Document Number: JJT_20200916_OGH0002_0130OS00020_20W0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130OS00020.20W.0916.000
Case Number: 13Os20/20w
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1600214400000
Word Count: 5179

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 16.Â SeptemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Michel, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-Hummel in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â PÃ¶ttinger in der Finanzstrafsache gegen Martin M***** und andere Angeklagte wegen Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG sowie weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Martin M*****, Robert S***** und Nikolaus K***** sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz als SchÃ¶ffengericht vom 12.Â SeptemberÂ 2019, GZÂ 24Â HvÂ 6/16p-105, nach Ã¶ffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Mag.Â Stani, sowie der Angeklagten Martin M***** und Robert S***** und ihrer Verteidiger Dr.Â Vacarescu und Mag.Â Klein zu Recht erkannt:
Spruch
In teilweiser Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Martin M***** und aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerden wird das angefochtene Urteil, das im Ãœbrigen unberÃ¼hrt bleibt, in den die Angeklagten Martin M***** und Robert S***** betreffenden StrafaussprÃ¼chen aufgehoben und in diesem Umfang in der Sache selbst erkannt:
Es werden
Martin M***** fÃ¼r die ihm zur Last liegenden Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG (1 und 2Â B iVm 2Â AÂ I) und nach Â§Â 33 AbsÂ 2 litÂ a FinStrG (2Â B iVm 2Â AÂ II) unter Anwendung des Â§Â 21 AbsÂ 1 und 2 FinStrG nach Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ I 1999/28 (1) und idF BGBlÂ IÂ 2010/104 (2Â B) zu einer
Geldstrafe von 140.000Â Euro, im Fall der Uneinbringlichkeit gemÃ¤ÃŸ Â§Â 20 FinStrG zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von sechs Monaten, und
Robert S***** fÃ¼r die ihm zur Last liegenden Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG (1) unter Anwendung des Â§Â 21 AbsÂ 1 und 2 FinStrG idF BGBlÂ 1975/335 nach Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ I 1999/28 zu einer
Geldstrafe von 90.000Â Euro, im Fall der Uneinbringlichkeit gemÃ¤ÃŸ Â§Â 20 FinStrG zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von vier Monaten,
verurteilt.
Die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Robert S***** und Nikolaus K***** sowie die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Martin M***** im Ãœbrigen werden verworfen.
Mit ihren Berufungen werden die Angeklagten Martin M***** und Robert S***** auf die Strafneubemessung verwiesen.
Der Berufung des Angeklagten Nikolaus K***** wird Folge gegeben und Ã¼ber ihn eine
Geldstrafe von 40.000Â Euro, fÃ¼r den Fall der Uneinbringlichkeit gemÃ¤ÃŸ Â§Â 20 FinStrG eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Monaten,
verhÃ¤ngt.
Der Berufung der Staatsanwaltschaft wird nicht Folge gegeben.
Den Angeklagten Martin M*****, Robert S***** und Nikolaus K***** fallen auch die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden â€“ soweit fÃ¼r die Erledigung der Nichtigkeitsbeschwerden und die amtswegige MaÃŸnahme von Bedeutung â€“ Martin M***** (zu 1 und 2Â B iVm 2Â AÂ I), Robert S***** (zu 1) und Nikolaus K***** (zu 2Â AÂ I) jeweils mehrerer Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG, M***** (zu 2Â B iVm 2Â AÂ II) und K***** (zu 2Â AÂ II) darÃ¼ber hinaus jeweils mehrerer Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach Â§Â 33 AbsÂ 2 litÂ a FinStrG schuldig erkannt.
Danach haben
(1)Â Robert S***** und Martin M***** vorsÃ¤tzlich zur AusfÃ¼hrung der strafbaren Handlungen des gesondert Verfolgten Wolfgang Br***** beigetragen (Â§Â 11 dritter Fall FinStrG), der
im ZustÃ¤ndigkeitsbereich des Finanzamts Graz-Umgebung als unternehmensrechtlicher GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der B*****gmbH unter Verletzung abgabenrechtlicher Anzeige-, Offenlegungs- oder Wahrheitspflichten durch Nichtabgabe von JahressteuererklÃ¤rungen binnen der gesetzlichen ErklÃ¤rungsfrist (USÂ 30) eine VerkÃ¼rzung bescheidmÃ¤ÃŸig festzusetzender Abgaben bewirkte, und zwar
an Umsatzsteuer fÃ¼r das JahrÂ 2009 um 68.295,84Â Euro und fÃ¼r das JahrÂ 2010 um 75.327,25Â Euro sowie
an KÃ¶rperschaftsteuer fÃ¼r das JahrÂ 2009 um 27.313,69Â Euro und fÃ¼r das JahrÂ 2010 um 69.509,06Â Euro,
indem sie ihn bei der Beschaffung von Rechnungen, denen keine Lieferungen oder sonstigen Leistungen zugrunde lagen und die zur Aufnahme in die Buchhaltung bestimmt waren, unterstÃ¼tzten, ferner
(2)Â im ZustÃ¤ndigkeitsbereich des Finanzamts Graz-Stadt
(A)Â Nikolaus K***** als unternehmensrechtlicher GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der N***** GmbH vorsÃ¤tzlich eine VerkÃ¼rzung an Umsatzsteuer
(I)Â unter Verletzung abgabenrechtlicher Anzeige-, Offenlegungs- oder Wahrheitspflichten durch Abgabe unrichtiger JahressteuererklÃ¤rungen
fÃ¼r das Jahr 2012 um 62.825,04Â Euro bewirkt und
fÃ¼r das Jahr 2013 um 6.199,80Â Euro zu bewirken versucht (Â§Â 13 FinStrG) sowie
(II)Â unter Verletzung der Verpflichtung zur Abgabe von Â§Â 21 UStG entsprechenden Voranmeldungen fÃ¼r die Kalendermonate
JÃ¤nnerÂ 2013 um 9.831,40Â Euro,
AprilÂ 2013 um 9.858Â Euro,
JuniÂ 2013 um 9.100Â Euro,
JuliÂ 2013 um 15.385,83Â Euro und
AugustÂ 2013 um 8.394Â Euro
bewirkt und dies nicht nur fÃ¼r mÃ¶glich, sondern fÃ¼r gewiss gehalten, weiters
(B)Â Martin M***** vorsÃ¤tzlich zur AusfÃ¼hrung der strafbaren Handlungen des Nikolaus K***** laut den SchuldsprÃ¼chenÂ AÂ I und AÂ II beigetragen (Â§Â 11 dritter Fall FinStrG), indem er Rechnungen, denen keine Lieferungen oder sonstigen Leistungen zugrunde lagen und die zur Aufnahme in die Buchhaltung bestimmt waren, teils ausstellte, teils ihm vermittelte, wobei er die zu AÂ II bewirkten AbgabenverkÃ¼rzungen nicht nur fÃ¼r mÃ¶glich, sondern fÃ¼r gewiss hielt.
Dagegen wenden sich die von M***** auf ZÂ 1, 3, 5, 9 und 11, von S***** auf ZÂ 4, 5, 9 litÂ a und 11 und von K***** auf ZÂ 3 und 5 jeweils des Â§Â 281 AbsÂ 1 StPO gestÃ¼tzten Nichtigkeitsbeschwerden der genannten Angeklagten.
