Document Number: JJT_20201116_OLG0009_03300R00076_20V0000_000
ECLI: ECLI:AT:OLG0009:2020:03300R00076.20V.1116.000
Case Number: 33R76/20v
Application Type: Justiz
Court: OLG Wien
Decision Date: 1605484800000
Word Count: 1518

Kopf
Das Oberlandesgericht Wien hat als Rekursgericht ***** wegen Eintragung der Wortmarke Social Media King Ã¼ber den Rekurs der Antragstellerin gegen den Beschluss der Rechtsabteilung des Patentamts vom 12.6.2020, AMÂ 11772/2019-6, in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Dem Rekurs wird nicht Folge gegeben.
Der Wert des Entscheidungsgegenstands Ã¼bersteigt EURÂ 30.000.
Der ordentliche Revisionsrekurs ist nicht zulÃ¤ssig.
BegrÃ¼ndung
Text
Die Antragstellerin begehrt die Eintragung der Wortmarke
Social Media King
fÃ¼r die Dienstleistungen der Klassen
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35   Werbung; Werbung, Marketing und VerkaufsfÃ¶rderung; Dienstleistungen einer Werbeagentur; Verbreitung von Werbung; Verbreitung von Werbung fÃ¼r Dritte; Verbreitung von Werbung mittels Online-Kommunikationsnetzen; Verbreitung von Werbeanzeigen Ã¼ber das Internet; Zur VerfÃ¼gung stellen von WerbeflÃ¤chen, Werbezeiten und WerbetrÃ¤gern; Vermittlung und Vermietung von WerbeflÃ¤chen im Internet; Online-Werbung; Online-Werbung in computergestÃ¼tzten Kommunikationsnetzen; Werbung, einschlieÃŸlich Online-Werbung Ã¼ber ein Computernetz; Online-Werbung fÃ¼r Computernetze und Websites; Online-Werbung Ã¼ber ein computergestÃ¼tztes Kommunikationsnetz; Online-Werbung fÃ¼r Dritte Ã¼ber elektronische Kommunikationsnetze; Zusammenstellung von Werbeanzeigen; Zusammenstellung von Werbeanzeigen fÃ¼r das Internet; Zusammenstellung von Werbeanzeigen zur Verwendung auf Webseiten; Zusammenstellung von Werbeanzeigen zur Verwendung auf Webseiten im Internet; GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung; Unternehmensverwaltung; BÃ¼roarbeiten; Zusammenstellung von Verzeichnissen zur VerÃ¶ffentlichung im Internet; Zusammenstellung von Verzeichnissen zur VerÃ¶ffentlichung in einem weltweiten Computernetz oder im Internet; Vermittlung von VertrÃ¤gen fÃ¼r Dritte; Organisation von Veranstaltungen zu Reklame- und Werbezwecken; Organisation von Veranstaltungen, Ausstellungen, Messen und Shows fÃ¼r kommerzielle, verkaufsfÃ¶rdernde und Werbezwecke.
41   Bildung, Erziehung und Unterricht; Organisation und Veranstaltung von Seminaren; Veranstaltung, DurchfÃ¼hrung und Organisation von Seminaren; Organisation und Veranstaltung von Konferenzen; Organisation und Veranstaltung von Workshops; Organisation und Veranstaltung von Kongressen; Organisation und Veranstaltung von Wirtschafts-, Handels- und GeschÃ¤ftskonferenzen; Coaching.
42   Designdienstleistungen; Grafikdesign; Programmierung von Webseiten; Programmierung von Multimedia-Anwendungen; Programmierung von Software fÃ¼r Websiteentwicklung; Programmierung von Software fÃ¼r Internetplattformen; Programmierung von Datenverarbeitungs- und Kommunikationssystemen; Programmierung von Software fÃ¼r E-Commerce-Plattformen.
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Mit dem angefochtenen Beschluss wies die Rechtsabteilung des Patentamts den Antrag mit der BegrÃ¼ndung ab, dass unter der Bezeichnung â€žSocial Mediaâ€œ digitale Medien und Methoden (Social Software) zu verstehen seien, die es den Nutzern ermÃ¶glichten, sich im Internet zu vernetzen und auszutauschen. Der englische Begriff â€žKingâ€œ bezeichne nicht nur einen monarchischen WÃ¼rdentrÃ¤ger, sondern auch jemanden, der eine hervorragende Stellung einnehme. Diese Zeichenbestandteile hÃ¤tten fÃ¼r die beanspruchten Dienstleistungen teils beschreibende und teils werbende Bedeutung.
