Document Number: JJT_20200331_OGH0002_0140OS00016_20I0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0140OS00016.20I.0331.000
Case Number: 14Os16/20i
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1585612800000
Word Count: 1113

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 31.Â MÃ¤rzÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â Danek als Vorsitzenden, die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Hetlinger, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Nordmeyer sowie die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Mann und Dr.Â Setz-Hummel in der Strafsache gegen ***** P***** und andere Angeklagte wegen Verbrechen des gewerbsmÃ¤ÃŸigen, als Mitglied einer kriminellen Vereinigung begangenen, schweren Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 2, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1, 130 AbsÂ 2 erster und zweiter Fall (iVm AbsÂ 1 erster und zweiter Fall), Â§Â 15 StGB und einer weiteren strafbaren Handlung Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten ***** P*****, ***** J***** und ***** S***** sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Wiener Neustadt als SchÃ¶ffengericht vom 22.Â OktoberÂ 2019, GZÂ 49Â HvÂ 13/19k-276, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurÃ¼ckgewiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Den Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden die Angeklagten jeweils des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen, als Mitglied einer kriminellen Vereinigung begangenen, schweren Diebstahls durch Einbruch, und zwar ***** P***** sowie ***** J***** (jeweils zu A, B und C) nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 2, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1, 130 AbsÂ 2 (zu ergÃ¤nzen:) erster und zweiter Fall (iVm AbsÂ 1 erster und zweiter Fall), Â§Â 15 StGB und ***** S***** (zu C und D) nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1, 130 AbsÂ 2 (zu ergÃ¤nzen:) erster und zweiter Fall (iVm AbsÂ 1 erster und zweiter Fall) StGB schuldig erkannt.
Danach haben sie in B***** und anderen Orten Ã–sterreichs im einverstÃ¤ndlichen Zusammenwirken als MittÃ¤ter mit weiteren abgesondert Verfolgten mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz gewerbsmÃ¤ÃŸig und als Mitglied einer kriminellen Vereinigung unter Mitwirkung (Â§Â 12 StGB) eines anderen Mitglieds dieser Vereinigung im Urteil namentlich genannten GeschÃ¤digten fremde bewegliche Sachen, nÃ¤mlich hochpreisige Personenkraftwagen und (teilweise) darin befindliche Wertsachen in jeweils 5.000Â Euro, hinsichtlich der Angeklagten P***** und J***** insgesamt 30.000 Euro Ã¼bersteigendem Wert von â€“ bei P***** und J***** â€“ 397.600Â Euro und â€“ bei S***** â€“ 287.340Â Euro, weggenommen und wegzunehmen versucht, wobei sie jeweils FunkstreckenverlÃ¤ngerer zur unbefugten Duplizierung der Funksignale der Kfz-SchlÃ¼ssel verwendeten und solcherart mit widerrechtlich erlangten Zugangscodes in die Fahrzeuge eindrangen, und zwar
(A)Â P***** und J*****
1)Â in der Nacht auf den 4.Â DezemberÂ 2017 einen BMW X1 und einen Volvo V90;
2)Â in der Nacht auf den 2.Â FebruarÂ 2018
einen Mercedes EÂ 220d, einen Audi Q5 und einen Audi A6 Avant, wobei es im letzten Fall beim Versuch blieb;
(B)Â P***** und J***** mit dem abgesondert verfolgten ***** W***** in der Nacht auf den 10.Â AprilÂ 2018 einen BMW X6;
(C)Â P*****, J***** und S***** in der Nacht auf den 28.Â DezemberÂ 2017 einen BMW 520d touring;
(D)Â S*****
1)Â in der Nacht auf den 21.Â DezemberÂ 2017 einen Volvo CX90 und einen BMW 520d xDrive touring;
2)Â in der Nacht auf den 11.Â JÃ¤nnerÂ 2018 einen Porsche Cayenne GTS und zwei Sonnenbrillen.
Rechtliche Beurteilung
Die dagegen von den Angeklagten P***** und J***** (weitgehend inhaltsgleich) aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 und 10 StPO und vom Angeklagten S***** aus Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 5 und 5a StPO ergriffenen Nichtigkeitsbeschwerden sind nicht im Recht.
Zu den Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten P***** und J*****:
Entgegen den EinwÃ¤nden der MÃ¤ngelrÃ¼gen begegnet die Ableitung der Feststellungen zu einem auf die Wertqualifikation nach Â§Â 128 AbsÂ 2 StPO bezogenen Vorsatz der beiden BeschwerdefÃ¼hrer aus dem notorischen Wert von funktionstÃ¼chtigen Autos neueren Modells und der Auswahl von durchwegs der Luxusklasse zugehÃ¶rigen Fahrzeugen als Diebstahlsobjekte (USÂ 24) unter dem Aspekt der BegrÃ¼ndungstauglichkeit (ZÂ 5 vierter Fall) keinen Bedenken.
Bei (wie hier) aufgrund des Zusammenrechnungsgrundsatzes des Â§Â 29 StGB schadensqualifiziertem Diebstahl muss das Ãœberschreiten der jeweils aktuellen Wertgrenze â€“ den Beschwerdestandpunkten zuwider â€“ nicht â€žbereits zu Beginn des Deliktszeitraumsâ€œ vom Vorsatz umfasst sein (14Â OsÂ 111/14a, 112/14y mwN). Mit dem Vorwurf offenbar unzureichender BegrÃ¼ndung einer solchen Annahme des Erstgerichts sprechen die RÃ¼gen daher keine entscheidende Tatsache an.