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Martin M*****, soweit sie sich gegen den Schuldspruch richtet:
Rechtliche Beurteilung
Die von der BesetzungsrÃ¼ge (ZÂ 1) behauptete Ausgeschlossenheit der Vorsitzenden des SchÃ¶ffengerichts liegt nicht vor. Dass sie â€žim Verfahrenâ€œ (Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 1 StPO) StaatsanwÃ¤ltin gewesen wÃ¤re, trifft â€“ wie die Beschwerde selbst einrÃ¤umt â€“ nicht zu. Der Umstand, dass sie zurÃ¼ckliegend als (damals noch) StaatsanwÃ¤ltin mit einem anderen (Ermittlungs-)Verfahren gegen den BeschwerdefÃ¼hrer befasst war (das wegen nicht vom Anklagevorwurf umfasster VorwÃ¼rfe gefÃ¼hrt wurde), hinwieder begrÃ¼ndet (auch) keine Ausgeschlossenheit nach Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO. Dass bei einer in jenem Verfahren durchgefÃ¼hrten Durchsuchung DatentrÃ¤ger mit den darauf gespeicherten gegenstÃ¤ndlich inkriminierten Scheinrechnungen â€žgefunden wurdenâ€œ, Ã¤ndert daran nichts; ebenso wenig, dass die Vorsitzende daher am 13.Â OktoberÂ 2016 (im Sinn des Â§Â 44 AbsÂ 2 StPO) den PrÃ¤sidenten des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz â€žim Hinblick auf Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 1 StPO um ÃœberprÃ¼fungâ€œ ersuchte (ONÂ 1 SÂ 19 verso; vgl auch ONÂ 1 SÂ 29Â f). Die gesetzeskonforme ErfÃ¼llung von Dienstpflichten ist nÃ¤mlich per se nicht geeignet, bei einem verstÃ¤ndig wÃ¼rdigenden objektiven Beurteiler naheliegende Zweifel an der Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit eines Richters zu wecken (LÃ¤ssig, WK-StPO Â§Â 43 RzÂ 12; vgl RIS-Justiz RS0097017, RS0097086 [T4, T5], RS0096914).
Der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 3) zuwider hat die Vorsitzende in der Hauptverhandlung am 28.Â MÃ¤rzÂ 2019
â€“ nach dem hierÃ¼ber aufgenommenen, unbedenklichen Protokoll â€“ die SchÃ¶ffen gemÃ¤ÃŸ Â§Â 240a StPO beeidigt (ONÂ 87 SÂ 4). Der auf die Behauptung des Gegenteils gegrÃ¼ndete Einwand eines VerstoÃŸes gegen diese Bestimmung geht schon deshalb ins Leere.
Die von der RechtsrÃ¼ge (ZÂ 9 [gemeint] litÂ a) vermissten Feststellungen zum auf Pflichtverletzungen und auf das Bewirken von AbgabenverkÃ¼rzungen gerichteten Vorsatz des BeschwerdefÃ¼hrers finden sich auf den USÂ 26Â f und 31Â f (zum SchuldspruchÂ 1) sowie den USÂ 35Â f und 37 (zum SchuldspruchÂ 2).
Der Vorwurf, diese â€“ zuvor als gar nicht getroffen bezeichneten â€“ Feststellungen seien auÃŸerdem â€žbegrÃ¼ndungslosâ€œ (der Sache nach ZÂ 5 vierter Fall) geblieben, versÃ¤umt es, an der Gesamtheit der diesbezÃ¼glichen BeweiswerterwÃ¤gungen (USÂ 44Â f) MaÃŸ zu nehmen (siehe aber RIS-Justiz RS0119370).
Welcher konkreten Konstatierungen zur â€žinneren Tatseiteâ€œ es â€“ Ã¼ber die ohnedies getroffenen hinaus â€“ zur rechtsrichtigen Beurteilung aus welchen GrÃ¼nden noch bedurft haben sollte, wird nicht erklÃ¤rt (siehe aber RIS-Justiz RS0116569).
Soweit die RÃ¼ge (zu den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 und 2Â B) Feststellungen zu einem auf bestimmte â€žBetrÃ¤geâ€œ bezogenen Vorsatz des BeschwerdefÃ¼hrers fordert, sei hinzugefÃ¼gt, dass der strafbestimmende Wertbetrag (Â§Â 53 AbsÂ 1 FinStrG) eine â€“ auÃŸerhalb des jeweiligen Tatbestands gelegene â€“ reine RechengrÃ¶ÃŸe ist, auf deren (nicht â€žnullâ€œ betragende) HÃ¶he sich der Vorsatz (gerade) nicht erstrecken muss (LÃ¤ssig in WK2 FinStrG VorÂ FinStrG RzÂ 20 und FinStrG Â§Â 33 RzÂ 48, je mwN).
Dass es in Bezug auf jeden einzelnen der Monate JÃ¤nner, April und Juni bis August 2013 zu (mehr als â€žnullâ€œ betragenden) VerkÃ¼rzungen kam, wurde â€“ dem gegen den SchuldspruchÂ 2Â B (iVm 2Â AÂ II) gerichteten Vorbringen zuwider â€“ im Ersturteil festgestellt (USÂ 36Â f).
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Robert S*****, soweit sie sich gegen den Schuldspruch richtet:
Entgegen der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) verfielen nachstehende BeweisantrÃ¤ge des BeschwerdefÃ¼hrers aus folgenden GrÃ¼nden zu Recht der Abweisung (ONÂ 96 SÂ 29Â f, ONÂ 104 SÂ 36):
Die AntrÃ¤ge auf zeugenschaftliche Vernehmung der Vesna Bj*****, des Karim Ib***** und des Erich Le***** zum Beweis dafÃ¼r, dass der BeschwerdefÃ¼hrer â€žvon AnfangÂ 2009 bis MitteÂ 2010â€œ â€žin Innsbruck lebte, sodass es erst gar nicht mÃ¶glich ist, dassâ€œ er (den in Graz lebenden) â€žWolfgang Br***** bei der Organisation und Beschaffung von Schein- und Deckungsrechnungen fÃ¼r die B*****GmbH unterstÃ¼tzt haben kannâ€œ (ONÂ 96 SÂ 28 iVm ONÂ 74 SÂ 7Â ff), machten nicht klar, weshalb Verschiedenheit der Aufenthaltsorte des unmittelbaren TÃ¤ters und des BeschwerdefÃ¼hrers ausschlieÃŸen kÃ¶nnte, dass dieser die ihm (als BeitrÃ¤ge im Sinn des Â§Â 11 dritter Fall FinStrG) zur Last gelegten Verhaltensweisen gesetzt habe. Damit blieb sowohl offen, inwieweit Ersteres in der Lage wÃ¤re, die zur Feststellung entscheidender Tatsachen anzustellende BeweiswÃ¼rdigung maÃŸgeblich zu beeinflussen (siehe aber RIS-Justiz RS0116987), als auch, inwieweit die gewÃ¼nschten Beweisaufnahmen geeignet wÃ¤ren, Letzteres unter Beweis zu stellen (siehe aber RIS-Justiz RS0118444; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 330Â f).
Soweit AntrÃ¤ge auf Vernehmung mehrerer Personen als Zeugen (ONÂ 96 SÂ 28 iVm ONÂ 74 SÂ 13Â f, 15Â ff und 21) zum Beweis dafÃ¼r gestellt wurden, dass der BeschwerdefÃ¼hrer â€žnicht der faktische Machthaber bzw Verantwortlicheâ€œ der L***** GmbH, der I***** GmbH oder der CP***** GmbH war, galten dem Erstgericht diese Beweisthemen ohnehin als erwiesen (USÂ 25 bis 28 iVm USÂ 22Â f [Â§Â 55 AbsÂ 2 ZÂ 3 StPO]).
