Document Number: JJT_20200605_OGH0002_0150OS00007_20Y0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0150OS00007.20Y.0605.000
Case Number: 15Os7/20y
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1591315200000
Word Count: 2037

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 5.Â JuniÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzenden sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Lendl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Michel-Kwapinski, Mag.Â FÃ¼rnkranz und Dr.Â Mann in Gegenwart der SchriftfÃ¼hrerin Mag.Â Walter, LL.M., LL.M., BA, in der Strafsache gegen Zahir S***** wegen des Verbrechens der Schlepperei nach Â§Â 114 AbsÂ 1, AbsÂ 3 ZÂ 2, AbsÂ 4 erster Fall FPG und weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts Eisenstadt als SchÃ¶ffengericht vom 17.Â SeptemberÂ 2019, GZÂ 8Â HvÂ 2/19x-1358b, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung wegen des Ausspruchs Ã¼ber die Schuld werden zurÃ¼ckgewiesen.
Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil, das im Ãœbrigen unberÃ¼hrt bleibt, im Einziehungserkenntnis betreffend â€ždas sichergestellte Suchtgiftâ€œ aufgehoben und die Sache in diesem Umfang an das Bezirksgericht Salzburg verwiesen.
Zur Entscheidung Ã¼ber die (verbleibende) Berufung werden die Akten zunÃ¤chst dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem angefochtenen Urteil, das auch einen (rechtskrÃ¤ftigen) Freispruch enthÃ¤lt, wurde Zahir S***** der Verbrechen der Schlepperei nach Â§Â 114 AbsÂ 1, AbsÂ 3 ZÂ 2 und AbsÂ 4 erster Fall FPG (A./I./ und II./), jeweils eines Verbrechens des Suchtgifthandels nach Â§Â 28a AbsÂ 1 fÃ¼nfterÂ Fall, AbsÂ 2 ZÂ 2 und AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG (B./II./3./) und nach Â§Â 12 zweiter Fall StGB, Â§Â 28a AbsÂ 1 zweiter und dritter Fall, AbsÂ 2 ZÂ 2 und AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG (C./), des Vergehens der falschen Beweisaussage nach Â§Â 288 AbsÂ 1 StGB (1./) sowie mehrerer Vergehen der schweren NÃ¶tigung nach Â§Â§Â 15, 105 AbsÂ 1, 106 AbsÂ 1 ZÂ 1 StGB (2./) schuldig erkannt.
Danach hat er
â€žErstensâ€œ
A./Â von 1.Â JÃ¤nnerÂ 2015 bis Ende OktoberÂ 2015 in N***** und an anderen Orten als Mitglied einer kriminellen Vereinigung bestehend aus Najibullah K*****, Jiri L*****, Mujahid H*****, Jiri V*****, Sudhir A***** und weiteren unbekannten TÃ¤tern die rechtswidrige Einreise â€žeiner grÃ¶ÃŸeren Zahl von Fremdenâ€œ, die Ã¼ber keine gÃ¼ltigen Einreisepapiere fÃ¼r den Schengenraum verfÃ¼gten, in einen Mitgliedstaat der EuropÃ¤ischen Union, nÃ¤mlich von Ungarn nach Ã–sterreich, mit dem Vorsatz gefÃ¶rdert, sich und Dritte durch ein dafÃ¼r geleistetes Entgelt von mehreren tausend Euro unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, und zwar
I./Â im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Jiri L*****, Mujahid H***** und Najibullah K***** als MittÃ¤ter (Â§Â 12 StGB), indem unbekannt gebliebene Fahrer in zwei Angriffen jeweils zumindest 20Â Fremde in der NÃ¤he von Sz***** in ihr Fahrzeug aufnahmen und nach Ã–sterreich bis kurz hinter die Grenze bei N***** brachten, wobei H***** die Fahrten organisierte und koordinierte und S***** und K***** die Fahrer und Jiri L*****, der das Vorausfahrzeug lenkte, rekrutierten, als Beifahrer im Begleitfahrzeug fungierten und wÃ¤hrend der Fahrten telefonischen Kontakt zu den Schlepperfahrern hielten, sie dirigierten und vor Polizeikontrollen warnten;
II./Â im OktoberÂ 2015 im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Jiri L*****, Mujahid H*****, Najibullah K*****, Michal P***** und Jiri V***** als MittÃ¤ter (Â§Â 12 StGB) die Einreise von 32Â Fremden, wobei S***** den Ankauf des Schlepperfahrzeugs beauftragte und dafÃ¼r 4.000Â Euro zur VerfÃ¼gung stellte und H***** die Fahrten organisierte und koordinierte;
