Document Number: JJT_20201118_OGH0002_0130NS00087_20B0000_000
ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2020:0130NS00087.20B.1118.000
Case Number: 13Ns87/20b
Application Type: Justiz
Court: OGH
Decision Date: 1605657600000
Word Count: 787

Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 18.Â NovemberÂ 2020 durch den SenatsprÃ¤sidenten des Obersten Gerichtshofs Prof.Â Dr.Â LÃ¤ssig als Vorsitzenden sowie die HofrÃ¤tin des Obersten Gerichtshofs Mag.Â Michel, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Oberressl und die HofrÃ¤tinnen des Obersten Gerichtshofs Dr.Â Brenner und Dr.Â Setz-Hummel in Gegenwart des SchriftfÃ¼hrers Dr.Â Koller in der Strafsache gegen Salah Z***** und einen anderen Angeklagten wegen Vergehen des schweren Diebstahls nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5 StGB in dem zu AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck und zu AZÂ 115Â HvÂ 39/20b des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien zwischen diesen Gerichten gefÃ¼hrten ZustÃ¤ndigkeitsstreit nach AnhÃ¶rung der Generalprokuratur in nichtÃ¶ffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Spruch
Das Verfahren gegen Alfredo M***** ist vom Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien zu fÃ¼hren.
Text
GrÃ¼nde:
Mit am 19.Â MÃ¤rzÂ 2020 beim Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien zu AZÂ 115Â HvÂ 39/20b eingebrachtem Strafantrag legte die Staatsanwaltschaft Wien Salah Z***** ein als Vergehen des Diebstahls durch Einbruch nach Â§Â§Â 127, 129 AbsÂ 1 ZÂ 1 StGB beurteiltes Verhalten zur Last.
Mit VerfÃ¼gung vom 20.Â MÃ¤rzÂ 2020 ersuchte die Einzelrichterin des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien um AktenÃ¼bersendung hinsichtlich des beim Bezirksgericht Innsbruck gegen Salah Z***** gefÃ¼hrten Verfahrens AZÂ 29Â UÂ 171/19k zur Einbeziehung in das Verfahren AZÂ 115Â HvÂ 39/20b des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien.
Mit am 16.Â AprilÂ 2020 beim Landesgericht Innsbruck eingebrachtem Strafantrag legte die Staatsanwaltschaft Innsbruck Salah Z***** und Alfredo M***** jeweils dem Vergehen des schweren Diebstahls nach Â§Â§Â 127, 128 AbsÂ 1 ZÂ 5 StGB subsumiertes Verhalten zur Last (ONÂ 7 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck).
Die Einzelrichterin des Landesgerichts Innsbruck Ã¼bermittelte nach dokumentierter PrÃ¼fung des Strafantrags am 21.Â AprilÂ 2020 mit VerfÃ¼gung vom selben Tag den Akt dem Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien zu AZÂ 115Â HvÂ 39/20b zur Verfahrensverbindung (ONÂ 8 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck).
Nach Verbindung der beiden Verfahren am 28.Â AprilÂ 2020 (ONÂ 10 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck) schied der Einzelrichter des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien in der Hauptverhandlung vom 29.Â MaiÂ 2020 das Verfahren gegen Alfredo M***** â€žzur Vermeidung von VerzÃ¶gerungen in der Haftsache gegen Z*****â€œ aus (ONÂ 9 SÂ 4 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck).
Am 19.Â AugustÂ 2020 Ã¼berwies der Einzelrichter des Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien das ausgeschiedene Verfahren gegen Alfredo M***** an das Landesgericht Innsbruck â€žzustÃ¤ndigkeitshalber gemÃ¤ÃŸ Â§Â§Â 36 AbsÂ 3, 38 StPO (Tatort: I*****) unter Hinweis auf das rechtskrÃ¤ftige Urteilâ€œ gegen Z***** (ONÂ 9 SÂ 1 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck).
Das Landesgericht Innsbruck bezweifelte seine ZustÃ¤ndigkeit und legte die Akten dem Obersten Gerichtshof nach Â§Â 38 letzter Satz StPO vor (ONÂ 11 in AZÂ 25Â HvÂ 34/20a des Landesgerichts Innsbruck).
