Document Number: JJT_20201013_LG00519_0390HV00094_19X0000_000
ECLI: ECLI:AT:LG00519:2020:0390HV00094.19X.1013.000
Case Number: 39Hv94/19x
Application Type: Justiz
Court: LG Wels
Decision Date: 1602547200000
Word Count: 4969

Kopf
Das Landesgericht Wels hat durch die Richter Mag. Christian Ureutz als Vorsitzenden und Mag. Philipp Nill als Beisitzer sowie Norbert Luschtinetz und Stefan Ecker als SchÃ¶ffen Ã¼ber die von der Staatsanwaltschaft Wels gegen
Mag. C*****, geboren am *****, *****,
wegen des Verbrechens der Veruntreuung nach Â§ 133 Abs 1 und Abs 2 zweiter Fall StGB und anderer strafbarer Handlungen erhobenen Anklage nach der (zuletzt) am 13. Oktober 2020 in Anwesenheit der Ã¶ffentlichen AnklÃ¤gerin Mag. Tanja Feichtinger, der Privatbeteiligtenvertreter Dr. Siegfried Sieghartsleitner fÃ¼r die Privatbeteiligte M*****, Dr. Rudolf Franzmayr fÃ¼r die Privatbeteiligte S*****, Mag. Philipp Aichhorn fÃ¼r Mag. RenÃ© Lindner fÃ¼r die Rechtsanwaltskanzlei HengstschlÃ¤ger Lindner GmbH fÃ¼r die Privatbeteiligte St***** und Mag. Schaschinger fÃ¼r Mag. Dr. Reinhard Selendi fÃ¼r die Privatbeteiligte I***** sowie des Angeklagten und seines Verteidigers Mag. Josef Wimmer und der SchriftfÃ¼hrerin KO Claudia Olinger durchgefÃ¼hrten Hauptverhandlung zu Recht erkannt:
Spruch
Mag. C***** ist schuldig, er hat zu nachgenannten Zeiten in S*****
A./ im Zeitraum von 2013 bis 12.07.2017 in nachgenannten Angriffen ein ihm als Rechtsanwalt und TreuhÃ¤nder zur Abwicklung von RechtsgeschÃ¤ften anvertrautes Gut in Form von Treuhandgeldern in HÃ¶he von EUR 2.667.665,69 sowie Grunderwerbssteuern, Immobilienertragssteuern und gerichtlichen EintragungsgebÃ¼hren in HÃ¶he von EUR 159.440,78 â€“ gesamt daher EUR 2.827.106,47 und sohin in einem EUR 300.000,00 Ã¼bersteigenden Betrag â€“ nicht vertrags- bzw. widmungsgemÃ¤ÃŸ weitergeleitet, sondern sich mit dem Vorsatz zugeeignet, sich oder einen Dritten dadurch unrechtmÃ¤ÃŸig zu bereichern, und zwar
1./aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤uferin und DI A***** und Y***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 24.363,12 sowie Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 6.670,00, sohin gesamt EUR 31.033,12;
2./aus dem Kaufvertrag zwischen der H***** als VerkÃ¤uferin und I***** und J***** als KÃ¤ufer Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 8.142,00;
3./aus dem Kaufvertrag zwischen G***** und M***** als VerkÃ¤ufer und B***** als KÃ¤ufer in mehreren Angriffen einen Kaufpreisteilbetrag von insgesamt EUR 207.638,09;
4./aus dem Kaufvertrag zwischen I***** als VerkÃ¤ufer und R***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 237.768,33 und zwar
a) am 16.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 10.536,00,
b) am 22.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 157.405,38,
c) am 10.07.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 50.782,95 und
d) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 19.044,00;
5./aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤ufer und S***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 302.594,62;
6./aus dem Kaufvertrag zwischen der J***** als VerkÃ¤uferin und Mag. K***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 93.713,07 und zwar
a) am 14.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 71.721,77,
b) am 10.07.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 6.550,00 und
c) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 15.941,30;
7./aus dem Kaufvertrag zwischen der St***** als VerkÃ¤uferin und J***** als KÃ¤ufer in mehreren Angriffen einen Kaufpreisteilbetrag von insgesamt EUR 130.720,00;
8./aus dem Kaufvertrag zwischen E***** als VerkÃ¤ufer und E***** als KÃ¤ufer Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 6.900,00;
9./aus dem Kaufvertrag zwischen D***** als VerkÃ¤uferin und M***** als KÃ¤uferin Immobilienertragssteuer in HÃ¶he von EUR 3.930,00;
10./aus dem Kaufvertrag zwischen N***** als VerkÃ¤ufer und Z***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 2.267,99;
11./aus dem Kaufvertrag zwischen Dipl. Ing. T***** als VerkÃ¤ufer und J***** als KÃ¤uferin Immobilienertragssteuer in HÃ¶he von EUR 41.347,28;
12./aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤uferin und M***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 33.707,32;
13./aus dem Kaufvertrag zwischen I***** als VerkÃ¤uferin und D***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 94.873,42;
14./aus dem Kaufvertrag zwischen der St***** als VerkÃ¤ufer und Mag. R***** als KÃ¤uferin am 23.05.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 80.121,00;
15./aus dem Kaufvertrag zwischen D***** als VerkÃ¤ufer und M***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 59.782,11 und zwar
a) am 28.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 55.642,11 und
b) Grunderwerbssteuer und EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 4.140,00;
16./aus dem Kaufvertrag zwischen J***** als VerkÃ¤ufer und T***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 52.635,73 und zwar
a) am 13.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 47.575,73 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 5.060,00;
17./aus dem Kaufvertrag zwischen W***** als VerkÃ¤ufer und K***** als KÃ¤ufer einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 7.706,07 sowie Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 9.761,20, sohin gesamt EUR 17.467,27;
