Document Number: JWT_2019180440_20200612L00
ECLI: ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019180440.L00
Case Number: Ra 2019/18/0440
Application Type: Vwgh
Court: Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
Decision Date: 1591920000000
Word Count: 4520

Spruch
Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben.
Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der HÃ¶he von 1.346,40 â‚¬ binnen zweiÂ Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.
BegrÃ¼ndung
1Â Der Revisionswerber, ein iranischer StaatsangehÃ¶riger, stellte am 29.Â FebruarÂ 2016 einen Antrag auf internationalen Schutz, den er im Laufe des Verfahrens zusammengefasst damit begrÃ¼ndete, aufgrund seiner Konversion zum Christentum bei RÃ¼ckkehr in den Iran verfolgt zu werden.
2Â Mit Bescheid vom 10.Â JÃ¤nnerÂ 2018 wies das Bundesamt fÃ¼r Fremdenwesen und Asyl (BFA) den Antrag des Revisionswerbers auf internationalen Schutz zur GÃ¤nze ab, erteilte ihm keinen Aufenthaltstitel aus berÃ¼cksichtigungswÃ¼rdigen GrÃ¼nden, erlieÃŸ gegen ihn eine RÃ¼ckkehrentscheidung, stellte fest, dass seine Abschiebung in den Iran zulÃ¤ssig sei, undÂ legte eine zweiwÃ¶chige Frist fÃ¼r die freiwillige Ausreise fest.
3Â Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) -Â nach DurchfÃ¼hrung einer mÃ¼ndlichen VerhandlungÂ - mit dem angefochtenen Erkenntnis als unbegrÃ¼ndet ab und erklÃ¤rte die Revision gemÃ¤ÃŸ Art.Â 133 Abs.Â 4Â B-VG fÃ¼r nicht zulÃ¤ssig.
4Â Nach den Feststellungen des BVwG wurde der Revisionswerber in Teheran geboren, wuchs dort auf und lebte etwa bis zu seinem 19. oder 20.Â Lebensjahr bei seinen Eltern. Nach seiner EheschlieÃŸung am 23.Â FebruarÂ 2010 wohnte er -Â gemeinsam mit seiner EhegattinÂ - weiterhin in Teheran in einer eigenen Wohnung. Die Scheidung erfolgte am 2.Â JuliÂ 2015. Der Revisionswerber befand sich als Jugendlicher wegen Nichteinhaltung des Fastengebots 24Â Stunden in Haft; es wurde eine Geldstrafe gegen ihn verhÃ¤ngt. Ferner wurde er in der lÃ¤nger zurÃ¼ckliegenden Vergangenheit mehrfach bezÃ¼glich der Einhaltung der islamischen Speisegebote (absolutes Verbot von Alkohol) kontrolliert und einmal -Â vor etwa acht oder zehnÂ JahrenÂ - nach einer Kontrolle ausgepeitscht. Er war in seinem Herkunftsstaat jedoch weder aus GrÃ¼nden der Religion noch aus anderen GrÃ¼nden einer aktuellen, unmittelbaren persÃ¶nlichen und konkreten Gefahr von intensiven staatlichen Ãœbergriffen oder intensiven Ãœbergriffen von Privatpersonen ausgesetzt.
5Â Nach seiner Einreise in Ã–sterreich besuchte der Revisionswerber zunÃ¤chst etwa ein oder zweiÂ Wochen eine protestantische Kirche. AnschlieÃŸend fand er Zugang zur rÃ¶misch-katholischen Kirche, wo er zunÃ¤chst in der Betreuung durch das Institut St. Justinus im Rahmen von mehreren Aufenthalten in Mariazell einen viermonatigen Vorkatechumenat absolvierte. Daraufhin erfolgte am 29.Â NovemberÂ 2016 nach dem Rituale Romanum die Aufnahme in den Katechumenat der katholischen Kirche, und wurde er schlieÃŸlich auf diesem Weg Mitglied der rÃ¶misch-katholischen Kirche und am 7.Â JÃ¤nnerÂ 2018 in Heiligenkreuz im Wienerwald getauft.
6Â Der Revisionswerber war zunÃ¤chst ab 14.Â DezemberÂ 2016 bis 11.Â AugustÂ 2017 in M wohnhaft. Bereits zuvor ab OktoberÂ 2016 besuchte er in der dortigen Pfarrgemeinde regelmÃ¤ÃŸig Gottesdienste, pflegte einen guten Kontakt zum dortigen Pfarrer und engagierte sich bei PfarraktivitÃ¤ten, wie etwa dem Pfarrcafe und Hilfsdiensten. Seit 3.Â NovemberÂ 2017 hatte er seinen Hauptwohnsitz (an unterschiedlichen Adressen) in P, wo er zunÃ¤chst Gottesdienste in einer bestimmten Pfarrgemeinde besuchte. Anfang FebruarÂ 2018 bezog er eine von der Pfarre P bereitgestellte Einzimmerwohnung in einer anderen Pfarrgemeinde und nimmt ca.Â seit AprilÂ 2018 an den Gottesdiensten und dem Gemeinschaftsleben in dieser Pfarrgemeinde teil. Ein- oder zweimal besuchte er dabei auch religiÃ¶se Runden, nÃ¤mlich die sogenannte â€žMÃ¤nnergruppeâ€œ, und verrichtet in dieser Pfarrgemeinde Hilfsdienste.
7Â Weiters fÃ¼hrte das BVwG -Â soweit fÃ¼r das Revisionsverfahren relevantÂ - aus, eine bereits im Iran bestehende persÃ¶nliche Bedrohung bzw.Â Verfolgung des Revisionswerbers aufgrund eines Interesses am Christentum sei nicht glaubhaft. Abgesehen von oberflÃ¤chlichen Informationen habe er vor seiner Ausreise aus seinem Herkunftsstaat keine Kenntnisse Ã¼ber das Christentum gehabt. Er habe -Â entgegen seinem VorbringenÂ - in seinem Herkunftsstaat nicht an Sitzungen von Hauskirchen teilgenommen, keine Bibel besessen und sich auch sonst nicht mit dem Christentum auseinandergesetzt oder diesen Glauben praktiziert. Er habe vor seiner Ausreise auch nicht beschlossen, Christ zu werden. Dergleichen und ein Abfall vom Islam wÃ¼rden ihm auch nicht unterstellt.