Weshalb deren Bejahung der Annahme entgegenstehen sollte, der BeschwerdefÃ¼hrer habe Wolfgang B***** â€žbei der Organisation und Beschaffung von Schein- und Deckungsrechnungenâ€œ der genannten Unternehmen â€žfÃ¼r die B*****GmbHâ€œ unterstÃ¼tzt, machten die AntrÃ¤ge im Ãœbrigen ebenso wenig deutlich (siehe aber RIS-Justiz RS0118444).
Ob die dem BeschwerdefÃ¼hrer â€žangelasteten Beitragshandlungen keineswegs kausal sind, weil Wolfgang Br***** auch alleine imstande gewesen ist, Scheinfirmen zu grÃ¼ndenâ€œ (zum â€žBeweisâ€œ wofÃ¼r die zeugenschaftliche Vernehmung des Pascal Z***** beantragt wurde [ONÂ 104 SÂ 34]), hinwieder ist â€“ als Rechtsfrage (siehe dazu RIS-Justiz RS0089832; Fabrizy in WK2 StGB Â§Â 12 RzÂ 82Â f) â€“ von vornherein kein Gegenstand der Beweisaufnahme (Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 343).
Mit Kritik an der BegrÃ¼ndung der abweislichen Zwischenerkenntnisse entfernt sich die RÃ¼ge vom PrÃ¼fungsmaÃŸstab des herangezogenen Nichtigkeitsgrundes (RIS-Justiz RS0116749, RS0121628 [insbesondere T1]).
Der Erledigung der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5) sei vorangestellt, dass die Tathandlung des Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG (nicht im GrÃ¼nden von â€žScheingesellschaft[en]â€œ, sondern) im Bewirken einer AbgabenverkÃ¼rzung besteht (zum finanzstrafrechtlichen Tatbegriff eingehend LÃ¤ssig in WK2 Vor FinStrG RzÂ 7Â ff mwN). Kausale BeitrÃ¤ge (Â§Â 11 dritter Fall FinStrG) hierzu kÃ¶nnen zeitlich bis zur Vollendung (Â§Â 33 AbsÂ 3 litÂ a FinStrG) des Finanzvergehens (dazu vorliegend USÂ 28, 30Â f) geleistet werden (RIS-Justiz RS0090346, jÃ¼ngst 13Â OsÂ 118/18d [zu Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG]). Soll ein Beitrag â€“ wie hier unter anderem (USÂ 26) â€“ im â€žAnwerbenâ€œ einer Person als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer fÃ¼r ein Unternehmen bestehen, das (unter anderem) zum Zweck des Ausstellens von Scheinrechnungen gegrÃ¼ndet wurde, die den (inhaltlich unrichtigen) AbgabenerklÃ¤rungen zugrundegelegt werden sollten (USÂ 25Â ff), kommt es fÃ¼r die KausalitÃ¤t (zu diesem Erfordernis nÃ¤her Fabrizy in WK2 StGB Â§Â 12 RzÂ 82Â f mwN) des betreffenden Verhaltens demnach nicht darauf an, ob es vor oder nach der GrÃ¼ndung dieses Unternehmens gesetzt wurde.
Entgegen dem Einwand der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 erster Fall) ist Letzteres daher weder fÃ¼r die Schuld- noch fÃ¼r die Subsumtionsfrage bedeutsam, somit nicht entscheidend (RIS-Justiz RS0117264). Soweit sie diesbezÃ¼gliche Feststellungen bekÃ¤mpft, verlÃ¤sst sie schon deshalb den Anfechtungsrahmen (RIS-Justiz RS0117499).
Im Ãœbrigen ging das Erstgericht â€“ unmissverstÃ¤ndlich â€“ davon aus, dass der BeschwerdefÃ¼hrer zu einem Zeitpunkt â€žim JÃ¤nner/FebruarÂ 2009â€œ Tomaz L***** als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der L***** GmbH anwarb, bevor diese Gesellschaft (â€žsodannâ€œ) am 24.Â FebruarÂ 2009 errichtet wurde (USÂ 26).
Auf ZÂ 5 zweiter Fall gestÃ¼tzte Spekulationen, Wolfgang Br***** wÃ¤re auch â€žohne die Mithilfeâ€œ des BeschwerdefÃ¼hrers in der Lage gewesen, â€žScheinfirmen zu grÃ¼ndenâ€œ, berÃ¼hren ebenfalls keinen entscheidenden Aspekt. Dass die geleistete Hilfe zur Vollendung (Â§Â 33 AbsÂ 3 litÂ a FinStrG) des Finanzvergehens (Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG) notwendig war und dessen AusfÃ¼hrung (Â§Â 11 erster Fall FinStrG) ohne diese Hilfe unmÃ¶glich gewesen wÃ¤re, verlangt das Gesetz nÃ¤mlich nicht (erneut RIS-Justiz RS0089832; Fabrizy in WK2 StGB Â§Â 12 RzÂ 82Â f).
Die â€“ das Ausstellen von Scheinrechnungen leugnende â€“ Verantwortung des BeschwerdefÃ¼hrers in der Hauptverhandlung hat das Erstgericht nicht Ã¼bergangen (ZÂ 5 zweiter Fall), sondern als unglaubhaft verworfen (USÂ 41Â f).
Das weitere Vorbringen vermisst Feststellungen (nominell auch ZÂ 5, der Sache nach nur ZÂ 9 litÂ a) zur Frage, an welchem â€žgenauen Tagâ€œ oder zu â€žwelchem genauen Zeitpunktâ€œ der BeschwerdefÃ¼hrer den jeweiligen (Schein-)GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer fÃ¼r die L***** GmbH, die ST***** GmbH, die I***** GmbH und die CP***** GmbH â€žangeworbenâ€œ oder â€žvermitteltâ€œ hat (vgl USÂ 26, 27Â f). Weshalb es derartiger Konstatierungen (Ã¼ber die ohnehin getroffenen hinaus) zur rechtsrichtigen Beurteilung bedurft haben sollte, versÃ¤umt sie aus dem Gesetz abgeleitet darzulegen (siehe aber RIS-Justiz RS0116569).
Die Behauptung, das angefochtene Urteil lasse â€žoffen, ob Wolfgang Br***** als unmittelbarer TÃ¤ter die diesem gemÃ¤ÃŸ Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG obliegenden abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- oder Wahrheitspflichten vorsÃ¤tzlich verletzt hatâ€œ (nominell verfehlt ZÂ 5, der Sache nach ZÂ 9 litÂ a), setzt sich â€“ prozessordnungswidrig (RIS-Justiz RS0099810) â€“ Ã¼ber die (gerade) dazu getroffenen Urteilsfeststellungen (USÂ 6 iVm USÂ 28 und 30Â f) hinweg. Mangels qualitativer AkzessorietÃ¤t sonstigen Beitrags (Â§Â 11 dritter Fall FinStrG) ist fÃ¼r die Strafbarkeit des BeschwerdefÃ¼hrers Ã¼brigens gar nicht von Bedeutung, ob der unmittelbare TÃ¤ter (Â§Â 11 erster Fall FinStrG) vorsÃ¤tzlich gehandelt hat (RIS-Justiz RS0120600; Fabrizy in WK2 StGB Â§Â 12 RzÂ 95).
Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Nikolaus K*****:
Zum Einwand der VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 3), in der Hauptverhandlung am 28.Â MÃ¤rzÂ 2019 wÃ¤re â€“ entgegen Â§Â 240a StPO â€“ die Beeidigung der SchÃ¶ffen unterblieben, sei auf die Erledigung des inhaltsgleichen Vorbringens des Angeklagten Martin M***** verwiesen.
Die Tatrichter gingen davon aus, dass es sich bei den der JahresumsatzsteuererklÃ¤rung fÃ¼r das KalenderjahrÂ 2013 (2Â AÂ I) und den Umsatzsteuervoranmeldungen fÃ¼r die Monate April, Juni, Juli und AugustÂ 2013 (2Â AÂ II) zugrunde gelegten (in der tabellarischen Ãœbersicht auf USÂ 37 angefÃ¼hrten) Rechnungen der C*****Â GmbH um â€žSchein- bzw. Deckungsrechnungenâ€œ Ã¼ber Lieferungen und Leistungen handelte, die das genannte Unternehmen â€žtatsÃ¤chlich nicht erbrachtâ€œ hat (USÂ 36Â f). Diese Feststellungen erschloss das SchÃ¶ffengericht â€“ im Ãœbrigen willkÃ¼rfrei â€“ in vernetzter Betrachtung einer Vielzahl von Beweisergebnissen und daran geknÃ¼pften PlausibilitÃ¤tserwÃ¤gungen (USÂ 47 bis 53).
Das dagegen gerichtete Vorbringen der MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 zweiter und vierter Fall) versÃ¤umt es, an der Gesamtheit der diesbezÃ¼glichen BeweiswÃ¼rdigung MaÃŸ zu nehmen, und bringt damit den herangezogenen Nichtigkeitsgrund nicht zu prozessfÃ¶rmiger Darstellung (RIS-Justiz RS0119370).
Weshalb fÃ¼r die rechtsrichtige Beurteilung Feststellungen darÃ¼ber erforderlich sein sollten, ob in den betreffenden Rechnungen angefÃ¼hrte Leistungen von jemandem anderen erbracht wurden und wer â€žwenn nicht die C*****Â GmbHâ€œ dies gewesen sein kÃ¶nnte, erklÃ¤rt die Beschwerde (nominell ZÂ 5, der Sache nach als RechtsrÃ¼ge) nicht (siehe aber RIS-Justiz RS0116569).
Soweit die RÃ¼ge (ZÂ 5 zweiter, vierter und fÃ¼nfter Fall) nicht deutlich und bestimmt (Â§Â§Â 285 AbsÂ 1, 285a ZÂ 1 StPO) konkrete Feststellungen Ã¼ber entscheidende Tatsachen (RIS-Justiz RS0117499), sondern â€“ jeweils isoliert â€“ einzelne der dazu angestellten beweiswÃ¼rdigenden ErwÃ¤gungen der Tatrichter (zur Frage der Beschaffung und Verarbeitung von Estrich [USÂ 50], des Einkaufs von Fenstern [USÂ 52] und der Erbringung von Elektroinstallationsarbeiten [USÂ 51]) bekÃ¤mpft, verfehlt sie von vornherein den Bezugspunkt der unternommenen Anfechtung (RIS-Justiz RS0130729 [insbesondere T2]).
Auf der Feststellungsgrundlage des Ersturteils ist die Annahme echter Konkurrenz zwischen Â§Â 33 AbsÂ 2 litÂ a FinStrG (2Â AÂ II) und Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG (2Â AÂ I in Bezug auf JahresumsatzsteuerÂ 2013) Ã¼brigens nicht zu beanstanden. Denn danach wurde Letzterer zwar nach Verwirklichung des Ersteren mit Beziehung auf denselben Steuerzeitraum, aber nicht mit Beziehung auf den gleichen Umsatzsteuer-VerkÃ¼rzungsbetrag versucht (dazu LÃ¤ssig in WKÂ² FinStrG Â§Â 33 RzÂ 18 mwN).
In diesem Umfang waren die Nichtigkeitsbeschwerden daher â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ zu verwerfen (Â§Â 288 AbsÂ 1 StPO).
Mit Blick auf Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz StPO sei hinzugefÃ¼gt und der weiteren Rechtsmittelerledigung vorangestellt:
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 4 AbsÂ 2 FinStrG richtet sich die Strafe nach dem zur Zeit der Tat geltenden Recht, es sei denn, dass das zur Zeit der Entscheidung des Gerichts erster Instanz geltende Recht in seiner Gesamtauswirkung fÃ¼r den TÃ¤ter gÃ¼nstiger wÃ¤re (zur BeschrÃ¤nktheit des Gesetzesbegriffs â€žRechtâ€œ auf finanzstrafgesetzliche Vorschriften RIS-Justiz RS0086016, RS0086020 [T1], RS0132285).
Der damit angeordnete GÃ¼nstigkeitsvergleich ist nicht abstrakt, sondern konkret auf Basis des Urteilssachverhalts, und zwar â€“ im Fall von Tatmehrheit (Realkonkurrenz) â€“ fÃ¼r jede Tat (im materiellen Sinn) gesondert vorzunehmen (RIS-Justiz RS0089011). Das Ergebnis dieser PrÃ¼fung ist entweder, dass â€“ streng fallbezogen in einer konkreten Gesamtschau der mÃ¶glichen Unrechtsfolgen (RIS-Justiz RS0119085 [insbesondere T1], RS0119545 [T1, T2], RS0089014) â€“ das Urteilszeitrecht gÃ¼nstiger oder das Tatzeitrecht zumindest gleichgÃ¼nstig fÃ¼r den TÃ¤ter ist (vgl RIS-Justiz RS0112939). Je nachdem ist auf die (einzelne) Tat â€“ in vollem Umfang (RIS-Justiz RS0091798) â€“ entweder Tatzeit- oder Urteilszeitrecht anzuwenden, eine Mischung der verschiedenen Rechtsschichten ist insoweit also unzulÃ¤ssig (RIS-Justiz RS0119085 [T4, T5], RS0088953).
Aspekte (nicht der gerichtlichen Strafbarkeit [ZÂ 9], der Subsumtion [ZÂ 10] oder der Strafbefugnis [ZÂ 11 erster Fall], sondern) der â€“ einzelfallbezogenen â€“ Strafbemessung (ZÂ 11 zweiter und dritter Fall) sind fÃ¼r den GÃ¼nstigkeitsvergleich (Â§Â 4 AbsÂ 2 FinStrG) jedoch bedeutungslos (RIS-Justiz RS0091928, jÃ¼ngst 13Â OsÂ 88/19v).
