Document Number: JJT_20200325_OGH0002_0110OS00166_19Z0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0110OS00166.19Z.0325.000
Case Number: 11Os166/19z
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1585094400000
Word Count: 1874

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 25.Â MÃ¤rzÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Schwab als Vorsitzenden sowie die VizeprÃ¤sidentin des Obersten Gerichtshofs Mag,Â Marek, die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Bachner-Foregger und Mag.Â FÃ¼rnkranz und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl als weitere Richter in der Strafsache gegen Roman B***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betruges nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 zweiter Fall StGB sowie weiterer strafbarer Handlungen Ã¼ber die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Roman B***** und Willem B***** sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Krems an der Donau als SchÃ¶ffengericht vom 12.Â MÃ¤rzÂ 2019, GZÂ 24Â HvÂ 8/17i-241, nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur gemÃ¤ÃŸ Â§Â 62 AbsÂ 1 zweiter Satz OGH-GeoÂ 2019 zu Recht erkannt:
Spruch
Teils in Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerden, teils aus deren Anlass wird das angefochtene Urteil, das sonst unberÃ¼hrt bleibt, in den SchuldsprÃ¼chen, demzufolge auch in den AussprÃ¼chen Ã¼ber die Strafe sowie des Verfalls aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Krems an der Donau verwiesen.
Mit ihren Nichtigkeitsbeschwerden im Ãœbrigen werden die Angeklagten ebenso wie diese und die Staatsanwaltschaft mit ihren Berufungen auf die Aufhebung verwiesen.
Text
GrÃ¼nde:
Mit dem â€“ auch unbekÃ¤mpft gebliebene FreisprÃ¼che enthaltenden â€“ angefochtenen Urteil wurden Roman B***** des Verbrechens des gewerbsmÃ¤ÃŸigen schweren Betruges nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2, 148 zweiter Fall StGB (I), sowie mehrerer Vergehen der mittelbaren unrichtigen Beurkundung nach Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB (IV und V), Willem B***** jeweils eines Vergehens des schweren Betruges nach Â§Â§Â 146, 147 AbsÂ 2 StGB (II) und der falschen Beweisaussage nach Â§Â 288 AbsÂ 1 StGB (III) sowie mehrerer Vergehen der mittelbaren unrichtigen Beurkundung nach Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB (IV) schuldig erkannt.
Danach haben
von 2000 bis zum AugustÂ 2015 in A*****, W*****, E***** und andernorts in mehreren Angriffen mit auf unrechtmÃ¤ÃŸige Bereicherung gerichtetem Vorsatz folgende Personen durch TÃ¤uschung Ã¼ber anspruchsbegrÃ¼ndende Tatsachen zu Handlungen, nÃ¤mlich zur GewÃ¤hrung von Pflegegeld fÃ¼r Roman B*****, verleitet, nÃ¤mlich
(I)Â Roman B***** gewerbsmÃ¤ÃŸig (Â§Â 70 AbsÂ 1 ZÂ 1 [â€žab AÂ 3 auchâ€œ ZÂ 3 erster Fall] StGB), indem er psychische und physische Leiden simulierte, wodurch die Pensionsversicherungsanstalt ***** (P*****) in einem (somit 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden) Betrag von zusammen 103.728Â Euro am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde, und zwar
(A)Â VerfÃ¼gungsberechtigte der P*****
(1)Â mit Antrag vom 15.Â JuniÂ 2000 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 11.Â SeptemberÂ 2000 in HÃ¶he der StufeÂ 1 bis zum 30.Â SeptemberÂ 2002;
(2)Â mit Antrag vom 12.Â OktoberÂ 2001 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 20.Â NovemberÂ 2001 (weiterhin) in HÃ¶he der StufeÂ 1;
(3)Â mit Antrag vom 30.Â OktoberÂ 2003 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 21.Â AprilÂ 2004 in HÃ¶he der StufeÂ 2 ab 1.Â NovemberÂ 2003;