18./aus dem Kaufvertrag zwischen Ri***** als VerkÃ¤ufer und R***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 118.940,12 und zwar
a) im Zeitraum zwischen 31.05.2017 und 22.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 113.647,12 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 5.923,00;
19./aus dem Kaufvertrag zwischen R***** als VerkÃ¤ufer und der C***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 228.320,00 und zwar
a) am 10.07.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 209.000,00 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 19.320,00;
20./aus dem Kaufvertrag zwischen U***** als VerkÃ¤ufer und H***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 300.205,00 und zwar a) am 28.06.2017 einen Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 286.313,00 und
b) Grunderwerbssteuer und EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 13.892,00;
21./aus dem Kaufvertrag zwischen R***** als VerkÃ¤uferin und K***** als KÃ¤uferin am 08.02.2017 den vollstÃ¤ndigen Kaufpreis in HÃ¶he von EURÂ 120.000,00;
22./in der Rechtssache H***** einen, aus der RÃ¼ckabwicklung eines Kaufvertrages stammenden Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 345.000,00;
23./am 24.07.2013 in der Rechtssache Pe***** insgesamt zwei zur Umschuldung des P***** von der Sp***** gewÃ¤hrte KreditbetrÃ¤ge in HÃ¶he von insgesamt EUR 310.000,00, und zwar
a) aus Vertrag Nr. ***** einen Betrag in HÃ¶he von EUR 100.000,00 und
b) aus Vertrag Nr. ***** einen Betrag in HÃ¶he von EUR 210.000,00;
B./seine Befugnis, Ã¼ber fremdes VermÃ¶gen zu verfÃ¼gen oder einen anderen zu verpflichten, wissentlich missbraucht und dadurch einen anderen in einem EUR 300.000,00 Ã¼bersteigenden Betrag am VermÃ¶gen geschÃ¤digt und zwar
1./indem er als zur Einkommens- und VermÃ¶gensverwaltung bestellter einstweiliger Sachwalter fÃ¼r die Betroffene A***** von einem ihrer SparbÃ¼cher den Geldbetrag von EUR 317.935,00 abhob und fÃ¼r sich bzw. die Schadensgutmachung in anderer Sache verwendete und
2./indem er als fÃ¼r finanzielle Angelegenheiten bestellter Sachwalter fÃ¼r den Betroffenen M***** einen aus einer Pensionsnachzahlung stammenden Geldbetrag in HÃ¶he von EUR 11.400,00 vom Betroffenen Ã¼bernahm und in der Folge nicht auf dessen Konto einzahlte, sondern fÃ¼r sich bzw. die Schadensgutmachung in anderer Sache verwendete.
Er hat hierdurch
zu A. das Verbrechen der Veruntreuung nach Â§ 133 Abs 1 und 2 zweiter Fall StGB und
zu B. das Verbrechen der Untreue nach Â§Â§ 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB
begangen und wird hierfÃ¼r unter Anwendung des Â§ 28 Abs 1 StGB nach dem zweiten Strafsatz des Â§ 133 Abs 2 StGB zu einer
Freiheitsstrafe in der Dauer von vier Jahren
verurteilt.
GemÃ¤ÃŸ Â§ 389 Abs 1 StPO wird er zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt.
GemÃ¤ÃŸ Â§ 38 Abs 1 Z 1 StPO wird die erlittene Vorhaft angerechnet wie folgt: 23.11.***** 8:50 Uhr bis 20.12.***** 12:48 Uhr.
SÃ¤mtliche Privatbeteiligten werden mit ihren AnsprÃ¼chen gemÃ¤ÃŸ Â§ 366 Abs 2 StPO zur GÃ¤nze auf den Zivilrechtsweg verwiesen.
Hingegen wird er vom mit Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wels vom 18. Juli 2019 zu Punkt B. wider ihn erhobenen Vorwurf, er habe â€žzu nachgenannten Zeiten in S***** durch nachgenannte Handlungen einen Bestandteil seines VermÃ¶gens verheimlicht, beiseite geschafft, verÃ¤uÃŸert oder beschÃ¤digt, eine nicht bestehende Verbindlichkeit vorgeschÃ¼tzt oder anerkannt oder sonst sein VermÃ¶gen in einem Betrag in HÃ¶he von insgesamt EUR 32.979,43 wirklich oder zum Schein verringert und dadurch die Befriedigung seiner GlÃ¤ubiger oder wenigstens eines von ihnen vereitelt oder geschmÃ¤lert, indem er nachgenannte GeldbetrÃ¤ge fÃ¼r sich behielt und nicht an den eingesetzten KommissÃ¤r der O*****, RA Dr. K*****, weiterleitete und dadurch nachgenannte GeldbetrÃ¤ge dem Zugriff seiner GlÃ¤ubiger entzog, und zwar
1) am 03.10.2017
a) dadurch, dass er den fÃ¤lligen Gesamtbetrag aus den Honoranoten 17/259 und 17/260 in HÃ¶he von EUR 592,00 um EUR 192,00 reduzierte und den Restbetrag in HÃ¶he von EUR 400,00 von M***** â€žschwarz kassierteâ€œ, insgesamt EUR 592,00 [Faktum Nr. 32],
b) dadurch, dass er den fÃ¤lligen Gesamtbetrag aus der Honorarnote 17/227 in HÃ¶he von EUR 3.200,33 um EUR 1.700,33 reduzierte und den Restbetrag in HÃ¶he von EUR 1.500,00 von E***** â€žschwarzâ€œ kassierte, insgesamt EUR 3.200,33 [Faktum Nr. 33],
2) am 19.08.2017 dadurch, dass er den von ihm bei der B***** geleasten PKW Z4 um EUR 23.500,00 verkaufte, lediglich einen AblÃ¶sebetrag in HÃ¶he von EUR 7.000,00 an die Leasinggesellschaft Ã¼berwies und den Rest einbehielt, insgesamt EUR 16.500,00 [Faktum Nr. 34],
3) am 16.11.2017 dadurch, dass er einen, aus dem Verkauf des PKW Porsche Cayman stammenden Kaufpreisteilbetrag einbehielt, insgesamt EUR 12.687,10 [Faktum 35]â€œ,
gemÃ¤ÃŸ Â§ 259 Z 3 StPO freigesprochen.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÃœNDE:
Aufgrund des durchgefÃ¼hrten Beweisverfahrens steht folgender Sachverhalt fest:
Zur Person des Angeklagten:
Der am ***** geborene Angeklagte ist Ã–***** und *****. Als ***** hat er ein monatliches Nettoeinkommen von EUR 1.253,10 (*****). Er hat kein VermÃ¶gen, Schulden in HÃ¶he von Ã¼ber EUR 3.000.000,00 und ***** Sorgepflichten. Er ist bislang gerichtlich unbescholten.
