Document Number: JFT_20200714_20G00202_00
ECLI: ECLI:AT:VFGH:2020:G202.2020
Case Number: G202/2020 ua, V408/2020 ua
Application Type: Vfgh
Court: Verfassungsgerichtshof (VfGH)
Decision Date: 1594684800000
Word Count: 16659

Leitsatz
Kein VerstoÃŸ gegen das Recht auf Unversehrtheit des Eigentums durch das nach dem COVID-19-MaÃŸnahmenG erlassene Betretungsverbot fÃ¼r BetriebsstÃ¤tten; VerhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigkeit dieser EigentumsbeschrÃ¤nkung infolge Einbettung des Betretungsverbots in ein umfangreiches MaÃŸnahmen- und Rettungspaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Betretungsverbots; Zuerkennung einer darÃ¼ber hinausgehenden EntschÃ¤digung fÃ¼r den Verdienstentgang verfassungsrechtlich nicht geboten; kein VerstoÃŸ gegen den Gleichheitsgrundsatz; rechtspolitischer Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers bei der BekÃ¤mpfung der Folgen der COVID-19-Pandemie nicht Ã¼berschritten; keine Verletzung des Vertrauensschutzes; Anspruch auf VergÃ¼tung fÃ¼r den Verdienstentgang nach dem Epidemiegesetz 1950 begrÃ¼ndet keine wohlerworbenen Rechte; ZulÃ¤ssigkeit des Individualantrags trotz AuÃŸerkrafttretens der angefochtenen Bestimmung im Zeitpunkt der Entscheidung des VfGH
Spruch
I.Â 1. Die Wortfolge ", wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â m2 betrÃ¤gt" sowie der vierte Satz â€“ "VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben." â€“ in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ IIÂ NrÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ NrÂ 151/2020 waren gesetzwidrig.
2. Die als gesetzwidrig festgestellten Bestimmungen sind nicht mehr anzuwenden.
II.Â Die AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ I NrÂ 12/2020, idF BGBlÂ I NrÂ 16/2020 sowie auf Feststellung, dass Â§1 sowie Â§2 Abs4 dritter Satz der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020, idF BGBlÂ II NrÂ 151/2020 gesetzwidrig waren, werden abgewiesen.
III.Â Im Ãœbrigen werden die AntrÃ¤ge zurÃ¼ckgewiesen.
IV.Â Der Bund (Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz) ist schuldig, den antragstellenden Parteien zu Handen ihrer Rechtsvertreterin die mit â‚¬Â 1.744,20 bestimmten Prozesskosten binnen 14Â Tagen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.
BegrÃ¼ndung
EntscheidungsgrÃ¼nde
I. AntrÃ¤ge und Vorverfahren
1. Mit ihren auf Art139 Abs1 Z3 B-VG sowie Art140 Abs1 Z1 litc B-VG gestÃ¼tzten AntrÃ¤gen begehren die antragstellenden Parteien, der Verfassungsgerichtshof mÃ¶ge
"1. die Wortfolge in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, eingefÃ¼gt mit Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020, ', wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt' sowie 'VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben.'
in eventu
die Wortfolge in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, eingefÃ¼gt mit Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020, ', wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt' sowie 'Sind sonstige BetriebsstÃ¤tten baulich verbunden (z. B. Einkaufszentren), ist der Kundenbereich der BetriebsstÃ¤tten zusammenzuzÃ¤hlen, wenn der Kundenbereich Ã¼ber das Verbindungsbauwerk betreten wird. VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben.'
in eventu
den in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, mit Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020 eingefÃ¼gten Satz 'VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben' als gesetzwidrig aufheben;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit der durch Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020 in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, eingefÃ¼gten Wortfolge ', wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt' sowie 'VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben.' feststellen;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit der durch Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020 in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, eingefÃ¼gten Wortfolge ', wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt' sowie 'Sind sonstige BetriebsstÃ¤tten baulich verbunden (z.Â B. Einkaufszentren), ist der Kundenbereich der BetriebsstÃ¤tten zusammenzuzÃ¤hlen, wenn der Kundenbereich Ã¼ber das Verbindungsbauwerk betreten wird. VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben.' feststellen;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit des durch Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020 in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, eingefÃ¼gten Satzes 'VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben' feststellen;
2. die Wortteile in Â§2 Abs1 Z2 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, 'handel' sowie 'produzenten'
in eventu
die Wortfolge in Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, 'des Handels und' sowie 'des Erwerbs von Waren oder'
in eventu
Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, als gesetzwidrig aufheben;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit der Wortteile 'handel' sowie 'produzenten' in Â§2 Abs1 Z2 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, feststellen;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit der Wortfolge 'des Handels und' sowie 'des Erwerbs von Waren oder' in Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, feststellen;
in eventu
die Gesetzwidrigkeit von Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II NrÂ 96/2020 in der geltenden Fassung, zuletzt geÃ¤ndert durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 162/2020, feststellen".
2. DarÃ¼ber hinaus begehren die antragstellenden Parteien, der Verfassungsgerichtshof mÃ¶ge
"1. Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ I NrÂ 12/2020 idF BGBlÂ I NrÂ 23/2020 mit der Wortfolge 'Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.' als verfassungswidrig aufheben;
in eventu
die Verfassungswidrigkeit des Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ I NrÂ 12/2020 idF BGBlÂ I NrÂ 23/2020 mit der Wortfolge 'Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.', feststellen".
3. BegrÃ¼ndend bringen die antragstellenden Parteien zunÃ¤chst zur ZulÃ¤ssigkeit ihrer AntrÃ¤ge vor, dass sie Ã¶sterreichische Handelsunternehmen seien und in Ã–sterreich Filialen betrieben. Sie fielen als Handelsunternehmen unter Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (im Folgenden: "COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96"), BGBlÂ II 96/2020. Seit dem Inkrafttreten dieser Verordnung sei das Betreten des Kundenbereiches in Filialen der antragstellenden Parteien verboten. Die antragstellenden Parteien fielen unter keine der in Â§2 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 genannten Ausnahmen.
3.1. Im Zuge der Lockerungen der COVID-19-MaÃŸnahmen habe der Verordnungsgeber eine weitere Ausnahme normiert, und zwar fÃ¼r Handelsunternehmen, deren Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrage (Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96). Diese Ausnahmebestimmung sei mit 13.Â April 2020 in Kraft getreten. Da der Kundenbereich bestimmter Filialen der antragstellenden Parteien jeweils mehr als 400Â mÂ² betrage und ausschlieÃŸlich im Innenbereich angesiedelt sei, gelte das Betretungsverbot fÃ¼r sie weiter. DarÃ¼ber hinaus habe der Verordnungsgeber festgehalten, dass VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereiches, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen worden seien, bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereiches auÃŸer Betracht zu bleiben hÃ¤tten (sogenanntes "Zonierungsverbot").
Weiters seien in Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 diverse Ausnahmen fÃ¼r Handels- und Dienstleistungsunternehmen normiert worden, wobei in Â§2 Abs1 Z2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 in gleichheitswidriger Weise nur das Betreten der GeschÃ¤ftsrÃ¤umlichkeiten des Lebensmittelhandels, von Lebensmittelproduzenten sowie bÃ¤uerlichen Direktvermarktern gestattet worden sei. Den antragstellenden Parteien sei somit der Verkauf von Lebensmitteln und anderen Produkten weiterhin verboten, wohingegen die von der Ausnahmebestimmung des Â§2 Abs1 Z2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 erfassten Unternehmen sowohl Lebensmittel als auch sonstige Produkte verkaufen dÃ¼rften.
3.2. Die genannten Regelungen seien unmittelbar auf die antragstellenden Parteien anwendbar und griffen aktuell und nachteilig in ihre RechtssphÃ¤re ein, und zwar in die verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleisteten Rechte auf Gleichheit aller StaatsbÃ¼rger vor dem Gesetz, auf Freiheit der ErwerbsausÃ¼bung gemÃ¤ÃŸ Art6 StGG sowie auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG und Art1 1.Â ZPEMRK. Die bekÃ¤mpften Bestimmungen seien zwar bei Einbringung des Antrages noch in Kraft, sollten aber gemÃ¤ÃŸ Â§5 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft treten. Die Bestimmungen entfalteten auf wÃ¤hrend ihres Geltungszeitraumes verwirklichte Sachverhalte weiterhin Wirksamkeit. Auch nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes sei es nicht unmÃ¶glich, dass auÃŸer Kraft getretene Bestimmungen die RechtssphÃ¤re des Antragstellers aktuell berÃ¼hrten. Den antragstellenden Parteien sei es aktuell verboten, ihre GeschÃ¤ftslokale betreten zu lassen und Waren zu verÃ¤uÃŸern, soweit der Kundenbereich mehr als 400Â mÂ² betrage. Dieser Zustand kÃ¶nne nach dem AuÃŸerkrafttreten der Bestimmungen nicht mehr beseitigt werden und wirke insoweit fort. Die antragstellenden Parteien kÃ¶nnten derzeit keine KaufvertrÃ¤ge in diesen Filialen abschlieÃŸen; der Onlineshop sei fÃ¼r sie keine adÃ¤quate Alternative.
Nach der Judikatur des Verfassungsgerichtshofes sei ein Antragsteller insofern von einer auÃŸer Kraft getretenen Verordnung in seiner RechtssphÃ¤re berÃ¼hrt, als die angefochtene Bestimmung auf die VertragsabschlÃ¼sse im Zeitraum ihrer Geltung zur Anwendung komme. Dasselbe mÃ¼sse gelten, wenn VertrÃ¤ge auf Grund der angefochtenen Bestimmung gar nicht abschlossen werden kÃ¶nnten. DarÃ¼ber hinaus mÃ¼sse die kurze zeitliche Geltungsdauer der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 berÃ¼cksichtigt werden; wÃ¼rde der Verfassungsgerichtshof die Unmittelbarkeit des Eingriffes verneinen, wÃ¤re die bekÃ¤mpfte Verordnung nicht Ã¼berprÃ¼fbar. Es sei den antragstellenden Parteien nicht zumutbar, die Bedenken auf anderem Weg an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen.
3.3. In der Sache meinen die antragstellenden Parteien, dass die angefochtenen Wortteile und Wortfolgen der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Art2 StGG sowie Art7 Abs1 B-VG, das Recht auf Freiheit der ErwerbsausÃ¼bung gemÃ¤ÃŸ Art6 StGG sowie auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG sowie Art1 1.Â ZPEMRK verstieÃŸen.
Die Regelung des Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, wonach Handelsunternehmen mit einer KundenflÃ¤che von mehr als 400Â mÂ² nicht von der vorzeitigen Lockerung erfasst seien, sei willkÃ¼rlich und entbehre jeder sachlichen Rechtfertigung. Es sei kein Grund ersichtlich, warum das Infektionsrisiko in Kundenbereichen Ã¼ber 400Â mÂ² hÃ¶her sein sollte. Die MaÃŸnahmen zur AnsteckungsprÃ¤vention kÃ¶nnten in groÃŸflÃ¤chigen Handelsunternehmen ebenso gut, wenn nicht sogar besser umgesetzt werden; vor allem kÃ¶nne die physische Distanzierung besser gewÃ¤hrleistet werden. Die Gefahr einer Ansteckung sei in kleinflÃ¤chigen Handelsbetrieben grÃ¶ÃŸer. Die GrÃ¶ÃŸe eines Kundenbereiches sei auch deshalb kein geeignetes Unterscheidungskriterium, weil sich die Ansteckungsgefahr je nach der rÃ¤umlichen Gestaltung des Kundenbereiches stark unterscheide. DarÃ¼ber hinaus gebe es keine sachliche Rechtfertigung fÃ¼r die Differenzierung zwischen jenen Handelsunternehmen, die nur 400Â mÂ² VerkaufsflÃ¤che aufwiesen, und jenen, die ihre KundenflÃ¤che nachtrÃ¤glich verkleinert hÃ¤tten. Der Ansteckungsschutz kÃ¶nne in nachtrÃ¤glich zonierten Kundenbereichen gleichermaÃŸen erfÃ¼llt werden. Eine nachtrÃ¤gliche Verkleinerung der VerkaufsflÃ¤che erhÃ¶he die Ansteckungsgefahr nicht. DarÃ¼ber hinaus sei es unsachlich, dass der Verordnungsgeber LebensmittelhÃ¤ndlern, die auch andere Produkte vertrieben, uneingeschrÃ¤nkt erlaube, Produkte an Kunden zu verkaufen, wÃ¤hrend Unternehmen, die neben anderen Produkten auch Lebensmittel anbÃ¶ten, die VerÃ¤uÃŸerung sÃ¤mtlicher Produkte verboten sei. Es bestÃ¼nden keine nachvollziehbaren GrÃ¼nde, warum nur bestimmte Unternehmen weiterhin Lebensmittel verkaufen dÃ¼rften.
Ein Eingriff in die Erwerbsfreiheit sei nur zulÃ¤ssig, wenn dies durch ein Ã¶ffentliches Interesse geboten, zur Zielerreichung geeignet, adÃ¤quat und auch sonst sachlich gerechtfertigt sei. Es sei zwar grundsÃ¤tzlich nachvollziehbar, dass die Lockerungen schrittweise gesetzt wÃ¼rden; die gewÃ¤hlte Differenzierung nach der GrÃ¶ÃŸe der Handelsunternehmen sei aber â€“ wie bei den Bedenken zum Gleichheitsgrundsatz dargestellt â€“ nicht geeignet, dieses Ziel zu erreichen. GrÃ¶ÃŸere Handelsunternehmen kÃ¶nnten den Infektionsschutz zumindest gleich gut, wenn nicht sogar besser gewÃ¤hrleisten. Die Differenzierung sei auch nicht erforderlich, weil gelindere Mittel vorhanden seien, etwa eine Begrenzung der Kundenanzahl sowie die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Es bestehe zwischen dem Ã¶ffentlichen Interesse und den EinschrÃ¤nkungen der Grundrechte der antragstellenden Parteien keine angemessene Relation. Es bestehe darÃ¼ber hinaus kein Ã¶ffentliches Interesse daran, dass nur bestimmte Unternehmen Lebensmittel verkaufen kÃ¶nnten. Ferner sei eine Ausnahmeregelung, wonach nur einzelne Unternehmer Lebensmittel verkaufen dÃ¼rften, nicht erforderlich, um das vom Verordnungsgeber verfolgte Ziel zu erreichen.
Die bewirkte BeschrÃ¤nkung des Eigentumsgrundrechtes sei auch unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig, weil einerseits die Unterscheidung nach der GrÃ¶ÃŸe des Handelsunternehmens sowie das Verbot der Zonierung keine geeigneten Kriterien seien und andererseits nur bestimmte Unternehmen Lebensmittel verkaufen dÃ¼rften.
3.4. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 verstoÃŸe gegen das Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG sowie Art1 1.Â ZPEMRK sowie den Gleichheitsgrundsatz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowieÂ Art7 B-VG.
Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz regle, dass die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 nicht zur Anwendung gelangen, soweit der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz eine Verordnung nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz erlasse. Der Bundesminister habe von dieser VerordnungsermÃ¤chtigung mehrfach Gebrauch gemacht, insbesondere durch die COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96. Das COVID-19-MaÃŸnahmengesetz greife unmittelbar und nachteilig in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien ein, und zwar hinsichtlich der genannten Grundrechte.
Die antragstellenden Parteien seien Normadressaten des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes; die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 seien auf Grund des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96) nicht mehr auf die antragstellenden Parteien anzuwenden; insbesondere kÃ¶nnten sie keine VergÃ¼tung nach Â§32 Epidemiegesetz 1950 beanspruchen, obwohl sie ihrer ErwerbstÃ¤tigkeit nicht mehr nachgehen kÃ¶nnten. Zwischen Betretungsverboten und SchlieÃŸungen nach dem Epidemiegesetz 1950 bestehe kein Unterschied, zumal in beiden FÃ¤llen Kunden die VerkaufsflÃ¤che nicht mehr aufsuchen kÃ¶nnten. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96) greife sohin nachteilig in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien ein. Es gebe fÃ¼r sie auch keinen zumutbaren Rechtsweg, die Bedenken an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen. Insbesondere sei es ihnen nicht zumutbar, ein Verwaltungsstrafverfahren nach Â§3 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz zu provozieren.
3.5. Hinsichtlich des vorgebrachten VerstoÃŸes gegen das Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG sowie Art1 1. ZPEMRK bringen die antragstellenden Parteien zusammengefasst vor, dass die Ausnahme der Anwendbarkeit der Regelungen des Epidemiegesetzes 1950 nicht geeignet sei, das verfolgte Ã¶ffentliche Ziel an der EindÃ¤mmung der Verbreitung von COVID-19 zu erreichen. Nach den Materialien zum COVID-19-MaÃŸnahmengesetz habe sich herausgestellt, dass die Regelungen im Epidemiegesetz 1950 nicht ausreichend bzw zu kleinteilig seien. Es sollten daher jene MaÃŸnahmen ermÃ¶glicht werden, die unbedingt erforderlich seien, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Das Ziel des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes sei sohin die Schaffung zusÃ¤tzlicher Schutzmechanismen gewesen. Dieses Ziel wÃ¤re allerdings auch ohne die einschrÃ¤nkende Anordnung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz mÃ¶glich gewesen. Auch nach dem Epidemiegesetz 1950 hÃ¤tten BetriebsstÃ¤tten geschlossen werden kÃ¶nnen; diesfalls hÃ¤tte jedoch Â§32 Abs1 Z5 Epidemiegesetz 1950 eine VergÃ¼tung vorgesehen, die nach dem vergleichbaren fortgeschriebenen wirtschaftlichen Einkommen zu bemessen gewesen wÃ¤re. DarÃ¼ber hinaus wÃ¤ren die Entgeltfortzahlungen an die Arbeitnehmer vom Bund zu ersetzen gewesen.
Durch die explizite Ausnahme der Anwendbarkeit der Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 wÃ¼rden die antragstellenden Parteien ihre AnsprÃ¼che auf EntschÃ¤digung nach Â§32 Epidemiegesetz 1950 zur GÃ¤nze verlieren. Gleichwertige alternative AnsprÃ¼che wÃ¼rden ihnen nicht gewÃ¤hrt. Es sei denkunmÃ¶glich, dass der Wegfall des EntschÃ¤digungsanspruches geeignet sei, die Verbreitung von COVID-19 in irgendeiner Weise einzudÃ¤mmen. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz verfolge nur den Zweck, EntschÃ¤digungsansprÃ¼che zu beschneiden, wodurch in das verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleistete Recht auf Unversehrtheit des Eigentums eingegriffen werde. Der aus dem Betretungsverbot resultierende VermÃ¶gensnachteil sei zur GÃ¤nze von den antragstellenden Parteien zu tragen.
3.6. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz verstoÃŸe auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, weil zunÃ¤chst zahlreiche Betriebe unter Bezugnahme auf das Epidemiegesetz 1950 behÃ¶rdlich geschlossen worden seien. Erst Ende MÃ¤rz habe der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz eine Verordnung nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz erlassen, in Bezug auf welche die EntschÃ¤digungsansprÃ¼che nach dem Epidemiegesetz 1950 ausgeschlossen seien. Jenen Betrieben, die nach den Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 geschlossen worden seien, stehe die volle EntschÃ¤digung zu, wÃ¤hrend die antragstellenden Parteien keinen EntschÃ¤digungsanspruch hÃ¤tten. Eine derartige Ungleichbehandlung sei sachlich nicht gerechtfertigt, weil die BetriebsschlieÃŸungen nach dem Epidemiegesetz 1950 mit den Betretungsverboten nach dem COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gleichzusetzen seien. Die antragstellenden Parteien hÃ¤tten darauf vertrauen dÃ¼rfen, dass sie EntschÃ¤digungen nach dem Epidemiegesetz 1950 erhalten wÃ¼rden. Es sei in keiner Weise nachvollziehbar, warum bestimmte Betriebe in diesem Zusammenhang bessergestellt sein sollten. Eine sachliche Rechtfertigung sei nicht zu erkennen. In Â§1 Abs1 Epidemiegesetz 1950 seien unter anderem MERS-CoV und SARS genannt. Es sei nicht ersichtlich, warum COVID-19 anders als jene Infektionen zu behandeln sei. Es handle sich um eine unsachliche Differenzierung.