B./II./3./Â von FrÃ¼hjahrÂ 2016 bis 29.Â MaiÂ 2017 in S***** als Mitglied einer kriminellen Vereinigung (USÂ 12: bestehend aus Mohammed Kh*****, Kambez N*****, Michal L*****, Jiri L***** und weiteren unbekannten TÃ¤tern) vorschriftswidrig Suchtgift in einer das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge, nÃ¤mlich insgesamt 37Â kg CannabisblÃ¼ten, gewinnbringend anderen Ã¼berlassen, und zwar
a./Â von MÃ¤rz 2017 bis 26.Â MaiÂ 2017 1.000Â Gramm CannabisblÃ¼ten (beinhaltend 80Â Gramm THCA und 20Â Gramm Delta-9-THC) an Mohammed Kh***** zum Bunkern;
b./Â von HerbstÂ 2016 bis 29.Â MaiÂ 2017 zumindest 2.000Â Gramm CannabisblÃ¼ten (beinhaltend 160Â Gramm THCA und 40Â Gramm Delta-9-THC) an Kambez N***** zum Weiterverkauf;
c./Â unentgeltlich geringe Mengen an Michal L*****;
d./Â zumindest 34Â kg CannabisblÃ¼ten (beinhaltend [19Â % = richtig:] 6.460Â Gramm THCA und 340Â Gramm Delta-9-THC), die zuvor Ã¼ber Mohamed D***** in drei Ã–fen aus der Ukraine nach Ã–sterreich geliefert worden waren (vgl C./), an unbekannt gebliebene Ãœbernehmer;
C./Â von SommerÂ 2016 bis Ende MaiÂ 2017 in S*****
als Mitglied einer kriminellen Vereinigung (bestehend aus Mohamed D*****, Muddsar Al*****, Oleksii Na***** und anderen MittÃ¤tern) in mehrfachen Angriffen unbekannte Lieferanten zur (USÂ 15: Aus- und) Einfuhr einer das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge (Â§Â 28b SMG) Ã¼bersteigenden Menge an Suchtgift, nÃ¤mlich insgesamt 34Â kg CannabisblÃ¼ten (beinhaltend zumindest â€ž2.720Â Grammâ€œ THCA und â€ž680Â Grammâ€œ Delta-9-THC), in zumindest drei Ã–fen aus der Ukraine (USÂ 15: nach Ã–sterreich) sowie
als Mitglied der zu B./II./3./ dargestellten kriminellen Vereinigung (vgl USÂ 12, 16) Michal L***** und Jiri L***** zur (USÂ 16: Aus- und) Einfuhr von jeweils zumindest 1Â kg CannabisblÃ¼ten (USÂ 16: jeweils beinhaltend 80Â Gramm THCA und 20Â Gramm Delta-9-THC) aus der Tschechischen Republik nach Ã–sterreich
bestimmt, indem er die Suchtgiftmengen bei seinen Lieferanten bestellte;
â€žZweitensâ€œ
1./Â am 8.Â AprilÂ 2019 in E***** vor Gericht als Zeuge bei seiner fÃ¶rmlichen Vernehmung zur Sache falsch ausgesagt, indem er in der Hauptverhandlung im Verfahren gegen Mohamed D***** zu AZÂ 12Â HvÂ 31/18i des Landesgerichts Eisenstadt sinngemÃ¤ÃŸ angab, er habe nicht gewusst, dass in seiner Wohnung mit Drogen gehandelt werde, sowie auf Nachfrage durch die Vorsitzende, ob er im Nachhinein erfahren habe, dass Ã–fen voll mit Suchtgift in seiner Wohnung gewesen wÃ¤ren und ob er aufgeschnittene Ã–fen gesehen hÃ¤tte oder das Aufschneiden mitbekommen hÃ¤tte, angab, er habe nichts gesehen, sondern sei dauernd â€žhighâ€œ gewesen und es sei mÃ¶glich, dass das passiert sei, aber er wÃ¤re dauernd bekifft gewesen und habe erst nach seiner Festnahme erfahren, was in seiner Wohnung passiert sei, sowie auf die Frage der Vorsitzenden, ob er Cannabis fÃ¼r den Angeklagten D***** weiterverkauft habe, angab, dass er nichts gemacht habe;
2./Â Mohammed Kh***** durch gefÃ¤hrliche Drohung mit dem Tod zu einer Handlung, nÃ¤mlich einer Falschaussage vor der Polizei bzw vor Gericht dahingehend, dass die bei â€žihmâ€œ aufgefundenen Drogen ihm selber und nicht S***** gehÃ¶rten, zu nÃ¶tigen versucht, und zwar
a./Â im Zeitraum von 31.Â MaiÂ 2017 bis 17.Â NovemberÂ 2017 in E***** in vier Angriffen durch die sinngemÃ¤ÃŸen Ã„uÃŸerungen, er werde ihn umbringen, wenn er seine Aussage nicht zurÃ¼cknehme und nicht sage, dass die Drogen ihm (Kh*****) gehÃ¶rten;
b./Â am 11. oder 12.Â DezemberÂ 2017 in S***** durch die sinngemÃ¤ÃŸe Aussage, wenn Kh***** nicht angebe, dass es sich um seine (Kh*****s) Drogen handle, wÃ¼rde er ihn nach RumÃ¤nien entfÃ¼hren und dort zerstÃ¼ckeln;
c./Â am 8.Â AprilÂ 2019 in E***** durch die Aussage, er wisse genau, was er mit Kh***** mache, wenn dieser die Aussage nicht zurÃ¼cknehme.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen richtet sich die auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 4 und 5 StPO gestÃ¼tzte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten, die ihr Ziel verfehlt.