Nach dem Urteilssachverhalt erfÃ¼llen die von den SchuldsprÃ¼chen umfassten Taten die Tatbestandselemente teils des Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG, teils des Â§Â 33 AbsÂ 2 litÂ a FinStrG (nicht aber des â€“ mit BGBlÂ IÂ 2019/62, somit zum Urteilszeitpunkt bereits aufgehobenen â€“ Â§Â 38 FinStrG in der zur jeweiligen Tatzeit geltenden Fassung). Der Tatbestand des Â§Â 33 AbsÂ 1 FinStrG (in der weiterhin geltenden Fassung BGBlÂ 1975/335) blieb â€“ ungeachtet wiederholter Ã„nderungen des gesetzlichen Umfelds dieser Bestimmung â€“ von den jeweiligen Tatzeitpunkten (1, 2Â AÂ I, 2Â B iVm 2Â AÂ I) bis zum Zeitpunkt der UrteilsfÃ¤llung erster Instanz unverÃ¤ndert. Gleiches gilt fÃ¼r Â§Â 33 AbsÂ 2 litÂ a FinStrG (in der weiterhin geltenden Fassung BGBlÂ I 2010/104) in Bezug auf die von den SchuldsprÃ¼chen 2Â AÂ II und 2Â B iVm 2Â AÂ II erfassten Taten. Urteilszeitrecht und Tatzeitrecht sind daher hier unter dem Aspekt der Subsumtion (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 2 StPO, vgl dazu RIS-Justiz RS0087102 und 13Â OsÂ 129/18x) ident.
Die Strafdrohung ergibt sich â€“ hiervon ausgehendÂ â€“ jeweils aus Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG, der nach jeweiligem Tatzeitregime (idF vor BGBlÂ I 2019/62) eine Geldstrafe bis zum Zweifachen des fÃ¼r den Strafrahmen maÃŸgeblichen VerkÃ¼rzungsbetrags und daneben eine nach MaÃŸgabe des Â§Â 15 FinStrG zu verhÃ¤ngende Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren androhte. DemgegenÃ¼ber droht Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG in der zum Urteilszeitpunkt geltenden Fassung (BGBlÂ IÂ 2019/62) â€“ neben einer Geldstrafe bis zum Zweifachen des fÃ¼r den Strafrahmen maÃŸgeblichen VerkÃ¼rzungsbetrags â€“ eine nach MaÃŸgabe des Â§Â 15 FinStrG zu verhÃ¤ngende Freiheitsstrafe bis zu vier Jahren an.
Die von den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 umfassten BeitrÃ¤ge (Â§Â 11 dritter Fall FinStrG) des M***** und des S***** wurden nach den Urteilsfeststellungen in den Jahren 2009 und 2010, somit jedenfalls vor Inkrafttreten der FinStrG-NovelleÂ 2010 (mit 1.Â JÃ¤nnerÂ 2011, BGBlÂ IÂ 2010/104) geleistet (zum Tatzeitpunkt von Beteiligungshandlungen Salimi in WK2 StGB Â§Â 67 RzÂ 12, 14). Erst seit dieser Novelle umfasst der fÃ¼r den Strafrahmen maÃŸgebliche VerkÃ¼rzungsbetrag (strafbestimmende Wertbetrag; Â§Â 53 AbsÂ 1 FinStrG) nur jene BetrÃ¤ge (an verkÃ¼rzten Abgaben oder ungerechtfertigten Abgabengutschriften), deren VerkÃ¼rzung im Zusammenhang mit den Unrichtigkeiten bewirkt wurde, auf die sich der Vorsatz des TÃ¤ters bezieht (Â§Â 33 AbsÂ 5 zweiter Satz FinStrG idFÂ BGBlÂ IÂ 2010/104 und idF BGBlÂ IÂ 2019/62; dazu nÃ¤her 13Â OsÂ 94/16x, RIS-Justiz RS0086282 [T7]). Nach der zur (jeweiligen) Tatzeit geltenden Normenlage dagegen entsprach der strafbestimmende Wertbetrag jedenfalls dem â€“ gesamten â€“ VerkÃ¼rzungsbetrag (vgl 13Â OsÂ 17/12t und 13Â OsÂ 12/17i zum diesbezÃ¼glich unter Miteinbeziehung der durch die FinStrG-NovelleÂ 2010 im Ãœbrigen vorgenommenen VerschÃ¤rfungen des Sanktionensystems anzustellenden GÃ¼nstigkeitsvergleich).
Auf der Grundlage der Urteilsfeststellungen belaufen sich jene BetrÃ¤ge, deren VerkÃ¼rzung im Zusammenhang mit den Unrichtigkeiten bewirkt wurde, auf die sich der Vorsatz des M***** und des S***** jeweils bezog (Â§Â 33 AbsÂ 5 zweiter Satz FinStrG idgF), an Umsatzsteuer auf 67.295,84Â Euro fÃ¼r das JahrÂ 2009 und 74.327,25Â Euro fÃ¼r das JahrÂ 2010 sowie an KÃ¶rperschaftsteuer auf 26.063,69Â Euro fÃ¼r das JahrÂ 2009 und 68.259,06Â Euro fÃ¼r das JahrÂ 2010 (USÂ 34; SchuldspruchÂ 1). Die Summe der VerkÃ¼rzungsbetrÃ¤ge umfasst aber zusÃ¤tzlich auf (den Feststellungen zufolge nur vom unmittelbaren TÃ¤ter â€žzu verantwortendeâ€œ) â€žSchwarzumsÃ¤tzeâ€œ von jÃ¤hrlich 5.000Â Euro entfallende BetrÃ¤ge an Umsatzsteuer (von zusammen 2.000Â Euro) und an KÃ¶rperschaftsteuer (von zusammen 2.500Â Euro, USÂ 31, 33Â f und 45).
Demzufolge betrÃ¤gt die Summe der strafbestimmenden WertbetrÃ¤ge (Â§Â 53 AbsÂ 1 FinStrG) aus den von den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 umfassten Finanzvergehen des M***** und des S***** nach Tatzeitrecht (Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ IÂ 1999/28) jeweils 240.445,84Â Euro und nach Urteilszeitrecht (Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idgF) jeweils 235.945,84Â Euro. Hiervon ausgehend wÃ¼rde die Anwendung des Urteilszeitrechts (anstelle des Tatzeitrechts) auf diese Sachverhalte â€“ fallkonkret â€“ (jeweils) zu einer Reduktion der Geldstrafdrohung um 9.000Â Euro (Â§Â 33 AbsÂ 5 zweiter Satz FinStrG idgF), jedoch (im Gegenzug) zu einer Verdoppelung der (fakultativen) Freiheitsstrafdrohung (Â§Â 33 AbsÂ 5 letzter Satz FinStrG idgF) fÃ¼hren.
Soweit es die von den SchuldsprÃ¼chenÂ 2 umfassten (durchwegs nach Inkrafttreten der FinStrG-NovelleÂ 2010 BGBlÂ I 2010/104, aber vor Inkrafttreten des Art 4 des EU-FinAnpGÂ 2019 BGBlÂ IÂ 2019/62 begangenen) Finanzvergehen des K***** und des M***** betrifft, ist auf Basis des Urteilssachverhalts â€“ bei gleichbleibendem strafbestimmenden Wertbetrag (jeweils 121.594,07Â Euro, USÂ 38) â€“ nur Letzteres der Fall.
Drohen zu vergleichende Normen (Â§Â 4 AbsÂ 2 FinStrG) â€“ wie hier â€“ Geld- und Freiheitsstrafen nebeneinander an, ist jene Norm gÃ¼nstiger, welche die geringere Freiheitsstrafe androht. Die HÃ¶he der Geldstrafdrohungen ist bei dieser Konstellation unter dem Aspekt des GÃ¼nstigkeitsvergleichs bedeutungslos (13Â OsÂ 84/19f, RIS-Justiz RS0132910 [T1]).