4. Die Bundesregierung erstattete in dem zu G202/2020, V408/2020 protokollierten Verfahren eine Ã„uÃŸerung, in der sie die ZulÃ¤ssigkeit der gestellten EventualantrÃ¤ge bestreitet, soweit diese auf die Feststellung der Gesetzes- bzw Verfassungswidrigkeit gerichtet sind. In den zu G212/2020, V414/2020 und G213/2020, V415/2020 protokollierten Verfahren erstattete die Bundesregierung ebenfalls Ã„uÃŸerungen, in denen sie auf ihre Ã„uÃŸerung in dem zu G202/2020, V408/2020 protokollierten Verfahren verwies.
4.1. In der Sache fÃ¼hrt die Bundesregierung aus, dass die antragstellenden Parteien eine unsachliche Ungleichbehandlung von COVID-19 mit sonstigen nach dem Epidemiegesetz 1950 anzeigepflichtigen Krankheiten behaupteten. Die Bundesregierung verweise in diesem Zusammenhang darauf, dass COVID-19 mit Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz betreffend anzeigepflichtige Ã¼bertragbare Krankheiten 2020, BGBlÂ II 15/2020, in die Liste der anzeigepflichtigen Krankheiten gemÃ¤ÃŸ Â§1 Epidemiegesetz 1950 aufgenommen worden sei. Vorbehaltlich des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz seien daher auch die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 auf COVID-19 anwendbar.
DarÃ¼ber hinaus sei die unterschiedliche Behandlung der von den antragstellenden Parteien behaupteten Krankheiten durch Unterschiede und Besonderheiten der jeweiligen Erreger begrÃ¼ndet. Zwar scheine die LetalitÃ¤t von COVID-19 deutlich geringer zu sein als bei MERS, jedoch sei die Ãœbertragbarkeit deutlich hÃ¶her. COVID-19 sei auch stÃ¤rker verbreitet als SARS; darÃ¼ber hinaus seien auch bereits weit mehr Menschen an COVID-19 gestorben. Bereits aus diesen GrÃ¼nden sei die Bundesregierung der Auffassung, dass es im Rahmen ihres Gestaltungsspielraumes liege, COVID-19 anders zu behandeln und sachadÃ¤quate Regelungen zur Beherrschung der neuen Gefahrenlage zu erlassen. DarÃ¼ber hinaus verweist die Bundesregierung auf ihre Ã„uÃŸerungen in den beim Verfassungsgerichtshof zu G180/2020 ua und G195/2020 protokollierten Verfahren, welche sie ihrer Ã„uÃŸerung anschloss.
4.2. In ihren Ã„uÃŸerungen in den beim Verfassungsgerichtshof zu G180/2020 ua und G195/2020 protokollierten Verfahren fÃ¼hrt die Bundesregierung â€“ soweit fÃ¼r das vorliegende Verfahren von Belang â€“ zusammengefasst das Folgende aus:
4.2.1. Die Nichtanwendbarkeit der Bestimmungen des Epidemigesetzes 1950 Ã¼ber die VergÃ¼tung fÃ¼r den Verdienstentgang ergebe sich nicht aus Â§1 und Â§2 des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes, sondern aus Â§4 Abs2 des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes. Die Bestimmungen seien nach Auffassung der Bundesregierung nicht unsachlich.
4.2.2. Bei COVID-19 handle es sich um eine Erkrankung, die leicht und vor allem unbemerkt vor Beginn der Symptome von Mensch zu Mensch Ã¼bertragen werden kÃ¶nne und fÃ¼r die es noch keine ausreichende ImmunitÃ¤t in der BevÃ¶lkerung gebe. Zu den hÃ¤ufigsten Symptomen zÃ¤hlten Fieber, trockener Husten, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit. Die KrankheitsverlÃ¤ufe variierten sehr stark, von symptomlosen VerlÃ¤ufen bis hin zu schweren LungenentzÃ¼ndungen mit Lungenversagen und Todesfolge.
Nach dem erstmaligen Auftreten von COVID-19 in Ã–sterreich am 25.Â Februar 2020 sei es zu einem rasanten Anstieg der KrankheitsfÃ¤lle gekommen: WÃ¤hrend in der 10.Â Kalenderwoche (2. bis 8.Â MÃ¤rz 2020) die Zahl der nachgewiesenen Neuerkrankungen mit durchschnittlich 17 pro Tag (in Summe 119 in dieser Woche) angestiegen sei, seien es in der 11.Â Kalenderwoche (9. bis 15.Â MÃ¤rz 2020) durchschnittlich 140 pro Tag (in Summe 982) gewesen, wobei alle BundeslÃ¤nder betroffen und COVID-19 nicht mehr lokal eingrenzbar gewesen sei. Die Gesamtzahl der Erkrankten habe somit in dieser Woche tÃ¤glich im Durchschnitt um 25Â % zugenommen. Eine derartige Zunahme bedeute ein exponentielles Wachstum, bei dem sich die Fallzahlen in etwas mehr als drei Tagen verdoppelten. Auch weltweit gesehen seien die Wachstumsraten zu diesem Zeitpunkt in der EuropÃ¤ischen Union am hÃ¶chsten gewesen. Am 11.Â MÃ¤rz 2020 sei der Ausbruch von COVID-19 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Pandemie eingestuft worden.
In die Risikobewertung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) vom 12.Â MÃ¤rz 2020 seien insbesondere Daten und Erfahrungen aus anderen betroffenen LÃ¤ndern eingeflossen. In China seien damals in 80Â % der FÃ¤lle milde bis moderate VerlÃ¤ufe registriert worden. In fast 14Â % der FÃ¤lle sei es zu schweren VerlÃ¤ufen gekommen und 6Â % aller FÃ¤lle seien in einem kritischen Zustand gemÃ¼ndet. Die Fallsterblichkeit sei fÃ¼r China bei 2,3Â % und fÃ¼r Italien bei 2,8Â % gelegen. Die hÃ¶chste Fallsterblichkeit sei bei Ã¤lteren Personen, insbesondere in der Altersgruppe von Ã¼ber 80Â Jahren, aufgetreten. Besonders bei Personen mit Vorerkrankungen (Bluthochduck, Diabetes, Krebs etc.) seien schwere VerlÃ¤ufe beobachtet worden. Kinder seien genauso gefÃ¤hrdet wie Erwachsene gewesen, sich anzustecken. Bei diesen seien Ã¼berwiegend milde VerlÃ¤ufe beobachtet worden. Das Risiko einer schweren Erkrankung im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion fÃ¼r Menschen in der EU/im EWR und im Vereinigten KÃ¶nigreich sei von dem ECDC fÃ¼r die allgemeine BevÃ¶lkerung als moderat und fÃ¼r Ã¤ltere Erwachsene und Personen mit chronischen Grunderkrankungen als hoch angesehen worden. DarÃ¼ber hinaus sei das Risiko einer Ãœberlastung der nationalen Gesundheitssysteme und das mit der Ãœbertragung von COVID-19 verbundene Risiko in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen mit groÃŸen gefÃ¤hrdeten BevÃ¶lkerungsgruppen als hoch eingestuft worden.
Das Robert Koch-Institut (Berlin) nehme â€“ ausgehend von mehreren verschiedenen Studien â€“ bei einer ungehinderten Verbreitung von COVID-19 eine Basisreproduktionszahl von zwischen 2,4 und 3,3 an. Das bedeute, dass von einem Fall durchschnittlich 2,4 bis 3,3 Zweitinfektionen ausgingen. Das bedeute aber auch, dass bei einer Basisreproduktionszahl von ca. 3 ungefÃ¤hr zwei Drittel aller Ãœbertragungen verhindert werden mÃ¼ssten, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.
Angesichts dieser Datenlage und der RisikoabschÃ¤tzung der damaligen epidemiologischen Situation und Risikobewertung sowie der erwarteten Entwicklungen seien durch das ECDC sowie die Experten im Beraterstab der Taskforce Corona beim Bundesministerium fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz insbesondere MaÃŸnahmen im Bereich des "social distancing" (Minimierung kÃ¶rperlicher Kontakte, zeitlich spÃ¤ter auch als "physical distancing" bezeichnet; zB durch Absagen von Veranstaltungen, SchlieÃŸen von Schulen, Einstellen nicht notwendiger zwischenmenschlicher Kontakte und von ReisetÃ¤tigkeiten) als erforderlich angesehen worden, um das exponentielle Fortschreiten der Pandemie einzubremsen und die reale Gefahr einer Ãœberlastung des Ã¶sterreichischen Gesundheitssystemes auf Grund der groÃŸen Anzahl der Erkrankten einerseits und der Infizierung des medizinischen und krankenpflegerischen Personals andererseits zu verhindern.
Um der schnellen Ausbreitung der Erkrankung effektiv entgegenzuwirken, sei daher die Verbreitung des Virus durch eine deutliche Reduzierung der Anzahl der zwischenmenschlichen Kontakte und die Einhaltung eines Abstandes von mindestens einem Meter bei nicht vermeidbaren Kontakten notwendig gewesen, wobei dies auf Grund der bestehenden Ausbreitung von COVID-19 rasch, gleichzeitig und in ganz Ã–sterreich geschehen habe mÃ¼ssen. Die Wirksamkeit von "social distancing" sei nÃ¤mlich am grÃ¶ÃŸten, wenn gleich zu Beginn der Pandemie eine deutliche Verminderung der Kontakte erfolge.
4.2.3. FÃ¼r eine rasche und bundesweite Umsetzung von "social distancing" seien die MaÃŸnahmen des Epidemiegesetzes 1950, wie in den ErlÃ¤uterungen zum entsprechenden Initiativantrag des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes (IAÂ 396/A 27.Â GP, 11) dargelegt, "nicht ausreichend bzw zu kleinteilig". Die rechtlichen Vorkehrungen, die im Epidemiegesetz 1950 vorgesehen seien, wÃ¤ren auch gar nicht darauf ausgelegt, Ã¶sterreichweit zwischenmenschliche Kontakte schlagartig zu reduzieren. Insbesondere gehe von den meisten BetriebsstÃ¤tten gar keine besondere Gefahr fÃ¼r die Ausbreitung von COVID-19 aus, die eine BetriebsbeschrÃ¤nkung oder -schlieÃŸung gemÃ¤ÃŸ Â§20 Epidemiegesetz 1950 rechtfertigen wÃ¼rde. Auch VerkehrsbeschrÃ¤nkungen gemÃ¤ÃŸ Â§24 Epidemiegesetz 1950 kÃ¶nnten nur verfÃ¼gt werden, wenn sich in einem bestimmten Gebiet eine HÃ¤ufung von Infizierungen ergebe. Diese Bestimmung kÃ¶nnte jedoch nicht als ausreichende gesetzliche Grundlage fÃ¼r die erforderliche bundesweite, generelle Reduzierung der Anzahl der Kontakte zwischen Menschen angesehen werden.
Vor diesem Hintergrund sei es nach Auffassung der Bundesregierung geboten gewesen, die in Rede stehenden MaÃŸnahmen zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 zu ergreifen, um den soeben dargestellten spezifischen Herausforderungen bei der BekÃ¤mpfung von COVID-19 bestmÃ¶glich begegnen zu kÃ¶nnen. In diesem Zusammenhang werde darauf hingewiesen, dass diese MaÃŸnahmen sowohl in ihrem sachlichen als auch zeitlichen Anwendungsbereich auf das unbedingt Notwendige begrenzt seien, indem sie nur insoweit anwendbar seien, als dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich sei, und lediglich befristete Geltung bis Ende des Jahres 2020 hÃ¤tten.
4.2.4. Die Erforderlichkeit der zur EindÃ¤mmung der Pandemie ergriffenen MaÃŸnahmen spiegle sich auch in ihrem Erfolg wider, wie sich aus der Datenlage ergebe: Nachdem am Tag des Inkrafttretens des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes (16.Â MÃ¤rz 2020) Ã¼ber 200 Neuerkrankungen pro Tag bei einer geschÃ¤tzten effektiven Reproduktionszahl von Ã¼ber 2,5 zu verzeichnen gewesen seien, liege die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag, die am 26.Â MÃ¤rz 2020 mit Ã¼ber 1.000 Neuerkrankungen ihren HÃ¶hepunkt erreicht hÃ¤tte, seit dem 17.Â April 2020 bei unter hundert Personen; die Reproduktionszahl liege seit 5.Â April 2020 zwischen 1 und 0,5. Auch ein internationaler Vergleich der Fallzahlen zeige, dass durch die auf Grund des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes getroffenen MaÃŸnahmen eine ungebremste Verbreitung des Virus verhindert werden habe kÃ¶nnen, sodass das Gesundheitssystem zu keinem Zeitpunkt an seine Belastungsgrenzen gestoÃŸen sei.
Daneben seien mit dem "Corona-Hilfspaket" zahlreiche UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen getroffen worden, um die negativen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bei den betroffenen Unternehmen auszugleichen, wie etwa die Ausweitung der Kurzarbeit, finanzielle MaÃŸnahmen zur Erhaltung der ZahlungsfÃ¤higkeit und ÃœberbrÃ¼ckung von LiquiditÃ¤tsschwierigkeiten von Unternehmen, ZuschÃ¼sse aus dem HÃ¤rtefallfonds sowie Entlastungen und Erleichterungen fÃ¼r Unternehmen aus abgabenrechtlicher Sicht. Nach Auffassung der Bundesregierung erwiesen sich daher die angefochtenen Bestimmungen insgesamt als sachlich gerechtfertigt.
4.2.5. Auch eine Verletzung des Vertrauensschutzes liege nach Auffassung der Bundesregierung nicht vor.
Der Verfassungsgerichtshof habe jÃ¼ngst in seinem Erkenntnis vom 18.Â Juni 2019, G150/2018 ua, seine Auffassung bestÃ¤tigt, wonach das bloÃŸe Vertrauen auf den unverÃ¤nderten Fortbestand der gegebenen Rechtslage als solches keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz genieÃŸe. Vielmehr bleibe es der Gesetzgebung auf Grund des ihr zukommenden rechtspolitischen Gestaltungsspielraumes unbenommen, die Rechtslage auch zu Lasten des Betroffenen zu verÃ¤ndern. Nur unter besonderen UmstÃ¤nden setze der Vertrauensschutz der Gesetzgebung verfassungsrechtliche Grenzen, so insbesondere wenn dem Betroffenen zur Vermeidung unsachlicher Ergebnisse die Gelegenheit gegeben werden mÃ¼sse, sich rechtzeitig auf die neue Rechtslage einzustellen. Vertrauensschutz begrÃ¼ndende UmstÃ¤nde kÃ¶nnten nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes darin liegen, dass rÃ¼ckwirkend an in der Vergangenheit liegende Sachverhalte geÃ¤nderte (fÃ¼r die Normunterworfenen nachteilige) Rechtsfolgen geknÃ¼pft wÃ¼rden (VfSlg 13.020/1992, 16.850/2003) oder dass die Gesetzgebung in RechtsansprÃ¼che, auf die sich die Normunterworfenen nach ihrer Zweckbestimmung rechtens einstellen durften (wie auf Pensionsleistungen bestimmter HÃ¶he), plÃ¶tzlich und intensiv nachteilig eingreife (VfSlgÂ 11.288/1987, 16.764/2002, 17.254/2004) oder dass die Gesetzgebung die Normunterworfenen zu Dispositionen veranlasst habe, durch eine spÃ¤tere MaÃŸnahme diese im Vertrauen auf die Rechtslage vorgenommenen Dispositionen frustriert bzw ihrer Wirkung beraubt hÃ¤tten (VfSlgÂ 12.944/1991, 13.655/1993, 16.452/2002). In den Erkenntnissen VfSlg 12.944/1991 und 13.655/1993 seien es jeweils besondere UmstÃ¤nde gewesen, die zu einer Gleichheitswidrigkeit der in PrÃ¼fung gezogenen generellen Normen gefÃ¼hrt hÃ¤tten: Nicht schon der bloÃŸe Anreiz zu Dispositionen vermÃ¶ge ein vertrauensbildendes Moment zu sein, sondern erst der Anreiz zu konkreten Investitionen, wie etwa zur Anschaffung lÃ¤rmarmer LKW (VfSlgÂ 12.944/1991) oder zur Bildung von RÃ¼cklagen (VfSlgÂ 13.655/1993).
Ein vergleichbarer Anreiz sei mit dem Epidemiegesetz 1950, dessen Nichtanwendbarkeit die antragstellenden Unternehmen monierten, nicht geschaffen worden. Nach Auffassung der Bundesregierung erscheine es geradezu undenkbar, die Anordnungen des Epidemiegesetzes 1950 dahingehend zu verstehen: Der "Anreiz", der damit geschaffen worden wÃ¤re, wÃ¤re nÃ¤mlich jener, einen Gewerbebetrieb zu fÃ¼hren, der eine besondere Gefahr fÃ¼r die Ausbreitung einer Krankheit mit sich bringe, und sich dabei in Sicherheit zu wiegen, dass im Fall der BetriebsschlieÃŸung der Verdienstentgang vergÃ¼tet werde. Dies zeige deutlich, dass in Bezug auf solche Regelungen von vornherein kein Vertrauen bestehe, wie im Allgemeinen hinsichtlich Regelungen, die sich auf unvorhersehbare Ereignisse bezÃ¶gen, kein verfassungsrechtlich geschÃ¼tztes Vertrauen bestehe.
Durch die angefochtenen Bestimmungen wÃ¼rden auÃŸerdem keine nachteiligen Folgen rÃ¼ckwirkend angeordnet, sondern lediglich klargestellt, dass die Nichtanwendbarkeit der Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten bereits seit dem 16.Â MÃ¤rz 2020 lediglich im Anwendungsbereich der Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gegolten habe (vgl in diesem Sinne die ErlÃ¤uterungen zum IAÂ 397/A 27.Â GP, 41). Diese Klarstellung habe zur Folge, dass der Anwendungsbereich des Epidemiegesetzes 1950 (einschlieÃŸlich der Anordnung betreffend den Verdienstentgang) weit sei.
4.2.6. Nach Ansicht der Bundesregierung liege auch keine Gleichheitswidrigkeit vor, weil die Regelung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz dem Abs3 dieser Bestimmung widersprÃ¤che. Â§4 Abs3 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz bestimme, dass durch das COVID-19-MaÃŸnahmengesetz dem Epidemiegesetz 1950 nicht derogiert werde. Durch Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz werde dagegen geregelt, dass die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten nicht zur Anwendung gelangten, wenn der zustÃ¤ndige Bundesminister eine Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz erlassen habe. Dies bedeute, dass das Epidemiegesetz 1950 auch im Geltungszeitraum des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes grundsÃ¤tzlich weiterhin in Geltung stehe; jedoch jene Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950, welche die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten betrÃ¤fen, seien im Rahmen des Anwendungsbereiches der Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (vorÃ¼bergehend) nicht anzuwenden. AuÃŸerhalb des Anwendungsbereiches dieser Verordnung seien diese Bestimmungen regulÃ¤r anzuwenden, was im Ãœbrigen auch durch die ErlÃ¤uterungen zum entsprechenden Initiativantrag (IAÂ 397/A 27.Â GP, 41) klargestellt werde. Auch nach AuÃŸerkrafttreten der Verordnung gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz bzw des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 seien die genannten Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 â€“ wieder â€“ anwendbar. Es bestehe somit kein Widerspruch zwischen Â§4 Abs2 und Â§4 Abs3 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz. Bereits aus diesem Grund liege die behauptete Gleichheitswidrigkeit nicht vor.