Dagegen richtet sich der Rekurs der Antragstellerin. Sie beantragt, die Entscheidung abzuÃ¤ndern und das angemeldeten Zeichen als Marke zu registrieren.
Rechtliche Beurteilung
Der Rekurs ist nicht berechtigt.
1. GemÃ¤ÃŸ Â§Â 4 AbsÂ 1 ZÂ 4 MSchG ist eine Registrierung ausgeschlossen, wenn das Zeichen ausschlieÃŸlich aus Zeichen oder Angaben besteht, die im Verkehr zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der Menge, der Bestimmung, des Werts, der geografischen Herkunft oder der Zeit der Herstellung der Ware oder der Erbringung der Dienstleistung oder zur Bezeichnung sonstiger Merkmale der Ware oder Dienstleistung dienen kann.
2.1. Die Unterscheidungskraft fehlt bei einer Wortmarke jedenfalls dann, wenn die maÃŸgebenden Verkehrskreise sie als Information Ã¼ber die Art der damit gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen verstehen, nicht aber als Hinweis auf deren Herkunft (EuGH C-304/06 P, Eurohypo, RnÂ 69). Eine beschreibende Marke iSd Â§Â 4 AbsÂ 1 ZÂ 4 MSchG ist daher auch nicht unterscheidungskrÃ¤ftig iSd Â§Â 4 AbsÂ 1 ZÂ 3 MSchG (C-363/99, Postkantoor, RnÂ 86). Insofern Ã¼berschneiden sich die Anwendungsbereiche von Â§Â 4 AbsÂ 1 ZÂ 3 und ZÂ 4 MSchG (OmÂ 10/09, LÃ¼mmeltÃ¼tenparty; 4Â Ob 11/14t, EXPRESSGLASS; 4Â Ob 49/14f, My TAXI).
2.2. Ein Zeichen ist beschreibend, wenn es im normalen Sprachgebrauch der relevanten Verkehrskreise die angemeldeten Waren oder Dienstleistungen entweder unmittelbar oder durch Hinweis auf eines ihrer wesentlichen Merkmale kennzeichnet (Koppensteiner, Markenrecht4 71 mwN; Newerkla in Kucsko/Schumacher, marken.schutzÂ³ Â§Â 4 RzÂ 169Â ff; RS0109431). Vom Registrierungsverbot sind nur Zeichen betroffen, deren Begriffsinhalt von den beteiligten Verkehrskreisen zwanglos, ohne komplizierte Schlussfolgerungen (vgl 4Â Ob 38/03x, music-channel.cc) und ohne besondere Denkarbeit (vgl 4Â Ob 10/03d, MoreÂ II) erschlossen werden kann. Der beschreibende Charakter muss somit allgemein, zwanglos und ohne besondere Gedankenoperation erkennbar sein (OmÂ 1/01, R.Â Lanerossi; EuGH C-326/01Â P, Universaltelefonbuch; C-494/08Â P, Pranahaus; RS0066456; RS0109431).
Im Allgemeinen fÃ¼hrt es nicht zur Schutzversagung, wenn auf eine beschreibende Angabe nur angespielt oder ein der Ware oder Dienstleistung zu Werbezwecken zugeschriebenes Image angedeutet wird, wenn dies nicht Ã¼ber den erlaubten Bereich der Suggestion oder Anspielung hinausgeht (vgl 4Â Ob 239/98w; RS0109431, RS0090799, RS0066456; 4Â Ob 11/14t ua).
2.3. Unterscheidungskraft haben bei Wortmarken grundsÃ¤tzlich nur frei erfundene, keiner Sprache angehÃ¶rende PhantasiewÃ¶rter (im engeren Sinn) oder Zeichen, die zwar dem allgemeinen Sprachgebrauch angehÃ¶ren, jedoch mit der Ware, fÃ¼r die sie bestimmt sind, in keinem Zusammenhang stehen (PhantasiewÃ¶rter im weiteren Sinn). Entscheidend ist, ob die Worte im Verkehr als Phantasiebezeichnungen aufgefasst werden (RS0066644).