8Â Ungeachtet der in Ã–sterreich erfolgten Taufe habe sich der Revisionswerber auch nicht tatsÃ¤chlich vom islamischen Glauben abgewandt. In den vergangenen dreieinhalb Jahren habe er zwar ein gewisses Interesse am Christentum entwickelt, er sei aber nicht aus innerer Ãœberzeugung zum Christentum konvertiert, und der christliche Glaube sei nicht wesentlicher Bestandteil seiner IdentitÃ¤t geworden. Seine Hinwendung zum Christentum erweise sich als eine Scheinkonversion, die der Erlangung des Status des Asylberechtigten dienen solle. Es sei daher auch nicht davon auszugehen, dass er sich im Falle einer RÃ¼ckkehr in seinen Herkunftsstaat weiterhin mit dem christlichen Glauben befassen oder nach dem christlichen Glauben leben oder sich privat oder Ã¶ffentlich zum christlichen Glauben bekennen wÃ¼rde. Der Revisionswerber missioniere derzeit nicht und wÃ¼rde in seinem Herkunftsstaat auch nicht christlich missionieren.
9Â Wenn von der christlichen Taufe und den christlichen AktivitÃ¤ten des Revisionswerbers jemand (z.Â B. seine FamilienangehÃ¶rigen) im Herkunftsstaat Kenntnis habe, kÃ¶nne es sich nur um Personen handeln, die er selbst informiert und von denen er nichts zu befÃ¼rchten habe. Die BehÃ¶rden im Herkunftsstaat hÃ¤tten von seiner -Â nicht aus innerer Ãœberzeugung erfolgtenÂ - Konversion keine Kenntnis, und es sei auch nicht davon auszugehen, dass sie von seinem christlichen Engagement und seiner Taufe im Falle der RÃ¼ckkehr in den Iran Kenntnis erlangen wÃ¼rden. Selbst fÃ¼r den Fall, dass weitere AngehÃ¶rige, das Ã¼brige soziale Umfeld, sonstige Privatpersonen oder die BehÃ¶rden im Herkunftsstaat von der Taufe und den religiÃ¶sen AktivitÃ¤ten des Revisionswerbers in Ã–sterreich Kenntnis hÃ¤tten oder erlangen sollten, liefe er nicht ernstlich Gefahr im Zusammenhang mit der behaupteten Konversion zum Christentum oder wegen eines allenfalls unterstellten Glaubensabfalls bei einer RÃ¼ckkehr in seinen Herkunftsstaat intensiven Ãœbergriffen durch den Staat, andere BevÃ¶lkerungsteile oder sonstige Privatpersonen ausgesetzt zu sein. Dem Revisionswerber wÃ¼rde nicht mit maÃŸgeblicher Wahrscheinlichkeit physische oder psychische Gewalt, Strafverfolgung oder eine andere aktuelle sowie unmittelbare persÃ¶nliche und konkrete Verfolgung, Bedrohung oder sonstige GefÃ¤hrdung drohen.
10Â BeweiswÃ¼rdigend fÃ¼hrte das BVwG aus, grÃ¶ÃŸeres Gewicht als einzelne WissenslÃ¼cken des Revisionswerbers Ã¼ber das Christentum hÃ¤tte der Umstand, dass er -Â trotz eingehender BefragungÂ - weder im Verfahren vor dem BFA noch in der Verhandlung vor dem BVwG schlÃ¼ssig darlegen habe kÃ¶nnen, dass er sich aus Ãœberzeugung vom Islam ab- und dem Christentum zugewandt habe sowie dass und aus welchen GrÃ¼nden er sich mit dem Christentum identifiziere.
11Â So habe er Fragen, die auf seine persÃ¶nliche GlaubensÃ¼berzeugung und seinen persÃ¶nlichen Bezug zum Christentum oder zum rÃ¶misch-katholischen Glauben gerichtet gewesen seien, weitgehend oberflÃ¤chlich und gerade ohne erkennbaren persÃ¶nlichen Bezug zur Religion und zu seiner GlaubensÃ¼berzeugung beantwortet. So habe er zum Beispiel auf die Frage â€žWelche Bedeutung hat Jesus Christus fÃ¼r Sie?â€œ lapidar einfachsten Inhalt christlicher Lehre wiedergegeben: â€žEr ist der Sohn Gottes.â€œ Auf die Fragen, wann und in welcher Situation er das erste Mal das BedÃ¼rfnis gehabt habe, sich vom Islam abzuwenden und warum der Islam fÃ¼r ihn nicht mehr ausreichend und akzeptabel gewesen sei, habe er relativ allgemein und teils (vgl.Â insbesondere die letzten beiden SÃ¤tze der Aussage) phrasenhaft geantwortet: â€žDas ist nicht auf einmal passiert. Wie ich davor erzÃ¤hlt habe, ich war noch jung, als ich begonnen habe, den Islam mit anderen Religionen zu vergleichen. Ich kann Ihnen als Beispiel einen Vorfall schildern. Ich war noch in der Schule, ich war 14 oder 15 Jahre alt, es war Fastenzeit. Ich war krank und musste Medikamente nehmen. Als mich der Direktor gesehen hat, hat er mich bestraft. Ich hatte Angst vor dem islamischen Gott. Wenn man den Koran ansieht, darin steht nur Ã¼ber Krieg, Vergeltung, Gewalt von HÃ¶lle und von dem Feuer dort. Man hat nur Angst im Islam, vor Gott und dem Glauben.â€œ
12Â Keinen Bezug zur persÃ¶nlichen GlaubensÃ¼berzeugung weise auch die Antwort auf die Frage auf, wann er sich fÃ¼r das Christentum entschieden habe bzw.Â seit wann er sich selbst als Christ fÃ¼hle und bezeichne (â€žIch habe einen Freund gehabt, dieser hat mir in dieser Richtung viel geholfen. Als ich diesen Weg fand, war er eine groÃŸe Hilfe fÃ¼r mich. Seit diesem Zeitpunkt, als ich begonnen habe, richtig zu glauben, sehe ich mich als Christ. Ich habe mich sehr verÃ¤ndert, seither.â€œ). Auch verwundere, dass es dem Revisionswerber nicht mÃ¶glich gewesen sei, vor dem BVwG prÃ¤zise anzugeben, wann er sich entschieden habe, dem christlichen Glauben beizutreten, handle es sich bei einem Glaubenswechsel doch um ein einschneidendes Ereignis, welches eine deutliche ZÃ¤sur im Leben eines Menschen darstelle. Ã„hnlich oberflÃ¤chlich seien die Aussagen des Revisionswerbers zur Frage gewesen, warum er sich ausgerechnet fÃ¼r die rÃ¶misch-katholische Kirche entschieden habe.