Zur Sache:
Zu Punkt A./ des Schuldspruches:
Der Angeklagte war als ***** tÃ¤tig. Er fungierte in der Abwicklung der nachgenannten RechtsgeschÃ¤fte als TreuhÃ¤nder in der Form, dass ihm GeldbetrÃ¤ge durch Ãœberweisung anvertraut wurden und er zur Weiterleitung an den/die jeweils Berechtigten verpflichtet war. Dies machte er nicht, sondern eignete sich bzw. anderen die BetrÃ¤ge in der Form zu, dass er sie fÃ¼r die Bestreitung seines Lebensaufwandes, des Lebensaufwandes seiner Familienmitglieder, seines Kanzleiaufwandes bzw. als Schadensgutmachung in anderer Sache verwendete.Im Einzelnen handelt es sich um folgende BetrÃ¤ge:
1./ Aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤uferin und DI A***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 24.363,12 sowie Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 6.670,00, sohin gesamt EUR 31.033,12 (Faktum 1 in ON 76a, S 7-115). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
2./ Aus dem Kaufvertrag zwischen der H***** als VerkÃ¤uferin und I***** als KÃ¤ufer Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 8.142,00 (Faktum 2 in ON 76a, S 117-163). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
3./ Aus dem Kaufvertrag zwischen G***** und M***** als VerkÃ¤ufer und B***** als KÃ¤ufer in mehreren Angriffen ein Kaufpreisteilbetrag von insgesamt EUR 207.638,09 (Faktum 4 in ON 76a S 165-227). Dieser Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
4./ Aus dem Kaufvertrag zwischen I***** als VerkÃ¤ufer und R***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 237.768,33 (Faktum 5 in ON 76a S 229-293) und zwar
a) am 16.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 10.536,00,
b) am 22.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 157.405,38,
c) am 10.07.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 50.782,95 und
d) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 19.044,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
5./ Aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤ufer und A***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 302.594,62 (Faktum 7 in ON 76a S 295-371). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
6./ Aus dem Kaufvertrag zwischen der J***** als VerkÃ¤uferin und Mag. K***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 93.713,07 (Faktum 8 in ON 76a S373-449) und zwar
a) am 14.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 71.721,77,
b) am 10.07.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 6.550,00 und
c) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 15.941,30.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
7./ Aus dem Kaufvertrag zwischen der St***** als VerkÃ¤uferin und J***** als KÃ¤ufer in mehreren Angriffen ein Kaufpreisteilbetrag von insgesamt EUR 130.720,00 (Faktum 10 in ON 76a S 451-493).
8./ Aus dem Kaufvertrag zwischen E***** und N***** als VerkÃ¤ufer und E***** als KÃ¤ufer Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 6.900,00 (Faktum 11 in ON 76a S 495-529). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
9./ Aus dem Kaufvertrag zwischen D***** als VerkÃ¤uferin und M***** als KÃ¤uferin Immobilienertragssteuer in HÃ¶he von EUR 3.930,00 (Faktum 13 in ON 76a S 531-569). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
10./ Aus dem Kaufvertrag zwischen N***** und Z***** als VerkÃ¤ufer und Z***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 2.267,99 (Faktum 14 in ON 76a S 571-625).
11./ Aus dem Kaufvertrag zwischen Dipl. Ing. T***** als VerkÃ¤ufer und J***** als KÃ¤uferin Immobilienertragssteuer in HÃ¶he von EUR 41.347,28 (Faktum 15 in ON 76a S 627-665). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
12./ Aus dem Kaufvertrag zwischen M***** als VerkÃ¤uferin und M***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 33.707,32 (Faktum 16 in ON 76a S 667-705). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
13./ Aus dem Kaufvertrag zwischen I***** als VerkÃ¤uferin und D***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 94.873,42 (Faktum 17 in ON 76a S 707-757). Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
14./ Aus dem Kaufvertrag zwischen der S***** als VerkÃ¤ufer und Mag. R***** als KÃ¤uferin am 23.05.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 80.121,00 (Faktum 18 in ON 76a S 759-815). Der Schaden wurde teilweise (mit Ausnahme eines die S***** betreffenden Betrages von EUR 26.707,00) durch die ***** gutgemacht.