3. Der EuGH hat darÃ¼ber hinaus auch ausgesprochen, dass nicht nur die Eintragung einer ausschlieÃŸlich beschreibenden Wortverbindung, sondern auch einer solchen Wortverbindung unzulÃ¤ssig ist, die geeignet ist, von anderen Wirtschaftsteilnehmern zur Bezeichnung eines Merkmals ihrer Waren- oder Dienstleistungen verwendet zu werden (C-191/01Â P, Doublemint, RnÂ 32). Dies erklÃ¤rt sich aus der Ãœberlegung, dass ein allgemeines Interesse daran besteht, dass Zeichen oder Angaben, die Waren- oder Dienstleistungen beschreiben, von jedermann frei verwendet werden kÃ¶nnen, weshalb es nicht erlaubt ist, dass solche Zeichen oder Angaben einem einzigen Unternehmen vorbehalten werden (C-191/01Â P, Doublemint, RnÂ 31; C-265/00, Biomild, RnÂ 36).
4. Ob einer Fremdsprache entnommene Begriffe Kennzeichnungskraft besitzen, hÃ¤ngt davon ab, ob ihre Kenntnis im Inland im PrioritÃ¤tszeitpunkt so weit verbreitet war, dass der inlÃ¤ndische Verkehr einen die Identifizierungsfunktion (Kennzeichnungsfunktion) ausschlieÃŸenden Sinngehalt erkennen konnte (4 Ob 80/93, Karadeniz mwN; 4 Ob 325/99v, MANPOWER mwN; 4 Ob 277/04w, POWERFOOD).
5.1. Die Antragstellerin fÃ¼hrt zusammengefasst ins Treffen, dass im Zeichen â€žSocial Media Kingâ€œ keine verkehrsÃ¼bliche, unmittelbare Bezeichnung der beanspruchten Dienstleistungen zu sehen sei.
5.2. Der gÃ¤ngige englische Begriff â€žKingâ€œ wird vom Verkehr als â€žKÃ¶nigâ€œ Ã¼bersetzt. Der Begriff â€žKingâ€œ wird in der Werbung auch lobend im Sinne von â€žder Beste in einem Bereichâ€œ verwendet und kann als Anpreisung der QualitÃ¤t der fraglichen Dienstleistungen verstanden werden (EuG T-85/19, KinGirls/King). Der englische Begriff â€žSocial Mediaâ€œ wird vom Verkehr mit â€žSoziale Medienâ€œ Ã¼bersetzt, darunter werden digitale Medien, aber auch Methoden â€“ sogenannte Social Software â€“ verstanden, die es Nutzern ermÃ¶glichen, sich im Internet zu vernetzen, sich also untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln, in einer definierten Gemeinschaft oder offen in der Gesellschaft zu erstellen und weiterzugeben. â€žSocial Softwareâ€œ ist eine Bezeichnung fÃ¼r Software, die der menschlichen Kommunikation und der Zusammenarbeit dient, zB im Zusammenhang mit Sozialen Medien (https://de.wikipedia.org/wiki/Social_Software).
Die Gesamtheit des Zeichens fÃ¼hrt vorliegend nicht zu einem Bedeutungsgehalt, der Ã¼ber die Summe der Einzelelemente der Wortfolge hinausgeht. Das Zeichen ist aus sprachÃ¼blichen Begriffen zusammengesetzt und ergibt einen Sinn, nÃ¤mlich â€žder Besteâ€œ bei der Erbringung der beanspruchten Dienstleistungen im Bereich der â€ždigitalen Medienâ€œ und der â€žSocial Softwareâ€œ zu sein.
5.3. Wie im Eintragungsverfahren zu prognostizieren ist, liegt es fÃ¼r den angesprochenen Verkehrskreis nahe, dass das Zeichen angesichts des beanspruchten und von der Antragstellerin selbst definierten Schutzumfangs ohne relevante Gedankenoperation als werbemÃ¤ÃŸige Anpreisung im Hinblick auf die besonders hohe QualitÃ¤t der Dienstleistungen und/oder ihrer Wirkungsweise wahrgenommen oder aufgefasst wird.
