Document Number: JJT_20200313_OGH0002_0120NS00016_20D0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0120NS00016.20D.0313.000
Case Number: 12Ns16/20d
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1584057600000
Word Count: 875

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 13.Â MÃ¤rzÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â SolÃ© als Vorsitzenden sowie durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oshidari und die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Setz-Hummel in der Disziplinarsache gegen *****, AZÂ DÂ 134/13 des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Wien, Ã¼ber den Antrag des Disziplinarbeschuldigten auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie der Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S***** wegen AusschlieÃŸung gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 den
Beschluss
gefasst:
Spruch
SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S***** sind von der Entscheidung Ã¼ber die Berufung des Disziplinarbeschuldigten ***** gegen das Erkenntnis des Disziplinarrats der Rechtsanwaltskammer Wien vom 21.Â FebruarÂ 2018, AZÂ DÂ 134/13-43 sowie Ã¼ber die Beschwerde des Genannten gegen den Beschluss vom 21.Â FebruarÂ 2018, AZÂ DÂ 134/13-44, nicht ausgeschlossen.
Hinsichtlich SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hoch sowie in Ansehung der Ablehnung von SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie von Anwaltsrichter Dr.Â A*****, soweit das zu AZÂ 12Â NsÂ 10/20x des Obersten Gerichtshofs erhobene Vorbringen wiederholt wird, wird der Antrag zurÃ¼ckgewiesen.
Text
GrÃ¼nde:
Mit Beschluss des Obersten Gerichtshofs vom 18.Â FebruarÂ 2020, AZÂ 12Â NsÂ 10/20x, wurde dem im Verfahren AZÂ 26Â DsÂ 1/19z, 2/19x des Obersten Gerichtshofs gestellten Antrag des Disziplinarbeschuldigten Rechtsanwalt ***** auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie der Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Dr.Â H***** wegen AusschlieÃŸung nicht Folge gegeben.
Am 24.Â FebruarÂ 2020 fand vor dem Obersten Gerichtshof zu AZÂ 26Â DsÂ 1/19z, 2/19x die Berufungsverhandlung im gegenstÃ¤ndlichen, gegen ***** gefÃ¼hrten Disziplinarverfahren statt, die vertagt wurde. Mitglieder des Senats in dieser Berufungsverhandlung waren die SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie die Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S*****.
Nach der GeschÃ¤ftsverteilung des Obersten Gerichtshofs sind Mitglieder des zustÃ¤ndigen 26.Â Senats Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher als Vorsitzender, SenatsprÃ¤sident des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Hoch als weiterer Richter sowie Dr.Â A***** und Dr.Â H***** als Anwaltsrichter. Als Ersatzmitglied fÃ¼r den Fall der Verhinderung des weiteren Richters sieht die GeschÃ¤ftsverteilung den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski, als jenes fÃ¼r den Fall der Verhinderung eines Anwaltsrichters (nach Anfangsbuchstaben des Zunamens des Disziplinarbeschuldigten vorliegend) Mag.Â Dr.Â S***** vor.
Mit Schriftsatz vom 28.Â FebruarÂ 2020 stellte der Disziplinarbeschuldigte den Antrag auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher, Dr.Â Hoch und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie der Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S***** â€žwegen Befangenheitâ€œ.
Soweit der Antrag hinsichtlich der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie des Anwaltsrichters Dr.Â A***** bloÃŸ jenes Vorbringen wiederholt, das bereits Gegenstand des Beschlusses AZÂ 12Â NsÂ 10/20x des Obersten Gerichtshofs war, steht diese Entscheidung einer neuerlichen Erledigung entgegen, weshalb der Antrag in diesem Umfang (ONÂ 1 PktÂ 1. und 2.) zurÃ¼ckzuweisen war.
Voraussetzung fÃ¼r die ZulÃ¤ssigkeit eines Antrags auf Ablehnung eines Richters wegen AusschlieÃŸung nach Â§Â 44 AbsÂ 3 StPO ist dessen konkret-aktuelle Kompetenz zur Entscheidung in der Sache des Ablehnungswerbers (vgl RIS-Justiz RS0097219; LÃ¤ssig, WK-StPO Vorbem zu Â§Â§Â 43 bis 47 RzÂ 4, Â§Â 45 RzÂ 7). Da eine solche in Ansehung des dem SenatÂ 26 in der hier zum Tragen kommenden Besetzung nicht mehr angehÃ¶renden SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Hoch nicht vorliegt, war der ihn betreffende Antrag (ONÂ 1 PktÂ 1. und 5.) zurÃ¼ckzuweisen.