Auch ansonsten liege keine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG und Art7 B-VG vor. Betretungsverbote nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz seien mit BetriebsschlieÃŸungen nach Â§20 Epidemiegesetz 1950 nicht vergleichbar. Auch liege kein entschÃ¤digungspflichtiges "Sonderopfer" im Sinne der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes vor. Ein solches setze eine unsachliche Ungleichbehandlung voraus, deren Last nur einem Einzelnen oder einer (kleinen) Gruppe von Personen auferlegt werde. Durch die angefochtenen Bestimmungen seien aber alle BetriebsstÃ¤tten gleichermaÃŸen betroffen.
4.2.7. Nach Auffassung der Bundesregierung liege auch keine Verletzung des Grundrechtes auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG vor. Die durch die angefochtenen Bestimmungen bewirkten EigentumsbeschrÃ¤nkungen dienten dem Ziel der Verhinderung von COVID-19 und lÃ¤gen damit im Ã¶ffentlichen Interesse des Gesundheitsschutzes. Im Gegensatz zu Enteignungen bestehe bei EigentumsbeschrÃ¤nkungen nur bei besonders gravierenden Eingriffen eine Verpflichtung zur EntschÃ¤digung. Im vorliegenden Fall liege weder eine formelle noch eine materielle Enteignung vor, weil die Betretungsverbote die Nutzung der Betriebe nicht vollstÃ¤ndig unterbinden wÃ¼rden und auch auf das zeitlich absolut notwendige AusmaÃŸ beschrÃ¤nkt seien. DarÃ¼ber hinaus liege auch kein "Sonderopfer" im Sinne der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes vor.
5. Der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erstattete Ã„uÃŸerungen, in denen er die vorgebrachten Gesetzwidrigkeiten bestreitet.
Zur ZulÃ¤ssigkeit bringt der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz vor, dass die angefochtenen Verordnungsbestimmungen nicht aktuell und unmittelbar in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien eingriffen, weil diese bereits auÃŸer Kraft getreten seien. Die darin vorgesehenen Betretungsverbote seien daher bereits weggefallen. DarÃ¼ber hinaus Ã¤uÃŸerten die antragstellenden Parteien in ihren AntrÃ¤gen lediglich pauschale Bedenken gegen die angefochtenen Bestimmungen der Verordnung, ordneten diese jedoch nicht den jeweiligen AntrÃ¤gen zu. Die EventualantrÃ¤ge betreffend Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 seien zu eng, weil Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 im Falle einer Aufhebung einen weitgehend sinnentleerten Inhalt erhielte.
In der Sache ist der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz der Ansicht, dass die vorgetragenen Bedenken nicht zutrÃ¤fen. Es sei im Sinne des Schutzes der Gesundheit erforderlich gewesen, flÃ¤chendeckende MaÃŸnahmen zur grÃ¶ÃŸtmÃ¶glichen Reduktion der sozialen Kontakte zu ergreifen. Vom allgemeinen Betretungsverbot seien lediglich jene Bereiche ausgenommen gewesen, die zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung dienten. Durch die zeitliche Befristung sei die Erforderlichkeit der MaÃŸnahmen kontinuierlich Ã¼berprÃ¼ft worden.
Das Abstellen auf die GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereiches sei auch ein taugliches Differenzierungsmerkmal. Gemeinsam mit der BeschrÃ¤nkung auf einen Kunden pro 20Â mÂ² sei gewÃ¤hrleistet, dass die Ausbreitung von COVID-19 verhindert werden kÃ¶nne. Die Festsetzung der 400Â mÂ²-Grenze liege im Wertungsspielraum des Verordnungsgebers und finde sich auch in anderen Bestimmungen der Rechtsordnung. Die Differenzierung nach der GrÃ¶ÃŸe der Kundenbereiche sei deshalb zur Zielerreichung geeignet gewesen, weil es darum gegangen sei, die Zahl der sozialen Kontakte zu beschrÃ¤nken. Dabei sei weniger die Problematik des ausreichenden Abstandes als vielmehr die damit bewirkte ErhÃ¶hung der MobilitÃ¤t im Vordergrund gestanden. Es sei auch sachlich gerechtfertigt, dass nachtrÃ¤gliche bauliche VerÃ¤nderungen nicht zu berÃ¼cksichtigen seien, weil grÃ¶ÃŸere BetriebsstÃ¤tten mehr Kunden anzÃ¶gen, sodass es zu einer "NadelÃ¶hrsituation" in den Eingangsbereichen kommen kÃ¶nne.
II. Rechtslage
1. Das Bundesgesetz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ I 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 16/2020 lautete:
"Betreten von BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen sowie Arbeitsorte
Â§1. Beim Auftreten von COVID-19 kann der Bundesminister
fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
durch Verordnung das Betreten von BetriebsstÃ¤tten oder nur bestimmten BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen oder Arbeitsorte im Sinne des Â§2 Abs3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz untersagen, soweit dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich ist. In der Verordnung kann geregelt werden, in welcher Zahl und zu welcher Zeit jene BetriebsstÃ¤tten betreten werden dÃ¼rfen, die vom Betretungsverbot ausgenommen sind.
Betreten von bestimmten Orten
Â§2. Beim Auftreten von COVID-19 kann durch Verordnung das Betreten von bestimmten Orten untersagt werden, soweit dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich ist. Die Verordnung ist
1. vom Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf das gesamte Bundesgebiet erstreckt,
2. vom Landeshauptmann zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf das gesamte Landesgebiet erstreckt, oder
3. von der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf den politischen Bezirk oder Teile desselben erstreckt.
Das Betretungsverbot kann sich auf bestimmte Zeiten beschrÃ¤nken.
Mitwirkung von Organen des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes
Â§2a. (1) Die Organe des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes haben die nach diesem Bundesgesetz zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden und Organe Ã¼ber deren Ersuchen bei der AusÃ¼bung ihrer beschriebenen Aufgaben bzw zur Durchsetzung der vorgesehenen MaÃŸnahmen erforderlichenfalls unter Anwendung von Zwangsmitteln zu unterstÃ¼tzen.
(2) Sofern nach der fachlichen Beurteilung der nach diesem Bundesgesetz zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden im Rahmen der nach Abs1 vorgesehenen UnterstÃ¼tzung fÃ¼r die Organe des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes nach der Art der Ã¼bertragbaren Krankheit und deren ÃœbertragungsmÃ¶glichkeiten eine GefÃ¤hrdung verbunden ist, der nur durch besondere SchutzmaÃŸnahmen begegnet werden kann, so sind die nach diesem Bundesgesetz zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden verpflichtet, adÃ¤quate SchutzmaÃŸnahmen zu treffen.
Strafbestimmungen
Â§3. (1) Wer eine BetriebsstÃ¤tte betritt, deren Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§1 untersagt ist, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
(2) Wer als Inhaber einer BetriebsstÃ¤tte nicht dafÃ¼r Sorge trÃ¤gt, dass die BetriebsstÃ¤tte, deren Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§1 untersagt ist, nicht betreten wird, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 30Â 000Â Euro zu bestrafen. Wer als Inhaber einer BetriebsstÃ¤tte nicht dafÃ¼r Sorge trÃ¤gt, dass die BetriebsstÃ¤tte hÃ¶chstens von der in der Verordnung genannten Zahl an Personen betreten wird, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
(3) Wer einen Ort betritt, dessen Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§2 untersagt ist, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
Inkrafttreten
Â§4. (1) Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft und mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 auÃŸer Kraft.
(1a) Abs2 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 16/2020 tritt rÃ¼ckwirkend mit 16.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft.
(2) Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.
(3) Die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950 bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Verordnungen auf Grund dieses Bundesgesetzes kÃ¶nnen vor seinem Inkrafttreten erlassen werden, dÃ¼rfen jedoch nicht vor diesem in Kraft treten.
Vollziehung
Â§5. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betraut."
2. Das Bundesgesetz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 (COVID-19-MaÃŸnahmengesetz), BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 23/2020 lautet (die im dritten Hauptantrag angefochtene Bestimmung ist hervorgehoben):
"Betreten von BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen sowie Arbeitsorte
Â§1. Beim Auftreten von COVID-19 kann der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz durch Verordnung das Betreten von BetriebsstÃ¤tten oder nur bestimmten BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen oder Arbeitsorte im Sinne des Â§2 Abs3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz untersagen, soweit dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich ist. In der Verordnung kann geregelt werden, in welcher Zahl und zu welcher Zeit jene BetriebsstÃ¤tten betreten werden dÃ¼rfen, die vom Betretungsverbot ausgenommen sind. DarÃ¼ber hinaus kann geregelt werden, unter welchen bestimmten Voraussetzungen oder Auflagen BetriebsstÃ¤tten oder Arbeitsorte betreten werden dÃ¼rfen.
Betreten von bestimmten Orten
Â§2. Beim Auftreten von COVID-19 kann durch Verordnung das Betreten von bestimmten Orten untersagt werden, soweit dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich ist. Die Verordnung ist
1. vom Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf das gesamte Bundesgebiet erstreckt,
2. vom Landeshauptmann zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf das gesamte Landesgebiet erstreckt, oder
3. von der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde zu erlassen, wenn sich ihre Anwendung auf den politischen Bezirk oder Teile desselben erstreckt.
Das Betretungsverbot kann sich auf bestimmte Zeiten beschrÃ¤nken. DarÃ¼ber hinaus kann geregelt werden, unter welchen bestimmten Voraussetzungen oder Auflagen jene bestimmten Orte betreten werden dÃ¼rfen.
Mitwirkung von Organen des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes
Â§2a. (1) Die Organe des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes haben die nach diesem Bundesgesetz zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden und Organe Ã¼ber deren Ersuchen bei der AusÃ¼bung ihrer beschriebenen Aufgaben bzw zur Durchsetzung der vorgesehenen MaÃŸnahmen erforderlichenfalls unter Anwendung von Zwangsmitteln zu unterstÃ¼tzen.
(1a) Die Organe des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes haben an der Vollziehung dieses Bundesgesetzes und der auf Grund dieses Bundesgesetzes erlassenen Verordnungen mitzuwirken durch
1. MaÃŸnahmen zur Vorbeugung gegen drohende VerwaltungsÃ¼bertretungen,
2. MaÃŸnahmen zur Einleitung und Sicherung eines Verwaltungsstrafverfahrens und
3. die Ahndung von VerwaltungsÃ¼bertretungen durch OrganstrafverfÃ¼gungen (Â§50 VStG).
(2) Sofern nach der fachlichen Beurteilung der jeweiligen GesundheitsbehÃ¶rde im Rahmen der nach Abs1 vorgesehenen Mitwirkung fÃ¼r die Organe des Ã¶ffentlichen Sicherheitsdienstes nach der Art der Ã¼bertragbaren Krankheit und deren ÃœbertragungsmÃ¶glichkeiten eine GefÃ¤hrdung verbunden ist, der nur durch besondere SchutzmaÃŸnahmen begegnet werden kann, so sind die GesundheitsbehÃ¶rden verpflichtet, adÃ¤quate SchutzmaÃŸnahmen zu treffen.
Strafbestimmungen
Â§3. (1) Wer eine BetriebsstÃ¤tte betritt, deren Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§1 untersagt ist, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
(2) Wer als Inhaber einer BetriebsstÃ¤tte nicht dafÃ¼r Sorge trÃ¤gt, dass die BetriebsstÃ¤tte, deren Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§1 untersagt ist, nicht betreten wird, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 30Â 000Â Euro zu bestrafen. Wer als Inhaber einer BetriebsstÃ¤tte nicht dafÃ¼r Sorge trÃ¤gt, dass die BetriebsstÃ¤tte hÃ¶chstens von der in der Verordnung genannten Zahl an Personen betreten wird, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
(3) Wer einen Ort betritt, dessen Betreten gemÃ¤ÃŸ Â§2 untersagt ist, begeht eine VerwaltungsÃ¼bertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3Â 600Â Euro zu bestrafen.
Inkrafttreten
Â§4. (1) Dieses Bundesgesetz tritt mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft und mit Ablauf des 31.Â Dezember 2020 auÃŸer Kraft.
(1a) Abs2 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 16/2020 tritt rÃ¼ckwirkend mit 16.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft.
(2) Hat der Bundesminister gemÃ¤ÃŸ Â§1 eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereichs dieser Verordnung nicht zur Anwendung.
(3) Die Bestimmungen des EpidemiegesetzesÂ 1950 bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Verordnungen auf Grund dieses Bundesgesetzes kÃ¶nnen vor seinem Inkrafttreten erlassen werden, dÃ¼rfen jedoch nicht vor diesem in Kraft treten.
(5) Â§Â§1, 2 und Â§2a in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ I NrÂ 23/2020 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.
Vollziehung
Â§5. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betraut."
3. Die Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ II 96/2020, idF BGBlÂ II 151/2020 lautete (die im ersten Eventualantrag zum ersten Hauptantrag sowie im zweiten Eventualantrag zum zweiten Hauptantrag angefochtenen Bestimmungen sind hervorgehoben):
"Â§1. Das Betreten des Kundenbereichs von BetriebsstÃ¤tten des Handels und von Dienstleistungsunternehmen sowie von Freizeit- und Sportbetrieben zum Zweck des Erwerbs von Waren oder der Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder der BenÃ¼tzung von Freizeit- und Sportbetrieben ist untersagt.
Â§2. (1) Â§1 gilt nicht fÃ¼r folgende Bereiche:
1. Ã¶ffentliche Apotheken
2. Lebensmittelhandel (einschlieÃŸlich Verkaufsstellen von Lebensmittelproduzenten) und bÃ¤uerlichen Direktvermarktern
3.. Drogerien und DrogeriemÃ¤rkte
4. Verkauf von Medizinprodukten und SanitÃ¤rartikeln, Heilbehelfen und Hilfsmitteln
5. Gesundheits- und Pflegedienstleistungen
6. Dienstleistungen fÃ¼r Menschen mit Behinderungen die von den LÃ¤ndern im Rahmen der Behindertenhilfe-, Sozialhilfe-, Teilhabe- bzw Chancengleichheitsgesetze erbracht werden
7. veterinÃ¤rmedizinische Dienstleistungen
8. Verkauf von Tierfutter
9. Verkauf und Wartung von Sicherheits- und Notfallprodukten
10. Notfall-Dienstleistungen
11. Agrarhandel einschlieÃŸlich Schlachttierversteigerungen sowie der Gartenbaubetrieb und der Landesproduktenhandel mit Saatgut, Futter und DÃ¼ngemittel
12. Tankstellen und angeschlossene WaschstraÃŸen
13. Banken
14. Postdiensteanbieter einschlieÃŸlich deren Postpartner, soweit diese Postpartner unter die Ausnahmen des Â§2 fallen sowie PostgeschÃ¤ftsstellen iSd Â§3 Z7 PMG, welche von einer Gemeinde betrieben werden oder in Gemeinden liegen, in denen die Versorgung durch keine andere unter Â§2 fallende PostgeschÃ¤ftsstelle erfolgen kann, jedoch ausschlieÃŸlich fÃ¼r die Erbringung von Postdienstleistungen und die unter Â§2 erlaubten TÃ¤tigkeiten, und Telekommunikation.
15. Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Rechtspflege
16. Lieferdienste
17. Ã–ffentlicher Verkehr
18. TabakfachgeschÃ¤fte und Zeitungskioske
19. Hygiene und Reinigungsdienstleistungen
20. Abfallentsorgungsbetriebe
21. KFZ- und FahrradwerkstÃ¤tten
22. Baustoff-, Eisen- und Holzhandel, Bau- und GartenmÃ¤rkte
23. Pfandleihanstalten und Handel mit Edelmetallen.
(2) Die Ausnahmen nach Abs1 Z3, 4, 8, 9, 11, 22 und 23 sowie Abs4 gelten an Werktagen von 07.40Â Uhr bis lÃ¤ngstens 19.00Â Uhr. Restriktivere Ã–ffnungszeitenregeln aufgrund anderer Rechtsvorschriften bleiben unberÃ¼hrt.
(3) Die Ausnahmen nach Abs1 Z2 gilt an Werktagen von 07.40Â Uhr bis lÃ¤ngstens 19.00Â Uhr, sofern es sich nicht um eine Verkaufsstelle von Lebensmittelproduzenten handelt. Restriktivere Ã–ffnungszeitenregeln aufgrund anderer Rechtsvorschriften bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Â§1 gilt unbeschadet Abs1 nicht fÃ¼r den Kundenbereich von sonstigen BetriebsstÃ¤tten des Handels, wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt. Als sonstige BetriebsstÃ¤tten des Handels sind BetriebstÃ¤tten zu verstehen, die dem Verkauf, der Herstellung, der Reparatur oder der Bearbeitung von Waren dienen. Sind sonstige BetriebsstÃ¤tten baulich verbunden (z.Â B. Einkaufszentren), ist der Kundenbereich der BetriebsstÃ¤tten zusammenzuzÃ¤hlen, wenn der Kundenbereich Ã¼ber das Verbindungsbauwerk betreten wird. VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben.
(5) Abs1 gilt nur, wenn folgende Voraussetzungen eingehalten werden:
1. Mitarbeiter mit Kundenkontakt sowie Kunden eine den Mund- und Nasenbereich gut abdeckende mechanische Schutzvorrichtung als Barriere gegen TrÃ¶pfcheninfektion tragen; dies gilt nicht fÃ¼r Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr.
2. ein Abstand von mindestens einem Meter gegenÃ¼ber anderen Personen eingehalten wird.
(6) Abs4 gilt nur, wenn zusÃ¤tzlich zu den Voraussetzungen nach Abs5 der Betreiber durch geeignete MaÃŸnahmen sicherstellt, dass sich maximal so viele Kunden gleichzeitig im Kundenbereich aufhalten, dass pro Kunde 20Â mÂ² der GesamtverkaufsflÃ¤che zur VerfÃ¼gung stehen; ist der Kundenbereich kleiner als 20Â mÂ², so darf jeweils nur ein Kunde die BetriebsstÃ¤tte betreten.
(7) In den Bereichen nach Abs1 Z5 und 6 gelten
1. abweichend von Abs5 Z1 die einschlÃ¤gigen berufs- und einrichtungsspezifischen Vorgaben und Empfehlungen, und
2. Abs5 Z2 und 3 nicht.
Â§3. (1) Das Betreten von BetriebsstÃ¤tten sÃ¤mtlicher Betriebsarten der Gastgewerbe ist untersagt.
(2) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Gastgewerbetriebe [Gastgewerbebetriebe], welche innerhalb folgender Einrichtungen betrieben werden:
1. Kranken-und Kuranstalten;
2. Pflegeanstalten und Seniorenheime;
3. Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen einschlieÃŸlich Schulen und KindergÃ¤rten;
4. Betrieben, wenn diese ausschlieÃŸlich durch BetriebsangehÃ¶rige genÃ¼tzt werden dÃ¼rfen.
(3) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Beherbergungsbetriebe, wenn in der BetriebsstÃ¤tte Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an BeherbergungsgÃ¤ste verabreicht und ausgeschenkt werden.
(4) Abs1 gilt nicht fÃ¼r CampingplÃ¤tze und Ã¶ffentlichen Verkehrsmitteln, wenn dort Speisen und GetrÃ¤nke ausschlieÃŸlich an GÃ¤ste des Campingplatzes bzw Ã¶ffentlicher Verkehrsmitteln verabreicht und ausgeschenkt werden.
(5) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Lieferservice.
(6) Die Abholung vorbestellter Speisen ist zulÃ¤ssig, sofern diese nicht vor Ort konsumiert werden und sichergestellt ist, dass gegenÃ¼ber anderen Personen dabei ein Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird.
Â§4. (1) Das Betreten von Beherbergungsbetrieben zum Zweck der Erholung und Freizeitgestaltung ist untersagt.