Die gegen die Abweisung zweier BeweisantrÃ¤ge gerichtete VerfahrensrÃ¼ge (ZÂ 4) ist schon deshalb erfolglos, weil sie die bei â€“ wie hier â€“ umfangreichem Aktenmaterial gebotene Angabe der Fundstelle der Antragstellung unterlÃ¤sst (RIS-Justiz RS0124172).
Weiters nennt der Antrag auf Einholung eines neuropsychiatrischen Gutachtens kein Beweisthema und wurde daher zu Recht abgewiesen (vgl RIS-Justiz RS0099301). Ein bloÃŸer Verweis auf den vor der Hauptverhandlung eingebrachten schriftlichen Beweisantrag vermag eine der Verfahrensordnung entsprechende Antragstellung in der Hauptverhandlung nicht zu ersetzen (RIS-Justiz RS0099178, RS0099511). Im Ãœbrigen unterblieb selbst unter BerÃ¼cksichtigung des schriftlichen Vorbringens (ONÂ 1180) die Einholung eines Gutachtens ohne Verletzung von Verteidigungsrechten. Welche im Verfahren hervorgekommenen tatsÃ¤chlichen UmstÃ¤nde es dem erkennenden SchÃ¶ffengericht erlaubt hÃ¤tten, mit Hilfe des besonderen Fachwissens eines SachverstÃ¤ndigen zu den fÃ¼r den rechtlichen Schluss auf ZurechnungsunfÃ¤higkeit erforderlichen Feststellungen zu gelangen, lieÃŸ der Antrag nÃ¤mlich nicht erkennen (RIS-Justiz RS0097641, RS0119248).
Ebenso war der Antrag auf Vernehmung der â€ždamaligen tÃ¤tigen Justizwachebeamtenâ€œ mangels Darlegung, weshalb das behauptete Ergebnis, wonach diese â€ždie Angeklagtenâ€œ auf sÃ¤mtlichen Wegen in der Justizanstalt begleiten und es â€žkeine KontaktmÃ¶glichkeit mit anderen MithÃ¤ftlingen gegeben haben kannâ€œ, zu erwarten wÃ¤re, auf im Hauptverfahren unzulÃ¤ssige ErkundungsbeweisfÃ¼hrung gerichtet (RIS-Justiz RS0099353).
Die in der Beschwerdeschrift zur Antragsfundierung nachgetragenen Argumente unterliegen dem sich aus dem Wesen des vorangezogenen Nichtigkeitsgrundes ergebenden Neuerungsverbot und sind daher unbeachtlich (RIS-Justiz RS0099618).
Entgegen der UnvollstÃ¤ndigkeit (ZÂ 5 zweiter Fall) behauptenden MÃ¤ngelrÃ¼ge zu â€žErstensâ€œ A./ wurde vom SchÃ¶ffensenat sowohl die Schulden bei S***** bestreitende Aussage der Mitangeklagten Jindriska Kl***** (USÂ 26Â f) als auch die verblasste Erinnerung des Mitangeklagten Jiri L***** in der Hauptverhandlung (USÂ 25Â f) erÃ¶rtert.