(4)Â mit Antrag vom 29.Â NovemberÂ 2005 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 21.Â DezemberÂ 2005 in HÃ¶he der StufeÂ 2;
(5)Â mit Antrag vom 14.Â FebruarÂ 2007 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 25.Â AprilÂ 2007 in HÃ¶he der StufeÂ 3 ab 1.Â MÃ¤rzÂ 2007;
(6)Â mit Antrag vom 26.Â JuniÂ 2008 und bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 25.Â AugustÂ 2008 in HÃ¶he der StufeÂ 4 ab 1.Â JuliÂ 2008;
(7)Â bei seiner Ã¤rztlichen Nachuntersuchung am 17.Â JÃ¤nnerÂ 2011 in HÃ¶he der StufeÂ 2 ab 1.Â OktoberÂ 2011;
(8)Â bei seiner Ã¤rztlichen Nachuntersuchung am 17.Â JÃ¤nnerÂ 2014 in HÃ¶he der StufeÂ 5;
(B)Â Richter in Arbeits- und Sozialrechtssachen mit Klage gegen die P*****
(1)Â vom 5.Â JÃ¤nnerÂ 2009 (gegen eine bescheidmÃ¤ÃŸige GewÃ¤hrung in HÃ¶he der StufeÂ 4) sowie bei Ã¤rztlichen Untersuchungen am 27.Â AprilÂ 2009 und am 28.Â AugustÂ 2009 in HÃ¶he der StufeÂ 6 ab 1.Â JuliÂ 2008;
(2)Â vom 4.Â OktoberÂ 2011 (gegen eine bescheidmÃ¤ÃŸige Herabsetzung auf StufeÂ 2) sowie bei seiner Ã¤rztlichen Untersuchung am 14.Â JÃ¤nnerÂ 2012 in HÃ¶he der StufeÂ 5 ab 1.Â OktoberÂ 2011;
(II)Â Willem B***** im einverstÃ¤ndlichen Zusammenwirken mit Roman B*****, indem er tatsachenwidrige Behauptungen Ã¼ber dessen (angebliche) PflegebedÃ¼rftigkeit aufstellte, wodurch die P***** in einem (somit 5.000Â Euro Ã¼bersteigenden) Betrag von zusammen 91.873Â Euro am VermÃ¶gen geschÃ¤digt wurde, und zwar
(A)Â bei der Ã¤rztlichen Untersuchung am 25.Â AprilÂ 2007 (IÂ AÂ 5);
(B)Â bei der Ã¤rztlichen Nachuntersuchung am 17.Â JÃ¤nnerÂ 2011 (IÂ AÂ 7);
(C)Â bei der Ã¤rztlichen Nachuntersuchung am 17.Â JÃ¤nnerÂ 2014 (IÂ AÂ 8);
(D)Â bei der Ã¤rztlichen Untersuchung am 27.Â AprilÂ 2009 (IÂ BÂ 1);
(E)Â bei der Ã¤rztlichen Untersuchung am 14.Â JÃ¤nnerÂ 2012 (IÂ BÂ 2) und durch das vom SchuldspruchÂ III umfasste Verhalten;
(III)Â Willem B***** am 2.Â MaiÂ 2012 vor dem Landesgericht K***** in der Sozialrechtssache des KlÃ¤gers Roman B***** gegen die beklagte Partei P*****, AZÂ *****, als Zeuge bei seiner fÃ¶rmlichen Vernehmung zur Sache falsch ausgesagt, indem er wahrheitswidrig angab, der Zustand des Roman B***** habe sich seit 2009 in mehrfacher Hinsicht verschlechtert, dieser kÃ¶nne sich nur noch mittels Rollstuhl fortbewegen und habe Panikattacken, benÃ¶tige Windeln, mÃ¼sse gewaschen sowie bekocht, an- und ausgezogen werden; weiters
bewirkt, dass gutglÃ¤ubig eine Tatsache, nÃ¤mlich ein â€žden Zuspruch von Pflegegeld tragender Pflegebedarf bei Roman B*****â€œ in inlÃ¤ndischen Ã¶ffentlichen Urkunden unrichtig beurkundet wurde, wobei sie mit dem Vorsatz handelten, dass die Urkunden im Rechtsverkehr zum Beweis der Tatsache gebraucht werden, und zwar
(IV)Â Roman B***** und Willem B***** im einverstÃ¤ndlichen Zusammenwirken (Â§Â 12 erster Fall StGB)
(a)Â in den Bescheiden der P***** vom 16.Â MaiÂ 2007 und vom 3.Â AugustÂ 2011 durch die von den SchuldsprÃ¼chen IÂ AÂ 5 und IÂ AÂ 7 (des Roman B*****) sowie IIÂ A und IIÂ B (des Willem B*****) umfassten Taten;
(b)Â in den Urteilen des *****gerichts Wien vom 6.Â OktoberÂ 2009, AZÂ *****, und des Landesgerichts K***** vom 12.Â JuliÂ 2012, AZÂ *****, durch die von den SchuldsprÃ¼chen IÂ BÂ 1 und IÂ BÂ 2 (des Roman B*****) sowie IIÂ D und IIÂ E (des Willem B*****) umfassten Taten;
(V)Â Roman B***** in den Bescheiden der P***** vom 17.Â OktoberÂ 2000, vom 22.Â MÃ¤rzÂ 2002, vom 13.Â MaiÂ 2004, vom 23.Â JÃ¤nnerÂ 2006 und vom 7.Â AugustÂ 2008 durch die von den SchuldsprÃ¼chen IÂ AÂ 1 bis 4 und 6 umfassten Taten.