(2) Beherbergungsbetriebe sind UnterkunftsstÃ¤tten, die unter der Leitung oder Aufsicht des Unterkunftgebers oder eines von diesem Beauftragten stehen und zur entgeltlichen oder unentgeltlichen Unterbringung von GÃ¤sten zu vorÃ¼bergehendem Aufenthalt bestimmt sind. Beaufsichtigte Camping- oder WohnwagenplÃ¤tze sowie SchutzhÃ¼tten gelten als Beherbergungsbetriebe.
(3) Abs1 gilt nicht fÃ¼r Beherbergungen
1. von Personen, die sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Bestimmung bereits in Beherbergung befinden, fÃ¼r die im Vorfeld mit dem Beherbergungsbetrieb vereinbarte Dauer der Beherbergung,
2. zum Zweck der Betreuung und Hilfeleistung von unterstÃ¼tzungsbedÃ¼rftigen Personen,
3. aus beruflichen GrÃ¼nden oder
4. zur Stillung eines dringenden WohnbedÃ¼rfnisses.
Â§5. (1) Diese Verordnung tritt mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft.
(2) Die Ã„nderungen dieser Verordnung durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 112/2020 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.
(3) Â§4 dieser Verordnung in der Fassung der Verordnung BGBlÂ II NrÂ 130/2020 tritt mit Ablauf des 3.Â April 2020 in Kraft. Im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Bestimmung bestehende Verordnungen eines Landeshauptmannes oder einer BezirksverwaltungsbehÃ¶rde Ã¼ber Betretungsverbote von Beherbergungsbetrieben bleiben unberÃ¼hrt.
(4) Die Â§Â§1 bis 3 treten mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft.
(5) Â§4 tritt mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft.
(6) Die Ã„nderungen dieser Verordnung durch die Verordnung BGBlÂ II NrÂ 151/2020 treten mit Ablauf des 13.Â April 2020 in Kraft."
4. Die maÃŸgeblichen Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950, BGBlÂ 186/1950 (WV), idF BGBlÂ I 63/2016 lauteten:
"II. HAUPTSTÃœCK.
Vorkehrungen zur VerhÃ¼tung und BekÃ¤mpfung anzeigepflichtiger Krankheiten.
[â€¦]
Absonderung Kranker.
Â§7. (1) Durch Verordnung werden jene anzeigepflichtigen Krankheiten bezeichnet, bei denen fÃ¼r kranke, krankheitsverdÃ¤chtige oder ansteckungsverdÃ¤chtige Personen AbsonderungsmaÃŸnahmen verfÃ¼gt werden kÃ¶nnen.
(1a) Zur VerhÃ¼tung der Weiterverbreitung einer in einer Verordnung nach Abs1 angefÃ¼hrten anzeigepflichtigen Krankheit kÃ¶nnen kranke, krankheitsverdÃ¤chtige oder ansteckungsverdÃ¤chtige Personen angehalten oder im Verkehr mit der AuÃŸenwelt beschrÃ¤nkt werden, sofern nach der Art der Krankheit und des Verhaltens des Betroffenen eine ernstliche und erhebliche Gefahr fÃ¼r die Gesundheit anderer Personen besteht, die nicht durch gelindere MaÃŸnahmen beseitigt werden kann. Die angehaltene Person kann bei dem Bezirksgericht, in dessen Sprengel der Anhaltungsort liegt, die ÃœberprÃ¼fung der ZulÃ¤ssigkeit und Aufhebung der FreiheitsbeschrÃ¤nkung nach MaÃŸgabe des 2.Â Abschnitts des Tuberkulosegesetzes beantragen. Jede Anhaltung ist dem Bezirksgericht von der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde anzuzeigen, die sie verfÃ¼gt hat. Das Bezirksgericht hat von Amts wegen in lÃ¤ngstens dreimonatigen AbstÃ¤nden ab der Anhaltung oder der letzten ÃœberprÃ¼fung die ZulÃ¤ssigkeit der Anhaltung in sinngemÃ¤ÃŸer Anwendung des Â§17 des Tuberkulosegesetzes zu Ã¼berprÃ¼fen, sofern die Anhaltung nicht vorher aufgehoben wurde.
(2) Kann eine zweckentsprechende Absonderung im Sinne der getroffenen Anordnungen in der Wohnung des Kranken nicht erfolgen oder wird die Absonderung unterlassen, so ist die Unterbringung des Kranken in einer Krankenanstalt oder einem anderen geeigneten Raume durchzufÃ¼hren, falls die ÃœberfÃ¼hrung ohne GefÃ¤hrdung des Kranken erfolgen kann.
(3) Zum Zwecke der Absonderung sind, wo es mit RÃ¼cksicht auf die Ã¶rtlichen VerhÃ¤ltnisse geboten erscheint, geeignete RÃ¤ume und zulÃ¤ssig erkannte Transportmittel rechtzeitig bereitzustellen, beziehungsweise transportable, mit den nÃ¶tigen Einrichtungen und Personal ausgestattete BarackenspitÃ¤ler einzurichten.
(4) Abgesehen von den FÃ¤llen der Absonderung eines Kranken im Sinne des Abs2 kann die ÃœberfÃ¼hrung aus der Wohnung, in der er sich befindet, nur mit behÃ¶rdlicher Genehmigung und unter genauer Beobachtung der hiebei von der BehÃ¶rde anzuordnenden VorsichtsmaÃŸregeln erfolgen.
(5) Diese Genehmigung ist nur dann zu erteilen, wenn eine GefÃ¤hrdung Ã¶ffentlicher RÃ¼cksichten hiedurch nicht zu besorgen steht und der Kranke entweder in eine zur Aufnahme solcher Kranker bestimmte Anstalt gebracht werden soll oder die ÃœberfÃ¼hrung nach der Sachlage unbedingt geboten erscheint.
[â€¦]
BeschrÃ¤nkung des Lebensmittelverkehrs.
Â§11. Die Abgabe von Lebensmitteln aus VerkaufsstÃ¤tten, HÃ¤usern oder erforderlichenfalls aus einzelnen Ortsgebieten, in denen Scharlach, Diphtherie, Abdominaltyphus, Paratyphus, Ruhr, Flecktyphus, Blattern, Asiatische Cholera, Pest oder Ã„gyptische AugenentzÃ¼ndung aufgetreten ist, kann untersagt oder von bestimmten Vorsichten abhÃ¤ngig gemacht werden. [â€¦]
Ãœberwachung bestimmter Personen.
Â§17. (1) Personen, die als TrÃ¤ger von Krankheitskeimen einer anzeigepflichtigen Krankheit anzusehen sind, kÃ¶nnen einer besonderen sanitÃ¤tspolizeilichen Beobachtung oder Ãœberwachung unterworfen werden. Sie dÃ¼rfen nach nÃ¤herer Anordnung der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde (Gesundheitsamt) nicht bei der Gewinnung oder Behandlung von Lebensmitteln in einer Weise tÃ¤tig sein, welche die Gefahr mit sich bringt, daÃŸ Krankheitskeime auf andere Personen oder auf Lebensmittel Ã¼bertragen werden. FÃ¼r diese Personen kann eine besondere Meldepflicht, die periodische Ã¤rztliche Untersuchung sowie erforderlichenfalls die Desinfektion und Absonderung in ihrer Wohnung angeordnet werden; ist die Absonderung in der Wohnung in zweckmÃ¤ÃŸiger Weise nicht durchfÃ¼hrbar, so kann die Absonderung und Verpflegung in eigenen RÃ¤umen verfÃ¼gt werden. [â€¦]
(2) Bezieht sich der Ansteckungsverdacht auf die Ãœbertragung des Flecktyphus, der Blattern, der Asiatischen Cholera oder der Pest, so ist die sanitÃ¤tspolizeiliche Beobachtung und Ãœberwachung der ansteckungsverdÃ¤chtigen Person im Sinne des vorhergehenden Absatzes jedenfalls durchzufÃ¼hren.
(3) FÃ¼r Personen, die sich berufsmÃ¤ÃŸig mit der Krankenbehandlung, der Krankenpflege oder Leichenbesorgung beschÃ¤ftigen, und fÃ¼r Hebammen ist die Beobachtung besonderer Vorsichten anzuordnen. FÃ¼r solche Personen kÃ¶nnen Verkehrs- und BerufsbeschrÃ¤nkungen sowie SchutzmaÃŸnahmen, insbesondere Schutzimpfungen, angeordnet werden. [â€¦]
(4) Sofern dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist, kann die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde im Einzelfall fÃ¼r bestimmte gefÃ¤hrdete Personen die DurchfÃ¼hrung von Schutzimpfungen oder die Gabe von Prophylaktika anordnen.
[â€¦]
BetriebsbeschrÃ¤nkung oder SchlieÃŸung gewerblicher Unternehmungen.
Â§20. (1) Beim Auftreten von Scharlach, Diphtherie, Abdominaltyphus, Paratyphus, bakterieller Lebensmittelvergiftung, Flecktyphus, Blattern, Asiatischer Cholera, Pest oder Milzbrand kann die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten, in denen bestimmte Gewerbe ausgeÃ¼bt werden, deren Betrieb eine besondere Gefahr fÃ¼r die Ausbreitung dieser Krankheit mit sich bringt, fÃ¼r bestimmt zu bezeichnende Gebiete angeordnet werden, wenn und insoweit nach den im Betriebe bestehenden VerhÃ¤ltnissen die Aufrechterhaltung desselben eine dringende und schwere GefÃ¤hrdung der Betriebsangestellten selbst sowie der Ã–ffentlichkeit Ã¼berhaupt durch die Weiterverbreitung der Krankheit begrÃ¼nden wÃ¼rde. [â€¦]
(2) Beim Auftreten einer der im ersten Absatz angefÃ¼hrten Krankheiten kann unter den sonstigen dort bezeichneten Bedingungen der Betrieb einzelner gewerbsmÃ¤ÃŸig betriebener Unternehmungen mit fester BetriebsstÃ¤tte beschrÃ¤nkt oder die SchlieÃŸung der BetriebsstÃ¤tte verfÃ¼gt sowie auch einzelnen Personen, die mit Kranken in BerÃ¼hrung kommen, das Betreten der BetriebsstÃ¤tten untersagt werden.
(3) Die SchlieÃŸung einer BetriebsstÃ¤tte ist jedoch erst dann zu verfÃ¼gen, wenn ganz auÃŸerordentliche Gefahren sie nÃ¶tig erscheinen lassen.
(4) Inwieweit die in den Abs1 bis 3 bezeichneten Vorkehrungen auch beim Auftreten einer anderen anzeigepflichtigen Krankheit getroffen werden kÃ¶nnen, wird durch Verordnung bestimmt.
[â€¦]
RÃ¤umung von Wohnungen.
Â§22. (1) Die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde hat die RÃ¤umung von Wohnungen und GebÃ¤uden anzuordnen, wenn diese MaÃŸnahme nach Art des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist.
(2) Den betreffenden Bewohnern ist Ã¼ber ihr Begehren, und zwar im Falle ihrer Mittellosigkeit unentgeltlich, eine angemessene Unterkunft und Verpflegung beizustellen.
[â€¦]
VerkehrsbeschrÃ¤nkungen fÃ¼r die Bewohner bestimmter Ortschaften.
Â§24. Sofern dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist, hat die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde fÃ¼r die Bewohner von Epidemiegebieten VerkehrbeschrÃ¤nkungen zu verfÃ¼gen. Ebenso kÃ¶nnen BeschrÃ¤nkungen fÃ¼r den Verkehr mit den Bewohnern solcher Gebiete von auÃŸen angeordnet werden.
[â€¦]
III. HAUPTSTÃœCK.
EntschÃ¤digung und Bestreitung der Kosten.
[â€¦]
VergÃ¼tung fÃ¼r den Verdienstentgang.
Â§32. (1) NatÃ¼rlichen und juristischen Personen sowie Personengesellschaften des Handelsrechtes ist wegen der durch die Behinderung ihres Erwerbes entstandenen VermÃ¶gensnachteile dann eine VergÃ¼tung zu leisten, wenn und soweit
1. sie gemÃ¤ÃŸ Â§Â§7 oder 17 abgesondert worden sind, oder
2. ihnen die Abgabe von Lebensmitteln gemÃ¤ÃŸ Â§11 untersagt worden ist, oder
3. ihnen die AusÃ¼bung einer ErwerbstÃ¤tigkeit gemÃ¤ÃŸ Â§17 untersagt worden ist, oder
4. sie in einem gemÃ¤ÃŸ Â§20 im Betrieb beschrÃ¤nkten oder geschlossenen Unternehmen beschÃ¤ftigt sind, oder
5. sie ein Unternehmen betreiben, das gemÃ¤ÃŸ Â§20 in seinem Betrieb beschrÃ¤nkt oder gesperrt worden ist, oder
6. sie in Wohnungen oder GebÃ¤uden wohnen, deren RÃ¤umung gemÃ¤ÃŸ Â§22 angeordnet worden ist, oder
7. sie in einer Ortschaft wohnen oder berufstÃ¤tig sind, Ã¼ber welche VerkehrsbeschrÃ¤nkungen gemÃ¤ÃŸ Â§24 verhÃ¤ngt worden sind,
und dadurch ein Verdienstentgang eingetreten ist.
(2) Die VergÃ¼tung ist fÃ¼r jeden Tag zu leisten, der von der in Abs1 genannten behÃ¶rdlichen VerfÃ¼gung umfaÃŸt ist.
(3) Die VergÃ¼tung fÃ¼r Personen, die in einem ArbeitsverhÃ¤ltnis stehen, ist nach dem regelmÃ¤ÃŸigen Entgelt im Sinne des Entgeltfortzahlungsgesetzes, BGBlÂ NrÂ 399/1974, zu bemessen. Die Arbeitgeber haben ihnen den gebÃ¼hrenden VergÃ¼tungsbetrag an den fÃ¼r die Zahlung des Entgelts im Betrieb Ã¼blichen Terminen auszuzahlen. Der Anspruch auf VergÃ¼tung gegenÃ¼ber dem Bund geht mit dem Zeitpunkt der Auszahlung auf den Arbeitgeber Ã¼ber. Der fÃ¼r die Zeit der Erwerbsbehinderung vom Arbeitgeber zu entrichtende Dienstgeberanteil in der gesetzlichen Sozialversicherung und der Zuschlag gemÃ¤ÃŸ Â§21 des Bauarbeiterurlaubsgesetzes 1972, BGBlÂ NrÂ 414, ist vom Bund zu ersetzen.
(4) FÃ¼r selbstÃ¤ndig erwerbstÃ¤tige Personen und Unternehmungen ist die EntschÃ¤digung nach dem vergleichbaren fortgeschriebenen wirtschaftlichen Einkommen zu bemessen.
(5) Auf den gebÃ¼hrenden VergÃ¼tungsbetrag sind BetrÃ¤ge anzurechnen, die dem VergÃ¼tungsberechtigten wegen einer solchen Erwerbsbehinderung nach sonstigen Vorschriften oder Vereinbarungen sowie aus einer anderweitigen wÃ¤hrend der Zeit der Erwerbsbehinderung aufgenommenen ErwerbstÃ¤tigkeit zukommen."
5. Die maÃŸgeblichen Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950, BGBlÂ 186/1950 (WV), idF BGBlÂ I 43/2020 lauten:
"II. HAUPTSTÃœCK.
Vorkehrungen zur VerhÃ¼tung und BekÃ¤mpfung anzeigepflichtiger Krankheiten.
[â€¦]
Absonderung Kranker.
Â§7. (1) Durch Verordnung werden jene anzeigepflichtigen Krankheiten bezeichnet, bei denen fÃ¼r kranke, krankheitsverdÃ¤chtige oder ansteckungsverdÃ¤chtige Personen AbsonderungsmaÃŸnahmen verfÃ¼gt werden kÃ¶nnen.
(1a) Zur VerhÃ¼tung der Weiterverbreitung einer in einer Verordnung nach Abs1 angefÃ¼hrten anzeigepflichtigen Krankheit kÃ¶nnen kranke, krankheitsverdÃ¤chtige oder ansteckungsverdÃ¤chtige Personen angehalten oder im Verkehr mit der AuÃŸenwelt beschrÃ¤nkt werden, sofern nach der Art der Krankheit und des Verhaltens des Betroffenen eine ernstliche und erhebliche Gefahr fÃ¼r die Gesundheit anderer Personen besteht, die nicht durch gelindere MaÃŸnahmen beseitigt werden kann. Die angehaltene Person kann bei dem Bezirksgericht, in dessen Sprengel der Anhaltungsort liegt, die ÃœberprÃ¼fung der ZulÃ¤ssigkeit und Aufhebung der FreiheitsbeschrÃ¤nkung nach MaÃŸgabe des 2. Abschnitts des Tuberkulosegesetzes beantragen. Jede Anhaltung ist dem Bezirksgericht von der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde anzuzeigen, die sie verfÃ¼gt hat. Das Bezirksgericht hat von Amts wegen in lÃ¤ngstens dreimonatigen AbstÃ¤nden ab der Anhaltung oder der letzten ÃœberprÃ¼fung die ZulÃ¤ssigkeit der Anhaltung in sinngemÃ¤ÃŸer Anwendung des Â§17 des Tuberkulosegesetzes zu Ã¼berprÃ¼fen, sofern die Anhaltung nicht vorher aufgehoben wurde.
(2) Kann eine zweckentsprechende Absonderung im Sinne der getroffenen Anordnungen in der Wohnung des Kranken nicht erfolgen oder wird die Absonderung unterlassen, so ist die Unterbringung des Kranken in einer Krankenanstalt oder einem anderen geeigneten Raume durchzufÃ¼hren, falls die ÃœberfÃ¼hrung ohne GefÃ¤hrdung des Kranken erfolgen kann.
(3) Zum Zwecke der Absonderung sind, wo es mit RÃ¼cksicht auf die Ã¶rtlichen VerhÃ¤ltnisse geboten erscheint, geeignete RÃ¤ume und zulÃ¤ssig erkannte Transportmittel rechtzeitig bereitzustellen, beziehungsweise transportable, mit den nÃ¶tigen Einrichtungen und Personal ausgestattete BarackenspitÃ¤ler einzurichten.
(4) Abgesehen von den FÃ¤llen der Absonderung eines Kranken im Sinne des Abs2 kann die ÃœberfÃ¼hrung aus der Wohnung, in der er sich befindet, nur mit behÃ¶rdlicher Genehmigung und unter genauer Beobachtung der hiebei von der BehÃ¶rde anzuordnenden VorsichtsmaÃŸregeln erfolgen.
(5) Diese Genehmigung ist nur dann zu erteilen, wenn eine GefÃ¤hrdung Ã¶ffentlicher RÃ¼cksichten hiedurch nicht zu besorgen steht und der Kranke entweder in eine zur Aufnahme solcher Kranker bestimmte Anstalt gebracht werden soll oder die ÃœberfÃ¼hrung nach der Sachlage unbedingt geboten erscheint.
[â€¦]
BeschrÃ¤nkung des Lebensmittelverkehrs.
Â§11. Die Abgabe von Lebensmitteln aus VerkaufsstÃ¤tten, HÃ¤usern oder erforderlichenfalls aus einzelnen Ortsgebieten, in denen Scharlach, Diphtherie, Abdominaltyphus, Paratyphus, Ruhr, Flecktyphus, Blattern, Asiatische Cholera, Pest oder Ã„gyptische AugenentzÃ¼ndung aufgetreten ist, kann untersagt oder von bestimmten Vorsichten abhÃ¤ngig gemacht werden. [â€¦]
Ãœberwachung bestimmter Personen.