Die Verantwortung des Angeklagten hat das Erstgericht ebenso berÃ¼cksichtigt (zu den Schleppungen: USÂ 23Â ff; zu den Suchtgiftdelikten: USÂ 29, 31Â f), diese allerdings als nicht schlÃ¼ssig verworfen (USÂ 27, 31Â f). Schon aus diesem Grund â€“ und dem Gebot gedrÃ¤ngter Darstellung in den EntscheidungsgrÃ¼nden (Â§Â 270 AbsÂ 2 ZÂ 5 StPO) folgend â€“ bestand keine Verpflichtung zu einer ErÃ¶rterung dieser Aussage in all ihren Details (RIS-Justiz RS0098778).
Die Feststellungen zur Begehung der Schlepperei (Erstens A./) als Mitglied einer kriminellen Vereinigung blieben dem weiteren Vorbringen zuwider nicht offenbar unbegrÃ¼ndet (ZÂ 5 vierter Fall), sondern wurden (insbesondere) aus den als glaubhaft eingestuften Angaben des Jiri L***** vor der Polizei abgeleitet (USÂ 26Â ff). Soweit die Beschwerde eine BegrÃ¼ndung fÃ¼r die Konstatierungen zum Bereicherungsvorsatz vermisst, vernachlÃ¤ssigt sie die â€“ nicht zu beanstandende â€“ Ableitung der Feststellungen zur subjektiven Tatseite aus dem Ã¤uÃŸeren Tatgeschehen (USÂ 28Â f; vgl RIS-Justiz RS0116882).
Die Kritik, das Erstgericht habe â€žkeine Feststellungenâ€œ dazu getroffen, dass Mujahid H***** seinen eigenen Angaben zufolge den BeschwerdefÃ¼hrer noch nie gesehen habe, legt nicht dar, weshalb eine solche Konstatierung erforderlich wÃ¤re (RIS-Justiz RS0116565). Unter dem Aspekt der ZÂ 5 zweiter Fall bedurfte die betreffende Aussage keiner gesonderten ErÃ¶rterung, steht sie doch der Feststellung der Mitgliedschaft beider an derselben kriminellen Vereinigung (USÂ 8) â€“ die keine persÃ¶nliche Bekanntschaft voraussetzt (RIS-Justiz RS0086779; zuletzt 11Â OsÂ 65/19x) â€“ nicht entgegen.
Der â€“ soweit deutlich und bestimmt vorgebracht â€“ die SuchtgiftÃ¼bergaben an Kh***** und N***** (Erstens B./II./3./a./ und b./) betreffenden MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 zweiter und vierter Fall) ist voranzustellen:
Die Tatrichter gingen von einer â€“ mit jeweils auf das Ãœberschreiten des FÃ¼nfundzwanzigfachem der Grenzmenge gerichtetem Additionswillen â€“ in einer Mehrzahl von (solcherart im Rahmen einer tatbestandlichen Handlungseinheit gesetzten) Angriffen eingefÃ¼hrten Menge von insgesamt 36Â kg (Erstens C./; USÂ 4, 14â€“17) und Ã¼berlassenen Menge von insgesamt 37Â kg (Erstens B./II./3./; US 3Â f, 12Â ff, 17) CannabisblÃ¼ten â€žunterschiedlicher QualitÃ¤tâ€œ aus. Das aus der Ukraine eingefÃ¼hrte Suchtgift (zumindest 34Â kg) enthielt â€žzumindest 2.720Â g THCA und 680Â g Delta-9-THCâ€œ (Erstens C./; USÂ 15), das aus der Tschechischen Republik eingefÃ¼hrte Suchtgift (zumindest 2Â kg) zumindest 80Â Gramm THCA und 20Â Gramm Delta-9-THC pro kg (Erstens C./; USÂ 16). Das an Kh***** Ã¼berlassene Suchtgift (Erstens B./II./3./a./) enthielt 80Â Gramm THCA und 20Â Gramm Delta-9-THC (USÂ 17), das an N***** Ã¼berlassene Suchtgift (Erstens B./II./3./b./) 160Â Gramm THCA und 40Â Gramm Delta-9-THC (USÂ 17) sowie das aus der Ukraine stammende, an unbekannte Abnehmer Ã¼berlassene Suchtgift (Erstens B./II./3./d./) mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von â€ž19Â % THCA und 1Â % Delta-9-THCâ€œ (zumindest 34Â kg), also â€ž6.640â€œ (erkennbar gemeint: 6.460)Â Gramm THCA und â€ž340â€œÂ Gramm Delta-9-THC (USÂ 17Â f). Allein das aus der Ukraine stammende Suchtgift umfasste demnach in jedem Fall eine das FÃ¼nfundzwanzigfache der festgelegten Grenzmenge weit Ã¼bersteigende Menge, weil bei 34Â kg schon die Zugrundelegung von (zumindest) einem Reinheitsgrad von (nur) 8Â % reinem THCA und 2Â % reinem Delta-9-THC (vgl Erstens C./; USÂ 15) das Achtundsechzigfache der Grenzmenge (40Â g) an reinem THCA und das VierunddreiÃŸigfache der Grenzmenge (20Â g) an reinem Delta-9-THC ergibt.