Rechtliche Beurteilung
Dagegen wenden sich die auf Â§Â 281 AbsÂ 1 ZÂ 3, 4, 5, â€ž9â€œ und 10 StPO gestÃ¼tzten (gemeinsam ausgefÃ¼hrten) Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Roman B***** und Willem B*****.
Zutreffend zeigen die RechtsrÃ¼gen auf, dass die Subsumtion (Â§Â 260 AbsÂ 1 ZÂ 2 StPO) der von den SchuldsprÃ¼chen IV und V umfassten Taten nach Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB rechtlich verfehlt ist (2.). Im Ãœbrigen (1. und 3.) geben die Nichtigkeitsbeschwerden Anlass zu amtswegiger Wahrnehmung nicht geltend gemachter, indes zum Nachteil der Angeklagten wirkender materieller Nichtigkeit des angefochtenen Urteils (Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO).
1.Â Zum Betrug (SchuldsprÃ¼che I und II):
Vorangestellt sei, dass den SchuldsprÃ¼chenÂ I und II nach den Tatsachenfeststellungen des Erstgerichts jeweils (nicht eine das gesamte Geschehen umfassende tatbestandliche Handlungseinheit, sondern) eine Mehrzahl von Einzeltaten zugrunde liegt. Diese umfassen jeweils alle TÃ¤uschungshandlungen, die der betreffende Angeklagte (mittelbar oder unmittelbar) gegenÃ¼ber dem jeweiligen EntscheidungstrÃ¤ger (der Pensionsversicherungsanstalt oder des Gerichts) gesetzt hat, der in einem bestimmten Verfahren darÃ¼ber zu befinden hatte, ob (und bejahendenfalls in HÃ¶he welcher Stufe) Roman B***** Pflegegeld nach dem BPGG gebÃ¼hrt. Bei Roman B***** waren dies Antrags- oder Klagsbehauptungen sowie sein â€“ PflegebedÃ¼rftigkeit simulierendes â€“ Verhalten im Rahmen seiner diesbezÃ¼glichen Ã¤rztlichen Untersuchungen (Begutachtungen), bei Willem B***** Angaben zur (angeblichen) PflegebedÃ¼rftigkeit des Untersuchten gegenÃ¼ber den betreffenden Ã„rzten (vgl Â§Â 25a AbsÂ 1 BPGG), zu IIÂ E auch eine (inhaltsgleiche) Zeugenaussage vor Gericht.
1.1.Â Zur Qualifikation nach Â§Â 148 zweiter Fall StGB (SchuldspruchÂ I):
Â§Â 148 StGB verlangt (ua) die Absicht (Â§Â 5 AbsÂ 2 StGB) des TÃ¤ters, sich durch die wiederkehrende Begehung gleichartiger (im vom Erstgericht als verwirklicht erachteten zweiten Fall dieser Bestimmung: je fÃ¼r sich als schwerer Betrug iSd Â§Â 147 AbsÂ 1 oder AbsÂ 2 StGB zu beurteilender) Taten lÃ¤ngere Zeit hindurch ein nicht bloÃŸ geringfÃ¼giges fortlaufendes Einkommen zu verschaffen (Â§Â 70 AbsÂ 1 StGB; Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 148 RzÂ 6). Nach den Feststellungen im Ersturteil war die Absicht des Angeklagten Roman B***** auf die Erzielung einer fortlaufenden Einnahme fÃ¼r sich selbst (bloÃŸ) durch die â€žmonatliche Auszahlungâ€œ â€žihm nicht zustehender Pflegegelderâ€œ â€“ maW durch wiederkehrende Leistungen, zu deren GewÃ¤hrung er die GetÃ¤uschten durch (jeweils) eine Tat verleitet hatte â€“ gerichtet (USÂ 27Â f). Die Feststellungsbasis im Ersturteil trÃ¤gt die rechtliche Annahme der Qualifikation nach Â§Â 148 (erster oder) zweiter Fall StGB schon aus diesem Grund nicht (ZÂ 10 â€“ vgl 13Â OsÂ 65/19m; Jerabek/Ropper in WK2 StGB Â§Â 70 RzÂ 9).