Â§17. (1) Personen, die als TrÃ¤ger von Krankheitskeimen einer anzeigepflichtigen Krankheit anzusehen sind, kÃ¶nnen einer besonderen sanitÃ¤tspolizeilichen Beobachtung oder Ãœberwachung unterworfen werden. Sie dÃ¼rfen nach nÃ¤herer Anordnung der BezirksverwaltungsbehÃ¶rde (Gesundheitsamt) nicht bei der Gewinnung oder Behandlung von Lebensmitteln in einer Weise tÃ¤tig sein, welche die Gefahr mit sich bringt, daÃŸ Krankheitskeime auf andere Personen oder auf Lebensmittel Ã¼bertragen werden. FÃ¼r diese Personen kann eine besondere Meldepflicht, die periodische Ã¤rztliche Untersuchung sowie erforderlichenfalls die Desinfektion und Absonderung in ihrer Wohnung angeordnet werden; ist die Absonderung in der Wohnung in zweckmÃ¤ÃŸiger Weise nicht durchfÃ¼hrbar, so kann die Absonderung und Verpflegung in eigenen RÃ¤umen verfÃ¼gt werden. [â€¦]
(2) Bezieht sich der Ansteckungsverdacht auf die Ãœbertragung des Flecktyphus, der Blattern, der Asiatischen Cholera oder der Pest, so ist die sanitÃ¤tspolizeiliche Beobachtung und Ãœberwachung der ansteckungsverdÃ¤chtigen Person im Sinne des vorhergehenden Absatzes jedenfalls durchzufÃ¼hren.
(3) FÃ¼r Personen, die sich berufsmÃ¤ÃŸig mit der Krankenbehandlung, der Krankenpflege oder Leichenbesorgung beschÃ¤ftigen, und fÃ¼r Hebammen ist die Beobachtung besonderer Vorsichten anzuordnen. FÃ¼r solche Personen kÃ¶nnen Verkehrs- und BerufsbeschrÃ¤nkungen sowie SchutzmaÃŸnahmen, insbesondere Schutzimpfungen, angeordnet werden. [â€¦]
(4) Sofern dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist, kann die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde im Einzelfall fÃ¼r bestimmte gefÃ¤hrdete Personen die DurchfÃ¼hrung von Schutzimpfungen oder die Gabe von Prophylaktika anordnen.
[â€¦]
BetriebsbeschrÃ¤nkung oder SchlieÃŸung gewerblicher Unternehmungen.
Â§20. (1) Beim Auftreten von Scharlach, Diphtherie, Abdominaltyphus, Paratyphus, bakterieller Lebensmittelvergiftung, Flecktyphus, Blattern, Asiatischer Cholera, Pest oder Milzbrand kann die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten, in denen bestimmte Gewerbe ausgeÃ¼bt werden, deren Betrieb eine besondere Gefahr fÃ¼r die Ausbreitung dieser Krankheit mit sich bringt, fÃ¼r bestimmt zu bezeichnende Gebiete angeordnet werden, wenn und insoweit nach den im Betriebe bestehenden VerhÃ¤ltnissen die Aufrechterhaltung desselben eine dringende und schwere GefÃ¤hrdung der Betriebsangestellten selbst sowie der Ã–ffentlichkeit Ã¼berhaupt durch die Weiterverbreitung der Krankheit begrÃ¼nden wÃ¼rde. [â€¦]
(2) Beim Auftreten einer der im ersten Absatz angefÃ¼hrten Krankheiten kann unter den sonstigen dort bezeichneten Bedingungen der Betrieb einzelner gewerbsmÃ¤ÃŸig betriebener Unternehmungen mit fester BetriebsstÃ¤tte beschrÃ¤nkt oder die SchlieÃŸung der BetriebsstÃ¤tte verfÃ¼gt sowie auch einzelnen Personen, die mit Kranken in BerÃ¼hrung kommen, das Betreten der BetriebsstÃ¤tten untersagt werden.
(3) Die SchlieÃŸung einer BetriebsstÃ¤tte ist jedoch erst dann zu verfÃ¼gen, wenn ganz auÃŸerordentliche Gefahren sie nÃ¶tig erscheinen lassen.
(4) Inwieweit die in den Abs1 bis 3 bezeichneten Vorkehrungen auch beim Auftreten einer anderen anzeigepflichtigen Krankheit getroffen werden kÃ¶nnen, wird durch Verordnung bestimmt.
[â€¦]
RÃ¤umung von Wohnungen.
Â§22. (1) Die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde hat die RÃ¤umung von Wohnungen und GebÃ¤uden anzuordnen, wenn diese MaÃŸnahme nach Art des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist.
(2) Den betreffenden Bewohnern ist Ã¼ber ihr Begehren, und zwar im Falle ihrer Mittellosigkeit unentgeltlich, eine angemessene Unterkunft und Verpflegung beizustellen.
[â€¦]
VerkehrsbeschrÃ¤nkungen fÃ¼r die Bewohner bestimmter Ortschaften.
Â§24. Sofern dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist, hat die BezirksverwaltungsbehÃ¶rde fÃ¼r die Bewohner von Epidemiegebieten VerkehrbeschrÃ¤nkungen zu verfÃ¼gen. Ebenso kÃ¶nnen BeschrÃ¤nkungen fÃ¼r den Verkehr mit den Bewohnern solcher Gebiete von auÃŸen angeordnet werden.
[â€¦]
III. HAUPTSTÃœCK.
EntschÃ¤digung und Bestreitung der Kosten.
[â€¦]
VergÃ¼tung fÃ¼r den Verdienstentgang.
Â§32. (1) NatÃ¼rlichen und juristischen Personen sowie Personengesellschaften des Handelsrechtes ist wegen der durch die Behinderung ihres Erwerbes entstandenen VermÃ¶gensnachteile dann eine VergÃ¼tung zu leisten, wenn und soweit
1. sie gemÃ¤ÃŸ Â§Â§7 oder 17 abgesondert worden sind, oder
2. ihnen die Abgabe von Lebensmitteln gemÃ¤ÃŸ Â§11 untersagt worden ist, oder
3. ihnen die AusÃ¼bung einer ErwerbstÃ¤tigkeit gemÃ¤ÃŸ Â§17 untersagt worden ist, oder
4. sie in einem gemÃ¤ÃŸ Â§20 im Betrieb beschrÃ¤nkten oder geschlossenen Unternehmen beschÃ¤ftigt sind, oder
5. sie ein Unternehmen betreiben, das gemÃ¤ÃŸ Â§20 in seinem Betrieb beschrÃ¤nkt oder gesperrt worden ist, oder
6. sie in Wohnungen oder GebÃ¤uden wohnen, deren RÃ¤umung gemÃ¤ÃŸ Â§22 angeordnet worden ist, oder
7. sie in einer Ortschaft wohnen oder berufstÃ¤tig sind, Ã¼ber welche VerkehrsbeschrÃ¤nkungen gemÃ¤ÃŸ Â§24 verhÃ¤ngt worden sind,
und dadurch ein Verdienstentgang eingetreten ist.
(2) Die VergÃ¼tung ist fÃ¼r jeden Tag zu leisten, der von der in Abs1 genannten behÃ¶rdlichen VerfÃ¼gung umfaÃŸt ist.
(3) Die VergÃ¼tung fÃ¼r Personen, die in einem ArbeitsverhÃ¤ltnis stehen, ist nach dem regelmÃ¤ÃŸigen Entgelt im Sinne des Entgeltfortzahlungsgesetzes, BGBlÂ NrÂ 399/1974, zu bemessen. Die Arbeitgeber haben ihnen den gebÃ¼hrenden VergÃ¼tungsbetrag an den fÃ¼r die Zahlung des Entgelts im Betrieb Ã¼blichen Terminen auszuzahlen. Der Anspruch auf VergÃ¼tung gegenÃ¼ber dem Bund geht mit dem Zeitpunkt der Auszahlung auf den Arbeitgeber Ã¼ber. Der fÃ¼r die Zeit der Erwerbsbehinderung vom Arbeitgeber zu entrichtende Dienstgeberanteil in der gesetzlichen Sozialversicherung und der Zuschlag gemÃ¤ÃŸ Â§21 des Bauarbeiterurlaubsgesetzes 1972, BGBlÂ NrÂ 414, ist vom Bund zu ersetzen.
(4) FÃ¼r selbstÃ¤ndig erwerbstÃ¤tige Personen und Unternehmungen ist die EntschÃ¤digung nach dem vergleichbaren fortgeschriebenen wirtschaftlichen Einkommen zu bemessen.
(5) Auf den gebÃ¼hrenden VergÃ¼tungsbetrag sind BetrÃ¤ge anzurechnen, die dem VergÃ¼tungsberechtigten wegen einer solchen Erwerbsbehinderung nach sonstigen Vorschriften oder Vereinbarungen sowie aus einer anderweitigen wÃ¤hrend der Zeit der Erwerbsbehinderung aufgenommenen ErwerbstÃ¤tigkeit zukommen.
(6) Der fÃ¼r das Gesundheitswesen zustÃ¤ndige Bundesminister kann, wenn und soweit dies zur GewÃ¤hrleistung einer einheitlichen VerwaltungsfÃ¼hrung erforderlich ist, durch Verordnung nÃ¤here Vorgaben zur Berechnung der HÃ¶he der EntschÃ¤digung oder VergÃ¼tung des Verdienstentgangs erlassen."
6. Art1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz vom 28.Â Februar 2020, mit der die Verordnung betreffend die BetriebsbeschrÃ¤nkung oder SchlieÃŸung gewerblicher Unternehmungen bei Auftreten von Infektionen mit SARS-CoV-2 ("2019 neuartiges Coronavirus") erlassen und die Verordnung des Bundesministeriums fÃ¼r soziale Verwaltung vom 26.Â Juni 1957 Ã¼ber die BefÃ¶rderung von Personen, die mit Ã¼bertragbaren Krankheiten behaftet oder solcher Krankheiten verdÃ¤chtig sind, geÃ¤ndert wird, BGBlÂ II 74/2020, lautet:
"Auf Grund des Â§20 Abs4 des Epidemiegesetzes 1950, BGBlÂ NrÂ 186/1950, zuletzt geÃ¤ndert durch das Bundesgesetz BGBlÂ I NrÂ 37/2018, und die Bundesministeriengesetz-Novelle 2020, BGBlÂ I NrÂ 8/2020, wird verordnet:
Die in Â§20 Abs1 bis 3 des Epidemiegesetzes 1950, in der jeweils geltenden Fassung, bezeichneten Vorkehrungen kÃ¶nnen auch bei Auftreten einer Infektion mit SARS-CoV-2 ('2019 neuartiges Coronavirus') getroffen werden."
III. ErwÃ¤gungen
Der Verfassungsgerichtshof hat in sinngemÃ¤ÃŸer Anwendung der Â§Â§187 und 404 ZPO iVm Â§35 Abs1 VfGG die AntrÃ¤ge zur gemeinsamen Beratung und Entscheidung verbunden.
1. Zur ZulÃ¤ssigkeit
1.1. Mit ihren auf Art139 Abs1 Z3 B-VG und Art140 Abs1 Z1 litc B-VG gestÃ¼tzten (Haupt-)AntrÃ¤gen begehren die antragstellenden Parteien, nÃ¤her bezeichnete Wortteile in Â§2 Abs1 Z2 sowie nÃ¤her bezeichnete Wortfolgen in Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 als gesetzwidrig aufzuheben. Die antragstellenden Parteien begehren darÃ¼ber hinaus die Aufhebung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz wegen Verfassungswidrigkeit. Zu ihren HauptantrÃ¤gen stellten die antragstellenden Parteien mehrere EventualantrÃ¤ge.
Im Zeitpunkt der Einbringung ihrer AntrÃ¤ge beim Verfassungsgerichtshof, dem 27.Â bzw 30.Â April 2020, standen die genannten Bestimmungen der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 in der Fassung BGBlÂ IIÂ 151/2020 in Kraft. Die COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 und damit auch die angefochtenen Bestimmungen dieser Verordnung sind auf Grund des Â§13 Abs2 Z1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der MaÃŸnahmen, die zur BekÃ¤mpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung), BGBlÂ II 197/2020, mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft getreten. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz ist nach wie vor in Kraft.
1.2. GemÃ¤ÃŸ Art139 Abs1 Z3 und Art140 Abs1 Z1 litc B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof Ã¼ber die Gesetzwidrigkeit von Verordnungen und die Verfassungswidrigkeit von Gesetzen auf Antrag einer Person, die unmittelbar durch diese Gesetzwidrigkeit bzw Verfassungswidrigkeit in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, wenn die Verordnung bzw das Gesetz ohne FÃ¤llung einer gerichtlichen Entscheidung oder ohne Erlassung eines Bescheides fÃ¼r diese Person wirksam geworden ist.
Wie der Verfassungsgerichtshof in seiner mit VfSlgÂ 8009/1977 und 8058/1977 beginnenden stÃ¤ndigen Rechtsprechung ausgefÃ¼hrt hat, ist daher grundlegende Voraussetzung fÃ¼r die Antragslegitimation, dass das Gesetz bzw die Verordnung in die RechtssphÃ¤re der betroffenen Person unmittelbar eingreift und sie â€“ im Falle seiner Verfassungswidrigkeit bzw ihrer Gesetzwidrigkeit â€“ verletzt. Hiebei hat der Verfassungsgerichtshof vom Antragsvorbringen auszugehen und lediglich zu prÃ¼fen, ob die vom Antragsteller ins Treffen gefÃ¼hrten Wirkungen solche sind, wie sie Art139 Abs1 Z3 und Art140 Abs1 Z1 litc B-VG als Voraussetzung fÃ¼r die Antragslegitimation fordern (vgl zB VfSlgÂ 10.353/1985, 15.306/1998, 16.890/2003).
1.3. Die Bestimmungen des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz sowie des Â§1 und des Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 stehen in folgendem normativen Zusammenhang:
GemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ IÂ 12/2020, idF BGBlÂ IÂ 23/2020Â â€“Â in Kraft getreten am 5.Â April 2020 (siehe Â§4 Abs5 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz) und bis 31.Â Dezember 2020 befristet (siehe Â§4 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz) â€“ kann der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz durch Verordnung unter anderem "das Betreten von BetriebsstÃ¤tten oder nur bestimmten BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren und Dienstleistungen" untersagen, soweit dies zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erforderlich ist. In der Verordnung kann geregelt werden, in welcher Zahl und zu welcher Zeit jene BetriebsstÃ¤tten betreten werden dÃ¼rfen, die vom Betretungsverbot ausgenommen sind. DarÃ¼ber hinaus kann geregelt werden, unter welchen bestimmten Voraussetzungen oder Auflagen BetriebsstÃ¤tten betreten werden dÃ¼rfen. GemÃ¤ÃŸ Â§4 Abs3 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz lassen dessen Regelungen die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 unberÃ¼hrt. Hat der Bundesminister aber gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz eine Verordnung erlassen, gelangen die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten im Rahmen des Anwendungsbereiches dieser Verordnung nicht zur Anwendung (Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz).
Mit der auf Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gestÃ¼tzten COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 hat der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz mit Wirkung vom 16.Â MÃ¤rz 2020 und zunÃ¤chst befristet bis zum Ablauf des 22.Â MÃ¤rz 2020 (Â§4 Abs1 und Abs3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 96/2020) unter anderem das Betreten des Kundenbereiches von BetriebsstÃ¤tten des Handels und von Dienstleistungsunternehmen sowie von Freizeit- und Sportbetrieben untersagt. Dieses Betretungsverbot gilt zum Zweck des Erwerbs von Waren oder der Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder der BenÃ¼tzung von Freizeit- und Sportbetrieben.
Von diesem allgemeinen Betretungsverbot legt Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 in der Stammfassung, BGBlÂ IIÂ 96/2020, Bereichsausnahmen im Wesentlichen fÃ¼r sogenannte systemrelevante Betriebe wie Ã¶ffentliche Apotheken, den Lebensmittelhandel oder Tankstellen, Banken und Post fest (siehe im Einzelnen Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 in der genannten Fassung). In der Folge hat der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz die COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 mehrmals abgeÃ¤ndert und sie â€“ regelmÃ¤ÃŸig fÃ¼r kurze ZeitrÃ¤ume befristet (siehe Â§4 Abs3 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 110/2020 der das AuÃŸerkrafttreten der Verordnung von 22.Â MÃ¤rz 2020 auf 13.Â April 2020 verschiebt; mit Â§4 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 112/2020 wurde das AuÃŸerkrafttreten wiederum mit Ablauf des 13.Â April 2020 festgelegt; mit Â§5 Abs4 undÂ 5 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 130/2020 wurde das AuÃŸerkrafttreten fÃ¼r die Â§Â§1 bis 3 erneut mit Ablauf des 13.Â April 2020 sowie fÃ¼r Â§4 mit Ablauf des 24.Â April 2020 festgesetzt) â€“ weiterhin in Kraft belassen. Zuletzt hat der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz mit Verordnung BGBlÂ IIÂ 151/2020, in Kraft getreten mit Ablauf des 13.Â April 2020 (Â§5 Abs6 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 151/2020), die COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bis zum Ablauf des 30.Â April 2020 in Kraft gesetzt (Â§5 Abs1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ II 151/2020; die letzten Ã„nderungen der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 162/2020 Ã¤nderten die Regelungen Ã¼ber das AuÃŸerkrafttreten nicht). Mit der COVID-19-Lockerungsverordnung, BGBlÂ IIÂ 197/2020, hat der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz schlieÃŸlich das AuÃŸerkrafttreten der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 mit Ablauf des 30.Â April 2020 erneut angeordnet.
Mit der Verordnung BGBlÂ IIÂ 151/2020 hat der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz die COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 gegenÃ¼ber ihrer Stammfassung unter anderem dahingehend abgeÃ¤ndert, dass erstens im Kontext der Bereichsausnahmen fÃ¼r systemrelevante Betriebe vom allgemeinen Betretungsverbot von BetriebsstÃ¤tten des Handels gemÃ¤ÃŸ Â§1 dieser Verordnung nunmehr unter anderem auch Baustoff-, Eisen- und Holzhandel, Bau- und GartenmÃ¤rkte ausgenommen wurden (Â§2 Abs1 Z22 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96). Zweitens wurden allgemein vom Betretungsverbot von BetriebsstÃ¤tten des Handels gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 durch einen in Â§2 neu eingefÃ¼gten AbsatzÂ 4 sonstige BetriebsstÃ¤tten des Handels ausgenommen, wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt. Als sonstige BetriebsstÃ¤tten des Handels sind dabei BetriebsstÃ¤tten zu verstehen, die dem Verkauf, der Herstellung, der Reparatur oder der Bearbeitung von Waren dienen. Sind sonstige BetriebsstÃ¤tten baulich verbunden (zBÂ Einkaufszentren), ist der Kundenbereich der BetriebsstÃ¤tten zusammenzuzÃ¤hlen, wenn der Kundenbereich Ã¼ber das Verbindungsbauwerk betreten wird (Â§2 Abs4 dritter Satz COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96). VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereiches, die nach dem 7.Â April 2020 â€“ das ist zwei Tage vor Kundmachung der Verordnung BGBlÂ IIÂ 151/2020 â€“ vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereiches auÃŸer Betracht zu bleiben (Â§2 Abs4 vierter Satz COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96). Weiters wurden in Â§2 Abs5 und 6 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 weitere Voraussetzungen vorgeschrieben, die eingehalten werden mÃ¼ssen, wenn Kunden unter anderem sonstige BetriebsstÃ¤tten des Handels betreten. Diese weiteren Ausnahmen vom allgemeinen Betretungsverbot von BetriebsstÃ¤tten des Handels und von Dienstleistungsunternehmen traten gemÃ¤ÃŸ Â§5 Abs6 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 mit Ablauf des 13.Â April 2020 in Kraft.