13Â Auch in der Antwort auf die Frage, warum er sich habe taufen lassen, komme kein nennenswerter persÃ¶nlicher Bezug zum Christentum zum Ausdruck. Die Antwort des Revisionswerbers (â€žEgal, ob ich katholisch oder eine andere Richtung wÃ¤hle, ein Christ sollte oder muss getauft werden.â€œ) lasse keineswegs erkennen, dass und weshalb es ihm ein seiner religiÃ¶sen Ãœberzeugung entspringendes persÃ¶nliches BedÃ¼rfnis (gewesen) wÃ¤re, sich taufen zu lassen, sondern er habe zu verstehen gegeben, dass er die Taufe als Akt der PflichterfÃ¼llung betrachtet.
14Â Die Aussagen des Revisionswerbers â€žzur Bedeutung des christlichen Glaubens, den Auswirkungen und den VerÃ¤nderungen in seinem Leben durch das Christentumâ€œ wertete das BVwG als â€žplattitÃ¼denhaftâ€œ. Die angegebenen â€žAllgemeinplÃ¤tzeâ€œ (â€žChristen, Jesus bedeutet ErlÃ¶ser, ErlÃ¶sung. Als ich diesen Weg ausgesucht habe, hat es mir geholfen, ich hatte frÃ¼her kein einfaches Leben. Ich habe frÃ¼her Angst vor Gott gehabt und auch vor meinem Weiterleben. Seit ich meine Richtung gewechselt habe, weiÃŸ ich, dass mich Gott nicht bestraft, sondern er hilft mir bei diesem Weg, welchen ich ausgesucht habe.â€œ) lieÃŸen nicht auf eine wahrhaftige christliche Ãœberzeugung schlieÃŸen. Er sei zwar sichtlich bemÃ¼ht gewesen, einen persÃ¶nlichen Bezug herzustellen, habe jedoch kein einziges konkretes Beispiel genannt und sei in seinen Ã„uÃŸerungen ausgesprochen kryptisch geblieben.
15Â Warum sich der Revisionswerber fÃ¼r die rÃ¶misch-katholische Glaubensgemeinschaft entschieden habe, habe er ebenso nicht schlÃ¼ssig erÃ¶rtern kÃ¶nnen, sondern sich in seiner Antwort weitgehend auf die Empfehlung seiner Bekannten beschrÃ¤nkt, die ihm von ihrer Kirche erzÃ¤hlt hÃ¤tten.
16Â Seine Antwort, wie er den christlichen Glauben nun in Ã–sterreich lebe, lasse ebenso wenig den Schluss zu, der Revisionswerber identifiziere sich mit dem Christentum. Die Verrichtung von HilfstÃ¤tigkeiten fÃ¼r Freunde und in der Kirche erwiesen sich in der Gesamtschau als der Versuch, Ã¶ffentlichkeitswirksam -Â zum Zweck der AsylerlangungÂ - eine (angebliche) christliche Ãœberzeugung zu demonstrieren. Hilfsbereitschaft lasse generell keineswegs zwingend auf eine christliche Ãœberzeugung oder Einstellung schlieÃŸen, denn Hilfsbereitschaft gelte auch auÃŸerhalb christlicher Religionen als Tugend und kÃ¶nne durchaus auch anderen als christlichen Motiven entspringen. Dass die Hilfsbereitschaft des Revisionswerbers ausgerechnet christlich motiviert wÃ¤re, sei nicht zu erkennen. Den Empfehlungsschreiben der Pfarrer J, H und B sei hauptsÃ¤chlich zu entnehmen, dass der Revisionswerber durchwegs Ã¼ber positive Charaktereigenschaften verfÃ¼ge.