15./ Aus dem Kaufvertrag zwischen D***** als VerkÃ¤ufer und M***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 59.782,11 (Faktum 19 in ON 76a S 817-863) und zwar
a) am 28.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 55.642,11 und
b) Grunderwerbssteuer und EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 4.140,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
16./ Aus dem Kaufvertrag zwischen J***** als VerkÃ¤ufer und T***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 52.635,73 (Faktum 20 in ON 76a S 865-913) und zwar
a) am 13.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 47.575,73 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 5.060,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
17./ Aus dem Kaufvertrag zwischen W***** als VerkÃ¤ufer und K***** als KÃ¤ufer ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 7.706,07 sowie Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 9.761,20, sohin gesamt EUR 17.467,27 (Faktum 21 in ON 76b S 1-63).
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
18./Aus dem Kaufvertrag zwischen R***** als VerkÃ¤ufer und R***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 118.940,12 (Faktum 22 in ON 76b S 65-123) und zwar
a) im Zeitraum zwischen 31.05.2017 und 22.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 113.647,12 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 5.923,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
19./ Aus dem Kaufvertrag zwischen R***** als VerkÃ¤ufer und der C***** als KÃ¤uferin insgesamt EUR 228.320,00 (Faktum 23 in ON 76b S 125-169) und zwar
a) am 10.07.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 209.000,00 und
b) Grunderwerbssteuer und gerichtliche EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 19.320,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
20./ Aus dem Kaufvertrag zwischen U***** als VerkÃ¤ufer und H***** als KÃ¤ufer insgesamt EUR 300.205,00 (Faktum 24 in ON 76b S 171-223) und zwar
a) am 28.06.2017 ein Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 286.313,00 und
b) Grunderwerbssteuer und EintragungsgebÃ¼hr in HÃ¶he von EUR 13.892,00.
Der Schaden wurde durch die ***** gutgemacht.
21./ Aus dem Kaufvertrag zwischen R***** als VerkÃ¤uferin und K***** als KÃ¤uferin am 08.02.2017 der vollstÃ¤ndige Kaufpreis in HÃ¶he von EUR 120.000,00 (Faktum 25 in ON 76b S 225-255). Der Schaden wurde durch die ***** zum GroÃŸteil (EUR 117.464,13) gutgemacht.
In der Rechtssache H***** ein aus der RÃ¼ckabwicklung eines Kaufvertrages stammender Kaufpreisteilbetrag in HÃ¶he von EUR 345.000,00 (Faktum 28 in ON 76b S 287-375). Der Schaden wurde durch die ***** teilweise (EUR 240.000,00) gutgemacht.
22./Am 24.07.2013 in der Rechtssache P***** insgesamt zwei zur Umschuldung des ***** von der A***** gewÃ¤hrte KreditbetrÃ¤ge in HÃ¶he von insgesamt EUR 310.000,00 (Faktum 30 in ON 76b S 377-507 sowie ON 76c), die er der Sp*****weiterzuleiten gehabt hÃ¤tte, und zwar
a) aus Vertrag Nr. ***** einen Betrag in HÃ¶he von EUR 100.000,00 und
b) aus Vertrag Nr. ***** einen Betrag in HÃ¶he von EUR 210.000,00.
Der Angeklagte wusste jeweils, dass er so handelte â€“ nÃ¤mlich ihm anvertraute GeldbetrÃ¤ge in der jeweiligen HÃ¶he (also auch in EUR 300.000,00 Ã¼bersteigendem Umfang) fÃ¼r sich, seinen Kanzleiaufwand, seine Familienmitglieder bzw. die Schadensgutmachung in anderer Sache verwendete â€“ und wollte das auch. Er wusste, dass weder er noch sonst jemand (auÃŸer den aus dem jeweiligen RechtsgeschÃ¤ft berechtigten) Anspruch auf das Geld hatte, fand sich damit ab und handelte dennoch mit dem Ziel sich bzw. andere zu bereichern.
Zu Punkt B./ des Schuldspruches:
1./ Der Angeklagte war gerichtlich bestellter einstweiliger Sachwalter fÃ¼r die Betroffene A***** zur Einkommens-, VermÃ¶gens- und Schuldenverwaltung (Beschluss vom 9.3.2017). Er war daher befugt, Ã¼ber das VermÃ¶gen der Betroffenen zu verfÃ¼gen. Am 24.4.2017 hob er von einem SparbÃ¼cher der Betroffenen EUR 317.935,00 und zahlte es auf sein Kanzleianderkonto ein (Valutadatum 25.4.2017). Er verwendete es sodann fÃ¼r sich bzw. die Schadensgutmachung in anderer Sache, wodurch A***** ein Schaden in der genannten HÃ¶he entstand (Faktum 27 in ON 76b AS 257-285).
2./ Der Angeklagte war gerichtlich bestellter Sachwalter fÃ¼r den Betroffenen M***** fÃ¼r finanzielle Angelegenheiten (Beschluss vom 9.10.2012). Er war daher befugt, Ã¼ber das VermÃ¶gen des Betroffenen zu verfÃ¼gen. Der Betroffene erhielt im Jahr 2016 eine Pensionsnachzahlung in HÃ¶he von EUR 11.400,00 die er dem Angeklagten vor dem 3.10.2016 aushÃ¤ndigte. Das Geld wurde am 3.10.2016 im Auftrag des Angeklagten auf das Sammelanderkonto des Angeklagten eingezahlt. Der Angeklagte Ã¼berwies das Geld nicht auf das Treuhandkonto des Betroffenen, sondern verwendete es fÃ¼r sich bzw. die Schadensgutmachung in anderer Sache, wodurch M***** ein Schaden in der genannten HÃ¶he entstand (Faktum 31 in ON 37b S 509-527).