Rechtliche Beurteilung
GemÃ¤ÃŸ Â§Â 37 AbsÂ 3 erster Halbsatz StPO sind die Verfahren zu verbinden, sofern zu dem Zeitpunkt, zu dem die Anklage rechtswirksam wird, ein weiteres Hauptverfahren gegen den Angeklagten anhÃ¤ngig ist. Die Verbindung zweier (im Sinn dieser Bestimmung konnexer) Verfahren setzt die Rechtswirksamkeit (Â§Â 4 AbsÂ 2 StPO) beider Anklagen (RIS-Justiz RS0123444 und RS0123445 [T7]) und die (gleichzeitige) AnhÃ¤ngigkeit beider Hauptverfahren (11Â NsÂ 3/19h mN) voraus. Im â€“ hier vorliegenden â€“ Fall des Â§Â 37 AbsÂ 2 zweiter Satz StPO kommt das Verfahren gemÃ¤ÃŸ Â§Â 37 AbsÂ 3 zweiter Halbsatz StPO jenem Gericht zu, bei dem die Anklage zuerst rechtswirksam wurde.
Im Verfahren vor dem Einzelrichter des Landesgerichts tritt die Rechtswirksamkeit der Anklage mit dem positiven Ausgang einer amtswegigen VorprÃ¼fung des Strafantrags durch das Gericht ein. Sie zeigt sich in einem (Real-)Akt, der als Anordnung der Hauptverhandlung (Â§Â 485 AbsÂ 1 ZÂ 4 StPO) im Sinn eines â€“ das Hauptverfahren einleitenden (Â§Â 4 AbsÂ 2 StPO) â€“ contrarius actus zur Ablehnung der Entscheidung Ã¼ber den Strafantrag (Â§Â 485 AbsÂ 1 ZÂ 1 bis 3 StPO) zu begreifen ist (11Â NsÂ 42/20w; RIS-Justiz RS0132157; Oshidari, WK-StPO Â§Â 37 RzÂ 7/1Â f mwN).
Die Verbindung von Verfahren gemÃ¤ÃŸ Â§Â 37 AbsÂ 3 erster Halbsatz StPO ist zwingend, dem Gericht kommt insoweit kein Ermessensspielraum zu (RIS-Justiz RS0128876; Oshidari, WK-StPO Â§Â 37 RzÂ 10).
Vorliegend wurde der beim Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien zu AZÂ 115Â HvÂ 39/20b gegen Z***** eingebrachte Strafantrag zuerst rechtswirksam, indem dieses Gericht mit VerfÃ¼gung vom 20.Â MÃ¤rzÂ 2020 um Ãœbermittlung von Akten des Bezirksgerichts Innsbruck zur Einbeziehung ersuchte. Damit lieÃŸ es die Bejahung der eigenen ZustÃ¤ndigkeit unmissverstÃ¤ndlich erkennen und ordnete solcherart die Hauptverhandlung an (Â§Â 485 AbsÂ 1 ZÂ 4 StPO). Zum Zeitpunkt der Rechtswirksamkeit des Strafantrags im Verfahren des Landesgerichts Innsbruck AZÂ 25Â HvÂ 34/20a am 21.Â AprilÂ 2020 (durch aktenmÃ¤ÃŸig dokumentierte Verneinung von GrÃ¼nden nach Â§Â 485 AbsÂ 1 ZÂ 1 bis 3 StPO) war das Verfahren AZÂ 115Â HvÂ 39/20b des â€“ demnach zustÃ¤ndigkeitsbegrÃ¼ndend zuvorgekommenen â€“ Landesgerichts fÃ¼r Strafsachen Wien noch anhÃ¤ngig.
Daraus folgt, dass die beiden Verfahren aufgrund subjektiver KonnexitÃ¤t zu verbinden waren und das Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien kraft Zuvorkommens gemÃ¤ÃŸ Â§Â 37 AbsÂ 3 zweiter Halbsatz StPO zur FÃ¼hrung des verbundenen Verfahrens zustÃ¤ndig war.
Die nachfolgende (Wieder-)Ausscheidung eines der verbundenen Verfahren aus GrÃ¼nden der ProzessÃ¶konomie (vgl Â§Â 36 AbsÂ 4 erster Halbsatz StPO) ist zulÃ¤ssig. Jedoch bleibt durch eine solche Vorgangsweise die durch KonnexitÃ¤t nach Â§Â 37 AbsÂ 3 StPO begrÃ¼ndete ZustÃ¤ndigkeit unverÃ¤ndert (in Â§Â 36 AbsÂ 4 zweiter Halbsatz StPO normierte Ausnahmen liegen fallbezogen nicht vor), selbst wenn sich fÃ¼r das ausgeschiedene Verfahren bei isolierter Betrachtung ein anderer Ã¶rtlicher AnknÃ¼pfungspunkt ergÃ¤be (vgl RIS-Justiz RS0128876; Oshidari, WK-StPO Â§Â 36 RzÂ 9 mwN).
Daher ist â€“ wie die Generalprokuratur zutreffend ausfÃ¼hrt â€“ das (verbleibende) Verfahren gegen Alfredo M***** vom Landesgericht fÃ¼r Strafsachen Wien zu fÃ¼hren.