17Â Auch die Angaben des vom BVwG als Zeugen einvernommenen Pfarrers B lieÃŸen nicht den Schluss zu, dass sich der Revisionswerber tatsÃ¤chlich vom Islam ab- und aus Ãœberzeugung dem Christentum zugewandt habe. Die Frage, warum sich der Revisionswerber ausgerechnet der rÃ¶misch-katholischen Kirche anschlieÃŸen habe wollen, habe der Zeuge nicht beantworten kÃ¶nnen (â€žDas weiÃŸ ich nicht.â€œ). Ferner seien die Angaben des Zeugen, wie der Revisionswerber den christlichen Glauben lebe, vielfach allgemein gehalten und erlaubten nur wenig RÃ¼ckschlÃ¼sse auf dessen tatsÃ¤chliche GlaubensÃ¼berzeugung (â€žEr kommt in den Gottesdienst und das regelmÃ¤ÃŸig.Â Ich meine damit jeden Sonntag und Feiertag. [Er] feiert gerne mit und hÃ¤lt auch Kontakte in der Pfarre, er hat sehr gute Kontakte. Er ist von den Leuten auch wirklich gern gesehen. [Er] ist sehr hilfsbereit, das ist fÃ¼r mich Ausdruck des christlichen Glaubens, er strahlt auch aus, dass er in sich ein guter Mensch ist.â€œ). Auch die Antwort auf die Frage, obder Pfarrer im Laufe der Zeit beim Revisionswerber eine VerÃ¤nderung habe feststellen kÃ¶nnen, enthalte keinen Bezug zu dessen religiÃ¶ser Ãœberzeugung. Der Zeuge habe diese Frage verneint und lediglich eine allgemeine Charakterisierung seines VerhÃ¤ltnisses zum Revisionswerber getroffen. SchlieÃŸlich habe der Zeuge zwar geschildert, dass er glaube, dass der katholische Glaube fÃ¼r den Revisionswerber wirklich von Bedeutung sei. Selbiges gelte fÃ¼r den Besuch des Gottesdienstes, zumal der Revisionswerber auch immer zur Kommunion gehe. Soweit er dies sehen kÃ¶nne, handle es sich bei der Lebensweise des Revisionswerbers um eine christliche. Was den Zeugen dazu veranlasse, all dies zu glauben, lasse sich der Aussage jedoch nicht (nachvollziehbar) entnehmen. Letztlich habe der Zeuge diesbezÃ¼glich nur anfÃ¼hren kÃ¶nnen, dass der Revisionswerber an den Gottesdiensten und dem Gemeinschaftsleben in der Pfarre teilnehme und zur Kommunion gehe. Hier gelte, dass die -Â wenn auch regelmÃ¤ÃŸige und hÃ¤ufigeÂ - Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen keineswegs Ausdruck einer (tiefen) religiÃ¶sen Ãœberzeugung sein mÃ¼sse und konkret im Falle des Revisionswerbers auch nicht sei, auch wenn der Zeuge diesen Ã¤uÃŸeren VorgÃ¤ngen eine grÃ¶ÃŸere Bedeutung beimesse.
18Â Ebenso wenig lieÃŸen die Angaben des vom BVwG als Zeugen einvernommenen Pfarrers H die Annahme zu, dass sich der Revisionswerber tatsÃ¤chlich vom Islam ab- und aus Ãœberzeugung dem Christentum zugewandt habe. Danach gefragt, warum sich der Revisionswerber ausgerechnet der katholischen Kirche anschlieÃŸen habe wollen, habe sich der Zeuge lediglich auf ErzÃ¤hlungen des Revisionswerbers betreffend dessen angebliche religiÃ¶se Einstellung und Praxis im Iran gestÃ¼tzt, die sich jedoch als nicht glaubhaft erwiesen hÃ¤tten (â€ž[Er] hat mir erzÃ¤hlt, dass [er] mit dem muslimischen Glauben nicht mehr zurechtkam. Er erzÃ¤hlte, dass er schon im Iran Ã¼ber einen Freund oder so vom Christentum erfahren hatte. FÃ¼r ihn war das die MÃ¶glichkeit, ein neues und sinnvolles Leben zu fÃ¼hren. Den muslimischen Glauben hielt [er] nicht mehr aus. Als im Iran bekannt wurde, dass [er] Christ werden will, musste [er] das Land verlassen.â€œ). Eine nachvollziehbare BegrÃ¼ndung, weshalb der Revisionswerber sich fÃ¼r einen Beitritt zur rÃ¶misch-katholischen Kirche entschieden habe, habe sich in den Aussagen des Zeugen nicht erkennen lassen. Ebenso seien die Angaben des Zeugen, wie der Revisionswerber den christlichen Glauben lebe, vielfach allgemein gehalten und erlaubten nur wenig RÃ¼ckschlÃ¼sse auf die tatsÃ¤chliche GlaubensÃ¼berzeugung des Revisionswerbers (â€žIn den Monaten[,] in denen [er] bei uns war, ist [er] regelmÃ¤ÃŸig zu den Gottesdiensten gekommen. Das ist fÃ¼r uns das HerzstÃ¼ck des christlichen Glaubens und zur Verbindung zu Gott. Dadurch entwickelt man auch die FÃ¤higkeit, den Menschen mit Liebe und Toleranz zu begegnen.â€œ)
19Â Das BVwG stelle nicht in Abrede, dass der Revisionswerber auÃŸenwirksam am Leben der katholischen Kirche teilnehme und Ã¶ffentlichkeitswirksam religiÃ¶se ErklÃ¤rungen abgebe. Unter BerÃ¼cksichtigung der Zeugenaussagen, der Aussagen und des Aussageverhaltens des Revisionswerbers in der mÃ¼ndlichen Verhandlung und aller sonstigen Beweismittel und ErwÃ¤gungen sei das BVwG jedoch zu dem Ergebnis gelangt, dass sich der Revisionswerber nicht tatsÃ¤chlich vom Islam abgewandt habe, dass er nicht aus innerer Ãœberzeugung zum Christentum konvertiert und dass der christliche Glaube nicht wesentlicher Bestandteil seiner IdentitÃ¤t sei.
20Â Gegen dieses Erkenntnis wendet sich die vorliegende auÃŸerordentliche Revision, welche zu ihrer ZulÃ¤ssigkeit vorbringt, dass Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes dahingehend fehle, ob es sich bei einem Taufschein um eine â€žÃ¶ffentliche bzw.Â eine gleichgestellte Ã¶ffentliche Urkundeâ€œ im Sinne der ZPO handle. Dem Taufschein komme voller Beweis zu, was jedoch vom BVwG verkannt worden sei. Des Weiteren wendet sich die Revision gegen die durchgefÃ¼hrte BeweiswÃ¼rdigung sowie die dabei unterstellte Scheinkonversion in Ã–sterreich und macht dazu BegrÃ¼ndungsmÃ¤ngel geltend.
21Â Das BFA erstattete keine Revisionsbeantwortung.
Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:
22Â Die Revision ist zulÃ¤ssig und auch begrÃ¼ndet.
23Â Nach Â§Â 3 Abs.Â 1 AsylG 2005 ist Voraussetzung fÃ¼r die Zuerkennung des Status des Asylberechtigten die Glaubhaftmachung, dass dem Asylwerber im Herkunftsstaat Verfolgung im Sinn des Art.Â 1Â Abschnitt A ZÂ 2 Genfer FlÃ¼chtlingskonvention (GFK), demnach aus GrÃ¼nden der Rasse, Religion, NationalitÃ¤t, ZugehÃ¶rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder der politischen Gesinnung droht (vgl.Â VwGHÂ 23.1.2019, RaÂ 2018/01/0442, mwN).