Soziale Medien sind durchaus wichtige Plattformen fÃ¼r Werbedienste und werden oftmals auch zur Kundenkommunikation verwendet. Dieser Umstand hat beispielsweise im Berufsprofil des BÃ¼rokaufmanns/der BÃ¼rokauffrau Eingang gefunden (vgl Â§Â 2 AbsÂ 1 litÂ 1d BÃ¼rokaufmann/BÃ¼rokauffrau-Ausbildungsordnung).
Der Verkehr wird daher die Dienstleistungen der KlasseÂ 35 dahingehend interpretieren, dass die Antragstellerin Dienstleistungen fÃ¼r Unternehmen oder Influencer in besonders hoher QualitÃ¤t erbringt, und zwar im Zusammenhang mit der Planung und Errichtung eines Werbeauftritts auf einer Social Media Plattform oder um einen bestehenden Auftritt zu optimieren. Auch die Dienstleistungen â€žGeschÃ¤ftsfÃ¼hrungâ€œ, â€žBÃ¼roarbeitenâ€œ, â€žUnternehmensverwaltungâ€œ und â€žVermittlung von VertrÃ¤genâ€œ kÃ¶nnen sich auf â€žSoziale Medienâ€œ beziehen, die mit hoher ProfessionalitÃ¤t und QualitÃ¤t erbracht werden.
Die Dienstleistungen der KlasseÂ 41 betreffen einerseits die Organisation von Veranstaltungen (Seminare, Workshops, Konferenzen, Kongresse) und anderseits die Vermittlung von Bildung, die Erziehung und die Beratung (Coaching). Der Verkehr wird beim angemeldeten Zeichen im Zusammenhang mit diesen Dienstleistungen, welche die Organisation von Veranstaltungen betreffen, eine besonders hohe QualitÃ¤t der von der Antragstellerin organisierten Veranstaltungen zum Thema â€žSocial Mediaâ€œ erwarten. Im Zusammenhang mit den von der KlÃ¤gerin beanspruchten Dienstleistungen der Wissensvermittlung wird er erwarten, alles Ã¼ber digitale Medien und Social Software zu erfahren, den Umgang damit zu erlernen oder sich darÃ¼ber auch nur auszutauschen. Social Media Portale haben sich in den letzten Jahren als Online-Netzwerk besonders unter Kindern und Jugendlichen in Ã–sterreich (und weltweit) etabliert. Der Verkehr wird unter der Dienstleistung â€žErziehungâ€œ im Zusammenhang mit dem beanspruchten Zeichen Dienstleistungen in besonders hoher QualitÃ¤t verstehen, die sich an all jene richten, die mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben und die mehr Ã¼ber den pÃ¤dagogisch richtigen Umgang mit diesen Medien oder den Einfluss von Sozialen Medien auf Kinder und Jugendliche erfahren wollen.
Grafikdesign ist eine TÃ¤tigkeit, Sprache, Gedanken und grÃ¶ÃŸere gedankliche ZusammenhÃ¤nge mittels Typographie, Bild, Farbe und Material visuell darzustellen oder augenscheinlich vermittelbar zu machen (https://de.wikipedia.org/wiki/Grafikdesign). Grafikdesign und Designdienstleistungen sowie alle mit dem Programmieren einer Software im Zusammenhang stehenden Dienstleistungen der KlasseÂ 42 kÃ¶nnen im Zusammenhang mit â€žSocial Mediaâ€œ erbracht werden und sind daher neben der werbenden Aussage auch noch (groÃŸteils) beschreibend.
Die Entscheidung der Rechtsabteilung bedarf daher keiner Korrektur.
6. Da die Entscheidung keine Rechtsfragen von der QualitÃ¤t des Â§Â 62 AbsÂ 1 AuÃŸStrG aufwarf und Ã¼ber den Einzelfall hinaus nicht bedeutsam ist (RS0111880), ist der Revisionsrekurs nicht zulÃ¤ssig.
In diesem Fall hat das Rekursgericht nach Â§Â 59 AbsÂ 2 AuÃŸStrG auszusprechen, ob der Wert des Entscheidungsgegenstands, der â€“Â wie hierÂ â€“ rein vermÃ¶gensrechtlicher Natur ist, aber nicht in einem Geldbetrag besteht, EURÂ 30.000 Ã¼bersteigt. Diese Voraussetzung ist angesichts der Bedeutung des Markenschutzes im Wirtschaftsleben gegeben.