1.4. FÃ¼r die BetriebsstÃ¤tten der antragstellenden Parteien galt also seit dem 16.Â MÃ¤rz 2020 (Inkrafttreten der Stammfassung der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, BGBlÂ IIÂ 96/2020) ein Betretungsverbot fÃ¼r Kunden. Mit der Verordnung BGBlÂ IIÂ 151/2020 Ã¤nderte sich fÃ¼r die antragstellenden Parteien die Rechtslage insoweit, als mit Ablauf des 13.Â April 2020 Handelsbetriebe, deren Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt, vom Betretungsverbot des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 ausgenommen wurden. FÃ¼r bestimmte BetriebsstÃ¤tten der antragstellenden Parteien galt weiterhin â€“ bis zum 30.Â April 2020 â€“ das Betretungsverbot gemÃ¤ÃŸ â€“ dem mittels Eventualantrag zum zweiten (ergÃ¤nzenden) Hauptantrag ebenfalls angefochtenen â€“ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, weil bei diesen BetriebsstÃ¤tten der Kundenbereich im Inneren mehr als 400Â mÂ² betrÃ¤gt.
Die antragstellenden Parteien erachten sich durch die EinschrÃ¤nkung in Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 idF BGBlÂ IIÂ 151/2020, derzufolge nur sonstige BetriebsstÃ¤tten des Handels vom allgemeinen Betretungsverbot des Â§1 der Verordnung ausgenommen sind, wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400Â mÂ² betrÃ¤gt, in ihren verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleisteten Rechten auf Erwerbsfreiheit, Schutz des Eigentums und Gleichheit vor dem Gesetz verletzt. Ein anderer zumutbarer Weg, die Frage der Rechtswidrigkeit der bekÃ¤mpften Bestimmungen an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen, bestÃ¼nde nicht, insbesondere sei es nicht zumutbar, durch Verletzung eines gesetzlichen Verbotes ein (Verwaltungs-)Strafverfahren provozieren zu mÃ¼ssen. Auf Grund des vom Verordnungsgeber festgelegten AuÃŸerkrafttretens am 30.Â April 2020 sei sonst ein effektiver Rechtsschutz von vornherein unmÃ¶glich.
1.5. GemÃ¤ÃŸ Art139 Abs1 Z3 B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof Ã¼ber die Gesetzwidrigkeit von Verordnungen auf Antrag einer Person, die unmittelbar durch diese Gesetzwidrigkeit in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, wenn die Verordnung ohne FÃ¤llung einer gerichtlichen Entscheidung oder ohne Erlassung eines Bescheides fÃ¼r diese Person wirksam geworden ist. Voraussetzung der Antragslegitimation ist daher, dass die Verordnung in die RechtssphÃ¤re des Antragstellers unmittelbar eingreift und sie â€“ im Fall ihrer Gesetzwidrigkeit â€“ verletzt.
Es ist darÃ¼ber hinaus erforderlich, dass die Verordnung selbst tatsÃ¤chlich in die RechtssphÃ¤re des Antragstellers unmittelbar eingreift. Ein derartiger Eingriff ist nur dann anzunehmen, wenn dieser nach Art und AusmaÃŸ durch die Verordnung selbst eindeutig bestimmt ist, wenn er die (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen des Antragstellers nicht bloÃŸ potentiell, sondern aktuell beeintrÃ¤chtigt und wenn dem Antragsteller kein anderer zumutbarer Weg zur Abwehr des â€“ behaupteterweise â€“ rechtswidrigen Eingriffes zur VerfÃ¼gung steht (VfSlg 13.944/1994, 15.234/1998, 15.947/2000).
Nach Â§57 Abs1 VfGG muss der Antrag, eine Verordnung als gesetzwidrig aufzuheben, begehren, dass entweder die Verordnung ihrem ganzen Inhalt nach oder dass bestimmte Stellen der Verordnung als gesetzwidrig aufgehoben werden.
1.6. Entgegen der Auffassung der Bundesregierung und des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sind in einer Konstellation wie der vorliegenden die AntrÃ¤ge auch nicht deswegen mangels aktueller Betroffenheit unzulÃ¤ssig, weil die angefochtenen Bestimmungen im Zeitpunkt der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes bereits auÃŸer Kraft getreten sind:
1.7. Durch die angefochtene Regelung des zweiten Halbsatzes des Â§2 Abs4 erster Satz der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 wird den antragstellenden Parteien weiterhin, also Ã¼ber den Ablauf des 13.Â April 2020 hinaus, gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 untersagt, dass Kunden bestimmte ihrer BetriebsstÃ¤tten zum Zweck des Erwerbs von Waren oder der Inanspruchnahme von Dienstleistungen betreten. Dieses Verbot greift unmittelbar in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien ein und es steht ihnen â€“ im Hinblick darauf, dass Â§3 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz Inhaber einer BetriebsstÃ¤tte, die eine verbotene Betretung nicht untersagen, mit Verwaltungsstrafe von bis zu â‚¬Â 30.000,â€“ bedrohtÂ â€“ kein anderer zumutbarer Weg zur VerfÃ¼gung, die behauptete Rechtswidrigkeit des Eingriffes an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen.
1.7.1. Aus dem Wortlaut des Art139 Abs1 Z3 B-VG ("verletzt zu sein behauptet") ergibt sich, dass die angefochtenen Verordnungsbestimmungen zum Zeitpunkt der Antragstellung tatsÃ¤chlich unmittelbar in die RechtssphÃ¤re des Antragstellers nachteilig eingreifen mÃ¼ssen (siehe statt vieler zu Verordnungsbestimmungen VfSlgÂ 12.634/1991, 13.585/1993, 14.033/1995; zu Gesetzesbestimmungen VfSlgÂ 9096/1981, 12.447/1990, 12.870/1991, 13.214/1992, 13.397/1993).
Der Verfassungsgerichtshof geht weiters davon aus, dass die bekÃ¤mpften Verordnungsbestimmungen auch im Zeitpunkt seiner Entscheidung fÃ¼r den Antragsteller noch entsprechend wirksam sein mÃ¼ssen (vgl fÃ¼r Verordnungsbestimmungen VfSlgÂ 12.413/1990, 12.756/1991, 12.877/1991, 14.712/1996, 14.755/1997, 15.852/2000, 16.139/2001, 19.391/2011; fÃ¼r Gesetzesbestimmungen VfSlgÂ 12.999/1992, 16.621/2002, 16.799/2003, 17.826/2006, 18.151/2007; VfGH 6.3.2019, G318/2018), was in der Regel dann nicht mehr der Fall ist, wenn die bekÃ¤mpften Bestimmungen bereits auÃŸer Kraft getreten oder wesentlich geÃ¤ndert worden sind und damit das Ziel des Art139 Abs1 Z3 B-VG schon erreicht ist (zB VfSlgÂ 17.653/2005, 18.284/2007, 18.837/2009; 15.491/1999, 19.391/2011). Es ist aber nicht von vornherein ausgeschlossen, dass auch bereits auÃŸer Kraft getretene Regelungen die RechtssphÃ¤re des Antragsstellers aktuell berÃ¼hren (vgl zB VfSlgÂ 16.581/2002, 18.235/2007; 10.313/1984, 15.888/2000, 17.798/2006; allgemein auch zB 15.116/1998, 17.826/2006; 12.976/1992). Solches hat der Verfassungsgerichtshof bislang insbesondere dann angenommen, wenn es sich um einen auf einzelne Kalenderjahre bezogenen Anspruch handelt (VfSlg 16.581/2002) oder wenn die auÃŸer Kraft getretene Bestimmung die RechtssphÃ¤re des Antragstellers weiterhin etwa in Beziehung auf privatrechtliche VertrÃ¤ge, die der Anfechtende wÃ¤hrend des Zeitraums der Geltung abgeschlossen hat, unmittelbar berÃ¼hrt (VfSlgÂ 12.976/1992).
Insbesondere erachtet der Verfassungsgerichtshof eine entsprechende Wirksamkeit angefochtener Verordnungsbestimmungen und damit die Antragslegitimation ungeachtet des Umstandes, dass die Verordnung bereits auÃŸer Kraft getreten ist, bei zeitraumbezogenen Regelungen fÃ¼r gegeben, weil diese fÃ¼r den entsprechenden Zeitraum weiterhin anzuwenden sind (siehe VfSlg 10.820/1986 sowie insbesondere die Rechtsprechung zu sogenannten Systemnutzungstarifen im Energierecht VfSlgÂ 15.888/2000, 15.976/2000, 17.094/2003, 17.266/2004, 17.798/2006, 19.840/2013).
1.7.2. Wie Art139 Abs4 (und ebenso Art140 Abs4) B-VG deutlich macht, kann bzw muss dem Rechtsschutzziel eines Antrages nach Art139 Abs1 Z3 B-VG in bestimmten Konstellationen auch durch den Ausspruch des Verfassungsgerichtshofes Rechnung getragen werden, dass die bekÃ¤mpften Verordnungsbestimmungen gesetzwidrig waren.
Die von den antragstellenden Parteien bekÃ¤mpften Verordnungsbestimmungen sind Teil eines gesetzlichen und verordnungsmÃ¤ÃŸigen Regelungssystems, das zur BewÃ¤ltigung einer krisenhaften Situation, der BekÃ¤mpfung der COVID-19-Pandemie und ihrer Auswirkungen, dadurch gekennzeichnet ist, dass der Gesetzgeber ErmÃ¤chtigungen fÃ¼r die Verwaltung erlassen hat, auf die Verordnungen gestÃ¼tzt werden, die Ge- und Verbote enthalten, die unmittelbar (verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleistete) Rechte einschrÃ¤nken und die Nichteinhaltung dieser Anordnungen unter Strafe stellen. Anlass und Zielsetzung dieses Regelungssystems verlangen von der Vollziehung eine laufende Beobachtung und Anpassung ihrer MaÃŸnahmen, was eine rasche Abfolge von Bestehen und Ã„nderung einzelner Verordnungen und Verordnungsbestimmungen bewirkt.
Ein Antrag nach Art139 Abs1 Z3 B-VG soll (wie auch ein solcher nach Art140 Abs1 Z1 litc B-VG) Rechtsschutz gewÃ¤hrleisten, wenn dieser gegen individuelle Rechtseingriffe durch (Gesetzes- oder) Verordnungsbestimmungen sonst nicht oder nur auf unzumutbarem Weg (zur diesbezÃ¼glichen SubsidiaritÃ¤t des Individualantrages vgl Rohregger, Art140 B-VG, in: Korinek/Holoubek et al [Hrsg.], Bundesverfassungsrecht, 6.Â Lfg. 2003, RzÂ 163) erlangt werden kann. Insofern hat der Verfassungsgerichtshof mehrfach festgestellt, dass der Sinn des rechtsstaatlichen Prinzips darin gipfelt, dass alle Akte staatlicher Organe im Gesetz und mittelbar letzten Endes in der Verfassung begrÃ¼ndet sein mÃ¼ssen und ein System von Rechtsschutzeinrichtungen die GewÃ¤hr dafÃ¼r bietet (VfSlg 11.196/1986, 16.245/2001).
Dem Rechtsschutzinteresse der antragstellenden Parteien an der KlÃ¤rung, ob der durch die angefochtenen Verordnungsbestimmungen bewirkte Eingriff in ihre (Grund-)RechtssphÃ¤re, den zunÃ¤chst hinzunehmen sie unter Strafsanktion verpflichtet sind, recht- und letztlich verfassungsmÃ¤ÃŸig erfolgte, kann angesichts des Umstandes, dass ansonsten Rechtsschutz nur bei Setzen einer strafbaren Handlung zu erlangen (gewesen) wÃ¤re, nur in einem Verfahren nach Art139 Abs1 Z3 B-VG Rechnung getragen werden. Dieses Rechtsschutzinteresse, das insoweit Ã¼ber den kurzen Zeitraum hinausreicht, in dem die angefochtenen Bestimmungen in Kraft gestanden sind (vgl das von einem Ã¤hnlichen Rechtsschutzgedanken getragene System der MaÃŸnahmenbeschwerde oder die Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes zu Versammlungsuntersagungen, zB VfSlgÂ 20.312/2019), bewirkt, dass im vorliegenden Fall die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien auch im Zeitpunkt der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes berÃ¼hrt wird, und begrÃ¼ndet â€“ noch (vgl VfSlg 10.819/1986, 11.365/1987) â€“ die Wirksamkeit der angefochtenen Bestimmungen, auch wenn diese zwischenzeitig auÃŸer Kraft getreten sind.
1.8. Die angefochtenen Verordnungsbestimmungen der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 sind zwar mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft getreten. Vor dem Hintergrund der vorstehenden AusfÃ¼hrungen greifen sie dennoch unmittelbar in die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien ein und beeintrÃ¤chtigen ihre rechtlich geschÃ¼tzten Interessen auch noch aktuell. Den antragstellenden Parteien steht auch kein anderer zumutbarer Weg zur VerfÃ¼gung, ihre Bedenken hinsichtlich der RechtmÃ¤ÃŸigkeit der angefochtenen Bestimmungen an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen.
1.9. Die Grenzen der Aufhebung einer auf ihre GesetzmÃ¤ÃŸigkeit hin zu prÃ¼fenden Verordnungsbestimmung sind, wie der Verfassungsgerichtshof schon wiederholt dargelegt hat (siehe nur VfSlgÂ 20.161/2017Â mwN), notwendig so zu ziehen, dass einerseits der verbleibende Verordnungsteil nicht einen vÃ¶llig verÃ¤nderten Inhalt bekommt und dass andererseits die mit der aufzuhebenden Verordnungsstelle untrennbar zusammenhÃ¤ngenden Bestimmungen auch erfasst werden. Dieser Grundposition folgend hat der Gerichtshof die Rechtsauffassung entwickelt, dass im NormenprÃ¼fungsverfahren der Anfechtungsumfang der in PrÃ¼fung gezogenen Norm bei sonstiger UnzulÃ¤ssigkeit des PrÃ¼fungsantrages nicht zu eng gewÃ¤hlt werden darf (vgl zB VfSlgÂ 16.212/2001, 16.365/2001, 18.142/2007, 19.496/2011, 20.154/2017). Der Antragsteller hat all jene Normen anzufechten, welche fÃ¼r die Beurteilung der allfÃ¤lligen Rechtswidrigkeit der angefochtenen Bestimmungen eine untrennbare Einheit bilden. UnzulÃ¤ssig ist der Antrag etwa dann, wenn der im Falle der Aufhebung im begehrten Umfang verbleibende Rest einer Verordnungsstelle etwa als sprachlich unverstÃ¤ndlicher Torso inhaltsleer und unanwendbar wÃ¤re (VfSlgÂ 16.279/2001, 17.512/2005, 19.413/2011, 20.161/2017).
1.10. Eine zu weite Fassung des Antrages macht diesen nicht in jedem Fall unzulÃ¤ssig. ZunÃ¤chst ist ein Antrag nicht zu weit gefasst, soweit der Antragsteller solche Normen anficht, durch die seine (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen aktuell beeintrÃ¤chtigt sind und die mit diesen in untrennbarem Zusammenhang stehen; dabei darf aber nach Â§57 Abs1 VfGG nicht offen bleiben, welche Vorschrift oder welcher Teil einer Vorschrift nach Auffassung des Antragstellers aus welchem Grund aufgehoben werden soll (siehe mwN VfGH 2.3.2015, G140/2014 ua; vgl auch VfGH 10.12.2015, G639/2015; 15.10.2016, G103-104/2016 ua). Ist ein solcher Antrag in der Sache begrÃ¼ndet, hebt der Verfassungsgerichtshof aber nur einen Teil der angefochtenen Bestimmungen als verfassungswidrig auf, so fÃ¼hrt dies â€” wenn die sonstigen Prozessvoraussetzungen vorliegen â€” im Ãœbrigen zur teilweisen Abweisung des Antrages (VfSlgÂ 19.746/2013; VfGH 5.3.2014, G79/2013 ua).
Umfasst der Antrag auch Bestimmungen, durch die die (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen des Antragstellers nicht aktuell beeintrÃ¤chtigt sind (insofern ist der Antrag zu weit gefasst), die mit (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen des Antragstellers aktuell beeintrÃ¤chtigenden (und nach Auffassung des Antragstellers den Sitz der Verfassungswidrigkeit bildenden) Bestimmungen aber vor dem Hintergrund der Bedenken in einem Regelungszusammenhang stehen, so ist zu differenzieren: Sind diese Bestimmungen von den den Sitz der verfassungsrechtlichen Bedenken des Antragstellers bildenden, die (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen des Antragstellers aktuell beeintrÃ¤chtigenden Bestimmungen offensichtlich trennbar, fÃ¼hrt dies zur teilweisen ZurÃ¼ckweisung des Antrages. Umfasst der Antrag auch Bestimmungen, die mit den die (rechtlich geschÃ¼tzten) Interessen des Antragstellers aktuell beeintrÃ¤chtigenden Bestimmungen in einem so konkreten Regelungszusammenhang stehen, dass es nicht von vornherein auszuschlieÃŸen ist, dass ihre Aufhebung im Fall des Zutreffens der Bedenken erforderlich sein kÃ¶nnte (sind diese Bestimmungen also nicht offensichtlich trennbar), so ist der Antrag insgesamt zulÃ¤ssig (vgl VfSlg 20.111/2016). Dies gilt nach dem vorhin Gesagten aber keinesfalls dann, wenn Bestimmungen mitangefochten werden (etwa alle einer ganzen Verordnung), gegen die gar keine konkreten Bedenken vorgebracht werden und zu denen auch kein konkreter Regelungszusammenhang dargelegt wird (VfSlgÂ 19.894/2014; VfGH 29.9.2015, G324/2015; 15.10.2016, G183/2016 ua).
1.11. Die antragstellenden Parteien erheben zunÃ¤chst Bedenken gegen den zweiten Halbsatz â€“ ",Â wenn der Kundenbereich im Inneren max. 400 m2 betrÃ¤gt" â€“ in Â§2 Abs4 erster Satz der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96. Sie bringen zusÃ¤tzlich der Sache nach aber auch (selbststÃ¤ndige) Bedenken gegen den dritten und vierten Satz des Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 vor. Vor diesem Hintergrund erweist sich zwar der jeweils erste Hauptantrag als zu eng gefasst, der sowohl den zweiten Halbsatz im ersten Satz als auch den dritten und vierten Satz des Â§2 Abs4 erfassende erste Eventualantrag zum ersten Hauptantrag ist aber zulÃ¤ssig. Damit muss nicht auf die weiteren EventualantrÃ¤ge zum ersten Hauptantrag eingegangen werden.
1.12. Soweit die antragstellenden Parteien jeweils im zweiten Hauptantrag die Aufhebung der Wortteile "handel" sowie "produzenten" in Â§2 Abs1 Z2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 begehren, sind ihre AntrÃ¤ge zu eng gefasst. Zwischen den angefochtenen Wortteilen und der restlichen Bestimmung des Â§2 Abs1 Z2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 besteht ein untrennbarer Regelungszusammenhang (vgl etwa VfSlgÂ 16.756/2002). Entsprechendes gilt hinsichtlich des jeweils ersten Eventualantrages zum zweiten Hauptantrag, in dem die Aufhebung der Wortfolgen "des Handels und" sowie "des Erwerbs von Waren oder" in Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 begehrt wird. Der jeweils zweite Hauptantrag und der jeweils erste Eventualantrag zum zweiten Hauptantrag sind daher als unzulÃ¤ssig zurÃ¼ckzuweisen.
ZulÃ¤ssig ist hingegen â€“ aus dem Blickwinkel der EntschÃ¤digungsfrage â€“ der jeweils zweite Eventualantrag zum zweiten Hauptantrag auf Aufhebung des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96, sodass auf die weiteren EventualantrÃ¤ge zum jeweils zweiten Hauptantrag nicht einzugehen ist.
1.13. Die antragstellenden Parteien Ã¤uÃŸern darÃ¼ber hinaus Bedenken gegen Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz.