24Â Nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kommt es fÃ¼r die AsylgewÃ¤hrung auf die FlÃ¼chtlingseigenschaft im Sinn der GFK zum Zeitpunkt der Entscheidung an. Es ist demnach fÃ¼r die Zuerkennung des Asylstatus zum einen nicht zwingend erforderlich, dass bereits in der Vergangenheit Verfolgung stattgefunden hat, zum anderen ist eine solche â€žVorverfolgungâ€œ fÃ¼r sich genommen auch nicht hinreichend. Entscheidend ist, ob die betroffene Person vor dem Hintergrund der zu treffenden aktuellen LÃ¤nderfeststellungen im Zeitpunkt der Entscheidung des Verwaltungsgerichts bei RÃ¼ckkehr in ihren Herkunftsstaat mit maÃŸgeblicher Wahrscheinlichkeit mit Verfolgungshandlungen rechnen mÃ¼sste (vgl.Â VwGHÂ 3.5.2016, RaÂ 2015/18/0212, mwN).
25Â Sofern die Revision moniert, es fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes dazu, ob es sich bei einem Taufschein um eine â€žÃ¶ffentliche bzw.Â eine gleichgestellte Ã¶ffentliche Urkundeâ€œ im Sinne der ZPO handle, ist ihr Folgendes zu entgegnen: Ein Taufschein bescheinigt die erfolgte Taufe und die damit begrÃ¼ndete ZugehÃ¶rigkeit des Getauften zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Die Wirksamkeit dieses nach kirchenrechtlichen Vorschriften vollzogenen Aktes wird dadurch unter Beweis gestellt. Sie wurde vom BVwG im gegenstÃ¤ndlichen Fall aber ohnedies nicht in Zweifel gezogen. Insofern geht das Revisionsvorbringen, der Beweiswert des Taufscheins sei nicht beachtet worden, ins Leere (vgl.Â auch VwGHÂ 11.12.2019, RaÂ 2019/20/0538). Dem Faktum der Taufe bzw.Â der Mitgliedschaft in der rÃ¶misch-katholischen Glaubensgemeinschaft kÃ¤me aus asylrechtlicher Sicht nur dann Bedeutung zu, wenn bereits der (formale) Religionswechsel fÃ¼r sich betrachtet mit maÃŸgeblicher Wahrscheinlichkeit asylrechtliche Verfolgung im Herkunftsstaat nach sich ziehen wÃ¼rde, und zwar ungeachtet der Frage, ob der Konvertit diesen ernsthaft oder nur zum Schein vorgenommen hat. Dass diese Voraussetzungen im vorliegenden Fall gegeben wÃ¤ren, lÃ¤sst sich der angefochtenen Entscheidung nicht entnehmen und wird in der Revision auch nicht aufgezeigt.
26Â Wie der Verwaltungsgerichtshof unter Hinweis auf das Urteil des EuGH vom 5.Â SeptemberÂ 2012, C-71/11 und C-99/11, Y und Z, in stÃ¤ndiger Rechtsprechung bereits erkannt hat, liegt eine begrÃ¼ndete Furcht des Asylwerbers vor asylrelevanter Verfolgung wegen einer Konversion vor, sobald nach Auffassung der zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden im Hinblick auf seine persÃ¶nlichen UmstÃ¤nde vernÃ¼nftigerweise anzunehmen ist, dass er nach RÃ¼ckkehr in sein Herkunftsland religiÃ¶se BetÃ¤tigungen vornehmen wird, die ihn der tatsÃ¤chlichen Gefahr einer Verfolgung aussetzen (vgl.Â etwa VwGHÂ 17.12.2019, RaÂ 2019/18/0350, u.a.). Wesentlich ist somit, ob der Fremde bei weiterer AusÃ¼bung seines (behaupteten) inneren Entschlusses, nach dem christlichen Glauben zu leben, im Falle seiner RÃ¼ckkehr in seinen Herkunftsstaat mit maÃŸgeblicher Wahrscheinlichkeit damit rechnen mÃ¼sste, aus diesem Grund mit die IntensitÃ¤t von Verfolgung erreichenden Sanktionen belegt zu werden (vgl.Â jÃ¼ngst VwGHÂ 5.3.2020, RaÂ 2020/19/0053, mwN).
27Â Der EuGH hat in der zitierten Entscheidung auch ausdrÃ¼cklich hervorgehoben, dass die BehÃ¶rden bei der individuellen PrÃ¼fung eines Antrags auf Anerkennung als FlÃ¼chtling dem Antragsteller nicht zumuten kÃ¶nnen, auf diese religiÃ¶se BetÃ¤tigung zu verzichten, um eine Verfolgung zu vermeiden (EuGHÂ 5.9.2012, C-71/11 und C-99/11, RzÂ 78Â f). Das setzt freilich voraus, dass die Konversion nicht bloÃŸ -Â aus opportunistischen GrÃ¼ndenÂ - zum Schein erfolgt ist. LÃ¤ge nÃ¤mlich eine sogenannte Scheinkonversion vor, wÃ¤re im Allgemeinen nicht zu erwarten, dass der Revisionswerber bei RÃ¼ckkehr in den Herkunftsstaat ihn gefÃ¤hrdende religiÃ¶se BetÃ¤tigungen vornehmen wÃ¼rde und kÃ¶nnte auch nicht davon ausgegangen werden, dass ihn der Verzicht auf das Bekenntnis zu der neuen Glaubensgemeinschaft bzw.Â zu (weiteren) religiÃ¶sen BetÃ¤tigungen unzumutbar belasten wÃ¼rden.
28Â Bei der Beurteilung eines behaupteten Religionswechsels und einer daraus resultierenden Verfolgungsgefahr sowie der PrÃ¼fung einer Scheinkonversion kommt es nach der stÃ¤ndigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes wesentlich auf die aktuell bestehende GlaubensÃ¼berzeugung des Konvertiten an, die im Rahmen einer Gesamtbetrachtung anhand einer nÃ¤heren Beurteilung von Zeugenaussagen und einer konkreten Befragung des Asylwerbers zu seinen religiÃ¶sen AktivitÃ¤ten zu ermitteln ist (vgl.Â VwGHÂ 22.2.2018, RaÂ 2017/18/0426, mwN).