Auf der Tatsachengrundlage des angefochtenen Urteils ist die Strafe daher â€“ richtigerweise â€“ fÃ¼r die von den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 umfassten Finanzvergehen des M***** und des S***** nach Â§Â 33 AbsÂ 5 idF BGBlÂ I 1999/28 und fÃ¼r die von den SchuldsprÃ¼chenÂ 2 umfassten Finanzvergehen des K***** und des M***** nach Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ IÂ 2010/104 zu bemessen. Hiervon ausgehend betrÃ¤gt die Summe der zusammentreffenden Geldstrafdrohungen (Â§Â 21 AbsÂ 2 dritter Satz FinStrG) fÃ¼r M***** 724.079,82Â Euro (2Â xÂ 362.039,91Â Euro), fÃ¼r S***** 480.891,68Â Euro (2Â xÂ 240.445,84Â Euro) und fÃ¼r K***** 243.188,14Â Euro (2Â xÂ 121.594,07Â Euro). Daneben wird jeweils eine (nach MaÃŸgabe des Â§Â 15 AbsÂ 2 FinStrG zu verhÃ¤ngende) Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren angedroht.
Verfehlt nicht nach Tatzeitrecht bemessen wurden â€“ ersichtlich â€“ die Ã¼ber M***** und S***** verhÃ¤ngten Strafen. Ging doch das Erstgericht zu den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 von einer (in Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ IÂ 1999/28 noch nicht vorgesehenen) Reduktion der strafbestimmenden WertbetrÃ¤ge um AbgabenbetrÃ¤ge aus, deren VerkÃ¼rzung im Zusammenhang mit Unrichtigkeiten bewirkt wurde, auf die sich der Vorsatz dieser beiden Angeklagten nicht bezog (USÂ 33Â f, 45, 58, 59). Darin gelegene materielle Nichtigkeit (ZÂ 11 erster Fall) der betreffenden SanktionsaussprÃ¼che kann mit Blick auf deren schon aus anderen GrÃ¼nden erforderliche Aufhebung (siehe sogleich) dahinstehen.
Mangels gegenteiligen Anhaltspunkts im angefochtenen Urteil besteht jedoch â€“ nur insoweit entgegen der Stellungnahme der Generalpokuratur â€“ kein Anlass fÃ¼r die Annahme, das Erstgericht wÃ¤re (auch) bei der K***** betreffenden Strafbemessung â€“ rechtsfehlerhaft (ZÂ 11 erster Fall) â€“ von der nach Urteilszeitrecht (anstelle der nach Tatzeitrecht) erÃ¶ffneten Strafbefugnis ausgegangen.
Zur SanktionsrÃ¼ge des Angeklagten Martin M*****:
Entgegen dem Beschwerdevorbringen (der Sache nach ZÂ 11 erster Fall iVm ZÂ 5 erster Fall) lassen die Konstatierungen zum AusmaÃŸ der VerkÃ¼rzungen an Umsatzsteuer der B*****gmbH (USÂ 31, 34; Teil des SchuldspruchsÂ 1) an Deutlichkeit nichts vermissen. Ihre BegrÃ¼ndung findet sich â€“ von der RÃ¼ge (ZÂ 11 erster Fall iVm ZÂ 5 vierter Fall) prozessordnungswidrig (RIS-Justiz RS0119370) Ã¼bergangen â€“ auf den USÂ 43Â f und 45 (iVm USÂ 6).
Seine Feststellungen zur HÃ¶he der VerkÃ¼rzungen an KÃ¶rperschaftsteuer (USÂ 31; Teil des SchuldspruchsÂ 1) hat das Erstgericht auf die â€“ von ihm als glaubwÃ¼rdig erachtetenÂ â€“ Angaben des Wolfgang Br***** gestÃ¼tzt (USÂ 40 und 42Â ff). Dem Beschwerdevorwurf (ZÂ 11 erster Fall iVm ZÂ 5) zuwider lieÃŸ es damit weder Letztere unerwogen (ZÂ 5 zweiter Fall) noch blieben die bekÃ¤mpften Konstatierungen unbegrÃ¼ndet (ZÂ 5 vierter Fall).
Dagegen zeigt die weitere SanktionsrÃ¼ge (ZÂ 11 erster Fall) zutreffend auf, dass die Tatrichter von einem unrichtigen Strafrahmen ausgingen. Hat doch das SchÃ¶ffengericht die Summe der strafbestimmenden WertbetrÃ¤ge (Â§Â 21 AbsÂ 2 dritter Satz FinStrG) â€“ wie es im Nachhinein selbst erkannte (USÂ 59) â€“ infolge irrtÃ¼mlicher Miteinrechnung eines gar nicht vom Schuldspruch umfassten KESt-Betrags von 102.937,25Â Euro verfehlt mit 460.477,17Â Euro, somit einen Strafrahmen bis zu 920.954,34Â Euro Geldstrafe angenommen.
Zur amtswegigen MaÃŸnahme:
In gleicher Weise wurde â€“ zu dessen Gunsten allerdings nicht geltend gemacht â€“ in Ansehung des Robert S***** die Strafbefugnis Ã¼berschritten (ZÂ 11 erster Fall): Auch zum Nachteil (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz StPO) dieses Angeklagten nahm das Erstgericht die Summe der strafbestimmenden WertbetrÃ¤ge (Â§Â 21 AbsÂ 2 dritter Satz FinStrG) â€“ wie es ebenfalls selbst einrÃ¤umt (USÂ 58) â€“ infolge irrtÃ¼mlicher Miteinrechnung des nicht vom Schuldspruch umfassten KESt-Betrags von 102.937,25Â Euro verfehlt mit 338.883,10Â Euro, somit einen Strafrahmen bis zu 677.766,20Â Euro Geldstrafe an.
Diese BetrÃ¤ge Ã¼bersteigen (zum Nachteil dieser beiden Angeklagten) jene Geldstrafdrohungen, die sich auf Basis der Urteilsfeststellungen â€“ wie dargelegt â€“ nach der jeweils anzuwendenden Fassung des Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG errechnen (nÃ¤mlich 724.079,82Â Euro fÃ¼r M***** und 480.891,68Â Euro fÃ¼r S*****).
Die darin (jeweils) gelegene materielle Nichtigkeit (ZÂ 11 erster Fall; RIS-Justiz RS0099852 [insbesondere T1 und T6], RS0088469; LÃ¤ssig in WK2 FinStrG Â§Â 21 RzÂ 7; Ratz, WK-StPO Â§Â 281 RzÂ 667) fÃ¼hrte â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ zur Aufhebung der die Angeklagten M***** und S***** betreffenden StrafaussprÃ¼che wie aus dem Spruch ersichtlich (Â§Â 288 AbsÂ 2 StPO, teils iVm Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO).
Das â€“ die Berechnungsgrundlage fÃ¼r den strafbestimmenden Wertbetrag in tatsÃ¤chlicher Hinsicht nicht infrage stellende â€“ Beschwerdevorbringen (ZÂ 11 zweiter Fall) des Angeklagten S***** zu dessen damit von Amts wegen beseitigtem Strafausspruch hat demnach auf sich zu beruhen.