Der Angeklagte wusste jeweils, dass er als fÃ¼r diese Angelegenheiten bestellter Sachwalter befugt war Ã¼ber das VermÃ¶gen der Betroffenen zu verfÃ¼gen. Er wusste, dass er durch seine Handlung seine Befugnis missbraucht, also in unvertretbarer Weise gegen Regeln verstÃ¶ÃŸt, die dem VermÃ¶gensschutz der Betroffenen dienten und handelte dennoch. Er hielt es zumindest ernstlich fÃ¼r mÃ¶glich und fand sich damit ab, dass die Betroffenen durch seine Handlung in den genannten (also auch in EUR 300.000,00 Ã¼bersteigenden) BetrÃ¤gen am VermÃ¶gen geschÃ¤digt werden. Er handelte dennoch.
Der Schaden wurde jeweils von der ***** gutgemacht.
Zu Punkt B./ der Anklage (Teilfreispruch):
Es kann nicht festgestellt werden, dass der Angeklagte die in Punkt B./ der Anklage genannten BetrÃ¤ge vorsÃ¤tzlich dem Zugriff seiner GlÃ¤ubiger entzog.
Zu den PrivatbeteiligtenansprÃ¼chen:
Ãœber das VermÃ¶gen des Angeklagten wurde am 23.11.2017 zu 20 S 139/17t des Landesgerichtes W***** das Konkursverfahren erÃ¶ffnet. Das Verfahren behÃ¤ngt weiterhin offen, die Konkursdauer ist nicht vorhersehbar. Derzeit wird kein AbschÃ¶pfungsverfahren im Sinne der Â§Â§ 199ff IO durchgefÃ¼hrt. Es kann nicht festgestellt werden, ob dem Angeklagten vom Insolvenzgericht jemals eine Restschuldbefreiung erteilt werden wird.
Zu diesen Feststellungen gelangte das Gericht aufgrund folgender BeweiswÃ¼rdigung:
Zur Person:Die Feststellungen zu den persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnissen des Angeklagten stÃ¼tzen sich auf dessen insoweit unbedenkliche Angaben (ON 100 S. 2) und die Strafregisterauskunft (ON 97).
Zur Sache:
Zu Punkt A./ des Schuldspruchs:
Nach dem persÃ¶nlichen Eindruck, den sich das Gericht vom Angeklagten verschaffen konnte, versuchte dieser seine Position â€“ nunmehr seiner Ansicht nach gut durchdacht, vgl Protokoll vom 7.10.2020 S 5, wonach er, nachdem er mittlerweile Zeit hatte, jetzt seine abschlieÃŸende eigene Version habe â€“ so positiv wie mÃ¶glich darzustellen. Dieser Versuch schlug aus mehreren GrÃ¼nden fehl.
Nach den Beweisergebnissen stellt es sich fÃ¼r das Gericht zweifelsfrei so dar, dass der Angeklagte Ã¼ber die Jahre zu hohe Privatentnahmen getÃ¤tigt hat (nach eigenen Angaben womÃ¶glich seit 2002), wovon er und (zumindest zeitweise) seine fÃ¼nfkÃ¶pfige Familie lebten (BV ON 36 S 6; [vgl auch: â€žDas Loch ist durch zu groÃŸe GroÃŸzÃ¼gigkeit entstanden.â€œ]). DarÃ¼ber hinaus wurde natÃ¼rlich der gesamte Kanzleiaufwand von den GeschÃ¤ftskonten bestritten (ZV V***** etwa ON 30 S 151). Aufgrund der Beweisergebnisse zeigt sich auch, dass diese Vorgangsweise vom Angeklagten offensichtlich nicht geÃ¤ndert wurde, sonst wÃ¤ren nicht Ã¼ber die Jahre immer grÃ¶ÃŸere FehlbetrÃ¤ge entstanden. Es entstanden so â€žLÃ¶cherâ€œ bei den Fremdgeldern, die es zu â€žstopfenâ€œ galt, was die ErmittlungsbehÃ¶rde plakativ aber nicht ganz prÃ¤zise als â€žLoch-auf-Loch-zu-Methodeâ€œ bezeichnete. TatsÃ¤chlich war es offensichtlich so, dass sobald sich ein â€žLochâ€œ, also wegen der Zueignung durch den Angeklagten fehlendes Geld, auftat, dieses vom Angeklagten mit gerade vorhandenem Geld anderer Personen gefÃ¼llt wurde. Er nutzte also das Geld anderer also auch zur Schadensgutmachung bereits zugeeigneter BetrÃ¤ge â€“ letztlich also auch fÃ¼r sich.
So erklÃ¤ren sich auch weitere EigentÃ¼mlichkeiten:
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das stetig steigende GeschÃ¤ft mit Kaufvertragsabwicklungen, die von vielen Zeugen als besonders gÃ¼nstig (vgl Informationsblatt, ON 76 S 69f; Protokoll vom 13.10.2020 S 11f) und daher empfehlenswert beschrieben wurde (so etwa ON 76a S 689 [â€žbesonders gÃ¼nstig und gutâ€œ], 701 [â€žbesonders gut und gÃ¼nstigâ€œ], 749 [â€žgÃ¼nstig und schnellâ€œ], [â€žrelativ gÃ¼nstigâ€œ]),
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die Auszahlung nur in TeilbetrÃ¤gen von unterschiedlichen Konten bzw. zu unterschiedlichen, teils lange auseinanderliegenden, Zeitpunkten ohne ersichtlichen Grund und teils nur nach Urgenzen (so etwa ON 76a S 63 [â€žimmer vertrÃ¶stetâ€œ], 139 [VerzÃ¶gerung von zwei Monaten, immer wieder Ausreden des Angeklagten],165, 197 [â€žmehrfach vertrÃ¶stetâ€œ], 339 [â€žhingehaltenâ€œ], 295, 487 [seit 2014 lange Weiterleitungsdauer, teilweise mehr als ein Jahr], 495, 613 [Geld kam nach zwei Monaten noch immer nicht, immer nur kleine TeilbetrÃ¤ge, immer vertrÃ¶stet], 621 [â€žmehrmals nachgefragtâ€œ], 853 [mehrmals telefoniert, stets vertrÃ¶stet], ON 76b S 1, 37 [â€žmehrfach urgiertâ€œ], 41 [urgiert, vertrÃ¶stet, Ausreden]),
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die vielfachen Ãœberweisungen von Treuhandkonten auf sachfremde (teils sogar Treuhand-)Konten (ON 76a S 165, 229, 373, 451, 531, 627, 667, 817, ON 76b S 125),
In dieses Bild fÃ¼gt sich eben ein, dass â€“ mehrfache Urgenzen durch viele Berechtigte nÃ¶tig waren, bis Ã¼berhaupt (wenn auch teils nur Teil-)Zahlungen erfolgt sind.