29Â MaÃŸgebliche Indizien fÃ¼r einen aus innerer Ãœberzeugung vollzogenen Religionswechsel sind beispielsweise das Wissen Ã¼ber die neue Religion, die Ernsthaftigkeit der ReligionsausÃ¼bung, welche sich etwa in regelmÃ¤ÃŸigen Gottesdienstbesuchen oder sonstigen religiÃ¶sen AktivitÃ¤ten manifestiert, eine mit dem Religionswechsel einhergegangene Verhaltens- bzw.Â EinstellungsÃ¤nderung des Konvertiten sowie eine schlÃ¼ssige Darlegung der Motivation bzw.Â des auslÃ¶senden Moments fÃ¼r den Glaubenswechsel (vgl.Â etwa VwGHÂ 17.12.2019, RaÂ 2019/18/0350, oder VwGHÂ 14.3.2019, RaÂ 2018/18/0441).
30Â Die Ermittlung und Bewertung solcher Gesichtspunkte im Rahmen von AntrÃ¤gen auf internationalen Schutz, die mit der Furcht vor Verfolgung aus religiÃ¶sen GrÃ¼nden begrÃ¼ndet werden, ist auch nach der Rechtsprechung des EuGH erforderlich. Demnach sind neben der individuellen Lage und den persÃ¶nlichen UmstÃ¤nden des Antragstellers u.a.Â dessen religiÃ¶se Ãœberzeugungen und die UmstÃ¤nde ihres Erwerbs, die Art und Weise, in der der Antragsteller seinen Glauben bzw.Â Atheismus versteht und lebt, sein VerhÃ¤ltnis zu den doktrinellen, rituellen oder regulatorischen Aspekten der Religion, der er nach eigenen Angaben angehÃ¶rt bzw.Â den RÃ¼cken kehren will, seine etwaige Rolle bei der Vermittlung seines Glaubens oder auch ein Zusammenspiel von religiÃ¶sen Faktoren und identitÃ¤tsstiftenden, ethnischen oder geschlechtsspezifischen Faktoren zu berÃ¼cksichtigen (EuGHÂ 4.10.2018, C-56/17, Bahtiyar Fathi, RzÂ 88). Dabei muss der Antragsteller sein Vorbringen zu seinem Religionswechsel gebÃ¼hrend substantiieren (EuGHÂ 4.10.2018 C-56/17, RzÂ 84). Der Umfang des Wissens Ã¼ber die neue Religion wird freilich maÃŸgeblich von den individuellen Voraussetzungen des Antragstellers, seiner PersÃ¶nlichkeit und seinem Bildungsniveau bestimmt, die bei der BeweiswÃ¼rdigung daher angemessen BerÃ¼cksichtigung finden mÃ¼ssen (vgl.Â in diesem Sinne jÃ¼ngst etwa auch dt. BVerfG 3.4.2020, 2 BvR 1838/15, RzÂ 36, sowie das dt. BVerwG 25.8.2015, 1 B 40.15, RzÂ 14).
31Â Bei der Beurteilung der erhobenen Gesichtspunkte haben die AsylbehÃ¶rde und das BVwG weder Inhalte von GlaubenssÃ¤tzen in Frage zu stellen noch haben sie ihre eigene Wertung zu Inhalt und Bedeutung eines Glaubenssatzes an die Stelle derjenigen des Einzelnen oder der Kirche oder Glaubensgemeinschaft zu setzen oder eigene Standpunkte in Sachen des Glaubens zu formulieren. Sie haben auch nicht Ã¼ber die LegitimitÃ¤t religiÃ¶ser GlaubensÃ¼berzeugungen und die Art und Weise ihrer Bekundung zu entscheiden. Die PrÃ¼fung der AsylbehÃ¶rde und des BVwG erfolgt vielmehr unter dem genannten asylspezifischen Blickwinkel, um die erforderliche Gefahrenprognose im Falle der RÃ¼ckkehr des Asylwerbers erstellen zu kÃ¶nnen (vgl.Â in diesem Sinne auch dt. BVerfG, a.a.O., RzÂ 31, unter Hinweis auf EGMR 15.1.2013, Nr.Â 48420/10 u.a., Eweida u.a.Â v. United Kingdom, RzÂ 81; sowie EGMRÂ 8.4.2014, Nr.Â 70945/11 u.a., Magyar KeresztÃ©ny Mennonita Egyhaz u.a.Â v. Ungarn, RzÂ 76).
32Â Ob das BVwG nach Feststellung dieser Indizien im Einzelfall von einem aus innerer Ãœberzeugung vollzogenen Religionswechsel und einer daraus resultierenden VerfolgungsgefÃ¤hrdung im Herkunftsstaat ausgeht, stellt letztlich eine Frage der gerichtlichen BeweiswÃ¼rdigung dar, die nach der stÃ¤ndigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nur dann in Revision gezogen werden kann, wenn das BVwG die im Einzelfall vorgenommene BeweiswÃ¼rdigung in einer die Rechtssicherheit beeintrÃ¤chtigenden, unvertretbaren Weise vorgenommen hat.
33Â Dazu macht die Revision geltend, dass der Revisionswerber einen Taufschein der rÃ¶misch-katholischen Kirche vorgelegt habe. Die Taufe sei dabei erst nach einer 18-monatigen Vorbereitungszeit und nur aufgrund der konkreten EinschÃ¤tzung der rÃ¶misch-katholischen Kirche erfolgt, dass er tatsÃ¤chlich zum katholischen Glauben gefunden habe, diesen Glauben auch in Hinkunft praktizieren und als Mitglied der Glaubensgemeinschaft nach auÃŸen hin vertreten werde. Zudem hÃ¤tten die priesterlichen Zeugen Ã¼bereinstimmend angegeben, dass er regelmÃ¤ÃŸig den Gottesdienst besuche, sich Ã¶ffentlich in seinem Umfeld zum christlichen Glauben bekannt habe und sich auch gegen WiderstÃ¤nde zu diesem Weg entschlossen habe. Das BVwG habe diese Aussagen der Zeugen in einer unvertretbaren Weise ignoriert, sodass eine zeugenschaftliche Einvernahme damit de facto auch unterbleiben hÃ¤tte kÃ¶nnen.