Zur Strafneubemessung (betreffend die Angeklagten Martin M***** und Robert S*****):
Nach dem Urteilssachverhalt wurden die â€“ auf dessen Grundlage nach Tatzeitrecht zu beurteilenden (Â§Â 4 AbsÂ 2 FinStrG) â€“ Finanzvergehen des S***** (SchuldspruchÂ 1) durchwegs vor Inkrafttreten der FinStrG-NovelleÂ 2010 begangen. Dagegen treffen bei M***** vor dem Inkrafttreten dieser Novelle begangene (SchuldspruchÂ 1) mit danach begangenen (SchuldspruchÂ 2Â B) Finanzvergehen zusammen. In Bezug auf die â€“ einheitliche (Â§Â 21 FinStrG) â€“ Geldstrafe des M***** sind daher Â§Â 23 AbsÂ 4 FinStrG und Â§Â 26 AbsÂ 1 FinStrG in der durch die FinStrG-NovelleÂ 2010 geÃ¤nderten Fassung (Strafuntergrenze von einem Zehntel der Strafdrohung, keine MÃ¶glichkeit gÃ¤nzlich bedingter Strafnachsicht) anzuwenden, in Bezug auf jene des S***** hingegen nicht (RIS-Justiz RS0132216).
Bei der Strafbemessung war â€“ jeweils iVm Â§Â 23 AbsÂ 2 letzter Satz FinStrG â€“ erschwerend das Zusammentreffen mehrerer Finanzvergehen und der lange Tatzeitraum (Â§Â 33 AbsÂ 1 ZÂ 1 StGB), mildernd bei M***** der Umstand, dass es teils (2Â B iVm 2Â AÂ IÂ 2) beim Versuch geblieben ist (Â§Â 34 AbsÂ 1 ZÂ 13 StGB), bei S*****, dass er durch seine Aussage wesentlich zur Wahrheitsfindung beigetragen hat (Â§Â 34 AbsÂ 1 ZÂ 17 StGB), welcher Milderungsgrund durch (teilweisen) Widerruf dieser Verantwortung in der Hauptverhandlung (vgl USÂ 41Â f) nicht beseitigt wird (RIS-Justiz RS0091473, RS0091510 [T2]; Ebner in WK2 StGB Â§Â 34 RzÂ 38).
Dass das gegen die Angeklagten gefÃ¼hrte Verfahren aus einem nicht von ihnen oder ihren Verteidigern zu vertretenden Grund â€“ unter dem Aspekt individueller Mehrbelastung â€“ unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig lange gedauert hat (Â§Â 34 AbsÂ 2 StGB [hier] iVm Â§Â 23 AbsÂ 2 letzter Satz FinStrG), ist (zwar ebenfalls mildernd, aber) nicht per se grundrechtswidrig (13Â OsÂ 94/16x, 13Â OsÂ 145/18z, RIS-Justiz RS0132858, Ebner in WK2 StGB Â§Â 34 RzÂ 56Â ff). Dabei kann sich eine Verletzung des Grundrechts auf Entscheidung innerhalb einer angemessenen Frist â€“ unabhÃ¤ngig von der (wenngleich mit Blick auf die KomplexitÃ¤t der Sache noch nicht unangemessenen) Verfahrensdauer insgesamt â€“ auch aus einer lÃ¤ngeren Phase behÃ¶rdlicher InaktivitÃ¤t ergeben (RIS-Justiz RS0124901 [T3]; Grabenwarter/Pabel, EMRK6 Â§Â 24 RzÂ 83). Genau dies ist hier der Fall:
Nach der Aktenlage wurde (im Verfahren wegen der von den SchuldsprÃ¼chenÂ 1 umfassten VorwÃ¼rfe) das im ersten Rechtsgang ergangene (erstinstanzliche) Urteil des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Graz vom 11.Â MÃ¤rzÂ 2016, GZÂ 171Â HvÂ 29/15z-53, mit Beschluss des Obersten Gerichtshofs vom 6.Â SeptemberÂ 2016, AZÂ 13Â OsÂ 62/16s, aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Erstgericht verwiesen. Im insoweit zweiten Rechtsgang wurde die am 15.Â DezemberÂ 2016 begonnene Hauptverhandlung auf â€žvoraussichtlich 10.Â FebruarÂ 2017â€œ vertagt (ONÂ 73 SÂ 23). Auch nach Rechtswirksamkeit der (wegen der von den SchuldsprÃ¼chenÂ 2 umfassten Taten eingebrachten) Anklageschrift vom 26.Â JuniÂ 2017 (ONÂ 17 in ONÂ 76) und â€žAbtretungâ€œ des betreffenden Verfahrens zur Verbindung mit jenem Hauptverfahren am 10.Â AugustÂ 2017 (ONÂ 1 SÂ 15 in ONÂ 76) setzte das Gericht allerdings zunÃ¤chst keine weiteren Verfahrensschritte. Erst am 22.Â FebruarÂ 2019 verfÃ¼gte die Vorsitzende die Verbindung (Â§Â 37 AbsÂ 3 StPO) beider Verfahren und beraumte die Hauptverhandlung fÃ¼r den 28.Â MÃ¤rzÂ 2019 an (ONÂ 1 SÂ 37Â f). Nach deren Fortsetzung am 27.Â JuniÂ 2019 (ONÂ 96) und am 12.Â SeptemberÂ 2019 (ONÂ 104) erging schlieÃŸlich das angefochtene Urteil (ONÂ 105).
Die in der UntÃ¤tigkeit des Gerichts Ã¼ber einen Zeitraum von rund zwei Jahren (vom DezemberÂ 2016 bis zum FebruarÂ 2019) gelegene Grundrechtsverletzung wird anerkannt und in Form einer ausdrÃ¼cklichen und messbaren Strafreduktion ausgeglichen:
Ausgehend von den Ã¼brigen StrafzumessungsgrÃ¼nden (Â§Â 23 AbsÂ 2 erster Satz FinStrG) wÃ¤re auf der Grundlage der Schuld der Angeklagten (Â§Â 23 AbsÂ 1 FinStrG) unter Einbeziehung ihrer persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse und ihrer wirtschaftlichen LeistungsfÃ¤higkeit (Â§Â 23 AbsÂ 3 FinStrG) fÃ¼r M***** eine Geldstrafe von 150.000Â Euro und fÃ¼r Sa***** eine solche von 100.000Â Euro (das sind jeweils rund 21Â % der gesetzlich vorgesehenen Maximalsanktion) schuldangemessen. Die vorliegende Reduktion um jeweils 10.000Â Euro auf 140.000Â Euro fÃ¼r M***** und 90.000Â Euro fÃ¼r S***** gleicht den anerkannten GrundrechtsverstoÃŸ aus.
Die fÃ¼r den Fall der Uneinbringlichkeit der Geldstrafen jeweils ausgesprochene Ersatzfreiheitsstrafe (Â§Â 20 AbsÂ 1 FinStrG) ist mit Blick auf die diesbezÃ¼gliche HÃ¶chststrafe von einem Jahr (Â§Â 20 AbsÂ 2 erster Satz FinStrG) und die jeweils ausgesprochene Geldstrafe angemessen.
Bedingte Nachsicht eines Teiles der Strafe kam im Hinblick auf den Schuldgehalt, die gezielte Vorgangsweise und das Gewicht der Taten sowohl aus spezialprÃ¤ventiven als auch aus generalprÃ¤ventiven ErwÃ¤gungen bei keinem von beiden Angeklagten in Betracht.