Der Entfall einzelner (jeweils auf Teilmengen davon bezogener) AusfÃ¼hrungshandlungen der tatbestandlichen Handlungseinheit oder eine Reduktion (des Reinheitsgrades) der tatverfangenen Teilmengen wÃ¤re fÃ¼r die Subsumtionsfrage nur insoweit bedeutsam, als dadurch das insgesamt tatverfangene Suchtgiftquantum nicht einmal mehr â€“ wie zur Tatbestandsverwirklichung nach Â§Â 28a AbsÂ 4 ZÂ 3 SMG erforderlich â€“ das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge Ã¼berschreiten wÃ¼rde (vgl RIS-Justiz RS0127374; 11Â OsÂ 11/20g; 13Â OsÂ 55/19s).
Nach den oben dargestellten â€“ von der Beschwerde nicht bestrittenen â€“ Konstatierungen zu B./II./3./d./ hat der BeschwerdefÃ¼hrer 34Â kg CannabisblÃ¼ten mit einer fÃ¼r sich jedenfalls bereits das FÃ¼nfundzwanzigfache der Grenzmenge des Â§Â 28b SMG Ã¼berschreitenden QuantitÃ¤t an Suchtgift an unbekannte Abnehmer Ã¼berlassen (USÂ 17Â f). Mit dem Einwand unzureichender BegrÃ¼ndung des konstatierten Reinheitsgehalts der von B./II./3./a./ und b./Â umfassten Suchtgiftmengen (USÂ 13Â f) spricht die MÃ¤ngelrÃ¼ge (ZÂ 5 vierter Fall) somit keine (fÃ¼r die Schuld- oder Subsumtionsfrage) entscheidende Tatsache an (RIS-Justiz RS0106268).
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher â€“ in Ãœbereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur â€“ bei nichtÃ¶ffentlicher Beratung sofort zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â 285d AbsÂ 1 StPO), woraus die ZustÃ¤ndigkeit des Oberlandesgerichts Wien zur Entscheidung Ã¼ber die Berufung des Angeklagten wegen des Ausspruchs Ã¼ber die Strafe folgt (Â§Â 285i StPO).
Die angemeldete, im kollegialgerichtlichen Verfahren nicht vorgesehene (als â€žNichtigkeitsbeschwerde wegen [â€¦] Schuldâ€œ bezeichnete) Berufung wegen des Ausspruchs Ã¼ber die Schuld (Â§Â 283 AbsÂ 1 StPO; vgl ONÂ 1360) war als unzulÃ¤ssig zurÃ¼ckzuweisen (Â§Â§Â 296 AbsÂ 2, 294 AbsÂ 4 StPO).
Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde Ã¼berzeugte sich der Oberste Gerichtshof, dass das Einziehungserkenntnis mit nicht geltend gemachter Nichtigkeit (ZÂ 11 erster Fall) behaftet ist, die sich zum Nachteil des Angeklagten auswirkt und demnach von Amts wegen wahrzunehmen war (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO). Die bloÃŸe Bezugnahme auf das â€žsichergestellte Suchtgiftâ€œ determiniert nÃ¤mlich den Gegenstand der Einziehung nicht (RIS-Justiz RS0121298 [T9]).
Die im zweiten Rechtsgang im selbstÃ¤ndigen Verfahren mÃ¶gliche Entscheidung Ã¼ber den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einziehung (ONÂ 1101 SÂ 15) kommt dem fÃ¼r den Tatort in S***** zustÃ¤ndigen Bezirksgericht Salzburg zu (Â§Â§Â 445 AbsÂ 3, 288 AbsÂ 2 ZÂ 3 StPO; RIS-Justiz RS0100318 [T6, T7]).
ZunÃ¤chst wird das Oberlandesgericht Ã¼ber die (verbleibende) Berufung zu entscheiden haben (Â§Â 285i StPO).
Die Kostenentscheidung, welche die amtswegige MaÃŸnahme nicht umfasst (Lendl, WK-StPO Â§Â 390a RzÂ 12), beruht auf Â§Â 390a AbsÂ 1 StPO.