Zum weiteren Vorbringen des *****:
Der Disziplinarbeschuldigte stellte den Antrag auf Ablehnung der SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie des Anwaltsrichters Dr.Â A***** wegen AusschlieÃŸung, weil die Genannten
â€“ zusammengefasst â€“ bereits vor der Berufungsverhandlung gewusst hÃ¤tten, dass der Beschluss AZÂ 12Â NsÂ 10/20x des Obersten Gerichtshofs â€žamtsmissbrÃ¤uchlich erfolgtâ€œ sei, weshalb sie â€žan mindestens einem Amtsdelikt beteiligtâ€œ gewesen seien, woraus die Verpflichtung zur Anzeige der Ausgeschlossenheit iSd â€žÂ§Â 44 AbsÂ 2 StPO und Â§Â 22 AbsÂ 1 GOGâ€œ resultiere, die die Genannten unterlassen hÃ¤tten, was auf â€žoffenbar unsachliche GrÃ¼ndeâ€œ hindeute. Weiters lÃ¤gen â€žAblehnungsgrÃ¼ndeâ€œ gegen die SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie die Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S***** durch â€žBeteiligung an einem VerstoÃŸ gegen [â€¦] ArtÂ 83 AbsÂ 2 B-VG, welcher zumindest auch den Ã¤uÃŸeren Tatbestand des Delikts nach Â§Â 302 StGB erfÃ¼lltâ€œ, vor, weil diese in der Berufungsverhandlung des Obersten Gerichtshofs vom 24.Â FebruarÂ 2020 durch eine entgegen der GeschÃ¤ftsverteilung (hinsichtlich Anwaltsrichter Mag.Â Dr.Â S*****, der â€žin keiner denkmÃ¶glichen Varianteâ€œ dem SenatÂ 26 angehÃ¶ren kÃ¶nne) und ohne Personalsenatsbeschluss (hinsichtlich der â€žVerhinderungâ€œ von SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Hoch und Anwaltsrichter Dr.Â H*****) erfolgte Senatszusammensetzung dem Antragsteller die gesetzlichen Richter entzogen hÃ¤tten.
Rechtliche Beurteilung
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 64 DSt iVm Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO ist ein Richter vom gesamten Verfahren ausgeschlossen, wenn andere GrÃ¼nde vorliegen, die geeignet sind, seine volle Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit in Zweifel zu ziehen. Die Bestimmungen Ã¼ber die AusschlieÃŸung stellen auf den Ã¤uÃŸeren Anschein ab. Entscheidend ist daher auch unter dem Aspekt des Â§Â 43 AbsÂ 1 ZÂ 3 StPO nicht die subjektive Ansicht des betroffenen Richters oder des Ablehnenden, sondern die Frage, ob die Ã¤uÃŸeren UmstÃ¤nde geeignet sind, bei einem verstÃ¤ndig wÃ¼rdigenden objektiven Beurteiler naheliegende Zweifel an der unvoreingenommenen und unparteilichen Dienstverrichtung zu wecken (vgl RIS-Justiz RS0097086 [T5]; LÃ¤ssig, WK-StPO Â§Â 43 RzÂ 10Â f mwN).
Der im Antragsvorbringen relevierte Sachverhalt, wonach Mitglieder eines Senats des Obersten Gerichtshofs nicht der Rechtsmeinung eines Antragstellers, sondern einer gegenteiligen hÃ¶chstgerichtlichen Entscheidung folgen, erweckt nicht den Anschein der Befangenheit (vgl RIS-Justiz RS0097054 [T1]).
Entgegen der behaupteten â€žfalschenâ€œ Senatszusammensetzung war der Senat 26 entsprechend der
â€“ eingangs dargelegten â€“ geltenden GeschÃ¤ftsverteilung des Obersten Gerichtshofs besetzt. Denn das Senatsmitglied SenatsprÃ¤sident des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Hoch wurde aufgrund â€“ keinen Personalsenatsbeschluss erfordernder (vgl Â§Â 13 AbsÂ 4 OGHG; Danzl/Hopf, OGHG3 Â§Â 13 AnmÂ 4) â€“ Verhinderung von SenatsprÃ¤sident des Obersten Gerichtshofs Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski als Ersatzmitglied vertreten, Anwaltsrichter Dr.Â H*****, der ebenfalls verhindert war, durch das Ersatzmitglied Anwaltsrichter Mag.Â Dr.Â S*****.
SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof.Â Dr.Â Kirchbacher und Univ.-Prof.Â Dr.Â Bydlinski sowie Anwaltsrichter Dr.Â A***** und Mag.Â Dr.Â S***** sind daher von der Entscheidung Ã¼ber die vorliegende Berufung und die Beschwerde in dem im Spruch genannten Disziplinarverfahren nicht ausgeschlossen.