Der Verfassungsgerichtshof geht davon aus, dass die RechtssphÃ¤re der antragstellenden Parteien â€“ vor dem Hintergrund der vorgetragenen Bedenken â€“ durch Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz beeintrÃ¤chtigt wird, weil weder Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz noch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96) einen EntschÃ¤digungsanspruch vorsehen. Da die antragstellenden Parteien neben Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (jeweils in ihrem zweiten Eventualantrag zum zweiten Hauptantrag) auch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 zulÃ¤ssigerweise angefochten haben, erweisen sich ihre AntrÃ¤ge auch im Hinblick auf Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz als zulÃ¤ssig.
1.14. Entgegen der Ansicht des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erweisen sich die EventualantrÃ¤ge auf Aufhebung (nur) des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 â€“ und nicht auch des (gesamten) Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 â€“ auch nicht als zu eng gewÃ¤hlt. Im Falle der Aufhebung des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 ginge zwar der Verweis in Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 ins Leere, es verbliebe aber kein sprachlich unverstÃ¤ndlicher Torso (vgl VfSlgÂ 19.985/2015). Im Falle der Aufhebung der (generellen) Anordnung des Betretungsverbotes in Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 durch den Verfassungsgerichtshof kÃ¤me den in Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 geregelten Ausnahmen hievon keine normative Bedeutung mehr zu.
1.15. Im Ãœbrigen ist es unerheblich, dass die antragstellenden Parteien Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 in ihrem Eventualantrag zum zweiten Hauptantrag jeweils in der Fassung BGBlÂ II 162/2020 angefochten haben, weil die Bestimmung durch diese Novelle nicht geÃ¤ndert worden ist und fÃ¼r den Verfassungsgerichthof daher unzweifelhaft ist, dass die antragstellenden Parteien die Aufhebung dieser Verordnungsbestimmung in der Fassung BGBlÂ II 151/2020 beantragen.
1.16. Da auch sonst keine Prozesshindernisse hervorgekommen sind, erweisen sich die AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, die EventualantrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 sowie die EventualantrÃ¤ge auf Aufhebung des zweiten Halbsatzes im ersten Satz sowie des dritten und vierten Satzes in Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 als zulÃ¤ssig.
2. In der Sache
2.1. Der Verfassungsgerichtshof hat sich in einem auf Antrag eingeleiteten Verfahren zur PrÃ¼fung der GesetzmÃ¤ÃŸigkeit einer Verordnung gemÃ¤ÃŸ Art139 B-VG bzw der VerfassungsmÃ¤ÃŸigkeit eines Gesetzes gemÃ¤ÃŸ Art140 B-VG auf die ErÃ¶rterung der aufgeworfenen Fragen zu beschrÃ¤nken (vgl VfSlgÂ 12.691/1991, 13.471/1993, 14.895/1997, 16.824/2003). Er hat sohin ausschlieÃŸlich zu beurteilen, ob die angefochtene Bestimmung aus den in der BegrÃ¼ndung des Antrages dargelegten GrÃ¼nden gesetzwidrig bzw verfassungswidrig ist (VfSlg 15.193/1998, 16.374/2001, 16.538/2002).
2.2. Die antragstellenden Parteien bringen zu Â§2 Abs4 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 im Wesentlichen dieselben Bedenken vor, wie sie die antragstellende Partei in dem beim Verfassungsgerichtshof zu V411/2020 protokollierten Verfahren dargelegt hat. Der Verfassungsgerichtshof kann daher auf die diesbezÃ¼glichen ErwÃ¤gungen zur Gesetzwidrigkeit der angefochtenen Bestimmungen im heutigen Erkenntnis zu dieser Zahl verweisen (siehe Punkte IV.B.5. bis IV.B.10. des heutigen Erkenntnisses zu V411/2020).
2.3. Zum behaupteten VerstoÃŸ gegen das Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG sowie Art1 1.Â ZPEMRK und behaupteten gleichheitswidrigen "Sonderopfer":
2.3.1. Die antragstellenden Parteien sind der Ansicht, Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96) verstoÃŸe gegen das Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG sowie Art1 1.Â ZPEMRK, weil diese Bestimmungen (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz) keine EntschÃ¤digung fÃ¼r das durch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bewirkte Betretungsverbot vorsÃ¤hen.
Die Ausnahme von der Anwendbarkeit des Epidemiegesetzes 1950 sei nicht geeignet, das verfolgte Ã¶ffentliche Ziel der EindÃ¤mmung der Verbreitung von COVID-19 zu erreichen. Auch nach dem Epidemiegesetz 1950 hÃ¤tten BetriebsstÃ¤tten geschlossen werden kÃ¶nnen; diesfalls hÃ¤tte jedoch Â§32 Abs1 Z5 Epidemiegesetz 1950 eine VergÃ¼tung vorgesehen, die nach dem vergleichbaren fortgeschriebenen wirtschaftlichen Einkommen zu bemessen gewesen wÃ¤re. Durch die Ausnahme der Anwendbarkeit der Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 wÃ¼rden die antragstellenden Parteien ihre AnsprÃ¼che auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 Epidemiegesetz 1950 zur GÃ¤nze verlieren. Gleichwertige alternative AnsprÃ¼che wÃ¼rden ihnen nicht gewÃ¤hrt. Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz verfolge nur den Zweck, EntschÃ¤digungsansprÃ¼che zu beschneiden.
2.3.2. Den Schutz des Art5 StGG genieÃŸt jedes vermÃ¶genswerte Privatrecht (vgl zB VfSlgÂ 8201/1977, 9887/1983, 10.322/1985 und 16.636/2002). Nach der stÃ¤ndigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes (vgl dazu VfSlg 6780/1972 und die dort angefÃ¼hrte Vorjudikatur; VfSlgÂ 12.227/1989, 15.367/1998, 15.771/2000) gilt der erste Satz des Art5 StGG auch fÃ¼r EigentumsbeschrÃ¤nkungen. Der Gesetzgeber kann aber angesichts des in Art1 1.Â ZPEMRK enthaltenen Gesetzesvorbehalts EigentumsbeschrÃ¤nkungen verfÃ¼gen, sofern er dadurch nicht den Wesensgehalt des Grundrechtes der Unversehrtheit des Eigentums berÃ¼hrt oder in anderer Weise gegen einen auch ihn bindenden Verfassungsgrundsatz verstÃ¶ÃŸt (vgl VfSlgÂ 9189/1981, 10.981/1986 und 15.577/1999), soweit die EigentumsbeschrÃ¤nkung im Ã¶ffentlichen Interesse liegt (vgl zB VfSlgÂ 9911/1983, 14.535/1996, 15.577/1999 und 17.071/2003) und nicht unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig ist (vgl etwa VfSlgÂ 13.587/1993, 14.500/1996, 14.679/1996, 15.367/1998 und 15.753/2000).
Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 untersagte unter anderem das Betreten von Kundenbereichen des Handels zum Zweck des Erwerbes von Waren. Wenngleich sich dieses Verbot dem Wortlaut nach an die Kunden von Betrieben richtete, kam diese MaÃŸnahme fÃ¼r die betroffenen Unternehmen einem weitgehenden Betriebsverbot und damit auch einem Eingriff in das verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleistete Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG und Art1 1.Â ZPEMRK gleich. Da das zivilrechtliche Eigentumsrecht jedoch unangetastet geblieben ist und keine VermÃ¶gensverschiebung stattfand, bewirkte Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 keine Enteignung im formellen Sinn (vgl VfSlg 9911/1983, 20.186/2017). Angesichts der kurzen Geltungsdauer des Betretungsverbotes kann auch nicht davon gesprochen werden, dass dieses in seinen Wirkungen einer formellen Enteignung gleichgekommen wÃ¤re (sogenannte materielle Enteignung). Es handelte sich um eine gravierende EigentumsbeschrÃ¤nkung, welche die betroffenen Unternehmen dulden mussten.
2.3.3. Der Verfassungsgerichtshof hat in diesem Verfahren nicht zu beurteilen, ob Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 den Vorgaben des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz in jeder Hinsicht entsprach, insbesondere ob das Betretungsverbot von BetriebsstÃ¤tten im Ã¶ffentlichen Interesse lag, zur Zielerreichung geeignet und verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig war. Der Verfassungsgerichtshof hat â€“ vor dem Hintergrund der in den vorliegenden AntrÃ¤gen geÃ¤uÃŸerten Bedenken â€“ somit lediglich die Frage zu beantworten, ob die durch das Betretungsverbot des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz) bewirkte EigentumsbeschrÃ¤nkung entschÃ¤digungslos vorgesehen werden konnte oder ob den davon betroffenen Unternehmen von Verfassungs wegen ein Anspruch auf EntschÃ¤digung eingerÃ¤umt werden muss.
Die Bestimmungen des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bewirkten im Ergebnis, dass keine BetriebsschlieÃŸungen nach Â§20 Epidemiegesetz 1950 angeordnet wurden, weshalb insbesondere AnsprÃ¼che auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges nach Â§32 Abs1 Z5 Epidemiegesetz 1950 ausgeschlossen sind.
2.3.4. Der Verfassungsgerichtshof hat im Zusammenhang mit EigentumsbeschrÃ¤nkungen wiederholt ausgesprochen, dass der Gesetzgeber diesfalls nicht jedenfalls verpflichtet ist, eine EntschÃ¤digung vorzusehen (zB VfSlg 2572/1953, 2680/1954; VfGH 4.10.2018, E1818/2018). Es ist dabei jedoch stets zu prÃ¼fen, ob die EigentumsbeschrÃ¤nkung im konkreten Fall dem Grundsatz der VerhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigkeit entspricht (vgl etwa VfSlgÂ 13.587/1993).
Der Verfassungsgerichtshof geht darÃ¼ber hinaus in stÃ¤ndiger Rechtsprechung davon aus, dass eine EntschÃ¤digung in jenen FÃ¤llen verfassungsrechtlich geboten sein kann, in denen einem Einzelnen oder einer Gruppe von Personen ein sachlich nicht gerechtfertigtes "Sonderopfer" auferlegt wird. Die Rechtsprechung zu entschÃ¤digungspflichtigen "Sonderopfern" betraf zunÃ¤chst Fallkonstellationen, in denen von einem einzelnen Planungsakt EigentÃ¼mer in unterschiedlicher und unsachlicher Weise betroffen waren (vgl insbesondere VfSlgÂ 13.006/1992). DarÃ¼ber hinaus kÃ¶nnen aber auch gravierende, unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸige EigentumsbeschrÃ¤nkungen in speziellen EinzelfÃ¤llen eine EntschÃ¤digungspflicht begrÃ¼nden (vgl VfSlgÂ 16.636/2002).
2.3.5. Der EuropÃ¤ische Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte geht davon aus, dass im Falle sonstiger Eingriffe in das Grundrecht auf Eigentum gemÃ¤ÃŸ Art1 1.Â ZPEMRK ein fairer Ausgleich zwischen den Anforderungen der Ã–ffentlichkeit und dem Allgemeininteresse der Gemeinschaft einerseits sowie den Anforderungen an den Grundrechtsschutz des Einzelnen andererseits vorgenommen werden muss (vgl EGMR 23.9.1983 [GK], Fall Sporrong-LÃ¶nnroth, ApplÂ 7151/75 ua, EuGRZ1983, 523). Ein solcher Ausgleich ist nicht erreicht, wenn dem Einzelnen eine individuelle und exzessive Last auferlegt wird (vgl etwa EGMR 23.4.1996, Fall Phocas, ApplÂ 17.869/91, NLÂ 1996, 84).
2.3.6. Die durch Â§1 und Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bewirkte EntschÃ¤digungslosigkeit der EigentumsbeschrÃ¤nkung stellt aus den folgenden GrÃ¼nden keinen unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigen Eingriff in das Grundrecht auf Unversehrtheit des Eigentums dar:
2.3.6.1. Die antragstellenden Parteien weisen zwar nachvollziehbar darauf hin, dass das durch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bewirkte Betretungsverbot von Kundenbereichen des Handels, von Dienstleistungsunternehmen sowie von Freizeit- und Sportbetrieben einen erheblichen Eingriff in ihre grundrechtlich geschÃ¼tzte Rechtsposition darstellt. Der Verfassungsgerichtshof verkennt dabei auch nicht, dass das Betretungsverbot fÃ¼r betroffene Unternehmen teilweise erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen nach sich gezogen hat (und nach wie vor nach sich zieht).
2.3.6.2. Im vorliegenden Fall kann dahingestellt bleiben, ob die Anordnung des zeitlich begrenzten Betretungsverbotes durch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 eine derart gravierende EigentumsbeschrÃ¤nkung darstellt, die bereits fÃ¼r sich genommen entschÃ¤digungspflichtig wÃ¤re, weil der Gesetzgeber das Betretungsverbot nicht als isolierte MaÃŸnahme erlassen hat, sondern dieses in ein umfangreiches MaÃŸnahmen- und Rettungspaket eingebettet hat, das funktionell darauf abzielt, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Betretungsverbotes auf die davon betroffenen Unternehmen bzw allgemein die Folgen der COVID-19-Pandemie abzufedern und damit eine im Wesentlichen vergleichbare Zielrichtung wie die EinrÃ¤umung von AnsprÃ¼chen auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges nach Â§32 Epidemiegesetz 1950 hat.
2.3.6.3. So hatten bzw haben betroffene Unternehmen insbesondere die MÃ¶glichkeit, Beihilfen bei Kurzarbeit gemÃ¤ÃŸ Â§37b Arbeitsmarktservicegesetz (AMSG) zu erhalten. Die Kurzarbeit wurde zunÃ¤chst befristet fÃ¼r drei Monate ab 1.Â MÃ¤rz 2020 vorgesehen, mit Wirksamkeit vom 1.Â Juni 2020 aber fÃ¼r drei weitere Monate verlÃ¤ngert. Bei der Kurzarbeit kommt es zu einer vorÃ¼bergehenden Herabsetzung der Arbeitszeit auf mindestens 10Â % und maximal 90Â % der Normalarbeitszeit. Die Arbeitnehmer erhalten weiterhin bis zu 90Â % (Lehrlinge bis zu 100Â %) ihres Nettoentgeltes, wobei dem Arbeitgeber â€“ bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen â€“ die Kosten fÃ¼r die Ausfallstunden ersetzt werden. Auf die Beihilfen bei Kurzarbeit gemÃ¤ÃŸ Â§37b AMSG besteht bei ErfÃ¼llung der Voraussetzungen ein durchsetzbarer Rechtsanspruch.
Der Gesetzgeber hat â€“ im Bereich der Privatwirtschaftsverwaltung (Art17 B-VG) â€“ weitere UnterstÃ¼tzungs- und FÃ¶rderungsmaÃŸnahmen bereitgestellt. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Bundesgesetz Ã¼ber die Errichtung eines HÃ¤rtefallfonds (HÃ¤rtefallfondsgesetz), BGBlÂ I 16/2020, idF BGBlÂ I 36/2020 zu nennen, durch das der HÃ¤rtefallfonds errichtet und gemÃ¤ÃŸ Â§1 Abs3 dieses Gesetzes mit zwei Milliarden Euro ausgestattet worden ist. DarÃ¼ber hinaus wurde der COVID-19-KrisenbewÃ¤ltigungsfonds durch das Bundesgesetz Ã¼ber die Errichtung des COVID-19-KrisenbewÃ¤ltigungsfonds, BGBlÂ I 12/2020, idF BGBlÂ I 23/2020 geschaffen. GemÃ¤ÃŸ Â§2 dieses Gesetzes ist der Fonds mit bis zu 28Â Milliarden Euro dotiert, woraus einerseits UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung, andererseits Beihilfen zur Kurzarbeit gemÃ¤ÃŸ Â§37b AMSG finanziert werden.
Eine weitere MaÃŸnahme zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Betretungsverbotes gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz iVm der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 ist der sogenannte "Fixkostenzuschuss" (vgl dazu die Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Finanzen gemÃ¤ÃŸ Â§3b Abs3 des ABBAG-Gesetzes betreffend Richtlinien Ã¼ber die Ergreifung von finanziellen MaÃŸnahmen, die zur Erhaltung der ZahlungsfÃ¤higkeit und zur ÃœberbrÃ¼ckung von LiquiditÃ¤tsschwierigkeiten von Unternehmen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Erregers SARS-CoV-2 und den dadurch verursachten wirtschaftlichen Auswirkungen geboten sind, BGBlÂ II 143/2020, idF BGBlÂ II 267/2020), der in AbhÃ¤ngigkeit von der HÃ¶he des UmsatzrÃ¼ckganges einen nicht rÃ¼ckzahlbaren Zuschuss in HÃ¶he bestimmter ProzentsÃ¤tze der fÃ¶rderfÃ¤higen Kosten an Unternehmen fÃ¼r nÃ¤her festgelegte ZeitrÃ¤ume vorsieht.
2.3.6.4. Auch neben diesen finanziellen UnterstÃ¼tzungsleistungen ist der Gesetzgeber tÃ¤tig geworden und hat etwa in Â§1155 Abs3 ABGB angeordnet, dass Arbeitnehmer, deren Dienstleistungen auf Grund von MaÃŸnahmen nach dem COVID-19-MaÃŸnahmengesetz nicht zustande kommen, verpflichtet sind, unter bestimmten Voraussetzungen auf Verlangen des Arbeitgebers in dieser Zeit Urlaubs- und Zeitguthaben zu verbrauchen. Auch die â€“ freilich bereits seit 1916 in dieser Fassung in Geltung stehende â€“ Regelung des Â§1104 ABGB, die vorsieht, dass fÃ¼r die in Bestand genommene Sache, die auf Grund einer Seuche nicht gebraucht oder benutzt werden kann, kein Miet- oder Pachtzins zu entrichten ist, ist in diesem Zusammenhang zu nennen.
2.3.6.5. Bei dieser Beurteilung kommt nicht zuletzt auch dem Umstand besondere Bedeutung zu, dass von dem Betretungsverbot (und den damit verbundenen nachteiligen Folgen) â€“ abgesehen von den in Â§2 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 vorgesehenen Ausnahmen â€“ alle Handels- und Dienstleistungsunternehmen betroffen waren. Gerade bei EigentumsbeschrÃ¤nkungen, die aus Anlass einer akut krisenhaften Situation â€“ die massive volkswirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht und (nahezu) alle Wirtschaftszweige erfasst (vgl in diesem Zusammenhang auch die sonstigen Anordnungen der COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96) â€“ zur Vermeidung einer weiteren Verbreitung der Krankheit als erforderlich erachtet wurden, kann aus dem Grundrecht auf Unversehrtheit des Eigentums â€“ in der vorliegenden Konstellation â€“ keine Verpflichtung abgeleitet werden, einen darÃ¼ber hinaus gehenden Anspruch auf EntschÃ¤digung fÃ¼r alle von dem Betretungsverbot erfassten Unternehmen vorzusehen.
2.3.7. Die von den antragstellenden Parteien behauptete Verfassungswidrigkeit im Lichte des Grundrechtes auf Eigentum gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG und Art1 1.Â ZPEMRK sowie wegen eines gegen den Gleichheitsgrundsatz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowie Art7 B-VG verstoÃŸenden "Sonderopfers" liegt somit nicht vor.