Aus den bisherigen ErwÃ¤gungen ergibt sich fÃ¼r das Gericht, dass die Vorgangsweise des Angeklagten systematisch (laut Angaben des Angeklagten mÃ¶glicherweise seit 2002, jedenfalls aber) Ã¼ber den gesamten anklagegegenstÃ¤ndlichen Zeitraum war. Mag auch in vielen FÃ¤llen die Bedienung von Treuhandverbindlichkeiten mit fremden Geldern zu einer Schadensgutmachung gefÃ¼hrt (Â§ 167 StGB, weshalb insoweit auch keine Anklage erfolgte â€“ die betrifft jene FÃ¤lle, bei denen laut den FaktenÃ¼bersichten kein Schaden entstanden ist, weshalb auch keine weiteren Ermittlungen angestellt wurden; die Vorgangsweise ergibt sich aber auch aus den vorliegenden Geldbewegungen) und damit viele Jahre funktioniert haben, so ist doch letztlich den hier Betroffenen der jeweilige Schaden entstanden.
Die SchadensbetrÃ¤ge und ZahlungsflÃ¼sse ergeben sich ebenso zweifelsfrei aus den in den Feststellungen in Klammern angefÃ¼hrten jeweils zugehÃ¶rigen Belegen und Zeugenvernehmungen, hier war es nur nÃ¶tig ganz unbedeutende offensichtliche Rechenfehler zu korrigieren (sh etwa ON 76 S 165: Korrektur um EUR 1,00 notwendig).
Der Angeklagten hat selbst einen Fehlbetrag von etwa EUR 2,1 Mio (und damit weit Ã¼ber der Wertgrenze von EUR 300.000,00) zugestanden (ON 7 S 11 u 23, ON 100 S 5f: im Lauf der Jahre im Betrieb â€žverbratenâ€œ). Selbst wenn man nur die Ãœberweisungen von Treuhandkonten auf sachfremde (Treuhand-)Konten mit Ausnahme des Sammelanderkontos heranzieht, ergibt sich ein Betrag von Ã¼ber EUR 400.000,00 (ON 76a S 165, 229, 373, 451, 531, 667, 817, ON 37b S 125).
Wer sonst, wenn nicht der Angeklagte, fÃ¼r diese Malversationen in seiner Kanzlei verantwortlich sein sollte, konnte der Angeklagte selbst nicht erklÃ¤ren. Der Vertreterin wÃ¤hrend seiner krankheitsbedingten Abwesenheit machte er keinen Vorwurf. Wie die Zeugin V*****, von deren GlaubwÃ¼rdigkeit sich das Gericht aufgrund des von ihr gewonnenen persÃ¶nlichen Eindrucks Ã¼berzeugen konnte, angab, machte sie als fÃ¼r die BankÃ¼berweisungen hauptsÃ¤chlich zustÃ¤ndige Mitarbeiterin keine Ãœberweisungen ohne Anweisung durch den Angeklagten. Die Treuhandkonten hat der Angeklagte vollkommen alleine betreut (ZV V*****, etwa Protokoll vom 7.10.2020 S 6f, ON 30 S 153).
Letztlich kann also dahin gestellt bleiben, wie das Geld tatsÃ¤chlich (Ã¼berwiegend vom Sammelanderkonto) zum Angeklagten (bzw. den jeweils Bereicherten) kam, zumal jedenfalls feststeht, dass das Geld weg ist (vgl auch den Schuldenstand des Angeklagten).
Der Angeklagte selbst hat sich â€“ wenn auch beim Vergleich mit seiner letztgÃ¼ltigen Verantwortung nur zwischenzeitig â€“ gestÃ¤ndig zu jenen BetrÃ¤gen verantwortet, die von Treuhandkonten auf sachfremde Treuhandkonten Ã¼berwiesen wurden (ON 100 S 12).