Auf eine (nach MaÃŸgabe des Â§Â 15 AbsÂ 2 FinStrG neben der Geldstrafe zu verhÃ¤ngende) Freiheitsstrafe (Â§Â 33 AbsÂ 5 letzter Satz FinStrG) wurde im Ersturteil â€“ dessen M***** und S***** betreffende StrafaussprÃ¼che nicht zu deren Nachteil angefochten wurden â€“ nicht erkannt. Der VerhÃ¤ngung einer solchen steht daher jeweils das Verbot der reformatio in peius (Â§Â 290 AbsÂ 2 StPO) entgegen.
Mit ihren Berufungen waren diese beiden Angeklagten auf die Strafneubemessung zu verweisen.
Zu den Berufungen des Angeklagten Nikolaus K***** und der Staatsanwaltschaft:
Ãœber Nikolaus K***** verhÃ¤ngte das Erstgericht eine Geldstrafe von 48.000Â Euro, fÃ¼r den Fall der Uneinbringlichkeit eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Monaten. Als erschwerend wertete es das Zusammentreffen mehrerer Finanzvergehen und den langen Tatzeitraum, als mildernd den bisher ordentlichen Lebenswandel, den Umstand, dass es teils beim Versuch geblieben ist, sowie die â€žlange Verfahrensdauerâ€œ. In dieser erblickte es einen GrundrechtsverstoÃŸ, dem es mit einer Reduktion der als schuldangemessen erachteten Geldstrafe um 600Â Euro begegnete (USÂ 59Â f).
Dagegen richten sich die Berufungen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft. Ersterer strebt ein (insgesamt) geringeres StrafmaÃŸ, Letztere strebt eine ErhÃ¶hung der Geld- und der Ersatzfreiheitsstrafe an.
Entgegen dem Einwand der Staatsanwaltschaft trÃ¤gt der Urteilssachverhalt nicht die Annahme, der Angeklagte habe die vom Schuldspruch umfassten Taten in der in Â§Â 23 AbsÂ 2 zweiter Satz FinStrG (idF BGBlÂ IÂ 2019/62) umschriebenen Absicht begangen. WÃ¤re es ihm bei den â€“ (wie hier nach den Feststellungen) ohne den Tatbestand des Â§Â 38a oder des Â§Â 39 FinStrG zu erfÃ¼llen begangenen â€“ Abgabenhinterziehungen darauf angekommen, sich durch die wiederkehrende Begehung eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, wÃ¤ren die betreffenden Taten Ã¼brigens bei (wie hier) 500.000Â Euro nicht Ã¼bersteigendem strafbestimmenden Wertbetrag â€“ schon auf Subsumtionsebene â€“ (nicht nur Â§Â 33 AbsÂ 1 oder AbsÂ 2 litÂ a FinStrG, sondern auch) Â§Â 38 AbsÂ 1 FinStrG in der (zur jeweiligen Tatzeit geltenden) Fassung BGBlÂ IÂ 2012/112 zu unterstellen gewesen (zu deren GÃ¼nstigkeitsvergleich mit der sich aus Â§Â 33 AbsÂ 5 FinStrG idF BGBlÂ IÂ 2019/62 ergebenden Strafdrohung siehe 13Â OsÂ 88/19v, RIS-Justiz RS0132910).
Der seit der letzten Tat verstrichene Zeitraum von (inzwischen) mehr als fÃ¼nf Jahren allerdings stellt â€“ wie der Angeklagte zutreffend reklamiert â€“ mit Blick auf sein seitheriges Wohlverhalten den (gemÃ¤ÃŸ Â§Â 23 AbsÂ 2 letzter Satz FinStrG auch im Finanzstrafverfahren zu berÃ¼cksichtigenden) Milderungsgrund nach Â§Â 34 AbsÂ 1 ZÂ 18 StGB her (Ebner in WK2 StGB Â§Â 32 RzÂ 46).
Davon abgesehen haben die Tatrichter die StrafzumessungsgrÃ¼nde nicht nur vollstÃ¤ndig erfasst, sondern â€“ dem Vorbringen beider Berufungswerber zuwider â€“ auch zutreffend gewichtet (USÂ 59Â f), sowie (gemÃ¤ÃŸ Â§Â 23 AbsÂ 3 FinStrG) die persÃ¶nlichen und wirtschaftlichen VerhÃ¤ltnisse des Angeklagten berÃ¼cksichtigt (USÂ 21 und 60).
Trotz der (geringfÃ¼gigen) ErgÃ¤nzung des Strafzumessungskatalogs um den zusÃ¤tzlichen (besonderen) Milderungsgrund erweist sich â€“ noch ungeachtet der mit Blick auf das Folgende gebotenen spÃ¼r- und messbaren Reduktion des StrafmaÃŸes â€“ an sich eine Geldstrafe von 48.600Â Euro (das sind rund 20Â % der gesetzlich vorgesehenen Maximalsanktion) als schuldangemessen.
Die Dauer des gegen K***** (wegen der vom SchuldspruchÂ 2Â A umfassten VorwÃ¼rfe) gefÃ¼hrten Verfahrens ist zwar nicht schon gesamthaft betrachtet als (per se) unangemessen zu beurteilen. Jedoch stand es â€“ nach Eintritt der Rechtswirksamkeit der betreffenden Anklageschrift (ONÂ 17 in ONÂ 76) â€“ vom AugustÂ 2017 (ONÂ 1 SÂ 15 in ONÂ 76) bis zum FebruarÂ 2019 (ONÂ 1 SÂ 37Â f), somit fÃ¼r rund eineinhalb Jahre, aus nicht vom Angeklagten oder seinem Verteidiger zu vertretenden GrÃ¼nden still (siehe oben). Dem darin gelegenen GrundrechtsverstoÃŸ (abermals RIS-Justiz RS0124901 [T3]) wird â€“ wie der Angeklagte im Kern zutreffend einwendet â€“ die vom Erstgericht vorgenommene StrafmaÃŸreduktion um 600Â Euro nicht gerecht. Erst eine (auch spÃ¼rbare) solche um 8.600Â Euro gleicht ihn aus.
Dies fÃ¼hrt zu einer Herabsetzung der Ã¼ber den Angeklagten verhÃ¤ngten Geldstrafe wie aus dem Spruch ersichtlich.
FÃ¼r den Fall der Uneinbringlichkeit der (somit in Stattgebung der Berufung des Angeklagten reduzierten) Geldstrafe war eine â€“ mit Blick auf die diesbezÃ¼gliche HÃ¶chststrafe von einem Jahr (Â§Â 20 AbsÂ 2 erster Satz FinStrG) angemessene â€“ Ersatzfreiheitsstrafe (Â§Â 20 AbsÂ 1 FinStrG) von zwei Monaten vom Obersten Gerichtshof zu bestimmen (vgl LÃ¤ssig in WK2 FinStrG Â§Â 20 RzÂ 8).
Angesichts des hohen Schuldgehalts, der gezielten Vorgangsweise und der Tatschwere standen der â€“ vom Angeklagten ohnedies nicht ausdrÃ¼cklich begehrten â€“ bedingten Nachsicht eines Teiles der Strafe sowohl spezial- als auch generalprÃ¤ventive GrÃ¼nde entgegen.
Die â€“ die amtswegige MaÃŸnahme nicht umfassende (Lendl, WK-StPO Â§Â 390a RzÂ 12) â€“ Kostenersatzpflicht der Angeklagten M*****, S***** und K***** beruht auf (Â§Â 195 AbsÂ 1 FinStrG iVm) Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.