34Â Es sei dem Erkenntnis -Â trotz Aufstellung schlichter Behauptungen ohne nachvollziehbaren BegrÃ¼ndungswert Ã¼ber dutzende SeitenÂ - in keiner Weise nachvollziehbar zu entnehmen, weswegen sÃ¤mtliche BestÃ¤tigungen der rÃ¶misch-katholischen Kirche (sowohl des Taufscheins wie auch der Zeugenaussagen) Ã¼ber die Ernsthaftigkeit des Glaubens des Revisionswerbers nicht zu dessen Gunsten zu wÃ¼rdigen gewesen seien. Dass gerade Zeugenaussagen eine zentrale Bedeutung bei der Beurteilung der inneren Einstellung und der Ernsthaftigkeit eines Glaubenswechsels zukomme, habe der Verwaltungsgerichtshof dagegen in stÃ¤ndiger Rechtsprechung festgehalten (Hinweis auf VwGHÂ 26.3.2019, RaÂ 2018/19/0603).
35Â Angesichts der ausfÃ¼hrlichen Angaben des Revisionswerbers im Rahmen der Beschwerdeverhandlung, der zeugenschaftlichen Einvernahmen zweier Pfarrer und der unzÃ¤hligen Unterlagen bleibe es auch am MaÃŸstab eines objektiven Dritten letztlich offen, wie der Beweis des inneren Glaubenswandels Ã¼berhaupt erbracht werden kÃ¶nne.
36Â Dass der Revisionswerber ohne besonderen Bildungshintergrund die GlaubensgrundsÃ¤tze nur in einfachen Worten wiedergeben habe kÃ¶nnen, sei â€ždenklogischâ€œ. Wenn der Richter sodann behaupte, dass der Revisionswerber keine inneren BeweggrÃ¼nde nachvollziehbar schildern habe kÃ¶nnen, um von der Ernsthaftigkeit zu Ã¼berzeugen, so bleibe auch dies mit Blick auf die Niederschrift haltlos. Der Revisionswerber habe -Â im Ãœbrigen auch fÃ¼r das BVwG glaubhaftÂ - ausgefÃ¼hrt, dass er im Iran durch den Glauben Gewalt erfahren habe, wÃ¤hrend ihn das Christentum mit Liebe erfÃ¼lle (â€žIch habe keine Angst vor meinem Gottâ€œ).
37Â Mit diesen AusfÃ¼hrungen zeigt die Revision im Ergebnis eine vom Verwaltungsgerichtshof wahrzunehmende unschlÃ¼ssige BeweiswÃ¼rdigung auf.
38Â Dem BVwG ist zwar zuzugestehen, dass es den Revisionswerber im Rahmen einer mÃ¼ndlichen Verhandlung umfassend befragt und sich anschlieÃŸend im angefochtenen Erkenntnis Ã¼ber viele Seiten mit den Angaben des Revisionswerbers und den Aussagen der in der mÃ¼ndlichen Verhandlung vernommenen Pfarrer auseinandergesetzt hat. Diese Auseinandersetzung ist jedoch -Â wie die Revision zu Recht aufzeigtÂ - letztlich einseitig zu Lasten des Revisionswerbers erfolgt.
39Â Wie die Revision zutreffend aufzeigt, liegen im vorliegenden Fall zahlreiche Ã¤uÃŸere, objektive UmstÃ¤nde vor, die fÃ¼r eine (ernstgemeinte) Konversion des Revisionswerbers sprechen. So hat sich der Revisionswerber unbestrittenermaÃŸen einem 18-monatigen ernsthaften Vorbereitungskurs einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft unterzogen, bevor er die Taufe empfangen hat. Zudem hat das BVwG die Angaben des Revisionswerbers sowie die diesbezÃ¼glichen Aussagen der beiden Pfarrer als glaubwÃ¼rdig erachtet, dass der Revisionswerber bereits seit seiner Ankunft in Ã–sterreich und unabhÃ¤ngig von umzugsbedingten Ortswechseln regelmÃ¤ÃŸig Gottesdienste und andere Veranstaltungen in den jeweiligen Ã¶rtlichen katholischen Pfarrgemeinden besucht und damit bereits Ã¼ber eine lÃ¤ngere Zeitspanne sein Glaubensinteresse ungebrochen untermauert hat.
40Â Ist auf Grund Ã¤uÃŸerer Tatsachen ein Wechsel der Religion aus innerer Ãœberzeugung nicht unwahrscheinlich, fordern die HÃ¶chstgerichte des Ã¶ffentlichen Rechts in stÃ¤ndiger Rechtsprechung jedoch, dass sich das Gericht umso mehr auf Grund einer ausfÃ¼hrlichen Beurteilung der PersÃ¶nlichkeit und aller UmstÃ¤nde der persÃ¶nlichen GlaubwÃ¼rdigkeit sowie darauf aufbauend einer ins Einzelne gehenden BeweiswÃ¼rdigung und allenfalls der Einvernahme von Personen, die Auskunft Ã¼ber den Glaubenswechsel und die diesem zugrunde liegenden Ãœberzeugungen geben kÃ¶nnen, einen detaillierten Eindruck darÃ¼ber verschaffen muss, inwieweit der Religionswechsel auf einer persÃ¶nlichen Glaubensentscheidung beruht; dies selbst dann, wenn sich der Asylwerber zunÃ¤chst auf unwahre Angaben betreffend seinen Fluchtgrund gestÃ¼tzt hat (vgl.Â etwa mwN VfGH 23.9.2019, EÂ 450/2019; VfGHÂ 27.2.2018, EÂ 2958/2017; und VfGHÂ 12.12.2013, UÂ 2272/2012; sowie VwGHÂ 2.9.2015, RaÂ 2015/19/0091, und VwGHÂ 14.3.2019, RaÂ 2018/18/0441).