1.2.Â Zur Qualifikation nach Â§Â 147 AbsÂ 2 StGB (SchuldsprÃ¼cheÂ I und II):
Das SchÃ¶ffengericht hat zwar â€“ entgegen den EinwÃ¤nden der BeschwerdefÃ¼hrer â€“ durch deutlichen Verweis auf das Referat der entscheidenden Tatsachen im Urteilsspruch (USÂ 26 iVm USÂ 2 und USÂ 4; zur ZulÃ¤ssigkeit dieser Vorgangsweise Danek, WK-StPO Â§Â 270 RzÂ 32) Feststellungen zur HÃ¶he des Schadens getroffen, den die Angeklagten durch ihre Taten laut SchuldsprÃ¼chenÂ I und II jeweils insgesamt herbeigefÃ¼hrt haben. Allerdings hat es die Frage, ob die â€“ nach dem Urteilssachverhalt jedenfalls zusammengerechnet (Â§Â 29 StGB) jeweils 5.000Â Euro Ã¼bersteigende â€“ HÃ¶he der SchadensbetrÃ¤ge (insgesamt oder bezogen auf die einzelne Tat) vom Vorsatz des jeweiligen Angeklagten umfasst war, nicht durch Feststellungen geklÃ¤rt (zu diesem Erfordernis Kirchbacher/Sadoghi in WK2 StGB Â§Â 147 RzÂ 2, 59Â f; RIS-Justiz RS0132778). Solcherart fehlt im angefochtenen Urteil auch der vom Erstgericht (jeweils) angenommenen Qualifikation nach Â§Â 147 AbsÂ 2 StGB die Tatsachenbasis (ZÂ 10).
1.3.Â Zum Grundtatbestand nach Â§Â 146 StGB (SchuldsprÃ¼cheÂ I und II):
Strafbarkeitsvoraussetzungen wie das Nichtvorliegen der VerjÃ¤hrung sind bei (wie hier) Tatmehrheit fÃ¼r jede Tat gesondert zu prÃ¼fen, woran auch die allfÃ¤llige Anwendung des Zusammenrechnungsgrundsatzes nach Â§Â 29 StGB nichts Ã¤ndert (RIS-Justiz RS0132829).
Nach dem oben Gesagten entfallen vorliegend â€“ auf Basis des derzeitigen (s o 1.1. und 1.2.) Urteilssachverhalts â€“ in Bezug auf jede einzelne Tat nach Â§Â 146 StGB sÃ¤mtliche Qualifikationen. Bei der (verbleibenden) Strafdrohung von bis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (Â§Â 146 StGB) betrÃ¤gt die VerjÃ¤hrungsfrist nach Â§Â 57 AbsÂ 3 StGB jeweils ein Jahr. Angesichts der festgestellten Zeitpunkte der letzten Tat (vgl Â§Â 57 AbsÂ 2 StGB; USÂ 23 [IÂ AÂ 8 und IIÂ C]: 17.Â JÃ¤nnerÂ 2014) und des letzten Schadenseintritts (vgl Â§Â 58 AbsÂ 1 StGB; USÂ 26 iVm USÂ 2: AugustÂ 2015) bleibt somit â€“ mangels im Ersturteil getroffener Feststellungen zu sonstigen verjÃ¤hrungshemmenden UmstÃ¤nden (Â§Â 58 StGB; vgl RIS-Justiz RS0122332 [T1], RS0118545, RS0091794 [T4]) â€“ insgesamt offen, ob diese Taten zum Zeitpunkt der UrteilsfÃ¤llung in erster Instanz bereits verjÃ¤hrt waren (ZÂ 9 litÂ b).
