Document Number: JJT_20200907_OGH0002_0020NC00028_20W0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0020NC00028.20W.0907.000
Case Number: 2Nc28/20w
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1599436800000
Word Count: 295

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat durch den SenatsprÃ¤sidenten Dr.Â Veith als Vorsitzenden sowie den Hofrat Dr.Â Musger, die HofrÃ¤tin Dr.Â SolÃ© und die HofrÃ¤te Dr.Â Nowotny und Mag.Â Pertmayr als weitere Richter in der Pflegschaftssache der mjÂ H***** P*****, geboren *****Â 2008, aufgrund der Befangenheitsanzeige der ***** vom 25.Â AugustÂ 2019 im Revisionsrekursverfahren zu AZÂ ***** den
Beschluss
gefasst:
Spruch
***** ist als Mitglied des ***** Senats im Verfahren Ã¼ber die Revisionsrekurse der Eltern zu AZÂ ***** befangen.
Text
BegrÃ¼ndung:
[1] FÃ¼r die Behandlung der im Spruch genannten Rechtsmittel in einem Obsorge- und Kontaktrechtsverfahren ist nach der GeschÃ¤ftsverteilung der ***** Senat des Obersten Gerichtshofs zustÃ¤ndig. ***** ist Mitglied dieses Senats.
[2] ***** zeigt nach Â§Â 22 GOG an, dass ihr Ehemann die Mutter der MinderjÃ¤hrigen seit 15Â Jahren in verschiedenen Verfahren anwaltlich beraten habe. Sie selbst habe die Mutter vor Jahren bei einer privaten Feier persÃ¶nlich kennengelernt. Da die Mutter als Rechtsmittelwerberin Partei des Verfahrens sei, fÃ¼hle sie sich in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt; zudem kÃ¶nne auch der Anschein der Befangenheit bestehen.
Rechtliche Beurteilung
[3] Die Befangenheitsanzeige ist begrÃ¼ndet.
[4] ***** zeigt an, dass sie sich â€žin ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengtâ€œ fÃ¼hle. Damit Ã¤uÃŸert sie Zweifel, eine von unsachlichen Motiven unbeeinflusste Entscheidung treffen zu kÃ¶nnen. In einem solchen Fall ist grundsÃ¤tzlich Befangenheit anzunehmen (RS0046053); anderes gilt nur dann, wenn die Anzeige offenkundig missbrÃ¤uchlich oder die angegebenen UmstÃ¤nde ihrer Natur nach nicht geeignet wÃ¤ren, Befangenheit zu begrÃ¼nden (2Â ObÂ 193/15v; 2Â NcÂ 27/19x).
[5] Letzteres trifft hier nicht zu. Denn es ist nach der Lebenserfahrung nicht ausgeschlossen, dass ein langjÃ¤hriges MandatsverhÃ¤ltnis zwischen dem Ehegatten einer Richterin und einer Partei des Verfahrens zu subjektiver Befangenheit fÃ¼hrt, dies insbesondere dann, wenn die Richterin die Partei auch persÃ¶nlich kennt. Daher ist die Befangenheit von ***** festzustellen. Auf die Frage, ob die angezeigten Tatsachen auch den objektiven Anschein der Befangenheit begrÃ¼nden kÃ¶nnten, kommt es unter diesen UmstÃ¤nden nicht an.