41Â Nach der Rechtsprechung der GerichtshÃ¶fe des Ã¶ffentlichen Rechts ist die GlaubwÃ¼rdigkeit der inneren Ãœberzeugung dabei in einer Gesamtbetrachtung aller relevanten UmstÃ¤nde einschlieÃŸlich Zeugenaussagen und religiÃ¶ser AktivitÃ¤ten der betroffenen Person zu beurteilen. Dem widerspricht eine Argumentation des BVwG, die die mangelnde Ãœberzeugungskraft des Beweggrundes zur Konversion genÃ¼gen lÃ¤sst und die Ã¼brigen UmstÃ¤nde wie das Wissen um das Christentum, die Besuche der Gottesdienste und die religiÃ¶sen AktivitÃ¤ten sowie die Aussagen von Zeugen unter Hinweis auf ihre vor dem Hintergrund der mangelnden Ãœberzeugung des Beweggrundes anzunehmende Irrelevanz vollstÃ¤ndig und ausdrÃ¼cklich auÃŸer Acht lÃ¤sst (vgl.Â idS zuletzt VfGH 23.9.2019, EÂ 450/2019).
42Â Die diesbezÃ¼gliche Einvernahme des Revisionswerbers hat zudem -Â entgegen der Annahme des BVwGÂ - nicht ergeben, dass der Revisionswerber keinerlei persÃ¶nliche Motive fÃ¼r seinen Glaubenswechsel angeben konnte. So hat das BVwG selbst festgestellt, dass der Revisionswerber in seiner Kindheit seine bisherige Religion als furchteinflÃ¶ÃŸend und strafend erlebt hat. Dazu hat das BVwG festgestellt, dass der Revisionswerber sich als Jugendlicher wegen Nichteinhaltung des Fastengebots 24Â Stunden in Haft befand und gegen ihn eine Geldstrafe verhÃ¤ngt wurde. Ferner wurde er in der lÃ¤nger zurÃ¼ckliegenden Vergangenheit mehrfach bezÃ¼glich der Einhaltung der islamischen Speisegebote (absolutes Verbot von Alkohol) kontrolliert und einmal -Â vor etwa acht oder zehnÂ JahrenÂ - nach einer Kontrolle ausgepeitscht. Insbesondere vor diesem persÃ¶nlichen Hintergrund, den das BVwG selbst als glaubhaft beurteilt und seinen Feststellungen zu Grunde gelegt hat, kann die ErklÃ¤rung des Revisionswerbers zur Bedeutung des christlichen Glaubens fÃ¼r sein Leben aber nicht als â€žplattitÃ¼denhaftâ€œ abgetan werden (â€žIch habe frÃ¼her Angst vor Gott gehabt und auch vor meinem Weiterleben. Seit ich meine Richtung gewechselt habe, weiÃŸ ich, dass mich Gott nicht bestraft.â€œ).
43Â Im Ãœbrigen ist der Revision zuzustimmen, dass -Â wie der Verwaltungsgerichtshof in seiner Rechtsprechung bereits mehrfach ausgefÃ¼hrt hat (vgl.Â VwGHÂ 14.3.2019, RaÂ 2018/18/0441 sowie VwGHÂ 14.3.2019, RaÂ 2018/18/0455)Â - keine Ã¼berzogenen Erwartungshaltungen seitens des Verwaltungsgerichts anzulegen sind, wenn ein Revisionswerber ohne besonderen Bildungshintergrund seine GlaubensgrundsÃ¤tze in nur einfachen Worten in der Lage ist auszufÃ¼hren.
44Â Verbleiben beim Verwaltungsgericht nach einer ausfÃ¼hrlichen Befragung des Konvertiten -Â so wie offenbar auch im RevisionsfallÂ - Zweifel an dessen wahrer innerer EinstellungsÃ¤nderung und Verdachtsmomente auf das Vorliegen einer Scheinkonversion, so kommt aber einer Befragung von Zeugen (wie Priestern, Taufpaten) umso mehr Bedeutung zu (VwGHÂ 26.3.2019, RaÂ 2018/19/0603).
45Â Wenn dem BVwG, wie es in seiner BegrÃ¼ndung ausfÃ¼hrt, die Aussagen der beiden einvernommenen Priester zu oberflÃ¤chlich geblieben seien, wÃ¤re es an ihm gelegen gewesen, gegebenenfalls durch gezielte Nachfragen bei den Zeugen mehr Ã¼ber den Revisionswerber und seine Glaubenseinstellung zu erfahren. Im Ãœbrigen hat Pfarrer H bei seiner Einvernahme zur Ernsthaftigkeit des Revisionswerbers auch ausgesagt, dass dieser aufgrund seiner Hinwendung zum Christentum Probleme mit muslimischen Mitbewohnern gehabt habe, fÃ¼r die diese Hinwendung â€žeine ArtÂ Verratâ€œ gewesen sei, weshalb die Pfarre letztlich bei einer neuen Quartiersuche geholfen habe.
46Â Ergeben sich aber letztlich auch im Zuge einer detaillierteren Befragung von Zeugen keine klaren Hinweise fÃ¼r eine â€žScheinkonversionâ€œ, so kann das BVwG im Fall eines nach langer Vorbereitungszeit getauften und Ã¼ber lÃ¤ngere Zeit durchgehend aktiven Mitglieds einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft nicht auf Basis lediglich spekulativer Vermutungen von einer solchen ausgehen.
47Â Das angefochtene Erkenntnis war daher wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften gemÃ¤ÃŸ Â§Â 42Â Abs.Â 2 ZÂ 3Â lit.Â b undÂ cÂ VwGG aufzuheben.
48Â Die Kostenentscheidung grÃ¼ndet sich auf Â§Â§Â 47Â ffÂ VwGG in Verbindung mit der VwGH-AufwandersatzverordnungÂ 2014.
Wien, am 12.Â JuniÂ 2020