WK2 StGB Â§ 133 Rz 67, 85; Wach, SbgK Â§ 133 Rz 33; Fabrizy, StGB13 Rz 3).
Die (mit der Behauptung, bei Erhalt der Fahrzeuge durch den BeschwerdefÃ¼hrer sei â€žnoch keine â€šmit Strafe bedrohte Handlung gegen dieseâ€˜ gemachtâ€œ worden, nicht an den tatrichterlichen Feststellungen orientierte â€“ vgl jedoch RIS-Justiz RS0099810) Argumentation zu den SchuldsprÃ¼chen III/A und IV/A (ZÂ 9 litÂ a, der Sache nach auch ZÂ 10), das konstatierte wissentliche Ansichbringen des von Orhan D***** am 17. September 2018 betrÃ¼gerisch erlangten Fahrzeugs und dessen daran anschlieÃŸende WeiterverÃ¤uÃŸerung durch den Angeklagten (USÂ 4Â f, 11Â ff, 14, 25) wÃ¤re nicht als (Sach-)Hehlerei (vgl Kirchbacher in WK2Â StGB Â§Â 164 RzÂ 10Â ff, 23Â ff) und auch nicht â€“ in echter Konkurrenz dazu (RIS-Justiz RS0130149; Kirchbacher in WK2 StGB Â§Â 164 RzÂ 42, Â§Â 165 RzÂ 25) â€“ als GeldwÃ¤scherei (vgl Kirchbacher in WK2 StGB Â§Â 165 RzÂ 18Â f) anzusehen, entbehrt methodengerechter Ableitung aus dem Gesetz (RIS-Justiz RS0116565).
Mit dem Einwand, das Erstgericht habe bestimmte weitere MilderungsgrÃ¼nde nicht berÃ¼cksichtigt, wird Nichtigkeit aus ZÂ 11 nicht zur gesetzmÃ¤ÃŸigen Darstellung gebracht, weil damit weder eine offenbar unrichtige rechtliche Beurteilung festgestellter Strafzumessungstatsachen noch ein unvertretbarer VerstoÃŸ gegen allgemeine StrafbemessungsgrundsÃ¤tze behauptet wird (RIS-Justiz RS0099911).
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Levent S*****:
Die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 dritter Fall) verkennt, dass Hehlerei nach Â§Â 164 AbsÂ 2 StGB (ebenso wie GeldwÃ¤scherei nach Â§Â 165 AbsÂ 2 StGB â€“ Fabrizy, StGB13 Â§Â 165 RzÂ 3) als alternativer Mischtatbestand konzipiert ist (Kirchbacher in WK2 StGB Â§Â 164 RzÂ 17, Â§Â 165 RzÂ 14, 18; RIS-Justiz RS0095357, RS0095773 [T2]), weshalb die Frage, ob der BeschwerdefÃ¼hrer das von Orhan D***** betrÃ¼gerisch erlangte Fahrzeug (USÂ 11) gekauft oder sonst an sich gebracht hat, keine entscheidende Tatsache betrifft.
ZÂ 5a des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO will als TatsachenrÃ¼ge nur schlechterdings unertrÃ¤gliche Feststellungen zu entscheidenden Tatsachen (das sind schuld- oder subsumtionserhebliche TatumstÃ¤nde, nicht aber im Urteil geschilderte BegleitumstÃ¤nde oder im Rahmen der BeweiswÃ¼rdigung angestellte ErwÃ¤gungen) und vÃ¶llig lebensfremde Ergebnisse der BeweiswÃ¼rdigung durch konkreten Verweis auf aktenkundige Beweismittel (bei gleichzeitiger Bedachtnahme auf die Gesamtheit der tatrichterlichen BeweiswerterwÃ¤gungen) verhindern. TatsachenrÃ¼gen, die auÃŸerhalb solcher SonderfÃ¤lle auf eine ÃœberprÃ¼fung der BeweiswÃ¼rdigung abzielen, beantwortet der Oberste Gerichtshof ohne eingehende eigene ErwÃ¤gungen, um Ã¼ber den Umfang seiner Eingriffsbefugnisse keine MissverstÃ¤ndnisse aufkommen zu lassen (RIS-Justiz RS0118780).
Die TatsachenrÃ¼ge vermag mit dem Hinweis auf die Angaben des Zeugen C***** (USÂ 21Â f) in Verbindung mit der Kritik an der Bewertung der (fÃ¼r glaubwÃ¼rdig befundenen â€“ vgl RIS-Justiz RS0106588 [T9]) Verantwortung des Angeklagten Orhan D***** durch das SchÃ¶ffengericht (USÂ 20Â f) keine nach allgemein menschlicher Erfahrung gravierenden Bedenken (RIS-Justiz RS0119583) an der Richtigkeit der bekÃ¤mpften Urteilsannahmen zu erwecken. Der BeschwerdefÃ¼hrer stellt den von den Tatrichtern aus den angefÃ¼hrten (in Verbindung mit weiteren) Beweisen abgeleiteten SchlÃ¼ssen vielmehr bloÃŸ fÃ¼r sich gÃ¼nstigere Folgerungen gegenÃ¼ber und bekÃ¤mpft damit unzulÃ¤ssig deren BeweiswÃ¼rdigung nach Art einer Schuldberufung (â€žunlogischâ€œ, â€žlebensfremdâ€œ uÃ¤).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur, jedoch entgegen der vom Angeklagten Levent S***** dazu erstatteten Ã„uÃŸerung â€“ nach nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen und die Beschwerde folgt (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.