2.4. Zum behaupteten VerstoÃŸ gegen den Gleichheitsgrundsatz:
2.4.1. Die antragstellenden Parteien sind darÃ¼ber hinaus der Ansicht, dass Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz den Gleichheitsgrundsatz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG und Art7 B-VG verletze. Zu Beginn der Pandemie seien zahlreiche Betriebe auf Grundlage des Epidemiegesetzes 1950 behÃ¶rdlich geschlossen worden. Erst Ende MÃ¤rz habe der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz eine Verordnung nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz erlassen, fÃ¼r welche gemÃ¤ÃŸ Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz die EntschÃ¤digungsansprÃ¼che nach dem Epidemiegesetz 1950 ausgeschlossen wÃ¼rden. Betrieben, die nach den Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 geschlossen worden seien, stehe die volle VergÃ¼tung des Verdienstentganges zu, wÃ¤hrend die antragstellenden Parteien keinen EntschÃ¤digungsanspruch hÃ¤tten. Eine derartige Ungleichbehandlung sei sachlich nicht gerechtfertigt, weil die BetriebsschlieÃŸungen nach dem Epidemiegesetz 1950 mit den Betretungsverboten nach dem COVID-19-MaÃŸnahmengesetz gleichzusetzen seien. Die antragstellenden Parteien hÃ¤tten darauf vertrauen dÃ¼rfen, dass sie EntschÃ¤digungen nach dem Epidemiegesetz 1950 erhalten wÃ¼rden. In Â§1 Abs1 Epidemiegesetz 1950 seien unter anderem MERS-CoV und SARS genannt; es sei nicht ersichtlich, warum COVID-19 im Hinblick auf eine EntschÃ¤digung anders zu behandeln sei.
2.4.2. Der Verfassungsgerichtshof teilt die von den antragstellenden Parteien im Hinblick auf den Gleichheitsgrundsatz geÃ¤uÃŸerten Bedenken nicht:
2.4.2.1. Der Gleichheitsgrundsatz bindet auch den Gesetzgeber (sÂ etwa VfSlg 13.327/1993, 16.407/2001). Er setzt ihm insofern inhaltliche Schranken, als er verbietet, sachlich nicht begrÃ¼ndbare Regelungen zu treffen (vglÂ zB VfSlg 14.039/1995, 16.407/2001). Innerhalb dieser Schranken ist es dem Gesetzgeber jedoch von Verfassungs wegen durch den Gleichheitsgrundsatz nicht verwehrt, seine politischen Zielvorstellungen auf die ihm geeignet erscheinende Art zu verfolgen (sÂ etwa VfSlgÂ 16.176/2001, 16.504/2002). Ob eine Regelung zweckmÃ¤ÃŸig ist und das Ergebnis in allen FÃ¤llen als befriedigend empfunden wird, kann nicht mit dem MaÃŸ des Gleichheitsgrundsatzes gemessen werden (zB VfSlg 14.301/1995, 15.980/2000 und 16.814/2003).
2.4.2.2. Vor Inkrafttreten des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes bestand (bereits) gemÃ¤ÃŸ Â§20 Epidemiegesetz 1950 die MÃ¶glichkeit, die BetriebsbeschrÃ¤nkung bzw SchlieÃŸung gewerblicher Unternehmungen beim Auftreten anzeigepflichtiger Krankheiten durch Verordnung anzuordnen. GemÃ¤ÃŸ Â§32 Abs1 Z5 Epidemiegesetz 1950 ist natÃ¼rlichen und juristischen Personen sowie Personengesellschaften des Handelsrechtes, wenn und soweit sie ein Unternehmen betreiben, das gemÃ¤ÃŸ Â§20 Epidemiegesetz 1950 in seinem Betrieb beschrÃ¤nkt oder gesperrt worden ist, wegen der durch die Behinderung ihres Erwerbes entstandenen VermÃ¶gensnachteile eine VergÃ¼tung zu leisten.
Mit dem COVID-19-MaÃŸnahmengesetz schuf der Gesetzgeber eine Grundlage zur Anordnung von MaÃŸnahmen durch Verordnung zur BekÃ¤mpfung von COVID-19 (Â§Â§1 und 2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz). Ein EntschÃ¤digungsanspruch fÃ¼r Betroffene einer entsprechenden MaÃŸnahme ist im COVID-19-MaÃŸnahmengesetz nicht vorgesehen.
Aus den Materialien zur Stammfassung des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes geht hervor, dass der Gesetzgeber das rechtspolitische Anliegen verfolgt hat, effektive MaÃŸnahmen zur BekÃ¤mpfung der "Corona-Krise" zu setzen (ErlÃ¤ut zum IA 396/A 27.Â GP, 11). Nach Ansicht des Gesetzgebers seien die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 nicht ausreichend bzw "zu kleinteilig", um eine weitere Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern.
Im Hinblick auf Betretungsverbote von BetriebsstÃ¤tten, die wegen COVID-19 auf Grundlage des Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz angeordnet werden, kommt eine VergÃ¼tung des dadurch entstandenen Verdienstentganges nach Â§32 Epidemiegesetz 1950 nicht in Betracht. Der Gesetzgeber schloss die Geltung der Regelungen des Epidemiegesetzes 1950 Ã¼ber die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten betreffend MaÃŸnahmen nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz aus. Mit der Schaffung des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes verfolgte der Gesetzgeber offenkundig (auch) das Anliegen, EntschÃ¤digungsansprÃ¼che im Fall einer SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten nach dem Epidemiegesetz 1950, konkret nach Â§20 iVm Â§32 Epidemiegesetz 1950, auszuschlieÃŸen.
2.4.2.3. Unter Punkt 2.3.6. wurde bereits ausgefÃ¼hrt, dass der Gesetzgeber das Betretungsverbot gemÃ¤ÃŸ Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 nicht bloÃŸ als isolierte MaÃŸnahme erlassen hat, sondern dieses in ein umfangreiches MaÃŸnahmenpaket eingebettet hat.
Der Verfassungsgerichtshof geht davon aus, dass dem Gesetzgeber in der Frage der BekÃ¤mpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie ein weiter rechtspolitischer Gestaltungsspielraum zukommt. Wenn sich der Gesetzgeber daher dazu entscheidet, das bestehende Regime des Â§20 iVm Â§32 Epidemiegesetz 1950 auf Betretungsverbote nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 nicht zur Anwendung zu bringen, sondern stattdessen ein alternatives MaÃŸnahmen- und Rettungspaket zu erlassen (vgl Punkt 2.3.6. oben), so ist ihm aus der Perspektive des Gleichheitsgrundsatzes gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowie Art7 B-VG nicht entgegenzutreten.
In diesem Zusammenhang ist insbesondere zu berÃ¼cksichtigen, dass die vom Gesetzgeber vorgesehenen Leistungen zwar (teilweise) im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung (Art17 B-VG) erbracht werden. Aus der Fiskalgeltung der Grundrechte (vgl etwa OGH 23.12.2014, 1Â ObÂ 218/14m; 23.5.2018, 3Â ObÂ 83/18d) folgt aber, dass Betroffene einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch darauf haben, dass ihnen solche FÃ¶rderungen in gleichheitskonformer Weise und nach sachlichen Kriterien ebenso wie anderen FÃ¶rderungswerbern gewÃ¤hrt werden.
2.4.2.4. Eine unsachliche Differenzierung liegt auch deshalb nicht vor, weil das Betretungsverbot alle in Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bezeichneten BetriebsstÃ¤tten gleichermaÃŸen betrifft. Der Umstand, dass auf Grundlage des Â§20 Epidemiegesetz 1950 wegen COVID-19 geschlossene Betriebe vor Inkrafttreten des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes allenfalls einen Anspruch auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 Epidemiegesetz 1950 hatten, vermag eine unsachliche Differenzierung nicht aufzuzeigen.
2.4.2.5. Anders als die antragstellenden Parteien meinen, liegt eine unsachliche Differenzierung auch nicht darin begrÃ¼ndet, dass bei anzeigepflichtigen Krankheiten (wie etwa MERS-CoV und SARS) iSd Â§1 Epidemiegesetz 1950 im Unterschied zu Betretungsverboten wegen COVID-19 ein Anspruch auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 Epidemiegesetz 1950 vorgesehen ist. Eine gleichheitswidrige Ungleichbehandlung liegt â€“ abseits der unter PunktÂ 2.4.2.3. dargelegten ErwÃ¤gungen â€“ auch deshalb nicht vor, weil die MaÃŸnahme der BetriebsschlieÃŸung nach Â§20 Epidemiegesetz 1950 den MaÃŸnahmen wegen der COVID-19-Pandemie nicht ohne weiteres gleichzuhalten ist:
Â§20 und Â§32 Epidemiegesetz 1950 berÃ¼cksichtigen nach Auffassung des Verfassungsgerichtshofes nicht die Notwendigkeit einer groÃŸflÃ¤chigen SchlieÃŸung aller â€“ oder zumindest einer Vielzahl von â€“ Kundenbereiche(n) von Unternehmen infolge einer Pandemie. Der Gesetzgeber des Epidemiegesetzes 1950 ging vielmehr davon aus, dass â€“ im Rahmen einer lokal begrenzten Epidemie â€“ einzelne BetriebsstÃ¤tten, von denen eine besondere Gefahr ausgeht (so ausdrÃ¼cklich Â§20 Abs1 Epidemiegesetz 1950), geschlossen werden mÃ¼ssen, um ein Ãœbergreifen der Krankheit auf andere Landesteile zu verhindern. Der Nachteil, der diesen (vereinzelten) Betrieben durch eine BetriebsschlieÃŸung entsteht, soll durch einen Anspruch auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 Epidemiegesetz 1950 ausgeglichen werden. Eine groÃŸflÃ¤chige SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten hatte der Gesetzgeber des Epidemiegesetzes 1950 demgegenÃ¼ber nicht vor Augen (vgl ErlÃ¤utRV 22 BlgHH 21.Â Session, 26 zur â€“ insoweit vergleichbaren â€“VorgÃ¤ngerbestimmung des Â§20 des Gesetzes vom 14.Â April 1913 betreffend die VerhÃ¼tung und BekÃ¤mpfung Ã¼bertragbarer Krankheiten). Auch dieses Vorbringen vermag daher eine unsachliche Differenzierung nicht aufzuzeigen.
2.4.2.6. Der von den antragstellenden Parteien behauptete VerstoÃŸ gegen den Gleichheitsgrundsatz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowie Art7 B-VG liegt somit nicht vor.
2.4.3. Soweit die antragstellenden Parteien der Sache nach einen VerstoÃŸ gegen den verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz behaupten, ist auch diesem Vorbringen nicht zu folgen:
2.4.3.1. Der Verfassungsgerichtshof hat in stÃ¤ndiger Rechtsprechung die Auffassung vertreten, dass das bloÃŸe Vertrauen auf den unverÃ¤nderten Fortbestand der gegebenen Rechtslage als solches keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz genieÃŸt (anstatt vieler VfSlgÂ 13.657/1993; 16.687/2002 mwN; 19.933/2014). Es bleibt vielmehr dem Gesetzgeber auf Grund des ihm zukommenden rechtspolitischen Gestaltungsspielraumes grundsÃ¤tzlich unbenommen, die Rechtslage auch zu Lasten des Betroffenen zu verÃ¤ndern (zB VfSlgÂ 18.010/2006 mwN; 16.754/2002 mwN).
2.4.3.2. Unter besonderen UmstÃ¤nden setzt der Vertrauensschutz dem Gesetzgeber verfassungsrechtliche Grenzen, so insbesondere wenn dem Betroffenen zur Vermeidung unsachlicher Ergebnisse die Gelegenheit gegeben werden muss, sich rechtzeitig auf die neue Rechtslage einzustellen. Vertrauensschutz begrÃ¼ndende UmstÃ¤nde kÃ¶nnen nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes darin liegen, dass rÃ¼ckwirkend an in der Vergangenheit liegende Sachverhalte geÃ¤nderte (fÃ¼r die Rechtsunterworfenen nachteilige) Rechtsfolgen geknÃ¼pft werden (vgl VfSlgÂ 13.020/1992, 16.850/2003) oder dass der Gesetzgeber in RechtsansprÃ¼che, auf die sich Rechtsunterworfene nach ihrer Zweckbestimmung rechtens einstellen durften (wie auf Pensionsleistungen bestimmter HÃ¶he), plÃ¶tzlich und intensiv nachteilig eingreift (vgl VfSlg 11.288/1987, 16.764/2002, 17.254/2004). Davon abgesehen kann die EnttÃ¤uschung des Vertrauens der Rechtsunterworfenen auf den Fortbestand der Rechtsordnung unter UmstÃ¤nden dann sachlich nicht gerechtfertigt sein, wenn der Gesetzgeber eine bestimmte Verhaltenssteuerung zunÃ¤chst veranlasst hat und dieses Verhalten im Vertrauen auf die Rechtslage durch eine spÃ¤tere RechtsÃ¤nderung frustriert bzw seiner Wirkung beraubt wurde (vgl VfSlg 12.944/1991, 13.655/1993, 16.452/2002).
2.4.3.3. Eine solche dem verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz widersprechende Konstellation liegt den angefochtenen Bestimmungen nicht zugrunde:
Die behauptete nachtrÃ¤gliche BeeintrÃ¤chtigung einer vom verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz umfassten Vertrauensposition liegt bereits deshalb nicht vor, weil es sich bei der in Â§32 Epidemiegesetz 1950 vorgesehenen VergÃ¼tung fÃ¼r den Verdienstentgang um keine rechtliche Anwartschaft (sogenanntes "wohlerworbenes Recht") handelt; einem allfÃ¤lligen Anspruch auf VergÃ¼tung des Verdienstentganges gemÃ¤ÃŸ Â§32 Epidemiegesetz 1950 steht keine Beitragszahlung oder sonstige Leistung des Berechtigten gegenÃ¼ber (vgl Holoubek, Art7 B-VG, in: Korinek/Holoubek et al [Hrsg.], Ã–sterreichisches Bundesverfassungsrecht, 14.Â Lfg., 2018, RzÂ 395).
Auch das in Â§4 Abs1a COVID-19-MaÃŸnahmengesetz vorgesehene rÃ¼ckwirkende Inkrafttreten des Â§4 Abs2 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBlÂ IÂ 16/2020 mit 16.Â MÃ¤rz 2020 begegnet aus Sicht des verfassungsrechtlichen Vertrauensschutzes keinen Bedenken: Der Ausschluss der Anwendbarkeit der Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten war bereits in der â€“ am 16.Â MÃ¤rz 2020 in Kraft getretenen â€“ Stammfassung des Â§4 Abs2 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz, BGBlÂ I 12/2020, enthalten. Mit der Novellierung BGBlÂ IÂ 16/2020 wurde die Bestimmung lediglich insofern prÃ¤zisiert, als die Bestimmungen des Epidemiegesetzes 1950 betreffend die SchlieÃŸung von BetriebsstÃ¤tten "im Rahmen des Anwendungsbereiches dieser Verordnung" nach Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz nicht gelten. Eine rÃ¼ckwirkende BeeintrÃ¤chtigung einer Vertrauensposition ist darin nicht zu erblicken.
Im Ãœbrigen haben die antragstellenden Parteien auch kein Vorbringen erstattet, dass vor dem COVID-19-MaÃŸnahmengesetz eine Rechtslage bestand, bei der bestimmte Dispositionen â€“ etwa "betrÃ¤chtliche Investitionen" (vgl VfSlg 12.944/1991) oder sonstige (nunmehr frustrierte) Verhaltensweisen (vgl VfSlg 13.655/1993 betreffend die Bildung von RÃ¼cklagen oder VfSlgÂ 15.739/2000 betreffend den vorbereitenden Anteilserwerb) â€“ von Betreibern gewerblicher Unternehmungen iSd Â§20 Epidemiegesetz 1950 durch den Gesetzgeber geradezu angeregt und gefÃ¶rdert worden seien, die sich durch das Inkrafttreten des COVID-19-MaÃŸnahmengesetzes als nachteilig erwiesen hÃ¤tten.
2.5. Vor dem Hintergrund der von den antragstellenden Parteien geltend gemachten Bedenken hinsichtlich der EntschÃ¤digungslosigkeit des durch Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmenverordnung-96 bewirkten Betretungsverbotes sieht sich der Verfassungsgerichtshof nicht zu einer amtswegigen PrÃ¼fung der die angefochtene Verordnung tragenden Rechtsgrundlagen veranlasst.
IV. Ergebnis
1. Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 ist durch Â§13 Abs2 Z1 COVID-19-Lockerungsverordnung, BGBlÂ II 197/2020, mit Ablauf des 30.Â April 2020 auÃŸer Kraft getreten. Der Verfassungsgerichtshof hat sich daher gemÃ¤ÃŸ Art139 Abs4 B-VG auf die Feststellung zu beschrÃ¤nken, dass die Wortfolge ",Â wenn der Kundenbereich im Inneren maximal 400 m2 betrÃ¤gt" sowie der vierte Satz â€“ "VerÃ¤nderungen der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs, die nach dem 7.Â April 2020 vorgenommen wurden, haben bei der Ermittlung der GrÃ¶ÃŸe des Kundenbereichs auÃŸer Betracht zu bleiben." â€“ in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 gesetzwidrig waren.
2. Da mit der Feststellung, dass die unter PunktÂ 1. genannte Wortfolge sowie der vierte Satz in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 gesetzwidrig waren, den Anbringen der antragstellenden Parteien Rechnung getragen ist, kann sich der Verfassungsgerichtshof auf diesen Ausspruch beschrÃ¤nken. Die AntrÃ¤ge auf Feststellung, dass der dritte Satz der genannten Bestimmung gesetzwidrig war, sind daher abzuweisen.
3. Der Ausspruch, dass die unter Punkt 1. genannte Wortfolge sowie der vierte Satz in Â§2 Abs4 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 nicht mehr anzuwenden sind, stÃ¼tzt sich auf Art139 Abs6 zweiter Satz B-VG.
4. Der Ausspruch, dass der Bundesminister fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz zur unverzÃ¼glichen Kundmachung der Gesetzwidrigkeit und des damit in Zusammenhang stehenden Ausspruches verpflichtet ist, kann hier entfallen, weil diese Verpflichtung bereits im heutigen Erkenntnis zu V411/2020 enthalten ist.
5. Die Bedenken der antragstellenden Parteien, dass Â§1 der Verordnung des Bundesministers fÃ¼r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ IIÂ 96/2020, idF BGBlÂ IIÂ 151/2020 gegen das verfassungsgesetzlich gewÃ¤hrleistete Recht auf Unversehrtheit des Eigentums gemÃ¤ÃŸ Art5 StGG und Art1 1.Â ZPEMRK sowie auf Gleichheit aller StaatsbÃ¼rger vor dem Gesetz gemÃ¤ÃŸ Art2 StGG sowie Art7 B-VG verstoÃŸe, weil die Bestimmung (iVm Â§1 COVID-19-MaÃŸnahmengesetz) keine EntschÃ¤digung vorsehe, sind nicht begrÃ¼ndet. Die AntrÃ¤ge auf Feststellung, dass diese Bestimmung gesetzwidrig war, sind daher abzuweisen.
6. Aus demselben Grund sind die AntrÃ¤ge auf Aufhebung des Â§4 Abs2 des Bundesgesetzes betreffend vorlÃ¤ufige MaÃŸnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19, BGBlÂ I 12/2020, idF BGBlÂ I 16/2020 wegen Verfassungswidrigkeit abzuweisen.
7. Im Ãœbrigen werden die AntrÃ¤ge zurÃ¼ckgewiesen.
8. Diese Entscheidung konnte gemÃ¤ÃŸ Â§19 Abs4 VfGG ohne mÃ¼ndliche Verhandlung in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung getroffen werden.
9. Die Kostenentscheidung stÃ¼tzt sich auf Â§61a VfGG. Da die antragstellenden Parteien durch dieselbe Rechtsanwaltsgesellschaft vertreten sind und nur zu einem Teil ihres Antrages erfolgreich waren, ist ihnen der Pauschalsatz nur in halber HÃ¶he (vgl jÃ¼ngst VfGH 13.12.2019, G211/2019 ua), erhÃ¶ht um einen 15-prozentigen Streitgenossenzuschlag, zuzusprechen (vglÂ VfSlgÂ 17.819/2006, 19.767/2013). In den zugesprochen Kosten ist Umsatzsteuer iHv â‚¬Â 250,70 und eine EingabengebÃ¼hr iHv â‚¬Â 240,â€“ enthalten.