Die Aussagen der Zeuginnen ***** W***** und ***** K***** blieben nicht unberÃ¼cksichtigt (ZÂ 5 zweiter Fall), vielmehr wurden diese â€“ mit nachvollziehbarer BegrÃ¼ndung â€“ als unglaubwÃ¼rdig erachtet (USÂ 17Â f).
Aus welchem Grund die Konstatierungen, nach denen die Angeklagten bei den ihnen angelasteten DiebstÃ¤hlen sogenannte â€žFunkstreckenverlÃ¤ngererâ€œ verwendeten, mit denen sie â€“ auf im Urteil detailliert beschriebene Weise â€“ Funksignale zur anschlieÃŸenden Ã–ffnung der SchlÃ¶sser von Kraftfahrzeugen abfingen, solcherart in diese eindrangen und sie sodann in Betrieb nahmen und stahlen (USÂ 8), fÃ¼r die vorgenommene Subsumtion nach Â§Â 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 (letzter Fall) StGB nicht ausreichen sollten und welche darÃ¼ber hinausgehenden Feststellungen hiefÃ¼r erforderlich gewesen wÃ¤ren, erklÃ¤ren die SubsumtionsrÃ¼gen (ZÂ 10) nicht (vgl dazu im Ãœbrigen RIS-Justiz RS0132569 = 11Â OsÂ 8/19i mwN).
Dass die Konstatierungen, wonach die Angeklagten P***** und J***** es ernstlich fÃ¼r mÃ¶glich hielten und sich damit abfanden, dass der Wert der von ihnen gestohlenen Autos 300.000Â Euro Ã¼berstieg und sie dies auch wollten (USÂ 10), die Annahme der Qualifikation nach Â§Â 128 AbsÂ 2 StGB nicht zu tragen vermÃ¶gen und es insoweit â€“ nach Ansicht des BeschwerdefÃ¼hrers J***** â€“ â€žfall- und faktenbezogener Feststellungen zum qualifizierten Vorsatz, insbesondere auch wann ein solcher qualifizierter Vorsatz vermeintlich gefasst wurdeâ€œ, bedurft hÃ¤tte, wird von den weiteren SubsumtionsrÃ¼gen bloÃŸ unsubstantiiert behauptet (RIS-Justiz RS0116569, vgl im Ãœbrigen RS0132778).
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten S*****:
Entgegen dem â€“ prozessordnungswidrig nur auf eine einzelne Urteilspassage (USÂ 15) rekurrierenden â€“ Vorwurf der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 fÃ¼nfter Fall) wurden die Aussagen des Zeugen W***** bei gebotener Gesamtbetrachtung der EntscheidungsgrÃ¼nde aktenkonform (sinngemÃ¤ÃŸ) referiert (USÂ 16Â f, 22Â f iVm ONÂ 23 SÂ 71, ONÂ 24 SÂ 37Â ff, ONÂ 57 SÂ 36Â ff und ONÂ 245 SÂ 5).
Mit der Behauptung, dass weder die Mitangeklagten noch die im Verfahren vernommenen Zeugen den BeschwerdefÃ¼hrer â€žim Zusammenhang mit den vermeintlichen AutodiebstÃ¤hlen belastetâ€œ hÃ¤tten,
lÃ¤sst die TatsachenrÃ¼ge (ZÂ 5a) auÃŸer Acht, dass
erhebliche Bedenken im Sinn der ZÂ 5a â€“ soweit hier von Bedeutung â€“ nur aus in der Hauptverhandlung vorgekommenen (Â§Â 258 AbsÂ 1 StPO) Verfahrensergebnissen, nicht aber aus dem (angeblichen) Fehlen von Beweisen abgeleitet werden kÃ¶nnen (RIS-Justiz RS0128874; vgl im Ãœbrigen auch
RS0098249).
Soweit die Beschwerde auf ein isoliert zitiertes Detail der â€“ im Urteil berÃ¼cksichtigten (vgl erneut USÂ 15Â ff) â€“ Aussage des Zeugen W***** verweist, nach der S***** nichts mit AutodiebstÃ¤hlen zu tun gehabt habe, weckt sie gleichfalls keine erheblichen Bedenken gegen die Richtigkeit des Ausspruchs Ã¼ber entscheidende Tatsachen, sondern bekÃ¤mpft in unzulÃ¤ssiger Weise die BeweiswÃ¼rdigung der Tatrichter nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren nicht vorgesehenen Schuldberufung.
Dies gilt auch fÃ¼r das weitere Vorbringen, mit dem die RÃ¼ge den Umstand, dass FingerabdrÃ¼cke des Angeklagten S***** in NotizbÃ¼chern des Zeugen W***** sichergestellt werden konnten, in welchen als Diebstahlsobjekte ausgewÃ¤hlte und schlieÃŸlich tatsÃ¤chlich gestohlene Fahrzeuge mit Details und Adressen vermerkt waren, auf Basis eigener BeweiswerterwÃ¤gungen fÃ¼r nicht geeignet erachtet, die TÃ¤terschaft des BeschwerdefÃ¼hrers zu erweisen, und die dazu angestellten â€“ im Ãœbrigen unvollstÃ¤ndig wiedergegebenen â€“ Ãœberlegungen der Tatrichter kritisiert (vgl dazu auch RIS-Justiz RS0119424).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO).
Daraus folgt die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung Ã¼ber die Berufungen (Â§Â 285i StPO).
Der Kostenausspruch beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.