Die nunmehrige Verantwortung des Angeklagten (zusammengefasst: ihm sei kein Geld zugeflossen, sein Gesundheitszustand habe Einfluss auf seine TÃ¤tigkeit gehabt, als er das AusmaÃŸ erkannte, habe er mit dem Zeugen R***** die in dessen Vernehmung erÃ¶rterte GmbH gegrÃ¼ndet, es habe ohnedies eine Vertrauensschadenversicherung gegeben, die einspringe, wenn sich irgendwo ein Fall ergebe, bei dem Geld fehle, [wobei sich der Angeklagte durchaus auch auf seine Angaben in der Hauptverhandlung ON 100 berufen hat, Protokoll vom 7.10.2020 S 5f]) ist angesichts der bisherigen Ãœberlegungen eine bloÃŸe Schutzbehauptung. Es sei allerdings auch darauf hingewiesen, dass diese Verantwortung seinen vorigen Angaben teils massiv widerspricht. Dies betrifft etwa die TÃ¤tigkeit oder UntÃ¤tigkeit nach â€žErkennen des Lochsâ€œ: ON 5 S 185 â€žIch habe wahrscheinlich gehofft, dass ich es wieder irgendwie abdecken kann.â€œ Die vom Angeklagten diesbezÃ¼glich immer wieder ins Treffen gefÃ¼hrte GmbH wurde freilich im Februar 2017 gegrÃ¼ndet und die GeschÃ¤fte waren nicht sehr erfolgreich (ZV Ing. Renner ON 100 S 54ff). Auch nach diesem Zeitpunkt gab es noch zahlreiche Malversationen (etwa die Fakten A./1./,2./,4./,6./,14./,15./,16./,17./,18./,19./ und 20./), was die Verantwortung absolut unglaubwÃ¼rdig macht.
Die subjektive Tatseite ergibt sich aus dem objektiven Tathergang, den bisherigen ErwÃ¤gungen, insbesondere auch zur Systematik der Vorgangsweise, und der allgemeinen Lebenserfahrung zweifelsfrei.
Soweit der Angeklagte selbst immer wieder â€žschlimmstenfallsâ€œ fahrlÃ¤ssiges Handeln zugesteht (den offensichtlichen Grund hierfÃ¼r lieferte er selbst: â€ždas ist noch versichertâ€œ, ON 7 S 13; zuletzt gab er auch an, er habe â€žkeine SchÃ¤digungsabsichtâ€œ gehabt), war im Sinne der bisherigen ErwÃ¤gungen nicht davon auszugehen. Selbst wenn es so wÃ¤re, dass der Angeklagte nach Gewahrwerden eines Fehlbetrages (in welcher HÃ¶he auch immer) Ende 2016/Anfang 2017 â€ždas System umgestelltâ€œ (Protokoll vom 13.10.2020 S 12) bzw. â€ždiese GmbHâ€œ gegrÃ¼ndet hÃ¤tte (Protokoll vom 7.10.2020 S 5), wÃ¤re ihm zumindest fÃ¼r die Tatzeitpunkte danach (siehe dazu weiter oben) Vorsatz zu unterstellen. Es ist auch nicht ersichtlich, wie das Bestehen einer Vertrauensschadenversicherung (Protokoll vom 7.10.2020 S 6 bzw. vom 13.10.2020 S 12) diesen Vorsatz ausschlieÃŸen soll (etwa RS0094326).
Dementsprechend wÃ¤ren andere als die getroffenen Feststellungen zur subjektiven Tatseite in dieser konkreten Konstellation gerade auch bei einem R***** vÃ¶llig lebensfremd.
Zu Punkt B./ des Schuldspruches:
Auch zu diesen Punkten kann auf die in Klammern angefÃ¼hrten Erhebungsergebnisse im Zusammenhalt mit den bisherigen AusfÃ¼hrungen verwiesen werden.
Betreffend 1./ ist zudem bezeichnend, dass nach Einzahlung des Geldbetrags (25.4., ON 5 S 141) zweieinhalb Monate verstreichen und eine Anfrage der R***** (am 7.7., die das gegenstÃ¤ndliche Verfahren maÃŸgeblich anstieÃŸ) beim Angeklagten einlangen musste, dass der Angeklagte â€žschonâ€œ am 11.7.2017 (ON 5 S 145ff) ein Treuhandkonto fÃ¼r den Betrag einrichtete (Stellungnahme ON 4). Dass die Vorgangsweise mit dem zustÃ¤ndigen Pflegschaftsrichter abgesprochen worden sei (ebenso ON 4), wurde von diesem freilich mit dem Hinweis auf die einfache MÃ¶glichkeit einer gerichtlich verfÃ¼gten Sperre des Sparbuchs bestritten (ON 5 S 3).
Dass der Betroffenen ein Schaden entstanden ist, ergibt sich nicht nur aus den Angaben des Angeklagten selbst (Protokoll vom 13.10.2020 S 12 â€žnach zwei Monaten war das Geld wegâ€œ) sondern auch aus der EinlÃ¶sungserklÃ¤rung bzw. Schadensgutmachtung durch die ***** (ON 76b S 281ff).
Zu 2./ kann zudem auf die â€“ wie bereits ausgefÃ¼hrt â€“ glaubhaften Angaben der Zeugin V***** verwiesen werden (zB ON 30 S 153f, Geld auf Kanzleianderkonto eingezahlt, wurde nie auf Treuhandanderkonto weitergeleitet, selbst nach Hinweis durch die Zeugin).
Beide Tathandlungen fÃ¼gen sich in die Vorgangsweise des Angeklagten nahtlos ein, sodass der objektive Sachverhalt zweifelsfrei feststand.
Die Feststellungen zur subjektiven Tatseite ergeben sich, wie auch bei jenen zu Punkt A./ aus dem objektiven Geschehenshergang und der allgemeinen Lebenserfahrung, die andere Feststellungen lebensfremd erscheinen lassen wÃ¼rden. Auch hier gelten wegen der Ã„hnlichkeit der Sachverhalte die zu A./ getÃ¤tigten AusfÃ¼hrungen unter Hinweis auf die langjÃ¤hrige TÃ¤tigkeit des Angeklagten als Rechtsanwalt. Die gesteigerte Vorsatzform der Wissentlichkeit ist ebenso zweifelsfrei hieraus abzuleiten.