2.Â Zur mittelbaren unrichtigen Beurkundung nach Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB (SchuldsprÃ¼che IV und V):
Daran Ã¤ndert nichts, dass das Erstgericht einzelne der von den SchuldsprÃ¼chenÂ I und II umfassten Taten darÃ¼ber hinaus â€“ ideal konkurrierend (vgl RIS-Justiz RS0113960 [insbesondere T2]) â€“ jeweils einem (mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bedrohten â€“ VerjÃ¤hrungsfrist nach Â§Â 57 AbsÂ 3 StGB daher: drei Jahre) Vergehen der mittelbaren unrichtigen Beurkundung nach Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB subsumierte. Dies bereits deshalb, weil â€“ worauf die Beschwerden (nominell ZÂ 9, der Sache nach ZÂ 10) zutreffend hinweisen â€“ das insoweit festgestellte Verhalten den in Rede stehenden Tatbestand von vornherein nicht erfÃ¼llt:
Nach dem diesbezÃ¼glichen Urteilssachverhalt erwirkten die Angeklagten durch TÃ¤uschung von Beamten der Pensionsversicherungsanstalt und von Richtern des *****gerichts Wien, dass diese in Bescheiden und Urteilen inhaltlich unrichtige Tatsachenfeststellungen zum Gesundheitszustand des Roman B***** trafen (USÂ 11Â ff, 28). Der errichtungsbezogene Wahrheitsschutz der (jeweiligen) Ã¶ffentlichen Urkunde â€“ den Â§Â 228 AbsÂ 1 StGB allein im Blick hat â€“ ist davon (gerade) nicht betroffen (Kienapfel/Schroll in WK2 StGB Â§Â 228 RzÂ 4Â f; Roitner SbgK Â§Â 228 RzÂ 12, 51; 13Â OsÂ 132/18p mwN).
3.Â Zur falschen Beweisaussage nach Â§Â 288 AbsÂ 1 StGB (SchuldspruchÂ III):
Mit Blick auf den Wegfall der Ã¼brigen SchuldsprÃ¼che (vgl Â§Â 58 AbsÂ 2 StGB) des Willem B***** wÃ¤re â€“ mangels Feststellungen zu sonstigen verjÃ¤hrungshemmenden UmstÃ¤nden (vgl Â§Â 58 AbsÂ 3 StGB) â€“ dessen am 2.Â MaiÂ 2012 begangene, (auch â€“ vgl IIÂ E) dem Vergehen der falschen Beweisaussage nach Â§Â 288 AbsÂ 1 StGB (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren â€“ VerjÃ¤hrungsfrist nach Â§Â 57 AbsÂ 3 StGB daher: fÃ¼nf Jahre) unterstellte Tat (USÂ 22) bei UrteilsfÃ¤llung in erster Instanz ebenfalls bereits verjÃ¤hrt gewesen (ZÂ 9 litÂ b â€“ vgl abermals RIS-Justiz RS0122332 [T1], RS0118545, RS0091794 [T4]).
Die teils zutreffend geltend gemachte (2.), teils von Amts wegen wahrzunehmende (1. und 3.) materielle Nichtigkeit fÃ¼hrt in Ãœbereinstimmung mit dem Croquis zur Aufhebung des angefochtenen Urteils wie aus dem Spruch ersichtlich bereits bei der nichtÃ¶ffentlichen Beratung (Â§Â 285e StPO, teils iVm Â§Â 290 AbsÂ 1 zweiter Satz erster Fall StPO).
Mit ihren Nichtigkeitsbeschwerden im Ãœbrigen waren die Angeklagten â€“ ebenso wie diese und die Staatsanwaltschaft mit ihren Berufungen â€“ hierauf zu verweisen.
HinzugefÃ¼gt sei, dass die â€“ auf der im zweiten Rechtsgang zu schaffenden Feststellungsbasis â€“ fÃ¼r jede (erneut konstatierte) Tat gesondert zu prÃ¼fende VerjÃ¤hrung der Strafbarkeit (Â§Â§Â 57Â f StGB) unter anderem davon abhÃ¤ngt, wie weit die mehreren Â§Â 146 StGB unterstellten Taten je fÃ¼r sich einen Qualifikationstatbestand erfÃ¼llen (RIS-Justiz RS0128998, RS0132829; Marek in WK2 StGB Â§Â 57 RzÂ 12).