Zu Punkt B./ der Anklage (Teilfreispruch):
Trotz der umfangreich belastenden Beweisergebnisse war im Zweifel nicht davon auszugehen, dass der Angeklagte auch noch nach der Entdeckung seiner Malversationen den nÃ¶tigen Vorsatz fÃ¼r das kridatrÃ¤chtige Handeln hatte, zumal er anfangs â€“ anders als mittlerweile â€“ tatsÃ¤chlich an der Bereinigung der Angelegenheit mitwirkte.
Zu den PrivatbeteiligtenansprÃ¼chen:
Die Feststellungen stÃ¼tzen sich auf den Ausdruck aus der Insolvenzdatei. WÃ¼rde aktuell ein AbschÃ¶pfungsverfahren durchgefÃ¼hrt, so mÃ¼sste sich dies aus der Insolvenzdatei ergeben (vgl die umfangreichen VerÃ¶ffentlichungspflichten gemÃ¤ÃŸ Â§ 200 IO). Daraus ergibt sich auch die Negativfeststellung betreffend eine allenfalls in der Zukunft durch das Insolvenzgericht zu erteilende Restschuldbefreiung. Auch die Privatbeteiligte R***** fÃ¼hrt im Ãœbrigen bloÃŸ aus, dass sich dem Angeklagtem voraussichtlich die MÃ¶glichkeit eines AbschÃ¶pfungsverfahrens mit Restschuldbefreiung bieten werde.
Rechtliche Beurteilung
Rechtliche Beurteilung:
Aufgrund des festgestellten Sachverhalts hat der Angeklagte die im Spruch genannten Verbrechen in objektiver und subjektiver Hinsicht begangen.
Ein R*****, der von seinen Klienten GeldbetrÃ¤ge zur Weiterleitung an berechtigte EmpfÃ¤nger Ã¼bernimmt und sich das Geld zueignet, begeht Veruntreuung und nicht Untreue; seine VerfÃ¼gungsgewalt Ã¼ber das Geld war nÃ¤mlich auf eine ganz bestimmte Verwendungspflicht beschrÃ¤nkt, sodass es ihm anvertraut war, und die ÃœberfÃ¼hrung des Geldes in sein VermÃ¶gen erfolgte nicht in missbrÃ¤uchlicher AusnÃ¼tzung einer rechtlichen Befugnis, sondern in AusnÃ¼tzung der durch das Anvertrauen gegebenen faktischen VerfÃ¼gungsmÃ¶glichkeit.
Betreffend die unter Punkt B./ zur Verurteilung gelangten Fakten war der Angeklagte allerdings Machthaber, weshalb Untreue im Sinne des Â§ 153 StGB vorliegt.
Bei der Strafzumessung war (unter Anwendung des Â§ 28 Abs 1 StGB) nach dem zweiten Strafsatz des Â§ 133 Abs 2 StGB von einer Strafdrohung von einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.
Das Gericht wertete im Einzelnen den bisherigen ordentlichen Lebenswandel und die Ã¼berwiegende Schadensgutmachung (wenn auch aus dritter Hand, so doch fÃ¼r den Angeklagten) als besonders mildernd, als besonders erschwerend hingegen den langen Tatzeitraum, die FaktenhÃ¤ufung, die vielfache WertgrenzenÃ¼berschreitung und das Zusammentreffen zweier Verbrechen. Im Rahmen der allgemeinen Strafzumessung war zudem die massive Ausnutzung des seinem Berufsstand zukommenden Vertrauens (stark) erschwerend zu berÃ¼cksichtigen, sodass sich bei Gesamtbetrachtung eine Freiheitsstrafe in der Dauer von vier Jahren als tÃ¤ter-, tat- und schuldangemessen erweist.
Die Privatbeteiligten waren mit ihren AnsprÃ¼chen auf den Zivilrechtsweg zu verweisen. Teils wurde ohnedies nur die Feststellung des Bestehens von Insolvenzforderungen beantragt (siehe dazu Â§ 110 IO: Geltendmachung durch Klage gegen alle Bestreitenden). Sofern man Ã¼berhaupt davon ausgeht, dass die ansonsten beantragte Feststellung, dass eine Forderung nicht von â€žderâ€œ (siehe Eingabe der I***** vom 12.10.2020) bzw. â€žeinerâ€œ (siehe Eingabe der M***** vom 5.10.2020) Restschuldbefreiung erfasst wird, auch wÃ¤hrend laufenden Insolvenzverfahrens Prozesssperre zulÃ¤ssig ist, fehlt ihr das rechtliche Interesse: Es ist Ã¼berhaupt noch nicht klar, ob ein AbschÃ¶pfungsverfahren durchgefÃ¼hrt, geschweige denn eine Restschuldbefreiung erteilt werden wird. Abstrakte Rechtsfragen, denen kein gegenwÃ¤rtig in der Wirklichkeit existierender Sachverhalt zugrunde liegt oder solche, die sich in der Feststellung einer dem Gesetzeswortlaut entsprechenden Rechtslage erschÃ¶pfen, sind nicht urteilsmÃ¤ÃŸig feststellungsfÃ¤hig (Frauenberger-Pfeiler in Fasching/KonecnyÂ³ II/1 Â§228 ZPO Rz 65). Wenn diesbezÃ¼glich Klarheit herrschen wird, wird aber das Insolvenzverfahren aufgehoben sein (Â§ 200 Abs 4 IO), die Privatbeteiligten werden also wieder Leistungsklage (der dann der hier begehrte Feststellungsanspruch immanent ist) erheben kÃ¶nnen.
Die weiteren urteilsmÃ¤ÃŸigen AussprÃ¼che stÃ¼tzen sich auf die im Spruch genannten Gesetzesstellen.